0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
4
0
50
100
150
200
250
300
350
400
27.
29.
31.
33.
35.
37.
39.
41.
43.
45.
47.
49.
51.
1.
3.
5.
7.
9.
11.
13.
15.
17.
19.
21.
23.
25.
Influenzavirusnachweise
Erkrankungen pro 100.000
Einwohner
2011
Kalenderwoche
2012
Influenzavirusnachweise
Inzidenz 2011/2012
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
Inzidenz 2010/2011
ARE-/Influenza-Sentinel 2011/2012
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN
im Freistaat Sachsen

 
│1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2011/2012 im Freistaat Sachsen .......................................................................................................................................................2
1
Auswertung des epidemiologischen ARE–/Influenza–Sentinels 2011/2012 im Freistaat Sachsen und Vergleich mit anderen
Surveillance-Instrumenten ....................................................................................................................................................................................................................................4
1.1
Saisonverlauf in Sachsen und Deutschland ...................................................................................................................................................................................................4
1.2
Sächsische Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) ........................................................................................................................................................8
1.3
Influenzasaison 2011/2012 innerhalb Europas ..............................................................................................................................................................................................8
1.4
Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften (Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel) ........................................................................................................................9
2
Auswertung des Influenza-Sentinels, mikrobiologischer Teil, 2011/2012 im Freistaat Sachsen .............................................................................................11
2.1
Diagnostisches Procedere während des Sentinel-Zeitraumes ..............................................................................................................................................................11
2.2
Ergebnisse des Sentinels vom Oktober 2011 bis April 2012 ...................................................................................................................................................................11
3 Influenza-Impfstoff für die Saison 2012/2013...........................................................................................................................................................................................15

 
2 │
Nach den Gesundheitsberichten der Welt-
gesundheitsorganisation (WHO) gehören Er-
krankungen der unteren Atemwege des Men-
schen wie Lungenentzündungen weltweit zu
den häufi gsten Infektionskrankheiten und
damit auch zu den Erkrankungen, an denen
die meisten Menschen, d. h. jährlich mehrere
Millionen, sterben. Unter den Erregern die-
ser Krankheiten, auch als Akute Respiratori-
sche Erkrankungen (ARE) bezeichnet, ist seit
Jahrzehnten eine Gruppe als sehr bedeutsam
bekannt, die Infl uenzaviren. Sie sind Verursa-
cher der Infl uenza, der „echten Virusgrippe“,
die im Gegensatz zu den landläufi g auch als
„Grippe“ bezeichneten „grippalen Infekten“
als schwere systemische Infektionskrankheit
verlaufen kann. Kennzeichnend für die Infl u-
enza ist nach kurzer Inkubationszeit von 1-3
Tagen der plötzliche Beginn mit hohem Fie-
ber, Kopf-, Muskel-, Gliederschmerzen, Hus-
ten, dunkler Rötung des Rachens und starker
Beeinträchtigung des Allgemeinbefi ndens
einschließlich Kreislaufstörungen. Meist bil-
den sich die Symptome nach 3-5 Tagen zu-
rück. Symptomlose Infektionen, bei denen die
Erreger aber auf andere, eventuell gesund-
heitlich gefährdete Personen übertragen wer-
den können, sind ebenfalls möglich. Proble-
matisch ist, dass es in vielen Fällen nicht beim
akuten und vorübergehenden Verlauf bleibt,
sondern Komplikationen auftreten. Hierzu
gehören beispielsweise Mittelohr-, Nasenne-
benhöhlen- und Lungenentzündung sowie
Organbeteiligungen an Herz, Niere, Leber,
Nerven und Gehirn. Bereits bestehende chro-
nische Erkrankungen können sich verschlech-
tern, Stoffwechselerkrankungen entgleisen.
Die Virusinfektion ist mit einer Schwächung
des menschlichen Immunsystems verbunden,
so dass es zusätzlich zu bakteriellen Infekti-
onen kommt. Hochakute Verlaufsformen mit
toxischem Kreislaufversagen und tödlichem
Ausgang sind, auch bei bisher gesunden und
jüngeren Menschen, nicht selten.
Nach dem Saisonabschlussbericht der Ar-
beitsgemeinschaft Infl uenza (AGI) und Anga-
ben des Robert Koch-Institutes (RKI) konnte
man in der Saison 2010/2011 (Herbst 2010
bis Frühjahr 2011 entsprechend des jah-
reszeitlichen Verlaufes der Virusgrippe) in
Deutschland von etwa 2 Millionen auf In-
fl uenza zurückzuführende über das normale
Maß hinausgehende Arztkonsultationen aus-
gehen. Die Zahl der grippebedingten Kran-
kenhauseinweisungen betrug etwa 4.700, die
der Arbeitsunfähigkeiten in der Altersgruppe
der 15- bis unter 60-Jährigen ca. 1,2 Millio-
nen. Hierbei hatte es sich um eine moderate
Infl uenzawelle gehandelt. In Jahren ausge-
prägter Epidemien ist neben deutlich höhe-
ren Erkrankungszahlen auch mit mehreren
Tausend infl uenza-assoziierten Todesfällen
zu rechnen.
Die genannten Zahlen sollen die gesundheitli-
che, soziale und ökonomische Bedeutung der
jährlich regelmäßig wiederkehrenden Infl u-
enzawellen verdeutlichen. Deren Bekämpfung
ist Aufgabe und Verpfl ichtung für den Öffent-
lichen Gesundheitsdienst. Unter der Organi-
sation und Koordination der Gesundheits-
ämter und der Landesgesundheitsbehörden
sollten breite Teile des Gesundheitswesens
einbezogen sein: Ärzte der Primärversorgung,
Krankenhäuser und andere Einrichtungen.
Hier hat auch seit Jahrzehnten das sächsi-
sche ARE-/Infl uenza-Sentinel seinen Platz.
Die aus dem Sentinel resultierenden Ergeb-
nisse sind qualitativ umso wertvoller, je mehr
Gesundheitseinrichtungen sowie Regionen,
möglichst gleichmäßig über den Freistaat
Sachsen verteilt, beteiligt sind. Beim epide-
miologischen Sentinel der Saison 2011/2012
engagierten sich 299 Arztpraxen aus allen 13
Kreisen des Freistaates. Rachenabstriche zur
mikrobiologischen Untersuchung wurden
von 69 Einrichtungen aus 13 Kreisen (in der
Mehrzahl allgemeinmedizinische und päd-
iatrische Arztpraxen) eingesandt. Mögliche
Erkrankungshäufungen in Gemeinschafts-
einrichtungen stehen unter besonderer Be-
obachtung der Gesundheitsämter, die nach
dem Infektionsschutzgesetz Maßnahmen zur
Verhütung der weiteren Ausbreitung und zur
Bekämpfung einleiten.
In den epidemiologischen Teil unseres Senti-
nels fl ießen die Zahlen von Personen mit aku-
ten Atemwegserkrankungen ein. Diese Zah-
len werden der Landesuntersuchungsanstalt
(LUA) über die Gesundheitsämter wöchentlich
mitgeteilt. Aus den Daten ist für eine defi nier-
te Bevölkerung die üblicherweise auftretende
Anzahl an akuten Atemwegserkrankungen zu
errechnen. Durch ein Überschreiten dieser
Werte kann unter Einbeziehung der Daten
des mikrobiologischen Sentinels der Beginn
einer Infl uenzaviruszirkulation zuverlässig
angezeigt werden. Eine wissenschaftlich be-
gründete Behandlung Erkrankter (Einsatz
von Virustatika) ist somit ohne Verzögerung
möglich. Die am mikrobiologischen Teil des
Infl uenza-Sentinels beteiligten Arztpraxen
und Krankenhäuser senden über die Gesund-
heitsämter vorwiegend Rachenabstriche von
erkrankten Personen in unsere Laboratorien
ein. Die Untersuchungen auf Infl uenza A-Vi-
rus (einschließlich A-Subtypen) und Infl uenza
B-Virus dienen in erster Linie dem verzöge-
rungsfreien Erkennen der Häufi gkeit des Auf-
tretens von Infl uenzaviren in der Bevölkerung
und der konkreten Beurteilung (Typisierung)
der vorkommenden Virusvarianten. Die Typi-
sierung trägt dazu bei, Virusveränderungen
und damit auch die Wirksamkeit des aktuel-
len Impfstoffes zu bewerten. Hochwirksame
Impfstoffe sind zwingend erforderlich für
diese wichtigste Maßnahme zur Prävention
der Infl uenza.
Die Infl uenzawelle 2011/2012 verlief ausge-
sprochen moderat und protrahiert. Der Gipfel
der Saison wurde in der zweiten Märzhälfte
erreicht. Eine mäßig ausgeprägte Infl uen-
za A(H3N2)-Welle ging im weiteren Verlauf
in eine leichte Infl uenza B-Welle über. In
Sachsen wurden von Januar bis April 2012
aus 436 eingesandten Patientenmateriali-
en (erste Einsendungen seit Oktober 2011)
mittels molekularbiologischer Untersuchung
(Polymerase-Kettenreaktion, PCR) 101 Infl u-
enzavirus-Infektionen nachgewiesen. Etwa
ein Drittel aller Erkrankungen trat bei Klein-
kindern auf. In 70 % der Fälle handelte es sich
um den Subtyp H3N2 des Infl uenza A-Virus,
ein Viertel der Proben wurde als Infl uenza
B-Virus positiv typisiert. Nur 5 Nachweise
ergaben Infl uenza A-Viren des Subtyps H1N1
(pandemisches Virus A(H1N1)pdm09), zuerst
aufgetreten als Pandemievirus der „Neuen In-
fl uenza A/H1N1“ im Jahre 2009. Im Vergleich
hierzu dominierte in der vorangegangenen
Saison 2010/2011 der Subtyp A(H1N1) mit
fast 60 %, Infl uenza B-Virus erreichte etwa
40 %, während der Infl uenza A-Subtyp H3N2
nur ein einziges Mal nachgewiesen wurde.
Bei in der PCR positiven Rachenabstrichen
Vorwort zum ARE-/Infl uenza-Sentinel
2011/2012 im Freistaat Sachsen

