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Die reiche sächsische
Denkmallandschaft
Ausgewählte Förderprojekte

Die reiche sächsische
Denkmallandschaft
Eine Auswahl von Förderprojekten
des Denkmalschutz-Sonderprogrammes
von Bund und Land
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen

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Inhaltsverzeichnis
Grußwort
5
(Markus Ulbig, Sächsischer Staatsminister des Innern)
Einführung
Die reiche sächsische Denkmallandschaft
6–9
(Rosemarie Pohlack, Sächsische Landeskonservatorin)
Förderprogramme zum Erhalt der Kulturdenkmale
Sonderprogramm Denkmalpflege
10
Übersichtskarte
12–13
Förderobjekte
Aue-Zelle, Friedenskirche
14–15
(Udo Lorenz)
Beilrode, Ortsteil Großtreben,
16–17
Ziegelei-Ringbrandofen
(Steffen Delang)
Burgstädt, Stadtkirche
18–19
(Steffen Delang)
Chemnitz-Hilbersdorf, Maschinenhaus
20–21
der Seilablaufanlage des ehemaligen
Rangierbahnhofs
(Michael Streetz)
Delitzsch, Stadtkirche St. Peter und Paul
22–23
(Alberto Schwarz)
Dohna, Ortsteil Gamig, Gutskapelle
24–25
(Ralf-Peter Pinkwart)
Dresden, Chinesischer Pavillon
26–27
(Steffen Dörfel)
Dresden, Freigut Eschdorf
28–29
(Steffen Dörfel)
Geyer, Lotterhof
30–31
(Udo Lorenz)
Görlitz, Evangelische Kreuzkirche
32–33
mit Gemeindehaus
(Udo Frenschkowski)
Großenhain, Ortsteil Zabeltitz,
34–35
Barockgarten
(Henrike Schwarz)
Leipzig, Hotel de Pologne
36–37
(Alberto Schwarz)
Leipzig, UT Connewitz
38–39
(Alberto Schwarz)
Löbnitz, Evangelische Kirche
40–41
(Alberto Schwarz)
Lunzenau, Schloss Rochsburg
42–43
(Steffen Delang)
Meißen, Klosterruine „Zum heiligen Kreuz“
44–45
(Steffen Dörfel)
Moritzburg, Marcolinihaus
46–47
(Ralf-Peter Pinkwart)
Niesky, Konrad-Wachsmann-Haus
48–49
(Udo Frenschkowski)
Oschatz, Ortsteil Leuben, Schloss
50–51
(Steffen Delang)
Oybin, Burg- und Klosteranlage
52–53
(Ulrich Rosner)
Pegau, Ortsteil Kitzen, Nikolaikirche Hohenlohe
54–55
(Thomas Brockow)
Pegau, Ortsteil Wiederau, Barockschloss
56–57
(Alberto Schwarz)
Plauen, Evangelische Johanniskirche
58–59
(Thomas Noky)
Schönfeld bei Großenhain, Schloss
60–61
(Steffen Delang)
Torgau, Spalatin-Haus
62–63
(Steffen Delang)
Werdau, Ortsteil Königswalde,
64–65
St.-Jakobi-Kirche
(Torsten Remus)
Wildenfels, Blauer Salon des Schlosses
66–67
(Christine Kelm)
Zittau, Epitaphien
68–69
(Christine Kelm)
Zittau, Noacksches Haus
70–71
(Ulrich Rosner)
Zwickau, Niederes Kornhaus
72–73
(Norbert Oelsner)

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| 5
Grußwort
Liebe Leserinnen und Leser,
Sachsen ist ein Denkmalland. Mit über 103.000 Denk-
malen belegen wir in Deutschland den 2. Platz und haben
zusammen mit Sachsen-Anhalt sogar die höchste Denk-
maldichte. Auf jedes Denkmal kommen bei uns 39 Ein-
wohner.
Unsere Denkmale prägen die sächsischen Städte und
Landschaften, sie sind ein Spiegel der Geschichte. Wir ver-
binden mit den historischen Altstädten, den Schlössern,
Kirchen und Rittergütern Erinnerungen und Gefühle.
Denkmale sind Heimat und Teil unserer Identität. Sie be-
geistern die Menschen im Land.
Es ist deshalb unsere Aufgabe, dieses kulturelle Erbe wei-
ter zu pfl egen und zu erhalten. Seit 1990 haben wir hier
viel erreicht. Zusammen mit dem Bund haben wir über
1 Milliarde Euro im Rahmen der gemeinsamen Städte-
bauförderung für den Denkmalschutz zur Verfügung
gestellt und fast 1 Milliarde Euro für den Erhalt von
Kulturdenkmalen in staatlichem Besitz investiert. Hin-
zu kamen mehr als 500 Millionen Euro aus dem Landes-
programm Denkmalpfl ege. Seit 2013 gibt es in Sachsen
außerdem das Sonderprogramm Denkmalpfl ege, mit dem
zum einen Programme der Beauftragten der Bundes-
regierung für Kultur und Medien kofi nanziert und zum
anderen die Sicherung, Nutzbarmachung, Erhaltung so-
wie Pfl ege besonders hochwertiger oder national wert-
voller Kulturdenkmale gefördert werden.
Besonders wichtig war und ist aber immer auch privates
Engagement. Denn Denkmalschutz lebt und fällt mit den
Menschen, die sich dafür einsetzen. Private Denkmal-
eigentümer und Initiativen bringen neues Leben in alte
Gemäuer. Stiftungen und Organisationen helfen dort, wo
Bundes- oder Länderprogramme nicht greifen oder die
Eigenmittel fehlen.
Der Erfolg kann sich sehen lassen. Mittlerweile sind
über zwei Drittel unserer Baudenkmale saniert und im-
mer mehr junge Menschen setzen sich aktiv für ihren
Erhalt ein. Dieses Engagement will die Sächsische Staats-
regierung weiter fördern und vergibt dafür jedes Jahr
den Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis.
Die Broschüre zeigt eine Vielfalt an Beispielen von Ob-
jekten, die mit Mitteln des Denkmalschutz-Sonderpro-
grammes des Bundes und des Landes gefördert wurden.
Ich lade Sie herzlich ein, sich mit Neugier diese Broschüre
zu erschließen, sich am kulturellen Erbe zu erfreuen und
somit auch künftig mit Interesse, Freude und Lust an
der Bewahrung und Erhaltung unserer Denkmale mitzu-
wirken.
Markus Ulbig
Sächsischer Staatsminister des Innern

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Einführung
Die reiche sächsische
Denkmallandschaft
Wir können stolz sein auf die inzwischen in großen
Teilen wieder gewonnene, wunderbare sächsische Denk-
mallandschaft, die allerdings weiterhin dringend der Un-
terstützung und Pflege bedarf. Noch sind die Erfolge
nicht überall gesichert. Vor allem in strukturschwachen,
oft grenznahen Räumen ist zwar schon viel geschafft,
aber ebenso viele Denkmale sind noch unsaniert und we-
gen langer Leerstandszeiten nicht mehr lange zu halten.
Aufgrund der demografischen Situation fehlen finanz-
kräftige Bauherren und Nutzer. Das macht die Orte nicht
attraktiver und die bisherigen erfolgreichen Investitionen
verlieren an Wert – die Ortskerne drohen zu kippen.
Deshalb sind wir froh, dass die Städtebauförderung wei-
ter geführt wird und seit einigen Jahren zudem ein Denk-
malschutz-Sonderprogramm des Bundes und des Landes
neu aufgelegt wurde.
Sachsens Kulturlandschaften weisen eine große Viel-
falt und Reichhaltigkeit auf, in ihren Landschaftsräumen
ebenso wie in ihrem Denkmalbestand. Die Landschafts-
räume sind sehr unterschiedlich ausgeprägt und begütert.
In reizvollem Wechsel folgen wald-, erz-, mineralien-
und wasserreiche Gebirge, fruchtbare Vorgebirge, Tief-
ebenen, Flusstäler und Heideland. Auch die Vorausset-
zungen für Ackerbau und Viehzucht – Bodenfruchtbar-
keit, Wasserverfügbarkeit, klimatische Verhältnisse, vor-
handene Baustoffe usw. – differieren stark.
Bedingt durch die natürlichen Gegebenheiten, entwickel-
ten sich historisch sehr unterschiedliche Formen in den
Besiedelungs- und Baustrukturen. Die eindrucksvolle
Reichhaltigkeit und qualitätvolle Ausprägung der sächsi-
schen Denkmallandschaften geht unter anderem auf frü-
he Silberfunde im Erzgebirge zurück. Dieser wirtschaft-
liche und innovative Schub wirkte sich auf das ganze
Land aus. Es entwickelte sich eine reiche Baukultur, die
den Maßstäbe setzenden Bauten des kunstsinnigen und
repräsentationsfreudigen Herrscherhauses zu verdanken
war – zahlreiche Kulturdenkmale legen noch heute un-
mittelbares Zeugnis davon ab.
Das Sächsische Denkmalschutzgesetz definiert Kultur-
denkmale als „von Menschen geschaffene Sachen, Sach-
gesamtheiten, Teile und Spuren von Sachen einschließlich
Meißen, Blick zum Burgberg mit Bischofsschloss, Albrechtsburg und Dom

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| 7
Einführung
ihrer natürlichen Grundlagen, deren Erhaltung wegen ih-
rer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen,
städtebaulichen oder landschaftsgestaltenden Bedeutung
im öffentlichen Interesse liegt.“ Diese Werte gilt es zu er-
kennen, zu erforschen, zu dokumentieren, in enger Ver-
bindung und Abstimmung mit den Denkmaleigentümern
zu pflegen und für künftige Generationen zu bewahren.
Für die Realisierung dieses im Sächsischen Denkmal-
schutzgesetz formulierten Auftrages ist das Landesamt
für Denkmalpflege als Fachbehörde zuständig.
Das Sächsische Denkmalschutzgesetz folgt mit diesen
Grundsätzen der schon 1825 im § 1 des „Königlich säch-
sischen Vereins zur Erforschung und Erhaltung vater-
ländischer Alterthümer“ formulierten Aufgabenbeschrei-
bung denkmalpflegerischer Arbeit. Das in den Jahren der
Napoleonischen Kriege in Deutschland gewachsene natio-
nale Selbstverständnis hatte zur verstärkten Würdigung
und intensiveren Beschäftigung mit „vaterländischen Al-
terthümern“ geführt. Dabei kam der Bewahrung der Bau-
denkmale, die zu Symbolen der kulturellen Identität des
Landes wurden und nun vor den Folgen gesellschaft-
licher Umbrüche und der Industrialisierung zu sichern
waren, besondere Bedeutung zu.
Bis heute ist das Interesse der Bevölkerung an ihrem
Herkommen, ihren „Wurzeln“ und ihrem historischen
Umfeld ungebrochen. Dies belegen unzählige private Ini-
tiativen, die stabile Leserschaft der „Sächsischen Heimat-
blätter“, des Kalenders „Sächsische Heimat“, der „Mittei-
lungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e. V.“
oder der „Werte der deutschen Heimat“. Auch dass die
ehrenamtlich gestalteten „Tage des offenen Denkmals“
und die vielen Naturschutzaktivitäten immer attraktiver
und auch immer besser angenommen werden oder dass
das Engagement zum Beispiel im Landesverein Sächsi-
scher Heimatschutz steigt, kann als Indiz für ein wach-
sendes Bevölkerungsinteresse an der jeweils eigenen
Heimatregion verstanden werden.
Manches wirklich Wertvolle, Nachhaltige, Innovative
liegt vielleicht als etwas in einer Landschaft lange Be-
währtes, nur eben Vergessenes oder Bewahrenswertes
unmittelbar vor der Tür. Kulturdenkmale verkörpern auf
spezifische Weise Werthaltigkeit bzw. authentisch „er-
zählende“, gebaute Landesgeschichte. Die Wortstämme,
die Bedeutung von „Wert“ und „Würde“ sind eng mit-
Poppitz, Fachwerkhaus von 1569
einander verwandt. Im Kulturdenkmal sind Wissen und
Können unserer Altvorderen aufgehoben, auch deren
eingebrachte Energie, ihre Haltung, ihr vertrauter Um-
gang mit der Landschaft und den von der Natur ge-
schenkten Werten – im künstlerischen, handwerklichen,
materialästhetischen und ethischen Sinne.
Vielleicht könnte das Erkennen und Bewahren dieser
Werte zur Klärung gegenwärtiger Wertvorstellungen bei-
tragen? Folgte man diesem Gedanken, wäre mit dem Ver-
fall und der Gefährdung der Denkmal- und Kulturland-
schaften unser eigenes Selbstverständnis bedroht oder
zumindest in Frage gestellt. Es ginge unweigerlich mit
diesen kulturellen Werten ein Teil unserer Würde verlo-
ren, gefolgt von einem „Sich-selbst-Vergessen“.
Und mit diesem „Nicht-mehr-Wissen“ wäre unter Um-
ständen eine Entwurzelung verbunden, ein nicht mehr
wirkliches „Zuhausesein“ am Ort. Im größeren Maßstab
hieße das Heimatlosigkeit. Europäisch und global be-
trachtet, ist dies jedoch langfristig mit fatalen Folgen
verbunden. Durch den Verlust eigenständiger Werte und
den Verlust einer erkennbaren kulturellen Individualität
und Prägung einer Kulturlandschaft wird diese beliebig
und unattraktiv, anfangs für Touristen, letztlich auch für
ihre Bewohner.
Eine eigene praktische Anteilnahme an Erhaltung und
Pflege von Kulturdenkmalen der jeweiligen Heimatregi-
on setzt allerdings meist Erwerbschancen oder Lebens-
grundlagen vor Ort voraus. Das Fehlen dieser Erwerbs-
grundlagen erleben derzeit vor allem die nicht im
„Speckgürtel“ der Zentren gelegenen und damit auch
als Pendler-Wohnorte nicht geeigneten Randgebiete, in
denen die Kleinindustrie nach 1990 zusammengebro-
chen ist.

