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„Gutachten zur bedarfsgerechten
Versorgung von Betroffenen und
Einsatzkräften mit Leistungen der
Psychosozialen
Notfallversorgung (PSNV)“
Teil I
für das
Sächsische Staatsministerium des Innern
im Freistaat Sachsen
Langer & Petry GbR
100
achtzig
°

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Präambel
Das nachfolgende Gutachten wurde im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums
des Innern (SMI) durch Langer & Petry GbR –
100
achtzig°
entlang der
Leistungsbeschreibung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern erstellt.
In einem umfangreichen Prozess wurde unter Einbezug von online gestützten und
Präsenzinterviews aller PSNV Teams in Sachsen, Daten zu Einsätzen,
Teamentwicklung, Finanzierung usw. sowohl retrospektiv (2015 – 2018) als auch
prognostisch bis ins Jahr 2030 erhoben, analysiert und bewertet. Ergänzt wurden die
Ergebnisse durch Vor-Ort Befragungen von zuständigen Behördenvertretern,
Verbandssprechern sowie Verantwortlichen einzelner Hilfsorganisationen und der
Kirchen als auch Ansprechpartnern der Integrierten Regionalleitstellen.
Beigeordnet wurden Referenzdaten mittels Analysen und Bewertungen von Statistiken
vergleichbar aufgestellter PSNV Teams anderer Bundesländer, im speziellen dann,
wenn die Datenlage deutlich hinter den Erwartungen des Auftraggebers bzw. der
Gutachter zurück lagen.
Beginnend mit der Beschreibung zur Ausgangslage im Freistaat Sachsen,
unterscheidend nach einzelnen Bedarfsträgern führt das Gutachten über die
Erhebungen, Analysen und Bewertungen hin zu einer differenzierteren Betrachtung
der Ausgangslage, leitet Empfehlungen ab und fasst in einem Resümee die
Erkenntnisse zusammen.
In einem weiteren Schritt wurden Erhebungen und Empfehlungen zur Einrichtung einer
Landeszentralstelle PSNV umfassend erstellt.
Abgeschlossen wird das Gutachten mit umfangreichen Empfehlungen zur Etablierung
einer
leistungsstarken,
robusten
und
handlungssicheren
umfänglichen
Psychosozialen Notfallversorgung im Freistaat Sachsen.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Eckpunkte
Auftraggeber
Sächsisches Staatsministerium des Innern
Referat 45 Rettungsdienst, Psychosoziale Notfallversorgung
Wilhelm-Buck-Straße 2
01097 Dresden
Auftragnehmer
Langer & Petry GbR
100
achtzig
°
Gneisenaustraße 36-38
52351 Düren
Zeitraum der Erstellung
11.09.2019 bis 31.07.2020 gemäß Ausschreibung und Leistungsbeschreibung,
Sächsisches Staatsministerium des Innern vom 21.07.2019.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Auflistung des Gutachterteams
Fleischmann, Reiner
Diplom Theologe und ständiger Diakon
Trauma Fachberater, Fachberater Langer & Petry GbR,
Sachverständiger Krisenintervention / Notfallseelsorge
Giesche, Alexander
B.Sc. in Psychologie
Mitarbeiter für online gestützte- und
Printmedienrecherchen, Instrumentenerstellung,
Datenauswertung und Trendanalyse
Jamous, Roula
M.Sc. Psychologie, Klinische Psychologin
Mitarbeiterin für Onlinerecherchen, Instrumenten-
erstellung, Konfiguration Auswertungstool, Datenaus-
wertung
Langer, Clivia
Diplom Psychologin
Notfallpsychologin, Supervisorin, Fachliche Leitung
Langer & Petry GbR, Sachverständige PSNV
Petry, Sören
Trainer critical incident stress management, Trainer Human
Factor,
Geschäftsführer
Langer
&
Petry
GbR,
Sachverständiger
PSNV,
Krisenintervention
und
Einsatzkräftenachsorge
Werndl, Mira
B.Sc. in Psychologie
Mitarbeiterin, Instrumentenerstellung

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G utachten
zu r
bedarfsgerechten
Versorg
u
ng
Betroffener
durch
PSNV
in Sachsen
im Auftrag
des
SMI
achtzig
Erklärung
zum
Gutachten
Das
vorliegende
Gutachten
behandelt
die Fragestellungen
entlang der
Leistungsbeschreibung
zur
bedarfsgerechten
Versorgung
von Betroffenen
und
Einsatzkräften
mit
Leistungen
der Psychosozialen
Notfallversorgung
(PSNV).
Bei den
damit
verbundenen
Analysen,
Bewertungen
und Empfehlungen
handelt es sich
um
eine wissenschaftliche
Betrachtung,
die
nach
bestem
Wissen und
Gewissen sowie
entsprechend
des aktuellen
Stands
der Wissenschaft
und Fachliteratur
gefertigt
wurde,
jedoch
keinen
Anspruch
auf abschließende
Vollständigkeit
erhebt.
Eine
Haftung
für
die Richtigkeit
und Vollständigkeit
der Begutachtung
kann nicht
übernommen
werden.
^i
Sie zeigt
die Bewertung
und Auffassung
der Gutachter
zu den
gestellten
Fragen /
Aufgaben
der Leistungsbeschreibung
auf.
Das
vorliegende
Gutachten für
das Sächsische
Staatsministerium
des
Innern
wurde
durch
die Gutachter
selbständig
verfasst
und keine
anderen
als die angegebenen
Hilfsmittel
wurden
benutzt.
Die
Stellen
des Gutachtens,
die
anderen
Quellen
im Wortlaut
oder dem Sinn nach
entnommen
wurden,
sind durch Angaben
der Herkunft kenntlich
gemacht.
Dies
gilt
auch für Zeichnungen,
Skizzen,
bildliche
Darstellungen
sowie für
Quellen
aus
dem
lnternet.
Düren,
31. Juli 2020
s
5235i
Düren
36-
o),01*
4

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Auszug aus der
Leistungsbeschreibung
SMI vom 21.07.2019
3. Art und Umfang der Leistung
Die vom Auftragnehmer zu erbringende Leistung besteht darin, auf der
Grundlage einer Analyse der bestehenden PSNV-Strukturen in Sachsen
gutachterlich festzustellen, ob und ggf. welche Maßnahmen auf welcher
Ebene erforderlich sind, um die bedarfsgerechte Hilfe für Notfallpatienten,
Angehörige, Hinterbliebene, Augenzeugen, Ersthelfer, Einsatzkräfte und
weitere Betroffene effizient sicherzustellen.
Das Gutachten ist im Wesentlichen wie folgt zu gliedern:
I. Ist-Analyse der vorhandenen Angebote
a. PSNV-B
i. Erhebung und Darstellung der aktuellen Strukturen in den
Landkreisen / kreisfreien Städten (u. a. Organisationsformen,
Anzahl der aktiven Helfer, Anbindung an BRK-Behörden,
vertragliche Vereinbarungen / Verpflichtungen)
ii. Alarmierungsverfahren, Koordination der Kräfte im
Einsatzfall (u. a. Integration in Alarm- und
Ausrückeordnungen, Dienstplansysteme, Alarmierungswege
und –mittel)
iii. Ausbildungsstandards und vorhandene Qualifikationen,
Maßnahmen zur Qualitätssicherung (u. a. innerhalb der
Organisationen, Anforderungen der BRK-Behörden)
iv. Ausrüstung und Ausstattung
v. Finanzierung
b. PSNV-E
i. Erhebung und Darstellung der Strukturen bei Arbeitgebern
im Rettungsdienst, bei den im Katastrophenschutz
mitwirkenden Hilfsorganisationen, bei den Feuerwehren,
den Kommunen und der Polizei
ii. Alarmierungsverfahren, Koordination der Kräfte im
Einsatzfall

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
iii. Ausrüstung und Ausstattung
iv. Ausbildungsstandards
v. im Ehrenamtsbereich Finanzierung
II. Erstellung einer Einsatzstatistik für die Jahre 2015 bis 2018
a. Erfassung der Einsatzzahlen und -daten unter folgenden Maßgaben
i. Trennung nach PSNV-B und PSNV-E
ii. Aufgliederung in Landkreise / kreisfreie Städte
iii. Aufgliederung in anfordernde und alarmierende Stelle je
Einsatz (Fallgruppenbildung)
iv. Anzahl der zu betreuenden Betroffenen je Einsatz
(Fallgruppenbildung)
v.
Anzahl der eingesetzten PSNV-Kräfte je Einsatz
(mit durchschnittlicher Einsatzdauer, ggf. Ablösungen, etc.)
vi. entstandene Einsatzkosten, Finanzierung, Erstattung
III. Erstellung einer Übersicht zu den aktuellen Vernetzungsangeboten
a. Erfassung regionaler und überregionaler Netzwerkstrukturen,
getrennt nach PSNV-B, PSNV-E und übergreifend
b. Aussagen zu Aufgaben, Organisationsformen und -ebenen,
Finanzierung
c. Aussagen
zur
länderübergreifenden
Vernetzung,
zur
Zusammenarbeit
mit
Forschungseinrichtungen
und
Einrichtungen des Gesundheitswesens
IV. Bewertung des Ist-Zustandes
Bei der Bewertung des Ist-Zustandes sollen Aussagen zur
gegenwärtigen Bedarfsdeckung der einzelnen Bedarfsträger im
regionalen Maßstab auf Ebene der Landkreise / kreisfreien Städte
und auf landesweiter Ebene, getrennt nach den Angeboten der
PSNV-B und der PSNV-E, getroffen werden. Zudem sind ggf.
bestehende Versorgungslücken darzustellen. Ebenso sind die
Vernetzungsangebote mit zu bewerten.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
V. Ermittlung des Bedarfs für Leistungen der PSNV-B und PSNV-E
a.
Darstellung des Bedarfs an PSNV-B und PSNV-E Teams je
Landkreis / kreisfreier Stadt mit Prognose bis 2030 (Anzahl der
notwendigen
Teams,
Anzahl
der
notwendigen
Helfer,
Mindestausbildungsstandards, Regelausstattung)
b.
Darstellung einer sachgerechten „Verteilung“ der PSNV-Teams
(unter Berücksichtigung von Anfahrtswegen und –zeiten)
c.
Ermittlung des Finanzbedarfs zur Kostendeckung
VI. Gegenüberstellung des Ist- und Soll-Zustandes mit der Ableitung von
Handlungsempfehlungen
Ableitend von der Bedarfsanalyse und –ermittlung werden Empfehlungen
insbesondere zu folgenden Punkten erwartet:
a.
Aufgabenträgerschaften
(Beschreibung
der
Zuständigkeitsebene
(Gemeinde,
Landkreis,
Freistaat
Sachsen), Beschreibung der Aufgabenstruktur (freiwillige
Aufgabe, weisungsfreie Pflichtaufgabe, Weisungsaufgabe))
b.
Einordnung der PSNV in die Strukturen der Gefahrenabwehr
(eigene Struktur, ggf. daraus resultierender Ergänzungsbedarf
für
den
Katastrophenschutz,
ggf.
Darstellung
von
Synergieeffekten
einer
Integration
in
die
Katastrophenschutzeinheiten
oder
Bildung
eigener
Katastrophenschutzgruppen, Alarmierung etc.)
c.
notwendige
Ausrüstungs-,
Ausstattungs-
und
Ausbildungsstandards (getrennt nach PSNV-B und PSNV-E)
VII. Darstellung des Bedarfs an landesweiter Koordinierung mit Empfehlungen zum
Aufbau und Betrieb einer Landeszentralstelle PSNV
Unter Berücksichtigung der Analyseergebnisse soll der konkrete Bedarf für den
Aufbau und den Betrieb einer Landeszentralstelle PSNV ermittelt werden.
Darzustellen sind dabei insbesondere
a.
die Erforderlichkeit einer landesweiten Koordinierung von
PSNV-B und PSNV- E
b.
die
durch
die
Landeszentralstelle
wahrzunehmenden
Aufgaben
(in
Abgrenzung
zur
regionalen
Ebene),
„Zielprodukte“ der Landeszentralstelle
c.
geeignete Struktur (Anbindung an bestehende Strukturen der
Gefahrenabwehr oder „gesonderte“ Stelle)

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
d.
notwendiges Personal, Qualifikationsanforderungen an das
Personal
und
sächliche
Ausstattung
(mit
jährlicher
Kostenschätzung), Finanzierungsvorschläge bzw. Verteilung
der Finanzierung hinsichtlich der zu erfüllenden Auf- gaben
e.
Vorschläge zur Vernetzung mit regionalen Netzwerken,
Prüfung der Erforderlichkeit der Vernetzung mit dem Bund und
anderen Ländern
VIII. Erstellung eines Konzepts für die Landeszentralstelle PSNV
Vom Auftragnehmer ist unter Berücksichtigung von
Wirtschaftlichkeitserwägungen ein Konzept für den Aufbau und den Betrieb einer
Landeszentrastelle PSNV zu erstellen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die
Inbetriebnahme bis 2021 erfolgen soll.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Übersicht Gutachten
Das Gesamtgutachten gliedert sich in zwei Teile, wobei Teil I alle Fragen der
Leistungsbeschreibung des SMI beantwortet / behandelt und im Teil II (nur in der
Erstausfertigung) sind alle Umfragevorlagen der online Befragung eingestellt.
Teil I
Gliederung Teil I ......................................................................................................... 1
Bearbeitungshinweise................................................................................................. 5
Abschnitt 1 Grundlagen ............................................................................................. 6
Abschnitt 2 PSNV-B................................................................................................. 52
Abschnitt 3 PSNV-E................................................................................................169
Abschnitt 4 Wesentliche Kernempfehlungen und ........................................................
Verknüpfung mit der Ausgangslage .....................................................240
Abschnitt 5 Landeszentralstelle PSNV ...................................................................250
Abschnitt 6 Konzept zur Landeszentralstelle ..........................................................293
Abschnitt 7 Empfehlungen und Hinweise der Gutachter ........................................303
Danksagung ...........................................................................................................426
Anlagen
.............................................................................................................427
Teil II
Vorlagen der online Interviews (nur in Erstausfertigung und PDF)

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
1 von 427
Gliederung Teil I
Leistungsbeschreibung
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung von Betroffenen und
Einsatzkräften mit Leistungen der Psychosozialen Notfallversorgung
(PSNV)
(Sächsisches Staatsministerium des Innern, 2019)
Das vorliegende Gutachten – Teil I gliedert sich in sieben Abschnitte, an die sich die
Anlagen anschließen.
Abschnitt 1 – Grundlagen
Im ersten Abschnitt werden allgemeine Grundlagen beschrieben. Die Ausgangslage
zur PSNV im Freistaat Sachsen wird zusammengefasst, die Eingrenzung des Begriffs
PSNV vorgenommen und es werden aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen zur
PSNV erörtert. Der Abschnitt endet mit der Darstellung der vorgenommenen
Datenerhebungs- und Analyseverfahren durch die Gutachter.
Ausgangslage
Allgemeine Darstellungen zur PSNV
Wissenschaftliche Veröffentlichungen
Datenerhebung und Analyseverfahren
Abschnitt 2 – PSNV-B
Der zweite Abschnitt beschreibt die Situation der PSNV-B im Freistaat Sachsen und
analysiert bestehende Strukturen sowie Alarmierungsverfahren, erfasst Qualifikation
und Qualifizierung der Helfenden, deren Ausstattung und Ausrüstung, die
Finanzierung des Dienstes PSNV-B sowie den Grad der Vernetzung
analog der
Leistungsbeschreibung des Auftraggebers:
Erhebung und Darstellung der aktuellen Strukturen in den Landkreisen /
kreisfreien Städten (u. a. Organisationsformen, Anzahl der aktiven Helfer,
Anbindung
an
BRK-Behörden,
vertragliche
Vereinbarungen
/
Verpflichtungen)

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
2 von 427
Alarmierungsverfahren, Koordination der Kräfte im Einsatzfall (u. a.
Integration in Alarm- und Ausrückeordnungen, Dienstplansysteme,
Alarmierungswege und –mittel)
Ausbildungsstandards und vorhandene Qualifikationen, Maßnahmen zur
Qualitätssicherung (u. a. innerhalb der Organisationen, Anforderungen der
BRK-Behörden)
Ausrüstung und Ausstattung
Finanzierung
Abschnitt 3 – PSNV-E
Der dritte Abschnitt beschreibt die Situation der PSNV-E im Freistaat Sachsen.
Bewertet werden die Relevanz des Arbeitsschutzes und die psychische
Gesunderhaltung der eingesetzten Einsatzkräfte und Helfenden. Analysiert werden
bestehende Strukturen sowie Alarmierungsverfahren. Die Qualifikation und
Qualifizierung der Helfenden, deren Ausstattung und Ausrüstung, die Finanzierung
des
Dienstes
PSNV-E
sowie
den
Grad
der
Vernetzung
analog
der
Leistungsbeschreibung des Auftraggebers:
Erhebung
und
Darstellung
der
Strukturen
bei
Arbeitgebern
im
Rettungsdienst,
bei
den
im
Katastrophenschutz
mitwirkenden
Hilfsorganisationen, bei den Feuerwehren, den Kommunen und der Polizei
Alarmierungsverfahren, Koordination der Kräfte im Einsatzfall
Ausrüstung und Ausstattung
Ausbildungsstandards
Im Ehrenamtsbereich Finanzierung
Abschnitte 2 und 3
In beiden Abschnitten werden die vom Auftraggeber gem. Leistungsbeschreibung
geforderten Fragestellungen beantwortet. Im Rahmen einer IST-Analyse werden
differenziert für PSNV-B und PSNV-E im Zeitraum 2015 bis 2019 die gestellten Fragen
begutachtet. Im Ergebnis der erfassten Daten bewertet das Gutachten anhand der
erfassten und analysierten Daten die gegenwärtige Bedarfsdeckung im regionalen

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
3 von 427
Maßstab (Landkreis, kreisfreie Stadt) und auf landesweiter Ebene des Freistaats und
stellt bestehende Versorgungslücken dar.
Das Gutachten bewertet die Vernetzungsangebote und ermittelt gemäß Auftrag den
Bedarf an Teams der PSNV-B und PSNV-E prognostisch bis 2030, deren Teamstärke,
Mindestausbildungsstandards und Regelausstattung betreffend. Insbesondere die
Verteilung der PSNV Teams unter Einbezug von Anfahrtswegen und -zeiten finden
dabei Berücksichtigung. Außerdem wird der Finanzbedarf der Leistungen zur
Kostendeckung ermittelt.
Die erhobenen Daten werden entlang der Fragestellungen bewertet und es werden
Gutachterliche Handlungsempfehlungen entlang dieser Bewertungen abgeleitet. Auch
die Handlungsempfehlungen gemäß Auftrag sind hierin enthalten:
Beschreibung von Aufgabenträgerschaften und Zuständigkeitsebenen
(Gemeinde, Landkreis, Freistaat Sachsen)
Beschreibung der Aufgabenstruktur: Freiwillige Aufgabe, weisungsfreie
Aufgabe, Weisungsaufgabe
Einordnung der PSNV ggf. in die Gefahrenabwehr
Ggf. als eigene Struktur mit dem daraus resultierenden Ergänzungsbedarf
Ggf. unter Nutzung von Synergieeffekten eine Integration der PSNV in KatS-
Einheiten
Ggf. unter Bildung eigener KatS Gruppen und Alarmierung
Zur sachgerechten Finanzierung von PSNV-B und PSNV-E im Freistaat
Sachsen
Abschnitt 4
Der vierte Abschnitt resümiert zusammenfassend die Ergebnisse aus den Abschnitten
2 und 3 zur PSNV-B und PSNV-E im Freistaat Sachsen.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
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Abschnitt 5 – Landeszentralstelle PSNV
Im fünften Abschnitt wird der Bedarf an landesweiter Koordinierung der PSNV, unter
Berücksichtigung der in den Abschnitten 2 und 3 generierten Analyseergebnissen
beschrieben und der Bedarf zum Aufbau und Betrieb einer Landeszentralstelle PSNV
aus Gutachtersicht bewertet. Es werden entlang der Bewertungen Empfehlungen
abgeleitet.
Abschnitt 6 – Konzept zur Landeszentralstelle PSNV
Der sechste Abschnitt stellt das Konzept zur Umsetzung einer Landeszentralstelle
PSNV aus Gutachtersicht dar.
Die Empfehlungen aufgreifend sind die notwendigen Umsetzungspunkte für den
regulären Betrieb der Landeszentralstelle PSNV aufgelistet.
Abschnitt 7 – Empfehlungen und Hinweise der Gutachter
Im siebten Abschnitt finden sich alle gutachterlichen Empfehlungen. Diese werden
differenziert in Kernempfehlungen, die aus Gutachtersicht als besonders wichtig zur
Umsetzung empfohlen werden und in allgemeine Empfehlungen die generell für den
Bereich PSNV gelten. Darüber hinaus sind alle Empfehlungen zusammengestellt, die
nur den Bereich PSNV-B bzw. den Bereich PSNV-E betreffen. Daran anschließend
sind die Empfehlungen zur Landeszentralstelle PSNV aufgelistet.
Des Weiteren finden sich praktische Ideen zur Unterstützung des Dienstes PSNV als
Hinweise.
K 1 bis K 14
Kernempfehlungen
A 1 bis A 20
Allgemeine Empfehlungen für PSNV-B und PSNV-E
B 1 bis B 28
Empfehlungen für den Bereich PSNV-B
E 1 bis E 20
Empfehlungen für den Bereich PSNV-E
L 1 bis L 21
Empfehlungen für die Landeszentralstelle PSNV
U 1 bis U 4
Hinweise zur Unterstützung der PSNV

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
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Bearbeitungshinweise
Querverweise auf Textstellen oder Empfehlungen
Zitat aus der Leistungsbeschreibung des Auftraggebers
Gutachterliche Bewertung
Empfehlung der Gutachter
K…
Kernempfehlungen
A…
Allgemein – PSNV-E und PSNV-B gleichermaßen betreffend
B…
PSNV-B betreffend
E…
PSNV-E betreffend
L…
Landeszentralstelle PSNV betreffend
Hinweise
U…
zur Unterstützung der PSNV
Auszüge aus Gesetzen

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
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Grundlagen
(Abschnitt 1)
Ausgangslage PSNV im Freistaat Sachsen ............................................................... 8
A - Politische Ebene - Sächsischer Landtag ........................................................ 8
B - Ministerielle Ebene des Staatsministeriums des Innern (SMI) ....................... 8
C - Öffentlicher Gesundheitsdienst ...................................................................... 9
D - Aktive und Akteure in der PSNV .................................................................... 9
Hintergründe der gutachterlichen Fragestellung ....................................................... 10
PSNV in Rechtsvorschriften zur nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr im Freistaat
Sachsen................................................................................................. 12
Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)................................................................. 14
Begriffe und Definitionen in der PSNV ...................................................................... 17
Notfall – DIN 13050 ........................................................................................... 17
Großschadensereignis ...................................................................................... 17
Katastrophe ....................................................................................................... 17
Psychische Erste Hilfe ....................................................................................... 17
Psychosoziale Akuthilfe ..................................................................................... 17
Psychosoziale Notfallversorgung....................................................................... 18
Psychosoziale Prävention im Einsatzwesen ...................................................... 18
Einsatznachsorge .............................................................................................. 18
Krisenintervention im Präklinischen Rettungsdienst .......................................... 18
Notfallseelsorge ................................................................................................. 18
PSNV als Präventionsmaßnahme ............................................................................ 20
Wissenschaftliche Veröffentlichungen ...................................................................... 22
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Leitlinien .......................................... 22

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
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Trauma-Awareness und Psychoedukation ............................................................. 23
S2k - Leitlinie „Notfallpsychiatrie“ ........................................................................... 24
S2k - Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von akuten Folgen psychischer
Traumatisierung“ .................................................................................................... 27
Ressourcenförderung nach erlebter Traumatisierung ....................................... 31
TENTS Guidelines ................................................................................................. 39
World Health Organization (WHO) ......................................................................... 41
Datengrundlagen ...................................................................................................... 45
Anwendung der Fragestellungen ....................................................................... 45
Zielgruppen ....................................................................................................... 47
Durchführung der Datenerhebung ..................................................................... 48
Datenerhebung .................................................................................................. 49
Repräsentativität der Ergebnisse aus der Interviewstichprobe .......................... 50
Durchführung der Datenauswertung.................................................................. 51

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Ausgangslage
PSNV im Freistaat Sachsen
Sichtweisen und Standpunkte relevanter Ebenen sowie von
Verantwortlichen und Akteuren auf dem Weg zur gutachterlichen
Fragestellung
A - Politische Ebene - Sächsischer Landtag
Nach Anhörung und Befassung mit dem Thema PSNV erfolgte in 2018 eine
Beauftragung durch den Sächsischen Landtag an die Staatsregierung zur
Einrichtung einer Landeszentralstelle PSNV.
Mit einem am 23. Mai 2019 beschlossenen Entschließungsantrag (DRS. 6 / 17769)
hat der Sächsische Landtag zudem die Staatsregierung ersucht, unverzüglich in
den Erarbeitungsprozess einer umfassenden Weiterentwicklung des SächsBRKG
einzutreten. Unter anderem soll hierbei ein Konzept für die PSNV erarbeitet
werden, wie diese nicht nur in die Katastrophenschutzarbeit im engeren Sinne,
sondern vor allem auch in Einsätzen unterhalb der Katastrophenschwelle
eingebunden und tätig werden kann.
B - Ministerielle Ebene des Staatsministeriums des Innern (SMI)
In Umsetzung der Beauftragung durch den Sächsischen Landtag hat das
Sächsisches Staatsministerium des Innern (SMI) im Oktober 2018 für einen
Übergangszeitraum von maximal zwei Jahren eine Landesbeauftragte für PSNV
benannt. Diese soll in Abstimmung mit den in der PSNV tätigen Behörden,
Verbänden, Kirchen, Vereinen und Hilfsorganisationen die notwendigen
konzeptionellen Grundlagen für die Errichtung und den Betrieb einer
Landeszentralstelle erarbeiten. Zeitgleich ist sie zentrale Ansprechpartnerin und
koordinierend für alle Fragen im Zusammenhang mit PSNV zuständig. Sie hat zu
prüfen, welche gesetzlichen Grundlagen grundsätzlich für eine sachgerechte
Aufgabenerfüllung erforderlich sind.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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C - Öffentlicher Gesundheitsdienst
Die Sicherstellung der Versorgung und Behandlung von Patienten, z.B. nach
deren Akutversorgung durch den Rettungsdienst, liegt nicht in Verantwortung des
SMI, sondern in Verantwortung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales
und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS). Verantwortliche oder Zuständige in
den Schnittstellen zwischen ehrenamtlich geleisteter psychosozialer Akuthilfe für
Betroffene durch PSNV (im Freistaat Sachsen politisch in Verantwortung des SMI
verortet) und die Behandlung traumatisierter Personen als Patienten des
öffentlichen Gesundheitsdienstes (unter der Verantwortung des SMS) sind
punktuell vorhanden.
D - Aktive und Akteure in der PSNV
Ehrenamtlich tätige Akteure der PSNV im Freistaat Sachsen, die psychosoziale
Akuthilfe überwiegend unterhalb der Katastrophenschwelle umsetzen, haben
politische Prozesse in Gang gebracht.
So hat sich eine „Initiativgruppe Landeszentralstelle“ gebildet. Die Akteure haben
im Rahmen einer Anhörung im Sächsischen Landtag ihre Positionen, Vorschläge
und Forderungen öffentlich eingebracht. Sie wünschen sich eine übergeordnete
Führung, auf die im Bedarfsfall zurückgegriffen werden kann. Dies sei erforderlich,
wenn sächsische Bürger von belastenden Ereignissen betroffen würden, sich aber
(z.B. auf einer Busreise) außerhalb des Freistaates befänden, oder wenn
Reisende, die nicht Bürger des Freistaates sind, auf ihrer Durchreise durch
Ereignisse betroffen würden.
Desweitern wurden Unterstützungswünsche zu Koordinierung von Vernetzungen
innerhalb der PSNV Akteure auch hin zu Angeboten der mittel- und langfristigen
Versorgung sowie zur Sicherstellung von PSNV in Großschadenslagen formuliert.
Die Schaffung und Überwachung von Qualitätsstandards in der PSNV Aus- und
Weiterbildung, als auch Harmonisierung der PSNV Führungsstrukturen mit der
DV 100 und der BOS sowie zur Ausbildung von PSNV Führungskräften wird
ebenfalls gefordert.
Zur Erfüllung dieser Wünsche und Umsetzung der Vorschläge sehen die PSNV
Akteure die Notwendigkeit der Schaffung einer Landeszentralstelle PSNV mit
hauptamtlich festgelegten Personalstellen.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
10 von 427
Hintergründe der gutachterlichen
Fragestellung
3. Art und Umfang der Leistung
Die vom Auftragnehmer zu erbringende Leistung ist, auf der Grundlage einer Analyse
der bestehenden PSNV-Strukturen in Sachsen, gutachterlich festzustellen, ob und ggf.
welche Maßnahmen auf welcher Ebene erforderlich sind, um die bedarfsgerechte Hilfe
für
Notfallpatienten,
Angehörige,
Hinterbliebene,
Augenzeugen,
Ersthelfer,
Einsatzkräfte und weitere Betroffene effizient sicherzustellen.
(gem. Leistungsbeschreibung SMI, 2019)
Das Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener durch PSNV in Sachsen
fokussiert im Schwerpunkt den Bereich der psychosozialen Akuthilfe (sekundäre
Prävention) differenziert in die Bereiche PSNV-B und PSNV-E.
Das vorliegende Gutachten nimmt auch Bezug auf die 10/2010 veröffentlichten
Ergebnisse des Konsensus Prozesses PSNV, der sich, moderiert durch das
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), über einen Zeitraum
von mehreren Jahren erstreckte.
Im Rahmen dieses Prozesses beauftragte das BBK u.a. ein Rechtsgutachten
1
zur
Klärung des Heilkundevorbehalts in der PSNV. Im Ergebnis wurde veröffentlicht, dass
nur zur Behandlung von traumatisierten Patienten als Versorgung dieser zur Linderung
und Behandlung ihrer Leiden Heilkundevorbehalt besteht (tertiäre Prävention).
Grundsätzlich ist demnach eine Unterstützung von Betroffenen vor Feststellung einer
(psychischen) Erkrankung keine vergütete heilkundliche Leistung durch ebenso tätige
Ärzte und Psychotherapeuten.
Diese Unterstützung wird vielmehr als Daseinsvorsorge beschrieben und definiert. Sie
liegt in kommunaler Verantwortung und kann optional zur Verfügung gestellt werden.
1
vgl. Blank-Gorki, V., & Helmerichs, J. (2012) Psychosoziale Notfallversorgung: Qualitätsstandards und Leitlinien
Teil I und II

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
11 von 427
„Damit könnte die psychosoziale Akuthilfe eine Einrichtung der Daseinsvorsorge (im
Sinne z.B. des § 8 Abs. 1 GO NRW) sein, die dem sozialen Wohl der
Gemeindeeinwohner dient“
1
Die Sachverständigen im vorliegenden Gutachten gehen grundsätzlich davon aus,
dass Angebote und Umsetzung von PSNV-B, als sekundäre Prävention für Betroffene,
nach Möglichkeit der Ressourcen einer Kommune angeboten werden. Ein gesetzlich
begründbarer Anspruch Betroffener auf Leistungen der PSNV-B durch Teams der
Krisenintervention und / oder der Notfallseelsorge existiert nicht.
Die Umsetzung von PSNV-E hingegen obliegt der Verantwortung der jeweiligen
Arbeitgeber von ehrenamtlich oder hauptamtlich eingesetzten Einsatzkräften im
Rahmen des Arbeitsschutzes. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, die Gesundheit ihrer
eingesetzten Kräfte durch primäre und sekundäre Präventionsmaßnahmen zu
erhalten.
Auch
die
Sicherstellung
der
Einleitung
tertiär
präventiver
Präventionsmaßnahmen im Bedarfsfall obliegt ihnen.
Auf Verantwortungsebene des Freistaats Sachsen bestehen darüber hinaus
Rechtsvorschriften zur nicht polizeilichen Gefahrenabwehr, die im Katastrophenfall
PSNV Angebote vorsieht.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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PSNV in Rechtsvorschriften zur
nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr im
Freistaat Sachsen
2
SächsBRKG
§ 39 Abs. 4:
Den Kirchen und Religionsgemeinschaften soll die seelsorgerische Betreuung der
Opfer und der Einsatzkräfte ermöglicht werden.
§ 39 Abs. 5 (neu, 2019):
Den Kirchen und Religionsgemeinschaften … Das Gleiche gilt für andere Helfer der
psychosozialen Notfallversorgung. Deren Tätigkeit wird durch eine durch die oberste
Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzbehörde bestimmte zentrale
Stelle unterstützt.
§ 63 Abs. 4: Ehrenamtlich tätigen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren und
Helfern im Katastrophenschutz, die während eines Einsatzes einer besonderen
psychischen Belastung ausgesetzt waren, soll eine psychologische Nachbetreuung
angeboten werden.
SächsBRKG i. V. m. SächsKatSVO und VwV KatS-Einheiten
§ 38 Abs. 1: Einheiten und Einrichtungen des Katastrophenschutzes sind gegliederte
Zusammenfassungen von Kräften und Mitteln, die unter einheitlicher Führung stehen
und zu deren Aufgaben die Hilfeleistung im Katastrophenschutz gehört, insbesondere
in den Bereichen …4. Betreuung …
§ 1 Abs. 1 Nr. 3 SächsKatSVO:
In
den
Landkreisen
und
Kreisfreien
Städten
werden
folgende
Katastrophenschutzeinheiten aufgestellt:
…3. Katastrophenschutzeinheiten Sanitätswesen und Betreuung…
Ziffer II, Nr. 3, Buchst. a VwV KatS-Einheiten:
Der Einsatzzug betreut und versorgt Verletzte, Erkrankte, Betroffene sowie
2
Quelle: Leistungsbeschreibung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern

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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
13 von 427
Einsatzkräfte und wirkt bei Evakuierungen mit. Er hat insbesondere folgende Aufgaben
… - Mitwirkung bei der psychischen ersten Hilfe ….
Ziffer III, Nr. 2 Buchst. a i. V. m. Anlage 1 VwV KatS-Einheiten:
Zur Grundausbildung der Helfer der Einsatzzüge gehört u. a. das Thema „PSNV-
Prävention im Einsatzwesen“, in der Fachausbildung Betreuung werden Kenntnisse
der psychischen ersten Hilfe vermittelt.

