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Fachtag 2021
Dokumentation

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Fachtag 2021
Kommunale Prävention – Reagieren, bevor es zu spät ist
Gemeinsam sicher im Quartier –
Stadtentwicklung im kriminalpräv. Kontext
Referierende Boris Harbaum und
Barbara Willecke
Sächsisches Staatsministerium für Regionalentwicklung / Inhaberin
Planungsbüro planung . freiraum

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Köln
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Unterschiede und Vielfalt sind die Normalität
Mitwirkung und aufsuchende Beteiligung im Rahmen des Forschungsprojektes DiverCity
Barbara Willecke / Flavia Moroni
Berlin, 05.10.2020
Warum ist eine aufsuchende Beteiligung für Sicherheit-
konzepte wichtig? Was sind die Grundlagen und die
Ideen dahinter?
Die
Rolle
räumlicher
Gerechtigkeit
für
die
sichere
und
inklusive
Gesellschaft
in urbanen Freiräumen verwirklicht und verselbständigt gegenwärtig das, was politisch als inklusive
Gesellschaft verstanden und vielfach gefordert wird. Freiräume, die als räumlich gerechte, inklusi-
ve, soziale Infrastruktur geplant und verstanden werden, geben Miteinander und Austausch Raum.
Sie sind Erprobungs-, Ermöglichungs- und Verwirklichungsräume für die inklusive Gesellschaft, in
der alle gesehen und mit ihren Bedürfnissen berücksichtigt werden. Unterschiedliche Herkünfte,
Lebensalter, Alltage, Bewegungsgrade erzeugen unterschiedliche Alltagsbedarfe und Nutzungs-
verhalten und damit diverse Ansprüche an Raumstruktur und Funktionen (vgl. Barbara Willecke
in Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 2011:13 ff.). Planungen und Beteiligungen, die
räumliche Gerechtigkeit zum Ziel haben und sich ein positives „Wimmelbild“ der inklusiven Ge-
sellschaft vor Augen führen, brauchen Hinwendung zu den Nutzenden und ihren Bedarfen sowie
Präzision im Ordnen sozialer und räumlicher Beziehungen. Dazu gehört auch, dass ehemals do-
minante Gruppen im Rahmen von Umgestaltung nicht verdrängt, sondern eingebunden werden.
Sicherheit im Wohnumfeld und Kompensation von Benachteiligungen
Eine erfolgreiche Strategie zur Herstellung von Sicherheit und räumlicher Gerechtigkeit nach Maß-
stäben und Kriterien von Gender, Diversity und Inklusion ist, Menschen und ihre spezifischen Bedarfe
in den Fokus von Beteiligung und Planung zu nehmen. Damit wird das Ziel verfolgt, Freiräume als
soziale Infrastruktur zu verstehen, zu gestalten und nutzbar zu machen. Unterschiedliche planerische
Handlungsfelder können unter der Perspektive von Gender, Diversity und Inklusion betrachtet wer-
den. Ihnen liegen konkrete Kriterien zugrunde. Das planerische Handlungsfeld Freiraum kann in The-
menbereiche eingeteilt werden, unter Anderem der sozialräumlichen Funktion mit Aufenthaltsquali-
tät und der gestalterischen Qualität (vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 2011:61 ff.)
Die Kriterien von Gender, Diversity und Inklusion sind ebenso geeignet, soziale Brennpunkte in den
Blick zu nehmen, dort bestehendes Verhalten zu analysieren, zu verstehen und auch durch Freiraumge-
staltung Verhaltensänderungen zu ermöglichen. Freiräume sind in besonderer Weise geeignet, einen
Ausgleich für soziale Benachteiligungen, kleine Wohnungen, geringe finanzielle Mittel, wenig Mög-
lichkeiten für Sport, Bewegung, Kultur, gesellschaftliches Engagement und Wirksamkeit zu schaffen.
Freiraumplanung und -gestaltung hat in der Regel nicht den gleichen Stellenwert wie beispielsweise
Straßenbau, Gewerbe oder Gebäudeplanung. Nicht selten wird der Freiraum eher als Begleiterschei-
nung definiert und gehört nicht zu den primären Leistungspaketen. Werden gender-, diversity- und in-
klusionsgerechte Freiräume jedoch bereits in der Budgetverteilung einer Planung aufgewertet und als
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leistungsfähige soziale Infrastruktur wahrgenommen, kann sich seitens Politik, Verwaltung und nicht
zuletzt auch Polizei ein neues Verständnis etablieren. Als selbstverständliche Handlungsfelder müssen
Bedarfsermittlungen und –abdeckungen, Nutzungsfreundlichkeit und –vielfalt, Inklusion, Instandhal-
tung, Erneuerung und Weiterentwicklung in die Haushaltspositionen aufgenommen und mit finanzi-
ellen wie personellen Ressourcen ausgestattet werden. Neben der bereits etablierten Umweltgerech-
tigkeit und der Diskussion zur gerechten Verteilung von Sicherheit in der Stadt (vgl. Internationalen
Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) Eberhard-Karls-Universität Tübingen 2017) würde
mit der Budgetgerechtigkeit ein weiterer wesentlicher Aspekt räumlicher Gerechtigkeit berücksichtigt.
Würden kommunale Investitionen in Bau, Erhalt und Fortschreibung von Freiräumen nach Kriterien
von Gender, Divercity und Inklusion mit dem Ziel räumlicher Gerechtigkeit geplant werden, profitier-
ten insbesondere Bevölkerungsgruppen, die im Sinne einer gerechten Gesellschaft besonderer För-
derung in ihren Quartieren bedürfen. „Sozial leistungsfähige Freiräume können mit Reichtum, Dichte
und Schönheit durch vielfältige Nutzung einen wesentlichen gesellschaftlichen Beitrag leisten“ (Willecke
2018b: 14). Die Verteilung nach den oben genannten Prinzipien der Budgetgerechtigkeit trägt wesent-
lich zu Sicherheit und sozialem Frieden bei, denn der öffentlichen Raum kann insbesondere denjenigen
nutzen, die aufgrund kleiner Wohnungen und fehlender privater Außenräume einen größeren Bedarf
haben. Dies ist auch und gerade in den Alltagsräumen wie dem Wohnumfeld nicht zu unterschätzen.
Mit aufsuchenden Beteiligungsmethoden können und müssen die spezifischen Bedarfe aller Grup-
pen erfasst werden um ortsspezifisch vorhandenes Wissen ergänzen zu können und um Maßnahmen
präzise planen zu können.
Anlass, Arbeitsmethode und Mehrwert von gender-, diversity- und
inklusionsgerechter Beteiligung
planung.freiraum hat über die Jahre unterschiedliche Methoden für Partizipationsprozesse entwickelt
und vielfach erprobt. Diese Methoden haben zum Ziel, im Rahmen von Beteiligung die spezifischen
Bedarfe aller aktuellen und potentiellen Nutzerinnen und Nutzer eines Ortes zu erfahren, ggf. auszu-
handeln und räumlich-funktional zu verorten. In der Folge entstehen interdisziplinäre Konzepte und
Entwürfe zu Raum, Stadt, Landschaft und Garten, die z.B. auch Lichtplanung als Aspekt des individuel-
len Sicherheitsempfindens und akustische Maßnahmen zur Maskierung von Straßenlärm beinhalten.
Arbeitsweise allgemein
Planende, Entscheiderinnen und Entscheider auf Verwaltungs- und politischer Ebene haben Zugriff
auf Flächen und Finanzen und darüber hinaus Verantwortung für die Alltags- und Sicherheitsbedar-
fe ganz unterschiedlicher Nutzungsgruppen. Diese Verantwortung der Landschaftsarchitektur ist für
die Aufgabenbereiche aller Akteurinnen und Akteure zum Thema Sicherheit nicht zu unterschätzen.
Städtischer Raum ist immer das Ergebnis gesellschaftlicher und sozialer Beziehungen, Entscheidungen
und Prozesse. Diese Entscheidungen und Prozesse sollten nicht ausschließlich in den oft üblichen öffent-
lichen oder gesteuerten Veranstaltungsformen stattfinden. Zu diesen Veranstaltungen kommen viele
Menschen nicht, die Gründe dafür sind zahlreich. Neben organisatorischen Aspekten wie Tageszeit, Ort,
eigene Verfügbarkeit, mangelnde Informationen oder auch erwartetet andere Gruppen, sieht Selle die
unterschiedlichen Lebenswelten und Denkvorstellungen, Werteorientierung und Zielvorstellungen als
erhebliches Hemmnis für eine gelungene Beteiligung an. Weitere Aspekte wie verschiedenen System-