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Einführung
Denkmalpflege ist auch hier kein Allheilmittel, und
Sanierung kann dauerhaft nicht verordnet werden. Wo
kein Nutzer bzw. Eigentümer mehr da ist, fehlen die für
sich selbst und auch für die Gesellschaft Bewahrenden
und Pflegenden, eben die nach dem Sächsischen Denk-
malschutzgesetz für die Erhaltung Zuständigen. Aller-
dings wäre im kulturpolitischen Rahmen eingehender zu
prüfen, ob für die Geschichte und das Selbstverständ-
nis der Regionen wesentliche Objekte „über die Zeit“ ge-
bracht und für die kommenden Generationen erhalten
werden müssten – auch ohne eine momentane Nutzung.
Im Landesamt für Denkmalpflege werden zwei wesentli-
che Aufgaben wahrgenommen. Kernstück der Arbeit ist
das Erkennen, Erfassen und Erforschen der Kulturdenk-
male. Die – aufgrund der ihnen innewohnenden beson-
deren Werte – „erkannten“ Objekte werden in die Denk-
malliste eingetragen. Diese wird permanent gepflegt, neu
Erkanntes aufgenommen, Abgebrochenes oder zu stark
Beeinträchtigtes gestrichen. Die Liste gibt also den aktuel-
len Arbeitsstand wieder; sie kann nie abgeschlossen sein.
Derzeit werden die Ergebnisse der in den 1990er Jah-
ren erarbeiteten „beschleunigten Listenerfassung“ über-
prüft. Als Maßstab gilt eine inzwischen deutschlandweit
anerkannte Wertskala, die auch durch Entscheidungen
der Verwaltungsgerichte gefestigt ist. Sachsen ver-
zeichnet derzeit reichlich 103.000 Einträge. Dabei wird
hausnummergenau gezählt. Dies lässt eine sehr ge-
naue Bearbeitung in der Erfassung und im denkmal-
schutzrechtlichen Verfahren zu, führt aber zu scheinbar
Obercunnersdorf, Ortsbild
überzogenen Denkmalzahlen, die mit der zuweilen mehr
summarischen Zählpraxis in anderen Bundesländern
nicht vergleichbar sind. Das wird allerdings oft über-
sehen. Zu diesem Erfassungsbereich gehören auch die
wissenschaftlichen Sammlungen – Dokumentations-
sammlung, Fachbibliothek, Plansammlung und Foto-
sammlung. Diese wissenschaftlichen Sammlungen zählen
zu den wichtigsten Arbeitsgrundlagen des Amtes.
Die Gebietsdenkmalpflege stellt, einer langen Tradition
folgend, das praktische und fachkundige Begleiten der
Bauherren und Nutzer bei Maßnahmen an Kulturdenk-
malen vor Ort durch die Gebietsreferenten sicher. In en-
ger Zusammenarbeit mit den unteren Denkmalschutz-
behörden liegt hier ein Hauptarbeitsfeld des Landesamtes.
Hierzu gehört auch das Erforschen und Dokumentieren
der Befunde. Unterstützt werden die Gebietsreferenten
durch Spezialisten für Bauforschung, Gartendenkmal-
pflege, Kunstgeschichte, technische Denkmale, Bautech-
nik, Städtebau, Orgeldenkmalpflege und Restaurierung.
Die große Vielfalt der Denkmallandschaft lässt so-
genannte vereinheitlichende, für ganz Sachsen gülti-
ge starre Handlungskonzepte und Standards für die Er-
haltung des baulichen kulturellen Erbes nicht zu. Die
Arbeit am Kulturdenkmal, vergleichbar der des Arztes
am Patienten, ist stets eine individuelle, auf die jewei-
lige Situation und die gegebenen Handlungsspielräume,
auch des Bauherren, mit Augenmaß abzustimmende
Aufgabe.

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Einführung
Im Folgenden werden beispielhaft jüngste Baumaßnah-
men und Ergebnisse an gefährdeten und für die Regio-
nen besonders prägnanten Denkmalen vorgestellt, die
erst mit Mitteln des Denkmalschutz-Sonderprogrammes
von Bund und Land möglich wurden.
Diese zusätzliche Unterstützung ist insbesondere für
Kulturdenkmale hilfreich, für sogenannte „dicke Bretter“,
deren immenser Sanierungsbedarf für die Eigentümer
und Bauherren allein nicht zu bewältigen ist, die aber für
die Denkmallandschaften unverzichtbar sind – und wo
man sich mit schnellem Abriss unwiederbringlich einer
Chance berauben würde.
Wir haben ganz aktuelle und sehr vielfältige Beispie-
le der letzten Förderperioden ausgewählt. So stehen ne-
ben schon vorzeigbaren Ergebnissen viele Denkmale ge-
rade im Bauprozess oder im unsanierten Zustand noch
vor dem Baubeginn. Mit dieser Auswahl wollen wir auf
die Notwendigkeit und die Chancen weiterer Förderung
hinweisen. Die erreichten Ergebnisse und Erfolge zeigen,
dass sich der Mut zur Sanierung trotz schlimmen Ver-
falls dennoch sehr lohnen kann – oft in letzter Minute –
wie beispielsweise beim Kornhaus in Zwickau oder dem
Ringofen in Beilrode, Ortsteil Großtreben.
Im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit ergänzt das
vorliegende Heft, gleichsam aus aktuellem Anlass, unsere
periodisch erscheinenden Jahrbücher, Arbeitshefte, Son-
derpublikationen und Ausstellungen.
Zeithain, Ortsteil Promnitz, Detail des immer noch gefährdeten Schlosses
Inhaltlich schließen wir an die 2011 gemeinsam erar-
beitete Broschüre des Sächsischen Staatsministeriums
des Innern „Denkmalschutz und Denkmalpflege im
Freistaat Sachsen“ mit Beispielen aus 20 Jahren erfolg-
reicher Arbeit am Denkmal an.
Die vorgestellten ermutigenden Beispiele sollen zudem
für eine Wanderausstellung aufbereitet werden, um für
dieses Thema in ganz Sachsen zu werben – wie auch
unser Jahreskalender 2015.
Schließlich noch eine Bitte an die Denkmaleigentümer
und alle, die sich für die lebendige Pflege und Bewah-
rung unserer Denkmal- und Kulturlandschaft einsetzen –
in welcher Position und mit welcher konkreten Aufgabe
auch immer. Wirklich nachhaltig erfolgreich sind wir nur
gemeinsam – und indem wir unsere Kinder mit in diese
Aufgabe einbeziehen. Geld und andere Förderung allein
nützen wenig ohne die Macher und Unterstützer vor Ort
– mit guter fachlicher Begleitung.
Prof. Dr. Rosemarie Pohlack
Sächsische Landeskonservatorin

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Förderprogramme zum Erhalt der Kulturdenkmale
Sonderprogramm Denkmalpflege
Sachsen ist ein reiches Kulturland – geprägt von einer
vielfältigen Geschichte, von Landschaften, die reich an
historischen Altstädten, Kirchen, Schlössern und Her-
renhäusern sowie an Denkmalen der Industrie- und
Gartenkultur sind. Sie begeistern nicht nur uns, son-
dern auch Menschen, die als Gäste, Investoren oder Zu-
wanderer zu uns kommen. Das baukulturelle Erbe ist ein
wichtiger Standortfaktor, der weiterhin in den Focus zu
nehmen ist.
In den vergangenen fast 25 Jahren sind aus Mitteln des
Städtebauförderprogrammes „Städtebaulicher Denkmal-
schutz“ mehr als 1 Milliarde Euro vor allem in den Erhalt
der historischen Altstädte geflossen. Im Landesprogramm
Denkmalpflege wurden im gleichen Zeitraum 500 Millio-
nen Euro für den Erhalt der Denkmale bereitgestellt.
Der Verpflichtung der Eigentümer und Besitzer, die Kultur-
denkmale pfleglich zu behandeln, im Rahmen des Zu-
mutbaren denkmalgerecht zu erhalten und vor Gefähr-
dung zu schützen, steht auf der anderen Seite auch ein
Beitrag des Freistaates Sachsen, dies durch Zuschüsse
nach Maßgabe der dafür zur Verfügung stehenden Haus-
haltsmittel zu unterstützen, gegenüber.
Mit dem Landesprogramm Denkmalpflege unterstützt der
Freistaat Sachsen seit bald 25 Jahren die Denkmaleigen-
tümer finanziell bei der Aufgabe, die Kulturdenkmale zu
pflegen und zu erhalten. Bis zu 60 % des denkmalbe-
dingten Mehraufwandes können gefördert werden. Die
für das Bewilligungsverfahren zuständigen Stellen sind
die unteren Denkmalschutzbehörden, also die Landkreise,
die Kreisfreien Städte sowie einige Städte, die diese Auf-
gabe übernommen haben (Freiberg, Görlitz, Hoyerswerda,
Pirna, Plauen und Zwickau). Aktuell werden pro Haus-
haltsjahr 5 Millionen Euro bereitgestellt.
Das Sonderprogramm Denkmalpflege, aufgelegt zum ers-
ten Mal im Doppelhaushalt 2013/2014, ergänzt das Lan-
desprogramm Denkmalpflege. Es dient der Sicherung,
Nutzbarmachung, Erhaltung und Pflege besonders hoch-
wertiger und national wertvoller Kulturdenkmale. Dies
sind Schlösser, Rittergüter, Herrenhäuser, Sakral- und In-
dustriebauten, Fachwerk- und Umgebindehäuser, deren
Restaurierung oder Sanierung eine besondere fachliche
Begleitung durch das Landesamt für Denkmalpflege er-
fordert. Für das Sonderprogramm Denkmalpflege wurden
durch den Freistaat Sachsen im Haushaltsjahr jeweils ca.
5 Millionen Euro bereitgestellt.
Das Sonderprogramm Denkmalpflege des Freistaates
Sachsen ist ein wichtiges Instrument, um erfolgreich von
den Förderprogrammen der Beauftragten der Bundes-
regierung für Kultur und Medien, insbesondere dem Denk-
malpflegeprogramm „National wertvolle Kulturdenkmäler“
und dem Denkmalschutz-Sonderprogramm, partizipieren
zu können.
Staatliche Förderung ist ein Beitrag zum Erhalt der wert-
vollen Baudenkmale. Genauso bedeutsam für den Er-
halt unserer Kulturdenkmale ist aber auch das Engage-
ment Einzelner, insbesondere ihr Einsatz in Förderverei-
nen, Initiativen und Stiftungen. Die Anstrengungen der
Fördervereine und Stiftungen in Sachsen sind beispiel-
haft, wie das der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der
Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Deutschen Bundes-
stiftung Umwelt sowie der Stiftung KIBA (Stiftung zur
Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland).
Viele Denkmale konnten so nach und nach saniert und
auch einer Nutzung zugeführt werden.
Dieser gute Weg zum Erhalt der besonders hochwertigen
Kulturdenkmale kann mit dem Sonderprogramm Denk-
malpflege fortgeführt werden.
Sächsisches Staatsministerium des Innern
Referat Denkmalpflege und Denkmalschutz

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Übersicht
LEIPZIG
CHEMNITZ
A 4
A 38
Burgstädt
A 4
A 14
A 72
Zwickau
Aue
Geyer
Plauen
Lunzenau
Wildenfels
Delitzsch
Torgau
Kitzen
Wiederau
Löbnitz
Leuben
23
Großtreben
Königswalde
26
30
27
1
9
4
3
15
12 13
21
22
5
14
2
25
19
A 72

| 13
DRESDEN
BAUTZEN
A 4
A 13
A 17
Gamig
Görlitz
Zabeltitz
Meißen
Moritzburg
Niesky
Oybin
Zittau
Schönfeld
Eschdorf
16
17
11
24
7
8
6
18
28 29
10
20