image
│3
erfolgte die Virusanzüchtung als Grundlage
für weiterführende serologische und mole-
kularbiologische Untersuchungen zur Cha-
rakterisierung der kursierenden Virusstämme.
Hier gelang die Isolierung bei 32 Proben, die
sämtlich feintypisiert und parallel an das
Nationale Referenzzentrum für Infl uenza
am RKI gesandt wurden. Die angezüchteten
Infl uenza B-Viren konnten etwa zu gleichen
Teilen der Victoria-Linie (Bestandteil des ak-
tuellen Impfstoffes) und der Yamagata-Linie
(Bestandteil des Impfstoffes der nächsten
Saison) zugeordnet werden. Die deutschland-
weit beobachtete Antigendrift (eine bekannte
Eigenschaft der Infl uenzaviren, aus der sich
die jährlich notwendige Anpassung des Impf-
stoffes ableitet) bestätigte sich somit auch in
Sachsen. Wie bereits seit vielen Jahren fl ießen
unsere Ergebnisse in die Empfehlungen der
WHO für die Impfstoffzusammensetzung der
bevorstehenden Saison ein.
Nicht zu verwechseln mit den Ergebnissen
des Sentinels sind die nach Infektionsschutz-
gesetz gemeldeten Infl uenzaerkrankungen
(Diagnostik auch in anderen Laboratorien).
Insgesamt wurden ab Oktober 2011 bis April
2012 in Sachsen 520 Infl uenzaerkrankungen
gemeldet. Es ist aber darauf hinzuweisen,
dass es sich bei den Zahlen nicht um die Ge-
samtzahlen der in Sachsen tatsächlich auf-
getretenen Infl uenzaerkrankungen handelt.
Überwachungsprogramm (= Sentinel) und
Meldezahlen erfassen nur „die Spitze des
Eisberges“, zeigen aber zuverlässig eine Epi-
demie bzw. Zirkulation von Infl uenzaviren an
und bilden Trends ab. Die tatsächliche Anzahl
der Infektionen liegt um ein Vielfaches höher!
Auch in diesem Jahr möchten wir allen Be-
teiligten in Arztpraxen, Krankenhäusern, Ge-
sundheitsämtern und sonstigen Einrichtun-
gen unseren herzlichen Dank aussprechen
für die engagierte Mitarbeit. Die Lektüre des
vorliegenden Berichtes (beachten Sie bitte
auch die Ausführungen zur Relation der In-
fl uenzanachweise bei Geimpften und Unge-
impften) soll Ihnen einen Einblick in die Arbeit
der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer
Landeseinrichtung des Öffentlichen Gesund-
heitsdienstes geben und die Anstrengungen
des Freistaates Sachsen bei der Prävention
unterstreichen.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin m. d. W. b.