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und Handlungslogiken sowie unausgesprochene Erwartungen an den Prozess können zu Frustration aus
bestehenden Formaten führen und damit zu einem Wegbleiben potenzieller Nutzungsgruppen führen.
Ziel ist es deshalb, in einem ausgewogenen Verhältnis mit Stellvertreterinnen und Stellvertretern aller Nut-
zungsgruppen über aufsuchende Methoden ins Gespräch zu kommen, um deren soziale Bedarfe, die
sich beispielsweise aus beengtem Wohnen, unterschiedlichen Modellen von Familien- und Erwerbsar-
beit, diversen kulturellen Hintergründen ableiten, zu ermitteln. Diese sind als Wegweiser für ein gesam-
tes Projekt zu nehmen. Aus unserer Sicht ist also das Aufsuchen, das Ermitteln der Bedarfe der diversen
Gruppen – und zwar, bevor Ziele formuliert, Prozesse definiert oder gar Planungen vorweggenommen
werden, von großer Wichtigkeit. Die Planenden nehmen hier eine moderierende und vermittelnde Rolle
ein und nehmen die Bürgerinnen und Bürger in der Rolle der Expertinnen und Experten ihres Alltags ernst.
Im strategischen Herangehen sind drei Ebenen bzw. Zielfragen der Planungs- und Entscheidungs-
praxis zentral:
‡
,QKDOWOLFKH
ODQXQJ
=LHOH
HUUHLFKW
:DV VROO
ZHUGHQ"
PLW %HWHLOL
‡
3UR]HVV]LHOH
HLOLJXQJVSUR]HVV
ZLH VROO GHU
JHVWDOWHW
3ODQXQJV
ZHUGH
XQG
‡
JHVHOOVFKDIWOLFKHXQGVR]LDOH=LHOHZRGX
HQ6WUXNWXUHQ3UR]HVVXQG(UJHEQL
]XPHKU&KDQFHQJOHLFKKHLW9LHOIDOWXQG,Q
EHL"
Wie ist eine aufsuchende Beteiligung in der Praxis
umsetzbar?
Konzept und Methoden aufsuchender Beteiligung
Die aufsuchende Beteiligung ist ein adäquates Instrument für gleichberechtigte Kommu-
nikation mit verschiedenen Nutzungsgruppen. Je nach Fragestellung kann die aufsuchen-
de Beteiligung direkt mit Betroffenen oder der Bewohnerschaft vor Ort oder mit Stellvertre-
tenden stattfinden. Eine Bedarfsermittlung über Stellvertretende eignet sich vor allem dann,
wenn die Betroffenen selbst z.B. durch Einschränkungen, aus Altersgründen oder aber auf-
grund starker Sprachbarrieren nicht selbst in der Lage sind in Kommunikation zu treten.
Schon die Einladung bzw. die Ansprache direkt vor Ort sollte mehrsprachig stattfinden. Mit Hilfe
z.B. eines Flyers können Ziele sowie Sinn und Zweck der Beteiligung erklärt werden. Die Beteiligten
können sich erst in Ruhe informieren und sich dann entscheiden, an der Beteiligung mitzuwirken.
Von der Beteiligung in die Planung -Übertragung der Erkenntnisse
Die Herausforderung aus den Beteiligungsprozessen besteht in der Übersetzung der geäußerten
Bedarfe und der Prüfung der Relevanz und Übertragbarkeit für die vielfältigen anderen Nutzungs-
gruppen. Hier müssen Konflikte erkannt, benannt und ausgehandelt werden. Unter Berücksich-
tigung von Gender, Diversity und Inklusion erfolgt die Auswertung mit Bezug zu den Nutzungs-
gruppen, um die unterschiedlichen und vielleicht konkurrierenden Bedarfe erkennbar und damit
verhandelbar zu machen. Für die Identifizierung von Potentialen eines Freiraumes oder eines Stadt-
raumes sind Fragen zu klären, wo ein Raum in Bezug auf mögliche Benachteiligungen fördernd
und ausgleichend sein kann, und wo integrative und inklusive Potentiale für die Stadtgesellschaft
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bestehen, die noch nicht ausreichend entwickelt sind. In der Diskussion und in der Übertragung
in Planungen wird Raum, dessen Nutzungen und Ausstattung sowie die Budgetierung sichtbar
gemacht und gerecht verteilt. Es werden Potentiale und Ausgleichsfunktionen eines Ortes für be-
nachteiligte Gruppen kenntlich und nutzbar gemacht. In diesem Prozess erwächst Gerechtigkeit
im Sinne von Chancengleichheit, Vielfalt und Inklusion. Die Auswertung erfolgt mit Bezug zu den
Nutzungsgruppen um die differierenden Bedarfe erkennbar und damit verhandelbar zu machen.
Identifikation unsicherer Orte über aufsuchende Beteiligung
Insbesondere in Beteiligungsprozessen, die eine eher sensible Fragestellung thematisie-
ren und Konflikte oder das persönliche Empfinden über die Nutzung öffentlicher Räume an-
sprechen, sollten Methoden gewählt werden, denen es gelingt, Befragte und die Intervie-
werinnen und Interviewer auf Augenhöhe begegnen zu lassen. Sensible Themen können
beispielsweise die Frage nach Angsträumen oder eigenen persönlichen Erfahrungen im Raum
umfassen. Unsicherheiten entstehen individuell unter anderem je nach Alter, Herkunft, Ge-
schlecht und (Opfer)Erfahrungen, sie können durch Personen oder durch Orte ausgelöst werden.
Über aufsuchende Methoden kann versucht werden, die Personen zu erreichen, die sich norma-
lerweise nicht öffentlich äußern und oft nicht erreicht werden. Für die Beteiligung ist wichtig, dass
die Menschen vor Ort die Expertinnen und Experten ihres Quartiers sind. Sie verfügen über das
Abbildung 1: Szene aus Beteiligung. Quelle: planung.freiraum

