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ARE - / Influenza - Sentinel
2006 / 2007 im Freistaat Sachsen
Landesuntersuchungsanstalt
für das Gesundheits - und
Veterinärwesen Sachsen
Freistaat
Sachsen
Sächsisches Staatsministerium für Soziales

Impressum:
Offizielles Sonderheft der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veterinärwesen des Freistaates Sachsen (16. Jahrgang)
Herausgeber:
LUA Sachsen
Sitz: Dresden
Jägerstr. 10
01099 Dresden
Redaktionskollegium:
Dr. med. D. Beier
Chemnitz
Tel. 0371 / 6009 200
Dr. med. I. Ehrhard
Dresden
Tel. 0351 / 8144 313
Redaktion:
Dr. med. D. Beier
LUA Sachsen, Standort Chemnitz
Zschopauer Straße 87
09111 Chemnitz
Organisation u.
Vertrieb:
C. Preuße
Chemnitz
Tel. 0371 / 6009 121
Fax 0371 / 6009 109
Fax 0371 / 6009 239
Druck und
Verarbeitung:
APRESYS Informations-Systeme GmbH
09224 Chemnitz/OT Mittelbach, An den Teichen 5
Tel.: 0371 80 88 270
Nachdruck und Verbreitung des Inhaltes - auch auszugsweise - ist nur mit Quellenangabe, die
Vervielfältigung von Teilen dieses LUA - Sonderheftes nur für den Dienstgebrauch gestattet.
Erscheinungsweise: Sonderheft

3
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE - / Influenza-Sentinel 2006/2007
5
1
Auswertung des epidemiologischen ARE - / Influenza-Sentinels 2006/2007
7
2
Auswertung des Influenza-Sentinels, mikrobiologischer Teil 2006/2007
22
2.1 Molekularbiologischer Influenzavirus-Nachweis
22
2.2 Virologischer Influenzavirus-Nachweis und Charakterisierung der Stämme 26
2.3
Influenza-Impfstoff für die Saison 2007/2008
27

4

5
Vorwort zum ARE-/Influenza - Sentinel 2006/2007 im Freistaat Sachsen
Erkrankungen des Atemwegssystems des Menschen (Akute Respiratorische Erkrankungen,
ARE) können durch unterschiedliche Krankheitserreger ausgelöst werden. Zu etwa 95 % sind
Viren, Chlamydien und Mykoplasmen für die Infektionen verantwortlich. Bakterien, wie
Streptokokken, Staphylokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae, spielen eher
eine untergeordnete Rolle. Bei den Viren stehen neben den Influenza A- und -B-Viren RS-
Viren, Parainfluenzaviren und Adenoviren im Vordergrund (ca. 70 % der respiratorischen
Erkrankungen). Rhinoviren, Coronaviren und Enteroviren sind weitere wichtige Erreger. Ins-
besondere zählen akute Infektionen der unteren Atemwege zu den bedeutsamsten sowohl bei
der Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen als auch der Todesfälle an Infektionskrankheiten
weltweit (Weltgesundheitsberichte der WHO).
Schon der Name unseres sächsischen „ARE-/Influenza-Sentinels“ sagt aus, dass wir uns in
diesem Überwachungsprogramm (Sentinel = Wächter) nicht nur mit dem saisonalen Verlauf
der Influenza, sondern der Atemwegserkrankungen allgemein befassen.
Was steckt dahinter?
Bei den ARE ist ein regelmäßig wiederkehrender jahreszeitlicher Verlauf zu bemerken, d. h.
vereinfacht gesagt, im Sommer weniger, im Winter mehr Erkrankungen. Kommt es zu einer
bestimmten Zeit, meist in den Wintermonaten, aber auch Herbst und Frühjahr sind möglich,
zu einem auffälligen Anstieg der ARE, bemerkt durch die Zunahme der Arztpraxiskonsultati-
onen (epidemiologisches Sentinel), so kann dies durch Influenza, aber auch durch Infektionen
mit anderen Erregern (siehe oben) bedingt sein. Der Beweis, dass es sich tatsächlich um In-
fektionen mit den humanpathogenen Influenzaviren A oder B handelt (oder auch nicht), wird
durch das mikrobiologische Sentinel erbracht. Ärzte in niedergelassenen Praxen, in Kranken-
häusern und Gesundheitsämtern, die am mikrobiologischen Sentinel beteiligt sind, nehmen
bei Verdacht (klinisches Bild beim Patienten!), dass es sich um eine Influenza handeln könn-
te, einen Rachenabstrich, der über das jeweils zuständige Gesundheitsamt an die Landesunter-
suchungsanstalt Sachsen zur Untersuchung eingesandt wird. In Laboratorien dieser Einrich-
tung wird die entsprechende Diagnostik auf Influenzaviren durchgeführt. Durch zusammen-
fassende Auswertung aller Daten ist es möglich, den Beginn einer Influenzaepidemie zuver-
lässig zu erkennen – Voraussetzung für eine wissenschaftlich begründete und verzögerungs-
freie Behandlung.
Sicher wäre es interessant und zur Empfehlung einer geeigneten Therapie auch sinnvoll, die
Abstriche auf weitere in Frage kommende Erreger zu untersuchen, dies sprengt aber (zurzeit?)
die Kapazität unseres Sentinels.
Das sächsische ARE-/Influenza-Sentinel, das sich bereits seit über 30 Jahren große Anerken-
nung erworben hat, ist ein gesundheitspolitisch wichtiges Programm des Freistaates Sachsen
und steht unter der Leitung und Koordination des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD),
der nach dem Gesetz über den ÖGD im Freistaat Sachsen dafür zuständig ist. Die Aussage
des Sentinels in qualitativer Hinsicht ist umso besser, je mehr Landkreise und kreisfreie Städ-
te sowie Gesundheitseinrichtungen an den beiden Komponenten des Sentinels beteiligt sind.
Sehr wichtig ist, das gesamte Territorium von Sachsen annähernd gleichmäßig zu erfassen.
Dies ist sehr vom Engagement der Gesundheitsämter abhängig. Am epidemiologischen Senti-
nel arbeiteten in der Saison 2006/2007 etwa 340 Arztpraxen aus 26 Kreisen mit. Abstriche zur
mikrobiologischen Untersuchung wurden von 165 Einrichtungen aus 28 Kreisen (in der
Mehrzahl allgemeinmedizinische und pädiatrische Arztpraxen) eingesandt. Mögliche Erkran-
kungshäufungen in Gemeinschaftseinrichtungen stehen unter besonderer Beobachtung der
Gesundheitsämter, die nach dem Infektionsschutzgesetz Maßnahmen zur Verhütung der wei-
teren Ausbreitung und zur Bekämpfung einleiten.

