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Praxisreport 2020
Regionalentwicklung durch
Interkommunale Zusammenarbeit
STAATSMINISTERIUM FÜR
REGIONALENTWICKLUNG

Vorwort
.................................................................................................................................................................................................................................................................. 3
Einleitung
............................................................................................................................................................................................................................................................. 4
Planungsverband Region Chemnitz
.............................................................................................................................................................................................................6
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen
...............................................................................................................................................................................7
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge
..................................................................................................................................................................8
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien
.................................................................................................................................................................9
Erzgebirgskreis – Zusammenführung und Aktualisierung der Regionalen Entwicklungskonzepte der früheren Teilregionen zu einem
REK Erzgebirge sowie dessen geplante oder bereits erfolgte Umsetzung und eventuell darauf aufbauende weitere Folgeprojekte .............................10
Städteverbund Göltzschtal – Erstellung eines Regionalen Entwicklungs konzeptes (REK) für den
Mittelzentralen Städteverbund Göltzschtal (MZSV) ...............................................................................................................................................................................14
VG Burkhardtsdorf – Erstellung eines gemeinsamen Regionalen Entwicklungs- und Handlungskonzeptes (REK) ..............................................................16
Landkreis Mittelsachsen – Kulturlandschaftsprojekt Mittelsachsen ..................................................................................................................................................18
Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří – Machbarkeitsstudie zum Thema
„Welterbebesucherzentren in der Montanen Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří!“ ............................................................................................................21
Die Rolle des Grünen Ringes Leipzig in der (konzeptionellen) Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes ............................................................................24
Landkreis Leipzig – Impulse für interkommunale Zusammenarbeit – „Handlungsoption für Kleinstdörfer mit starkem Handlungsdruck“ .................27
Zweckverband Kommunales Forum Südraum Leipzig – Studie zur Inwertsetzung bestehender Potenziale der „Zwischenräume“
zwischen den bereits entstandenen touristischen Hotspots in der Bergbaufolgelandschaft des Südraumes Leipzig .......................................................30
Landkreis Nordsachsen – „Machbarkeitsstudie zur Erhöhung der Erlebbarkeit der Mulde“ .......................................................................................................32
Wurzener Land – Stadt-Umland-Konzept (SUK)......................................................................................................................................................................................34
Wohnbauflächenprognose 2012 bis 2027 für die Erlebnisregion Dresden.......................................................................................................................................37
Gemeinde Hermsdorf/Erzgebirge – Interkommunales Konzept zur Sicherung der Grundschule in Hermsdorf/Erzgebirge durch
multifunktionale Nutzung und dessen bauliche Umsetzung ...............................................................................................................................................................40
Aufbau einer Heimkehrerbörse (Internetportal) für denLandkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ...................................................................................42
Städte Altenberg und Glashütte – Konzept zur Vertiefung der interkommunalenZusammenarbeit im
Bereich der Wirtschaftsförderung und dessen Umsetzung ...................................................................................................................................................................44
Zukunftsforum für den Landkreis Meißen .................................................................................................................................................................................................46
Landkreis Bautzen – Machbarkeitsstudie zum Vorhaben „Objekt extrem. Der Koloss von Knappenrode.
Ein Industriedenkmal auf Kurskorrektur.“ ..................................................................................................................................................................................................48
Handlungskonzept zur Errichtung stationärer Pflege einrichtungen als Gemeinschaftsprojekt für
die Stadt Schirgiswalde-Kirschau und die Gemeinden Cunewalde, Großpostwitz, Obergurig und Sohland a. d. Spree ....................................................50
Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen – Fortschreibung des REK sowie die daraus hervorgegangenen Projekte ......................................................53
Handlungskonzept zur strategischen Weiterentwicklung des grundzentralen Gemeindeverbundes „Großdubrau/Radibor“
zum grundzentralen Gemeindeverbund „Groß dubrau/Malschwitz/Radibor“ ..................................................................................................................................56
Stadt Kamenz – „Ab in die Wachstumsregion Dresden“ ........................................................................................................................................................................60
Kontaktdaten der Planungsverbände ..........................................................................................................................................................................................................62
Die Themen des SMR im Internet .................................................................................................................................................................................................................63
Bildnachweise ....................................................................................................................................................................................................................................................64
Inhalt
1

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
2

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3
Vorwort
DIE REGIONALE EBENE
gewinnt als mittlere räumliche Handlungs-
ebene zwischen den Gemeinden, dem Land sowie der Europäischen
Union vor dem Hintergrund fortschreitender wirtschaftlicher und
gesellschaftlicher Veränderungen immer mehr an Bedeutung.
Ziel unseres Handelns ist und bleibt es, gleichwertige Lebens-
verhältnisse in Stadt und Land erreichen zu können. Einer der
Schwerpunkte liegt hierbei auf der Erschließung und Verknüpfung
vorhandener Potenziale der Teilräume des Freistaates Sachsen. So
sollen Menschen im Interesse der Chancengerechtigkeit in allen
Regionen einen Zugang zu den Einrichtungen und Leistungen der
Daseinsvorsorge insbesondere vor dem Hintergrund der sich stets
verändernden Bedingungen haben. Die Bündelung, Vernetzung,
Kooperation und die zeitgemäße Anpassung von Inhalten und
Organisationsformen sind hierbei wesentliche Lösungsansätze.
Städte und Gemeinden, die ihre Entwicklung regional stärker
miteinander vernetzen und ihre Angebote der Daseinsvorsorge
gezielter arbeitsteilig bereitstellen, leisten einen wesentlichen
Beitrag zur Sicherung derselben. Deshalb wollen wir interkom-
munale Kooperationsnetzwerke bei deren Aufbau, Verstetigung
und Weiterentwicklung unterstützen.
In der Broschüre „Praxisreport Regionalentwicklung durch in-
terkommunale Zusammenarbeit“ berichten verschiedene kom-
munale Akteure über ihre Erfahrungen, das Zusammenwirken
verschiedenster Multiplikatoren in den Regionen und Erfolge bei
der Verbesserung von Angeboten unterschiedlichster Lebensbe-
reiche vor Ort. Es wird an vielen Beispielen aufgezeigt, welche
regionalen Spielräume, neue Wege und bedarfsgerechte Lösungen
geschaffen werden konnten.
Mit der Neugründung des Staatsministeriums für Regionalentwick-
lung (SMR) wurde die Zuständigkeit für die Richtlinie zur Förderung
der Regionalentwicklung (FR-Regio) vom Staatsministerium des
Innern an das SMR übergeben. Auch weiterhin wollen wir über die
Richtlinie Anreize für die interkommunale Zusammenarbeit schaf-
fen, die mit ihren bewährten investiv und nichtinvestiv geregelten
Fördergegenständen Instrumente bereitstellt, die den Kommunen
sowie anderen Körperschaften des öffentlichen Rechts eine ge-
staltende Raum- und Regionalentwicklung durch Kooperationen
ermöglichen. Somit kann die interkommunale Zusammenarbeit bei
der Umsetzung der Erfordernisse des Landesentwicklungsplanes
und der Regionalpläne zielgerichtet unterstützt werden. Die För-
derung bietet und gewährleistet einen durchgängigen integrierten
Förderstrang, beginnend von der konzeptionellen Vorbereitung bis
hin zur tatsächlichen Umsetzung interkommunaler sowie über-
örtlich und überfachlich wirkender Projekte.
Ich bedanke mich bei allen Beteiligten, die durch ihre wertvolle
Mithilfe zum Gelingen der Broschüre beigetragen haben.
Thomas Schmidt
Staatsminister
für Regionalentwicklung

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
4
DER FREISTAAT SACHSEN
steht weiterhin vor großen Heraus-
forderungen bei der Bewältigung des demografischen Wandels
und des Strukturwandels. Ein langfristiger Rückgang sowie die
Alterung der Bevölkerung sind dabei die wesentlichen Merkmale.
Die demografischen Veränderungen verlaufen jedoch regional
sehr differenziert, wobei der ländliche Raum mit seinen Teilräu-
men stärker als die Verdichtungsräume von diesen Entwicklungen
betroffen ist. Die Kreisfreien Städte Dresden und Leipzig werden
weiterhin wachsen, die ländlich geprägten Gebiete werden auch
in den nächsten Jahren weiter Einwohner verlieren.
Dieser Entwicklung ist auch im Bereich der Raumordnung Rech-
nung zu tragen. Hierfür wird das bereits seit den 1960er Jahren
bewährte Zentrale-Orte-Prinzip als Instrument der Landes- und
Regionalplanung genutzt.
Einleitung
Die Zentralen Orte - sowohl in den Verdichtungsräumen als auch
im ländlichen Raum - stehen mit ihrem Umland in engen wechsel-
seitigen Verflechtungen und erfüllen damit wichtige Funktionen.
Die Erschließung der Vorteile zentralörtlicher Bündelung und räum-
licher Konzentration von Funktionen der Daseinsvorsorge ist ein
Auftrag an die Regionen, die kommunalen Gebietskörperschaften
und die Fachplanungen und deshalb bereits im Landesentwick-
lungsplan 2013 verankert.
Der Freistaat Sachsen setzt zudem verstärkt auf interkommunale
Kooperationen zwischen Gebietskörperschaften. Die Gestaltungs-
möglichkeiten des Sächsischen Gesetzes über kommunale Zusam-
menarbeit als auch informellere vertragliche Kooperationsformen
schaffen die Grundlagen für ein abgestimmtes planvolles Handeln
für den jeweiligen spezifischen Raum mit speziellen Herausforde-
rungen und damit bedarfsgerechte Vor-Ort-Lösungen.
Blick auf das Elbtal bei Meißen

5
Über das Fachförderprogramm Regionalentwicklung (FR-Regio)
wird bereits seit dem Jahr 1997 der Einsatz informeller Pla-
nungsinstrumente zur innovativen Fortsetzung der gestaltenden
Raum- und Regionalentwicklung gefördert. Die Körperschaften des
öffentlichen Rechts, insbesondere die Kommunen, erhalten finanzi-
elle Anreize, um regional zu kooperieren und durch interkommunale
Zusammenarbeit ihre Entwicklungspotenziale auszuschöpfen und
zu erweitern. Die FR-Regio dient der Unterstützung der interkom-
munalen Zusammenarbeit bei der Umsetzung der Erfordernisse
des Landesentwicklungsplanes und der Regionalpläne. Geeignete
Formen der Zusammenarbeit werden durch die interkommunal und
regional wirkenden Fördertatbestände der Richtlinie unterstützt.
Die Fördergegenstände beziehen sich schwerpunktmäßig auf
nichtinvestive Ausgaben für die Erstellung, Fortschreibung und
Umsetzung von Strategie- und Handlungskonzepten im Bereich
der regionalen Selbstorganisation. Hierzu gehören Regionale An-
passungs- und Entwicklungskonzepte, regionale Vernetzungs-
konzepte sowie regionale Konzepte zu thematischen Netzwerken.
Besonders hervorzuheben sind Stadt-Umland-Konzepte (SUK) für
Verflechtungsräume zentraler Orte. Hier wird vom Sächsischen
Staatsministerium für Regionalentwicklung (SMR) gegenwärtig ein
besonderer Schwerpunkt der interkommunalen Zusammenarbeit
gesehen. Förderfähig sind des Weiteren Städtenetzkonzepte für
Verbünde zentraler Orte. In dieser Broschüre finden Sie eine reprä-
sentative Auswahl von in den Jahren 2013 bis 2018 geförderten
Vorhaben zu den verschiedenen Fördergegenständen aus den vier
Planungsregionen im Freistaat Sachsen.
Die alleinige Orientierung auf die Erarbeitung der zum Teil sehr
komplexen Raumordnungspläne (Landesentwicklungsplan,
Regionalpläne) reicht für eine Steuerung der räumlichen Entwick-
lung nicht mehr aus. Weniger formalisierte, aber stärker umset-
zungsorientierte Verfahren müssen diese klassischen Instrumente
der Raumordnung ergänzen. Mit der Förderung informeller Pla-
nungsverfahren soll die Gewährleistung der regionalen Daseins-
vorsorge unter den Erfordernissen des demografischen Wandels
und gebietlicher Neuordnungen unterstützt, die Teilräume in ihrem
jeweiligen Entwicklungspotenzial gestärkt und damit ein Beitrag
zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse geleistet werden.
Die informellen Instrumente basieren auf einer Selbstbindung
der beteiligten Akteure durch kooperative Beteiligungsprozesse.
Das SMR ist der Überzeugung, dass eine konstruktive Zusammen-
arbeit der Kommunen, insbesondere auch im ländlichen Raum,
einen starken Impuls für die jeweilige Region setzen kann, den
Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen
und die Sicherung der Daseinsvorsorge zu gewährleisten. Die
Zusammenarbeit kann Kräfte und Stärken der einzelnen Kom-
munen bündeln, während deren Eigenständigkeit und Identität
bewahrt bleiben. Dies trägt nicht zuletzt zur Stärkung der Hei-
matverbundenheit bei. Die zentralen Orte sind dabei wichtige
Ankerpunkte im ländlichen Raum. Für eine gute Entwicklung der
Verflechtungsräume ist deshalb eine konstruktive Zusammenarbeit
der Kommunen unabdingbar.
Nach § 13 Landesplanungsgesetz haben die Regionalen Planungs-
verbände (RPV) die Aufgabe, im Interesse der Regionalentwicklung
die raumordnerische Zusammenarbeit in den Planungsregionen zu
gestalten. Bei Handlungsfeldern mit hohem Koordinationsaufwand
obliegt ihnen die konzeptionelle Vorbereitung und die Umset-
zungsbegleitung. Hierzu gehört auch die Mitwirkung im Verfahren
zur Förderung der Regionalentwicklung nach der FR-Regio. Zur
Ausgestaltung dieser Mitwirkung wird auf die folgenden Beiträge
der vier Planungsverbände verwiesen.
Die FR-Regio stellt mit ihren nichtinvestiven und investiven För-
dergegenständen Instrumente bereit, die den Kommunen sowie
anderen Körperschaften des öffentlichen Rechts eine gestaltende
Raum- und Regionalentwicklung durch Kooperationen ermögli-
chen. Sie bietet und gewährleistet einen durchgängigen integrier-
ten Förderstrang, beginnend von der konzeptionellen Vorbereitung
bis hin zur tatsächlichen Umsetzung interkommunal sowie über-
örtlich und überfachlich wirkender Projekte.
Dies erfordert die Einsicht mehrerer Körperschaften zur Notwen-
digkeit der Beschreibung und Umsetzung gemeinsamer Entwick-
lungsziele und setzt einen gesellschaftlichen und auch politischen
Willensbildungsprozess voraus.
Die Förderung richtet sich an Körperschaften des öffentlichen
Rechts, primär jedoch an die Gemeinden, Gemeindeverbände,
kreisfreien Städte und Landkreise sowie kommunalen Zweck- und
Verwaltungsverbände im Freistaat Sachsen.
Die Gemeinden sollen auch künftig leistungsfähig und in der Lage
sein, ihre Aufgaben dauerhaft zu erfüllen. Dieser Praxisreport
soll dazu beitragen, bereits entwickelte Ideen und Konzepte einer
breiten Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen und weitere
Aktions- und Verflechtungsräume zu entsprechender Zusam-
menarbeit animieren.

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
6
Planungsverband
Region Chemnitz
DAS GEBIET DES PLANUNGSVERBANDES REGION CHEMNITZ
umfasst die Landkreise Erzgebirgskreis, Mittelsachsen, Vogtland-
kreis und Zwickau sowie die kreisfreie Stadt Chemnitz mit insge-
samt circa 1,44 Mio. Einwohnern auf etwa 6.500 km
2
Fläche. Neben
der Stadt Chemnitz befinden sich 182 Städte und Gemeinden in
der Planungsregion. Der Planungsverband grenzt innerhalb des
Freistaates Sachsen an die sächsischen Planungsregionen Oberes
Elbtal/Osterzgebirge und Leipzig-Westsachsen. Die grenzüber-
schreitende Zusammenarbeit hat für den Planungsverband auf-
grund seiner Lage und der Grenzen zu den Freistaaten Thüringen
und Bayern sowie zur Tschechischen Republik eine besondere
Bedeutung.
Das Gebiet der Planungsregion mit den Oberzentren Chemnitz,
Zwickau und Plauen war aufgrund seiner langen und bedeutenden
bergbaulichen und industriellen Vergangenheit bereits frühzeitig
dicht besiedelt. Gegenwärtig stellt sich die Bevölkerungsdichte
differenziert dar: Im Verdichtungsraum leben rund 57 Prozent der
Bevölkerung auf gut einem Viertel der Fläche, dagegen haben im
flächenmäßig deutlich größeren ländlichen Raum etwa 43 Prozent
der Bevölkerung ihren Wohnsitz. Nahezu alle Kommunen haben
sich den Auswirkungen des demografischen Wandels und der
Sicherung der Daseinsvorsorge zu stellen.
Die Planungsregion zeigt sich als Wirtschaftsraum mit einer hohen
Industriedichte bei überwiegend mittelständischen Strukturen,
großer Branchenvielfalt und Innovationskraft und geprägt von
einer differenzierten Wissenschaftslandschaft.
Der Naturraum der Region mit dem Tief- und Hügelland, dem
Gebirgsvorland und Bergland sowie den Kammlagen des Erzge-
birges ist vielgestaltig und von hoher Attraktivität. Die großen
und vielfach einmaligen bergbaulichen Traditionen und Zeugnisse
haben zur Aufnahme der „Montanen Kulturlandschaft Erzgebirge/
Krušnohoří“ in die Liste des Welterbes geführt. Damit sind in der
Region sehr unterschiedlich ausgeprägte touristische Destinationen
mit (teil-)regionalen und überregional bedeutsamen Alleinstel-
lungsmerkmalen vorhanden.
Der Planungsverband wirkt aktiv in den verschiedensten Netz-
werken und Regionalinitiativen mit. Im Rahmen der Regionalent-
wicklung werden dabei die Akteure der Region bei der Umsetzung
ihrer Vorhaben und Maßnahmen unterstützt. Dazu dienen in einem
besonderen Maß auch die mit der FR Regio zur Verfügung ste-
henden finanziellen Mittel.
Für die zielgerichtete Entwicklung der Kooperationsräume ist eine
konzeptionelle Grundlage zur Ableitung von Zielen, Strategien
und Maßnahmen erforderlich. Dies kann durch ein Regionales
Entwicklungskonzept (REK) erfolgen, in dem ein Fahrplan für die
weitere Entwicklung des Kooperationsraumes einschließlich einer
Aufgabenverteilung enthalten sind. Im Erzgebirgskreis wurde ein
REK auf der Ebene eines Landkreises im Zusammenhang mit der
Aktualisierung von bereits teilräumlich vorliegenden Konzepten
und einer Benennung ausgewählter Handlungsfelder erarbeitet. In-
nerhalb eines mittelzentralen Städteverbundes sind im Göltzschtal
verschiedene Handlungsfelder für den Verbund und die einzelnen
Kommunen mit priorisierten Maßnahmen untersetzt worden. In
einer Verwaltungsgemeinschaft wurden in einem REK verschiedene
Fachkonzepte erstellt, die auch der Vorbereitung und inhaltlichen
Untersetzung des Flächennutzungsplans und weiterer kommunaler
Planungen dienen. Im Landkreis Mittelsachsen wurde mit dem
Kulturlandschaftsprojekt ein wichtiges Instrument für die Iden-
tifikation der Bevölkerung mit der Verwaltungseinheit entwickelt,
mit dem das innerregionale Zusammenwachsen gestärkt, eine
Plattform für weitere Projekte geschaffen sowie die Arbeit des
Verbandes am Regionalplan unterstützt wird. Mit ganz aktuellem
Bezug können die Ergebnisse der für die Welterbe-Besucherzentren
erstellten Machbarkeitsstudie verwendet werden. Sie stellen eine
wertvolle Grundlage für die künftige inhaltliche, technische und
gestalterische Umsetzung der einzelnen potenziellen Besucherzent-
ren in der „Montanen Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří“ dar.
Blick auf Annaberg-Buchholz

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7
Regionaler Planungsverband
Leipzig-Westsachsen
DIE AUS DER KREISFREIEN STADT LEIPZIG
sowie den Landkreisen
Leipzig und Nordsachsen bestehende Planungsregion des namens-
gebenden Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen
umfasst eine Fläche von circa 4.000 km² und 1 Mio. Einwohner.
In der Region gibt es 62 Gemeinden. Neben den sächsischen Pla-
nungsregionen Oberes Elbtal/Osterzgebirge und Region Chemnitz
sind die Planungsregionen Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg und Halle
(Sachsen-Anhalt), Ostthüringen (Freistaat Thüringen) sowie Lau-
sitz-Spreewald (Brandenburg) Nachbarn. Zu diesen pflegt der
Regionale Planungsverband auch als Mitglied in der Europäischen
Metropolregion Mitteldeutschland eine Zusammenarbeit.
Raumstrukturell nimmt der Verdichtungsraum Leipzig 16 Prozent
der Regionsfläche ein und beherbergt fast zwei Drittel der Bevölke-
rung. Im Ländlichen Raum leben auf 84 Prozent der Regionsfläche
nur 36 Prozent der Einwohner. Insgesamt ist die Siedlungsstruktur
durch eine hohe Siedlungsdichte gekennzeichnet. Die Flächen-
nutzungsstruktur ist sehr differenziert und im westlichen Teil der
Planungsregion durch den Braunkohlenabbau und dessen Folgen
geprägt. Der besondere landschaftliche Wert der Region liegt
in seiner großen naturräumlichen Vielfalt. Die Planungsregion
ist auch wegen ihrer wirtschaftsgeografischen Lagegunst ein
attraktiver Wirtschaftsraum. Dabei ist das Oberzentrum Leipzig
das dominierende Zentrum. Die wieder gewonnene Attraktivität
der Stadt führte seit dem Jahr 2010 zu völlig neuen Perspekti-
ven. Zuwanderung und Geburtenüberschuss sorgen für ein Be-
völkerungswachstum. Mittlerweile verfügt Leipzig wieder über
600.000 Einwohner und zählt damit zu den „Top Ten“ in Deutsch-
land. Für die Entwicklung von Stadt und Umland bedeutet dies
einen Paradigmenwechsel, was auch für die Regionalplanung neue
Herausforderungen mit sich bringt. Zudem wird dies jetzt durch
den mit dem Ausstieg aus der Braunkohleverstromung verbun-
denen Strukturwandel überlagert.
Unabhängig vom gesetzlich verankerten Auftrag entspricht die
Unterstützung und Initiierung von Vorhaben zur Gestaltung der
Regionalentwicklung dem Selbstverständnis des Regionalen Pla-
nungsverbandes, um so vorhandene Potenziale zu nutzen und
räumliche Disparitäten auszugleichen. Dazu sind auch die finan-
ziellen Anreize aus der FR-Regio äußerst hilfreich.
Tendenziell führen die Herausforderungen des demografischen
Wandels zu verstärkten Aktivitäten der interkommunalen und
regionalen Zusammenarbeit. Dabei gewinnen auch die mittelzen-
tralen Verflechtungsbereiche als „Verantwortungsgemeinschaften“
zunehmend an Bedeutung. Daher haben die Stadt Wurzen und die
Gemeinden Bennewitz, Lossatal und Thallwitz des mittelzentralen
Verflechtungsbereiches Wurzen eine Kooperationsvereinbarung
zum „Aktionsraum der Regionalentwicklung Wurzener Land“ ab-
geschlossen. Eine fachliche Grundlage für die Zusammenarbeit ist
das SUK für den Aktionsraum. Im Bezug zu den Anforderungen zur
Bewältigung des demografischen Wandels steht auch das Vorhaben
des Landkreises Leipzig „Handlungsoptionen für Kleinst-Dörfer
mit starkem Handlungsdruck". Regional bedeutsam sind auch
der Ausbau und die Vollendung des Gewässerverbundes Leipziger
Neuseenland. Diese sind geeignet, ein wassertouristisches Allein-
stellungsmerkmal über die Grenzen der Planungsregion hinaus
zu entwickeln. Eine tragende Rolle nimmt dabei seit langem der
„Grüne Ring Leipzig“ ein. In überörtlicher Kooperation, teilweise
auch länderübergreifend, wurden hierzu bereits mehrere FR-Re-
gio-Projekte erfolgreich umgesetzt. Im Kontext zur Entwicklung
der Gewässerlandschaft stehen auch die „Machbarkeitsstudie zur
Erhöhung der Erlebbarkeit der Mulde" des Landkreises Nordsachsen
und die „Studie zur Inwertsetzung bestehender Potenziale der
‚Zwischenräume‘ zwischen den bereits entstandenen touristischen
Hotspots in der Bergbaufolgelandschaft des Südraumes Leipzig“
des Zweckverbandes Kommunales Forum Südraum Leipzig sowie
zahlreiche weitere Vorhaben.
Störmthaler Kanal und Kanuparkschleuse am Markkleeberger See

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
8
Regionaler Planungsverband
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
DER REGIONALE PLANUNGSVERBAND OBERES ELBTAL/OST­
ERZGEBIRGE
besteht aus der Landeshauptstadt Dresden sowie
den Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Die Planungsregion ist mit 3.437 km² die kleinste in Sachsen, mit
etwas mehr als 1 Mio. Einwohnern aber zugleich die am dichtesten
besiedelte. Im Verdichtungsraum um Dresden, der nur 17% der
Regionsfläche einnimmt, leben circa 70 Prozent der Einwohner
der Region. Während die Einwohnerzahl im Verdichtungsraum
und einigen umliegenden Gemeinden stetig zunimmt, verzeichnet
insbesondere der periphere ländliche Raum Bevölkerungsver-
luste. Aus diesem Spannungsfeld heraus ergeben sich mehrere
Ansätze für die Regionalentwicklung mit dem Ziel, die Region als
einen attraktiven und hochwertigen Lebens-, Wirtschafts- und
Kulturraum zu erhalten und zu stärken. Die FR-Regio ist dabei
eine wirkungsvolle Hilfe, um Prozesse der Regionalentwicklung
zu initiieren und punktgenau finanziell zu unterstützen. Durch
das breite Spektrum der Fördergegenstände hilft die FR-Regio in
vielen Fällen, wenn eine Förderung aus Fachförderrichtlinien aus
verschiedenen Gründen nicht möglich ist.
Im Stadt-Umland-Bereich ist eine Kooperation zwischen Stadt
und Land dringend erforderlich, um einen Interessensausgleich zu
ermöglichen und um kommunale Aufgaben gemeindeübergreifend
besser zu lösen. So wurde mit dem Projekt „Wohnbauflächen-
bedarfsprognose für die Erlebnisregion Dresden“ eine regional
abgestimmte Arbeitsgrundlage für die Bauleitplanung der Kom-
munen der Erlebnisregion geschaffen. Besonders im ländlichen
Raum kommt es darauf an, die Wirtschaftskraft in ihrer Größe
und Vielfalt zu erhalten und zu stärken. Mit dem Projekt „Aufbau
einer Heimkehrerbörse für den Landkreis Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge“ wird ein Beitrag geleistet, damit Fachkräfte in
der Region bleiben bzw. wieder „heimkehren“. Gleichermaßen
dient das Projekt „Konzept zur Vertiefung der interkommunalen
Zusammenarbeit im Bereich der Wirtschaftsförderung und dessen
Umsetzung“ dazu, Unternehmen in der Region zu halten und ihre
Interessen bestmöglich zu berücksichtigen. Die Gewährleistung der
Daseinsvorsorge trotz Bevölkerungsrückgang stellt die Kommunen
im ländlichen Raum vor gewaltige Herausforderungen. Das Pro-
jekt „Interkommunales Konzept zur Sicherung der Grundschule in
Hermsdorf/E. durch multifunktionale Nutzung und dessen bauliche
Umsetzung“ hat dazu beigetragen, die „Schule im Dorf zu lassen“,
indem Schule als Lern- und Begegnungsort begriffen wird. Mit
dem Projekt „Zukunftsforum für den Landkreis Meißen“ wird das
ureigene Anliegen der FR-Regio aufgegriffen, mit ganzheitlichen
und nachhaltigen Konzepten die Grundlagen für darauf aufbauende
Umsetzungsmaßnahmen zu schaffen.
Weinberghänge Dresden-Pillnitz

