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Sächsisches Landesamt
für Umwelt und Geologie
Branchenbezogene Merkblätter
zur Altlastenbehandlung
Stand: 08/2000
Bearbeiter: IFG Ingenieur-büro für
Geotechnik GmbH
Referat Altlasten
14: Ziegeleien / Grobkeramikher-
stellung
Seiten: 19
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Branchentypisches Schadstoffpotential
1.1
Gesetzliche Grundlagen
Folgende Vorschriften für Ziegeleien bzw. die Herstellung von Grobkeramik gab es in der DDR:
Durchführungsbestimmungen zum Giftgesetz vom 31.05.1977. – DDR GBl. 1/21 (13.07.1977).
Durchführungsbestimmungen zur 5. und 6. Durchführungsverordnung zum Landeskulturgesetz -
Reinhaltung der Luft – Begrenzung der Immission und Emission (Luftreinhaltung). – DDR GBl. I/18
(24.4.1973) und DDR GBl. Teil 1 Nr.31 (1979).
Arbeitsschutzverordnung. – DDR GBl. 1/36 (1977).
Gesetz über den Verkehr mit Giften - Giftgesetz - vom 07.04.1977. – DDR GBl. 1/10 (14.04.1977).
Richtlinie über die Anwendung weiterer MIK-Werte bei der Festlegung von Maßnahmen zur
Sicherung der Reinhaltung der Luft, vom 01.08.1975. – Verfügungen und Mitteilungen des Ministe-
riums für Gesundheitswesen, 16; 9 : 126 (03.11.1975; 03.10.197).
TGL 32600/01. Maximal zulässige Konzentration gesundheitsgefährdender Stoffe in der Luft der Ar-
beitszone. – DDR Standard (1977).
TGL 30370/01. Gesundheits- und Arbeitschutz, Brandschutz; Herstellung von Keramikerzeugnissen;
Sicherheitstechnische Forderungen. (Juni 1982).
TGL 24693. Keramische Farben. (August 1987).
TGL 20687. Mineralische Rohstoffe; Feldspat und Feldspatsande. (November 1971).
TGL 29317. Tone für Bau- und Grobkeramische Erzeugnisse. (Juli 1987).
TGL 32664. Feuerfeste Rohtone; Termini und Definitionen, Klassifizierung, Prüfung. (Dez. 1986).
TGL 38617. Kaolin, calciniert; technische Bedingungen. (Juli 1981).
TGL S 9397. Klassifikation feuerfester Erzeugnisse (ST RGW5287-85). (Mai 1988).
TGL S RGW 966 Feuerfeste Materialien und Erzeugnisse, Magnesia- und Magnesia-Kalk-
Erzeugnisse, chemische Analyse, allgemeine Forderungen. (Dezember 1979).
TGL 6088. Feuerfeste Baustoffe, Dolomite (Oktober 1976).
TGL 23160/05. Feuerfeste Baustoffe; Gemenge mit mittlerem bis hohem Al
2
O
3
-Gehalt chemisch bin-
dend. (Oktober 1969).
TGL 36923. Grobkeramikmaschinen; Vakuumpressen horizontal; techn. Bedingungen. (Mai 1981).
TGL 22-163. Keramikmaschinen; Kollergänge, technische Bedingungen. (Juni 1980).
TGL 22-190. Grobkeramikmaschinen; Abschneide-, Förder- und Stapel-Anlagen; technische Bedin-
gungen. (Mai 1981).
Folgende Gesetze und Empfehlungen sind aktuell:
Zweite Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes vom 10. Dezember
1990, zuletzt geändert am 5. Juni 1991.
Allgemeine Rahmen-Verwaltungsvorschrift über Mindestanforderungen an das Einleiten von Abwas-
ser in Gewässer (Rahmen-Abwasser VwV) vom 31. Juli 1996.
ATV Regelwerk Abwasser – Abfall, Arbeitsblatt A 115, Einleiten von nicht häuslichem Abwasser in
eine öffentliche Abwasseranlage, September 1992.
Chemikaliengesetz (ChemG); 12.03.1997.
Gefahrstoffverordnung (mit den entsprechenden technischen Regeln, z. B. TRGS 100, 400, 402, 900).
Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushaltes – Wasserhaushaltsgesetz (WHG); in der Fassung der Be-
kanntmachung vom 12. November 1996.
Sächsisches Wassergesetz (SächsWG); in der Fassung vom 21.07.1998.

 
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Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) mit Verordnungen, 27. September 1994.
1.2
Einteilung
Die erste keramische Betätigung begann unmittelbar nach der Entdeckung des Feuers mit der Fertigung
einfacher Gefäße aus Lehm und Ton. Zur Zeit des alten Ägyptens existierte bereits eine hochentwickelte
Töpferkunst, die Herstellung von Ziegeln aus Nilschlamm war bekannt. In Europa begann die Herstellung
von Töpferwaren und Ziegelsteinen im 1. – 6. Jahrhundert. Die Stadtentwicklung im 14. Jahrhundert
führte zum Aufschwung der Keramikproduktion. Die Herstellung glasierter Keramik/Steinzeug für Gefä-
ße, Figuren und Kachelöfen verbreitete sich in Deutschland.
Unter Keramik sind anorganische, aus einem Pulver geformte und durch einen Sintervorgang verfestigte
Werkstoffe und Produkte zu verstehen. Zur Grobkeramik werden Werkstoffe mit einer Inhomogeni-
tätsgrenze von > 0,2 mm gerechnet.
Die Grobkeramik kann in die Werkstoffgruppen Silikatkeramik, Oxidische Keramik und Nichtoxidische
Keramik eingeteilt werden.
Die
Silikatkeramik
ist die älteste Gruppe der Keramiken. Ihr werden Dach- und Mauerziegel-, Stein-
zeug-, Silika- und Schamotteerzeugnisse sowie Ofenkacheln und Baukeramik zugeordnet. Rohstoffe für
die Ziegel- und Grobkeramikindustrie bilden plastische Rohstoffe, vor allem Ton und Kaolin. Hauptbe-
standteile der Tone/Kaoline ist der Kaolinit (Al
2
O
3
* 2SiO
2
* 2H
2
O), Quarz, Glimmer, Feldspat und Kalk.
Als geringplastische Rohstoffe werden Talk und Pyrophyllit zur Herstellung feuerfester Produkte ver-
wendet. Nichtplastische Materialien, wie Kieselsäurerohstoffe (Quarz), alkalihaltige Tonerdesilikate
(Feldspat), Kalk, Magnesit, Dolomit können ebenfalls als Rohstoffe dienen.
Aus
Oxidischer Keramik
werden basische Feuerfesterzeugnisse aus Sintermagnesit und/oder Chromerz
sowie schmelzgegossene Feuerfesterzeugnisse aus kalzinierter Tonerde, Zirkon, Chromdioxid, Magnesi-
umoxid, Bauxit oder deren Mischung hergestellt. Oxidkeramik kommt sowohl in der Elektronik als auch
im nichtelektrischen Bereich zum Einsatz.
Nichtoxidkeramiken
sind Siliziumcarbid- und Kohlenstofferzeugnisse, die nicht mit Ton oder einfachen
Oxiden, sondern mit Bindemitteln auf Kohlenstoff- oder Stickstoffbasis gebunden sind. Als Bindemittel
wurden früher häufig Braun- und Steinkohlenteer (Teerpech), später Phenolharz verwendet. Wegen ihrer
extremen Hitzbeständigkeit werden diese Produkte vorwiegend im Feuerfestbereich, z. B. als Schmelztie-
gel in der Metallurgie eingesetzt. Weitere Erzeugnisse sind Pfannenschieberplatten, Spezialstranggussma-
terialien, Rinnenmassen und Stichlochmassen.
1.3
Technologie
Die Herstellungstechnologie unterscheidet sich nach den beschriebenen Werkstoffgruppen sowie inner-
halb dieser durch spezielle Rohstoffeigenschaften und Produktanforderungen (Abmessungen, Wasser-
dichtheit, Frostbeständigkeit, ...). In den einzelnen Prozessstufen der Herstellung wird eine Vielzahl von
Hilfsstoffen verwendet.
An Altstandorten der Ziegel- bzw. Grobkeramikherstellung wurde meist nur eine der nachfolgend be-
schriebenen Technologien eingesetzt.

