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ARE - / Influenza - Sentinel
2005 / 2006 im Freistaat Sachsen
Landesuntersuchungsanstalt
für das Gesundheits - und
Veterinärwesen Sachsen
Freistaat
Sachsen
Sächsisches Staatsministerium für Soziales

Impressum:
Offizielles Sonderheft der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veterinärwesen des Freistaates Sachsen (15. Jahrgang)
Herausgeber:
LUA Sachsen
Sitz: Dresden
Jägerstr. 10
01099 Dresden
Redaktionskollegium:
Dr. med. I. Ehrhard
Dresden
Tel. 0351 / 8144 313
Dr. med. D. Beier
Chemnitz
Tel. 0371 / 6009 200
Redaktion:
Dr. med. D. Beier
LUA Sachsen, Standort Chemnitz
Zschopauer Straße 87
09111 Chemnitz
Organisation u.
Vertrieb:
C. Preuße
Chemnitz
Tel. 0371 / 6009 121
Fax 0371 / 6009 109
Fax 0371 / 6009 239
Druck und
Verarbeitung:
ALINEA GbR
01099 Dresden, Königsbrücker Str. 69
Tel.: 0351 64 64 00
Nachdruck und Verbreitung des Inhaltes - auch auszugsweise - ist nur mit Quellenangabe, die
Vervielfältigung von Teilen dieses LUA - Sonderheftes nur für den Dienstgebrauch gestattet.
Erscheinungsweise: Sonderheft

Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE - / Influenza-Sentinel 2005/2006
5
1
Auswertung des epidemiologischen ARE - / Influenza-Sentinels 2005/2006
7
2
Auswertung des Influenza-Sentinels, mikrobiologischer Teil 2005/2006
16
2.1 Molekularbiologischer Influenzavirus-Nachweis
16
2.2 Virologischer Influenzavirus-Nachweis und Charakterisierung der Stämme 20
2.3
Influenza-Impfstoff für die Saison 2006/2007
23

- 5 -
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2005/2006 im Freistaat Sachsen
Obwohl die Influenza, auch „echte“ Virusgrippe, hervorgerufen durch den Erreger Myxovirus
influenzae, eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten des Menschen ist, wird sie in weiten
Kreisen der Bevölkerung, aber auch von manchen Ärzten und Gesundheitspolitikern in klini-
scher und gesundheitsökonomischer Hinsicht unterschätzt. Erst in jüngster Zeit, da Begriffe
wie „Vogelgrippe“ und „Pandemiegefahr“ häufig auf der Tagesordnung stehen, beginnt sich
diese Einschätzung zu wandeln.
Schon die „normale“ Influenza tritt auch in hoch entwickelten Industrieländern fast jährlich
epidemisch auf und verursacht regelmäßig Kosten in Milliardenhöhe, abgesehen vom
menschlichen Leid durch Erkrankungen und Komplikationen, zum Teil mit tödlichem Aus-
gang. In Deutschland sterben nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) und der auf
Bundesebene arbeitenden Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), einer gemeinsamen Initiative
des RKI, des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Influenza, des Deutschen Grünen
Kreuzes und von vier Firmen der Impfstoff-herstellenden Industrie, jährlich an der Influenza
zwischen 5.000 und 15.000 Personen. In der Saison 2005/2006 waren 3.000 – 8.000 über das
normale Maß hinausgehende Krankenhauseinweisungen notwendig. Die kumulative Inzidenz
an zusätzlichen Arztkonsultationen lag deutschlandweit (mit Ausnahme von Bayern und Ba-
den-Württemberg) zwischen 1.000 und 2.000 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Aus der
Bewertung der Influenzavirusnachweise im Labor und der Morbiditätsstatistiken ergibt sich
für die zurückliegende Saison in Deutschland eine ausgeprägte Influenza-B-Welle mit im
Vergleich zu anderen Influenza-Erkrankungswellen geringeren Erkrankungszahlen und Kom-
plikationen (vgl. Epidemiologische Bulletin Nr. 34/2006, 291-292).
Die Bekämpfung der jährlichen Influenzaepidemien bzw. –wellen bedarf eines organisierten
Managements. Dazu ist prinzipiell nur der Öffentliche Gesundheitsdienst in der Lage und
gemäß dem Gesetz über den Öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat Sachsen sogar ver-
pflichtet. Ein umfangreicher Katalog bevölkerungsmedizinisch wichtiger Daten muss erhoben
werden und eine von der Pharma- und Impfstoffindustrie unabhängige Bearbeitung erfolgen.
Es ist unabdingbar, dass unter der Regie der Gesundheitsämter möglichst viele Ärzte, insbe-
sondere der Primärversorgung (Allgemeinmediziner, Kinderärzte), aber auch Krankenhäuser
und andere Einrichtungen einbezogen werden. Die Gesundheitsämter sind darüber hinaus für
die Beobachtung und Untersuchung von Erkrankungshäufungen (z.B. in Heimen, Schulen,
Kindereinrichtungen) sowie für die Einleitung adäquater Maßnahmen zuständig.
Im Freistaat Sachsen wird in jedem Jahr ein Influenza-Sentinel durchgeführt, das sich seit 30
Jahren bewährt hat. Es besteht aus einem epidemiologischen und einem mikrobiologischen
Teil. Das Sentinel liefert wissenschaftlich fundierte und für die Praxis wichtige Informationen
für prophylaktische und therapeutische Bekämpfungsmaßnahmen und benennt mit nachprüf-
baren Zahlen die ökonomische Bedeutung.
In den epidemiologischen Teil fließen die Zahlen von Personen mit akuten Atemwegserkran-
kungen (akute respiratorische Erkrankungen, ARE) ein, die die beteiligten Arztpraxen aufge-
sucht haben. Diese Zahlen werden der Landesuntersuchungsanstalt (LUA) über die Gesund-
heitsämter wöchentlich, aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, mitgeteilt. Aus den Daten kann
für ein bestimmtes Territorium (Landkreis oder kreisfreie Stadt) und damit für eine definierte
Bevölkerung der sogenannte „Normalgang“, d.h. die üblicherweise auftretende Anzahl an
akuten Atemwegserkrankungen, berechnet werden. Er basiert auf den Wochenwerten der je-
weils letzten 5 Jahre, berücksichtigt die jahreszeitliche Verteilung der Erkrankungen innerhalb
eines Jahres und liefert die Prognose für das aktuelle Jahr. Durch ein Überschreiten des
„Normalganges“ wird unter Einbeziehung der Daten des mikrobiologischen Sentinels der