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Regionaler Planungsverband
Oberlausitz-Niederschlesien
DER REGIONALE PLANUNGSVERBAND OBERLAUSITZ­NIEDER­
SCHLESIEN
wird getragen von den beiden ostsächsischen Land-
kreisen Bautzen und Görlitz. Auf einer Fläche von rund 4.500 km²
leben circa 560.000 Einwohner in einer Region, die sehr vielsei-
tig ist. Sie ist die einzige Planungsregion im Freistaat mit einem
oberzentralen Städteverbund (OZSV), die Städte Bautzen, Görlitz
und Hoyerswerda arbeiten interkommunal zusammen. Sie ist die
Heimat der slawischen Minderheit der Obersorben mit eigener
Sprache und Kultur und geprägt von großer Tradition hinsicht-
lich Braunkohleabbau und -verstromung. Mit dem Oberlausitzer
Bergland und Zittauer Gebirge, dem Lausitzer Gefilde, der Heide-
und Teichlandschaft und dem Lausitzer Seenland besticht die
Planungsregion durch landschaftlich abwechslungsreiche Gebiete.
Ein Alleinstellungsmerkmal bildet die Lage entlang der Grenzen
zur Tschechischen Republik und zur Republik Polen. Diese wird
zunehmend von kommunalen und regionalen Akteuren als Chance
für die internationale Zusammenarbeit und europäische Inte-
gration wahrgenommen, sodass gemeinsam grenzübergreifende
Projekte umgesetzt werden. Der Regionale Planungsverband Ober-
lausitz-Niederschlesien ist aktiv im Prozess des Strukturwandels
im Lausitzer Revier eingebunden. Die Mitwirkung besteht unter
anderem über Gremienarbeit und das Einbringen von fachlicher
Expertise in laufenden Projekten zur Standortentwicklung. Mit
Blick auf die Siedlungsstruktur ergeben sich für die Regionalpla-
nung kontinuierlich große Herausforderungen, das Spannungsfeld
zwischen den Interessen der angrenzenden Landeshauptstadt
Dresden, den grenznahen Teilregionen sowie den einzelnen Städten
des OZSV zu moderieren.
Bautzen bildet das kulturelle und gesellschaftliche Zentrum
der Obersorben und das stärkste wirtschaftliche Zentrum der
Region. Görlitz ist mit seinen, das Stadtbild prägenden Bauten
aus allen Stilepochen von der Spätgotik bis zum Jugendstil, ein
überregio
nal bekannter Schwerpunkt des Städte- und Kulturtou
-
rismus. Hoyerswerda ist als größte Stadt im Lausitzer Seenland
das Zentrum der länderübergreifenden Bergbaufolgelandschaft.
Einige Schwerpunkte der FR-Regio werden hier vorgestellt. So
liegt bspw. eine tragende Rolle bei der Tourismusentwicklung
des Lausitzer Seenlandes in der überörtlichen Kooperation, die
mit dem Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen institutionell
gefestigt ist und bereits mehrere FR-Regio-Projekte erfolgreich
umsetzen konnte. Im Kontext der Landschaftsveränderungen im
Norden der Planungsregion ist auch das Projekt zur Energiefabrik
Knappenrode zu sehen.
Die bestehenden Herausforderungen vor dem Hintergrund des
demografischen Wandels führten zu verstärkten Aktivitäten der
interkommunalen und regionalen Zusammenarbeit. So haben sich
im Oberlausitzer Bergland mehrere Kommunen zusammengeschlos-
sen, um ein Projekt zur Errichtung stationärer Pflegeeinrichtungen
umzusetzen. Die Konstituierung der interkommunalen Zusam-
menarbeit von drei Gemeinden in der Heide- und Teichlandschaft
(Radibor, Großdubrau und Malschwitz) wurde mit Mitteln aus der
FR-Regio begleitet. Eine bessere Vernetzung der Region mit der
Landeshauptstadt gelang über das Projekt „Ab in die Wachstums-
region Dresden“.
Das in der Regionalplanung und -entwicklung viel zitierte Schlag-
wort „Zusammenarbeit“ wird in der Planungsregion Oberlausitz-
Niederschlesien tagtäglich von den handelnden Akteuren mit
Leben gefüllt. Aufgrund der besonderen Herausforderungen des
demografischen und strukturellen Wandels wird gemeinsames
Handeln der kommunalen Entscheidungsträger zukünftig noch an
Bedeutung gewinnen. Die FR-Regio ist dabei eine große Chance
für die Kommunen.
Regionaler Planungsverband
Oberlausitz-Niederschlesien
Regionalny zwjazk planowanja
Hornja
Łuži
ca-Delnja Šleska
Blick über Bautzen und die Talsperre Bautzen zum Kraftwerk Boxberg

Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
10
„Der Anspruch, ein neues Grundlagen-
konzept zu erstellen, bedingt es
natürlich, eine umfassende Bandbreite
von Themen zu betrachten.“
Holger Vorberg, Leiter Stabsstelle
Kreisentwicklung im Landratsamt Erzgebirgskreis
Erzgebirgskreis
Zusammenführung und Aktualisierung der Regionalen Entwicklungskonzepte der
früheren Teilregionen zu einem REK Erzgebirge sowie dessen geplante oder bereits
erfolgte Umsetzung und eventuell darauf aufbauende weitere Folgeprojekte
SEIT DEM JAHR 1990 WURDEN MEHRERE ENTWICKLUNGS­
KONZEPTE
mit Bezug zum Erzgebirge erarbeitet (unter anderem
Regionales Entwicklungs- und Handlungskonzept Erzgebirge 2002).
Dazu zählen auch Konzepte, Gutachten und Studien für Teilräume
(zum Beispiel Städtenetzkonzeption für die zwölf Partnerstädte
im Regionalmanagement Erzgebirge 2010, Entwicklungsstrate-
gien für die LEADER-Regio
nen). Andere Konzepte behandelten
ausgewählte thematische Schwerpunkte (unter anderem Studie
zur Erreichbarkeitssituation kommunaler Zentren des Erzgebirges
2013, Bedarfs- und Verfügbarkeitsanalyse zur Breitbandinternet-
versorgung des Erzgebirgskreises 2010).
Mit der Kreisgebietsreform im August 2008 wurde der Erzgebirgs-
kreis aus einem Zusammenschluss der vier ehemaligen Landkreise
Annaberg, Aue-Schwarzenberg, Stollberg und des Mittleren Erz-
gebirgskreises gebildet.
Parallel dazu gründeten sich aufgrund der Förderkonstellation
LEADER-Regionen heraus, die nicht in allen Fällen die Kreisgrenzen
des Erzgebirgskreises berücksichtigen und eigene Entwicklungs-
interessen für ihre Mitgliedskommunen verfolgen. Diese Kon-
stellation führte dazu, dass bisherige Grundlagenkonzepte nicht
oder nur noch schwer als Rahmen für die kreisliche Entwicklung
herangezogen werden konnten. Das war schließlich der Anlass, das
Erstellen eines neuen Entwicklungskonzeptes über die FR Regio
anzustoßen.
Der Anspruch, ein neues Grundlagenkonzept zu erstellen, bedingt
es natürlich, eine umfassende Bandbreite von Themen zu be-
trachten. Dies geschah zunächst unabhängig davon, auf welcher
Ebene die Zuständigkeit liegt. Eine Zuordnung erfolgte erst in den
konkreten Handlungsfeldern am Ende des Prozesses.
Näher betrachtet wurden die Themen:
I
Demografie
I
Verkehrssituation und Erreichbarkeit
darunter auch ÖPNV, Luftverkehr, Radverkehr, land- und forst-
wirtschaftliche Wege, Elektromobilität
I
Technische
Infrastruktur
Trink- und Abwasser, Fernwärmeversorgung, Versorgung mit
Elektroenergie, Gasversorgung sowie Telekommunikation und
Breitbandversorgung
I
Wirtschaft und Beschäftigung
darunter Branchenstruktur, Einzelhandel, Tourismus, Forschung
und Entwicklung, Gewerbeflächen, Wirtschaftsförderung und
Netzwerke der Wirtschaft, Beschäftigungs- und Fachkräftesi-
tuation, Einkommen und Lohnniveau
I
Soziale
Infrastruktur
Kinderbetreuungseinrichtungen, Schuleinrichtungen, Medizini-
sche Versorgung, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen
und Senioren, Kinder- und Jugendhilfe, Kultur, Vereinsleben und
Denkmale, Sport, Integration von Migranten
I
Natur, Umwelt und Klimawandel
Wald- und Forstwirtschaft/Landwirtschaft, Schutzgebiete nach
Naturschutzrecht, Flächennutzungen, Stand- und Fließgewässer,
Altlasten und Bergbau, Emissionen und Immissionen, Klimaschutz
und Klimaanpassung, Brand- und Katastrophenschutz
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
Juni 2016 bis Dezember 2016
|
PROJEKTSUMME:
58.786 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Kreistag, Ämter und Institutionen, Städte und Gemeinden sowie die LEADER­Managements
des Erzgebirgskreises, Planungsverband Region Chemnitz, Bürger des Kreises in einem separaten
Anhörungsprozess vor der Kreistagsbeschlussfassung
ANSPRECHPARTNER:
Holger Vorberg, Leiter Stabsstelle Kreisentwicklung im Landratsamt Erzgebirgskreis
Planungsverband Region Chemnitz

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Um bei der Vielfalt der zu bewältigenden Themen diese nicht erneut
in voller Tiefe erörtern zu müssen, da es bereits dokumentierte
Kompromisse gibt, liegen dem Konzept alle Positionen zugrunde,
die den Landkreis durch frühere Beschlüsse bereits binden. Darun-
ter Konzepte der Kommunen, die Fachkonzepte auf Landkreisebene
und die LEADER-Entwicklungsstrategien. Außerdem wurden bei
der Konzepterstellung die Ämter und Institutionen, die Städte und
Gemeinden sowie die LEADER-Managements des Erzge
birgskreises
unmittelbar in einer Beratung, im Schriftwechsel und in Abstim-
mungsgesprächen beteiligt. Es erfolgte eine schriftliche Befragung
aller Kommunen zu Potenzialen und Defiziten in ihrer Kommune
bzw. im Landkreis. Außerdem wurden die Fachverantwortlichen
und zuständigen Institutionen/Akteure sowie der Kreistag einbezo-
gen. Soweit sich daraus keine neuen Grundlagen ergaben, wurden
jedoch bestehende Beschlusslagen lediglich auf Unstimmigkeiten
zwischen den Beschlüssen geprüft. Konnten Letztgenannte aus-
geschlossen werden, wurden die Zielstellungen übernommen.
Weil das Konzept jedoch insbesondere die Verwaltung des Erzge-
birgskreises binden wird, oblag die abschließende Meinungsbildung
den demokratisch gewählten Gremien des Kreises.
Der abschließenden Beschlussfassung ging jedoch noch einmal
eine öffentliche Anhörung voraus, an der sich alle Bürger des
Erzgebirgskreises beteiligen konnten.
Da es in dem Konzept nicht darum ging, alle tragfähigen Grund-
lagen und Kompromisse erneut zu diskutieren, sondern vielmehr
darum, bisher unterschiedliche Ansätze oder Ziele der einzelnen
Regionen zu erkennen und diese aufeinander abzustimmen und in
Gleichklang zu bringen, war ein großer Teil der Abstimmungen den
Fachbereichen zuzuordnen. Die gesamtkonzeptionelle Lösung stand
anschließend noch einmal offen zur Debatte. Die Rückmeldungen
spiegelten dabei wider, dass die Konzepte die wichtigen Themen
der Region erfasst haben, sie zeigten aber auch, dass Meinungsdif-
ferenzen, die in Kompromissformulierungen im Konzept zu finden
sind, bis in die breite Bevölkerung hinein bestehen.
Blick auf Gemeinde Erlbach-Kirchberg
Hunt - Neu Straßburger Glück-Rampe
Planungsverband Region Chemnitz

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
„Interkommunale Zusammenarbeit lässt
sich vor allem dann verstetigen, wenn
das Gesamtziel die vielen Ziele der
einzelnen Regionen und Kommunen als
Bausteine des Ganzen erkennen lässt.“
Holger Vorberg, Leiter Stabsstelle
Kreisentwicklung im Landratsamt Erzgebirgskreis
Es kann festgestellt werden, dass sich die interkommunale Zu-
sammenarbeit vor allem dann verstetigen lässt, wenn das Ge-
samtziel die vielen Ziele der einzelnen Regionen und Kommunen
als Bausteine des Ganzen erkennen lässt. Der Prozess erfordert
eine zentrale und stringente Steuerung durch verantwortliche
Personen. Es ist außerdem von großer Bedeutung, alle betroffenen
Institutionen und Akteure laufend in den Prozess einzubeziehen.
Wie bei jedem großen Konzept besteht natürlich die Gefahr, dass
frühere Kompromisse und Ziele erneut in Frage gestellt werden,
ohne dass eine neue konsensfähige Lösung im Raum steht. Solche
Fragen zu erkennen und die Konzentration auf Fragen aufrecht
zu erhalten, für die der Lösungsweg noch zu finden ist, war eine
der großen Herausforderungen, die jedoch aufgrund der großen
Erfahrung des beauftragten Unternehmens und der sachlichen
Arbeit der Fachbereiche und Gremien gemeistert werden konnte.
Ziel war die Erreichung des größten gemeinsamen Nenners. Das
„Wie“ der Umsetzung muss zum Teil im Nachgang geprüft, abge-
stimmt und geregelt werden.
Im Projektverlauf erfolgten zunächst folgende Schritte:
I
Erfassung der Ausgangssituation
I
Definition der Aufgabenstellung
I
Analyse und Bewertung des Untersuchungsraumes
I
Erstellung eines Entwicklungs- und Handlungskonzepts
I
Fazit und Vorschläge für das weitere Vorgehen
Diese Schritte wurden durch Befragung und Auswertung von
Konzepten/Planungen unterstützt.
Im Ergebnis erfolgte die Formulierung von konkreten Schlüssel-
projekten inkl. ausführlicher Projektbeschreibungen in enger Ab-
stimmung mit Fachverantwortlichen und relevanten Institutionen/
Akteuren.
Die Feinjustierung erfolgte schließlich durch Abwägung der Rück-
meldungen der Bürger und Kreisräte.
Ortsansicht Gemeinde Seiffen
Planungsverband Region Chemnitz

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Das unmittelbare Förderprojekt erfasste dabei bewusst „nur“ den
Konzeptteil, die letztliche Abstimmung in den Gremien und die öf-
fentliche Anhörung zum Konzeptentwurf waren nicht Gegenstand
der Förderung. Es hat sich gezeigt, dass diese Verfahrensweise dem
Gesamtprozess sehr förderlich war, da so die Gremienbefassung nicht
unter dem Zeitdruck des Endes des Förderzeitraumes stand und viele
der Fragen noch nachträglich sachlich ausgeräumt werden konnten.
Als Erfolg ist zu verzeichnen, dass das Regionalentwicklungskon-
zept des Erzgebirgskreises den Rahmen für das Verwaltungshandeln
bildet. Es ermöglicht auch, in konkreten Einzelfällen die politische
Zielrichtung der gewählten Vertreter des Kreises von vornherein
zu berücksichtigen.
Mit den thematischen Zielstellungen und Schlüsselprojektbe-
schreibungen liegt eine konkrete Orientierungs-, Arbeits- und
Handlungsgrundlage für Kreisverwaltung, Kreistag, Kommunen
und sonstige Erbringer landkreisentwicklungsrelevanter Institu-
tionen/Akteure vor.
Natürlich stehen solchen grundsätzlichen Konzepten stets die
Bedenken entgegen, dass die Konzepte den Spielraum der all-
täglichen Entscheidungen unangemessen einschränken könnten.
Diesen Bedenken kann nur dadurch Rechnung getragen werden,
dass sich das Konzept auf die Zielstellung beschränkt und keine
unverrückbaren Vorgaben macht, die sich im Widerstreit der Sach-
zwänge als unlösbare Konflikte offenbaren.
Die für das Konzept erforderliche Zusammenarbeit über alle Ebe-
nen hinweg hat tatsächlich zu besserer Kommunikation zwischen
unterschiedlichen Bereichen geführt und in den Verwaltungsalltag
Einzug gehalten. Aktuell erfolgt eine Umsetzung der Maßnahmen
aus dem REK in einzelnen Bereichen bzw. mit folgenden Vorhaben.
Aktuell nimmt aufgrund des Auslaufens der Förderperiode im
Bereich Breitbandförderung die Entwicklung der Infrastruktur für
den allgemeinen digitalen Datenaustausch (Breitbandinfrastruktur),
also die Maßnahmen nach Nr. 14 des Entwicklungskonzeptes, fast
die gesamte Kapazität in Anspruch. Hier sollen nunmehr alle nach
den kommunalen Einzelprojekten noch verbliebenen förderfähigen
Adresspunkte mit entsprechenden Anschlüssen versorgt werden.
Einen weiteren Schwerpunkt stellt derzeit der Maßnahmenblock
Nr. 26 (Bewältigung der Folgen des Bergbaus und geologischer
Bedingungen inkl. Etablierung von Informations- und Koopera-
tionsstrukturen) dar. Aber auch alle anderen Maßnahmen werden
im Rahmen der verfügbaren Kapazitäten begleitet und entwickelt.
Gemauerter Ofen - Waschleithe
Planungsverband Region Chemnitz

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
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„Zusammenkommen ist ein Beginn.
Zusammenbleiben ist ein Fortschritt.
Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“
Henry Ford, Gründer des
Automobilherstellers Ford Motor Company
Städteverbund Göltzschtal
Erstellung eines Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK)
für den Mittelzentralen Städteverbund Göltzschtal (MZSV)
DIE VIER KOMMUNEN
Falkenstein, Ellefeld, Auerbach und Rodewisch
mit circa 37.000 Einwohnern bilden ein geschlossenes Siedlungsband
entlang des oberen Göltzschtals. Mit Ausnahme der Gemeinde Ellefeld
verfügt jede der Kommunen über zentralörtliche Einrichtungen, ohne
eigenständig ein Mittelzentrum zu bilden. Die räumliche Nähe, die
engen Verflechtungen und gleiche strukturelle Herausforderungen wa-
ren Grund, die interkommunale Zusammenarbeit zu intensivieren und
zu verstetigen. Bereits im Jahr 1997 unterzeichneten die damaligen
Bürgermeister den „Vertrag zur Zusammenarbeit im Mittelzentralen
Städteverbund Göltzschtal“. Dem Leitbild „Planen und Handeln, als
ob Gemeindegrenzen nicht vorhanden wären“ folgend, wurden und
werden vielfältige Projekte verwirklicht. Beispielhaft seien hier der
gemeinsame Flächennutzungsplan, das Einzelhandelskonzept oder
der Bau der Göltzschtalumgehung genannt.
Nach 20 Jahren der Zusammenarbeit und dem Wechsel der Akteure
bedurfte es einer Evaluierung und Neuausrichtung gemeinsamer
kommunalpolitischer Ziele.
Fragen, wie beispielsweise:
I
Wo liegen die Stärken und Schwächen der Region und jedes
einzelnen Mitglieds?
I
Wie können wir unsere Zusammenarbeit intensivieren?
I
Wie können wir unser Image verbessern?
I
Was sind die Wünsche der Bürger?
bedurften einer fachlichen Gesamtbetrachtung. So wurde zunächst
unter den Bürgermeistern die Idee zur Erarbeitung eines REK und
zur Beantragung über die FR Regio geboren.
Innerhalb des MZSV gibt es einen gemeinsamen Ausschuss (Strate-
gieausschuss), dem die vier Bürgermeister sowie drei Stadträte pro
Kommune angehören.
Innerhalb dieses Gremiums erfolgten erste Vorberatungen zur
Aufstellung eines REK, die ihrerseits den Weg in die Stadt- und
Gemeinderäte ebneten. Die Willensbildung zur Erarbeitung eines
REK erfolgte, trotz einer gewissen „Konzeptmüdigkeit“ einiger
Räte, mit großer Mehrheit.
Nach Ausschreibung der Leistung wurde ein erfahrener Dienst-
leister mit der Erarbeitung des REK beauftragt.
Einigkeit bestand darüber, die Ideen und Wünsche der Bevölkerung
in das für den MZSV so bedeutende und zukunftsweisende Papier
aufzunehmen. Auf der Suche nach einem geeigneten Format,
um die Bevölkerung zu befragen, wurde die Idee der „4erTOUR“
geboren. Bei einer gemeinsamen Wanderung von Falkenstein über
Ellefeld und Auerbach nach Rodewisch, an der über 100 Menschen
teilnahmen, wurden im Gespräch Wünsche und Ideen, aber auch
Probleme der Menschen notiert. Anzumerken sei an dieser Stelle,
dass das gewählte Format auf breite Zustimmung stieß und nun
mit einer jährlichen Veranstaltung unter dem Titel „4erTOUR“ ver-
stetigt wird. Man darf gespannt sein, was wir uns nächstes Jahr
einfallen lassen.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
März 2017 bis März 2019
|
PROJEKTSUMME:
31.300 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Städte Auerbach, Falkenstein und Rodewisch, Gemeinde Ellefeld
ANSPRECHPARTNER:
Kerstin Schöniger, Bürgermeisterin Stadt Rodewisch, Sprecherin des MZVS
„4erTOUR“-Wanderung – Start in Falkenstein
v.l.n.r.: Michael Kretschmer, Ministerpräsident, Marco Siege-
mund, Bürgermeister Stadt Falkenstein, Manfred Deckert,
Oberbürgermeister Stadt Auerbach, Sören Voigt, Landtags-
abgeordneter, Jörg Kerber, Bürgermeister Gemeinde Ellefeld
und Kerstin Schöniger, Bürgermeisterin Stadt Rodewisch
Planungsverband Region Chemnitz

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Im Projektverlauf wurden Statistiken, Prognosen, übergeordnete
und örtliche Planungen gemeinsam aufbereitet, anstehende Fragen
diskutiert und die Wünsche und Vorschläge aus der „4erTOUR“ ent-
sprechenden Leitbildbausteinen und Handlungsfeldern zugeordnet.
Dies mag im Rückblick recht formal klingen, ausdrücklich erwähnt
sei jedoch, dass es sich um einen sehr demokratischen Prozess
handelte, um manch eine Formulierung wurde heftig gerungen!
„Wir Bürgermeister schauen
gemeinsam nach vorne.“
Kerstin Schöniger,
Bürgermeisterin Stadt Rodewisch
Wesentliche Änderungen erfolgten daraufhin nicht, sodass nach
zweijähriger Bearbeitungszeit im Frühjahr 2019 den Stadt- und
Gemeinderäten von Auerbach, Ellefeld, Falkenstein und Rodewisch
das REK zum Beschluss vorlag. Die Dauer und die Intensität des
Erarbeitungsprozesses, die häufigen Abstimmungen und die me-
diale Begleitung führten zu einer so hohen Akzeptanz des Papiers,
dass es mit übergroßer Mehrheit bestätigt wurde. Das bedeutet
natürlich „Rückenwind“ für die nun beginnende Umsetzung!
Interkommunale Zusammenarbeit hat ein hohes Abstimmungs-
und Kommunikationserfordernis. Da unser REK in einem sehr
demokratischen Prozess erarbeitet wurde, ist sichergestellt, dass
sich jede Kommune mit ihren Schwächen, aber auch Potenzialen
wiederfindet. Grundsätzliche Ziele sind nun niedergeschrieben
und beschlossen, somit ist es „nur“ noch eine Frage des Wie, um
sie umzusetzen und die Zusammenarbeit zu verstetigen.
Wir Bürgermeister schauen gemeinsam nach vorne. Im Zuge der
Erarbeitung des REK formulierte Projekte, wie zum Beispiel der
Bau von vier interaktiven Erlebnisinseln entlang der Göltzsch,
die Imagekampagne, aber auch die städtebauliche Erneuerung
unserer Zentren sowie die Neuausrichtung des ÖPNV sind mit-
ten im Werden. Andere können dank der Förderung für die Stelle
„Projektmanagement“ über einen Zeitraum von zwei Jahren (FR
Regio) in kurzer Zeit an den Start gehen.
Als Evaluationszeitraum für das REK sind zwei bis drei Jahre vor-
gesehen. Danach soll geprüft werden, welche Projekte begonnen
oder umgesetzt sind oder warum es gegebenenfalls zu Verzöge-
rungen kam.
Für mich als Sprecherin sind mit dem REK die strategische Ziel-
richtung und der rote Faden für den MZSV klar definiert. Die
Umsetzung getreu unserem Leitbild „Planen und Handeln, als ob
Gemeindegrenzen nicht vorhanden wären“ lässt unseren Städte-
verbund lebendig und für die Menschen sicht- und spürbar werden.
„4erTOUR“-Wanderung durch das Göltzschtal – ein Teil der über
100 begeisterten Wanderer
Das Hauptaugenmerk sollte schließlich auf folgende Leitbildbau-
steine gelegt werden: Innenstädte beleben, Wirtschaft fördern,
Infrastruktur erneuern, Generationen ein Zuhause bieten, Lebens-
wert steigern und Zusammenarbeit befördern.
Diesen Leitbildbausteinen wurden wiederum Handlungsfelder
zugeordnet, die ihrerseits mit ganz konkreten Projekten, deren
Umsetzungszeit und Verantwortungen untersetzt wurden. Ei-
nige der Projekte wurden als „Schlüsselprojekte“ für die nächsten
Jahre konkreter ausformuliert, darunter beispielsweise die Fort-
schreibung des Flächennutzungsplanes, die Erarbeitung eines
gemeinsamen Brachflächenkatasters und eine Imagekampagne
für das Göltzschtal.
Die Priorisierung der Maßnahmen erfolgte durch die Mitglieder
des Strategieausschusses und wurde von den Gremien bestätigt.
Vor finaler Beschlussfassung zum REK durch die vier Kommunen
erfolgte nochmals eine Anhörung der Bürger. Eine Lang- und
eine gekürzte Version wurden auf den jeweiligen Homepages der
Kommunen veröffentlicht, die Aufforderung, Hinweise oder An-
regungen vorzubringen, erfolgte in der Presse, den Amtsblättern
und über soziale Medien.
„4erTOUR“-Wanderung durch das Göltzschtal – Verpflegungspunkt
am Zielpunkt in Rodewisch
Planungsverband Region Chemnitz

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
„Regionale Zusammen
arbeit auf allen
Ebenen des täglichen Verwaltungs
handelns
schafft Synergien und trägt wesentlich
zur Erhaltung kommunaler Handlungsfähig-
keit ins
besondere bei not
wendigen
Investitionen in die Infrastruktur bei.“
Thomas Probst, Bürgermeister a. D. der Gemeinde Burkhardtsdorf
VG Burkhardtsdorf
Erstellung eines gemeinsamen Regionalen
Entwicklungs- und Handlungskonzeptes (REK)
MIT DER GEMEINSCHAFTSVEREINBARUNG
über eine Ver-
waltungsgemeinschaft zwischen den Gemeinden Auerbach,
Burkhardtsdorf und Gornsdorf vom 20. Februar 2008 wurden
Aufgabenbereiche an die erfüllende Gemeinde Burkhardtsdorf
übertragen.
Innerhalb der Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft
Auerbach-Burkhardtsdorf-Gornsdorf muss aufgrund der Bevölke-
rungsentwicklung und geringer werdenden Anzahl von Mitarbei-
tern seit der Kreisgebietsreform zum Erzgebirgskreis und dessen
räumlichen Ferne, eine gestiegene kommunale Aufgabenzahl und
-vielfalt erbracht werden, welche eine immer höhere Spezialisie-
rung und Qualifikation der Mitarbeiter verlangt.
Durch interkommunale Kooperation kann es gelingen, den künf-
tigen strukturellen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen,
Synergieeffekte zu nutzen und dadurch die kommunale Hand-
lungsfähigkeit zu stärken.
Die damit verbundenen Einsparpotenziale bieten Kommunen die
Chance, Infrastruktur zu sichern und Gestaltungsspielräume zu-
rückzugewinnen. Zudem ermöglichen die Bündelung vorhandener
Potenziale, die Vermeidung konkurrierender Entwicklungen sowie die
Etablierung von kooperativen Organisationsmodellen eine tragfähige
Wahrnehmung kommunaler Aufgaben der Daseinsvorsorge sowie eine
zukunftsfähige Regionalentwicklung mit eigenständigen Kommunen.
Mit der Erstellung eines gemeinsamen REK wollten die Mit-
gliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Auerbach-Burk-
hardtsdorf-Gornsdorf Synergieeffekte einer zukünftigen inter-
kommunalen Zusammenarbeit und langfristige Möglichkeiten einer
wirtschaftlichen Schwerpunktsetzung generieren.
Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit standen die Themenfelder
I
Besonderheiten der Entwicklung der Verwaltungsgemeinschaft
I
Verkehr und technische Infrastruktur
I
Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Tourismus
I
Bildung, Erziehung und Soziales
I
Kultur und Sport
I
Umwelt und Klimaschutz
I
Öffentliche Finanzen und Verwaltung
In der 3. Sitzung des Gemeinschaftsausschusses der Verwaltungs-
gemeinschaft Auerbach-Burkhardtsdorf-Gornsdorf am 06. Sep-
tember 2016 wurde die Thematik Gemeindegebietsentwicklung/
Flächennutzungsplan mit der Zielsetzung der Erstellung eines
gemeinsamen Regionalen Entwicklungs- und Handlungskonzeptes
(REK) und der Beantragung über FR Regio behandelt.
Mit der Unterzeichnung einer Willensbekundung durch die Bür-
germeister der Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft
Auerbach-Burkhardtsdorf-Gornsdorf am 23. November 2016,
sowie dem darin enthaltenen Bekenntnis zur aktiven Mitarbeit
und gemeinsamen Bereitstellung notwendiger Eigenmittel, haben
die Bürgermeister stellvertretend für ihre Gemeinderäte und Ver-
waltungen die Bereitschaft zur Beteiligung der Erstellung eines
gemeinsamen REK dokumentiert.
Da die Verwaltungsgemeinschaft Auerbach-Burkhardtsdorf-Gorns-
dorf schon seit dem Jahr 2008 besteht, waren wenige Hemmnisse
zu überwinden.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
Mai 2017 bis Februar 2019
|
PROJEKTSUMME:
25.000 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
beteiligte Akteure: Bürgermeister, Gremien und Mitarbeiter der Gemeinden Auerbach,
Burkhardtsdorf, Gornsdorf, Verwaltung der erfüllenden Gemeinde Burkhardtsdorf, Bürger
ANSPRECHPARTNER:
Jörg Spiller, Bürgermeister der Gemeinde Burkhardtsdorf
Planungsverband Region Chemnitz

