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Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Februar 2009
Abt. Natur, Landschaft, Boden
Arbeitsmaterialien zur Erstellung von FFH-Managementplänen
Kartier- und Bewertungsschlüssel für Offenland-Lebensraumtypen
des Anhangs I der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie)
Teil I (Grünland, Heiden & Felsen)
Inhaltsverzeichnis
2310 Binnendünen mit Sandheiden........................................................................................2
2330 Binnendünen mit offenen Grasflächen...........................................................................5
4010 Feuchte Heiden..............................................................................................................8
4030 Trockene Heiden..........................................................................................................11
5130 Wacholder-Heiden .......................................................................................................14
6110* Basophile Pionierrasen................................................................................................17
6130 Schwermetallrasen.......................................................................................................20
6210 Kalk-Trockenrasen.......................................................................................................23
6230* Artenreiche Borstgrasrasen.........................................................................................28
6240* Steppen-Trockenrasen................................................................................................31
6410 Pfeifengraswiesen........................................................................................................35
6430 Feuchte Hochstaudenfluren.........................................................................................38
6440 Brenndolden-Auenwiesen............................................................................................42
6510 Flachland-Mähwiesen..................................................................................................45
6520 Berg-Mähwiesen..........................................................................................................48
8150 Silikatschutthalden .......................................................................................................52
8160* Kalkhaltige Schutthalden.............................................................................................55
8210 Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation...........................................................................58
8220 Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation........................................................................61
8230 Silikatfelskuppen mit Pioniervegetation........................................................................64
8310 Höhlen..........................................................................................................................67

2310
Binnendünen mit Sandheiden Seite 2
2310 Binnendünen mit Sandheiden
Dünen im Binnenland (alt und entkalkt) mit trockenen Sandheiden mit
Calluna
und
Genista
Dry sand heaths with
Calluna
and
Genista
Zuordnung zum LRT
Definition:
Von Zwergsträuchern (v. a.
Calluna vulgaris, Genista pilosa
) dominierte, trockene Heiden auf entkalkten
oder kalkarmen Binnendünen aus äolisch entstandenen Ablagerungen glazialen bzw. fluvioglazialen Ur-
sprungs, oft verzahnt mit Offensandstellen und mit von Sandtrockenrasen dominierten Bereichen oder
Vorwaldstadien aus Sand-Birke (
Betula pendula
) und Wald-Kiefer (
Pinus sylvestris
) bis hin zu lichten bo-
densauren Eichen-Birkenwäldern und Kiefern-Eichenwäldern. Durch extensive Beweidung oder früher
Plaggen bzw. Flämmen entstandene Halbkulturformation.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
27.2.1 V
Genistion pilosae
27.2.1.1 Ass
Genisto pilosae-Callunetum
pp
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Voraussetzung für die Zuordnung ist das Auftreten von
Calluna vulgaris
-,
Genista germanica
- und/oder
Genista pilosa
-dominierter Heidevegetation auf Binnendünen. Die oft ausgedehnten sächsischen Besen-
heide-Bestände sind aus pflanzengeographischen Gründen arm an subatlantisch verbreiteten Kennarten.
Sie sind infolge Nutzungsaufgabe vielfach überaltert und werden von Gehölzen abgebaut (B
ÖHNERT et al.
2001). Verbuschung, Vergrasung sowie Gehölz- oder Baumbestände mit Deckungsgraden bis maximal
70% können toleriert werden. Auch geringmächtige oder anthropogen eingeebnete Dünen/Flugsandfelder
können als Lebensraumtyp 2310 angesprochen werden, wenn die entsprechende Vegetation ausgebildet
ist. Rein fluviogene Ablagerungen mit entsprechender Heidevegetation gehören hingegen nicht zum LRT.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 500m² zu erfassen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Vorkommen von Zwergstrauchheiden auf anderen Standorten (nicht äolischen Ursprungs) werden unter
dem LRT 4030 erfasst. Nehmen offene Grasflächen einen Anteil über 70% ein, so ist die Zuordnung zu
LRT 2330 zu prüfen.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Die Zwergstrauchheiden sind optimal zwischen Juni und September zu erfassen. Die Vorkommen von
Binnendünen in Sachsen sind bekannt und können daher im Zweifelsfall recherchiert werden. Geologi-
sche Karten bilden wesentliche Orientierungshilfen.

2310
Binnendünen mit Sandheiden Seite 3
Bewertung des LRT 2310 Binnendünen mit Sandheiden
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil (an der
Gesamtvegetation) an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Rosettenpflanzen
Moosen und/oder Flechten
Zwergsträuchern
Grasschicht überwiegend aus
niedrigwüchsigen Gräsern (Mit-
tel -und Untergräser) aufgebaut
Deckungsanteile niedrigwüch-
siger Kräuter : > 20%
Rosettenpflanzen reichlich
vorhanden
Moose und Flechten reichlich
vorhanden
lr-typische Zwergsträucher auf
> 60% der LRT-Fläche dominie-
rend
neben niedrigwüchsigen auch
höherwüchsige Grasarten vor-
handen
Deckungsanteile niedrigwüch-
siger Kräuter: 20-10%
Rosettenpflanzen spärlich
vorhanden
Moose und Flechten spärlich
vorhanden
lr-typische Zwergsträucher auf
40-60% der LRT-Fläche domi-
nierend
Anteil niedrigwüchsiger Gräser
gegenüber höherwüchsigen
relativ gering
Deckungsanteile niedrigwüch-
siger Kräuter: < 10%
Rosettenpflanzen fehlend
Moose und Flechten fehlend
lr-typische Zwergsträucher auf
< 40% der LRT-Fläche domi-
nierend
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine Ge-
büsche (nicht flächige Verbu-
schung) < 10% Deckung
Altersklassen der Zwerg-
straucharten, Vorkommen von
Jungpflanzen
kleinräumiges Mosaik mit
Sandtrockenrasen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zumin-
dest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
bewegtes Relief
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarmte
Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt struk-
turarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 10 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 6 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 6 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeichnende
Arten (in der Liste
fett
hervorgeho-
ben)
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
1 Art aus der Liste vorhanden
ohne Arten aus der Liste
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend der
gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar voll-
ständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzvertei-
lung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanzge-
füge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe /Müllab-
lagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
großflächiger Boden- / Sandab-
bau
Bodenverdichtung / Trittbelas-
tung
intensive Störungen der Bo-
dendecke durch Erdanrisse
jeweils weitgehend ohne Schäden
jeweils deutliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar, Bestand dadurch
degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
übermäßiges Auftreten von
Nährstoffzeigern
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger (z. B.
Calamagrostis epi-
gejos
)
jeweils kein Auftreten von LRT-
untypischen Arten
jeweils vereinzeltes Auftreten von
LRT-untypischen Arten in geringen
Flächenanteilen
jeweils mehrfaches Auftreten von
LRT-untypischen Arten in größeren
Flächenanteilen

2310
Binnendünen mit Sandheiden Seite 4
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Verbuschung/Gehölzaufwuchs
> 10% Deckung
Vergrasung mit Obergräsern
Pflegedefizite
extensive Nutzung, guter
Nutzungs-/Pflegezustand
Verbuschung oder Vergrasung
auf 10-40% der Fläche
Nutzungs-/Pflegezustand
ungenügend, deutliches Auf-
treten von Brachezeigern (bis
auf 50% der Fläche)
Verbuschung oder Vergrasung
auf > 40% der Fläche
durch Nutzungsaufgabe dege-
nerierter Bestand, Vorherr-
schen von Brachezeigern
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
Beschattung in Teilbereichen
deutlich
erhebliche Beschattung auf größe-
ren Flächen
(z. B. durch Gehölze)
sonstige Beeinträchtigung
keine / geringe
stärkere
sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Aufforstung
keine Aufforstung
geringe Aufforstung mit einzelnen
Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhanden
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 2310
RL
LRT 2310
RL
LRT 2310
RL
SN
SN
SN
Armeria maritima
ssp.
elongat
a
Genista germanic
a
3 Flechten:
Artemisia campestris
Genista pilos
a
Cetraria div. spec.
Calluna vulgari
s
Helichrysum arenarium
Cladonia
div. spec.
Carex arenaria
Hieracium pilosella
Placynthiella
div. spec.
Carex ericetorum
3
Jasione montana
Moose:
Carex pilulifera
Nardus stricta
Dicranum scoparium
Cytisus scopariu
s
Rumex acetosella
Hypnum
spec. (außer:
Hypnum cupressi-
forme
)
Danthonia decumbens
Scleranthus perennis
Pleurozium schreberi
Deschampsia flexuosa
Thymus serpyllum
Polytrichum formosum
Euphrasia micrantha
2
Trifolium arvense
Polytrichum juniperinum
Festuca filiformis
Vaccinium myrtillus
Polytrichum piliferum
Festuca brevipila
Vaccinium vitis-idaea
Ptilidium ciliar
e
Filago arvensis
3
Vulpia bromoides
2
Filago minima

2330
Binnendünen mit offenen Grasflächen Seite
5
2330 Binnendünen mit offenen Grasflächen
Dünen im Binnenland (alt und entkalkt) mit offenen Grasflächen mit
Corynephorus
und
Agrostis
Inland dunes with open
Corynephorus
and
Agrostis
graslands
Zuordnung zum LRT
Definition:
Offene, meist lückige Grasflächen auf bodensauren Binnendünen oder auf anderen Flugsandaufwehungen aus
glazialen und fluvioglazialen Ablagerungen oder auch aus humosem Feinsand unter moderatem Windeinfluss.
Der LRT umfasst von kurzlebigen Arten aufgebaute Kleinschmielen-Pioniergesellschaften (
Thero-Airion
) und
Silbergras-Sandmagerrasen (
Corynephorion canescentis
) auf Rohbodenstandorten sowie von überwiegend aus-
dauernden Pflanzen geprägte Grasnelken-Sandmagerrasen (
Armerion elongatae
) auf humosen Sandböden. Oft
bestehen enge Verzahnungen mit Offensandstellen bzw. mit von Kryptogamenfluren und Zwergstrauchheiden
dominierten Bereichen.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
19.2.1 V
Thero-Airion
19.2.1.1 Ass
Airetum praecocis
pp
19.2.1.2 Ass
Airetum caryophylleae-Festucetum ovinae
pp
19.2.1.3 Ass
Filagini-Vulpietum bromoides
v
19.1.1 V
Corynephorion canescentis
19.1.1.1 Ass
Spergulo morisonii-Corynephoretum canescentis
v
19.1.1.2 Ass
Agrostietum coarctatae
v
19.1.1.3 Ges
Carex arenaria
-Gesellschaft v
19.1.2 V
Armerion elongatae
19.1.2.1 Ass
Diantho deltoides-Armerietum elongatae
pp
19.1.2.2.1 ZEh
Festuca ovina-Agrostis capillaris-Armerion elongatae-
Basalgesellschaft pp
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Die Bestände sind meist nur sehr kleinflächig ausgebildet. Die Abgrenzung erfolgt anhand des Vorkommens der
meist mehr oder weniger lückigen Vegetation der aufgeführten Syntaxa auf Binnendünen und fluvioglazialen,
aber dann sekundär durch Wind umgelagerten Sedimenten. Vorkommen der genannten Vegetation auf Sandern
der Flüsse (Schwemmfächer, rein fluviatile Sedimente) gehören somit nicht zum LRT 2330.
Kleinere Bereiche anderer Vegetationseinheiten oder vegetationsfreie Flächen können in die Abgrenzung einge-
schlossen werden. Auch geringmächtige oder anthropogen eingeebnete Dünen/Flugsandfelder können als Le-
bensraumtyp 2330 angesprochen werden, wenn die entsprechende Vegetation ausgebildet ist.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 500m² zu erfassen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Nimmt Heidevegetation einen Anteil von über 30% ein, so erfolgt die Zuordnung zu LRT 2310.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Die Therophytenfluren sind zwischen April und Mai zu erfassen. Für die übrigen Bestände liegt der optimale Kar-
tierzeitpunkt zwischen Juni und Juli. Die Vorkommen von Binnendünen in Sachsen sind bekannt und können
daher im Zweifelsfall recherchiert werden. Geologische Karten bilden wesentliche Orientierungshilfen.

2330
Binnendünen mit offenen Grasflächen Seite
6
Bewertung des LRT 2330 Binnendünen mit offenen Grasflächen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil (an
der Gesamtvegetation) an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Rosettenpflanzen
Therophyten
Grasschicht überwiegend
aus niedrigwüchsigen Grä-
sern (Mittel -und Untergrä-
ser) aufgebaut
Deckungsanteile niedrig-
wüchsiger Kräuter: > 30%
Rosettenpflanzen reichlich
vorhanden
Therophyten reichlich vor-
handen
neben niedrigwüchsigen
auch höherwüchsige Grasar-
ten vorhanden
Deckungsanteile niedrig-
wüchsiger Kräuter: 30-15%
Rosettenpflanzen spärlich
vorhanden
Therophyten spärlich vor-
handen
Anteil niedrigwüchsiger
Gräser gegenüber höher-
wüchsigen relativ gering
Deckungsanteile niedrig-
wüchsiger Kräuter: < 15%
Rosettenpflanzen fehlend
Therophyten fehlend
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine
Gebüsche (nicht flächige
Verbuschung) < 10% De-
ckung
Mosaik aus unterschiedlichen
Sukzessionsstadien (v. a. Ini-
tialstadien)
kleinräumiges Mosaik mit
Kryptogamenfluren, Zwerg-
strauchheiden, Mager- und
Sandtrockenrasen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
bewegtes Relief
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
offene Sandflächen > 10%
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
offene Sandflächen < 10%
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
offene Sandflächen fehlend
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 10 Arten aus der
Liste vorhanden
mindestens 6 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 6 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
1 Art aus der Liste vorhanden
keine Arten aus der Liste
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe /Müllab-
lagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Boden-/ Sandabbau
Bodenverdichtung
jeweils weitgehend ohne Schäden
jeweils deutliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar, Bestand dadurch
degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
übermäßiges Auftreten von
Nährstoffzeigern
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger (z. B.
Calamagrostis epi-
gejos
)
jeweils kein Auftreten von LRT-
untypischen Arten
jeweils vereinzeltes Auftreten von
LRT-untypischen Arten in geringen
Flächenanteilen
jeweils mehrfaches Auftreten von
LRT-untypischen Arten in größeren
Flächenanteilen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Verbuschung/Gehölzaufwuchs
> 10% Deckung
Vergrasung mit Obergräsern
Pflegedefizite
extensive Nutzung, guter
Nutzungs-/Pflegezustand
Verbuschung oder Vergrasung
auf 10-50% der Fläche
Nutzungs-/Pflegezustand
ungenügend, deutliches Auf-
treten von Brachezeigern (bis
auf 50% der Fläche)
Verbuschung oder Vergrasung
auf > 50% der Fläche
durch Nutzungsaufgabe dege-
nerierter Bestand, Vorherr-
schen von Brachezeigern
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der Fläche
sonstige Beeinträchtigung
keine / geringe
stärkere
sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Aufforstung
keine Aufforstung
geringe Aufforstung mit einzelnen
Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhanden

2330
Binnendünen mit offenen Grasflächen Seite
7
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 2330
RL
LRT 2330
RL
LRT 2330
RL
SN
SN
SN
Agrostis capillaris
Festuca brevipila
Scleranthus perennis
Agrostis vinealis
Filago arvensi
s
3
Scleranthus polycarpos
Aira caryophylle
a
2
Filago minim
a
Spergula morisonii
Aira praeco
x
Galium verum
Teesdalia nudicauli
s
Armeria maritima
ssp.
elongat
a
Gypsophila fastigiata
2
Thymus serpyllum
Artemisia campestris
Helichrysum arenarium
Trifolium arvense
Carex arenaria
Hieracium pilosella
Veronica dillenii
1
Centaurea stoebe
Holosteum umbellatum
Veronica verna
3
Cerastium arvense
Jasione montana
Vulpia bromoides
2
Cerastium semidecandrum
Koeleria macrantha
3
Vulpia myuros
Chondrilla juncea
3
Ornithopus perpusillu
s
Flechten:
Corynephorus canescen
s
Potentilla argentea
agg.
Cetraria
div. spec.
Dianthus deltoides
Potentilla tabernaemontani
Cladonia
div. spec.
Festuca filiformis
Rumex acetosella
Placynthiella
div. spec.

4010
Feuchte Heiden Seite
4010 Feuchte Heiden
Feuchte Heiden des nordatlantischen Raumes mit
Erica tetralix
Northern Atlantic wet heaths with
Erica tetralix
Zuordnung zum LRT
Definition:
Von Glockenheide (
Erica tetralix
) bestimmte feuchte Zwergstrauchheiden auf nährstoffarmen, anmoo-
rigen, sandigen Böden. Verbreitungsschwerpunkt ist der ozeanisch geprägte Bereich Westeuropas (v.
a. Nordwestdeutschland), woher sie in das nördliche Sachsen einstrahlen. Typisch in Sachsen sind
kleine bis mittelgroße Bestände insbesondere in Verlandungsbereichen von Heideteichen und in Hei-
demooren.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
15.1.1 V
Ericion tetralicis
15.1.1.1 Ass
Ericetum tetralicis
v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Eingeordnet werden Zwergstrauchheiden mit
Erica tetralix
auf grundwasserbeeinflussten, sandig an-
moorigen, bodensauren oder torfigen Böden. Der
Calluna
-Anteil an der Zwergstrauchdeckung darf
maximal 50% betragen. Der Grenzwert für den Vergrasungsgrad (häufig
Calamagrostis epigejos
oder
Molinia caerulea
) liegt bei maximal 90 %, für den Verbuschungsgrad bei maximal 75 %. Auch kleinflä-
chige Bestände innerhalb von anderen LRT sind (evtl. punktförmig) zu erfassen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Zwergstauchheiden werden bei einem Anteil von
Erica tetralix
an den Zwergsträuchern von unter
25 % i. d. R. zu den Trockenen Heiden (LRT 4030) gestellt.
Degenerationsstadien von Hochmooren (Moorheiden) sind bei 7140 einzuordnen, intakte Über-
gangsmoore mit
Erica tetralix
in hochmoorartiger Vegetation bei 7110, Übergangsformen zwischen
feuchten Heiden und Moorheiden bei 4010.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Juni und August.