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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)
Wenn man heute von PSNV spricht, geht diesem Begriff eine jahrzehntelange
Entwicklung in Deutschland voran.
Begonnen hat alles mit der Notfallseelsorge. Ein eindeutiges Datum lässt sich nicht
benennen. In vielen Pfarreien und Gemeinden waren Seelsorger und Seelsorgerinnen,
in Feuerwehr oder Rettungsdienst unterstützend tätig und legten so die Grundsteine.
Erste konkrete Schritte leitete man 1962 nach der Flutkatastrophe in Hamburg ein. Die
beiden Volkskirchen veröffentlichten eine Broschüre mit dem Titel „Kirchliches
Handeln bei Unglücksfällen und Katastrophen“
3
. Die Zeit für diesen Dienst war damals
scheinbar noch nicht reif. Denn eine aktive Entwicklung fand im Anschluss nicht statt.
In den konkreten Anfängen, die Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre liegen, gab
es in Deutschland keine verfügbare Literatur zu diesem jungen Feld der Begleitung
von belasteten Personen. Vielmehr entstanden unabhängig voneinander kirchliche
Initiativen auf evangelischer und katholischer Seite, die zur Gründung von
Notfallseelsorgesystemen führten. Auch seitens der Hilfsorganisationen gab es erste
Überlegungen und auch Initiativen in diesem Bereich tätig zu werden. So entwickelte
der Malteser Hilfsdienst (MHD) mit dem Projekt „Mensch im Mittelpunkt“ Mitte der 80er
Jahre den Bereich der Einsatzkräftebegleitung mit dem Methodentool Critical Incident
Stressmanagement (CISM) nach Mitchel und Everly. Für betroffene Angehörige wurde
der „Unfallfolgedienst“ an einigen Orten ins Leben gerufen, um die Polizei bei der
Überbringung von Todesnachrichten zu unterstützen. Die Resonanz war jedoch so
gering, dass dieser Dienst eingestellt wurde. 1994 wurde in München durch den
Arbeiter Samariterbund (ASB) gemeinsam mit einem katholischen Diakon das erste
Kriseninterventionsteam gegründet. Dieses besteht bis heute.
In den 90er Jahren begannen bundesweit die evangelisch-lutherische Kirche und die
römisch-katholische Kirche den Bereich der Notfallseelsorge mit eigenen Systemen
auszubauen, die viele Jahre den kirchlichen Ortsstrukturen angepasst waren. Ein
wichtiger Schritt seitens der kirchlichen Notfallseelsorge stellte die Veröffentlichung der
Kasseler Thesen 1997 sowie deren Fortschreibung durch die Hamburger Thesen im
Jahre 2007 dar.
3
Kirchliches Handeln bei Unglücksfällen und Katastrophen: eine Handreichung für kirchliche Mitarbeiter,
Kirchenkanzlei d. EKD, 1978

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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Auch die großen Hilfsorganisationen Arbeiter Samariter Bund (ASB), Deutsches Rotes
Kreuz (DRK), Johanniter Unfallhilfe (JUH) und Malteser Hilfsdienst (MHD) begannen
in dieser Zeit, neben der Einsatzkräftebegleitung den Bereich der Betroffenen -
Betreuung vermehrt in den Blick zu nehmen und Kriseninterventionsteams zu
schaffen.
Zunächst
wurden
Helfende
bewusst
aus
den
Reihen
der
Rettungsdienstmitarbeitenden beworben. Danach wurde der Dienst bald allen
Interessierten geöffnet, die bereit waren, sich entsprechend fachlich qualifizieren zu
lassen.
Deutlichen Einfluss auf die Weiterentwicklung von „PSNV“ hatten große
Unglücksereignisse wie die Flugschaukatastrophe in Ramstein 1988, das ICE-Unglück
in Eschede 1998 sowie der Amoklauf in Erfurt 2002, der Eishalleneinsturz in Bad
Reichenhall 2006, der Amoklauf in Winnenden 2009, die Love Parade in Duisburg
2010 sowie die aktuellsten Ereignisse 2015 mit dem Absturz des German-Wings
Flugzeugs und dem Terroranschlag am Breitscheidplatz in Berlin 2018.
Als großen Zusammenschluss der Kirchen und Hilfsorganisationen bildete sich in
Bayern in den 90er Jahren ein Landesarbeitskreis, um erste Mindeststandards für die
PSNV Ausbildung zu schaffen. Auch in anderen Bundesländern wurden runde Tische
zu dieser Thematik geschaffen und somit erste Grundlagen gelegt.
Aus vielen unterschiedlichen Ansätzen entwickelte sich der Gedanke nach einer
Vereinheitlichung von Mindeststandards und Begrifflichkeiten. So fand von 2007 bis
2010 auf Initiative des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
(BBK) der sogenannte Konsensus Prozess statt, an dem 120 Delegierte aus 45
Organisationen in 10 Arbeitstreffen und 3 Konferenzen 25 Leitlinien zu
6 Themenfeldern erarbeiteten. Die Ergebnisse dieses Prozesses wurden durch das
BBK am 10.10.2010 veröffentlicht.
1
Ein Ergebnis des Prozesses war die Einigung aller Beteiligten auf den mittlerweile
etablierten Begriff
PSNV
Psychosoziale Notfallversorgung
. Diese geht über die
Psychische Erste Hilfe, welche von Einsatzkräften betroffenen Verletzten gegenüber
gewährt wird, hinaus.
Unter
PSNV-B
wurde die Unterstützung für Überlebende, Angehörige, Vermissende
und Hinterbliebene subsumiert. Der
PSNV-E
wurde die Unterstützung von
Einsatzkräften und ihr soziales Umfeld zugeordnet. Des Weiteren wird im Ergebnis des
Konsensus Prozesses PSNV empfohlen, auf Ebene der Bundesländer für komplexe

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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Gefahren- oder (Groß-) Schadenslagen
PSNV - Führungskräfte
auf ihre Aufgabe
vorzubereiten, sie bereit zu halten und einzusetzen.
Juen und Siller beschreiben 2019 die PSNV als psychologische und soziale
Unterstützung von Angehörigen oder anderweitig involvierten bei plötzlicher
Verletzung, Erkrankung oder dem Tod von Personen
4
. PSNV erfolge nach Eintreten
eines Notfalls. PSNV Maßnahmen seien definitionsgemäß zeitlich begrenzt und im
Umfang beschränkt. Notfälle erforderten deshalb spezifische, schnelle und kurzzeitige
Interventionsformen. Hiermit wird PSNV nach Juen und Siller deutlich vom Begriff der
allgemeinen psychosozialen Unterstützung, die alltäglich erfolgen kann, abgegrenzt.
Im Rettungswesen wurden Begriffe durch eine 2015 veröffentlichte DIN-Norm definiert,
der DIN 13050
5
.
Hier finden sich neben einer Definition zu PSNV auch Definitionen zu Begriffen, die
PSNV voran gehen bzw. ihr nachfolgen, zu verschiedenen Unterstützungsformen
sowie zur Differenzierung von Schadensfällen, die im Zusammenhang mit der
Umsetzung von PSNV relevant erscheinen:
Notfall
Großschadensereignis
Katastrophe
Psychische Erste Hilfe
Psychosoziale Akuthilfe
PSNV
Psychosoziale Prävention
Einsatznachsorge
Krisenintervention
4
Dietsche, S., Metz, M., & Niedermayr, M. (2019) Implementierung und Weiterentwicklung der Psychosozialen
Notfallversorgung
5
DIN 13050 - DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
Beuth-Verlag

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Begriffe und Definitionen in der PSNV
Notfall – DIN 13050
5
Nach DIN 13050 wird
Notfall
beschrieben als „plötzlich eingetretenes Ereignis, das
eine unmittelbare Gefahr für Leben und / oder Gesundheit des Patienten bedeutet,
wobei die vitalen Funktionen durch Verletzung oder akute Erkrankung bedroht, gestört
oder ausgefallen sind.“ In Abgrenzung zu einem Notfall werden laut DIN 13050 die
Begriffe
Großschadensereignis
und
Katastrophe
definiert.
Großschadensereignis
wird definiert als „Ereignis mit einer großen Anzahl von Verletzten oder Erkrankten
sowie anderen Geschädigten oder Betroffenen und / oder erheblichen Sachschäden.“
(DIN 13050; Pkt. 3.13)
Katastrophe
wird definiert als: „über das Großschadensereignis hinausgehendes Ereignis, mit
einer wesentlichen Zerstörung oder Schädigung der örtlichen Infrastruktur, das im
Rahmen der medizinischen Versorgung mit eigenen Mitteln und Einsatzstrukturen des
Rettungsdienstes allein nicht bewältigt werden kann.“ (DIN 13050, Pkt. 3.21)
Psychische Erste Hilfe
wird definiert als „psychosoziale Basiskompetenz der Kräfte des Rettungsdienstes,
der Feuerwehren, der Polizei, des Katastrophenschutzes, des Technischen
Hilfswerkes und der Bundeswehr sowie der PSNV Kräfte in der Kommunikation mit
von Notfällen Betroffenen“. (DIN 13050; Pkt. 3.49)
Psychosoziale Akuthilfe
… (PSAH) wird definiert als „kurzfristig und ereignisnah angebotene methodisch-
strukturierte, nicht therapeutische psychosoziale Beratung und Unterstützung für
Überlebende, Angehörige, Hinterbliebene und Zeugen und / oder Vermissende von
Notfällen durch hierfür speziell qualifiziertes Personal wie Notfallseelsorger, Mitarbeiter

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aus Kriseninterventionsteams der Hilfsorganisationen oder anderer Anbieter,
Notfallpsychologen, usw.“ (DIN 13050; Pkt. 3.50)
Psychosoziale Notfallversorgung
… (PSNV)
wird definiert als „Gesamtstruktur und Maßnahmen der Prävention sowie
der kurz-, mittel- und langfristigen Versorgung im Kontext von belastenden Notfällen
beziehungsweise Einsatzsituationen.“ (DIN 13050; Pkt. 3.51)
Psychosoziale Prävention im Einsatzwesen
wird definiert als „kurz-, mittel- und langfristige methodisch strukturierte
psychosoziale Maßnahmen der Psychosozialen Notfallversorgung, die sich auf die
Zielgruppe
der
Einsatzkräfte
beziehen
und
sich
in
einsatzvorbereitende,
einsatzbegleitende und einsatznachsorgende Maßnahmen gliedern.“
Einsatznachsorge
wird definiert als „Kurz-, mittel- und langfristige Beratung und Unterstützung für
Einsatzkräfte durch jeweils speziell qualifizierte Einsatzkräfte (Peers), Ärzte,
Psychotherapeuten
und
Angehörige
psychosozialer
Berufsgruppen.“
(DIN 13050; Pkt. 3.6)
Krisenintervention im Präklinischen Rettungsdienst
wird definiert als „kurzfristige, methodisch strukturierte, nicht therapeutische
psychosoziale
Beratung
und
Unterstützung
für
Überlebende,
Angehörige,
Hinterbliebene und Zeugen von Notfällen durch hierfür speziell qualifiziertes und
rettungsdienstlich ausgebildetes Personal.“ (DIN 13050)
Notfallseelsorge
wird definiert als „kurz- und mittelfristige seelsorgliche Betreuung von
Überlebenden, Angehörigen, Hinterbliebenen und Zeugen von Notfällen durch hierfür
speziell qualifizierte Seelsorge.“ (DIN 13050; Pkt. 3.39)
Mit Kenntnisnahme der oben zitierten Definitionen wird deutlich, dass der Bedarf an
PSNV sowohl für vom Notfall betroffene Personen (PSNV-B) vorliegen kann, als auch

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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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für in einen Notfall involvierte Einsatzkräfte (PSNV-E). Beide Zielgruppen benötigen
für ihre Unterstützung adäquate, unterschiedliche Betreuung bzw. Unterstützung.
PSNV
kann
sowohl
nach
einem
Einzelnotfall
als
auch
nach
einem
Großschadensereignis oder nach einer Katastrophe erfolgen. Die unterschiedlichen
Ausgangssituationen erfordern jeweils spezifische Konzepte und Methoden der
Unterstützung sowie eine entsprechende Qualifizierung der Helfenden und müssen
spezifisch auf die entsprechenden Bedarfe der verschiedenen Zielgruppen Betroffener
ausgerichtet sein.
Damit dies erfolgreich und angemessen erfolgen kann und weil im Rahmen des
Konsensus Prozesses PSNV dazu keine Empfehlungen veröffentlicht wurden,
entwickelten die in der PSNV-B Aktiven auf Bundesebene (Hilfsorganisationen und
Kirchen) 2013 gemeinsam und konsensierten Mindeststandards
6
für die Ausbildung in
Psychosozialer Akuthilfe für Kriseninterventionshelfende der PSNV. Aktuell werden
diese Mindeststandards durch die Hilfsorganisationen und Kirchen erneut aktualisiert
und überarbeitet.
6
Gemeinsame Qualitätsstandards und Leitlinien zu Maßnahmen der Psychosozialen Notfallversorgung für
Überlebende, Angehörige, Hinterbliebene, Zeugen und / oder Vermissende im Bereich der Psychosozialen
Akuthilfe - Autoren: ASB, DRK, JUH, MHD, Konferenz ev. NFS in der EKD, Konferenz der Diözesanbeauftragten
für die katholische Notfallseelsorge (2013):

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PSNV als Präventionsmaßnahme
Als Ergebnis des Konsensus Prozesses PSNV sowie laut Definition der o.g. DIN 13050
umfasst die PSNV sowohl die kurzfristige Akuthilfe als auch die mittelfristige
Unterstützung sowie die langfristige Versorgung Betroffener.
PSNV wird multiprofessionell vernetzt in einer Kombination von ehrenamtlichem /
hauptamtlichem Engagement sowie vergüteten Behandlungsleistungen umgesetzt. Es
erstreckt sich von der primären über die sekundäre bis hin zur tertiären Prävention.
Primäre Prävention
- Vorbereitung auf besondere Belastungen im Arbeitskontext von
Einsatzkräften. Sie findet nur im Rahmen von PSNV-E statt und hat gesetzliche
Grundlagen im Arbeitsschutz.
Daran anschließend erfolgt
sekundäre Prävention
- nach Eintritt eines besonders
belastenden Ereignisses als PSNV-E für Einsatzkräfte im Rahmen von
Einsatznachsorgeangeboten. Sekundäre Prävention kann zudem als PSNV-B für
Betroffene angeboten werden, die
nicht
als Einsatzkräfte tätig waren, sondern belastet
wurden durch ein Ereignis, das sie unvermittelt ereilt und psychosozial sehr betroffen
hat. Sekundäre Prävention wird in der PSNV vielfach durch hierfür ausgebildete
ehrenamtlich Tätige geleistet. Diese haben größtenteils weder einen psychologischen,
sozialpädagogischen oder theologischen Grundberuf, den sie in die ehrenamtliche
Arbeit mitbringen, noch sind sie Ärzte oder Psychotherapeuten.
Im Rahmen
tertiärer Prävention
werden Patienten der Unterstützungs-Zielgruppe
PSNV-B
oder
PSNV-E
behandelt,
die
auf
Grund
des
Erlebten
eine
Traumafolgestörung
entwickelt
haben.
Diese
Behandlung
unterliegt
dem
Heilkundevorbehalt. Die erforderlichen Leistungen werden entsprechend vergütet. Die
Leistungen werden durch psychologische oder ärztliche Psychotherapeuten bzw.
durch Fachärzte der Psychiatrie oder Psychosomatik umgesetzt. Tertiäre
Präventionsmaßnahmen sind Teil der Regelversorgung und werden nicht
ehrenamtlich geleistet. Sie dienen der Rehabilitation erkrankter Patienten.
Im Rahmen primärer und sekundärer Prävention können sich auch psychosoziale
Fachkräfte ehrenamtlich oder beauftragt einbringen. Bei diesen liegt in der Regel
Wissen bezüglich PSNV-E für die Zielgruppe Einsatzkräfte und Feldkompetenz
bezüglich PSNV-B vor. Meist verfügen sie über eine wissenschaftliche Ausbildung im

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Bereich Pädagogik, Sozialwissenschaften, Medizin, Psychologie oder Theologie mit
vertiefender PSNV Fort- und Weiterbildung.
1
Die meisten psychosozialen Fachkräfte sind entweder ehrenamtlich oder im Rahmen
dienstlich geregelter Aufgaben tätig. Sie können zu jedem Zeitpunkt, also vor, während
und nach einem Ereignis oder Einsatzereignis tätig werden. Zu ihren Aufgaben
gehören im Bereich PSNV-E u.a. primärpräventive Maßnahmen im Einsatzwesen,
Beratung des Führungspersonals, Bedürfnis- und Bedarfserhebung der Einsatzkräfte
sowie die Durchführung oder Koordination von Einsatzbegleitung bzw. Nachsorge.
1

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Wissenschaftliche Veröffentlichungen
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Leitlinien
Leitlinien und Empfehlungen, die in der jüngeren Vergangenheit zum Umgang mit akut
Betroffenen oder traumatisierten Menschen in Deutschland aus wissenschaftlicher
Sicht veröffentlicht wurden, sowie solche, die auf europäischer und internationaler
Ebene im Zusammenhang mit der Betreuung von Menschen nach Katastrophen und
Großschadenslagen veröffentlicht wurden, werden nachfolgend zusammengefasst
dargestellt. Die Veröffentlichungen wurden insbesondere daraufhin betrachtet, welche
Hinweise für eine sinnvolle und erforderliche Realisierung von PSNV im Sinne der
psychosozialen Akuthilfe gegeben werden.
Bereits an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es in diesen Veröffentlichungen
Hinweise gibt, die allen Dokumenten gemeinsam zu entnehmen sind. So z.B. die
Empfehlung zum Vernetzungserfordernis der klassischen PSNV (psychosoziale
Akutversorgung) mit der Regelversorgung im öffentlichen Gesundheitsdienst.
Auch die wiederholte Feststellung, dass erst vorbereitende Vernetzung unterhalb von
großen Schadenslagen und Katastrophen sowie die gemeinsame Vorbereitung aller
beteiligten Akteure auf große Schadenslagen eine nachhaltige Versorgung Betroffener
über die Akutphase von Ereignissen hinaus sicherstellen kann, gibt aus gutachterlicher
Sicht einen wichtigen Hinweis zur Verbesserung und Sicherstellung von PSNV im
Freistaat Sachsen. Auch zur Ausbildung von Helfenden, die nicht als psychosoziale
Fachkräfte in der Akutphase zum Einsatz kommen, finden sich wertvolle Hinweise, so
auch zu Erfordernissen deren Ausbildung betreffend.
Im Verlauf des Gutachtens wird zur Nachvollziehbarkeit der geforderten Empfehlungen
laut Auftrag auf folgende aktuelle Veröffentlichungen Bezug genommen:
DAAD: Trauma-Awareness und Psychoedukation (2016)
AWMF S2k - Leitlinie „Notfallpsychiatrie“ (2019)

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S2k - Leitlinie Diagnostik und Behandlung von akuten Folgen psychischer
Traumatisierung und darin: Prinzipien der psychosozialen Notfallversorgung
(2019)
Vernetzungserfordernisse der PSNV mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst
(2019)
Koordination der Aktivitäten der DGUV bei Großschadensereignissen (2019)
Psychosoziale Hilfe bei Katastrophen und großen Schadenslagen (2006)
Defizite in der Katastrophenvorsorge (2010)
Qualitätssicherung in der Psychosozialen Notfallversorgung (2009)
TENTS Guidelines (2008)
Empfehlungen der World Health Organization (WHO): Mental Health in
Emergencies (2003)
Trauma-Awareness und Psychoedukation
Im Mai 2016 veröffentlichte die internationale Akademie des Deutschen Akademischen
Austauschdienstes durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im
Zusammenhang mit hilfreicher Unterstützung und zum Umgang mit geflüchteten
Studierenden, eine Handreichung für Betreuende und Lehrende, die mit diesen
Studierenden im Kontakt sind: „Trauma-Awareness und Psychoedukation“
7
M. Koll-
Krüsmann, Autorin der Handreichung, beschreibt, dass das Wissen um hilfreichen
Umgang mit Traumatisierten nicht nur die Betroffenen selbst unterstütze, sondern
auch der Psychohygiene und dem Selbstschutz der Begleiter und Helfer dient.
Konkret werden in der Veröffentlichung im Umgang mit Traumatisierten sogenannte
„No Go’s“ beschrieben, die nicht hilfreich sind und nicht angewendet werden sollten.
Diese sind auch für den Umgang mit Betroffenen im Rahmen einer Akuthilfe der PSNV
übertragbar:
Keine Fragen stellen, die konkret Erlebtes betreffen.
Man solle Menschen, die traumatisiert sind, niemals Entspannungsübungen
oder Phantasiereisen zur Entspannung anbieten.
7
Trauma-Awareness und Psychoedukation, DAAD-Akademie, Auflage Mai 2016

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Kognitiv orientierte Betroffene, die „zielgerichtet funktionierten“ sollten nicht
auf ihre Gefühlsebene „ins Fühlen“ gebracht werden.
Es solle alles vermieden werden, was Schuldgefühle verstärken oder
auslösen könne.
Es sollten keine Versprechungen gemacht werden, die nicht eingehalten
werden können.
Hektik ist zu vermeiden.
K 1
Empfehlung der Beachtung von Grundlagen zur Betreuung potenziell
Traumatisierter
Zum Schutz der Betroffenen und zum Selbstschutz der PSNV-Helfenden sind in der
Anwendung und Umsetzung der PSNV-B und PSNV-E die Empfehlungen zur Trauma
Awareness und Psychoedukation zwingend zu beachten:
- Keine Fragen stellen, die konkret Erlebtes betreffen.
- Man sollte Menschen, die traumatisiert sind, niemals Entspannungsübungen oder
Phantasiereisen zur Entspannung anbieten.
- Kognitiv orientierte Betroffene, die „zielgerichtet funktionierten“ sollten nicht auf ihre
Gefühlsebene „ins Fühlen“ gebracht werden.
- Es sollte alles vermieden werden, was Schuldgefühle verstärken oder auslösen
könnte.
A 1
Empfehlung zur Umsetzung des Wissens zu Trauma-Awareness
Die Beachtung der „Trauma-Awareness“ Hinweise zur Umsetzung psychosozialer
Akuthilfe in der PSNV wird empfohlen. Zudem wird empfohlen, diese in PSNV Aus-
und Weiterbildungen zu thematisieren und zu lehren.
S2k - Leitlinie „Notfallpsychiatrie“
Im April 2019 wurde die S2k - Leitlinie „Notfallpsychiatrie
8
veröffentlicht. Hier wird im
Kapitel 8.12. das Auftreten von Psychischen Störungen als Folge von Katastrophen
8
Quelle: AWMF-Registernummer 038-023

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und Großschadensereignissen, sowie im Kapitel 10.04. die Zusammenarbeit /
Vernetzung
mit
den
Kriseninterventionsdiensten
und
der
Notfallseelsorge
beschrieben.
Für die PSNV wird in der Leitlinie festgehalten, dass diese als „Erstmaßnahme“ für
Betroffene mittels psychosozialer Betreuung stattfindet. Es wird in diesem
Zusammenhang auf den Konsensus Prozess PSNV verwiesen.
Als wichtigste Akutmaßnahmen werden in der AWMF-Leitlinie aufgezählt:
Reizabschirmung und Verbringung in eine ruhige Umgebung
Vermittlung von Sicherheit und Wiedergewinn der Selbstachtung
Verringerung von Unsicherheit und Hilflosigkeit durch Ermutigung
Eingehen auf Ängste und irrationale Befürchtungen
Schutz vor Öffentlichkeit (Zuschauer, Presse)
Prüfung, ob der Kontakt zu Angehörigen förderlich ist
Prüfung der Indikation für eine symptomorientierte Therapie mit
Psychopharmaka (z.B. bei schweren Verhaltensstörungen, die mit Eigen-
oder Fremdgefährdung einher gehen, die ein psychiatrisches Konsil obligat
machen)
Die Leitlinie beschreibt ausdrücklich, dass die Gewähr von äußerer Sicherheit
elementar wichtig für traumatisierte Betroffene ist und dass dazu eine Kooperation mit
Hilfskräften vor Ort stattfinden müsse.
Ferner solle der zu erwartende „Selbstheilungsprozess“ Betroffener nicht durch zu
frühe therapeutische Interventionen gestört werden, sondern, es sollten besser
Ressourcen fokussierende Gespräche zur Stabilisierung mit Betroffenen stattfinden
sowie eine eher abwartende Haltung eingenommen werden „watchfull waiting“.
Voraussetzung hierfür ist das Bestehen eines Netzwerks aus ambulanter und
psychosozialer Versorgung.