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Herstellung von Silikatkeramik:
Verallgemeinerte technologische Prozessstufen
Masseaufbereitung
Die Herstellung des Pulvers erfolgt aus den angelieferten und auf Freihalden oder überdacht gelagerten
Rohstoffen. Die gewünschten Produkteigenschaften können den Zusatz von 2 – 3 Lehm- und Tonkompo-
nenten erfordern. Oft werden dem plastischen Ton vorgebrannte Materialien, wie Schamotte zugesetzt.
Nach der Zerkleinerung der Rohstoffe in Brechern bzw. Mühlen erfolgt die Trennung des Vielkorngemi-
sches durch Siebmaschinen oder Stromklassierung (z. B. Zentrifugalklassierung). Anschließend erfolgt
die Mischung der meist als trockenes Pulver, aber auch als Suspension oder als bildsame Masse vorlie-
genden Stoffe. Wird mit suspendierten Massen gearbeitet schließt sich eine Entwässerung an, die meist
mechanisch oder thermisch erfolgt. Bei zu feinem Pulver kann ein Granulieren der Massen durch Mahlen,
Walzen oder durch Granulatoren notwendig sein. Danach wird die aufbereitete Masse in Bunkern, Mauk-
türmen oder Silos zwischengelagert. Vor dem Pressen wird der Masse die endgültige Formgebungsfeuch-
te (z. B. 20 – 22 %) zugeführt. Des Weiteren können Formgebungshilfsmittel, Verflüssigungsmittel,
Plastifizierungsmittel und Verfestigungsmittel zugesetzt werden.
Formgebung
Bei der Formgebung erfolgt die Verdichtung und Entlüftung der Masse sowie die Herstellung der Pro-
duktform meist durch Pressen (z. B. Strangpressen) aber auch durch Gießen (Schlickergießen) oder
Extrudieren. Nach dem Pressen erfolgt die Teilung der einzelnen Formlinge mittels Abschneider. Danach
werden die Formlinge auf Trocknerwagen bzw. Paletten gesetzt.
Trocknung
Die Trocknung dient der Brandvorbereitung des Formlings durch Wasserentzug. Er wird dabei in Kam-
mer- oder Durchlauftrocknern, häufig mit Hilfe von Ofenabwärme, bis auf einen Restfeuchtegehalt von
2 – 5 % getrocknet. Der Formling zieht sich entsprechend der verdunsteten Wassermenge zusammen.
Glasieren
Bei einigen Keramikprodukten wird auf den noch nicht fertig gebrannten Scherben durch Tauchen, Be-
sprühen oder Begießen eine Glasur aufgebracht. Die Glasurrohstoffe liegen dazu als wässrige Auf-
schlämmung vor. Sie bilden beim anschließenden Brennen glasartige 0,14 – 0,4 mm dicke Überzüge. Da-
durch wird eine glattere und farbige Oberfläche erreicht und die technischen Eigenschaften (z. B. elektri-
sches Verhalten, chemische Beständigkeit, ...) des Produktes verbessert. Dem Glasieren kann eine Nach-
trocknung folgen.
Brennen/Sintern
Dabei erhält der Formkörper seine endgültigen Eigenschaften. Das Brennen erfolgt bei den meisten ke-
ramischen Werkstoffen zwischen 1100 und 2000 °C in gas- , öl- oder kohlebeheizten Öfen (z. B. Tunnel-
öfen). Aus Gründen der Energieeinsparung wird eine Erniedrigung der Sintertemperatur durch die Zu-
gabe von Flussmitteln angestrebt. Nach dem Brennen erfolgt die Kühlung der Produkte auf 50 –
150 °C.
Sortieren/Verpacken/Verladen
Das Entleeren der Öfen kann mittels Hubstapler, Entlademaschinen oder manuell erfolgen, wobei die Wa-
re sortiert und geprüft wird. Die Verpackung erfolgt mittels Umreifung, Einschweißen mit Folie und
Holzpaletten als Ladegutträger.
Herstellung schmelzgegossener Feuerfesterzeugnisse der oxidischen Keramik:
Die Arbeitsgänge der Masseaufbereitung werden in den üblichen Anlagen durchgeführt. Danach erfolgt
die Zugabe der Rohstoffmischung zum Schmelzofen (elektrischer Lichtbogenofen) und das Ausgießen
der Schmelze in Formen aus Sand, Graphit oder Grauguss. Nach dem ersten Abkühlen werden die Guss-
stücke entformt und in ein Temperbett zur weiteren langsamen Abkühlung gegeben. Gegebenenfalls
schließt sich eine Oberflächenbehandlung mit Diamantwerkzeugen zur Glättung der Gussstücke an.
Herstellung nichtoxidischer Keramik:
Das Mischen der zerkleinerten SiC-Körnungen bzw. der Kokse erfolgt bei ca. 150 °C unter Zugabe von
erwärmtem Teerpech zur Herstellung einer steifplastischen Masse. Nach dem Pressen erfolgt das Brennen

 
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der in eine Koksschüttung eingepackten Formlinge in Spezialöfen. Bei SiC-Produkten schließt sich eine
weitere Erwärmung an Luft (> 1000 °C) an, wobei das dem Rohstoff zugegebene Ferrosilizium und Fer-
romangan an den Oberflächen zu einer glasigen Schutzschicht oxidiert. Gegebenenfalls werden die Pro-
dukte nachträglich imprägniert bzw. glasiert. Bei Kohlenstofferzeugnissen kann sich ebenfalls eine zweite
thermische Stufe zum Graphitieren der Produkte anschließen. Dazu werden die Teile in einem Graphitie-
rofen in Graphit- oder Koksgrus eingebettet. Bei ca. 3000 °C erfolgt die Umwandlung der Kohlenstoff-
struktur in die regelmäßige Graphitstruktur.
1.3.1 Schadstoffe
Nachfolgend werden die eingesetzten Roh- und Hilfsstoffe benannt, wobei nur wenige der Einsatzstoffe
altlastenrelevant sind.
Bei der Grobkeramikherstellung werden vorwiegend folgenden Rohstoffe eingesetzt:
mineralische Rohstoffe der Grobkeramikindustrie, vor allem Ton und Kaolin
Braun- und Steinkohlenteer bzw. Phenolharz für die Herstellung nichtoxidischer Keramik enthal-
ten zu unterschiedlichen Anteilen Phenole, PAK und BTEX.
Als Hilfsstoffe, insbesondere bei der Herstellung von Silikatkeramik, werden eingesetzt:
Ausbrennstoffe, wie Braun,- Stein-, und Holzkohle, Sägemehl, Korkmehl, werden zugesetzt, um eine
gewisse Porösität der Masse zu erzielen, sie sind nach dem Brennen nicht mehr nachweisbar. Eine Po-
renbildung kann auch durch Schäumung mit dem Zusatz von Schaumbildnern (z. B. Saponin) zur
verschlickerten Masse erreicht werden.
Verflüssigungsmittel werden zur Senkung der Fließspannung der Suspension eingesetzt. Dazu werden
Soda, Wasserglas, Natriumoxalat, Natriumpyrophosphat und Gerbstoffe (z. B. Tannin) verwendet.
Plastifizierungsmittel sind meist organische, zähviskose, wasserlösliche Verbindungen, wie Sulfi-
tablauge, Stärke, Dextrin, Celluloseäther oder Paraffine.
Zur Vermeidung von Ausblühungen kann Bariumkarbonat zur Masse gegeben werden.
Stanzöle sind z. B. Ölsäure (Olein), Mineralöle, Wachse oder Stearinsäure, sie werden der Masse zu-
gesetzt, um eine bessere Gleitfähigkeit zu erzielen und ein Kleben an den Stanzformen zu vermeiden.
Glasurrohstoffe bestehen aus Fritten (unvollständiges Glas) mit Farbkörpern (anorganische, tempera-
turbeständige Pigmente): meist Bormineralien (Borax, Colemanit), Bleirohstoffe (Bleiglätte, Mennige,
Bleisilikat), Alkalien (Karbonate), Farbkörper und Trübungsmittel (Zinn-, Zink-, Cadmium-, Titan-
oxide, Fluoride, Silikate). Weitere Glasurarten sind die Lehmglasur für Steinzeugprodukte und die
Salzglasur (Kochsalz).
Flussmittel enthalten Fluoride und dienen der Erniedrigung der Sintertemperatur mit dem Ziel der E-
nergieeinsparung.
1.3.2 Charakterisierung der vorkommenden Stoffe und Stoffgruppen
Barium
ist nur in Form seiner löslichen Verbindungen bei oraler Aufnahme gefährlich. Das lösliche Ba-
riumkarbonat wirkt als Muskelgift, führt zu langsamer Herztätigkeit sowie zu Magen-Darm-Koliken.
Bor / Borsäure
: kristallines Bor ist geruchlos, unlöslich und bildet sehr harte, glänzende Kristalle, die
chemisch sehr stabil sind. Borsäure ist in kaltem Wasser schwer und in heißem Wasser sehr leicht löslich.
Eine Aufnahme von nur 5 g kann bereits tödlich wirken.
Fluoride
sind Salze des Fluorwasserstoffs. Die Aufnahme erfolgt über Stäube, Fluoridnebel oder in ge-
löster Form. Sie wirken in höheren Konzentrationen giftig und können wichtige Stoffwechselfunktionen
blockieren. Hydrogene können Fluorwasserstoff abspalten, welches ätzend wirkt. Fluoride werden am
Boden relativ stark gebunden, wobei die Geschwindigkeit der Fluoridbindung von den Bodeneigenschaf-
ten abhängt.

