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ARE - / Influenza - Sentinel
2004 / 2005 im Freistaat Sachsen
Landesuntersuchungsanstalt
für das Gesundheits - und
Veterinärwesen Sachsen
Freistaat
Sachsen
Sächsisches Staatsministerium für Soziales

Impressum:
Offizielles Sonderheft der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veterinärwesen des Freistaates Sachsen (14. Jahrgang)
Herausgeber:
LUA Sachsen
Sitz: Dresden
Reichenbachstr. 71/73
01217 Dresden
Redaktionskollegium:
Dr. med. I. Ehrhard
Dresden
Tel. 0351 / 8144 313
Dr. med. D. Beier
Chemnitz
Tel. 0371 / 6009 200
Redaktion:
Dr. med. I. Ehrhard
LUA Sachsen, Standort Dresden
Jägerstr. 10
01099 Dresden
Organisation u.
Vertrieb:
Dipl.- Phys. C. Preuße
Chemnitz
Tel. 0371 / 6009 121
Fax 0371 / 6009 109
Fax 0371 / 6009 239
Nachdruck und Verbreitung des Inhaltes - auch auszugsweise - ist nur mit Quellenangabe, die
Vervielfältigung von Teilen dieses LUA - Sonderheftes nur für den Dienstgebrauch gestattet.
Erscheinungsweise: Sonderheft

 
- 3 -
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE - / Influenza-Sentinel 2004/2005
5
1
Auswertung des epidemiologischen ARE - / Influenza-Sentinels 2004/2005
7
2
Auswertung des Influenza-Sentinels, mikrobiologischer Teil 2004/2005
24
2.1 Molekularbiologischer Influenzavirus-Nachweis
24
2.2 Virologischer Influenzavirus-Nachweis und Charakterisierung der Stämme 28
2.3 Influenza-Serologie
32
2.4
Influenza-Impfstoff für die Saison 2005/2006
32

- 4 -

 
- 5 -
Vorwort zum ARE - / Influenza-Sentinel 2004/2005 im Freistaat Sachsen
Seit einigen Monaten erfahren die Themen „Vogelgrippe“ und „Influenza-Pandemie“ in den
Medien verstärkt Aufmerksamkeit. Seit Ende des Jahres 2003 wurde aus verschiedenen Län-
dern Südostasiens über Ausbrüche von Vogelgrippe (Geflügelpest, aviäre Influenza) mit dem
Influenza A-Virus Subtyp H5N1 bei Geflügel berichtet. Erste menschliche H5N1-Erkrankun-
gen wurden erstmals im Januar 2004 aus Thailand und Vietnam mitgeteilt. Insgesamt traten
bei der ersten Ausbreitungswelle von H5N1 in Geflügel bis zum März 2004 35 menschliche
Fälle auf, von denen 24 tödlich verliefen. Weitere Ausbreitungswellen von H5N1 bei Geflü-
gel in Südostasien folgten. Anfang August 2005 wurden Influenza A H5N1-Erkrankungen
erstmals bei Geflügel und Zugvögeln in Russland (Sibirien) und Kasachstan bestätigt. Bei
Zugvögeln in China waren H5N1-Erkrankungen Ende April 2005 diagnostiziert worden.
Auch in der Mongolei verendeten Anfang August 2005 Zugvögel an dem Influenza A H5N1-
Virus. Bislang erkrankten in den Ländern Kambodscha, Indonesien, Thailand und Vietnam
112 Menschen an dem Vogelgrippe-Virus, 57 von ihnen verstarben (Stand 06.09.05). Die
Patienten hatten engen Kontakt mit infiziertem Geflügel. Eine effiziente Mensch-zu-Mensch-
Übertragung des H5N1-Virus hat bislang nicht stattgefunden. Nur bei 2 Erkrankungen in
einer thailändischen Familie wird von einer wahrscheinlichen Übertragung von Mensch zu
Mensch ausgegangen.
Die WHO hatte bereits 1999 ihre Mitgliedsstaaten dazu aufgefordert, nationale Pläne zum
Management einer Influenza-Pandemie zu erarbeiten. Nach einer Einschätzung der WHO ist
das Risiko einer weltweiten Influenzapandemie derzeit so hoch wie lange nicht mehr, da sich
das Vogelgrippevirus H5N1 stark ausgebreitet hat. Es besteht das Risiko von adaptiven
Mutationen oder einer Neukombination von aviären und humanen Influenzaviren und damit
die Gefahr der Entstehung eines pandemischen Virus. Jedoch auch unabhängig von der der-
zeitigen Situation wird davon ausgegangen, dass mit einem erneuten pandemischen Auftreten
der Influenza gerechnet werden muss.
Die Situation bezüglich des Influenzavirus A Subtyp H5N1 hat die Influenza-Pandemie-
planung forciert. Ein Schwerpunkt innerhalb des nationalen Influenza-Pandemieplans
Deutschlands bildet die Surveillance. Der Surveillance kommt bei einer Pandemie eine
Schlüsselstellung zu. Die frühestmögliche Identifizierung eines in Deutschland entstandenen
oder nach Deutschland eingeschleppten Pandemievirus ist notwendig, um auf den Pandemie-
verlauf positiven Einfluss nehmen zu können. So führen z.B. die von 2 Forscherteams Anfang
August 2005 veröffentlichten Ergebnisse von Modelluntersuchungen zu der Annahme, dass
die Kombination des frühen, zielgerichteten Einsatzes von antiviralen Medikamenten
(Riegelung) sowie Isolierungsmaßnahmen und Verbot von Massenveranstaltungen, Schließen
von Schulen etc. eine Influenza-Pandemie stoppen oder zumindest ihre Ausbreitung verlang-
samen könnten.
Die Stärkung der Routine-Surveillance in interpandemischen Zeiten stellt daher einen ganz
wesentlichen Aspekt im nationalen Pandemieplan dar.
Der nationale Pandemieplan wurde im „Maßnahmeplan zur Umsetzung des nationalen
Influenza-Pandemieplanes im Freistaat Sachsen“ auf die sächsischen Bedingungen angepasst.
Dieser Influenza-Maßnahmeplan ist Teil der Bereitschafts- und Reaktionsplanung in Sachsen,
die in einer Verwaltungsvorschrift, welche momentan erarbeitet wird, das Vorgehen bei der
„Bekämpfung potenzieller oder tatsächlicher außergewöhnlicher Gefahren und Schadenlagen
durch Bedrohungen mit Infektionserregern“ festlegt.

- 6 -
Was die Surveillance anbelangt, so existiert in Sachsen seit vielen Jahren ein viel beachtetes
Influenza-Sentinel, das nach Optimierung – gerade nun auch unter dem Gesichtspunkt einer
möglichen Influenza-Pandemie – selbstverständlich fortgeführt werden sollte.
Dem vorliegenden Sentinelbericht zur Influenzasaison 2004/2005 sind u.a. der hohe Anteil an
Influenza B-Erkrankungen in Sachsen (ca. 39 %, in Deutschland ca. 13%), die stattgehabte
Antigendrift bei den Influenza B-Viren sowie Ausführungen zu Influenzanachweisen bei
Geimpften zu entnehmen.
Die hohe durchschnittliche Positivrate von ca. 52 % bei den durch die sächsischen Senti-
nelpraxen entnommenen Materialien weist nicht nur auf das hohe Niveau, auf dem sich die
Influenzaaktivität während der vergangenen Influenzasaison befand, hin. Sie zeigt auch, dass
die Proben in den Sentinelpraxen mit viel Erfahrung ganz gezielt entnommen wurden.
Allen Beteiligten am Influenza-Sentinel möchten wir auf diesem Wege unseren herzlichen
Dank aussprechen. Nur durch das große Engagement der Sentinelärzte sowie der Mitarbeiter
aus den Gesundheitsämtern vor Ort ist die Durchführung des Sentinels möglich gewesen. Wir
hoffen auch in Zukunft auf Ihre enge Kooperation mit der LUA, um im Rahmen der
Influenza-Surveillance die Prävention und das Management von Influenzaerkrankungen
verbessern zu können.
Dr. med. Ingrid Ehrhard
August 2005
Komm. Abteilungsdirektorin
Humanmedizin