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14 |
Förderobjekt 1
In dominanter Lage am Zeller Berg in Aue erhebt sich
weithin sichtbar die Friedenskirche. Sie wurde 1907
vom Dresdner Architekturbüro Rudolf Schilling & Julius
Graebner entworfen und 1912–14 errichtet. Die quer ge-
richtete, zentralisierende Anlage zeigt den Einfluss ba-
rocker Vorbilder. An das breite, von einem Mansarddach
abgeschlossene Kirchenschiff ist südwestlich der stattli-
che Turm mit einer Vorhalle und Treppenhäusern sowie
gestufter, stumpf abschließender Haube angefügt. Der
rechteckige Altarraum wurde an der Nordostseite ange-
setzt.
Der lichtdurchflutete Innenraum wird durch eine Stuck-
decke mit flacher Kuppel im Zentrum und dreiseitig um-
laufende Emporen geprägt. Die künstlerisch anspruchs-
volle Ausstattung zeigt Formen des maßvollen Jugend-
stils. Die Kirche hat sich als weitgehend authentisches
Beispiel des Kirchenbaus in Sachsen zu Beginn des
20. Jahrhunderts erhalten.
Nachdem 2002/2005 die Obergeschosse und die Haube
des Turmes mit Zuwendungen des Freistaates Sachsen
instandgesetzt werden konnten, ergab sich durch die
großzügige Förderung aus dem Sonderprogramm von
Bund und Land die Möglichkeit, die Arbeiten am Äuße-
ren der Friedenskirche fortzusetzen. Der originale Glatt-
putz wurde zum größten Teil erneuert, die Bauplastik
restauriert und die Fassade in einem hellen, sand-
farbenen Ton gestrichen. Teilweise erfolgten konstrukti-
ve Sicherungsmaßnahmen am Mauerwerk. Bei den Fens-
tern unterhalb der Emporenebene kam aufgrund der
Schäden nur eine Erneuerung unter Beibehaltung der
originalen Abmessungen, der Gliederung und der Pro-
filierung in Betracht. Die vorhandene Dachdeckung mit
Asbestfaserzementplatten wurde durch eine naturrote
Biberschwanz-Doppeldeckung ersetzt. Pünktlich zum
Festgottesdienst am 23. März 2014 anlässlich der 100-
Jahrfeier der Friedenskirche waren die Arbeiten abge-
schlossen.
Aue-Zelle
Friedenskirche
Ansicht von der Hangseite mit Dachkehlen in Biberschwanzdeckung
Hauptportal

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| 15
Turmfront mit Hauptportal

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16 |
Förderobjekt 2
Jahrzehntelang fristete das markante Bauwerk am Ran-
de des nördlich von Torgau gelegenen Dorfes Großtre-
ben ein eher unscheinbares Dasein. Die Produktion war
bereits zu DDR-Zeiten eingestellt worden, und mit zahl-
reichen Stallungen hatte sich in den letzten Jahren auf
dem Gelände der früheren Ziegelei eine Putenfarm eta-
bliert. Deren Besitzer zeigte an dem Bauwerk zunächst
wenig Interesse. So verschlechterte sich der Zustand
zusehends: Der mittig stehende Schornstein war an sei-
nem Kopf geborsten und drohte auseinanderzubrechen.
Auch die hölzernen Überbauten der Brennkammern, die
zum Trocknen der Steine dienten, hatten ihren kraft-
schlüssigen Verbund verloren. Ihre Dächer waren be-
reits eingestürzt.
In dieser Situation fanden 2007, organisiert durch einen
ehrenamtlichen Denkmalpfleger aus Torgau, Interessier-
te aus dem Ort und seiner Umgebung zusammen. Sie
erhielten Unterstützung durch einen regionalen Dach-
verein und bemühten sich um Verständnis beim Eigen-
tümer. Bürgerschaftliches Engagement führte zu einer
Bestandsaufnahme, Sicherungskonzepte wurden ent-
worfen und Finanzierungsmöglichkeiten erkundet. Par-
allel dazu erfolgten Recherchen, die als Bauzeit für den
Ringofen die Jahre 1861–65 ergaben und nach einiger
Zeit auch die Gewissheit brachten, dass das Bauwerk
in Deutschland der älteste noch vollständig erhaltene
Ofen der Hoffmannschen Bauart ist, die 1859 patentiert
wurde.
Mit diesem Alleinstellungsmerkmal als zusätzliche Mo-
tivation und der Unterstützung durch den Landkreis
ging man schließlich ans Werk. Ab 2010 folgten Schritt
für Schritt die nötigsten Sicherungen der gefährdeten
Substanz und anschließend die systematischen Repara-
turen.
Mittel aus dem Sonderprogramm von Bund und Land
wurden 2011 zugewendet und für die Rettung der Holz-
konstruktionen in Anspruch genommen, nachdem der
Schornsteinkopf erfolgreich gesichert war.
Beilrode, Ortsteil Großtreben
Ziegelei-Ringbrandofen
Blick in die ringförmige Brennkammer

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| 17
Außenansicht
Trockenboden mit saniertem Dach
Instand gesetzte Reifenumfassung der Brennkammer

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18 |
Förderobjekt 3
Dachreiter mit Naturschieferverkleidung
Holzkonstruktion des Dachtragwerkes
Der im Ortsbild der kleinen Stadt nordwestlich von
Chemnitz sehr dominante Bau entstand, wie die Inschrift
am Chorstrebepfeiler dokumentiert, 1522 als spätgotische
Saalkirche. Das stattliche Langhaus endet in einem fünf-
seitig geschlossenen Chor mit markanten äußeren Strebe-
pfeilern, und im Westen erhebt sich über einem massigen
Unterbau ein schlanker neugotischer Turm mit spitzem
Helm. Er wurde im Zuge eines Umbaues 1882 errichtet.
Den Innenraum der Kirche prägt eine barocke Felder-
decke, die man 1717 eingebaut hatte. Gewölbe befinden
sich in der Sakristei und im Untergeschoss des Turmes.
Die letzten Baumaßnahmen begannen 2012. Es hatte sich
gezeigt, dass die im Zuge baulicher Reparaturen 1934
erfolgten Eingriffe am Dachtragwerk nicht ausreichend
waren und wieder zu Schäden geführt hatten. Diese
blieben aber zunächst unbemerkt. Die ursprünglich ge-
planten Reparaturen an der Dachhaut machten deshalb
zunächst größere Maßnahmen zur Gewährleistung der
weiteren Tragfähigkeit des Dachstuhls notwendig. Für die
Kirchgemeinde war dies eine besondere Herausforderung.
Ohne eine außerordentliche finanzielle Unterstützung
wäre die dringende Reparatur nicht möglich gewesen.
Mit Hilfe des Sonderprogramms von Bund und Land
wurden bis 2013 die Schäden im Dachtragwerk, beson-
ders im Bereich der Sparrenfüße, in traditioneller Hand-
werksarbeit behoben sowie die erforderlichen Dach-
deckerarbeiten durchgeführt. Anschließend begannen die
Reparaturen an der Außenhaut des Bauwerkes – an den
Putzflächen, den Natursteinbauteilen wie Pfeilern, Simsen
und Fenstergewänden – die gegenwärtig noch im Gange
sind.
Damit ist es gelungen, gravierende Schäden an einem
der größten Kirchenbauten im Umland von Chemnitz zu
beheben und die vor über zehn Jahren am Turm begon-
nenen Arbeiten zur umfassenden Sanierung des Bau-
werkes fortzuführen.
Burgstädt
Stadtkirche

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| 19
Außenansicht

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20 |
Förderobjekt 4
1886 bis 1902 entstand im nordöstlichen Vorfeld des
Chemnitzer Hauptbahnhofs der Rangierbahnhof Hilbers-
dorf. Er blieb als größter Güterverkehrsknoten der Bahn
im südsächsischen Raum bis 1996 in Betrieb. Aufgabe
eines Rangierbahnhofs ist es, ankommende Güterzüge
waggonweise zu zerlegen und nach vorgegebenen Zielen
neu zusammenzustellen. Üblicherweise werden die Züge
auf einen Ablaufberg geschoben und die Wagen auf dem
höchsten Punkt entkoppelt, um dann selbsttätig in eine
Gleisharfe zu rollen. Rangierarbeiter müssen diese vor
Erreichen der schon stehenden Wagen abbremsen.
Seit 1930 ersetzte hier zur Leistungssteigerung ei-
ne Seilablaufanlage Lokomotiven und Handarbeit. Die
Güterwagen bewegte man mit Hilfe schmalspuriger
Transportwagen, die unter sie gezogen und durch eine
Klappmechanik vorübergehend mit ihnen verbunden
wurden. Die innerhalb des Regelspurgleises laufenden
Transportwagen waren an Endlosseilen befestigt, die
Chemnitz-Hilbersdorf
Maschinenhaus der Seilablaufanlage
des ehemaligen Rangierbahnhofs
Blick in das Maschinenhaus mit den drei Antriebsmaschinen der Endlosseile
aus einem eigenen Maschinenhaus heraus angetrieben
wurden. Das in sachlicher Formensprache als Klinkerbau
errichtete Maschinenhaus ist integraler Bestandteil der
Seilablaufanlage, um deren Instandsetzung und Wieder-
nutzbarmachung sich der Verein „Eisenbahnfreunde
‚Richard Hartmann‘ Chemnitz e. V.“ mit hohem ehren-
amtlichem Engagement bemüht.
2013 war die Sanierung des Maschinenhauses drin-
gend erforderlich geworden. Mit dem Aufbringen neuer
Dachpappe, der Aufarbeitung der originalen Fenster und
Türen sowie der Reinigung, Ausbesserung und Neu-
verfugung der Klinkerfassaden wurden Fachfirmen be-
auftragt. Vorbereitend und begleitend leisteten die Ver-
einsmitglieder 1.500 Arbeitsstunden. Ihr finanzieller Ein-
satz wurde aus dem Sonderprogramm von Bund und
Land unterstützt. Mit dem Abschluss der Arbeiten ist
auch die technische Ausstattung vor weiterem Verfall ge-
sichert.

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Maschinenhaus der Seilablaufanlage mit aufgesetztem Stellwerk 2
Stellwerk 2 mit elektromechanischer Stellwerkstechnik
Für die Bauzeit typische zweifarbige Verfugung

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Förderobjekt 5
Delitzsch
Stadtkirche St. Peter und Paul
Die dreischiffige gotische Backsteinkirche ist das be-
deutendste und wohl auch älteste Bauwerk der Stadt
Delitzsch. Ab 1404 wurde der romanische Vorgängerbau,
von dem Teile im Untergeschoss des Westturmes erhal-
ten blieben, durch einen gotischen Neubau ersetzt. En-
de des 15. Jahrhunderts mussten die oft unterbrochenen
Bauarbeiten schließlich eingestellt werden, und der 1494
geweihte Bau blieb unvollendet. Damit erhielt sich auch
der vom Ursprungsbau stammende Turm, welcher eigent-
lich zum Abbruch vorgesehen war. Seine etwas unpro-
portionierten Turmspitzen stellten eine Art Provisorium
dar. Als die Delitzscher Stadtkirche ab 1889 unter Lei-
tung des vor allem in Hannover wirkenden Kirchenbau-
meisters Conrad Wilhelm Hase erneuert wurde, hatte
man auch eine Veränderung des Turmes geplant, die aber
dann aus Kostengründen unterblieb. Auch bei den seit
1993 andauernden Sanierungsmaßnahmen stand der
Turm nicht im Vordergrund. Zuerst erfolgten Fassaden-
arbeiten und eine Dachsanierung. Gleichzeitig wurde die
spätgotische Innenraumfassung freigelegt und rekon-
struiert. 2006 konnte der restaurierte Altar mit seinen
wiederentdeckten Tafelbildern übergeben werden. Seither
besitzt Delitzsch wieder einen der schönsten Kirchen-
innenräume Nordsachsens.
Die gravierenden Schäden an den Holzkonstruktionen
des Turmes waren lange Zeit unterschätzt worden. Der
genaue Umfang und die davon ausgehende Gefährdung
konnte erst mit Baubeginn festgestellt werden. Die Fi-
nanzierung der Sanierung war nur mit einer Förderung
durch das Denkmalschutz-Sonderprogramm von Bund
und Land möglich.
Glockenstuhl
Altarretabel von 1492

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Blick auf die Südseite von Schiff und Westturmfront