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6
Im Sentinelzeitraum wurden 2.088 Patientenmaterialien eingesandt und zunächst molekular-
biologisch (mittels Polymerase-Kettenreaktion, PCR) untersucht. Bei den in der PCR positi-
ven Proben erfolgte der Ansatz zur Virusanzüchtung, in der 66 Isolate gewonnen werden
konnten. Es wurden 733 Influenza A-Infektionen (in 732 Proben) und nur eine Influenza B-
Infektion nachgewiesen. Unter den Influenza A-Viren dominierte im Verhältnis 18:1 der Sub-
typ A/H3N2 gegenüber dem Subtyp A/H1N1. Die ausgeprägte Dominanz des Subtypes
A/H3N2 (im Übrigen auch im Influenzasentinel der Arbeitsgemeinschaft Influenza und des
Robert Koch-Institutes) ist keine Seltenheit und war zum Beispiel auch in den Jahren
1999/2000, 2002/2003 und 2003/2004 zu verzeichnen. Eine weitere Typisierung angezüchte-
ter Virusstämme trägt zur Klärung von Virusveränderungen und damit der Wirksamkeit des
Impfstoffes bei.
Zur Verdeutlichung: Bei den Zahlen handelt es sich nicht um die Gesamtzahlen der in Sach-
sen aufgetretenen Influenzaerkrankungen. Das Überwachungsprogramm erfasst nur „die Spit-
ze des Eisberges“, zeigt aber zuverlässig eine Epidemie an und bildet Trends ab. Die tatsäch-
liche Anzahl der Infektionen ist um ein Vielfaches höher!
Auf der Basis der in diesem Jahr weiter stabilisierten Influenzaüberwachung kann aktuell für
den Freistaat Sachsen von einer moderaten „Influenzaepidemie“ gesprochen werden, wobei
nicht in allen Sentinelregionen epidemische Werte zu verzeichnen waren. Die Influenza-
ausbreitung erfolgte wie auch im übrigen Bundesgebiet schneller als in der vorherigen Saison.
Epidemische Werte wurden in Sachsen zwischen der 7. und der 13. Kalenderwoche 2007 er-
reicht. Der Gipfel der Influenzaepidemie 2006/2007 stellte sich deutschlandweit in der 8. und
9. Kalenderwoche dar, in Sachsen mit Ausnahme eines Kreises um zwei Wochen verzögert.
Eine Viruszirkulation konnte im Wesentlichen von der 5. bis zur 14. Kalenderwoche mit Ma-
ximalwerten zwischen der 8. und 12. Kalenderwoche (Mitte Februar bis Mitte März) beo-
bachtet werden. Mit 45 % errechnete sich in der 10. Kalenderwoche die höchste Positivrate
(Anteil positiver Nachweise an eingesandten Proben).
Den klinischen Verlauf der diesjährigen Influenza-Erkrankungen beschrieben die behandeln-
den Ärzte als überwiegend leicht bis mittelschwer und komplikationslos. Annähernd zwei
Drittel aller nachgewiesenen Infektionen traten bei Kindern und Jugendlichen auf.
Wie in jedem Jahr wurden angezüchtete Virusstämme aus dem sächsischen Sentinel dem Na-
tionalen Referenzzentrum für Influenza beim Robert Koch-Institut in Berlin zur Verfügung
gestellt. Diese Einrichtung übergibt repräsentative Stämme aus Deutschland an die WHO-
Zentrale in London. So fließen im Rahmen der europaweiten Überwachung auch unsere Er-
gebnisse in die Empfehlungen der WHO für die Impfstoffzusammensetzung in der bevorste-
henden Saison ein. Nach wie vor bleibt die Schutzimpfung die wichtigste präventive Bekämp-
fungsmaßnahme.
Das sächsische ARE-/Influenza-Sentinel liefert wissenschaftlich fundierte und für die Praxis
wichtige Informationen für prophylaktische und therapeutische Bekämpfungsmaßnahmen und
benennt mit nachprüfbaren Zahlen die ökonomische Bedeutung.
Die LUA möchte allen Beteiligten herzlichen Dank aussprechen verbunden mit der Bitte, zum
Erhalt und zur weiteren Vervollkommnung unseres Sentinels beizutragen.
Dr. med. vet. Koch, Präsident

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7
1
Auswertung des epidemiologischen ARE-/ Influenza – Sentinels 2006/2007
im Freistaat Sachsen
Die Ergebnisse der Influenzaüberwachung der Saison 2006/2007 basieren wie bereits in den
vergangenen Jahren (siehe LUA-Mitteilungen sowie diesbezügliche Sonderhefte) auf der
Grundlage diverser erhobener Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht insbesondere:
-
die ganzjährig kontinuierliche bzw. saisonale (40. Berichtswoche (BW) 2006 – 17. BW
2007) Erfassung von akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) zur Bestimmung des
sog. epidemiologischen Normalgangs (NG) unter Berücksichtigung des Vertrauensin-
tervalls (mit der präepidemischen Schwelle als oberer Vertrauensgrenze des NG) in
möglichst gleichmäßig über Sachsen verteilten Territorien (siehe Abb. 1)
-
das Influenza-Sentinelsystem des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Sachsen
bzw. der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
-
der Erregernachweis (PCR und Anzucht) u.a. zur Bestätigung epidemiologischer Daten
(Beginn/Ende einer Epidemie)
-
die Berücksichtigung entsprechender Informationen aus den anderen Bundes- und den
europäischen Nachbarländern, von Häufungen, Informationen zu influenzatypischen
Krankheitsbildern, Komplikationen, Altersspezifität, Mortalität etc.
Dresden
Weißeritzkreis
Sächsische Schweiz
Stollberg
Zwickau
Chemnitzer Land
Zwickauer Land
Annaberg
Chemnitz
Mittlerer Erzgebirgskreis
Freiberg
Leipzig
Muldentalkreis
Leipziger Land
Görlitz
Bautzen
Niederschlesischer Oberlausitzkreis
Delitzsch
Meißen
Mittweida
Riesa-Großenhain
Torgau-Oschatz
Döbeln
Vogtlandkreis
Aue-Schwarzenberg
Hoyerswerda
Kamenz
Plauen
Löbau-Zittau
Abb. 1:
An der Erfassung der ARE-Aktivität beteiligte Landkreise und kreisfreie Städte
(27. KW 2006 – 26. KW 2007)
Die Auswertung dieser und weiterer Faktoren erlaubt nachstehende Einschätzung der Influen-
zaaktivität für die Saison 2006/2007.
Im letzten Quartal 2006 entsprach die ARE-Morbidität im Freistaat Sachsen dem saisonal
erwarteten Niveau.
In den anderen Bundsländern gestaltete sich die ARE-Influenzasituation ebenfalls unauffällig,
die Werte der Konsultationsinzidenzen für Gesamtdeutschland zeigten die übliche Alters-