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- 7 -
1
Auswertung des epidemiologischen ARE – / Influenza – Sentinels 2004/2005
im Freistaat Sachsen
Die Ergebnisse der Influenzaüberwachung der Saison 2004/2005 basieren wie bereits in den
vergangenen fünf Jahren (siehe LUA-Mitteilungen Nr. 8/1999, sowie diesbezügliche Sonder-
hefte 2000 bis 2004) auf der Grundlage diverser erhobener Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht insbesondere:
-
die ganzjährig kontinuierliche bzw. saisonale (40. Berichtswoche (BW) 2004 – 17. BW
2005) Erfassung von akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) zur Bestimmung des
sog. epidemiologischen Normalgangs (NG) unter Berücksichtigung des Vertrauensin-
tervalls (mit der präepidemischen Schwelle als oberer Vertrauensgrenze des NG) in
möglichst gleichmäßig über Sachsen verteilten Territorien (siehe Abb. 1)
-
das Sentinelsystem des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Sachsen bzw. der
Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
-
der Erregernachweis (Anzucht und/oder PCR) u.a. zur Bestätigung epidemiologischer
Daten (Beginn/Ende einer Epidemie)
-
die Berücksichtigung entsprechender Informationen aus den anderen Bundes- und den
europäischen Nachbarländern, von Häufungen, Informationen zu influenzatypischen
Krankheitsbildern, Komplikationen, Altersspezifität, Mortalität etc.
Abb. 1: An der Erfassung der ARE-Aktivität beteiligte Landkreise und kreisfreie Städte
Daraus ergibt sich nachstehende Einschätzung der Influenzaaktivität für die Saison
2004/2005.
Im letzten Quartal 2004 entsprach die ARE-Morbidität im Freistaat Sachsen dem saisonal
erwarteten Niveau.
In den anderen Bundsländern gestaltete sich die ARE-Influenzasituation ebenfalls unauffällig,
die Werte der Konsultationsinzidenzen für Gesamtdeutschland zeigten die übliche Alters-
gruppenverteilung und blieben in dem für die Jahreszeit üblichen Bereich. Nur sehr spora-

- 8 -
disch wurden Influenzanachweise gemäß Infektionsschutzgesetz an das Robert Koch-Institut
(RKI) übermittelt.
Auch europaweit blieb die Influenza-Aktivität auf niedrigem Niveau, erste Influenza-Nach-
weise wurden aus Westeuropa (Großbritannien, Spanien, Frankreich und den Niederlanden)
gemeldet.
In diesem Zeitraum wurde in ganz Europa eine ausgeprägte Zirkulation von RS-Viren (RSV)
registriert. Auch im Freistaat wiesen eine deutliche Zunahme der Krankenhauseinweisungen
(vor allem im Muldentalkreis, Reg.-Bez. Leipzig) aufgrund akuter Atemwegsinfekte bei
Kleinkindern und vermehrte Nachweise von RSV wie auch Adenoviren auf eine verstärkte
Aktivität dieser Erreger im Vorweihnachtszeitraum hin.
In der 40. Kalenderwoche (KW) gelang in den Laboratorien der Landesuntersuchungsanstalt
für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) mittels PCR der erste Nachweis einer
Influenza A-Infektion (Subtyp A/H3N2) der Saison 2004/2005 bei einem 25-jährigen Mann
aus dem Vogtlandkreis. Dieser war während eines Urlaubsaufenthaltes in Ägypten am
26.09.04 erkrankt und wurde nach Rückkehr am 28.09.04 am darauf folgenden Tag in ein
Chemnitzer Krankenhaus eingewiesen. Der ungeimpfte Patient wies ein influenzatypisches
Krankheitsbild auf und konnte nach komplikationslosem Verlauf entlassen werden.
Der erste Nachweis einer Influenza B-Infektion erfolgte in der 53. Kalenderwoche 2004. Eine
1995 geborene und nicht aktuell gegen Influenza geimpfte Schülerin war am 22. Dezember
mit Halsschmerzen und unstillbarem Erbrechen erkrankt und in einem sächsischen Kranken-
haus stationär aufgenommen worden. Aus einem am gleichen Tag entnommenen Rachenab-
strich, der am 27.12.2004 über das zuständige Gesundheitsamt Meißen beim Labor der LUA
einging und untersucht wurde, gelang am 28.12.2004 mittels PCR der molekularbiologische
Nachweis von Influenza B-Virus.
Während bei der oben beschriebenen Influenza A-Erkrankung davon ausgegangen werden
musste, dass sich der Patient in Ägypten infiziert hatte, handelte es sich bei dem nun betrof-
fenen 9-jährigen Kind aus dem Landkreis Meißen um die erste nachgewiesene Influenza-
Infektion, die im Lande erworben wurde.
Hiermit war der Beginn der Influenza-Saison 2004/2005 im Freistaat Sachsen markiert.
In den ersten Wochen des neuen Jahres stieg die Zahl der Probeneinsendungen dann stetig an.
Nach zunächst sporadischen Nachweisen weiterer Influenza B-Erkrankungen wurden ab der
3. KW in den Laboratorien der Landesuntersuchungsanstalt in Sachsen auch Influenza A
(H3N2)-Viren und in der 5. KW das erste Influenza A (H1N1)-Virus identifiziert. Zuneh-
mende Anteile Influenza-positiver Rachenabstriche (> 20 %) und steigende Probeneingangs-
zahlen wiesen ab der 5. KW auf die kommende Influenzawelle hin. Während in anderen vor
allem in süd- und westlichen Regionen Deutschlands ein deutlicher Anstieg registriert wurde,
befand sich die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) in Sachsen jedoch
zunächst noch auf einem für die Jahreszeit üblichen Niveau. Durch die Winterferien in der 6.
und 7. KW wurde das Auftreten der Influenzawelle im Freistaat vermutlich zusätzlich verzö-
gert. Ein messbarer Einfluss auf die Morbidität der Bevölkerung ließ sich in Sachsen erst ab
der 7. KW feststellen. In der 8. KW wurde die sog. "präepidemische Schwelle" in den meisten
Sentinelregionen erreicht bzw. bereits überschritten.
Zur näheren Erläuterung der sog. "epidemischen Werte": Die "präepidemische Schwelle" ist
die obere Vertrauensgrenze des mathematischen Normalgangs. Ihr Überschreiten zeigt eine
nicht zufällige Abweichung vom Normalgang und somit den möglichen Beginn einer Epide-
mie an. Die epidemische Schwelle wiederum hat zum mathematischen Normalgang den dop-
pelten Abstand wie die "präepidemische Schwelle". Das Überschreiten der epidemischen
Schwelle signalisiert zuverlässig das Bestehen einer Epidemie. Diese epidemische Schwelle

- 9 -
wurde in der Saison 2004/2005 im Freistaat Sachsen ab der 9. KW bis einschließlich der
11. KW (28.02. – 20.03.05) überschritten (siehe Abb. 2 – 5, Tab. 3). In der 10. und 11. KW
erreichten uns jeweils über 800 (von insgesamt 4.310) Probeneinsendungen. 498
Influenzavirus-Nachweise, also mehr als ein Viertel aller Nachweise der Saison wurden allein
in der 11. KW geführt. Mit 64,1 % in der 12. KW und 44,6 % über den gesamten
Beobachtungszeitraum errechneten sich Positivraten, die höher als je zuvor lagen (siehe Tab.
1 und 4).
Zum Vergleich: Im Nationalen Referenzzentrum Berlin erreicht die Positivrate in der 12. KW
ebenfalls ihren Maximalwert von 55,2 %. Über die gesamte Saison wurde hier eine Rate von
31,6 % erzielt.
Tab. 1:
Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise und Positivraten
KW Probeneinsendungen Nachweise Positivrate (in %)
40 2 1 50
41 4 0 0
42–52 119 0 0
53 12 1 8,3
1
38
2
5,3
2
38
2
5,3
3
41
6
14,6
4
66
7
10,6
5
99
21
21,2
6
114
36
31,6
7
185
62
33,5
8
312
103
33,0
9
559
255
45,6
10 804 376 46,8
11 850 498 58,6
12 521 334 64,1
13 246 133 54,1
14 147 49 33,3
15 87 27 31,0
16 42 5 11,9
17 24 4 16,7
Summe 4.310 1.922 44,6
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
27.BW
29.BW
31.BW
33.BW
35.BW
37.BW
39.BW
41.BW
43.BW
45.BW
47.BW
49.BW
51.BW
1BW.
3.BW
5.BW
7.BW
9.BW
11.BW
13.BW
15.BW
17.BW
19.BW
21.BW
23.BW
25.BW
Erkrankungen pro 100 000
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 2: ARE – Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05. Kreis Annaberg (gesamt)

- 10 -
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
27.BW
29.BW
31.BW
33.BW
35.BW
37.BW
39.BW
41.BW
43.BW
45.BW
47.BW
49.BW
51.BW
1.BW
3.BW
5.BW
7.BW
9.BW
11.BW
13.BW
15.BW
17.BW
19.BW
21.BW
23.BW
25.BW
Erkrankungen pro 100 000
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 3: ARE – Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05. Kreis Freiberg (gesamt)
0
100
200
300
400
500
600
27.BW
29.BW
31.BW
33.BW
35.BW
37.BW
39.BW
41.BW
43.BW
45.BW
47.BW
49.BW
51.BW
1BW.
3.BW
5.BW
7.BW
9.BW
11.BW
13.BW
15.BW
17.BW
19.BW
21.BW
23.BW
25.BW
Erkrankungen pro 100 000
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 4: ARE – Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05. Stadt Chemnitz (gesamt)
0
100
200
300
400
500
600
700
800
27.BW
29.BW
31.BW
33.BW
35.BW
37.BW
39.BW
41.BW
43.BW
45.BW
47.BW
49.BW
51.BW
1.BW
3.BW
5.BW
7.BW
9.BW
11.BW
13.BW
15.BW
17.BW
19.BW
21.BW
23.BW
25.BW
Erkrankungen pro 100 000
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 5: ARE – Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05. Kreis Löbau-Zittau (gesamt)