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Förderobjekt 6
Aus den 1950er Jahren stammen die ersten Berichte über
den unwürdigen baulichen Zustand und die beschä-
digten Kunstwerke der Gamiger Gutskapelle, die durch
Nachkriegseinwirkungen stark gelitten hatte. Nachdem
auch in den folgenden Jahrzehnten keinerlei Repara-
tur- oder Instandsetzungsleistungen erfolgt waren, war
das spätmittelalterliche Sakralgebäude in den 1990er
Jahren einsturzgefährdet und seine wertvolle Ausstat-
tung in ihrem Fortbestand bedroht. Daran änderte auch
die in den Jahren 1993/94 erreichte Neueindeckung des
Daches nicht viel.
Schließlich gelangen in den Jahren 2003/06 aus Spen-
den- und Fördermitteln gerade noch rechtzeitig erste
wirksame Sicherungsmaßnahmen an den einsturzgefähr-
deten Wänden und Gewölben, dem Turm und der Innen-
treppe. Als erstes umfassendes Sanierungspaket erfolg-
ten im Jahre 2010 die systematische Instandsetzung
der Bruchsteinmauern, die Sanierung der spätgotischen
Sterngewölbedecke einschließlich der zugehörigen ge-
kehlten Tragpfeiler, die Reparatur und Erneuerung von
Tür- und Fenstergewänden, Maßwerk und Verglasungen
sowie die Restaurierung der noch erhaltenen Substanz-
anteile von Altar, Kanzel, Totenschilden, Steinepitaph
und Ausstattungsfiguren. Die dafür erforderlichen Mittel
wurden aus dem Sonderprogramm von Bund und Land
und aus Spendengeldern gewährt.
Damit war das Gebäude zwar baulich gerettet und im In-
neren als Andachtsraum nutzbar. Es standen aber noch
weitere Arbeiten am Dach, dem Saal im Obergeschoss
und vor allem an den Fassaden aus. Dieses Baupro-
gramm konnte nun im Rahmen eines vierten und letz-
ten Sanierungsabschnittes mit einer nochmaligen För-
derung aus dem Sonderprogramm und einer begleiten-
den Kofinanzierung durch den Freistaat Sachsen und den
Landkreis verwirklicht werden. Damit erstrahlt die im
15. Jh. erstmals errichtete, im 16. und 17. Jh. mehrfach
umgebaute und vergrößerte und in der ersten Hälfte des
19. Jh. in neoromanischen Formen umgestaltete Gutska-
pelle nach Jahrzehnten des Niedergangs und der Ver-
wahrlosung wieder in einem gepflegten denkmalgerech-
ten Erscheinungsbild.
Dohna, Ortsteil Gamig
Gutskapelle
Fenster mit neoromanischem Maßwerk

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Renaissancekanzel
Außenansicht der Kapelle im Gutspark
Gewände mit einem original gefassten Türblatt der Renaissance

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Förderobjekt 7
Der 1911 in Shanghai gefertigte so genannte „Chinesische
Pavillon“ war offizieller Beitrag des kaiserlichen Chinas
zur ersten „Internationalen Hygiene-Ausstellung“ in
Dresden, einer wegweisenden Unternehmung der weltweit
Einfluss gewinnenden „Lebensreformbewegung“. 1912 er-
warb die 1922 nach Dresden eingemeindete Gemeinde
„Weißer Hirsch“ den kaiserlichen Staatspavillon und ver-
setzte ihn als stadträumlichen Abschluss und Akzent in
den an die Kuranlagen angrenzenden „Rathausgarten“.
Der Pavillon ist heute das einzig erhaltene Gebäude je-
ner Ausstellung und somit bedeutender, großenteils au-
thentisch überkommener Sachzeuge der „Lebensreform-
bewegung“ in Deutschland. Zudem ist er ein wesentli-
ches Glied in der Rezeptionsgeschichte chinesischer Kul-
tur in Sachsen und Deutschland. Gerade Dresden mit
seinen Sammlungen und Großbauten des achtzehnten
Jahrhunderts darf als besonderer Ort einer europäischen
„Asien-Begeisterung“ gelten.
Dresden
Chinesischer Pavillon
Der zunächst als Lese- und Trinkhalle der Kuranlagen
und später jahrzehntelang als Restaurant dienende
Pavillon fiel 1997 einem Brand anheim. Leer stehend und
zunehmend der Verwahrlosung überlassen, ist es maß-
geblich dem 2007 zur Rettung des Gebäudes gegrün-
deten Verein „Chinesischer Pavillon zu Dresden e. V.“
zu danken, dass diesem architektonischen Kleinod im
Herzen der einstigen Kuranlagen eine Zukunft gege-
ben werden konnte. Ambitionierte Absicht ist, das Ge-
bäude als lebendigen Ort kultureller, wissenschaft-
licher und wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen
China und Deutschland zu etablieren. Durch die finan-
zielle Unterstützung zahlreicher Bürger und Förder-
mittelgeber gelang es in den vergangenen Jahren, die
notwendigen Sanierungsarbeiten weit voranzubringen.
Stellvertretend seien die Ostdeutsche Sparkassenstif-
tung, die Rudolf-August-Oetker-Stiftung, das Sonder-
programm von Bund und Land sowie die Stadt Dresden
genannt.
Gesamtansicht auf einer Postkarte von 1914

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Detail während der Instandsetzungsarbeiten

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Förderobjekt 8
Dresden
Freigut Eschdorf
genutzten Anwesens aufgegeben, und es folgten Jahre
weiteren, zunehmend rascher verlaufenden Verfalls. An-
fragen von Interessenten sahen nicht nur den weitge-
henden Abriss der Bausubstanz, sondern auch eine dem
Ort wenig angemessene Neubebauung vor. Das „Quandt-
sche Gut“ durchlief eine Odyssee – wie so viele Gutsan-
lagen im Lande. Es ist dem außergewöhnlich engagier-
ten Wirken des Mediziners Dr. Herbert Fissan aus dem
Kurort Bad Lippspringe zu danken, dass der in Teilbe-
reichen akut gefährdete Gebäudebestand seit der Über-
nahme durch ihn im Jahre 2007 nicht nur durchgängig
gesichert, sondern inzwischen großenteils saniert werden
konnte. Dabei sind nicht nur bedeutende Teile der Anlage
im Bestand erhalten, sondern bislang unbekannte, auch
in die Zeit Quandts verweisende Raumausmalungen ge-
sichert und in repräsentativen Partien restauriert worden.
Neben der finanziellen Unterstützung durch den Freistaat
Sachsen war die Förderung durch das Sonderprogramm
besonders wichtig.
Stallgebäude, wohl von Gottfried Semper
Das auch als „Quandtsches Gut“ oder „Semperhof“ weit
über die Grenzen Dresdens hinaus bekannte Freigut
Eschdorf wurde durch Alexander von Miltitz 1685 bau-
lich erweitert. Die Anfänge reichen jedoch weiter zurück.
Reizvoll in einer Talsenke unterhalb des nahen Kirchber-
ges gelegen und durch einen Landschaftspark ergänzt,
besteht es wesentlich aus vier, einen langgestreckten Hof
fassenden Einzelbauten des 16. bis 19. Jahrhunderts. Be-
sondere Bedeutung erlangte das Anwesen nach 1830, als
es zur Wohn- und Wirkungsstätte des berühmten Kunst-
schriftstellers und Mäzens Johann Gottlob von Quandt
wurde. Der mit Goethe befreundete Quandt war Förderer
vieler bedeutender Künstler seiner Zeit. Die von ihm ver-
anlassten baulichen Unternehmungen im Freigut werden
dabei zumindest in Teilen mit dem ihm nahe stehenden
Gottfried Semper in Verbindung gebracht.
Bald nach 1990 wurde die Nutzung des baulich stark
verwahrlosten, bis dahin überwiegend landwirtschaftlich

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Innenansicht des dreischiffigen Stalls
Blick in den ehemaligen Quandtschen Gutshof
Detail einer illusionistischen Plafondmalerei

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Förderobjekt 9
Eines der bedeutendsten Zeugnisse bürgerlicher Renais-
sancebaukunst im Erzgebirge ist der Lotterhof in Geyer.
Er geht auf den kurfürstlich-sächsischen Baumeister
Hieronymus Lotter zurück, der durch die Erbschaft eines
Zinnbergwerkes nach Geyer gekommen war. Lotter kauf-
te hier den Rittergutshof, ließ die vorhandenen Gebäude
abbrechen und nach eigenen Plänen ein repräsentatives
Wohnhaus errichten, in dem er von 1574 bis zu seinem
Tode 1580 lebte. Das zweigeschossige Gebäude wurde
aus Bruchsteinen über einem winkelförmigen Grundriss
errichtet, sein mäßig geneigtes Dachtragwerk stammt
wohl aus dem 18. Jahrhundert.
Der Zwerchgiebel wurde 1938 nach alten Ansich-
ten rekonstruiert. Die Räume beeindrucken durch ihre
Höhe, die regelmäßig angeordneten Fensterachsen und
den scheibenartigen Wandaufbau mit Fensterbögen und
verzierten Konsolen. Eine Besonderheit sind die 25 Tür-
gewände in unterschiedlichen Formen, mit reicher Pro-
filierung und teilweise ornamentaler Verzierung. Im ers-
ten Obergeschoss hat sich eine kassettierte und bemalte
Holzfelderdecke aus dem 18. Jahrhundert erhalten.
Der Lotterhof stand zu Beginn der 1990er Jahre leer,
1992 konnte aber das Dach neu mit Schiefer gedeckt
werden. Nachdem mehrere Versuche gescheitert wa-
ren, einen Käufer oder eine geeignete Nutzung zu fin-
den, kommen seit 2002 durch das Engagement des
Fördervereins e. V. „Kulturmeile Geyer-Tannenberg“ die
Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten schrittweise
voran. Zuwendungen des Freistaates Sachsen und der
Deutschen Stiftung Denkmalschutz ermöglichten in Teil-
bereichen die Erneuerung von Fenstern, die Restaurie-
rung von Fenstergewänden und die Anfertigung eines
Raumbuches.
Durch eine hohe Zuwendung des Sonderprogramms von
Bund und Land konnten 2014 umfangreiche Sicherungs-
maßnahmen am Mauerwerk, an den Gewölben und Ge-
schossdecken ausgeführt werden. Auch die Ostdeutsche
Sparkassenstiftung unterstützt mit einer großzügigen
Förderung den Fortgang der Arbeiten.
Geyer
Lotterhof
Ansicht von Südost

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Kassettendecke im ersten Obergeschoss
Kassettenfeld mit Fassungsresten
Außenansicht mit Eingangsportal

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Förderobjekt 10
Dieses weithin sichtbare Denkmalensemble der Görlitzer
Südstadt entstand nach Plänen des aus Böhmen stam-
menden
und in Dresden ansässigen Architekten Rudolf
Bitzan
(1872–1938) zwischen 1913 und 1916. Der moderne
Sakralbau vereint in sich unter anderem Stilelemente der
Moderne, des Jugendstils und des Neoklassizismus. Mit
der Gestaltung der Freiflächen wurde eine wohlgestaltete
architektonische Einheit geschaffen. Als der Architekt
Bitzan zum Kriegsdienst eingezogen wurde, übernahm
der Görlitzer Architekt Paul Gerhard Röhr, der seit 1907
Gemeindeältester war und als Jurymitglied am voran-
gegangenen Architektenwettbewerbes mitgewirkt hatte,
kostenlos die Bauleitung.
Das Ensemble ist im Äußeren und Inneren, besonders
der reichen Innenausstattung der Kirche, weitgehend au-
thentisch erhalten geblieben.
Mit der ersten Instandsetzung und Restaurierung in den
Jahren von 1982–1990 konnte der bauliche Verfall zwar
in einigen Bereichen gebremst, aber nicht vollständig
aufgehalten werden. Durch Bereitstellung von Mitteln
des Sonderprogramms von Bund und Land ist es nun
möglich geworden, das mittlerweile durch das defekte
Dach akut gefährdete Pfarr- und Gemeindehaus zu retten
und die bauliche Hülle denkmalgerecht instand zu setzen.
Damit konnten wichtige Räumlichkeiten wieder genutzt
werden, und die Vertreter der Kirchgemeinde gehen mit
großem Elan an die Planung weiterer notwendiger Bau-
unterhalts- und Restaurierungsarbeiten.
Görlitz
Evangelische Kreuzkirche mit Gemeindehaus
Auffahrt mit Vorhalle
Portalsituation in der Turmfront

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Seitenansicht mit Gemeindehaus

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Förderobjekt 11
Großenhain, Ortsteil Zabeltitz
Barockgarten
Blick über das Spiegelbassin zu Palais und Kirche
In der Stadt Großenhain hat sich mit dem Herrschafts-
sitz im Ortsteil Zabeltitz ein beachtliches Zeugnis für
das Wirken bedeutender Vertreter der sächsischen kur-
fürstlichen Familie und weiterer einflussreicher Adels-
geschlechter nahezu komplett erhalten. Mit dem Alten
Schloss – einem charakteristischen Werk der deutschen
Spätrenaissance –, dem Neuen Barockpalais des Reichs-
grafen von Wackerbarth (1662–1734) sowie dem äußerst
qualitätvollen barocken Garten ist das Ensemble ein
wichtiger Bestandteil des nationalen Kulturerbes von Ar-
chitektur und Gartenkunst.
Die Lage des Herrschaftssitzes in der Aue der Großen
Röder sowie deren Wasserreichtum ermöglichten die Ent-
stehung der Zabeltitzer Wasserkunst. Bereits in den Karten
des 16. Jahrhunderts sind erste Teiche dokumentiert. Ihre
streng geometrische Form erhielten sie im frühen 18. Jahr-
hundert. Der größte von ihnen – der Inselteich – liegt
westlich der barocken Mittelachse und wird von Linden-
alleen gerahmt.
Aus den reichhaltigen Quellen der Rokokozeit werden
die beiden Grundfunktionen eines Gartens – schön und
nützlich in einem – auch für den Inselteich dokumentiert.
Er ist nicht nur Ort der Fischzucht, sondern auch der
Himmelsspiegel im Garten. In ihm sind das Schwanen-
häuschen und die Insel mit Bogenbrücke malerisch „à
la chinoise“ in Szene gesetzt. Nach der Hüterin des Gar-
tens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Prinzes-
sin Elisabeth von Sachsen (1830–1912), erhielt die Insel
ihren Namen.
Das künstliche Gewässer war durch Verschlammung so-
wie den baulichen Verfall von Brücke und Schwanen-
häuschen in akuten Notstand geraten. Aufgrund stark
unterspülter Ufer drohten historische Alleebäume in den
Teich zu kippen bzw. ganze Wegeabschnitte abzusinken.
Mit der Gesamtsanierung, gefördert durch Bund und Land,
konnten der Inselteich entschlammt, die historische Ufer-
linie, die alleengesäumten Uferwege und das Schwanenhaus
wiederhergestellt sowie die Bogenbrücke zur Elisabeth-
Insel neu errichtet werden.
Auf diese Weise gelang es, den weiteren Verfall eines
Teils der Zabeltitzer Wasserkunst zu stoppen und wichti-
ge Regenerationsmaßnahmen zur Erhaltung eines leben-
den Denkmals einzuleiten.