4010
Feuchte Heiden Seite
Bewertung des LRT 4010 Feuchte Heiden
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil (an
der Gesamtvegetation)
an
niedrigwüchsigen Kräutern/
Gräsern
Moosen und/oder Flechten
Zwergsträuchern
Deckungsanteile
krautiger
Arten > 20%
Moose und Flechten reich-
lich vorhanden
lebensraumtyp. Zwergsträu-
cher > 75% Deckungsanteil
Deckungsanteile krautiger
Arten 20-10%
Moose und Flechten spärlich
vorhanden
Zwergsträucher 50-75%
Deckungsanteil
Deckungsanteile krautiger
Arten < 10%
Moose und Flechten fehlend
Zwergsträucher < 50%
Deckungsanteil
Vegetationsstruktur:
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
kleinräumiges Mosaik mit
Moorflächen, Torfmoosher-
den
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
bewegtes Relief
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar mindestens 5 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 3 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 3 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
1 Art aus der Liste vorhanden
ohne Arten aus der Liste
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Entwässerung
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe / Müllab-
lagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Abbau/ Materialentnahme
Bodenverdichtung / Trittbelas-
tung
Nährstoffmobilisierung im
Sediment
Wasserstandsschwankungen
(anthropogen)
jeweils weitgehend ohne Schäden
jeweils deutliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar, Bestand dadurch
degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
übermäßiges Auftreten von
Nährstoffzeigern
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger
jeweils kein Auftreten von LRT-
untypischen Arten
jeweils vereinzeltes Auftreten von
LRT-untypischen Arten in geringen
Flächenanteilen
jeweils mehrfaches Auftreten von
LRT-untypischen Arten in größeren
Flächenanteilen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsaufgabe /
Verbrachung
Pflegedefizite
Verbuschung/Gehölz-
aufwuchs
Vergrasung (v.a.
Calamagrostis
epigejos, Molinia caerulea
)
extensive Nutzung, guter
Nutzungs-/Pflegezustand
Verbuschung auf < 10% der
Fläche
Vergrasung auf < 25% der
Fläche
Nutzungs-/Pflegezustand
ungenügend, deutliches Auf-
treten von Brachezeigern (auf
bis 35% der Fläche)
Verbuschung auf 10-25 % der
Fläche
Vergrasung auf 25-50 % der
Fläche
durch Nutzungsaufgabe dege-
nerierter Bestand,
über-
mäßiges Auftreten von Bra-
chezeigern (auf > 35% der
Fläche)
Verbuschung auf 25-75 % der
Fläche
Vergrasung auf 50-90 % der
Fläche
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der
Fläche
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke

4010
Feuchte Heiden Seite
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Nutzung / Bewirtschaftung:
Intensivierung
extensive Nutzung, guter Nut-
zungs-/Pflegezustand
deutliches Auftreten von Intensi-
vierungszeigern
hoher Anteil von Intensivie-
rungszeigern
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 4010
RL
LRT 4010
RL
LRT 4010
RL
SN SN SN
Calluna vulgaris
Juncus squarrosus
Trientalis europaea
Dactylorhiza maculata
agg.
Lycopodiella inundata
1
Vaccinium myrtillus
Deschampsia flexuosa
Molinia caerulea
Vaccinium oxycoccos
Drosera rotundifolia
2
Nardus stricta
Moose:
Erica tetralix
3
Potentilla erecta
3
Sphagnum compactum
2
Eriophorum angustifolium
3
Salix repens
3

4030
Trockene Heiden Seite
1
4030 Trockene Heiden
Trockene europäische Heiden
European dry heaths
Ausbildungen:
1) Sandheide des Tieflandes
2) Felsheide
3) Bergheide
Zuordnung zum LRT
Definition:
Baumarme oder baumfreie Offenlandbiotope mit dominierenden Zwergstraucharten an trockenen bis frischen
Standorten über nährstoffarmem, mehr oder weniger saurem Untergrund (Sand oder Silikatgestein). Heiden ver-
danken ihre Existenz anthropogenen Nutzungen wie Beweidung (mit Schafen, Ziegen, Rindern) oder Plaggen-
wirtschaft. Bei Ausbleiben dieser Nutzung unterliegen sie einer starken Gehölzsukzession. Durch die Nährstoff-
armut ihrer Standorte bieten Heiden Lebensbedingungen für konkurrenzschwache und deshalb oftmals gefährde-
te Pflanzenarten, darunter zahlreiche niedere Pflanzen (Moose, Flechten, Pilze). Die Bestände sind oftmals eng
mit Gebüschen, Vermoorungen, Borstgras- und anderen Magerrasen sowie Bergwiesen verzahnt.
Sandheide des Tieflandes (Ausbildung 1)
:
Dominanzbestände der Besenheide (
Calluna vulgaris
) auf trockenen Sandböden im nördlichen Sachsen (
Genisto
pilosae-Callunetum
). Die östlichen Ausläufer der typischen, ozeanisch geprägten Sandheiden Nordwestdeutsch-
lands klingen in Sachsen floristisch verarmt in der Muskauer Heide aus.
Felsheide (Ausbildung 2)
:
Auf den sächsischen, wärmegetönten Porphyrkuppen siedelt ein subkontinental beeinflusster Heidetyp der
Eu-
phorbia cyparissias
-
Calluna vulgaris
-Gesellschaft (
Euphorbio-Callunetum
), der mit Arten der Halbtrockenrasen
angereichert ist. Des weiteren treten auf Felsköpfen frischer, mineralkräftiger Standorte Bestände der seltenen
Deutschginster-Heide (
Genisto germanicae-Callunetum
) auf.
Bergheide (Ausbildung 3)
:
Heidebestände auf sauren, flachgründigen Böden im Bereich von Felsen und Mooren im Bergland (Vaccinio-
Callunetum), in der Regel Dominanzbestände von Zwergsträuchern der Gattung
Vaccinium
.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
27.2.1 V
Genistion pilosae
27.2.1.1 Ass
Genisto pilosae-Callunetum
pp
27.2.1.2 Ass
Genisto germanicae-Callunetum
v
27.2.1.3 Ass
Vaccinio-Callunetum
v
27.2.1.4 Ges
Euphorbia cyparissias-Calluna vulgaris
-Gesellschaft v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Besenginsterheiden, die im engen Kontakt zur
Calluna
-Heide stehen, sind mit zu erfassen, soweit der Anteil von
Cytisus scoparius
und
Calluna vulgaris
noch signifikant ist. Eine Verbuschung, Vergrasung oder ein Anteil von
bestandsabbauenden krautigen Arten von bis zu 70 % Deckung ist zulässig. Nicht eingeschlossen sind kleinflä-
chige
Calluna
-Bestände, z. B. an Wegrändern, oder entsprechende
Vaccinium
-Bestände im Bergland.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 300m² zu erfassen, Felsbandheiden auch bei kleinflächigerer Ausprä-
gung.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Bestände mit Nässezeigern wie Torfmoosen oder Lungen-Enzian (
Gentiana pneumonanthe
) sowie mit höheren
Anteilen von
Erica tetralix
sind ggf. bei 4010 einzuordnen (geringfügige Beimischung von
Erica tetralix
oder
Moli-
nia caerulea
ist allein nicht ausreichend). Die Abgrenzung zu den Zwergstrauchheiden auf Binnendünen (LRT
2310) erfolgt aufgrund der Genese des Substrates. Durch Nutzungsaufgabe zwergstrauchreiche Borstgrasrasen
sind unter dem LRT 6230* (dann aber Bewertung des LRT mit „C“) zu erfassen.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Die Zwergstrauchheiden sind optimal zwischen Juni und September zu erfassen.

4030
Trockene Heiden Seite
1
Bewertung des LRT 4030 Trockene Heiden
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil (an der
Gesamtvegetation) an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Rosettenpflanzen
Moosen und/oder Flechten
Zwergsträuchern
Grasschicht überwiegend aus
niedrigwüchsigen Gräsern
(Mittel -und Untergräser) auf-
gebaut
Deckungsanteil niedrigwüchsi-
ger Kräuter: > 20%
reich an Rosettenpflanzen
reich an Moosen und Flechten
lr-typische Zwergsträucher auf
> 75% der LRT-Fläche domi-
nierend
neben niedrigwüchsigen auch
höherwüchsige Grasarten vor-
handen
Deckungsanteil niedrigwüchsi-
ger Kräuter: 20-10%
Rosettenpflanzen spärlich
vorhanden
Moose und Flechten spärlich
vorhanden
lr-typische Zwergsträucher auf
50-75% der LRT-Fläche domi-
nierend
Anteil niedrigwüchsiger Gräser
gegenüber höherwüchsigen
relativ gering
Deckungsanteil niedrigwüchsi-
ger Kräuter: < 10%
Rosettenpflanzen fehlend
Moose und Flechten fehlend
lr-typische Zwergsträucher auf
30-50% der LRT-Fläche domi-
nierend
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine Ge-
büsche (nicht flächige Verbu-
schung) < 10% Deckung
Altersklassen der Zwerg-
straucharten, Vorkommen von
Jungpflanzen
kleinräumiges Mosaik mit
Sandtrockenrasen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zumin-
dest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
bewegtes Relief (nur bei Sand-
heiden, d.h. Ausbildung 1)
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarmte
Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt struk-
turarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 10 Arten aus der
Liste vorhanden
mindestens 7 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 7 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
1 Art aus der Liste vorhanden
ohne Arten aus der Liste
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe /Müllab-
lagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
großflächiger Boden- / Sandab-
bau
Bodenverdichtung / Trittbelas-
tung
jeweils weitgehend ohne Schä-
den
jeweils deutliche Beeinträchti-
gungen erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
gungen erkennbar, Bestand
dadurch degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
übermäßiges Auftreten von
Nährstoffzeigern
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger (z. B.
Calamagrostis
epigejos
)
jeweils kein Auftreten von LRT-
untypischen Arten
jeweils vereinzeltes Auftreten
von LRT-untypischen Arten in
geringen Flächenanteilen
jeweils mehrfaches Auftreten
von LRT-untypischen Arten in
größeren Flächenanteilen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsauflassung / Degra-
dation durch Brache
Pflegedefizite
Verbuschung/Gehölzauf-
wuchs > 10% Deckung
Vergrasung (v.a.
De-
schampsia flexuosa
)
extensive Nutzung, guter
Nutzungs-/Pflegezustand
Nutzungs-/Pflegezustand
ungenügend, deutliches Auf-
treten von Brachezeigern
(bis auf 50% der Fläche)
Verbuschung oder Vergra-
sung auf 10-40% der Fläche
durch Nutzungsaufgabe
degenerierter Bestand, Vor-
herrschen von Brachezei-
gern, Vergrasung
Verbuschung oder Vergra-
sung auf > 40% der Fläche

4030
Trockene Heiden Seite
1
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der
Fläche
Begängnis / Frequentierung
(Anwesenheit von Menschen)
keine bzw. gelegentliche, gerin-
ge Störwirkung ohne erhebliche
Auswirkungen auf Habitatfunkti-
onen
Störwirkung in Teilbereichen des
LRTdeutlich, dadurch Habitat-
funktion eingeschränkt
starke andauernde oder häufige
Störwirkung in kritischen Zeit-
räumen (z. B. während der
Reproduktionszeit)
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Intensivierung
extensive Nutzung, guter Nut-
zungs-/Pflegezustand
deutliches Auftreten von Intensi-
vierungszeigern
hoher Anteil von Intensivie-
rungszeigern
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 4030
RL
LRT 4030
RL
LRT 4030
RL
SN
SN
SN
Agrostis capillaris
Genista germanica
3
Thymus serpyllum
Antennaria dioica
1
Genista pilosa
3
Vaccinium myrtillus
Arnica montana
2
Genista tinctoria
Vaccinium vitis-idaea
Calluna vulgaris
Gnaphalium sylvaticum
Veronica officinalis
Carex pilulifera
Hieracium lachenalii
Viola canina
Cytisus nigricans
3
Hieracium pilosella
Flechten:
Cytisus scoparius
Hieracium umbellatum
Cetraria
div. spec.
Danthonia decumbens
Hypochaeris radicata
Cladonia
div. spec.
Deschampsia flexuosa
Lathyrus linifolius
3
Placynthiella
div. spec.
Dianthus deltoides
Luzula campestris
agg.
Moose:
Diphasiastrum alpinum
1
Lycopodium clavatum
3
Dicranum scoparium
Diphasiastrum complanatum
2
Molinia caerulea
Hypnum
spec.
Diphasiastrum issleri
1
Nardus stricta
Pleurozium schreberi
Diphasiastrum tristachyum
1
Polygala vulgaris
3
Polytrichum formosum
Diphasiastrum zeilleri
1
Potentilla erecta
Polytrichum juniperinum
Festuca ovina
agg.
Silene viscaria
Polytrichum piliferum
Galium pumilum
Spergula morisonii
Ptilidium ciliar
e
Galium saxatile
Teesdalia nudicaulis

5130
Wachholder-Heiden
Seite 14
5130 Wacholder-Heiden
Juniperus communis
-Formationen auf Zwergstrauchheiden oder Kalktrockenrasen
Juniperus communis
formations on calcareous heath or grasslands
Zuordnung zum LRT
Definition:
Bestände von Gewöhnlichem Wacholder (
Juniperus communis
) in Verbindung mit Zwergstauchheiden oder
Halbtrockenrasen bzw. trockenen Magerrasen.
Die aus Sachsen bekannten Vorkommen des LRT bestehen aus
Juniperus communis
-Gebüschen über Zwerg-
strauchheiden. Die Bestände sind verzahnt mit kleinflächigen Offensandstellen und Sandtrockenrasen über
nährstoffarmem, mehr oder weniger saurem Untergrund.
Häufig entwickeln sich Wacholder-Heiden auf weniger intensiv genutzten Weidestandorten. Durch fehlende Be-
weidung bzw. Pflege kommt es zu einer stärkeren Verbuschung mit weiteren Strauch- und Baumarten bis hin zu
einer Waldentwicklung.
syntaxonomische Einheiten:
27.2.1 V
Genistion pilosae
27.2.1.1 Ass
Genisto pilosae-Callunetum
pp
Ass
Dicrano-Juniperetum communis
v
Ass
Koelerio pyramidatae-Juniperetum
communis
v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Voraussetzung für die Zuordnung ist das Auftreten von dichten bis lockeren
Juniperus communis
-Gebüschen
i.d.R. in Verbindung mit
Calluna vulgaris
-dominierter Heidevegetation. Wacholder-Heiden sind in Sachsen nur
kleinflächig und fragmetrisch ausgeprägt. Einzelbüsche, Bestände mit wenigen Exemplaren oder sehr lückiger
Verteilung sind ausgeschlossen. Zur Ansprache des LRT sollten wenigstens 6 Wacholdersträucher bzw. 6 Ex-
emplare von
Juniperus communis
auf der Mindestfläche vorkommen.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 100m² zu erfassen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Voraussetzung zur Abgrenzung des LRT ist das Vorkommen von Wacholder-Beständen. Weisen die Bestände
eine zu geringe Zahl und/oder Dichte an Wacholderbüschen auf, so ist die Zuordnung zu LRT 2310 oder 4030 zu
prüfen.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Die Wacholder-Heiden sind optimal zwischen Juni und September zu erfassen.

5130
Wachholder-Heiden
Seite 15
Bewertung des LRT 5130 Wachholder-Heiden
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil (an der
Gesamtvegetation) an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Rosettenpflanzen
Moosen und/oder Flechten
Zwergsträuchern bzw. Wachol-
der
Grasschicht überwiegend aus
niedrigwüchsigen Gräsern
(Mittel -und Untergräser) auf-
gebaut
Deckungsanteil niedrigwüchsi-
ger Kräuter: > 20%
reich an Rosettenpflanzen
reich an Moosen und Flechten
lr-typische Zwergsträucher
bzw. Wacholder auf > 75% der
LRT-Fläche dominierend
neben niedrigwüchsigen auch
höherwüchsige Grasarten vor-
handen
Deckungsanteil niedrigwüchsi-
ger Kräuter: 20-10%
Rosettenpflanzen spärlich
vorhanden
Moose und Flechten spärlich
vorhanden
lr-typische Zwergsträucher
bzw. Wacholder auf 50-75%
der LRT-Fläche dominierend
Anteil niedrigwüchsiger Gräser
gegenüber höherwüchsigen
relativ gering
Deckungsanteil niedrigwüchsi-
ger Kräuter: < 10%
Rosettenpflanzen fehlend
Moose und Flechten fehlend
lr-typische Zwergsträucher
bzw. Wacholder auf 30-50%
der LRT-Fläche dominierend
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine Ge-
büsche (nicht flächige Verbu-
schung) < 10% Deckung
Altersklassen der Zwerg-
straucharten bzw. Wacholder,
Vorkommen von Jungpflanzen
kleinräumiges Mosaik mit
Sandtrockenrasen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zumin-
dest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
bewegtes Relief
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarmte
Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt struk-
turarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 10 Arten aus der
Liste vorhanden
mindestens 7 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 7 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
1 Art aus der Liste vorhanden
ohne Arten aus der Liste
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe /Müllab-
lagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
großflächiger Boden- / Sandab-
bau
Bodenverdichtung / Trittbelas-
tung
jeweils weitgehend ohne Schäden
jeweils deutliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar, Bestand dadurch
degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
übermäßiges Auftreten von
Nährstoffzeigern
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger (z. B.
Calamagrostis epi-
gejos
)
jeweils kein Auftreten von LRT-
untypischen Arten
jeweils vereinzeltes Auftreten von
LRT-untypischen Arten in geringen
Flächenanteilen
jeweils mehrfaches Auftreten von
LRT-untypischen Arten in größeren
Flächenanteilen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsauflassung / Degrada-
tion durch Brache
Pflegedefizite
Verbuschung/Gehölzauf-
wuchs > 10% Deckung
Vergrasung (v.a.
Deschampsia
flexuosa
)
extensive Nutzung, guter Nut-
zungs-/ Pflegezustand
Nutzungs-/Pflegezustand
ungenügend, deutliches Auf-
treten von Brachezeigern (bis
auf 50% der Fläche)
Verbuschung oder Vergrasung
auf 10-40% der Fläche
durch Nutzungsaufgabe dege-
nerierter Bestand, Vorherr-
schen von Brachezeigern,
Vergrasung
Verbuschung oder Vergrasung
auf > 40% der Fläche

5130
Wachholder-Heiden
Seite 16
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der
Fläche
Begängnis / Frequentierung
(Anwesenheit von Menschen)
keine bzw. gelegentliche, gerin-
ge Störwirkung ohne erhebliche
Auswirkungen auf Habitatfunkti-
onen
Störwirkung in Teilbereichen des
LRTdeutlich, dadurch Habitat-
funktion eingeschränkt
starke andauernde oder häufige
Störwirkung in kritischen Zeit-
räumen (z. B. während der
Reproduktionszeit)
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Intensivierung
extensive Nutzung, guter Nut-
zungs-/Pflegezustand
deutliches Auftreten von Intensi-
vierungszeigern
hoher Anteil von Intensivie-
rungszeigern
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 5130
RL
LRT 5130
RL
LRT 5130
RL
SN
SN
SN
Agrostis capillaris
Spergula morisonii
Moose:
Anthericum ramosum
2
Teesdalia nudicaulis
Dicranum scoparium
Calluna vulgaris
Thymus serpyllum
Hypnum
spec.
Cytisus scoparius
Vaccinium myrtillus
Pleurozium schreberi
Danthonia decumbens
Veronica officinalis
Polytrichum formosum
Deschampsia flexuosa
Viola canina
Polytrichum juniperinum
Dianthus deltoides
Flechten:
Polytrichum piliferum
Festuca ovina
agg.
Cetraria
div. spec.
Ptilidium ciliar
e
Hieracium pilosella
Cladonia
div. spec.
Nardus stricta
Placynthiella
div. spec.