- 11 -
Laut Bericht der AG Influenza wurde ab der 4. Kalenderwoche ein zunächst leichter, ab der
5. KW dann deutlicher Anstieg der Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen sowie
der Werte der Konsultationsinzidenzen registriert. Die saisonale Influenzawelle baute sich, in
den südlichen und westlichen Regionen der Bundesrepublik beginnend, auf. Die Anzahl der
im Nationalen Referenzzentrum in Berlin nachgewiesenen wie auch der aufgrund der Melde-
pflicht an das RKI übermittelten Influenzainfektionen nahm stetig zu. Auch bundesweit wur-
den von Anfang an Influenzaviren der Typen A/H3N2, A/H1N1 und B identifiziert, wobei
Influenzavirus A Subtyp A/H3N2 dominierte. Von der 7. bis einschließlich der 10. Berichts-
woche wurde deutschlandweit eine heftige Influenzaaktivität beobachtet. Die für eine normale
saisonale Influenzawelle üblichen Werte wurden deutlich überschritten. Der Gipfel der
Influenzaepidemie 2004/2005 wurde bundesweit in der 8. und 9. KW erreicht, in Sachsen
zwei Wochen verzögert von der 10. bis zur 11. KW.
Ab der 11. Kalenderwoche ließ die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen in
allen AGI-Regionen deutlich nach und befand sich ab der 13. KW, zum Ende der Saison auf
einem für die Jahreszeit üblichen Niveau. Im Freistaat entspannte sich die epidemiologische
Lage ab der 12. KW. Erhebliche Rückgänge bei den Neuerkrankungshäufigkeiten zwischen
-35 und -80 % wurden registriert. Ab der 14. KW lagen die Erkrankungszahlen auch in Sach-
sen im saisonal erwarteten Bereich. Die Anzahl der Probeneinsendungen und die der Influen-
zavirus-Nachweise sank kontinuierlich (siehe auch Abb. 6).
0
100
200
300
400
500
600
40.KW´04
52.KW
1.KW´05
2.KW
3.KW
4.KW
5.KW
6.KW
7.KW
8.KW
9.KW
10.KW
11.KW
12.KW
13.KW
14.KW
15.KW
16.KW
17.KW
Kalenderwochen/Jahr
Anzahl
SK Chemnitz
LK Stollberg
Sachsen
ohne Angabe des Tages der Probeentnahme
:
Sachsen = 89 Fälle, Chemnitz = 27 Fälle, Stollberg = 5 Fälle
Abb. 6: Influenzavirus-Nachweise nach Kalenderwochen (Tag der Probeentnahme)
im Freistaat Sachsen 2004/2005
Nach der 17. KW (25.04. – 01.05.) wurde das Influenza-Sentinel der Saison 2004/2005 abge-
schlossen. Von den insgesamt 4.310 Probeneinsendungen erbrachten 1.922 ein positives
Ergebnis. Insgesamt wurden 1.192 Infektionen durch Influenza A (194 x A/H3N2, 110 x
A/H1N1, 888 x nicht typisiert) und 748 Infektionen durch Influenza B hervorgerufen. Darun-
ter waren 18 Doppelinfektionen: 4 x Influenza A (H1N1) und B, 3 x Influenza A (H3N2) und
B sowie 11 x Influenza A (nicht typisiert) und B.
Influenzasaison 2004/2005 innerhalb Europas
Auch im europäischen Ausland wurden im 4. Quartal 2004 zunächst nur vereinzelt Influenza-
viren nachgewiesen. Eine deutliche Zunahme der Influenzaaktivität wurde dann zum Jahres-
wechsel aus Spanien gemeldet, im Folgenden europaweit. Vor allem Spanien und Portugal,
aber auch andere westeuropäische Länder wie Frankreich, Belgien, Italien, England und

- 12 -
Irland berichteten über steigende Neuerkrankungsraten. Während die Influenzaaktivität auf
der iberischen Halbinsel bereits nach der 6. KW ihren Höhepunkt überschritten hatte, nahm
sie in Zentraleuropa (Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, der Schweiz, Österreich, Slo-
wenien und der Bundesrepublik) nun erheblich zu. Ab der 9. KW erfasste die Influenzawelle
schließlich auch die osteuropäischen Regionen. Polen und Tschechien registrierten besonders
starke Inzidenzanstiege. Die skandinavischen Länder (Dänemark, Norwegen, Schweden) und
das Baltikum (Lettland und Litauen) waren schlussendlich ab der 10. KW betroffen.
Die Influenzawelle breitete sich im Winter 2004/2005 (wie in den vergangenen beiden Sai-
sons) von Südwesteuropa nach Nordosten aus.
In den betroffenen Ländern wurden, wie schon in der vorherigen Influenzasaison 2003/2004,
die höchsten Erkrankungsinzidenzen in der Altersgruppe der 0-14-Jährigen registriert. Auch
bundesweit und im Freistaat Sachsen war diese Altersgruppe besonders betroffen (siehe
unten, Tab. 2 und Abb. 7).
In den meisten Staaten Europas war Influenza A (H3N2) der dominierende Virustyp der Sai-
son 2004/2005, wobei überall eine Co-Zirkulation von Influenzavirus A (H1N1) und B beo-
bachtet wurde.
Den klinischen Verlauf der diesjährigen Influenza-Erkrankungen beschrieben die behandeln-
den Ärzte als überwiegend leicht bis mittelschwer und komplikationslos. Wie bereits in der
vergangenen Influenzasaison wurden eher langwierige Krankheitsverläufe beobachtet.
Die Altersgruppe der Schulkinder (7 – 17 Jahre) war mit 43 % in
Sachsen
(in der Stadt
Chemnitz sogar mit 57 %) am stärksten betroffen, was nachfolgend in Tabelle 2 sowie in
Abbildung 7 dargestellt wird. Am Kreis Löbau/Zittau (Abb. 8 – 12) wird der Verlauf der
ARE-Meldungen differenziert nach Altersgruppen dargestellt.
Tab. 2:
Altersaufgliederung Influenzavirus-Nachweise in Sachsen und Chemnitz
Sachsen Altersgruppen Chemnitz
30
=
1,6 %
0 -
<
1
8
=
1,1 %
486
=
25,3 %
1 -
<
7
175
=
24,8 %
847
=
44,0 %
7 -
<
17
413
=
58,4 %
405
=
21,1 %
17 -
<
60
98
=
13,9%
143 = 7,4 % > 60 11 = 1,5 %
11
=
0,6 %
ohne Altersangaben
2
=
0,3 %
1.922
100 %
Gesamt
707
100 %

- 13 -
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
Fälle absolut
Chemnitz
Sachsen
Chemnitz
8
181
408
102
13
3
Sachsen
31
489
832
405
145
20
< 1
1 - < 7
7 - <17
17 - < 60
> 60
o.A.
Abb. 7: Influenzavirusnachweise nach Altersgruppen in Chemnitz und im Freistaat Sachsen 2004/2005
(Anzucht und/oder PCR)
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
7000
8000
27.BW
29.BW
31.BW
33.BW
35.BW
37.BW
39.BW
41.BW
43.BW
45.BW
47.BW
49.BW
51.BW
1BW.
3.BW
5.BW
7.BW
9.BW
11.BW
13.BW
15.BW
17.BW
19.BW
21.BW
23.BW
25.BW
Erkrankungen pro 100 000
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 8: ARE – Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05. Kreis Löbau-Zittau (< 1 Jahr)
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
4000
4500
27.BW
29.BW
31.BW
33.BW
35.BW
37.BW
39.BW
41.BW
43.BW
45.BW
47.BW
49.BW
51.BW
1BW.
3.BW
5.BW
7.BW
9.BW
11.BW
13.BW
15.BW
17.BW
19.BW
21.BW
23.BW
25.BW
Erkrankungen pro 100 000
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 9: ARE – Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05. Kreis Löbau-Zittau (1 - < 7 Jahre)

- 14 -
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
27.BW
30.BW
33.BW
36.BW
39.BW
42.BW
45.BW
48.BW
51.BW
2.BW
5.BW
8.BW
11.BW
14.BW
17.BW
20.BW
23.BW
26.BW
Erkrankungen pro 100 000
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 10: ARE – Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05. Kreis Löbau-Zittau (7 - < 17 Jahre)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
27.BW
30.BW
33.BW
36.BW
39.BW
42.BW
45.BW
48.BW
51.BW
2.BW
5.BW
8.BW
11.BW
14.BW
17.BW
20.BW
23.BW
26.BW
Erkrankungen pro 100 000
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 11: ARE – Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05. Kreis Löbau-Zittau (17 - < 60 Jahre)
0
50
100
150
200
250
27.BW
30.BW
33.BW
36.BW
39.BW
42.BW
45.BW
48.BW
51.BW
2.BW
5.BW
8.BW
11.BW
14.BW
17.BW
20.BW
23.BW
26.BW
Erkrankungen pro 100 000
Morb.
NG
präep.
epid.
Abb. 12: ARE – Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05. Kreis Löbau-Zittau (60 Jahre und älter)