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Inselteich im Schlosspark
Blick über den Inselteich
Brücke zur Elisabeth-Insel

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Förderobjekt 12
Leipzig
Hotel de Pologne
1895 nach Entwurf des Leipziger Architekten Arwed
Roßbach durch einen Umbau des gleichnamigen Vor-
gängerbaues entstanden, galt das Hotel de Pologne
(Hainstraße 16/18) mit seiner vom Berliner Architekten
Ludwig Heim stammenden Innengestaltung als eine
der feinsten Adressen in Leipzig. Bereits 1917 wurde es
allerdings wegen Unrentabilität geschlossen. Während
sich die Fassade am Stil florentinischer Renaissance-
paläste orientierte, zeigten die Ausstattungen im Inneren,
vor allem in den drei Festsälen, Anklänge an die Dekora-
tionen des preußischen Barock.
Seit 1919 diente das ehemalige Hotel vorwiegend als
Messehaus, und ab 1954 war es Sitz des Leipziger
Messeamtes. Nach einem 15-jährigen Leerstand wurde
der Bau im Jahre 2009 von der Patron Capital und der
Leipziger Stadtbau AG erworben und eine umfassende
Sanierung begann. Zunächst erfolgten Sicherungsmaß-
nahmen im Bereich des vom Hausschwamm befallenen
Daches, an der Fassade und bei den Deckenkonstruktio-
nen. Das Erdgeschoss erhielt seine durch spätere Laden-
einbauten zerstörte Arkadenstruktur zurück.
Umfangreiche Restaurierungsarbeiten erfolgten bei den
weitgehend erhaltenen Festsälen. Nach vierjähriger
Bauzeit stellen sie mit ihrer gründerzeitlichen Pracht
nicht nur einzigartige Zeugnisse früher Hotelkultur dar,
sondern sind heute auch als Räume mit anspruchsvoller
Atmosphäre gefragt. Das übrige Gebäude wird als
Handels-, Büro- sowie Tagungs- und Veranstaltungs-
gebäude genutzt. Im Erdgeschoss befinden sich Laden-
geschäfte. Die Förderung mit Mitteln aus dem Denkmal-
schutz-Sonderprogramm von Bund und Land versteht
sich vor allem als Unterstützung für die Bewältigung
des außerordentlich hohen denkmalbedingten Mehrauf-
wandes.
Festsaal mit Emporennische

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Blick in den Festsaal
Deckenbild im Festsaal
Fassade zur Hainstraße

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Förderobjekt 13
Leipzig
UT Connewitz
Der 1912 in Betrieb genommene Kinobau im Hinterhof
der Wolfgang-Heinze-Straße 12 a im Leipziger Stadtteil
Connewitz zählt zu den frühesten Kinematographen-
theatern der Stummfilmära und ist nach aktuellem For-
schungsstand das älteste weitgehend erhaltene Kino
Deutschlands. Der Name UT geht auf die 1906 gegrün-
dete „Allgemeine Kinematographen Gesellschaft Union-
Theater für lebende und Tonbilder GmbH“ zurück,
der unter dem Markenzeichen U.T. eine deutschland-
weite Kinokette betrieb. Eine besondere Rarität des
Connewitzer Kinos stellt die in Stuck ausgeführte Um-
rahmung der Projektionswand in Form einer ädikula-
artigen Tempelfassade dar.
Zur Rettung des vom Verfall bedrohten Kinos hatte sich
schon 2001 der Verein UT Connewitz e. V. gegründet. Er
setzt sich nicht nur für die Sicherungs- und Instandset-
zungsarbeiten ein, sondern organisiert zugleich in dem
noch nicht endgültig fertiggestellten Kinosaal regelmä-
ßig Konzerte, Filmvorführungen, Lesungen sowie Thea-
terveranstaltungen und hat das Kino zu einem überregi-
onal bekannten Kulturzentrum entwickelt. Ein Teil des
Erlöses kommt der schrittweisen Sanierung zugute. Das
besondere Engagement des Vereins wurde 2012 vom
Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz durch
Verleihung der „Silbernen Halbkugel“ gewürdigt, des
Deutschen Preises für Denkmalschutz. Allerdings ist der
UT Connewitz e. V. auf regelmäßige Unterstützung an-
gewiesen. Die Fördermittel des Sonderprogramms von
Bund und Land wurden vor allem für die Außensanie-
Dachpartie während der Neueindeckung 2006
rung und die Hofbereiche eingesetzt.

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Originaler Türdrücker
Blick auf die stuckierte Rahmung der Projektionswand
Original erhaltenes Türblatt zum Treppenhaus

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Förderobjekt 14
Löbnitz
Evangelische Kirche
Die bereits um 1183/85 erwähnte Kirche Löbnitz (bei
Delitzsch) birgt bedeutende Reste einer romanischen
Basilika und gehört damit zu den ältesten Kirchen Sach-
sens. Erhalten sind Teile des Mittelschiffes, das von 1688
bis 1692 zu einer Saalkirche umgebaut wurde. Als Patro-
natskirche der über mehrere Jahrhunderte am Ort ansäs-
sigen Familie von Schönfeld, die zu den bedeutendsten
Adelsgeschlechtern Sachsen gehörte, verfügt die Kirche
Löbnitz über eine außerordentlich reiche und kunst-
geschichtlich hochrangige Ausstattung. Diese stammt
vor allem aus dem 17. Jahrhundert und hebt mit ihrem
besonderen Wert die Kirche weit über den Rang einer
gewöhnlichen Dorfkirche hinaus. Bemerkenswert ist
vor allem die bemalte Felderdecke. Sie zeigt in 168
Feldern biblische Darstellungen des Alten und Neuen
Testamentes, Bildnisse der Apostel, Kirchenväter, Luthers
und Melanchthons, umgeben von floraler Grisaillemalerei
Blick zur Orgelempore während der Baumaßnahmen
Empore in originaler Farbfassung nach Aufnahme des Bodenbelags
und Darstellungen musizierender Engel. Von großem Wert
sind auch Altar und Kanzel, die aufwändig gestaltete
Patronatsloge und die Bemalung der Emporenbrüstung.
Die seit 2008 andauernde Sanierung der Kirche ist in
erster Linie das Verdienst des engagierten Wirkens ei-
nes Fördervereins. Die Arbeiten begannen mit der Re-
konstruktion des Außenputzes am Kirchturm und Er-
neuerungsarbeiten am Dachstuhl. Die Restaurierung der
Bilderdecke, des Taufsteines und der Patronatsloge sowie
die Sicherung der einsturzgefährdeten Südfassade folg-
ten. Dafür mussten der Förderverein und die Gemeinde
jährlich einen bedeutenden Eigenanteil aufbringen. Mit
der Förderung aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm
von Bund und Land konnten Altar und Kanzel, der
Fußboden, die Emporenmalerei und die barocke Innen-
raumfassung restauriert werden.

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Blick auf die Südseite von Schiff und Westturm

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Förderobjekt 15
Errichtet auf einem Geländesporn über dem linken Ufer
der Zwickauer Mulde, gehört der markante, mit seinem
hohen Turm und den zahlreichen Zwerchgiebeln sehr
einprägsame Bau zu den bekanntesten „Burgschlössern“
in Sachsen. Hervorgegangen ist er aus einer hochmittel-
alterlichen Befestigungsanlage, wandelte sich aber be-
reits am Ende des 15. Jahrhunderts unter Mitwirkung des
obersten kurfürstlichen Werkmeisters Arnold von West-
falen ansatzweise zum frühneuzeitlichen Wohnschloss.
Prägend für die heutige Baugestalt war allerdings der
nach mehrfacher Zerstörung in der Mitte des 16. Jahr-
hunderts erfolgte Wiederaufbau unter Wolf II. von Schön-
burg. Zu dieser Zeit vereinigte man die überkommenen
Baukörper zu einer geschlossen wirkenden Vierflügel-
anlage mit gleichen Traufhöhen.
Seit den 1990er Jahren bemüht sich der Eigentümer –
anfangs der Kreis Rochlitz, später der Kreis Mittweida
und seit 2008 schließlich der Kreis Mittelsachsen –
um eine systematische, umfassende Sanierung der als
Museum genutzten Anlage. Die immensen Kosten einer
in diesem Umfang seit Jahrzehnten nicht mehr durch-
geführten Maßnahme stellten auch für den Landkreis
eine große Belastung dar, so dass für dieses wichti-
ge und bekannte Baudenkmal finanzielle Unterstützung
gesucht wurde.
Mit Mitteln aus den Sonderprogrammen von Bund und
Land wurde 2009/10 der Nebenraum der Kapelle und
ab 2013 der Nordflügel der Vorburg restauriert. Der ei-
gentliche Kapellenraum hatte 1522 ein Netzgewöl-
be erhalten und war schon 1991–97 restauriert wor-
den, jedoch nicht der südlich gelegene Raumteil, der
ursprünglich zur Alten Kemenate gehörte. Noch im
16. Jh. wurde dieser Raum durch einen Bogen geöffnet,
als Erweiterung des schmalen Kapellenraumes einge-
richtet und mit Emporen versehen. Die Arbeiten um-
fassten Reparaturen im Mauerwerk und Gewölbe, die
statische Sicherung der Emporen und den Einbau einer
neuen Treppe.
Nach umfassender restauratorischer Untersuchung er-
hielten Raumschale, Emporen und Wandschränke eine
neue farbige Fassung.
Lunzenau
Schloss Rochsburg
Altarretabel von Andreas Lorentz (1576)

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Netzrippengewölbe von Caspar Kraft (um 1523)
Gewölbeanfänger in Originalfassung
Innenraum mit Blick auf Emporen und Altar

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Förderobjekt 16
Meißen
Klosterruine „Zum heiligen Kreuz“
Die Ruine des Nonnenklosters „Zum Heiligen Kreuz“ in
Meißen liegt in der weiten, durch das Massiv des Meiß-
ner Burgberges dominierten Elbaue, nur wenige hundert
Meter vor den Toren der Domstadt. Im Jahre 1217 wohl
als erster Zisterzienserinnenkonvent der Markgrafschaft
Meißen eingerichtet, gehört es zu den ältesten erhaltenen
Klosteranlagen im Freistaat Sachsen. Seine weit über die
sächsischen Grenzen hinausreichende Wertschätzung und
kunsthistorische Bedeutung ergibt sich dabei wesentlich
aus seiner exponierten Stellung bei der Herausbildung der
Frühgotik in Deutschland. In signifikanter Weise wird der
stilistische Übergang von der Romanik zur Gotik im zeit-
lichen Vorfeld sich anschließender, bedeutender baulicher
Unternehmungen in der Mark Meißen fassbar. Erst ver-
gleichsweise spät – 1568 – als Kloster aufgelöst, erlangte
die im siebenjährigen Krieg teilzerstörte Anlage im begin-
nenden neunzehnten Jahrhundert als wichtiges Inspira-
tionsfeld der Romantik erneut Bedeutung. Die das Anwesen
im 20. Jahrhundert jahrzehntelang prägende Gärtnerei-
nutzung endete in den 1990er Jahren. In der Folgezeit
knüpfte man an ältere Sanierungskampagnen an und
sicherte schrittweise die Ruine. Dabei wurden in gro-
ßem Umfang Mauerwerk und Gewölbe instand ge-
setzt sowie bedeutende mittelalterliche Putzfragmente
gesichert. Ebenso konnten die Überreste eines verdeckt
liegenden steinernen Altarplatzes erschlossen und groß-
flächig verfüllte Kelleranlagen mittelalterlichen Ursprungs
nutzbar gemacht werden. Träger dieser anspruchsvollen
Arbeiten sowohl im Bestand als auch im Bereich der Frei-
anlagen war dabei zunächst die Stadt Meißen, die die
Klosteranlage jedoch in den vergangenen Jahren schritt-
weise an den 1994 gegründeten und im Kloster ansässigen
Verein „Meißner Hahnemannzentrum e. V.“ übergab. Die
Arbeiten wurden dabei immer wieder durch Einzelförde-
rungen unterstützt, so etwa durch die Deutsche Bundes-
stiftung Umwelt, das Sonderprogramm von Bund und
Land, den Freistaat Sachsen und nicht zuletzt die Spar-
kasse Meißen.
Blick in das ehemalige Klosterareal