6110* Basophile Pionierrasen
Seite 17
6110* Basophile Pionierrasen
Lückige basophile oder Kalk-Pionierrasen (Alysso-Sedion albi)
Rupicolous calcareous or basophilic grasslands of the Alysso-Sedion albi
Zuordnung zum LRT
Definition:
Pioniergesellschaften besonnter, trockenwarmer kalk- oder basenreicher Felsstandorte. Ersatzstandorte sind in
den wärmebegünstigten Lößgebieten gegeben. Den Untergrund bilden vor allem basenreiche Felsbänder, kleine
Felspodeste oder feinerdearme Schuttkegel aus Diabas, Basalt oder Kalk. Die meist kleinflächig ausgebildeten
Pioniergesellschaften sind gekennzeichnet durch eine offene und lückige Vegetation aus verschiedenen Mauer-
pfeffer-Arten in Gemeinschaft mit mehr oder minder basenliebenden Gräsern, niedrigwüchsigen Stauden und
einjährigen Kräutern. Typisch ist das Vorkommen konkurrenzschwacher Arten, die die lückigen Vegetationsver-
hältnisse zu ihren Gunsten zu nutzen vermögen. Außerdem sind diese Felsrasen reich an niederen Pflanzen,
besonders Flechten und Moose.Es kann sich sowohl um primäre nährstoffarme Extremstandorte handeln, die
sich aufgrund ihrer Steilheit und Exposition nicht bewalden, als auch um Sekundärstandorte, die nur durch
anthropogene Einflüsse offen gehalten werden.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
19.4.1 V
Alysso alyssoidis-Sedion albi
19.4.1.1 Ass
Alysso alyssoidis-Sedetum albi
v
19.4.1.2 Ass
Saxifrago tridactylitis-Poetum compressae
v
19.4.1.3 Ges
Jovibarba globifera
-Gesellschaft pp
19.4.2 V
Seslerio-Festucion pallentis
19.4.2.1 Ass
Diantho gratianopolitani-Festucetum pallentis
pp
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Voraussetzung für das Auftreten dieses FFH-Lebensraumtyps sind trockenwarme Standortverhältnisse in Ver-
bindung mit feinerdearmen Rohböden. In Sachsen kommt dieser LRT wegen des Fehlens typischer Standorte
nur selten und floristisch verarmt vor. Kriterium für die Abgrenzung des LRT ist das Auftreten der aufgeführten
Syntaxa auf basenreichem Fels oder Rohboden, wobei vegetationsfreie Felspartien auch großflächig einzube-
ziehen sind. Bestände auf Sekundärstandorten mit naturnaher Entwicklung (z. B. alte aufgelassene Steinbrüche
und Halden) sind in dem LRT eingeschlossen. Gehölzreiche Flächen mit vereinzeltem Vorkommen der genann-
ten Arten in Bestandslücken gehören nicht zu diesem Lebensraumtyp, ebensowenig Bestände auf Mauerkronen,
Lesesteinriegeln, Bahnschotter oder Schuttablagerungen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Dieser FFH-Lebensraumtyp tritt häufig im Komplex mit Felsen des Typs 8210 (Kalkfelsen mit Felsspaltenvegeta-
tion) sowie mit Magerrasen der Typen 6210 (Kalk-Trockenrasen) bzw. 6240 (Steppen-Trockenrasen) auf. Die
Vorkommen des LRT sind oft nur kleinflächig bis punktuell in Komplexen aus Kalkfels und/oder Kalkmagerrasen
enthalten. In solchen Fällen soll der LRT punktförmig innerhalb des flächig vorkommenden LRT erfasst werden.
Ist eine Erfassung jedes einzelnen Vorkommens aufgrund eines kleinräumigen Vegetationsmosaiks nicht mög-
lich, können mehrere Vorkommen zusammengefasst werden.
Die Abgrenzung zu den Kalk-Trockenrasen (LRT 6210) erfolgt aufgrund des weitgehenden Fehlens der typi-
schen Trockenrasen-Vegetation, die dort höhere Deckungsgrade und weniger Annuelle aufweist.
Im Gegensatz zu Beständen des LRT 8210 sind zumindest Ansätze einer Rohbodenbildung auf kleineren Flä-
chen vorhanden, die reichlich von Annuellen besiedelt werden. Die Vorkommen befinden sich in mehr oder weni-
ger horizontaler Lage.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Mai und Juli. Erfassung der Therophytenfluren bereits im April / Mai.

6110* Basophile Pionierrasen
Seite 18
Bewertung des LRT 6110* Basophile Pionierrasen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Moosen und/oder Flechten
Sukkulenten
Therophyten
Grasschicht überwiegend
aus niedrigwüchsigen Grä-
sern (Mittel -und Untergrä-
ser) aufgebaut
Anteil niedrigwüchsiger
Kräuter an der Gesamtde-
ckung: > 30%
Moosen und/oder Flechten
reichlich vorhanden
Sukkulenten reichlich vor-
handen
Therophyten reichlich vor-
handen
neben niedrigwüchsigen
auch höherwüchsige Grasar-
ten vorhanden
Anteil niedrigwüchsiger
Kräuter an der Gesamtde-
ckung: 30-15%
Moosen und/oder Flechten
spärlich vorhanden
Sukkulenten spärlich vor-
handen
Therophyten spärlich vor-
handen
Anteil niedrigwüchsiger
Gräser gegenüber höher-
wüchsigen relativ gering
Anteil niedrigwüchsiger
Kräuter an der Gesamtde-
ckung: < 15%
Moosen und/oder Flechten
fehlend
Sukkulenten fehlend
Therophyten fehlend
Vegetationsstruktur:
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
kleinräumiges Mosaik mit
Kalk-Trockenrasen und Tro-
ckengebüschen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
Felsschutt
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 10 Arten aus der
Liste vorhanden
mindestens 7 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 7 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
1 Art aus der Liste vorhanden
ohne Arten aus der Liste
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Müllablagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Abbau / Materialentnahme
(Sand, Gestein)
nicht erkennbar bzw. max. punk-
tuell ohne Schädigung des LRT
Beeinträchtigungen deutlich
erkennbar
erhebliche Beeinträchtigungen
erkennbar, Bestand dadurch
degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Nährstoffzeiger
sonst. Störzeiger
(incl. Ruderalisierungszeiger)
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhan-
den, jedoch nicht dominant
Störungen an der Vegetationsstruktur:
direkte Schädigung von
Vegetation (z. B. Tritt)
nicht erkennbar
in geringem Ausmaß (punktuell)
vorhanden
in mehreren Bereichen bzw.
kleinflächig erhebliche Schäden
vorhanden
Verbuschung / Gehölzaufwuchs
kein Gehölzaufwuchs
auf
10 % der Fläche
auf > 10 % der Fläche
Vergrasung
keine hochwüchsigen Gräser
auf
10 % der Fläche
auf > 10 % der Fläche
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
Beschattung in Teilbereichen
deutlich
erhebliche Beschattung auf
größeren Flächen
(z. B. durch Gehölze)
Begängnis / Frequentierung
(Anwesenheit von Menschen)
keine bzw. gelegentliche, gerin-
ge Störwirkung ohne erhebliche
Auswirkungen auf Habitatfunkti-
onen
Störwirkung in Teilbereichen des
LRTdeutlich, dadurch Habitat-
funktion eingeschränkt
starke andauernde oder häufige
Störwirkung in kritischen Zeit-
räumen (z. B. während der
Reproduktionszeit)
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke

6110* Basophile Pionierrasen
Seite 19
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 6110
RL
LRT 6110
RL
LRT 6110
RL
SN SN SN
Acinos arvensis
2
Petrorhagia prolifera
2
Candelariella aurella
Ajuga genevensis
3
Poa compressa
Cladonia
div. spec.
Allium senescens
2
Potentilla heptaphylla
1
Lecanora crenulata
Alyssum alyssoides
1
Potentilla incana
1
Lecanora dispersa
Alyssum montanum
2
Potentilla tabernaemontani
Lecidella stigmatea
Anthemis tinctoria
Sanguisorba minor
Peltigera rufescens
3
Anthyllis vulneraria
3
Saxifraga tridactylites
2
Rinodina gennarii
Arenaria serpyllifolia
Sedum acre
Sarcogyne regularis
Artemisia campestris
Sedum album
3
Verrucaria muralis
Asperula cynanchica
1
Sedum sexangulare
Verrucaria nigrescens
Dianthus gratianopolitanus
2
Taraxacum
sect
. Erythrosperma
Xanthoria elegans
Erophila verna
Teucrium botrys
1 Moose:
Festuca pallens
Thymus pulegioides
Entodon concinnus
1
Hieracium pilosella
Veronica verna
3
Grimmia pulvinata
Holosteum umbellatum
Flechten:
Orthotrichum anomalum
Jovibarba globifera
1
Aspicilia calcarea
Rhytidium rugosum
1
Lactuca perennis
1
Aspicilia contorta
Tortella inclinata
2
Medicago minima
1
Caloplaca
div. spec.

6130
Schwermetallrasen Seite
2
6130 Schwermetallrasen
Schwermetallrasen (Violetalia calaminariae)
Calaminarian grasslands of the Violetea calaminariae
Ausbildungen: 1) Phanerogamen-Gesellschaften auf Schwermetallhalden
2) Kryptogamen-Gesellschaften auf Schwermetallhalden
Zuordnung zum LRT
Definition:
Auf älteren Abraumhalden des Erzbergbaues sowie auf infolge von Depositionen oder Sedimentationen in der
Umgebung von Hüttenanlagen mit Schwermetallen angereicherten Böden und auf schwermetallreichen Flußau-
ensedimenten (vor allem Blei, Zink, Arsen; in Sachsen mit untergeordneter Bedeutung Kupfer) - insbesondere im
Freiberger Bergbaugebiet - wachsende, oft lückige Rasengesellschaft, die infolge der Toxizität des Bodens rela-
tiv artenarm ist, und in der Gehölze nur sehr eingeschränkt zu wachsen vermögen. Gräser und krautige Pflanzen
zeigen auf diesem Extremstandort häufig Zwergwuchs oder haben ökologisch spezialisierte und an die besonde-
ren bodenchemischen Verhältnisse angepasste Rassen ausgebildet. Typisch ist ein hoher Anteil von Kryptoga-
men (Flechten und Moose), häufig auch mit Vorkommen seltener Arten.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
Die soziologische Zugehörigkeit der sächsischen Bestände dieses LRT ist bisher ungeklärt, zumal spezielle
Schwermetall-Sippen noch nicht nachgewiesen werden konnten.
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Da in Sachsen wahrscheinlich vor der Bergbautätigkeit des Menschen keine natürlichen Schwermetallfluren aus-
gebildet waren und die Schwermetallerzgewinnung im Vergleich zu anderen mitteleuropäischen Bergbaugebie-
ten erst relativ spät begann (ca. 12. Jhd. n. Chr.), stand für die Entwicklung einer schwermetallspezifischen Flora
und Vegetation nur eine vergleichsweise geringe Zeitspanne zu Verfügung. Aus Nordrhein-Westfalen sowie dem
Harzvorland bekannte oder endemische schwermetallspezifische Sippen von Gefäßpflanzen konnten in Sachsen
noch nicht nachgewiesen werden. Die auftretenden, morphologisch von der Normalform abweichenden Pflanzen
sind zwar standortstypisch, können aber womöglich nur auf edaphische Einflüsse zurückgeführt werden. Aussa-
gen zu möglichen spezifischen Sippen oder Ökotypen sind derzeit nicht möglich, wenn auch deren Existenz nicht
auszuschließen bzw. sogar zu vermuten ist (z.B. bei
Armeria maritima
). Von schwermetallspezifischen Krusten-
flechten aufgebaute Gesellschaften (v. a. Acarosporetum sinopicae) sind dem LRT in jedem Fall zuzuordnen.
Bestände, denen diese Flechtengesellschaften fehlen, müssen folgende Merkmale aufweisen:
1. Flächen des Altbergbaus mit mehr oder weniger gesichertem Nachweis von schwermetallhaltigem Substrat
2. lückige Vegetation mit zwergwüchsigen Individuen
3. Anwesenheit von mindestens 2 der folgenden Arten:
Silene vulgaris, Armeria maritima, Thlaspi caerulescens,
Cardaminopsis halleri
Bankettbereiche von Straßen und Wegen aus teilweise erzhaltigem Gestein, die kleinflächig Schwermetallfluren
aufweisen, gehören jedoch nicht zu dem LRT. Dominanzbestände von
Agrostis capillaris
sowie artenarme Be-
stände mit hohem Anteil von
Calluna vulgaris
und/oder
Molinia caerulea
auf vergleichbaren Standorten sind nicht
einzubeziehen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Heiden auf Schwermetallstandorten werden ab einer Deckung der Zwergsträucher von 30% zu dem LRT 4030
(Ausbildung 2: Felsheiden) gerechnet. Felsspaltenvegetation auf Serpentinit und schwermetallreichem Silikatge-
stein des Verbandes
Asplenion serpentini
gehört zum LRT 8220 bzw. auf Haldenstandorten zum LRT 8150.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Juni und August. Erfassung der Therophytenfluren bereits im April / Mai.

6130
Schwermetallrasen Seite
2
Bewertung des LRT 6130 Schwermetallrasen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Ausbildung 1:
Grasschicht überwiegend
aus niedrigwüchsigen Grä-
sern (Mittel -und Untergrä-
ser) aufgebaut
niedrigwüchsige Kräuter
reichlich vorhanden
Ausbildung 1:
neben niedrigwüchsigen
auch höherwüchsige Grasar-
ten vorhanden
niedrigwüchsige Kräuter
spärlich vorhanden
Ausbildung 1:
Anteil niedrigwüchsiger
Gräser gegenüber höher-
wüchsigen relativ gering
niedrigwüchsige Kräuter
weitgehend fehlend
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Ausbildung 2:
Keine Bewertung der Schichtung bei reinen Schwermetallflechten-Gesellschaften.
Vegetationsstruktur:
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
kleinräumiges Mosaik mit
Heiden, Mager- und Trocken-
rasen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
Gesteinsschutt
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Ausbildung 1:
mindestens 10 Arten aus der
Liste vorhanden
Ausbildung 1:
mindestens 7 Arten aus der Liste
vorhanden
Ausbildung 1:
weniger als 7 Arten aus der Liste
vorhanden
Grundarteninventar
Ausbildung 2:
Keine Bewertung des Grundarteninventars bei reinen Schwermetallflechten-Gesellschaften.
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 3 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 1 Art aus der Liste
vorhanden
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Nährstoffeintrag (N, P)
keine oder geringe punktuelle
Eintragsquellen oder intensiv
genutzte Flächen angrenzend
punktuelle Eintragsquellen vor-
handen oder intensiv genutzte
Flächen in Teilbereichen an-
grenzend
flächige Eintragsquellen vorhan-
den oder intensiv genutzte Flä-
chen in größeren Teilbereichen
angrenzend
Müllablagerung (anorganische
Stoffe)
keine
punktuelle Ablagerungen oder
Teilbereiche des LRT beein-
trächtigt
mehrere punktuelle oder flächige
Ablagerungen, große Teile des
LRT beeinträchtigt
Schadstoffeintrag (Öl, PAK, Ruß,
Stäube, PSM, Salze)
keine oder geringe punktuelle
Einträge
mehrere punktuelle Eintrags-
quellen oder Einträge in Teilbe-
reiche
Einträge in größere Teilbereiche
bzw. die gesamte Fläche
Abbau / Materialentnahme
(Gestein)
nicht erkennbar bzw. max. punk-
tuell ohne Schädigung des LRT
Beeinträchtigungen deutlich
erkennbar
erhebliche Beeinträchtigungen
erkennbar, Bestand dadurch
degeneriert
Eintrag anderer Stoffe
keine bis punktuelle Einträge
geringe Störung in Randberei-
chen bzw. auf Teilflächen
Störung größerer Flächen
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Nährstoffzeiger
sonst. Störzeiger (incl. Rude-
ralisierungszeiger
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhanden

6130
Schwermetallrasen Seite
2
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
direkte Schädigung von
Vegetation (z. B. Tritt)
nicht erkennbar
in geringem Ausmaß vorhanden
in mehreren Bereichen bzw.
kleinflächig erhebliche Schäden
vorhanden
Verbuschung / Gehölzaufwuchs
Ausbildung 1:
keiner
Ausbildung 2:
auf
≤10%
der Fläche
Ausbildung 1:
auf
10 % der Fläche
Ausbildung 2:
auf
20% der Fläche
Ausbildung 1:
auf > 10% der Fläche
Ausbildung 2:
auf > 20% der Fläche
Vergrasung (hochwüchsige Grä-
ser)
Ausbildung 1 + 2:
keine
Ausbildung 1:
auf
10 % der Fläche
Ausbildung 2:
auf
20% der Fläche
Ausbildung 1:
auf > 10% der Fläche
Ausbildung 2:
auf > 20% der Fläche
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
Beschattung in Teilbereichen
deutlich
erhebliche Beschattung auf
größeren Flächen
(z. B. durch wuchskräftige Stau-
den oder Gehölze)
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 6130
RL
LRT 6130
RL
LRT 6130
RL
SN SN SN
Agrostis capillaris
Festuca brevipila
S
Thlaspi caerulescens s.l.
1
Anthyllis vulneraria
3
Galium pumilum
Thymus pulegioides
S
Armeria maritima s.l.
1
Hieracium pilosella
Flechten:
Briza media
3
Leontodon hispidus
S
Acarospora sinopica
3
Calluna vulgaris
Linum catharticum
3
Acarospora smaragdula
1
Campanula rotundifolia
Lotus corniculatus
S
Cladonia
div. spec
.
S
Cardaminopsis halleri
Molinia caerulea
agg
.
S
Lecidea silacea
1
Carlina vulgaris
3
Pimpinella saxifraga
Rhizocarpon furfurosum
Danthonia decumbens
Polygala vulgaris
3
Rhizocarpon oederi
4
Deschampsia flexuosa
Potentilla tabernaemontani
Rhizocarpon ridescens
1
Epipactis atrorubens
3
Rhinanthus minor
3
Stereocaulon nanodes
Euphrasia stricta
3
Rumex acetosa
Moose:
Festuca ovina
S
Silene vulgaris s.l.
1
Polytrichum piliferum
S möglicherweise Vorkommen schwermetallspezifischer Sippen
1
Die Bezeichnung
s.l.
weist auf die Möglichkeit der Ausbildung morphologisch abweichender Sippen auf den Schwerme-
tallstandorten hin, jedoch sind bisher keine eigenständigen Sippen nachgewiesen worden.

6210
Kalk-Trockenrasen Seite
2
6210 Kalk-Trockenrasen
Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia)
Semi-natural dry grasslands and scrubland facies on calcareous substrates (Festuco-Brometalia)
Ausbildungen:
1) Submediterrane Halbtrockenrasen (
Bromion erecti
) (Subtyp (BfN) 6212)
2) Halbtrockenrasen sandig-lehmiger basenreicher Böden (
Koelerio-Phleion phleoidis
)
(Subtyp (BfN) 6214)
Zuordnung zum LRT
Definition:
Dieser LRT umfasst in Sachsen sekundäre, durch extensive Beweidung oder Mahd entstandene Trocken- und
Halbtrockenrasen (
Mesobromion, Koelerio-Phleion phleoides
) einschließlich verbuschter Ausprägungen. Die
typischen Trocken- und Halbtrockenrasen siedeln auf wärmebegünstigten Kalkstandorten, sie sind aber auch auf
anderen basenreichen Standorten wie z. B. Löß, Basalt oder Diabas entwickelt. Bestände mit bedeutenden Or-
chideenvorkommen (s. u.) sind prioritäre Lebensräume im Sinne der FFH-Richtlinie.
Submediterrane Halbtrockenrasen (Ausbildung 1: Bromion erecti, Subtyp (BfN) 6212)
:
Sie umfassen in Sachsen die von der Aufrechten Trespe (
Bromus erectus
) dominierte, langgrasige Esparsetten-
Trespen-Halbtrockenwiese und die Vogtländische Diabas-Magerweide. Die erstgenannten Bestände sind meist
durch extensive Mahd entstanden und siedeln auf tiefgründigeren Böden kalkreicher, sonnenexponierter Löß-
hänge. In beweideten Beständen gelangt häufig die Fieder-Zwenke (
Brachypodium pinnatum
) zur Dominanz. Die
Vogtländischen Diabas-Magerweiden sind traditionell extensiv von Schafen beweidet und treten im wärmebe-
günstigten mittelvogtländischen Kuppenland über kalkarmen, aber basenreichen flach- bis tiefgründigen Böden
auf. Von Thüringen und Bayern her erreichen die submediterranen Halbtrockenrasen im Wesentlichen nur das
westliche Sachsen.
Halbtrockenrasen sandig-lehmiger basenreicher Böden (Ausbildung 2: Koelerio-Phleion phleoidis, Subtyp (BfN)
6214)
:
Diese Halbtrockenrasen siedeln auf kleinflächigen Sonderstandorten, die sandig bis feinerdereich und mineral-
kräftig, schwach sauer bis basenreich sein können. Bestände von 20.2.2.2.3 auf saurem Ausgangssubstrat (z. B.
Grundgestein) gehören i. d. R. nicht zum LRT.
Subkontinentale Steppenrasen
, die zunächst als Subtyp (BfN) 6211 diesem FFH-LRT zugeordnet waren, werden
nun als FFH-LRT 6240* gefasst.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
20.2.0.1 ZEh
Brachypodium pinnatum-Brometalia erecti-
Gesellschaft
v
20.2.1 V
Bromion erecti
20.2.1.1 Ass
Onobrychido viciifoliae-Brometum erecti
v
20.2.1.2 Ass
Gentiano-Koelerietum agrostietosum tenuis
v
20.2.1.3.1 ZEh
Bromus erectus-Bromion erecti
-Gesellschaft v
20.2.2 V
Koelerio-Phleion phleoidis
20.2.2.1 Ges
Phleum phleoides
-Gesellschaft
v
20.2.2.2.1 ZEh
Galium verum-Agrostis capillaris-Koelerio-Phleion
-Gesellschaft
v
20.2.2.2.2 ZEh
Filipendula vulgaris-Helictotrichon pratense
-
Koelerio-Phleion
-Gesellschaft
v
20.2.2.2.3 ZEh
Dianthus deltoides-Agrostis capillaris-Koelerio-Phleion
-Gesellschaft
pp
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Da in Sachsen Kalk weitgehend fehlt, Lößstandorte jedoch vorwiegend ackerbaulich genutzt werden und wärme-
getönte Gebiete nur eine relativ geringe Ausdehnung einnehmen, sind die Trocken- und Halbtrockenrasen hier
sowohl selten als auch floristisch gegenüber den klassischen Verbreitungsgebieten wie z. B. Thüringen, Böhmen
oder Südwestdeutschland verarmt ausgebildet. Vorkommen von Halbtrockenrasen auf Lausitzer Basaltkuppen
sind zum Lebensraumtyp zu rechnen, sofern sie charakteristische Arten aufweisen.
Einzuschließen sind bei der Erfassung angrenzende Trockensäume und –gebüsche sowie bereits an Saumarten
reiche Brachen (oft Übergänge zu thermophilen Säumen der
Trifolio-Geranietea
), sofern noch nennenswerte
Anteile der Charakterarten der
Festuco-Brometea
vorhanden sind. Die Bestände werden auch dann dem FFH-
LRT zugeordnet, wenn sie als Unterwuchs in Streuobstwiesen auftreten.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 300m² zu erfassen.