 
4 │
1 Auswertung des epidemiologischen ARE–/
Infl uenza–Sentinels 2011/2012
im Freistaat Sachsen und Vergleich mit
anderen Surveillance-Instrumenten
Die Ergebnisse der Infl uenzaüberwachung der
Saison 2011/2012 basieren wie bereits in den
vergangenen Jahren (siehe LUA-Mitteilungen
sowie diesbezügliche Sonderhefte) auf diver-
sen erhobenen Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht
insbesondere:
das Infl uenza-Sentinelsystem des öffentli-
chen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Sach-
sen bzw. der Arbeitsgemeinschaft Infl uen-
za (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
der Erregernachweis (PCR und Virusan-
züchtung) u. a. zur Bestätigung epide-
miologischer Daten (Beginn/Ende einer
Epidemie)
die Berücksichtigung entsprechender In-
formationen aus den anderen Bundes-
und den europäischen Nachbarländern,
zu Häufungen, Informationen über Krank-
heitsverläufe, Komplikationen, Altersspe-
zifi tät, Mortalität etc.
Die Auswertung dieser Faktoren erlaubt nach-
stehende Einschätzung der Infl uenzaaktivität
für die Saison 2011/2012.
1.1 Saisonverlauf in Sachsen und
Deutschland
Im letzten Quartal 2011 entsprach die Häu-
fi gkeit akuter respiratorischer Erkrankungen
(ARE-Morbidität) im Freistaat Sachsen dem
erwarteten Niveau. Auch in den anderen Bun-
desländern gestaltete sich die ARE-Infl uenza-
Situation unauffällig. Die Werte der Konsul-
tationsinzidenzen für Gesamtdeutschland
zeigten die übliche Altersgruppenverteilung
und bewegten sich in dem für die Jahreszeit
normalen Bereich.
Innerhalb des bundesweiten Sentinels der
AGI erfolgten ab der 48. Kalenderwoche (KW)
2011 vereinzelte Infl uenzavirus-Nachweise.
Die ersten positiv getesteten Proben stamm-
ten zunächst aus Berlin/Brandenburg bzw.
Bayern, zu Jahresbeginn 2012 dann auch aus
dem Norden der Republik (Niedersachsen,
Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg).
Der erste Nachweis einer Infl uenzavirusin-
fektion der Saison 2011/2012 innerhalb des
sächsischen Sentinels gelang in der 2. KW
2012 und somit - verglichen mit den Vor-
jahren - zu einem verhältnismäßig späten
Zeitpunkt. Betroffen war ein 26-jähriger un-
geimpfter Patient aus dem Landkreis Leipzig,
der mit typischer Symptomatik an einer Infl u-
enza B erkrankt war.
Eine geringfügige Erhöhung der Infl uenza-
Aktivität wurde deutschlandweit erst ab der
5. KW 2012 registriert. Dieser Trend wurde zu
Beginn vor allem in der Region Berlin / Bran-
denburg beobachtet und war in der folgen-
den Woche auch in den Großregionen Mitte,
Osten und Süden zu verzeichnen. Nur aus
dem Norden Deutschlands wurden zu diesem
Zeitpunkt noch Werte im Bereich der Hinter-
grundaktivität gemeldet.
Auch innerhalb unseres sächsischen ARE-/
Infl uenza-Sentinels wurde ab der 6. KW 2012
ein geringfügiger Anstieg der ARE-Aktivität
registriert, wobei sich die Werte weiterhin
auf einem für die Jahreszeit üblichen Niveau
bewegten.
Positivraten von über 20 % im Nationalen
Referenzzentrum für Infl uenza, deutschland-
weit ansteigende Meldezahlen und die leicht
erhöhte ARE-Aktivität wurden ab der 7. KW
2012 als erste Anzeichen der beginnenden
Grippewelle interpretiert.
Trotz leichten Anstiegs wurde die Infl uenza-
Aktivität bundesweit auch in den folgenden
Wochen weiterhin als nur „geringfügig er-
höht“ bewertet. Bereits ab der 11. KW 2012
wurden zum Teil sogar schon wieder sinken-
de Werte beobachtet, der Scheitelpunkt der
Grippewelle war überwunden. Die konstant
hohen Positivraten von über 40 % stellten
jedoch ein Indiz für eine weiterhin sehr hohe
Wahrscheinlichkeit dar, dass ein an grippety-
pischer Symptomatik leidender Patient tat-
sächlich an Infl uenza erkrankt war. Die ARE-
Aktivität war auch in den folgenden Wochen
noch maßgeblich durch die Infl uenzavirus-
Zirkulation geprägt, obgleich diese ab der 12.
KW 2012 bundesweit wieder im Bereich der
Hintergrundaktivität lag. Von der 8. bis ein-
schließlich zur 13. KW 2012 wurden inner-
halb des sächsischen Sentinels jeweils über
23 Rachenabstriche zur Untersuchung ein-
gesandt, in der 10., 11. und 13. KW wurden
je 12 Infl uenzavirus-Nachweise geführt. Die
höchsten Positivraten der Saison (46,4 bzw.
57,9 %) wurden in Sachsen erst in den letzten
beiden Sentinelwochen erzielt (siehe Tabelle 1
und Abbildung 1).
Der Anteil von Infl uenza B-Viren stieg (wie
schon in der Saison 2010/2011) insbesondere
in Gesamtdeutschland im Verlauf der Erkran-
kungswelle stetig an, wobei aber erst ab der
15. KW 2012 - also ganz am Ende der Saison
- bundesweit mehr Infl uenza B- als Infl uenza
A-Infektionen nachgewiesen wurden.
Grundsätzlich verlief die Infl uenzawel-
le 2011/2012 ausgesprochen moderat und
protrahiert. Sie erreichte ihren saisonalen
Gipfel, der sich jedoch vergleichsweise wenig
markant zeigte, zwischen der 10. und 13. Ka-
lenderwoche 2012. Eine mäßig ausgeprägte
Infl uenza A(H3N2)-Welle wurde im weiteren
Verlauf durch eine leichte Infl uenza B-Welle
ergänzt. Die Aktivität der akuten respirato-
rischen Erkrankungen befand sich im Frei-
staat durchweg auf einem für die Jahreszeit
üblichen Level, epidemische Werte wurden
grundsätzlich nicht erreicht (siehe auch Ab-
bildungen 1, 3, 4 und 5).
Altersverteilung:
Die innerhalb des säch-
sischen Sentinels identifi zierten Infl uenza-
Erkrankungen betrafen zu 34,7 % Kleinkinder
(1 - < 7 Jahre). In den beiden vorangegange-
nen Saisons war die Altersgruppe der Schul-
kinder (7 - < 17 Jahre) mit 41,4 % (2010/11)
bzw. 47,2 % (2009/2010) verhältnismäßig am
stärksten betroffen gewesen. In dieser Alters-
gruppe der Schulkinder sowie der Erwachse-
nen (17 - <60 Jahre) wurden 2011/2012 nun
jeweils 25,7 % der Erkrankungsfälle regist-
riert. 2 % der Fälle ließen sich der Hochrisiko-
gruppe der unter 1-Jährigen zuordnen (Vor-
saison: 1,7 %). Somit traten 2011/2012 mit
62,4 % annähernd 2/3 aller nachgewiesenen
Infektionen bei Kindern und Jugendlichen auf.
Zum Vergleich: in der Saison 2010/2011 ge-
hörten sogar knapp 3/4 (74,2 %) der Erkrank-
ten diesen Altersgruppen an. Mit 11,9 % der
Fälle war innerhalb des sächsischen Sentinels

│5
in dieser Saison die Altersgruppe der über
60-jährigen Patienten deutlich höher reprä-
sentiert als in den Jahren zuvor (2010/2011:
0,8 %, 2009/2010: 0,4 %; siehe auch Tabelle 2
sowie Abbildung 2).
Den
klinischen Verlauf
der diesjährigen
Infl uenza-Erkrankungen beschrieben die be-
handelnden Ärzte überwiegend als mittel-
schwer und komplikationslos.
In der 12. Kalenderwoche 2012 kam der erste
und einzige (bestätigte)
Infl uenza-Todes-
fall
der Saison in Sachsen zur Meldung. Ein
69-jähriger Patient aus dem Stadtkreis Dres-
den, der sich bereits seit 05.03.12 auf Grund
eines Karzinoms mit pulmonaler Metasta-
sierung in stationärer Behandlung befun-
den hatte, erkrankte am 19.03.12 zusätzlich
mit grippaler Symptomatik, entwickelte eine
Bronchopneumonie und verstarb zwei Tage
später unter respiratorischer Globalinsuffi -
zienz. Ein Rachenabstrich bestätigte mittels
PCR die Diagnose einer Infl uenza A-Infektion
(Ausschluss A(H1N1)).
Ab der 8. bis einschließlich zur 16. KW 2012
kamen in Sachsen insgesamt
1 Infl uenza
B- sowie 5 Infl uenza A-Häufungen
zur
Meldung. Bei 2 der Infl uenza A-Ausbrüche
erfolgte die Subtypisierung des Erregers als
Infl uenza A(H3N2). Jeweils 2 der Geschehen
ereigneten sich innerhalb von Familien bzw. in
Krankenhäusern/Kliniken. Eine Erkrankungs-
häufung kam aus einer Schule sowie eine aus
einer Kindertagesstätte zur Meldung. Im Rah-
men dieser Ausbrüche erkrankten jeweils zwi-
schen 2 und 25 Personen, wobei die höchste
Erkrankungszahl in der Kindertagesstätte (25
Fälle) registriert wurde. Im Rahmen der no-
sokomialen Häufungen erkrankten 13 bzw. 8
Patienten an Infl uenza. Aus Seniorenheimen
wie auch Kur- bzw. Reha-Einrichtungen wur-
den keine Erkrankungshäufungen gemeldet.
Die Entwicklung der ARE-Morbidität korre-
lierte mit den Nachweisraten der Infl uenzavi-
ren, die ab der 7. KW 2012 zwischen 24,1 und
57,9 % betrugen. Im Vergleich zu vorherigen
Infl uenzasaisons erreichte die durchschnittli-
che Positivrate mit 23,2 % ein eher niedriges
Niveau (siehe auch Tabelle 3). Die Mehrzahl
der Infl uenza-Fälle (bezogen auf den Tag der
Materialentnahme) wurde in den Wochen der
höchsten ARE-Inzidenz diagnostiziert, wobei
sich die diesjährige Infl uenzaepidemie ver-
glichen mit der Vorsaison deutlich später als
in den Jahren zuvor ausbildete. Auffällig war
auch der eher protrahierte Verlauf der dies-
jährigen ausgesprochen moderaten Infl uen-
zawelle, die keinen ausgesprochenen „Gipfel“
aufwies. Eine Infl uenza A(H3N2)-Welle, die
Abb. 1: Probeneinsendungen und Infl uenzavirus-Nachweise (mittels PCR) nach Kalenderwochen (Tag der Probe-
nahme), Sächsisches ARE-/Infl uenza-Sentinel, 40. KW 2011 - 17. KW 2012
Tab. 1: Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR) und Positivraten
KW
Probeneinsendungen
Nachweise
Positivrate (in %)
40-52
109
0
0
1 3 00
2
17
1
5,9
3 11 0 0
4100
5
11
1
9,1
6
8
1
12,5
7
13
5
38,5
8
29
7
24,1
9
24
7
29,2
10
28
12
42,9
11
46
12
26,1
12
28
11
39,3
13
38
12
31,6
14 11 4 36,4
15
12
4
33,3
16
28
13
46,4
17
19
11
57,9
Summe
436
101
23,2
Tab. 2: Altersaufgliederung der Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR)
Altersgruppen
Sachsen
0
-
< 1
2
=
2,0 %
1
-
< 7
35
=
34,7 %
7
-
< 17
26
=
25,7 %
17
-
< 60
26
=
25,7 %
> 60
12
=
11,9 %
Gesamt
101
0
20
40
60
80
100
120
40.-52.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
Anzahl
2011
Kalenderwoche
2012
Probeneinsendungen
darunter Nachweise