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Ruinenfragment der Klosterkirche
Portal zur Klausur zwischen dreibogigen Fensteröffnungen
Blick auf die Abrisskante der ehemaligem Einwölbung

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Förderobjekt 17
Moritzburg
Marcolinihaus
Um 1770 entstand unter Kurfürst Friedrich August III.
unweit des Moritzburger Schlosses am Bärnsdorfer Groß-
teich das Fasanenschlösschen mit Mole, Leuchtturm,
Hafen und Dardanellen als verspätetes Rokokoidyll. Das
benachbarte Marcolinihaus wurde in den Jahren 1771/72
durch Graf Camillo Marcolini als eigenes Wohnhaus aus
einem vorhandenen Fasanenwärterhaus um- und ausge-
baut. Marcolini ließ ein Tafelzimmer im Obergeschoss mit
vorzüglichen Wandbildern ausmalen, die denjenigen im
Fasanenschlösschen vergleichbar sind und unter dicken
Übermalungen sondiert und freigelegt werden konnten.
Sie sind dem Maler Johann Christoph Malcke und seinem
Umkreis zuzuschreiben, von dem außer den Bildern im
Fasanenschlösschen keine weiteren Werke erhalten ge-
blieben sind. Nach dem Tod Marcolinis 1814 wurde das
Haus zum Forsthaus umgebaut. Nach langen Jahren der
Vernachlässigung begann 2008 ein örtlicher Gastronom
als neuer Eigentümer schrittweise die Sanierung. Die ein-
sturzgefährdeten Seitenflügel wurden gesichert, mit neu-
en Dachstühlen versehen und neu eingedeckt. Das Haus
erhielt neue Fenster, Gaupen und innere Einbauten. Die
reichen barocken und nachbarocken Befunde wurden do-
kumentiert und ausgewertet; auf zunächst provisorische
Weise konnte der Betrieb als Gasthaus wieder aufgenom-
men werden. Die Instandsetzung des Mittelbaus mit den
wertvollen Wandbildern und einem noch schadhafte-
ren Dach schien den Eigentümer allerdings zu überfor-
dern. Dank der Förderung durch das Sonderprogramm
von Bund und Land in den Jahren 2012/13 konnte auch
dieses Dach erneuert werden, wobei die Dachbalkenlage,
an der sich eine bemalte Decke befindet, durch ein auf-
wändiges Konstruktionsverfahren in situ erhalten werden
konnte. Die Wandmalereien wurden restauriert und in
eine rekonstruierte Raumfassung eingebunden. Originale
Fenster aus der Bauzeit wurden aufgearbeitet. Der wie-
der entstandene Saal erhielt einen neuen Tannenholzfuß-
boden und neue Kronleuchter und kann nunmehr für
festliche Veranstaltungen genutzt werden.
Festsaal im ersten Obergeschoss

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Ansicht der Hofseite
Neueindeckung der Dächer und Freilegungsproben an der Straßenfassade
Wandbild im ersten Obergeschoss nach Freilegung

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Förderobjekt 18
Niesky
Konrad-Wachsmann-Haus
Das Gebäude wurde als „Direktorenhaus“ 1927 für die in
Niesky ansässige Christoph & Unmack AG nach dem Ent-
wurf von Konrad Wachsmann (1901–1980) errichtet. Die-
ses hervorragende Zeugnis klassisch moderner Architek-
tur dokumentiert in besonderer Weise die Industrialisie-
rung der Holzbauweise im frühen 20. Jahrhundert und ist
der einzig bekannte Bau Wachsmanns in Blockbauweise.
Neben dem Sommerhaus für Albert Einstein in Caputh
bei Potsdam ist es zudem der einzige in Deutschland er-
haltene Holzbau dieses bedeutenden Architekten, der
seine internationale Karriere mit dem Nieskyer Bau be-
gann und später in den USA Konstruktionsprinzipien
lehrte, die Grundlagen der Bauentwicklung mit welt-
weiter Wirkung werden sollten. Gemeinsam mit an-
deren Holzbauten der Moderne prägt das Direktoren-
haus wesentliche Bereiche des Nieskyer Stadtbildes. Das
hat jedoch nicht verhindert, dass es nach 1990 15 Jah-
re lang leer stand. 2005 wurde es durch die Stadt Niesky
erworben mit dem Ziel, aus ihm ein Ausstellungs-,
Kultur- und Informationszentrum zum Thema „Holz-
bauten der Moderne“ entstehen zu lassen. In den
Jahren 2010/2011 konnte mit den Mitteln des Sonder-
programms von Bund und Land die Außenhülle denk-
malgerecht saniert werden, bis Ende des 1. Quartals
2014 wurde das Gebäudeinnere restauriert und nutzbar
gemacht. Das sanierte Gebäude ist ein reizvoller Veran-
staltungsort, zugleich aber auch erstes Exponat dieses
interessanten Museums. Die feierliche Eröffnung des
Konrad-Wachsmann-Hauses mit Dauerausstellung ist für
den Oktober 2014 geplant.
Blick aus dem Treppenhaus in einen Wohnraum
Außenansicht vom Garten
Griffmulden einer Schiebetür

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Treppenhaus in originaler Farbfassung

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Förderobjekt 19
Oschatz, Ortsteil Leuben
Schloss
In einer an Dramatik kaum zu überbietenden Aktion
hatte Ende 2004 ein Bürgerverein das Leubener Schloss
erworben, gerade noch rechtzeitig, um drohenden Ein-
stürzen zuvorzukommen und das bereits ruinöse Bau-
werk mit Hilfe staatlicher Fördermittel zunächst zu
sichern.
Das in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene zwei-
geschossige Bauwerk mit Walmdach, lisenengeglieder-
ten Fassaden und beiderseitigen Giebelrisaliten – ein ex-
aktes Erbauungsdatum fehlt ebenso wie ein Baumeister-
name – gehört in seiner schlichten und klaren barocken
Formensprache eindeutig in einen stilistischen Zusam-
menhang mit der Tätigkeit des kursächsischen Ober-
bauamtes in Dresden und seines Oberlandbaumeisters
Johann Christoph Knöffel. Erbaut im Auftrag der Fami-
lie v. Thielau, wurden offenbar Mitarbeiter des Oberbau-
amtes hinzugezogen oder durch Beziehungen zum Hof
von dort Pläne erbeten. Nicht unwesentlich dürften die
Anregungen vom Bau des Schlosses Hubertusburg im
unweit gelegenen Wermsdorf gewesen sein, das unter
Knöffels Leitung ab 1743 grundlegend umgebaut und zur
zweiten Residenz des sächsischen Kurfürsten Friedrich
August II. entwickelt wurde.
Mit der umfänglichen Sicherung der Substanz und dem
Neuaufbau des in großen Teilen eingestürzten Daches wa-
ren zunächst die bescheidenen Möglichkeiten des Vereins
ausgeschöpft, das Schloss aber in seinem Bestand be-
wahrt. Nach wie vor fehlt aber ein Ausbau, das Bauwerk
wird vor allem als gesicherte Ruine für diverse Veran-
staltungen und Führungen, vornehmlich in den Sommer-
monaten genutzt.
Mit Fördermitteln aus dem Sonderprogramm von Bund
und Land konnte der von einem Obelisken bekrönte
Dachreiter repariert werden, der der Außenansicht des
Schlosses ein besonderes Gepräge verleiht. Dank ande-
rer Fördermittelgeber konnte nach längerer Zeit die vom
Hausschwamm zerstörte Decke über dem Foyer ergänzt
werden; in Vorbereitung ist die Abfärbung der Fassaden
nach dem historischen Befund.
Innenraumansicht

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Foyer mit ergänzter Holzbalkendecke
Ansicht der Gartenseite
Treppenhaus

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Förderobjekt 20
Oybin
Burg- und Klosteranlage
Die Burg- und Klosteranlage Oybin ist ein Baudenk-
mal von nationaler Bedeutung. Seit dem 19. Jahrhun-
dert gelangte sie in das allgemeine Bewusstsein als eine
der eindrucksvollsten romantischen Ruinen des Mittel-
alters in Deutschland. Im Einklang mit dem hoch auf-
ragenden Oybin-Felsen stellt sie eine Landmarke von
kaum zu überbietender Wirkung dar. Gelegen an einer
wichtigen mittelalterlichen Handelsstraße, gehörte sie
zeitweise zur böhmischen Krone und dokumentiert da-
mit die enge wirtschaftliche und politische Verbindung
der Oberlausitz zu Böhmen. Durch das Cölestinerkloster,
das Kaiser Karl IV. auf dem Burgareal 1369 als erste Nie-
derlassung dieses Ordens im Reichsgebiet stiftete, ist der
Oybin auch ein bedeutendes Zeugnis monastischer Kultur
und zugleich ein seltenes Beispiel für die Verbindung von
Kloster und Höhenburg. Die 1366–1384 errichtete Klos-
terkirche zählt zu den wichtigsten Monumenten spät-
mittelalterlicher Sakralbaukunst böhmisch-parlerscher
Prägung im östlichen Deutschland. Auch der nordwestlich
vorgelagerte ehemalige Burgbereich mit den mächtigen
Ruinen des Kaiserhauses, des Wohnturms, des Amtshauses
und des Halbschalenturms kündet noch anschaulich von
der historischen Bedeutung der Anlage.
Die durch das Sonderprogramm von Bund und Land ge-
förderten Maßnahmen umfassten die Instandsetzung des
Halbschalenturms mit anschließender Schildmauer zu
einem unterirdischen Verteilerraum (sogenannter Waffen-
keller) sowie vorbereitende restauratorische, bautech-
nische und naturwissenschaftliche Untersuchungen
am Wohnturm als Voraussetzung für dessen geplante
Sanierung. Der Erhaltung und Konservierung der mittel-
alterlichen Steinsubstanz unter Wahrung ihres Ruinen-
charakters galt denkmalpflegerisch besondere Aufmerk-
samkeit, ebenso der fachgerechten Ausführung einer farb-
lich auf das gealterte Steinmaterial abgestimmten Ver-
fugung. Insgesamt konnte damit ein wesentlicher Teil der
Burgruine dauerhaft in seinem Bestand gesichert werden.
Blick in die romantische Ruinenkulisse der ehemaligen Klosteranlage

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Felsmassiv des Oybin mit Klosterruine
Spätgotische Fensteröffnung in der ehemaligen Klausur
Innerer Torturm

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Förderobjekt 21
Pegau, Ortsteil Kitzen
Nikolaikirche Hohenlohe
Die Nikolaikirche in Kitzen, einem kleinen, südwestlich
von Leipzig gelegenen Ort, ist keine gewöhnliche Dorf-
kirche. Ihre baulichen Besonderheiten, die vornehm-
lich in mehreren Bauphasen des 12./13. Jahrhunderts
entstanden sind – einschiffiger, kreuzförmiger Grund-
riss, mächtiger Querwestturm und gerader Ostabschluss
– stehen in Verbindung mit einem Nonnenkonvent,
welcher sich im frühen 13. Jahrhundert hier niedergelas-
sen hatte. Ungewöhnlich ist auch die jüngere Geschichte
der Kirche: Obwohl von der Kirchgemeinde genutzt,
war die Kommune Eigentümerin, bis diese im Jahr 2006
auf ihr Eigentum verzichtete und die Kirche herrenlos
wurde.
Aufgrund dieser Eigentumsverhältnisse waren notwendige
Unterhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen jahre-
lang unterblieben. Im Jahr 2007 nahm sich der „För-
derverein der Kreuzkirche Sankt Nikolai Hohenlohe-
Kitzen e. V.“ des Gotteshauses an, wurde Eigentümer
und begann mit den notwendigen Arbeiten. Die Kirche
befand sich damals in einem gefährdeten Zustand: Die
Dacheindeckung war defekt, das Dachwerk bereits erheb-
Ansicht von Ost
lich geschädigt (Echter Hausschwamm), das aufgehende
Mauerwerk durchfeuchtet.
Inzwischen sind die wichtigsten Maßnahmen abgeschlos-
sen: Es erfolgte zunächst eine Trockenlegung des Mauer-
werks, das spätromanische Südportal wurde restauriert.
Mittlerweise sind auch die aufwendige Instandsetzung
des Dachwerkes und die Neueindeckung abgeschlossen.
Begonnen werden konnte ferner mit der Fassadensanie-
rung sowie der Reparatur der Fenster. Neben der Unter-
stützung durch das Sonderprogramm erhielt das Kultur-
denkmal Fördermittel der Denkmalförderung des Frei-
staates Sachsen, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz,
der Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung sowie der
Integrierten Ländlichen Entwicklung.
Die Maßnahmen wurden begleitet durch intensive archäo-
logische und bauhistorische Untersuchungen, die wich-
tige Erkenntnisse erbrachten und erneut bestätigten: Die
Nikolaikirche in Kitzen-Hohenlohe ist von einer außer-
gewöhnlichen geschichtlichen und kunstgeschichtlichen
Bedeutung, die weit über die Region hinausreicht.