8
gruppenverteilung und blieben in dem für die Jahreszeit üblichen Bereich. Nur sehr spora-
disch wurden Influenzanachweise gemäß Infektionsschutzgesetz an das Robert Koch-Institut
(RKI) übermittelt.
Laut Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza erfolgten in der 51. Kalenderwoche
(KW) die ersten Influenza-Nachweise der Saison innerhalb des bundesweiten Sentinels: 1
Influenza A/H1N1- und 3 Influenza A/H3N2-Erkrankungen betrafen jeweils Kinder im Alter
zwischen einem und acht Jahren, die eine typische Influenza-Symptomatik mit hohem Fieber
aufwiesen. Ein A/H3N2-Nachweis stammte aus Berlin, während die anderen A/H3N2-Viren
und das A/H1N1-Virus bei Patienten in Rheinland-Pfalz identifiziert wurden.
Auch europaweit blieb die Influenza-Aktivität zunächst auf niedrigem Niveau und es wurden
nur vereinzelt sporadische Influenza-Erkrankungen gemeldet.
In der 3. Kalenderwoche gelangen dann innerhalb unseres sächsischen Sentinels in den Labo-
ratorien der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA)
mittels PCR zwei erste Nachweise von Influenza A(H3N2)-Infektionen dieser Saison. Eine
35-jährige ungeimpfte Chemnitzerin war am 15.01.07 mit typischen Symptomen einer Virus-
grippe (akuter Beginn, hohes Fieber, Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen) erkrankt. Aus
dem noch am selben Tag von der behandelnden Ärztin entnommenen Rachenabstrich gelang
am 16.01.07 der Nachweis einer Influenza A, Subtyp A(H3N2). Der Lebensgefährte und das
Kind der Patientin waren anamnestisch bereits zwei Tage zuvor mit gleicher Symptomatik
erkrankt.
Der zweite Influenza A-Virus-Nachweis (A/H3N2) betraf einen 45-jährigen ebenfalls unge-
impften Patienten aus dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis, bei dem bereits seit dem
20.12.06 Zeichen eines grippalen Infekts mit Fieber bis 41°C aufgetreten waren. Anhand ei-
nes am 15.01.07 vom Hausarzt gewonnenen Rachenabstrichs erfolgte am 17.01.07 auch hier
der Nachweis einer Influenza A(H3N2)-Infektion.
Hiermit wurde der Beginn der Influenza-Saison 2006/2007 im Freistaat Sachsen festgestellt.
Der erste und einzige Nachweis einer Influenza B-Infektion in Sachsen gelang aus einem in
der 13. Kalenderwoche 2007 gewonnenen Rachenabstrich. Betroffen war ein ungeimpfter 58-
jähriger Patient aus dem Muldentalkreis, der mit typischer Symptomatik hospitalisiert worden
war.
In den ersten Wochen des neuen Jahres stieg die Zahl der Probeneinsendungen dann stetig an.
Zunehmende Anteile Influenza-positiver Rachenabstriche (> 20 %) und steigende Probenein-
gangszahlen wiesen ab der 4. KW auf die kommende Influenzawelle hin. Während in ande-
ren, vor allem in südlichen Regionen Deutschlands ein anfangs noch moderater, dann aber
zunehmend deutlicher Anstieg registriert wurde, befand sich die Aktivität der akuten respira-
torischen Erkrankungen (ARE) in Sachsen jedoch zunächst noch auf einem für die Jahreszeit
üblichen Niveau. Ein messbarer Einfluss auf die Morbidität der Bevölkerung ließ sich in
Sachsen erst ab der 8. KW feststellen, in der die sog. „präepidemische Schwelle“ in einigen
der Sentinelregionen erreicht bzw. bereits überschritten wurde.
Zur näheren Erläuterung der sog. „epidemischen Werte“: Die „präepidemische Schwelle“ ist
die obere Vertrauensgrenze des mathematischen Normalgangs. Ihr Überschreiten zeigt eine
nicht zufällige Abweichung vom Normalgang und somit den möglichen Beginn einer Epide-
mie an. Die epidemische Schwelle wiederum hat zum mathematischen Normalgang den dop-
pelten Abstand wie die „präepidemische Schwelle“. Das Überschreiten der epidemischen
Schwelle signalisiert zuverlässig das Bestehen einer Epidemie
.
Diese epidemische Schwelle
wurde in der Saison 2006/2007 im Freistaat Sachsen nur in einigen wenigen Sentinelregionen
(Stadt Chemnitz, Annaberg, Löbau-Zittau, Stollberg) jeweils unterschiedlich in der Zeitspan-

9
ne von der 7. bis zur 13. KW überschritten (siehe Abb. 2, 3 und 8). In anderen Sentinelregio-
nen (Freiberg, Vogtlandkreis, siehe Abb. 4 und 5) wurde in dieser Saison jedoch nur eine
Überschreitung der präepidemischen Schwelle registriert.
0
400
800
1200
1600
2000
27.KW´06
29.KW
31.KW
33.KW
35.KW
37.KW
39.KW
41.KW
43.KW
45.KW
47.KW
49.KW
51.KW
1.KW´07
3.KW
5.KW
7.KW
9.KW
11.KW
13.KW
15.KW
17.KW
19.KW
21.KW
23.KW
25.KW
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 2:
ARE – Normalgang 27. KW´06 – 26. KW´07, Kreis Annaberg
0
100
200
300
400
500
600
700
27.KW´06
29.KW
31.KW
33.KW
35.KW
37.KW
39.KW
41.KW
43.KW
45.KW
47.KW
49.KW
51.KW
1.KW´07
3.KW
5.KW
7.KW
9.KW
11.KW
13.KW
15.KW
17.KW
19.KW
21.KW
23.KW
25.KW
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 3:
ARE – Normalgang 27. KW´06 – 26. KW´07, Kreis Löbau-Zittau

10
0
100
200
300
400
500
600
27.KW´06
29.KW
31.KW
33.KW
35.KW
37.KW
39.KW
41.KW
43.KW
45.KW
47.KW
49.KW
51.KW
1.KW´07
3.KW
5.KW
7.KW
9.KW
11.KW
13.KW
15.KW
17.KW
19.KW
21.KW
23.KW
25.KW
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 4:
ARE – Normalgang 27. KW´06 – 26. KW´07, Kreis Freiberg
0
50
100
150
200
250
300
27.KW´06
29.KW
31.KW
33.KW
35.KW
37.KW
39.KW
41.KW
43.KW
45.KW
47.KW
49.KW
51.KW
1.KW´07
3.KW
5.KW
7.KW
9.KW
11.KW
13.KW
15.KW
17.KW
19.KW
21.KW
23.KW
25.KW
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 5:
ARE – Normalgang 27. KW´06 – 26. KW´07, Vogtlandkreis
Von der 9. bis zur 11. KW erreichten uns jeweils über 200 Probeneinsendungen. Die meisten
Influenza-Nachweise wurden in der 10. KW geführt. Mit 44,9 % in der 10. KW und 35,1 %
über den gesamten Beobachtungszeitraum errechneten sich Positivraten, die deutlich über
denen der vorigen Saison lagen (siehe Tab. 1 und 4).

11
Tab. 1:
Probeneinsendungen, Influenzanachweise und Positivraten
KW Probeneinsendungen Nachweise Positivrate (in %)
40–52
98
0
0
1 4 0 0
2
11
0
0
3 12 2 16,7
4
28
7
25,0
5 70 16 22,9
6
113
33
29,2
7 141 53 37,6
8
197
82
41,6
9 286 108 37,8
10
352
158
44,9
11 273 119 43,6
12
220
77
35,0
13 122 42 34,4
14
75
19
25,3
15 37 8 21,6
16
25
5
20,0
17 24 4 16,7
Summe
2088
733
35,1
Laut Bericht der AG Influenza wurde ab der 4. Kalenderwoche ein zunächst leichter, ab der
6. KW dann deutlicher Anstieg der Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen sowie
der Werte der Konsultationsinzidenzen registriert. Von der 7. bis einschließlich der 11. KW
hatte die saisonale Influenzawelle alle Regionen des bundesweiten Sentinels erfasst. Deutsch-
landweit wurde eine heftige Influenzaaktivität beobachtet. Die saisonale Influenzawelle baute
sich, in den südlichen Regionen der Bundesrepublik beginnend, nach Norden und Osten hin
auf. Die Anzahl der im Nationalen Referenzzentrum in Berlin nachgewiesenen wie auch der
aufgrund der Meldepflicht an das RKI übermittelten Influenzainfektionen nahm innerhalb
dieses Zeitraumes deutlich zu. Bundesweit wurden wie in Sachsen fast ausschließlich Influen-
zaviren Typ A identifiziert, wobei Influenzavirus A Subtyp A/H3N2 dominierte. Die im Nati-
onalen Referenzzentrum identifizierten und subtypisierten Influenzaviren ließen sich zu 89 %
Influenza A/H3N2, 10 % A/H1N1 und nur etwa 1 % Influenza B zuordnen. Diese festgestellte
Häufigkeitsverteilung entsprach auch der Situation in ganz Europa. Der Gipfel der Influen-
zaepidemie 2006/2007 wurde deutschlandweit in der 8. und 9. KW erreicht, in Sachsen mit
Ausnahme eines Kreises zwei Wochen verzögert von der 10. bis zur 11. KW.
Ab der 11. Kalenderwoche ließ die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen in
allen AGI-Regionen deutlich nach und befand sich ab der 14. KW, zum Ende der Saison, auf
einem für die Jahreszeit üblichen Niveau. Auch im Freistaat entspannte sich die epidemiologi-
sche Lage ab der 13. KW. deutlich. Die Neuerkrankungshäufigkeiten nahmen um bis zu 70 %
ab. Im saisonal erwarteten Bereich lagen die Erkrankungszahlen in Sachsen ab der 15. KW.
Die Anzahl der Probeneinsendungen und die der Influenzanachweise sank kontinuierlich (sie-
he auch Abb. 6).