- 15 -
Zur Meldung kamen in der Saison 2004/2005 insgesamt drei
kollektive Influenza A-Häu-
fungen.
Eine Erkrankungshäufung betraf die internistische Station eines Krankenhauses im Regie-
rungsbezirk Dresden, wobei nosokomial erworbene Infektionen anzunehmen sind.
Im Zeitraum vom 19. bis 26.02.05 erkrankten 8 Patienten und 2 Mitarbeiter mit respirato-
rischer Symptomatik und Fieber bei leichtem Krankheitsverlauf. In 9 Fällen konnte mittels
PCR Influenza A-Virus nachgewiesen werden. Vom erkrankten Personal war eine Person
geimpft und eine ungeimpft, unter den Patienten waren sechs Ungeimpfte, ein Geimpfter und
ein Patient mit unbekanntem Impfstatus.
Die zweite kollektive Häufung wurde aus einem Altenpflegeheim der Stadt Dresden gemel-
det. Zwischen 18. und 24.02.05 erkrankten insgesamt 34 der 120 Bewohner und zwei
Beschäftigte der Einrichtung. Die Krankheitsverläufe wurden ebenfalls als leicht beschrieben.
Von den beiden labordiagnostisch bestätigten Fällen waren eine Person geimpft und die
zweite ungeimpft. Die Mehrzahl der Heimbewohner hatte im Oktober 2004 eine Influenza-
schutzimpfung erhalten.
Vom 24.03. bis zum 05.04.05 traten in einem weiteren Altenpflegeheim der Stadt Dresden
gehäuft grippale Infekte auf. Zudem wurde im gleichen Zeitraum eine ungewöhnliche
Zunahme von Todesfällen unter den Bewohnern registriert und das zuständige Gesundheits-
amt hierüber in Kenntnis gesetzt. Von den insgesamt 23 Erkrankten wurden acht hospitali-
siert, sieben verstorbene Patienten (im Alter zwischen 79 und 91 Jahren) wurden ursächlich
mit einer zum Tode führenden Infektion durch Influenzavirus diesem Ausbruch zugeordnet.
Labordiagnostische Untersuchungen waren nur bei zwei Erkrankten durchgeführt worden.
Hier erfolgte mittels PCR der Nachweis von Influenzavirus A. Alle Bewohner des Heimes
hatten im September bzw. Oktober 2004 eine einmalige Influenza-Schutzimpfung erhalten.
Außer diesen sieben Todesfällen wurden in der Saison 2004/2005 weitere fünf klinisch-labor-
diagnostisch bestätigte
Influenza-Sterbefälle
erfasst.
Eine 56-jährige ungeimpfte Chemnitzerin mit bekannter pulmonaler Herzerkrankung verstarb
nach Krankenhauseinweisung. Mittels PCR wurde der Nachweis einer Influenza B-Infektion
geführt.
Influenza A- sowie RS-Virus wurde bei einem 62-jährigen Zwickauer nachgewiesen, der nach
foudroyantem Verlauf zu Hause verstarb. Auch dieser Patient litt unter einer Herzerkrankung.
Ein 91-jähriger ungeimpfter Mann aus dem Kreis Torgau-Oschatz verstarb unter der Diagnose
einer schweren Pneumonie. Aus dem Rachenabstrich wurde Influenza A-Virus isoliert.
Die Todesursache doppelseitige Pneumonie mit Nachweis von Influenza A bei bakterieller
Superinfektion durch Staphylococcus aureus wurde bei einem 48-Jährigen aus dem LK
Chemnitzer Land festgestellt. In diesem Fall war ein frühkindlicher Hirnschaden als Vorschä-
digung bekannt.
Schließlich verstarb ein 66-jähriger hospitalisierter Patient aus dem Vogtlandkreis an
Influenza A. Eine obstruktive Lungenkrankheit mit ausgeprägtem Emphysem dürfte hier am
letalen Verlauf ursächlich mitbeteiligt gewesen sein.
Es wurden also insgesamt zwölf Influenzabedingte Sterbefälle (11 Influenza A, 1 Influenza B)
registriert. Hierbei handelte es sich ausnahmslos um Personen aus den sogenannten Risiko-
gruppen, also um über 60-jährige Mitbürger bzw. Patienten mit kardiovaskulären bzw. pul-
monalen Vorerkrankungen.
Die Entwicklung der ARE-/Influenzamorbidität korrelierte eindeutig mit den Nachweisraten
der Influenzaviren, die von der 9. – 13. BW zwischen 45 und 64 % betrugen. Die Mehrzahl
der Influenzafälle (bezogen auf den Tag der Materialentnahme) wurde also in den Wochen
der höchsten ARE-Inzidenz diagnostiziert (siehe auch Abb. 6, 13 – 16).

- 16 -
40´04
41´04
42´04
43´04
44´04
45´04
46´04
47´04
48´04
49´04
50´04
51´04
52´04
53´04
1´05
2´05
3´05
4´05
5´05
6´05
7´05
8´05
9´05
10´05
11´05
12´05
13´05
14´05
15´05
16´05
17´05
Woche
0
50
100
150
200
250
300
Praxisindex
0
5
10
15
20
25
30
35
Influenzavirusnachweise
Praxisindex 2004/05
Praxisindex 2003/04
Infl. A/H3N2
Infl. A/H1N1
Infl. A
Infl. B
Abb. 13: Übersicht Influenza – Sentinel der Stadt Chemnitz 2004/05 (Allgemeinmediziner)
40´04
41´04
42´04
43´04
44´04
45´04
46´04
47´04
48´04
49´04
50´04
51´04
52´04
53´04
1´05
2´05
3´05
4´05
5´05
6´05
7´05
8´05
9´05
10´05
11´05
12´05
13´05
14´05
15´05
Woche
0
50
100
150
200
250
Praxisindex
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
Influenzavirusnachweise
Praxisindex 2004/05
Praxisindex 2003/04
Infl. A/H3N2
Infl. A/H1N1
Infl. A
Infl. B
Abb. 14: Übersicht Influenza – Sentinel der Stadt Chemnitz 2004/05 (Kinderärzte)
40´04
41´04
42´04
43´04
44´04
45´04
46´04
47´04
48´04
49´04
50´04
51´04
52´04
53´04
1´05
2´05
3´05
4´05
5´05
6´05
7´05
8´05
9´05
10´05
11´05
12´05
13´05
14´05
15´05
Woche
0
50
100
150
200
250
Praxisindex
0
50
100
150
200
Influenzavirusnachweise
Praxisindex 2004/05
Praxisindex 2003/04
Infl. A/H3N2
Infl. A/H1N1
Infl. A (o. Typ.)
Infl. B
Abb. 15: Übersicht Influenza – Sentinel der Stadt Chemnitz 2004/05 (gesamt)

- 17 -
27.BW´04
30.BW
33.BW
36.BW
39.BW
42.BW
45.BW
48.BW
51.BW
2.BW
5.BW
8.BW
11.BW
14.BW
17.BW
20.BW
23.BW
26.BW´05
Woche
0
100
200
300
400
500
600
Erkrankungen pro 100 000 EW
0
50
100
150
200
Influenzavirusnachweise
NG
präepid.
epid.
Morb.2004/2005
Morb.2003/2004
Infl. A/H3N2
Infl. A/H1N1
Infl. A (ohne Typis.)
Infl. B
Abb. 16: ARE und Influenza in Beziehung zum Normalgang 27.KW´04 – 26.KW´05, Stadt Chemnitz
In Sachsen wurden in der Saison 2004/2005 in insgesamt 1.922 Fällen 1.940 Influenza-Infek-
tionen nachgewiesen. Diese gliedern sich auf in 1.174 Influenza A-, 730 Influenza B- sowie
18 A- und B-Doppelinfektionen. Aufgrund der vielen Probeneingänge war eine Subtypisie-
rung der Influenza A-Viren nur in 304 Fällen möglich und ergab in 110 Untersuchungsma-
terialien Influenza A (H1N1) und in 194 Materialien Influenza A (H3N2). Bemerkenswert für
die Influenzaepidemie 2004/2005 ist demnach ein sowohl zeitgleiches als auch nahezu paritä-
tisches Zirkulieren von Influenza A (H1N1), A (H3N2) und B.
Besonders auffällig war der hohe Anteil von 38,6 % Influenza B-Infektionen (61,4 % In-
fluenza A) im Freistaat Sachsen im Vergleich zu Gesamtdeutschland. Unter den durch das
Nationale Referenzzentrum Berlin nachgewiesenen Influenza-Erkrankungen lag der Influenza
B-Virus-bedingte Anteil bei nur 12,7 % (Influenza A: 87,3 %, Subtyp A/H3N2: 66, 7 %,
Subtyp A/H1N1: 18,4 %, A (nicht typisiert): 2,2 %).
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Ergebnissen sind im Teil 2 – Influenzasentinel/mik-
robiologischer Teil aufgeführt.
Für den Freistaat Sachsen kann auf der Basis der in diesem Jahr weiter stabilisierten Influen-
zaüberwachung durch das epidemiologische und mikrobiologische ARE-/Influenzasentinel in
der vergangenen Influenzasaison von einer, zumindest regionalen "Influenzaepidemie"
gesprochenen werden. Die Influenzaausbreitung erfolgte im Freistaat Sachsen (wie im übri-
gen Bundesgebiet) schneller als in der vorherigen Saison. Insgesamt beeinflusste die Influen-
zawelle die ARE-Inzidenz erheblich stärker als im Vorjahr. Epidemische Werte wurden zwi-
schen der 9. und der 11. KW erreicht (Abb. 2
5, Tab. 3). Eine Viruszirkulation wurde im
Wesentlichen von der 3. bis zur 15. KW (13 Wochen, 17.01.05 – 17.04.05, Abb. 6, 13
16)
mit Maximalwerten zwischen der 9. und 12. Berichtswoche (28.02. –27.03.05) beobachtet. Im
Vergleich hierzu war im Vorjahr (Saison 2003/2004) eine ausgesprochen moderate
Influenzawelle mit Maximalwerten zwischen der 4. und 7. BW (19.01. –15.02.2004) regis-
triert worden. Epidemische Werte wurden damals grundsätzlich nicht erreicht und die
Morbiditätsraten lagen um, zum Teil sogar unter dem sog. Normalgang. Im Gegensatz zur
aktuellen Saison zirkulierten in der Saison 2003/2004 ausschließlich Influenzaviren des Typs
A, Subtyp H3N2.