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Portal am südlichen Querhaus
Romanisches Kapitell im Portalgewände
Blick auf die Südostseite

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Förderobjekt 22
Pegau, Ortsteil Wiederau
Barockschloss
Das bis 1705 für den als Reichsfreiherren von Fletscher
geadelten Leipziger Kaufmann und Ratsherrn David
Fleischer errichtete Schloss Wiederau ist eines der kunst-
historisch und baugeschichtlich wertvollsten Zeugnisse
barocker Baukunst des Leipziger Südraumes. Beson-
dere Bedeutung besitzt der von dem Italiener Giovanni
Francesco Marchini mit Wand- und Deckenmalereien
sowie Stuckdekorationen ausgestattete Festsaal. Bekannt
ist Wiederau auch durch Johann Sebastian Bachs welt-
liche Kantate „Angenehmes Wiederau, freue dich in
deinen Auen“, die der Thomaskantor im Jahr 1737 zu
Ehren des neuen Gutsherrn und einflussreichen Beam-
ten am Dresdner Hof, des Grafen Johann Christian von
Hennicke, komponierte. Nachdem das Schloss sowohl
in seiner äußeren Erscheinung als auch mit seiner teil-
weise erhaltenen barocken Ausstattung im Inneren
Gesamtansicht von Nord
ohne wesentliche Veränderungen die Zeiten überstan-
den hatte, war es seit den 1970er Jahren vor allem we-
gen Gründungsproblemen vom Verfall bedroht. Nur
notdürftig gesichert, stand es seit 1976 leer. Von 1994
bis 1997 erfolgten eine Fundamentsicherung und eine
Fassadensanierung. Als Eigentümerin des Schlosses hat
die Stadt Pegau fast 20 Jahre nach einem finanzkräfti-
gen Investor gesucht. 2011 kam endlich ein Kaufvertrag
zustande.
Die dem neuen Eigentümer aus dem Denkmalschutz-Son-
derprogramm von Bund und Land ausgereichten Förder-
mittel wurden für die Rekonstruktion barocker Fenster
und die Rekonstruktion der historischen Fassadenfarbig-
keit sowie für vorbereitende Maßnahmen für die Innen-
sanierung verwendet.

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Deckenbild von Giovanni Francesco Marchini im Festsaal

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Förderobjekt 23
Die Johanniskirche in Plauen erhebt sich weithin sicht-
bar über dem Tal der Weißen Elster und der Syra. Die
das Stadtbild bestimmenden Doppeltürme entstanden in
der Bauphase von 1548 bis 1556. Im 17. Jahrhundert er-
hielten sie geschwungene Turmhauben. Mehrere gro-
ße Umbauten veränderten das Äußere wie das Innere der
Kirche, heute wird sie geprägt durch den Wiederaufbau
nach den Zerstörungen durch amerikanische und briti-
sche Bomber im Zweiten Weltkrieg. Baugeschichtlich be-
sonders wertvoll ist die 1322 errichtete kleine polygonale
Kapelle der Vögte von Plauen zwischen Chor und Nord-
querhaus. Die Johanniskirche zählt heute zu den heraus-
ragenden Kulturdenkmalen der Stadt Plauen.
Im Zusammenhang mit einer neuen Innengestaltung in
den Jahren 1912/13 und dem durch den Ersten Welt-
krieg ausgelösten Ausbau des alten Geläutes wurde
nach Kriegsende mit dem Einsatz von Eisenhartguss-
glocken der Glockenstuhl im Nordturm umgebaut. Nach
über 100 Jahren Dienst der großen und 50 Jahren der
Plauen
Evangelische Johanniskirche
Innenansicht zum Chor
zwei kleineren Glocken waren diese in ihrer Nutzung er-
schöpft und die Schäden am Turm immer deutlicher zu-
tage getreten. Das Geläut musste aus statischen Gründen
verstummen.
Durch die Förderungsmöglichkeiten über das Sonder-
programm von Bund und Land eröffnete sich für die
Johanniskirchgemeinde die Möglichkeit, das Geläut samt
Glockenstuhl instand zu setzen und den Turm statisch zu
sichern. Der Schaft des Nordturmes konnte durch Ver-
nadelung stabilisiert werden. Der Glockenstuhl wurde um
90° gedreht und unter Verwendung historischer Hölzer
aus Eiche erneuert, um ein neues Bronzegeläut aufneh-
men zu können.
Das Ergebnis der gesamten Baumaßnahme ist als sehr
gelungen zu bezeichnen, es genügt höchsten denkmal-
pfl egerischen Ansprüchen. Mit ihrem neuen Geläut ist
die Johanniskirche zu Plauen wieder über der Stadt zu
hören.

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Blick von Nordost auf Kirchenschiff und Doppeltürme

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Förderobjekt 24
Schönfeld bei Großenhain
Schloss
Das Schönfelder Schloss, grundlegend erneuert ab 1882
im Auftrag des Freiherrn von Burgk, der zu dieser Zeit
einer der bedeutendsten Unternehmer im Steinkohleberg-
bau des Döhlener Beckens (heute Freital) war, gehört zu
den architektonisch anspruchsvollsten Schlossbauten des
Historismus in Sachsen. Sein Baumeister Gotthilf Ludwig
Möckel gilt als einer der produktivsten Architekten des
Historismus in Sachsen und Mecklenburg. Er schuf das
Schloss unter Verwendung von Substanz eines älteren
Bauwerkes der Renaissance und entwickelte eine reiche
und qualitätvolle Neorenaissance-Architektur.
Das Schloss, in dem zu DDR-Zeiten eine Schule unterge-
bracht war, blieb im Gegensatz zu vielen anderen Schlös-
sern nach 1990 in Gemeindebesitz und wurde in Teilen
saniert. Bald aber versiegten die anfangs ergiebigen För-
dermittelquellen und die Gemeinde Schönfeld musste
sich auf wesentliche Instandhaltungen beschränken.
Ein wichtiges Anliegen des im Schloss tätigen Förder-
vereins ist die Nutzung des ehemaligen Damenzimmers
im Erdgeschoss des Großen Schlosses, das durch Befall
mit Echtem Hausschwamm in der stuckverzierten Decke
unbrauchbar geworden war. Über mehr als zehn Jahre
währten die Bemühungen zur Schadenbeseitigung. So-
wohl technologisch wie auch finanziell häuften sich Pro-
bleme, die mit der Kraft der Gemeinde und des Förder-
vereins allein nicht zu bewältigen waren.
Erst nach Zuwendung von Fördermitteln aus dem Sonder-
programm von Bund und Land konnten die Arbeiten 2013
aufgenommen werden. Erfahrene Restauratoren ent-
wickelten eine Restaurierungskonzeption, die zügig um-
gesetzt wurde. Dabei konnten sowohl der erforderliche
Holzschutz und die Ergänzungen am Deckentragwerk
gewährleistet werden als auch der Erhalt der originalen
Stuckdecke. Die veränderte farbige Raumfassung wur-
de nach akribischer Befundaufnahme auf ihren einstigen
Zustand zurückgeführt und erscheint nun wieder in den
kräftigen Farben des Historismus. Der Raum soll künftig
der Präsentation von Porzellan dienen. Das Projekt trägt
deshalb die Bezeichnung „Porzellanzimmer“.
Detail einer Stuckkehle

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Ansicht vom Schlosspark
Blick in den Festsaal mit Wandbild und kassettierter Tonnenwölbung
Porzellanzimmer im Turm

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Förderobjekt 25
Torgau
Spalatin-Haus
In seiner Kubatur und den wesentlichen baulichen Struk-
turen stammt das kleine giebelständige Haus (Kathari-
nenstraße 8) von 1493 und ist damit eines der ältesten
erhaltenen Wohngebäude der Stadt Torgau. Ehe es Georg
Spalatin vom Kurfürsten übereignet bekam, fungierte es
als Priesterhaus. Spalatin – Hofkaplan, Geheimsekretär,
Vertrauter und Berater Friedrichs des Weisen – besaß das
Haus zwischen 1523 und 1533, in einer Zeit, da in Torgau
wichtige politische Entscheidungen getroffen wurden
und seine häufige Anwesenheit bei Hofe erforderlich war.
Auch Luther wohnte nachweislich im Hause Spalatins.
Das Haus war früher ein vollständiger Fachwerkbau mit
gleichmäßig gezimmerten Stockwerken, der durch spätere
Reparaturen und Umbauten abschnittweise „versteinerte“.
Offenbar war dieses Fachwerk, von dem Teile erhalten
sind, bereits von Anfang an mit Ziegelsteinen ausgemau-
ert. Während es im Erdgeschoss keine nachweisbar tie-
fer greifende Unterteilung gab, besaß das Haus im Ober-
geschoss eine Diele, eine Küche sowie Kammer und Stube
nach hinten. Später legte man neue Raumstrukturen an.
Detail der Hoffassade
Spätgotischer Dachstuhl mit neuem Überdach, Detail
Am ursprünglichsten erhalten ist der Dachstuhl, der über-
wiegend noch aus der Bauzeit stammt.
Das Gebäude ist sowohl in stadt- wie auch stadtbau-
geschichtlicher Hinsicht einzigartig und macht außerdem
reformationszeitliches Geschehen in der Residenzstadt
Torgau nachvollziehbar. Der Verein für Denkmalpflege
in der Stadt Torgau als Eigentümer verfolgt ein metho-
disch abgestimmtes Konzept der substanzschonenden,
behutsamen Sanierung mit anschließender musealer Nut-
zung zum Wirken Spalatins und zum Wirken von Johann
Walter, dem Begründer der evangelischen Kirchenmusik.
Mit Mitteln aus dem Sonderprogramm von Bund und
Land konnte der Verein eine erste entscheidende Bau-
etappe realisieren, die Sicherung des Daches mit seinem
historischen Tragwerk, was in Anbetracht seiner Schädi-
gung nur mittels zusätzlicher Hilfskonstruktionen, gleich-
sam einem Überdach, möglich war. Die straßenseiti-
ge Fachwerkkonstruktion, die sich nicht mehr erhalten
hatte, wurde nach dem Vorbild des rückwärtigen Giebels
gestaltet.

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Giebel zur Katharinenstraße

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Förderobjekt 26
Das heutige Erscheinungsbild der im Kern romanischen
Saalkirche wird maßgeblich durch die Umgestaltung von
Oskar Mothes aus dem Jahre 1884 geprägt. Der Bau ist
ein aussagekräftiges Beispiel für den Zeitgeist des ausge-
henden 19. Jahrhunderts. In der über 800-jährigen Nut-
zungszeit der Kirche hatten sich erhebliche Risse an den
äußeren Umfassungswänden gebildet. Dieses bautechni-
sche Problem wurde durch die Wahl des in der Region
häufig verwendeten Kohlesandsteins – mit der ihm ei-
genen statischen Instabilität – verstärkt. Als Folge die-
ser Schäden war ein Feuchteeintrag an den Außen-
wänden zu verzeichnen. Begünstigt wurde dies zudem
durch den bei der Instandsetzung 1884 benutzten stark
zementhaltigen Innenputz, der kaum eine Diffusion von
Wasserdampf zuließ. Die Durchfeuchtung der Innenwän-
de erreichte eine Höhe von zwei bis drei Metern. Mit der
durch das Sonderprogramm von Bund und Land gewähr-
ten Förderung war es möglich, Maßnahmen der Sub-
stanzerhaltung und der statischen Sicherung der Decke
vorzunehmen. Für die Wirkung des Innenraumes wird
die Rückkehr zum Zustand von 1884 angestrebt. Bisher
konnte der gesamte Chorbereich einschließlich der Holz-
decke von 1432/33 mit ihrer im 17. Jahrhundert ent-
standenen Engelsbemalung nach einer sehr aufwändigen
Entgiftung älterer Holzschutzmaßnahmen saniert und re-
stauratorisch überarbeitet werden. Der Feuchtehaushalt
der Chorwände wurde durch die Abnahme sperrender
Putze grundlegend verbessert. Der Chor erhielt die Farb-
fassung von Oskar Mothes von 1884. Die Arbeiten des
zweiten Bauabschnitts werden gegenwärtig im Kirchen-
schiff fortgesetzt.
Werdau, Ortsteil Königswalde
St.-Jakobi-Kirche
Blick in den Chor mit Felderdecke und spätgotischem Altarretabel