12
0
20
40
60
80
100
120
140
160
40 -
52
1 2 3 4 5 6 7 8 9 1011121314151617
Kalenderwoche
Anzahl
Abb. 6:
Influenzavirusnachweise (mittels PCR) nach Kalenderwochen (Tag der Probeentnahme)
im Freistaat Sachsen 2006/2007
Nach der 17. KW (23.04. - 29.04.) wurde das Influenza-Sentinel der Saison 2006/2007 abge-
schlossen. Von den insgesamt 2.088 Probeneinsendungen erbrachten 733 ein positives Ergeb-
nis. Insgesamt wurden in 732 Proben Infektionen durch Influenza A-Viren (290 x A/H3N2,
16 x A/H1N1 - davon 1 Doppelinfektion A/H3N2 und A/H1N1-, 427 x A/nicht subtypisiert)
und nur eine Infektion durch Influenza B-Virus hervorgerufen.
Influenzasaison 2006/2007 innerhalb Europas
Auch im europäischen Ausland wurden im 4. Quartal 2006 zunächst nur vereinzelt Influenza-
viren nachgewiesen. Gegen Ende des Jahres stieg die Rate von Influenzanachweisen inner-
halb Europas dann jedoch an. Über eine Zunahme der Influenza-Aktivität wurde zunächst aus
Griechenland, Nordirland, Schottland, den Niederlanden, Luxemburg, Spanien und der
Schweiz berichtet. In den übrigen europäischen Ländern blieb die Aktivität noch auf einem
niedrigen Niveau.
In den Januarwochen nahmen die Influenzavirusnachweise in Europa weiter zu. Erhöhte In-
fluenzaaktivität wurde besonders aus Südeuropa (Spanien, Portugal und Italien) gemeldet,
während sie in östlichen Teilen wie Polen und Litauen zunächst weiter niedrig blieb. Die bis
zu diesem Zeitpunkt von den europäischen Ländern festgestellte Häufigkeitsverteilung der
(sub)typisierten Viren entsprach mit 92 % Influenza A/H3N2, 6 % Influenza A/H1N1 und
2 % Influenza B in etwa der Situation in Deutschland. Ab der 7. KW wurde dann auch in den
nordeuropäischen Ländern ein Anstieg der Influenza-Aktivität registriert, während in einigen
südeuropäischen Ländern (Portugal, Spanien und Serbien) bereits ein Rückgang der Erkran-
kungszahlen beobachtet wurde. Von Mitte März an nahm die Influenza-Aktivität schließlich
auch in den meisten nördlichen und östlichen Ländern ab und erreichte das Niveau der Hin-
tergrundaktivität. Nur Dänemark und die Niederlande berichteten noch über eine mittlere In-
tensität der Influenza-Aktivität.
Die in Europa insgesamt festgestellte Häufigkeitsverteilung der (sub)typisierten Viren ent-
sprach der Situation in Deutschland, dominierend war Influenza A/H3N2. In einzelnen euro-
päischen Ländern wich die Verteilung der Virustypen allerdings von diesem Muster ab, so
wurden z.B. in Rumänien 45 % Influenzaviren vom Typ B nachgewiesen.

13
In der Saison 2006/2007 wurde beobachtet, dass das Auftreten der Spitzenaktivitäten in den
europäischen Ländern einem Süd-Nord-Muster folgte, während ein West-Ost-Muster nicht zu
erkennen war. In den vorangehenden Wintern hatte sich die Influenzawelle jeweils von Süd-
westeuropa nach Nordosten ausgebreitet.
Den klinischen Verlauf der diesjährigen Influenza-Erkrankungen beschrieben die behandeln-
den Ärzte als überwiegend leicht bis mittelschwer und komplikationslos. Die identifizierten
Influenza-Erkrankungen betrafen zu 35,5 % die Altersgruppe der Klein- und Vorschulkinder
(0 - < 7 Jahre). 28,1 % der Erkrankungen wurden in der Altersgruppe der Schulkinder (7 -
< 17 Jahre) und 30,6 % bei Erwachsenen (17 - < 60 Jahre) registriert. In 5,9 % der Fälle wa-
ren über 60-jährige Patienten betroffen. Somit traten annähernd 2/3 aller nachgewiesenen In-
fektionen bei Kindern und Jugendlichen auf, was nachfolgend in Tabelle 2 sowie in Abbil-
dung 7 dargestellt wird.
Tab. 2:
Altersaufgliederung der Influenzavirusnachweise (mittels PCR)
in Sachsen und Chemnitz
Sachsen Altersgruppen Chemnitz
18
=
2,5 %
0 -
<
1
5
=
3,8 %
242
=
33,0 %
1 -
<
7
50
=
37,9 %
206
=
28,1 %
7 -
<
17
43
=
32,6 %
224
=
30,6 %
17 -
<
60
32
=
24,2 %
43 = 5,9 %
>60 2 = 1,5 %
733
Gesamt
132
0
5
10
15
20
25
30
35
40
< 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
%
Sachsen
Stadt Chemnitz
Abb. 7:
Influenzavirusnachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen in Chemnitz
und im Freistaat Sachsen 2006/2007