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Es wird deutlich, wie sinnvoll und zwingend eine Vernetzung der PSNV Akuthilfe mit
den
vorhandenen
Ressourcen
der
Regelversorgung
im
öffentlichen
Gesundheitsdienst ist.
Im
Zusammenhang
erfahrener
Traumatisierung
in
Katastrophen
und
Großschadenslagen wird in der Leitlinie empfohlen, Kriseninterventionsteams und
Notfallseelsorger für die Betreuung Betroffener einzuschalten, da diese sich
Zitat: „…
professionell mit der Nachsorge von Patienten und Angehörigen während
und nach belastenden oder traumatisierenden Ereignissen beschäftigen
.“
Kriseninterventionsteams betreuten laut Leitlinie Traumatisierte und Trauernde wenige
Stunden nach dem Ereignis in der Peri traumatischen Situation (zeitlich direkt nach
potenziell traumatisierendem Ereignis).
Laut Leitlinie sind im KIT Mitarbeitende des Rettungsdienstes ehrenamtlich tätig. Sie
würden auch Einsatzkräfte nach belastenden Einsatzereignissen betreuen. In der
Einsatznachsorge sei es im Gegensatz zu KIT üblich, Wiederholungsbesuche bei
Betroffenen durchzuführen.
Wiederholungsbesuche bei KIT seien nicht üblich, da Zitat: „…
aufgrund der
veränderten Beziehungsstruktur nach der Akutsituation eine Anwendung der
Methoden der Krisenintervention nicht mehr anwendbar sind.“
9
Notfallseelsorge werde von Seelsorgern der beiden christlichen Kirchen in
Deutschland ökumenisch geleistet und ergänze die Kriseninterventionsteams und
habe im Schwerpunkt Zitat: „…
Ansprache und Beistand für die Angehörigen der
betroffenen Personen, aber auch für die Einsatzkräfte, sowie die Aktivierung des
sozialen Netzes und das Angebot religiöser Betreuung.“
10
Damit weist die Leitlinie Notfallpsychiatrie der PSNV zeitlich direkt nach einem
(Einsatz-) Ereignis einen Platz im Sinne einer einmaligen psychosozialen Akuthilfe für
Betroffene zu.
9
Krüsmann & Müller-Cyran 2005, Trauma und frühe Intervention, Stuttgart: Pfeiffer bei Klett-Cotta
10
S2k - Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von akuten Folgen psychischer Traumatisierung“ 2019

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B 1
Empfehlung Einmaligkeit von Einzelbetreuung PSNV-B
Angelehnt an die AMWF-Leitlinie Notfallpsychiatrie, wird die Umsetzung von PSNV-B
als einmalige, kurzfristige Psychosoziale Akuthilfe für Betroffene empfohlen. Es wird
nicht
empfohlen,
Betroffene
mehrfach
in
Folge
nach
einem
ersten
Unterstützungskontakt aufzusuchen, um damit dem Aufbau eines Parallelsystems zur
Regelversorgung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) vorzubeugen.
S2k - Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von akuten Folgen
psychischer Traumatisierung“
Im Juli 2019 veröffentlichte die
A
rbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AMWF) die S2k - Leitlinie „
Diagnostik und
Behandlung von akuten Folgen psychischer Traumatisierung“
und beschreibt die
Erfordernisse einer psychologischen, psychosozialen, psychotherapeutischen und
pharmakologischen Versorgung nach einem kritischen oder traumatischen Ereignis.
Die Empfehlungen richten sich primär an Ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychologische Psychotherapeuten
sowie Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten.
Es wird jedoch auch explizit empfohlen, dass alle in der Versorgung von akut
traumatisierten Menschen, tätige Berufsgruppen und Helfende entsprechend dieser
Leitlinie verfahren, so auch Kriseninterventionsdienste, Notfall Seelsorgende der
Kirchen und Laienhelfer, obwohl diese im Umgang mit Betroffenen sehr heterogen
aus- und fortgebildet seien.
Die AMWF- Leitlinie definiert handlungsleitende Empfehlungen, die PSNV als
psychosoziale Akuthilfe miteinschließt. Daraus lässt sich ableiten, dass diese
Empfehlungen in der Praxis der PSNV beachtet und umgesetzt werden sollten.
Im Folgenden wird wörtlich aus der Leitlinie
10
zitiert:
Nach traumatischen Ereignissen sollen in den ersten Stunden bis Tagen
psychologische, psychosoziale und psychotherapeutische Maßnahmen

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angeboten werden. Dies gilt insbesondere für ein Erleben eines schweren
Unfalls, einer akut lebensbedrohenden Erkrankung, körperlicher und / oder
sexueller Gewalt, einer Entführung oder Geiselnahme, eines Terroranschlags,
eines Kriegsereignisses, von Folter oder einer Naturkatastrophe.
Bei der psychosozialen Ersteinschätzung sollen der psychische Befund, die
äußere Sicherheit, die Risikofaktoren und die verfügbaren Ressourcen erhoben
werden. Körperliche Verletzungen und Zustände (z.B. Intoxikation) sind zu
berücksichtigen. Diese setzt eine angemessene Schulung voraus und wird u.a.
insbesondere für Mitglieder von Kriseninterventionsteams, Notfallpsychologen
und weitere Teams für Frühinterventionen empfohlen.
In einem ersten Schritt sollen Sicherheit und Schutz der Betroffenen
sichergestellt werden, dies gilt insbesondere bei körperlicher oder sexueller
Gewalt mit anhaltender Bedrohung durch den oder die Täter.
Eine spezielle Psycho - traumatologische Diagnostik sollte nach Abschluss der
frühen Versorgung angeboten werden.
Die Grundhaltungen professioneller Helfer und qualifizierter Fachkräfte für die
Frühinterventionen
sollen
Akzeptanz,
Wertschätzung
und
emotionale
Einfühlung sein.
Betroffene sollten leicht verständliche Informationen über übliche Reaktionen
auf traumatische Erlebnisse erhalten. Diese sollten typische posttraumatische
Reaktionen sowie Verlauf und Behandlung bzw. Versorgung beinhalten. Dabei
sollte darauf geachtet werden, dass die Symptomatik als eine häufig
auftretende Reaktion auf ein ungewöhnliches Ereignis dargestellt wird, so dass
der angenommene entpathologisierende Effekt auch eintreten kann. Betroffene
sollen auch darüber informiert werden, dass Symptome zeitverzögert auftreten
können.
Betroffene sollten über Wege und Möglichkeiten der Frühinterventionen
inklusive ihrer Rechte z.B. nach dem Opferentschädigungsgesetz informiert
werden. Die Interventionen sollen den Betroffenen nicht aufgedrängt werden,
sie basieren auf Freiwilligkeit und werden als Angebot formuliert.
Die ersten Interventionen sollen den Prinzipien „Beruhigen“ und „Entlasten“,
„Steigern von Kontrolle und Selbstwirksamkeit“, „Fördern von Kontakt“ und

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
29 von 427
„sozialer Anbindung“ sowie „Stärkung von Hoffnung und Zukunftsorientierung“
folgen.
Debriefing als einmalige Intervention mit einem Durcharbeiten der
traumatischen Erfahrung soll nicht als Frühintervention für Betroffene
angeboten werden.
Frühinterventionen für Kinder und Jugendliche mit einem erhöhten Risiko sollen
dem Alter und dem Entwicklungsstatus angepasst sein und die Eltern bzw. die
Bezugspersonen einbeziehen.
Für die PSNV ist die Beachtung folgender Grundsätze aus der Leitlinie hilfreich.
Prinzipien
11
der psychosozialen Notfallversorgung:
1. Sicherheit
, soweit es real möglich ist, fördern: Betroffenen an einen sicheren Ort
bringen, den Fokus der Wahrnehmung auf Sicherheit und Bewältigung lenken,
Ereignisbezogenen Medienkonsum und das Gespräch über traumaassoziierte Inhalte
begrenzen, angemessene Berichterstattung initiieren.
2. Beruhigen und entlasten:
Aktiv Probleme am Einsatzort angehen, Information
über Angehörige und Freunde direkt geben, Medien zur Informationsvermittlung über
mögliche altersangemessene Reaktionen und Bewältigungsschritte nutzen.
3. Selbstwirksamkeit und Kontrolle
der Einzelpersonen bzw. in der Gruppe
fördern,
in Entscheidungen einbinden, nichtbetroffene Personen und deren psychosoziale und
materielle Unterstützung nutzen, gemeinsame Aktivitäten in der Gemeinde initiieren
und fördern, altersangemessene Aufgaben Kindern und Jugendlichen geben.
4. Kontakt und Anbindung fördern:
Kontakt zu nahestehenden Personen
wiederherstellen, Kinder ihren Eltern bzw. anderen nahestehenden Personen
zuführen, Gruppen von Betroffenen bilden lassen.
5. Hoffnung und Zukunftsorientierung stärken:
Unterstützung bei der Organisation
des Alltags, Psychosoziale Beratungsstellen kontaktieren, rechtliche Vertretungen
organisieren, Politiker, Leitende und gesellschaftlich anerkannte Personen einbinden.
11
S2k - Leitlinie Diagnostik und Behandlung von akuten Folgen psychischer Traumatisierung 2019, Tabelle 1
Seiten 22-23

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Die Befassung aktiver PSNV Akteure mit den Inhalten der veröffentlichten Leitlinie
ermöglicht aus gutachterlicher Sicht wertvolle Erkenntnisse auf verschiedenen
Ebenen:
- Einordnung der Unterstützungserfordernisse von Betroffenen durch PSNV Kräfte.
- Erhalt konkreter Handlungsprinzipien zur Unterstützung Betroffener.
- Differenzierung der PSNV Unterstützung von Behandlungserfordernissen
Traumatisierter nach erfolgter Psychodiagnostik durch dafür verantwortliches,
approbiertes medizinisches und psychologisches Fachpersonal mit heilkundlicher
Beauftragung.
- Erfordernis zur Information Betroffener und Weiterleitung dieser an den öffentlichen
Gesundheitsdienst, der entsprechende Psycho traumatologische Fachressourcen
für erforderliche Diagnostik und Behandlung zur Verfügung stellt.
A 2
Empfehlung zur Vernetzung der PSNV mit dem öffentlichen
Gesundheitsdienst (ÖGD)
Die Vernetzung der PSNV Akteure mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst wird zur
Sicherstellung nachhaltiger Versorgung Betroffener empfohlen.
A 3
Empfehlung zur Lotsenfunktion zur Diagnostik und Behandlung bei
psychischer Traumatisierung
Eine fachlich fundierte Differenzierung der Bedürfnisse Betroffener in Akutsituationen
von einer erforderlichen qualifizierten Psychodiagnostik zu ggf. notwendigen
Behandlungserfordernissen
(Psychologisch-Psychotherapeutische
Frühinter-
ventionen) wird empfohlen. Dies erfordert im Vorfeld eine konsequente Vernetzung der
PSNV mit dem ÖGD sowie in Folge die konsequente Überleitung und „Abgabe“ der
PSNV-B Akuthilfe an die Ressourcen des öffentlichen Gesundheitsdienstes ggf. unter
Einbezug der Geschäftsstelle der sächsischen Opferbeauftragten, insbesondere nach
komplexen Schadenslagen mit sehr vielen Betroffenen.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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A 4
Empfehlung Vorbereitende Maßnahmen für Betroffene in
Großschadenslagen
In Vorbereitung auf Koordinierungserfordernisse bei Großschadenslagen wird
empfohlen:
- Bereitstellen von Informationen zu Ansprechpartnern
* Opferschutzbeauftragte
* Beratungsstellen
* Wohlfahrtsverbände
- Informationsblätter über Psychoedukation zur Selbsthilfe für Betroffene
- Einrichtung einer Hotline für Betroffene zur individuellen Bedarfsdeckung und
Weiterleitung
- Vorbereiten möglicher Nutzung von Sozialen Medien
Ressourcenförderung nach erlebter Traumatisierung
Die in der Leitlinie empfohlenen Prinzipien psychosozialer Versorgung beziehen sich
u.a. auch auf die bereits 1988 von Hobfoll veröffentlichten Prinzipien, zum
grundsätzlichen Erhalt und zur Förderung von Ressourcen nach erlebter
Traumatisierung
12
:
five intervention principle
-
promote a sense of safety
-
promote calming
-
promote sense of self- and collective efficacy
-
promote conectedness
-
promote hope
Die Beachtung der fünf grundlegenden Empfehlungen nach Hobfoll stellen für die
Umsetzung von PSNV als erste, akute Betreuung Betroffener wertvolle Ableitungen
zum konkreten Handeln dar.
12
Hobfoll SE, Five essential elements of immediate and mid–term mass trauma intervention: empirical evidence.
Psychiatry; 2007

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Bedürfnisse
Umgang mit Betroffenen
Sicherheit
Sicheren Rahmen schaffen
Informieren, Situationsüberblick ermöglichen
Ordnung und Struktur
Verbundenheit
• Zuverlässig „da“ sein, begleiten
Zuhören statt Ratschläge
Verständnis und Wertschätzung zeigen
Konfrontation mit dem subjektiv Erlebten vermeiden!
• Nicht „überbehüten“
Selbstwirksamkeit
Beteiligte (insbesondere in weiteres Vorgehen) einbeziehen
Eigene Entscheidungen ermöglichen
Kontrollgefühl stärken
Kollektive
Wirksamkeit
Herstellung möglichst vollständigen Bildes der Situation
Ereignis als Ganzes verstehen und eigenen Beitrag sehen
Ressourcen und Sichtweisen der Gruppe nutzen
Ermöglichung gemeinsamen Austauschs / Abschluss
Ruhe
Abschirmen ohne zu isolieren
Pause und Rückzugsmöglichkeiten schaffen
Perspektive
Authentizität, Vermittlung positiver Perspektive
Ausblick auf folgende Stunden / Tage (Struktur erarbeiten)
Festen Ansprechpartner vereinbaren
Bewertung unterstützen, das eigene Handeln als sinnvoll
und als wertvoll zu betrachten
Abbildung 1: Bedarfsübersicht Betroffener
13
13
Tabellarische Darstellung angelehnt an Hobfoll 2007

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Die aktuelle Studienlage zum Wirksamkeitsnachweis der Prinzipien nach Hobfoll
12
reicht nicht aus, um diese als evidenzbasierte Intervention zu empfehlen. Die
Expertenbezeichnung lautet daher „evidenzinformiert“. Jedoch finden die Prinzipien
unter psychologischen Fachexperten eine breite Zustimmung. Aktuellster Verweis auf
die Sinnhaftigkeit deren Anwendung findet sich im Zusammenhang mit der COVID-19
Situation in einem Merkblatt von Karutz
14
Mit der Veröffentlichung der S2k - Leitlinie der AWMF findet sich dennoch die
Feststellung im Sinne möglicher, anwendbarer Wirkprinzipien als sinnvolle
Handlungsmöglichkeiten in der PSNV. Es wird in der Leitlinie darauf hingewiesen,
dass zwar verschiedene Richtlinien zur psychosozialen Akuthilfe existierten, jedoch
nur weniger randomisierte, kontrollierte Studien bezüglich Interventionen innerhalb der
ersten 14 Tage nach einer Katastrophe, Massengewalt oder anderer Art von
traumatischen Ereignissen
15
vorliegen.
Im November 2019 wurden die
Vernetzungserfordernisse der PSNV mit dem
öffentlichen Gesundheitsdienst
in einem Positionspapier der Deutschen
Gesellschaft für Katastrophenmedizin e.V., des Bundesverbandes der Ärztinnen des
Öffentlichen
Gesundheitsdienstes
und
des
Berufsverbandes
Deutscher
Psychologinnen und Psychologen (BDP) formuliert. Es wird festgestellt, dass die
mittel- und langfristige Versorgung Betroffener einen erhöhten anlassbezogenen
Koordinierungsaufwand nach komplexen Gefahren- und (Groß)schadenslagen
erforderlich macht. Die Zuständigkeit dieser Koordinierung sehen die Verfasser des
Positionspapiers beim öffentlichen Gesundheitsdienst, auf kommunaler Ebene, bei
den Gesundheitsämtern
16.
14
Karutz, H., Merkblatt COVID-19 und die PSNV_ Version 1.1. vom 15.03.2020 (siehe Anlage 6)
15
Vernberg et al., 2008
16
https:
/
/
www.frankfurt.de
/
sixcms
/
media.php
/
738
/
Positionspapier.GD.pdf
(siehe Anlage 8)

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Das Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin e.V., des
Bundesverbandes der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienstes und des BDP
verdeutlicht erneut die Erfordernisse einer Vernetzung der Akteure von PSNV Akuthilfe
mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst und empfiehlt als neuen Aspekt eine
koordinierende Rolle in kommunaler Verantwortung der Gesundheitsämter.
In nachfolgenden Veröffentlichungen werden Empfehlungen für die PSNV in großen
Schadenslagen ausgesprochen:
Im November 2019 veröffentlichte die Deutsche gesetzliche Unfallversicherung
(
DGUV
) die Ergebnisse der
Projektarbeitsgruppe „Koordination der Aktivitäten
der DGUV bei Großschadensereignissen“
.
Die DGUV hat, da sehr viele Betroffene oder Aktive Versicherte der DGUV sind, eine
hohe Relevanz zu Bewertungen von Erfordernissen und Strukturen der PSNV.
Zentrale Aussage der Ausführungen ist das Vernetzungserfordernis auf Ebene eines
Bundeslandes mit der DGUV, sowie einer erforderlichen Vernetzung der DGUV mit
den PSNV Akteuren, dem öffentlichen Gesundheitsdienst, der Kirchen und den
Verbänden auf Stadt- und Landkreisebenen. Es finden sich explizit Aussagen zur
Notwendigkeit des Schaltens einer Krisenhotline auf Landesebene.
17
Aus Gutachtersicht wird mit dem DGUV Papier ein Vernetzungserfordernis auf
Bundesland Ebene zur Gewährleistung nachhaltiger Begleitung Betroffener nach
Großschadenslagen über psychosoziale Akuthilfe (durch PSNV) hinaus verdeutlicht.
17
Checkliste Krisennetzwerk im Bundesland (DGUV) - (siehe Anlage 11)

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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A 5
Empfehlung zur Umsetzung der Ergebnisse der DGUV
Projektarbeitsgruppe bei Großschadensereignissen
Für
eine
angepasste
optimale
Versorgung
von
Betroffenen
bei
einer
Großschadenslage ist aus DGUV Sicht die zwingende Kenntnis und Vernetzung aller
vor Ort existierender PSNV Angebote erforderlich: Neben möglichen lokalen
kirchlichen Strukturen (Notfallseelsorgeträgerschaft Diakonie oder Caritas), die
Angebote der Hilfsorganisationen und freier Träger als Krisenintervention, Krisenhilfe
oder Notfallseelsorge usw. Aus Gutachtersicht sollte diese Empfehlung im Freistaat
Sachsen umgesetzt werden.
K 2
Empfehlung zu Ressortübergreifender Koordinierung
Die Verantwortlichkeit in der Koordination der mittel- und langfristigen Versorgung akut
Betroffener / Traumatisierter, insbesondere im Rahmen von Großschadenslagen bzw.
im Katastrophenfall muss übergangslos als Fortführung der akuten PSNV-B Betreuung
zwischen SMI und SMS koordiniert werden.
Hierzu werden empfohlen:
- Ressortübergreifende Abstimmungsgespräche
- Identifizierung von Schnittstellen auf allen Handlungsebenen
- Intensivierung von Zusammenarbeit
A 6
Empfehlung zum Bereithalten einer PSNV Hotline
Zur Sicherstellung der individuellen Bedürfnisdeckung und Informationsübermittlung
wird das Vorhalten einer Hotline für die PSNV bei einer Großschadenslage /
Katastrophe empfohlen.
Für eine Großschadenslage sollte die Hotline durch den jeweiligen Landkreis, im
Katastrophenfall durch das SMI oder die sächsische Landesdirektion bedient werden.
Diese muss spätestens 6 h nach Ereigniseintritt funktionsfähig sein und sollte
mindestens über 3 Monate nach dem Ereignis aktiv sein.
Empfehlung A 4
„Empfehlung Vorbereitende Maßnahmen für
Betroffene in Großschadenslagen“

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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In einer weiteren Veröffentlichung zur
Psychosozialen Hilfe bei Katastrophen und
großen Schadenslagen
18
wird die Abgrenzung komplexer zu alltagsnaher
Schadenslagen beschrieben.
So wird herausgearbeitet, dass Struktur und Zusammenarbeit, Aufgabenteilung und
das Wissen über die anderen Mitarbeiter (Fähigkeiten, Kenntnisse) bei komplexen
Schadenslagen besonders wichtig sind.
Während PSNV in alltagsnahen Ereignissen meist zu zweit und zeitversetzt zu den
anderen Einsatzorganisationen tätig werde, erfolge der Einsatz von PSNV Kräften in
größeren Ereignissen zeitlich früher. Es würden Kräfte in größerer Zahl, häufig direkt
am Schadensplatz schon während der Abwicklung der medizinischen Rettung
eingesetzt. - Aktives Einbringen nahe dem Roten Bereich - Nach Ansicht der Autoren
sei bei alltagsnahen Ereignissen die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen am
Einsatzort unumgänglich, bei komplexen Schadenslagen könne der Ruf nach
Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, Regionen, Berufsständen, sogar
internationaler Zusammenarbeit bestehen.
Es wird daher schon vor Eintritt einer komplexen Schadenslage folgendes empfohlen:
Referenten während der Ausbildung sollten aus den Einrichtungen gewählt
werden, mit denen später zusammengearbeitet werden soll (zum
Kennenlernen und Transportieren von Wünschen an diese).
Einbindung
von
PSNV
Teams
in
Einsatzübungen
anderer
Einsatzorganisationen.
PSNV Ausbildung sollte zu Einsatz Indikationen und möglicher auftretender
Reaktionen informieren, um Fehleinsätze zu minimieren. Es werde damit ein
Ringen um die Einsatzkompetenz vorgebeugt.
Genaues Definieren des Handlungsspielraums aller Akteure, komplexe
Schadenslagen vorbereitend, auch im Sinne der Führungsstruktur: klare
hierarchische Verhältnisse.
Wissen um die spezifischen Angebote und Kennzeichnen der miteinander
arbeitenden Teams auch zur Vorbeugung und Abgrenzung von Sekten und
nicht autorisierten Helfern.
18
Lueger-Schuster et al 2006

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Die Organisationen der PSNV sollten sich untereinander vernetzen,
Austausch pflegen und bestehende Zuständigkeitsgrenzen respektieren inkl.
der Zuständigkeitsbereiche von Ärzten und Psychotherapeuten.
Um eine gute Strukturierung und Koordination von PSNV Einsätzen zu
gewährleisten seien Kontakte zu behördlichen Vertretern und den
involvierten Einsatzkräften erforderlich.
Insbesondere der Kontakt mit dem eigenen Team als auch den Kollegen
anderer Teams bedürfe Absprachen und Vernetzung.
Um komplexe Schadenslagen zu bewältigen, brauche es Personalplanung
bezüglich der eingesetzten PSNV Mitarbeitenden (wann ist wer, wo,
Ablösung, wie erfolgt die Übergabe).
Psychohygiene der eingesetzten Kräfte müsse im Blick behalten werden, um
die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft der PSNV zu gewährleisten.
Bei komplexen Einsätzen sei neben der Dokumentation (zur Ermöglichung
einer späteren Evaluation) erforderlich, dass Nachbesprechungen und
Supervision eingeplant werden, um eine Auseinandersetzung mit dem
Einsatz im Nachgang zu ermöglichen und auch um Konsequenzen für den
nächsten Einsatz „lessons learned“ nach der Auswertung abzuleiten.
Aus Gutachtersicht formuliert Luegger-Schuster sehr praxisnah umsetzbare
Voraussetzungen für eine nachhaltig wirksame Unterstützung Betroffener. Diese
verläuft aufbauend über die Auswahl von Dozenten für PSNV auf den stringenten
Einbezug aller Akteure in Übungsszenarien bis hin zu Vorschlägen zur Auswertbarkeit
der Dokumentation und daraus resultierende bzw. abzuleitende wissenschaftliche
Evaluation.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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A 7
Empfehlung Vorbereitende Maßnahmen zur Führungsstruktur für
Großschadenslagen
In Vorbereitung auf Koordinierungserfordernisse bei Großschadenslagen wird
empfohlen:
- Festlegen und Schaffen von Führungsstrukturen
- In Anzahl angemessene Ausbildung und Inübunghaltung von PSNV Führungskräften
- Dokumentation zur PSNV Umsetzung
* aufbereitet für Auswertung und Evaluation im Nachgang
Daten über vergangene Ereignisse dienen als Grundlage für die Einschätzung über
zukünftiges Auftreten von Katastrophen. Zu beachten ist dabei jedoch stets, dass
Wahrscheinlichkeiten keine Sicherheiten darstellen
19
.
Die Vorhersagekraft über Häufigkeit und Art von zukünftigen Katastrophen wird durch
sich verändernde Umstände wie Klimawandel, Digitalisierung, neue Erkrankungen und
Anstieg von Terrorakten in der Aussagekraft weiter verringert.
Deutschland weist bisher ein - im Vergleich zu anderen Staaten - geringes Auftreten
von Katastrophenfällen auf. Aus den aufgeführten Gründen, kann und darf jedoch nicht
automatisch geschlussfolgert werden, dass in der Zukunft Katastrophen ebenfalls nicht
oder nach wie vor selten auftreten werden. Einhergehend mit den verhältnismäßig
geringen Vorkommnissen sind auch die Erfahrungswerte in der Bewältigung von
Katastrophenfällen innerhalb Deutschlands relativ gering. Diese mangelnde Erfahrung
sollte durch entsprechende Vorbereitung kompensiert werden. Beispielsweise können
die Erstellung und Beurteilung psychosozialer Lagebilder als Ermittlung von Bedarfen
für potenzielle Katastrophenfälle erlernt werden.
19
Brauner, C., & Dombrowsky, W. R. (2010). Defizite der Katastrophenvorsorge in Industriegesellschaften am
Beispiel Deutschlands. Untersuchungen und Empfehlungen zu methodischen und inhaltlichen Grundsatzfragen

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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A 8
Empfehlung zu vorbereitenden Maßnahmen in Stäben zur Bewältigung
von komplexen Schadenslagen und Katastrophen
Es wird empfohlen, eine intensive Vorbereitung durch Stabsrahmen- oder
Einsatzübungen unter Einbeziehung internationaler Erfahrungen zu realisieren.
Insbesondere PSNV Führungskräfte sollten hierbei einbezogen werden.
Der Großteil internationaler Empfehlungen (NATO, 2008; IASC 2007; Impact, 2007;
WHO, 2003; US-DHHS, 2005, Seynaeve, 2001) sieht in der Akutphase keine
Notwendigkeit der Vorhaltung heilkundlicher Kompetenzen. Stattdessen wären
spezielle Schulungen für handelnde und einbezogene Personen ausreichend
20
.
Die PSNV kann durch entsprechende vorbereitende Schulungen in Katastrophenfällen
bedeutende Beiträge für Betroffene leisten.
TENTS Guidelines
Die Veröffentlichung
21
der TENTS Guidelines basieren auf einem systematischen
wissenschaftlichen Review aktueller wissenschaftlicher Evidenzbezogener Aufsätze
zur
psychosozialen
Hilfe
unmittelbar
nach
Katastrophen
und
größeren
Vorkommnissen.
Hierzu wurden 106 solcher Ereignisse in 25 verschiedenen Ländern betrachtet und die
Empfehlungen für den Einsatz in europäischen Ländern und für Gegenden mit einer
Bevölkerungszahl zwischen 250.000 bis 500.000 zusammengefasst. Es werden
umfassende Aspekte zur Planung, Vorbereitung und zum Management mit
allgemeinen und spezifischen Komponenten in den verschiedenen Phasen einer
entsprechenden Katastrophe oder Großschadenslage im Vorfeld empfohlen:
Allumfassende / übergreifende Pläne im Katastrophenfall sollten vorbereitet
werden und durch Übungen getestet werden.
Zusammenarbeit von Fachkräften und freiwilligen Hilfskräften, welche auf
Basis eines Screenings für die Mithilfe im psychosozialen Bereich
ausgewählt wurden, sollte erfolgen.
20
Beerlage, I. (2009). Qualitätssicherung in der psychosozialen Notfallversorgung. Deutsche Kontroversen–
Internationale Leitlinien (Schriften der Schutzkommission 2). BBK, Bonn
21
TENTS Guidelines, Cardiff University November 12th 2008 in Bisson & Tavakolky 2008

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Schulungsmöglichkeiten für das eingesetzte Personal und Unterstützung
(sowie Monitoring) vor, während und nach einem Einsatz (Supervision), um
Unterstützung der Hilfeleistenden im Falle von sekundärer Traumatisierung
leisten zu können, sollte erfolgen.
Allgemein wird empfohlen:
Zu beachten, dass keine spezifische Form der Intervention für jede
betroffene Person geeignet ist und dass kein formelles Screening für jede
betroffene Person gleichermaßen gut geeignet ist.
Das „five intervention principle“ nach Hobfoll
12
umzusetzen.
Den Umgang mit Betroffenen deren gemeinschaftlichen, kulturellen,
spirituellen, religiösen Bedürfnissen entsprechend zu realisieren.
Eine allgemeine psychische, soziale, physische Unterstützung des
Betroffenen und seines sozialen Umfelds (u.a. Familie) zu gewähren.
Bei entsprechendem
Bedarf
Zugriff auf Spezialisten ermöglichen
(Psychologen, Ärzte).
Betroffene zu ermutigen, das zu tun, was ihnen individuell hilfreich erscheint:
„self-help interventions“ und deren individuelle Ressourcen zu stärken.
Betroffene anzubinden und zu vernetzen an vorhandene Strukturen /
Ressourcen im Umfeld Betroffener (hilfsbereite Mitmenschen, Experten).
Eine Gedenkzeremonie im Zusammenhang mit dem traumatischen Ereignis
zu ermöglichen.
Darüber
hinaus
empfehlen
die
TENTS
Guidelines
folgende
spezifische
Unterstützungskomponenten im konkreten Umgang mit Betroffenen:
Einrichtung telefonischer, internetgestützter Hilfe, Kontaktstellen
Gewährung von praktischer, pragmatischer Hilfe, Empathie
offene Informationen, Ehrlichkeit
Stressreaktionen, Reaktionen normalisieren
In enger Zusammenarbeit mit den Medien, Informationsbroschüren mit
sowohl psychoedukativem als auch informierendem Inhalt veröffentlichen
(erste Reaktionen, wo erhalte ich Hilfe)

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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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World Health Organization (WHO)
Auf Ebene der
WHO
findet sich eine Veröffentlichung von 2003:
„Mental health in
emergencies“
22
.
Darin werden für Betroffene und Überlebende von Katastrophen
allgemeine Prinzipien benannt, die von der Vorbereitung bis zur Umsetzung der
Bewältigung solcher Ereignisse ebenfalls eine Vernetzung als wichtige Voraussetzung
beschreiben:
Erfordernis der Vorbereitung auf Notfälle (Koordination und Vernetzung der
Kooperationspartner, passende Reaktionen auf Notfälle erarbeiten, Training
des dann eingesetzten Personals)
Beurteilung und Einschätzung der Notfall-Lage (Interventionen auf Basis
sorgfältiger
Lagebeurteilungen,
Einbezug
des
Kontextes
und
der
entsprechenden Kultur, Geschichte und Art des Schadensfalls, Bedürfnisse
Betroffener)
Zusammenarbeit aller zuständigen Behörden
Integration in das Gesundheitssystem
Uneingeschränkter Zugang Betroffener zu Unterstützungsangeboten
Training und Supervision der Akteure durch Psychosoziale Fachkräfte
Langfristige Projekte für das Gesundheitsvorsorgesystem im Blick behalten,
statt einer Vorbereitung, die ausschließlich akute Hilfe im Blick hat
Evaluation (bei Beachtung, dass Indikatoren für Monitoring bereits vor
Intervention vorhanden ist)
Aus
Gutachtersicht
stützen
Empfehlungen
aus
Veröffentlichungen
auf
internationaler Ebene die in Deutschland formulierten Empfehlungen der
psychologischen und ärztlichen Fachgesellschaften und Unfallversicherungsträger
zur Umsetzung und Vorbereitung der PSNV.
22
https:
/
/
www.who.int
/
mental_health
/
emergencies
/
MSDMER03_01
/
en
/

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Es werden insbesondere folgende Inhalte und Prinzipien aus den ausgewerteten
Leitlinien als erforderlich und geeignet zur Umsetzung von PSNV bewertet.
Beachtung der „Trauma-Awareness“ Hinweise in PSNV Aus- und
Weiterbildungen
Vernetzung der PSNV Akuthilfe mit den vorhandenen Ressourcen der
Regelversorgung im öffentlichen Gesundheitsdienst
Umsetzung von PSNV als psychosoziale Akuthilfe für Betroffene nur direkt nach
einem (Einsatz-) Ereignis
Einordnung der Unterstützungserfordernisse von Betroffenen durch PSNV
Kräfte
Erhalt konkreter Handlungsprinzipien zur Unterstützung Betroffener
Differenzierung der PSNV Unterstützung von Behandlungserfordernissen
Traumatisierter nach erfolgter Psychodiagnostik durch dafür verantwortliches,
approbiertes
medizinisches
und
psychologisches
Fachpersonal
mit
heilkundlicher Beauftragung
Erfordernis der Information Betroffener zu Optionen der Unterstützung und
Weiterleitung
an
den
öffentlichen
Gesundheitsdienst,
und
psycho-
traumatologische Fachressourcen
Koordinierende Vernetzungsrolle zwischen PSNV und mittel bis langfristige
Unterstützung
Betroffener
in
kommunaler
Verantwortung
der
Gesundheitsämter
Vernetzungserfordernis
auf
Bundesland
Ebene
zur
Gewährleistung
nachhaltiger
Begleitung
Betroffener
nach
Großschadenslagen
über
psychosoziale Akuthilfe (durch PSNV) hinaus
Auswahl von Dozenten für PSNV in Kombination von Fachexpertise und
Feldkompetenz
Stringenter Einbezug aller Akteure inklusive der PSNV in Übungsszenarien von
großen Schadenslagen
Erfordernis von auswertbarer PSNV Einsatz Dokumentation zur Ermöglichung
wissenschaftlicher Evaluation

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A 9
Empfehlung zum Einbezug wissenschaftlicher Empfehlungen in der
Aus- und Fortbildung
Die Einbeziehung aller wissenschaftlicher Feststellungen und Empfehlungen in
Überlegungen der PSNV Aus- und Fortbildung und bei der Planung von
Übungsanteilen wird empfohlen.
Eine wertfreie und objektive Betrachtung auch internationaler Erfahrungen und
Empfehlungen ist hierzu erforderlich.
A 10
Empfehlung zu vorbereitenden Maßnahmen für komplexe
Schadenslagen
Es wird empfohlen, folgende Hinweise in die Praxis der PSNV für komplexe
Schadenslagen als auch unterhalb von Großschadenslagen und Katastrophen
umzusetzen:
- Auswahl von Dozenten für PSNV aus Einrichtungen, mit denen später
zusammengearbeitet werden soll
- Stringenter Einbezug aller PSNV Akteure in Übungsszenarien komplexer
Schadenslagen von Einsatzorganisationen
- Genaues Definieren des Handlungsspielraums aller beteiligten Akteure inkl.
Führungsstrukturen
- Antizipation der erforderlichen PSNV Personalplanung inkl. Mechanismen für
Ablösung und Realisierung von Übergaben
- Auswertbare Einsatzdokumentation zur Ermöglichung wissenschaftlicher Evaluation
im Nachgang komplexer Schadenslagen

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A 11
Empfehlung zur Vorbereitung auf komplexe Großschadenslagen
Es wird empfohlen, die in nationalen und internationalen Leitlinien veröffentlichten
Empfehlungen zur Umsetzung von PSNV als psychosoziale Akuthilfe für die PSNV im
Freistaat Sachsen hinsichtlich Lehrinhalten, Dozentenauswahl, Dokumentation,
Supervision sowie der Vernetzung ins öffentliche Gesundheitswesen auf kommunaler
Ebene, sowie den Einbezug der PSNV in Übungen zu Großschadenslagen künftig
anzustreben oder zu intensivieren.
Damit der Freistaat Sachsen für seltene Ereignisse komplexer Schadenslagen gut
vorbereitet
ist,
bedarf
es
zudem
der
Vorhaltung
einer
vorbereiteten
Schaltungsmöglichkeit einer Krisenhotline auf Bundeslandebene.