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Für die Erarbeitung des REK fand die Auftaktberatung mit an-
schließender Ortsbegehung zur Erfassung städtebaulicher Po-
tenziale und Missstände am 17. August 2017 in der Gemeinde
Burkhardtsdorf statt.
Im Rahmen von drei Klausurtagungen, die in den Gemeinden Au-
erbach, Burkhardtsdorf und Gornsdorf îm März 2018 stattfanden,
wurden mit den Gemeinderäten die Ergebnisse der Bestandsanalyse
und erste Handlungsansätze bzw. -felder diskutiert.
Bei einer Sitzung des Gemeinschaftsausschusses der Verwal-
tungsgemeinschaft Auerbach-Burkhardtsdorf-Gornsdorf im Juni
2018 wurden die Ergebnisse der Klausurtagungen in den Einzelge-
meinden vorgestellt und diskutiert. Vor allem für die Themen und
Handlungsfelder der Verwaltungsgemeinschaft Auerbach-Burk-
hardtsdorf-Gornsdorf, die in mehr als einer Gemeinde genannt
wurden, erfolgte eine vertiefte Betrachtung. Darüber hinaus
wurden Aufbau und Struktur des Entwicklungs- und Handlungs-
konzeptes besprochen.
Nachfolgend fanden in den Gemeinden Auerbach, Burkhardts-
dorf und Gornsdorf Beratungen mit den Gemeinderäten bzw. der
Verwaltungsspitze statt. Im Rahmen dieser Beratungen wurden –
auf Basis der Analyse und Bewertung der Rahmenbedingungen
sowie der Bestandssituation und Prognosen – Schlüsselmaßnah-
men für die jeweilige Gemeinde und die Verwaltungsgemeinschaft
erarbeitet und diskutiert.
In einer gemeinsamen Abschlusssitzung am 24. Oktober 2018 mit
den Gemeinderäten von Auerbach, Burkhardtsdorf und Gornsdorf
wurden die gemeinsamen Entwicklungsziele und Schlüsselmaß-
nahmen für die Verwaltungsgemeinschaft Auerbach-Burkhardts-
dorf-Gornsdorf noch einmal vertieft betrachtet und diskutiert
sowie Schwerpunktsetzungen abgestimmt.
Abschließend erfolgte im Februar 2019 die Beschlussfassung des
REK als kommunaler Selbstbindungsplan für die Verwaltungs-
gemeinschaft durch die Gemeinderäte der Mitgliedsgemeinden.
Die Bürger/die Öffentlichkeit wurden im Rahmen der öffentlichen
Sitzungen der Gremien der Verwaltungsgemeinschaft beteiligt. Die
Hinweise aus der Bürgerschaft wurden in das REK aufgenommen.
Als Erfolg ist eine zukunftsbasierte Zusammenarbeit der Mitglieder
der Gemeinderäte der Gemeinden Auerbach, Burkhardtsdorf und
Gornsdorf zu verzeichnen. Somit konnten gemeinsame Strategien
für die zukünftige Entwicklung der Mitgliedsgemeinden der Ver-
waltungsgemeinschaft entwickelt werden.
Die interkommunale Zusammenarbeit zwischen den Mitglieds-
gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Auerbach-Burkhardts-
dorf-Gornsdorf konnte verstetigt und erweitert werden. Aktuell
erfolgt in Umsetzung der Maßnahmen aus dem REK die Erarbeitung
des Flächennutzungsplans sowie die Verbesserung der verkehr-
lichen Anbindung der Ortsteile (ÖPNV).
Grundschule Auerbach
Volkshaus Gornsdorf
Marktplatz Burkhardtsdorf OT Meinersdorf
Planungsverband Region Chemnitz

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
18
„Die kulturelle Vielfalt des Landkreises
sollte profiliert, nicht nivelliert werden.“
Prof. Dr. Catrin Schmidt,
Direktorin des Instituts für Landschaftsarchitektur
an der Technischen Universität Dresden
Landkreis Mittelsachsen
Kulturlandschaftsprojekt Mittelsachsen
DER DEMOGRAFISCHE WANDEL,
die Veränderung des Klimas und
die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien stellen nicht nur
Deutschland und Sachsen, sondern insbesondere auch den Land-
kreis Mittelsachsen vor enorme Herausforderungen. Vor diesem
Hintergrund wurde das Kulturlandschaftsprojekt Mittelsachsen
mit dem Ziel initiiert, Strategien und Maßnahmen aufzuzeigen,
wie sich der Landkreis diesen Herausforderungen aktiv und vor-
ausschauend stellen kann.
Außerdem widmete sich das Projekt der Frage: „Wie können die
landschaftliche Unverwechselbarkeit und die Eigenart der Kultur-
landschaften des Landkreises im Sinne von Alleinstellungsmerk-
malen weiter profiliert werden?“
Für die Bearbeitung stand dem Lehr- und Forschungsgebiet Land-
schaftsplanung der Technischen Universität Dresden der Zeitraum
eines Jahres zur Verfügung, beginnend ab November 2013.
Die Erarbeitung der Studie wurde dabei nicht nur auf die wissen-
schaftliche Auswertung vorhandener Daten und Statistiken in
Bezug auf die Themen Klimawandel und Energiewende reduziert.
Vielmehr war das Ansinnen der Technischen Universität Dresden,
herauszufinden, welche Sicht die Einwohner Mittelsachsens auf
ihren Landkreis haben.
So wurden insgesamt neun Diskussionsrunden mit 77 Akteuren
in einzelnen Gemeinden des Landkreises, und im Rahmen einer
studentischen Sommerschule gemeinsam mit der Hochschule
Osnabrück 32 Interviews mit weiteren 66 Gesprächspartnern
durchgeführt. Dadurch konnte ein wertvoller Einblick in die Sicht
der Bewohner des Landkreises auf ihre Kulturlandschaft gewonnen
werden. Zwei Workshops auf der Landkreisebene sowie weitere
vier Abschlussworkshops in den Teilräumen ergänzten den in-
tensiven Diskurs.
Die Ergebnisse der Befragungen wurden in Steckbriefen und Ge-
sprächsprotokollen festgehalten. Dabei wurde etwas Besonderes
festgestellt: Ein Großteil der Interviewpartner vertrat die Mei-
nung, dass eine landschaftliche Verwurzelung immer lokal oder
teilregional erfolgt.
An dieser Stelle spielen die fünf verschiedenen Kulturlandschafts-
räume eine entscheidende Rolle. Vom Döbelner Lößhügelland und
dem Rochlitzer Land über das Mulde-Lößhügelland und die Talland-
schaften bis in das Osterzgebirge reichend, besteht der Landkreis
aus einem Landschaftsmosaik, das unterschiedlicher nicht sein
könnte. So fühlen sich zum Beispiel die Döbelner dem Döbelner
Lößhügelland und die Erzgebirgler dem Erzgebirge zugehörig. Eine
Identifizierung mit dem gesamten Landkreis Mittelsachsen gibt
es dagegen nicht, die Stärke des Landkreises liegt stattdessen in
der Vielfalt seiner Teilräume.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
November 2013 bis Dezember 2014
|
PROJEKTSUMME:
83.278 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Technische Universität Dresden, Lehr­ und Forschungsgebiet Landschaftsplanung, Hochschule
Osnabrück (im Rahmen der studentischen Sommerschule), Kreativwerkstatt Mittelsachsen,
Land
ratsamt Mittelsachsen, Referat Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung
ANSPRECHPARTNER:
Bernd Voigtländer, Landratsamt Mittelsachsen
Homepage Sagenhaftes Mittelsachsen,
www.sagenhaftes-mittelsachsen.de
Planungsverband Region Chemnitz

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Seitens der Technischen Universität wurde daher empfohlen, dass
der Landkreis einerseits die Spezifika seiner Teilräume fördert und
andererseits die Brücken zwischen diesen stärkt.
Dafür wurden neben Leitbildern für jede einzelne Kulturlandschaft
sowie konkreten Leitlinien und Strategien insgesamt 14 sogenannte
„Schlüsselprojekte“ erarbeitet und zur Umsetzung vorgeschlagen.
Darin werden in erster Linie Lösungsansätze für die Herausforde-
rungen, denen sich der Landkreis in den kommenden Jahren und
Jahrzehnten gegenübersieht, unterbreitet.
Im Hinblick auf die vorgeschlagenen Strategien zum Umgang mit
der Energiewende gingen beispielweise die Schlüsselprojekte
„Kurzumtriebsplantagen und Co. Neue Wege der Biomassenut-
zung“ sowie „Energie aus der Landschaftspflege: Verwertung von
Mahdgut“ hervor.
Burg Kriebstein
„Der 2008 gebildete Landkreis
ist ausgesprochen „jung“,
und eine Identifizierung mit
dieser neuen Verwaltungseinheit
kann nicht verordnet werden
und muss daher wachsen.“
Bernd Voigtländer, Landratsamt Mittelsachsen
Um die Wasserversorgung im Landkreis trotz steigender Tempe-
raturen bei gleichzeitiger Abnahme des Niederschlags langfristig
sicherstellen zu können, wurde das Schlüsselprojekt „Wasser-
management: verbesserte Hochwasservorsorge und Wasser-
management in Trockenphasen“ vorgeschlagen. Hier war das
Kulturlandschaftsprojekt ein wichtiger Impulsgeber, denn im
Jahr 2019 wurde im Rahmen des EU-Projektes LIFE LOCAL ADAPT
durch das Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz
eine Studie zur Problematik erarbeitet. Sie trägt die Bezeichnung
„Auswirkungen des Klimawandels auf den Grundwasserhaushalt
und damit auf die Sicherung der Wasserversorgung im Landkreis
Mittelsachsen unter Beachtung der Anforderungen bestimmter
Not- und Krisensituationen“ und betrachtet schwerpunktmäßig
die Bereiche Ostrauer Becken und Rochlitzer Land.
Doch nicht nur Klimawandel und Energiewende waren Gegenstand
der Betrachtung des Projekts. Ebenso wurde im Zuge der zahlrei-
chen Befragungen in den Teilräumen des Landkreises untersucht,
was die Menschen mit der jeweiligen Kulturlandschaft, in der sie
leben, besonders in Verbindung bringen. Dabei wurde festgestellt,
dass der Landkreis Mittelsachsen ausgesprochen reich an sagen-
umwobenen Landschaften ist.
Planungsverband Region Chemnitz

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
Allein während der Erarbeitung des Kulturlandschaftsprojektes
wurden knapp 300 Sagen in Mittelsachsen recherchiert, die zwei-
fellos als verbindendes Element zwischen den einzelnen Kultur-
landschaftsräumen dienen und Brücken zwischen den Regionen
schlagen. Daher wurde das Schlüsselprojekt „Sagensammlung des
Landkreises“ als sogenanntes „Starterprojekt“ des Landkreises
Mittelsachsen ausgewählt, um die Ergebnisse des Kulturland-
schaftsprojektes und die Aktivitäten im Bereich der Regionalent-
wicklung langfristig zu verstetigen.
Das Projekt „Sagenhaftes Mittelsachsen – Identität gemeinsam
lebendig erschließen“ wurde ebenso wie das Kulturlandschaftspro-
jekt nach der Richtlinie FR Regio gefördert und im Jahr 2016 durch
die Kulturwerkstatt Waldheim erarbeitet. Im Ergebnis entstan-
den durch eine breit angelegte Recherche und Netzwerkarbeit
zwei Sagenbände, die historische Begebenheiten aus allen fünf
Kulturlandschaftsräumen des Landkreises, einschließlich einer
dazugehörigen Karte, in der die Sagen verortet sind, enthalten.
Doch nicht nur das. Neben dem zweibändigen Sagenwerk wurde im
Anschluss an das Projekt unter anderem eine Wanderausstellung
und Homepage zur Sagensammlung gestaltet, wobei letzteres die
sagenumwobenen Orte anhand von 360-Grad-Panoramaaufnah-
men in moderner Form präsentiert. Ungeachtet dessen, dass die
Folgeaktivitäten im Anschluss an das Starterprojekt „Sagenhaftes
Mittelsachsen“ weitestgehend nicht durch die Richtlinie FR Regio
gefördert wurden, soll an dieser Stelle nochmals verdeutlicht wer-
den, dass das Kulturlandschaftsprojekt den entscheidenden Stein
ins Rollen gebracht hat, ohne den alle darauffolgenden Aktivitä-
ten im Bereich der Regionalentwicklung nicht denkbar gewesen
wären. Hierbei sei nicht zuletzt das im Jahr 2019 abgeschlossene
FR Regio-Projekt „Regionalentwicklung durch Kultur“ erwähnt.
In dessen Ergebnis wurde die Struktur für ein Projektmanagement
erarbeitet, das unabhängig von der behördlichen Verwaltungs-
struktur installiert werden soll. Damit wird beabsichtigt, die bereits
begonnene Netzwerkarbeit der verschiedenen Akteure weiter zu
verstetigen sowie zu koordinieren, um dadurch Regionalentwick-
lung in Zukunft noch professioneller betreiben zu können.
Hier schließt sich der Kreis zum Ansinnen des Kulturlandschaftspro-
jektes, wonach die Stärke des Landkreises in seiner Vielfalt liegt,
und Vielfalt Vernetzung braucht.
Schloss Augustusburg
Waldheimer Nixen
Döbelner Pferdebahn
„Nicht übereinander,
sondern miteinander reden.“
Bernd Voigtländer,
Landratsamt Mittelsachsen
Planungsverband Region Chemnitz

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„Nur alle 22 Bestandteile
auf sächsischer und böhmischer Seite
sind gemeinsam ein Welterbe.“
M
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Geschäftsführer der WFE GmbH
Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří
Machbarkeitsstudie zum Thema „Welterbebesucherzentren
in der Montanen Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří!“
DAS ERZGEBIRGE MIT SEINER MONTANREGION
befand sich
seit dem Jahr 1998 in einem langen Antragsprozess auf dem Weg
zum UNESCO-Welterbe. Im Jahr 2019 ist die Eintragung der säch-
sisch-tschechischen Nominierung „Montane Kulturlandschaft
Erzgebirge/Krušnohoří“ in die Liste des Welterbes erfolgt.
Der gemeinsame Antrag der deutschen und tschechischen Seite
wurde bereits im Jahr 2014 gestellt, dann wieder zurückgezogen
und bearbeitet und im Jahr 2017 wieder eingereicht. Nach einem
langen Prüfverfahren durch ICOMOS, dem Weltdenkmalrat, ist
die Aufnahme als Kulturlandschaft in das UNESCO-Welterbe am
6. Juli 2019 in Baku, Aserbaidschan, endlich erfolgt. Aus dem ge-
samten Erzgebirge sind 22 Bestandteile als Kulturlandschaftsteile
ausgewählt worden, 17 auf sächsischer und fünf auf tschechischer
Seite. Der gesamte Antrag umfasst mehr als 1.000 Seiten und zeigt
den außergewöhnlichen universellen Wert dieser Montanregion
mit einer über 800-jährigen Geschichte, einer außergewöhnlichen
Rohstoffvielfalt und herausragenden technologischen und wis-
senschaftlichen Errungenschaften, die weitreichende Einflüsse des
Bergbaus auf alle gesellschaftlichen Bereiche zur Folge hatten.
Der gesamte Welterbeantrag geschah als Button-up-Projekt, durch
die Region getragen von einem Verein, bestehend aus den Städten
und Gemeinden und Landkreisen, in dem die einzelnen Bestandteile
des Welterbes zu finden sind. In diesem Verein wurden bereits
frühzeitig Überlegungen angestellt, wie das zukünftige Welterbe
inwertgesetzt werden kann. Dies bedeutet einerseits Präsenta-
tionsmöglichkeiten, um Bekanntheit zu erlangen, touristisches
Marketing, um Gäste zu werben, eine Vermittlung des Welterbe-
gedankens und Weitergabe des kulturellen Erbes im Rahmen der
Welterbekonvention, aber auch das Sichtbarmachen dieses auf
eine große Region verteilten Welterbes an zentralen Punkten.
Denn nur alle 22 Bestandteile auf sächsischer und böhmischer
Seite sind gemeinsam ein Welterbe.
Die UNESCO forderte also als regionale Institution und Träger
des Welterbes eine juristische Struktur. Daher kam es zur Zu-
sammenarbeit anfänglich über einen Welterbekonvent mit einem
öffentlich-rechtlichen Vertrag, später die Gründung des Vereins
Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V., in dem ausschließlich
Städte und Gemeinden und Landkreise Mitglied sein können, in
denen sich Substanz der Montanregion und des Welterbes befindet.
Natürlich hatte diese Zusammenarbeit zuerst das Ziel, den Welter-
betitel zu erreichen, dennoch wollte man sich frühzeitig auf das
Leben mit dem Welterbetitel und das Nutzen des Welterbetitels
für die Regionalentwicklung beschäftigen.
Fast alle deutschen UNESCO-Welterbestätten haben Einrichtun-
gen wie Besucherzentren. Diese dienten als wichtige Referenz und
Vergleichsprojekte. Somit war das Thema von Welterbebesucher-
zentren in einer Region zwischen Altenberg/Geising im Osten und
Kirchberg/Hartmannsdorf im Westen eine große Aufgabe. Bevor
über Standorte gesprochen wurde, war es wichtig, im Rahmen die-
ses FR Regio-Projektes mit einer Machbarkeitsstudie bzw. einem
Kurzkonzept dafür den Rahmen für derartige Einrichtungen zu
ermitteln. Dies bedeutete auch, die konkrete Aufgabe zu definie-
ren. Diese stellt sich als dreifache Aufgabe dar: einmal als Tür zur
Welterberegion und damit zur Erschließung für Gäste zu fungieren,
dann als Informationsdienstleister bei der Vermittlung des UNESCO-
Gedankens innerhalb der Region, insbesondere an die künftigen
Generationen zu agieren und auch als Netzwerk für das Verständnis
regionaler Zusammenhänge und Kooperationen zur Verfügung zu
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
April 2014 bis Dezember 2016
|
TRÄGER:
Landkreis Mittelsachsen
PROJEKTSUMME:
19.992 EUR
ANSPRECHPARTNER:
Geschäftsführung des Vereins Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V.
und Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH
BETEILIGTE AKTEURE:
Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V., bestehend aus 31 Städten und Gemeinden und
3 Landkreisen, mit der Geschäftsführung des Vereins, der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH,
mit dem Tourismusverband Erzgebirge e. V. und weiteren Fachpartnern
Planungsverband Region Chemnitz

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
22
stehen. Deshalb war es wichtig, im Rahmen der Studie die räum-
lichen, technischen, inhaltlichen und finanziellen Aspekte des Pro-
jektes im regionalen Kontext zu beleuchten. Dies führte dann auch
zu einer Analyse von Standortvoraussetzungen für solche Einrich-
tungen, zur Entwicklung eines modularen Ausstellungskonzeptes,
zur Konzeptentwicklung für eine mögliche Ausstellungsgestaltung
und zu einem Umsetzungskonzept mit Zeit- und Maßnahmeplan
sowie einer Kostenschätzung, die jetzt als Grundlage für weitere
Entscheidungen gilt. Dazu hat der Verein Welterbe Montanregion
Erzgebirge e. V. in seinem Vorstand und in der Mitgliederversamm-
lung eine Handlungsempfehlung erarbeitet, die über die Inhalte der
Studie hinausgeht, um das Projekt voranzutreiben.
Eine Projektgruppe des Welterbevereins, der Fachexperten
der TU Bergakademie Freiberg, regionale Touristiker, der Tourismus-
verband Erzgebirge e. V., Vertreter regionaler Einrichtungen
und der Bietergemeinschaft angehörten, hat lange diskutiert, bis
der Abschlussbericht dem Vorstand des Vereins Welterbe Montan-
region Erzgebirge e. V. und der Mitgliederversammlung präsentiert
werden konnte.
Ein Welterbebesucherzentrum soll sich folgenden Fragestellungen
widmen:
1. Was ist Welterbe generell?
2.
Wie setzt sich das gesamte Welterbe Montanregion Erzgebirge/
Krušnohoří aus 22 Bestandteilen zusammen?
3.
Welche der Bestandteile kann ich im Umfeld des Besucher-
zentrums erleben?
Marktplatz Große Kreisstadt Marienberg
Auch auf Veranstaltungen zur Erläuterung des Welterbeprojektes
in der gesamten Erzgebirgsregion bzw. auf Veranstaltungen mit
Touristikern, Denkmalschützern und im Kulturraum Erzgebirge
wurden die Fortschritte und Ergebnisse der Machbarkeitsstudie
präsentiert und diskutiert.
Die Umsetzung des Projektes stand natürlich immer unter der Vor-
aussetzung der Erreichung des Welterbetitels, sodass alle Entwick-
lungen parallel zum Antragsverfahren beurteilt werden mussten.
Natürlich gab und gibt es ein Bestreben vieler Städte und Ge-
meinden, ein solches großes Besucherzentrum zu besitzen. Des-
halb lag und liegt die Schwierigkeit darin, die richtigen Standorte
zu finden, weshalb die in der Studie definierten Standortvor-
Montanlandschaft Schneeberg, Siebenschlehener Pochwerk
Planungsverband Region Chemnitz

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23
aussetzungen als Rahmen für die zukünftigen Entscheidungen
besonders wichtig sind. Hierbei geht es vor allem um eine sinn-
volle Verteilung in der recht großen Welterberegion Erzgebirge/
Krušnohoří, bei der auch die tschechische Seite Berücksichtigung
finden will. Sie plant natürlich solche Vorhaben eigenständig und
orientiert sich mit regelmäßigen Absprachen an den inhaltlichen
Bestandteilen auf deutscher Seite. Für den Träger des Projektes,
den Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V., ist es deshalb wich-
tig, die Voraussetzungen an die Standorte unter Gewährleistung
hoher Qualitätsstandards zu verbinden. Dazu gehört eine zentrale
Lage dieser Besucherzentren, eine gute Erreichbarkeit, aber auch
eine exzellente, gäste- und zielgruppenorientierte Betreibung
des Zentrums mit täglichen Öffnungszeiten. Das setzt eine große
Eigenverantwortung der Standortkommunen voraus.
Zusätzlich zu diesen bedeutsamen Standorten stellt der Vor-
stand des Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V. sich Welt-
erbe-Infopoints vor, die im Zusammenhang mit Tourist-Informa-
tionen oder besonderen Erlebnisbereichen helfen, die Gesamtheit
des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří
zu verstehen. Dazu wird zurzeit ergänzend eine Definition und
Umsetzung vorbereitet.
Gemeinsam wollen alle Partner eine Wiedererkennung des
Welt erbes in der Montanregion an allen dazugehörigen Orten.
Deshalb gehört dazu ein gemeinsamer Rahmen, der sich aus dem
Design-Handbuch des Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V.,
aus der Kommunikations- und Tourismusdestinationsstrategie
des Tourismusverbandes Erzgebirge e. V. und aus den neuen An-
forderungen des Deutschen Tourismusverbandes an zertifizierte
Informationspunkte ergibt.
Der gesamte Prozess bis zur Eröffnung des ersten Welt
-
erbe
besucherzentrums ist ein langer Weg. Mit der Titelverleihung
als UNESCO-Welterbe am 6. Juli 2019 sind die Voraussetzungen zur
Umsetzung erfolgt. Der Vorstand des Welterbevereins hat inzwi-
schen die vier Bergstädte Annaberg-Buchholz, Freiberg, Marienberg
und Schneeberg, die mit ihrer Altstadt Bestandteil des UNESCO-
Welterbes sind, beauftragt, gemeinsam mit der Geschäftsstelle des
Vereins planerische Grundlagen für die vier Zentren zu erarbeiten.
Damit hatten die im Projekt bedeutsamen Städte die Gelegenheit,
die in der Machbarkeitsstudie 2016 erarbeiteten Grundlagen zu
spezifizieren und mittelfristig umzusetzen. Das Projekt hat einen
wichtigen Beitrag geleistet, das Verständnis für eine gemeinsame
Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří zu vertiefen und zu verste-
tigen und neue dauerhafte Formen der Zusammenarbeit zwischen
den Kommunen, zwischen wissenschaftlichen Partnern, zwischen
Touristikern und einzelnen Erlebnisbereichen zu entwickeln. Damit
hat die Förderrichtlinie FR-Regio einen entscheidenden Beitrag für
regionale Zusammenarbeit geleistet.
Montanlandschaft Freiberg, Historische Altstadt
„Natürlich gab und gibt es ein
Bestreben vieler Städte und
Gemeinden, ein solches großes
Besucher
zentrum zu besitzen.
Deshalb lag und liegt die
Schwierig
keit darin, die
richtigen Standorte zu finden.“
Matthias Lißke,
Geschäftsführer der WFE GmbH
Markus-Röhling-Stolln in Annaberg-Buchholz, OT Frohnau
Planungsverband Region Chemnitz