14
In der Saison 2006/2007 wurden insgesamt 2 klinisch-labordiagnostisch bestätigte Influenza-
Todesfälle erfasst. In beiden Fällen handelte es sich um ungeimpfte Personen aus der Risiko-
gruppe der über 60-Jährigen.
In der 10. Kalenderwoche kam der erste (offizielle) Influenza-Todesfall der Saison zur Mel-
dung. Ein ungeimpfter 65-Jähriger aus dem Stadtkreis Dresden war am 25.02.07 akut mit Fie-
ber und Husten erkrankt, wurde noch am selben Tag unter der Diagnose Pneumonie hospitali-
siert und verstarb am 27.02.07. Mittels PCR wurde in Atemwegssekret eine Influenza A-
Infektion nachgewiesen. Auch der zweite Influenza A-Todesfall der Saison wurde im Stadt-
kreis Dresden registriert und für die 11. KW nachgemeldet. Eine 66-jährige ungeimpfte Pati-
entin war bereits am 28.02.07 mit hohem Fieber erkrankt und am 13.03.07 unter der Diagnose
Pneumonie im Krankenhaus verstorben. Der Influenza A-Nachweis erfolgte mittels PCR nach
Bronchiallavage.
Aus allen drei Regierungsbezirken wurden uns vor allem zwischen der 9. und der 11. Kalen-
derwoche, also in direktem zeitlichem Zusammenhang mit dem Gipfel der diesjährigen In-
fluenzawelle, einige Influenza A-Erkrankungshäufungen gemeldet. Betroffen waren Gemein-
schaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Altenpflegeheime. Besondere Auffällig-
keiten diese Geschehen betreffend, wie z. B. schwere Krankheitsverläufe mit Hospitalisierun-
gen oder gar Todesfälle, wurden nicht registriert.
Die Entwicklung der ARE-/Influenza-Morbidität korrelierte eindeutig mit den Nachweisraten
der Influenzaviren, die von der 8.-11. BW zwischen 38 und 45 % betrugen. Die Mehrzahl der
Influenzafälle (bezogen auf den Tag der Materialentnahme) wurde also in den Wochen der
höchsten ARE-Inzidenz diagnostiziert (siehe auch Abb. 8).
27.KW´06
30.KW
33.KW
36.KW
39.KW
42.KW
45.KW
48.KW
51.KW
2.KW
5.KW
8.KW
11.KW
14.KW
17.KW
20.KW
23.KW
26.KW´07
Woche
0
100
200
300
400
500
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
0
10
20
30
40
Influenzavirusnachweise
Normalgang
präepid.
epid.
Morb. 2006/2007
Morb. 2005/2006
Influenza A
Abb. 8:
ARE und Influenza in Beziehung zum Normalgang 27. KW´06 – 26. KW´07, Stadt Chemnitz

15
In Sachsen wurden in der Saison 2006/200 insgesamt 734 Influenzavirus-Infektionen in 733
Proben nachgewiesen. Diese gliedern sich auf in 733 Influenza A-Infektionen (in 732 Proben)
und nur 1 Influenza B-Infektion. Aufgrund der zeitweise hohen Probeneingänge war eine
Subtypisierung der Influenza A-Viren nur in 306 Fällen möglich und ergab in 16 Untersu-
chungsmaterialien Influenza A(H1N1) und in 290 Materialien Influenza A(H3N2). Bei einem
Patienten konnte eine Doppelinfektion mit Influenza A(H3N2) und Influenza A(H1N1) diag-
nostiziert werden. Bemerkenswert für die Influenzaepidemie 2006/2007 ist demnach die aus-
geprägte Dominanz von Influenza A(H3N2).
Geht man davon aus, dass das Verhältnis der nicht subtypisierten Influenza A-Proben dem der
subtypisierten Viren entspricht, so würden sich nach Hochrechnung 38 Influenza A(H1N1)-
Infektionen und 695 Influenza A(H3N2)-Infektionen ergeben. Demnach gehörten 95 % aller
Influenza A-Infektionen dem Subtyp A(H3N2) und nur 5 % dem Subtyp A(H1N1) an.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Ergebnissen sind im Teil 2 – Influenzasentinel/ mi-
krobiologischer Teil aufgeführt.
Für den Freistaat Sachsen kann auf der Basis der in diesem Jahr weiter stabilisierten Influen-
zaüberwachung durch das epidemiologische und mikrobiologische ARE-/Influenza-Sentinel
von einer moderaten „Influenzaepidemie“ in der vergangenen Influenzasaison gesprochen
werden, wobei nicht in allen Sentinelregionen epidemische Werte zu verzeichnen waren. Die
Influenzaausbreitung erfolgte im Freistaat Sachsen (wie im übrigen Bundesgebiet) schneller
als in der vorherigen Saison. Insgesamt beeinflusste die Influenzawelle die ARE-Inzidenz
deutlich stärker als im Vorjahr. Epidemische Werte wurden zwischen der 7. und der 13. KW
erreicht (Abb. 2, 3 und 8). Eine Viruszirkulation konnte im Wesentlichen von der 5. bis zur
14. KW (10 Wochen, 29.01.2007 - 08.04.2007, siehe Tab. 1 und 3, Abb. 6 und 8) mit Maxi-
malwerten zwischen der 8. und 12. Berichtswoche (19.02.-25.03.2007) beobachtet werden. Im
Vergleich hierzu war im Vorjahr (Saison 2005/2006) eine ausgesprochen moderate Influen-
zawelle mit Maximalwerten zwischen der 13. und 14. BW (27.03.-09.04.2006) registriert
worden. Epidemische Werte wurden damals grundsätzlich nicht erreicht und die Morbiditäts-
raten lagen um, zum Teil sogar unter dem Normalgang. Im Gegensatz zur aktuellen Saison
dominierten in der Saison 2005/2006 Influenzaviren des Typs B mit ca. 74 % der Influenza-
Infektionen innerhalb unseres Sentinels. Influenza A/H3N2 (ca. 20 %) bzw. Influenza
A/H1N1 (ca. 6 %) spielten in der vorangegangenen Saison eine vergleichsweise geringere
Rolle.
Eine zusammenfassende Darstellung der Influenzaviruszirkulation 2006/2007 in 4 Kreisen
des Freistaates Sachsen ist in Tabelle 3 aufgeführt.

16
Tab. 3:
Zusammenfassung Influenzaepidemie 2006/2007
GA = Gesundheitsamt
Epidemiestämme: Influenza A/H3N2, A/H1N1
GA Annaberg
GA Stollberg
GA Chemnitz
GA Löbau-Zittau
Beginn der Epidemie
10. KW
10. KW
10. KW
7. KW
Gipfel
11. KW
10. KW
10. KW
7. KW
Ende der Epidemie
12. KW
13. KW
11. KW
12. KW
Dauer der Epidemie
3 Wochen
2 Wochen
2 Wochen
4 Wochen
Morbidität während der Epide-
mie (Inzidenz
o
/oooo)
6.381
741
8.040
9.558
Morbidität während der
Epidemie in %
6,4
0,7
8,0
9,6
Exzess-Morbidität in %
(über epidemischer Schwelle)
1,5
0,1
1,0
1,3
Exzess-Konsultationen in %
(über Normalgang)
4,7
1,5
1,2
10,4
GA Annaberg
1 - < 7
(9. - 11. KW)
7 - < 17
(10. - 13. KW)
17 - < 60
(10. - 12. KW)
60 und älter
(11. KW)
alterspez. Morb.während der
Epidemie (Inzidenz
o
/oooo)
33.901 26.033 3.635
975
alterspezifische Morbidität
während der Epidemie in %
33,9 26,0 3,6
1,0
Exzess-Konsultationen
in % (über Normalgang)
25,7 21,8 2,5
2,3
Mit insgesamt 2.088 Einsendungen (davon 733 mit positivem Ergebnis) wurden in unseren
Laboratorien annähernd doppelt so viele Proben wie in der vorangegangenen Saison auf In-
fluenza-Virus untersucht und das 4-fache an Influenzavirus-Infektionen nachgewiesen. Die
Positivrate von 35,1 %, das heißt der Prozentsatz, der den Anteil der Sentinelproben darstellt,
in denen Influenzaviren nachgewiesen wurden, lag ebenfalls deutlich höher als im vergange-
nen Jahr und ist ein Beweis für die gezielte Auswahl der Influenzaverdachtsfälle durch die
beteiligten Ärzte. Tabelle 4 liefert eine Gegenüberstellung der Sentinel-Erhebungen seit 1999
hinsichtlich Anzahl der Probeneinsendungen bzw. Nachweise, der Positivraten sowie der In-
fluenzavirus-Typen und -Subtypen.