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Abbildung 2: Erarbeitung ganzheitlicher raumbezogener Sicherheitskonzepte im Projekt DiverCity Quelle: Anke Schröder (Kriminologische
Forschung und Statistik | Kompetenzzentrum Urbane Sicherheit) überarbeitet von planung.freiraum
spezifische Wissen bezogen auf ihre Altersgruppe, ihr Geschlecht, ihr Fremdheits- oder Heimat-
gefühl, ihren Unterstützungsbedarf, ihre Alltagsbedürfnisse. Als solche werden sie angesprochen
und um Unterstützung gebeten. Die Fragen richten sich nach konkreten Bedarfen, nicht nach
Wünschen, denn nur dann können Sicherheitsaspekte und Unsicherheitsfaktoren erkannt werden.
Im Mittelpunkt der Beteiligung z.B. in Form einer Unterhaltung steht das unmittelbare Alltagserleben von
Personen, das gebunden ist an den vertrauten öffentlichen Raum. Themen des Alltagsgeschehens er-
leichtern es mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und ihren Blick auf sensible Themen zu richten.
Was ist der Beitrag unserer aufsuchenden Beteiligung im
Projekt DiverCity?
Wir wurden beauftragt, im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsprojektes „Sicherheit und
Vielfalt im Quartier –DIVERCITY“ die Beteiligungsformate des Forschungsteams um Formate der
aufsuchenden Beteiligung zu ergänzen.
Im Projekt konnte die Verknüpfung von Gender, Diversity und Inklusion in der Freiraumplanung, mit
der Methode der aufsuchenden Beteiligung in Bezug auf unsichere Orte hergestellt und getestet
werden.
Erarbeitung ganzheitlicher raumbezogener Sicherheitskonzepte
Sicherheitspool
: Plattform für interes-
sensgesteuerte Informationen
(www.div-city.de,
polizei-beratung.de)
Ratgeber zur Formulierung von
Stellungnahmen
- Kriminalpräven-
tion durch Berücksichtigung von
Sicherheitsaspekten in der Bauleit-
planung
(kurbas@lka.polizei.niedersach-
sen.de)
Sozialräumliche und
bauliche
Bestands-
aufnahme sowie
Medienanalyse
zum
Image des Gebietes
Kleinräumige Krimi-
nalitätslagebilder
aus polizeilichen Da-
ten (z.B. PKS, NIVA-
DIS, Hanno usw.)
Aspekte der subjek-
tiven Sicherheit aus
Dunkelfeldbefragun-
gen
Prognoseentwick-
lung
für den Zu-
sammenhang von
Nachbarschaft und
Wohnumfeld mit
GHOLNWVSH]L¿VFKHQ
Ereignissen
Aufsuchende Beteiligung und GDI-
Kriterien durch externes Büro mit
stellvertretenden möglichst aller
Nutzungsgruppen, individuelle
Wahrnehmung und
Sicherheitsgefühl
Begehungen unter sicherheitsrele-
vanten Aspekten mit Expertinnen
und Experten unter Nutzugsaspek-
ten (
Walk around your Hood
)
(www.transit-online.info)
Audit zum sicheren Wohnen
un-
ter Berücksichtigung der Kriterien-
liste für die Planung neuer Bauvor-
haben und für die Selbstbewertung
von Wohnungsbeständen
(www.sipa-staedtebau.de)
Nutzungsorientierte Pläne
zu
konkreten sicherheitsrelevanten
Aspekten
(www.div-city.de)
DIN-Normenausschuss
zur
Kriminalprävention im Städtebau
(www.div-city.de,
polizei-beratung.de)
Analyse der Ebene Kriminalprävention
Primär
: Vermeidung von Gefährdungen und Risiken
Sekundär
: Früherkennung von Störungen, Entwicklung von Maßnah-
men zur Vorbeugung und weiteren Ausweitung.
Tertiär
: Minimierung der Problemsituation. Entschärfung bestehender
Komplikationen, Vorbeugung weiterführender Missstände
Festlegung der Planungsphase
Neubau
: Stadt- und Freiraumentwicklung, Bauleitplanung, Städtebauli-
che oder Freiraumplanerische Wettbewerbe, Investorenprojekte, usw.
Bestand
: Quartiersentwicklung, Umbauplanung, Sanierung, Erneue-
rung öffentlicher Räume usw.
iken
wicklung von Maßnah-
en, individuelle
nd
hl
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Für die Praxisanwendung bedeutet dies für das Projekt DiverCity:
‡
3HUVRQHQ HUUHLFKHQ
OLFK lX‰HUQ
G
durch gängigere Methoden der Beteiligung nicht erreicht werden;
‡
)UDJHQ QDFK NRQNUHWHQ
GDQQ N|QQH
Sicherheitsaspekte, Unsicherheitsfaktoren erkannt werden;
‡
0HQVFKHQ YRU
XDUWLHUV
2UW VLQGP
G
Fachwissen bezogen auf ihre Altersgruppe, ihr Geschlecht, ihr Fremdheits- oder
Heimatgefühl, ihren Unterstützungsbedarf, ihre Alltagsbedürfnisse – als solche werden sie
angesprochen und um Unterstützung gebeten;
‡
0HWKRGHQ PLW
OLFKHQ
6FKZHUSX
5DX
und Senioren, Frauen, Jugendliche (m/w 14 - 21 J.), Kinder (m/w 0 - 14 J.) zu erreichen,
spezifische Nutzungsgruppen differenziert nach Geschlecht und sozialer Rolle, jeweils 10
Personen Minimum gezielt ansprechen;
‡
HUJlQ]HQG ZHUGHQ
|UGHUEHGD
VSH]
Migrationshintergrund in örtlichen Institutionen aufgesucht;
‡
GDV XQPLWWHOEDUH
DQ GHQ YHUW
$OOW
Raum, erleichtert es mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und ihren Blick auf die
Themen des Fragebogens zu richten;
‡
DXV GHQ $QWZRUWHQ
JH]RJHQ
N|QQ
ZH
Sprache sowohl individuelle als auch gruppenspezifische Raumerfahrungen erzeugt u. a. zu
Sicherheit / Unsicherheit, Sicherheitsbedürfnis und Sicherheitsgefühl;
‡
HV KDQGHOWOOYHUWUHWH
VLFK KLHUEH
Nutzungsgruppen, nicht um eine quantitative Arbeit
Wer sollte erreicht werden?
Akquise und Ansprache der Nutzungsgruppen
Im Fokus unserer Arbeit in Bremen und Braunschweig sollten Kinder zwischen 0-14 (männlich und
weiblich), Jugendliche zwischen 14-21 Jahren (männlich und weiblich), Frauen sowie Seniorinnen
und Senioren stehen. Diese Gruppen wurden ausgewählt, weil sie Freiraum häufig nutzen, im Rah-
men von Beteiligungen aber oft wenig präsent sind bzw. nicht erreicht werden. Um diese spezifischen
Gruppen zu erreichen, nahmen wir Kontakt mit Quartiersmanagement, Sportvereinen, Seniorenhei-
men, Kulturrunden usw. auf bekamen jedoch viele Absagen. Die Gründe waren in beiden Städten
ähnlich. Die Gruppen schienen an einem Beteiligungsverfahren kein Interesse zu haben. Wir konn-
ten dafür vier mögliche Ursachen identifizieren:

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I. Das Beteiligungsverfahren des Forschungsprojektes DiverCity diente
keinem konkreten Planungsvorhaben. Aus ihrer Mitwirkung würde sich
also keine konkrete Verbesserung ihres Wohnumfelds ergeben.
II. Im Braunschweiger Quartier wurden offenbar erst kürzlich Befragun-
gen durch Studierende durchgeführt, weswegen die Bewohnerinnen
und Bewohner keinen Grund für eine weitere Befragung sahen (Prob-
lem „Überbeteiligung“).
III. Forschungen und Befragungen werden generell kritisch betrachtet.
Das LKA bzw. die Polizei als Auftraggeber wirkte auf die Gruppen of-
fenbar (zusätzlich) einschüchternd.
IV. Braunschweig Heidberg wird von vielen Leuten als sicher empfun-
den. Es bestand deshalb kein Interesse, sich mit Unsicherheit zu be-
schäftigen.
Weil Verabredungen mit Gruppen demnach nicht möglich waren, entschieden wir, direkt im öffent-
lichen Raum zu agieren und dort Stellvertreterinnen und Stellvertreter der Gruppen anzusprechen,
die wir erreichen wollten. Hierzu suchten wir einen oder mehreren wichtigen Standorte in den ausge-
wählten Quartieren, die tagsüber von möglichst vielen unterschiedlichen Menschen besucht werden.
Kleine Plätze oder Nischen an Stadtteil- oder Einkaufzentren erwiesen sich als besonders geeignet.
Welches Instrument / welche Instrumente wurden einge-
setzt?
Arbeit vor Ort: Beispielinstrument Interviewleitfaden
Anhand eines Interviewleitfadens wurde der Frage nachgegangen, ob Städtebau gut oder böse sein,
sicher oder unsicher machen kann. Mit dem Wissen, dass der „Blick von oben“ und der erste räumli-
che Eindruck genauso täuschen kann wie der soziale Eindruck, wurde dem detaillierten Alltagswissen
der Anwohnerschaft Aufmerksamkeit geschenkt.
Für die Erfassung wurde mit einem Interview- bzw. Dokumentationsleitfaden gearbeitet, der nach
den o.g. Kriterien von Gender, Diversity und Inklusion entwickelt wurde. Der Leitfaden diente der sys-
tematischen Gesprächsführung und wurde vor Ort gemeinsam mit den Teilnehmenden ausgefüllt.
Die Fragen werden begleitet von Piktogrammen und gestützt durch die Möglichkeit, Infor-
mationen und Anliegen durch Buttons und Markierungen in einem Plan konkret zu verorten.
Ziel der Interviews ist es, ortsspezifische positive und negative Aspekte, hier mit Schwer-
punkt Sicherheit, im Quartier nach unterschiedlichen Nutzungsgruppen zu identifizieren.
Ebenso wird nach quartiersübergreifenden sozialen, ökonomischen, politischen und infrastrukturel-
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len Themen gefragt (Wohnungsbau und Mietpreise, Erschließung, Bevölkerungszusammensetzung
und -dominanzen, Angebote).
Abbildung 3: Arbeit am Plan mit Befragten. Quelle: planung.freiraum