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Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Datengrundlagen
Anwendung der Fragestellungen
Die umfassenden Fragestellungen des Auftraggebers machten eine differenzierte
Datenerhebung erforderlich, die in vier Phasen umgesetzt wurde:
1.)
Vorabinterviews per digital verschicktem Link zur Erfassung der
Einsatzstatistiken mit geforderter Fallgruppenbildung und Erfassung der
Teamstärken inklusive der Team-Fluktuation im Zeitraum 2015 bis 2018.
2.)
Persönliche vor Ort Präsenzinterviews mit den Teamleitenden zur Erfassung
des Ist-Zustandes 2019 zu Zulassungsvoraussetzungen, Ausbildung,
Qualitätssicherung, Finanzierung und Vernetzung.
3.)
Nachfassen und Unterstützung der Teams bei der umfangreichen Erhebung
der Team- und Einsatzdaten in der digitalen Vorab Erhebung sowie zur
Rückmeldung von Finanzdaten.
4.)
Zusätzliche Verfügungstellung von Online-Versionen der Datenerfassung an
die Zielgruppen Kirchen, Hilfsorganisationen, Integrierte Regionalleitstellen
und Polizei, zur Ermöglichung der Teilnahme im Rahmen des engen zeitlich
zur Verfügung stehenden Erhebungszeitfensters und auf die speziellen
Aufgabenbelange ausgerichtet.

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Abbildung 2: Zielgruppenspezifische Interviews
Es wurden zur Datenerfassung 12 zielgruppenspezifisch angepasste Interviews (siehe
Zielgruppen) in Form von Fragebögen entwickelt.
Teil II Interviewvorlagen
Für die Vorabinterviews wurden geschlossene und offene Antwortformate angefertigt.
Sehr konkret formulierte geschlossene Fragen ermöglichten den Erhalt präziser
Aussagen, die gut vergleichbar und quantifizierbar auszuwerten waren. Zur Erhebung
von Zielen, Wünschen und zusätzlichen Anmerkungen wurden offene Frageformate

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gewählt, um persönliche Einschätzungen als genaueres Stimmungsbild zu erfassen,
sowie
zusätzliche
wichtige
Informationen
zu
generieren
und
genauere
Beschreibungen zu erhalten. Zahlreiche Fragen wurden im Pflichtfragen
*
- Format
festgelegt, damit diese wichtigen Fragen aktiv wahrgenommen wurden um für die
Auswertung maximales Feedback zu erhalten. Die Fragebögen wurden in ihrem
Verlauf mit Filtern und Sprüngen versehen, die eine individuelle Beantwortung
ermöglichten.
Zudem wurden die Fragen so angeordnet, dass im Fragebogenverlauf immer wieder
eingebaute Kontrollfragen die vorhergehenden Antworten bestätigten. So wurde
„sozial erwünschten Antworten“ vorgebeugt.
Zielgruppen
1.)
Teams, die ausschließlich PSNV-B (Krisenintervention / Notfallseelsorge)
realisieren:
a) Vorab-Interview PSNV-B
b) Präsenzinterview PSNV-B
2.)
Teams, die ausschließlich PSNV-E (Einsatznachsorge) realisieren:
a) Vorab-Interview PSNV-E
b) Präsenzinterview PSNV-E
3.)
Teams, die sowohl PSNV-B als auch PSNV-E realisieren:
a) Vorab-Interview PSNV-B und PSNV-E Kurzversion
b) Präsenzinterview PSNV-B und PSNV-E Kurzversion
4.)
Verbände: Präsenzinterview
5.)
Landratsämter und kreisfreie Städte: Präsenzinterview
6.)
Integrierte Leitstellen: Präsenzinterview
7.)
Kirchliche Träger:
a) Präsenzinterview
b) zusätzlich Online-Version zur Datenerfassung
8.)
Hilfsorganisationen:
a) Online-Version zur Datenerfassung
b) zusätzlich Präsenzinterview

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Durchführung der Datenerhebung
Die folgenden Abbildungen stellen die Durchführung der Präsenzinterviews mit
2 (Abbildung 3 a) bzw. nur einem Interviewer (Abbildung 3 b) dar.
Abbildung 3a: Interviewablauf A
Abbildung 3b: Interviewablauf B

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Datenerhebung
Im Vorlauf von zwei Wochen vor Durchführung des Präsenzinterviews, erhielten die
Ansprechpartner die sich zur Teilnahme an der Befragung bereit erklärt hatten, eine
Einladung und den Link zur Teilnahme an der Vorbefragung für die Erhebung ihrer
spezifischen Team- und Einsatzdaten im Zeitraum von 2015 bis 2018 (Teil II).
Für die vor Ort Termine wurden Terminvorschläge der Teams sachsenweit koordiniert,
um Interview Terminwünsche der Teilnehmenden zu berücksichtigen. Zur
Wertschätzung der überwiegend ehrenamtlich erbrachten PSNV Leistungen der
Teams legte die Gutachtergruppe besonderen Wert auf das persönliche Interview in
den gewohnten Räumlichkeiten der Teams. Auch wurde durch die Terminumsetzung
Ganztägig – auch abends, an Wochenenden bzw. Feiertagen der ehrenamtlichen
Leistung wertschätzend Rechnung getragen.
Vereinzelte Fragestellungen aus den Vorabinterviews wurden direkt geklärt und
wichtige Informationen vor Ort ausgetauscht. Das erforderliche zeitliche Engagement
für die umfangreiche Vorabbefragung, konnte wertschätzend anerkannt und in den
Zusammenhang der Erfordernisse einer soliden Datenlage gebracht werden.
Ausnahmslos sehr positive Rückmeldungen der Mitarbeitenden aus den Teams vor
Ort bestätigten die Gutachter deutlich im gewählten Vorgehen der Durchführung
mittels persönlichen Präsenzinterviews.
Die zielgruppenspezifische Differenzierung der Fragebogenversionen erwies sich als
sinnvoll und notwendig. Da jegliche Erhebung von Daten eine aktive Mitarbeit und
hohes zeitliches Engagement der Teams erforderte, war es ein Anliegen der
Gutachter, eine noch handhabbare und zumutbare Erhebung pro Zielgruppe
sicherzustellen.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
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Abbildung 4: Zielgruppenspezifische Interviews
Repräsentativität der Ergebnisse aus der Interviewstichprobe
Eine Stichprobe gilt als repräsentativ, wenn sie in allen Verteilungswerten mit der
Grundgesamtheit bzw. Population übereinstimmt.
23
Dabei ist wichtig, dass sie ein
genaues Abbild bezüglich der interessierenden Merkmale bietet.
24
Daraus leitet sich
ab, dass eine Stichprobe nicht hinsichtlich aller, jedoch bezüglich der für den
Untersuchungsgegenstand
relevanten
Merkmale
gleich
verteilt
sein
sollte.
Verschiedene Aspekte sind wichtig, um die Repräsentativität einer Stichprobe zu
beurteilen.
Nach
Ramsey
(2005)
sollte
eine
genaue
Definition
des
Untersuchungsgegenstands und der Stichprobe sowie der maximale Grad an
Unsicherheit mit dem die Ergebnisse behaftet sein sollen, vor der Untersuchung
festgelegt bzw. bedacht werden.
23
Bortz, Lienert & Böhnke, 2008
24
Fahrmeier, 2016

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 1 - Grundlagen
51 von 427
Durchführung der Datenauswertung
Die Daten wurden sowohl im Querschnitt als auch im Längsschnittdesign erhoben. Die
deskriptive Auswertung der Daten erfolgte mit dem Statistik Software Programm
„R-Studio“
25
sowie mit dem Auswertungsalgorithmus des zur Datenerhebung
verwendeten Umfragetools „umfrage-online“
26
.
Grafische Darstellungen wurden mittels Microsoft Office Programm Excel
®
und
umfrage-online
26
erzeugt.
Die Erhebung des IST Stands für das Jahr 2019 wurde als Querschnittuntersuchung
angelegt.
Die
Teamfluktuation
und
Einsatzstatistiken
mit Fallgruppenbildung wurden
längsschnittlich entlang von vier Messzeitpunkten (MP) deskriptiv bewertet:
MP 1:
2015
MP 2:
2016
MP 3:
2017
MP 4:
2018
Die geforderte Trendanalyse ins Jahr 2030 erfolgte Experten basiert über die
querschnittlich erhobenen Daten und die Ergebnisse der historischen Daten der
Einsatzjahre 2015 bis 2018 sowie ergänzend durch die Analyse von PSNV
Referenzsystemen anderer Bundesländer.
25
https://rstudio.com/
26
www.umfrageonline.com

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
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PSNV-B
(Abschnitt 2)
Ist-Analyse 2015 - 2019 ............................................................................................ 55
Erfassung der Rückmeldungen zur Interviewdurchführung .................................... 56
Auswertung PSNV-B ................................................................................................ 62
PSNV-B Einsatzindikationen ............................................................................. 62
Erfassung des IST-Standes zur Umsetzung von PSNV-B ................................. 62
Historie der Teamstärken in PSNV-B Teams von 2015 bis 2018 ...................... 64
Helferfluktuation................................................................................................. 64
Altersverteilung und Berufstätigkeit der Aktiven in PSNV-B Teams ....................... 65
Aktive Helfende in PSNV-B Teams ................................................................... 68
Regelmäßig Aktive in der PSNV-B .................................................................... 68
Psychosoziale Fachkräfte als Aktive in PSNV-B Teams ................................... 69
Anbindung der Teams und PSNV-B Kräfte an die BRK-Behörden .................... 70
Anbindung aus Behördensicht ........................................................................... 72
Anbindung aus Teamsicht PSNV-B ................................................................... 73
Kommunale Unterstützung aus Teamsicht ........................................................ 74
Teamanbindung an freie Träger ........................................................................ 76
Notfallseelsorge im Freistaat Sachsen ................................................................... 77
Notfallseelsorge als qualifizierter Dienst ............................................................ 78
Umsetzung der Notfallseelsorge im Freistaat Sachsen.......................................... 79
Erhebung Alarmierungsverfahren und Koordination der Kräfte im Einsatzfall ........ 83
Dienstplan ......................................................................................................... 83
Alarmierung ....................................................................................................... 85
Sicht der Integrierten Regionalleitstellen zu Alarmierungsverfahren und
Koordination der PSNV Kräfte im Einsatzfall ..................................................... 87

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
53 von 427
Alarmierungs- und Ausrückeordnung ................................................................ 88
Verlässlichkeit der Einsatzdurchführung ............................................................ 88
Einschätzungen der Integrierten Regionalleitstellen .......................................... 89
Erhebung bestehender Ausbildungsstandards und vorhandener Qualifikationen .. 91
Schutz der Interessenten, Auszubildenden und Praktikanten ........................... 98
Erhebung der Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der PSNV-B ....................... 99
Forderungen zur Qualitätssicherung durch BRK Behörden ..............................100
Fortbildungen nach der Ausbildung ..................................................................100
Quantität und Frequenz von Fortbildungen ......................................................101
Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen ....................................................102
Inanspruchnahme von Supervision ..................................................................103
Durchführung von Supervision .........................................................................103
Einsatzprotokolle .................................................................................................. 105
Ausrüstung und Ausstattung der Helfenden ......................................................... 110
Inhalt Rucksack PSNV-B: .................................................................................110
Material für Einsatzfahrzeug oder Privat-Pkw ...................................................112
Einsatzkleidung ................................................................................................113
Nutzung von Dienst-KFZ oder Privat-KFZ ............................................................ 115
Selbsteinschätzung der Befragten zum künftigen Finanzbedarf .......................... 118
Finanzbedarf 2019 und 2030 (Team-Selbsteinschätzung) ...............................118
Geldmittel Herkunft ...........................................................................................119
Mittelverwendung .............................................................................................119
Erfassung von Einsatzzahlen und -daten im Zeitraum 2015 bis 2018 ................. 123
Einsatzsituation PSNV - B .................................................................................... 124
Einsatzindikation Überbringen von Todesnachrichten ......................................124
Einsatzindikation Tod im häuslichen Bereich ...................................................126
Einsatzindikation Betreuung von Angehörigen nach Suizid ..............................129
Einsatzstatistik pro Landkreis / kreisfreier Stadt nach Fallzahlen .....................132

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
54 von 427
Weitere PSNV-B Einsatzindikationen ...............................................................144
Einsatzdauer und Einsatzwegezeiten ...............................................................145
Erfassung des Grades an Vernetzung ................................................................. 147
Bedarfsdeckung des Angebotes PSNV-B ............................................................ 152
Versorgungslücken PSNV-B ............................................................................152
Empfehlungen zur Teamstärkeberechnung ......................................................... 155
Bereitschaftsmodelle zur Sicherstellung des Angebotes...................................... 157
Schichtmodell 2-4 Stunden pro Tag und Helfendem ........................................157
Bereitschaftsabdeckung - Vergleich möglicher Schichtmodelle .......................157
Auswirkung der Teamstärke auf Helferbelastung und -motivation ....................... 163
Teamentwicklung und Gewinnung Helfender ....................................................... 164
Finanzielle Voraussetzungen zur Kostendeckung................................................ 165
Individuelle Situationen der PSNV-B Teams als Stellgröße ................................. 166

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Ist-Analyse 2015 - 2019
Die Einladung zur Teilnahme an der Datenerhebung zur PSNV wurde vom
Gutachterteam erstellt. Der Einladungsversand erfolgte durch das SMI.
Aus Gründen des Datenschutzes teilte das SMI dem Gutachterteam die Empfänger
des Einladungsschreibens nicht mit.
Von den 51 angeschriebenen Organisationen meldeten sich 29
(= 56 %)
angeschriebene Empfänger zurück, was einer Ausfallquote von 44 % entspricht.
Im Verlauf wurden weitere Ansprechpartner durch das Gutachterteam recherchiert und
zusätzlich eingeladen.
100 % aller Organisationen, die geantwortet haben, wurden per Interview befragt, was
in der Summe der Durchführung von 60 Präsenzinterviews entspricht.
33 Vorab - Interviews (online)
37 Präsenzinterviews
22 PSNV-B Teams
23 PSNV-B Teams
3 PSNV-E innerhalb gemischter Teams
5 PSNV-E innerhalb gemischter Teams
4 PSNV-E Teams
5 PSNV-E Teams
4 Kirche / kirchliche Träger
4 Kirche / kirchliche Träger
23 weitere Interviews
3 Interviews mit Leitstellen
8 Interviews mit LRA / kreisfreien Städten / Behörden
2 Interviews mit Verbänden
8 Interviews mit Hilfsorganisationen
2 Sonderinterviews im öffentlichen Gesundheitsdienst
Tabelle 0: Übersicht der umgesetzten Interviews

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Erfassung der Rückmeldungen zur Interviewdurchführung
Name der Organisation
Tätigkeitsfeld
Landesverband ASB
Hilfsorganisation
Rückmeldung und Interview
Malteser Hilfsdienst in den
Diözesen Dresden-Meißen
und Görlitz
Hilfsorganisation
Rückmeldung und Interview
Evangelisch-Lutherisches
Landeskirchenamt
Sachsen
Kirche
Rückmeldung und Interview
Bistum
Dresden-Meißen,
Ordinariat
Kirche
Rückmeldung und Interview
Bistum Görlitz
Ordinariat
Kirche
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
Integrierte
Regionalleitstelle (IRLS)
Leipzig
Leitstelle
Rückmeldung und Interview
IRLS Dresden
Leitstelle
Rückmeldung und Interview
IRLS Hoyerswerda
Leitstelle
Rückmeldung und Interview
Rettungszweckverband
Südwestsachsen
Behörde (Aufgabenträger
Rettungsdienst)
Rückmeldung und Interview

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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LRA Nordsachsen
Behörde
Rückmeldung und Interview
Stadtverwaltung Leipzig
Behörde
Rückmeldung und Interview
LRA Mittelsachsen
Behörde
Rückmeldung und Interview
LRA Erzgebirgskreis
Behörde
Rückmeldung und Interview
LRA Görlitz
Behörde
Rückmeldung und Interview
LRA Sächsische Schweiz /
Osterzgebirge
Behörde
Rückmeldung und Interview
LRA Meißen
Behörde
Rückmeldung und Interview
ENT Feuerwehr Dresden
ENT
Rückmeldung und Interview
Polizeifachhochschule
Sachsen
Behörde (ENT)
Rückmeldung und Interview
Landesfeuerwehrverband
Sachsen
ENT
Rückmeldung und Interview
Uniklinikum Dresden
Trauma Ambulanz
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Notfallhilfe Freiberg e.V.
KIT / NFS
Rückmeldung und Interview
Diakonisches Werk
Rochlitz
NFS / KIT
Rückmeldung und Interview
NFS / KIT Westsachsen-
Aue-Schwarzenberg
NFS / KIT
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
Diakonie Marienberg
NFS
Rückmeldung und Interview
DRK Kreisverband
Stollberg
KIT
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
KIT / NFS Stollberg /
Oelsnitz
KIT / NFS
Rückmeldung und Interview
Rettungszweckverband
Südwestsachsen
ENS
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
KIT „Chemnitzer Land“
KIT
Rückmeldung und Interview
KIT „Vogtlandkreis“
KIT
Rückmeldung und Interview
KIT „Zwickau“
KIT
Rückmeldung und Interview
KIT Chemnitz (Caritas)
KIT / NFS
Rückmeldung und Interview

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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KIT Bautzen (Diakonie)
KIT
Rückmeldung und Interview
KIT Dresden
KIT
Rückmeldung und Interview
KIT-Team Süd Landkreis
Görlitz (DRK Zittau)
KIT
Rückmeldung und Interview
DRK Zittau
ENS
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
KIT-Team Nord Landkreis
Görlitz
KIT
Rückmeldung und Interview
KIT Meißen (Diakonie)
KIT / NFS
Rückmeldung und Interview
KIT Pirna (DRK Pirna)
KIT
Rückmeldung und Interview
KIT Osterzgebirge (DRK
Freital)
KIT
Rückmeldung und Interview
Osterzgebirge Freital
ENS
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
KIT Leipzig e.V.
KIT
Rückmeldung und Interview
Diakonie Leipziger Land
NFS / KIT
Rückmeldung und Interview

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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KIT Delitzsch-Eilenburg
(DRK Delitzsch)
KIT
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
Delitzsch-Eilenburg
ENS
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
KIT Torgau (DRK Torgau-
Oschatz)
KIT
Rückmeldung und Interview
KIT Annaberg Buchholz
KIT
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
JUH Annaberg Buchholz
ENT
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
JUH Pirna-Heidenau
KIT
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
Krisendienst
Gesundheitsamt Stadt
Dresden
Durch Recherche
identifiziert und aktiv
angesprochen, Interview
Tabelle 1: Erfassung der Rückmeldungen zur Interviewdurchführung

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Die abgebildete Karte zeigt die Orte durchgeführter Präsenzinterviews. Um den
unterschiedlichen Adressaten in verschiedenen Zusammensetzungen der Teams in
Bezug auf ihre PSNV Tätigkeiten: PSNV-E (ENS / ENT), PSNV-B (KIT / NFS) und
PSNV-B Teams mit einzelnen zusätzlich PSNV-E Ausgebildeten gerecht zu werden,
wurden einzelne Interview Orte mehrfach aufgesucht, um zu den jeweiligen Tätigkeiten
entsprechende Interviews zu führen und Daten zu erheben.
Karte 1: Übersicht zur Interviewdurchführung
27
27
Sächsisches Staatsministerium für Regionalentwicklung, Referat

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Auswertung PSNV-B
Zur Analyse der Einsatzdaten wurde die geforderte Fallgruppenbildung anhand
typischer
Einsatzindikationen
für
eine
Alarmierung
von
PSNV-B
Teams
operationalisiert:
PSNV-B Einsatzindikationen
Überbringung von Todesnachrichten
Betreuung Betroffener nach Tod im häuslichen Bereich
Betreuung Angehöriger nach versuchtem bzw. vollendetem Suizid
Betreuung Betroffener nach Gewalterfahrung
Betreuung von betroffenen Kindern
Betreuung von Betroffenen in der Öffentlichkeit
Betreuung Betroffener nach Katastrophen oder Großschadenslagen
Erfassung des IST-Standes zur Umsetzung von PSNV-B
Erhebung und Darstellung der Strukturen und Organisationsformen in den
Landkreisen / kreisfreien Städten:
Insgesamt wurden durch den Auftraggeber 51 PSNV Teams, Behörden und Träger
angeschrieben und gebeten, sich aktiv an der Datenerhebung zu beteiligen sowie
innerhalb einer ersten gesetzten Rückmeldefrist dazu direkt mit dem Gutachter in
Kontakt zu treten. Zur Steigerung der Rücklaufquote erfolgte eine zweite Einladung /
Erinnerung und eine deutliche Verlängerung der Rückmeldefrist und damit
Interviewzeit. Im Ergebnis zeigte sich eine Rücklaufquote von 56%.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Die
Durchführung
der
Interviewphase wurde
anhand
der
real
erfolgten
Rückmeldungen durch den Auftraggeber Angeschriebener geplant.
Im Verlauf der Interviewphase wurden weitere Teams erkannt, identifiziert und durch
die Sachverständigen in den Interviewprozess eingebunden.
Die Datenanalyse zeigte im Nachgang, dass die auswertbare Datenmenge im Detail
deutlich hinter den Erwartungen des Auftraggebers und des Gutachtenteams
zurückblieb. Diese Tatsache erforderte einen besonderen Umgang mit den erhaltenen
Daten, damit im Resultat schlüssige Ergebnisse bewertet und Empfehlungen
abgeleitet werden konnten.
So wurde die teilweise geringe Stichprobengröße mit entsprechend geringer
statistischer Power jenseits der Aussage zur Signifikanz der Ergebnisse durch
Hinzuziehung von Daten äquivalent vergleichbarer PSNV-B Systemen aus anderen
Bundesländern bewertbar gemacht.
Zusätzlich zeigte sich eine stark heterogene Stichprobe über fast alle Themen hinweg
(erkennbar unter hohen Standardabweichungen). Eine eindeutige Bewertung der
berechneten Mittelwerte war bedingt durch den Datenrücklauf nur sehr eingeschränkt
möglich. Damit dennoch eine nachvollziehbare Aussage getroffen werden konnte,
wurde die Betrachtung von Minima und Maxima zur jeweiligen Fragestellung
vorgezogen.
In der Praxis der PSNV-B zeigt sich nach Auswertung der Datenlage im Freistaat
Sachsen, entgegen der Aussagen der AMWF-Leitlinie Notfallpsychiatrie, dass der
überwiegende Teil von KIT Team Mitarbeitenden keine Mitarbeitende des
Rettungsdienstes sind. KIT Teams in Sachsen organisieren sich in einer
Vereinsstruktur, oder sind bei Trägern angebunden. Ist dieser Träger eine
Hilfsorganisation, die auch im klassischen Rettungsdienst tätig ist, hat dies nicht
automatisch zur Folge, dass die Mitglieder des Teams überwiegend Mitarbeitende
dieses Rettungsdienstes sind.
Des Weiteren wird Notfallseelsorge in Sachsen nicht ausschließlich durch kirchliches
„Fachpersonal“ (Pfarrer, Seelsorger, Religionspädagogen usw.) realisiert, sondern
diese geistlichen Fachpersonen sind überwiegend als Einzelpersonen in KIT- oder
Notfallseelsorge Teams zur Betreuung Betroffener tätig. Teams, die sich als
Notfallseelsorgeteams bezeichnen, haben neben einzelnen Pfarrern überwiegend
keine geistlichen Mitglieder.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Der Geistliche der Polizeiseelsorge ist durch die Kirche beauftragt und leistet diese
Seelsorge Aufgabe hauptamtlich.
Nachfolgend werden die Ergebnisse der Befragung von 22 PSNV-B Teams dargestellt,
die im Untersuchungszeitraum bereit waren, durch ein online-Interview zur
Teamstärke und der Einsatzstatistik an der Datenerhebung teilzunehmen.
Historie der Teamstärken in PSNV-B Teams von 2015 bis 2018
Die Anzahl der Aktiven in der PSNV-B schwankt von 7 Personen bis maximal
55 Personen pro Team (Tabelle 2). Den Zeitverlauf von 2015 bis 2018 betrachtend
zeigt sich im Ergebnis, dass kleinere Teams eher größere Probleme haben, eine
konstante oder wachsende Anzahl von Helfenden zu halten bzw. zu gewinnen.
Größere Teams konnten eine Tendenz des stetigen Wachsens aufweisen.
Tabelle 2: Minimale und maximale Teamstärken im Laufe der Jahre. Angegeben in absoluten
Häufigkeiten (n=22)
Helferfluktuation
Zur Helferfluktuation und deren Gründe machten Teams nur zurückhaltend Aussagen.
Auf Nachfragen durch das Gutachterteam wurde angegeben, dass diese Gründe zum
Teil nicht bekannt seien, oder falls sie durch ausscheidende Helfende benannt wurden,
diese Gründe der Teamleitung im Vertrauen mitgeteilt worden seien und man daher
keine Angaben machen wolle.
7
10
11
9
40
46
50
55
2015
2016
2017
2018
TEAMENTWICKLUNG
Min
Max

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Altersverteilung und Berufstätigkeit der Aktiven in PSNV-B Teams
Fragen zur Altersgruppenverteilung und Berufstätigkeit der ehrenamtlich Aktiven
wurden zur Bewertung der Historie und Ableitung einer geforderten Prognose 2030 für
jedes Einsatz Jahr von 2015 bis 2018 im Vorabinterview abgefragt.
Abbildung 5: Muster Fragebogen PSNV-B Vorabinterview Item
Alter und Berufstätigkeit
Hierbei sollte untersucht werden, welche Altersgruppen eher hoher Fluktuation
unterliegen und wie hoch und konstant der Anteil an Erwerbstätigkeit bei den
Helfenden liegt. Die Untersuchten machten zur Verteilung der Altersgruppen im Team
(Abbildung 5) keine umfassenden Angaben, die Berufstätigkeit betreffend erfolgten nur
vereinzelt Aussagen. Offensichtlich fiel es den befragten Teams schwer, zu dieser
Fragestellung rückblickend detaillierte Antworten zu geben, je weiter zurück in die
Vergangenheit gefragt wurde.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Tabelle 3: Angaben zur Historie der Altersverteilung, angegeben in absoluten Häufigkeiten (n=22)
Manche Teams existierten im Jahr 2015 noch nicht. Bei einem Team waren durch
einen Wechsel in der Teamleitung für die vergangenen Jahre keine Daten mehr
vorhanden. Der häufigste Grund für die Schwierigkeiten der Teams diese Frage zu
beantworten lag schlicht daran, dass Daten dieser Art nicht durch die Teamleitungen
über die Jahre hinweg festgehalten wurden. Die Aussagen zeigen im Ergebnis
(Tabelle 4), dass in fast ¾ aller Teams die aktiv Helfenden zwischen 41 und 50 Jahre
alt sind, gefolgt von mehr als der Hälfte im Alter von 51 bis 60 Jahren. Man könnte
vermuten, dass die meisten dieser Helfenden im Berufsleben stehen.
Tabelle 4: Durchschnittliche prozentuale Altersverteilung der Aktiven PSNV-B (n=22)
0
5
10
15
20
25
2015
2016
2017
2018
2019
Altersverteilung Teammitglieder PSNV-B
keine Angaben
Angaben
1,98%
38,57%
40,36%
73,44%
57,86%
31,74%
7,30%
U N T E R 2 1
21-30
31-40
41-50
51-60
61-70
ÜBER 70
ALTERSVERTEILUNG IM DURCHSCHNITT

