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Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden - Realisierungswettbewerb Erweiterungsbau mit städtebaulichem Ideenteil nach RPW 2013
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Schwarzplan
Modell
Dietrich | Untertrifaller Architekten GmbH, München
Erster Wertungsrundgang

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ERWEITERUNGSBAU HOCHSCHULE FÜR MUSIK CARL MARIA VON
WEBER DRESDEN
Städtebau & architektonisches Konzept
Die Hochschule wächst – und die Struktur wächst mit
Seit 1981 nutzt die Hochschule für Musik das Gebäude des ehemaligen Wettiner
Gymnasiums direkt am Wettiner Platz, 2008 kam entlang der Schützengasse ein Gebäude
mit Konzert- und Probesälen hinzu. Nun soll das Ensemble der Hochschule um
Verwaltungs- und Überäume erweitert werden, Raum hierfür bietet die Fläche der
abgebrochenen Hut- und Lederfabrik im Inneren des Stadtblocks.
Nur noch in seinen Grundzügen erhalten bietet dieser Binnenraum die idealen
Voraussetzungen für einen studentischen Mikrokosmos.
Die beiden Bau-Lücken entlang der Grünen Straße werden im Zuge des städtebaulichen
Ideenteils geschlossen und dienen als zukünftiges Erweiterungspotenzial. Eine
Durchwegung mittels Durchgängen oder Aufständerung bleibt gewährleistet. Der neue
Hochschulbau – bzw. die beiden Neubauten – verbleiben in der Blockmitte.
Über die Typologie des europäischen Blockrandes ist viel geschrieben worden; Zum
Straßenraum hin glatt und präzise, entfaltet er im Blockinneren seine volle Schönheit – und
– wesentlich wichtiger – seine Fähigkeit zur beständigen Transformation und Resilienz. Der
Innenraum ist geprägt durch gewachsene, oft zuerst unverständliche Strukturen, charmant,
nie regelhaft, gekennzeichnet durch „malerische“ Situationen und der Verweigerung des
rechten Winkels.
Durch die oft enge und dichte Bebauung gewinnen die Räumen zwischen Gebäuden enorme
Bedeutung, wobei fehlende Distanz durch Proportion und Zuschnitt kompensiert werden.
Die Neubauten der Hochschule für Musik sind Weiterbauten im Duktus der Nachverdichtung
der Blockrandbebauung.
Der bestehende Erweiterungsbau verknüpft Kopf- und Saalbau über eine lange
Verbindungsmagistrale - das Rückgrat. Dazwischen spannt sich der Eingangsplatz an der
Schützengasse auf. Die beiden Neubauten – ein Gebäude mit sämtlichen
geräuschsensiblen Übungsräumen und Studiobühnen und ein Gebäude für die zentralen
Verwaltungs- und Fakultätsnutzungen – orientieren sich in ihrer Maßstäblichkeit an der
kleinteiligen und dörflichen Struktur des Blockrands und der angrenzenden Schützengasse
und unterstreichen den Charakter des Innenhofs als Hochschul-Campus.
Durch die leichte Verdrehung in der Setzung der Baukörper öffnen sich sowohl zur
Schützengasse als auch zur Grünen Straße Eingangsplätze, die – in kleinerer Dimension –
das System des bereits bestehenden Eingangsplatzes vor dem Konzertgebäude

alternierend weiterführt. Der Zugang an der Schützengasse führt zum zentralen Innenhof
von dem sowohl das Verwaltungsgebäude als auch das Haus der Musik im täglichen
Gebrauch erschlossen werden.