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Abbildung 4: Untersuchungsgebiet Braunschweig-Heidberg. Quelle: planung.freiraum
Grünbereiche zwischen Gebäuden
Einkaufsmöglichkeiten in Braunschweig-Heidberg
Was konnte am Beispiel Braunschweig-Heidberg her-
ausgefunden werden?
Allgemeine Einschätzung des Gebietes Braunschweig-Heidberg
Das Untersuchungsgebiet Braunschweig Heidberg ist von sehr homogener Architektur (60er Jahre
Zeilenbebauung) geprägt. Die Bevölkerungsstruktur wird sich in absehbarer Zukunft verändern. Der-
zeit leben hier viele ältere Menschen und Familien mit schulpflichtigen Kindern, da drei Schulen zum
Quartier gehören. Menschen mit osteuropäischer Herkunft (Polen und Russland) gehören zum Stra-
ßenbild, die Bewohnerinnen und Bewohner des nahegelegenen Flüchtlingsheimes fehlen hingegen.
Ebenso sind auffallend wenig junge Erwachsene, Familien mit Kleinkindern unterwegs.
Ältere Menschen leben oft seit langem im Quartier und beschreiben es als angenehm, verweisen
insbesondere auf die guten, langjährigen Nachbarschaften und die Nahversorgung (ärztliche Ver-
sorgung, Einkaufsmöglichkeiten und Gruppenaktivitäten).
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Die befragten Kinder und Jugendliche finden das Quartier hingegen langweilig, beklagen den Man-
gel an Angeboten im Freiraum (viele Grünräume zwischen den Zeilenbauten mit wenig Freirauman-
gebot, ein See als Hauptattraktion, wenige Geschäfte für jüngere Menschen).
Wen haben wir erreicht?
40
Personen insgesamt
13
männlich
27
weiblich
11
Kinder
5
Erwachsene
24
SeniorInnen
29
deutsch
11
mit Migrationshintergrund
19
wohnen im Quartier
21
wohnen außerhalb des Quartiers

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Welche Schlussfolgerungen kann man aus dem Beispiel
Braunschweig-Heidberg ziehen?
Ergebnisse
Im folgenden Abschnitt werden ausgesuchte Ergebnisse der aufsuchenden Beteiligung im Quartier
Braunschweig-Heidberg in Form von Diagrammen dargestellt und kommentiert.
Personenanzahl
Antworten
A
1
2
3
4
5
6
7
8
9
1
1
1
1
Personenanzahl
Antworten
Antworten
1
Freunde treffen
2
Einkaufen
3
in der Natur sitzen / entspannen /
lesen
4
ins Café gehen
5
Spazieren gehen
6
Sport / Fitness
7
an den See gehen
8
mit meinen Kindern unterwegs sein
/ spielen
9
Picknicken
10
keine Antwort
Antworten
1
beim Restaurant / Kiosk / Dönerimbiss /
was essen / trinken
2
kleine Aufführungen / Feste
3
in einer Fußgängerzone mich aufhalten
4
keine Antwort
5
Tanzen gehen
6
in einer Chillecke chillen
7
Freunde treffen
8
ins Café gehen
9
in der Natur sitzen / entspannen / lesen
10
Sport / Fitness
11
Kinder von der Kita / Schule abholen /
Zeit mit den Kindern verbringen
12
an kostenlosen Aufenthaltsorten sein
13
Orte für „Nicht-Senioren“ besuchen
)UDJH $ :DV
XVJHKHQ"
PDFKHQ 6LH
PHKUHUH
ZHQQ 6LH
$QWZRUWHQ
KLHU LQ ,KUHU
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)UDJH $ :DVGLH
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PDFKHQ
PHKUHUH
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P|JOLFK
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Im Diagramm zur Frage A4.1
(Was machen Sie, wenn Sie hier in Ihrer Freizeit rausgehen?)
ist zu
sehen, dass die meisten Befragten unabhängig vom Alter angegeben haben, dass sie draußen im
Quartier in ihrer Freizeit Freunde treffen und einkaufen gehen. Bei der Frage A4.2
(Was würden
Sie gerne draußen machen, wenn es hier die Möglichkeit dazu gäbe?)
hat sich ein wesentlicher
Anteil der befragten Jugendlichen Orte gewünscht, an denen man essen und trinken kann. Tatsäch-
lich hat sich im Laufe der Gespräche mit den befragten BewohnerInnen in Braunschweig-Heidberg
herausgestellt, dass insgesamt das Quartier wenige Angebote, insbesondere kostenlose Angebote
für Jugendliche bietet. Laut Grafik A4.2 wünscht sich diese Altersgruppe die Möglichkeit „in einer
Chillecke zu chillen“, „Freunde treffen“ und „ins Café“ gehen. SeniorInnen wünschen sich mehr An-
gebote mit kleinen Aufführungen, Feste und eine Fußgängerzone. Erwachsene wünschen sich mehr
Möglichkeiten, sportlich tätig zu sein.
In den Antworten zur Frage A6
(Warum wohnen Sie gerne hier im Quartier?)
spiegelt sich der familiä-
re Charakter dieses Quartiers wieder. Die meisten Befragten geben an, dass es sich um eine „ruhige
Lage“ handelt: „hier ist alles, gute Bedingungen“, „sehr grün“, „meine Freunde/ meine Schule sind
hier“.
Bei der Frage A7
(Hat dieses Quartier hier einen bestimmten Ruf? Wenn ja, welchen?)
hat die Mehr-
heit positiv bestätigt, dass das Quartier einen guten Ruf hat, sehr ruhig und funktional. Viele der
befragten Jugendlichen haben allerdings angegeben, dass das Quartier langweilig sei und es ver-
mehrt zu „Prügeleien am See“ kommen würde. Wenn man diese Ergebnisse mit der Aussage, dass
es „langweilig“ sei, und mit den Ergebnissen zur Frage A4.2 gegenüberstellt, kann man vermuten,
dass einen Mangel von Angeboten für Jugendliche mit dem möglichen Aufkommen von Gewalt
und Vandalismus in Verbindung steht.
Personenanzahl
Antworten
Antworten
1
ruhige Lage, hier ist alles, gute Bedingungen
2
sehr grün
3
meine Freunde sind hier
4
meine Schule ist hier
5
viele Spielplätze
6
gute Bibliothek
7
nah am Zentrum
8
wenige Kinder
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QWZRUWHQ
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P|JOLFK
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Berlin Richard-Sorge-Straße 73, 10249 Berlin, Telefon 030 - 420 896 42, Telefax 030 - 420 896 78, email: info@planungfreiraum.de
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13
Laut der Grafik zur Frage C3
(Haben Sie schon mal Angst gehabt, dass Ihnen im Stadtquartier etwas
zustoßen könnte?)
scheint das Quartier nicht beängstigend oder gefährlich zu sein.
Die Grafik zur Frage E2
(Was ist Ihnen besonders wichtig, was sollte gemacht werden, damit Sie
sich hier im Quartier sicher fühlen und gerne hier leben?)
haben sich die meisten SeniorInnen über
Mobilität und die Verkehrssituation des Quartiers geäußert: „Überschneidung Fahrrad, Auto und
Haltestellen verbessern“ und „mehr gerechte Verwendung Behinderten-Parkplätze“. Viele der Befrag-
ten, insbesondere die Jugendliche, wünschen sich mehr Angebote für junge Menschen. Gleichzeitig
Personenanzahl
Antworten
Personenanzahl
Antworten
Antworten
1
guter Ruf, sehr ruhig
2
sehr funktional, alles da
3
günstig und nah an der Stadt
4
keine Antwort
5
langweilig
6
schlechter Ruf wegen Prügeleien
am See
7
gute Schule
8
gemischt, Hochhäuser haben
keinen guten Ruf
9
keine „Familienwohnungen“, nur
kleine Wohnungen oder teure
Häuser
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14
wünschen sich die Jugendlichen mehr Möglichkeiten zur Anbindung an die Stadt oder ans Stadtzen-
trum, wo sie, vermutlich, den Angeboten nachgehen, die in ihrem eigenen Quartier fehlen. Insge-
samt wird auch mehr Farbe und ein schöneres Stadtbild gewünscht, an dem es laut den Befragten
aufgrund der Optik der Plattenbauten mangelt. Des weiteren wird auch ein autofreier öffentliche
Platz mitten im Quartier gewünscht („Parkplatz abschaffen auf dem Platz“).
Personenanzahl
Antworten
Antworten
1
Überschneidung Fahrrad,
Auto und Haltestellen
verbessern
2
mehr gerechte Verwendung
Behinderten-Parkplätze
3
Angebote für Jugendliche
4
keine Antwort
5
mehr Anbindung zur Stadt /
Zentrum
6
Mehr Farbe, schöneres
Stadtbild
7
Parkplatz abschaffen auf
dem Platz
8
Polizeirevier wieder rund um
die Uhr
9
Markt sehr wichtig als
ökonomischer und sozialer
Faktor
10
Fahrradwege punktuell
verbessern
11
Kindercafé
12
bessere Anbindung
Stettinerstrasse
*,
`^iÜ^`m^ @k¿gÜ
Frage E2: Was ist Ihnen besonders wichtig, was sollte gemacht werden, damit Sie sich hier im Quartier sicher fühlen und
JHUQH KLHU OHEHQ"
Zwischenfazit Braunschweig
Das Quartier Braunschweig-Heidberg ist eine gewachsene Nachbarschaft mit weitläufigen Grünräu-
men. Es verfügt über viele Sozialeinrichtungen und Standorte zu Versorgungsleistungen, die meisten
konzentrieren sich im Quartierszentrum und sind durch kurze Wege gut aus dem gesamten Quartier
erreichbar. Die klaren urbanen Strukturen und deren Weitläufigkeit beugen der Entstehung von Ang-
sträumen vor. Angsträume gibt es nur an wenigen verwinkelten und enge Stellen.