6210
Kalk-Trockenrasen Seite
2
Für die Unterscheidung der prioritären Variante des Lebensraumtyps (6210*) muss eines der folgenden Kriterien
zutreffen:
Der Bestand enthält mindestens eine sehr seltene Orchideenart mit überregional (Mitteldeutschland) be-
deutsamer Populationsgröße.
Der Bestand enthält mindestens 3 seltene Orchideenarten (in Sachsen mind. stark gefährdet).
Der Bestand enthält mindestens 4 Orchideenarten (unabhängig vom Gefährdungsgrad).
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
In Kalk-Trockenrasenkomplexen enthaltene, oft kleinflächige Vorkommen von Kalk-Pionierrasen (LRT 6110) sind
- wenn nötig - auch als punktförmige Bestände gesondert zu erfassen. Kalk-Trockenrasen unterscheiden sich
davon durch das Zurücktreten von Annuellen, den dichteren Vegetationsschluss und die Vorkommen der kenn-
zeichnenden Arten.
Geringmächtiges Auftreten von Arten des Wirtschaftsgrünlands (Verband Arrhenatherion, vor allem von
Arrhe-
natherum elatius
und
Galium album
) können toleriert werden. Solche Übergangsbestände zwischen Mesobromi-
on und Arrhenatherion sind nicht selten. Die Zuordnung erfolgt nach syntaxonomischen und nutzungshistori-
schen Kriterien. So kann ein Arrhenatherion-Bestand, z. B. als Degenerationsstadium eines ehemaligen Halbtro-
ckenrasens, aber mit noch verbliebenen wesentlichen Anteilen von Mesobromion-Arten noch dem LRT 6210
zugeordnet werden.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Mai und Juli. Therophytenfluren sind zwischen April und Mai zu erfassen.

6210
Kalk-Trockenrasen Seite
2
Bewertung des LRT 6210 Kalk-Trockenrasen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Moosen und/oder Flechten
Therophyten
Grasschicht überwiegend
aus niedrigwüchsigen Grä-
sern (Mittel -und Untergrä-
ser) aufgebaut
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter > 60
%
Moosen und/oder Flechten
reichlich vorhanden
Therophyten reichlich vor-
handen
neben niedrigwüchsigen
auch höherwüchsige Grasar-
ten vorhanden
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter 60-30%
Moosen und/oder Flechten
spärlich vorhanden
Therophyten spärlich vor-
handen
Anteil niedrigwüchsiger
Gräser gegenüber höher-
wüchsigen relativ gering
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter < 30%
Moosen und/oder Flechten
fehlend
Therophyten fehlend
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine
Gebüsche (nicht flächige
Verbuschung) < 10% De-
ckung
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
kleinräumiges Mosaik mit
Pionierrasen, thermophilen
Säumen und Gebüschen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
Felsschutt
Lesesteine / größere Ge-
steinsbrocken
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 12 Arten aus der
Liste vorhanden
mindestens 8 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 8 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 4 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 2 Arten aus der Liste
vorhanden
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe
/Müllablagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Abbau / Materialentnahme
Bodenverdichtung / Trittbe-
lastung
intensive Störungen der
Bodendecke durch Erdanris-
se
jeweils nicht erkennbar bzw.
max. punktuell ohne Schädigung
des LRT
Beeinträchtigungen jeweils
deutlich erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
guungen erkennbar; Bestand
dadurch degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Nährstoffzeiger
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhanden

6210
Kalk-Trockenrasen Seite
2
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsaufgabe / Verbra-
chung (Versaumung)
Pflegedefizite
Verbuschung / Gehölzauf-
wuchs
Vergrasung mit hochwüchsi-
gen Gräsern
extensive Nutzung, guter
Nutzungs-/Pflegezustand
Vergrasung, Verbuschung
jeweils auf < 10% der Fläche
Nutzungs- / Pflegezustand
mäßig, deutliches Auftreten
von Brachezeigern (bis 40%
der Fläche)
Vergrasung, Verbuschung
jeweils auf 10 – 40% der Flä-
che
durch Nutzungsaufgabe de-
generierter Bestand, übermä-
ßiges Auftreten von Brache-
zeigern (auf > 40 % der Flä-
che)
Vergrasung, Verbuschung
jeweils auf > 40% der Fläche
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der
Fläche
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung:
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den

6210
Kalk-Trockenrasen Seite
2
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 6210
RL
LRT 6210
LRT 6210
RL
SN
SN
Achillea pannonica
Festuca pallens
Potentilla inclinata
Acinos arvensis
2
Festuca rupicola
Potentilla rupestris
1
Agrimonia eupatoria
Filipendula vulgaris
2
Potentilla heptaphylla
1
Ajuga genevensis
3
Fragaria viridis
Potentilla tabernaemontani
Allium senescens
2
Galium boreale
2
Primula veris
2
Allium vineale
Galium glaucum
2
Pulsatilla pratensis
1
Antennaria dioica
1
Galium pumilum
Pulsatilla vulgaris
R
Anthericum liliago
3
Galium verum agg.
Ranunculus bulbosus
Anthericum ramosum
2
Gymnadenia conopsea
1
Salvia pratensis
3
Anthyllis vulneraria
3
Helianthemum nummularium
2
Sanguisorba minor
ssp. minor
Arabis hirsuta
agg.
Helictotrichon pratense
1
Scabiosa columbaria
2
Arenaria serpyllifolia
Helictotrichon pubescens
Senecio jacobaea
Artemisia campestris
Koeleria macrantha
3
Silene vulgaris
Asperula cynanchica
1
Koeleria pyramidata
2
Stachys recta
2
Betonica officinalis
3
Leontodon hispidus
Thalictrum minus
2
Bothriochloa ischaemum
1
Linum catharticum
3
Thlaspi perfoliatum
2
Brachypodium pinnatum
Listera ovata
2
Thymus pulegioides
Briza media
3
Lotus corniculatus
Trifolium montanum
1
Bromus erectus
3
Medicago falcata
2
Veronica teucrium
2
Campanula glomerata
2
Melampyrum arvense
1
Vicia tenuifolia
Carex caryophyllea
2
Myosotis ramosissima
Viola hirta
Carex flacca
3
Onobrychis viciifolia
Carlina vulgaris
3
Ononis repens
Flechten
Centaurea jacea
Ononis spinosa
Cladonia
div. spec.
Centaurea scabiosa
3
Orchis mascula
1
Peltigera rufescens
3
Centaurea stoebe
Origanum vulgare
Moose
Cerastium brachypetalum
3
Orobanche
div. spec.
Abietinella abietina
2
Cerastium glutinosum
Petrorhagia prolifera
2
Brachythecium glareosum
3
Cerastium pumilum
Peucedanum oreoselinum
3
Campylium chrysophyllum
3
Cirsium acaule
2
Phleum phleoides
2
Ctenidium molluscum
3
Clinopodium vulgare
Pimpinella saxifraga
Entodon concinnus
1
Dianthus armeria
3
Plantago media
Homalothecium lutescens
3
Dianthus carthusianorum
3
Platanthera bifolia
2
Phascum curvicolle
2
Dianthus deltoides
Poa angustifolia
Pterygoneurum ovatum
3
Erophila verna
Poa bulbosa
3
Rhytidium rugosum
1
Eryngium campestre
3
Polygala comosa
1
Weissia controversa
3
Euphorbia cyparissias
Polygala vulgaris
3
Weissia longifolia
3
Falcaria vulgaris
3
Potentilla argentea
agg.

6230* Artenreiche Borstgrasrasen
Seite 28
6230* Artenreiche Borstgrasrasen
Artenreiche montane Borstgrasrasen (und submontan auf dem europäischen Festland) auf Silikatböden
Species-rich
Nardus
grasslands, on siliceous substrates in mountain areas (and submontain areas, in continental
Europe)
Ausbildungen:
1) Borstgras-Magerrasen (v. a.
Polygalo-Nardetum
)
2) Borstgras-Feuchtrasen (
Juncetum squarrosi
)
Zuordnung zum LRT
Definition:
In diesem FFH-Lebensraumtyp werden Wiesen und Weiden vom Tiefland bis in die Mittelgebirgslagen zusam-
mengefasst, die durch Dominanz des Borstgrases geprägt sind. Die auf nährstoffarmen Gesteinsverwitterungs-
böden vorkommenden Bestände siedeln vorwiegend auf silikatischen, sauren Substraten, jedoch können mitun-
ter solche auf leicht basenhaltigem Untergrund (z. B. Diabas) besonders artenreich ausgeprägt sein.
Die Vegetationsstruktur der Borstgrasrasen ist niedrig und locker, so dass viele konkurrenzschwache Arten Le-
bensmöglichkeiten finden. Die Borstgrasrasen verdanken ihre Entstehung in der Regel einem extensiven Weide-
betrieb, seltener einer (unregelmäßigen) einschürigen Mahd und sind meist mit Bergwiesen eng verzahnt.
Borstgras-Magerrasen (Polygalo-Nardetum, Galium saxatile-Nardus stricta-Violion-Gesellschaft [pp]; Ausbildung
1):
Vorwiegend Kreuzblümchen-Borstgras-Magerrasen (
Polygalo-Nardetum
) stickstoffarmer, trockener bis frischer
und flachgründiger Böden.
Borstgras-Feuchtrasen (Juncetum squarrosi; Ausbildung 2):
Torfbinsen-Feuchtrasen auf anmoorigen Böden oder in abgetorften Mooren auf wasserzügigen Resttorfflächen.
Sie vermitteln ökologisch und floristisch zwischen den Borstgrasrasen, den Braunseggen-Sümpfen und den
Hochmooren.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
27.1.1 V
Violion caninae
27.1.1.1 Ass
Polygalo-Nardetum
v
27.1.1.2 Ass
Juncetum squarrosi
v
27.1.1.3.1 ZEh
Galium saxatile-Nardus stricta-Violion
-Gesellschaft
pp
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Abgrenzungskriterium ist das Vorkommen von Vegetation der aufgeführten Syntaxa in planarer bis hochmonta-
ner Lage (planare Vorkommen sind ausdrücklich einbezogen). Artenarme
Nardus
-Dominanzbestände, wie sie z.
B. durch Überweidung oder länger andauernde Brache entstehen können, sowie kennartenarme Pionierrasen mit
Juncus squarrosus
sind ausgeschlossen. Dabei ist nicht die Gesamtartenzahl entscheidend für die Bewertung
eines Bestandes, sondern die Artenkombination soll im Vergleich mit typisch ausgebildeten Beständen des glei-
chen Syntaxons im regionalen Kontext bewertet werden. Die Artenvielfalt muss v. a. im Tiefland relativ gesehen
werden. Eingeschlossen sind auch durch Nutzungsaufgabe zwergstrauchreiche Bestände (dann aber nur Bewer-
tung des LRT mit „C“ möglich).
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Verheidete Borstgrasrasen mit einer Deckung der Zwergsträucher > 70% sind unter dem LRT 4030 (Trockene
Heiden) zu erfassen. In Berg-Mähwiesen (LRT 6520) kleinflächig eingeschlossene Borstgrasrasen sind auch
unter einer Größe von 300 m² getrennt (dann punktförmig) zu kartieren.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Borstgrasrasen sind optimal von Juni bis August zu erfassen.

6230* Artenreiche Borstgrasrasen
Seite 29
Bewertung des LRT 6230* Artenreiche Borstgrasrasen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Rosettenpflanzen
Grasschicht überwiegend
aus niedrigwüchsigen Grä-
sern (Mittel -und Untergrä-
ser) aufgebaut
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter > 30%
Rosettenpflanzen zahlreich
neben niedrigwüchsigen
auch höherwüchsige Grasar-
ten vorhanden
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter 15-30%
Rosettenpflanzen mäßig
vorhanden
Anteil niedrigwüchsiger
Gräser gegenüber höher-
wüchsigen relativ gering
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter < 15% (auch
höher bei einartigen Krautfa-
zies)
Rosettenpflanzen fehlend
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine
Gebüsche (nicht flächige
Verbuschung) < 10% De-
ckung
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
kleinräumiges Mosaik mit
Berg-/Flachland-Mähwiesen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
Wechsel von flach- und
tiefgründigen Bereichen
Wechsel von Nassstellen /
Flutmulden und trockenen /
frischen Bereichen
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 10 Arten aus der
Liste vorhanden
mindestens 7 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 7 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 3 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 1 Art aus der Liste
vorhanden
keine Arten aus der Liste vor-
handen
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe/ Müll-
ablagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Abbau / Materialentnahme
Bodenverdichtung / Trittschä-
den
intensive Störungen der
Bodendecke durch Erdanris-
se
nur Ausbildung 2:
Entwässerung
Grundwasserabsenkung
jeweils nicht erkennbar bzw.
max. punktuell ohne Schädigung
des LRT
Beeinträchtigungen jeweils
deutlich erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
gungen erkennbar, Bestand
dadurch degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Nährstoffzeiger (z.B.
Urtica
dioica, Dactylis glomerata,
Phleum pratense
)
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhanden

6230* Artenreiche Borstgrasrasen
Seite 30
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsaufgabe / Verbra-
chung (Versaumung)
Pflegedefizite (z.B. fehlende
Mahdgutbeseitigung)
Verbuschung / Gehölzauf-
wuchs
Vergrasung (mit LRT-untypi-
schen Arten bzw. LRT-untypi-
sche Dominanzen, z. B. von
Deschampsia flexuosa
)
extensive Nutzung, guter
Nutzungs-/Pflegezustand
Vergrasung, Verbuschung
jeweils auf < 10% der Fläche
Nutzungs- / Pflegezustand
mäßig, deutliches Auftreten
von Brachezeigern (bis 40%
der Fläche)
geringmächtige Streuaufla-
gen
Vergrasung, Verbuschung
jeweils auf 10 – 40% der
Fläche
Einart-Fazies, wenn vorhan-
den, nur kleinflächig einge-
streut
durch Nutzungsaufgabe
degenerierter Bestand, ü-
bermäßiges Auftreten von
Brachezeigern (> 40 %)
durch Streuauflagen verfilzt
Vergrasung, Verbuschung
jeweils auf > 40% der Fläche
auf Teilflächen dominante,
faziesbildende Arten beherr-
schend
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der
Fläche
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 6230*
RL
LRT 6230*
RL
LRT 6230*
RL
SN
SN
SN
Agrostis capillaris
Euphrasia stricta
3
Potentilla erecta
Antennaria dioica
1
Festuca ovina
agg.
Pseudorchis albida
1
Arnica montana
2
Festuca rubra
Ranunculus nemorosus
Botrychium lunaria
2
Galium pumilum
Scorzonera humilis
2
Calluna vulgaris
Galium saxatile
Succisa pratensis
3
Campanula rotundifolia
Hieracium lactucella
3
Thesium pyrenaicum
1
Carex caryophyllea
2
Hieracium pilosella
Thymus pulegioides
Carex echinata
Hypericum maculatum
Trifolium spadiceum
2
Carex nigra
Juncus squarrosus
Vaccinium myrtillus
Carex ovalis
Lathyrus linifolius
3
Vaccinium vitis-idaea
Carex pallescens
Luzula campestris
agg.
Veronica officinalis
Carex pilulifera
Luzula multiflora
Viola canina
Coeloglossum viride
1
Luzula sudetica
2
Viola palustris
Dactylorhiza maculata
agg.
Lycopodium clavatum
3 Moose
Danthonia decumbens
Meum athamanticum
Aulacomnium palustre
3
Deschampsia flexuosa
Nardus stricta
Pleurozium schreberi
Dianthus deltoides
Pedicularis sylvatica
2
Rhizomnium pseudopunctatum
3
Dianthus seguieri
2
Pinguicula vulgaris
2
Sphagnum compactum
2
Diphasiastrum alpinum
1
Platanthera bifolia
2
Sphagnum fallax
Diphasiastrum complanatum
2
Polygala serpyllifolia
3
Sphagnum papillosum
3
Diphasiastrum issleri
1
Polygala vulgaris
3

6240* Steppen-Trockenrasen
Seite 31
6240* Steppen-Trockenrasen
Subpannonische (subkontinentale) Steppen-Trockenrasen
Sub-pannonic steppic grasslands
Zuordnung zum LRT
Definition:
Es handelt sich um Trocken- und Halbtrockenrasen der Festucetalia valesiacae auf nicht zu flachgründi-
gen Böden über basisch verwitterndem Substrat (z. B. Basalt, Diabas), aber auch auf Elbdeichen in konti-
nentalen und wärmegetönten Gebieten (einschließlich verbuschter Ausprägungen).
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
20.1.1 V
Festucion valesiacae
20.1.1.1 Ass
Festuco valesiacae-Stipetum capillatae
v
20.1.2 V
Cirsio pannonici-Brachypodion
20.1.2.0.1 ZEh
Festuca rupicola-Cirsio-Brachypodion-
Gesellschaft v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Die subkontinental-kontinental verbreiteten Trocken- und Halbtrockenrasen sind im Gegensatz zum be-
nachbarten Böhmen und dem Mitteldeutschen Trockengebiet in Sachsen von Natur aus selten und floris-
tisch verarmt (z. B. ohne
Stipa
-Arten). Meist sind nur geringe Bestandsgrößen vorhanden. Für die Zuord-
nung zum LRT 6240 reicht in Halbtrockenrasen (insbesondere in Dominanzbeständen von
Brachypodium
pinnatum
oder
Festuca rupicola
) das Auftreten von mindestens einer der folgenden (sub-)kontinentalen
Trennarten:
Achillea setacea, Bothriochloa ischaemum, Festuca valesiaca, Potentilla incana
oder
Seseli
annuum
.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Mesophilere Bestände können durch das Fehlen submediterraner und das Auftreten kontinentaler (regio-
naler) Trennarten vom Bromion erecti (LRT 6210) abgegrenzt werden. Bestände ohne (sub-) kontinentale
Arten gehören nicht den Festucetalia valesiacae an und werden daher dem LRT 6210 zugeordnet.
Vegetation auf Felsköpfen, die nicht den Festucetalia valesiacae angehören, kann auch zum LRT 8230
gestellt werden.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Mai und Juli. Therophytenfluren sind zwischen April und Mai zu er-
fassen.