 
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BTEX
(Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol) sind leicht flüchtige und in der Umwelt sehr mobile aromati-
sche Kohlenwasserstoffe. Sie vermischen sich wenig mit Wasser und schwimmen auf der Wasserfläche
auf. BTEX verteilen sich schnell mit dem Blut im gesamten Körper, reichern sich v.a. im Gehirn, Fettge-
webe und Knochenmark an. Benzol wirkt krebserzeugend und embryoschädigend.
PAK
sind feste, kaum wasserlösliche, schwer abbaubare und reaktionsträge Verbindungen. Sie können
vom Menschen oral, dermal und inhalativ aufgenommen werden. PAK erzeugen Krebs am Ort ihrer Ein-
wirkung (Magen- und Darmtumore, Hauttumore, Lungenkrebs).
Phenole
weisen einen charakteristischen Geruch auf, sind gering flüchtig und mobil im Boden und
Grundwasser. Aufgrund ihrer guten Wasserlöslichkeit wirken sie stark gewässerschädigend. Phenole sind
biologisch abbaubar. Vom Menschen können Phenole oral und dermal resorbiert werden. Bei oraler Auf-
nahme von 1 g Phenol tritt der Tod durch Atemlähmung ein. Phenolvergiftungen führen zu irreversiblen
Nierenschäden, Störungen des Zentralnervensystems, Blutbildveränderungen und wirken ätzend bei Haut-
kontakt.
Schwermetalle
Blei
wird von Menschen und Tieren hauptsächlich über Wasser und die Atmung aufgenommen. Die Auf-
nahme von ca. 1 mg/Erwachsener/Tag bewirkt eine Beeinträchtigung der Blutbildung und des Nervensys-
tems. Bleivergiftungen führen zu Lähmungen, Koliken und Hirnschäden. Im Boden bildet Blei stabile
Komplexe mit org. Bodenbestandteilen, wodurch die seine Mobilität gemindert wird. Die Löslichkeit
von Bleiverbindungen wird durch den pH-Wert bestimmt und erreicht sein Maximum bei pH 5.
Cadmium
ist pflanzenverfügbar und kann vom Menschen oral oder inhalativ aufgenommen werden. Es
wirkt toxisch und steht im Verdacht Krebs zu erzeugen. Cadmiumverbindungen werden im Boden an
Tonmineralen und Humusbestandteilen stark adsorbiert. Die Löslichkeit hängt vom pH-Wert ab und ist
im sauren Milieu höher durch die Bildung löslicher organischer / anorganischer Komplexverbindungen.
Chrom
verbindungen sind giftig, karzinogen und können oral, dermal oder durch die Inhalation von Staub
in den menschlichen Körper gelangen. Chrom kommt in der Natur als Chrom (III) und Chrom (VI) vor,
wobei das gut lösliche und gefährlichere Chrom (VI) unter natürlichen Verhältnissen schnell zum stabi-
len, weniger wasserlöslichen Chrom (III) reduziert wird. Saures Milieu und die Anwesenheit organischen
Materials im Boden beschleunigen diese Reaktion. Die geringere Wasserlöslichkeit führt zur Chromfixie-
rung im Boden.
1.3.3 Zusammenfassung der altlastenrelevanten Stoffe und Stoffgruppen und deren Zuordnung zu
Analyseparametern
Tab. 1: Altlastenrelevante Stoffe und Stoffgruppen bei Ziegeleien / Grobkeramikherstellung und deren
chemische Analyseparameter
Herkunft / Verwendung
Stoffgruppe
Analyseparameter
Rohstofflager bei der Herstellung
von SiC-Erzeugnissen
Teerpech, Phenolharz
Phenolindex, BTEX, PAK
Masseaufbereitung: Bindemittel
bei der Herstellung von SiC-
Erzeugnissen
Teerpech, Phenolharz
Phenolindex, BTEX, PAK
Zusatzstoff zur Masse vor der
Formgebung
Bariumkarbonat Barium
Zusatzstoff zur Masse vor der
Formgebung
Stanzöle MKW
Zusatzstoff zur Masse vor der
Formgebung
Flussmittel Fluorid

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Fortsetzung Tab. 1: Altlastenrelevante Stoffe und Stoffgruppen bei Ziegeleien / Grobkeramikherstellung
und deren chemische Analyseparameter
Glasurrohstoffe, Pigmente
Fritten mit Farbkörpern
Bor, Schwermetalle: Blei, Cad-
mium, Chrom, ...
Sonstige:
Pressen- und Maschinen-
standorte, Gasgeneratoranlagen
zur Energieerzeugung, Lager
Hydrauliköle, Transformatorenöl,
sonstige Schmierstoffe und Rei-
nigungsmittel, Teere
MKW, PCB, LHKW, Phenolin-
dex, PAK, BTEX
Kohlelagerplätze Brennstoffe Schwermetalle
Halden, meist Verfüllung frühe-
rer Tongruben
Aschen, Bruch, Teere, Schlacke,
sonstige Abfälle
Schwermetalle, PAK, Phenolin-
dex