- 18 -
Eine zusammenfassende Darstellung der Influenzaviruszirkulation 2004/2005 in 4 Kreisen
des Freistaates Sachsen liefert Tabelle 3.
Mit insgesamt 4.310 Einsendungen (davon 1.922 mit positivem Ergebnis) wurden in unseren
Laboratorien sowohl mehr als doppelt so viele Proben wie in den meisten vorangegangenen
Saisons auf Influenza-Virus untersucht als auch Influenza-Infektionen nachgewiesen. Eine
Ausnahmestellung nimmt die Influenza-Saison 2004/2005 vor allem aber hinsichtlich ihrer
Positivrate von 44,6 % ein. Dieser Prozentsatz, der den Anteil der Sentinelproben darstellt, in
denen Influenzaviren nachgewiesen wurden, lag deutlich höher als in den vergangenen Jah-
ren. Dies ist einerseits ein Beweis für die gezielte Auswahl der Influenzaverdachtsfälle durch
die beteiligten Ärzte, andererseits sicherlich aber auch durch die hohe Sensitivität und Spezi-
fität der in dieser Saison durchweg angewandten PCR-Diagnostik bedingt. Tabelle 4 liefert
eine Gegenüberstellung der Sentinel-Erhebungen seit 1999 hinsichtlich Anzahl der Proben-
einsendungen bzw. Nachweise, der Positivraten sowie der Influenzavirus-Typen und -Sub-
typen
Tab. 3:
Zusammenfassung Influenzaepidemie 2004/2005
Epidemiestämme:
Influenza A/H3N2, A/H1N1, B
GA Annaberg
GA Freiberg
GA Chemnitz
GA Löbau-Zittau
Beginn der Epidemie
10. KW
9. KW
9. KW
10. KW
Gipfel
10. KW
11. KW
10. KW
10. KW
Ende der Epidemie
10. KW
11. KW
11. KW
11. KW
Dauer der Epidemie
1 Woche
3 Wochen
3 Wochen
2 Wochen
Morbidität während der
Epidemie (Inz.
o
/oooo)
2.261
3.011
1.844
1.861
Morbidität während der
Epidemie in %
2,3
3,0
1,8
1,9
Exzess-Morbidität in %
(über epid. Schwelle)
0,4
0,5
0,4
0,4
Exzess-Morbidität in %
(über Normalgang)
1,1
1,5
0,9
0,5
GA Löbau-Zittau
1 - < 7
(10. - 11. KW)
7 -< 17
(9. - 11. KW)
17 -< 60
(10. - 11. KW)
altersspez. Morb. während
der Epidemie (Inz.
o
/oooo)
32.142
31.804
2.996
altersspez. Morb.
während der Epidemie
in %
32,1 31,8 3,0
Exzess-Morbidität in %
(über Normalgang)
15,8 20,4 1,4

- 19 -
Tab. 4:
In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirus-Nachweise,
Saison 1999/2000 bis 2004/2005
Saison Anzahl
Proben-
einsen-
dungen
Anzahl
Nachweise
(Anzucht
und/oder
PCR)
Positiv-
rate
(%)
Anzahl
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Infl. B
2004/2005 4.310 1.922 44,6 1.192*/** 110 - 194 748*
2003/2004 1.628 482 29,6 482 - - 482 -
2002/2003 3.588 1.195 33,3 1.088*** 1 1 1.086 110***
2001/2002 1.239 411 33,2 174**** - 3 171 241****
2000/2001 1.379 401 29,1 397 396 - 1 4
1999/2000 1.854 411 22,2 411 - - 411 -
*
davon 18 Doppelinfektionen:
4 x Influenza A (H1N1) und B, 3 x Influenza A (H3N2) und B sowie 11 x Influenza A (nicht typisiert)
und B
**
davon 888 x nicht typisiert
***
davon 3 Doppelinfektionen Influenza A und B
****
davon 4 Doppelinfektionen Influenza A und B
Influenzanachweise bei Geimpften
Unter den insgesamt untersuchten 4.310 Einsendungen handelte es sich in 433 Fällen (etwa
10 %) um Proben von aktuell gegen Influenza geimpften Personen, 2.044 Probanden waren
anamnestisch ungeimpft, bei 1.833 Untersuchten wurde anlässlich der Probeentnahme kein
Impfstatus erhoben.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkrankung und Impfung wird die Anzahl von 2.477
Probanden mit erhobenem aktuellen Influenza-Impfstatus (geimpft oder ungeimpft) zugrunde
gelegt.
Trotz gesicherter Impfung erkrankten 161 Probanden unseres Sentinels an Influenza, davon
113 an Influenza A (8 x Subtyp A/H3N2, 2 x Subtyp A/H1N1, 103 x A (untypisiert)) und 48
an Influenza B.
Der Anteil geimpfter Personen an allen mit Influenzavirusnachweis (= Influenza-Positive)
betrug insgesamt 13,2 % (Anteil Ungeimpfter: 86,8 %), es errechneten sich Werte zwischen
3,6 % (Altersgruppe der Klein- bzw. Vorschulkinder) bis maximal 53,2 % (Erwachsene
60
Jahre) (Abb. 17 und 18).
Abb. 17: Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenzavirus-Nachweis
Geimpfte (13,2 %)
Ungeimpfte
(86,8 %)

- 20 -
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
0 - < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
>/= 60
gesamt
Altersgruppen
Anzahl der Nachweise
Gesamt
Geimpfte
Abb. 18: Relation der Geimpften zur Gesamtanzahl der Personen mit Influenzavirus-Nachweis,
nach Altersgruppen
Das Verhältnis von Geimpften zu Ungeimpften in der Gesamtgruppe der Influenza-Positiven
lag insgesamt bei 1 : 6,6, d.h. unter den Erkrankten waren mehr als 6-mal so viele Ungeimpfte
wie Geimpfte. Je nach betrachteter Altersgruppe variierte dieses Verhältnis zwischen 1 : 27
(1- < 7-jährige Kinder) und ca. 1 : 1 (Erwachsene > 60 Jahre) und betrug bei Schulkindern
1 : 9 und Erwachsenen (17 - < 60 Jahre) 1 : 4.
Während für Geimpfte eine auf die Anzahl der Probeneinsendungen (mit Impfstatus)
bezogene Erkrankungsrate von 6,5 % (1,8 % bei Kleinkindern vs. 20,8 % bei über 60-
Jährigen) ermittelt werden konnte, so betrug sie bei Ungeimpften insgesamt 42,8 % (Abb.
19).
0
10
20
30
40
50
60
70
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
>/= 60
gesamt
Altersgruppen
Erkrankungsrate (in %)
Ungeimpfte
Geimpfte
Abb. 19 Erkrankungsraten Geimpfter und Ungeimpfter, nach Altersgruppen