Um das Haus der Musik optimal und barrierefrei in die bestehenden Funktionsabläufe der
Hochschule einzubinden, wurden die Höhe von Eingangs-, Bibliotheks- und Rangebene des
Bestandes für das direkt anschließende Unterrichtsgebäude übernommen. Unterhalb
dieses Gebäudes entsteht auf dem nahezu freigehaltenen Hofniveau eine überdachte und
frei bespielbare, topographisch überformte Ebene, die zum Verweilen, aber auch zur
Nutzung als „Grünes Klassenzimmer“ einlädt. Nutzungen wie die Bibliothek, einige Übe-
Räume und das Aufenthalts-Café der Mitarbeiter bieten auf dieser öffentlich
durchwegbaren Ebene Einblicke in den Mikrokosmos der Hochschule.
Das eigenständig nutzbare Verwaltungsgebäude wird auf Hofebene erschlossen und über
eine Treppe und einen gedeckten Übergang mit dem Haus der Musik verbunden, so dass das
Wechseln zwischen den Gebäuden witterungsgeschützt möglich ist.
Freiraumkonzept & Platzgestaltung
Der neue Campus der Musikhochschule präsentiert sich als introvertierter Hof, welcher
über kleine Eingangsplätze erschlossen wird und Nutzer, sowie Besucher mit gezielten
Blicken zur Durchwegung und Erkundung einlädt. Dabei orientiert sich der Maßstab der
entstehenden Platz- und Hofräume an der dörflich anmutenden Stadtstruktur der
Schützengasse und Grüne Straße. Als Belagsmaterial schlagen wir einen hellen Ortbeton
vor, der sich klar von den Pflasterflächen der umgebenden Straßenzüge abhebt und wie
ein Teppich die Besonderheit des innenliegenden Campus betont. Die Ortbetonfläche
wird barrierefrei und stufenlos modelliert. Schlitzrinnen gliedern die Platz- und
Wegeflächen. Die Stellflächen für Fahrräder und PKW werden dezentral verortet, sodass
der Hof nicht befahren werden muss. Die Freiraummöblierung besteht aus
monolithischen Holzbänken mit abgerundeten Ecken und einer freien Bestuhlung. So
wird der Hof an den Proberäumen zum spontanen Konzertsaal.
Organisation & Funktion
Die Trennung zwischen zentralen und fachlichen Nutzungen erschien nicht nur aufgrund
der Maßstäblichkeit der Gebäudevolumen sinnvoll, auch eine Trennung von
geräuschsensiblen Nutzungen wir Büros und Fakultätsräumen von den Übungs- und
Unterrichtsräumen erschien sinnvoll.
So konnten die zentralen Nutzungen in einem freistehenden kompakten,
viergeschossigen Gebäude untergebracht werden. Nach Norden, Osten und Westen
belichtet, wird die südliche Außenwand als Brandwand ausgeführt. Zentral angeordnet
finden sich auf jedem Geschoss Sanitärräume und Büronebenflächen, die
Besprechungsräume werden über die Geschosse verteilt. Im langgestreckten Annex auf
Hofniveau befindet sich das Mitarbeiter-Café.

Während der zentrale Innenhof hauptsächlich Mitarbeitern und Studierenden als Eingang
dient, erfolgt der öffentliche und repräsentative Zugang ins Haus der Musik weiterhin
über das bereits bestehende Konzertgebäude an der Schützengasse. Das bestehende
Foyer wird erweitert, die Treppe rückgebaut und in den Neubau verlagert. Das neue,
großzügige Foyer bietet ausreichend Flächen für ein größeres Publikum, Toiletten- und
Garderobenflächen befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Eingang auf der
Zugangsebene.
Von hier aus gelangt man über die Treppe in die neu organisierte Bibliothek auf der Ebene
-1 oder zu den Übungsräumen auf der Ebene 0 und den Obergeschossen.
Beide großen Unterrichtsbühnen bilden das Herz des Gebäudes und sind gut über die
neue Haupterschließung für externe Besucher zugänglich, die kleineren Überäume sind
ringförmig darum herum organisiert.
Über das Foyer an den bestehenden Lastenaufzug angebunden, findet sich im Neubau –
um die Wege kurz zu halten und jede Ebene anzubinden - ein separater Aufzug mit
Lastenkabine, der auf Hof-Ebene direkt angefahren werden kann.