6 │
von der 7. bis zur 17. KW 2012 andauerte,
ging ab der 10. KW 2012 zusätzlich in eine
Infl uenza B-Welle über (siehe auch Tabellen 1
und 3 sowie Abbildungen 3 und 4).
In Sachsen wurden in der Saison 2011/2012
innerhalb des ÖGD-Sentinels insgesamt 76
Infl uenza A- sowie 25 Infl uenza B-Infektio-
nen nachgewiesen. Bei 74 der Infl uenza A-Vi-
ren gelang mittels PCR die Subtypisierung, 69
dieser Infl uenzaviren ließen sich dadurch dem
Abb. 2: Infl uenzavirus-Nachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen Sächsisches ARE-/Infl uenza-Sentinel
2011/2012
Abb. 3: ARE und Infl uenza in Beziehung zum Normalgang 27. KW 2011 – 26. KW 2012, Stadt Chemnitz
ten nachgewiesen.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Er-
gebnissen sind im Abschnitt 2 – Infl uenza-
Sentinel/mikrobiologischer Teil aufgeführt.
Mit insgesamt 436 Einsendungen (davon 101
mit positivem Ergebnis) während des Senti-
nelzeitraumes (40. KW 2011 – 17. KW 2012)
wurden in unseren Laboratorien verglichen
mit den Vorjahren deutlich weniger Proben
untersucht. Auch die Positivrate, das heißt
der Prozentsatz, der den Anteil der Senti-
nelproben darstellt, in denen Infl uenzaviren
nachgewiesen wurden, lag mit 23,2 % deut-
lich unter den Werten der vergangenen Jah-
re. Tabelle 3 liefert einen Überblick über die
Sentinel-Erhebungen seit 1999 hinsichtlich
Anzahl der Probeneinsendungen bzw. Nach-
weise, der Positivraten sowie der Infl uenzavi-
rus-Typen und -Subtypen.
Subtyp A(H3N2) und 5 dem Subtyp A(H1N1)
pdm09 zuordnen.
Nach der Saison 2010/2011, in der neben In-
fl uenza A(H1N1)2009 auch Infl uenza B- und
nur sehr vereinzelt Infl uenza A(H3N2)-Viren
zirkulierten, dominierte 2011/2012 im säch-
sischen Sentinel (wie auch deutschland- und
europaweit) Infl uenza A(H3N2), gefolgt von
Infl uenza B. Infl uenza A(H1N1)pdm09, der
Subtyp, der im Jahr 2009 ausschließlich auf-
getreten war, wurde hingegen nur noch sel-
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
4
0
50
100
150
200
250
300
350
400
27.
29.
31.
33.
35.
37.
39.
41.
43.
45.
47.
49.
51.
1.
3.
5.
7.
9.
11.
13.
15.
17.
19.
21.
23.
25.
Influenzavirusnachweise
Erkrankungen pro
100.000 Einwohner
2011
Kalenderwoche
2012
Influenzavirusnachweise
Inzidenz 2011/2012
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
Inzidenz 2010/2011
0
5
10
15
20
25
30
35
40
0 < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
in %

image
│7
Abb. 4: Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2011/2012
Abb. 5: Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2011/2012
Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung
Tab. 3: In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirus-Nachweise, Saison 1999/2000 bis 2011/2012
Saison
Anzahl
Probeneinsen-
dungen
Anzahl
Nachweise
(Anzucht und/
oder PCR)
Positivrate
(%)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. B
2011/2012
436
101
23,2
76
5
-
69
25
2010/2011
1.267
524
41,4
310
1)
309
1)
-
1
214
1)
2009/2010
2.364
920
38,9
920
917
-
-
-
2008/2009
2.296
826
36,0
679
2)3)
8
-
369
2)
149
2)
2007/2008
1.629
449
27,6
190
188
-
2
259
2006/2007
2.088
733
35,1
732
4)5)
16
4)
-
290
4)
1
2005/2006
1.183
181
15,3
48
6)
11
-
36
133
2004/2005
4.310
1.922
44,6
1.192
7)8)
110
7)
-
194
7)
748
7)
2003/2004
1.628
482
29,6
482
-
-
482
-
2002/2003
3.588
1.195
33,3
1.088
9)
1
1
1.086
110
9)
2001/2002
1.239
411
33,2
174
10)
-
3
171
241
10)
2000/2001
1.379
401
29,1
397
396
-
1
4
1999/2000
1.854
411
22,2
411
-
-
411
-
1) davon 3 Doppelinfektionen A(H1N1)2009 und B
2) davon 2 Doppelinfektionen Influenza A(H3N2) und B
3) davon 292 x nicht typisiert und 10 nicht typisierbar
4) davon 1 Doppelinfektion A(H1N1) und A(H3N2)
5) davon 427 x nicht typisiert
6) davon 1 x nicht typisierbar
7) davon 18 Doppelinfektionen: 4 x Influenza A (H1N1) und B, 3 x Influenza A (H3N2) und B sowie 11 x Influenza A (nicht typisiert) und B
8) davon 888 x nicht typisiert
9) davon 3 Doppelinfektionen Influenza A und B
10) davon 4 Doppelinfektionen Influenza A und B
ARE - Aktivität - Mittelwert pro Praxis/Einrichtung
keine Meldung
1 bis unter 20
20 bis unter 40
40 bis unter 50
60 und mehr
0
5
10
15
20
25
30
35
40
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
9.000
40.
42.
44.
46.
48.
50.
52.
2.
4.
6.
8.
10.
12.
14.
16.
Mittelwert
Erkrankungen
gesamt
2011
Kalenderwoche
2012
Erkrankungen
gesamt
Mittelwert
pro meldende
Praxis/ Einrichtung