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Abbildung 5: Untersuchungsgebiet Bremen-Ohlenhof. Quelle: planung.freiraum
Straßenbild Bremen-Ohlenhof
Grünzug
Was konnte am Beispiel Bremen-Ohlenhof herausgefun-
den werden?
Allgemeine Einschätzung des Gebietes Bremen-Ohlenhof
Das Untersuchungsgebiet Bremen-Ohlenhof ist einerseits geprägt von vielen ortstypischen 2-3ge-
schossigen Häusern, andererseits durch Geschoßwohnungsbau, kleine Plätze, einen Grünzug und
teilweise wenig nutzbares Abstandsgrün zwischen den Wohnblöcken. Die Nähe zum Wasser des
Werfthafens der Weser ist ein bisher ungenutztes Potential des Quartiers, die unmittelbar ans Wasser
angrenzenden Freiräume bieten wenig bis gar keine Angebote für die unterschiedlichen Nutzungs-
gruppen. Die Bevölkerung erscheint sehr heterogen: Familien, ältere Menschen, Personen mit viel-
fältigen Migrationshintergründen.
Berlin Richard-Sorge-Straße 73, 10249 Berlin, Telefon 030 - 420 896 42, Telefax 030 - 420 896 78, email: info@planungfreiraum.de
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Früher war das Quartier der „stolzen Hafenarbeiter“. Heute entwickelt es einen Ruf als Brennpunkt,
und Stadtteil sozial schwächerer Menschen. Hier gibt es niedrige Mieten und überbesetzte Wohnun-
gen.
Das Straßenbild ist geprägt von Jugendlichen und Männern. Im Quartier gibt es wenig Angebote für
Jugendliche und Menschen mit niedrigen Familieneinkommen. Als Probleme werden Drogenverkauf
und -konsum, Prostitution, Dominanz von Männergruppen berichtet. Auffallend ist viel Sperrmüll an
den Straßenrändern, der angeblich durch häufige Umzüge verursacht wird. Es gibt verschiedene
Grünflächen ohne Beleuchtung, die als Unsicherheitsfaktor empfunden werden. Die Bevölkerungs-
heterogenität wird einerseits von vielen Befragten insgesamt sehr geschätzt. Andererseits werden
vereinzelt Sicherheitsprobleme und Konflikte zwischen bestimmten Personengruppen beschrieben,
auch wird auf die als zu gering empfundene Polizeipräsenz aufmerksam gemacht. Weiterhin wird
mehr Steuerung bei den Vermietungen der Wohnungen gewünscht. Insbesondere die Befragten mit
migrantischen Biographien wünschen sich den Erhalt der Diversität in dem Sinn, dass auch Biodeut-
sche bleiben bzw. zuziehen.
Diese exemplarischen Zitate zeigen Potenziale, Veränderungen und Mängel auf. Auch wenn die ein-
zelnen Aussagen individuell zu bewerten sind, geben sie doch wieder, welche Qualitäten für einzel-
nen Personengruppen wahrgenommen und welche Problemlagen für anstehende Planungsprozesse
bedeutend sind.