Konstruktion und Material
Die
neuen Gebäude sind eine architektonische Assemblage diverser „objets trouvés“, vor
Ort gefundener Motive, die transformiert und neu gefügt wurden.
Der industrielle Charakter der Hut- und Lederfabrik, die raue Eleganz der Stützmauer
entlang der westlichen Grundstücksgrenze oder die ausgelagerten Treppenhäuser der
gründerzeitlichen Bebauung, all dies definiert den Ort – und formt nun die Gestalt des
Neubaus:
Rahmen aus rot gefärbten Beton-Fertigteilen übertragen das robuste Grund-Gerüst der
Neubauten auf die Fassade, Füllungen aus Ziegel wechseln sich mit raumhohen
Fensteröffnungen ab, Vorhänge dienen als Sicht- und Blendschutz.
Die wohl prägnantesten, architektonischen Elemente der Erweiterungsbauten sind die
ausgelagerten, abgerundeten Treppenhäuser, die sowohl an die Formensprache eines
Alvar Aaltos als auch an die Schlote einer Fabrik denken lassen. Dieses typische Motiv
einer gründerzeitlichen Bebauung findet sich sowohl im bestehenden Block, als auch bei
der abgebrochenen Hut- und Lederfabrik. Diese Treppenhäuser dienen neben der
Funktion der reinen Vertikalerschließung auch zur übersichtlichen Orientierung im
Gebäude und werden zum Treff- und Sammelpunkt im studentischen Leben.
Tragwerk
Die Erweiterungsbauten sind als kompakte ressourcenschonende, dauerhafte,
wirtschaftliche sowie hocheffiziente Konstruktionen konzipiert.
Verschiedene Nutzungen bzw. Raumgrößen in den einzelnen Geschossen führen zu
komplexen Anforderungen und somit Wechselwirkungen zwischen Architektur,
Haustechnik und Tragwerk, dessen Lösung eine integrale Planung verlangt. An die
Konstruktion werden hohe Anforderungen gestellt, da zum einen eine großzügige

 
Grundrissgestaltung und zum anderen eine freie und flexible haustechnische
Medieninstallation gewährleistet werden muss.
Das Tragsystem bilden daher unterzugslose und für den Eigengewichtszustand überhöhte
i. M. 28cm hohe Flachdecken, welche entlang der Außenfassade durch die tragend
ausgebildeten Brüstungen linienförmig gelagert sind. Über diese werden die
Geschossdeckenlasten sowie die Lasten aus der Fassadenkonstruktion in die im
Systemabstand angeordneten lastabtragenden Stützen eingeleitet und ein
verformungsfreier Deckenrand für die Anbindung der Fassade geschaffen.
Im Inneren des Gebäudes liegen die geplanten Geschossdecken auf den nutzungsbedingt
erforderlichen tragenden Raumtrennwänden auf, womit eine maximale Flexibilität im
Grundriss sichergestellt wird. Die 25 bis max. 30cm schlanken Wände werden in den
Geschossen überwiegend als Wandartige Träger konzipiert und ermöglichen somit die freie
Grundrissgestaltung sowie die Realisierung der schwebenden Anmutung des Gebäudes.
Die Lastdurchleitungen der sich geschossübergreifend kreuzenden Wände erfolgt mit
leistungsfähigen Stahleinbauteilen.
Weitere räumlich trennende Elemente sind nichttragend konzipiert und können flexibel
gestellt, nachträglich ergänzt, umgesetzt bzw. rückgebaut werden. Dies kann als
Trockenbaukonstruktion als auch in Mauerwerksbauweise erfolgen.
Energie und Nachhaltigkeit
Das Energiekonzept richtet sich nach dem Klimaschutzplan der Bundesregierung aus,
wonach Gebäude im Jahr 2050 klimaneutral betrieben werden. In der Konsequenz wird
das Gebäude so konzipiert, dass es möglichst wenig Energie benötigt bzw. regenerative
Energien nutzen kann.