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Als weiteres Ergebnis zeigt sich eine Kontinuität bei der Verteilung der aktiv Helfenden
innerhalb der oben beschriebenen Lebensalter Gruppen. Diese stellen sich über die
vergangenen Jahre hinweg als Konstante dar (Tabelle 5).
Tabelle 5: Altersverteilung
Eine hohe Anzahl von Teammitgliedern im Altersband von 41 – 60 Jahren zeigt, dass
sich offensichtlich ein großer Anteil lebenserfahrener Menschen in der PSNV-B
ehrenamtlich engagieren wollen. Dies stellt die Teams mit Perspektive auf 2030 vor
die Herausforderung, neue Teammitglieder zu gewinnen und zu qualifizieren, damit
insbesondere Teams mit geringerer Teamstärke dauerhaft „überleben“ können.
B 2
Empfehlung zum kontinuierlichen Teamaufbau zur Sicherung der PSNV
Teamstärken
Damit die PSNV Teams mit einem höheren Altersdurchschnitt auch über das Jahr
2030 hinaus handlungsfähig bleiben können, müssen Nachwuchsarbeit und
Ausbildungsplanung kontinuierlich und rechtzeitig erfolgen.
Für Auswahl, Ausbildung und Herstellung der Einsatzfähigkeit ist eine erforderliche
Zeitspanne von zwei Jahren zu beachten.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Aktive Helfende in PSNV-B Teams
Im Ergebnis der Befragung zeigte sich (Tabelle 6), dass 87,7% der Helfenden
überwiegend aktiv im KIT und NFS Dienst eingebunden sind. 12,3% wurden als
weitere Angehörige der Teams beschrieben. Dieser Personenkreis ist nach Aussage
überwiegend mit den administrativen Aufgaben betraut. Die Gründe hierfür sind sehr
vielschichtig und reichen von „nicht ausgebildet“ bis zu „Ende des Einsatzdienstes aus
Altersgründen“.
Tabelle 6: Prozentualer Anteil der aktiv Helfenden in den Teams (n=22)
Regelmäßig Aktive in der PSNV-B
In einem ehrenamtlich zu leistendem Dienst können nicht immer alle Helfenden ihre
Zeit uneingeschränkt einbringen. So gibt es Teammitglieder, die sich regelmäßig zur
Betreuung von Betroffenen einbringen können, aber auch Menschen, die aus
unterschiedlichen Gründen weniger aktiv beteiligt sind.
Die Regelmäßigkeit, in der die Aktiven am Dienst teilnehmen (können), ist
unterschiedlich. Nicht jeder aktive Helfer nimmt regelmäßig am Dienst teil (Tabelle 7).
87,69%
12,31%
Anteil der aktiven an der Gesamtzahl der
Helfenden
restliche Helfende
PSNV-B

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Tabelle 7: Prozentualer Anteil der Aktiven PSNV-B (n=22)
Psychosoziale Fachkräfte als Aktive in PSNV-B Teams
Der im Jahr 2019 aktuell angegebene Anteil psychosozialer Fachkräfte (PSF) in einem
PSNV-B Team ist sehr unterschiedlich. Es gibt Teams ohne PSF als Helfende und
vereinzelt Teams mit einem höheren Anteil, maximal arbeiten 10 PSF regelmäßig
ehrenamtlich in einem Team mit (Tabelle 8).
Tabelle 8: Minimale und maximale Anzahl der jeweiligen Arten von Helfenden. Angegeben in
absoluten Häufigkeiten (n=18)
22,55%
87,69%
73,32%
Anteil PSF an gesamt
Anteil aktive Helfende an gesamt
Anteil regelmäßiger Dienst an gesamt
Aktive Helfende PSNV-B
9
1
7
0
6
0
55
17
35
15
24
10
0
10
20
30
40
50
60
Psychosoziale Fachkräfte PSNV-B 2019
Anzahl min
Anzahl max

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Es gelingt den Psychosozialen Fachkräften am wenigsten regelmäßig am Dienst
teilzunehmen. Insbesondere in Teams mit geringer Teamstärke sind überwiegend
keine PSF im Team integriert.
Vier der 22 Teams trafen zum Vorhandensein Psychosozialer Fachkräfte keine
Aussage.
Im Ergebnis kann der Datenlage entnommen werden, dass Psychosoziale Fachkräfte
für den regelmäßigen Dienst in der PSNV-B im Freistaat Sachsen eher nicht zur
Verfügung stehen und bis auf wenige Ausnahmen nur vereinzelt in Teams mitarbeiten.
Dies ist aus Gutachtersicht für die Bewertung einer fachlich qualifizierten
Rückfallebene relevant. Bei kaum zur Verfügung stehenden psychosozialen
Fachressourcen bleiben die Teammitglieder im Einsatz auf sich selbst und ihre
Kollegen angewiesen und können ggf. herausfordernde Situationen nur im Nachgang
mit Psychosozialen Fachkräften reflektieren. Ihnen fehlt zudem die Rückfallebene.
A 12
Empfehlung zu Einbezug und Einbindung von Psychosozialen
Fachkräften (PSF) in die PSNV
Die Einbindung von Psychosozialen Fachkräften in alle Teams als Rückfallebene im
Einsatz, als fachlich Zuständige für Aus- und Fortbildung, sowie als erste
Ansprechpartner nach besonderen Einsätzen für die Helfenden wird empfohlen.
Zudem können PSF die Fallreflexionen bzw. Intervisionen an den Teamabenden
moderieren und leiten.
Anbindung der Teams und PSNV-B Kräfte an die BRK-Behörden
Zur Erfassung der Teamanbindung an die BRK Behörden wurden einerseits die
Landratsämter
und
Behörden
der
Kreisfreien
Städte
sowie
die
Rettungszweckverbände interviewt. Andererseits wurden die PSNV-B Teams dazu
befragt, wie sie ihre Anbindung an die BRK Behörden einschätzen.
Es ergab sich ein vielfältiges, teils widersprüchliches Bild.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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A 13
Empfehlung zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft PSNV auf Ebene
Landkreis / kreisfreie Stadt
Wissen voneinander – helfen Miteinander – Reibungsverluste vermeiden
Aus Gutachtersicht wird die Einrichtung einer ARGE PSNV (Arbeitsgemeinschaft) pro
Landkreis, kreisfreie Stadt empfohlen. Ziel sollten Vernetzung, gemeinsame
Fortbildungen oder Erfahrungsaustausch über Teamgrenzen hinweg sein.
- Aufbau einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) in jedem Landkreis
- Alle Anbieter der PSNV zusammenbringen
* Hilfsorganisationen, Kirchen, Regionalleitstellen, freie Träger, ENT, Vertreter
öffentlichen Gesundheitsdienst, Träger Psychosozialer Beratungsstellen u.w.
* Geschäftsführung rotierend, Administration im Landratsamt
- gemeinsame Fortbildungen
- Ablaufschema und Standardisierung von Einsatzabläufen
- gemeinsame Arbeitsgruppen
A 14
Empfehlung zur Erstellung von Übersichten PSNV bei
Großschadenslage / Katastrophe
Da für eine optimale Versorgung von Betroffenen bei einer Großschadenslage
zwingend die Kenntnis und Vernetzung aller vor Ort existierender PSNV Angebote
erforderlich ist, wird empfohlen, Übersichten zu PSNV Ressourcen bereitzuhalten.
Neben möglichen lokalen kirchlichen Strukturen (Notfallseelsorgeträgerschaft
Diakonie oder Caritas), sollten die Angebote der Hilfsorganisationen und freier Träger
als Krisenintervention, Krisenhilfe oder Notfallseelsorge usw. miteinbezogen sein
Für überörtliche Katastrophen wird empfohlen, die aktuelle Gesamtübersicht dieser
PSNV Angebote der einzelnen Landkreise dem SMI bzw. der Landesdirektion
Sachsen zur Verfügung zu stellen.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Anbindung aus Behördensicht
In der Summe ergab sich eine Rückmeldequote durch die BRK Behörden von 46,67 %.
Tabelle 9 gibt einen Überblick der Teilnehmenden zu den Interviews.
Bezeichnung
Rückmeldung
erfolgt
Interview
durchgeführt
Bemerkungen
Landratsamt
Nordsachsen
Ja
Ja
Stadtverwaltung Leipzig
Ja
Ja
Stellvertretend
Branddirektion
Landratsamt
Mittelsachsen
Ja
Ja
Landratsamt
Erzgebirgskreis
Ja
Ja
Landratsamt Görlitz
Ja
Ja
Landratsamt Sächsische
Schweiz / Osterzgebirge
Ja
Ja
Landratsamt Meißen
Ja
Ja
Rettungszweckverband
Südwestsachsen
Ja
Ja
Tabelle 9: Rücklaufquoten Behörden

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Die durchgeführten Interviews bezogen sich inhaltlich im Schwerpunkt auf die Themen
Vernetzung, finanzielle Unterstützung von PSNV Teams sowie Wünsche und
Vorschläge zur Weiterentwicklung des Dienstes.
Im Ergebnis zeigte sich, dass die interviewten Vertreter der Behörden mit den
PSNV-B Teams in Kontakt stehen. In zwei Landkreisen sind die BRK Behörden mit
den Teams im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) verbunden. Für den Fall
einer Großschadenslage bzw. im Katastrophenfall ernennen zwei der befragten
Landratsämter PSNV Verantwortliche. In einem Landkreis als Leiter PSNV, in einem
anderen Landkreis wird ein Fachberater PSNV im Stab hinzugezogen. Im Ergebnis
bestätigten 71 % der Befragten eine aktive Unterstützung der PSNV-B Teams.
Bei den Angaben zur Finanzierung von PSNV zeichnete sich ein sehr heterogenes
Bild ab. Beginnend von 0 € (beim Vorhandensein dreier Teams im entsprechenden
Landkreis) bis zu einer Unterstützung von 28500 € (beim Vorhandensein von vier
Teams im entsprechenden Landkreis) pro Jahr.
Als Mittelwert werden die Teams mit Summen von 1.500,00 € bis zu 7.500,00 € pro
Jahr und Team durch Landkreise unterstützt. (Der Landkreis mit 0 € Zuschuss wurde
hierbei nicht betrachtet).
Folgende Wünsche und Vorschläge wurden von den Behördenvertretern formuliert:
Höhere Wertschätzung des Dienstes der PSNV
Finanzierung durch den Freistaat
Vereinheitlichung von Standards in der PSNV-B
Grundlagen durch Weisungen schaffen
Festlegen von Einsatzindikationen
Gesetzliche Grundlage außerhalb der KatS Struktur
Anbindung aus Teamsicht PSNV-B
Aus Sicht der interviewten Teams (Tabelle 10) stellte sich die Anbindung an die BRK
Behörden mit 60,9% als vorhanden dar. Es wurden 23 Aussagen ausgewertet, 14
Teams beantworteten die Frage mit ja, 9 Teams mit Nein, diese sahen für ihr Team
demnach keine Anbindung an die BRK-Behörden.

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Tabelle 10: Anbindung der Teams an die BRK-Behörden. Angegeben in absoluten Häufigkeiten
(n=23)
Weitere oder die Anbindung konkretisierende Aussagen (mögliche Aussagen durch
Nutzung offener Antwortfelder) wurden von den interviewten Teams nicht getroffen.
Aus Gutachtersicht nehmen die BRK Behörden die Team Anbindung an örtliche BRK
Behörden mit 71% deutlich positiver wahr, als dies aus Teamsicht wahrgenommen
wird. Mit nicht erlebter Anbindung von 45% aus Sicht der Teams ist diese
unterschiedliche Wahrnehmung erheblich und macht deutlich, dass aktive Vernetzung
miteinander noch Ausbaupotenzial hat. Im Falle größerer Schadenslagen stellen
PSNV-B Teams wertvolle Unterstützungsressourcen der jeweiligen BRK Behörde dar.
Damit diese im Bedarfsfall genutzt werden können, ist eine Vernetzung und Anbindung
unerlässlich.
K 3
Empfehlung zur konsequenten Einbindung der PSNV in BRK
Da die BRK Behörden im Fall sich ereignender komplexer Schadenslagen im jeweilig
eigenen
Zuständigkeitsbereich
von
den
PSNV-B
Teams
als
wertvolle
Unterstützungsressourcen profitieren, wird empfohlen, den aktuell bestehenden Grad
der Vernetzung zu intensivieren und eine kontinuierliche Anbindung anzustreben,
damit diese im Bedarfsfall genutzt werden können.
Kommunale Unterstützung aus Teamsicht
Zur Bewertung der erlebten Unterstützung durch die Kommune fiel die Einschätzung
der Teams deutlich negativ aus (Tabelle 11).

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Auf die Frage: „Werden Sie in ihrer Arbeit durch die Kommune aktiv unterstützt?“
antworteten 12 der 23 Teams mit Nein. Sieben Teams beschreiben ihre Anbindung
statt an eine Kommune an das DRK, drei Teams an einen Rettungszweckverband.
Tabelle 11: Teamsicht auf die Unterstützung durch die Kommune, angegeben in absoluten
Häufigkeiten (n=23)
In einem zusätzlichen offenen Antwortfeld konnten die befragten Teams über die
geschlossene Frage hinaus beschreiben, inwieweit sie Unterstützung erhalten und wie
sie sich eine Verbesserung wünschen.
Hier wurden unter dem Punkt „Andere Antwort“ folgende Unterstützungsformen
benannt:
Unterstützung durch das Landratsamt
Unterstützung durch den Landkreis
Unterstützung durch mögliche Nutzung eines Raums
Finanzielle Unterstützung (ohne Angabe von Umfängen dieser)
Die Verantwortung für die Gewährung und Realisierung von Daseinsvorsorge liegt auf
kommunaler Ebene. Mit ihren Unterstützungsangeboten für betroffene Bürger
realisieren PSNV-B Teams Daseinsvorsorge durch ihr ehrenamtliches Engagement.
Daher sollten sie aus Gutachtersicht stringent Unterstützung für ihre Tätigkeit auf
kommunaler Ebene erfahren, die 52% der Teams aktuell jedoch nicht wahrnehmen.

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Teamanbindung an freie Träger
59,1% der Teams beschrieben ihre Anbindung an freie Träger - 40,9% beantworteten
die Frage mit Nein. (n=23)
Auf die Frage, an welchen Träger die Teams angebunden sind, fielen die Antworten
nicht mehr konsistent aus, manche Teams beantworteten die Frage nicht, nur
14 Teams antworteten (Tabelle 12):
„Wo und wie sind Sie mit Ihrem Team an einen freien Träger angebunden“. Unter der
Antwortmöglichkeit „Andere“ wurden eine Beratungsstelle benannt sowie die Herberge
Burkhard als evangelisch freikirchliche Gemeinde.
Tabelle 12: Anbindung an freie Träger, Teamsicht (n=14)
Die Frage nach
vertraglichen Vereinbarungen und Verpflichtungen
wurde nur
vereinzelt durch die Teams beantwortet, da solche Vereinbarungen nur in Einzelfällen
vorhanden sind.
Das ehrenamtliche Engagement in PSNV-B Teams findet überwiegend ohne
vertragliche Vereinbarungen und Verpflichtungen mit Trägern oder anderen
Institutionen oder Behörden statt. Hierdurch erhalten die Teams einen wertvollen
Freiraum zur Umsetzung ihrer Tätigkeit. Die Anbindung der Teams wird im guten
Querschnitt zu verschiedenen Trägern realisiert. Allerdings stellt dies die Teams
hinsichtlich erforderlicher und sinnvollerweise aufzubauenden Vernetzung miteinander
vor die Herausforderung, dass diese Vernetzung aktiv angegangen werden muss.
0
1
2
3
4
5
6
Diakonie
eingetragener Verein (selbstständig
evangelische Kirche
Caritas
Andere

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B 3
Empfehlung zur Umsetzung der PSNV-B
Etablierte und bewährte Strukturen der PSNV-B sollten ausgebaut und ggf. verstärkt
werden. Parallele Strukturen müssen identifiziert und ausdifferenziert werden, damit
ein integratives Ganzes entstehen kann. Sodann kann im Detail optimiert werden. Die
Schaffung eines gänzlich neuen Versorgungssystems würde den aktiven Akteuren
nicht gerecht werden und deutliche Reibungsverluste nach sich ziehen.
Notfallseelsorge im Freistaat Sachsen
Im Freistaat Sachsen wird die Notfallseelsorge ökumenisch durch die Evangelisch-
Lutherische Landeskirche Sachsen, sowie die röm. kath. Diözesen Dresden-Meißen
und Görlitz verantwortet.
Der Begriff Notfallseelsorge ist viel jünger als das pastorale Handeln, das er benennt.
Das Motiv „Komm zu uns, zögere nicht“ (Apg. 9,38) stellt heraus, dass schon zu
apostolischer Zeit das rasche Kommen der Hirten ein wichtiger Bestandteil des
pastoralen Handelns war. Der Auftrag zur Seelsorge in Notfällen gehört daher zu den
grundlegenden und unverzichtbaren Aufgaben kirchlichen Handelns. In den 1990er
Jahren bemühten sich Einsatzkräfte aus Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei immer
häufiger, noch an den Einsatzstellen Seelsorgerinnen und Seelsorger der
Pfarrseelsorge zu verständigen, um Angehörige zu stützen und zu trösten. Dies
geschah auch dann, wenn Einsatzkräfte oder Hinterbliebene eher kirchenfern waren.
Aus diesen Anfängen entwickelten sich Strukturen, die zunehmend die eher zufälligen
persönlichen Kontakte zwischen Einsatzkräften und Seelsorgern ersetzten.
Ein wichtiger Schritt zur Konsolidierung auf Bundesebene waren die „Kasseler
Thesen“, die 1997 einen ökumenischen Konsens im Verständnis der Notfallseelsorge
festschrieben. Als Fortschreibung der „Kasseler Thesen“ verabschiedete die
Konferenz Evangelische Notfallseelsorge 2007 die „Hamburger Thesen“
28
.
Organisatorisch schlossen sich seitens der evangelischen Kirche die landeskirchlichen
Beauftragten zur „Konferenz Evangelische Notfallseelsorge (KEN)“ zusammen. Auf
katholischer Seite trifft sich die Bundeskonferenz Katholische Notfallseelsorge mit den
Beauftragten aus den 27 deutschen Diözesen. Beide Gremien arbeiten miteinander
28
https: / /
www.nfs-bw.de
/ html / media / dl.html?i=173725

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vernetzt. Seit 1998 findet der „Bundeskongress Notfallseelsorge und
Krisenintervention“ statt. Er hat sich als qualifiziertes Forum für Fort- und
Weiterbildung, für Austausch und Kontaktpflege fest etabliert. Seit 2019 findet dieser
Kongress zukünftig in zweijährigem Turnus in Erfurt statt.
Mit dem Impulspapier „Komm zu uns, zögere nicht! (Apg 9,38) Notfallseelsorge:
Seelsorge angesichts des plötzlichen Todes“ vom 23. Januar 2018, herausgegeben
vom
Sekretariat
der
Deutschen
Bischofskonferenz
in
Bonn,
hat
die
Pastoralkommission
der
Deutschen
Bischofskonferenz
ein
ganz
aktuelles
Arbeitspapier zur Stellung und Situation der Notfallseelsorge veröffentlicht.
Notfallseelsorge ist zu verstehen als ein Angebot der Kirchen, Menschen seelsorglich
beizustehen, die sich in einer akuten Notsituation befinden (z.B. durch Verletzung und
Tod von Angehörigen). Die Kirchen nehmen diese Aufgabe grundsätzlich in
ökumenischer Weite wahr. Im Mittelpunkt der Notfallseelsorge steht allein der Hilfe
bedürftige Mensch. Jedes missionierende Anliegen ist der Notfallseelsorge fremd.
Die Vernetzung der Kirche mit den Strukturen der Gefahrenabwehr führt dazu, dass
Notfallseelsorge diakonisch in der gesamten Gesellschaft präsent ist. Die Integrierten
Regionalleitstellen verständigen die Notfallseelsorge unabhängig von der Frage, ob
und wie die Betroffenen konfessionell gebunden sind. Damit legitimiert die
Notfallseelsorge ihr Handeln nicht nur innerhalb der Kirche, wenn sie alle Menschen
unserer Gesellschaft begleitet, sondern muss dies auch gesamtgesellschaftlich auf der
Grundlage der Human- und Sozialwissenschaften tun. Stößt sie an Grenzen der
Begleitung, verweist sie auf Helfer anderer Anbieter. Notfallseelsorger sind im
offiziellen Auftrag ihrer Kirche tätig. Sie haben eine formelle Beauftragung ihrer Kirche.
Die Notfallseelsorger verantworten ihren Dienst jeweils gegenüber ihren kirchlichen
Auftraggebern. Dies garantiert eine verlässliche Seriosität und eine überprüfbare
Qualität der Arbeit.
Notfallseelsorge als qualifizierter Dienst
Notfallseelsorger haben über ihre seelsorgliche Eignung hinaus eine besondere
Qualifikation für die Begleitung von Menschen in psychisch belastenden Situationen
sowie Kenntnisse über die Organisation von Rettungsdiensten, Feuerwehr, THW und
Polizei. Zur Professionalität der Notfallseelsorge gehört die Fähigkeit, ihre
Möglichkeiten
und
Grenzen
einzuschätzen.
Notfallseelsorge
ist
einerseits
eingebunden in das Netz gemeindlicher Strukturen der Seelsorge sowie der

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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verschiedenen kirchlichen Beratungsstellen. Andererseits ist Notfallseelsorge in
engem Kontakt bzw. in Kooperation mit den Kriseninterventionsteams oder –diensten
der Hilfsorganisationen oder Vereinen. Sie ist letztlich ein Dienst, der darauf
ausgerichtet ist, die Mitarbeiter in der gemeindlichen Seelsorge zu unterstützen und
zu entlasten.
Den Dienst der Notfallseelsorge übernahmen bisher hauptsächlich hauptberufliche
Mitarbeiter der Kirchen mit einer seelsorglichen Berufsausbildung. Weiterhin sind
Menschen in der Notfallseelsorge tätig, die hierfür aufgrund ihrer therapeutischen oder
beraterischen Berufsausbildungen die notwendigen fachlichen Voraussetzungen
mitbringen. Zunehmend erwerben seit einigen Jahren Ehrenamtliche durch Fort- und
Weiterbildungen die erforderlichen Seelsorgequalifikationen als Voraussetzung für die
Notfallseelsorge, um diesen Dienst weiter tragen zu können. Die kirchlich anerkannten
Ausbildungen schaffen die Basis für seelsorgliche Handlungskompetenz.
In den letzten Jahren wurde im ganzen Bundesgebiet ein flächendeckendes System
der psychosozialen Versorgung nach Unglücksfällen und Katastrophen aufgebaut.
Hierzu bieten verschiedene Organisationen und Institutionen Maßnahmen und
Angebote zur Unterstützung bei der Verarbeitung psychisch belastender Erlebnisse
an.
Notfallseelsorge ist Teil dieser Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Sie
geschieht in enger Partnerschaft mit Rettungsdiensten, Feuerwehr, THW und Polizei
und ist eingebunden in die staatliche Gliederung des Katastrophenschutzes und der
Gefahrenabwehr. Daher richtet sie sich nicht nach kirchlichen Strukturen aus, sondern
nach der entsprechenden Organisation im jeweiligen Bundesland.
Umsetzung der Notfallseelsorge im Freistaat Sachsen
Im Freistaat Sachsen wird die Notfallseelsorge durch die Evangelisch-lutherische
Landeskirche in Sachsen sowie die Diözesen Dresden-Meißen und Görlitz
verantwortet. Aus den kirchlichen Strukturen heraus werden die Landeskirche und die
Diözesen durch die Fachverbände der Diakonie und der Caritas unterstützt. Aber auch
die kirchlich angebundenen Hilfsorganisationen der Johanniter Unfallhilfe e.V. und des
Malteser Hilfsdienst e.V. leisten unterstützende Arbeit.
Reine Notfallseelsorgeteams sind im Freistaat Sachsen nicht vorhanden. Vielmehr
handelt es sich immer um gemischte Teams aus Seelsorgern beider Konfessionen mit

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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der Zusatzqualifizierung Notfallseelsorge, die diesen Dienst dann aber auch als
Ehrenamt sehen und von Nichttheologen unterstützt werden. Sehr häufig erfolgt die
Zusammenarbeit mit Kriseninterventionsteams der Hilfsorganisationen oder, gerade
im Freistaat Sachsen, mit Diakonie, Caritas und eingetragenen Vereinen.
Die Richtlinie zur Organisation der Notfallseelsorge vom 29.04.2003 in der
Evangelisch-lutherische
Landeskirche
Sachsen
schreibt
vor:
„Geeignete
Gemeindeglieder, Pfarrer und Mitarbeiter können in der Notfallseelsorge-
Rufbereitschaft ehrenamtlich mitarbeiten. Die Kirchenbezirke bestimmen jeweils einen
Koordinator für Notfallseelsorge. Die Koordinatoren für Notfallseelsorge erhalten durch
den Superintendenten einen Auftrag im Rahmen ihres Pfarrdienstes.“
Darüber hinaus gibt es einen Beauftragten der Landeskirche für Notfallseelsorge, der
aus
dem
Konvent
der
Notfallseelsorgekoordinatoren
auf
Vorschlag
des
Landeskirchenamtes herausgewählt wird.
Die Aufgabenumschreibung umfasst neben der Leitung des Konvents auch Kontakt zu
anderen notfallseelsorgerlich Tätigen, darunter auch den Polizeiseelsorgern und
Pfarrern im Bundesgrenzschutzes, jetzt Bundespolizei. Zusätzlich ist der Kontakt zum
Landeskirchenamt und zum Sächsischen Staatsministerium des Inneren in Sachen
Notfallseelsorge, Krisenintervention und Katastrophenschutz zu halten.
Bzgl. der Finanzierung ist eigens festgelegt, dass der Superintendent und der
Kirchenbezirkskoordinator für Notfallseelsorge sich gegenüber dem jeweiligen
Landkreis bzw. der kreisfreien Stadt um volle Kostendeckung zu bemühen hat. Danach
noch verbleibende Beträge sind dem Kirchenbezirkshaushalt einzustellen.
Im Bereich der röm. kath. Diözese Dresden-Meißen gibt es genau zwei offiziell
ernannte Notfallseelsorger durch die Diözesanleitung, die beide hauptberuflich einer
Hilfsorganisation angehören und den Dienst als Notfallseelsorger ehrenamtlich
durchführen. Ein Diözesanbeauftragter für Notfallseelsorge ist nicht vorhanden.
Ehrenamtliche Helfer / innen finden sich in den Strukturen der Caritas oder auch des
Malteser Hilfsdienstes wieder, die beide der katholischen Kirche als Fachverbände
zuzurechnen sind.
In der Diözese Görlitz gibt es einen Diözesanbeauftragten für die Notfallseelsorge, der
die Diözese auch in der Bundeskonferenz der Beauftragten für Notfallseelsorge, die
durch die Deutsche Bischofskonferenz, Pastoralkommission, ausgerichtet wird,
vertritt.