17
Tab. 4:
In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirusnachweise
Saison 1999/2000 bis 2006/2007
Saison Anzahl
Proben-
einsendungen
Anzahl
Nachweise
(Anzucht
und/oder
PCR)
Positivrate
(%)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. B
2006/2007 2.088 733 35,1 732
1)2)
16
1)
- 290
1)
1
2005/2006 1.183 181 15,3 48
3)
11 -
36 133
2004/2005 4.310 1.922 44,6 1.192
4)5)
110 -
194 748
4)
2003/2004 1.628 482 29,6 482 - - 482 -
2002/2003 3.588 1.195 33,3 1.088
6)
1 1
1.086 110
6)
2001/2002 1.239 411 33,2 174
7)
- 3
171 241
7)
2000/2001 1.379 401 29,1 397 396 - 1 4
1999/2000 1.854 411 22,2 411 - - 411 -
1)
davon 1 Doppelinfektion A/H1N1 und A/H3N2
2)
davon 427 x nicht typisiert
3)
davon 1 x nicht typisierbar
4)
davon 18 Doppelinfektionen: 4 x Influenza A (H1N1) und B, 3 x Influenza A (H3N2) und B
sowie 11 x Influenza A (nicht typisiert) und B
5)
davon 888 x nicht typisiert
6)
davon 3 Doppelinfektionen Influenza A und B
7)
davon 4 Doppelinfektionen Influenza A und B
Influenzanachweise bei Geimpften
Unter den insgesamt untersuchten 2.088 Einsendungen handelte es sich in 226 Fällen (etwa
10,8 %) um Proben von aktuell gegen Influenza geimpften Personen, 1.342 Probanden waren
anamnestisch ungeimpft, bei 520 Untersuchten wurde anlässlich der Probeentnahme leider
kein Impfstatus erhoben, das sind immerhin 25 %! Für die folgenden Berechnungen zu Er-
krankung und Impfung wird die Anzahl von 1.568 Probanden bzw. von 590 Positiv-
Nachweisen mit erhobenem aktuellen Impfstatus (geimpft oder ungeimpft) zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Impfung erkrankten 77 Probanden unseres Sentinels (ausnahmslos) an In-
fluenza A, darunter wurde in 28 Fällen Subtyp A/H3N2 und in 2 Fällen Subtyp A/H1N1 im
Labor diagnostiziert. Der Anteil geimpfter Personen an allen mit Influenzavirusnachweis
(= Influenza-Positive) betrug insgesamt 13 % (Anteil Ungeimpfter: 87 %). Zum Vergleich: In
der vergangenen Saison (2005/2006) ergab sich ein Verhältnis von 14,6 % Geimpften zu
85,4 % Ungeimpften (Abb. 9).

18
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2005/2006
2006/2007
Geimpfte
Ungeimpfte
85 %
87 %
15 %
13 %
Abb. 9:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenzavirusnachweis
(Saison 2005/2006 und 2006/2007)
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
0 - < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
>/= 60
gesamt
Altersgruppen
Anzahl der Nachweise
Gesamt
darunter Geimpfte
Abb. 10:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenzavirusnachweis,
nach Altersgruppen (Saison 2006/2007)
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften in der Gesamtgruppe der Influenza-Positiven lag
insgesamt bei 1 : 6,7; d.h. unter den Erkrankten waren annähernd 7-mal so viele Ungeimpfte
wie Geimpfte (Abb. 10). Während für Geimpfte eine auf die Anzahl der Probeneinsendungen
(mit Impfstatus) bezogene Erkrankungsrate von 4,9 % ermittelt werden konnte, betrug diese
bei Ungeimpften insgesamt 32,9 %.

19
Aus den Erkrankungsraten ist die jeweilige „Ungeimpftenrate“ (Anteil der Ungeimpften) aus
der Differenz der Erkrankungsraten Ungeimpfter und Geimpfter bezogen auf die Erkran-
kungsrate Ungeimpfter zu errechnen. Diese lag bei 85 %.
Bei kontinuierlicher Fortführung und Erweiterung der Sentinelsysteme in Sachsen (sinnvoll
ist vor allem eine Beteiligung aller Landkreise und kreisfreien Städte sowohl am mikrobiolo-
gischen als auch am epidemiologischen Sentinel, um Bewertungen und Vergleiche für das
gesamte Territorium des Freistaates Sachsen treffen zu können) sind zukünftig noch begrün-
detere Aussagen möglich sowie Entwicklungen über Jahre (z.B. zum Ausmaß von Epidemien,
zum zeitlichen Ablauf, zur regionalen Ausbreitung, zu den jeweiligen besonders betroffenen
Altersgruppen etc.) beurteilbar.
Dies soll nachfolgend beispielhaft für die letzten 5 Jahre am Kreis Annaberg (Abb. 11-15)
dargestellt werden (AG = Altersgruppe, EW = Einwohner).
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
27.KW´02
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´03
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´04
11.KW
19.KW
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
Abb. 11:
ARE – Normalgang und Verlauf 2002 – 2007, Kreis Annaberg (1 - < 7 Jahre)
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
7000
27.KW´02
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´03
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´04
11.KW
19.KW
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
Abb. 12:
ARE – Normalgang und Verlauf 2002 – 2007, Kreis Annaberg (7 - < 17 Jahre)

20
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
27.KW´02
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´03
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´04
11.KW
19.KW
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
Abb. 13:
ARE
Normalgang und Verlauf 2002 – 2007, Kreis Annaberg (17 - < 60 Jahre)
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
27.KW´02
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´03
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´04
11.KW
19.KW
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
Abb. 14:
ARE – Normalgang und Verlauf 2002 – 2007, Kreis Annaberg (60 Jahre und älter)

21
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
27.KW´02
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´03
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´04
11.KW
19.KW
27.KW´04
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´05
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW´06
11.KW
19.KW
27.KW´06
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´07
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 EW
NG
epid.
Morb.
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
Abb. 15:
ARE – Normalgang und Verlauf 2002 – 2007, Kreis Annaberg (gesamt)
Abschließend sei allen an den verschiedenen Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen, Ge-
sundheitsämtern, Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen für die engagierte Mitarbeit,
ohne die eine aussagefähige epidemiologische Analyse nicht möglich wäre, herzlich gedankt.
Noch fundiertere Auswertungen wären sicherlich möglich, wenn die entsprechenden Proben-
begleitscheine stets vollständig ausgefüllt wären. Gerade im Hinblick darauf, dass die von uns
erhobenen Daten in der kommenden Saison in die Gesamtauswertung des bundesweiten Sen-
tinels des Robert Koch-Institutes und der AG Influenza mit einfließen werden, ist eine lücken-
lose Erfassung vor allem auch der Impfanamnese unerlässlich. Es darf nicht unerwähnt blei-
ben, dass bei jeder vierten Probeneinsendung die Influenza-Impfanamnese nicht erhoben oder
zumindest auf dem Probenbegleitschein nicht eingetragen war. Dies nimmt uns die Möglich-
keit, qualitativ noch bessere Aussagen zu Influenzanachweisen bei Geimpften gegenüber Un-
geimpften, beispielsweise zu Erkrankungsraten, Impfdurchbrüchen und Ungeimpftenraten
bezogen auf Altersgruppen oder ggf. auf Influenzatyp und -subtyp auszuwerten. Bei entspre-
chend zahlreichen Probeneingängen behalten wir uns vor, nur noch die Untersuchungsmateri-
alien zu bearbeiten, die mit einem komplett ausgefüllten Erhebungsbogen eingehen. Wir bit-
ten hierfür im Sinne der Qualität unseres Sentinels um Ihr Verständnis und freuen uns auf eine
weiterhin effektive Zusammenarbeit in der kommenden Saison 2007/2008
.
Bearbeiter:
Herr Dr. med. D. Beier
Frau Dr. med. S.-S. Merbecks
Frau I. Briem