6
Beginn einer Influenzaepidemie zuverlässig angezeigt. Eine wissenschaftlich begründete Be-
handlung Erkrankter ist somit ohne Verzögerung möglich.
Die am mikrobiologischen Teil des Influenza-Sentinels beteiligten Arztpraxen und Kranken-
häuser werden durch die Gesundheitsämter für ihre Mitarbeit gewonnen. Sie senden vorwie-
gend Rachenabstriche von Erkrankten zur Untersuchung ins Labor ein. Die Untersuchungen
auf Influenza A und B dienen in erster Linie dem verzögerungsfreien Erkennen des Auftretens
von Influenzaviren in der Bevölkerung und der konkreten Beurteilung (Typisierung) der vor-
kommenden Virusvariante. Die Typisierung hat einerseits epidemiologische Gründe, wie die
Verfolgung von Infektionswegen, vielmehr sollen jedoch damit Fragen geklärt werden, die
die Virusveränderungen sowie die Wirksamkeit des Impfstoffes betreffen.
An der Erfassung der Aktivität der ARE im Freistaat Sachsen beteiligten sich in der zurück-
liegenden Saison 23 Landkreise und kreisfreie Städte. Im gesamten Beobachtungszeitraum
befand sich die ARE-Aktivität innerhalb aller Altersgruppen auf niedrigem, für die Jahreszeit
üblichen Niveau. Epidemische Werte wurden in der Saison 2005/2006 zu keinem Zeitpunkt
erreicht oder gar überschritten. Den klinischen Verlauf beschrieben die behandelnden Ärzte
als überwiegend leicht bis mittelschwer. Am stärksten betroffen waren die Altersgruppen der
Vorschul- und Schulkinder (bei den Virusnachweisen zu über 80 % !).
Proben zur Untersuchung im mikrobiologischen Sentinel erhielt die LUA aus allen 29 Kreisen
des Freistaates. Insgesamt 1.183 Materialien wurden eingesandt und zunächst molekularbio-
logisch (mittels Polymerase-Kettenreaktion, PCR) untersucht. Bei den in der PCR positiven
Proben erfolgte der Ansatz zur Virusanzucht.
Trotz ausgebliebener Influenzaepidemie 2005/2006 kursierten in Sachsen nachweislich In-
fluenzaviren von der 3. bis zur 17. Kalenderwoche 2006, mit Maximalwerten in der 13. und
14. Woche. Mittels PCR war in 181 Patientenproben Influenzavirus nachweisbar, davon
konnten in der Virusanzucht 71 Isolate gewonnen werden. Es handelte sich um 133 Influenza
B- und 48 Influenza A-Stämme (als Subtypen sowohl A/H3N2 als auch A/H1N1). Bemer-
kenswert ist die ausgeprägte Dominanz der Influenza B- gegenüber den Influenza A-
Erkrankungen, wie es letztmalig in der Saison 2001/2002 zu verzeichnen war.
Angezüchtete Virusstämme aus dem sächsischen Sentinel wurden dem NRZ für Influenza
beim RKI in Berlin zur Verfügung gestellt. Diese Einrichtung übergibt repräsentative Stämme
aus Deutschland an die WHO-Zentrale in London. So fließen im Rahmen der europaweiten
Überwachung auch unsere sächsischen Ergebnisse in die Empfehlungen der WHO für die
Impfstoffzusammensetzung in der bevorstehenden Saison ein. Wie im Sentinel der AGI konn-
te auch in unserem sächsischen Sentinel ein deutliches Abdriften der Influenza B-Stämme
nachgewiesen werden, was vermehrt zu Impfdurchbrüchen und konsequenterweise zu einer
Veränderung der B-Komponente im Influenzaimpfstoff für die Saison 2006/2007 führte.
Trotz neuerer medikamentösen Möglichkeiten zur Prophylaxe und Therapie der Influenza
bleibt doch die Schutzimpfung nach wie vor die wichtigste präventive Bekämpfungsmaßnah-
me.
Die vorliegenden sehr guten Ergebnisse werden wie in jedem Jahr zur bundesweiten Aner-
kennung unseres sächsischen Sentinels beitragen.
Die LUA möchte allen Beteiligten herzlichen Dank aussprechen verbunden mit der Bitte, zum
Erhalt und zur weiteren Vervollkommnung des Influenzasentinels im Freistaat Sachsen beizu-
tragen.
Dr. med. vet. Koch
Präsident

image
7
1.
Auswertung des epidemiologischen ARE-/ Influenza – Sentinels 2005/2006
im Freistaat Sachsen
Die Ergebnisse der Influenzaüberwachung der Saison 2005/2006 basieren wie bereits in den
vergangenen sechs Jahren (siehe LUA-Mitteilungen Nr. 8/1999, sowie diesbezügliche Son-
derhefte 2000 bis 2005) auf der Grundlage diverser erhobener Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht insbesondere:
-
die ganzjährig kontinuierliche Erfassung von akuten respiratorischen Erkrankungen (A-
RE) zur Bestimmung des sog. epidemiologischen Normalgangs (NG) unter Berücksich-
tigung des Vertrauensintervalls (mit der präepidemischen Schwelle als oberer Vertrau-
ensgrenze des NG) in möglichst gleichmäßig über Sachsen verteilten Territorien (siehe
Abb. 1)
-
die saisonale (40. Berichtswoche (BW) 2005 – 17. BW 2006) Erfassung der ARE-
Aktivität (siehe Abb. 1)
-
das Sentinelsystem des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Sachsen bzw. der
Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
-
der Erregernachweis (PCR und Anzucht) u.a. zur Bestätigung epidemiologischer Daten
(Beginn/Ende einer saisonalen Erkrankungswelle bzw. Epidemie)
-
die Berücksichtigung entsprechender Informationen aus den anderen Bundes- und den
europäischen Nachbarländern, von Häufungen, Informationen zu influenzatypischen
Krankheitsbildern, Komplikationen, Altersspezifität, Mortalität etc.
Torgau-Oschatz
Niederschlesischer Oberlausitzkreis
Kamenz
Löbau-Zittau
Zwickau
Chemnitzer Land
Zwickauer Land
Aue-Schwarzenberg
Chemnitz
Plauen
Annaberg
Freiberg
Vogtlandkreis
Mittlerer Erzgebirgskreis
Mittweida
Stollberg
Dresden
Görlitz
Hoyerswerda
Bautzen
Meißen
Riesa-Großenhain
Sächsische Schweiz
Weißeritzkreis
Leipzig
Delitzsch
Döbeln
Leipziger Land
Muldentalkreis
Abb. 1:
An der Erfassung der ARE-Aktivität beteiligte Landkreise und kreisfreie Städte
(27. KW 2005 – 26. KW 2006)
Daraus ergibt sich nachstehende Einschätzung der Influenzaaktivität für die Saison
2005/2006.