 
8 │
1.2 Sächsische Meldedaten nach dem
Infektionsschutzgesetz (IfSG)
Zusätzlich zu den in den Laboratorien der LUA
Sachsen und im Rahmen des ARE-/Infl uenza-
Sentinels identifi zierten Infl uenzaviren wur-
den im Verlauf der Saison natürlich auch in
anderen entsprechenden Einrichtungen Infl u-
enzaerkrankungen labordiagnostisch nachge-
wiesen, gemäß IfSG an die zuständigen Ge-
sundheitsämter gemeldet und von diesen an
die LUA übermittelt.
Insgesamt wurden ab der 40. KW 2011 bis
einschließlich der 17. KW 2012 im Freistaat
nur 520 Infl uenzaerkrankungen meldetech-
nisch erfasst. In der Vorsaison (2010/2011)
wurde mit 3.534 Meldungen annähernd die
7fache Fallzahl erreicht (siehe Abbildung 6).
Die Klein- und Grundschulkinder (1 – 9 Jahre)
stellten mit insgesamt 53 % die am meisten
betroffene Altersgruppe, gefolgt von den
Jugendlichen (10 – 19 Jahre) und jungen
Erwachsenen (20- bis 44-Jahre) mit jeweils
14 %. 11 % der gemeldeten Fälle konnten
Personen im Alter zwischen 45 und 64 Jah-
ren zugeordnet werden. 3 % der Erkrankun-
gen traten bei Säuglingen (< 1 Jahr) auf und
nur 5 % aller Erkrankungen wurden bei über
65-Jährigen registriert (siehe Abbildung 8).
Insgesamt 104 der gemeldeten Erkrankten
(20 %) mussten im Krankenhaus behandelt
werden (siehe Abbildungen 7 und 8). Der An-
teil der hospitalisierten Patienten hatte in der
Vorsaison 14 % betragen. In den Altersgrup-
pen der Säuglinge (< 1 Jahr) und Senioren
(>= 60 Jahre) wurden mit 64 % bzw. 54 %
anteilig die meisten Krankenhauseinweisun-
gen notwendig, während durchschnittlich
17 % der Kinder und Jugendlichen, 21 % der
zwischen 45 und 64 Jahre alten Erwachsenen
und nur 14 % der jungen Erwachsenen (20
– 44 Jahre) stationär aufgenommen wurden.
1.3 Infl uenzasaison 2011/2012 innerhalb
Europas
Auch im europäischen Ausland wurden im
4. Quartal 2011 zunächst nur vereinzelt
auftretende Infl uenza-Fälle registriert. Ins-
gesamt war in den gemäßigten Zonen der
Nordhalbkugel keine bzw. allenfalls geringe
Infl uenza-Aktivität zu verzeichnen.
Zu den ersten Ländern, die sporadische In-
fl uenza-Fälle meldeten, gehörten Finnland,
Norwegen, Schweden, Frankreich und die
Tschechische Republik (ab 44. KW 2011). Zum
Jahreswechsel berichteten dann Spanien,
Italien und die Türkei über Positivraten von
über 40 %. Sowohl syndromische als auch
die virologischen Indikatoren kündigten hier
den Beginn der jährlichen Grippewelle an.
In ganz Europa wurde jedoch weiterhin nur
Abb. 6: Infl uenza 2011/2012 in Sachsen, gemeldete Infl uenzanachweise
Abb. 7: Infl uenza 2011/2012 in Sachsen, Anteil der Hospitalisierten (Meldedaten nach IfSG)
Abb. 8: Infl uenza 2011/2012 in Sachsen, Altersverteilung (Meldedaten nach IfSG)
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
40
42
44
46
48
50
52
2
4
6
8
10
12
14
16
Anzahl
Meldewochen
Influenza-
Erkrankungen
Anteil der
Hospitalisierten
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
40 42 44 46 48 50 52 2 4 6 8 10 12 14 16
Anzahl
Meldewochen
Influenza, nicht typisiert
Influenza B
Influenza A
0
10
20
30
40
50
60
70
0
20
40
60
80
100
120
140
160
< 1
1 - 4
5 - 9
10 - 14 15 - 19 20 - 24 25 - 44 45 - 64
65 <
Hospitalisierungrsate (%)
Fallzahl
Alter