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Die Notfallseelsorge wird in der Evang.-luth. Landeskirche Sachsen und den Diözesen
Dresden-Meißen und Görlitz durch die hauptamtlichen Seelsorger / innen in den
Pfarreien und kategorialen Diensten und vor allem durch die ehrenamtlichen Helfer /
innen in den Notfallseelsorge- und Kriseninterventionsteams der Diakonie und der
Caritas abgebildet. Diese Helfer sind nicht unbedingt konfessionell oder kirchlich
gebunden.
Sowohl die Evangelisch-lutherische Landeskirche Sachsen als auch die röm. Kath.
Diözesen Dresden-Meißen und Görlitz sehen eine enge Zusammenarbeit mit allen
relevanten staatlichen Aufgabenträgern als notwendig an. Diese Notwendigkeit
bezieht sich vor allem auf die Landkreise und kreisfreien Städte, die für die
Organisation
des
Feuerwehrwesens,
des
Rettungsdienstes
und
Katastrophenschutzes verantwortlich sind. In der Handreichung des Sekretariats der
Deutschen Bischofskonferenz
29
wird auch dazu konkret Bezug genommen. So heißt
es, dass mit dem Landesgesetzgeber zu klären ist, „inwieweit eine strukturelle
Absicherung der Notfallseelsorge nicht nur in den Gesetzen zum Katastrophenschutz,
sondern auch in den jeweiligen Feuerwehr- und Rettungsdienstgesetzen der Länder
sinnvoll und notwendig ist“.
29
29
Die Deutschen Bischöfe, Pastoralkommission, (2018) Nr. 47 Komm zu uns und zögere nicht, Notfallseelsorge,
Seelsorge angesichts des plötzlichen Todes

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Aus gutachterlicher Sicht ergibt die Datenlage der ökumenisch verantworteten
Notfallseelsorge im Freistaat Sachsen folgende Erkenntnis:
Die Notfallseelsorge wird durch die beiden großen Kirchen als wichtiger und
notwendiger Dienst gesehen. Dafür sind Strukturen vorgegeben. Diese Strukturen
werden aber nur punktuell aufgebaut und umgesetzt. Dies kann u.a. auf die geringe
Personaldichte zurückzuführen sein. Korrigierend resultiert daraus eine Einbindung
von Ehrenamtlichen, Nichtgeistlichen (ohne theologisch akademische Ausbildung) in
die Notfallseelsorge.
Positiv wird bewertet, dass die ökumenische Notfallseelsorge kein geschlossenes
System darstellt – ein sogenannter „closed shop“ ist, sondern mit anderen PSNV
Anbietern in engem Austausch steht. Auch werden die Systeme oft in Form von
Kooperationen zwischen Kirche und Hilfsorganisationen bzw. Vereinen realisiert.
Allerdings haben diese Kooperationen eher losen Charakter ohne vertragliche
Verpflichtungen.
B 4
Empfehlung zur intensiveren Nutzung kirchlicher Strukturen
Aus Gutachtersicht wird empfohlen, dass die Kirchen eigene Ressourcen wie
kirchliche Verbände, Caritas und Diakonie bzw. kirchliche Hilfsorganisationen,
Malteser und Johanniter noch enger in die Tätigkeit des Bereichs PSNV-B
einbeziehen.
Ebenso
wird
die
Empfehlung
ausgesprochen,
dass
diese
Hilfsorganisationen ihren kirchlichen Hintergrund verstärkt in den Blick nehmen, um
Synergien mit Hinblick auf die Gewinnung Helfender für die PSNV-B zu verstärken.
Hierbei sollte bewusst der Fokus „Kirchenzugehörigkeit“ weniger bedeutsam gewichtet
werden („missionieren“) als das Ziel, neue PSNV Kräfte für KIT und NFS zu generieren
und vorhandene Ressourcen mit in den Dienst der PSNV-B einzubinden.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Erhebung Alarmierungsverfahren und Koordination der Kräfte im
Einsatzfall
Für die PSNV-B Teams sollte erfasst werden, wie die Integration in Alarm- und
Ausrückeordnungen umgesetzt wird, welche Dienstplansysteme umgesetzt werden,
welche Alarmierungsmittel genutzt werden bzw. wie sich die Alarmierungswege
darstellen.
Dienstplan
Die Frage nach der Existenz eines Dienstplanes beantworteten alle 23 Teams
(Tabelle 13). Die meisten Teams hinterlegen ihren Dienstplan an der Leitstelle
(52,2%). Ein gutes Drittel der Teams bevorzugt die intern im Team bekannte
Hinterlegung eines Dienstplans (39,1%). 13% der Teams gaben an, keinen Dienstplan
zu haben.
Zusätzlich gaben einige Teams im offen zu beantwortenden Punkt „Andere“ an:
Ein
Mittelsmann
habe
Zugriff
und
vermittle
zwischen
Integrierter
Regionalleitstelle (IRLS) und dem Diensttuenden
Es liegen jeweils dem Führungsdienst ein Dienstplan vor
Für die einzelnen Helfer sei dieser zusätzlich bekannt
Die IRLS erhalte nur die Erreichbarkeit eines Hintergrund-Dienstes aus dem
Team

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Tabelle 13: Existenz Dienstplan, Teamsicht, Angaben in absoluten Häufigkeiten (n=23)
Ein Dienstplan ist ein mögliches Instrument, Bereitschaftsdienste z.B. in der PSNV
abgestimmt mit den Helfenden zu planen und mögliche freie bzw. doppelt besetzte
Zeiträume zu erkennen und möglichst alle Bereitschaftszeiten abzudecken.
Ein Dienstplan kann handschriftlich verfasst, am Computer eingegeben oder auch
online direkt verwaltet werden.
Neben einem festen, egal in welcher Form erstellten Dienstplan, gibt es noch weitere
Möglichkeiten einer robusten Dienste Besetzung. Beispielsweise über eine spezielle
Handy App kann eine Gruppenalarmierung erfolgen. Derjenige der den Einsatz
übernehmen kann, quittiert den Alarmruf. Nun erhalten alle anderen Empfänger die
Mitteilung, dass der Einsatz übernommen wurde.
Aufgrund der Vielfältigkeit der Besetzung von Bereitschaftszeiten in der PSNV-B wird
keine spezielle Dienstplanorganisation vorgeschlagen. Jede Variante hat ihre Vor- und
Nachteile, jedes Team sollte, in Abwägung dieser, sich für das individuell bestmögliche
System entscheiden.

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Alarmierung
Zur Frage der Alarmierung gaben alle 23 Teams an, primär über die IRLS angefordert
zu werden. Daneben gibt es aus Sicht der Teams vereinzelt weitere
Alarmierungswege, wie in nachfolgender Abbildung (Tabelle 14) dargestellt:
Tabelle 14: Wege der Alarmierung, Teamsicht, Angaben in absoluten Häufigkeiten (n=23)
Unter dem Punkt „Andere“ wurden folgende Bemerkungen aufgelistet:
Alarmierung wird an „Mittelsmann“ outgesourct
Leitstelle
gibt
private
Handynummer
weiter,
dadurch
erfolgen
Anforderungsanrufe u.a. von Privatperson an die Helfer direkt. Diese verweisen
an die IRLS; öffentliche Handynummer; Firmen; Rettungsdienst
Die Frage, ob die Helfenden im Einsatz mit der Leitstelle in Verbindung bleiben, wurde
zu 95,7% mit Ja beantwortet.
Nach der Frage: „Erhalten Sie auch auf der Anfahrt fortlaufend neue Informationen
zum Einsatz von der Leitstelle?“* beantworteten 22 Teams. 72,7% beantworteten
diese Frage positiv, 27,3% gaben an, keine fortlaufenden Informationen durch die
IRLS zu erhalten (siehe Tabelle 15).
Unter dem Punkt „Andere“ wurde beschrieben, dass ein Koordinator den Kontakt
weiter halte, der dann den zum Einsatzort fahrenden Helfer informiert halte.
*Mit Leitstelle ist die Integrierte Regionalleitstelle gemeint und angesprochen

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Tabelle 15: Informationen auf der Einsatzanfahrt durch IRLS, Teamsicht, Angaben in absoluten
Häufigkeiten (n=22)
Zusätzlich wurden folgende Angaben unter dem Punkt „Andere“ gemacht:
Koordinator erhalte diese, nicht der Helfer; Informationsweiterleitung erfolge über
einen Führungsdienst. Pro Einsatz werde eine individuelle App-Gruppe für die
eingesetzten Helfer gebildet.
Die Weitergabe privater Handynummern durch offiziell Einsatz leitende Stellen wird
aus Gutachtersicht als sehr bedenklich bewertet. Im Sinne des Schutzes der
Privatsphäre und Fürsorge von PSNV Helfenden sollte dies unterbunden werden, auch
wenn diese ihrerseits Anrufende wieder zurück an die IRLS verweisen können.
Das Kontakthalten mit der IRLS während des Einsatzes und auf der Anfahrt zum
Einsatz wird für erforderlich und sinnvoll bewertet, um für Helfende einerseits
maximalen Informationsgewinn zu garantieren und andererseits die Sicherstellung von
Nachalarmierung weiterer Helfenden im Bedarfsfall zu ermöglichen.
B 5
Empfehlung zur Festlegung von Meldewegen
Es wird empfohlen eindeutige Meldewege festzulegen sowie die Vorgaben des
Datenschutzes und der Datenschutzgrundverordnung einzuhalten.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Sicht der Integrierten Regionalleitstellen zu Alarmierungsverfahren und
Koordination der PSNV Kräfte im Einsatzfall
Neben den Teams wurden auch die IRLS interviewt. Von fünf existierenden
Integrierten Regionalleitstellen im Freistaat Sachsen konnten mit Vertretern von dreien
Interviews geführt werden.
Tabelle 16: Führung PSNV-B Teams durch ILRS, Sicht IRLS, Angaben in absoluten Häufigkeiten
(n=3)
Durch die interviewten 3 IRLS werden insgesamt 10 PSNV Teams geführt:
sieben PSNV-B Teams, davon zwei gemischte Teams
drei PSNV-E Teams,
Die beiden nicht interviewten IRLS decken den Bereich Chemnitz und Zwickau ab. In
deren Zuständigkeitsbereich fallen nach Rückmeldungen und geführten Interviews
maximal 10 PSNV Teams:
neun PSNV-B Teams, davon 1 gemischtes Team
ein PSNV-E Teams
Wie in Tabelle 16 dargestellt, gaben alle befragten 23 PSNV-B Teams an, ihre
Alarmierung durch die IRLS zu erhalten. Hier gibt es eine deutliche Differenz zur
Wahrnehmung der PSNV-B Teams und der IRLS, denn nach Auswertung und
Hochrechnung können durch die IRLS maximal 20 Teams geführt werden.
23
7
3
2
0
5
10
15
20
25
Teams PSNV-B gesamt
PSNV-B
PSNV-E
PSNV-B + E
Führung von PSNV-Teams durch drei IRLS

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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In der Wahrnehmung der IRLS werden die Teams unterschiedlich verständigt.
Entweder durch die Leitstelle selbst, durch die Leitstelle und die Polizei oder durch die
Leitstelle, Polizei, Hilfsorganisationen und die Freiwilligen Feuerwehren.
Bei zwei Leitstellen ist die PSNV-B und davon bei einer Leitstelle auch die PSNV-E in
der Alarm- und Ausrückeordnung hinterlegt. Nach Aussagen der IRLS verfügen alle
über Dienstpläne der PSNV-B Teams.
Nur eine Leitstelle alarmiert nach klar definierter Indikationsliste bzw. nach
Einsatzstichworten.
Alarmierungs- und Ausrückeordnung
Alarmierungen erfolgen nach einer Alarmierungs- und Ausrückeordnung in
verschiedenen Stufen. Die IRLS machten dazu folgende Aussagen:
Bei Alarmierungsstufe 4 werden PSNV-B Teams laut befragten IRLS immer
voralarmiert, bei Alarmierungsstufe 3 wird immer KIT Alarm ausgelöst.
Bei einer anderen IRLS ist die Alarmierung von PSNV-B nur bei MANV eingestellt, hier
bei MANV 4 mit 60 Betroffenen.
Verlässlichkeit der Einsatzdurchführung
Nach Aussagen der Leitstellen kommt es eher selten vor, dass es nach Alarmierung
durch die IRLS nicht zu einem PSNV-B Einsatz kommt.
Eine IRLS schätzte ein, dass dies durchschnittlich einmal in 10% aller Einsätze eintritt.
Zwei Aussagen beschrieben diesen Sachverhalt bei geschätzt durchschnittlich zwei
Mal in 5% der Einsätze pro Jahr.
Die interviewten Leitstellen berichten, dass sie zum Einsatzabschluss durchgehend
Rückmeldungen erhalten, dies widerspricht sich mit den Aussagen vereinzelter
Teams, die generell keine Rückmeldung geben.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Einschätzungen der Integrierten Regionalleitstellen
Gefragt nach möglichen Verbesserungen zur PSNV in ihrem Leistellenbereich, wurden
von den drei interviewten IRLS folgende Punkte benannt:
Finanzierungen bei überregionalen Einsätzen im Land Sachsen sollte für alle
Teams unabhängig von ihrer Verortung ermöglicht werden. Bisher gebe es
diese Regelung nur für das KIT Team in Dresden, wenn dieses in einem
anderen Landkreis eingesetzt werde.
Es wird eine automatisierte Alarmierung empfohlen: Umso automatischer
umso besser – zum Aufbau und zur Sicherstellung von Routine.
Anstatt einer Erreichbarkeit der eingesetzten Helfenden oder Teams über
Mobiltelefone wird dazu die Kommunikation über digitale Meldeempfänger
(DME) mit Rückruf zur Alarmierung empfohlen.
Entwicklung einheitlich standardisierter Alarmierungen im Freistaat.
Aus gutachterlicher Sicht zeigt sich eine Vielfalt unterschiedlicher Alarmierungswege
von strukturierten Meldeverfahren bis hin zu nicht sichergestellter Umsetzung.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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A 15
Empfehlung zur Führung der PSNV durch die IRLS
Alarm und Ausrückeordnung (AAO)
Es wird empfohlen, dass in jeder Integrierten Regionalleitstelle, sofern nicht bereits
geschehen, die PSNV in die AAO aufgenommen, und mit Alarmierungsstichworten
hinterlegt wird.
Es wird empfohlen, die Stichworte im Freistaat Sachsen für alle IRLS zu
standardisieren.
Es wird empfohlen, in den Leitstellen eindeutige Kataloge / Übersichten über die
Einsatzgebiete der zugeordneten Teams vorzuhalten.
Es wird empfohlen, eine eindeutige Alarmierungs- und Rückmeldedisziplin
einzurichten. (z.B. Wer hat sich wann und wie zurück zu melden)
Aus versicherungstechnischen Gründen wird empfohlen, die Rückmeldung an die
Leitstelle erst nach Ankunft am Wohnort und nicht direkt vom Ereignisort durch den
Helfenden durchzuführen.
Es
wird
empfohlen,
die
Alarmierung
über
geeignete
und
eingeführte
Alarmierungswege zu realisieren.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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iii. Ausbildungsstandards und vorhandene Qualifikationen, Maßnahmen zur
Qualitätssicherung (u. a. innerhalb der Organisationen, Anforderungen der
BRK-Behörden)
Erhebung bestehender Ausbildungsstandards und vorhandener
Qualifikationen
Laut Auftrag sollte der IST Stand innerhalb der Organisationen erhoben werden, sowie
die Anforderungen der BRK Behörden dazu.
Alle befragten PSNV-B Teams trafen einstimmig die Aussage, dass ihnen keine
Anforderungen der BRK Behörden zu Ausbildungsstandards bzw. Qualifikationen
bekannt sei.
Für die Vor-Ort Interviews waren zur Erhebung der geforderten Daten Fragen
vorbereitet worden, die sich aus den 2013 von den Hilfsorganisationen und Kirchen
gemeinsam konsensierten und veröffentlichten „Gemeinsamen Qualitätsstandards
und Leitlinien zu Maßnahmen der Psychosozialen Notfallversorgung für Überlebende,
Angehörige, Hinterbliebene, Zeugen und / oder Vermissende im Bereich der
Psychosozialen Akuthilfe“
6
ergaben.
Hierzu hatten sich 2013 nach Abschluss des Konsensus-Prozesses PSNV im BBK der
Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V., das Deutsche Rote Kreuz e.V., die
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. sowie die Konferenz Evangelische Notfallseelsorge in der
EKD, die Konferenz der Diözesanbeauftragten für die Katholische Notfallseelsorge
und der Malteser Hilfsdienst e.V. vereinbart.
Es zeigte sich in den Interviews, dass die Teamleitungen nur bruchstückhaft Aussagen
zu Ausbildungsthemen, Umfängen von Ausbildungen oder zu bestehenden Curricula
treffen konnten, in denen ihre Helfenden ausgebildet worden sind.
Viele Teams gaben an, seit Januar 2019 ihre Helfenden durch den vermeintlichen
„Landesverband PSNV Sachsen e.V.“
30
ausbilden zu lassen.
30
Gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch (§ 21) müsste ein Verein, sollte er als „eingetragener Verein“ geführt werden,
beim zuständigen Registergericht eingetragen sein.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Auf Nachfrage stellte sich jedoch für die IST Stand Analyse heraus, dass die aktuell in
den Teams tätigen Helfenden die häufig angegebene Ausbildung noch nicht
durchlaufen haben, sondern zuvor durch andere Anbieter qualifiziert worden sind.
Neben dem „Landesverband PSNV Sachsen e.V.“ gibt es weitere Anbieter, die
Ausbildungen in PSNV-B realisieren und die aktuell tätigen Teams ausgebildet haben.
In Abbildung 6 waren Mehrfachnennungen möglich.
40% „Landesverband PSNV Sachsen e.V.“
40% Verein für Notfallseelsorge und Krisenintervention Mitteldeutschland
7 % DRK Bildungswerk Sachsen
7% Cresco (privater Anbieter)
6% Institut für Notfallseelsorge Jena
Abbildung 6: Ausbildungsanbieter PSNV-B
Es fiel den befragten Teams überwiegend schwer, zur Datenerhebung der
Ausbildungsstandards erschöpfend Auskunft zu geben. Daher erfolgte eine
Recherche
zu
Ausbildungskonzepten
und
Ausbildungsbeschreibungen
aus
Dokumenten, die befragte Teams zur Verfügung stellten, oder die Anbieter auf ihren
Internetseiten veröffentlicht haben.
Im Folgenden finden sich die Rechercheergebnisse über Anbieter, durch die derzeit
aktive Helfende der PSNV-B Teams ausgebildet sind. Als Referenz dienen die 2013
Landesverband
Sachsen
40%
nkm
40%
Institut Jena
6%
Cresco
7%
Bildungswerk
DRK Sachsen
7%
Landesverband Sachsen
nkm
Institut Jena
Cresco
Bildungswerk
DRK Sachsen

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konsensierten nationalen Mindeststandards
6
(siehe Anlage 7) der Hilfsorganisationen
und Kirchen.
Tabelle 17: Vergleich Ausbildungsstandards (1)

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Tabelle 18: Vergleich Ausbildungsstandards (2)
Wie in der Tabelle ersichtlich, variieren die Ausbildungsumfänge und Umfänge zu
einzelnen Ausbildungsinhalten der unterschiedlichen Anbieter deutlich.
In den Interviews mit Teamleitungen wurde mehrfach erwähnt, dass es wichtig sei,
dass ehrenamtlich Helfende nicht zu viele Stunden für ihre Ausbildung verwenden
müssen, da diese sonst ggf. ihr Ausbildungs- und Mitarbeitervorhaben aufgeben
würden. So seien 60 UE eigentlich ausreichend und 80 UE schon deutlich zu
umfangreich, würde dies doch mindestens ein Wochenende mehr an Ausbildungszeit
bedeuten.
Zur Sicherstellung von Praktika finden sich nur vereinzelt Angaben. So hospitieren
Praktikanten teilweise vor, während bzw. nach Ausbildungsabschluss bei PSNV-B
Einsätzen.
Spezielle Forderungen einzelner PSNV-B Ausbildungsanbieter:
Nach übereinstimmender Darstellung mehrerer Interviewpartner sei im
Ausbildungsgang eines Anbieters
zwingend
die Durchführung einer
„Leichenwaschung“ in der Pathologie vorgesehen. Diese müssen die
Auszubildenden aktiv durchführen.
Bei einem Ausbildungsanbieter müsse das Erbrecht erlernt und beherrscht
werden.
Bei einem weiteren Anbieter werden für die PSNV-B Arbeit grundlegende
Inhalte nicht ausgebildet.
Ausbildungsstandards werden nur von Ausbildungsinstituten eingehalten, die
zentralisiert als Dienstleister Ausbildungen anbieten. Diese variieren im Umfang und
in der Umsetzung deutlich voneinander.
Ausbildungen des „Landesverbandes PSNV Sachsen e.V.“ sollen zwar standardisiert
durchgeführt werden, seien jedoch laut Aussagen des „Verbandsvorstandes“
abhängig von den verfügbaren personellen Ressourcen am jeweiligen Ausbildungsort.
Insbesondere
die
im
Einführungskapitel
des
Gutachtens
beschriebenen
Empfehlungen aus wissenschaftlich basierten Leitlinien und Veröffentlichungen
einschließlich aktueller Positionspapiere empfehlen jedoch eindeutig eine Ausbildung

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von PSNV Kräften, die psychosoziale Akuthilfe leisten sollen, durch psychosoziale
Fachkräfte aus den Bereichen Psychologie, Psychiatrie sowie Psychotherapie.
Eine fachlich fundierte Ausbildung benötigt entsprechendes Fachpersonal auf
Dozentenebene. Es scheint, dass die Feldkompetenz aus Sicht der Anbieter einen
höheren Stellenwert haben soll als die Fachqualifikation zu einer bestimmten
Thematik. So wird beispielsweise im Thema „Betreuung Angehöriger nach Suizid“ bei
nicht Vorhandenseins eines Psychologischen Psychotherapeuten oder Psychiaters
stattdessen eine PSNV Kraft als Dozierender eingesetzt, die bereits Erfahrung im
Umgang mit Betroffenen nach erfolgtem Suizid eines Angehörigen hat. Diese Logik
erschließt sich aus Sicht der Gutachter nicht, da die Felderfahrung im Umgang mit
Betroffenen und deren Stabilisierung nicht äquivalent gesehen wird mit der
Fachexpertise o.g. Fachpersonals aus dem Gesundheitswesen, das zum
Themenbereich Suizid und Suizidalität vorträgt und unterrichtet.
Als Beispiel sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass es auch Ausbilder aus dem
Gesundheitswesen gibt, die fachlich hochqualifiziert zu einem Thema unterrichten, das
Thema vom Umfang jedoch in einer Zeitstunde vermittelt wird. Dieser Zeitansatz wird
als nicht ausreichend bewertet.
Gemäß der
Einsatzstatistiken stehen die meisten PSNV-B Einsätze im
Zusammenhang mit zuvor erfolgtem Tod einer Person. So ist die Vermittlung der
Inhalte Tod, Trauer und Sterben, dies auch im Spiegel von interkulturellen
Bedürfnissen Betroffener, ein wichtiges und essenzielles Ausbildungsthema. Auch die
Eigenreflexion zu diesem Thema sollte aus Gutachtersicht zentraler Themenpunkt
jeder PSNV Ausbildung sein. Dieses Erfordernis wird in einigen Ausbildungsgängen
völlig übersprungen. Es wird stattdessen z.B. an einem Teamabend durch Geistliche
in einer Zeitstunde „weitergebildet“.
In der Anzahl der Unterrichtseinheiten, laut Aussagen, liegt die Stellgröße nicht bei der
Qualität, sondern beim vermeintlich eingeschränkten zeitlichen Engagement künftiger
Helfender. Dies ist aus Gutachtersicht eine Umkehrung der Grundlagen. Nicht das
Zeitkontingent einzelner darf über die Qualität einer Ausbildung entscheiden.
Aus Sicht der Gutachter bedarf es zur adäquaten Umsetzung von Mindeststandards
einer Ausbildung deren Einhaltung auf allen Ebenen: Dozentenqualifikation,

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quantitative Umfänge entlang der auszubildenden Themenfelder sowie eine
sichergestellte Einbindung von Verhaltenssimulationen (Rollenspielen) in der
Ausbildung, um einen nachhaltigen Lerntransfer zu ermöglichen. Es erscheint wenig
zielführend, Ausbildungen nach personeller Verfügbarkeit oder Schwerpunktsetzung
von Dozenten oder in Antizipation möglicher Ungeduld bei Auszubildenden
festzulegen. Feldkompetenz von Dozenten in der PSNV ist im Zusammenhang von
PSNV Ausbildungen wichtig, stellt jedoch noch kein Qualifikationskriterium an sich dar.
Zum Standard der Ausbildung und damit zur Qualifizierung der Helfenden in der
PSNV-B wurde analysiert und ist zu bewerten, dass diese sehr heterogen mit
unterschiedlichster Schwerpunktsetzung besteht.
Die so genannten Mindeststandards
6
von 80 UE, die 2013 von den PSNV-B Akteuren
der Hilfsorganisationen und Kirchen selbstverpflichtend konsensiert wurden, sind
vielen Teams bekannt. Eine Konsensierung durch gesetzgebende Behörden oder eine
wissenschaftliche Überprüfung hat bislang nicht stattgefunden.
Die „Mindeststandards“ werden noch nicht von allen Teams umgesetzt. Als
Zielsetzung für die nächsten 10 Jahre braucht es eine flächendeckende
Vereinheitlichung der Qualifizierung. Die „Mindeststandards“ könnten dabei eine erste
Orientierung geben.
Es bedarf jedoch einer kontinuierlichen Anpassung von Ausbildungsstandards an
wissenschaftliche Erkenntnisse der Psychologie und Psychiatrie. Dies setzt eine gute
Vernetzung zu Forschungseinrichtungen und zum Gesundheitswesen voraus.
Solche Vernetzung ist laut Datenlage in Sachsen jedoch nur im Einzelfall realisiert, wie
bereits oben beschrieben. Daher wird deutlich empfohlen, diese Vernetzung zu
intensivieren, auf alle Landkreise flächendeckend auszuweiten sowie mit den örtlich
vorhandenen Ressourcen anzustreben.

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B 6
Empfehlung zur PSNV-B Ausbildung nach Mindeststandards
Es wird empfohlen die konsentierten PSNV Mindeststandards
6
zur Ausbildung von
2013 im Detail zur Kenntnis zu nehmen und umzusetzen, um perspektivisch
vergleichbare oder ähnliche Ausbildungsstandards und Ausbildungsvoraussetzungen
für die PSNV-B im Freistaat Sachsen zu erreichen. Umsetzung und Einhaltung der
Mindeststandards sind auf folgenden Ebenen anzustreben: Dozentenqualifikation,
quantitative Umfänge entlang der auszubildenden Themenfelder sowie eine
sichergestellte Einbindung von Verhaltenssimulationen (Rollenspielen) in der
Ausbildung für nachhaltigen Lerntransfer.
Nicht empfohlen werden:
- Ausbildungen nach personeller Verfügbarkeit oder Schwerpunktsetzung von
Dozenten
- Festlegung von Ausbildungsumfängen in Antizipation möglicher Ungeduld bei
Auszubildenden
- Dozentenauswahl mit Hauptfokus Feldkompetenz in der PSNV
- Teilnahmeverpflichtung Auszubildender an Leichenwaschungen und Beherrschen
von Gesetzestexten

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B 7
Empfehlung Grundlagen zur Ausbildung PSNV-B
Zur Betreuung von Betroffenen mit vergleichbar hohem Standard in Sachsen, müssen
Ausbildungsrichtlinien und Inhalte festgelegt werden. Hierzu wird empfohlen:
Voraussetzungen
: für Auszubildende mit Mindestalter 23 Jahre, hohe Kompetenzen
in den Bereichen: Selbstreflexion, Empathie Fähigkeit, soziale Kompetenz, Resilienz
Standards
: Als Empfehlung zu Art und Umfang der Ausbildung wird auf die
verabschiedeten gemeinsamen Mindeststandards der Kirchen und Hilfsorganisationen
zur Psychosozialen Akuthilfe
6
verwiesen. Es wird empfohlen, alle Teams nach
gleichem Standard auszubilden. Es sollte ein hoher Anteil an angeleiteter
Selbsterfahrung und Routineerlangung durch individuelle Trainings in Form von
Verhaltenssimulationen vorgesehen werden.
Dozenten
: Zur Sicherstellung vergleichbar realisierter Ausbildung wird zur
Qualifikation
und
Feldkompetenz
eingesetzter
Dozenten
empfohlen,
die
Mindeststandards zugunsten flächendeckender Einheitlichkeit umzusetzen. Es wird
empfohlen, eine auf Veranstaltungsorte oder Institutionen bezogene Umsetzung zu
unterlassen.
Praktika
: Praktikantenmitnahme zu realen Einsätzen wird zum Schutz der
Praktikanten
nach
Abschluss der Ausbildung empfohlen. Eine Teilnahme von nicht
ausgebildeten Helfenden an Teamabenden
außerhalb
von Intervision und Supervision
wird empfohlen.
Schutz der Interessenten, Auszubildenden und Praktikanten
Eine gut gemeinte Einbindung von Auszubildenden vor bzw. während der
theoretischen Ausbildung ist die Mitnahme dieser zu realen Einsätzen, quasi zum
„Hineinschnuppern“ bzw. ein „Praktikum“ wird als mögliches Auswahlkriterium durch
Teamleitung / Verantwortliche genutzt. Ebenso werden Interessenten oder
Auszubildende zu Fallreflexionen (Intervision / Supervision) stattgehabter Einsätze im
Rahmen der Teamabende eingeladen.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Aus Gutachtersicht leistet die Mitnahme von Praktikanten weder zum „Schnuppern“
noch zur Feststellung von „Personaleignung“ einen Anhaltspunkt für eine positive oder
negative Entwicklungsprognose im Dienst PSNV-B. Vielmehr kann die Teilnahme vor
Ausbildungsabschluss deutlichen Schaden zufügen. Hierzu verweisen wir auf die
Bewertung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.
(BDP) aus 2017 hierzu (siehe Anlage 5).
B 8
Empfehlung zur Praktikumsphase in der PSNV-B Ausbildung
Zur Vertiefung erlernten Wissens in der praktischen Anwendung der Akutbetreuung
von betroffenen Menschen empfehlen wir
nach erfolgreichem Abschluss
der
theoretischen Ausbildung in Krisenintervention / Notfallseelsorge ein angeleitetes
Praktikum mit mindestens drei realen Einsätzen.
Praktikantenmitnahme zu realen Einsätzen wird zum Schutz der Praktikanten
nach
Abschluss der Ausbildung empfohlen.
B 9
Empfehlung zum Schutz von PSNV-B Praktikanten
Eine Teilnahme von nicht ausgebildeten Helfenden an Teamabenden
außerhalb
von
Intervision und Supervision (zu stattgehabten Einsätzen) wird ausdrücklich empfohlen.
Zum Schutz der Auszubildenden wird dringend abgeraten:
- Interessenten und Auszubildende vor oder während der theoretischen Ausbildung zu
realen Einsätzen mitzunehmen
- die Teilnahme von Interessenten vor oder während der theoretischen
Ausbildungsphase an realen Einsatzreflexionen, Intervisionen oder Supervisionen
Erhebung der Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der PSNV-B
Laut Auftrag soll der IST Stand innerhalb der Organisationen erhoben werden sowie
die Anforderungen der BRK Behörden zu Maßnahmen der Qualitätssicherung. Die
Gutachter operationalisierten diese Fragestellung indem sie die Umfänge von

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Fortbildungen nach erfolgter Ausbildung, die Inanspruchnahme von Supervision und
den Umgang mit der Evaluation von Einsatzprotokollen erhob.
Forderungen zur Qualitätssicherung durch BRK Behörden
Allen Interviewergebnissen gemeinsam ist die Aussage der Befragten, dass es seitens
der BRK Behörden keine Forderungen zur Qualitätssicherung des Dienstes gebe.
95,5 % der Befragten verneinten die Frage zu Forderungen zur Qualitätssicherung der
BRK Behörden.
Fortbildungen nach der Ausbildung
95,7% der Befragten bejahten (Tabelle 19) die Durchführung von Fortbildungen nach
der abgeschlossenen Ausbildung. Überwiegend werden diese Fortbildungen innerhalb
eines Jahres durchgeführt.
Von 22 Befragten gaben 4,5% an, dass diese Fortbildungen mindestens alle 2 Jahre
stattfinden.
31,8% berichteten von einer Durchführung mindestens einmal pro Jahr, wobei 27,3%
sagten, dass Fortbildungen einmal im Halbjahr durchgeführt werden.
31,8% gaben an, dass Fortbildungen mindestens einmal im Quartal angeboten werden
und 13,6% berichteten von einer Durchführung in höherer Frequenz, mindestens
einmal im Monat.
Tabelle 19: Zeitintervalle durchgeführter Fortbildungen, angegeben in absoluten Häufigkeiten (n=22)

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Im offenen Aussagefeld „Andere“ fanden sich die folgenden Aussagen:
Durchführung erfolgt je nach finanziellen Mitteln
Fortbildung erfolgt pro Teamabend als kleine Fortbildung
Fortbildungen werden teamintern und extern durchgeführt
Quantität und Frequenz von Fortbildungen
Mindestanzahl an Fortbildungsstunden werden teamintern pro Jahr festgelegt. Diese
variieren von 2 UE bis 24 UE pro Jahr und sind somit nicht vergleichbar.
Bei nicht erreichen der individuell festgelegten Mindestanzahl an Fortbildungsstunden,
wurde im Interview nach Konsequenzen für die entsprechenden Teammitglieder
gefragt.
Die Frage beantworteten 17 von 22 Teilnehmenden an der Befragung (Tabelle 20).
Bei der Mehrheit der Teams erfolgt keine Konsequenz (52,9%). 47,1% gaben als erste
Konsequenz ein Gespräch mit der Teamleitung an. Wenn diese Gespräche wiederholt
keinen Erfolg zeigen, werde ggf. eine Herausnahme des Teammitglieds aus dem
aktiven Dienst erwogen (11,8%).
Tabelle 20: Konsequenzen bei Nichterfüllung Fortbildungsstunden, angegeben in absoluten
Häufigkeiten (n=17)
Im Offenen Aussagefeld „Andere“ fanden sich folgende Aussagen zu Verbesserungen:
Label auf Dienstausweis macht Fortbildungsbesuche sichtbar
Nach 2. Gespräch mit der Teamleitung wegen Nichterfüllung der
Fortbildungsstunden: Herausnahme aus aktivem Dienst

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Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen
21 Teams machten zu dieser Fragestellung Angaben (Tabelle 21).
Alle Befragten gaben an, dass Fortbildungsmaßnahmen sowohl intern im Team als
auch durch externe Dozenten durchgeführt werden. Zu spezifischen Themen werden
Dozenten, die aus den unterschiedlichsten Vernetzungs- und Schnittstellenbereichen
der PSNV-B Teams kommen, gebeten entsprechend vorzutragen:
Tabelle 21: Durchführende von Fortbildungsmaßnahmen, Angaben in absoluten Häufigkeiten (n=21)
Im Offenen Aussagefeld „Andere“ fanden sich folgende Aussagen zu Dozenten /
Fachdiensten, die für Fortbildungen eingeladen werden:
Jugendamt
SPDi
Beratungsstellen der Regelversorgung
VdK
Kinderhospizdienst
Landesverband
Seelsorge
Leitstelle
Ärzte
Schulen

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Aus Gutachtersicht scheint die Inanspruchnahme von Fortbildungsmaßnahmen nach
stattgehabter Ausbildung in PSNV-B Teams gut etabliert und wird vielfältig umgesetzt.
Vorgaben zu Umfängen und Konsequenzen bei Nichtteilnahme variieren.
Inanspruchnahme von Supervision
In den PSNV Mindeststandards
6
wird Supervision als unabdingbar und essenziell zur
Erhaltung von Qualität, zum Schutz sowie zur Weiterentwicklung Helfender in der
PSNV beschrieben und empfohlen. Insofern ist die Betrachtung der Inanspruchnahme
im
Zusammenhang
der
Erhebung
und
Bewertung
von
Qualitätssicherungsmaßnahmen zielführend.
Von 22 Teams beantworteten 14 die entsprechenden Fragen (Tabelle 22). Es wurde
im offenen Feld „Andere“ mehrfach angegeben, dass Supervision bei Bedarf immer
möglich sei und zu 71,4% als Einzelsupervision realisiert werde. Zu 100% wurde von
allen Befragten als Qualitätssicherungsmaßnahme die teaminterne Intervision
benannt, die an den Teamabenden, entweder mit oder ohne externe Fachkraft im
Team mit- und untereinander stattfindet. Gruppensupervision gemeinsam mit anderen
Teams wurde nicht als Option benannt: 0%
Tabelle 22: Angebot Supervision, Angabe in absoluten Häufigkeiten (n=14)
Durchführung von Supervision
Von 22 Teams machten 15 Teams zu dieser Fragestellung Angaben (Tabelle 23).
Die Befragten gaben an, dass diese in mehr als der Hälfte der Fälle durch zertifizierte
Supervisoren erfolge (60%), gefolgt von psychosozialen Fachkräften ohne
Zertifizierung in Supervision (40%). Eher selten führt die Supervision eine erfahrene
PSNV-B Einsatzkraft ohne Supervisionsqualifizierung durch (6,7%).