22
2
Auswertung des Influenza
Sentinels, mikrobiologischer Teil 2006/2007
im Freistaat Sachsen
Die mikrobiologischen Untersuchungen im Rahmen des sächsischen Influenza-Sentinels er-
folgten in der Zeit vom 1. Oktober 2006 bis zum 30. April 2007 in 2.088 Untersuchungspro-
ben mit dem Ergebnis von 734 Influenzavirusnachweisen bei 733 Proben und einer Positivra-
te von 35,1 %.
Die Rachenabstriche in Erhaltungsmedium wurden mit molekularbiologischen und virologi-
schen Methoden aufgearbeitet, um mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) und Virusanzucht
den Erreger Myxovirus influenzae Typ A und Typ B sowie die A-Subtypen nachweisen zu
können. Zuerst wurde von den eingesandten Materialien die PCR durchgeführt, dann erfolg-
ten Anzüchtungsversuche von den Rachenabstrichen, die in der PCR ein positives Ergebnis
mit dem Nachweis von Influenzavirusgenom erbracht hatten. Aus der Anzüchtung wurden 66
Virusisolate gewonnen, die zur weiteren serologischen Differenzierung gelangten und an das
Referenzlabor des RKI eingeschickt werden konnten.
2.1
Molekularbiologischer Influenzavirus-Nachweis
Eine deutliche Zunahme der Materialeinsendungen parallel zum erhöhten Krankheitsgesche-
hen und entsprechenden Frequentierungen der Gesundheitseinrichtungen ist in der Saison
2006/2007 im Vergleich zu den relativ wenigen Influenza-Erkrankungen in der vorjährigen
Sentinel-Periode zu beobachten. Eine 100 %ige Steigerung der abgenommenen Abstriche der
Sentinelpraxen geht mit einer ebenso gesteigerten Positivrate aus Materialien dieser Praxen
einher, 2005/06: 22,5 % - 2006/07: 45 %. Ebenso haben die Krankenhäuser und öffentlichen
Gesundheitseinrichtungen wesentlich mehr Arztkonsultationen in dieser Saison zu verzeich-
nen, die sich bereits in den Einsendungen an die LUA verdeutlichen: 47 % mehr Einsendun-
gen aus den Krankenhäusern mit einer Positivrate von 20 %; 182 % mehr Einsendungen aus
den Gesundheitsämtern mit einer sehr guten Positivrate von 38 % (Vorsaison 39 Pro-
ben/0 Positive, jetzt 110/42).
In Tabelle 1 sind diese Ergebnisse aufgeschlüsselt eingetragen.
Tab. 1:
Probenquelle, -aufkommen, Positive und Positivrate nach PCR-Diagnostik
Einsender
Anzahl der
Proben
Anzahl der
PCR-positiven Proben
Positivrate
in %
Sentinelpraxen 1.181 530 44,87
Krankenhäuser 797 161 20,20
Gesundheitsämter/
Gemeinschaftseinrichtungen/
Institute
110 42 38,18
Gesamt 2.088 733 35,10
Die Proben zum Sentinel erhielt die Landesuntersuchungsanstalt aus 28 Kreisen des Freistaa-
tes, nur von einem Kreis in Sachsen sind keine Untersuchungsproben an die LUA gelangt.
Insgesamt beteiligten sich 165 verschiedene Einsender aus den drei Regierungsbezirken des
Freistaates Sachsen am Influenza-Sentinel. Im Regierungsbezirk Chemnitz war eine Positivra-

23
te von 40 % zu verzeichnen, im RB Leipzig von 32 % und im RB Dresden von 28 %. Die
Aufteilung der Proben auf die einzelnen Kreise ist aus Tabelle 2 ersichtlich.
Die Gesamtzahl der eingesandten Untersuchungsmaterialien entspricht den Vorgaben des
SMS bezüglich des Probenaufkommens (Schreiben vom 05.10.2005).
Tab. 2:
Influenza-Sentinel 2006/2007
Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven Influenzavirusgenom-
nachweise nach territorialen Gesichtspunkten
Kreis
Anzahl der
Einsender
pro Kreis
Anzahl der
Einsendungen
pro Kreis
Anzahl positiver
Influenzavirusgenom-
nachweise pro Kreis
Reg.-bezirk Chemnitz
(11 Kreise)
Annaberg 3 44 28
Aue/Schwarzenberg 1 67 15
Chemnitz/Land 3 131 33
Chemnitz/Stadt 22 316 132
Freiberg 3 25 9
Mittl. Erzgebirgskreis
3
36
14
Stollberg 19 333 150
Plauen 2 6 5
Vogtlandkreis 4 46 16
Zwickau/Stadt 8 36 20
Zwickauer Land
1
7
1
Gesamt 69 1.047 423
Reg.-bezirk Dresden
(11 Kreise)
Bautzen 6 82 36
Dresden 3 162 32
Görlitz 7 176 31
Hoyerswerda 3 17 7
Kamenz 9 30 12
Löbau/Zittau 4 41 12
Meißen 7 42 12
Niederschles. OL-Kreis
2
24
11
Riesa/Großenhain 7 54 19
Sächsische Schweiz
3
28
16
Weißeritzkreis 3 17 4
Gesamt 54 673 192
Reg.-bezirk Leipzig
(6 Kreise)
Delitzsch 2 7 0
Döbeln 8 62 31
Leipzig/Land 4 30 11
Leipzig/Stadt 13 115 48
Muldentalkreis 6 93 17
Torgau/Oschatz 9 61 11
Gesamt 42 368 118
Gesamtsumme 165 2.088 733