 
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2
Hinweise zur Altlastenbehandlung
2.1
Altlastenrelevanz
Aufgrund des möglichen Gefährdungspotentiales werden Ziegeleien und Werke zur Herstellung von
Grobkeramikprodukten als Altlastenverdachtsflächen bewertet. Maßgebend für das Gefährdungspotential
sind dabei die Produktionszeiträume am Altstandort. Mit Ausnahme der Herstellung von Nichtoxidkera-
miken unter Verwendung von Bindemitteln resultiert der Altlastenverdacht meist nur untergeordnet aus
den branchenspezifischen Roh- und Hilfstoffen, da vorwiegend natürlich vorkommende Materialien ein-
gesetzt werden. Bei der Herstellung von Nichtoxidkeramik besteht das Hauptkontaminationspotential
durch die Lagerung und Verarbeitung von Teerpech bzw. Phenolharz. Der frühere sorglose Umgang mit
den betreffenden Stoffen hat in der Vergangenheit zu Verunreinigungen der Schutzgüter geführt. Das
Hauptkontaminationspotential wird durch mögliche Leckagen der Behälter und Maschinen sowie durch
Handhabungs- und Abtropfverluste bestimmt.
An Altstandorten der Grobkeramikherstellung sind aufgrund der beschriebenen Technologien folgende
Schadstoffherde bei einer Bewertung zu berücksichtigen:
Bevorratungs- und Lagereinrichtungen, Leitungssystem für die zum Einsatz bestimmten Rohstoffe
und Hilfsstoffe
Standorte und Anlagen der Mischeinrichtungen
Abwassereinleitung (Indirekt- oder Direkteinleitung).
Weitere Kontaminationsquellen:
Nachfolgend werden weitere Altlastenverdachtsflächen benannt, die für Altstandorte typisch sind, jedoch
nicht nur für Standorte der Grobkeramikherstellung zutreffen. Sie werden deshalb in den anschließenden
Kapiteln nicht weiter berücksichtigt.
Aufgrund der zum Brennen benötigten hohen Temperaturen existierten auf dem Betriebsgelände häu-
fig separate Anlagen zur Energieerzeugung, wobei bis Mitte der 70er Jahre meist Gasgeneratoren be-
trieben wurden. Dabei fielen unter anderem Teere (Kratzteer), Schlacke und Asche an.
Schadstoffhaltige Abluft und Stäube aus den Befeuerungsanlagen können während ihres Betriebes zu
einer Beeinträchtigung der Umwelt geführt haben. Beim Abriss der Ofenstandorte mit ihren Rauch-
gaskanälen und Schornsteinen kann schadstoffhaltiger Staub und ggf. Sonderabfall (PAK belastete
Bausubstanz) entstehen.
Betriebstankstellen, Garagen, Schmiermittellager und Parkflächen können zu Verunreinigungen mit
Treib- und Schmierstoffen geführt haben.
Standorte für oft vorhandene Trafos, Kompressoren, Palettenwagen, Pressen (früher meist Hydraulik-
pressen) oder sonstige Maschinenstandorte weisen prinzipiell ein Gefährdungspotential durch die ein-
gesezten Betriebsflüssigkeiten auf (MKW, PCB).
Typisch für Altstandorte der Grobkeramikherstellung ist die Ablagerungen der anfallenden Abfälle
auf Halden innerhalb des Betriebsgeländes, wobei hier oftmals frühere Tongruben verfüllt wurden.
Abgelagert wurden vor allem Asche, Bruch, ggf. Filter der Abgasreinigung und die beim Betrieb von
Gasgeneratoranlagen anfallenden Teere und Schlacken.
Kohlelagerplätze.
Bei Altstandorten wurden die Produktions- und Lagerflächen häufig direkt auf dem anstehenden Unter-
grund (meist Tone) oder auf Ziegelfußböden mit Fugen errichtet. In diesen Fällen kann das Schutzgut
Boden
nur als unversiegelt bzw. teilversiegelt eingestuft werden. Eine Gefährdung des Bodens geht eben-
falls von den o. g. Deponien aus. Insbesondere bei der Verarbeitung von Bindemitteln (nichtoxidische
Keramik) ist mit altlastenrelevanten Verunreinigungen des Bodens mit z. T. sehr mobilen Schadstoffen
(z. B. Phenole) zu rechnen.
Es können sowohl relativ gut lösliche Stoffgruppen, wie Phenole, Fluorid oder einige Schwermetalle (ab-
hängig vom pH-Wert) als auch relativ immobile Schadstoffe (PAK) auftreten. Bei entsprechendem
Schadstoffpotential, langen Nutzungszeiträumen und gegebenen geologischen / hydrogeologischen
Standortbedingungen ist eine Auswaschung der Schadstoffe mit dem Sickerwasser bis in das Schutzgut
Grundwasser
möglich. Eventuell vorhandene Lösungsvermittler können diesen Vorgang beschleunigen.
Einige der relevanten Schadstoffe werden als stark wassergefährdend (WGK 3) eingestuft. Eine Beein-
trächtigung des Schutzgutes Grundwasser ist somit nicht auszuschließen. Ein Überblick zu Wasserlös-
lichkeiten und dem Verhalten in Wasser wird in

 
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Tab. 4 gegeben.
Das Schutzgut
Oberflächenwasser
kann vorwiegend über das verunreinigte Grundwasser, über die Ein-
leitung von Abwässern oder oberflächiges Abspülen durch Niederschlag beeinträchtigt sein. Bei der Her-
stellung keramischer Erzeugnisse sind laut Rahmen-AbwasserVwV vorwiegend Schwebstoffe sowie die
Schwermetallgehalte (Pb, Cd, Cr, Co, Cu, Ni, Zn) als Abwasserinhaltsstoffe relevant. Beim Übertreten
ins Oberflächenwasser ist mit einer Schädigung von Wasserorganismen zu rechnen.
Das Schutzgut
Luft
ist bei Altstandorten kaum relevant, da die verwendeten Schadstoffe als nicht oder
schwer flüchtig einzustufen sind. Bei der Verwendung von Teerpech / Phenolharz sind Geruchsbelästi-
gungen denkbar. Von stillgelegten Befeuerungsanlagen geht keine Gefährdung mehr für die atmosphäri-
sche Luft aus. Modernere Anlagen sind nach BImSchG genehmigt und mit entsprechenden Abluftfiltern
ausgerüstet.
2.2
Gefährdete Schutzgüter und relevante Pfade
Folgende Schutzgüter können gefährdet sein:
Boden
Grundwasser
Luft
Oberflächenwasser.
Menschen, Tiere und Pflanzen unterliegen durch die Nutzung der einzelnen Schutzgüter sowie durch den
direkten Kontakt mit diesen einer Gefährdung.
2.3
Gefährdungsabschätzung nach der Sächsischen Altlastenmethode
Auf Standorten von Ziegeleien und Grobkeramikwerken ist grundsätzlich eine Altlastenrelevanz gegeben.
Diese werden somit stets als Altlastenverdachtsflächen, im speziellen als Altstandorte erfasst.
2.3.1 Verdachtsfallerfassung und formale Erstbewertung
Verdachtsfallerfassung und Erstbewertung erfolgen nach SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR
UMWELT- UND LANDESENTWICKLUNG (1997 a) im Sächsischen Altlastenkataster (SALKA). Folgende
Kriterien sind bei der Herstellung von Grobkeramik besonders zu beachten:
(7) Art der Verdachtsflächen
: Ziegeleien und Grobkeramikwerke sind grundsätzlich als Altstandorte zu
bewerten.
(14) Kontaminierte Fläche
: Diese sollte nach den örtlichen Gegebenheiten und unter Berücksichtigung
der möglichen Verdachtsflächen abgeschätzt werden.
(15) Volumen
: Falls die Eindringtiefe bekannt ist bzw. abgeschätzt werden kann, ist das errechnete Vo-
lumen anzugeben, anderenfalls unbekannt anzukreuzen.
(16) Entfernung zu Schutzgütern
: Diese sind entsprechend den örtlichen Gegebenheiten zu ermitteln.
(17) Durchlässigkeitsstufe
: Kann aus dem geologischen Kartenmaterial entnommen werden.
(18) Sohllage zum Grundwasser
: Es ist der Abstand des tiefsten bekannten bzw. abgeschätzten Schad-
stoffpunktes zur Grundwasseroberfläche anzugeben. Falls nicht bekannt, ist die Geländeoberfläche als
Bezugspunkt zu nehmen. Unterirdische Anlagen sind selten vorhanden.
(20) Einordnung in Branchenschlüssel und Belastungsstufen
: Ziegeleien/Grobkeramikwerke zählen
zur Hauptgruppe I: produzierendes und verarbeitendes Gewerbe.
Tab. 2: Einordnung der Ziegeleien und Grobkeramikherstellung in Branchenschlüssel, Branchen und Ge-
fährdungsklassen
Branchenschlüssel Branche Gefährdungsklasse
0500 Grobkeramik 24
0510 Ziegelei 23