- 21 -
Aus den Erkrankungsraten ist die jeweilige "Ungeimpftenrate" (Anteil der Ungeimpften) aus
der Differenz der Erkrankungsraten Ungeimpfter und Geimpfter bezogen auf die Erkran-
kungsrate Ungeimpfter zu errechnen. Diese lag durchschnittlich bei 84,8 %. Mit 96,1 % am
höchsten war sie bei Klein- bzw. Vorschulkindern und sank dann mit zunehmendem Alter
deutlich ab. Bei Erwachsenen bis 60 Jahre betrug diese Rate noch 75,3 %. Es ist eine in der
Epidemiologie bekannte Tatsache, dass mit steigendem Durchimmunisierungsgrad der Popu-
lation (in Deutschland z. Z. bei den
60-Jährigen am höchsten) der relative Anteil der
Erkrankten trotz Impfung zunimmt (Orenstein-Formel). Dies zeigt natürlich nur eine Ten-
denz, da eine statistisch zufällige Auswahl der Einsendungen beim Influenzasentinel nicht
gegeben ist. Als behandelnder Arzt untersucht man aus differentialdiagnostischen Gründen
(Erklärungsnot, wenn ein Geimpfter erkrankt) einen erkrankten Geimpften mit höherer Wahr-
scheinlichkeit als einen erkrankten Ungeimpften. Aus den Erläuterungen resultiert eine Erklä-
rung für die Rate der Impfdurchbrüche, besonders in der Altersgruppe der ab 60-Jährigen.
Betrachtet man die Altersaufgliederung der sog. Impfdurchbrüche, so fällt auf, dass unter den
trotz Impfung an Influenza A Erkrankten die Erwachsenen (> 17 Jahre) mit 70 % die domi-
nierende Altersgruppe darstellten, während unter den an Influenza B erkrankten Geimpften
mit 67 % vor allem Schulkinder (7 - < 17 Jahre) betroffen waren.
Beim Vergleich der Wirksamkeit der Impfung gegen eine Influenza A-Erkrankung einerseits
bzw. eine Influenza B-Erkrankung andererseits ergaben sich Ungeimpftenraten von ca. 81
bzw. 90 %. Der Anteil Geimpfter lag bei den an Influenza A Erkrankten etwas höher (15,4 %)
als bei den an Influenza B Erkrankten (9,5 %). Ebenso ermittelten wir für Influenza A gegen-
über Influenza B moderat höhere Erkrankungsraten sowohl bei Geimpften (A: 4,6 %; B: 1,9
%) als auch bei Ungeimpften (A: 25,1 %; B: 18,4 %).
Bei kontinuierlicher Fortführung und Erweiterung der Sentinelsysteme in Sachsen (sinnvoll
wäre vor allem eine Beteiligung aller Landkreise und kreisfreien Städte, um Aussagen für das
gesamte Territorium des Freistaates Sachsen treffen zu können) sind zukünftig noch fundier-
tere Aussagen möglich sowie Entwicklungen über Jahre (z.B. zum Ausmaß von Epidemien,
zeitlichen Ablauf, zur regionalen Ausbreitung, zu den jeweiligen besonders betroffenen
Altersgruppen etc.) beurteilbar.
Dies soll nachfolgend beispielhaft für die letzten 5 Jahre am Kreis Stollberg (Abb. 20 – 24)
dargestellt werden.
0
100
200
300
400
500
600
27.BW´00
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´01
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´02
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´03
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´04
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´05
15.BW
23.BW
Erkrankungen pro 100 000 EW
NG
epid.
Morb.
2000/01
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
Abb. 20: ARE – Normalgang 2000 – 2005. Kreis Stollberg (gesamt)

- 22 -
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
27.BW´00
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´01
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´02
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´03
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´04
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´05
15.BW
23.BW
Erkrankungenpro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2000/01
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
Abb. 21: ARE – Normalgang 2000 – 2005. Kreis Stollberg (1 - < 7 Jahre)
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
27.BW´00
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´01
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´02
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´03
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´04
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´05
15.BW
23.BW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2000/01
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
Abb. 22: ARE – Normalgang 2000 – 2005. Kreis Stollberg (7 - < 17 Jahre)
0
50
100
150
200
250
300
350
27.BW´00
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´01
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´02
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´03
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´04
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´05
15.BW
23.BW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2000/01
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
Abb. 23: ARE – Normalgang 2000 – 2005. Kreis Stollberg (17 - < 60 Jahre)

- 23 -
0
50
100
150
200
250
300
350
27.BW´00
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´01
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´02
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´03
15.BW
23.BW
31.BW
39.BW
47.BW
3.BW
11.BW
19.BW
27.BW´04
35.BW
43.BW
51.BW
7.BW´05
15.BW
23.BW
Erkrankungen pro 100 000 der AG
NG
epid.
Morb.
2000/01
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
Abb. 24: ARE – Normalgang 2000 – 2005. Kreis Stollberg (60 Jahre und älter)
Abschließend sei allen an den verschiedenen Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen,
Gesundheitsämtern und Krankenhäusern für die engagierte Mitarbeit, ohne die eine
aussagefähige epidemiologische Analyse nicht möglich wäre, herzlich gedankt. Damit
verbunden wird die Bitte um eine auch weiterhin effektive Zusammenarbeit zum Wohle
unserer Mitbürger.
Bearbeiter:
Herr Dr. med. D. Beier
LUA Chemnitz
Frau Dr. med. S.-S. Merbecks
LUA Chemnitz
Frau I. Briem
LUA Chemnitz

 
- 24 -
2
Auswertung des Influenza – Sentinels, mikrobiologischer Teil 2004/2005
im Freistaat Sachsen
Im Rahmen des mikrobiologischen Teils der Influenzaüberwachung 2004/2005 wurden 4.310
Proben zur molekularbiologischen und/oder virologischen sowie 174 Seren zur serologischen
Untersuchung eingesandt. Alle für den Erregernachweis bestimmten Proben, meist Rachen-
abstriche, wurden - erstmalig in dieser Saison - zunächst molekularbiologisch (PCR) getestet.
Später wurde von den positiven Proben eine Virusanzucht versucht, um die gewonnenen Iso-
late serologisch zu charakterisieren (Typisierung). Mittels PCR wurde in 1.922 Patienten-
proben insgesamt 1940-mal Influenzavirusgenom nachgewiesen, davon konnten 261 Virus-
isolate gewonnen werden.
Aufgrund der weitaus höheren Anzahl der molekularbiologischen Nachweise fließen diese
verstärkt in die Auswertungen ein.
Über die Ergebnisse soll im Folgenden berichtet werden.
2.1 Molekularbiologischer Influenzavirus-Nachweis
In Tabelle 1 werden neben den auf die verschiedenen Einsendergruppen aufgeschlüsselten
Probenzahlen und davon positiv getesteten Proben auch die Positivraten aufgelistet.
Direkt vergleichbar über längere Zeiträume sind die Angaben zu Proben aus Krankenhäusern,
die auch in der Vergangenheit vollständig mit PCR-Methodik untersucht wurden. Sie lagen in
der Saison 2002/2003 bei 36,3 %, im darauffolgenden Untersuchungszeitraum bei 23,5 % und
erreichten in der letzten Saison 32,6 %.
Bemerkenswert ist die Positivrate von knapp 52 % für jene Proben, die in Sentinelpraxen über
den gesamten Untersuchungszeitraum gewonnen wurden. Dies bedeutete aus praktischer
Sicht, dass zum Höhepunkt der Verbreitung die Positivrate von Proben einiger Sentinelpraxen
bei 90 – 100 % lag!
Tab. 1:
Probenquelle, -aufkommen, Positive und Positivrate nach PCR-Diagnostik
Einsender
Anzahl der
Proben
Anzahl der
PCR-positiven Proben
Positivrate
in %
Sentinelpraxen 2.684 1.390 51,78
Krankenhäuser 1.326 432 32,57
Gesundheitsämter/
Gemeinschafts-
einrichtungen/
Institute
300 100 33,33
4.310 1.922 44,59
Die zur Influenzaüberwachung im Land Sachsen untersuchten Proben kamen aus 26 Kreisen.
Insgesamt waren 183 verschiedene Einsender beteiligt.
Eine Übersicht hierzu gibt folgende tabellarische Zusammenstellung (Tab. 2).

- 25 -
Tab. 2:
Influenza-Sentinel 2004/2005
Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven Influenzavirusgenom-
nachweise nach territorialen Gesichtspunkten
Kreis
Anzahl der
Einsender
pro Kreis
Anzahl der
Einsendungen
pro Kreis
Anzahl positiver
Influenzavirusgenom-
nachweise pro Kreis
Reg.-bezirk Chemnitz
(10 Kreise)
Annaberg 8 127 60
Aue/Schwarzenberg 5 248 111
Chemnitz/Land 4 125 44
Chemnitz/Stadt 29 1.418 707
Freiberg 5 120 76
Mittl. Erzgebirgskreis
6
223
114
Stollberg 20 515 296
Plauen 1 1 0
Vogtlandkreis 2 76 37
Zwickau/Stadt 1 5 1
Gesamt 81 2.858 1.446
Reg.-bezirk Dresden
(11 Kreise)
Bautzen 7 213 62
Dresden 5 123 34
Görlitz 8 160 35
Hoyerswerda 1 6 2
Kamenz 1 2 1
Löbau/Zittau 6 126 45
Meißen 6 33 12
Niederschles. OL-Kreis
5
19
12
Riesa/Großenhain 4 50 19
Sächsische Schweiz
1
3
0
Weißeritzkreis 4 32 15
Gesamt 48 767 237
Reg.-bezirk Leipzig
(5 Kreise)
Döbeln 7 79 31
Leipzig/Land 15 94 47
Leipzig/Stadt 5 66 35
Muldentalkreis 13 287 93
Torgau/Oschatz 14 158 32
Gesamt 54 684 238
ohne Absender
1
1
1
Gesamtsumme 183 4.310 1.922

- 26 -
Abbildung 1 veranschaulicht die Positivrate aller untersuchten Proben ohne Aufgliederung in
Einsendergruppen über den gesamten Untersuchungszeitraum.
Beim Erreichen der präepidemischen Schwelle in der 8. Kalenderwoche waren 33 % positive
Proben bei insgesamt 312 Einsendungen zu registrieren. Die Quote stieg in den darauffolgen-
den Wochen stark an und erreichte in der 12. Kalenderwoche mit 64 % Positiven den Gipfel,
um bis zur 14. Kalenderwoche wieder auf 33 % abzufallen.
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
40/2004
42/2004
44/2004
46/2004
48/2004
50/2004
52/2004
01/2005
03/2005
05/2005
07/2005
09/2005
11/2005
13/2005
15/2005
17/2005
Kalenderwoche
Anzahl der Proben
Proben
PCR-Positive
Abb.: 1 Relation von Probenaufkommen zur Zahl PCR-positiver Proben, aufgeschlüsselt nach Kalenderwochen,
während der Influenzasaison 2004/2005
Abbildung 2 zeigt das Vorkommen und die Häufigkeit der Influenzavirustypen A und B im
Saisonverlauf. Abgesehen von der "importierten" Ersterkrankung in der 40. Kalenderwoche
war der Typ B zu Beginn der Saison prävalent und wurde erst in der 5. Kalenderwoche 2005
vom Typ A in der Häufigkeit verdrängt. Diese Tendenz blieb über den Verlauf der weiteren
Saison erhalten und zeigte erst in der letzten Woche des Sentinels bei stark reduzierter Pro-
benzahl einen inversen Verlauf.