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Kanzel am Triumphbogen
Kirchenschiff mit frühbarocker Felderdecke und Blick in den Chor
Engel als Trommler von der Felderdecke im Kirchenschiff

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Förderobjekt 27
Schloss Wildenfels verfügt mit dem so genannten
„Blauen Salon“ über ein herausragendes Beispiel der In-
terieurkunst des späten 18. Jahrhunderts. Das Kernstück
bilden die äußerst prachtvollen und mit reichen Sticke-
reien versehenen seidenen Wandbespannungen osmani-
scher Herkunft (um 1700). Eine Restaurierungskonzepti-
on dafür wurde im Rahmen einer Diplomarbeit im Fach-
bereich Textilrestaurierung an der FH Köln entwickelt.
Die Raumschale mit Stuckdecke, Parkettboden, Paneelen
und den Wandbespannungen ist als Einheit zu betrachten,
an deren Wiederherstellung die gleichen hohen konser-
vatorischen Maßstäbe wie an die Restaurierung der Tex-
tilien gelegt wurde, um die Tapetenbahnen ihrem hohen
Wert entsprechend zu präsentieren.
Bei der konservatorisch-restauratorischen Bearbeitung der
Raumschale kam es vorrangig darauf an, die sehr unter-
Wildenfels
Blauer Salon des Schlosses
schiedlich geschädigten und durch frühere Renovie-
rungsmaßnahmen optisch stark beeinträchtigten Ein-
zelbestandteile des Raumkunstwerkes in einen Zustand
zurückzuversetzen, der eine gewisse Alterspatina res-
pektiert und der gleichzeitig ein ästhetisch ausgewoge-
nes und der originalen Gestaltungsabsicht so weit als
möglich entsprechendes Erscheinungsbild darbietet. Die
Rekonstruktion der innenliegenden Fensterläden ließ
dabei nicht nur den historischen Raumeindruck wieder
gewinnen, sondern ist als Lichtschutz für die Seide zu-
gleich ein positiver konservatorischer Aspekt, der auch der
Stabilisierung des Raumklimas dient.
Die Restaurierung der Wandbespannung erfolgte mit
großzügiger Unterstützung der Ostdeutschen Sparkas-
senstiftung, die Restaurierung der Raumschale mit För-
dermitteln aus dem Sonderprogramm von Bund und
Land.
Wandpartie mit Ofennische vor der Restaurierung

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Wandpartie mit Seidenbespannung
Wandpartie mit Ofennische nach der Restaurierung
Detail der Seidenbespannung nach der Restaurierung

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Förderobjekt 28
Zittau
Epitaphien
In Zittau haben sich über 80 Epitaphien namhafter Bür-
ger aus der Zeit nach der Reformation bis zum 18. Jahr-
hundert erhalten. Diese Fülle ist in Mitteldeutschland
singulär und Zeugnis einer besonderen bürgerlichen
Repräsentations- und Gedächtniskultur in Zittau. Neben
dem künstlerischen Wert der Gemälde und Schnitzereien
haben die Epitaphien im Zusammenhang mit den noch
erhaltenen Wohnhäusern und Wirkungsstätten auch ei-
ne außerordentliche historische und kulturgeschichtliche
Bedeutung.
Die Epitaphien befinden sich teils im Besitz des Städti-
schen Museums, teils im Eigentum der Kirchgemeinde.
Seit den 1930er Jahren sind, bis auf Ausnahmen, keine
konservatorisch-restauratorischen Maßnahmen ausge-
führt worden. Zahlreiche Stücke sind zerlegt und über
Jahre teilweise unter ungünstigen Bedingungen einge-
lagert gewesen.
Dementsprechend befanden sie sich teilweise in einem
stark gefährdeten Zustand. Im Rahmen dieses Projek-
tes konnte der gesamte Bestand gesichtet und geordnet
werden. Unter der Maßgabe, mit den zur Verfügung
stehenden Mitteln möglichst viel zu erreichen, lag
der Schwerpunkt der restauratorischen Arbeit auf der
Konservierung. Allein durch eine Oberflächenreinigung
konnte bei ca. 50 Epitaphien sehr viel von der ehemali-
gen Pracht zurückgewonnen werden.
Aus denkmalpflegerischer Sicht besonders zu begrüßen
ist das Bestreben, die konservierten Epitaphien nicht aus-
schließlich museal zu präsentieren, sondern sie nach
Möglichkeit wieder an ihre ursprünglichen Standorte in
den Kirchen zu bringen.
Gefördert wurde das Projekt nicht nur aus Mitteln des
Sonderprogrammes von Bund und Land, sondern auch
von der Landesstelle für Museumswesen, da es sich bei
einem Großteil der Epitaphien sowohl um Ausstattungs-
stücke von Kulturdenkmalen als auch um Museums-
objekte handelt. Weitere Förderer waren die Hermann
Reemtsma Stiftung Hamburg, der Freundeskreis der Kul-
turstiftung der Länder und zwei Treuhandstiftungen der
Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Besonders hervor-
zuheben ist auch das bürgerschaftliche Engagement
privater Spender.
Restaurierte Epitaphien, zwischengelagert auf der Empore der Petri-Pauli-Kirche

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Ev. Petri-Pauli-Kirche, Epitaphien für Gottfried Benjamin Martini († 1733, links) und Johanna Dorothea Böttiger († 1758, rechts)
Epitaphien im Chor der Frauenkirche, vor dem Umbau 1897
Epitaph für M. Weise von 1615 während der Reinigung

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Förderobjekt 29
Zittau
Noacksches Haus
Das Wohnhaus Markt 4 im Zentrum der Altstadt von Zit-
tau, bestehend aus einem viergeschossigen Vorderhaus
zum Markt, zwei Seitenflügeln und einem Rückgebäude
zum Johannisplatz, wurde bis 1689 durch den Zittauer
Kaufmann und Zolleinnehmer Andreas Noack errichtet.
Das einst als Wohn- und Handelshaus dienende Gebäude
zählt mit seinen zwei repräsentativen Fassaden, den
qualitätvollen Sandsteinarbeiten und dem teilweise noch
erhaltenen barocken Innenausbau zu den wertvollsten
und vornehmsten Bürgerhäusern des Frühbarock in Ost-
sachsen.
Die geförderten Maßnahmen umfassten im Wesentlichen
die Instandsetzung der beiden Schauseiten und der Fas-
saden des kleinen Innenhofs. Neben der partiellen Putz-
erneuerung bildeten die Erhaltung und behutsame Kon-
servierung der aufwändigen Natursteinelemente beson-
dere Schwerpunkte, ebenso die handwerkliche Verble-
chung exponierter Bauteile. Vorab wurden die vorhan-
denen Farbfassungen gründlich restauratorisch sondiert.
Vorsaal im ersten Obergeschoss des Vorderhauses, vor der Restaurierung
Da die ursprüngliche barocke Farbigkeit vor allem für
die Marktseite nicht mehr nachzuweisen war, wurden
die Natursteingliederungen hier weitestgehend material-
sichtig belassen, jedoch die Oberflächen durch lasieren-
de Retusche optisch beruhigt. Die geputzten Flächen er-
hielten einen nur leicht kontrastierenden hellen Sandton.
Auf der Seite zum Johannisplatz wurden die aufgeputzte
„Kolossalordnung“ sowie Sockel- und Traufzone grau ab-
gesetzt und die Sandsteingewände entsprechend farb-
lich lasiert. Erneuert wurden auch die Fenster der beiden
Hauptfassaden in Anlehnung an einen Fenstertyp, wie er
im Innenhof noch erhalten und auch fotografisch zumin-
dest für die Marktfassade belegt war.
Insgesamt ermöglichte die Förderung durch das Sonder-
programm von Bund und Land den Abschluss der äu-
ßeren Instandsetzung des seit vielen Jahren leer stehen-
den, baulich gefährdeten Hauses. Damit wurde zugleich
die entscheidende Voraussetzung für die geplante Innen-
sanierung und künftige Nutzung geschaffen.

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Gesamtansicht der Fassade zum Markt

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Förderobjekt 30
Zwickau
Niederes Kornhaus
Gesamtansicht von Südwest
Dachtragwerk nach Ertüchtigung
Das Niedere Kornhaus wurde 1480/81 von dem Zwickauer
Bürger und Amtshauptmann Martin Römer – einem en-
gen Vertrauten der sächsischen Kurfürsten und Herzöge
– erbaut. Es stellt mit 64 m Länge und 19 m Breite den
größten mittelalterlichen Kornhausbau Sachsens dar und
zählt zu den bedeutendsten Speicherbauten Deutsch-
lands. Mit dem Wiederaufstieg des erzgebirgischen Sil-
berbergbaues im späten 15. Jahrhundert entstanden,
zeugt es von der enormen Finanzkraft und Leistungs-
fähigkeit des Bürgertums jener Zeit in einem der wirt-
schaftlich und kulturell führenden deutschen Territorien.
Von außerordentlichem Denkmalwert ist das gewalti-
ge Dachwerk mit seinen ehemals sechs Böden, dessen
liegendes Stuhlgerüst zu den frühesten derartigen Konst-
ruktionen in Deutschland gehört. Fortifikatorisch bildete
das Niedere Kornhaus mit den für die Entstehungszeit
hochmodernen Wehrelementen den mächtigsten Wehr-
bau der Zwickauer Stadtbefestigung.
Nach seiner Nutzung als Kornspeicher, Zeughaus, Teil der
Strafvollzugsanstalt Schloss Osterstein und zuletzt für
Dienstleistung und Verwaltung stand das baulich vernach-
lässigte Gebäude seit seinem Verkauf 1993 leer. Wegen
der inzwischen akut eingetretenen Einsturzgefahr und
des vom Eigentümer gestellten Abbruchantrages drohte
2009 der Totalverlust des Dachwerkes. Mit der Entschei-
dung der Stadt Zwickau, das für ihre kulturelle Identität
unverzichtbare Kornhaus zu erwerben und sofort die Not-
sicherung einzuleiten, wurde noch im gleichen Jahr die
Grundlage zur Erhaltung dieses herausragenden Denkmals
geschaffen. Die Notsicherung mit Hilfe einer spektakulä-
ren Stahlkonstruktion 2009 sowie die Bauwerkssicherung
2010/2011 wäre ohne eine Förderung aus dem Sonder-
programm von Bund und Land – allein mit städtischen
Mitteln – nicht möglich gewesen. Inzwischen zur Stadt-
bibliothek umgebaut, wurde das Zwickauer Kornhaus am
14. September 2014 als eine der modernsten Bibliotheken
Sachsens der Öffentlichkeit übergeben.

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Giebel des Kornhauses mit Neubau über dem Grundriss der ehemaligen Tuchmacherbastei
Blick in den Dachstuhl

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Herausgeber:
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen
Schloßplatz 1, 01067 Dresden
Telefon: +49 351 48430-400
Telefax: +49 351 48430-499
E-Mail: post@lfd.smi.sachsen.de
Internet:
www.denkmalpflege.sachsen.de
Redaktion:
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen
Text:
Autoren siehe Inhaltsverzeichnis
Fotografie:
Blaurock & Nuglisch Werbeagentur, David Nuglisch – alle Fotos außer:
Max Messer (S. 1, 14–15, 18–19, 20–21, 30–31, 42–43, 58–59, 64–65,
67 o. + u. l., 72–73); SMI (S. 5); Landesamt für Denkmalpflege (S. 6–10,
22 r., 34, 57, 66, 67 u. r., 69 u. l., 70); Matthias Helm (S. 26); UT Conne-
witz e. V. (S. 38); Dagmar Groß (S. 58); Gisela Hempel (S. 69 u. r.)
Gestaltung und Satz:
Blaurock & Nuglisch Werbeagentur, Dresden
Druck:
Neue Druckhaus Dresden GmbH
Redaktionsschluss:
September 2014
Auflagenhöhe:
5.000 Stück
Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei:
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verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben.
Sie darf weder von Parteien noch von deren Kandidaten oder Helfern im Zeitraum
von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden.
Dies gilt für alle Wahlen.
Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an
Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben
parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist auch die Weitergabe
an Dritte zur Verwendung bei der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer
bevorstehenden Wahl darf die vorliegende Druckschrift nicht so verwendet werden,
dass dies als Parteinahme des Herausgebers zu Gunsten einzelner politischer Gruppen
verstanden werden könnte.
Diese Beschränkungen gelten unabhängig vom Vertriebsweg, also unabhängig davon,
auf welchem Wege und in welcher Anzahl diese Informationsschrift dem Empfänger
zugegangen ist. Erlaubt ist jedoch den Parteien, diese Informationsschrift zur
Unterrichtung ihrer Mitglieder zu verwenden.
Copyright
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die des
Nachdruckes von Auszügen und der fotomechanischen Wiedergabe, sind dem
Herausgeber vorbehalten.