 
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2.3.2 Historische Erkundung und Bewertung (Beweisniveau 1)
Die Historische Erkundung ist nach den in Sachsen herausgegebenen Handbüchern zur Altlastenbehand-
lung durchzuführen und zu bewerten:
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1998), Band 4/1998,
Historische Erkundung von altlastenverdächtigen Flächen.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1995), Teil 3, Gefähr-
dungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Grundwasser und Teil 4, Gefährdungsabschätzung, Pfad und
Schutzgut Boden.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG für Oberflächenwasser und
für Luft (in Vorbereitung a und b).
S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorbereitung)
EDV-P
ROGRAMM: GEFA VERSION.3.0. - nach SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDESENTWICKLUNG (1996 a und b).
Für die Stoffgefährlichkeit sind die pfadspezifischen r
0
-Werte aus SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR
UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorbereitung) zu entnehmen.
Stoffgefährlichkeit – r
0
:
Die Festlegung der Stoffgefährlichkeit ist durch die Brancheneinstufung oder entsprechend der verwende-
ten Schadstoffe bei Vorliegen von konkreten Hinweisen und höherem r
0
-Wert vorzunehmen.
Brancheneinstufung:
Allgemein für Ziegeleien: r
0
= 0,5 – 3,0
Allgemein für die Grobkeramikherstellung: r
0
= 0,5 – 3,5.
Einstufung nach konkreten Schadstoffen (Tab. 3):
Die Bewertung bezieht sich dabei auf das Schutzgut menschliche Gesundheit (r
0
(hum)-Wert), wobei
zwischen den relevanten Aufnahmepfaden zu unterscheiden ist:
Orale Schadstoffaufnahme: Betrachtung über die Pfade Boden – Mensch bzw. Boden – Grundwasser -
Mensch
Inhalative Aufnahme leichtflüchtiger Schadstoffe: Betrachtung über den Pfad Boden – Luft– Mensch
Inhalative Aufnahme staubförmiger Schadstoffe (Ausnahmefall): Betrachtung über den Pfad Boden –
Staub – Mensch.
Der r
0
(öko)-Wert geht ausschließlich in die Bewertung des Schutzgutes Oberflächenwasser als Maß für
die mögliche ökotoxikologische Schadstoffwirkung in aquatischen Ökosystemen ein.

 
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Tab. 3: Stoffgefährlichkeit-r
0
-Werte für chemische Stoffe und Stoffgruppen für Ziegeleien und die Grobke-
ramikherstellung
Parameter
r
0
(hum)-Wert
oral inhalativ
flüchtig, (staubförmig)
r
0
(öko)-Wert
Barium + Verbindungen 2,6
(4,4)
4,1
Bor + Verbindungen
1,9
(3,6)
3,5
Fluorid 2,4 (2,3) 4,0
Σ
BTEX
3,6 3,5
Σ
PAK
5,4
(5,2)
Benz(a)pyren: 6,0
Phenol 2,9 1,9 4,6
Blei + Verbindungen
3,0
3,0
5,5
Cadmium 3,5 (5,4) 6,0
Chrom +Verbindungen* 2,5 – 2,6
3,0 – 5,5
* ... Einzelwerte für Cr(III) und Cr(IV) und Verbindungen in STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
GEOLOGIE (in Vorbereitung): Handhabung von Orientierungswerten sowie Prüf- und Maßnahmenwerten
zur Gefahrenverdachtermittlung für die Altlastenbehandlung in Sachsen.
Örtliche Bedingungen, m-Werte:
Die spezifischen Standortbedingungen sind einzelfallbezogen zu bewerten. An Hand des vermuteten
Schadstoffspektrums erfolgt eine „worst-case-Betrachtung“. Die schadstoffabhängigen Einflussfaktoren
werden abgegrenzt.
Grundwasser - m
I
Lage zum Grundwasser: in ungesättigter Zone m
I
= 1,2 (andere Auswahlbereiche, falls unterirdische
Anlagen vorhanden)
Oberflächenabdichtung: bei befestigten oder überdachten Bereichen
m =
0,1; sonst
m =
±
0
Oberflächenabdeckung: bei versiegelten oder bewachsenen Flächen
m = 0,1; sonst
m =
±
0
Oberflächenwasserableitung: bei versiegelten bzw. überbauten Flächen mit geordnetem Abfluß
m
=
±
0, ansonsten keine wirksame Ableitung mit
m =
±
0 (sehr steile Oberflächengestaltung eher un-
wahrscheinlich)
Löslichkeit oder Aggregatzustand: sollte in jedem Fall, soweit Einsatzstoffe bekannt sind, nach
Tab. 4 eingegeben werden.
Tab. 4: Altlastenrelevante Stoffgruppen unter Berücksichtigung der Wasserlöslichkeit
Stoff-
gruppe
Inhaltstoffe Löslichkeit in Was-
ser bei 20 ° C
Verhalten in Wasser
Quelle für Was-
serlöslichkeiten
Barium
Bariumkar-
bonat
Löslich
ALTLASTEN-
EXPLORER
Bor
Borax, Bor-
säure
54,65 g/l bei 25 °C
Mit zunehmendem pH-Wert
steigt die Adsorption an Tonen,
Al- u. Fe-Oxiden.
K
OWALEWSKI,
1993;
ALTLASTENEXPL
.
Fluorid Fluorid max. 188 g/l
ALTLASTENEXPL.

 
Seite 11
Fortsetzung Tab. 4: Altlastenrelevante Stoffgruppen unter Berücksichtigung der Wasserlöslichkeit
Stoff-
gruppe
Inhaltstoffe Löslichkeit in Was-
ser bei 20 ° C
Verhalten in Wasser
Quelle für Was-
serlöslichkeiten
BTEX
Benzol,
Toluol, E-
thylbenzol,
Xylol
Benzol: 1780 mg/l
Toluol: 515 mg/l E-
thylbenzol: 152 mg/l
Xylol: 147-185 mg/l
Benzol: WGK: 3,
Toluol: WGK: 2,
Ethylbenzol: WGK: 1
Xylol: WGK: 2,
Allgemein: hohe Mobilität, bio-
logisch gut abbaubar, geringe
Aufenthaltszeit wegen hoher
Flüchtigkeit.
KOCH, 1995
PAK
z. B. Ben-
zo(a)pyren
z. B. Benzo(a)pyren:
0,0008 - 0,01 mg/l
WGK 2, biol. schwer abbaubar
ALTLASTEN-
EXPLORER
Phenole Phenol Phenol: 67 g/l
WGK 2; mit steigendem pH-
Wert steigt die Löslichkeit, bio-
logisch gut abbaubar, große
Mobilität
KOCH, 1995
Schwer
metalle
z. B. Blei
Löslichkeit in Wasser abhängig
vom Salzgehalt und pH-Wert des
Wassers, anaerobe Bedingungen:
überwiegend unlösliches Bleisul-
fid, aerobe Bedingungen über-
wiegend Bleisulfat
Bleisalze: WGK 2,
organische Bleiverbindungen:
WGK 3
Grundwasser – m
II
Sorbierbarkeit: Bei Stoffgemischen wird der Stoff mit der niedrigsten Sorbierbarkeit herangezogen. In
Abhängigkeit Humus- und Tongehalt gelten Schwermetalle, Fluoride und PAK als relativ gut adsor-
bierbar. Bei geringem bis mittlerem bzw. starkem Humus- oder Tonanteil ergibt sich für Benzol mit-
tel,
m =
±
0; ansonsten gering,
m =
±
0.
Acidität: bei Schwermetallen und saurem pH-Wert:
m =
+
0,1; sonst
m =
±
0.
Lösungsvermittler: Bei Mischkontaminationen können BTEX als Lösungsvermittler für PAK und or-
ganische Lösemittel als Lösungsvermittler für Phenole wirken. - Vorhandensein von Lösungsvermitt-
lern
m = + 0,1.
Abbaubarkeit in der ungesättigten Zone: Schwermetalle, PAK, Barium, Bor: nicht leicht abbau-
bar
m =
±
0. BTEX, Phenole, Fluorid: leicht abbaubar
m =
0,1.
Grundwasser - m
III
Abbaubarkeit und Sorption in der gesättigten Zone: Bewertung analog m
II
-Wert.
Grundwasser - m
IV
Aufbereitungsmöglichkeiten: Schwermetalle können bei Trinkwasseraufbereitungsanlagen bei vor-
handenen Flockungs- und Fällungsstufen mit Eisen- und Aluminiumsalzen bzw. Kalkhydrat oder
durch Bodenpassagen zu unterschiedlichen Prozentsätzen reduziert werden. BTEX, Phenole und PAK
sind bei Bodenpassagen (Langsamsandfilter) durch Adsorption bzw. biologischen Abbau entfernbar.
Sie werden ebenfalls an Aktivkohle adsorbiert. Die Aufbereitung von fluoridbelastetem Grundwasser
ist durch Filtration über Aktivtonerde möglich. Bei Vorhandensein der entsprechenden Aufbereitungs-
stufe
m = - 0,2; ansonsten nicht vorhanden,
m =
±
0.
Verdünnung: abhängig von den lokalen hydrogeologischen Gegebenheiten und den Schadstoffeigen-
schaften (Löslichkeit, Dichte).