- 27 -
0
50
100
150
200
250
300
350
Kalenderwoche
Anzahl positiver PCR-Proben
Infl. A
Infl. B
Infl. A
1
0
0
0
1
3
11 28 33 60 175235328195 75 27 15
4
1
Infl. B
0
1
2
2
5
4
10
9
31 43 84 144172145 58 22 12
1
3
40 53 1 2 3 4 5678 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Abb.: 2 Verteilung und Häufigkeit PCR-positiver Influenzavirus-Nachweise während der Saison 2004/2005
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Saison
Anteil in %
A (H1N1)
0
98,3
0
0,1
0
4,3
A (H1N2)
00 0,9 0,1 0 0
A (H3N2)
100
0,3
36,6
90,5
100
8,3
A (nicht typisiert)
49,4
B
0
1,4
62,5
9,3
0
38
99/00
00/01
01/02
02/03
03/04
04/05
Abb. 3 Anteil der Typen und Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirusnachweise
in % in den Jahren 1999/2000 bis 2004/2005
Neben den im epidemiologischen Teil des Berichtes beschriebenen 18 Patienten mit einer
zeitgleichen Doppelinfektion mit den Virustypen A und B war in der Saison 2004 eine wei-
tere Besonderheit zu registrieren.
Bei 6 Patienten konnten zeitversetzt 2 Infektionen mit verschiedenen Influenzavirustypen
nachgewiesen werden. In 4 Fällen erfolgte die Erstinfektion mit Typ B (2 x Mitte Januar, 2 x
Mitte Februar) und die Zweitinfektion mit Typ A (2 x H1N1) ca. 4 Wochen später.
Zwei Patienten wurden primär mit dem Typ A (H3N2) im Februar infiziert und 4 bzw. 5
Wochen später mit Typ B.

 
- 28 -
2.2 Virologischer Influenzavirus-Nachweis und Charakterisierung der Stämme
Der virologische Nachweis von Influenzaviren wird in unserem Institut unter Anwendung der
Permanent-Zelllinie MDCK geführt. Von wesentlicher Bedeutung ist bei dieser Methode die
Darstellung von komplettem Virus als Grundlage für weitere serologische und molekularbio-
logische Untersuchungen der sich stetig ändernden Influenzaviren. Durch Vergleich der Refe-
renzstämme (Impfstämme) mit den zirkulierenden Stämmen können dabei Drifterscheinungen
erkannt und die Wirksamkeit der aktuellen Impfung eingeschätzt werden. Hieraus resultiert
die prophylaktische Bedeutung der jährlich sich wiederholenden Influenzavirusanzüchtungen.
Für das Sentinel ist es daher sinnvoll und notwendig, diese Methode mit der extrem sensitiven
und sehr schnellen RT-PCR zu kombinieren.
Wie in der Einleitung bereits erwähnt, wurde in der abgelaufenen Saison die Virusanzucht
lediglich aus den Proben mit einem Virusgenomnachweis versucht. Dies war sowohl aus dia-
gnostischer Sicht vertretbar als auch aus Personal-, Kapazitäts- und Kostengründen ohnehin
erforderlich.
Von Anfang Oktober 2004 bis Ende April 2005 wurden demnach 1.922 virologische Proben,
meist Rachenabstriche, untersucht. Eine Virusanzucht gelang dabei aus 261 Patientenproben,
was eine Isolierungsrate von 13,6 % (dies entspricht 6,1 % aller eingesandten Sentinelproben)
ergibt. Der Grund für diese niedrige Isolierungsrate (in den letzten Jahren zwischen 11 % und
27 %) bei den Sentinelproben liegt wahrscheinlich im diesmal labororganisatorisch bedingten
längeren Zeitraum zwischen Probenabnahme und Versuchsansatz.
Für die Typisierungen der angezüchteten 261 Virusstämme bei Verwendung monospezifi-
scher Antiseren vom Frettchen waren insgesamt 1.483 Titrationen erforderlich. Dabei wurde
festgestellt, ob und bis zu welcher Serumverdünnung eine Hämagglutinationshemmung
erfolgt.
Im Ergebnis teilten sich die angezüchteten Influenzaviren wie folgt auf:
71 x Influenzavirus A (H3N2) - 27,2 % aller Isolate
69 x Influenzavirus A (H1N1) - 26,4 % aller Isolate
121 x Influenzavirus B
- 46,4 % aller Isolate
Auffällig sind die Unterschiede der Nachweisraten der Subtypen im Vergleich mit der PCR.
Unsere jahrelangen Erfahrungen, dass zumindest auf der von uns verwendeten Zelllinie
Influenzavirus B häufig, der Subtyp A (H3N2) dagegen seltener anzüchtbar ist, wurden hier-
bei bestätigt. Im Übrigen ist dies ein zusätzliches Argument, verstärkt die PCR-Resultate in
die Auswertung einfließen zu lassen.
Das erste Virusisolat, ein Influenzavirus B, stammt aus der 53. KW 2004, das letzte aus der
17. KW 2005. Zwei Drittel aller Isolate wurden zwischen der 8. und 11. KW 2005 erzielt, dies
betraf alle Subtypen gleichermaßen.
Zur umfangreicheren Typisierung wurden Virusstämme aus dem Sächsischen Sentinel an das
Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Influenza am RKI in Berlin weitergeleitet. Dieses
Institut wiederum übergibt repräsentative Stämme aus Deutschland an die WHO-Zentrale in
London. Die Ergebnisse der europaweiten Überwachung fließen dann in die Empfehlungen
für die Impfstoffzusammensetzung der kommenden Saison ein.
Die in Sachsen angezüchteten
Influenzavirus A (H3N2)
-Stämme waren dem Impfstamm
A/Wyoming/3/03 ähnlich. Mit den uns zur Verfügung stehenden Reagenzien waren keine
deutlichen Unterschiede zwischen den Stämmen zu erkennen. Die ersten Isolate unseres Sen-
tinels wurden im NRZ als A/Shantou/1219/04-like, die gegen Ende der Saison als
A/Wellington/01/04-like charakterisiert. Dabei ist anzumerken, dass die serologischen Unter-
schiede zwischen der Wyoming-, der Wellington- und der Shantou-Variante gering sind und

- 29 -
man daher von einer recht guten Wirksamkeit des Impfstoffs auch gegen die zirkulierenden
Varianten ausgehen konnte (siehe auch Immunogenität des Influenza-Impfstoffs).
Tab. 3
Typisierungsergebnisse ausgewählter Influenzavirus A (H3N2)-Isolate
Frettchenantiseren A (H3N2)
A/Nan/933/95 A/Syd/5/97 A/Pan/2007/99 A/Wyo/3/03
Referenzantigene
A/Nanchang/933/95
1280
160
80
< 80
A/Sydney/5/97
< 80
640
160
80
A/Panama/2007/99
< 80
320
640
160
A/Wyoming/3/03 *
< 80
160
320
2560
A/Wellington/1/04
< 80
80
320
1280
Virusisolate
IS 3009
< 80
< 80
80
1280
IS 3588 (I.)
< 80
< 80
80
1280
IS 3822 (I.)
< 80
80
80
1280
IS 5234
< 80
< 80
80
1280
Testantigene und Antiseren vom Frettchen von GSK/SSW Dresden, vorhandener Pool an Reagenzien ist
begrenzt! Angaben als reziproke HAHT-Titer.
* Impstoffkomponente
(I.) geimpfter Patient
Die
Influenzavirus A (H1N1)
-Stämme waren der Impfstoffkomponente A/New Caledo-
nia/20/99 sehr ähnlich, eventuell mit ihr identisch. Dieser Subtyp war in den vergangenen Jah-
ren stabil hinsichtlich von Drifterscheinungen. Er ist bereits seit fünf Jahren im Impfstoff ent-
halten und wird auch in der kommenden Saison wieder Bestandteil sein.