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
24
„Der Grüne Ring Leipzig hat sich seit seiner Gründung
im Jahr 1996 bundesweit zu einem Vorreiter erfolgreicher
inter
kommunaler Zusammen
arbeit entwickelt, dessen
Projekte im Leipziger Neuseenland sichtbar geworden sind.
Ohne die jahrelange verlässliche Unter
stützung durch die
FR-Regio-Förderung des Freistaates Sachsen wäre diese
Arbeit nicht in der geleisteten Form umsetzbar gewesen.“
Heiko Rosenthal, Bürgermeister und Beigeordneter für Umwelt,
Ordnung, Sport der Stadt Leipzig
Die Rolle des Grünen Ringes Leipzig in der (konzeptionellen)
Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes
DER GRÜNE RING LEIPZIG (GRL)
ist eine freiwillige, gleichbe-
rechtigte und einwohneroffene Kooperationsform von aktuell
14 Städten, Gemeinden und zwei Landkreisen in der Region Leipzig,
die im Jahr 1996 gegründet wurde und deren jüngstes Mitglied
seit dem Jahr 2018 Rötha ist. Gegründet wurde der GRL, um die
Attraktivität des Umlandes aufzuzeigen, die Kulturlandschaft
dieser Region zu sanieren, zu erhalten und für die Bürger erlebbar
zu machen. Ziel war die Schaffung eines deutschlandweit bes-
seren Images für die Stadt Leipzig und die Region, um vor allem
der Abwanderung junger Menschen entgegenzuwirken. Aus einer
durch den Braunkohlebergbau geprägten Region hat sich in einem
beispiellosen Transformationsprozess in den vergangenen Jahr-
zehnten das Leipziger Neuseenland über Orts- und Landesgrenzen
entwickelt. Folgerichtig ist interkommunale Zusammenarbeit eines
der Kernelemente der erfolgreichen Arbeit des GRL.
Der Grüne Ring Leipzig stellt in der Region eine bewährte Kommu-
nikations- und Organisationsplattform dar, die Motor für große
regionale Projekte ist. Er schafft die Voraussetzung für eine res-
sortübergreifende, integrierte und räumlich vernetzte Entwicklung,
ohne dabei in die Planungshoheit der einzelnen Städte und Gemein-
den einzugreifen. Der GRL fördert eine aktive Zusammenarbeit mit
Zweckverbänden, Vereinen, anderen Aktionsräumen, Investoren,
Fachplanern, Universitäten, dem Freistaat Sachsen und Bürgern
und bietet Entscheidungsgrundlagen für die Politik an.
Das oberste Beschlussorgan ist die jährlich stattfindende Haus-
haltskonferenz. Sprecher ist der Bürgermeister und Beigeordnete für
Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig, Heiko Rosenthal. Sechs
Arbeitsgruppen des GRL beschäftigen sich mit den Themenbereichen
Gewässer, Landwirtschaft, Landschaft, touristische Infrastruktur,
Umwelttechnik und interkommunales Flächenmanagement.
Die strategische Arbeit sowie das Projekt- und Finanzmanagement
im GRL obliegen dem Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt
Leipzig. Die Geschäftsstelle des GRL in Borsdorf ist zuständig für
Öffentlichkeitsarbeit, Organisation der AGs, Beschilderung der
Radroute Grüner Ring Leipzig sowie Unterhaltung der Wasser-
wegweisung. Zentrale Arbeitsgrundlage und „roten Faden“ für die
Projektbearbeitung im Grünen Ring Leipzig bildet seit dem Jahr
1998 das Regionale Handlungskonzept (RHK), aus dem bisher über
250 Einzelmaßnahmen zur Landschafts- und Gewässerentwicklung,
touristischen Wegeplanung oder im Umwelttechnologiebereich
umgesetzt werden konnten. Um auf aktuelle Gestaltungserfor-
dernisse der grünblauen Infrastruktur im Leipziger Neuseenland
eingehen zu können, wird das RHK regelmäßig fortgeschrieben.
So liegt seit Anfang 2015 die 2. Fortschreibung vor, enthalten
sind 14 abgestimmte interkommunale Schlüsselprojekte in den
Städten und Gemeinden des GRL unter den Leitbildern: Starke
Landschaft, Innovative Landschaft, Erlebbare Landschaft und
Essbare Landschaft.
Dabei kann der Entstehungsprozess des RHK als exemplarisch
für die Arbeit des GRL beschrieben werden: In einem breiten
Beteiligungs- und Mitwirkungsprozess brachten sich alle Mit-
gliedskommunen, Verbände, Vereine und weitere Akteure der Re-
gionalentwicklung aktiv in die Erarbeitung des RHK ein. Hierfür
wurden Zukunftswerkstätten durchgeführt, die Ergebnisse in klei-
neren Arbeitsgruppen verdichtet und schließlich in das Konzept
eingearbeitet. Dieses „Bottom-Up-Prinzip“ gewährleistet ein hohes
Maß an Vertrauen und Akzeptanz in die Arbeit des GRL und ist ein
wesentliches Erfolgsrezept.
Die Finanzierung dieser Fortschreibung wurde durch die FR-Re-
gio unterstützt. Ohne sie wäre die Projektarbeit des GRL in den
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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25
öffentliches Forum zur Fortschreibung des wassertouristischeen Nutzungskonzeptes
letzten Jahrzehnten nicht realisierbar gewesen. Die notwendigen
Eigenanteile steuern die GRL-Mitglieder aus der Umlage, also den
Mitgliedsbeiträgen, bei.
Aus den im RHK geschaffenen Arbeits- und Projektansätzen wird
häufig weiterer Handlungsbedarf sichtbar, wodurch Projekt- und
Konzeptideen vertieft werden oder neu entstehen. Beispielsweise
resultierte aus der zunehmenden touristischen Gewässernutzung
im Leipziger Neuseenland in Verbindung mit der ökologischen Ver-
einbarkeit die Erarbeitung des Wassertouristischen Nutzungskon-
zeptes (WTNK). Besondere Herausforderungen waren von Beginn
an die thematische Komplexität, die Koordination der Vielzahl an
Einzelprojekten und die Steuerung der vielen beteiligten Akteure.
Doch der GRL nahm sich mit finanzieller Unterstützung durch
die FR-Regio dieser Aufgabe an und erarbeitete im Zeitraum von
2005 bis 2007 das Konzept in einem aufwändigen interkommu-
nal-kooperativen Prozess. Es entstand eine richtungsweisende
informelle Planung, mit welcher die erforderlichen Maßnahmen für
den Gewässerverbund abgeleitet, koordiniert und hinsichtlich der
Anforderungen aus dem Naturschutz und der Gewässerökologie
abgestimmt werden konnten.
Da geänderte gesetzliche Grundlagen sowie eine Vielzahl neuer
wassertouristischer Projektideen, aber zeitgleich auch große Be-
denken des Naturschutzes zur weiteren Entwicklung zu verzeichnen
waren, entschied sich der GRL im Jahr 2017 für eine Fortschreibung
des Wassertouristischen Nutzungskonzeptes. Erneut durch die
FR-Regio anteilsfinanziert, soll die derzeit in Arbeit befindliche
Fortschreibung bis Ende 2020 vorliegen.
Damit bei der Bearbeitung Wissen, Erfahrungen und Bedenken
aller Interessierter und Beteiligter, von Bürgern bis Politikern,
bestmöglich einfließen, wurden verschiedene Beteiligungsformate
entwickelt. Runde Tische, Online-Beteiligung, öffentliche Foren
und Veranstaltungen für die politischen Vertreter gewährleisten
eine breite Beteiligung. Dahinter steckt ein beachtlicher zeitlicher,
inhaltlicher und finanzieller Aufwand. Doch zeigen die bisherigen
Erfahrungen, dass nur durch das „Miteinander ins Gespräch kom-
men“ und Diskutieren, durch das Ringen um Kompromisse trag-
und umsetzungsfähige Konzepte in und für die Region entstehen.
Um der tourismuswirtschaftlichen Entwicklung des gesamten
Leipziger Neuseenlandes Rechnung zu tragen, ergab sich (aus-
gehend von den vorgenannten Konzepten,) die Notwendigkeit,
diese Prozesse länderübergreifend für die mitteldeutsche Gewäs-
serlandschaft zu betrachten. Unter dem Kürzel „TWGK“ (Touris-
muswirtschaftliches Gesamtkonzept für die Gewässerlandschaft
im mitteldeutschen Raum) wurde von 2013 bis 2015 für den Ge-
samtumgriff von 6.500 km² ein Masterplan erarbeitet, der die
tourismuswirtschaftliche Entwicklung mit der Blickrichtung bis
zum Jahr 2030 anhand von 10 Leuchtturmprojekten wie zum
Beispiel klimaneutraler Tourismus, Stärkung der Stadt-Gewäs-
ser-Verbünde, Kulturstätten am Wasser oder Entwicklung des
Saale-Elster-Kanals definiert. Auftraggeber des TWGK waren der
GRL auf sächsischer Seite gemeinsam mit der Wirtschaftsförd-
ergesellschaft Anhalt-Bitterfeld I Dessau I Wittenberg mbH für
die Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Burgenlandkreis, Saalekreis und
Wittenberg sowie die Stadt Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt.
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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26
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
In einem für die Regionalentwicklung in Mitteldeutschland bis dato
beispiellosem Mitwirkungsprozess wurden in knapp zwei Jahren
über 200 Akteure aus drei Bundesländern in Info- und Kernar-
beitsgruppen, Ideenworkshops oder dem Seenlandkongress in die
Konzeptentstehung direkt einbezogen. Als informelles Konzept
erarbeitet, greift es nicht in die Planungshoheit der einzelnen Kom-
munen ein. Dennoch stellt der Masterplan einen überregionalen
Konsens dar, er wurde von allen maßgeblichen Akteuren in Form
von Stadt- und Kreistagsbeschlüssen verabschiedet.
Um diese Verbindlichkeit zu erwirken und gleichzeitig die Projek-
tansätze zu verstetigen und zu realisieren, förderte das damals
zuständige SMI für den GRL und damit den sächsischen Teil ein
zweijähriges Umsetzungsmanagement TWGK/RHK über die FR-Re-
gio. Parallel hierzu wurde in Sachsen-Anhalt beim Projektträger
Ferropolis GmbH ebenfalls eine Personalstelle geschaffen, um die
länderübergreifende Projektarbeit zum TWGK fortzuführen. Ein
zentrales Ergebnis des Umsetzungsmanagements war, dass die mit
dem TWGK entwickelten überregionalen Arbeitsstrukturen unter
dem Dach der Metropolregion Mitteldeutschland im Rahmen der
neu gegründeten AG „Gewässerlandschaft Mitteldeutschland“
fortgeführt wurden. Diese Netzwerkarbeit war die Basis für Pro-
jekte wie zum Beispiel die Leipziger Tastentage („Wasser trifft
Kultur“) oder die erfolgreiche Bewerbung und Vorbereitungen der
internationalen World Canals Conference 2022 in Leipzig.
Aufbauend auf die im TWGK und RHK abgestimmten und definier-
ten Schlüssel- und Leuchtturmprojekte war es den Umsetzungsma-
nagements möglich, direkt investive Fördermittel über Bundes- und
Landesrichtlinien zu akquirieren, in denen Entwicklungskonzepte
eine Bewilligungsvoraussetzung bilden. Der GRL konnte dadurch
zum Beispiel über die Richtlinie „Klimaschutz im Radverkehr“ des
BMU knapp 300.000 € zusätzliche Fördermittel für den Radwege-
ausbau, die Schaffung von Ladesäulen und Abstellplätzen sowie
neue Beschilderung einwerben. Von allen beteiligten Akteuren
wurden die Umsetzungsmanagements als gewinnbringend und
notwendig eingeschätzt, damit die verschiedenen Konzepte nicht
Radweg am bestehenden Teil des Saale-Elster-Kanals
Zukunftswerkstatt 5. September 2014
in den Amtsschubladen verschwinden, sondern die Projektideen
weiterbearbeitet werden können. Die Möglichkeit, Umsetzungs-
manager/innen über die FR-Regio zu fördern, sollte daher künftig
unbedingt beibehalten werden.
Mit dem Leuchtturmprojekt „Saale-Elster-Kanal“ ging ein weiterer
länderübergreifender Projektansatz aus dem TWGK-Prozess hervor,
der ab dem Jahr 2017 mit dem FR-Regio Projekt „Konzept zur
Inwertsetzung des bestehenden Saale-Elster-Kanals und angren-
zender Ortschaften“ fachlich untersetzt wurde. Gemeinsam mit
der Stadt Leuna (als Antragsteller in Sachsen-Anhalt) wurde als
Konzeptziel formuliert, die öffentliche Wahrnehmung des Kanals,
einem Bindeglied der Regionalentwicklung im Raum Halle-Leip-
zig, zu steigern. Über mehrere Regionalkonferenzen wurden die
verschiedensten Akteure in den Arbeitsprozess eingebunden, die
Schlüsselprojekte schließlich gemeinsam mit dem Gewässereigen-
tümer, der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung der BRD,
abgestimmt und verabschiedet. Im Ergebnis stehen Initialmaßnah-
men, wovon der „Saale-Elster-Kanal-Radweg“ unter Federführung
des GRL als Verbundvorhaben mit den kommunalen Akteuren in
Sachsen-Anhalt realisiert werden soll. Derzeit läuft die Fördermit-
telakquisition für die investive Umsetzung des Radweges, welcher
mit der Fertigstellung weitere Wertschöpfungs- und Attraktions-
potenziale entlang der Bundeswasserstraße generieren soll.
Ein weiteres Beispiel für den Handlungsbedarf, welcher sich aus
dem TWGK herauskristallisierte, ist die sehr eingeschränkt vor-
handene Ausstattung des touristischen Gewässerverbundes mit
Rast- und Biwakplätzen. Im Sinne der Besucherlenkung soll diese
Diskrepanz behoben werden, so dass der GRL 2017 die Konzeption
zur Ausstattung des touristischen Gewässerverbundes Leipziger
Neuseenland mit Kanurast- und Kanu-Biwak-/Zeltplätzen auf den
Weg brachte. Konkrete Standortvorschläge und ihre notwendige
Ausstattung wurden in einem Abstimmungsprozess mit den maß-
geblichen Akteuren des Wassertourismus erarbeitet und können
in den nächsten Jahren detailliert geplant und umgesetzt werden.
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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27
„Im Laufe der Zeit hat sich der Wille
und das Verlangen nach interkommunaler
Zusammenarbeit verstärkt, die Kommunen
haben sich mit dem Thema stark identifiziert.
Der Landkreis Leipzig versteht sich selbst
als Koordinator und Moderator, ihn und
seine Kommunen zeichnet seit einiger Zeit
der Begriff kommunale Familie aus.“
Gesine Sommer, Leiterin Stabsstelle des Landrates
Wirtschaftsförderung/Kreisentwicklung
Landkreis Leipzig
Impulse für interkommunale Zusammenarbeit –
„Handlungsoption für Kleinstdörfer mit starkem Handlungsdruck“
DAS LANDRATSAMT,
insbesondere der Aufgabenbereich Kreisent-
wicklung, arbeitete wegen und seit der Bildung des Landkreises
Leipzig im Jahr 2008 gemeinsam mit seinen Kommunen an der
Erarbeitung des Kreisentwicklungskonzeptes, dem Projekt „Anfor-
derungsprofil an das Wohnen im Landkreis Leipzig 2025“ und dem
Projekt „Sicherung und Förderung bedarfsgerechter Sportangebote
im Landkreis Leipzig“ zusammen.
Ergebnisse, die sich aus diesen Vorgängerprojekten für den Land-
kreis und seine Kommunen ergaben und vor allem der Blick auf
die Bevölkerungsprognosen des Statistischen Landesamtes des
Freistaates Sachsen, stellten den Kreis sichtlich vor neue Heraus-
forderungen. Frei dem Motto „Akzeptiere die Diagnose, aber nicht
die Prognose“ war ein neuer thematischer Impuls für die interkom-
munale Zusammenarbeit mittels dem Projekt „Handlungsoption
für Kleinstdörfer mit starkem Handlungsdruck“ gesetzt.
Die Zielstellung der Untersuchung bestand darin, einen Überblick
zum aktuellen Entwicklungsstand der Kleinstdörfer zu erhalten und
allgemeine Handlungsoptionen für den Landkreis aus konkreten
Handlungserfordernissen in den Kleinstdörfern abzuleiten. Damit
will der Landkreis den Kommunen Hilfestellungen bei der weite-
ren Entwicklung und Gestaltung der Kleinstdörfer geben sowie
Grundlagen für die zukünftige Arbeit in den Landkreisämtern,
für die weitere zukunftsorientierte Aufstellung und Entwicklung
des Landkreises und insbesondere für die Fortschreibung des
Kreisentwicklungskonzeptes schaffen. Gestärkt durch den Landes-
entwicklungsplan 2013 und Regionalplan entwickelte das Thema
Modellcharakter und stieß nicht nur auf das Interesse im Landkreis
Leipzig selbst.
Themenfelder im Mittelpunkt der Zusammenarbeit
Sämtlichen Prognosen wurde bis dato entnommen, dass die Be-
völkerung vor allem im ländlichen Raum des Landkreises in den
kommenden Jahren weiter altert und schrumpft. Der Blick auf
diese stellte uns teilweise vor düstere Aussichten.
Aus diesem Grund wurde projektbezogen das Augenmerk dar-
auf gelenkt, anhand des Entwicklungsstandes und sich daraus
ergebender Handlungserfordernisse und -optionen, den Grad
der Zukunftsfähigkeit der Kleinstdörfer, aber im Bedarfsfall auch
Erfolgsfaktoren für eine positivere Entwicklung/Schlüsselaufgaben
herauszuarbeiten. Entsprechend der Untersuchung von insgesamt
62 Kleinstdörfern, wurde für jedes einzelne Kleinstdorf ein eigenes
Dorfprofil erstellt.
Mittel- und Aufgabenschwerpunkt dieser interkommunalen Zu-
sammenarbeit bildete während der gesamten Projektlaufzeit vor
allem der kommunale Willensbildungsprozess, der unter anderem
durch die Ergebnisse der Befahrung und Vor-Ort-Begehungen
aller 62 Kleinstdörfer sowie die Haushaltbefragung (Fragebogen)
in ausgewählten Ortslagen ergänzt wurde.
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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28
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
Kommunaler Willensbildungsprozess
Der Willensbildungsprozess im Projekt untergliederte sich wie folgt:
I
Expertenbefragung (unter anderem persönliche Gespräche mit
Bürgermeistern, Ortsvorstehern und anderen Akteuren vor Ort)
I
Zukunftswerkstätten (Bürger, Bürgermeister/Ortsvorsteher,
Vereine, andere Institutionen, persönlicher Austausch)
I
Veranstaltung Spruchreif mit World Cafe (Bürger, Bürgermeis-
ter/Ortsvorsteher, Vereine, andere Institutionen, persönlicher
Austausch)
I
Bündelung der Ergebnisse in der Steuerungsgruppe (Austausch,
Abwägung/Diskussion/ Festlegungen)
Im Ergebnis dieses Prozesses wurden Momentaufnahmen ermög-
licht, welche sehr spezifisch die Situation in den einzelnen Dörfern
widerspiegelten, Entwicklungstendenzen kristallisierten sich heraus.
Zum Erstaunen aller Beteiligten, wichen die Ergebnisse erstmals
von den vorliegenden Prognosen ab. Im Projekt-/Berichtszeit-
raum war zunehmend zu verzeichnen, dass es im Landkreis Leipzig
insbesondere auch kleine Ortslagen gibt, die – ausgehend vom
Einwohnerwachstum der Stadt Leipzig – selbst eine stabile, zum
Teil wieder eine wachsende Bevölkerungszahl verzeichnen können.
„Handlungsdruck“, vor allem bei den kleinen Ortslagen, zeigt sich
dementsprechend sowohl räumlich als auch thematisch sowie in
seiner Intensität in sehr differenzierter Ausprägung.
Siedlung Serka
Dies erforderte während der gesamten Projektlaufzeit neben einem
hohen Maß an Flexibilität teilweise ein perspektivisches Umdenken
vieler Mitwirkender/Beteiligter, um die Zukunft unserer Dörfer
insgesamt optimistisch betrachten zu können. Es galt fortan, sich
weniger den Prognosedaten, vielmehr den Gegebenheiten und dem
Entwicklungstrend vor Ort zu widmen. Vordergründig wurde der
Erhalt und die Stabilisierung der Siedlungen, die Sicherung der
technischen Versorgung und Sicherheit sowie die Sicherung der
Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen und -angeboten
zur Ermöglichung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ins
Auge gefasst.
Gestaltung Prozess bis zur Entscheidung zur
interkommunalen Zusammenarbeit, begünstigende
Faktoren und Erwartungen
Der Landkreis Leipzig versteht sich selbst als Koordinator und
Moderator, ihn und seine Kommunen zeichnet seit einiger Zeit
der Begriff „kommunale Familie“ aus. Die Kreisentwicklung, ins-
besondere die Umsetzung des Kreisentwicklungskonzeptes, lebt
vom Willen „der freiwilligen Zusammenarbeit“. Das Verständnis
dafür hat sich in den letzten Jahren gefestigt.
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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29
Unter der Voraussetzung, dass alle Partner vom Inhalt und Ergebnis
partizipieren, wird unter dem Dach des Kreisentwicklungskonzeptes
projektbezogen und transparent zusammengearbeitet, Inhalte und
Ergebnisse werden kommuniziert. Inspiration, Motivation und
Identität aller Partner sind wichtig, um sich gegebenenfalls auch
gemeinsam neuen Projektideen zu öffnen.
Das Projekt Kleinstdörfer benötigte neben den vorgenannten
Faktoren zusätzlich eine große Portion Fingerspitzengefühl und
Sensibilität, denn schlussendlich stand die Frage im Raum: ist ein
und wenn ja welches Dorf „vom Aussterben bedroht“?
Projektverlauf ­ Erfolge und Hemmnisse,
Verstetigung der Zusammenarbeit
Basis aller Aktivitäten im Projekt Kleinstdörfer bildete zu-
nächst ein Projektplan, der einerseits die Aufgaben und an-
dererseits die Ressourcen aufzeigte. Insofern galt es, sich
an diesem zu orientieren, um die Organisation, Durchfüh-
rung und Kontrolle zu erleichtern. Schlussendlich ist dieser
ein Instrument, an welchem sich auch Erfolge messen lassen.
Den Erfolg dieses Projektes sehen wir insbesondere darin, dass es
dank der intensiven interkommunalen Zusammenarbeit gelungen
Luftbild der Siedlung Haubitz
ist, mittels eines breiten Beteiligungsprozesses einen aktuellen
Blick von außen zu gewinnen, der uns gleichzeitig lehrte, wie
wichtig es ist, gemeinsam
I
neue Impulse und Trends als Chance zu verstehen,
I
Gestaltungsspielräume zu nutzen,
I
Herausforderungen zu begegnen,
I
kooperativ Verantwortung zu übernehmen,
I
Ressourcen und Kompetenzen zu bündeln,
I
um im Sinne der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse
konkurrierende Entwicklungen zu vermeiden.
Fazit auch anhand aktueller Projekte mit Blick auf das Thema
interkommunale Zusammenarbeit ist, sich vor dem höheren Or-
ganisations- und Personalaufwand nicht zu scheuen, denn häufig
stehen diesem auch Chancen gegenüber, hier: Meinungsaustausch,
Abstimmungsgespräche, Lösung von Interessenkonflikten etc.
Interkommunale Zusammenarbeit ist nicht durch Gesetz und
Zahlen belegbar, zeichnet sich aber insbesondere beim Thema
„Daseinsvorsorge“ aus.
Im Laufe der Zeit hat sich der Wille und das Verlangen nach „in-
terkommunaler Zusammenarbeit“ verstärkt, die Kommunen haben
sich mit dem Thema stark identifiziert.
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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30
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
„Viele Menschen wollen sich in ihrer Freizeit gerne in der Natur bewegen,
sich dabei erholen und Neues erfahren. Dazu bedarf es mehr aus
geschilderter
und interessanter Wanderwege. Das Verbund
projekt „Lebendige Gösel“ mit der
Weiterentwicklung und dem Ausbau eines Gösel
wander
weges ist eine wichtige
Ergänzung der bereits ent
standenen touris
tischen Infrastruktur an den Seen
in der Region, die diesem naturnahen Erholungsanspruch gerecht wird.“
Dr. Gabriela Lantzsch, Bürgermeisterin der Gemeinde Großpösna
Zweckverband Kommunales Forum Südraum Leipzig
DER ZWECKVERBAND KOMMUNALES FORUM SÜDRAUM
LEIPZIG
wurde vor mehr als 23 Jahren gegründet, um die inter-
kommunale Zusammenarbeit bei der Sanierung und Gestaltung der
Bergbaufolgelandschaft im Südraum Leipzig zu befördern und die
Interessen seiner Verbandskommunen zu bündeln und nach außen
zu vertreten. Mit der Gründung des Zweckverbandes haben die
Kommunen im Südraum Leipzig auf die Notwendigkeit der Zusam-
menarbeit bei der Regionalentwicklung reagiert und ihren Willen
zur Kooperation institutionalisiert. Insofern bedarf es seither keines
besonderen Anlasses, zusammenzuarbeiten, sondern vielmehr steht
jährlich die Frage im Raum, welche Themen oder Problemlagen
gemeinsam bearbeitet und einer Lösung zugeführt werden sollten.
Während Mitte und Ende der 1990er Jahre die Erarbeitung regio-
naler Entwicklungskonzepte und anderer strategischer Planungen
für die Entwicklungen in der Region im Vordergrund standen,
hat sich zunehmend die konzeptionelle Vorbereitung konkreter
Vorhaben und Maßnahmen zu einem
Aufgabenschwerpunkt für das Kom-
munale Forum entwickelt.
Durch die Herausforderungen des
Strukturwandels in der Region –
von einer durch die Braunkohle-
gewinnung geprägten Landschaft
hin zu einer Freizeit- und Touris-
musregion – wurden die Kräfte des
Zweckverbandes und seiner Mitglie-
der zunächst auf der Basis eines Re-
gionalen Entwicklungskonzeptes und dessen Fortschreibungen
als Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept bzw. LEADER-
Strategie in den vielfältigsten Formen auf die Gestaltung der Ta-
gebaurestseen mit ihrem Umfeld konzentriert. Die sich mittler-
weile eingestellte eigendynamische Entwicklung an und um die
Bergbauseen als touristische Zentren lässt das Augenmerk wieder
stärker auf die zu entwickelnde Potenziale abseits der Gewässer-
landschaft richten.
Unter dem Aspekt einer gleichwertigen Entwicklung aller Ver-
bandskommunen hat das Kommunale Forum Südraum Leipzig
im Jahr 2017 auf Vorschlag seiner Verbandsmitglieder Böhlen
und Rötha eine Studie zur Evaluierung des Entwicklungsstandes
von Kommunen, die nicht über die vorteilhafte Lage an einem
der neuen Seen verfügen, beauftragt. Unter dem Titel „Studie
zur Inwertsetzung bestehender Potenziale der ,Zwischenräume‘
zwischen den bereits entstandenen touristischen Hotspots in der
Bergbaufolgelandschaft des Südraumes
Leipzig“ wurden durch das beauftragte
Büro bgmr Landschaftsarchitekten für
Böhlen, Kitzscher, Neukieritzsch und
Rötha – aufbauend auf vorliegenden
Konzepten, Planungen und Projektide-
en-Sammlungen – die Fragen beleuch-
tet: Was trägt? Was ist zukunftsfähig?
Wie können durch die Bündelung von
Einzelaktivitäten neue Qualitäten in den
„Zwischenräumen“ der vier Kommunen
entstehen?
Studie zur Inwertsetzung bestehender Potenziale der „Zwischenräume“ zwischen den
bereits entstandenen touristischen Hotspots in der Bergbaufolgelandschaft des Südraumes Leipzig
Marktplatz in Rötha
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
Mai 2017 bis Dezember 2017
|
PROJEKTSUMME:
17.750 EUR
ANSPRECHPARTNER:
Kommunales Forum Südraum Leipzig, Frau Dr. Steffi Raatzsch
BETEILIGTE AKTEURE:
Zweckverband Kommunales Forum Südraum Leipzig,Böhlen, Kitzscher, Neukieritzsch, Rötha,
Landratsamt Landkreis Leipzig, Regionalmanagement LEADER­Region Südraum Leipzig, Gemeinde­
räte, Förderverein Rötha­Gestern.Heute.Morgen, Regionale Planungsstelle Leipzig
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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31
Im Ergebnis dieser umfassenden Analyse sind LEITTHEMEN her-
ausgearbeitet worden, in deren Rahmen – runtergebrochen auf
die vier Kommunen – die bereits vorhandenen Entwicklungs- und
Projektansätze zielgerichtet umgesetzt werden sollen. Um die
besonderen Potenziale der Leitthemen „Starke Kerne“, „Schöne
Landschaft“, „Wege-Vernetzung“ und „Besonderheiten heraus-
putzen & Highlights setzen“ in Wert setzen zu können, wurden
Leitprojekte definiert. Die Besonderheit dieser Projekte: alle sind
Verbundprojekte, die eine regionale Wirkung auch über die vier
analysierten Kommunen hinaus erzielen – also nicht nur für eine
Kommune einen Mehrwert bringen – und sie sind nur in Zusam-
menarbeit von jeweils mindestens drei Kommunen umsetzbar. Es
wird damit folgerichtig auch weiterhin auf eine kontinuierliche
interkommunale Kooperation in der Regionalentwicklung gesetzt.
Der gesamte Erarbeitungsprozess (Beratungen, Workshop) wurde
von einer Projektarbeitsgruppe begleitet, in der auch die Bürger-
meister der beteiligten Kommunen persönlich vertreten waren.
Eine im Rahmen der Studie erarbeitete Umsetzungsstrategie hat
den Bürgermeistern das Werkzeug für eine erfolgversprechende
Umsetzung mit an die Hand gegeben. Während die Leitthemen als
Klammer oder Dachmarke für die künftigen Entwicklungen in den
Kommunen durch Beschlüsse der Stadt- bzw. Gemeinderäte eine –
zumindest informelle – Verbindlichkeit erhalten sollten, wäre für die
Umsetzung der Verbundprojekte mindestens eine Willenserklärung
der beteiligten Kommunen erforderlich und auch Voraussetzung
dafür, dass für die Realisierung Fördermittel in Anspruch genom-
men werden können. Mit dem Zweckverband Kommunales Forum
Südraum Leipzig bestehen für die Vorbereitung und Koordinierung
der Verbundprojekte beste Voraussetzungen dafür.
Es ist bisher allerdings noch nicht gelungen, Verbundprojekte
umzusetzen. Als Vorhaben/Projekte, die nicht der Daseinsvorsorge
und damit Pflichtaufgaben der Kommunen zuzuordnen sind, ist es
schwierig, diesen aufgrund beschränkter personeller Ressourcen
eine besondere Priorität im Rahmen der Verwaltungsarbeit zu
verleihen. Aus diesem Grund bemüht sich das Kommunale Forum
Südraum Leipzig gemeinsam mit den betroffenen Kommunen,
zusätzliche Ressourcen für die Umsetzung der Projekte, zum Bei-
spiel durch praxisbezogene Forschungsvorhaben zu akquirieren.
Projektbericht abrufbar unter:
www.kommunalesforum.de/service
Verbundprojekt „Land mit Aussicht, Land mit Weitsicht“
Stadt Rötha, Stadt Böhlen, Gemeinde Neukieritzsch, Stadt Kitzscher, Flächeneigentümer
I
Halde Trages (320 Hektar) und Halde Lippendorf (102 Hektar)
als Landschaftsbauwerke inszenieren, Zuwegung qualifi-
zieren, Hochpunkt als Zielort gestalten, die Halden zum
Wahrzeichen der Region entwickeln
I
Sicht auf charakteristische Silhouetten der Städte und
Dörfer sichern
I
Sicht auf Türme und Bauwerke, öffentliche Zugänglichkeit
schaffen
I
Blickpunkte, Sichtbeziehungen entwickeln: an Hochpunk-
ten und Geländekanten, entlang von Wegen, Sichtachsen
freihalten von dichter Vegetation
I
Entwicklung von temporären Formaten der Inszenie-
rung – Hochpunktwanderung, „Tag der offenen Türme“,
Laserinstallation auf den Hochpunkten, Lichtspiele an
den Gebäuden usw.
I
Erarbeitung eines „Sichtenkonzeptes“, das die besonde-
ren Hochpunkte identifiziert und deren Aktivierung und
Inszenierung vorbereitet
Eine erste temporäre Inszenierung ausgewählter Hochpunkte
fand zum Lichtfest Südraum Leipzig
(https://dokmitt.de/Lichtfest-Suedraum-Leipzig/) statt.
Wanderweg in der Pleißeaue
INTERKOMMUNALE VERBUNDPROJEKTE
Rückhaltebe-
cken Stöhna
Hainer See
Wyhra-
Niederung
Lobstädter
Lachen
ehem. Pleiße-
Niederung
Göselbach
Stausee
Rötha
Speicher
Borna
Eula-
Niederung
Bockwitzer
See
Speicher
Witznitz
Verbundprojekt
„Grüne Spange Pleißeaue“
Verbundprojekt
„Lebendige Gösel“
Verbundprojekt „Landschaft mit
Kultur“
Verbundprojekt
„Land mit Aussicht, Land mit
Weitsicht“
Verbundprojekt
„Naturerlebnis Südraum“
Verbundprojekt „Mobilität“
Zukunftslandschaft 2060
Vereinigtes Schleenhain
INTERKOMMUNALE VERBUNDPROJEKTE
Verbundprojekt
„Grüne Spange Pleißeaue“
Verbundprojekt
„Lebendige Gösel“
Verbundprojekt „Landschaft mit
Kultur“
Verbundprojekt
„Land mit Aussich
Weitsicht“
Verbundprojekt
„Naturerlebnis Südr
Verbundprojekt
Zukunftslandscha
Vereinigtes Schleenhain
INTERKOMMUNALE VERBUNDPROJEKTE
Rückhaltebe-
cken Stöhna
Hainer See
Wyhra-
Niederung
Lobstädter
Lachen
ehem. Pleiße-
Niederung
Stausee
Rötha
Speicher
Borna
Speicher
Witznitz
Verbundprojekt
„Grüne Spange Pleißeaue“
Verbundprojekt
„Lebendige Gösel“
Verbundprojekt „Landschaft mit
Kultur“
Verbundprojekt
„Land mit Aussicht, Land mit
Weitsicht“
Verbundprojekt
„Naturerlebnis Südraum“
Verbundprojekt „Mobilität“
Zukunftslandschaft 2060
Vereinigtes Schleenhain
INTERKOMMUNALE VERBUNDPROJEKTE
Rückhaltebe-
cken Stöhna
Hainer See
Wyhra-
Niederung
Lobstädter
Lachen
ehem. Pleiße-
Niederung
Göselbach
Stausee
Rötha
Speicher
Borna
Eula-
Niederung
Bockwitzer
See
Speicher
Witznitz
Verbundprojekt
„Grüne Spange Pleißeaue“
Verbundprojekt
„Lebendige Gösel“
Verbundprojekt „Landschaft mit
Kultur“
Verbundprojekt
„Land mit Aussicht, Land mit
Weitsicht“
Verbundprojekt
„Naturerlebnis Südraum“
Verbundprojekt „Mobilität“
Zukunftslandschaft 2060
Vereinigtes Schleenhain
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
32
„Es geht auch zukünftig nur über eine
vernetzte Zusammenarbeit über die
Landkreisgrenzen hinaus, um die
Region zu gestalten und zu entwickeln.“
Uta Schladitz, Amtsleiterin
Landkreis Nordsachsen
„Machbarkeitsstudie zur Erhöhung der Erlebbarkeit der Mulde“
DER MULDE KOMMT DURCH IHREN NATÜRLICHEN VERLAUF
eine
wichtige Erholungsfunktion als verbindendes Element zwischen
den Teilräumen der Region Leipzig zu.
Bereits in der Vergangenheit haben die Landkreise Nordsachsen,
Leipzig und Mittelsachsen erfolgreich an der Umsetzung zur Be-
schilderung des Mulderadweges gearbeitet und eine einheitliche
Radwegebeschilderung sowie Rastplätze und Informationstafeln
in einem einheitlichen Corporate Design installiert.
Um die Attraktivität dieses Radfernweges weiter zu erhöhen, wurde
in den regionalen Arbeitsgruppen im Rahmen der DMO (Destinati-
onsmanagementorganisation) die Idee entwickelt, entlang dieser
Landschaft weitere Höhepunkte zu schaffen und die touristische
Infrastruktur naturverträglich in Wert zu setzen.
Dazu wurde im November 2015 ein erfahrener Dienstleister mit
der Erarbeitung einer „Machbarkeitsstudie zur Erhöhung der Er-
lebbarkeit der Mulde“ beauftragt.
Die Finanzierung erfolgte durch die Richtlinie des SMI zur Förderung
der Regionalentwicklung. Den erforderlichen Eigenanteil stellen
die drei Landkreise Nordsachsen, Leipzig und Mittelsachsen zur
Verfügung. Inhaltlich wurde das Projekt von der Leipzig Tourismus
& Marketing GmbH als Projektsteuerer und vom Tourismusverband
Sächsisches Burgen- und Heideland e. V. begleitet. Eine Rahmen- und
Finanzierungsvereinbarung regelte die Zusammenarbeit der Partner.
Zur inhaltlichen Abstimmung des Prozesses wurde während des
Projektzeitraumes eine Steuerungsgruppe aus regionalen Vertretern
und Akteuren gegründet.
Entlang der Freiberger und Zwickauer sowie der Vereinigten Mulde
und dem Mühlgraben bei Eilenburg wurde auf circa 120 Kilometer
die Erlebbarkeit des Flusses untersucht. Das Umland in einem
Korridor von circa 3 Kilometer wurde betrachtet, um von den
Potenzialen einer attraktiven Flusslandschaft und Freizeitnut-
zung weiter zu profitieren. Im Rahmen der Untersuchung wurden
Maßnahmen entwickelt, die eine Fortbewegung zum, am und auf
dem Fluss optimiert und das Erleben der Landschaft fördert. Dabei
sollte die Erlebbarkeit und die Erholungsfunktion der Landschaft
eine besondere Rolle spielen und interessante Punkte entwickelt
werden, die eine Strahlkraft auf die gesamte Region ausüben.
Maßnahmen zu entwickeln und dabei möglichst alle Kommunen
partizipieren zu lassen, war eine wichtige Zielstellung des Projektes.
Alle beteiligten Städte und Gemeinden entlang der Mulde wurden
direkt in den Prozess eingebunden. Dies erfolgte im Rahmen einer
umfangreichen Datenrecherche, in den Regionalkonferenzen sowie
bei der Erarbeitung notwendiger Maßnahmen.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
November 2015 bis September 2016
|
PROJEKTSUMME:
50.530 EUR
ANSPRECHPARTNER:
Uta Schalditz, Amtsleiterin, Amt für Wirtschaftsförderung und Landwirtschaft
BETEILIGTE AKTEURE:
Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Leipzig Tourismus & Marketing GmbH,
Tourismusverband Sächsisches Burgen und Heideland e.V.
Familie beim Radfahren an der Mulde
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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33
Mulde bei Eilenburg
Mit lokalen Akteuren fand die erste Regionalkonferenz im Februar
2016 statt. Dazu wurde das Projekt mit den Schwerpunkten und
Bearbeitungsebenen vorgestellt. Im Rahmen eines Workshops
wurden Analysepläne und erste Maßnahmenvorschläge in kleineren
Gruppen diskutiert.
In einer zweiten Regionalkonferenz im Juni 2016 erfolgte eine Ab-
stimmung der weiteren Planung und Umsetzung. Der Ansatz bestand
vor allem darin, kommunale Planungen im Kontext mit regionaler
Entwicklung neu zu denken und in Übereinstimmung zu bringen.
Dazu wurden überregionale Planungen, die Strategien der Re-
gionalplanung und LEADER Entwicklungsstrategien erfasst. Die
Belange des Hochwasser- und Naturschutzes sowie Verkehrsin-
fra
strukturmaßnahmen wurden berücksichtigt, andererseits aber auch
die vorhandene Infrastruktur und Planungen der Kommunen abgefragt.
Da es sich bei allen Maßnahmen um informelle Planungen handelt,
hatten vor allem die Aussagen des Hochwasser- und Naturschut-
zes keine Verbindlichkeit. In zahlreichen Veranstaltungen und Ge-
sprächen wurden immer wieder die Risiken bei der Umsetzbarkeit
in dieser sensiblen Landschaft aufgezeigt.
Die interkommunale Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen
und den beteiligten Kommunen sowie Regionalmanagements wäh-
rend der Projektphase bestand in einem sehr intensiven Austausch.
Engagement und Interessenslage in den Kommunen waren dennoch
sehr unterschiedlich ausgeprägt. Jede Kommune hat sich mit der
touristischen Entwicklung der Muldelandschaft auseinandersetzen
müssen und weitere Akteure innerhalb ihres Territoriums in den
Prozess eingebunden und beteiligt. Die Erwartungen wurden erfüllt,
die Kommunen haben einen Maßnahmenkatalog mit insgesamt 88
detaillierten Maßnahmenblättern erhalten, an deren Umsetzung
gearbeitet werden kann. Die Einrichtung eines Projektmanagements
ist ein wesentlicher Baustein zur erfolgreichen Umsetzung der
Maßnahmen, um die Kommunen zu unterstützen.
Alle Partner sind interessiert, entsprechende Lösungen zur Fi-
nanzierung eines Umsetzungsmanagements zu finden, um den
Umsetzungsprozess voran zu treiben. Die Maßnahmenumsetzung
erfolgt derzeit in Eigenverantwortung der Kommunen.
Fazit: Dieses Projekt hat die interkommunale Zusammenarbeit zwi-
schen den drei Landkreisen und den beteiligten Kommunen enorm ge-
stärkt und zum gegenseitigen Austausch und Verständnis beigetragen.
Mulderadweg - Fähre Gruna
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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34
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
Unter dem Motto „Kirche, Schule und Rathaus bleiben im Dorf“
sind wir im Jahr 2014 in unsere interkommunale Zusammenarbeit,
hier im neu entstandenen Aktions
raum „Wurzener Land“
gestartet. Viel ist seither passiert und unglaublich viel wurde
erreicht. Unsere Region hat sich vom weißen Flecken zum bunten
Regenbogen gemausert. Und wir haben noch viel vor ...
Uwe Weigelt, Bürgermeister Gemeinde Lossatal
Wurzener Land
Stadt-Umland-Konzept (SUK)
DIE STADT WURZEN
und die Gemeinden Bennewitz, Lossatal
und Thallwitz bilden einen mittelzentralen Verflechtungsraum
eines zentralen Ortes (hier: Mittelzentrum Wurzen) mit insgesamt
circa 31.000 Einwohnern. Viele Verbindungen und funktionale
Beziehungen zwischen den Partnern bestehen bereits und werden
im Alltag „gelebt“.
Tendenzen, wie demografischen Wandel, schwache Finanzaus-
stattung sowie wirtschaftliche Zwänge sorgen dafür, dass die
Stadt-Umland-Beziehungen zwischen der Stadt Wurzen und den
Gemeinden Bennewitz, Lossatal und Thallwitz als Schicksalsge-
meinschaft verstanden werden können. Das Umland ist in seiner
Leistungsfähigkeit ebenso abhängig von der florierenden Stadt,
deren Angebote es nutzt, wie die Stadt auf die Attraktivität des
Umlandes angewiesen ist. Ausstrahlende positive Entwicklungs-
trends des Metropolraums Leipzig sollen und können nur gemein-
sam aktiviert werden. Dadurch können im Umkehrschluss auch
Ansprüche an das Oberzentrum und andere Planungsebenen viel
passgenauer adressiert werden.
Ziel der Partnerkommunen war die zügige Bereitstellung der kon-
zeptionellen Grundlagen zur Umsetzung städtebaulicher Maß-
nahmen sowie die Erstellung eines abgestimmten Konzeptes für
Bildung, Verwaltung und wirtschaftliche Entwicklung. Die Part-
nerkommunen haben sich zu einigen Handlungsfeldern bereits
jeweils einzeln vertraglich miteinander verbunden und sind auf
dem Wege, über sektorale, themenspezifische Vereinbarungen die
Herausforderungen der regionalen und demografischen Entwick-
lung anzunehmen. Die wachsenden Aufgaben der Verwaltungen
werden dabei durch arbeitsteilige Prozesse der teilnehmenden
Gemeinden aufgefangen. Die ersten Schritte der Kooperation
wurden zum Beispiel durch eine intersektorale, integrierte räum-
liche Planung weitergeführt.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
September 2016 bis März 2018
|
PROJEKTSUMME:
110.000 EUR
LEAD-PARTNER:
Gemeinde Lossatal
|
PARTNERKOMMUNEN:
Wurzen, Bennewitz, Thallwitz
ANSPRECHPARTNER:
Christian Haendel, Deutsche Stadt­ und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH
Uwe Weigelt, Bürgermeister Gemeinde Lossatal
Räumliches Leitbild:
Fünf Siedlungs- und Versorgungskerne
umgeben das Mittelzentrum. Jeder bietet Basisangebote der
Daseinsvorsorge, sodass die gesamte Fläche des Wurzener
Landes in zumutbarer Entfernung zu den Wohnorten an
öffentliche Infrastruktur angeschlossen ist. Vorrangig in
diesen Kernorten sollen weitere Investitionen getätigt wer-
den, um das Wurzener Land als Wohn- und Lebensstandort
attraktiver zu machen.
Abbildung 1
Räumliches Leitbild
Wurzener Land
Wurzener Landfest
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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35
Abbildung 2
Kooperationsequalizer Wurzener Land Spannweiten
Konkreter Anlass für die Erarbeitung einer gemeinsamen Regional-
entwicklungsstrategie waren die regionalen Wanderungsströme
aus dem Oberzentrum Leipzig in das direkte Umland und das Be-
kenntnis der Stadt Leipzig, diese Entwicklung partnerschaftlich
mit den Umlandgemeinden zu steuern. Aber auch der Wunsch, die
Daseinsvorsorge des eigenen ländlichen Raums im Mittelbereich
so weiterzuentwickeln, dass zukünftige Kapazitäten und räumliche
Verteilung in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden
können, war und ist dafür ein Motiv. Eine Fördermittelbeantragung
im Städtebauförderprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden –
überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“ war von Anfang
an vorgesehen. Insofern bestand auch die Herausforderung, eine
interkommunal abgestimmte Investitionsliste zu erarbeiten und
maßnahmenbezogene Kooperationen zu organisieren.
Aus der Erarbeitung gingen die Themenfelder Kinderbetreuung, Brand-
schutz, Bildung, Siedlungsentwicklung, Verkehr/Mobilität und Finanzen
als Schwerpunkte der Zusammenarbeit hervor (vgl. Kooperatives
Leitbild). Darüber hinaus bestehen aber auch in anderen Bereichen
zahlreiche Kooperationsansätze und -projekte beispielsweise mit der
Gründung der Wurzener Land Werke als kommunaler Dienstleister.
Bürger, Räte und Verwaltungen wurden zur Regionalstrategie in zwei
Beteiligungsveranstaltungen eingebunden. Dabei diente das erste
Regionalforum einer konkreten Mitarbeit der Teilnehmer zur Diskus-
sion und Ausformulierung der Kooperationsaufgaben sowie einer
Ableitung eines ungefähren Zeitplans. Es folgte eine Arbeitsphase
in kleineren themenbezogenen Workshops (Kooperationsfelder)
mit Verwaltung und Experten. Dabei wurden die einzelnen Verwal-
tungsaufgaben und die dahinterstehenden Prozesse tiefgründig
untersucht und Gemeinsamkeiten und Unterschiede identifiziert und
eine zukünftige kooperative Arbeitsweise abgestimmt. Das zweite
Regionalforum fasste die Arbeitsergebnisse zusammen und bereitete
die Beschlussfassungen in den Parlamenten vor. Mit dem Beschluss
des dualen Leitbildes und einer Kooperationsvereinbarung für die
Umsetzung der Investitionsliste wurden die formalen Vorausset-
zungen für weitere Fördermittelanträge geschaffen. Auf den regel-
mäßig stattfindenden Aktionsraumkonferenzen, die übergeordnet
alle Kooperationsprojekte des Wurzener Landes zusammenbringen,
wurde regelmäßig über den Projektstand informiert.
Mit den bereits laufenden und abgeschlossenen Kooperationspro-
jekten im Rahmen des Aktionsraumes Wurzener Land sowie der
vertrauensvollen Kommunikation aller vier Partner/Bürgermeister
auf Augenhöhe bestanden von Anfang an gute Voraussetzungen für
eine gedeihliche Weiterentwicklung der Zusammenarbeit und der
Aufstellung einer abgestimmten Maßnahmenliste. Ansprechpartner
und Verantwortlichkeiten waren auf Bearbeiterebene bekannt und
konnten direkt aktiviert werden. Es bestanden auch Erfahrungen in
der gemeinsamen Finanzierung von Förderprojekten und darüber
hinaus gab es eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit (gemeinsa-
mes Logo, gemeinsame Veranstaltungen wie bspw. Wurzener Land
Fest usw.). Das Wurzener Land greift in der Namensführung auf
eine 900-jährige Tradition zurück, was die Verinnerlichung und die
Akzeptanz bei Bürgern und Gesellschaft sehr befördert. Schwer-
punkt waren Fragestellungen zu zukünftigen Verantwortlichkeiten
bei gemeinsamer Aufgabenwahrnehmung sowie die Verteilung der
Fördermaßnahmen in den einzelnen Partnerkommunen. Hier galt es,
eine ausgewogene Entwicklung des gesamten Aktionsraumes und
nicht nur der Siedlungskerne entlang der Entwicklungsachsen im
Kooperatives Leitbild:
In den
sechs Kooperationsfeldern wur-
den durch die konkrete Benennung
verwaltungstechnischer Aufgaben
(bspw. Kinderbetreuung: Platzver-
gabe, Krankheitsvertretung, Wei-
terbildung, Öffnungszeiten etc.) die
mögliche Kooperationsintensität
und ein ungefährer Fahrplan für die
Umsetzung entwickelt. Bewertet
wurden dabei auch Umsetzungs-
hemmnisse, Durchsetzbarkeit und
mögliche Akzeptanz/Ablehnung in
der Bevölkerung.
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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36
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
Auge zu haben. Das ist uns gut gelungen und wird in den nächsten
Jahren zu einer gleichmäßigen Entwicklung und Attraktivität führen.
Das Stadt-Umland-Konzept (SUK) war Wegbereiter für eine er-
folgreiche Fördermittelakquise im Städtebauprogramm KSP. Die
vier Partnerkommunen befinden sich seit Ende des Jahres 2018
in der Umsetzungsphase der Städtebauförderung, wobei die ge-
meinsame Fördermittelbewirtschaftung durch einen Leadpartner
mittels Treuhandkonto modellhaft ist.
Mit einem nun folgenden Kooperationsmanagement als erneutes
FR-Regio gefördertes Projekt wird das Kooperative Leitbild wei-
terentwickelt und verstetigt. Ziel ist es, Strukturen zu schaffen,
die eine dauerhafte Koordination aller Kooperationsfelder für
Verwaltungen, Räte und Bürger übernehmen.
Wesentliche Arbeitsschwerpunkte sind:
I
Die Vernetzung und Verknüpfung übergeordneter bzw. weiterer
Projekte und Aktivitäten innerhalb des Kooperationsraumes
Wurzener Land
I
Die Optimierung des Verwaltungshandelns durch fach-/
themenspezifisches Zusammenarbeiten
I
Die Umsetzung definierter Schlüsselmaßnahmen als sichtbarer
Kooperationserfolg
I
Die Organisation, Moderation, Steuerung & inhaltliche
Bereicherung des Kooperationsprozesses
I
Ein öffentlichkeitswirksamer und identitätsstärkender Beteili-
gungsprozess
Für die Durchführung des Kooperationsmanagements ist ein
Zeitraum von 18 Monaten vorgesehen. Damit sollen wesentliche
Bestandteile des Kooperativen Leitbildes des Wurzener Landes umge-
setzt werden. Der Gesamtprozess der interkommunalen Kooperation
wird jedoch auch darüber hinaus erforderlich sein – nicht zuletzt
weil die vorliegenden Handlungsfelder sehr anspruchsvoll in der
gemeinsamen Abarbeitung sind, sondern auch, weil sich im Rahmen
der Bearbeitung durchaus weitere Handlungsfelder zeigen können.
Wie im SUK-Wurzener Land herausgearbeitet, wird für die Umset-
zung des Kooperativen Leitbildes die Einrichtung einer Stabsstelle
„WuLa“ angestrebt. Die Einrichtung einer solchen Stabsstelle ist in
der von allen vier Kommunalparlamenten beschlossenen Koopera-
tionsvereinbarung festgehalten. Hauptaufgabe der Stabsstelle ist
die „organisatorische Unterstützung zur Bewältigung des absehbar
steigenden Aufwandes für das Prozess- und Kooperationsmanage-
ment des gesamten Aktionsraumes“.
Die Stabsstelle „WuLa“ soll als personell ausgestattete Stelle den
künftigen Kooperationsprozess steuern und letztlich verstetigen.
Für die Finanzierung einer solchen Stelle ist in der Zukunft ein durch
die vier Partnerkommunen organisiertes Umlagemodell angedacht.
Die Herleitung eines solchen Modells ist durch das Kooperations-
management mit zu verantworten. In der gemeinsamen Ratssitzung
aller vier Kommunen im September 2019 wurde dies in erster Lesung
vorgetragen und soll während der Laufzeit des Kooperationsmanage-
ments so weit ausformuliert werden, dass eine nahtlose Umsetzung
im Anschluss an das Kooperationsmanagement erfolgen kann.
Abbildung 3
Duales Leitbild Regionalentwicklung Wurzener Land
Duales Leitbild Regionalentwicklung:
Nur im Zusammenwirken
von Räumlichem Leitbild zur Sicherung der Daseinsvorsorge und der
Grundversorgung der Bevölkerung in der Fläche und Kooperativem
Leitbild zur weiteren Intensivierung und Verstetigung der inter-
kommunalen Kooperation kann eine erfolgreiche und gedeihliche
Entwicklung der gesamten Fläche des Wurzener Landes gelingen.
Diese beiden Leitbilder dürfen also niemals solitär nebeneinander
stehen, sondern müssen zwingend als DUALES LEITBILD der Regi-
onalentwicklung verstanden werden. Stärkung der Versorgungs-
und Siedlungskerne kann nur in Kooperation geschehen, damit
keine konkurrierenden Angebote die Tragfähigkeit der etablierten
Strukturen gefährden. Nur mit maßnahmenbezogener Abstimmung
zwischen den Partnerkommunen kann dies gelingen. Verstetigung
von Kooperation kann nur gelingen, wenn im ländlichen Raum des
gesamten Wurzener Landes ein gutes, gleichwertiges Angebot an
Daseinsvorsorge und Grund-/Nahversorgung besteht.
Abbildung 4
Schema und Aufgaben Kooperationsmanagement
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen