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Tabelle 23: Durchführende von Supervision, Angaben in absoluten Häufigkeiten (n=15)
Im Offenen Aussagefeld „Andere“ fanden sich die Aussagen: Psychologe und
„self made Supervisor“.

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Obwohl nur 64% der 22 Teams eine Aussage zur Inanspruchnahme und Durchführung
von Supervision trafen, wird aus Gutachtersicht davon ausgegangen, dass Helfenden
im Einzelfall bei Bedarf Supervision ermöglicht wird. Weniger wichtig scheint dabei die
Qualifizierung Durchführender zu sein. Gleichwohl ist aus Gutachtersicht
bedenkenswert festzustellen, dass zu diesem Thema die Einhaltung von Standards
eher individuell auf Teamebene bewertet und umgesetzt wird.
B 10
Empfehlung zur Qualitätssicherung der PSNV-B
Zur Qualitätssicherung in der PSNV-B wird empfohlen:
- Supervision durch zertifizierte Supervisoren: Einzel- und Teamsupervision
Anlassbezogen bei Bedarf sowie regelmäßig minimal 2x jährlich
- fortlaufende Intervision / Fallreflexion im Team
1 x pro Quartal oder
Maßnahmen zur Teambildung / Austausch
- tätigkeitsbezogene Fortbildungen
16 UE in 2 Jahren
- regelmäßige Fortbildung zur Sicherstellung aktuellen
Wissens / Informationen bzgl. Beratungsressourcen ortsnaher Regelversorgung zur
zielgruppenspezifischen
Weiterleitung Betroffener 1 x pro Quartal
- Einbindung in Übungen anderer Einsatzorganisationen
Einsatzprotokolle
Das durchgängige Führen von Einsatzprotokollen ermöglicht einerseits eine
statistische Auswertung stattgehabter Einsätze (Evaluation) und kann andererseits bei
entsprechender Handhabung, aus Fürsorgesicht ausgewertet werden. In den
Einsatzprotokollen können ggf. besondere Belastungsmomente für Helfende im
Einsatz deutlich werden, die dann Seitens der Teamleitung bewertet werden, um
nötigenfalls Supervisionsbedarf festzustellen zu können.
Von 23 PSNV-B Teams stellten 16 Teams ihre Einsatzprotokoll Vorlagen zur
Verfügung. Diese wurden hinsichtlich ihres Aufbaus und ihrer Vergleichbarkeit
analysiert. Insbesondere wurden die Erfordernisse zum Datenschutz, der Grad der
Strukturierung im Aufbau, die Quantifizierbarkeit von Einsatzindikationen und

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Einsatzdurchführungen betrachtet. Besonders wurde die Möglichkeit für die Helfenden
herausgehoben, erlebte eigene Belastung anhand vorgegebener Abfragen
anzuzeigen und schon im Protokoll entsprechenden Entlastungsbedarf einzufordern.
Angebote zur Helferunterstützung waren in 37,5% der Protokolle vorgesehen.
Die Großzahl der Protokolle wiesen unterschiedlichste Grade von Strukturiertheit auf.
Es werden einerseits Protokolle genutzt, die überwiegend geschlossene oder
Skalierungs Fragen enthalten und dadurch kaum Möglichkeiten bieten, dass in
eigenen Worten Dinge benannt werden können, die aus Helfersicht wichtig sind. Diese
Protokolle haben allerdings den Vorteil, dass aufgrund hoher Strukturierung viele
quantifizierbare Aspekte der Einsätze auszuwerten und zu evaluieren sind. Andere
Protokolle haben als Hauptanteil ein sehr großes freies Textfeld, in dem alles Wichtige
aus individueller Helfersicht aufgeschrieben werden kann. Hierbei sind beding durch
die sehr geringer Strukturiertheit kaum quantifizierbare Parameter für eine spätere
Auswertung nutzbar.
Nur in 43% der Protokoll Varianten war es vorgesehen, die von der IRLS vergebene
Einsatznummer einzutragen. Diese ist allerdings die Voraussetzung dafür, bei
möglichen Nachfragen auch nach längerer Zeit noch aussagefähig zu bleiben.
Die Analyse zu Angaben der befragten Teams zeigt im Ergebnis, dass nur ca. 50%
dieser
eine
Auswertung
der
Protokolle
und
daran
anschließend
eine
Nachbesprechung zu Helferbelastung vorsehen. Wird dieses Vorgehen umgesetzt,
wertet meist der Teamleiter die Protokolle aus und sucht den Kontakt mit eingesetzten
Helfenden. Weniger als die Hälfte der Befragten wertet die Protokolle nach eigenen
Aussagen nach eigenem Ermessen aus.
Fast 70% der Teams stellten ihre Formulare der Einsatzprotokolle zur Analyse zur
Verfügung. Im Ergebnis fanden sich aus Gutachtersicht sehr gute und weniger gute
Varianten von Protokoll Vorlagen.
Gute Beispiele:
Das Protokoll des NFS / KIT Team im Landkreis Meißen, wies eine sehr sensible
Umsetzung der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) auf und sieht einen eigenen
Protokollteil vor, in dem Helfende aus eigener Sicht ihren Einsatzbericht verfassen
können. Dies stellt aus Gutachtersicht eine gute Gelegenheit dar, in einem ersten
Schritt einen Einsatz innerlich abzuschließen.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Im Protokoll des KIT Team NOL Görlitz können Helfende beschreiben, was sie aus
individueller, persönlicher Sicht für sich selbst im Einsatz vermisst hatten. Des
Weiteren werden die Schnittstellen und die Qualität der Zusammenarbeit mit anderen
Einsatzkräften vor Ort strukturiert notiert und bewertet. Zusätzlich können
Weiterleitungsempfehlungen von Betroffenen in die Regelversorgung übersichtlich
protokolliert werden.
Protokolle mit deutlich detaillierten Skalierungsfragen zum psychischen Zustand
Betroffener vermitteln aus Gutachtersicht den Eindruck, als ob es sich um einen
Diagnostikfragebogen zur Aufnahme in einer psychiatrischen Einrichtung für Patienten
handle.
Protokolle, die alle persönlichen Daten eines betreuten Betroffenen festhalten,
einschließlich seines Geburtsdatums, seines Geschlechts, seiner Nationalität und
seiner Wohnadresse brechen die DSGVO. Aus Gutachtersicht ist die Aufnahme
sensibler, personenbezogener Daten Betroffener ohne Auftrag zur heilkundlich
durchzuführenden Behandlung im PSNV-B Kontext „Akuthilfe“ nicht erforderlich.
Vereinzelt fanden sich Protokolle, die klassische Kontraindikationen von PSNV-B
Einsätzen protokollieren, was im Rückkehrschluss bedeutet, dass in diesen Teams in
solchen Fällen keine Akuthilfe im Sinne der PSNV stattfindet, z.B.:
Betreuung von Personen nach Arbeitsplatzverlust, Beratung verschuldeter
Personen oder von Personen mit Drogen- und Suchtproblemen. Auch
Eheproblematik sowie akut suizidale Personen aufgrund einer psychiatrischen,
chronischen Erkrankung sind keine durch PSNV-B Helfende zu betreuende
Personengruppen.
Aus Gutachtersicht wird bei solcher angewandter Praxis eine Parallelstruktur zur in
Sachsen implementierten Regelversorgung aufgebaut. PSNV-B Teams leisten
einmalige Akuthilfe, keine Beratungsstellenarbeit und keine Arbeit, für die der
Sozialpsychiatrische Dienst (SPDi), bzw. andere Fachdienste vorgesehen sind.

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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B 11
Empfehlung zur Vermeidung von Parallelstrukturen durch PSNV-B
Zur Vermeidung des Aufbaus paralleler Strukturen zur psychosozialen Beratung der
Regelversorgung durch hierfür beauftragte Träger auf Landkreisebene und in
kreisfreien Städten wird empfohlen, keine Beratungsleistungen der Regelversorgung
durch PSNV-B Teams zu realisieren. PSNV-B Teams sollen ausschließlich Akuthilfe
leisten und weiteren Beratungsbedarf Betroffener an die örtliche Regelversorgung
weiterleiten.
Kontraindikationen
für PSNV-B Einsätze sind demzufolge Beratungen, die durch die
psychosoziale Regelversorgung geleistet werden:
- Schuldnerberatung
- Eheberatung
- Beratung bei Suchtproblemen
- Beratung nach Arbeitsplatzverlust
- Beratung bei Vorliegen akuter Suizidalität oder des Verdachts darauf
- Betreuung chronisch psychisch Erkrankter
B 12
Empfehlung für ein standardisiertes Einsatzprotokoll PSNV-B
Erstellen eines landeseinheitlichen Protokolls zur Einsatzprotokollierung von PSNV-B
Einsätzen unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben zum Datenschutz und der
Datenschutzgrundverordnung. In den Protokollen werden anonymisierte Daten
verarbeitet. Die Organisation, Behörde oder Institution, die ein Protokoll festlegt, ist für
die Verarbeitungsmittel verantwortlich.
- keine personenbezogenen Daten zu Betroffenen oder Orten (Zuordnung ggf. über
Einsatznummer der einsetzenden IRLS)
- Grundlagen zur Verarbeitung eines anonymisierten / pseudonymisierten Protokolls:
* Verarbeitungsverzeichnis erstellen und pflegen
* Datenschutzerklärung von den Betroffenen Personen erklären und
unterzeichnen lassen
* Löschkonzepte aufsetzen

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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* Vorgaben für die Aufbewahrung der Papierdokumente festlegen
* Vorgaben für die digitale Speicherung mit Speicherort und Umgang festlegen
* Datenschutzfolgenabschätzungen durchführen
- Festlegung statistischer Auswertungen z.B.:
* Interventionsdauer
* Wegezeiten
* Anzahl der betreuten Personen
* Einsatzindikationen
B 13
Empfehlung zu Inhalten in einem standardisiertem Einsatzprotokoll
PSNV-B
Erstellen eines landeseinheitlichen Protokolls zur Einsatzprotokollierung von PSNV-B
Einsätzen unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben zum Datenschutz und der
Datenschutzgrundverordnung. In den Protokollen werden anonymisierte Daten
verarbeitet. Die Organisation, Behörde oder Institution, die ein Protokoll festlegt, ist für
die Verarbeitungsmittel verantwortlich.
1.
Einsatzrahmendaten
Alarmierung über wen? - Anzahl der eingesetzten Helfer - Dauer der Anfahrt
Mittel der Anfahrt – Interventionsdauer – Helfernachforderung,
Einsatznummer der Leitstelle
2.
Einsatzindikation
3.
Betreute Personen
Anzahl; Kind – Jugendliche – Erwachsene; Verhältnisse zueinander (Bruder,
Tochter usw.); Skizzierung des Interventionsverlaufs
4.
Information
zu Brückenfunktion in Regelversorgung; Übergabeinformationen
5.
Eigene Reflexion
* Besonderheiten
* eigene Belastung, Bedarf an anlassbezogener Supervision

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Ausrüstung und Ausstattung der Helfenden
Wichtig für die Betreuung Betroffener ist deren individuelle Unterstützung, die im Sinne
aufsuchender Betreuung Ort- und Wetterunabhängig erste Voraussetzungen für die
Schaffung von Sicherheit und Reizabschirmung realisiert. Dazu macht es Sinn, dass
jede helfende PSNV Kraft entsprechende geeignete Utensilien dafür mitführt. Die
meisten der befragten Teams verfügen hierzu über einen „Einsatzrucksack“, der
entweder den aktuell Diensthabenden zur Verfügung steht oder jeder helfenden Kraft
individuell als eigene Ausrüstung. Im Folgenden werden gemachte Angaben zu
Inhalten dieses Rucksacks, aus den Teams mit Erfahrungen / Empfehlungen der
Gutachter aus der PSNV-B Arbeit ergänzt empfohlen:
Inhalt Rucksack PSNV-B:
Malbuch
Malstifte
Zigaretten
Regenschirm
Kerze, Streichhölzer, Feuerzeug
Teddy, Kuscheltier
Desinfektionsmittel
Sonnenschutzmittel
Einmalhandschuhe
Einmalüberschuhe
Stadtplan
Klemmbrett / Bleistift / Kugelschreiber
Klarsichtfolien (mit wasserfesten Folienstiften)
Checklisten des Teams

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Taschenlampe
Trinkwasser
Kaugummi
Traubenzucker
Taschentücher
Erste Hilfe Pack
Schreibmappe
B 14
Empfehlung zur Ausrüstung bei PSNV-B Einsätzen
Einsatzrucksack
Für die Betreuung Notfallbetroffener / Traumatisierter benötigen die PSNV-B
Helfenden entsprechende Utensilien. Als optimales Hilfsmittel zum Transport hat sich
ein
Einsatzrucksack
bewährt.
Die
Ausstattung
der
PSNV-B
Teams
mit
Einsatzrucksäcken
wird
empfohlen.
Diese
sollten
eine
standardisierte
Grundausstattung beinhalten:
Malbuch, Malstifte, Zigaretten, Regenschirm, Kerze (Streichhölzer / Feuerzeug),
Teddy,
Desinfektionsmittel,
Sonnenschutzmittel,
Einmalhandschuhe,
Einmalüberschuhe,
Stadtplan,
Klemmbrett
(mit
Bleistift
/
Kugelschreiber),
Klarsichtfolien (mit wasserfesten Folienstiften), Teamchecklisten, Taschenlampe,
Trinkwasser (kleine Flaschen), Kaugummi, Traubenzucker, Taschentücher, Erste Hilfe
Pack
Schreibmappe
mit Klemmbrett, Fächern für notwendige Flyer und Visitenkarten, 4-fach Ringen zum
Einheften von Checklisten, Teamlisten, Erreichbarkeiten usw.

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Material für Einsatzfahrzeug oder Privat-Pkw
Gummistiefel
Einmallaken
Babyhygiene (Windeln, Reinigungstücher)
Damenhygiene (Tampon, Binden)
Abfallbeutel
Mineralwasser (kleine Flaschen – individuell)
Decken
Regenponchos (5 Stück, Plastik)
Feuerlöscher (Einsatzfahrzeug)
Helme (2 Stück – Einsatzfahrzeug)
Erste Hilfe Rucksack (Einsatzfahrzeug)
Trauerrucksack für Schulen (Einsatzfahrzeug)
B 15
Empfehlung zur Ausrüstung Einsatzfahrzeug bei PSNV-B Einsätzen
Es wird empfohlen, ein PSNV Einsatzfahrzeug mit folgenden Utensilien auszustatten.
Bei Nutzung des Privat Pkw käme ggf. ein Kistensystem in Frage, was bei der
Dienstübergabe übergeben wird.
Einsatzfahrzeug / Kiste
Gummistiefel,
Einmallaken,
Babyhygiene
(Windeln,
Reinigungstücher),
Damenhygiene (Tampon, Binden), Abfallbeutel, Mineralwasser (kleine Flaschen -
individuell), Decken, Regenponchos (5 Stück, Plastik),
Nur Einsatzfahrzeug
Feuerlöscher, Helme (2 Stück), Erste Hilfe Rucksack, Trauerrucksack Schulen

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Einsatzkleidung
Als Dienstbekleidung wurde überwiegend ein Kurzarm T-Shirt, teils mit einem eigenen
Vereinslogo bestickt, benannt.
Ein Kurzarm T-Shirt ist aus Gutachtersicht keinesfalls als geeignete Dienstbekleidung
mit Sicherheits- und Witterungsschutzfunktion zu werten.
Zur Bekleidung von PSNV-B Helfenden ist das Arbeitsschutzgesetz zu beachten.
Einsätze in Gefährdungsbereichen auf z.B. Bundesautobahnen, Landstraßen,
Schienennetzbereichen ober in der Nähe von Brandlöschungen sollten nur mit
Einsatzkleidung (Helm, Jacke, Hose, Schuhe) durchgeführt werden, wie es auch in
den Dienstbekleidungsordnungen der BOS vorgesehen ist. Insbesondere das
Schuhwerk muss stabil und Unfälle verhütend ausgestattet sein, und sollte somit der
Schutzklasse 3 entsprechen.
Zudem verfügt Schutzkleidung über Witterungsschutz. Daher wird empfohlen,
Dienstbekleidung für solche Einsätze mit Schutzklasse 3 zu beschaffen. Eine
Überwurfweste stellt keine Schutzbekleidung dar und dient lediglich der
Kenntlichmachung des Dienstes.
Für Einsätze im häuslichen Umfeld sollte auf Schutzkleidung mit Reflexstreifen
verzichtet werden. Dies bedeutet im Einsatzfall, dass jeder Helfer eine persönliche
Schutzbekleidung benötigt, die er, den jeweiligen Einsatzanforderungen entsprechend
tragen kann.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Die Frage nach Einsatzbekleidung wurde zu 100% durch alle Befragten beantwortet.
Tabelle 24 visualisiert die Ergebnisse:
Ausrüstung:
Ja
Nein
Privatkleidung
18
78.26%
-
-
Dienstbekleidung
12
52.17%
2
8.70%
Dienstbekleidung
mit Schutzklasse
3
13.04%
5
21.74%
Schuhe SK
3
13.04%
5
21.74%
Hose SK
3
13.04%
5
21.74%
Jacke SK
7
30.43%
3
13.04%
Helm
1
4.35%
6
26.09%
Einsatzjacke SK
8
34.78%
-
-
Überwurfweste
5
21.74%
-
-
Tabelle 24: Angaben zu Bekleidung PSNV-B (n=23)
Teams, die an einer Hilfsorganisation (HiOrg) angeschlossen sind, werden als Team
mit der Beschaffung geeigneter Schutzkleidung für ihre Helfenden weniger
herausgefordert als Teams, die als Verein oder unter kirchlicher Trägerschaft ihren
Dienst verrichten. Bei den HiOrgs gibt es zumeist entsprechende Dienst- und
Bekleidungsordnungen,
die
den
gesetzlichen
und
arbeitsschutztechnischen
Forderungen umfänglich Rechnung tragen.

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B 16
Empfehlung zur persönlichen Ausrüstung PSNV-B Helfender
Öffentlicher Bereich
Für die Betreuung Betroffener im öffentlichen Bereich (z.B. Bundesautobahnen,
Schienennetzbereichen, Landstraßen) ist für PSNV-B Kräfte das Arbeitsschutzgesetz
zu beachten. Empfohlen wird Einsatzkleidung der Schutzklasse 3. Diese verfügen
neben entsprechenden Reflexionsstreifen auch über Witterungsschutz:
Einsatzjacke, Einsatzhose, Sicherheitsschuhe, ggf. Helm und Überwurfweste
Nichtöffentlicher Bereich
Hier sollte auf Einsatzkleidung mit Reflexionsstreifen verzichtet werden und
Einsatzkleidung ohne ebensolche getragen werden.
Nutzung von Dienst-KFZ oder Privat-KFZ
Die Frage „Haben Sie ein eigenes Fahrzeug?“ wurde zu 100% von allen 23 Teams
beantwortet. 85% gaben an, keinen Dienst-PKW zu besitzen.
90,48% gaben an weder einen Dienst-Kleinbus / MTW
31
noch ein Dienst-Motorrad zu
besitzen.
Die im Freistaat Sachsen aktiven PSNV-B Helfenden nutzen demnach überwiegend
ihr Privatfahrzeug, um nach einer Alarmierung zum Einsatzort zu gelangen. Ob es
sinnvoll erscheint, einen eigenen PKW zu nutzen, hängt u.a. auch von der örtlichen
Dislozierung der Teammitglieder zueinander ab, insbesondere dann, wenn ein
einziges Team für einen größeren Landkreis allein zuständig ist. Viele Teams
berichteten, dass es für die Realisierung ihres Dienstes wenig Sinn mache, ein eigenes
Dienstfahrzeug zu nutzen, da dieses auch in der Unterhaltung erhebliche Kosten
verursachen würde, die man an anderer Stelle besser nutzen könne.
31
MTW = Mannschaftstransportwagen

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Indirekt finanzieren die PSNV-B Helfenden, durch die zur Verfügungstellung ihres
privaten Pkw zur An- und Abfahrt von Alarmierungen, ihre eigene ehrenamtliche
Tätigkeit.
Dabei ist es unerheblich, ob im Nachhinein eine Kilometerabrechnung erfolgt oder
nicht, denn bei der durchgängig üblichen Abrechnung mit 0,30 € / gef. Km ist
üblicherweise keine reale Kostendeckung gegeben.
Aus Gutachtersicht ist die Vorhaltung eines MTW-Fahrzeugs als „Schutzraum“ für
Betroffene vor allem für PSNV-B Teams im innerstädtischen Bereich sinnvoll. Hierin
können Betroffene bei Einsätzen in der Öffentlichkeit gut abgeschirmt (verdunkelte
Scheiben) betreut werden.
Im ländlichen Bereich jedoch erscheint weder ein zentrales Abstellen eines solchen
Fahrzeugs an einem „Mittelpunkt“ des Landkreises, noch dessen Mitführen durch den
Diensthabenden sinnvoll. Die Wegstrecken, die zu Betroffenen zurückzulegen sind
oder die zwischen den Wohnorten einzelner Teammitglieder liegen, sprechen klar
dagegen.
Aus Gutachtersicht ist in einem Flächenlandkreis stattdessen die Zusammenarbeit mit
örtlichen Feuerwehren des Landkreises oder mit Hilfsorganisationen sinnvoll, die im
Bedarfsfall entsprechende Fahrzeuge zur Verfügung stellen könnten. Betreuung
Betroffener in der Öffentlichkeit und dem daraus resultierenden Abschirmerfordernis
ist im Bereich einer dicht besiedelten Stadt oder Großstadt nicht mit der Betreuung
Betroffener im ländlichen Raum vergleichbar.
Es wird deutlich, dass generell gültige Empfehlungen für alle PSNV-B Teams aus
Gutachtersicht einheitlich nicht sinnvoll erscheinen, sondern dem konkreten Bedarf
entsprechend der Vorhaltung und Nutzung eines dienstlichen KFZ zu entscheiden ist.

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B 17
Empfehlung Einsatzfahrzeuges / Privat Fahrzeug bei PSNV-B Einsätzen
Der konkrete Bedarf zur Vorhaltung und Nutzung eines dienstlichen KFZ ist durch das
jeweilige PSNV-B Team zu entscheiden
Nutzung Privat Fahrzeug
Ist die Nutzung des privaten PKW des PSNV-B Helfenden zum Einsatzort und zurück
notwendig, wird empfohlen, dass eine entsprechende Wegstreckenentschädigung,
analog des Sächsischen Reisekostengesetzes erstattet wird.
Nutzung / Bereitstellung Dienstfahrzeug – städtischer Bereich
Die Vorhaltung eines MTW-Fahrzeugs als „Schutzraum“ für Betroffene vor allem für
PSNV-B Teams im innerstädtischen Bereich wird empfohlen. Hierin können Betroffene
bei Einsätzen in der Öffentlichkeit gut abgeschirmt (durch z.B. verdunkelte Scheiben)
betreut werden.
Nutzung / Bereitstellung Dienstfahrzeug – ländlicher Bereich
Aus Gutachtersicht wird in einem Flächenlandkreis die Zusammenarbeit mit örtlichen
Feuerwehren des Landkreises oder mit Hilfsorganisationen empfohlen, die im
Bedarfsfall entsprechende Fahrzeuge zur Verfügung stellen könnten. Betreuung
Betroffener in der Öffentlichkeit und dem daraus resultierenden Abschirmerfordernis
ist im Bereich einer dicht besiedelten Stadt oder Großstadt nicht mit der Betreuung
Betroffener im ländlichen Raum vergleichbar.

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Selbsteinschätzung der Befragten zum künftigen Finanzbedarf
Auftragsgemäß sollte durch das Gutachterteam eine Prognose zum Finanzbedarf der
PSNV-B Teams bis ins Jahr 2030 erhoben werden.
In einer ersten Datenanalyse aus den Vorabinterviews zu Fragen des Finanzbedarfes
zeichnete es sich ab, dass qualifizierte Rückmeldungen, besonders zu dieser
Fragestellung, deutlich hinter der Erwartung zurückblieben.
Reagierend darauf wurden die Teams in den vor Ort Interviews zu eigenen
Einschätzungen ihres zukünftigen Finanzbedarfs befragt und auf Basis der aktuellen
Ausgaben um eine Prognose für 2030 gebeten. Mit diesem Vorgehen gelang es, Daten
von 69,57% der 23 PSNV-B Teams zu erhalten. (Tabelle 25)
Finanzbedarf 2019 und 2030 (Team-Selbsteinschätzung)
Team
2019
2030
(Selbsteinschätzung)
Differenz
Eilenburg / Delitzsch
1.500 €
2.000 €
500 €
Meißen
7.400 €
20.000 €
12.600 €
Freiberg
2.400 €
10.000 €
7.600 €
Bautzen
4.300 €
8.000 €
3.700 €
Leipzig (LK)
10.000 €
15.000 €
5.000 €
Torgau / Oschatz
1.500 €
5.000 €
3.500 €
Oelsnitz
3.000 €
2.500 €
- 500
Annaberg
4.000 €
4.500 €
500 €
Freital
3.000 €
3.000 €
0 €
Leipzig
13.500 €
21.000 €
7.500 €
Dresden
15.000 €
33.400 €
18.400 €
Aue-Schwarzenberg
4.500 €
5.000 €
500 €
Rochlitz
5.100 €
6.500 €
1.400 €
Zwickau
7.500 €
7.500 €
0 €
Vogtland
6.000 €
6.000 €
0 €
Chemnitz Land
7.500 €
7.500 €
0 €
Tabelle 25: Selbsteinschätzung Finanzbedarf (n=16)
Um weitere Informationen zur Finanzierung der PSNV Arbeit in den Teams zu
generieren, wurden diese gebeten, zur Herkunft der erforderlichen Geldmittel und zur
Mittelverwendung Aussagen zu treffen.