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17
Wen haben wir erreicht?
41
Personen insgesamt
20
männlich
21
weiblich
8
Kinder
21
Erwachsene
12
SeniorInnen
24
deutsch
15
mit Migrationshintergrund
32
wohnen im Quartier
7
wohnen außerhalb des Quartiers
Welche Schlussfolgerungen kann man aus dem Beispiel
Bremen-Ohlenhof ziehen?
Ergebnisse
Im folgenden Abschnitt werden ausgesuchte Ergebnisse der aufsuchenden Beteiligung im Quartier
Bremen-Ohlenhof in Form von Diagrammen dargestellt und kommentiert.
Personenanzahl
Antworten
Antworten
1
Einkaufen
2
Freunde treffen
3
ins Café gehen
4
Spazieren
5
Sport / Fitness
6
in der Natur sitzen /
entspannen / lesen
7
mit meinen Kindern
unterwegs sein / spielen
8
Kinder von der Kita
/
Schule abholen
9
Picknicken
10
Schwimmen gehen
11
zur Bibliothek gehen
12
zur Kirche gehen
13
keine Antwort
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Berlin Richard-Sorge-Straße 73, 10249 Berlin, Telefon 030 - 420 896 42, Telefax 030 - 420 896 78, email: info@planungfreiraum.de
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Im Diagramm zur Frage A4.1
(Was machen Sie, wenn Sie hier in Ihrer Freizeit rausgehen?)
ist zu
sehen, dass die meisten Befragten unabhängig vom Alter eine Vielfalt an Möglichkeiten angegeben
haben, die das Quartier anbietet: dazu zählen „einkaufen“, „Freunde treffen“, „ins Café gehen“,
„spazieren“, „Sport und Fitness“, „in der Natur sitzen / entspannen“, „mit den Kindern unterwegs
sein“. Bei der Frage A4.2
(Was würden Sie gerne draußen machen, wenn es hier die Möglichkeit
dazu gäbe?)
hat sich ein großer Anteil der Befragten nicht geäußert, vermutlich weil bereits eine
ausreichende Vielzahl an Angebote im Quartier besteht. Allerdings haben sich viele der Befragten,
insbesondere Erwachsene und Kinder, dazu geäußert, dass sie sich mehr Aktivitäten in der Natur
wünschen. Hier ist wichtig zu erwähnen, dass das Quartier von einem bedeutenden Grünzug durch-
quert wird, der laut den Befragten eher ein Unsicherheitsgefühl vermittelt, da dort Drogenhandel
und größere Treffen von Jugendlichen stattfinden und weil der Grünzug abends und nachts wenig
beleuchtet ist. Somit fällt dieser Grünraum für bestimmte Personengruppen (z.B. Kinder, Frauen und
SeniorInnen) als nutzbarer Möglichkeitsraum weg.
Viele Tätigkeiten draußen werden gewünscht: „Sport / Fitness“, „picknicken“, „mit den Kindern un-
terwegs sein / spielen“, „Tischtennis spielen“.
In den Antworten zur Frage A6
(Warum wohnen Sie gerne hier im Quartier?)
sieht man, dass die
Multikulturalität und Diversität die großen Stärken des Quartiers. Die viele Einkaufsmöglichkeiten
und der Zusammenhalt der BewohnerInnen sind jeweils sehr wichtig. Es ist zu beobachten, wie auch
die geographische und ökonomische Lage der Quartiers im gesamten Stadtbild eine Rolle spielen:
„günstige Mieten“, „Nähe zur Weser und zum Blockland“, ich habe hier eine Wohnung von meiner
Familie bekommen“, „gute Verkehrsanbindung zur Stadt“, „keine Wohnalternativen“. Interessant ist
zu beobachten, wie manche Befragte auf negative Weise auf die Frage geantwortet haben: „ich bin
nicht gerne hier: ich habe Angst um mein Kind / es gibt wenige Parkplätze / Drogenprobleme“.
Bei der Frage A7
(Hat dieses Quartier hier einen bestimmten Ruf? Wenn ja, welchen?)
hat die Mehr-
Personenanzahl
Antworten
Antworten
1
keine Antwort
2
in der Natur sitzen / entspannen /
lesen
3
Sport / Fitness
4
Picknicken
5
ins Café gehen
6
mit den Kindern unterwegs sein /
spielen
7
Tischtennis spielen
8
Schwimmen gehen
9
in die Bibliothek gehen
10
Spazieren
11
Familienaktivitäten
12
Freunde treffen
13
Aktivitäten für Arbeitslose / soziale
Hilfe
14
Tennis spielen
15
Mittagspause draußen machen
16
ins Restaurant gehen
17
Kioske früh am Morgen besuchen
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19
heit angegeben, dass das Quartier kein sicherer Ort ist, da hier viel „Diebstahl und Drogenhandel“
stattfindet, „viele arme und problematische Menschen“ hier untergebracht sind. Allerdings ist das
Quartier auch für seine Multikulturalität bekannt, und, wie oben erwähnt, für den Zusammenhalt
zwischen seinen BewohnerInnen.
Personenanzahl
Antworten
Antw
1
2
3
4
5
Personenanzahl
Antworten
Antworten
1
viele Kulturen / Diversität da
2
viele Einkaufsmöglichkeiten, alles da
3
Zusammenhalt unter den Bewohnern
4
günstige Mieten
5
keine Antwort
6
Wohne nah an Natur
7
ich bin nicht gerne hier: ich habe Angst um
mein Kind draußen
8
Nähe zur Weser und zum Blockland
9
ich habe hier eine Wohnung von meiner
Familie bekommen
10
gute Verkehrsanbindung zur Stadt
11
keine Wohnalternativen
12
ich bin nicht gerne hier: es gibt wenige
Parkplätze
13
ich bin nicht gerne hier: Drogenprobleme im
Quartier
)UDJH $ :DUXP
QWZRUWHQ
ZRKQHQ 6LH
P|JOLFK
JHUQH KLHU LP 4XDUWLHU" PHKUHUH $
)UDJH $ +DW GLHVHV
Q MD ZHOFKHQ"
4XDUWLHU KLHU HLQHQ EHVWLPPWHQ 5XI" :HQ
Antworten
1
nicht der schönste / sicherste Ort
2
viel Diebstahl / Drogenhandel
3
mutlikultureller Ort
4
viele arme / problematische
Menschen
5
keine Antwort
Berlin Richard-Sorge-Straße 73, 10249 Berlin, Telefon 030 - 420 896 42, Telefax 030 - 420 896 78, email: info@planungfreiraum.de
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Laut der Grafik zur Frage C3
(Haben Sie schon mal Angst gehabt, das Ihnen im Stadtquartier etwas
zustoßen könnte?)
scheint das Quartier insgesamt für die Meisten nicht beängstigend oder gefährlich
zu sein. Allerdings haben mehrere weibliche Personen angegeben, dass es im Quartier mehrmals
und häufiger Angstgefühle hervorgerufen worden sind.
Personenanzahl
Antworten
Personenanzahl
Antworten
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WTXDUWLHU
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HWZDV
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ZHUGHQ
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UQH
6LH
KLHU
VL
ZL
Antworten
1
mehr Polizeipräsenz
2
keine Antwort
3
Sauberkeit / Müllthema
4
bessere Integration mit Ausländer
5
mehr Sicherheit im Park / Grünzug
/ Beleuchtung im Grünzug
6
mehr Möglichkeiten für Familien
draußen
7
mehr Angebote für Jugendliche
8
mehr Beleuchtung überall
9
lokale Arbeitsplätze schaffen
10
nachts mehr Aufmerksamkeit
11
Nachbarschaftshilfe
12
öffentliche Parkplätze außerhalb
des Quartiers schaffen
13
Strafen gegen Verkehrstaten
14
Autoverkehr reduzieren
15
Baumarkt errichten
Die Grafik zur Frage E2 (Was ist Ihnen besonders wichtig, was sollte gemacht werden, da-
PLW 6LH VLFK KLHU LP 4XDUWLHU
Personen mehr Polizeipräsenz gewünscht. Das Müllthema / Sperrmüllthema ist auch ein

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Berlin Richard-Sorge-Straße 73, 10249 Berlin, Telefon 030 - 420 896 42, Telefax 030 - 420 896 78, email: info@planungfreiraum.de
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21
wichtiger Punkt ins Gesamtbild dieses Quartiers. Die Multikulturalität ist ein großes Mar-
kenzeichen von Bremen-Ohlenhof, und umso wichtiger ist es, sich um die Integration die-
ser Vielfalt zu kümmern. Auch hier wird erneut die Aufmerksamkeit am bereits erwähnten
Grünzug gerichtet, und den Wünsch nach Sicherheit geäußert.
Zwischenfazit Bremen
Bremen Ohlenhof ist ein attraktives Quartier für den Zuzug von benachteiligen sozialen
Personengruppen aufgrund der günstigeren Mietspreisen verglichen zum Rest der Stadt.
Die bereits bekannte soziale Probleme (Gewalt, Drogenhandel, Prostitution), die in diesem
Quartier bestehen, werden durch die Abwesenheit von günstigen und inklusiven soziale
Angebote unterstützt, wie man am Beispiel der Bespielung der Freiräume am Grünzug oder
am nah gelegenen Freiraumbereich beim Einkaufzentrum am Werfthafen. Es wurde darüber
hinaus darauf aufmerksam gemacht, dass die örtliche Polizeiwache in der vergangenen Zeit
geschlossen und umgesetzt wurde, sodass einen verstärkt kontinuierliches Sicherheitsgefühl
ausgeschlossen bleibt, und die Möglichkeit an raschen Einsätzen deutlich reduziert wird.
Die Quartieranwohner fühlen sich teilweise von der Stadtverwaltung verlassen. Trotzdem
finden sie Stärke in der Vielfältigkeit und Zusammenhalt unter sich. Die Gebäudestrukturen
in diesem Quartier erlauben durch ihre Kleinteiligkeit eine gewisse Familiarität, Austausch,
gegenseitiges Aufpassen und Sich-um-Einander-kümmern.
Auch von den Bremer Befragten gab es viele lebensnahe, alltagsverbessernde Hinweise in
den Gesprächen:
Berlin Richard-Sorge-Straße 73, 10249 Berlin, Telefon 030 - 420 896 42, Telefax 030 - 420 896 78, email: info@planungfreiraum.de
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22
Was kann man daraus lernen?
Zwischenfazit Aufsuchende Beteiligung Divercity
Freiräume im Sinne einer sozialen Infrastruktur erweisen sich für beide Beispielquartiere als wichtig. In
beiden Quartieren steht ein Generationenwechsel an, besteht Bedarf nach sozialer Interaktion und
Integration. Daran haben nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner Interesse. Auch Wohnungs-
baugesellschaften, Politik, Verwaltung und nicht zuletzt Polizei sollten ihr Augenmerk vermehrt darauf
richten, denn städtische Freiräume sind die zentralen Orte für Integration, Inklusion und gesellschaft-
liche Innovationen. Präzise, bedarfsorientierte Prozesse, Strukturen und Gestaltung sind entscheidend
für soziale Raumqualitäten. So können Orte entstehen, die sich an alle wenden, von denen sich alle
gemeint fühlen, die frei sind von Konkurrenzen, Dominanzen und Verdrängungen und die deshalb
u.a. auch sicher und vandalismusfrei sind.
Fazit: Raum Als Sprache
Kommt man mit den Menschen in’s Gespräch und schaut genau hin, interessiert sich für ihren Alltag
und ihre Lebensrealität, bekommt man oft sehr lebensnahe und kluge Lösungsansätze zur Alltags-
verbesserung genannt.
Aufsuchende Beteiligungen können ein wichtiger Baustein sein, um vorhandenes Wissen zu Sicher-
heit in einem spezifischen Wohnumfeld oder städtischen Freiraum zu ergänzen und entsprechende
Maßnahmen passgenau planen zu können. Um das Vertrauen der Bewohnenden zu erlangen,
braucht es neutrale Vermittelnde und vermittelnde Methodenansätze. Forschende oder die Polizei
dringen im Zusammenhang aufsuchender Beteiligungen oder Befragungen oft nicht zu Einzelperso-
nen und Institutionen durch. Sie werden nicht als einladend empfundenen, Menschen teilen z.B. mit
Polizei oft nicht ohne Vorbehalte oder angstfrei ihre Alltagserfahrungen und -probleme.
Die Erfahrung zeigt, dass ein im Sinne des Projektes wichtiges Vertrauen nur aufgebaut werden kann,
wenn die Ansprache an Mädchen wie Jungen, Menschen verschiedener Muttersprachen für die
Angesprochenen passgenau konzipiert wird und vermittelt werden kann, dass die Aussagen aller
wichtig sind. Alle Angesprochenen fühlen sich durch solche Ansprache wertgeschätzt und leisten
meist gerne einen Beitrag als Stellvertretende für ihre jeweilige Gruppe. Erfahrungsgemäß überneh-
men dann viele auch eine Art FürsprecherInnenposition z.B. für Mütter, Mädchen, Menschen mit
unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, etc. So angesprochen, wurde gerne das umfangreiche
Alltagswissen geteilt. Je konkreter die Aussichten auf Verbesserungsmaßnahmen im Freiraum, Um-
baumaßnahmen im Wohnumfeld o.ä. sind und je ernster das Alltagswissen und persönliche Erleben
der Anwohnerinnen und Anwohner genommen werden, desto interessierter und kooperationsberei-
ter sind die angesprochenen Personen und Institutionen.
Die Arbeit z.B. mit detaillierten Fragebögen und Planbegleitungen unterstreicht die Ernsthaftigkeit des
Anliegens. Das ehrliche Wissenwollen, das wirkliche Interesse an der Lebenswirklichkeit der Men-
schen ist ein Türöffner genauso wie ein spielerisches und handlungs- sowie bedarfsorientiertes Her-
angehen.