 
Seite 12
Boden – r
0
r
0
- Wert: analog r
0
- Pfad Grundwasser (Stoffgefährlichkeit).
Boden - m
I
Fallzuordnung: Prinzipiell können alle 4 in der Methodik beschriebenen Fälle auftreten. Diese sind stand-
ortgebunden und gemäß des Einzelfalles zu prüfen und zu bewerten.
Fall 1:
m
=
1,0
(der zu schützende Boden ist die Altlast selbst)
Fall 2:
m
=
0,6
(der zu schützende Boden liegt in der Umgebung der Altlast)
Fall 3:
m
=
0,7
(der zu schützende Boden liegt unter einer Altlast)
Fall 4:
m
=
0,9
(der zu schützende Boden liegt über einer Altlast).
Abdeckung bzw. Abdichtung: wie m
I
– Grundwasser.
Flüchtigkeit: BTEX sind leicht flüchtig,
m =
±
0; sonst
m =
+
0,1.
Löslichkeit oder Aggregatzustand : siehe Grundwasser m
I
– Wert (
Tab. 4).
Sorption, Acidität, Lösungsvermittler: wie m
II
– Grundwasser.
Boden - m
II
Grund – m
II
– Wert: einzelfallbezogen bewerten
Altlast selbst ist Schutzobjekt (Fall 1)
1,2
Angrenzende Altlast (Fall 2, Fall 3, Fall 4)
1,0
geringe Entfernung von der Altlast (Fall 2)
0,9
Größere Entfernung von der Altlast (Fall 2)
0,8
Gerade noch im Einflussbereich der Altlast (Fall 2)
0,7.
Boden - m
III
Abbau: Schwermetalle, PAK, Barium, Bor: kein relevanter Abbau möglich, m
III
= 1,0. BTEX, Pheno-
le: Abbau – wesentlicher Abbau möglich, m
III
= 0,8 - 0,9 (Schwermetalle können biologischen Abbau
stören). Chrom (IV) kann chemisch zum weniger toxischen Chrom (III) reduziert werden. Phenole
können in gewissem Umfang photolytisch abgebaut werden.
Toxische Abbauprodukte: nicht bekannt
m =
±
0.
Verweilzeit im Boden: bei Schwermetallen, Bor, Barium und PAK ist die Verweilzeit hoch,
m =
±
0.
BTEX und Phenole sind überwiegend leicht lösliche bzw. flüchtige Schadstoffe,
m
= - 0,1.
Boden - m
IV
Nutzungskriterien: müssen standortspezifisch eingetragen werden.
Luft und Oberflächenwasser
Gefährdete Schutzgüter Luft und Oberflächenwasser müssen derzeit noch mit den Erfassungsbögen und
den Ausfüllhinweisen nach dem ALTLASTENHANDBUCH BADEN-WÜRTTEMBERG, TEIL I durchgeführt
werden.
Bei der Bewertung des Schutzgutes Luft sind eventuelle Geruchsbelästigungen durch Phenole bei der
Verwendung von Teerpech / Phenolharz zu berücksichtigen. Leichtflüchtige Komponenten, wie BTEX,
treten nur untergeordnet auf.
2.3.3
Technische Erkundung (Beweisniveau 2 und 3) und Bewertung
Ergibt die Historische Erkundung Hinweise auf eine mögliche Gefährdung bezüglich der Schutzgüter, so
ist die Orientierende Untersuchung gemäß BBodSchV und S
ÄCHSISCHEM STAATSMINISTERIUM FÜR

 
Seite 13
UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1995) durchzuführen und nach SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR
UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorbereitung) zu bewerten. Für die Probenahmen gelten die BBodSchV bzw.
SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (1998). Durch chemische Untersuchungen er-
folgt die erste reale qualitative Erfassung der Schadstoffbelastung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der
generellen Bestimmung der bodenkundlichen, geologischen und hydrogeologischen Situation vor Ort.
Die Orientierende Untersuchung ist gegebenenfalls abgestuft durchzuführen. Es sollten zuerst Methoden
mit wenig technischem Aufwand gewählt werden.
Ist nach der Orientierenden Untersuchung weiterer Handlungsbedarf erforderlich, folgt die Detailuntersu-
chung. Der Schwerpunkt dieser Untersuchung umfaßt weitere technische Maßnahmen zur lateralen und
vertikalen Eingrenzung der Kontamination und zur Untersuchung des speziellen Schadstoffinventars. Die
Gefährdungsabschätzung erfolgt nutzungsbezogen und im speziellen Hinblick auf die betroffenen
Schutzgüter. Im Ergebnis der Untersuchung können Sofortmaßnahmen, Maßnahmen zur Sicherung / Sa-
nierung, eine fachtechnische Überwachung sowie das Belassen in der Altlastenverdachtsfalldatei festge-
legt werden.
Die folgenden Tab. 5 und 6 enthalten das chem. Analysenspektrum, welches im konkreten Fall und ent-
sprechend des Untersuchungsmediums an die Ergebnisse der Historischen Erkundung bzw. der Orientie-
renden Untersuchung anzupassen ist.
Boden
Mittels Bodenproben aus unterschiedlichen Teufenbereichen sind die Kontaminationsschwerpunkte zu
untersuchen. Dadurch sind Rückschlüsse auf die räumliche Schadstoffverteilung möglich. Das durch die
Historische Erkundung ermittelte bzw. vermutete Schadstoffspektrum ist qualitativ und quantitativ zu er-
fassen.
Bodenluft
Die Entnahme von Bodenluftproben kann im Allgemeinen entfallen, da vorwiegend schwer flüchtige
Stoffe verwendet werden. Bei der Herstellung von nichtoxidischer Keramik mit Teerpech treten die
leichtflüchtigen BTEX als untergeordnete Stoffgruppe auf. Wird dennnoch eine Probenahme für erforder-
lich gehalten sind die örtlichen Gegebenheiten und geologischen Verhältnisse zu beachten und ein geeig-
netes Entnahmeverfahren gemäß der Materialien zur Altlastenbehandlung S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR
UMWELT UND GEOLOGIE (1998) zu wählen.
Grundwasser
Die Entnahme der Grundwasserproben hat unter Beachtung des DVGW-Merkblattes W 112 (1983) und
S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (1998) im An- und Abstrom zu erfolgen. Dazu
müssen mindestens eine Messstelle im Anstrom und zwei Messstellen im Abstrom beprobt werden. Be-
reits vorhandene Brunnen bzw. Messstellen sind vorrangig zu nutzen. Bei BTEX bzw. MKW ist zu be-
achten, dass sie aufgrund ihrer geringeren Dichte gegenüber Wasser auf der Grundwasseroberfläche auf-
schwimmen. Sie können im Grundwasserstrom in Phase mitgeschleppt werden.
Tab. 5: Analysenplan mit Grundparametern der Orientierenden Untersuchung und Detailuntersuchung
Allgemeine Parameter
Boden
Grundwasser
Geruch X X
Trübung - X
Temperatur - X
pH-Wert / elektr. Leitfähigkeit
X
X
Farbe (qualitativ)
X
X
Sauerstoffgehalt - X
DOC / TOC
X
X
Trockensubstanz X -