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Geldmittel Herkunft
Die Teams gaben an, dass Unterstützung durch Landratsämter oder Kommunen sowie
durch Wohlfahrtsverbände (Diakonie / Caritas) und Hilfsorganisationen erfolge. Man
generiere zudem finanzielle Mittel durch Spendeneinnahmen sowie durch Einnahmen
aus Geldauflagen der Gerichte. Es wurden darüber hinaus Einnahmen über die
Bürgerstiftung „Wir für Sachsen“ benannt. Eine fest kalkulierbare Einnahmequelle
seien die Mitgliedsbeiträge der Teammitglieder. Vereinzelt können Teams durch
eingenommene Vortragshonorare und Vereinsgebühren Mittel gewinnen.
Mittelverwendung
Überwiegend berichteten die Teams eher von regulär für ihren Dienst anfallende
Kosten für Ausstattung, Einsatzkleidung, Aus- und Fortbildung, Supervision und
Fahrzeugkosten.
Die Notfallseelsorge Chemnitz – Caritas finanziert als einzige mitgeteilte Ausnahme
eine 75 % Vollzeitstelle sowie 10 prozentige Aufwandsvergütungen für die
Koordination der Teamaufgaben.
Vereinzelt werden regelmäßig Aufwandsvergütungen an Helfende ausgezahlt:
2 € pro 12 h Bereitschaft und 15 € pro Einsatz
Pauschal 74 € / Jahr
Pauschal 8 € / Monat
Zur Unterfütterung der erlangten Daten aus den sächsischen Teams, schien es aus
Gutachtersicht sinnvoll, die Analyse und Betrachtung um Zahlen von PSNV-B
Referenzsystemen auf Bundesebene einzubeziehen. Somit konnten die Aussagen
und Empfehlungen zu erforderlichen Finanzmitteln solider aufgestellt werden.
Die Auswahl der PSNV-B Referenzsysteme erfolgte über mehrere Bundesländer
hinweg. Angaben erfahrener PSNV-B Teamleiterinnen und Teamleiter zu
durchschnittlichen Einsatzzahlen, Umfänge von Bereitschaftsdienstzeit, Wegezeiten,
Teamstärken, Fluktuation in den Teams sowie die Vergleichbarkeit des
Einsatzgebietes (Flächenlandkreis, mittelgroße Städte) bildeten nach Auswertung die

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Referenz. Im Durchschnitt wird pro Team ein Zuwachs von 4 Helfenden pro Jahr
zugrunde gelegt.
Im Ergebnis dieser ganzheitlichen Betrachtung wird unter Berücksichtigung einer
durchschnittlichen Referenzkalkulation für ein PSNV-B Team folgendes empfohlen:
B 18
Empfehlung zur Finanzierung von Kosten PSNV-B in der Stadt
Referenzkalkulation eines KIT / NFS Systems mittelgroße Stadt
Personalstärke 20 aktive Helfende als Anhaltswert:
Laufende Kosten
KIT Fahrzeug:
7.000,-- p.a.
Ausbildung (je TN 1.500,--)
6.000,-- p.a.
Fortbildungen
4.000,-- p.a.
Ausstattung / Material
- Erstausstattung 1.000,-- pro Helfer
4.000,-- p.a.
- Ersatzbeschaffung gesamtes Team
2000,-- p.a.
Supervision
2.000,-- p.a.
Gruppenbildende Maßnahmen
1.000,-- p.a.
Gesamtsumme:
26.000,-- p.a.

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B 19
Empfehlung zur Finanzierung von Kosten PSNV-B im Landkreis
Referenzkalkulation eines KIT / NFS Systems ländliches Gebiet
Personalstärke 20 aktive Helfende als Anhaltswert:
Laufende Kosten
Fahrtkostenerstattung (ca. 3000 km á 0,30 €):
1.000,-- p.a.
Ausbildung (je TN 1.500,--)
6.000,-- p.a.
Fortbildungen
4.000,-- p.a.
Ausstattung / Material
- Erstausstattung 1.000,-- pro Helfer
4.000,-- p.a.
- Ersatzbeschaffung gesamtes Team
2000,-- p.a.
Supervision
2.000,-- p.a.
Gruppenbildende Maßnahmen
1.000,-- p.a.
Gesamtsumme:
20.000,-- p.a.
Hinsichtlich der Selbstständigkeit der Teams im Rahmen eines „Vereins“ muss
beachtet werden, dass zusätzliche Mehrkosten für abzuschließende Versicherungen
für die Helfenden eingerechnet werden müssen. PSNV-B Teams, die bei
Hilfsorganisationen, der Kirche, Caritas oder Diakonie eingebunden sind, werden
normalerweise über diese versichert.
B 20
Empfehlung zur Prüfung des Versicherungsstatus bei PSNV-B
Einsätzen
Es wird empfohlen, den jeweiligen Versicherungsstatus zu überprüfen und ggf.
entsprechende Absicherungen vorzunehmen.

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B 21
Empfehlung zur Prüfung des Versicherungsstatus bei
Vereinsträgerschaft von PSNV-B
Bei Anbindung von PSNV-B Teams an einen freien Träger wird empfohlen, den
Versicherungsschutz
(Unfallversicherung,
Insassenhaftpflicht
und
Haftpflicht-
versicherung) für die Teammitglieder zu überprüfen und ggf. entsprechend
erforderliche Versicherungen abzuschließen.

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Erfassung von Einsatzzahlen und -daten im Zeitraum 2015 bis 2018
Zur besseren Zuordnung der Einsatzzahlen sollen diese gem. Leistungsbeschreibung
in Landkreise und kreisfreie Städte in den Gebietsgrenzen nach der Kreisreform 2008
im Freistaat Sachsen aufgeschlüsselt werden.
Das Angebot der PSNV im Freistaat Sachsen ist deutlich älter als 2008 und insofern
orientierten sich die Einsatzgebiete an den Landkreisgrenzen vor der Kreisreform.
Diese Bereiche wurden nach der Reform nicht verändert.
Bei
der
Abfrage
wurde
das
Gutachterteam
mit
sehr
unterschiedlichen
Wahrnehmungen und Festlegungen der Einsatzgebietsgrenzen konfrontiert. Von der
Bezeichnung der alten Landkreisgrenzen, über Auflistung einzelner Orte als
Eckpunkte des Einsatzgebietes bis hin zur Bezeichnung einzelner Wahlkreisbezirke
stellten sich die Herausforderungen dar. Jedes PSNV-B Team beschrieb „seinen“ lokal
realisierten Einsatzbereich sehr individuell.
Laut Auftrag erfolgte die Datenerhebung in Aufgliederung anfordernder und
alarmierender Stelle sowie in Erfassung der Anzahl zu betreuender Personen je
Einsatz. Des Weiteren sollte die Anzahl der eingesetzten PSNV Kräfte, die
durchschnittliche Einsatzdauer und Ablösungen je Einsatz erfragt werden. Diese
komplexen Angaben sollten für vier Einsatzjahre (2015 bis 2018) erhoben und
analysiert werden.

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Zur
Analyse
der
Einsatzdaten
wurde
die
vom
Auftraggeber
geforderte
Fallgruppenbildung anhand typischer Einsatzindikationen für eine Alarmierung von
PSNV-B Teams festgelegt:
Überbringung von Todesnachrichten
Betreuung Betroffener nach Tod im häuslichen Bereich
Betreuung Angehöriger nach versuchtem und vollendetem Suizid
Betreuung Betroffener nach Gewalterfahrung
Betreuung von betroffenen Kindern
Betreuung von Betroffenen in der Öffentlichkeit
Betreuung Betroffener nach Katastrophen oder Großschadenslagen
Einsatzsituation PSNV - B
Einsatzindikation Überbringen von Todesnachrichten
Tabelle 26 verdeutlicht die
Anzahl durchgeführter Einsätze
dieser Einsatzindikation.
Es zeigt sich, dass, konstant auf ein Einsatzjahr bezogen, meist bis zu zehn Einsätze
im Zusammenhang mit der Überbringung von Todesnachrichten erfolgen. Insgesamt
ist ein Zuwachs zu verzeichnen. Besonders vom Einsatzjahr 2017 auf das Einsatzjahr
2018 wird dieser deutlich.
Tabelle 26: Anzahl der Einsätze „Überbringung von Todesnachrichten“, Angabe in absoluten
Häufigkeiten (n=19 max.)
0
2
4
6
8
10
12
14
2015
2016
2017
2018
Begleitung nach Überbringung von
Todesnachrichten
keine
1 bis 10
11 bis 30
31 bis 50
mehr als 50

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Zur Fragestellung
betreuter Personengruppen
bei dieser Einsatzindikation durch
PSNV-B Teams (Tabelle 27) zeigte die Analyse, dass überwiegend betroffene
Erwachsene durch PSNV-B Teams nach Überbringung von Todesnachrichten betreut
wurden.
Tabelle 27: Betreute Personen „Überbringung von Todesnachrichten“, Angabe in absoluten
Häufigkeiten (n=19 max.)
Die Rückmeldungen der 23 befragten Teams erfolgten zu beiden Fragestellungen
Einsatzanzahl und Anzahl der betreuten Personengruppen
bei der Indikation
„Überbringung Todesnachrichten“ insgesamt unterschiedlich konsistent:
Für das Einsatzjahr 2015 von rund 61% der Teams
Für das Einsatzjahr 2016 von 82,61% der Teams
Für das Einsatzjahr 2017 von 86,96% der Teams
Für das Einsatzjahr 2018 von 82,61% der Teams
Zur Fragestellung der
Ablösung im Einsatz
verdeutlicht Tabelle 28, dass Helfende
zumeist allein in den Einsatz gehen und eher selten weitere PSNV-B Helfende
nachfordern, um sich ablösen zu lassen.
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
Anzahl Kinder
Anzahl Jugendliche
Anzahl Erwachsene
Anzahl Senioren
Betreute Personen nach Überbringung von
Todesnachrichten
maximal 2018
maximal 2017
maximal 2016
maximal 2015

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Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
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Tabelle 28: Anzahl und Ablösung von Helfenden „Überbringung von Todesnachrichten“, Angabe in
absoluten Häufigkeiten (n=18 max.)
Die Rückmeldungen der 23 befragten Teams erfolgten zu den Fragestellungen
Anzahl
eingesetzter Helfender und Inanspruchnahme der Option Ablösung
bei der
Indikation „Überbringung Todesnachrichten“ unterschiedlich konsistent:
Für das Einsatzjahr 2015 von 78,26% der Teams
Für das Einsatzjahr 2016 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2017 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2018 von 78,26% der Teams
Einsatzindikation Tod im häuslichen Bereich
Als weitere, sehr häufig zum Einsatz führende Indikation kommt es zu Einsätzen nach
erfolgtem Versterben von Personen im häuslichen Umfeld. Tabelle 29 zeigt unter
Berücksichtigung eines Rückgangs von Zahlen dieser Einsatzindikation im Jahr 2016,
einen kontinuierlichen Zuwachs in 2015, 2017 und 2018.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
1 Person
2-3 Personen
mehr als 3 Personen
wie oft Ablösung
Anzahl Helfende und deren Ablösung nach
Überbringung Todesnachrichten
maximal 2015
maximal 2016
maximal 2017
maximal 2018

image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
127 von 427
Tabelle 29: Betreuung Betroffener nach Tod im häuslichen Bereich, Angabe in absoluten Häufigkeiten
(n=21 max.)
Tabelle 30 zeigt, dass die häufigste Einsatzanfrage
„Tod im häuslichen Bereich“,
Tod durch medizinische
Gründe
(auch nach frustranen Reanimationsereignissen) und
auf Grund einer natürlichen Todesursache verursacht ist. Gefolgt wird die
Einsatzindikation Betreuung Betroffener nach erfolgtem Suizid eines Angehörigen im
häuslichen Kontext. Einsätze nach plötzlichem Kindstod erfolgen deutlich weniger und
kommen, wie auch die Betreuung Betroffener nach Kapitaldelikten, selten vor.
Tabelle 30: Ursachen für Einsätze der Indikation „Tod im häuslichen Bereich“. Angaben in absoluten
Häufigkeiten. (n=21 max.)
203
147
225
244
2015
2016
2017
2018
TOD IM HÄUSLICHEN BEREICH
50
45
65
80
50
45
65
80
5
6
8
11
36
29
40
28
3
2
6
3
50
10
29
30
12
12
12
12
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
2015
2016
2017
2018
Einsatzursachen "Tod im häuslichen Bereich"
medizinische Ursache
natürlicher Tod
plötzlicher Kindstod
erfolgter Suizid
Kapitalsdelikt (Mord)
frustrane Reanimation
laufende Reanimation

image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
128 von 427
Tabelle 31 zeigt erneut, dass in größter Anzahl betroffene Erwachsene als
betreute
Personengruppe
gefolgt von der Erwachsenengruppe Senioren nach stattgehabtem
Todesfall im häuslichen Bereich durch PSNV-B Teams betreut wurden. Es findet sich
eine kontinuierliche Zunahme in der Anzahl betreuter Personen über die Einsatzjahre
hinweg mit Ausnahme des Einsatzjahres 2016.
Tabelle 31: Betreute Personen nach Einsatzindikation „Tod im häuslichen Bereich“, Angaben in
absoluten Häufigkeiten (n=21 max.)
Die Rückmeldungen der 23 befragten Teams erfolgten zu den Fragestellungen
Einsatzursachen und betreute Personen
bei der Indikation „Tod im häuslichen
Bereich“ unterschiedlich konsistent:
Für das Einsatzjahr 2015 von 73,91% der Teams
Für das Einsatzjahr 2016 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2017 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2018 von 91,30% der Teams
Tabelle 32 verdeutlicht zur Einsatzindikation „Tod im häuslichen Bereich“ die
Anzahl
eingesetzter Helfender und Inanspruchnahme der Option Ablösung.
Es zeigt sich,
dass Helfende zumeist alleine in den Einsatz gehen und selten Ablösung nachfordern.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
maximal 2015
maximal 2016
maximal 2017
maximal 2018
Betreute Personen nach "Tod im häuslichen Bereich"
Anzahl Senioren
Anzahl Erwachsene
Anzahl Jugendliche
Anzahl Kinder

image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
129 von 427
Tabelle 32: Anzahl Helfende nach Einsatzindikation „Tod im häuslichen Bereich“, Angaben in
absoluten Häufigkeiten. (n=21max)
Die Rückmeldungen der 23 befragten Teams erfolgten zur Fragestellung
eingesetzte
Helfende und Ablösung
im Einsatz zur Indikation „Tod im häuslichen Bereich“
unterschiedlich konsistent:
Für das Einsatzjahr 2015 von 73,91% der Teams
Für das Einsatzjahr 2016 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2017 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2018 von 82,61% der Teams
Einsatzindikation Betreuung von Angehörigen nach Suizid
In Tabelle 33 ist erkennbar, dass konstant auf ein Einsatzjahr bezogen, meist bis zu
zehn
Einsätze
im Zusammenhang mit der Betreuung Angehöriger nach Suizid als
Todesursache erfolgen. Insgesamt ist im Einsatzjahr 2016 ein Rückgang der
Einsatzzahlen mit dieser Indikation zu verzeichnen, wohingegen im Einsatzjahr 2017
ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen ist, der im Einsatzjahr 2018 erneut zurück
0
50
100
150
200
250
1 Person
2-3 Personen
mehr als 3 Personen
wie oft Ablösung
Anzahl Helfende und deren Ablösung
nach Tod im häuslichen Bereich
maximal 2015
maximal 2016
maximal 2017
maximal 2018

image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
130 von 427
gegangen ist. Dies entspricht der Statistik
32, 33
zu vollendeten Suiziden, die ebenfalls
Schwankungen aufzeigt.
Tabelle 33: Einsatzanzahl mit Einsatzindikation „Betreuung Angehöriger nach Suizid“, Angaben in
absoluten Häufigkeiten (n=21 max.)
Tabelle 34 zeigt erneut, dass auch bei der Einsatzindikation „Betreuung Angehöriger
nach Suizid“ als
betreute Personengruppe
überwiegend betroffene Erwachsene
durch PSNV-B Teams betreut wurden.
32
https:
/
/
www.statistik.sachsen.de
/
download
/
100_Berichte-A
/
A_IV_10_j17_SN.pdf
33
https:
/
/
www.statistik.sachsen.de
/
html
/
467.htm
0
2
4
6
8
10
12
14
2015
2016
2017
2018
Betreuung Angehöriger nach Suizid
keine
1 bis 10
11 bis 30
31 bis 50
mehr als 50

image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
131 von 427
Tabelle 34: Betreute Personen Einsatzindikation „Betreuung Angehöriger nach Suizid“, Angaben in
absoluten Häufigkeiten (n=21 max.)
Die Rückmeldungen der 23 befragten Teams erfolgten zu den
Fragestellungen
Einsatzursachen und betreute Personen
bei der Indikation „Betreuung von
Betroffenen nach Suizid“ unterschiedlich konsistent:
Für das Einsatzjahr 2015 von 82,61% der Teams
Für das Einsatzjahr 2016 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2017 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2018 von 91,30% der Teams
Im Gegensatz zu den Einsatzindikationen Betreuung nach Überbringung einer
Todesnachricht oder nach stattgehabtem Tod im häuslichen Bereich, bei denen
Helfende eher allein in die Einsätze gehen und eher keine
Ablösung nachfordern
stellt sich dies bei der Einsatzindikation „Betreuung nach Suizid“ anders dar. In
Tabelle 35 wird deutlich, dass Helfende deutlich häufiger nicht alleine, sondern durch
weitere Helfende unterstützt, in den Einsatz gehen und dass eine Nachforderung und
Ablösung häufiger in Anspruch genommen wird.
0
10
20
30
40
50
60
maximal 2015
maximal 2016
maximal 2017
maximal 2018
Betreute Personen nach Suizid
Anzahl Senioren
Anzahl Erwachsene
Anzahl Jugendliche
Anzahl Kinder

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
132 von 427
Tabelle 35: Helfende Einsatz nach Suizid und Ablösung
Die Rückmeldungen der 23 befragten Teams erfolgten zur Fragestellung
eingesetzte
Helfende und Ablösung
im Einsatz zur Indikation „Betreuung nach Suizid“
unterschiedlich konsistent:
Für das Einsatzjahr 2015 von 82,61% der Teams
Für das Einsatzjahr 2016 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2017 von 91,30% der Teams
Für das Einsatzjahr 2018 von 91,30% der Teams
Einsatzstatistik pro Landkreis / kreisfreier Stadt nach Fallzahlen
Für die obigen häufigsten Einsatzindikationen wurde auftragsgemäß eine Analyse der
Einsatzstatistik entlang der Verortung der PSNV-B Teams zu ihren jeweiligen
Landkreisen und kreisfreien Städten durchgeführt:
Begleitung Betroffener nach Überbringung von Todesnachrichten
Betreuung Betroffener nach Tod im häuslichen Bereich
Betreuung Betroffener nach Suizid
Auf den nachfolgenden Seiten wird die angegebene Einsatzhäufigkeit in den
Einsatzjahren 2015 bis 2018 pro Einsatzjahr dargestellt (Tabelle 37 bis 44).
0
5
10
15
20
25
30
35
1 Person
2-3 Personen
mehr als 3 Personen
wie oft Ablösung
Anzahl Helfende und deren Ablösung
bei Betreuung nach Suizid
maximal 2015
maximal 2016
maximal 2017
maximal 2018

image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
133 von 427
Für jedes Einsatzjahr finden sich zwei Übersichten. In der jeweils ersten Abbildung
werden die drei häufigsten Einsatzindikationen mit den entsprechenden Fallzahlen pro
Team visualisiert (Abbildungen
Teamebene
), in einer jeweils zweiten Abbildung erhält
man einen Überblick auf die Einsatzstatistik pro Einsatzjahr in den entsprechenden
Landkreisen
und
kreisfreien
Städten
im
Freistaat
Sachsen
(Abbildungen
Landkreisebene
).
Lücken in den nachfolgenden Abbildungen erklären sich durch fehlende Angaben der
Teams zu bestimmten Einsatzjahren oder Einsatzindikationen in einem Einsatzjahr
und lassen keine Rückschlüsse auf eine (Nicht-) Existenz von Teams zu.
Zur Übersicht wird zunächst in Tabelle 36 zusammenfassend die Zuordnung der
PSNV-B Teams zu den jeweiligen Landkreisen und kreisfreien Städten dargestellt.
Somit wird erkennbar, welches PSNV-B Team welchem Landkreis / welcher kreisfreien
Stadt zuzuordnen ist. Zudem kann in der abgebildeten Karte 2 nachvollzogen werden,
welche Teil-Bereiche die einzelnen Teams als „Einsatzbereiche“ für sich im Freistaat
Sachsen festgelegt haben.

image
image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
134 von 427
Team
Landkreis
Team
Landkreis
KIT Dresden
Stadt Dresden
Notfallseelsorge /
KIT Torgau-Oschatz
LK Nordsachsen
Kriseninterventionsteam des DRK
Kreisverband Zittau e.V.
LK Görlitz
NFS-KIT Delitzsch-
Eilenburg
NFS Landkreis Görlitz Nord / Mitte
KIT Sächsische
Schweiz
LK Sächsische Schweiz
Osterzgebirge
Kriseninterventionsteam
Notfallhilfe Freiberg e.V.
LK Mittelsachsen
KIT Osterzgebirge
NFS Diakonisches Werk e. V.
Rochlitz Bereich Mittweida /
Döbeln
KIT DRK Pirna
Kriseninterventions- und
Notfallseelsorgeteam Annaberg
e.V.
LK Erzgebirge
NFS KIT LK Meißen
LK Meißen
NFS / KIT Marienberg
KIT Leipzig e.V.
Stadt Leipzig
NFS / KIT Aue-Schwarzenberg
Notfallseelsorge /
KIT Torgau-Oschatz
LK Nordsachsen
NFS Oelsnitz / Erz.
NFS-KIT Delitzsch-
Eilenburg
NFS / KIT Bautzen (Landkreis)
LK Bautzen
KIT Sächsische
Schweiz
LK Sächsische Schweiz
Osterzgebirge
Notfallseelsorge /
Krisenintervention Caritas
Chemnitz
Stadt Chemnitz
KIT Osterzgebirge
Kit Zwickau
Rettungszweckverband
Südwestsachsen
KIT DRK Pirna
KIT Vogtland
NFS KIT LK Meißen
LK Meißen
KIT / NFS Chemnitzer Land
KIT Leipzig e.V.
Stadt Leipzig
Notfallseelsorge /
Krisenintervention Landkreis
Leipzig
LK Leipziger Land
Tabelle 36: Übersicht und Zuordnung der PSNV – B Teams in Landkreise und kreisfreie Städte

image
image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
135 von 427
Die Karte 2 visualisiert die durch die Teams angegebenen Einsatzgebiete der
jeweiligen PSNV-B Teams im Freistaat. Diese entsprechen nahezu den
Landkreisgrenzen vor der Kreisreform 2008.
Karte 2: Einsatzgebiete PSNV-B Teams nach erhaltenen Team-Angaben

image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
136 von 427
Tabelle 37: Einsatzstatistik Teamebene 2015, angegeben in absoluten Häufigkeiten
0
50
100
150
200
250
KIT Dresden
Kriseninterventionsteam des DRK Kreisverband
Zittau e.V.
NFS Landkreis Görlitz Nord/Mitte
Kriseninterventionsteam Notfallhilfe Freiberg e.V.
NFS Diakonisches Werk e. V. Rochlitz Bereich
Mittweida/Döbeln
Kriseninterventions- und Notfallseelsorgeteam
Annaberg e.V.
NFS/KIT Marienberg
NFS/KIT Aue-Schwarzenberg
NFS Oelsnitz/ Erz.
NFS/KIT Bautzen(Landkreis)
Notfallseelsorge/Krisenintervention Caritas
Chemnitz
Kit Zwickau
KIT Vogtland
KIT/NFS Chemnitzer Land
Notfallseelsorge/ Krisenintervention Landkreis
Leipzig
Notfallseelsorge/KIT Torgau-Oschatz
NFS-KIT Delitzsch-Eilenburg
KIT Sächsische Schweiz
KIT Osterzgebirge
KIT DRK Pirna
NFS KIT LK Meißen
KIT Leipzig e.V.
Einsätze 2015 PSNV-B Teamebene
Suizid 2015
Tod häuslich 2015
TNR 2015

image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
137 von 427
Tabelle 38: Einsatzstatistik Landkreisebene 2015, angegeben in absoluten Häufigkeiten
0
50
100
150
200
250
Stadt Dresden
LK Görlitz
LK Mittelsachsen
LK Erzgebirge
LK Bautzen
Stadt Chemnitz
Rettungszweckverband
Südwestsachsen
LK Leipziger Land
LK Nordsachsen
LK Nordsachsen
LK Sächsische Schweiz
Osterzgebirge
LK Meißen
Stadt Leipzig
Einsätze 2015 PSNV-B Landkreisebene
Suizid 2015
Tod häuslich 2015
TNR 2015

image
Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
138 von 427
Tabelle 39: Einsatzstatistik Teamebene 2016, angegeben in absoluten Häufigkeiten
0
20
40
60
80
100
120
140
160
KIT Dresden
Kriseninterventionsteam des DRK Kreisverband Zittau
e.V.
NFS Landkreis Görlitz Nord/Mitte
Kriseninterventionsteam Notfallhilfe Freiberg e.V.
NFS Diakonisches Werk e. V. Rochlitz Bereich
Mittweida/Döbeln
Kriseninterventions- und Notfallseelsorgeteam Annaberg
e.V.
NFS/KIT Marienberg
NFS/KIT Aue-Schwarzenberg
NFS Oelsnitz/ Erz.
NFS/KIT Bautzen(Landkreis)
Notfallseelsorge/Krisenintervention Caritas Chemnitz
Kit Zwickau
KIT Vogtland
KIT/NFS Chemnitzer Land
Notfallseelsorge/ Krisenintervention Landkreis Leipzig
Notfallseelsorge/KIT Torgau-Oschatz
NFS-KIT Delitzsch-Eilenburg
KIT Sächsische Schweiz
KIT Osterzgebirge
KIT DRK Pirna
NFS KIT LK Meißen
KIT Leipzig e.V.
Einsätze 2016 PSNV-B Teamebene
Suizid 2016
Tod häuslich 2016
TNR 2016

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
139 von 427
Tabelle 40: Einsatzstatistik Landkreisebene 2016, angegeben in absoluten Häufigkeiten
0
20
40
60
80
100
120
140
160
Stadt Dresden
LK Görlitz
LK Mittelsachsen
LK Erzgebirge
LK Bautzen
Stadt Chemnitz
Rettungszweckverband
Südwestsachsen
LK Leipziger Land
LK Nordsachsen
LK Nordsachsen
LK Sächsische Schweiz
Osterzgebirge
LK Meißen
Stadt Leipzig
Einsätze 2016 PSNV-B Landkreisebene
Suizid 2016
Tod häuslich 2016
TNR 2016

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
140 von 427
Tabelle 41: Einsatzstatistik Teamebene 2017, angegeben in absoluten Häufigkeiten
0
50
100
150
200
250
KIT Dresden
Kriseninterventionsteam des DRK Kreisverband
Zittau e.V.
NFS Landkreis Görlitz Nord/Mitte
Kriseninterventionsteam Notfallhilfe Freiberg e.V.
NFS Diakonisches Werk e. V. Rochlitz Bereich
Mittweida/Döbeln
Kriseninterventions- und Notfallseelsorgeteam
Annaberg e.V.
NFS/KIT Marienberg
NFS/KIT Aue-Schwarzenberg
NFS Oelsnitz/ Erz.
NFS/KIT Bautzen(Landkreis)
Notfallseelsorge/Krisenintervention Caritas
Chemnitz
Kit Zwickau
KIT Vogtland
KIT/NFS Chemnitzer Land
Notfallseelsorge/ Krisenintervention Landkreis
Leipzig
Notfallseelsorge/KIT Torgau-Oschatz
NFS-KIT Delitzsch-Eilenburg
KIT Sächsische Schweiz
KIT Osterzgebirge
KIT DRK Pirna
NFS KIT LK Meißen
KIT Leipzig e.V.
Einsätze 2017 PSNV-B Teamebene
Suizid 2017
Tod häuslich 2017
TNR 2017

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
141 von 427
Tabelle 42: Einsatzstatistik Landkreisebene 2017, angegeben in absoluten Häufigkeiten
0
50
100
150
200
250
Stadt Dresden
LK Görlitz
LK Mittelsachsen
LK Erzgebirge
LK Bautzen
Stadt Chemnitz
Rettungszweckverband
Südwestsachsen
LK Leipziger Land
LK Nordsachsen
LK Nordsachsen
LK Sächsische Schweiz
Osterzgebirge
LK Meißen
Stadt Leipzig
Einsätze 2017 PSNV-B Landkreisebene
Suizid 2017
Tod häuslich 2017
TNR 2017

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
142 von 427
Tabelle 43: Einsatzstatistik Teamebene 2018, angegeben in absoluten Häufigkeiten
0
50
100
150
200
250
300
KIT Dresden
Kriseninterventionsteam des DRK Kreisverband Zittau e.V.
NFS Landkreis Görlitz Nord/Mitte
Kriseninterventionsteam Notfallhilfe Freiberg e.V.
NFS Diakonisches Werk e. V. Rochlitz Bereich Mittweida/Döbeln
Kriseninterventions- und Notfallseelsorgeteam Annaberg e.V.
NFS/KIT Marienberg
NFS/KIT Aue-Schwarzenberg
NFS Oelsnitz/ Erz.
NFS/KIT Bautzen(Landkreis)
Notfallseelsorge/Krisenintervention Caritas Chemnitz
Kit Zwickau
KIT Vogtland
KIT/NFS Chemnitzer Land
Notfallseelsorge/ Krisenintervention Landkreis Leipzig
Notfallseelsorge/KIT Torgau-Oschatz
NFS-KIT Delitzsch-Eilenburg
KIT Sächsische Schweiz
KIT Osterzgebirge
KIT DRK Pirna
NFS KIT LK Meißen
KIT Leipzig e.V.
Einsätze 2018 PSNV-B Teamebene
Suizid 2018
Tod häuslich 2018
TNR 2018

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Gutachten zur bedarfsgerechten Versorgung Betroffener
durch PSNV in Sachsen im Auftrag des SMI
Teil I - Abschnitt 2 – PSNV-B
143 von 427
Tabelle 44: Einsatzstatistik Landkreisebene 2018, angegeben in absoluten Häufigkeiten
0
50
100
150
200
250
300
Stadt Dresden
LK Görlitz
LK Mittelsachsen
LK Erzgebirge
LK Bautzen
Stadt Chemnitz
Rettungszweckverband
Südwestsachsen
LK Leipziger Land
LK Nordsachsen
LK Nordsachsen
LK Sächsische Schweiz
Osterzgebirge
LK Meißen
Stadt Leipzig
Einsätze 2018 PSNV-B Landkreisebene
Suizid 20178
Tod häuslich 2018
TNR 2018

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