 
│9
geringe Infl uenza-Aktivität beobachtet. Die
interpolierte Verteilung der im Rahmen von
europäischen Sentinelsystemen nachgewie-
senen Infl uenzaviren bis einschließlich der
52. KW 2011 ergab 90 % Infl uenza A(H3N2),
2 % Infl uenza A(H1N1)pdm09 sowie 8 % In-
fl uenza B. Charakterisierungen zeigten, dass
ein großer Anteil (> 50 %) der untersuchten
Infl uenza B-Viren der Yamagata-Linie ange-
hörte, während die aktuelle Impfstoffkompo-
nente für Infl uenza B aus der Victoria-Linie
stammte.
Malta war das erste europäische Land, das
zu Jahresbeginn 2012 (1. KW) mittlere In-
fl uenza-Aktivität registrierte. In der 2. KW
2012 schlossen sich Spanien und Italien an,
außerdem meldeten 10 von 27 europäischen
Ländern einen ansteigenden Trend der Aktivi-
tät akuter respiratorischer Erkrankungen. Ne-
ben Spanien und Italien übermittelten ab der
3. KW auch Island und Bulgarien, ab der 5. KW
zusätzlich Belgien, Frankreich, Griechenland,
Portugal, Rumänien und die Slowakische Re-
publik eine mittlere Infl uenza-Aktivität. Zu
den gesamteuropäischen Positivraten trugen
zu diesem Zeitpunkt vor allem Spanien, Ita-
lien und Frankreich bei, wo geografi sch weit
verbreitete Infl uenza-Aktivität zu verzeichnen
war, während alle anderen Länder maximal
über regionale Aktivitätserhöhungen berich-
teten.
In der 7. KW 2012 informierten Österreich
und Griechenland erstmals über hohe Infl u-
enza-Aktivität. Unter den Typen und Subty-
pen dominierte weiterhin Infl uenza A(H3N2)
mit 94 % (Infl uenza A(H1N1)pdm09: 1 %,
Infl uenza B: 5 %).
Während noch 13 von 27 europäischen Län-
dern in der 8. KW 2012 einen steigenden
Trend beobachteten, meldeten Bulgarien und
Italien zum dritten Mal in Folge fallende Wer-
te und waren damit die ersten Länder, die den
Höhepunkt der Infl uenzawelle überschritten
hatten. In den folgenden zwei Wochen wur-
de nur noch in Schweden, Griechenland und
Portugal hohe Infl uenza-Aktivität registriert
und bereits 10 (in der 11. KW dann 15) Länder
sahen einen fallenden Trend. Steigende Wer-
te wurden nur noch aus Teilen Osteuropas
(Litauen, Lettland, Polen, Rumänien und der
Slowakei) übermittelt. Ab der 14. KW 2012
berichtete kein europäisches Land mehr über
steigende Werte, während nun 20 Länder ei-
nen sinkenden Trend meldeten.
Die ausgesprochen moderate Infl uenzawel-
le der Saison 2011/2012 breitete sich (wie
schon oft zuvor) vom Westen bzw. Nordwes-
ten und Süden Europas nach Osten aus. Infl u-
enza A(H3N2) stellte kontinuierlich den vor-
herrschenden Virustyp, wobei die Nachweise
von Infl uenza B während der letzten Wochen
der Saison zunahmen. Der Anteil von Infl uen-
za B-Nachweisen stieg auf 35 % in der 14. KW
und bis 65 % in der 17. KW 2012.
1.4 Infl uenzavirus-Nachweise bei Geimpf-
ten (Sächsisches ARE-/Infl uenza-
Sentinel)
Zu 316 der insgesamt untersuchten 436 Ein-
sendungen (72,5 %) liegen uns Angaben zum
Impfstatus vor. Somit wurde bei 120 (27,5 %)
der Untersuchten anlässlich der Probeentnah-
me leider kein Impfstatus erhoben. In der vo-
rangehenden Saison 2010/2011 erfolgte bei
17,6 %, in der Saison 2009/2010 bei 15,1 %
und in der Saison 2008/2009 bei 11,4 % der
Probeneinsendungen keine Infl uenza-Impf-
anamnese oder zumindest keine Eintragung
derselben auf dem Probenbegleitschein. Dem-
zufolge entfernen wir uns bedauerlicherwei-
se jährlich weiter (aktuelle Saison gegenüber
Vorsaison um 10 %!) von dem Ziel einer lü-
ckenlosen Erfassung der Impfanamnese, als
dass wir ihm näher kommen. Laut Impfana-
mnese aktuell gegen Infl uenza geimpft wa-
ren insgesamt 45 (10,3 %) der Patienten, von
denen Proben bei uns eingegangen waren,
271 Probanden (62,2 %) waren anamnestisch
gegen Infl uenza ungeimpft.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkran-
kung und Impfung wird die Anzahl von 316
Probanden bzw. von 83 Positiv-Nachweisen
mit erhobenem aktuellen Impfstatus Infl u-
enza betreffend (geimpft oder ungeimpft)
zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Grippeimpfung erkrankten
15 Probanden unseres Sentinels an Infl u-
enza. Darunter wurde im Labor in 12 Fällen
Infl uenza A und in 3 Fällen Infl uenza B dia-
gnostiziert.
Der Anteil geimpfter Perso-
nen an allen mit Infl uenzavirus-Nachweis
(= Infl uenza-Positive) betrug insgesamt
18,1 %
(Anteil Ungeimpfter: 81,9 %) und
war damit relativ hoch. Zum Vergleich: In
der Saison 2010/2011 erkrankten nur 6,4 %
Geimpfte, 2009/2010 (pandemische Welle)
sogar nur 1 %, 2008/2009 11,4 %, 2007/2008
7 %, 2006/2007 13 % und 2005/2006 14,6 %
Geimpfte (Abbildung 9).
Betrachtet man die 15 Probanden, die trotz
Impfung an Infl uenza erkrankten, so stellt
man fest, dass 2 dieser Patienten im „unge-
schützten“ Zeitfenster erkrankten, innerhalb
von 14 Tagen nach Impfung, also höchst-
wahrscheinlich noch gar kein vollständiger
Impfschutz aufgebaut werden konnte. Bei
einem weiteren Patienten wurde der Impf-
termin nicht auf dem Probenbegleitschein
erfasst.
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften
in der Gesamtgruppe der Infl uenza-Positiven
lag insgesamt bei 1 : 4,6; d. h.
unter den Er-
krankten waren fast 5-mal so viele Unge-
impfte wie Geimpfte.
Während für Geimpfte
eine auf die Anzahl der Probeneinsendungen
(mit Impfstatus) bezogene
Erkrankungsra-
te
von 4,7 % (Relation 15 positive Geimpf-
te / 316 Proben mit bekanntem Impfstatus)
ermittelt werden konnte, betrug diese bei
Ungeimpften insgesamt 21,5 % (Relation 68
positive Ungeimpfte / 316 Proben mit be-
kanntem Impfstatus).
Die „Ungeimpftenrate“ (also die Erkrankungs-
rate der Ungeimpften mit Infl uenzavirus-
Nachweis abzüglich der Erkrankungsrate der
Geimpften mit Infl uenzavirus-Nachweis di-
vidiert durch die Erkrankungsrate der Unge-
impften mit Infl uenzavirus-Nachweis) lag in
dieser Saison bei 78 %.
Diese
Ungeimpftenrate von 78 %
, die die
Verringerung der Erkrankungsrate bei den
Geimpften gegenüber den Ungeimpften
Abb. 9: Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Infl uenzavirus-Nachweis
(Saison 2006/2007 bis 2011/2012, Sächsisches ARE-/Infl uenza-Sentinel
13
7
11
1
6
18
87
93
89
99
94
82
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
Ungeimpfte
Geimpfte

10 │
darstellt, demonstriert auch in dieser Saison
(wenn auch nicht auf so eindrucksvolle Weise
wie in den vorherigen Jahren) die Schutzwir-
kung der saisonalen Grippeimpfung. Zum
Vergleich: in der Saison 2008/2009 errech-
nete sich eine Ungeimpftenrate von 87 %,
2007/2008 von 92 % und 2010/2011 von
93 %. In der Ausnahme-Infl uenzasaison
2009/2010 betrug die Ungeimpftenrate sogar
99 %.
Bei kontinuierlicher Fortführung der Senti-
nelsysteme in Sachsen sind zukünftig noch
fundiertere Aussagen möglich sowie Entwick-
lungen über Jahre (z. B. zum Ausmaß von Epi-
demien, zum zeitlichen Ablauf, zur regionalen
Ausbreitung, zu den jeweiligen besonders be-
troffenen Altersgruppen etc.) beurteilbar.
Auf Grund der im Jahr 2008 vollzogenen
Kreisgebietsreform im Freistaat Sachsen kann
anhand der vorhandenen Daten ein 5-Jahres-
Vergleich nur anhand eines nicht „umstruktu-
rierten“ Kreises erfolgen.
Dies soll nachfolgend beispielhaft für die
letzten 5 Jahre am Stadtkreis Chemnitz (sie-
he Abbildung 10) dargestellt werden (epid.
Schwelle = epidemische Schwelle).
Bearbeiter: Dr. med. Dietmar Beier
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Irina Briem
Annett Friedrich
Abb. 10:
ARE-Normalgang und Verlauf 2007 – 2012, Stadtkreis Chemnitz (gesamt)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
27.
32.
37.
42.
47.
52/53.
5.
10.
15.
20.
25.
30.
35.
40.
45.
50.
3.
8.
13.
18.
23.
28.
33.
38.
43.
48.
1.
6.
11.
16.
21.
26.
31.
36.
41.
46.
51.
4.
9.
14.
19.
24.
29.
34.
39.
44.
49.
2.
7.
12.
17.
22.
Erkrankungen pro 100 000
Einwohner
2007
2008
2009
Kalenderwochen/Jahre 2010
2011
2012
Normalgang
epid. Schwelle
Inzidenz
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12