8
Im letzten Quartal 2005 blieben die ARE-Neuerkrankungsraten auf dem für die Jahreszeit
üblichen Niveau. Weder für Sachsen noch für das übrige Bundesgebiet bestanden Hinweise
auf eine erhöhte Influenza-Aktivität. Eine durch die Arbeitsgemeinschaft Influenza Ende No-
vember registrierte dezente Zunahme der Arztkonsultationen bei 5- bis 14-jährigen Kindern
wurde im Zusammenhang mit einer ansteigenden Zirkulation von RS- und/oder Metapneu-
moviren gesehen.
Im Nationalen Referenzzentrum wurde nur in der 47. Kalenderwoche ein Influenza A-Virus
mittels PCR nachgewiesen. Auch die europäischen Nachbarländer berichteten über eine aus-
gesprochen niedrige Influenzaaktivität. Laborbestätigte Fälle traten nur äußerst sporadisch
auf. Von Woche 40 bis Woche 52 wurden in Europa 166 Influenzaviren nachgewiesen, wobei
Influenza A-Viren leicht überwogen. Allerdings fiel auf, dass seit Bestehen des europäischen
Influenza-Überwachungssystems (European Influenza Surveillance Scheme, EISS) der Anteil
an Influenza B-Viren noch nie so hoch war. Wie schon in der vorangegangenen Saison
(2004/2005) nahmen Laborberichte von RSV europaweit zum Jahresende zu.
In der 3. Kalenderwoche gelangen dann in den Laboratorien der Landesuntersuchungsanstalt
für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) mittels PCR zwei erste Nachweise von In-
fluenza B-Infektionen dieser Saison. Betroffen waren ein 14-jähriger Jugendlicher und eine
51-Jährige. Beide Patienten stammten aus dem Landkreis Stollberg und waren anamnestisch
aktuell gegen Influenza geimpft.
Der erste Nachweis einer Influenza A(H3N2)-Infektion der Saison in Sachsen erfolgte - eben-
falls im Rahmen unseres sächsischen Influenza-Sentinels - in der 5. Kalenderwoche bei einem
10 Monate alten Säugling aus der Stadt Leipzig.
Auch aus dem Nationalen Referenzzentrum wurde nun über vereinzelte Influenza-Virus-
Nachweise (Influenza A(H1N1), Influenza A(H3N2) und Influenza B) berichtet, wobei vor
allem die Altersgruppe der Kinder betroffen war. In Europa gab es Anzeichen für einen leich-
ten Anstieg der Influenza-Aktivität. Kumulativ überwogen Influenza B-Viren, die zu diesem
Zeitpunkt einen Gesamtanteil von 68 % ausmachten. In Sachsen wie auch bundesweit befand
sich die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen jedoch unverändert auf einem
niedrigen Niveau.
Schließlich wurde in der 8. Kalenderwoche die erste Influenza A(H1N1)-Infektion dieser Sai-
son im Freistaat bei einem 8-jährigen Mädchen aus der Stadt Dresden nachgewiesen. Auch
dieser Nachweis wurde mittels PCR in den Laboratorien der LUA geführt.
Gegen Ende des 1. Quartals 2006 stieg die Influenza-Aktivität bundesweit leicht an, blieb
jedoch auf konstant niedrigem Niveau. In Sachsen stiegen die ARE-Neuerkrankungsraten in
einigen Kreisen in den Altersgruppen der Kinder und hier vor allem der Schulkinder etwas an,
ohne jedoch die für die Jahreszeit erwarteten Werte auch nur ansatzweise zu überschreiten.
Die Zahlen sowohl der Probeneingänge als auch der Influenza-Nachweise innerhalb unseres
Sentinels nahmen leicht zu. In Europa gestaltete sich die Influenza-Situation weiterhin mode-
rat. Wie in der Bundesrepublik dominierten Influenza B-Viren (66 %).
Die Viruszirkulation innerhalb Europas gestaltete sich in der Saison 2005/2006 sehr hetero-
gen. Im Gegensatz zur vorangegangenen Saison 2004/2005, als eine Ausbreitung von West
nach Ost und Süd nach Nord stattgefunden hatte, konnte kein klares Ausbreitungsmuster er-
kannt werden.
In der 13. und 14. Kalenderwoche (Gipfel der diesjährigen ausgesprochen moderaten Influen-
za-Welle) wurde zwar eine deutliche Zunahme von Probeneinsendungen und Influenzavirus-
nachweisen registriert, die Gesamtsituation die Influenza-Aktivität betreffend änderte sich
jedoch nicht. Ab der 15. Kalenderwoche waren Probeneingangs- und Nachweiszahlen wieder
rückläufig. In Deutschland wie in ganz Europa neigte sich eine moderate und späte Influenza-
saison ihrem Ende zu.
Die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen befand sich im gesamten Beobach-
tungszeitraum innerhalb aller Altersgruppen auf niedrigem, für die Jahreszeit üblichem Ni-