- 30 -
Tab. 4
Typisierungsergebnisse ausgewählter Influenzavirus A (H1N1)-Isolate
Frettchenantiseren A (H1N1)
A/Bei/262/95 A/Joh/82/96 A/NC/20/99
Referenzantigene
A/Beijing/262/95
1280
80
640
A/Johannesburg/82/96
160
1280
80
A/New Caledonia/20/99 *
320
< 80
1280
Virusisolate
IS 3115
320
< 80
1280
IS 3140
320
< 80
1280
IS 3159
320
< 80
1280
IS 3288 (I.)
320
< 80
1280
Testantigene und Antiseren vom Frettchen von GSK/SSW Dresden, vorhandener Pool an Reagenzien ist
begrenzt! Angaben als reziproke HAHT-Titer.
*
Impstoffkomponente
(I.) geimpfter Patient
Bei den
Influenzavirus B
-Stämmen war in der abgelaufenen Saison eine starke Drift zu
registrieren. Die sogenannte Victoria-Linie verdrängte die zunächst zirkulierende sogenannte
Yamagata-Linie. Bereits in der Saison 2001/2002 war das gleiche Phänomen festzustellen und
in der darauffolgenden Saison zirkulierten dann ausschließlich Stämme der Victoria-Linie.
Abb. 4: Anteil der unterschiedlichen Influenza B-Linien (Virusanzucht) im Verlauf der Saison 2004/2005
0
10
20
30
40
50
Infl. B Yamagata-L.
1 4 6 6 12 93310
Infl. B Victoria-L.
0
0
0
4
11
33
21
4
2
1
53/04
01-02/05
03-04/05
05-06/05
07-08/05
09-10/05
11-12/05
13-14/05
15-16/05
17/05
Summe Infl. B Victoria-L.
= 76
Summe Infl. B Yamagata-L. = 45
Gesamtsumme
= 121

- 31 -
In Sachsen wurden zu Beginn der Saison im Gegensatz zu den meisten anderen Bundeslän-
dern mehr Influenza B- als Influenza A-Viren nachgewiesen. Auch über die gesamte Saison
gesehen war der Anteil der in Sachsen nachgewiesenen Influenza B-Fälle höher.
Die ersten angezüchteten Isolate waren B/Jiangsu/10/03-like, also dem Impfstamm ähnlich.
Dieser Stamm gehört der "Yamagata-Linie" (Prototyp B/Yamagata/16/88) an. Spätestens seit
der 5. KW zirkulierten vermehrt Influenza B-Viren, welche die "Victoria-Linie" (Prototyp
B/Victoria/2/87) repräsentieren und erheblich vom Impfstamm abwichen. Diese Drift dürfte
daher die Ursache für zahlreiche Impfdurchbrüche sein. Die zur "Victoria-Linie" zählenden
abgedrifteten Stämme wurden im NRZ als B/Hong Kong/330/01-like charakterisiert.
Auch die durch eine Infektion mit der Variante B/Jiangsu/10/03 aufgebaute Immunität
schützte offenbar nicht vor einer erneuten Influenza B-Infektion mit der B/HongKong/330/01-
ähnlichen Driftvariante, wie z.B. bei einem ungeimpften 14-jährigen Jungen, welcher am
10.01.05 und nochmals am 13.03.05 erkrankte (erste Abnahme: Nachweis Influenza B mit
PCR und Anzucht Influenza B/Jiangsu/10/03-like, zweite Abnahme: Nachweis Influenza B
mit PCR).
Tab. 5
Typisierungsergebnisse ausgewählter Influenzavirus B-Isolate
Frettchenantiseren B
B/Har/7/94 B/Shang/7/97 B/Joh/5/99 B/Jiang/10/03
Referenzantigene
B/Harbin/7/94 1280 < 80 320 < 80
B/Shangdong/7/97 < 80 640 < 80 < 80
B/Johannesburg/5/99 320 < 80 1280 160
B/Jiangsu/10/03 * 640 < 80 640 1280
Virusisolate
IS 2846 640 < 80 640 640
IS 2920 640 < 80 640 640
IS 3033 < 80 < 80 < 80 < 80
IS 3198 (I.)
< 80
< 80
< 80
< 80
IS 3306 < 80 < 80 < 80 < 80
IS 5944 (I.)
< 80
< 80
< 80
< 80
Testantigene und Antiseren vom Frettchen von GSK/SSW Dresden, vorhandener Pool an Reagenzien ist
begrenzt! Angaben als reziproke HAHT-Titer.
* Impstoffkomponente
(I.) geimpfter Patient
Zur Erläuterung: Die Stämme B/Harbin/7/94, B/Johannesburg/5/99 und B/Jiangsu/10/03 sind
Vertreter der Yamagata-Linie, der Stamm B/Shangdong/7/97 ist ein Vertreter der Victoria-
Linie. Bei den vier aufgeführten Isolaten der abgedrifteten Influenza B-Variante waren alle
Titer < 80. Daraus ist abzulesen, dass die durch die Impfung induzierten Antikörper nicht mit
dieser neuen Variante reagieren und diese sogar von B/Shangdong/7/97 stark abgedriftet ist.

 
- 32 -
2.3 Influenza-Serologie
Für die Bestimmung der Influenzavirus-Antikörper kommen der Hämagglutinationshemmtest
(HAHT) sowie - für die IgA-Antikörperbestimmung - ein Immunfluoreszenztest (IFT) zur
Anwendung. Dadurch lassen sich sowohl die Wirkung der Schutzimpfung kontrollieren als
auch aus differentialdiagnostischen Gründen eingesandte Proben beurteilen. Aus dem ersten
Untersuchungsanlass wurden im Sentinelzeitraum 29 Proben mit dem HAHT getestet (87
Titrationen), aus dem zweiten 145 Proben (435 HAHT-Titrationen, 169 IgA-Ak-Bestim-
mungen).
Die humorale
Immunogenität des Influenza-Impfstoffs
für die Saison 2004/2005 konnte
nicht eingeschätzt werden, da diesmal die Anzahl der Probanden zu gering war. Diese hatten
zudem ausreichend hohe prävakzinale Antikörperspiegel, da sie in den vergangenen Jahren
eine Impfung erhielten. Mehrere von uns in den letzten Jahren durchgeführte Studien ergaben
jedoch eine durchschnittliche Schutzrate nach der Impfung von 80 % für den Subtyp
A(H3N2) und jeweils 90 % für A (H1N1) und Typ B. Das heißt, die humorale Impfantwort
war gegen die A (H3N2)-Komponente vergleichsweise schlechter. Der Schutz vor einer
Influenzaviruserkrankung resultiert einerseits aus dem Individualschutz (humorale und zell-
vermittelte Immunität nach einer Impfung oder einer Infektion) sowie aus den oben erwähn-
ten Unterschieden (Drift) zwischen zirkulierenden Viren und Impfviren. Auf Grund der dar-
gelegten Ergebnisse war der in dieser Saison zu verzeichnende hohe Anteil an Influenza A
(H3N2)-Erkrankungen trotz Impfung eher einer ungenügenden Impfantwort zuzurechnen.
Hingegen dürfte bei einer trotz Impfung durchgemachten Influenza B hauptsächlich das Auf-
treten der neuen Variante die Ursache sein.
Die für eine
Differentialdiagnostik
eingesandten 145 Proben, davon 4 Serumpaare, betrafen
141 Patienten. Dabei ergab sich in 14 Fällen (9,9 %) der Hinweis auf eine kürzliche Influen-
zavirusinfektion (signifikanter HAHT-Titeranstieg bzw. IgA-Antikörper-Nachweis). Die
Typen- bzw. Subtypen waren dabei wie folgt vertreten: 10 x A (H3N2), 2 x A (H1N1) und 2 x
B. Diese Patienten (alle Altersgruppen) waren meist hospitalisiert. Die Erkrankungstage lagen
hauptsächlich im März. Mit Abstand am häufigsten war Fieber als Symptom angegeben, mit-
unter zusätzlich Husten, Bronchitis, Laryngitis oder Gliederschmerzen. Der geringe Anteil der
Positiven war vor allem auf die Nichteinsendung einer zweiten Serumprobe 1-2 Wochen nach
Erkrankungsbeginn zurückzuführen.
2.4
Influenza-Impfstoff für die Saison 2005/06
Unter Einbeziehung aller molekularbiologischen, virologischen und serologischen Befunde
aus der Influenzasaison 2004/2005 wurde von den zuständigen WHO-Stellen für den nächsten
Winter die folgende Impfstoffzusammensetzung empfohlen:
A/New Caledonia/20/99 (H1N1)-like virus
A/California/7/2004 (H3N2)-like virus
(verfügbares Impfvirus ist A/New York/55/2004)
B/Shanghai/361/2002-like virus
(meist wird B/Jiangsu/10/2003 verwendet)
Gegenüber der abgelaufenen Saison hat sich lediglich die A (H3N2)-Komponente geändert.
Bearbeiter:
Herr Dr. med. D. Beier
LUA Chemnitz
Herr DB A. Grosche
LUA Chemnitz
Herr Dr. rer. nat. L. Müller
LUA Chemnitz