 
│11
2.1 Diagnostisches Procedere während
des Sentinel-Zeitraumes
Das diagnostische Procedere entsprach dem
des vorangegangenen Infl uenza-Sentinels
2010/2011 und war darauf ausgerichtet, rou-
tinemäßig mit einer spezifi schen PCR (Poly-
merase-Ketten-Reaktion) Infl uenza A(H1N1)
pdm09-Virus sowie mit zwei weiteren PCRs
die anderen Subtypen des Infl uenza A- sowie
das Infl uenza B-Virus in Abstrichmaterialien
(Nasen-/Rachenabstrich oder Rachenab-
strich) nachzuweisen.
Wie in jedem Jahr folgte beim positiven Aus-
fall einer PCR der Versuch eines kulturellen
Virusnachweises mittels MDCK- (Madin Dar-
by Canine Kidney-) Zellen. Die isolierten Vi-
russtämme wurden mittels monospezifi scher
Antiseren subtypisiert und dabei mit den
jeweiligen Referenzvirusstämmen der Impf-
stoffkomponenten verglichen.
In Vorbereitung des Sentinels erfolgte mit
dem NRZ Infl uenza am RKI Berlin eine Ab-
sprache über den Umfang der zur intraty-
pischen Differenzierung weiterzuleitenden
Virusstämme.
2.2 Ergebnisse des Sentinels vom Oktober
2011 bis April 2012
Das Infl uenza-Sentinel 2011/2012 war ge-
kennzeichnet durch eine relativ moderate
Zirkulation von Infl uenzaviren, was sich in
den Einsendezahlen und Virusnachweisen
deutlich niederschlug.
Im Zeitraum des Sentinels von Oktober 2011
bis April 2012 gingen insgesamt 436 Ab-
strichmaterialien (Nasen-/Rachen- oder Ra-
chenabstriche) zur Untersuchung ein. Die
Verteilung der Probenzahlen auf die einsen-
denden Einrichtungen (Sentinel-Arztpraxen,
Krankenhäuser, Gesundheitsämter) ist in Ta-
belle 1, die Verteilung nach territorialen Ge-
sichtspunkten in Tabelle 2 dargestellt.
In 101 (23,2 %) der 436 Abstrichmaterialien
konnte molekularbiologisch Infl uenzavirus
nachgewiesen werden. In Abbildung 1 sind
die Relationen Probenzahl/positive PCR-Er-
gebnisse je Kalenderwoche dargestellt.
2 Auswertung des Infl uenza-Sentinels, mikrobio-
logischer Teil, 2011/2012 im Freistaat Sachsen
Tab. 1: Probeneinsender, Probenzahl, positive Proben und Positivrate nach PCR-Diagnostik
Einsender
Anzahl der Proben
Anzahl der
PCR-positiven Proben
Positivrate [%]
Sentinel-Arztpraxen
173
58
33,5
Krankenhäuser
223
29
13,0
Gesundheitsämter/
Institute
40
14
35,0
Gesamt
436
101
23,2
Tab. 2: Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven Influenzavirus-
Genomnachweise nach territorialen Gesichtspunkten
Kreis
Anzahl der Einsender
Anzahl der
Einsendungen
Anzahl positiver
Influenzavirus-Genom-
nachweise
Direktionsbezirk Chemnitz
(5 Kreise)
Chemnitz/Stadt 14 60 10
Erzgebirgskreis
8
74
8
Mittelsachsen
8
36
19
Vogtlandkreis
1
6
0
Zwickau
5
6
1
Gesamt
36
182
38
Direktionsbezirk Dresden
(5 Kreise)
Bautzen
2
5
1
Dresden/Stadt
3
8
0
Görlitz
3
17
0
Meißen
9
39
13
Sächsische Schweiz/
Osterzgebirge
4 39 22
Gesamt
21
108
36
Direktionsbezirk Leipzig
(3 Kreise)
Leipzig/Stadt
4
20
9
Leipzig
5
115
15
Nordsachsen
3
11
3
Gesamt
12
146
27
Gesamtsumme
69
436
101

12 │
Abb. 1: Relation von Probenanzahl zur Anzahl PCR-positver Proben, aufgeschlüsselt nach Kalenderwochen während des Infl uenza-Sentinels
Abb. 2: Positive Genomnachweise von Infl uenzavirus A und B pro Kalenderwoche
40.- 52.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
Influenza A
0 0 0 0 0 1 1 3 7 7 10 97713 11 9
Influenza B
0 0 1 0 0 0 0 2 0 0 2 3 4 5 3 1 2 2
0
5
10
15
Influenza A
Influenza B
KW
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17
Probenzahl
Kalenderwoche
Proben
PCR-Positive
Anzahl eingesandte Proben: 436
Anzahl PCR-Positive:
101

│13
Ab der 8. KW 2012 nahmen die Einsendun-
gen deutlich zu und hielten bis zum Ende des
Sentinel-Zeitraumes an. Die höchste Einsen-
dezahl wurde in der 11. KW 2012 erreicht,
die meisten Nachweise gelangen in der 10.
bis 13. KW 2012 sowie in den letzten bei-
den Sentinel-Wochen (16. und 17. KW 2012).
Auch nach dem Ende des Sentinel-Zeitraumes
gelangen noch Virusnachweise (PCR und An-
zucht).
Der erste Nachweis eines Infl uenzavirus er-
folgte mittels PCR und Virusanzucht in der
2. KW 2012 und ergab Infl uenza B-Virus
(Victoria-Linie). Im gesamten Zeitraum der
nachgewiesenen Infl uenzavirus-Zirkulation
überwog Infl uenza A(H3N2)-Virus. Eine be-
sonders deutliche Zunahme von Infl uenza
B-Virus zum Ende des Sentinel-Zeitraumes,
wie sie in den vorangegangenen Jahren be-
obachtet worden war, zeichnete sich dieses
Mal nicht ab. Das in den beiden vorausge-
gangenen Jahren vorherrschende Infl uenza
A(H1N1)pdm09-Virus spielte in den einge-
sandten Proben mit 5 Nachweisen nur eine
untergeordnete Rolle.
In Abbildung 2 ist die Verteilung der positiven
Genomnachweise der Virustypen Infl uenza A
und B auf die einzelnen Kalenderwochen dar-
gestellt.
Bei 32 von 100 (32,0 %) der 101 PCR-posi-
tiven Proben gelang eine Virusanzucht. Eine
Probe konnte wegen der Verwendung eines
für die kulturelle Diagnostik ungeeigneten
Abstrichmaterials nicht untersucht werden.
Alle 32 Virusisolate (14x Infl uenza A-, 18x In-
fl uenza B-Virus) konnten mittels monospezi-
fi scher Antiseren feintypisiert werden.
Die 12 Isolate von Infl uenza A(H3N2)-Vi-
rus reagierten bei der Feintypisierung gut
mit dem Immunserum gegen Infl uenza A/
Perth/16/2009, der aktuellen Impfstoffkom-
ponente. Die weiterführende Diagnostik am
Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Infl u-
enza am Robert Koch-Institut in Berlin ergab
bei zwei dieser Isolate eine Zugehörigkeit zur
Gruppe Infl uenza A/Stockholm/18/2011-like
Viren, die aber gleichfalls noch gut mit dem
Immunserum A/Perth/16/2009 reagieren. Das
deutliche Überwiegen von Vertretern dieser
Gruppe, wie es bei den Einsendungen des
NRZ festgestellt wurde, ist bei den an der LUA
untersuchten und weitergeleiteten Isolaten
nicht nachweisbar.
Von den 18 kulturell nachgewiesenen und
subtypisierbaren Infl uenza B-Virusisolaten
gehörten 8 (44,4 %) zur Victoria-Linie (Va-
riante B/Brisbane/60/08-like) und entspra-
chen damit der Impfstoffkomponente sowie
10 (55,6 %) zur Yamagata-Linie (Variante B/
Bangladesh/3333/07-like). Eine deutliche Do-
minanz der Vertreter der Infl uenz B/Victoria-
Linie, wie sie im NRZ beobachtet wurde, ist
nicht zu erkennen, wobei die relativ niedrige
Zusammenfassung der Ergebnisse:
Anzahl
Anteil an allen
Nachweisen
Anzahl eingesandter Proben innerhalb des Sentinel-Zeitraumes:
436
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der PCR:
(s. Abb. 1)
101
23,2 %
Anzahl der positiven PCR-Ergebnisse je Typ/Subtyp:
(s. Abb. 2)
101
davon:
Influenza A:
76
75,2 %
Anteil Nachweise an
Influenza A
Influenza A(H1N1)pdm09
5
4,9 %
6,6 %
Influenza A(H3N2)
69
68,3 %
90,8 %
Influenza A nicht typisierbar (nicht A(H1N1)pdm09)
2
2,6 %
2,6 %
Influenza B
25
24,8 %
Anzahl der Virus-Anzuchtversuche:
100
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der Virusanzucht:
32
32,0 %
davon:
Influenza A-Virus:
14
43,8 %
Anteil Nachweise an
Influenza A
Influenza A(H1N1)pdm09
2
6,3 %
14,3 %
Influenza A(H3N2)
12
37,5 %
85,7 %
davon:
Influenza B-Virus:
18
56,2 %
Anteil Nachweise an
Influenza B
Viktoria-Linie
8
25,0 %
44,4 %
Yamagata-Linie
10
31,2 %
55,6 %
Nachweisrate zu berücksichtigen ist.
Bei zwei molekularbiologischen Nachweisen
von Infl uenza A-Virus konnte nur Infl uenza
A(H1N1)pdm09 ausgeschlossen werden, eine
weitere Subtypisierung (mittels PCR bzw. kul-
turellem Nachweis) gelang nicht.
Aus den Ergebnissen der PCR sowie denen
der Typisierung/Subtypisierung nach Virusan-
zucht ergibt sich eine sehr gute Übereinstim-
mung zwischen zirkulierenden Virustypen
und den Impfstoffkomponenten bei Infl u-
enza A(H3N2)-Virus und Infl uenza B-Virus
der Victoria-Linie. Infl uenza A(H1N1)pdm09
spielte in unserem Untersuchungsmaterial
eine untergeordnete Rolle und andere Sub-
typen von Infl uenza A-Virus wurden nicht
nachgewiesen.
In den Abbildungen 3 und 4 sind die Vertei-
lungen der Infl uenzavirus-Typen/-Subtypen
an der Gesamtzahl der Infl uenzavirus-Nach-
weise pro Jahrgang (Abbildung 3) bzw. pro
Virustyp (Abbildung 4) ab Sentinel-Zeitraum
2003/2004 bis 2011/2012 dargestellt.
Bearbeiter: Dr. med. Ingrid Ehrhard
Dipl.-Biol. Gertraude Helbig