9
veau (um den bzw. sogar unter dem Normalgang). Epidemische Schwellenwerte wurden in
der Saison 2005/2006 zu keinem Zeitpunkt erreicht bzw. gar überschritten. Während noch in
der vorangegangen Saison eine Positivrate von insgesamt 44,6 % (Wochenmaximalwert
64,1 %) erzielt werden konnte, errechnete sich in der Saison 2005/2006 eine Gesamtpositi-
venrate von nur 15,3 % (Maximalwert 35 % in der 13. KW). Die Positivrate stellt den Pro-
zentsatz des Anteils der Sentinelproben dar, in denen Influenzaviren nachgewiesen wurden.
Den klinischen Verlauf der diesjährigen Influenza-Erkrankungen beschrieben die behandeln-
den Ärzte als überwiegend leicht bis mittelschwer und komplikationslos. Wie bereits in den
vergangenen beiden Influenzasaisons (2003/2004 und 2004/2005) wurde über eher langwieri-
ge Krankheitsverläufe berichtet.
Die Altersgruppen der Vorschul- und Schulkinder waren sowohl in Sachsen wie auch bun-
desweit am stärksten betroffen, was nachfolgend in Tabelle 1 sowie in Abbildung 2 darge-
stellt wird.
Tab. 1:
Altersaufgliederung Influenzanachweise in Sachsen und Chemnitz
Sachsen Altersgruppen Chemnitz
6 =
3,3 %
0 -
<
1
2
=
7,7 %
56 =
31,0 %
1 -
<
7
11
=
42,3 %
96 =
53,1 %
7 -
<
17
12
=
46,2 %
17 =
21,1 %
17 -
<
60
1
=
3,9 %
6 =
7,4 %
>
60
0
181
Gesamt
26
0
10
20
30
40
50
60
< 1
1 - < 7
7 - < 17
17 -</= 60
60 und älter
%
Sachsen
Stadt Chemnitz
Abb. 2:
Influenzavirusnachweise nach Altersgruppen in Chemnitz und im Freistaat Sachsen
2005/2006

10
In der Saison 2005/2006 kamen keine Influenza-bedingten Todesfälle zur Meldung, ein weite-
rer Beweis für den moderaten Verlauf der diesjährigen Influenzawelle. Auch kollektive Häu-
fungen wurden innerhalb unseres Sentinelzeitraums, der von der 40. BW eines Jahres bis zur
17. BW des folgenden Jahres gefasst ist, nicht registriert. In der 38. Berichtswoche 2005 (so-
mit außerhalb des Sentinelzeitraums) wurde jedoch im Stadtkreis Leipzig ein Geschehen sta-
tistisch erfasst, auf das im Folgenden näher eingegangen werden soll.
Am 9. September reanimierte eine Leipziger Ärztin einen ca. 30-jährigen Niederländer auf
dem Heimflug von Nairobi (Kenia) nach Amsterdam. Die Ärztin hatte die Herz-Druck-
Massage, ein anderer deutscher Arzt (Urologe) die Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt.
Der Patient verstarb trotz aller Bemühungen noch an Bord. Die Todesursache blieb, ebenso
wie die Frage, ob eine Obduktion erfolgte, ungeklärt. Vier Tage später (am 13.09.05) erkrank-
te die Leipziger Ärztin an einer Influenza B. Der Nachweis erfolgte mittels PCR anhand eines
Rachenabstriches und wurde im Institut für Virologie der Universität Leipzig geführt. Nach
weiteren drei Tagen erkrankten der Ehemann der Ärztin und im weiteren Verlauf auch der das
Ehepaar behandelnde Hausarzt nachweislich an Influenza B. Der an der Reanimation beteilig-
te Urologe soll nicht erkrankt gewesen sein.
In Sachsen wurden in der Saison 2005/2006 insgesamt 181 Influenza-Infektionen nachgewie-
sen. Das sind über 90 % weniger Influenza-Fälle als in der Saison 2004/2005. Die 181 In-
fluenza-Infektionen gliedern sich auf in 36 Influenza A(H3N2)-, 11 Influenza A(H1N1)-, 1
Influenza A (nicht typisierbar) und 133 Influenza B-Infektionen. Bemerkenswert für die Sai-
son 2005/2006 ist die ausgeprägte Dominanz der Influenza B- gegenüber den Influenza A-
Erkrankungen. 73,5 % der Influenza-Infektionen innerhalb unseres Sentinels waren durch
Influenza B verursacht, was nahezu einer Verdopplung dieses Anteils im Vergleich zur vorhe-
rigen Saison entspricht.
Für den Freistaat Sachsen kann auf der Basis der in diesem Jahr weiter stabilisierten Influen-
zaüberwachung durch das epidemiologische und mikrobiologische ARE-/Influenzasentinel in
der vergangenen Influenzasaison allenfalls von einer ausgesprochen moderaten „Influenza-
welle“ gesprochen werden, die die ARE-Inzidenz im Gegensatz zum Vorjahr nur relativ we-
nig zu beeinflussen vermochte. Eine Viruszirkulation wurde in Sachsen von der 3. bis zur
17. KW (15 Wochen, 16.01.06 – 30.04.06) mit Maximalwerten in der 13. und 14. Berichts-
woche beobachtet. Epidemische Werte wurden grundsätzlich nicht erreicht und die Morbidi-
tätsraten lagen um, zum Teil sogar unter dem Normalgang.
Eine zusammenfassende Darstellung der Influenzaviruszirkulation 2005/2006 in der Stadt
Chemnitz bietet Tabelle 2.
Tab. 2:
Zusammenfassung Influenzaviruszirkulation 2005/2006, Stadt Chemnitz
Beginn der Influenzazirkulation
10.KW
Ende der Influenzazirkulation
17.KW
Dauer der Influenzazirkulation
8 Wochen
Anzahl der Isolate
26
max. ARE-Morbidität (Inz.
o
/oooo)
(Kumulativ über Zeitraum der
Influenzazirkulation)
15380
max. ARE-Morbidität in %
15,4
Exzess-Morbidität in %
(über epid. Schwelle)
0
Exzess-Morbidität in %
(über Normalgang)
0