In diesem Zusammenhang wird zur Wärme- und Kälteversorgung bodennahe Geothermie
genutzt: Erdsonden werden im Untergrund unterhalb des Untergeschosses platziert und
mit einem Wärmeträgermedium durchströmt. Für die Wärmeerzeugung wird auf dieser
Basis eine Wärmepumpe verwendet, die Kälte wird über einen Wärmetauscher direkt in
das Gebäude gespeist. Dementsprechend kommen zur Wärme- und Kälteübergabe in den
Räumen Flächenheiz-bzw. Kühlsysteme, etwa als Bauteilaktivierung, Fußbodenheizung
oder als Heiz-Kühldecke zum Einsatz.
Raumlufttechnische Systeme werden ausschließlich im Bedarfsfall eingesetzt. Diese
Systeme werden bedarfs- und leistungsvariabel ausgeführt, verfügen zudem über eine
hochwirksame Wärmerückgewinnung.
Auf den Dächern werden Photovoltaikanlagen installiert, die einen westlichen Beitrag zur
regenerativen Eigenstromversorgung liefern.
Akustik
Baulicher Schallschutz
Die Probebühnen sind im Erweiterungsbau zentral angeordnet und damit gut erreichbar.
Der bauliche Schallschutz der Probebühnen zu den anderen Musiküberäumen wurde

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bereits durch die Anordnung mit horizontal angrenzenden Pufferräumen innerhalb des
Gebäudes berücksichtigt.
Beispiel für eine Ausführung einer schweren Raum-in-Raum-Bauweise

Um akustische Störungen der sensiblen, aber auch zum Teil sehr lauten Probenräume zu
vermeiden und eine zeitgleiche Nutzung aller angrenzenden Überäume ohne
Einschränkungen gewährleisten zu können, wurden für die Probebühnen schwere Raum-
in-Raum-Bauweisen mit einem Platzbedarf von etwa 50 cm umlaufend eingeplant. Damit
können zwischen den Räumen extrem hohe Luft- und Körperschalldämmungen erzielt
werden, die den Schutz dieser Proberäume sicherstellen. Gleichzeitig werden aber auch
die anderen Räume geschützt, z. B. wenn in der Jazzprobebühne elektroakustisch
verstärkte Musik gespielt wird.
Haustechnik – Lüftung
Die Belüftung muss den Anforderungen hochmoderner Lüftungsanlagen entsprechen. Die
Auslegung der Zu- und Abluftführung erfolgt so, dass in den Probebühnen der
notwendige Mindestvolumenstrom sichergestellt wird, jedoch ein Störgeräuschpegel
infolge des Lüftungsbetriebes von 25 dB(A) nicht überschritten wird.
Zusätzlich ist zu beachten, dass der hohe Schallschutz zwischen den Musiküberäumen
nicht durch die Kanalführung verschlechtert wird. Das Kanalnetz muss vom Flur in die
Räume geführt werden und mit entsprechenden Telefonieschalldämpfern ausgestattet
werden.
Raumakustik Probebühne – Studio
Für Studioprobebühnen sind in der Regel folgende Punkte zu beachten:
-
Probebühnen sind als natürlich wirkender, klanglich neutraler Raum
mit einer transparenten Akustik auszustatten. Zentral ist hierbei ein
hohe Sprachverständlichkeit. Die Nachhallzeit des Raumes soll
akustisch ausgewogen und robust sein, ohne dröhnende Anteile, und
in der Bespielung unterschiedliche Temperamente zulassen.
-
Grundsätzlich wird eine modulierbare Raumakustik im Sinne einer
experimentierfreudigen Ausrichtung angestrebt. Der Saal soll
akustisch keine bestimmte Ausrichtung haben, sondern in alle
Richtungen gut bespielt werden können.