14 │
Abb. 3: Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Infl uenzavirus-Nachweise in %, beginnend mit der Saison 2003/2004 pro Jahrgang
Abb. 4: Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Infl uenzavirus-Nachweise in %, beginnend mit der Saison 2003/2004 pro Virustyp
22,2
6,1
5,2
41,9
1,7
99,7
59,0
4,9
100,0
39,2
20,4
94,7
0,4
80,3
0,2
68,3
38,6
73,5
0,1
57,7
18,0
40,8
24,8
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
Prozent
Jahre
A (H1N1)
A (H3N2)
B
A (H1N1)pdm09
* 0,3% Influenza A nicht typisierbar / **2,0% Influenza A nicht typisierbar
*
**
0,0
22,2
6,1
5,2
41,9
1,7
99,7
59,0
4,9
100,0
39,2
20,4
94,7
0,4
80,3
0,0
0,2
68,3
0,0
38,6
73,5
0,1
57,7
18,0
0,0
40,8
24,8
0
20
40
60
80
100
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
Prozent
Jahre
A(H1N1)pdm09
B
A (H3N2)
A (H1N1)

 
│15
Unter Einbeziehung der weltweiten Surveil-
lance aus der Infl uenzasaison 2011/2012
wurde von der WHO für die Nordhalbkugel im
kommenden Winter (Saison 2012/2013) die
folgende Impfstoffzusammensetzung emp-
fohlen:
A/California/7/2009 (H1N1)pdm09-like
virus
A/Victoria/361/2011 (H3N2)-like virus
B/Wisconsin/1/2010-like virus
Die Zusammensetzung des Infl uenza-Impf-
stoffes für die nächste Saison unterscheidet
sich somit sowohl von der unseres Impf-
stoffes in der Saison 2011/2012 als auch
von dem der Südhalbkugel im Jahr 2012 in
der A(H3N2)- und der B-Komponente. Letz-
tere gehört nun wieder der Yamagata-Linie
an, während in den letzten 3 Saisons die
Victoria-Linie im Impfstoff vertreten war. Seit
2001/2002 ist eine Kozirkulation der beiden
Infl uenza B-Linien zu beobachten. In Konse-
quenz dieser Situation sind zurzeit quadri-
valente Infl uenza-Impfstoffe in Entwicklung
oder klinischer Prüfung, die neben Antige-
nen der beiden Infl uenza A-Virus-Subtypen
(H3N2 und H1N1) auch Antigene von Infl u-
enza B-Virusstämmen beider Linien (Victoria
und Yamagata) enthalten. Hierdurch kann
eine bessere Wirksamkeit der Impfung bezüg-
lich Infl uenza B erzielt werden.
Unverändert blieb die A(H1N1)-Komponente.
Dieses Virus der Pandemie 2009/2010 hat
sich gegenwärtig als A(H1N1)-Stamm durch-
gesetzt.
Bearbeiter: Dr. med. Dietmar Beier
3 Infl uenza-Impfstoff für die Saison 2012/2013
Schließlich sei auch in diesem Jahr allen an
den verschiedenen Sentinelsystemen betei-
ligten Arztpraxen, Gesundheitsämtern, Kran-
kenhäusern und sonstigen Einrichtungen für
die engagierte Mitarbeit, ohne die eine aus-
sagefähige epidemiologische Analyse nicht
möglich wäre, herzlich gedankt. Im Sinne der
Qualität unseres Sentinels möchten wir Sie
für die nächste Saison um eine lückenlose
Datenerhebung, also das unbedingt notwen-
dige komplette Ausfüllen der Probenbegleit-
scheine, bitten. Bitte bedenken Sie, dass es
sich beim Sentinel nicht um Routinediagnos-
tik, sondern um ein Surveillance-Programm
des Öffentlichen Gesundheitsdienstes des
Freistaates Sachsen handelt. Äußerst wichtig
für die Bewertung der Wirksamkeit der Infl u-
enza-Impfung ist insbesondere die lückenlose
Erfassung der Impfanamnese! Sie können da-
mit wesentlich zur wissenschaftlichen Aussa-
gekraft unseres Sentinels beitragen.
Wir freuen uns auf eine weiterhin effektive
Zusammenarbeit in der kommenden Saison
2012/2013.
Bearbeiter: Alle am Infl uenza-Sentinel
beteiligten LUA-Mitarbeiter

16 │

0
50
100
150
200
250
300
350
400
27.
29.
31.
33.
35.
37.
39.
41.
43.
45.
47.
49.
51.
1.
3.
5.
Erkrankungen pro 100.000
Einwohner
2011
Kalenderwoche
Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen
Jägerstr. 8/10, 01009 Dresden
Redaktion:
Dr. med. Dietmar Beier, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0351/8144-3100
Redaktionskollegium:
Dr. med. Dietmar Beier, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0351/8144-3100
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Gestaltung und Satz:
FG 4.2, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Zschopauer Str. 87, 09111 Chemnitz,
Tel.: 0351/8144-3206, Fax: 0351/8144-3920
Druck:
ALINEA Digitaldruck GmbH, Königsbrücker Str. 96, 01099 Dresden, Tel.: 0351/646400
Redaktionsschluss:
30. Juni 2012
Bezug:
Dieses offi zielles Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen des Freistaates Sachsen wird über Verteilerliste versandt und kann
kostenfrei im Internet abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
Titelbild:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) und Infl uenzavirusnachweise (innerhalb des
Sentinelzeitraumes: 40. KW 2011 -17. KW 2012) in Beziehung zum Normalgang 27. KW
2011 - 26. KW 2012, Stadt Chemnitz