11
Mit insgesamt 1.183 Einsendungen (davon 181 mit positivem Ergebnis) wurden in unseren
Laboratorien im Vergleich zur vorangegangenen Saison nur etwas mehr als ein Viertel der
Probenmenge auf Influenza-Virus untersucht und 90 % weniger Influenza-Infektionen nach-
gewiesen. Die Positivrate, der Prozentsatz, der den Anteil der Sentinelproben darstellt, in de-
nen Influenzaviren nachgewiesen wurden, lag insgesamt bei 15,3 %. Tabelle 3 liefert eine
Gegenüberstellung der Sentinelerhebungen seit 1999 hinsichtlich Anzahl der Probeneinsen-
dungen bzw. Nachweise, der Positivraten sowie der Influenzavirus-Typen und -Subtypen.
Tab. 3:
In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirusnachweise
Saison 1999/2000 bis 2005/2006
Saison Anzahl
Proben-
einsen-
dungen
Anzahl
Nachweise
(Anzucht
und/oder
PCR)
Positiv-
rate
(%)
Anzahl
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Infl. B
erfasste
influenza-
bedingte
Todesfälle
2005/2006 1183 181 15,3 48
1)
11 - 36
133 0
2004/2005 4310 1922 44,6 1192
2)3)
110 - 194
748
2)
12
2003/2004 1628 482 29,6 482 - - 482 - 7
2002/2003 3588
1195
33,3 1088
4)
1
1
1086 110
4)
10
2001/2002 1239 411 33,2 174
5)
- 3
171 241
5)
0
2000/2001 1379 401 29,1 397 396 - 1 4 4
1999/2000 1854 411 22,2 411 - - 411 - 13
1)
davon 1 x nicht typisierbar
2)
davon 18 Doppelinfektionen:
4x Influenza A(H1N1) und B, 3x Influenza A(H3N2) und B sowie 11x Influenza A (nicht typisiert) und B
3)
davon 888 mal nicht typisiert
4)
davon 3 Doppelinfektionen Influenza A und B
5)
davon 4 Doppelinfektionen Influenza A und B
Influenzanachweise bei Geimpften
Unter den insgesamt untersuchten 1.183 Einsendungen handelte es sich in 161 Fällen (etwa
13,6 %) um Proben von aktuell gegen Influenza geimpften Personen, 615 Probanden waren
anamnestisch ungeimpft, bei 407 Untersuchten wurde anlässlich der Probeentnahme kein
Impfstatus erhoben.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkrankung und Impfung wird die Anzahl von 776 Pro-
banden mit erhobenem aktuellen Impfstatus (geimpft oder ungeimpft) zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Impfung erkrankten 21 Probanden unseres Sentinels an Influenza, davon 4
an Influenza A (alle Subtyp A/H3N2) und 17 an Influenza B. Von den 17 Influenza B-
Isolaten konnten mittels Feintypisierung 9 der nicht im aktuellen Impfstoff enthaltenen „Vic-
toria-Linie“ zugeordnet werden. Die übrigen 8 Isolate konnten nicht angezüchtet und somit
nicht feintypisiert werden (siehe hierzu auch Teil 2.2 Virologischer Influenzavirus-Nachweis
und Charakterisierung der Stämme).
Die vier trotz aktuellem Impfschutz an Influenza A/H3N2 Erkrankten waren ausnahmslos
Erwachsene im Alter zwischen 53 und 64 Jahren (53, 61, 63, 64). Die 17 Influenza B-
Erkrankungen hingegen betrafen 14 Kinder bzw. Jugendliche zwischen 5 und 15 Jahren und
nur drei (47, 51 bzw. 61 Jahre alte) Erwachsene.

12
Der Anteil geimpfter Personen an allen mit Influenzavirusnachweis (= Influenza-Positive)
betrug insgesamt 14,6 % (Anteil Ungeimpfter: 85,4 %). Zum Vergleich: In der vergangenen
Saison (2004/2005) ergab sich ein Verhältnis von 13,2 % Geimpften zu 86,8 % Ungeimpften
(Abb. 3 und 4).
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2004/2005
2005/2006
Geimpfte
Ungeimpfte
86,8 %
85,4 %
13,2 %
14,6 %
Abb. 3:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenza-Nachweis
(Saison 2004/2005 und 2005/2006)
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
200
0 - < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
>/= 60
gesamt
Altersgruppen
Anzahl der Nachweise
Gesamt
darunter Geimpfte
Abb. 4:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenza-Nachweis,
nach Altersgruppen (2005/2006)
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften in der Gesamtgruppe der Influenza-Positiven
lag insgesamt bei 1: 5,9; d.h. unter den Erkrankten waren 6mal so viele Ungeimpfte wie
Geimpfte.
Während für Geimpfte eine auf die Anzahl der Probeneinsendungen (mit Impfstatus) bezoge-
ne Erkrankungsrate von 2,7 % ermittelt werden konnte, betrug diese bei Ungeimpften insge-
samt 15,9 %.

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13
Aus den Erkrankungsraten ist die jeweilige „Ungeimpftenrate“ (Anteil der Ungeimpften) aus
der Differenz der Erkrankungsraten Ungeimpfter und Geimpfter bezogen auf die Erkran-
kungsrate Ungeimpfter zu errechnen. Diese lag durchschnittlich bei 83 %.
Bei kontinuierlicher Fortführung und Erweiterung der Sentinelsysteme in Sachsen sind zu-
künftig noch fundiertere Aussagen möglich sowie Entwicklungen über Jahre (z.B. zum Aus-
maß von Epidemien, zeitlichen Ablauf, zur regionalen Ausbreitung, zu den jeweiligen beson-
ders betroffenen Altersgruppen etc.) beurteilbar.
Dies soll nachfolgend beispielhaft für die letzten 5 Jahre am Landkreis
Annaberg (Abb. 5 - 9)
dargestellt werden (AG = Altersgruppe, EW = Einwohner).
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
27.KW´01
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´02
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW
11.KW
19.KW
27.KW´03
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´04
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW
11.KW
19.KW
27.KW´05
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´06
15.KW
23.KW
Erkrankungenpro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
Abb. 5:
ARE – Normalgang 2001 – 2006. Kreis Annaberg (1 - < 7 Jahre)
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
7000
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
Abb. 6:
ARE – Normalgang 2001 – 2006. Kreis Annaberg (7 - < 17 Jahre)

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14
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
27.KW´01
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´02
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW
11.KW
19.KW
27.KW´03
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´04
15.KW
23.KW
31.KW
39.KW
47.KW
3.KW
11.KW
19.KW
27.KW´05
35.KW
43.KW
51.KW
7.KW´06
15.KW
23.KW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
Abb. 7:
ARE – Normalgang 2001 – 2006. Kreis Annaberg (17 - < 60 Jahre)
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
Abb. 8:
ARE – Normalgang 2001 – 2006. Kreis Annaberg (60 Jahre und älter)
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
Erkrankungen pro 100 000 EW
NG
epid.
Morb.
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
Abb. 9:
ARE – Normalgang 2001 – 2006. Kreis Annaberg (gesamt)