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37
„Auch wenn die prognostizierte
Entwicklung nicht 1:1 eintreten wird,
haben wir eine abgestimmte
Beurteilungsgrundlage geschaffen.“
Dr. Ralf Müller, Sprecher der Erlebnisregion Dresden
und Bürgermeister der Stadt Dohna
Wohnbauflächenprognose 2012 bis 2027
für die Erlebnisregion Dresden
IN DEN 90ER JAHREN
beschränkte sich die interkommunale
Zusammenarbeit im Raum Dresden vorwiegend auf ausgewählte
infrastrukturelle Themenbereiche (zum Beispiel ÖPNV, Abfallent-
sorgung). Dies resultierte aus den durch die Gemeindegebietsre-
form hervorgerufenen Verunsicherungen. Zwischen Dresden und
seinen Umlandgemeinden gibt es jedoch darüber hinaus vielfältige
Verflechtungen zum Beispiel im Bereich der Pendlerbewegungen,
der Einzelhandelsversorgung, auf dem Wohnungsmarkt und der
Naherholung. Im Jahr 2000 fand erstmals eine Konferenz mit
Bürgermeistern der Stadt Dresden und ihren Umlandgemeinden
statt, auf der weitere mögliche Kooperationsthemen diskutiert
und dann im Jahr 2001 in einem gemeinsamen Positionspapier
niedergelegt wurden. Außerdem wurde die gemeinsame Realisie-
rung erster Projekte angeregt, die zeitnahe Ergebnisse bringen
und die Vertrauensbildung fördern sollen.
Im Januar 2003 hat sich die Erlebnisregion Dresden (früher: Region
Dresden und Stadt-Umland-Region Dresden) als dauerhafte, in-
formelle Kooperationsform gegründet. Seitdem treffen sich die 17
Bürgermeister ein- bis zweimal jährlich und beraten zu gemeinsamen
Projekten, tauschen Erfahrungen und Informationen aus. Bei Bedarf
werden temporäre Arbeitsgruppen gebildet, die einzelne Projekte
begleiten. Die Koordinierung aller Aktivitäten erfolgt durch das
Büro der Erlebnisregion Dresden beim Stadtplanungsamt Dresden.
Die Erlebnisregion Dresden steht grundsätzlich für alle Problem-
stellungen offen. Anfänglich waren Projekte im Bereich Naher-
holung und Familienfreundlichkeit im Fokus. Später rückte die
anhaltend positive Bevölkerungsentwicklung stärker ins Blickfeld.
2008 wurde eine erste kleinräumige Bevölkerungsprognose durch
das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) vo-
rausberechnet. Im Jahr 2009 folgte ein Monitoringsystem zur
Bevölkerungsentwicklung, das mit finanzieller Unterstützung der
FR-Regio realisiert wurde. Damit ist ein Vergleich der Prognose-
daten mit der Ist-Entwicklung möglich. Das System wird in leicht
modifizierter Form bis heute durch die Gemeinden genutzt, um
rechtzeitig Bevölkerungstrends zu erkennen.
Seit dem Jahr 2010 wuchs die Zahl der Bewohner auch im Dresdner
Umland stetig an. Vermehrte Zuzüge und der Trend zum Alleinle-
ben ließen die Zahl der privaten Haushalte in der Erlebnisregion
wachsen. Die gleichzeitig steigenden Kinderzahlen wirkten sich
ebenfalls auf den Wohnungsmarkt aus. Der Wohnungsleerstand
ging deutlich zurück und es war ein Trend zu einer erneuten stär-
keren Abwanderung ins Dresdner Umland erkennbar. Es entstand
Bedarf an Wohnraum nicht nur in Dresden, sondern auch in den
benachbarten Kommunen. Um den Bedarf und die Potenziale sowie
gegebenenfallsnotwendige Bauflächenausweisungen konkreter
abschätzen zu können, verständigten sich die Bürgermeister darauf,
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
April 2014 bis Mai 2015
|
PROJEKTSUMME:
59.334 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
17 Städte und Gemeinden der Erlebnisregion Dresden (Arnsdorf, Bannewitz, Dohna, Dresden,
Dürrröhrsdorf­Dittersbach, Freital, Heidenau, Klipphausen, Kreischa, Moritzburg, Ottendorf­
Okrilla, Pirna, Radeberg, Radeburg, Wachau, Weinböhla, Wilsdruff) sowie Radebeul
ANSPRECHPARTNER:
Petra Knothe, Büro der Erlebnisregion Dresden, beim Stadtplanungsamt Dresden
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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38
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
das IÖR mit einer Wohnbauflächenprognose zu beauftragen. Die
Untersuchung beinhaltete folgende Bausteine:
I
kleinräumige Bevölkerungsprognose 2012 bis 2027 für alle Kom-
munen
I
Wohnungsbedarfsprognose 2012 bis 2027 auf der Grundlage
der kleinräumigen Bevölkerungsprognose und einer Haushalt-
prognose mit 3 Haushalttypen
I
Wohnungsbedarfsentwicklung bis zum Jahr 2027 nach Haus-
haltstypen unter Berücksichtigung von Wohnungsabgang und
Wohnwünschen (zum Beispiel Eigentumsbildung)
I
Abschätzung des Wohnbauflächenbedarfs
I
Gegenüberstellung des Wohnbauflächenbedarfs und der vor-
handenen Bauflächenpotenziale
Das Sächsische Staatsministerium des Innern forderte die Er-
lebnisregion Dresden auf, eine Regionalerklärung zur weiteren
Wohnbauflächenentwicklung zu verfassen.
Das Projekt stieß in allen Gemeinden auf sehr großes Interesse. Da
die Siedlungsentwicklung in Großstadtregionen traditionell sehr
umstritten ist, erhofften sich die Mitgliedskommunen Hilfestel-
lungen für die Planungspraxis. Insgesamt fanden sechs Arbeits-
gruppenberatungen, zwei Bürgermeisterkonferenzen und sechs
bilaterale Abstimmungsgespräche statt, in denen die Annahmen,
die Methodik und die Ergebnisse intensiv diskutiert wurden.
Im Ergebnis der Untersuchung wurde folgendes festgestellt:
I
Die Trends der demografischen Entwicklungen in den einzelnen
Kommunen unterscheiden sich deutlich, so dass die absehbare
Wohnungsnachfrage sowohl quantitativ wie auch qualitativ
differenziert ausfällt. (Abbildung 1)
I
Die vorhandenen Wohnbauflächenpotenziale weisen ebenfalls
eine große Spannbreite auf.
I
Das Netto-Wohnbauflächenangebot einschließlich der Baulücken
und den ausgewiesenen Wohnbauflächen in den Flächennut-
zungsplänen (Abbildung 2) deckt in der Summe den Bedarf
an Bauflächen selbst bei Berücksichtigung der Wohnwünsche
„Das Projekt hat die unter
-
schied
lichen Positionen und
P
r
o
b
l
e
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e
ll
u
n
g
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offen
g
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l
e
g
t
und so auch zum gegenseitigen
Verständnis beigetragen.“
Michaela Ritter,
Bürgermeisterin der Stadt Radeburg
Abbildung 1
Bevölkerungsvorausberechnung auf der Grundlage des Status­Quo­Szenario 2012 bis 2027
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