6240* Steppen-Trockenrasen
Seite 32
Bewertung des LRT 6240* Steppen-Trockenrasen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Moosen und/oder Flechten
Therophyten
Grasschicht überwiegend
aus niedrigwüchsigen Grä-
sern (Mittel -und Untergrä-
ser) aufgebaut
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter > 40%
Moosen und/oder Flechten
reichlich vorhanden
Therophyten reichlich vor-
handen
neben niedrigwüchsigen
auch höherwüchsige Grasar-
ten vorhanden
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter 40-20%
Moosen und/oder Flechten
spärlich vorhanden
Therophyten spärlich vor-
handen
Anteil niedrigwüchsiger
Gräser gegenüber höher-
wüchsigen relativ gering
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter < 20%
Moosen und/oder Flechten
fehlend
Therophyten fehlend
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine
Gebüsche (nicht flächige
Verbuschung) < 10% De-
ckung
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
kleinräumiges Mosaik mit
Kalk-Trockenrasen, ther-
mophilen Säumen und Gebü-
schen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
Felsschutt
Lesesteine/größere Ge-
steinsbrocken
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 12 Arten aus der
Liste vorhanden
mindestens 8 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 8 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 4 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 2 Arten aus der Liste
vorhanden
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe/ Müll-
ablagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
andauernder Abbau / Materi-
alentnahme
Bodenverdichtung / Trittschä-
den
intensive Störungen der
Bodendecke durch Erdanris-
se
jeweils nicht erkennbar bzw.
max. punktuell ohne Schädigung
des LRT
Beeinträchtigungen jeweils
deutlich erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
gungen erkennbar, Bestand
dadurch degeneriert

6240* Steppen-Trockenrasen
Seite 33
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Nährstoffzeiger
(Ruderalisierungs- / Stö-
rungszeiger
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhanden
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsaufgabe / Verbra-
chung (Versaumung)
Pflegedefizite
Verbuschung / Gehölzauf-
wuchs
Vergrasung mit Obergräsern
(v.a.
Brachypodium pinna-
tum
)
extensive Nutzung, guter
Nutzungs-/Pflegezustand
Vergrasung, Verbuschung
jeweils auf < 10% der Fläche
Nutzungs- / Pflegezustand
mäßig, deutliches Auftreten
von Brachezeigern (bis 40%
der Fläche)
Vergrasung, Verbuschung
jeweils auf 10 – 40% der
Fläche
durch Nutzungsaufgabe de-
generierter Bestand, übermä-
ßiges Auftreten von Brache-
zeigern (> 40 %
Vergrasung, Verbuschung
jeweils auf > 40% der Fläche
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der
Fläche
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung:
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den

6240* Steppen-Trockenrasen
Seite 34
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 6240
RL
LRT 6240
RL
LRT 6240
RL
SN SN SN
Achillea collina
3
Festuca rupicola
Pulsatilla pratensis
1
Achillea pannonica
Festuca valesiaca
1
Salvia pratensis
3
Achillea setacea
1
Filipendula vulgaris
2
Sanguisorba minor
Acinos arvensis
2
Fragaria viridis
Scabiosa columbaria
2
Ajuga genevensis
3
Galium boreale
2
Scabiosa ochroleuca
3
Anthericum liliago
3
Galium glaucum
2
Seseli annuum
1
Anthericum ramosum
2
Galium pumilum
Stachys recta
2
Anthyllis vulneraria
3
Galium verum agg.
Thlaspi perfoliatum
2
Arenaria serpyllifolia
Helianthemum nummularium
2
Veronica prostrata
1
Artemisia campestris
Helictotrichon pratense
1
Asperula cynanchica
1
Helictotrichon pubescens
Flechten
Bothriochloa ischaemum
1
Inula hirta
1
Cladonia
div. spec.
Brachypodium pinnatum
Koeleria macrantha
3
Peltigera rufescens
3
Briza media
3
Koeleria pyramidata
2 Moose
Campanula bononiensis
1
Lactuca perennis
1
Abietinella abietina
2
Campanula glomerata
2
Linum catharticum
3
Acaulon triquetrum
1
Carex humilis
2
Medicago falcata
2
Brachythecium glareosum
3
Carlina vulgaris
3
Medicago minima
1
Ctenidium molluscum
3
Centaurea stoebe
Orobanche
div. spec.
Hilpertia velenovskyi
1
Cerastium brachypetalum
3
Pimpinella saxifraga
Homalothecium lutescens
3
Cerastium pumilum
Polygala comosa
1
Phascum curvicolle
2
Cirsium acaule
2
Potentilla heptaphylla
1
Pterygoneurum ovatum
3
Dianthus carthusianorum
3
Potentilla incana
1
Pterygoneurum subsessile
1
Erophila verna
Potentilla inclinata
Rhynchostegium megapolitanum
Eryngium campestre
3
Potentilla rupestris
1
Weissia controversa
3
Euphorbia cyparissias
Potentilla tabaernaemontani
Weissia longifolia
3
Festuca pallens
Pseudolysimachion spicatum
1
1
erst 1999 in Sachsen entdeckt, deshalb noch nicht in der Roten Liste von 1998 aufgeführt, bei einer Neufassung der
Roten Liste müsste die Art in Kategorie 1 eingeordnet werden, in Deutschland existieren nur zwei Fundorte (Müller in
litt.)

6430
Feuchte HochstaudenflurenPfeifengraswiesen Seite 3
6410 Pfeifengraswiesen
Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae)
Molinia meadows on calcareous, peaty or clavey-silt-laden soils (Molinion caeruleae)
Ausbildungen:
1) Basiphytische Pfeifengraswiesen (
Molinietum caeruleae
)
2) Azidophytische Pfeifengraswiesen („
Junco-Molinietum
“)
Zuordnung zum LRT
Definition:
Es handelt sich um extensiv genutzte, ungedüngte (Streu-)Wiesen auf relativ nährstoffarmen, minerali-
schen oder moorigen, wechselfeuchten bis wechseltrockenen Grundwasser- und Sickerwasserböden, die
traditionell einmal jährlich (im Herbst) gemäht wurden. Besiedelt werden sowohl saure als auch basenrei-
che Standorte, auf basenreichen ist der LRT jedoch besonders artenreich ausgebildet. Die Pfeifengraswie-
sen sind geprägt durch zahlreiche Magerkeitszeiger, die je nach Feuchtigkeit und Bodentyp ihren Ursprung
in Flachmoorgesellschaften, Halbtrockenrasen und Borstgrasrasen haben können. Oftmals herrscht das
Pfeifengras vor. Fett- und Nasswiesenarten sind fast stets vorhanden, ihre Artmächtigkeit ist aber gering. In
Abhängigkeit von der Bewirtschaftungsweise sind kleine bis mittelgroße Flächen typisch.
Basiphytische Pfeifengraswiesen (Molinietum caeruleae; Ausbildung 1)
:
In Sachsen nur kleinste Reste auf stickstoffarmen, basen- bis kalkreichen wechselfeuchten Böden. Kenn-
zeichnende Arten sind insbesondere
Cirsium tuberosum, Dianthus superbus, Galium boreale, Inula salici-
na, Iris sibirica, Laserpitium prutenicum, Selinum carvifolium, Serratula tinctoria
und
Silaum silaus
.
Azidophytische Pfeifengraswiesen (Succisa pratensis
-
Juncus conglomeratus
-Gesellschaft
; Ausbildung 2)
:
Einstige Leitgesellschaft der bodensauren Streuwiesen in Sachsen. Kennzeichnend sind neben der Domi-
nanz von Pfeifengras und Binsen vor allem
Succisa pratensis
und Arten der Feuchtwiesen.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
18.1.3 V
Molinion caeruleae
18.1.3.1 Ass
Molinietum caeruleae
v
18.1.2 V
Calthion palustris
18.1.2.4 Ges
Succisa pratensis-Juncus conglomeratus
-Gesellschaft („
Junco-Molinietum
“)
v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Wesentlich für die Einordnung in den LRT 6410 ist das Vorhandensein mehr oder minder artenreicher Pfei-
fengraswiesen in Verbindung mit aktueller oder früherer extensiver Streunutzung bzw. heutiger Natur-
schutz-Mahd. Artenarme Degradationsstadien sowie von
Molinia caerulea
durchsetzte Brachestadien von
Flach- oder Zwischenmooren sind nicht einbezogen.
Basophile Pfeifengraswiesen sind in Sachsen im Vergleich zu Thüringen und Süddeutschland wegen
Kalkmangels nur sehr selten, den Haupttyp bilden hingegen die azidophytischen Pfeifengraswiesen. Be-
stände dieses LRT sind heute jedoch oft von Bracheerscheinungen oder infolge Düngung mehr oder min-
der degradiert.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 300m² zu erfassen, basiphytische Pfeifengraswiesen können auch
kleinflächiger aufgenommen werden.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Vorkommen in Kontakt zu kalkreichen Niedermooren (LRT 7230) können als Bestandteil des Niedermoor-
komplexes angesehen und dann als LRT 7230 erfasst werden. Ein solches Vorgehen sollte jedoch nur
dann gewählt werden, wenn eine Abgrenzung der Pfeifengraswiesen aufgrund fließender Übergänge (z. B.
einheitliche Nutzung) nur schwer möglich ist.
Von
Molinia caerulea
durchsetzte Brachestadien von Übergangs- und Schwingrasenmooren werden in den
LRT 7140 eingeordnet. Bestände mit den typischen Arten der Stromtalwiesen gehören zum FFH-LRT 6440
(Brenndolden-Auenwiesen der Stromtäler).
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Pfeifengraswiesen sind optimal im Juli und August zu erfassen, ggf. müssen aber auch Aspekte im Frühjahr
berücksichtigt werden.

6430
Feuchte HochstaudenflurenPfeifengraswiesen Seite 3
Bewertung des LRT 6410 Pfeifengraswiesen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Wiesennarbe gleichmäßig
aus Ober-, Mittel- und Un-
tergräsern aufgebaut
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter
basenreich: > 50%
basenarm: > 30%
Wiesennarbe überwiegend aus
Obergräsern aufgebaut, Mittel-
und Untergräser vielfach vor-
handen
Deckungsgrad niedrigwüchsi-
ger Kräuter
basenreich: 30-50%
basenarm: 15-30%
Obergräser stark dominierend,
Mittel- und Untergräser verein-
zelt vorhanden
Deckungsgrad niedrigwüchsi-
ger Kräuter
basenreich: < 30%
basenarm: < 15% (auch höher
bei einartigen Krautfazies)
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine Ge-
büsche (nicht flächige Verbu-
schung) < 10% Deckung
kleinräumig wechselnde Aus-
prägungen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
Wechsel von Nassstellen /
Flutmulden und trockenen / fri-
schen Bereichen
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar basenreich: mindestens 10
Arten aus der Liste vorhanden
basenarm: mindestens 6 Arten
aus der Liste vorhanden
basenreich: mindestens 7 Arten
aus der Liste vorhanden
basenarm: mindestens 4 Arten
aus der Liste vorhanden
basenreich: weniger als 7 Arten
aus der Liste vorhanden
basenarm: weniger als 4 Arten
aus der Liste vorhanden
seltene/besonders kennzeichnende
Arten (in der Liste
fett
hervorgeho-
ben)
basenreich: mindestens 4
Arten aus der Liste vorhanden
basenarm: mindestens 2 Arten
aus der Liste vorhanden
basenreich: mindestens 2 Arten
aus der Liste vorhanden
basenarm: 1 Art aus der Liste
vorhanden
basenreich: weniger als 2 Arten
aus der Liste vorhanden
basenarm: keine Art aus der
Liste vorhanden
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzvertei-
lung charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Grundwasserabsenkung
Entwässerung
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe /Müllab-
lagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Abbau / Materialentnahme
Bodenverdichtung
intensive Störungen der Bo-
dendecke durch Erdanrisse
jeweils nicht erkennbar bzw.
max. punktuell ohne Schädi-
gung des LRT
Beeinträchtigungen jeweils
deutlich erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
gungen erkennbar, Bestand
dadurch degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Nährstoffzeiger
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhanden
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsauflassung / Degradati-
on durch Brache (v. a.
Cala-
magrostis epigejos
oder Hoch-
stauden)
Pflegedefizite (z.B. fehlende
Mahdgutbeseitigung)
Verbuschung / Gehölzaufwuchs
extensive Nutzung, guter
Nutzungs-/Pflegezustand
nahezu keine Verbuschung
stellenweise Mahdgutablage-
rungen
Nutzungs-/Pflegezustand
ungenügend, deutliches Auf-
treten von Brachezeigern (bis
50% der Fläche)
Verbuschung auf 10-30% der
Fläche
Streu aus den Vorjahren
vorhanden
durch Nutzungsaufgabe dege-
nerierter Bestand, Vorherr-
schen von Brachezeigern
Brachezeiger > 50% der
Fläche einnehmend (oft als ar-
tenarme Dominanzbestände)
Verbuschung auf > 30% der
Fläche

6430
Feuchte HochstaudenflurenPfeifengraswiesen Seite 3
Sonstiges:
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 6410
RL
LRT 6410
RL
LRT 6410
RL
SN
SN
SN
Achillea ptarmica
Gymnadenia conopsea
1
Sanguisorba officinalis
Betonica officinalis
3
Hieracium lactucella
3
Scorzonera humilis
2
Briza media
3
Hydrocotyle vulgaris
Selinum carvifolia
Cardamine pratensis
Inula britannica
Serratula tinctoria
2
Carex flacca
3
Inula salicina
2
Silaum silaus
3
Carex nigra
Iris sibirica
2
Silene flos-cuculi
Carex pallescens
Juncus acutiflorus
Succisa pratensis
3
Carex panicea
Juncus conglomeratus
Thalictrum flavum
1
Cirsium canum
1
Laserpitium prutenicum
1
Trollius europaeus
2
Cirsium palustre
Linum catharticum
Valeriana dioica
3
Cirsium tuberosum
1
Listera ovata
2
Viola persicifolia
1
Dactylorhiza incarnata
1
Lotus pedunculatus
Dactylorhiza maculata
agg.
Luzula multiflora
Moose
Dactylorhiza majalis
2
Molinia caerulea
agg.
Aulacomnium palustre
3
Deschampsia cespitosa
Ophioglossum vulgatum
2
Brachythecium rivulare
Dianthus superbus
1
Parnassia palustris
2
Calliergonella cuspidata
Epipactis palustris
2
Pedicularis sylvatica
2
Campylium stellatum
3
Equisetum palustre
Phyteuma orbiculare
1
Dicranum bonjeanii
1
Galium boreale
2
Potentilla alba
1
Fissidens adianthoides
3
Galium palustre
Potentilla erecta
Plagiomnium undulatum
Galium uliginosum
Ranunculus nemorosus
Gentiana pneumonanthe
1
Ranunculus polyanthemos
2
Riccardia pinguis
3
Geum rivale
3
Rhinanthus minor
3
Sphagnum fallax
Gladiolus imbricatus
1
Salix repens
3

6430
Feuchte Hochstaudenfluren
Seite 38
6430 Feuchte Hochstaudenfluren
Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe
Hydrophilous tall herb fringe communities of plains and of the montane to alpine levels
Ausbildungen:
1) Ufer-Hochstaudenfluren tieferer Lagen (Subtyp (BfN) 6431)
2) Feuchte Wald-Staudenfluren tieferer Lagen (Subtyp (BfN) 6431)
3) Hochmontane Hochstaudenfluren (Subtyp (BfN) 6432)
Zuordnung zum LRT
Definition:
Dieser FFH-Lebensraumtyp umfasst die Hochstaudenfluren feuchter, nährstoffreicher Standorte an den
Ufern von Fließgewässern, auf Auenstandorten mit direktem Kontakt zu Fließgewässern, auf Flussschot-
tern und an Waldrändern, die meist nicht oder allenfalls sporadisch gemäht werden.
Ufer-Hochstaudenfluren tieferer Lagen (Ausbildung 1, Subtyp (BfN) 6431)
:
Uferbegleitende Hochstaudenfluren des Filipendulion, des Convolvulion sepium oder der Glechometalia.
Feuchte Wald-Staudenfluren tieferer Lagen (Ausbildung 2, Subtyp (BfN) 6431)
:
Feuchte Staudensäume der Waldränder des
Convolvulo sepium-Eupatorietum cannabini
, des Aegopodion
oder des Geo urbani-Alliarion petiolatae.
Hochmontane Hochstaudenfluren (Ausbildung 3, Subtyp (BfN) 6432)
:
Hochmontan-subalpine Hochstaudenfluren an Ufern von Fließgewässern in den Hochlagen der Mittelgebir-
ge. Dazu gehören Bestände des
Cicerbitetum alpinae
, der
Petasites albus-
Gesellschaft und des
Athyrietum
distentifolii
.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
18.1.1 V
Filipendulion ulmariae
18.1.1.1 Ass
Filipendulo-Geranietum palustris
v
18.1.1.2 Ass
Geranio sylvatici-Chaerophylletum hirsuti
v
21.1.1 V
Convolvulion sepium
21.1.1.1 Ass
Soncho palustris-Archangelicetum litoralis
v
21.1.1.2 Ass
Cuscuto-Convolvuletum sepium
v
21.1.1.2.1 UE
Cuscuto-Convolvuletum sepium
, AF von
Calamagrostis pseudopurpurea
v
21.1.1.3 Ass
Epilobio hirsuti
-
Convolvuletum sepium
v
21.1.1.4 Ass
Convolvulo sepium-Eupatorietum cannabini
v
21.1.1.5 Ass
Veronico longifoliae-Euphorbietum palustris
v
21.2.1 V
Aegopodion podagrariae
21.2.1.2 Ass
Phalarido arundinaceae-Petasitetum hybridi
pp
21.2.2 V
Geo urbani-Alliarion petiolatae
21.2.2.2 Ass
Alliario petiolatae-Chaerophylletum temuli
pp
21.2.2.6.2 ZEh
Stachys sylvatica-Impatiens noli-tangere-Geo-Alliarion
-Gesellschaft pp
21.2.2.6.3 ZEh
Cucubalus baccifer-Geo-Alliarion
-Gesellschaft pp
26.1.1 V
Adenostylion alliariae
26.1.1.1 Ass
Cicerbietum alpinae
v
26.1.1.1.1 Ges
Petasites albus-
Gesellschaft v
26.1.2 V
Calamagrostion villosae
26.1.2.1 Ass
Athyrietum distentifolii
v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Artenarme Dominanzbestände, denen die Charakterarten der genannten Syntaxa weitgehend fehlen, sind
ausgeschlossen. Bestände an Wegen oder Äckern sowie flächige Brachestadien von Feuchtgrünland ohne
Kontakt zu Fließgewässern sind ausgeschlossen. Nicht eingeschlossen sind Neophyten-Bestände, z. B. mit
Topinambur (
Helianthus tuberosus
), Japanischem Knöterich (
Reynoutria japonica
), Riesen-Bärenklau (
He-
racleum mantegazzianum
) oder Drüsigem Springkraut (
Impatiens glandulifera
). Hypertrophe Reinbestände
von Brennnessel (
Urtica dioica
) und Giersch (
Aegopodium podagraria
) sind ebenfalls ausgeschlossen.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 300m² zu erfassen (bei besonders guter Ausprägung können auch
kleinere Bestände einbezogen werden).