24
0
50
100
150
200
250
300
350
400
40/06
41/06
42/06
43/06
44/06
45/06
46/06
47/06
48/06
49/06
50/06
51/06
52/06
01/07
02/07
03/07
04/07
05/07
06/07
07/07
08/07
09/07
10/07
11/07
12/07
13/07
14/07
15/07
16/07
17/07
Kalenderwoche
Anzahl der Proben
Proben
PCR-Positive
Gesamtzahl Proben = 2088
Gesamtzahl Positive = 733
Abb. 1:
Relation von Probenaufkommen zur Zahl PCR-positiver Proben, aufgeschlüsselt
nach Kalenderwochen, während der Influenzasaison 2006/2007
Aus Abbildung 1 ist das Einsendeverhalten der Untersuchungseinrichtungen entsprechend den
Praxisbesuchen der Erkrankten deutlich zu erkennen. Trotz des milden Winters wurden in der
3. und 4. Kalenderwoche des neuen Jahres 2007 die ersten positiven Influenzavirusgenom-
nachweise in der PCR von zwei ungeimpften Patienten erbracht - jeweils Myxovirus influen-
zae Typ A, Subtyp H3N2. Ab der 5. KW wurde auch der Influenza A-Subtyp H1N1 gefun-
den, aber anfangs im Verhältnis 1:16 gegenüber H3N2. Die 10. KW hatte mit 158 positiven
Proben (PCR) bei 352 Untersuchungsmaterialien den Spitzenwert der Positivraten mit 45 %
erreicht. Bereits in der 8. KW ist eine Doppelinfektion mit den zwei Influenzavirus A-
Subtypen H3N2 und H1N1 bei einem ungeimpften Kleinkind nachgewiesen worden. In der
13. KW folgte die einzige Influenzavirus B-Genombestimmung in der PCR von einem 58-
jährigen ungeimpften Mann, die Anzüchtung des B-Stammes war ebenfalls erfolgreich. Von
den 732 Influenza A-positiven Abstrichen wurden 269 durch molekularbiologische Subtypi-
sierung als A/H3N2 erkannt, die A/H1N1-Subtypisierung war 11 x in der PCR positiv
(1 Doppelinfektion). Bei 5 Influenzavirus A-Positiv-Abstrichen brachte die molekularbiologi-
sche Subtypisierung kein eindeutiges Ergebnis und weitere 448 positive Proben konnten aus
technischen und personellen Gründen mittels PCR nicht subtypisiert werden.
Die Abbildung 2 zeigt im Säulendiagramm die Präsenz von Myxovirus influenzae A mit
99,9 % am diesjährigen Influenzageschehen gegenüber 0,1 % Myxovirus influenzae B.

25
0
20
40
60
80
100
120
140
160
Anzahl der Proben
Infl. A
Infl. B
Infl. A
2
7
16
33
53
82
108
158
119
77
41
19
7
6
4
Infl. B
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 000
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
KW
Abb. 2:
Verteilung und Häufigkeit PCR-positiver Influenzavirusnachweise während der
Saison 2006/2007, aufgeschlüsselt auf Typ A und B
Unter Berücksichtigung der wöchentlich bekannten Subtypisierungsergebnisse (PCR und/oder
Virusanzucht) wurde für die Saison 2006/2007 eine deutliche A/H3N2 Influenza-Dominanz
von 94,7 % festgestellt, der Subtyp H1N1 wurde zu 5,2 % beobachtet und Influenza B zu
0,1 %. Im Sentinelzeitraum 2005/2006 wurde dagegen in hohem Prozentsatz (73,5 %) In-
fluenza B als infektiöses Agens erkannt. Selten, fast wie in diesem Jahr, wurde A/H1N1
(6,1 %) nachgewiesen. A/H3N2-Infektionen waren in der letzten Saison nur in relativ niedri-
gem Maße präsent (20,4 %).
In Abbildung 3 sind ab der Saison 1999/2000 bis zur Saison 2006/2007 die prozentualen Ver-
hältnisse von Influenza A-Subtypisierungen und Influenza B zusammengestellt.

26
0
98,3
0
0,1
0
22,2
6,1
5,2
0
0
0,9
0,1
00 0 0
100
0,3
36,6
90,5
100
39,2
20,4
94,7
0
1,4
62,5
9,3
0
38,6
73,5
0,1
0
20
40
60
80
100
Infl. A (H1N2)
Infl. A (H1N1)
Infl. A (H3N2)
Infl. B
%
99/00
01/02
03/04
05/06
99/00
01/02
03/04
05/06
99/00
01/02
03/04
05/06
99/00
01/02
03/04
05/06
00/01
00/01
00/01
00/01
02/03
04/05
02/03
04/05
02/03
04/05
02/03
04/05
06/07
06/07
06/07
06/07
Abb. 3:
Anteil der Typen und Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirusnachweise in
Prozent, beginnend mit Saison 1999/00
2.2 Virologischer Influenzavirus-Nachweis und Charakterisierung der Stämme
Eine Virusanzucht ist Grundlage für weiterführende serologische und molekularbiologische
Untersuchungen zur Charakterisierung der kursierenden Virusstämme (Typisierung, Sequen-
zierung). In der LUA Sachsen werden dazu MDCK-Zellen (permanente Zelllinie) verwendet.
Durch Vergleich der isolierten Virusstämme mit Referenzstämmen (Impfstämme) können die
Wirksamkeit der aktuellen Impfstoffzusammensetzung eingeschätzt und eventuelle Drifter-
scheinungen erkannt werden.
Von Mitte Januar 2007 (erstes positives PCR-Ergebnis) bis Ende April (Ende des Sentinels)
wurde Material von 733 in der PCR positiven Rachenabstrichen mittels Zellkultur auf In-
fluenzaviren untersucht. Bei 66 Proben (9,0 %) gelang der Nachweis.
In der 4. KW 2007 wurde das erste Influenzavirus (Influenza A-Virus H3N2) und in der 15.
KW das letzte (Influenza A-Virus H3N2) angezüchtet.
Die Typisierung der Virusisolate erfolgte mit monospezifischen Antiseren vom Frettchen und
ergab:
Influenza-A-Virus 65
Subtyp H1N1 9
Subtyp H3N2 56
Influenza-B-Virus 1
Außerdem wurden alle isolierten Virusstämme an das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für
Influenza am RKI in Berlin gesandt, von welchem repräsentative Virusstämme aus Deutsch-
land an die WHO-Zentrale in London weitergeleitet werden. Die Ergebnisse der Charakteri-
sierung der aus ganz Europa eingesandten Virusisolate fließen in die Empfehlungen für die
Impfstoffzusammensetzung der kommenden Saison ein.

27
Die weitergehende Typisierung der angezüchteten Virusstämme (in der LUA bzw. im Refe-
renzlabor) ergab:
Influenza A-Virus H1N1:
ausnahmslos A/New Caledonia/20/99-like
Influenza A-Virus H3N2:
ausnahmslos A/Wisconsin/67/05-like
Influenza B-Virus:
B/Jiangsu/10703-like (Yamagata-Linie)
Die angezüchteten Stämme von Influenza A-Virus entsprechen damit den im Impfstoff ent-
haltenen Komponenten, der Stamm des Influenza B-Virus weicht davon ab. Im Impfstoff ist
ein Vertreter der Victoria-Linie (B/Malaysia/2506/2004) enthalten.
2.3
Influenza-Impfstoff für die Saison 2007/08
Unter Einbeziehung aller molekularbiologischen, virologischen und serologischen Befunde
aus der Influenzasaison 2006/2007 wurde von den zuständigen WHO-Stellen für die
Nordhalbkugel im nächsten Winter die folgende Impfstoffzusammensetzung empfohlen:
A/Solomon Islands/3/2006 (H1N1)-like virus
A/Wisconsin/67/2005 (H3N2)-like virus
B/Malaysia/2506/2004-like virus
Die Impfstoffkomponente für Influenza A/H1N1 wird somit geändert; Influenza A/H3N2 und
Influenza B sind identisch mit der Zusammensetzung für den Impfstoff im Winter 2006/2007.
Bearbeiter:
Herr Dr. med. D. Beier
Frau DB K. Kalinich
Frau Dr. med. I. Ehrhard
Frau DB G. Helbig