 
Seite 14
Tab. 6: Analysenplan mit branchenspezifischen Parametern der Orientierenden Untersuchung und
Detaileruntersuchung
Parameter Boden Grundwasser Beweisniveau
AOX / EOX
X
X
2
Phenole X X 2 / 3
PAK X X 2 / 3
BTEX*
X
X
2 / 3
Kohlenwasserstoffe (IR)*
X
X
2 / 3
Blei X X 2 / 3
Cadmium X X 2 / 3
Chrom, ges.
X
X
2 / 3
Borat X X 2 / 3
Fluorid X X 2 / 3
Barium X X 3
Chrom (VI)*
X
X
3
Untersuchungsprogramm für seltenere Umgangsstoffe*
LHKW X X 2 / 3
PCB X X 2 / 3
Cyanid (gesamt)
X
X
2 / 3
Natrium, Kalium, Magnesi-
um, Calcium
- X 2
Chlorid, Nitrat, Sulfat, Am-
monium
- X 2
Kupfer, Nickel, Zink, Zinn,
Cobalt, Antimon, Aluminium,
Eisen, Mangan, Quecksilber
X X 3
Diese Stoffe kommen nur in Ausnahmefällen bzw. untergeordnet vor. Eine analytische Überprüfung
dieser Substanzen wird auf dem BN 3 und bei Verdacht ihres Auftretens empfohlen.
Bewertung
Auf BN2 ist eine formale Bewertung mit dem Programm GEFA 3.0 analog der Bewertung der Histori-
schen Erkundung durchzuführen. Der Erkenntniszuwachs durch ermittelte analytische, geologische und
hydrogeologische Daten ist zu spezifizieren. Somit wird hier nur auf die Besonderheiten in der Bewer-
tung hingewiesen.
Stoffgefährlichkeit- r
0
:
Der Grundwert der Stoffgefährlichkeit wird nicht mehr nach der Branche eingestuft, sondern nach den
tatsächlich analytisch nachgewiesenen Einsatzstoffen bzw. dadurch ermittelten chemischen Parametern.
Bei Stoffgemischen ist der Schadstoff mit dem höchsten r
0
-Wert zu wählen.
Grundwasser und Boden
Die nachgewiesenen Stoffeigenschaften sind entsprechend zu aktualisieren und zu spezifizieren:
m
I
bis m
III
: bei Stoffgemischen sind gegenseitige Wechselwirkungen zu beachten (z. B. Abbaubarkeit,
Lösungsvermittler, Sorption).

 
Seite 15
Analysenwerte der ermittelten Schadstoffe sind in den Verfahrensschritt m
IV
einzutragen und werden
mit den Prüf- und Maßnahmenwerten bzw. mit den Besorgnis- und Dringlichkeitswerten nach
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG, STAATSMINISTERIUM
FÜR
SOZIALES, GESUNDHEIT UND FAMILIE, (1995) bzw. SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND
GEOLOGIE (in Vorbereitung) verglichen und entsprechend bewertet.
Die entsprechenden geologischen und hydrogeologischen Ergebnisse dieses Untersuchungsganges
sind in das Umweltinformationssystem Sachsen - Programm UHYDRO zu übernehmen.
Durch die gewonnenen Erkenntnisse der Orientierenden Untersuchung bzw. Detailuntersuchung ist
die Gefährdung der einzelnen Schutzgüter darzustellen und nach BBodSchV zu bewerten. Daraus ist
der weitere Handlungsbedarf abzuleiten.
Auf BN 3 sind entsprechend S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT
(in Vorbereitung c) Schadstofffrachten zu berechnen. GEFA findet keine Anwendung.
2.4
Sanierungsuntersuchung
Ist im Ergebnis der Gefährdungsabschätzung die Notwendigkeit einer Sanierung festgestellt worden, ist
die Sanierungsuntersuchung gemäß Teil 8,
SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDWIRTSCHFT (1999), durchzuführen.
2.5
Sanierung
Die Sanierung erfolgt gemäß Teil 9, SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDWIRTSCHFT (2000).
Da jeder Sanierungsfall seine eigene Spezifik aufweist, sind Verfahrenskombinationen z. T. sehr vorteil-
haft, werden jedoch aufgrund der Vielzahl hier nicht im einzelnen beschrieben.
2.5.1 Biologische Verfahren
Prinzip:
Durch Zugabe von Mikroorganismen, ggf. Sauerstoff- und Nährstoffzugabe Abbau bzw. Um-
wandlung organischer Schadstoffe.
Stand der Technik:
On-site- und Off- site-Sanierungen des ausgehobenen Materials in Mieten oder Bio-
reaktoren. In-situ-Verfahren sind möglich, aber von geringer Bedeutung.
Eignung/Anwendung:
nicht geeignet für schwermetallkontaminierte Böden, bei PAK nur bedingt ein-
setzbar, gut geeignet bei Phenolen, MKW, BTEX – soweit diese Stoffe nicht in inhibitorischen Konzent-
rationen vorliegen (Phenole), vorheriger Abbautest erforderlich.
Wirkungsgrad/Kosten:
Zum Teil hoher Platzbedarf bei der on-site Sanierung. Sehr langsame Abbau-
vorgänge, die nur bedingt kontrollierbar sind. Kosten ca. 100 DM/t.
2.5.2 Thermische Verfahren
Prinzip:
Bei den thermischen Verfahren wird zwischen der Verbrennung im Nieder- , Mittel-, und Hoch-
temperaturverfahren (<300 °C; 300 – 650 °C; > 900 – 1500°C) und der Pyrolyse 400 – 800 °C (sauer-
stofffrei) unterschieden.
Stand der Technik:
Die ausgehobenen Massen werden zu stationären Anlagen mit Direkt-, Indirekt- o-
der Wirbelschichtbefeuerung transportiert.
Eignung/Anwendung:
vorwiegend für organische Stoffe; nicht geeignet für schwerflüchtige Schwerme-
talle.
Wirkungsgrad/Kosten:
Hoher Energieaufwand bei guter Kontrollierbarkeit des Sanierungserfolges. Ho-
her Wirkungsgrad bei sehr hohen Kosten (220 – 500 DM/t).
2.5.3 Extraktions- und Waschverfahren
Prinzip:
mehrmaliges Waschen des belasteten Bodens mit Wasser unter Einsatz von Extraktionsmitteln,
Säuren, Basen oder anderen Zusätzen.
Stand der Technik:
On-site- und off-site-Behandlung in stationären oder mobilen Einrichtungen. Ab-
wasserbehandlung nach dem Stand der Technik, je nach Schadstoff.