6430
Feuchte Hochstaudenfluren
Seite 39
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Naturnahe Fließgewässer und Auwaldbiotope, die oft eng verzahnt mit diesem FFH-LRT sind, sind bei
entsprechender Ausprägung als FFH-LRT 3260, 3270 und 91E0* getrennt zu erfassen. Uferstaudenfluren
an Stillgewässern gehören nicht zum LRT 6430, sie sind ggf. in die LRT 3130, 3140 bzw. 3150 einzubezie-
hen.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Juni und Oktober.
Bewertung des LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
für die Hochstaudenfluren ohne Bedeutung, da generell arm an vertikalen Strukturen
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine
Gebüsche (nicht flächige
Verbuschung) < 10% De-
ckung
kleinräumiges Mosaik mit
weiteren Vegetationstypen
wie Röhrichten oder Groß-
seggenrieden
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
Wechsel von Nassstellen /
Flutmulden und trockenen /
frischen Bereichen
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar mindestens 5 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 3 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 3 Arten aus der Liste
vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 1 Art aus der Liste
vorhanden
weniger als 1 Art aus der Liste
vorhanden
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Grundwasserabsenkung
Entwässerung der LRT-
Fläche
Gewässerverrohrung, -ver-
legung, –begradigung, -
absenkung oder
-
eintiefung, Uferbefestigung
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe / Müll-
ablagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Abbau / Materialentnahme
intensive Störungen der
Bodendecke durch Erdanris-
se
Bodenverdichtung
jeweils nicht erkennbar bzw.
max. punktuell ohne Schädi-
gung des LRT
Gewässer begleitende Hoch-
stauden: kein Ausbau/ Ver-
bau des Gewässers, allenfalls
punktuell
Beeinträchtigungen jeweils
deutlich erkennbar
Gewässer begleitende
Hochstauden: teilweise tech-
nischer Ausbau (<30% der
relevanten Gewässerlänge)
oder Verbau mit naturnahen
Methoden (30-50%)
jeweils erhebliche Beein-
trächtigungen erkennbar,
Bestand dadurch degene-
riert
Gewässer begleitende
Hochstauden: überwiegend
technischer Ausbau (> 30%
der relevanten Gewässer-
länge)
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Lebensraum-untypische
Nährstoffzeiger
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhanden

6430
Feuchte Hochstaudenfluren
Seite 40
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Verbuschung / Gehölzauf-
wuchs
Pflegedefizite (z.B. fehlende
Mahdgutbeseitigung)
Verbuschung auf < 10% der
Fläche
guter Pflegezustand
Verbuschung auf 10-40%
der Fläche
stellenweise Mahdgutabla-
gerungen
Verbuschung auf > 40% der
Fläche
fehlende Mahdgutbeseiti-
gung auf großen Flächen
Sonstiges:
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Intensivierung guter Nutzungs-/Pflegezustand deutliches Auftreten von Intensi-
vierungszeigern (z.B. schnittver-
trägliche Gräser)
hoher Anteil von Intensivie-
rungszeigern (z.B. schnittver-
trägliche Gräser)
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den
Gewässerberäumung
nicht erkennbar bzw. max. punk-
tuell ohne Schädigung des LRT
deutlich erkennbar
erhebliche Gewässerberäumung
erkennbar
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
Ufer-Hochstaudenfluren tieferer Lagen und Feuchte Wald-Staudenfluren tieferer Lagen
LRT 6431 (Ausbildung 1 und 2)
RL
LRT 6431 (Ausbildung 1 und 2)
RL
LRT 6431 (Ausbildung 1 und 2)
RL
SN
SN
SN
Achillea ptarmica
Cuscuta europaea
Peucedanum palustre
Aconitum variegatum
Dipsacus pilosus
3
Phalaris arundinacea
Aegopodium podagraria
Epilobium hirsutum
Pseudolysimachion longifolium
2
Alliaria petiolata
Eupatorium cannabinum
Ranunculus platanifolius
3
Angelica archangelica
Euphorbia palustris
1
Sanguisorba officinalis
Angelica sylvestris
R
Filipendula ulmaria
Scirpus sylvaticus
Calamagrostis pseudopurpurea
Geranium palustre
Scrophularia nodosa
Caltha palustris
Geranium sylvaticum
Scrophularia umbrosa
Calystegia sepium
Geum rivale
3
Senecio germanicus
Carduus crispus
3
Glechoma hederacea
Senecio sarracenicus
1
Carduus personata
Humulus lupulus
Sisymbrium strictissimum
2
Chaerophyllum aureum
Hypericum tetrapterum
Stachys palustris
Chaerophyllum bulbosum
Impatiens noli-tangere
Stachys sylvatica
Chaerophyllum hirsutum
Lycopus europaeus
Stellaria aquatica
Chaerophyllum temulum
Lysimachia vulgaris
Stellaria neglecta
Circaea lutetiana
Lythrum salicaria
Stellaria nemorum
Cirsium oleraceum
Mentha aquatica
Symphytum officinale
Cirsium palustre
Mentha longifolia
Thalictrum aquilegiifolium
Crepis paludosa
2
Petasites albus
Thalictrum flavum
1
Cucubalus baccifer
Petasites hybridus
Valeriana officinalis
agg.

6430
Feuchte Hochstaudenfluren
Seite 41
Hochmontane Hochstaudenfluren
LRT 6432 (Ausbildung 3)
RL
LRT 6432 (Ausbildung 3)
RL
LRT 6432 (Ausbildung 3)
RL
SN
SN
SN
Achillea ptarmica
Cicerbita alpina
3
Peucedanum ostruthium
2
Aconitum napellus agg.
Cirsium heterophyllum
Ranunculus platanifolius
3
Aconitum variegatum
Cirsium oleraceum
Scirpus sylvaticus
Aegopodium podagraria
Cirsium palustre
Scrophularia nodosa
Angelica sylvestris
Crepis paludosa
Senecio hercynicus
3
Athyrium distentifolium
3
Dryopteris dilatata
Stachys sylvatica
Bistorta officinalis
Epilobium alpestre
R
Stellaria nemorum
Calamagrostis villosa
Filipendula ulmaria
Tephroseris crispa
2
Caltha palustris ssp. minor
Geum rivale
3
Thalictrum aquilegiifolium
Chaerophyllum aureum
Impatiens noli-tangere
Chaerophyllum hirsutum
Petasites albus

6440
Brenndolden-Auenwiesen Seite
4
6440 Brenndolden-Auenwiesen
Brenndolden-Auenwiesen (Cnidion dubii)
Alluvial meadows of river valleys of the Cnidion dubii
Zuordnung zum LRT
Definition:
Die Brenndolden-Auenwiesen sind Grünlandgesellschaften auf wechselnassen bis wechselfeuchten, sommertro-
ckenen, humosen, besonders tonreichen Auenlehmen in wärmebegünstigten Stromtälern der großen Flüsse, wie
man sie nur in größerer Entfernung vom Flusslauf vorfindet. Vornehmlich werden Geländesenken besiedelt, in
denen sich auf der einen Seite Oberflächenwasser sammelt, auf der anderen Seite Grundwasser zu Tage tritt.
Der Grundwassereinfluss beschränkt sich auf Vernässungsphasen im Winter und Frühling, während im Sommer
starke Austrocknung kennzeichnend ist. Bezeichnend gegenüber dem Grundwasserspiegel in Flussnähe ist der
verzögerte Abfall im Juni und der verspätete Anstieg im Dezember. Brenndolden-Stromtalwiesen weisen einen
subkontinentalen Verbreitungsschwerpunkt auf. Durch meist regelmäßige Überflutung im Frühjahr bis Frühsom-
mer ist eine natürliche Nährstoffversorgung gegeben.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
18.1.4 V
Cnidion dubii
18.1.4.1 Ass
Cnidio-Deschampsietum cespitosae
v
18.1.4.2 Ges
Filipendula vulgaris-Ranunculus polyanthemos
-Gesellschaft v
18.1.4.3 Ges
Sanguisorba officinalis-Silaum silaus
-Gesellschaft v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Entscheidend für die Zuordnung von Auengrünland zum FFH-LRT ist das Auftreten von Stromtalpflanzen (siehe
unten). Fehlende Überflutung in Folge von Ausdeichung oder Abflussregulierung ist kein Ausschlusskriterium,
sofern ein hydrologischer Kontakt zum Fluss über den Untergrund gegeben ist. Kleinere Vorkommen von Flutra-
sen sowie anderer Feuchtgrünland-Vegetation können in die Abgrenzung mit einbezogen werden. Brachesta-
dien, die noch einen Teil des typischen Arteninventars aufweisen, sind in den LRT eingeschlossen.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 300m² zu erfassen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Übergangsformen zu LRT 6410 und zu nährstoffreichen Feuchtwiesen in den Auen der kleineren Flüsse sowie
zu LRT 6510 sind als Brenndolden-Auenwiesen zu erfassen, wenn Stromtalarten in signifikanten Populations-
größen vorhanden sind.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Brenndolden-Auenwiesen sind optimal im Juli und August zu erfassen.

6440
Brenndolden-Auenwiesen Seite
4
Bewertung des LRT 6440 Brenndolden-Auenwiesen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Kräutern
Rosettenpflanzen
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter > 30%
Rosettenpflanzen zahlreich
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter 15-30%
Rosettenpflanzen mäßig
vorhanden
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter < 15%
Rosettenpflanzen fehlend
Vegetationsstruktur:
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
kleinräumiges Mosaik mit
Nassvegetation (z. B.
Sumpf/Röhricht)
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
Wechsel von Nassstel-
len/Flutmulden und trocke-
nen/frischen Bereichen
Auenstrukturen vorhanden
(temporäre Wasserstellen, Rin-
nen u. ä.)
verarmt an typischen Strukturen
keine typischen Auenstrukturen
vorhanden
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar mindestens 10 Arten nach der
Liste vorhanden
mindestens 7 Arten nach der
Liste vorhanden
weniger als 7 Arten nach der
Liste vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 3 Arten aus der Liste
vorhanden, davon mindestens
eine Stromtalart
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden, davon mindestens
eine Stromtalart
mindestens eine Stromtalart
vorhanden
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Grundwasserabsenkung
Entwässerung
Eutrophierung durch Dün-
gung oder sonstigen Nähr-
stoffeintrag
Eintrag anderer Stoffe / Müll-
ablagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Abbau / Materialentnahme
intensive Störungen der
Bodendecke durch Erdanris-
se
Bodenverdichtung
mind. regelmäßig überflutet,
weitgehend ohne Schäden
gelegentliche Überflutung, min-
destens durch ein Kriterium
deutliche Beeinträchtigungen
erkennbar
keine Überflutung, mindestens
durch ein oder mehrere Kriterien
erhebliche Beeinträchtigungen
erkennbar, Bestand dadurch
degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger)
übermäßiges Auftreten von
Nährstoffzeigern
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhanden
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsauflassung / Degra-
dation durch Brache
Pflegedefizite (z. B. fehlende
Mahdgutbeseitigung)
Verbuschung / Gehölzauf-
wuchs
extensive Nutzung, guter
Nutzungs-/Pflegezustand
stellenweise Mahdgutabla-
gerungen
Nutzungs- / Pflegezustand
ungenügend, deutliches Auf-
treten von Brachezeigern
(bis auf 50% der Fläche)
Verbuschung auf 10-40%
der Fläche
Streuschicht durch fehlende
Mahdgutbeseitigung vorhan-
den
durch Nutzungsaufgabe
degenerierter Bestand, Vor-
herrschen von Brachezei-
gern (auf > 50% der Fläche)
Verbuschung auf > 40% der
Fläche
Sonstiges:
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den
Intensivierung
extensive Nutzung, guter Nut-
zungs-/Pflegezustand
Anklänge an nährstoffreichere
oder mesophile Grünlandtypen
deutliche Tendenzen zu Inten-
sivgrünland

6440
Brenndolden-Auenwiesen Seite
4
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 6440
RL
LRT 6440
RL
LRT 6440
RL
SN SN SN
Achillea ptarmica
Filipendula ulmaria
Sanguisorba officinalis
S
Allium angulosum
1 S
Filipendula vulgaris
2 S
Scutellaria hastifolia
1
Alopecurus pratensis
Galium boreale
2 S
Selinum carvifolia
Angelica sylvestris
Galium uliginosum
Senecio aquaticus
Betonica officinalis
3
Galium verum agg.
Serratula tinctoria
2
Bistorta officinalis
S
Inula britannica
Silaum silaus
3
Caltha palustris
Inula salicina
2
Silene flos-cuculi
Carex panicea
Lotus pedunculatus
Stellaria palustris
Carex tomentosa
1
Molinia caerulea agg.
Succisa pratensis
3
Cirsium palustre
Myosotis scorpioides
Teucrium scordium
1
S
Cnidium dubium
1 S
Peucedanum officinale
1
Thalictrum flavum
1
Colchicum autumnale
2
S
Pseudolysimachion longifolium
2 S
Viola persicifolia
1
Deschampsia cespitosa
S
Pulicaria dysenterica
2
S
Viola pumila
1
Equisetum palustre
Ranunculus polyanthemos
S
Euphorbia palustris
1
Ranunculus repens
S: Stromtalart bzw. für Stromtalwiesen besonders kennzeichnende Art

6510
Flachland-Mähwiesen Seite
4
6510 Flachland-Mähwiesen
Magere Flachland-Mähwiesen (
Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis
)
Lowland hay meadows (
Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis
)
Zuordnung zum LRT
Definition:
Dieser FFH-Lebensraumtyp umfasst Wiesen der planaren bis submontanen Höhenstufe. Hierzu gehören vor
allem Glatthafer-, Rotschwingel- und Fuchsschwanzwiesen. Sie finden sich auf mäßig trockenen, frischen bis
mäßig feuchten Standorten auf unterschiedlichsten Böden mit meist guter Nährstoffversorgung.
Bei Vorkommen entsprechender Vegetation können auch junge Brachen und Mähwiesen mit Nachbeweidung
diesem FFH-Lebensraumtyp zugerechnet werden.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
18.2.0.1 ZEh
Festuca rubra-Agrostis capillaris-Arrhenatheretalia
-Gesellschaft pp
18.2.0.2 ZEh
Ranunculus repens-Alopecurus pratensis-Arrhenatheretalia
-Gesellschaft pp
18.2.0.3 ZEh
Ranunculus acris-Arrhenatheretalia
-Gesellschaft pp
18.2.0.5 ZEh
Leucanthemum vulgare-Rumex thyrsiflorus-Arrhenatheretalia
-Gesellschaft pp
18.2.1 V
Arrhenatherion elatioris
18.2.1.1 Ass
Arrhenatheretum elatioris
v
18.2.1.2 Ass
Viscario-Festucetum rubrae
v
18.2.1.3 Ges
Poa pratensis-Trisetum flavescens
-Gesellschaft v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Zum LRT gehören nur Mähwiesen oder (ehemals) gemähte Bestände mit Nachbeweidung, sofern die Mahdnut-
zung überwiegt bzw. die entsprechenden Pflanzengesellschaften (s.o.) ausgebildet sind. Überwiegend beweidete
Bestände zählen i. d. R. nicht zum LRT.
Fuchsschwanzwiesen gehören nur als standorttypische Vegetationseinheiten wie beispielsweise in Flussauen zu
dem LRT. Hingegen sind Graseinsaaten von
Alopecurus pratensis
auf intensiv bewirtschafteten Grünlandflächen
sowie Fuchsschwanzwiesen als Degenerationsstadien der Glatthaferwiesen von dem LRT ausgenommen.
Wichtigster Aspekt ist die Unterscheidung zwischen Glatthaferwiesen (Verband Arrhenatherion) und Kammgras-
weiden (Cynosurion), da letztere nicht zum FFH-Lebensraumtyp 6510 gerechnet werden. Eine Unterscheidung
ist insbesondere anhand der kennzeichnenden Pflanzenarten, der Vegetationseinheiten und Hinweisen zur Nut-
zung möglich. Entsprechende Bestände werden auch dann dem FFH-LRT zugeordnet, wenn sie als Unterwuchs
in Streuobstwiesen auftreten.
Standörtlich bedingt ist eine breite Ausbildungsvielfalt von feuchten Kohldistel- bis zu trockenen Salbei-
Glatthaferwiesen eingeschlossen. In submontaner Lage sind innerhalb der Goldhafer-Frischwiesen auch Borst-
gras- und Heidenelken-Ausbildungen dem LRT zuzuordnen. Für die o. g. ZEh der Arrhenatheretalia sind arten-
reiche Bestände eingeschlossen, die eindeutig an das Arrhenatherion anschließen. Montane Ausprägungen der
Festuca rubra-Agrostis capillaris-Arrhenatheretalia
-Gesellschaft sind auf Zuordnung zum LRT 6520 zu prüfen.
Die
Poa pratensis-Trisetum flavescens
-Gesellschaft sowie Ausbildungen mit Knolligem Hahnenfuß und Gemei-
nem Thymian, die charakteristisch für den Übergangsbereich vom Hügel- zum Bergland sind (ca. 400 bis 600 m
ü. NN), gehören noch dem LRT 6510 an. Intensivierte, artenarme Wiesenbestände im Bergland mit Vorherrschen
von Obergräsern (> 80% Deckung) ausgeschlossen.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 500m² zu erfassen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Die Abgrenzung von den Berg-Mähwiesen (6520) erfolgt anhand der kennzeichnenden Artenzusammensetzung
des jeweiligen LRT. Der LRT 6510 zeichnet sich durch weitgehendes Fehlen montan verbreiteter und Vorkom-
men klimatisch anspruchsvoller Arten, insbesondere von
Arrhenatherum elatius
, aus.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Der optimale Kartierzeitpunkt der Flachland-Mähwiesen liegt im Frühjahr/-sommer vor dem ersten Schnitt (bzw.
vor der ersten Beweidung), d. h. im Mai/Juni, bei Vorkommen von gefährdeten Wiesenbrütern kann in Rückspra-
che mit den AG hiervon abgewichen werden.