15
Abschließend sei allen an den verschiedenen Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen, Ge-
sundheitsämtern und Krankenhäusern für die engagierte Mitarbeit, ohne die eine aussagefähi-
ge epidemiologische Analyse nicht möglich wäre, herzlich gedankt. Damit verbunden wird
die Bitte um eine auch weiterhin effektive Zusammenarbeit zum Wohle unserer Mitbürger.
Bearbeiter:
Herr Dr. med. D. Beier
Frau Dr. med. S.-S. Merbecks
Frau I. Briem

16
2
Auswertung des Influenza-Sentinels, mikrobiologischer Teil 2005/2006
im Freistaat Sachsen
Im Rahmen des mikrobiologischen Teils der Influenzasurveillance 2005/2006 wurden 1.183
Proben zur molekularbiologischen und virologischen Untersuchung eingesandt. Alle für den
Influenzanachweis bestimmten Proben, meist Rachenabstriche, wurden zunächst molekular-
biologisch (mittels PCR) getestet. Anschließend wurde von den in der PCR positiven Proben
eine Virusanzucht versucht, um die dadurch gewonnenen Isolate serologisch charakterisieren
zu können (Typisierung). Mittels PCR wurde in 181 Patientenproben Influenzavirus nachge-
wiesen, davon konnten 71 Virusisolate gewonnen werden.
Aufgrund der höheren Anzahl der molekularbiologischen Nachweise fließen diese verstärkt in
die Auswertung ein.
Über die Ergebnisse unserer labordiagnostischen Untersuchungen soll im Folgenden berichtet
werden.
2.1
Molekularbiologischer Influenzavirus-Nachweis
Der Vergleich der Probenzahlen, aufgeschlüsselt auf Einsendergruppen, unterstreicht die
niedrige Influenza-Aktivität während der vergangenen Saison. Während die Zahl der Einsen-
dungen aus Krankenhäusern auf 41 % des Vorjahresniveaus sank, erreichten die Einsendezah-
len aus Sentinelpraxen nur 22 %, aus Gesundheitsämtern sogar nur 13 % der Werte des Vor-
jahres.
Die Anzahl der PCR-positiven Proben von Sentinelpraxen und Krankenhäusern lag im abso-
luten Vergleich bei ca. 10 % des Vorjahreswertes.
Einsendungen aus Gesundheitsämtern, Gemeinschaftseinrichtungen und Instituten waren -bei
lediglich 39 Proben- ausnahmslos PCR-negativ.
Erwartungsgemäß lagen die Positivraten, dem Saisonverlauf entsprechend, deutlich niedriger
als in der Saison 2004/2005. Bei Sentinelpraxen wurden 23,5 % (Vorjahr 52 %), bei Kran-
kenhauseinsendungen 8,5 % (Vorjahr 33 %) und bei Gesundheitsämtern, Gemeinschaftsein-
richtungen und Instituten 0 % (Vorjahr 33,3 %) registriert.
In der Addition betrug die Positivrate für alle Einsender 15,3 % und lag damit erheblich unter
dem Wert für eine "normale" Saison.
Die Ergebnisse sind in der Tabelle 1 zusammengefasst.
Tab. 1:
Probenquelle, -aufkommen, Positive und Positivrate nach PCR-Diagnostik
Einsender
Anzahl der
Proben
Anzahl der
PCR-positiven Proben
Positivrate
in %
Sentinelpraxen 600 135 22,50
Krankenhäuser 544 46 8,45
Gesundheitsämter/
Gemeinschaftseinrichtungen/
Institute
39 0 0
Gesamt 1.183 181 15,30

17
Die Proben zum Sentinel erhielt die Landesuntersuchungsanstalt aus allen 29 Kreisen des
Freistaates, immerhin aus drei Kreisen mehr als in der vorausgegangenen Saison. Gemessen
an den Vorgaben des SMS ist die Zahl von 138 einsendenden Einrichtungen als beachtlich
anzusehen und unterstreicht das Interesse der Beteiligten an einer solchen Erhebung.
Tabelle 2 schlüsselt die exakten Einsendedaten noch einmal auf.
Tab. 2:
Influenza-Sentinel 2005/2006
Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven Influenzavirusgenom-
nachweise nach territorialen Gesichtspunkten
Kreis
Anzahl der
Einsender
pro Kreis
Anzahl der
Einsendungen
pro Kreis
Anzahl positiver
Influenzavirusgenom-
nachweise pro Kreis
Reg.-bezirk Chemnitz
(12 Kreise)
Annaberg 3 13 0
Aue/Schwarzenberg 3 18 2
Chemnitz/Land 2 93 3
Chemnitz/Stadt 15 187 26
Freiberg 2 2 0
Mittl. Erzgebirgskreis
7
12
0
Mittweida 3 6 0
Stollberg 13 141 47
Plauen 1 1 0
Vogtlandkreis 3 23 4
Zwickau/Stadt 7 22 2
Zwickauer Land
2
9
3
Gesamt 61 527 87
Reg.-bezirk Dresden
(11 Kreise)
Bautzen 5 67 8
Dresden 3 146 15
Görlitz 5 79 7
Hoyerswerda 3 25 1
Kamenz 6 11 0
Löbau/Zittau 6 33 0
Meißen 4 9 2
Niederschles. OL-Kreis
4
28
0
Riesa/Großenhain 2 2 0
Sächsische Schweiz
4
21
3
Weißeritzkreis 3 9 0
Gesamt 45 430 36
Reg.-bezirk Leipzig
(6 Kreise)
Delitzsch 2 15 0
Döbeln 7 22 8
Leipzig/Land 2 5 0
Leipzig/Stadt 10 106 36
Muldentalkreis 4 64 11
Torgau/Oschatz 7 14 3
Gesamt 32 226 58
Gesamtsumme 138 1.183 181