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23
Wird der Freiraum im Sinne einer sozialen Infrastruktur verstanden, erhöht sich die Wahrnehmung
der Bedeutung für die Bewohnerinnen und Bewohner. Durch demografischen Wandel und oft zu-
nehmende Heterogenität der Bewohnerschaft besteht ein großer Bedarf nach sozialer Interaktion
und Integration. Städtische Freiräume sind die zentralen Orte für Integration, Inklusion und gesell-
schaftliche Innovationen. Präzise, bedarfsorientierte Strukturen und Gestaltungen sind entscheidend
für soziale Raumqualitäten. So können Orte entstehen, die sich an alle wenden, von denen sich alle
gemeint fühlen, die frei sind von Konkurrenzen, Dominanzen und Verdrängungen und die deshalb
u.a. auch sicher und vandalismusfrei sind. Raum „spricht“ einerseits zu den Nutzenden und kann
andererseits als Sprache genutzt werden. Frei-Raum und dessen Nutzung sind erkenntnisbringende
Aspekte in er komplexen Fragestellung zu Sicherheit und Vielfalt im Quartier.
Abbildung 6: Beispiel ist/soll zwischen Braunschweig-Heidberg und die Mittelbruchzeile Berlin
Braunschweig-Heidberg (Foto links, Quelle: Barbara Willecke): leere grüne Zwischenräume (kaum Schatten, kaum Angebot, kaum Nut-
zung) Mittelbruchzeile Berlin (Foto rechts, Quelle: Andreas Süß): Aufenthaltsangebot in versch. Umsetzung, versch. Vegetationsstrukturen,
Aufenthalt im Schatten.
Abbildung 7: Beispiel ist/soll zwischen Bremen-Ohlenhof und die Mittelbruchzeile Berlin
Bremen-Ohlenhof (Foto links, Quelle: Barbara Willecke): leerer, unbeleuchteter Grünzug (dunkel, keinen Ausweg, viel Vegetation, Dro-
genhandel, Jugendliche auf Spielplätze) VS Mittelbruchzeile Berlin (Foto rechts, Quelle: Andreas Süß): viel Angebot für alle, Aufenthalt und
Bewegung, klare Definition der Räume, offen, soziale Kontrolle durch NutzerInnen und aus umliegenden Gebäuden.
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Literatur
Teilauszüge aus dem Beitrag von Willecke, Barbara / Moroni, Flavia (2020):„Unter-
schiede und Vielfalt sind die Normalität – Mitwirkung und aufsuchende Beteiligung im
Zusammenhang mit gefühlter Unsicherheit in öffentlichen Räumen“ aus dem Sam-
melband „Beiträge zur Sicherheitsforschung. Schriftenreihe des Landeskriminalamtes
Niedersachsen“ (Pfeiffer, Schröder und Verhovnik-Heinze, Hrsg. ) „Sicherheit in Wohn-
umfeld und Nachbarschaft aus Interdisziplinärer Sicht“, S. 169-182.
Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Eberhard Karls Universität Tübingen
(Hg.) (2017): Leitlinien für eine gerechte Verteilung von Sicherheit in der Stadt. Materialien zur Ethik
in den Wissneschaften, Band 14. Tübingen.
6HOOH.ODXV*
U%UJHULQQH
-
lung. Begriffe, Entwicklungen, Wirklichkeiten, Folgerungen. Kurzgutachten für das Nationale Forum
für Engagement und Partizipation, PT_Materialien, Bd. 26, Aachen.
KWWSZZZSWUZWKDDF
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LG
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hg.) (2011): Gender Mainstreaming in der Stadtentwicklung
- Berliner Handbuch, Berlin.
Willecke, Barbara (o.J.): Beteiligung vernetzte Beteiligungs- und Planungsprozesse in der Landschafts-
planung, Berlin.,
www.planungfreiraum.de
Willecke, Barbara (2013): Es lebe der Unterschied! Chancengleichheit und Vielfalt in der Freiraum-
planung. In: Jirku, Almut (Hg.): StadtGrün, Stuttgart, S.247-254.
Willecke, Barbara (2018b.): fair space. Urbane Räume als soziale Infrastruktur. In: Bundes Deutscher
Landschaftsarchitekten (bdla) (Hg.): landschaftsarchitekten, Heft 4 2018, S. 12-15

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Gemeinsam sicher im Quartier:
Kriminalprävention in der Stadtentwicklung
Görlitz, Schwarzplan, K.Müller, 2017

 
Agenda
Eingrenzung des Themas - Städtebauliche Struktur und Kriminalität
Begriff der Stadtentwicklung
Sicherheitsaspekte sächsischer Siedlungsstrukturen
Strukturprinzipien des öffentlichen Raums
Der Weg zur integrierten Stadtentwicklung
Sicherheit als Querschnittsthema Integrierter Stadtentwicklung, Neue Leipzig-Charta,
Ausblick
Die gebietsbezogenen Förderinstrumente im FS Sachsen
Fazit
Boris Harbaum

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Boris Harbaum
119
Exkurs: Kowloon Walled City, Hongkong
China morning post, 2019

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Begriff der Stadtentwicklung
Klassische Idee der Stadtentwicklung, vom Städtebau
her kommend
Fokussiert auf das bauliche (investive)
Stellt das Verhältnis von Baustrukturen und
öffentlichen Räumen in den Vordergrund
Sinnbild: Schwarzplan,
engl. „figure ground“
Boris Harbaum
„Nolli-Plan“ von Rom, Giambatista Nolli, 18. Jhd.