image
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39
Projektgruppensitzung 26. November 2014
Abbildung 2
Theoretisches Angebotspotenzial Netto­Wohnbauflächen Erlebnisregion Dresden bis 2027
(zum Beispiel Eigentumsbildung in Einfamilienhäusern) bis zum
Jahr 2027.
I
Nach den Erfahrungen mit einzelnen Baulückenkatastern ist
jedoch davon auszugehen, dass das Netto-Wohnbauflächen-
angebot bis zum Jahr 2027 nicht vollständig aktivierbar sein
wird und zusätzliche Flächen bereitgestellt werden müssen.
I
Insgesamt versteht sich die Erlebnisregion Dresden längerfris-
tig – abweichend von weitestgehend gegenläufigen Tendenzen
im übrigen Freistaat Sachsen – als Wachstumsmarkt bezüglich
der künftigen Bevölkerungs- und Wohnungsbauentwicklung.
Dieser Trend wurde durch die Migrationsbewegungen seit dem
Jahr 2015 noch verstärkt.
Die gewünschte Positionierung zu einer abgestimmter Wohn-
bauflächenentwicklung wurde aufgrund der damit verbunde-
nen Selbstbindung und mit Verweis auf die Planungshoheit der
Kommunen durch die Bürgermeister abgelehnt. Großes Interesse
besteht jedoch an einer kontinuierlichen Evaluierung der Woh-
nungsmarktentwicklung. Seitdem werden jährlich für alle Ge-
meinden Steckbriefe mit Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung
und –bewegung, zur Bautätigkeit, zu Angebotsmiete, zur Kauf-
kraftentwicklung und zu den Kosten der Unterkunft erstellt und
die Ergebnisse jährlich auf der Bürgermeisterkonferenz präsentiert.
Mit der Prognose wurde für alle Gemeinden eine regional abge-
stimmte Arbeitsgrundlage für die Bauleitplanung geschaffen. Für
Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern ist diese besonders
wertvoll, da für sie in der „Regionalisierten Bevölkerungsprog-
nose des Freistaates Sachsen“ keine gemeindebezogenen Daten
ermittelt wurden.
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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40
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
„Vor allem hat die gute Zusammenarbeit mit den Gemeinden
im Kooperationsraum, dem Architekturbüro, den Baufirmen,
der Schule, den zukünf
tigen Nutzern, den Behörden und nicht
zuletzt dem Sächsischen Staatsministerium des Innern und
dem Regio
nalen Planungsverband hervorragend geklappt. Jeder
hat an seinem Platz zum Gelingen des Projekts beigetragen.“
Andreas Liebscher, Bürgermeister der Gemeinde Hermsdorf/Erzgebirge
Gemeinde Hermsdorf/Erzgebirge
Interkommunales Konzept zur Sicherung der Grundschule in Hermsdorf/Erzgebirge
durch multifunktionale Nutzung und dessen bauliche Umsetzung
DIE GEMEINDE HERMSDORF/ERZGEBIRGE
ist für Erholungssu-
chende und Wintersportler eine gut bekannte Adresse. Auf ge-
spurten Loipen erkunden Langlaufenthusiasten die Region am
Kamm des Osterzgebirges. Auch Wanderer kommen voll auf ihre
Kosten. Ein ausgebautes Wanderwegesystem lockt Touristen und
Tagesausflügler gleichermaßen an und lädt zur Sommerfrische
ein. Weniger bekannt ist, dass bis vor kurzem noch Kalkstein im
Hermsdorfer Bergwerk gebrochen und verarbeitet wurde oder
dass die Region früher direkt an die Eisenbahnstrecke zwischen
Moldava und Freiberg angebunden war. Heute macht Hermsdorf
mit seinen beiden Ortsteilen Seyde und Neuhermsdorf einen eher
verträumten Eindruck. Ein Ort, wo man sich noch kennt und wo
Gemeinschaft gelebt wird. Davon zeugt eine Vielfalt an Vereinen
und immer wieder gibt es Grund zum Feiern. Das Ortszentrum
von Hermsdorf ist ein wahrer Ort der Begegnung: Gemeindeamt,
Kindergarten, Kirche und Schule mit dem Schulhort befinden sich
in Rufnähe. Beim Mittagessen, lecker gekocht von der Küche im
Kindergarten, treffen sich Lehrer, Erzieher, Schulkinder und die
Kinder des Kindergartens. Die im Jahr 1909 gebaute Schule mit
der im Schulgebäude integrierten Turnhalle ist dabei etwas ganz
Besonderes. Nicht nur, dass hier die Schulkinder auf das Leben
vorbereitet werden, sie stellt vielmehr einen allumfassenden Ort
des Lernens auch für die „Älteren“ dar. Doch auch die demografi-
sche Entwicklung geht nicht an Hermsdorf/Erzgebirge vorbei. Als
Gemeinde im peripheren ländlichen Raum hat sie es seit dem Jahr
1990 mit erheblichem Bevölkerungsrückgang zu tun:
1990
2011
2015
Bevölkerung in Hermsdorf/E.
1205
859
815
Entwicklung gegenüber 1990
-29 %
-32 %
(Quelle: Gemeindestatistik 2016, Statistisches Landesamt Sachsen)
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
Konzept 2015/2016, Baumaßnahme 2016/2017
PROJEKTSUMME:
Konzept 5.717 EUR, Baumaßnahme 689.275 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Gemeinde Hermsdorf/Erzgebirge, Stadt Altenberg, Stadt Dippoldiswalde
ANSPRECHPARTNER:
Andreas Liebscher, Bürgermeister der Gemeinde Hermsdorf/Erzgebirge
Bürgermeister Andreas Liebscher vor dem neuen
Multifunktionsanbau der Grundschule
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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41
Insbesondere das Wegbrechen der jüngeren Altersgruppen hatte
dazu geführt, dass die Grundschule es schon wiederholt mit
massiven Auslastungsproblemen zu tun hatte. Die Lösung, die
Grundschule einfach zu schließen, hätte jedoch zu einer Lücke
im Gesamtgefüge geführt, die für die Region um Hermsdorf
herum undenkbar und nicht akzeptabel war. Für die Kinder im
Grundschulbezirk wären aufgrund der bewegten Topografie im
Ost
erzgebirge damit lange Busfahrten verbunden gewesen und
die weitere Nutzung des Schulgebäudes ohne Schulbetrieb wäre
fraglich geblieben. Gemeinsam mit den angrenzenden Gemeinden
wurde nach einer Lösung zur Erhaltung der Grundschule gesucht.
Mit dieser Fragestellung waren die Akteure nicht allein. Bildungs-
planer auf Ebene des Sächsischen Staatsministerium für Kultus, auf
Ebene des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und nicht
zuletzt auch die Aktivitäten des Regionalen Planungsverbandes
Oberes Elbtal/Osterzgebirge zur Erstellung einer Regionalstrategie
Daseinsvorsorge hatten die Möglichkeit zur Einrichtung eines
jahrgangsübergreifenden Unterrichts eröffnet, die damals noch
als modellhaft bezeichnet wurde, mittlerweile im Schulgesetz aber
fest verankert ist. Darüber hinaus wurde in der Regionalstrategie
Daseinsvorsorge die Verzahnung mit multifunktionalen außer-
schulischen Angeboten zum Lernen und Begegnen empfohlen. Das
bedeutete ein völlig neues Konzept für die Grundschule in Herms-
dorf/Erzgebirge, um allen Anforderungen zu entsprechen. Inhaltlich
bestand vor allem die Herausforderung, das pädagogische Konzept
des jahrgangsübergreifenden Unterrichts mit dem multifunktio-
nalen Nutzungskonzept in Übereinstimmung zu bringen. Daraus
entstanden bauliche Notwendigkeiten, um allen Nutzungen die
benötigten Rahmenbedingungen bieten zu können. Vor dem Bauen
war Fachexpertise zur Realisierung des neuen Raumprogramms
gefragt. Mit finanzieller Unterstützung durch die FR-Regio konnte
die Erstellung des Konzepts bewerkstelligt werden.
Danach umfassten die empfohlenen Baumaßnahmen vor allem:
I
Ersatzneubau eines Anbaus des Schulgebäudes und Einrichtung
eines Sanitärtraktes und der Garderobe
I
Um- und Ausbau von multifunktionalen Räumen auf verschie-
denen Ebenen
I
Anbau eines Fahrstuhles zur Nutzung der multifunktionalen
Räume auch für gehbehinderte Menschen
Es dauerte Zeit, bis sich das Konzept in den Köpfen verfestigt hatte,
um zu erkennen, dass der jahrgangsübergreifende Unterricht und
die multifunktionale Nutzung die einzige Chance darstellen, um die
Grundschule zu erhalten und damit auch jungen Menschen Grund
zu geben, im Ort wohnen zu bleiben. Das interkommunale Konzept
konnte durch den Kooperationsraum im April 2016 erfolgreich ver-
abschiedet werden. Aber es blieb nicht nur beim Konzept. Schließ-
lich konnte gebaut werden, wobei vor allem regionale Baufirmen
zum Zuge kamen. Und auch hier sprang die FR-Regio hilfreich
zur Seite. Im Januar 2018 konnten im Rahmen einer Festveran-
staltung, bei der auch Lantagsvizepräsidentin Andrea Dombois,
Landrat Michael Geisler und andere Ehrengäste zugegen waren,
die Räumlichkeiten zur Nutzung übergeben werden. Seitdem sind
jahrgangsübergreifender Unterricht und multifunktionale Nutzung
gelebte Wirklichkeit: Weiterbildungsveranstaltungen für Feuerwehr
und Bergwacht, Theater AG, Sportvereine, Schulförderverein, Ver-
anstaltungen der Kinderarche Sachsen e. V. und weitere Vereine
und Initiativen haben hier ihr festes Domizil gefunden. Die Frage
nach dem Erfolgsrezept ist einfach zu beantworten: Es muss halt
alles stimmen. Vor allem hat die gute Zusammenarbeit mit den
Gemeinden im Kooperationsraum, mit dem Architekturbüro, mit
den Baufirmen, mit der Schule, mit den zukünftigen Nutzern, mit
den Behörden und nicht zuletzt mit dem Sächsischen Staats-
ministerium des Innern und dem Regionalen Planungsverband
hervorragend geklappt. Jeder hat an seinem Platz zum Gelingen
des Projekts beigetragen.
Multifunktionsanbau der Grundschule
Eröffnung des Multifunktionsanbaus der Grundschule
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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42
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
„Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
begeistert mit seinem touristischen Potenzial,
seiner hohen Lebensqualität und seinen besonderen
Landschaften alle, die hier leben und arbeiten.
Die Heimkehrerbörse unterstützt Sie dabei,
in einem der attraktivsten Landstriche Deutschlands
wieder Fuß fassen zu können, für ein Leben in
Ihrer alten, neuen Heimat.“
Michael Geisler, Landrat des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Aufbau einer Heimkehrerbörse (Internetportal)
für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
DER LANDKREIS SÄCHSISCHE SCHWEIZ­OSTERZGEBIRGE
ist ein
historisch gewachsener Wirtschaftsstandort mit großer Branchen-
vielfalt in überwiegend klein- und mittelständischen Unternehmen.
Die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes wird jedoch zunehmend
vom demografischen Wandel beeinflusst. So geht seit einigen
Jahren mit einem steigenden Arbeitsplatzangebot ein kontinu-
ierlich sinkendes Arbeitskräfteangebot einher. An dieser Stelle
müssen nachhaltige und vorausschauende Maßnahmen ergriffen
werden, um künftig die Fachkräftesicherung für einen starken
und soliden Wirtschaftsstandort Sächsische Schweiz-Osterz-
gebirge erfolgreich aufrechtzuerhalten. Mit der Heimkehrerbörse
www.heimkehrerboerse.info
hat die Wirtschaftsförderung eine
Internetplattform ins Leben gerufen, welche den Landkreis als
Wohn- und Wirtschaftsstandort für alle Altersklassen, Hierbleiber,
Zuwanderer, Heimkehrer sowie Unternehmen als attraktives Umfeld
bewirbt und damit hilft, die Auswirkungen des demografischen
Wandels zu bewältigen.
Das Projekt des Aufbaus der Internetseite stand in engem Zu-
sammenhang mit dem Vorhaben „Demografieleitbild Wirtschaft
und Arbeit“, welches ebenfalls über die Richtlinie FR-Regio ge-
fördert wurde und dessen Ziel die Entwicklung innovativer und
nachhaltiger Strategien und Lösungswege zur Bewältigung des
demografischen Wandels war.
Im Rahmen der gemeinsamen Abstimmung des Vorhabens zur
Heimkehrerbörse mit Entscheidungsträgern und Akteuren im
Landkreis wurden zahlreiche Gespräche geführt, Informationen
ausgetauscht und Gremien einbezogen, um eine aktive Mitwirkung
gewährleisten zu können. Die Bürgermeister der Kommunen des
Landkreises wurden über das Vorhaben, dessen Bedeutung für
die Region, Ziele und Möglichkeiten der Umsetzung informiert.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
2014
|
PROJEKTSUMME:
40.000 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Kommunen des Landkreises, Verkehrsunternehmen, Wohnungsgesellschaften, Industrie­ und Handels­
kammer Dresden sowie Handwerkskammer Dresden, Agentur für Arbeit, Kreissportbund Sächsische
Schweiz­Osterzgebirge e. V., Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH, IMPRO Interessensverband
Metall­ und Präzisionstechnik Osterzgebirge e. V., DEHOGA Sachsen, Regionalverband Sächsische
Schweiz e. V., Kreishandwerkerschaft Südsachsen, Ostsächsische Sparkasse Dresden, Landschaf(f)t
Zukunft e. V., BAZ­Initiativ­Büro, ASB OV Neustadt/Sachsen e. V., , Sächsisches Staatsministerium
für Kultus, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Berufliche Qualifi­
zierung, Medienkulturzentrum Dresden e. V., Staats betrieb Sachsenforst – Nationalparkverwaltung
Sächsische Schweiz.
ANSPRECHPARTNER:
Christin Ufer, Sächsische Schweiz­Osterzgebirge, Stabsstelle Wirtschaftsförderung
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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43
Die Wirtschaftsförderung hat weiterhin mit folgenden Partnern
Gespräche geführt, um einzelne Themenfelder detailliert abzu-
stimmen und auf der Internetplattform einzubinden:
I
Verkehrsunternehmen
I
Wohnungsgesellschaften
I
Industrie- und Handelskammer Dresden sowie Handwerks-
kammer Dresden
I
Agentur für Arbeit
I
Kreissportbund Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e. V.
I
Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH
I
IMPRO Interessensverband Metall- und Präzisionstechnik
Osterzgebirge e. V.
I
DEHOGA Sachsen, Regionalverband Sächsische Schweiz e. V.
I
Kreishandwerkerschaft Südsachsen
I
Ostsächsische Sparkasse Dresden
I
Landschaf(f)t Zukunft e. V.
I
BAZ-Initiativ-Büro
I
ASB OV Neustadt/Sachsen e. V.
I
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
I
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und
Verkehr, Ref. 24, Berufliche Qualifizierung
I
Medienkulturzentrum Dresden e.V.
I
Staatsbetrieb Sachsenforst – Nationalparkverwaltung Sächsische
Schweiz.
Die Gespräche haben dazu beigetragen, bereits bestehende
Plattformen, Börsen oder Datenbanken zu relevanten Themen zu
identifizieren. Außerdem wurden zahlreiche Veranstaltungen und
Workshops besucht, die halfen, die Zielgruppe besser zu verstehen
und entsprechende Schwerpunkte zu setzen. Im Zuge des Aufbaus
der Heimkehrerbörse haben sich auch Schüler der Fachoberschule
Sabel Freital mit dem Thema „Rückkehr in den Landkreis“ auf lite-
rarische und gestalterische Weise auseinandergesetzt.
Die Internetplattform bietet eine Jobbörse an, auf der Unternehmen
aus dem Landkreis ihre Angebote veröffentlichen können und einen
Überblick über folgende Inhalte gibt:
I
Wirtschaft & Arbeit
I
Unternehmenssuche
I
Vorstellung der unterschiedlichen Branchen im Landkreis
I
Ausbildung, Weiterbildung, Existenzgründung
I
Wohnen
I
Familie und Leben (Freizeit, Sport, Gesundheit, Kinderbetreuung,
Schule, ÖPNV)
I
Aktuelles
I
Erfolgsgeschichten
I
Veranstaltungen
Die Internetplattform hilft den Bürgern beim Ankommen im Land-
kreis und den Unternehmen, Fachkräfte auf Jobangebote in un-
serer Region aufmerksam zu machen. Die Inhalte werden durch
die Wirtschaftsförderung des Landkreises regelmäßig gepflegt
und aktualisiert. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wird über
Flyer, Radiowerbung, in Gesprächen, durch Pressemitteilungen, die
Veröffentlichung von Rückkehrergeschichten und dem Banner im
Landkreisboten oder auf den Internetseiten der Kommunen auf
die Heimkehrerbörse aufmerksam gemacht.
Bei unserer Arbeit erreichen uns immer wieder Rückmeldungen
und Danksagungen von Bürgern, denen wir mit der Vermittlung
von Jobangeboten oder einfach nur als Ansprechpartner beim
Start im Landkreis weiterhelfen konnten.
Familie Höse
Christin Ufer, Landratsamt
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge,
Stabsstelle Wirtschaftsförderung
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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44
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
„Der schnelle und stetige Austausch zwischen
den Projekt
beteiligten ist für ein solches
gemeindeübergreifendes Projekt äußerst wichtig
und hilfreich und funktioniert hier sehr gut.“
Christian Semmelrogge, Wirtschaftsförderer
Städte Altenberg und Glashütte
Konzept zur Vertiefung der interkommunalen Zusammenarbeit
im Bereich der Wirtschaftsförderung und dessen Umsetzung
SEIT DEM 1. MÄRZ 2019
ist die gemeinsam von den Städten
Altenberg und Glashütte entwickelte Koordinierungsstelle Wirt-
schaftsförderung besetzt. Neben der Unterstützung der Be-
standsunternehmen in beiden Städten, in deren insgesamt 36
Ortsteilen zusammen etwa 14.700 Menschen zwischen Dresdener
Umland und Tschechischer Grenze ihr zu Hause haben, liegt das
Hauptaugenmerk der Wirtschaftsförderung insbesondere auf den
Themenfeldern:
I
Fachkräftesicherung und Nachwuchskräftegewinnung,
I
Standortmarketing und Entwicklung eines Standortmarketing-
konzeptes, sowie
I
Verbesserung der Kommunikation zwischen und mit den wirt-
schaftsrelevanten Akteuren inner- und außerhalb des Koope-
rationsraumes.
Das zu 75 Prozent aus der FR-Regio finanzierte Projekt ist erst ein-
mal auf zwei Jahre bis zum 28. Februar 2021 angelegt. Langfristiges
gemeinsames Ziel ist die Etablierung einer gemeindeübergreifenden
kommunalen Wirtschaftsförderung, welche durch ihre bis dahin
geleistete Arbeit und den entwickelten Mehrwert eine Kofinan-
zierung durch regionale Unternehmen oder eine Ausweitung und
Einbeziehung noch weiterer Nachbarstädte und Gemeinden initiiert.
Die Beteiligung noch weiterer Städte war auch der ursprüngliche
Ansatz, aus dem sich die geschaffene Koordinierungsstelle entwi-
ckelt hat. Seit dem Jahr 2015 arbeiteten Altenberg und Glashütte
mit der Nachbarstadt Dippoldiswalde und der Gemeinde Klingen-
berg zusammen, um eine wirkungsvolle, über Gemeindegrenzen
hinausgehende Wirtschaftsförderung aufzubauen, welche im
Sinne der Region agiert und die Unternehmensentwicklung fördert.
Gemeinsam mit einem erfahrenen Dienstleister entwickelten die
vier Partner bis zum Mai 2016 ein Regionales Vernetzungskonzept
zur Vertiefung der interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich
der Wirtschaftsförderung. Bereits die Erstellung dieses Konzeptes
wurde mit Mitteln aus der FR-Regio gefördert.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
März 2019 bis Februar 2021
|
PROJEKTSUMME:
184.981 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Städte Altenberg und Glashütte
ANSPRECHPARTNER:
Christian Semmelrogge, Stadtverwaltung Glashütte, Wirtschaftsförderung
Gewerbegebiet Europark Altenberg auf dem Gelände
des Arno-Lippmann-Schachtes
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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45
Die Struktur der jetzigen Koordinierungsstelle Wirtschaftsförde-
rung geht mit ihren Aufgaben, Zielen und Themenfeldern auf das
damalige Vernetzungskonzept zurück und wurde in diesem bereits
als mögliches Umsetzungsvorhaben aufgezeigt.
Zu einer gemeinsamen Umsetzung durch die vier Projektpartner
kam es im Anschluss allerdings nicht. Diese scheiterte an der dama-
ligen finanziellen Situation der Stadt Dippoldiswalde und der damit
einhergehenden räumlichen Trennung der Gemeinde Klingenberg
vom Rest des Kooperationsraumes. Die Städte Altenberg und
Glashütte ließen sich dadurch allerdings nicht davon abbringen,
an der Umsetzung des Projektes festzuhalten. So entwickelten
sie unter Einbeziehung der beiden Stadträte gemeinsam eine
Vereinbarung zur interkommunalen Zusammenarbeit mit dem
Ziel der Schaffung einer interkommunalen Koordinierungsstelle
Wirtschaftsförderung. Diese wurde im Juli 2018 von den Bür-
germeistern unterzeichnet und bildete die Grundlage für die so
geschaffene und zum 1. März 2019 besetzte Stelle.
Nach einer anfänglichen Phase der Orientierung und des ge-
genseitigen Kennenlernens läuft die Umsetzung erster einzelner
Projektbausteine, wie der Durchführung einer Mitarbeiterbefra-
gung in den Unternehmen, die als Grundlage für ein gemeinsames
Standortmarketingkonzeptes dienen soll. Herausfordernd ist an
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte
mancher Stelle die Willensbildung, Abstimmung und Koordinie-
rung mit mehreren gleichberechtigen Projektträgern. Aber mit
Engagement, Einbeziehung und Anhörung aller, stellt auch dies
kein Problem dar. Grundlegend für die Umsetzung eines solchen
Projektes sind ein gleichberechtigter und respektvoller Umgang
aller Partner miteinander sowie eine offene, konstruktive Kom-
munikation untereinander, da das zugrundeliegende Ziel im ge-
meinsamen Interesse liegt.
Über den weiteren Verlauf des Projektes und die sich eventuell
daraus resultierende Fortführung lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt
(Redaktionsschluss) noch keine Aussage treffen.
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