6510
Flachland-Mähwiesen Seite
4
Bewertung des LRT 6510 Flachland-Mähwiesen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Rosettenpflanzen (außer
Taraxacum sect. Ruderalia)
Wiesennarbe relativ gleich-
mäßig aus Ober- bzw. Mittel-
und Untergräsern aufgebaut
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter
basenreich: > 40%
basenarm: > 30%
Rosettenpflanzen zahlreich
Wiesennarbe überwiegend
aus Obergräsern aufgebaut,
Mittel- und Untergräser viel-
fach vorhanden
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter
basenreich: 30-40%
basenarm: 15-30%
Rosettenpflanzen spärlich
bis mäßig vorhanden
Obergräser stark dominie-
rend, Mittel- und Untergräser
vereinzelt vorhanden
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter
basenreich: < 30%
basenarm: < 15% (auch hö-
her bei einartigen Krautfa-
zies)
Rosettenpflanzen fehlend
Vegetationsstruktur:
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
kleinräumiges Mosaik mit
Magerrasen, sonst. Nassve-
getation (z.B. Flutrasen,
Feucht- und Nassgrünland),
Borstgrasrasen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
Wechsel von flach- und
tiefgründigen Bereichen
Wechsel von Nassstellen /
Flutmulden und trockenen /
frischen Bereichen
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 20 Arten aus der
Liste vorhanden
mindestens 12 Arten aus der
Liste vorhanden
weniger als 12 Arten aus der
Liste vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 3 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 1 Art aus der Liste
vorhanden
ohne Arten aus der Liste
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe / Müll-
ablagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Abbau / Materialentnahme
intensive Störungen der
Bodendecke durch Erdanris-
se
Veränderung der Bodenstruk-
tur/ des Bodenaufbaus (z.B.
Bodenablagerungen)
Bodenverdichtung
jeweils nicht erkennbar bzw.
max. punktuell ohne Schädigung
des LRT
Beeinträchtigungen jeweils
deutlich erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
gungen erkennbar, Bestand
dadurch degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen::
Neophyten
Nährstoffzeiger (z.B.
Urtica
dioica
)
Ruderalisierungs- / Störungs-
zeiger
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhanden
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsauflassung / Degra-
dation durch Brache
Pflegedefizite (z.B. fehlende
Mahdgutbeseitigung)
Verbuschung / Gehölzauf-
wuchs
übermäßiger Grasfilz
jeweils guter Nutzungs- /
Pflegezustand
keine Verbuschung oder auf
< 10% der Fläche
stellenweise Mahdgutabla-
gerungen
Nutzungs-/Pflegezustand
jeweils ungenügend
deutliches Auftreten von
Brachezeigern (auf 10-50%
der Fläche)
fehlende Mahdgutbeseiti-
gung
durch Nutzungsaufgabe
degenerierter Bestand
Vorherrschen von Brache-
zeigern (auf > 50% der Flä-
che)

6510
Flachland-Mähwiesen Seite
4
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Sonstiges:
Zerschneidung
keine oder geringe
Beeinträchtigung des
funktionalen Zusammenhangs
des Wiesenkomplexes
Beeinträchtigung des
funktionalen Zusammenhangs
des Wiesenkomplexes
erkennbar
erhebliche Beeinträchtigung des
funktionalen Zusammenhangs
des Wiesenkomplexes
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den
Beweidung
keine Beeinträchtigung durch
Beweidung
geringe Beeinträchtigung durch
Beweidung
starke Beeinträchtigung durch
Beweidung
Intensivierung
extensive Nutzung, guter Nut-
zungs-/Pflegezustand
deutliches Auftreten von Intensi-
vierungszeigern
hoher Anteil von Intensivie-
rungszeigern
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 6510
RL
LRT 6510
RL
LRT 6510
RL
SN
SN
SN
Gräser
Crepis biennis
Ranunculus acris
Agrostis capillaris
Daucus carota
Ranunculus bulbosus
Alopecurus pratensis
Dianthus deltoides
Ranunculus repens
Anthoxanthum odoratum
Galium album / Galium mollugo agg.
Rhinanthus alectorolophus
2
Arrhenatherum elatius
Galium mollugo s. str.
3
Rhinanthus minor
3
Briza media
Galium verum
Rumex acetosa
Dactylis glomerata
Geranium pratense
Rumex acetosella
Festuca pratensis
Heracleum sphondylium
Salvia pratensis
3
Festuca rubra
Hieracium pilosella
Sanguisorba minor
Helictotrichon pubescens
Hypochaeris radicata
Sanguisorba officinalis
Holcus lanatus
Knautia arvensis
Saxifraga granulata
Luzula campestris
agg.
Lathyrus pratensis
Securigera varia
Poa pratensis
Leontodon hispidus
Selinum carvifolia
Poa trivialis
Leucanthemum vulgare
agg.
Silaum silaus
3
Trisetum flavescens
Lotus corniculatus
Silene flos-cuculi
Kräuter
Luzula campestris
Stellaria graminea
Achillea millefolium agg.
Lysimachia nummularia
Taraxacum
sect.
Ruderalia
Ajuga reptans
Medicago lupulina
Tragopogon pratensis
Alchemilla
div. spec.
Onobrychis viciifolia
Trifolium campestre
Bistorta officinalis
Ornithogalum umbellatum
agg.
Trifolium dubium
Campanula patula
Pastinaca sativa
Trifolium hybridum
Campanula rotundifolia
Pimpinella major
Trifolium pratense
Cardamine pratensis
Pimpinella saxifraga
Veronica chamaedrys
Carum carvi
Plantago lanceolata
Vicia angustifolia
Centaurea jacea
Plantago media
Vicia sepium
Centaurium erythraea
3
Primula veris
2
Cerastium holosteoides
Prunella vulgaris

6520
Berg-Mähwiesen Seite 48
6520 Berg-Mähwiesen
Berg-Mähwiesen
Montain hay meadows
Zuordnung zum LRT
Definition:
Bei den Berg-Mähwiesen handelt es sich um artenreiches, extensiv genutztes Grünland der Mittelgebirge
und ihrer Vorländer oberhalb ca. 500 m ü. NN mit Vegetation des
Polygono-Trisetion
(Goldhaferwiesen).
Die typischen Ausprägungsformen sind Mähwiesen auf frischen bis mäßig feuchten Standorten mit lehmi-
gen Böden über zumeist sauren, neutralen bis schwach basischen Gesteinen. Eine regelmäßige ein- bis
zweischürige Mahd, verbunden mit nur geringer Düngung war einst typisch für diesen FFH-
Lebensraumtyp. Junge Verbrachungsstadien und schwach beweidete Berg-Mähwiesen können ebenfalls
diesem FFH-Lebensraumtyp zugerechnet werden.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
18.2.0.1 ZEh
Festuca rubra-Agrostis capillaris-Arrhenatheretalia
-Gesellschaft pp
18.2.2 V
Polygono-Trisetion
18.2.2.1 Ass
Geranio sylvatici-Trisetetum flavescentis
v
18.2.2.2 Ges
Festuca rubra-Meum athamanticum-
Gesellschaft v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Hauptkriterium der Einordnung in diesen LRT ist die Vegetation, die eine Zuordnung in den Verband
Poly-
gono-Trisetion
erlauben muss. Bei typischen Beständen mit entsprechend hoher Zahl charakteristischer
Pflanzenarten erfolgt die Zuordnung ungeachtet der aktuellen Nutzungssituation, d. h. auch junge Bra-
chen und aktuell als Weiden bzw. Mähweiden genutzte Bestände werden einbezogen. Ausgenommen
sind Bestände, in denen Obergräser wie
Alopecurus pratensis, Dactylis glomerata, Phleum pratense
oder
Holcus mollis
insgesamt eine Gesamtdeckung von mehr als 80% einnehmen und die weniger als 3 typi-
sche Bergwiesenarten (s. „Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT“) enthalten. Feuchte Ausprägun-
gen können in den LRT einbezogen werden, sofern ihre Zuordnung zum Verband Polygono-Trisetion
möglich ist. Montane Ausprägungen der
Festuca rubra-Agrostis capillaris-Arrhenatheretalia
-Gesellschaft
können bei Vorkommen von Bergwiesenarten diesem LRT zugeordnet werden (Anschluss an das Triseti-
on).
Die sächsischen Bergwiesen sind aufgrund des vorwiegend sauren Ausgangsgesteins meist floristisch
verarmt.
Der LRT ist i. d. R. ab einer Größe von 300m² zu erfassen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Die Berg-Mähwiesen stehen häufig in engem Kontakt zu extensiven Mähwiesen der planaren bis submon-
tanen Stufe (Glatthaferwiesen des
Arrhenatherion
, LRT 6510) und Borstgrasrasen (LRT 6230*). Wesentli-
ches Differenzierungsmerkmal ist die pflanzensoziologische Einordnung der Bestände. Insbesondere sind
typische Arten der Berg-Mähwiesen:
Alchemilla
div. spec
.
,
Arnica montana, Bistorta officinalis, Centaurea
pseudophrygia, Cirsium heterophyllum, Crepis mollis, Geranium sylvaticum, Hypericum maculatum,
Lathyrus linifolius, Meum athamanticum, Poa chaixii, Thlaspi caerulescens, Trisetum flavescens, Trollius
europaeus
.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Der optimale Kartierzeitpunkt der Berg-Mähwiesen liegt im Frühsommer vor dem ersten Schnitt (bzw. vor
der ersten Beweidung), d. h. im Juni, bei Vorkommen von Wiesenbrütern Anfang Juli.

6520
Berg-Mähwiesen Seite 49
Bewertung des LRT 6520 Berg-Mähwiesen
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Rosettenpflanzen
Grasschicht überwiegend
aus niedrigwüchsigen Grä-
sern (Mittel -und Untergrä-
ser) aufgebaut
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter
basenreich: > 40%
basenarm: > 30%)
Rosettenpflanzen zahlreich
neben niedrigwüchsigen
auch höherwüchsige Grasar-
ten vorhanden
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter
basenreich: 30-40%
basenarm: 15-30%
Rosettenpflanzen spärlich
bis mäßig vorhanden
Anteil niedrigwüchsiger
Gräser gegenüber höher-
wüchsigen relativ gering
Deckungsgrad niedrigwüch-
siger Kräuter
basenreich: < 30%
basenarm: < 15% (auch hö-
her bei einartigen Krautfa-
zies)
Rosettenpflanzen fehlend
Vegetationsstruktur:
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
kleinräumiges Mosaik mit
Borstgrasrasen, sonst. Nass-
vegetation
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
Wechsel von flach- und
tiefgründigen Bereichen
Wechsel von Nassstellen /
Flutmulden und trockenen /
frischen Bereichen
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarmte
Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Grundarteninventar
mindestens 15 Arten aus der
Liste vorhanden
mindestens 10 Arten aus der
Liste vorhanden
weniger als 10 Arten aus der
Liste vorhanden
seltene/besonders kennzeich-
nende Arten (in der Liste
fett
hervorgehoben)
mindestens 5 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 3 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 3 Arten aus der Liste
vorhanden
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe /
Müllablagerung
Schadstoffeintrag (Öl, PAK,
Ruß, Stäube, PSM, Salze)
Abbau / Materialentnahme
intensive Störungen der
Bodendecke durch Erdanris-
se
Veränderung der Boden-
struktur/ des Bodenaufbaus
(z.B. Umbruch)
Bodenverdichtung
jeweils nicht erkennbar bzw.
max. punktuell ohne Schädigung
des LRT
Beeinträchtigungen jeweils
deutlich erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
gungen erkennbar, Bestand
dadurch degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Nährstoffzeiger
Ruderalisierungs- / Stö-
rungszeiger (z.B.
Carex bri-
zoides-
Dominanz
, Capsella
bursa-pastoris
)
keine
randlich oder vereinzelt vorhan-
den
auf größeren Flächen vorhanden

6520
Berg-Mähwiesen Seite 50
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
Nutzungsauflassung / De-
gradation durch Brache (z.B.
Holcus mollis-
,
Hypericum
maculatum
-Dominanz)
Pflegedefizite (z. B. fehlende
Mahdgutbeseitigung)
Verbuschung / Gehölzauf-
wuchs
übermäßiger Grasfilz
guter Nutzungs- oder Pflege-
zustand
jeweils nahezu kein Gehölz-
aufwuchs, keine Versaumung
stellenweise Mahdgutablage-
rungen
Nutzungs-/Pflegezustand
ungenügend, deutliches Auf-
treten von Brachezeigern
(bis auf 50% der Fläche)
kein übermäßiger Grasfilz
fehlende Mahdgutbeseiti-
gung
durch Nutzungsaufgabe
degenerierter Bestand, Vor-
herrschen von Brachezei-
gern (auf > 50% der Fläche)
übermäßiger Grasfilz
Sonstiges:
Zerschneidung
keine oder geringe
Beeinträchtigung des
funktionalen Zusammenhangs
des Wiesenkomplexes
Beeinträchtigung des
funktionalen Zusammenhangs
des Wiesenkomplexes erkennbar
erhebliche Beeinträchtigung des
funktionalen Zusammenhangs
des Wiesenkomplexes
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Intensivierung
extensive Nutzung, guter Nut-
zungs-/Pflegezustand
Anklänge an nährstoffreichere
oder mesophile Grünlandtypen
deutliche Tendenzen zu Inten-
sivgrünland
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den
Beweidung
keine Beeinträchtigung durch
Beweidung
geringe Beeinträchtigung durch
Beweidung
starke Beeinträchtigung durch
Beweidung

6520
Berg-Mähwiesen Seite 51
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 6520
RL
LRT 6520
RL
LRT 6520
RL
SN SN SN
Gräser
Centaurea pseudophrygia
3
Meum athamanticum
Agrostis capillaris
Cirsium heterophyllum
Orchis mascula
1
Anthoxanthum odoratum
Coeloglossum viride
1
Phyteuma nigrum
Briza media
3
Crepis mollis
Phyteuma orbiculare
1
Carex pallescens
Dactylorhiza majalis
2
Phyteuma spicatum
Festuca rubra
Dianthus deltoides
Pimpinella major
Holcus lanatus
Euphrasia officinalis
agg.
Potentilla erecta
Luzula campestris
agg.
Galium pumilum
Primula elatior
Luzula luzuloides
Galium saxatile
Pseudorchis albida
1
Luzula multiflora
Gentianella lutescens
1
Ranunculus nemorosus
Nardus stricta
Geranium sylvaticum
Rhinanthus angustifolius
2
Poa chaixii
Helianthemum nummularium
2
Rhinanthus minor
3
Trisetum flavescens
Hieracium caespitosum
Saxifraga granulata
Kräuter
Hieracium floribundum
Silene dioica
Achillea millefolium agg.
Hieracium lachenalii
Silene flos-cuculi
Alchemilla
div. spec.
Hieracium lactucella
3
Thlaspi caerulescens
Anemone nemorosa
Hypericum maculatum
Thymus pulegioides
Anthyllis vulneraria
3
Hypochaeris radicata
Traunsteinera globosa
1
Arnica montana
2
Knautia arvensis
Trollius europaeus
2
Astrantia major
2
Lathyrus linifolius
3
Veronica officinalis
Bistorta officinalis
Leontodon hispidus
Viola tricolor
Campanula rotundifolia
Leucanthemum vulgare
agg.
Carum carvi
Lilium bulbiferum
1

8150 Silikatschutthalden
Seite 52
8150 Silikatschutthalden
Kieselhaltige Schutthalden der Berglagen Mitteleuropa
Medio-European upland siliceous screes
Ausbildungen:
1) Schutthalden aus Silikatgestein (außer Serpentinit)
2) Schutthalden aus Serpentinitgestein mit Vegetation des
Asplenietum serpentini
Zuordnung zum LRT
Definition:
Zu diesem FFH-Lebensraumtyp zählen natürliche oder naturnahe Halden des Hügel- und Berglandes aus silika-
tischem Gestein (bzw. Serpentinit), welches in Form von mehr oder weniger lockeren Blöcken, Platten oder sons-
tigen Gesteinsbrocken sowie feinerem Schutt vorliegt.
Die Halden am Fuß von Bergstürzen, Erosionsrinnen u. a. sind durch ihre exponierte Lage oft wärmebegünstigt.
Infolge der Wasserspeicherkapazität des Haldenkörpers bildet sich in den Hohlräumen zwischen den Gesteins-
brocken ein luftfeuchtes Mikroklima heraus, das den Lebensraum für anspruchsvolle und spezialisierte Tierarten
prägt. Silikatische Halden sind häufig reich an niederen Pflanzen (Moose und Flechten), wobei die relativ konkur-
renzarmen Standorte oft Refugien für hochgradig gefährdete Arten darstellen.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
6.2.1 V
Asplenion septentrionalis
6.2.1.3 Ass
Asplenietum serpentini
v
7.2.1 V
Galeopsion segetum
7.2.1.1 Ass
Teucrio botryos-Senecionetum viscosi
v
7.2.1.2 Ges
Epilobium lanceolatum-Galeopsis ladanum
-Gesellschaft v
7.2.1.3 Ges
Saxifraga rosacea
-Gesellschaft v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
In Sachsen sind die Schutthaldengesellschaften floristisch nur verarmt und sehr fragmentarisch ausgebildet.
Natürliche Standorte sind Felspartien in Durchbruchstälern. In die Abgrenzung sollte der gesamte wald- und ge-
büschfreie Teil der Schutthalde einbezogen werden, wenn auf nennenswerter Fläche die entsprechende Vegeta-
tion ausgebildet ist. Anthropogen entstandene Schutthalden sind eingeschlossen, wenn es sich um naturnah
entwickelte Halden aus Serpentinitgestein mit Vorkommen der Vegetation des
Asplenietum serpentini
handelt.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Bei sicheren Hinweisen auf kalkreiche Gesteine bzw. Vorkommen von charakteristischen Pflanzenarten des Ver-
bandes der wärmeliebenden Kalkschuttgesellschaften (
Stipion calamagrostis
) erfolgt eine Zuordnung zum LRT
8160* (Kalkhaltige Schutthalden).
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Juli und September.

8150 Silikatschutthalden
Seite 53
Bewertung des LRT 8150 Silikatschutthalden
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
Moosen und/oder Flechten
Farnen
Ausbildung 1:
reich an Moosen und/oder
Flechten
reich an Farnen
Ausbildung 1:
Moose und/oder Flechten
spärlich vorhanden
Farne spärlich vorhanden
Ausbildung 1:
Moose und/oder Flechten
fehlend
Farne fehlend
Ausbildung 2:
reich an Moosen und/oder
Flechten
reich an Serpentinit-
Streifenfarnen
(Asplenium
spp.
)
Ausbildung 2:
Moose und/oder Flechten
spärlich vorhanden
spärliche Vorkommen von
Serpentinit-Streifenfarnen
(Asplenium
spp.
)
Ausbildung 2:
Moose und/oder Flechten
fehlend
Serpentinit-Streifenfarne
(Asplenium
spp.
)
fehlend
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine
Gebüsche (nicht flächige
Verbuschung) < 10% De-
ckung
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
Lesesteine/größere Ge-
steinsbrocken
Schuttbereiche noch in Be-
wegung
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Arteninventar der Farn- und
Blütenpflanzen
Ausbildung 1: mindestens 2
Arten aus der Liste vorhanden
Ausbildung 1: 1 Art aus der Liste
vorhanden
Ausbildung 1: keine Art aus der
Liste vorhanden
Ausbildung 2:
reiche Vorkommen einer
Asple-
nium
-Art oder Vorkommen zwei-
er
Asplenium
-Arten aus der Liste
Ausbildung 2:
spärliche Vorkommen einer
Asplenium
-Art aus der Liste
Ausbildung 2:
Ohne
Asplenium
spp
.
, aber eine
andere typische Art aus der Liste
vorhanden
Arteninventar der Moose und
Flechten
Ausbildung 1: mindestens 4
Arten aus der Liste vorhanden
Ausbildung 1: mindestens 2
Arten aus der Liste vorhanden
Ausbildung 1: weniger als 2
Arten aus der Liste vorhanden
Ausbildung 2: mindestens 4
Arten aus der Liste vorhanden
Ausbildung 2: mindestens 2
Arten aus der Liste vorhanden
Ausbildung 2: weniger als 2
Arten aus der Liste vorhanden
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe / Müll-
ablagerung
Abbau / Materialentnahme
Schäden durch Substratum-
lagerung (Tritt, Klettern)
jeweils weitgehend ohne Schä-
den
jeweils deutliche Beeinträchti-
gungen erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
gungen erkennbar, Bestand
dadurch degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Störungszeiger
Nährstoffzeiger
jeweils kein Auftreten von LRT-
untypischen Arten
jeweils vereinzeltes Auftreten
von LRT-untypischen Arten in
geringen Flächenanteilen
jeweils mehrfaches Auftreten
von LRT-untypischen Arten in
größeren Flächenanteilen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
direkte Schädigung der Vege-
tation
Verbuschung/Gehölzauf-
wuchs
nicht erkennbar bzw. max.
punktuell ohne Schädigung
des LRT
(fast) kein Gehölzaufwuchs
Beeinträchtigungen deutlich
erkennbar
Verbuschung auf 10-40%
der Fläche
erhebliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar, Bestand da-
durch degeneriert
Verbuschung auf > 40% der
Fläche
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der
Fläche
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den

8150 Silikatschutthalden
Seite 54
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 8150
RL
LRT 8150
RL
LRT 8150
RL
SN SN SN
Ausbildung 1:
Cardaminopsis arenosa
Silene viscaria
Racomitrium lanuginosum
Chaenorhinum minus
Teucrium botrys
1
Flechten:
Epilobium collinum
Moose:
Dibaeis baeomyces
Galeopsis ladanum
2
Andreaea
div. spec.
Parmelia
(s.l.) div. spec
Saxifraga rosacea
1
Barbilophozia barbata
Pertusaria corallina
3
Sedum rupestre
Hedwigia ciliata
3
Rhizocarpon
div. spec.
Sedum sexangulare
Racomitrium canescens
3
Stereocaulon
div. spec.
Senecio viscosus
Racomitrium heterostichum
Umbilicaria
div. spec.
Ausbildung 2:
Asplenium adulterinum
1
Antennaria dioica
1
Silene viscaria
Asplenium cuneifolium
2
Botrychium lunaria
2
Asplenium x poscharskyanum
(
A. adulterinum x A. viride)
Huperzia selago
2

8160* Kalkhaltige Schutthalden
Seite 55
8160* Kalkhaltige Schutthalden
Kalkhaltige Schutthalden der collinen bis montanen Stufe Mitteleuropas
Medio-European calcareous scree of hill and montane levels
Zuordnung zum LRT
Definition:
Zu diesem FFH-Lebensraumtyp zählen natürliche oder naturnahe Halden des Hügel- und Berglandes aus kalk-
reichem Gestein, welches in Form von mehr oder weniger lockeren Blöcken, Platten oder sonstigen Gesteins-
brocken sowie feinerem Schutt vorliegt.
Die Halden am Fuß von Bergstürzen, Erosionsrinnen u. a. sind durch ihre exponierte Lage oft wärmebegünstigt.
Infolge der Wasserspeicherkapazität des Haldenkörpers bildet sich in den Hohlräumen zwischen den Gesteins-
brocken ein luftfeuchtes Mikroklima heraus, das den Lebensraum für anspruchsvolle und spezialisierte Tierarten
prägt.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
7.1.1 V
Stipion calamagrostis
7.1.1.1 Ass
Galeopsietum angustifoliae
pp
7.1.1.2 Ges
Vincetoxicum hirundinaria
-Gesellschaft pp
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
In Sachsen sind die Schutthaldengesellschaften floristisch nur verarmt und sehr fragmentarisch ausgebildet. Eine
Zuordnung zum LRT *8160 (kalkhaltige Schutthalden) sollte nur erfolgen, wenn sichere Hinweise auf Kalk oder
kalkhaltige Gesteine und zum Vorkommen von charakteristischen Pflanzengarten der genannten Gesellschaften
des
Stipion calamagrostis
vorliegen. In die Abgrenzung sollte der gesamte wald- und gebüschfreie Teil der
Schutthalde einbezogen werden, wenn auf nennenswerter Fläche die entsprechende Vegetation ausgebildet ist.
Anthropogen entstandene Schutthalden (z. B. Bahndämme) gehören nicht zum Lebensraumtyp.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Bereiche mit Vorkommen von Vegetation der Silikatschutthalden werden gesondert unter dem LRT 8150 erfasst.
Die Abgrenzung zu den Basophilen Pionierrasen (LRT 6110) erfolgt v. a. über die Vegetation.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Juli und September.