18
Der im Teil 1 des Berichtes ausführlich gewürdigte Verlauf der Influenzasaison kann in
Abb. 1 verfolgt werden.
0
20
40
60
80
100
120
140
40/05
41/05
42/05
43/05
44/05
45/05
46/05
47/05
48/05
49/05
50/05
51/05
52/05
01/06
02/06
03/06
04/06
05/06
06/06
07/06
08/06
09/06
10/06
11/06
12/06
13/06
14/06
15/06
16/06
17/06
Kalenderwoche
Anzahl der Proben
Proben
PCR-Positive
Gesamtzahl Proben = 1183
Gesamtzahl Positive = 181
Abb. 1:
Relation von Probenaufkommen zur Zahl PCR-positiver Proben, aufgeschlüsselt
nach Kalenderwochen, während der Influenzasaison 2005/2006
Die zunehmenden Einsendezahlen ab 44. Kalenderwoche sind als Ausdruck saisonbedingter
respiratorischer Erkrankungen zu sehen, die in der Regel vorwiegend durch Infektion mit
Adeno- bzw. RS-Viren und Mycoplasma pneumoniae hervorgerufen werden.
Im Gipfelpunkt der Saison waren ca. 30 % der eingesandten Proben positiv im PCR-
Nachweis; ein Wert, der beim Vergleich mit dem Vorjahr ebenfalls deutlich niedriger ausfällt.
Verteilung und Häufigkeit PCR-positiver Influenzavirus-Nachweise finden sich in der Abb. 2.
Influenzavirus Typ A tritt erstmals in der 5. Kalenderwoche auf und lässt sich danach, mit
Ausnahme der 6. Kalenderwoche über die gesamte Saison verfolgen.
Der Typ B wurde in der 3. und von der 9. bis zur 17. Kalenderwoche nachgewiesen.

19
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Infl. A
Infl. B
Infl. A
0 0 1 0 1 1 1 2 4 5 5 7 8 8 5
Infl. B
2
0
0
0
0
0
2
5
10
11
40
27
18
14
4
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
KW
Anzahl der Proben
Abb. 2:
Verteilung und Häufigkeit PCR-positiver Influenzavirus-Nachweise während der
Saison 2005/2006, aufgeschlüsselt auf Typ A und B
Eine Parallele qualitativer Natur zur vergangenen Saison offenbart die Analyse der nachge-
wiesenen Influenzavirus-Typen und Subtypen in Abb. 3.
In beiden Saison-Zeiträumen sind die Subtypen A(H1NI) und A(H3N2) sowie der Typ B im
PCR-Nachweis zu finden, deren quantitative Verteilung mit 6,1 %, 20,4 % und 73,5 % aller-
dings ganz anders ausfällt als in der vorangegangenen Saison.

20
00
98,3
0
0,1
0
22,2
6,1
000
0,90,1
0
0
0
45,9
100
0,3
36,6
90,5
100
39,2
20,4
54,0
0
1,4
62,5
9,3
0
38,6
73,5
0
20
40
60
80
100
Infl. A (H1N2)
Infl. A (H1N1)
Infl. A (H3N2)
Infl. B
%
98/99
98/99
98/99
98/99
00/01
02/03
00/01
02/03
00/01
02/03
00/01
02/03
04/05
04/05
04/05
04/05
99/00
01/02
03/04
05/06
99/00
01/02
03/04
05/06
99/00
01/02
03/04
05/06
99/00
01/02
03/04
05/06
Abb. 3:
Anteil der Typen und Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirusnachweise in %,
beginnend mit Saison 1998/99
2.2 Virologischer Influenzavirus-Nachweis und Charakterisierung der Stämme
Der virologische Nachweis von Influenzaviren wird in unserem Institut unter Anwendung der
Permanent-Zelllinie MDCK geführt. Wichtigstes Ziel der Virusanzucht ist die Darstellung
von komplettem Virus als Grundlage für weitere serologische und molekularbiologische Un-
tersuchungen (Typisierung bzw. Sequenzierung). Durch Vergleich der Referenzstämme
(Impfstämme) mit den zirkulierenden Stämmen können dabei Drifterscheinungen erkannt und
die Wirksamkeit der aktuellen Impfung eingeschätzt werden. Für das Sentinel ist es daher
sinnvoll und notwendig, diese Methode mit der extrem sensitiven und sehr schnellen RT-PCR
zu kombinieren.
Von Anfang Oktober 2005 bis Ende April 2006 wurden 1217 virologische Proben, meist Ra-
chenabstriche, untersucht. Eine Virusanzucht gelang dabei aus 71 Patientenproben, was eine
Isolierungsrate von 5,8 % ergibt; dies entspricht 39,0 % aller in der PCR positiven Proben.
Die relativ niedrige Isolierungsrate weist auf den moderaten Verlauf der abgelaufenen In-
fluenzasaison hin.
Für die Typisierungen der Virusisolate bei Verwendung monospezifischer Antiseren vom
Frettchen waren insgesamt 408 Titrationen erforderlich. Dabei wurde festgestellt, ob und bis
zu welcher Serumverdünnung eine Hämagglutinationshemmung erfolgt.
Im Ergebnis teilten sich die angezüchteten Influenzaviren wie folgt auf:
11 x Influenzavirus A (H3N2) - 15,5 % aller Isolate
4 x Influenzavirus A (H1N1) - 5,6 % aller Isolate
56 x Influenzavirus B
- 78,9 % aller Isolate
Für weitergehende Typisierungen wurden Virusstämme aus dem Sächsischen Sentinel an das
Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Influenza am RKI in Berlin gesandt. Diese Einrichtung
wiederum übergibt repräsentative Stämme aus Deutschland an die WHO-Zentrale in London.
Die Ergebnisse der europaweiten Überwachung fließen dann in die Empfehlungen für die