image
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
46
„Unser Zukunftsforum
war in mehrfacher Hinsicht ein
Gewinn für den Landkreis und die
beteiligten Partner: Zum einen
arbeiteten wir über fachliche
Grenzen an Ideen und Lösungs-
ansätzen für die nahen und ferneren
Herausforderungen. In den vier
öffentlichen Fachforen erprobten wir
außerdem Methoden und Formate,
ohne die heute gesellschaftliche
Willensbildungsprozesse nicht mehr
denkbar sind – die rege Teilnahme
und breite Beteiligung gaben
uns dabei recht. Einzig das
ergebnis
offene Herangehen an den
Beteiligungsprozess war manchmal
nicht ganz einfach zu erklären:
Inzwischen knüpfen aber schon
einige Vorhaben und Projekte
unmittelbar an die Ergebnisse
des Zukunftsforums an.“
Andreas Böhme, Amtsleiter Amt für Forst
und Kreisentwicklung des Landkreises Meißen
Zukunftsforum für den Landkreis Meißen
DIE KOMMUNEN DES LANDKREISES
sind neben dem Landkreis
selbst Teil eines komplexen gesellschaftlichen Veränderungspro-
zesses. Die Vielschichtigkeit des Veränderungsprozesses und seine
Abhängigkeit von vielen Variablen macht es für die Akteure des
Landkreises zu einer anspruchsvollen Aufgabe, vorausschauend
nachhaltig zu denken und zeitnah angemessen zu handeln. Es ist
dennoch eine zentrale Aufgabe des Landkreises, den aktuellen
Veränderungs- und Entwicklungsprozess zielgerichtet und unter
bester Nutzung seiner Potenziale sowie des bisher Erreichten aktiv
zu steuern.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
Juni 2017 bis Dezember 2019
|
PROJEKTSUMME:
96.682 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Landkreis Meißen – Landratsamt, Akteure des Landkreises Meißen aus Verwaltung,
Bürgerschaft und Expertengremien
ANSPRECHPARTNER:
Andreas Herr, Landratsamt,
Meißen, Beigeordneter und Dezernent Technik
Katrin Berthold, stellvertretende Amtsleiterin Kreisumweltamt
Anja Arlt­Lange, EU­Beauftragte und Koordinatorin für touristische Infrastruktur des
Landkreises Meißen
Leuchtturm ZUKUNFTSFORUM Landkreis Meißen
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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47
Dazu benötigten die Akteure die passenden strategischen Instru-
mente, welche innerhalb eines beteiligungsorientierten Prozesses,
dem „Zukunftsforum im Landkreis Meißen“, erarbeitet werden
sollten. Folgende Themenfelder kamen zur Auswahl:
I
Bildung, Arbeitskräftesicherung, Regionalmarketing“
II „Siedlung und Kulturlandschaft“
III „Familie und Gesundheit“
IV „Digitaler Wandel und Mobilität“
Dabei war den Akteuren bewusst, dass die aktuellen gesellschaft-
lichen Fragen ineinander greifen und künftig nur fachgebiets-
übergreifend zu beantworten sind. In der täglichen Arbeit der
Verantwortungsträger verbleibt kaum ausreichend Zeit und Mög-
lichkeit, sich umfassend damit auseinander zu setzen oder die
dazu notwendigen Partner an einen Tisch zu bekommen. Auch
stellt sich die Notwendigkeit, vor dem Hintergrund der zuneh-
menden Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements bei der
Lösung von Zukunftsfragen, die Menschen aktiv einzubinden.
Dieses Podium sollte das „Zukunftsforum“ des Landkreises Mei-
ßen bieten und dabei Verwaltung, Bürgerschaft und Experten
zusammenführen. Im Rahmen des Zukunftsforums diskutierten
Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter des Landkreises, der Städte
und Gemeinden, der Unternehmen, Vereine, Verbände und gesell-
schaftlichen Gruppen wichtige Zukunftsthemen für unsere Region.
Mehrere öffentliche Veranstaltungen sowie die Beteiligungsplatt-
form im Internet boten dabei Gelegenheit, Vorschläge, Ideen, Wün-
sche und Erwartungen, aber auch Kritik und Sorgen zu äußern.
Das schließt die Einbeziehung betroffener und interessierter Ein-
wohner, insbesondere die Jugend des Landkreises ebenso ein, wie
in den Themen tätige Unternehmen, Fachexperten, Vereine oder
Institutionen.
Das „Zukunftsforum“ des Landkreises Meißen bot das geeignete
Podium, um Verwaltung, Bürgerschaft und Experten in einem
kreativen Diskurs zusammenzuführen.
Das Pro und Contra zu möglichen Handlungsoptionen sowie der
Ablauf des Beteiligungsprozesses wurden in einer Dokumentation
zusammengefasst. Diese kann den Mitgliedern der gewählten
kommunalen Gremien die notwendigen Anregungen geben sowie
dabei helfen, mehrheitsfähige Lösungen zu finden und im Dialog
mit der Politik und der Verwaltung den Weg für zukunftsorientierte
Planungen zu ebnen.
Im Ergebnis liegen Antworten und Optionen für konkrete Fragen
der zukünftigen kommunalen Entwicklung im Landkreis Meißen
vor. Das sind ebenso Impulse für neue Wege, Innovationen und
Anpassungen an künftige Veränderungen, wie auch für das Er-
kennen und Nutzen von Chancen.
Das „Zukunftsforum“ im Landkreis Meißen hat eine lebendige
Diskussion in Gang gesetzt. Viele engagierte Menschen aus un-
serer Region haben sich mit Herz und Verstand eingebracht, auf
Augenhöhe mit Fachleuten über Thesen zu gesellschaftlichen
Trends und den Rahmenbedingungen der weiteren Entwicklung
des Landkreises Meißen gestritten und Ideen für seine Zukunft
entwickelt. Nicht zuletzt wird damit der aktuell und bundesweit
häufig konstatierten Politikverdrossenheit mit einer effektiven
Kommunikationsstrategie entgegengewirkt.
Das vorliegende Ergebnis der mehrmonatigen Arbeit bildet nicht
den Abschluss der unmittelbaren Diskussion, sondern soll anlass-
bezogen und in hierfür geeignetem Rahmen fortgeführt werden.
Folgeprojekte bieten sich geradezu an. So nimmt das »Kulturland-
schaftsprojekt des Landkreises Meißen«, das vom Fachforum »Sied-
lung und Kulturlandschaft« initiiert wurde, inzwischen Gestalt an
und soll die Bürger aus allen Landschaftsräumen des Landkreises
zum Mitmachen anregen.
Sowohl das Zukunftsforum als auch das Kulturlandschaftsprojekt
sind Projekte, die erst mit der Unterstützung durch die FR-Regio
ermöglicht wurden. Beide Projekte tragen dazu bei, den Landkreis
mit seinen vielfältigen wirtschaftlichen und kulturellen Potenzialen
gemeinsam mit seinen Bürgern zu entwickeln und den vielfältigen
Anforderungen gerecht zu werden.
Lebendige Diskussion
ZUKUNFTSFORUM Landkreis Meißen
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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48
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
„Die Energiefabrik Knappenrode
stellt ein national bedeutsames
Baudenkmal dar. Damit bestand der
enorme Anspruch, bei gleich
zeitiger
qualitativer Aufwertung vor allem
die bisherigen Unterhaltungs- und
Betreiberkosten zu senken. Um dies
gewährleisten zu können, mussten
Flächen auch reduziert und neu
strukturiert werden. Die durch den
Landkreis beauftragte und über
die Richtlinie des Sächsischen
Staatsministeriums des Innern zur
Förderung der Regionalentwicklung
geförderte Studie bildete hierfür
eine wichtige Basis.“
Birgit Weber, Beigeordnete des Landkreises Bautzen
Landkreis Bautzen
Machbarkeitsstudie zum Vorhaben „Objekt extrem.
Der Koloss von Knappenrode. Ein Industriedenkmal auf Kurskorrektur.“
ZIEL DER MACHBARKEITSSTUDIE „OBJEKT EXTREM.
Energie-
fabrik Knappenrode – Industriedenkmal und Werkssiedlung auf
Kurskorrektur“ ist die städtebauliche Stärkung, Denkmalinstandset-
zung und Umnutzung sowie die klare Einordnung der historischen
Industrieanlage in den Kontext der benachbarten Werkssiedlung
und damit der Stadt Hoyerswerda. Das Industrieensemble „Bri-
kettfabrik und Werkssiedlung Knappenrode“ hat sich seit dem Jahr
1990 zu einem einzigartigen Denkmalstandort der Industriekultur
in Hoyerswerda und der strukturschwachen Lausitz entwickelt.
Dem Museum Energiefabrik Knappenrode kommt dabei als Standort
des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum (ZV SIM) und
als Leuchtturm des Lausitzer Seenlandes mit 500.000 Übernach-
tungen pro Jahr eine Schlüsselrolle mit zunehmender nationaler
und internationaler Leuchtkraft zu. Jährlich über 20.000 Besucher
zeigen, dass sich Knappenrode mit Siedlung und Werk als ein
Markenzeichen der industriellen Geschichte und Zukunft einer
ganzen Region behaupten konnte.
Im Auftrag des Landkreises Bautzen wurde die Machbarkeitsstudie
zum Vorhaben „Objekt extrem. Der Koloss von Knappenrode. Ein
Industriedenkmal auf Kurskorrektur.“ entwickelt und im Juli 2016
vorgelegt. Mit der Machbarkeitsstudie werden wesentliche Ziele
der Standortentwicklung „Energiefabrik Knappenrode“ definiert
und deren schrittweise Umsetzung aufgezeigt. Grundlage der
Betrachtungen ist der anstehende Umbau des Standortes.
Ein besonderer Fokus der Machbarkeitsstudie liegt auf den künftig
nicht mehr museal genutzten Flächen im unmittelbaren Umfeld
der Energiefabrik; dem sogenannten „äußeren Bereich“.
Ziel der mit der Machbarkeitsstudie vorgeschlagenen Vorgehens-
weise ist eine wirtschaftlich stabile Entwicklung des Standortes
Energiefabrik. Damit verbunden sind Ausgaben, die durch Ein-
nahmen dauerhaft gedeckt werden müssen. Im Ergebnis stellt die
Machbarkeitsstudie ein Instrument zur Standortentwicklung dar.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
November 2015 bis Juli 2016
|
PROJEKTSUMME:
circa 30.000 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Landkreis Bautzen, Zweckverband Sächsisches Industriemuseum, Stadt Hoyerswerda,
Ortsteil Knappenrode
ANSPRECHPARTNER:
Landratsamt Bautzen, Geschäftsbereich 2
Energiefabrik Knappenrode - Pressenraum
Die Studie ist wesentliche Grundlage zur Gestaltung des zukünfti-
gen Standortes. Sie beinhaltet auch das Vorgehen zur Akquisition
neuer Nutzer, Eigentümer und Betreiber sowie die entsprechende
Marketingausrichtung.
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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49
Es wird in aufeinander aufbauenden Schritten dargelegt, wie sich
neue Nutzungen in den vorhandenen Gebäuden einfügen lassen
und auf welche Weise so die etappenweise Steigerung der Be-
sucherzahlen erreicht werden kann. Basis der Überlegungen ist,
dass neue Angebote mehr Besucher an den Standort ziehen und
mehr Besucher schließlich weitere Angebote zulassen. Dieses
Wechselspiel von Angebot und Nachfrage soll bis zum Jahr 2030
zu einer Steigerung der Besucherzahl auf 75.000 Personen pro
Jahr führen, was einem Anstieg von circa 55.000 Besuchern (oder
275 Prozent) entspricht.
Die Machbarkeitsstudie wurde unter Beteiligung verschiedener
Akteure erarbeitet. Im Rahmen von Workshops wurde mit dem
Landkreis Bautzen, dem Zweckverband Sächsisches Industrie-
museum und der Stadt Hoyerswerda die Standortentwicklung
diskutiert. Im Rahmen der Bearbeitung der Studie wurden fol-
genden Arbeitsschritte, die gleichzeitig Grundlage der Struktur
der vorliegenden Machbarkeitsstudie sind, vertieft:
I
Analyse/Bestandsaufnahme,
I
Maßnahmenkatalog,
I
wirtschaftliche und finanzielle Bewertung der Maßnahmen,
I
Abwägung von Vermarktungsrandbedingungen und Abgleich
mit den Umfeldbedingungen (Abgleich Aufwand und Vermark-
tungsgewinn),
I
Vorschlag von Prioritätenstufen unter Beachtung der Nut-
zungsentwicklung, Vermarktungskonzept: Gesamtstandort,
gebäudebezogen, definierte Handlungsfelder
Energiefabrik Knappenrode - Veranstaltungsraum
Energiefabrik Knappenrode - Luftbild
Für den Standort wurden drei Strategien entwickelt. Alle Entwick-
lungsvarianten basieren auf dem Ansatz der touristischen Nutzung.
Die touristische Schwerpunktsetzung ergibt sich einerseits aus der
Aufgabenstellung des Landkreises Bautzen. Anderseits wurde auch
im Rahmen der Analyse nutzerbezogener Grundlagen deutlich, dass
insbesondere eine touristische Nutzung zielführend erscheint. So
traten gewerbliche, nicht-touristische Nutzungen oder Nutzungen
im Forschungsbereich bewusst in den Hintergrund.
Die mit der Machbarkeitsuntersuchung vorgeschlagene Vorge-
hensweise basiert auf einer Stärkung des Standortes Energiefabrik
und einer verbesserten städtebaulichen Verbindung zwischen der
Energiefabrik und Knappenrode als Ortsteil der Stadt Hoyerswerda.
Grundlage der hier beschriebenen Maßnahmen ist auch, dass sich
der Standort Energiefabrik zu einem zentralen Anlaufpunkt des
Lausitzer Seenlandes entwickelt. Entwicklungskriterien richten sich
damit insbesondere auf die regionale Strahlkraft des Standortes.
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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50
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
Handlungskonzept zur Errichtung stationärer Pflege
-
einrichtungen als Gemeinschaftsprojekt für die Stadt
Schirgiswalde-Kirschau und die Gemeinden Cunewalde,
Großpostwitz, Obergurig und Sohland a. d. Spree
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
November 2017 bis April 2019
|
PROJEKTSUMME:
38.984 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Intern: Stadt Schirgiswalde­Kirschau, Gemeinde Cunewalde, Gemeinde Großpostwitz,
Gemeinde Obergurig und Gemeinde Sohland a. d. Spree
Extern: Landkreis Bautzen – Sozialamt, Oberlausitzkliniken gGmbH, Regionale ambulante
Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen, Regionaler Planungsverband Oberlausitz­Niederschlesien,
LEADER­Management „Bautzener Oberland“, Stadt Bautzen, Wilthen, Gemeinde Neukirch,
Steinigtwolmsdorf
ANSPRECHPARTNER:
Markus Michauk, Bürgermeister der Gemeinde Großpostwitz
Was gab den Impuls/Anlass für eine
interkommunale Zusammenarbeit?
DIE KOMMUNEN
Schirgiswalde-Kirschau, Großpostwitz, Obergurig
und Cunewalde weisen einen steigenden Bedarf an stationären
Pflegeangeboten auf.
Bislang hat jede Kommune Standortscheidungen auf Grundlage
des lokalen Bedarfs getroffen. In Anbetracht der zunehmenden
interkommunalen Konkurrenz um die Pflegedienstanbieter als auch
die Pflegeplätze ist der Entschluss entstanden, gemeinsam ein Zu-
kunftskonzept aufzustellen. Übergreifender Ansatz der Kommunen
war dabei, den Bedarf mit lokalen Pflegeangeboten zu bedienen.
Damit verbunden war der Anspruch, dass die pflegebedürftigen
Personen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können und auch
die Angehörigen bei Besuchen kurze Wege haben.
„Ich erlebte den Prozess der Erarbeitung des Handlungs
konzeptes
als absoluten Gewinn für alle Beteiligten, denn die Querschnitts-
betroffenheit kommunaler Verantwortlicher in ihren lokalen
Bereichen wurde mit der Fach
kompetenz der Dienstleister in
der Fläche zusammengeführt und erzeugte somit einen gemein-
samen Erkenntnis
gewinn für die Praxis.“
Markus Michauk, Bürgermeister Gemeinde Großpostwitz
Welche Themenfelder stehen/standen
im Mittelpunkt der Zusammenarbeit?
Die Strategie- und Handlungskonzeption sollte den voraussichtli-
chen Bedarf in der Pflege bis zum Jahr 2040 ermitteln.
In einem ersten Schritt wurde für jede Kommune eine prognosti-
sche Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2040
vorgenommen. Hier lag der Schwerpunkt bei der Darstellung der
zu erwartenden Altersstrukturentwicklung.
Daneben wurden die bestehenden Pflegeangebote in Hinblick auf die
Pflegeform, den Einzugsbereich sowie die Auslastung untersucht.
Ebenso wurde die ärztliche Versorgung, gesundheitsnahe Dienst-
leitungen und sowie das Mobilitätsangebot in die Betrachtung mit
einbezogen. Alle fünf Kommunen sind Teil des Sozialraumes 5 im
Landkreis Bautzen. Um ein realistisches Bild der Pflegesituation zu
erhalten, wurden die zum Verflechtungsraum zugehörigen Umland-
kommunen ebenfalls mit in die Untersuchung einbezogen.
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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51
Für Rückschlüsse, somit eine Einordnung der Pflegesituation im
Betrachtungsraum und die Ableitung künftiger Pflegetrends,
wurde die Ist-Situation mit der des Freistaates und des Landkreises
Bautzen verglichen. Dabei lag das Augenmerk auf Angaben wie
der Pflegequote, der Anzahl der Beschäftigten im Pflegesektor,
dem Betreuungsschlüssel nach Pflegeform sowie der Anzahl der
ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen.
Bei der Ermittlung der benötigten Pflegeinfrastruktur 2040 im
Betrachtungsraum wurde lediglich die Deckung des Eigenbedarfs
der fünf Kommunen berücksichtigt. Die Angebotserweiterung
sollte kein Überangebot darstellen oder in Konkurrenz mit anderen
Einrichtungen/Diensten im Verflechtungsraum stehen.
Auf Basis der sich in den letzten Jahren abzeichnenden Pflegetrends
im Landkreis Bautzen bzw. im Betrachtungsraum wurde diese Ent-
wicklung bei der Ermittlung des Pflegebedarfs bis zum Jahr 2040
berücksichtigt.
Auf Grundlage der Bevölkerungsprognose wurden für den Betrach-
tungsraum bis zum Jahr 2040 circa 1.250 Pflegebedürftige ermittelt,
die von etwa 350 Beschäftigten im Pflegesektor betreut werden.
Dies bedeutet einen zusätzlichen Pflegebedarf bis 2040 von:
+ 45 voll- und teilstationäre Pflegeplätze
+ 275 Pflegebedürftige in ambulanten Diensten
+ 90 Pflegekräfte
In der weiteren Zusammenarbeit wurden lokale Realisierungsansätze
zum nachfragerechten interkommunalen Ausbau des Pflegeangebo-
tes erarbeitet. Um möglichst viele Synergien zu erzielen, verständigte
man sich vom Grundsatz darauf, dass vorzugsweise lokale Betreiber
die Erweiterung des Pflegeangebotes vornehmen sollen.
Bauschild Senioren-Residenz Großpostwitz
Wie erfolgte der kommunale Willensbildungspro­
zess? Wurden Bürger/Öffentlichkeit in dem Prozess
beteiligt? Wenn ja, wie und mit welchem Ergebnis?
Die Stadt- und Gemeinderäte der beteiligten Kommunen haben
sich mittels Beschluss frühzeitig für eine Beteiligung am Projekt
und insofern für diesen interkommunalen Abstimmungsprozess
ausgesprochen.
Die fachliche Begleitung und Steuerung des Prozesses hat ein
erfahrener Dienstleister übernommen. Mittels regionalen Bera-
tungsrunden erfolgte eine interkommunale und letztlich auch
kommunale Willensbildung.
Dabei diskutierten sowohl die Bürgermeister der fünf beteiligten
Kommunen als auch die Vertreter der Oberlausitz-Kliniken gGmbH,
von lokalen Pflegeanbietern, des Sozialamtes des Landratsamtes
Bautzen sowie des Regionalen Planungsverbandes Oberlausitz-Nie-
derschlesien zum Thema Pflege im Betrachtungsraum.
Innerhalb des Erarbeitungsprozesses wurden die Kommunalpar-
lamente über den Stand informiert und die Ergebnisse in einer
gemeinsamen Abschlussveranstaltung vorgestellt und diskutiert.
Eingeladen waren die Stadt- und Gemeinderäte der beteiligten
Kommunen, das LEADER-Management, der Regionale Planungsver-
band Oberlausitz-Niederschlesien, das Sozialamt des Landkreises,
Vertreter der Oberlausitz-Kliniken gGmbH sowie die Vertreter der
Umlandgemeinden.
Die Stadt- und Gemeinderäte der beteiligten Kommunen bestätig-
ten letztlich die Handlungsempfehlungen des Konzeptes.
Wie gestaltete sich der Prozess bis zur Entscheidung
einer Zusammenarbeit? Welche Faktoren begünstigen
die Entscheidung für eine interkommunale Zusam­
menarbeit und lassen/ließen sie erfolgreich werden?
Welche Hemmnisse waren zu überwinden?
Die anfängliche Erkenntnis von drei beteiligten Kommunen, dass
Interessenlagen ähnlich sind und eine Lösung im Raum einer fun-
dierten Basis bedarf, bekam insbesondere durch die Beratung
des Regionalen Planungsverbandes Oberlausitz-Niederschlesien
eine fachliche Ausrichtung. Neben der Fachberatung durch das
Landratsamt und einer Ausweitung auf weitere Kommunen wurde
insbesondere die beispielhafte Betrachtung im Sozialraum 5 ein
erklärtes Ziel, um Übertragbarkeit zu erreichen.
Viele Beteiligte brachten viele Erkenntnisse, aber auch hohen Koor-
dinierungsaufwand mit sich, sodass daraus die zeitliche Streckung
des Projektes resultierte. Positiv wirkte sich aus, dass jeweils die
Entscheidungsträger wie Bürgermeister, Geschäftsführer oder
Fachverantwortliche die Diskussion führten und so die Ergebnisse
direkt an Stadt-/Gemeinderäte, Firmen weitergeben konnten.
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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52
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
Wie gestaltete sich der Projektverlauf?
Welche Erfolge sind zu verzeichnen?
Welche Schwierigkeiten gab es zu überwinden?
Das Thema Pflege war allen Beteiligten – zwar in unterschiedlicher
fachlicher Betroffenheit – nicht neu. Die Herausforderung bestand
darin, fachliche Aspekte der Pflegeformen mit grundsätzlichen
Begleitthemen wie: dem Fachkräftemangel, der Pflegefinanzie-
rung, den Entwicklungen von Familienstrukturen sowie der me-
dizinischen und infrastrukturellen Versorgung miteinander in
Beziehung zu setzen. Ergänzend waren die jeweiligen kommunalen
Eigeninteressen mit den Erfordernissen für den Sozialraum und
der Regionalentwicklung in Beziehung zu setzen.
Durch eine frühzeitig und breit angelegte offene Kommunikation
mit allen Akteuren und Umlandgemeinden wurde eine fachliche und
interkommunale Akzeptanz des Handlungskonzeptes ermöglicht.
Von den Akteuren im Pflegesektor wird nicht die Pflegeange-
botserweiterung, sondern die Bereitstellung von qualifiziertem
Pflegepersonal als größte Herausforderung angesehen. Laut der
durchgeführten Umfrage wurde von vielen Pflegeeinrichtungen
und ambulanten Pflegediensten der Pflegefachkräftemangel als
größtes Hemmnis für eine Erweiterung des Pflegeangebotes benannt.
Die Situation bei Themen wie zum Beispiel ÖPNV-Anbindung, Versor-
gung mit Waren des täglichen Bedarfs oder kulturelle Angebote wird
momentan nicht als flächendeckend handlungsrelevant angesehen.
Im Bereich der stationären Pflegeeinrichtungen sollte die Kombination
Sozialräume des Landkreises Bautzen
Quelle: Pflegeeinrichtungsplanung der
stationären und teilstationären Alten-
pflege im Landkreis Bautzen, 2010
Anlage 1:
Sozialräume des Landkreises Bautzen
Sozialraum 4
Sozialraum 2
Sozialraum 6
Sozialraum 9
Sozialraum 8
Sozialraum 1
Sozialraum 3
Sozialraum 5
Sozialraum 7
Sozialraum 10
verschiedener Pflegeformen im Sinne einer Vernetzung und Bündelung
der medizinischen und pflegerischen Versorgung angestrebt werden.
Die Konzepterarbeitung zeigte künftige Pflegetrends für den länd-
lichen Raum und innovative Lösungsansätze auf. Dabei wurden
alle stationären und ambulanten Pflegeformen, die sich in den
fünf beteiligten Kommunen sowie in deren Verflechtungsraum
befinden, mit einbezogen.
Hinsichtlich der Vorgehensweise konnte geprüft und aufgezeigt
werden, welche Instrumente als Methoden im Rahmen der Sozi-
alraumanalyse und Beteiligung geeignet sind.
Werden die Erwartungen aus der
Zusammenarbeit erfüllt? Konnte die Zusammen ­
arbeit verstetigt und erweitert werden?
Die Handlungsansätze zielen auf eine interkommunale Vernetzung,
Bündelung und zukunftssichere Bedarfsanpassung der Pflegean-
gebote an verschiedenen Standorten des Betrachtungsraumes ab.
Der Entwicklungsprozess hat zu einer Verstetigung der interkom-
munalen Zusammenarbeit in der Region geführt.
In die Erarbeitung wurde eine Vielzahl verschiedener öffentlicher
und privater Akteure und Entscheidungsträger mit eingebunden.
Die Resonanz zeigt, dass die Notwendigkeit als auch der Eigenan-
spruch einer langfristigen Bedarfsplanung und Abstimmung aller
Akteure im regionalen Kontext besteht.
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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53
Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen
Fortschreibung des REK sowie die daraus hervorgegangenen Projekte
DAS LAUSITZER SEENLAND
ist eine Bergbaufolgelandschaft. Eine
Region, die seit circa 150 Jahren durch den Abbau von Braun-
kohle geprägt ist. Unter großem technischen und finanziellen
Aufwand, fanden und finden, umfangreiche Sanierungs- und Re-
naturierungsmaßnahmen statt. Die entstehenden Restseen, bilden
zukünftig ein von Menschenhand geschaffenes Seengebiet mit
circa 14.000 Hektar Wasserfläche. Das Lausitzer Seenland hat das
Potenzial, durch die weitere Entwicklung der Fremdenverkehrs- und
Naherholungsfunktion das Image des ehemaligen Bergbauareals
positiv zu verändern, die Region im Standortwettbewerb zu stärken
und damit Motor und wichtiger Begleiter des Strukturwandels
in der gesamten Lausitz zu sein. Schon frühzeitig entstanden
kommunale Zusammenschlüsse und Interessengemeinschaften.
Dazu gehört auch der Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen,
bestehend aus den Gemeinden Spreetal, Boxberg O.L., Elsterheide,
Lohsa, den Städten Hoyerswerda und Lauta sowie dem Landkreis
Bautzen. Bereits im Jahr 2003 entschied sich die Region für eine
gemeindeübergreifende Planung, die außerhalb von rechtlich nor-
mierten Verfahren erarbeitet wird - ein Regionales Entwicklungs-
und Handlungskonzept (REK). Nach mehr als 10 Jahren war es an
der Zeit, dieses REK zu evaluieren, Bilanz zu ziehen und neue Ziele
zu setzen. Die Beauftragung, Koordinierung und Begleitung des
Projektes „Fortschreibung des REK“ wurde durch den Zweckverband
Lausitzer Seenland Sachsen übernommen.
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
Oktober 2013 bis September 2015
BETEILIGTE AKTEURE:
Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen, Landkreis Bautzen, Stadt Hoyerswerda, Stadt Lauta,
Gemeinde Spreetal, Gemeine Boxberg/O.L., Gemeinde Elsterheide, Gemeinde Lohsa, Zweckverband
Lausitzer Seenland Brandenburg, Regionaler Planungsverband Oberlausitz­Niederschlesien, Touris­
musverband Lausitzer Seenland e. V., Lausitzer Seenland gGmbH, LMBV, Förderverein Wasserwelt
Geierswalde e. V., 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland e. V., Jetski­Area am Partwitzer See,
Terra Nova Reiterhof Elsterheide, Energiefabrik Knappenrode, Lausitzer Seenland Resort
ANSPRECHPARTNER:
Daniel Just, Geschäftsführer, Franziska Schaefer, Projektmanagerin, Zweckverband Lausitzer Seen­
land Sachsen (Umsetzungsmanagement REK)
Das Konzept ist der strategische Handlungsauftrag für den Zweck-
verband Lausitzer Seenland Sachsen und den länderübergreifend
arbeitenden Tourismusverband Lausitzer Seenland e. V. und ist
gleichzeitig die Grundlage zur Einbringung in regional- und lan-
desplanerische sowie in planungs- und baurechtliche Prozesse.
Die Region verfügt damit seit dem Jahr 2015 über ein klares ge-
meinsames Bekenntnis zur Entwicklung des Lausitzer Seenlandes.
Grundlegendes Thema der interkommunalen Zusammenarbeit
ist die Entwicklung der Bergbauregion hin zur Tourismusregion.
„Programme wie FR-Regio eröffnen uns als
Zweckverband, aber auch unseren Verbands-
kommunen die Möglichkeit, die Entwicklung
des sächsischen Teils des Lausitzer Seenlandes
auch konzeptionell und in hoher Qualität
voranzubringen.“
Daniel Just, Geschäftsführer Zweckverband
Lausitzer Seenland Sachsen
Partwitzer See - Geierswalder See - Barbara-Kanal
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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54
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
Das Lausitzer Seenland soll dabei zu einer bundesländerüber-
greifenden Tourismusdestination weiterentwickelt werden. Die
Schaffung von Alleinstellungsmerkmalen im Vergleich zu an-
deren Tourismusgebieten am Wasser, insbesondere auch durch
das „in den Vordergrund stellen“ des ehemaligen Bergbaus sowie
die Imagebildung sind wichtige Aufgaben, die nur gemeinsam
bewältigt werden können. Neben der touristischen Entwicklung
ist die Stärkung des Lausitzer Seenlandes als Wohn- und Naher-
holungsort mit hoher Lebensqualität für alle Altersgruppen im
Fokus der beteiligten Akteure. Zur Erarbeitung des Konzeptes
wurde eine Arbeitsgruppe REK als begleitendes Gremium sowie
thematische Arbeitsgruppen zur Vertiefung bestimmter Themen
gegründet. Regionalforen mit offenem Teilnehmerkreis eröffneten
allen Interessierten die Möglichkeit, ihre Ideen und Vorschläge
einzubringen und offen zu diskutieren. Am Ende des gemeinsamen
Arbeitsprozesses entstand ein Leitbild für die Region mit sechs
Handlungsfeldern, strategischen Zielen sowie ein Maßnahmen-
katalog mit Schlüsselprojekten. Die Umsetzung der Konzeption
wird mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen und regelmäßig an
sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden müssen.
Insbesondere in den Bereichen „Regional abgestimmte touristische
Entwicklung der Seen“, „Optimierung der Voraussetzungen für die
Schiffbarkeit“ sowie „Radwegenetz und Infrastruktur“ konnten in
den vergangenen Jahren unter anderem die folgenden gemeinsa-
men Projekte umgesetzt werden.
I
Im Jahr 2019 wurde der Barbara-Kanal und somit die schiffbare
Verbindung zwischen dem Geierswalder und Partwitzer See zur
touristischen Nutzung freigegeben werden.
I
Mit dem geplanten Bau eines Schiffsanlegers im Partwitzer See,
wird die Schiffbare Seenkette noch erweitert und aufgewertet.
I
Die Erarbeitung von Masterplänen für Teilbereiche der Region
oder einzelne Seen ist ein weiteres wichtiges Instrument und
ergänzt die Seenprofile des REK mit konkreten Maßnahmen.
Derzeit beginnt die Umsetzung des Masterplans Knappensee.
Aktuell erfolgt zudem die Erarbeitung eines weiteren Masterplans
im Bereich des Erikasees.
I
Die touristische Infrastruktur konnte im Jahr 2018 durch die
Errichtung von insgesamt 90 einheitlich gestalteten Informa-
tionstafeln im gesamten Verbandsgebiet aufgewertet werden.
Verbandsgebiet Lausitzer Seenland Sachsen
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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55
I
Neben der Schaffung eines Wegeleitsystems für den nicht mo-
torisierten Verkehr (Radfahrer und Skater) wird künftig auch
ein Wegeleitsystem für den motorisierten Verkehr zu diesen
Infopunkten führen, dieses Teilprojekt befindet sich derzeit in
der Genehmigungsplanung.
I
Nach und nach werden an den Wegen um die Seen Kilome-
terierungspfosten gesetzt, welche den Nutzern zur Orientierung
dienen. Zusätzlich sind diese wichtig für die Sicherheit an den
Seen, damit Feuerwehr und Rettungsdienste durch die Benen-
nung des entsprechenden Pfostens die Einsatzorte schneller
finden.
I
Mit dem Konzept Landmarken und Sichtschneisen wurden die
Voraussetzungen für die Schaffung weiterer touristischer An-
ziehungspunkte geschaffen.
Trotz der bisherigen Zusammenarbeit sind die Herausforderungen
noch immer groß. Die kommunalen Strukturen sind noch nicht
an die anstehenden Entwicklungen angepasst. Insbesondere die
rechtlichen Rahmenbedingungen, bestehend aus dem Konglome-
rat unter anderem von Berg-, Umwelt- und Wasserrecht sowie
Planungs- und Baurecht, sind schwer vermittelbar. Sie erfordern
sehr hohen Abstimmungsbedarf und verursachen oftmals lange
Prozesse.
Auch die Bündelung der kommunalen Interessen durch die Schaffung
eines ganzheitlichen Konzeptes war und ist unerlässlich für die Ziel-
erreichung. Das REK bildet auch weiterhin die informelle Grundlage
für die künftige Entwicklung der Region. Eine besondere Heraus-
forderung ist die Verstetigung der Kommunikation und Zusam-
menarbeit. Die Vernetzung der agierenden Akteure, der beteiligten
Behörden und die Vermittlung bei konträren kommunalen Interessen
sind die wichtigsten Aufgaben, um eine ganzheitliche Entwicklung
sowie die Umsetzung vieler Schlüsselprojekte zu erreichen.
„Durch die Förderung des Regionalen
Entwicklungskonzeptes sowie von
Masterplänen für einzelne Seen ist
ein langfristiges konzeptionelles
Vordenken möglich. Aufgrund der
Themenvielfalt, der noch laufenden
Bergbausanierung und den damit
einhergehenden Dyna
miken ist die
Fortführung und Evaluierung in
diesem Bereich auch in den kommen
-
den Jahren dringend notwendig.“
Franziska Schaefer, Projektmanagerin des
Zweckverbandes Lausitzer Seenland Sachsen
Eröffnung - Infotafeln
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