 
Seite 16
Eignung/Anwendung:
Geeignet für mittel- bis grobkörnige Böden. Die Behandlung von feinkörnigem
Material ist problematisch (Schlammanfall, sinkender Durchsatz). Mögliche Schadstoffe: Schwermetalle,
Teer-Kohlenwasserstoffe, Cyanide, Mineralöle.
Wirkungsgrad/Kosten:
Mittlerer Energieverbrauch bei guter Kontrollierbarkeit des Sanierungserfolges.
Entsorgung der aufkonzentrierten Reststoffe und Schlämme notwendig. Kosten ca.100 – 350 DM/t.
2.5.4 Hydraulische Verfahren zur Grundwassersanierung
Prinzip:
gezielte Veränderung der hydrodynamischen Verhältnisse im Untergrund durch Abpumpen von
kontaminiertem Grundwasser. Anschließend erfolgt die oberirdischer Reinigung. Je nach Reinigungsgrad
wird das aufbereitete Wasser verrieselt bzw. im Kanalnetz abgeleitet.
Stand der Technik:
Absenkbrunnen in üblicher Bautechnik und Wasserbehandlung durch bewährte Ver-
fahren: Aktivkohlefilter für PAK, Phenole, BTEX; katalytische Oxidation oder Fällung und Flockung bei
Schwermetallen.
Eignung/Anwendung:
abhängig von geologischen/hydrogeologischen Standortverhältnissen sowie der
Löslichkeit der Schadstoffe. Als Nachteile gelten: lange Sanierungszeiten, energieintensiv, entsorgungsin-
tensiv (z.B. beim Gebrauch von Aktivkohle), hoher Überwachungsaufwand, Probleme durch zu hohe Ge-
halte an Fe, Mn und Härte im Grundwasser (Verockerung und Störung der Aufbereitung).
Wirkungsgrad/Kosten:
Abhängig vom Schadstoffspektrum, den geologischen und hydrogeologischen
Verhältnissen, Kosten sind somit nicht zu verallgemeinern.
2.5.5 Immobilisierung
Prinzip:
Sicherungsmaßnahme durch Mischen des kontaminierten Bodens meist mit zementhaltigen Bin-
demitteln. Es erfolgt eine Reduzierung der Mobilität der Schadstoffe für Emissionsvorgänge. Immobili-
sierungsverfahren sind: Verfestigung, Verglasung und Fixierung.
Stand der Technik:
On-site- und Off-site-Verfahren in stationären oder mobilen Anlagen mit den Schrit-
ten Aushub, Behandlung (Vorsortieren, Homogenisieren, Mischen), Wiedereinbau am Standort oder auf
Deponien.
Eignung/Anwendung:
Für Böden mit hohem Feinkornanteil und Mischkontaminationen geeignet. Da
die Schadstoffe erhalten bleiben, ist nur eine unsensible Nachnutzung des Geländes möglich.
Wirkungsgrad/Kosten:
Geringer Energieverbrauch mit verhältnismäßig günstigen Kosten (100 – 250
DM/t).
2.5.6 Sanierungsüberwachung
Aufgrund der meist komplexen Schadstoffsituation und um die Umsetzung des Sanierungskonzeptes zu
gewährleisten, ist eine Sanierungsüberwachung unabdingbar.
Neben der Eigenüberwachung des Sanierers ist durch den Sanierungsbegleiter eine analytische Überwa-
chung durchzuführen. Weiterhin erfolgt die Kontrolle der Einhaltung aller gesetzlichen und arbeitsschutz-
technischen Vorschriften.
2.5.7 Anbieter von Leistungen zur Altlastenbehandlung
Firmen und Einrichtungen, die sich mit der Behandlung von Altlasten beschäftigen, sind dem Anbieter-
verzeichnis von Leistungen zur Altlastenbehandlung im Freistaat Sachsen zu entnehmen. Informationen
aus diesem Verzeichnis sind über die IHK-Niederlassungen Sachsens bzw. deren Internet-Adressen er-
hältlich:
http://www.chemnitz.ihk.de
http://www.leipzig.ihk.de
http://www.dresden.ihk.de.
Weiterhin sind Fachzeitschriften (z. B. Grundwasser – Zeitschrift der Fachsektion Hydrogeologie, Wasser
& Boden, Korrespondenz Abwasser, Umwelt News, Altlastenspektrum, Altlasten-Aktuell), Publikationen
über innovative Altlastenbehandlungen und Anbieter von Leistungen zur Altlastenbehandlung recher-
chierbar.

Seite 17
Des Weiteren steht das Sächsische Altlastenfachinformationssystem „SALFA-WEB“ mit der Publikation
von Referenzobjekten zu den branchenbezogenen Altlasten im Internet
(http://www.lfug.de)
und auf CD-
ROM zur Verfügung.
Bundesweite Angaben können durch das „Technologieregister zur Sanierung von Altlasten“ (EDV-
Programm TERESA,
UMWELTBUNDESAMT, 1997) bezogen werden.
Aktuelle Informationen sind auch über den Ingenieurtechnischen Verband Altlasten (ITVA) erhältlich.
Abfalltechnische Behandlungsanlagen (termische, biologische und chemisch-physikalische Bodenbe-
handlungszentren) sind im „Abfalltechnischen Anlagenkataster“ (ANKA) des LfUG sowie in regelmäßi-
gen Publikationen, wie z.B. der Zeitschrift TERRATECH, recherchierbar.
Anbieter von Immobilisierungsverfahren enthält u.a. die LfUG-Publikation „Immobilisierung von Schad-
stoffen in Altlasten“, S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (1996).

 
Seite 18
3
Literaturhinweise
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I
NGENIEURBÜRO FÜR GEOTECHNIK GMBH (1997): Historische Erkundung des Betriebsgeländes
MAMMUT – Wetro Schmelztiegelwerk GmbH – Betriebsteil Freital, Ingenieurbüro für Geotechnik
GmbH, Bautzen.
I
NGENIEURBÜRO FÜR GEOTECHNIK GMBH (1998): Historische Erkundung des Betriebsgeländes
MAMMUT – Wetro Schmelztiegelwerk GmbH – Betriebsteil Wetro, Ingenieurbüro für Geotechnik
GmbH, Bautzen.
K
LEIN, A. (1993): Deutsche Keramik von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ernst Wasmuth Verlag Tü-
bingen.
K
OCH, R. (1995): Umweltchemikalien. - Physikalisch-chemische Daten, Toxizitäten, Grenz- und Richt-
werte, Umweltverhalten – 3. Aufl., VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim.
K
OWALEWSKI, J. B. (1993): Altlastenlexikon, Verlag Glückauf GmbH, Essen.
K
RAUSE, E. (1985): Technologie der Keramik. VEB Druckhaus „Maxim Gorki“, Altenburg, VEB Verlag
für Bauwesen, Berlin.
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ALMANG, H.; SCHOLZE, H.( 1983): Keramik, Teil 2 – Keramische Werkstoffe. Springer-Verlag Berlin –
Heidelberg - New York – Tokyo.
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ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (1996): Materialien zur Altlastenbehandlung,
1/1996: Immobilisierung von Schadstoffen in Altlasten, Dresden.
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3/1998: Probenahme bei der Technischen Erkundung von Altlasten, Dresden.
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rungswerten sowie Prüf- und Maßnahmenwerten zur Gefahrenverdachtsermittlung für die Altlastenbe-
handlung in Sachsen, Dresden.
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UND
GEOLOGIE (1995 a): Handbuch zur Altlastenhandlung, Teil 1, Anlage 1: Grundsätze der Altlastenbe-
handlung in Sachsen. - Terminologie, Dresden.
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ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1995 b): Handbuch zur
Altlastenbehandlung, Teil 3: Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Grundwasser, Dresden.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1995 c): Handbuch zur
Altlastenbehandlung, Teil 3, Anlage 7: Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Grundwasser -
Anwenderhandbuch, Dresden.
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Altlastenbehandlung, Teil 4: Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Boden, Dresden.
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ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG, LANDESAMT FÜR UMWELT
UND
GEOLOGIE (1996): Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 4, Anlage 7: Gefährdungsabschätzung,
Pfad und Schutzgut Boden, Dresden.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG, LANDESAMT FÜR UMWELT
UND
GEOLOGIE (1997 a): Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 2: Verdachtsfallerfassung und formale
Erstbewertung, Dresden.

Seite 19
SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (in Vorbereitung a): Gefähr-
dungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Oberflächenwasser.- Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 5,
Dresden.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (in Vorbereitung a): Gefähr-
dungsabschätzung, Pfad Luft.- Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 6, Dresden.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (in Vorbereitung c): Detailun-
tersuchung.- Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 7, Dresden.