21
Impfstoffzusammensetzung der kommenden Saison ein. Die Analysen der angezüchteten Vi-
russtämme sind somit Grundlage für eine optimale Zusammensetzung dieses Impfstoffs.
Bei den im Folgenden dargestellten Ergebnissen der von uns durchgeführten Virustypisierun-
gen sind exemplarisch jeweils nur ein bzw. zwei Isolate aufgeführt.
Das erste Virusisolat, ein Influenzavirus B, stammt aus der 9. Kalenderwoche 2006, das letzte
aus der 17. Kalenderwoche 2006. Zwei Drittel aller Isolate wurden zwischen der 13. und 15.
Kalenderwoche 2006 gewonnen.
Die in Sachsen angezüchteten
Influenzavirus A (H3N2)
-Stämme zeigten mit dem im Impf-
stoff enthaltenen Stamm A/New York/55/04 (entspricht A/California/7/04 laut WHO-
Empfehlung) eine relativ gute Übereinstimmung. Man konnte daher von einer recht guten
Wirksamkeit des Impfstoffs auch gegen die zirkulierenden Varianten ausgehen. In der folgen-
den Übersicht ist ein Unterschied von zwei HAHT-Titerstufen gegenüber dem Impfstamm zu
erkennen, was als Indiz für ein Abdriften der Wildvirusvariante gewertet werden kann. Die
Änderung der A(H3N2)-Impfstoffkomponente für die kommende Saison trägt dem Rechnung.
Tab. 3:
Typisierungsergebnisse Influenzavirus A (H3N2)
Frettchenantiseren A (H3N2)
A/Syd/5/97 A/Pan/2007/99 A/Wyo/3/03 A/NY/55/04
Referenzantigene
A/Sydney/5/97 640 320 160 < 80
A/Panama/2007/99 320 640 320 < 80
A/Wyoming/3/03
320
640
2560
1280
A/New York/55/04 *
< 80
80
1280
2560
Virusisolat (Beispiel)
IS 599 (A/Sachsen/1/06)
80
160
640
640
Testantigene und Antiseren vom Frettchen von GSK/SSW Dresden, vorhandener Pool an Reagenzien ist be-
grenzt! Angaben als reziproke HAHT-Titer. *Impstoffkomponente
Die
Influenzavirus A (H1N1)
-Stämme waren der Impfstoffkomponente A/New Caledo-
nia/20/99 sehr ähnlich, eventuell mit ihr identisch. Dieser Subtyp war in den vergangenen
Jahren stabil hinsichtlich von Drifterscheinungen. Er ist bereits seit sechs Jahren im Impfstoff
enthalten und wird auch in der kommenden Saison wieder Bestandteil sein.

22
Tab. 4:
Typisierungsergebnisse Influenzavirus A (H1N1)
Frettchenantiseren A (H1N1)
A/Bei/262/95 A/Joh/82/96 A/NC/20/99
Referenzantigene
A/Beijing/262/95 1280 80 320
A/Johannesburg/82/96 80 2560 80
A/New Caledonia/20/99 *
320
< 80
1280
Virusisolat (Beispiel)
IS 776 (A/Sachsen/3/06)
320
< 80
1280
Testantigene und Antiseren vom Frettchen von GSK/SSW Dresden, vorhandener Pool an Reagenzien ist be-
grenzt! Angaben als reziproke HAHT-Titer. * Impfstoffkomponente
Die Drift der
Influenzavirus B
-Stämme war noch ausgeprägter als in der vorherigen Saison.
Virusstämme der sogenannten Victoria-Linie verdrängten wiederum die zunächst zirkulieren-
de Stämme der sogenannten Yamagata-Linie.
Das erste gewonnene Isolat (IS 541) war B/Jiangsu/10/03-like, also dem Impfstamm ähnlich.
Dieser Stamm gehört der "Yamagata-Linie" (Prototyp B/Yamagata/16/88) an. Unmittelbar
danach zirkulierten jedoch verstärkt Influenza B-Viren, welche die "Victoria-Linie" (Prototyp
B/Victoria/2/87) repräsentieren und erheblich vom Impfstamm abwichen. Außer dem ersten
wurden alle weiteren 55 B-Isolate in Sachsen als Vertreter der Victoria-Linie typisiert (Anteil
98 %!). Bei Influenzavirus B-Infektionen konnten wir demzufolge auch die meisten Impf-
durchbrüche nachweisen. Bei 16 % der Erkrankten mit Influenzavirus B-Nachweis (Anzucht)
war eine Impfung angegeben gegenüber 9 % (bei H3N2-schwache Drift) bzw. 0 % (bei
H1N1-Impfstamm und Wildvirus sehr ähnlich).
Konsequenterweise hat die WHO für die kommende Saison einen Vertreter der Victoria-Linie
als Influenzavirus B-Komponente im Impfstoff empfohlen.
Tab. 5:
Typisierungsergebnisse Influenzavirus B
Frettchenantiseren B
B/Har/7/94 B/Shang/7/97 B/Joh/5/99 B/Jiang/10/03
Referenzantigene
B/Harbin/7/94
1280
< 80
320
< 80
B/Shangdong/7/97
< 80
640
< 80
< 80
B/Johannesburg/5/99 320 < 80 1280 160
B/Jiangsu/10/03 *
640
< 80
640
1280
Virusisolate (Beispiele)
IS 541 (B/Sachsen/6/06)
< 80
< 80
640
640
IS 790 (B/Sachsen/9/06)
< 80
< 80
< 80
< 80
Testantigene und Antiseren vom Frettchen von GSK/SSW Dresden, vorhandener Pool an Reagenzien ist be-
grenzt! Angaben als reziproke HAHT-Titer. * Impstoffkomponente

23
Zur Erläuterung: Die Stämme B/Harbin/7/94, B/Johannesburg/5/99 und B/Jiangsu/10/03 sind
Vertreter der Yamagata-Linie, der Stamm B/Shangdong/7/97 ist ein Vertreter der Victoria-
Linie. Bei dem Isolat IS 790 waren wie bei den übrigen Isolaten der Victoria-Linie sämtliche
Titer < 80. Daraus ist abzulesen, dass die durch Impfung induzierten Antikörper nicht mit
dieser neuen Variante reagieren und diese sogar von B/Shangdong/7/97 stark abgedriftet ist.
Die zur "Victoria-Linie" zählenden abgedrifteten Stämme wurden im NRZ als
B/Malaysia/2506/2004-like charakterisiert.
Hinsichtlich der antigenen Eigenschaften der verschiedenen isolierten Subtypen (im Ver-
gleich mit den Impfstoffkomponenten) sind keine gravierenden Unterschiede zur vorherigen
Saison festzustellen.
2.3
Influenza-Impfstoff für die Saison 2006/07
Unter Einbeziehung aller molekularbiologischen, virologischen und serologischen Befunde
aus der Influenzasaison 2005/2006 wurde von den zuständigen WHO-Stellen für den nächsten
Winter die folgende Impfstoffzusammensetzung empfohlen:
A/New Caledonia/20/99 (H1N1)-like virus
A/Wisconsin/67/05 (H3N2)-like virus
B/Malaysia/2506/2004-like virus
Damit verbleibt lediglich die A (H1N1)-Komponente wie in der Saison 2005/06.
Bearbeiter:
Herr Dr. med. D. Beier
Herr Dr. rer. nat. L. Müller
Herr DB A. Grosche