56
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
Handlungskonzept zur strategischen Weiterentwicklung
des grundzentralen Gemeindeverbundes „Großdubrau/
Radibor“ zum grundzentralen Gemeindeverbund „Groß-
dubrau/Malschwitz/Radibor“
Impuls/Anlass für eine
interkommunale Zusammenarbeit
UM DIE GRUNDZENTRALE FUNKTION
langfristig erhalten zu
können, wurde mit dem Handlungskonzept eine strategische Wei-
terentwicklung des bestehenden grundzentralen Gemeindever-
bundes „Großdubrau/Radibor“ untersucht. Neben der Bewältigung
des demografischen Wandels und den damit einhergehenden
verwaltungsseitigen Herausforderungen war auch die langfristige
Sicherung der Daseinsvorsorge in der Region ein Hauptaugen-
merk. Gemeinsam mit der östlich an Großdubrau angrenzenden
Gemeinde Malschwitz wollte man diesen Herausforderungen mit
der Neuaufstellung des Gemeindeverbundes begegnen. Parallel
hierzu wird der Regionalplan Oberlausitz-Niederschlesien fort-
geschrieben, sodass der Zeitpunkt für eine mögliche Erweiterung
des grundzentralen Verbundes günstig war (siehe Abb. 1).
Handlungskonzept
Mit der Erarbeitung und fachlichen Begleitung des Handlungskon-
zeptes wurde ein erfahrener Dienstleister aus Dresden beauftragt
und mit der Analyse der Ausgangssituation der drei Gemeinden
Großdubrau, Malschwitz und Radibor begonnen. Dabei war zu-
nächst die bisherige Entwicklung in der Region, die Handlungs-
erfordernisse und die voraussichtliche Entwicklung in Anbetracht
des demografischen Wandels zu untersuchen. Weiterhin stand
die Aufgabe, in einer sogenannten SWOT-Analyse die aktuellen
Stärken/Schwächen und Chancen/Risiken der drei Gemeinden
herauszuarbeiten und den Handlungsbedarf je nach Themengebiet
aufzuzeigen.
Ein weiterer Schwerpunkt war ein intensiver und breit angelegter
Beteiligungs- sowie Abstimmungsprozess und Meinungsaustausch.
So wurden sowohl mit Vertretern des Regionalen Planungsver-
bandes Oberlausitz-Niederschlesien, des Kreisentwicklungsamtes
des Landkreises Bautzen und mit den Bürgermeistern der acht
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
November 2015 bis Juni 2017
|
PROJEKTSUMME:
35.729 EUR
BETEILIGTE AKTEURE:
Gemeinde Großdubrau, Gemeinde Malschwitz, Gemeinde Radibor
ANSPRECHPARTNER:
Madeleine Rentsch, Bürgermeisterin der Gemeinde Radibor
Nachbarkommunen mündliche und teilstandardisierte Betroffenen-
und Expertengespräche geführt. In diesen Leitfadengesprächen
standen unter anderem die Themen „kommunale Aufgabenerfül-
lung“, „bestehende Verflechtungen“, „Auswirkungen des geplanten
Gemeindeverbundes“, „bestehende und geplante Kooperationen“,
„Entwicklungsdefizite“ und „regionale Herausforderungen“ auf der
Agenda. Die Inhalte konnten stark von den Befragten beeinflusst
werden. Damit bestand die Möglichkeit, neue Problemzusammen-
hänge aufzunehmen.
Die durchgeführten Bürgermeister- und Expertengespräche ha-
ben wesentlich zur Abbildung der generellen Problemlagen in
der Region und zum Thema interkommunale Zusammenarbeit
beigetragen.
Kooperationen finden in der Region unter anderem in folgenden
Bereichen statt:
I
Verwaltungszusammenarbeiten im Bereich Löschhilfeverein-
barungen, Standesamt, Gewerbeamt, Meldeamt, Bauhof, Stra-
ßensanierungsmaßnahmen, Biosphärenreservat, etc.
I
Interkommunale Zusammenarbeit mit polnischen Kommunen
I
Kooperationen und Verflechtungen bei den überregionalen The-
men: kulturelle Besonderheiten Sorben, Heide- und Teichland-
schaft, Touristische Gebietsgemeinschaft (TGG), LEADER-Region.
Als wesentliche Probleme und regionale Herausforderungen wur-
den unter anderem genannt:
I
der finanzielle Spielraum und damit verbunden ein Zurückfahren
der freiwilligen Aufgaben auf ein Mindestmaß,
I
die Leistungsgrenze der Verwaltung, d. h. das zunehmende
Aufgabenspektrum bei abnehmender Zahl der Verwaltungs-
mitarbeiter führt zu Problemen bei Ausfall/Vertretungen und
Stellenneubesetzungen,
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

image
57
Abbildung 1: Änderung Regionalplan
I
die finanzielle Zuweisung nach Einwohnerzahl (Finanzbedarf pro
Kopf), hier wird die Einführung eines Flächenfaktors gefordert,
I
die Landkreisgrenzen und die ehemaligen Kreisgrenzen sind
noch in den Köpfen vorhanden und hemmen teilweise Zusam-
menarbeit,
I
die Pflege der Gewässer 2. Ordnung,
I
Nachwuchsprobleme bei Vereinen und der Rückgang von
ehrenamtlich Tätigen und
I
die Schwierigkeit, den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinden
zu erklären, dass der „Grundzentrale Verbund“ kein Vorläufer
einer grundsätzlichen Gemeindefusion ist.
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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58
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
Regionalkonferenz am 18. Mai 2017 in Radibor, ehemaliger Bürgermeister Vinzenz Baberschke (stehend)
„Es war schwierig, den Bürgerinnen
und Bürgern der Gemeinden zu
erklären, dass der ,Grundzentrale
Verbund‘ kein Vorläufer einer grund-
sätzlichen Gemeindefusion ist.“
Vinzenz Baberschke, ehemaliger Bürgermeister
der Gemeinde Radibor
Zusammenarbeit im Gemeindeverbund
Die Gemeinden des grundzentralen Verbundes Großdubrau/Ra-
dibor haben sich im Rahmen eines im Jahr 2009 unterzeichneten
öffentlich-rechtlichen Vertrages auf die wesentlichen Koopera-
tionsfelder ihrer Zusammenarbeit verständigt. So wurden unter
anderem gemeinsame Grundsätze bei der Wirtschaftsförderung,
eine Zusammenarbeit bei der Betreibung öffentlicher Einrichtungen
im Bereich Bildung und Kultur, eine Abstimmung bei der Sport-
stättenentwicklung sowie eine Zusammenarbeit in den Bereichen
des Brand-, Katastrophen- und Hochwasserschutzes und der Orts-
polizeibehörden angestrebt. Zur Optimierung der grundzentralen
Versorgung des Verflechtungsbereiches durch eine effiziente
Funktionsteilung ist nun festgelegt, im Bedarfsfall grundzent-
ral bedeutsame Einrichtungen jeweils nur an einem Standort im
Verbund bzw. im gesamten Verflechtungsbereich vorzuhalten.
Die Gemeinde Malschwitz kann weitere wichtige grundzentrale
Funktionen im Bereich der Bildung und der gewerblichen Wirt-
schaft für den Verflechtungsbereich wahrnehmen. Darüber hinaus
besitzt sie mit dem Sitz der Verwaltung des Biosphärenreservates
„Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft" eine überregionale
Bedeutung in der Umweltverwaltung und -bildung.
Beteiligung
Die Diskussion und Abstimmung der Aufgabenverteilung in den
drei Gemeinden erfolgte in drei Schritten:
I
1. Schritt: Verwaltung der Gemeinden Großdubrau, Radibor und
Malschwitz
I
2. Schritt: Arbeitsgruppen entsprechend der definierten Schwer-
punkt-Handlungsfelder „Verwaltung“, „Siedlung und Gewerbe“
und „Kommunale Infrastruktur/Daseinsvorsorge“
I
3. Schritt: Regionalkonferenz
In den verschiedenen Beteiligungsrunden wurden unter ande-
rem die Gemeinderäte, interessierte Bürger, das Landratsamt,
der Regionale Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien, die
Bürgermeister der Umlandgemeinden, das Regionalmanagement
und weitere regionale Akteure und Verbände einbezogen.
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

image
59
Unterzeichnung Vereinbarung zur Zusammenarbeit
Ergebnisse des Abstimmungsprozesses
Als Ergebnis der Abstimmungsrunden wurde ein Maßnahmenkata-
log erarbeitet. In diesem sind die Aufgaben und Maßnahmen nach
Themenbereich aufgeführt. Sie werden hinsichtlich ihrer Aufgabe
(Pflicht oder freiwillig), dem Umsetzungszeitraum (kurz-, mittel-,
langfristig), der Verantwortlichkeit und Tragfähigkeit/Finanzierung
definiert. Es werden auch Informationen zu weiteren Erfordernissen
und der Anwendbarkeit (ortsspezifisch, übertragbar) angegeben.
Die Themenfelder zur Bewertung der Aufgabenverteilung im zu-
künftigen grundzentralen Gemeindeverbund umfassen zunächst
die Bereiche, die ein Grundzentrum zur Erfüllung seiner Funktion
vorhalten muss. Dies betrifft unter anderem ein dauerhaft ge-
sichertes und stabiles Netz mit Versorgungseinrichtungen für
den allgemeinen und täglichen Bedarf sowie eine soziale und
medizinische Grundversorgung. Hinzu kommen die freiwilligen
Aufgaben, zum Beispiel Angebot an Kultur- und Sportmöglich-
keiten, Förderung von Vereinen und Ehrenamt.
Weiterhin wurde gemeinsam die zukünftige Abstimmungs- und
Beteiligungskonstellation im Verbund festgelegt.
Fazit
Der Prozess zur Initiierung des neuen Verbundes war für die Ent-
scheidungsträger der drei Gemeinden mit zeit- und arbeitsinten-
siven Abstimmungen verbunden.
Das Handlungskonzept zum grundzentralen Gemeindeverbund
„Großdubrau/Malschwitz/ Radibor“ hat maßgeblich dazu bei-
getragen, alle Themen und Schwerpunkte der interkommunalen
Zusammenarbeit und Aufgabenteilung aufzuführen und gemein-
same Lösungsvorschläge zu finden. Als strategisches Papier für
die zukünftige Ausgestaltung und Sicherung der Daseinsvorsorge
im Gemeindeverbund bildet es die Grundlage für ein zukünftiges
gemeinsames Handeln der drei Kommunen. Vinzenz Baberschke,
ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Radibor, nennt weitere
Vorteile aus der gemeinsamen Arbeit am Handlungskonzept: Das
Verständnis für die Probleme der anderen Gemeinden und für die
gesamte Region hat sich wesentlich verbessert.
Auf Grundlage des Handlungskonzeptes wurde gemeinsam mit
dem Regionalen Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien ein
landesplanerischer Vertrag zur Zusammenarbeit im grundzentralen
Gemeindeverbund „Großdubrau/Malschwitz/Radibor“ erarbeitet
und am 7. Dezember 2017 von den drei Bürgermeistern unterzeich-
net. Dieser Vertrag bildet die Grundlage für die Festlegung des
grundzentralen Gemeindeverbundes Großdubrau – Malschwitz –
Radibor im laufenden Verfahren der zweiten Gesamtfortschreibung
des Regionalplans Oberlausitz-Niederschlesien.
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
60
Stadt Kamenz
„Ab in die Wachstumsregion Dresden“
IM JAHR 2014 STARTETE FÜR DIE STADT KAMENZ
und die
Stadt Radeberg ein Herzensprojekt. „Ab in die Wachstumsregion
Dresden“ ist seitdem DER Ansprechpartner, vor allem für die gut
4 Mio. Menschen, welche im Zeitraum von 1989 bis 2010 ihre
Heimat verlassen haben. Grundlage für das Projekt war die Unter-
nehmensbefragung, die im Jahr 2011 durch die sächsischen Indust-
rie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern durchgeführt
wurde. Aus dieser Studie, in der kammergeführte Unternehmen
in Städten mit einer Einwohnerzahl größer als 10.000 befragt
wurden, wurde deutlich, dass sich die kleinen und mittelständigen
Unternehmen Unterstützung bei der Fachkräftesuche wünschen.
Daraus entstand die Überlegung, besonders die Fortgezogenen
anzusprechen.
In einer Art Paketlösung stellt das Projekt „Wachstumsregion
Dresden“ damit für Rückkehrer in die Region zwischen Dresden,
Kamenz und Großenhain alle Möglichkeiten eines umfangreichen
Projektnetzwerkes zur Verfügung und bietet seit Mitte des Jahres
2017 auch regionalen Unternehmen eine Plattform auf der Suche
nach Fachkräften. Das Ziel ist seit jeher, die Vorteile des Dresdner
Umlandes mit dem Faktor „Dresden“ zu kombinieren und so die
Attraktivität der Region auf lange Sicht zu steigern. Anlass damals
war der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt Dresden, von dem
auch die Umlandregion profitieren sollte. Als Vorbild galt dabei zum
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM:
August 2014 bis Oktober 2017
PROJEKTSUMME:
385.265 EUR
Beispiel die Metropolregion Nürnberg. Durch die perspektivische
Schließung des „Speckgürtels“ um Dresden sollen ähnliche positive
Entwicklungen verzeichnet werden. Das Hauptaugenmerk liegt auf
einer umfassenden Zusammenarbeit aller Kooperationspartner.
Damit sollen Projektbestandteile zielführender umgesetzt und
Menschen gezielter angesprochen werden. So können Ressourcen
kombiniert und entsprechende Projekte wesentlich erfolgreicher
realisiert werden. Aspekte, welche nach und nach immer mehr
Partner für die Wachstumsregion Dresden begeisterten. Die Stadt
Kamenz, Projektinitiator und LEAD-Partner, konnte schnell die
Stadt Radeberg überzeugen. Die Landeshauptstadt Dresden, die
Städte Großenhain, Radeburg, Pulsnitz und Großröhrsdorf sowie
der Landkreis Bautzen folgten als Kooperationspartner des Pro-
jektes, welche sich auch finanziell an der Umsetzung beteiligen.
Partner aus der Wirtschaft, wie zum Beispiel die IHK oder HWK,
die regionalen Arbeitsagenturen oder auch Unternehmen wie die
Frequenz Elektro GmbH aus Radeberg oder die Liofit GmbH aus
Kamenz, vervollständigen die Liste der Unterstützer und erfüllen
das Angebot der Wachstumsregion mit Leben.
Der Projektverlauf ist gekennzeichnet von verschiedenen Meilen-
steinen. Dazu gehören die Gewinnung neuer Kooperationspart-
ner, die erfolgreiche Einführung und spätere Erweiterung eines
Jobportals sowie die verstärkte Zusammenarbeit mit lokalen und
regionalen Unternehmen und eine Kooperation im Hochschul-
bereich mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden.
Durch den Beitritt neuer Kooperationspartner konnte über die
bisherige Projektlaufzeit die Reichweite der Wachstumsregion
deutlich gesteigert werden. Vor allem durch die Zusammenarbeit
mit der Landeshauptstadt Dresden steht dem Projekt genau der
Verknüpfungspunkt zur Verfügung, welcher die Region ausmacht.
Die Verbindung Dresdens mit dem Umland und die entsprechen-
den Entwicklungs- und Kooperationspotenziale stehen dabei im
Vordergrund der interkommunalen Zusammenarbeit und bilden
den Grundpfeiler der Netzwerkarbeit im Projekt.
BETEILIGTE AKTEURE:
LEAD­Partner Kamenz sowie die weiteren Kooperationspartner Dresden, Radeberg, Großenhain,
Radeburg, Pulsnitz, Großröhrsdorf und der Landkreis Bautzen
ANSPRECHPARTNER:
Projektmanagement der Wachstumsregion Dresden
Junge Menschen wie Phillip Friedrich
(28, aus Radebeul), berichten rückblickend:
„Es war mein größter Wunsch,
wieder zurück in meine alte
Heimat zu kommen. Ich freue
mich riesig, dass es mit der
Unterstützung des Teams
vom Projekt „Wachstumsregion
Dresden“ geklappt hat.“
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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61
Ergebniskonferenz 2016
Präsentation des Projektes auf der Rückkehrermesse „WiederDa“ Bautzen
Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit war im Jahr 2017 die Ein-
führung eines regionalen Stellenportales zur Unterstützung der
Unternehmen der Region bei der Suche nach Fachkräften. Eine
Plattform, welche sich kontinuierlich weiter entwickeln konnte,
beispielsweise durch eine spezielle Schnittstelle zur Arbeitsagentur
oder die stetige technische Evaluierung und Verbesserung der
Nutzerfreundlichkeit. Außerdem wurde neben dem Jobportal die
Zusammenarbeit mit Unternehmen intensiviert, um so ein um-
fassendes Angebot zur Präsentation bieten zu können. Wichtig
für das Projekt ist neben der interkommunalen Arbeit auch die
Kooperation mit weiteren Partnern aus dem Wirtschafts-, Bil-
dungs- oder Sozialbereich. Ein so großes Netzwerk ist dabei nur
durch ein externes Projektmanagement steuerbar. Das erkannten
auch die Verantwortlichen der Wachstumsregion und schufen
durch die Beauftragung externer Büros die Grundlage für die er-
folgreiche Entwicklung und Vernetzung aller Partner. Auf diesem
Weg wird das Projekt in der Region etabliert. Die Vermittlung des
Nutzens und der Alleinstellungsmerkmale hat dabei höchste Prio-
rität. Wichtig ist deshalb eine der Hauptaufgaben des Projektes:
die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing.
Und auch hier macht sich die gemeinsame Arbeit im Netzwerk
bezahlt. Anstatt dass jeder Partner seine eigene Kampagne schaltet,
können so Ressourcen gebündelt und attraktive Maßnahmen für
die gesamte Region realisiert werden. Für die Wachstumsregion
stehen dabei die schon angesprochenen Vorteile im Fokus. Ein
hoch entwickelter Technologiesektor sowie ein breites Spek
trum
an klein- und mittelständigen Unternehmen in Dresden und dem
gesamten Umland, ein einzigartiges Angebot an Kultur- und
Freizeiteinrichtungen und eine sehr gut vernetzte Region mit
vergleichsweise kurzen Wegen und entsprechend interessanten
Angeboten für Pendler. So soll auch zukünftig weiter im Projekt
um Rückkehrer und Fachkräfte geworben werden. Die erfolgreiche
Zusammenarbeit der Kooperationspartner soll als Blaupause für
die kommenden Jahre dienen und weiterentwickelt werden. Neben
der Intensivierung des Austauschs innerhalb des Projektnetzwerkes
steht dabei die Gewinnung weiterer Städte, Unternehmen und
anderer wichtiger regionaler Akteure im Vordergrund. Das Projekt
soll zudem weiter in die Fläche gehen, die Zusammenarbeit mit
den Landkreisen verstärkt werden. Auch über ergänzende, für die
Region wichtige Themen sollen sich die Projektpartner austau-
schen. Dazu gehören beispielsweise Gewerbeansiedlungen, die
Naherholung und die Internationalisierung. Abschließend sollen
auch Imagepflege sowie Regionalmarketing fortgeführt und aus-
gebaut werden. Das Potenzial der Region ist groß und durch eine
effiziente und vernetzte Arbeit kann auch in den kommenden
Jahren noch viel erreicht werden.
„Das Projekt ‚Wachstumsregion
Dresden‘ ist ein sehr positives
Beispiel für die interkommunale
Zusammenarbeit und Image
-
bildung in der Region.“
Roland Dantz, Oberbürgermeister der
großen Kreisstadt Kamenz
Pressekonferenz Projektbeitritt Stadt Dresden
Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien

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Regionaler Planungsverband
Oberlausitz-Niederschlesien
Regionalny zwjazk planowanja
Hornja
Łuži
ca-Delnja Šleska
Kontaktdaten der Planungsverbände
Planungsverband
Region Chemnitz
Verbandsgeschäftsstelle
Werdauer Straße 62
08056 Zwickau
Telefon: +49 375 2894 05-0
E-Mail: info@pv-rc.de
Regionaler Planungsverband
Leipzig-Westsachsen
Verbandsverwaltung
Bautzner Straße 67
04347 Leipzig
Telefon: +49 341 3374 16-0
E-Mail: wichert@rpv-westsachsen.de
Regionaler Planungsverband
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Verbandsgeschäftsstelle
Meißner Straße 151 a
01445 Radebeul
Telefon: +49 351 40404-701
E-Mail: post@rpv-oeoe.de
Regionaler Planungsverband
Oberlausitz-Niederschlesien
Verbandsverwaltung
Löbauer Straße 63
02625 Bautzen
Telefon: +49 3591 67966-0
E-Mail: info@rpv-oberlausitz-niederschlesien.de
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
62

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Die Themen des SMR im Internet:
Verwaltungsatlas Sachsen
www.verwaltungsatlas.sachsen.de
Landesentwicklung
www.landesentwicklung.sachsen.de
Strukturentwicklung
www.strukturentwicklung.sachsen.de
Ländlicher Raum
www.laendlicher.raum.sachsen.de
Zukunftsinitiative
www.simulplus.sachsen.de
Bauen und Wohnen
www.bauen-wohnen.sachsen.de
63

Bildnachweise
Michael
Lange
...........................................................................................................Titel,
S.
64
Ralf Kregel ................................................................................................................................S. 2
Foto-Atelier-Klemm .............................................................................................................S. 3
Markus Thieme .......................................................................................................................S. 4
Jens Kugler ........................................................................................... S. 6, 23 (oben rechts)
Peter Radke, LMBV mbH ..............................................................................S. 7, 53 (unten)
Manuel Burckhardt ...............................................................................................................S. 8
Dr. Peter Heinrich ..................................................................................................................S. 9
Steffen Klemm ........................................................................................ S. 11 (oben), 12, 13
Holger Vorberg ...................................................................................................... S. 11 (unten)
Andrea Mercz ...............................................................................................................S. 14, 15
Jörg
Spiller
............................................................................................................................
S.
17
360 Grad Team Oelsnitz ...............................................S. 18, 20 (oben links), 22 (oben)
Bernd Voigtländer ..............................................................................................................S. 19
Anja Seidel ................................................................................................ S. 20 (oben rechts)
Traditionsverein Döbelner Pferdebahn e.V. .................................................S. 20 (unten)
Marko Borrmann ................................................................. S. 22 (unten), 23 (oben links)
Rainer Justen
.......................................................................................................................S. 24
Karin
Weinert,
Stadt
Leipzig
...........................................................................................S.
25
Richard Albrecht, Stadt Leipzig ............................................................. S. 26 (oben links)
bgmr Landschaftsarchitekten GmbH ..............S. 26 (oben rechts), 31 (oben rechts)
Fotostudio „Foto für Dich“ ..............................................................................................S. 27
Manfred Friedrich .......................................................................................................S. 28, 29
Henrike Hahmann, bgmr Landschaftsarchitekten GmbH ......S. 30, 31 (oben links)
Uta Schladitz .......................................................................................................... S. 32 (oben)
Christian Hüller ...................................................................................................
S. 32 (unten)
Alexander
Klich
...................................................................................................................S.
33
Reyk Lange, GV Bennewitz ................................................................................S. 34 (links)
DSK Deutsche Stadt- und Grundstücks-
entwicklungsgesellschaft mbH .......................................................S. 34 (rechts), 35, 36
Stadt
Dohna
.........................................................................................................................S.
37
Mandy Reimann, IÖR Dresden ..................................................................S. 38, 39 (oben)
Petra Knothe .........................................................................................................S. 39 (unten)
Michael Holzweißig ...................................................................................................S. 40, 41
Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge .............................S. 42, 43 (rechts)
Familie
Höse............................................................................................................. S.
43
(links)
Miriam Merkel Fotografie ................................................................................. S. 44 (oben)
Christian Semmelrogge ............................................................................. S. 44 (unten), 45
Büro FUTOUR Dresden ................................................................................................S. 46, 47
Tino Fröde, RPV Oberlausitz-Niederschlesien .................................... S. 48, 49 (unten)
Axel Heimken ........................................................................................................ S. 49 (oben)
Markus Michauk ..................................................................................................................S. 50
Thomas Brade, RPV Oberlausitz-Niederschlesien .................................................... S. 51
STEG Stadtentwicklung GmbH ......................................................................................S. 52
Haiko Schnippa, ZV Lausitzer Seenland Sachsen ...................................... S. 53 (oben)
Franziska Schaefer, ZV Lausitzer Seenland Sachsen ..............................................S. 54
Nicole Urbanek, ZV Lausitzer Seenland Sachsen .....................................................S. 55
RPV Oberlausitz-Niederschlesien ..................................................................................S. 57
Bürgermeister a.D. Vincenz Baberschke .....................................................................S. 58
Gemeinde Radibor .............................................................................................................S. 59
Manuel Saring, Stadt Kamenz ....................................................................................... S. 61
Praxisreport 2020 – Interkommunale Zusammenarbeit
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Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Regionalentwicklung (SMR)
Postanschrift: 01095 Dresden
Bürgertelefon: +49 351 564-52000
E-Mail: info@smr.sachsen.de
www.smr.sachsen.de
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von
den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.
Redaktion:
SMR, Referat Europäische Raumordnung, Regionalentwicklung
Gestaltung und Satz:
genese Werbeagentur GmbH
Fotos:
Siehe Bildnachweise Seite 64
Druck:
Stoba-Druck GmbH
Redaktionsschluss:
5. August 2020
Auflage:
1.250 Exemplare
Papier:
Gedruckt auf 100 Prozent Recycling-Papier
Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei:
Zentraler Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung,
Hammerweg 30, 01127 Dresden
Telefon: +49 351 2103-671
Telefax: +49 351 2103-681
E-Mail: publikationen@sachsen.de
www.publikationen.sachsen.de
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SMRsachsen