8160* Kalkhaltige Schutthalden
Seite 56
Bewertung des LRT 8160* Kalkhaltige Schutthalden
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Moosen und/oder Flechten
Farnen
reich an niedrigwüchsigen
Gräsern
reich an niedrigwüchsigen
Kräutern
reich an Moosen und/oder
Flechten
reich an Farnen
niedrigwüchsige Gräser spär-
lich vorhanden
niedrigwüchsige Kräuter
spärlich vorhanden
Moose und/oder Flechten
spärlich vorhanden
Farne spärlich vorhanden
niedrigwüchsige Gräser feh-
lend
niedrigwüchsige Kräuter
fehlend
Moose und/oder Flechten
fehlend
Farne fehlend
Vegetationsstruktur:
Einzelgehölze und kleine Ge-
büsche (nicht flächige Verbu-
schung) < 10% Deckung
kleinräumig wechselnde Aus-
prägungen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zumin-
dest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
Lesesteine/größere Ge-
steinsbrocken
Schuttbereiche noch in Be-
wegung
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Arteninventar der Farn- und
Blütenpflanzen
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
1 Art aus der Liste vorhanden
keine Art aus der Liste vorhan-
den
Arteninventar der Moose und
Flechten
mindestens 3 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 1 Art aus der Liste
vorhanden
keine Art aus der Liste vorhan-
den
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eutrophierung
Eintrag anderer Stoffe / Müll-
ablagerung
Abbau / Materialentnahme
Schäden durch Substratum-
lagerung (Tritt, Klettern)
jeweils weitgehend ohne Schäden
jeweils deutliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
guungen erkennbar, Bestand
dadurch degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Nährstoffzeiger
Störungszeiger
jeweils kein Auftreten von LRT-
untypischen Arten
jeweils vereinzeltes Auftreten
von LRT-untypischen Arten in
geringen Flächenanteilen
jeweils mehrfaches Auftreten
von LRT-untypischen Arten in
größeren Flächenanteilen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
direkte Schädigung der Vegeta-
tion
Verbuschung/Gehölzaufwuchs
nicht erkennbar bzw. max.
punktuell ohne Schädigung
des LRT
(fast) kein Gehölzaufwuchs
Beeinträchtigungen deutlich
erkennbar
Verbuschung auf 10-40% der
Fläche
erhebliche Beeinträchtigungen
erkennbar, Bestand dadurch
degeneriert
Verbuschung auf > 40% der
Fläche
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der Fläche
sonstige Beeinträchtigung
keine / geringe
stärkere
sehr starke
Nutzung / Bewirtschaftung:
Aufforstung keine Aufforstung geringe Aufforstung mit einzel-
nen Gehölzen
flächige Aufforstungen vorhan-
den

8160* Kalkhaltige Schutthalden
Seite 57
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
LRT 8160
RL
LRT 8160
RL
LRT 8160
RL
SN
SN
SN
Cardaminopsis arenosa
ssp.
borbasii
Gymnocarpium robertianum
2
Campylium chrysophyllum
3
Centaurea scabiosa
3
Origanum vulgare
Ctenidium molluscum
3
Cystopteris fragilis
Teucrium botrys
1
Entodon concinnus
1
Epipactis atrorubens
3
Vincetoxicum hirundinaria
Homalothecium lutescens
3
Galeopsis angustifolia
2
Moose:
Rhytidium rugosum
1
Geranium robertianum
Abietinella abietina
2
Tortella inclinata
2

8210
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation Seite 58
8210 Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
Calcareous rocky slopes with chasmophytic vegetation
Zuordnung zum LRT
Definition:
Dieser FFH-Lebensraumtyp ist gekennzeichnet durch vegetationsarme oder -freie Wände, Überhänge
und Bänder natürlicher und naturnaher Kalk- bzw. Dolomitfelsen oder Felsen aus anderen kalkhaltigen
oder basenreichen Gesteinen (z. B. Basalt, Diabas). An diese Standorte ist eine spezielle Felsspaltenve-
getation gebunden, die meist von kleinen Farnen beherrscht wird. Daneben sind Moose und Flechten fast
immer reichlich vertreten. Die Standortvielfalt reicht von trockenen offenen bis zu beschatteten, frischen
bis feuchten Stellen. Dem FFH-Lebensraumtyp sind sowohl natürliche, etwa durch Bergstürze gebildete
Felsen, als auch durch menschliche Eingriffe entstandene Felswände zuzuordnen, sofern die entspre-
chende Biotopqualität gegeben ist.
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
6.1.1 V
Potentillion caulescentis
6.1.1.1 Ges
Asplenium trichomanes-Asplenium ruta-muraria
-Gesellschaft pp
6.1.1.1 ZEh
Asplenium ruta-muraria-Potentillion caulescentis
-Gesellschaft pp
6.1.2 V
Cystopteridion fragilis
6.1.2.1 Ass
Cystopteridetum fragilis
pp
6.1.2.1.1 UE
Cystopteridetum fragilis
, AF von
Asplenium viride
pp
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Voraussetzung der Zuordnung zu diesem LRT ist das Vorkommen der Vegetation der aufgeführten Syn-
taxa. In Sachsen kommt der LRT wegen des Fehlens typischer Standorte nur floristisch verarmt vor. In die
Abgrenzung sollte der gesamte wald- und gebüschfreie Teil der Felswand einbezogen werden, wenn auf
nennenswerter Fläche die entsprechende Vegetation ausgebildet ist. Vorkommen innerhalb von Steinbrü-
chen sind bei entsprechendem Bewuchs eingeschlossen. Sekundäre Vorkommen an alten Mauern oder
Bauwerken sind hingegen ausgeschlossen. Auch kleinflächige Vorkommen des LRT müssen erfasst wer-
den.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Bereiche mit Vorkommen von Pioniervegetation des
Alysso-Sedion albi
werden gesondert unter dem LRT
*6110 (Basophile Pionierrasen) erfasst.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Juni und August.

8210
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation Seite 59
Bewertung des LRT 8210 Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Moosen und/oder Flechten
Farnen
reich an niedrigwüchsigen
Gräsern
reich an niedrigwüchsigen
Kräutern
reich an Moosen und/oder
Flechten
reich an Farnen
niedrigwüchsige Gräser
spärlich vorhanden
niedrigwüchsige Kräuter
spärlich vorhanden
Moose und/oder Flechten
spärlich vorhanden
Farne spärlich vorhanden
niedrigwüchsige Gräser
fehlend
niedrigwüchsige Kräuter
fehlend
Moose und/oder Flechten
fehlend
Farne fehlend
Vegetationsstruktur:
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
Felsschutt
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Arteninventar der Farn- und
Blütenpflanzen
mindestens 3 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
weniger als 2 Arten aus der Liste
vorhanden
Arteninventar der Moose
mindestens 4 Arten aus der Liste
vorhanden
mindestens 2 Arten aus der Liste
vorhanden
eine Art aus der Liste vorhanden
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eintrag anderer Stoffe / Müll-
ablagerung
Abbau / Materialentnahme
Schäden durch Substratum-
lagerung (Tritt, Klettern)
jeweils weitgehend ohne Schä-
den
jeweils deutliche Beeinträchti-
gungen erkennbar
jeweils erhebliche Beeinträchti-
guungen erkennbar, Bestand
dadurch degeneriert
LR-untypische Arten / Dominanzen:
Neophyten
Nährstoffzeiger
Störungszeiger
jeweils kein Auftreten von LRT-
untypischen Arten
jeweils vereinzeltes Auftreten
von LRT-untypischen Arten in
geringen Flächenanteilen
jeweils mehrfaches Auftreten
von LRT-untypischen Arten in
größeren Flächenanteilen
Störungen an der Vegetationsstruktur:
direkte Schädigung der Vege-
tation
Verbuschung/Gehölzauf-
wuchs
nicht erkennbar bzw. max.
punktuell ohne Schädigung
des LRT
(fast) kein Gehölzaufwuchs
Beeinträchtigungen deutlich
erkennbar
Verbuschung auf 10-40%
der Fläche
erhebliche Beeinträchtigun-
gen erkennbar, Bestand da-
durch degeneriert
Verbuschung auf > 40% der
Fläche
Sonstiges:
Beschattung
nicht relevant
deutliche Beschattung in
Teilbereichen
erhebliche Beschattung der
Fläche
Begängnis / Frequentierung
(Anwesenheit von Menschen)
keine bzw. gelegentliche, gerin-
ge Störwirkung ohne erhebliche
Auswirkungen auf Habitatfunkti-
onen
Störwirkung in Teilbereichen des
LRTdeutlich, dadurch Habitat-
funktion eingeschränkt
starke andauernde oder häufige
Störwirkung in kritischen Zeit-
räumen (z. B. während der
Reproduktionszeit)
sonstige Beeinträchtigung keine / geringe stärkere sehr starke

8210
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation Seite 60
Lebensraumtypische Pflanzenarten:
8210 RL 8210 RL 8210 RL
SN
SN
SN
Asplenium ruta-muraria
Moose:
Preissia quadrata
Asplenium trichomanes
3
Anomodon viticulosus
3
Rhynchostegiella tenella
R
Asplenium viride
1
Conocephalum conicum
Taxiphyllum wissgrillii
Cystopteris fragilis
Ctenidium molluscum
3
Tortella tortuosa
Festuca pallens
Distichium capillaceum
Trichostomum viridulum
R
Polypodium vulgare agg.
Encalypta streptocarpa
Gymnostomum aeruginosum
3
Neckera crispa
1
Porella platyphylla
3

8220
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation Seite
6
8220 Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
Silicious rocky slopes with chasmophytic vegetation
Ausbildungen:
1) Serpentinitfelsen
2) Kreidesandsteinfelsen
3) Sonstige Silikatfelsen
Zuordnung zum LRT
Definition:
Dieser FFH-Lebensraumtyp ist gekennzeichnet durch vegetationsarme Wände, Überhänge und Bänder natürli-
cher und naturnaher Felsen silikatischen, sauer verwitternden Gesteins. Besonders Streifenfarn-Arten sowie
Moose und Flechten sind am Aufbau der Felsspaltenvegetation beteiligt.
Serpentinitfelsen (Ausbildung 1):
Vor allem durch Vorkommen typischer Serpentinit-Streifenfarne (
Asplenium adulterinum, A. cuneifolium, A.
x
poscharskyanum
) charakterisierte Felsvegetation.
Die Kleinfarngesellschaften auf Serpentinit-Inseln unterschiedlichen Ausmaßes sind in Sachsen wegen der Sel-
tenheit entsprechender Standorte und des hohen Anteils endemischer Sippen von europäischer Bedeutung.
Kreidesandsteinfelsen (Ausbildung 2):
Extrem nährstoffarme Sandsteinfelsen, gekennzeichnet v. a. durch Moose und Flechten sowie durch einzelne
Gefäßpflanzenarten, die sich aufgrund der Artenarmut syntaxonomisch schwer zuordnen lassen.
Sonstige Silikatfelsen (Ausbildung 3):
Felsen aus anderen silikatischen Gesteinen mit entsprechender Vegetation. Hierzu zählen auch basenreiche
Gesteine (z. B. Basalt und Diabas).
syntaxonomische Einheiten
(nach B
ÖHNERT et al. 2001)
:
6.2.1 V
Asplenion septentrionalis
6.2.1.1 Ass
Sileno rupestris-Asplenietum septentrionalis
v
6.2.1.2 Ass
Asplenietum septentrionali-adianti-nigri
v
6.2.1.3 Ass
Asplenietum serpentini
v
6.2.1.4.1 ZEh
Polypodium vulgare-Asplenion septentrionalis
-Gesellschaft v
Hinweise zur Einordnung in den LRT:
Voraussetzung für eine Zuordnung zu diesem LRT ist bei den Ausbildungen 1 und 3 das Vorkommen der Vege-
tation der aufgeführten Syntaxa. Die von Kleinfarnen aufgebauten Felsgesellschaften sind außerhalb der Alpen
generell nur floristisch verarmt ausgebildet, deshalb ist bei fehlenden Kleinfarnen die Zuordnung auch anhand
von gut ausgeprägten Silikat-Kryptogamengesellschaften möglich. In die Abgrenzung sollte der gesamte wald-
und gebüschfreie Teil der Felswand einbezogen werden, wenn auf nennenswerter Fläche die entsprechende
Vegetation ausgebildet ist. Anthropogene naturnah entwickelte Felswände (z. B. Steinbrüche) sind beim Vorhan-
densein entsprechender Vegetation eingeschlossen, nicht jedoch Sekundärstandorte an Mauern und Bauwerken.
Als Sonderfall ist die Serpentinitfelsspalten-Vegetation des Asplenietum serpentini an naturnahen Standorten
eingeschlossen. Für Kreidesandsteinfelsen ist das Vorkommen o. g. Vegetationstypen nicht zwingend erforder-
lich. Typisch für Kreidesandsteinfelsen ist jedoch bei guter Ausbildung die Verzahnung mit Bergheidebändern auf
Fels. Angrenzende vegetationsarme horizontale Felsflächen können in die Abgrenzung einbezogen werden,
stark begangene Felsen mit erheblichen Trittschäden sind jedoch ausgeschlossen.
Hinweise zur Abgrenzung von anderen LRT:
Bereiche mit Vorkommen von Pioniervegetation der
Sedo-Scleranthetalia
werden gesondert unter dem LRT Sili-
katfelskuppen mit Pioniervegetation (8230) erfasst und getrennt vom FFH-LRT 8220 kartiert. Basalt-, Diabas-
oder andere basenreiche Felsen werden dann dem LRT 8210 zugerechnet, wenn die entsprechende Felsspal-
tenvegetation vorhanden ist.
Hinweise zu Kartierzeitpunkt/Methode:
Optimaler Kartierzeitpunkt zwischen Juni und August.

8220
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation Seite
6
Bewertung des LRT 8220 Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
Erhaltungszustand
A - hervorragend
B - gut
C - mittel-schlecht
LR-typische Strukturen:
besonders vielfältig
durchschnittliche Ausprägung
strukturarm
Schichtung:
lebensraumtypischer Anteil an
niedrigwüchsigen Gräsern
niedrigwüchsigen Kräutern
Moosen und/oder Flechten
Farnen
reich an niedrigwüchsigen
Gräsern
reich an niedrigwüchsigen
Kräutern
reich an Moosen und/oder
Flechten
reich an Farnen
niedrigwüchsige Gräser
spärlich vorhanden
niedrigwüchsige Kräuter
spärlich vorhanden
Moose und/oder Flechten
spärlich vorhanden
Farne spärlich vorhanden
niedrigwüchsige Gräser
fehlend
niedrigwüchsige Kräuter
fehlend
Moose und/oder Flechten
fehlend
Farne fehlend
Vegetationsstruktur:
kleinräumig wechselnde
Ausprägungen
jeweils vielfältig und in LR-
typischem Umfang vorhanden
jeweilige Strukturelemente zu-
mindest vereinzelt vorhanden
Strukturelemente fehlen
Geländestruktur und Sonder-
standorte:
vegetationsfreie Rohböden
(keine Störungen!)
Felsschutt
jeweils natürlicherweise hohe
Standort- und Strukturvielfalt
jeweils natürlicherweise mäßige
oder anthropogen leicht verarm-
te Strukturvielfalt
jeweils anthropogen bedingt
strukturarme Ausprägungen
LRT-typisches Arteninventar:
besonders reich an lebens-
raumtypischen Arten
durchschnittliche Ausstattung
arm an lebensraumtypischen
Arten
Pflanzenarten
Arteninventar der Farn- und
Blütenpflanzen
sehr gute Ausprägung,
mindestens 1 Art aus der Liste
mehrfach vorhanden oder aus-
gedehnte Bestände bildend
mittlere Ausprägung, Arten aus
der Liste meist spärlich vorhan-
den, auf Kreidesandstein auch
fehlend, dann wenigstens mit
naturnah bewachsenen Felsni-
schen und Felsbändern
verarmte Ausprägung, keine
Arten aus der Liste vorhanden
Arteninventar der Moose und
Flechten
sehr gute Ausprägung,
zahlreiche Arten aus der Liste
mehrfach vorhanden und größe-
re Bestände bildend
mittlere Ausprägung, mehrere
Arten aus der Liste meist spär-
lich vorhanden
verarmte Ausprägung, Arten aus
der Liste überwiegend fehlend
Fauna
Bewertung analog Flora auf der Basis einer Untersuchung vollständiger Artengruppen (entsprechend
der gebietsspezifischen Vorgabe des LfULG).
- bei Artengruppenunter-
suchungen
LR-typisches Arteninventar
vollständig, Dominanzverteilung
charakteristisch
Arteninventar und Dominanzver-
teilung weitgehend LR-typisch
erhebliche Abweichung vom LR-
typischen Arten- und Dominanz-
gefüge
Beeinträchtigungen:
keine/geringe Beeinträchti-
gungen
stärkere Beeinträchtigungen
erhebliche Beeinträchtigungen
Boden, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt:
Eintrag anderer Stoffe / Müll-
ablagerung
Abbau / Materialentnahme
Schäden durch Substratum-
lagerung (Tritt, Klettern)
jeweils weitgehend ohne Schä-
den
jeweils deutliche Beeinträchti-