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Begriff der Stadtentwicklung
Erweiterter Stadtentwicklungsbegriff
Ganzheitlich
Stellt die Wechselwirkungen zwischen (gebauter)
Umwelt und den Bewohnern in den Mittelpunkt
Idee der integrierten Stadtentwicklung (INSEK)
Boris Harbaum

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Zwei grundsätzliche
Strukturprinzipien öffentlicher Räume
a) Offene oder geschlossene Bebauung mit einer Bauflucht, die kohärent
mit dem öffentlichen Raum ist.
Marienberg, Schwarzplan & Dachaufsichtsplan, Luise Krellmann, 2016

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Zwei grundsätzliche
Strukturprinzipien öffentliche Räume
b) Keine oder wenig Kohärenz zwischen Baustrukturen
und öffentlichem Raum.
Bautzen, Schwarzplan, Karolin Müller, 2018, Ausschnitt

 
Zwischenfazit - Besteht ein Zusammenhang zwischen
städtebaulicher Struktur und Kriminalität?
Ja, aber in gewissen Grenzen...
Boris Harbaum
...sondern Besser:
- Präventive Stadtentwicklung -
Nicht städtebauliche Kriminalprävention...

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Foto: Petra Kichmann, SMR
Sicherheitsaspekte sächsischer Siedlungsstrukturen
Burgstädt, Dachaufsichtsplan, J.Buron, 2016

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Siedlungsstrukturen im Freistaat Sachsen
Quelle: Strategiepapier 2030+, A5 SMR
gebaute Umwelt
vs
soziale Welt

 
Im deutschen und europäischen Vergleich besonders ausgeprägte Dichte an mittleren und kleinen
Städten.
Das Netz der sächsischen Gemeinden besteht aus unterschiedlichsten dörflichen und städtischen
Siedlungsformen.
Wenn wir beim Thema Stadtentwicklung und Sicherheit in Sachsen in der Fläche vorankommen wollen,
müssen wir diesen Punkt mitreflektieren.
Boris Harbaum
Besonderheiten der sächsischen Siedlungsstruktur

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Vielfalt des Städtischen

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Auf dem Weg zur integrierten Stadtentwicklung
Aue-Brünlasberg, Schrägluftbild, N.Böhme, 2020

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1. Agendaprozesse seit 1992
Boris Harbaum
1992 „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro
Beschluss der Agenda 21
„Globale Tagesordnung für das
21. Jahrhundert“
1972 Die Grenzen des Wachstums
Studie des Club of Rome zur Zukunft der Weltwirtschaft.
1987 Brundlandbericht
Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung
.

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2. In Sachsen in besonderem Maße:
Demografischer Wandel und Arbeitsmigration
Liebstadt, N.Böhme, 2020

 
Handlungsfelder der integrierten Stadtentwicklung
Gleichwertige Lebensverhältnisse
in allen Ortsteilen sicherstellen
Klimavorsorge
durch Klimaanpassung und Klimaschutz
Stärkung des
sozialen Zusammenhalts
Migration
, Unterbringung von Geflüchteten
Digitalisierung
aller Lebensbereiche | Internet der Dinge | Industrie 4.0
Demografischer Übergang
i.V.m. Arbeitsmigration /
Abwanderung
Sicherheit
im Quartier
Mobilität für Alle |
Multimobilität & Barrierefreiheit
> Universal Design
Baukultur
, Identifikation, Heimat
(...)
Boris Harbaum

 
Kommunale Planungshoheit
Art. 28 (2) GG: „Den Gemeinden muss das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen
Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln. (…)“
Art. 84 (1) Verfassung des Freistaats Sachsen: „Die Gemeinden sind in ihrem Gebiet die Träger der
öffentlichen Aufgaben, soweit nicht bestimmte Aufgaben im öffentlichen Interesse durch Gesetz
anderen Stellen übertragen sind. Die Gemeindeverbände haben innerhalb ihrer Zuständigkeit die
gleiche Stellung.“
Boris Harbaum

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Integrierte Stadtentwicklung als Systeminnovation
Gute Stadtentwicklungskonzepte
begünstigen Systeminnovationen
Boris Harbaum
Quelle: Innovationsstrategie des Freistaates Sachsen
Innovationsbegriff

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INSEK-Gemeinden
140 Städte
28 Landgemeinden
Ohne INSEK: 29 Städte (22%)
Stand 2014
Boris Harbaum

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Neue Leipzig Charta
Weiterentwicklung der Leipzig-Charta von 2007
strategisches Rahmenwerk zur
gemeinwohlorientierten, integrierten und
nachhaltigen Stadtentwicklung
wichtiges Grundlagendokument für die integrierte
Stadtentwicklung in Europa

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Neue Leipzig Charta

 
Unterschiedliche Anforderungen an INSEKs
vergleichbar, auswertbar
ortsbezogene, angewandte
Stadtforschung
dauerhafter Prozess
quantitativ, „Big-Data“-orientiert
Checkliste
Boris Harbaum
Individuell, passgenau
vorgegebener Algorithmus,
Prüfleitfaden
ergebnisorientiertes Projekt
erfahrungsbasiert, lebensweltlich
Handlungsleitfaden
VS.

 
Konzept einer neuen Arbeitshilfe
Handlungsleitfaden
für INSEK-Prozesse
INSEK als Instrument zur Steuerung kommunaler Veränderungsprozesse
Gliederung der Fachteile in Anlehnung an
kommunalen Organisationsaufbau
Vermeidung von Wiederholungen /
Baukastenprinzip
Vorrang: Findung von
Lösungsansätzen
& Ableitung von
Umsetzungsstrategien
Gesamtstädtischer Ansatz mit begründeten räumlichen Schwerpunktsetzungen
Checkliste für die Bestandsanalyse
Vereinfachte Bereitstellung von Geodaten (Kooperation SMR / GeoSN / StaLa)
Wesentliche Fachteile: Wohnen, Klimavorsorge, Digitalisierung, Mobilität
Boris Harbaum

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Harbaum, Boris
Verzahnung INSEK,
Landesentwicklung,
Förderpolitik

 
Die gebietsbezogenen
Förderinstrumente im Freistaat Sachsen
Bund-Länder-Städtebauförderung
Lebendige Zentren (LZP)
Sozialer Zusammenhalt (SZP)
Lebendige Zentren (LZP)
EFRE – Stadtentwicklung: Neue Förderperiode 2021 – 2027
ESF+ – soziale Stadtentwicklung: Neue Förderperiode 2021 – 2027
LEADER – Für den ländlichen Raum
Boris Harbaum

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Sicherheit in der EFRE - Stadtentwicklung
Boris Harbaum

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„Sicherheit“ in der
Städtebauförderung und im Städtebaurecht
Boris Harbaum

 
Fazit – die Polizei allein kann und soll es nicht richten...:
Für das Thema Kriminalprävention im Kontext der Stadtentwicklung gilt:
Gute Integrierte Stadtentwicklungsplanung wird auf vielen Ebenen – gesamtgesellschaftlich - wirksam.
Sie wird insoweit immer zu einer niedrigen Kriminalitätsrate beitragen.
Um die „konventionellen“ Methoden der Kriminalprävention bestmöglich zu unterstützen, müssen die
Städte und Gemeinden in der Lage sein, den ganzheitlichen Ansatz der integrierten Stadtentwicklung so
gut wie möglich umzusetzen.
“Sicherheit“ kann als Querschnittsthema in INSEKS implementiert werden.
Boris Harbaum

 
Im Anschluss:
Vortrag von
Dipl.-Ing. Barbara Willecke,
Freiraumplanerin
Berlin / Köln
Boris Harbaum

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Fachtag 2021
Kommunale Prävention – Reagieren, bevor es zu spät ist
Wir bedanken uns für Ihre Teilnahme an der
ASSKomm-Fachtagung und hoffen, dass Sie den Tag
mit der Dokumentation nochmals gut reflektieren
können.
Gleichzeitig wollen wir Sie auf den
6. Landespräventionstag
„Gewaltprävention.Unschlagbar!“ am
14./15. November 2022 hinweisen.
Alle weiteren Neuigkeiten zur Allianz Sichere
Sächsische Kommunen finden Sie auf
www.asskomm.de
.