-
Zum Einsatz von Bühnentextilien: Die Raumakustik bzw. ihre
Modulierbarkeit wird so ausgelegt, dass der flexible Einsatz von
Bühnentextilien keine nachteiligen Auswirkungen auf die
akustischen Bedingungen im Raum hat. Auch mit Bühnentextilien
darf der Raum akustisch nicht zu trocken oder bereichsweise
unausgeglichen werden.
Raumakustisches Konzept
Für den vorliegenden Wettbewerbsentwurf wurde ein Konzept entwickelt, welches
folgende Merkmale aufweist:
-
Der Raum ist als rechteckiger Raum mit definierter Spielrichtung
gezeigt. Das akustische Konzept erlaubt auch eine Ausrichtung in
andere Richtungen.

-
Die sichtbaren Innenflächen stellen die raumakustische Verkleidung
dar, die raumseitig vor der Raum-in-Raum-Konstruktion errichtet
wird.
-
Zur Vermeidung von Flatterechos werden die raumakustischen
Verkleidungen mit einer diffus schallreflektierenden Struktur
ausgestattet, die sich grundsätzlich an der Hauptspielrichtung der
Probebühne ausrichtet, jedoch auch andere Ausrichtungen akustisch
zulässt.
-
Die Spannbreite der Nutzungen „Sprache“ bis „Gesang“ wird durch
die akustische Modularität ermöglicht (schallabsorbierende Akustik-
Wandvorhänge). Die Nachhallzeit wird in etwa auf einen Bereich von
T
= 0,7 – 1,0 s“ ausgelegt.
Raumakustik Probebühne Jazz
Für Jazzprobebühnen sind in der Regel folgende Punkte zu beachten:
-
In Jazz-Probebühnen wird kammermusikalischer Jazz oder auch
druckvoller Jazz gespielt. Wichtig für den Probebühnenraum ist die
klangliche Transparenz und Detailgenauigkeit; ein griffiger Klang,
auch im Bassbereich; ausreichende zum Publikum gerichtete
Schallreflexionsmöglichkeiten, um einen druckvollen Sound auch
ohne elektroakustische Verstärkung erreichen zu können.
-
Die Gestaltung des Bühnenraums muss darauf ausgerichtet werden,
dass die Musiker sich selbst gut hören können. Gleichzeitig soll das
Bühnengeschehen von den Besuchern gut eingesehen werden
können.
-
Der Haupt-Publikumsbereich wird mit optimalen Hör- und
Sichtverhältnissen und Nähe zur Bühne ausgestattet. Energiereiche
Schallreflexionen von der Saalrückdecke sind gewünscht und
müssen aber von der Saalrückwand vermieden werden.
Raumakustisches Konzept
Die wesentlichen Merkmale sind wie folgt:
-
Der Raum ist als rechteckiger Raum in Längsnutzung mit definierter
Ausrichtung geplant.
-
Die sichtbaren Innenflächen an Wänden und Decke sind größtenteils
schallabsorbierend ausgebildet, um eine Nachhallzeit von etwa von
T
= 0,55 – 0,80 s zu erreichen. Insbesondere für Big-Band- und Pop-
Veranstaltungen wird eine reduzierte Nachhallzeitanforderung von
T
0,55 s als angemessen angesehen.
-
Im unteren Wandbereich sind schalllenkende Wandverkleidungen
vorgesehen, die die Zuhörer mit Seitenwandreflexionen versorgen
und so zu einem räumlichen Höreindruck führen.

 
-
Der mittlere Deckenbereich wird überwiegend von
schallabsorbierenden Maßnahmen ausgespart, sodass hier nützliche
Schallreflexionen zu den Zuhörern gelangen können.
-
Umlaufende Vorhangschienen diesen dazu, den Raum akustisch sehr
stark zu bedämpfen. Bei Jazz-Veranstaltungen mit
elektroakustischer Verstärkung kann dadurch die notwendig
Raumbedämpfung eingestellt werden.
Bestuhlung
Die Bestuhlung für die Räumen für Musik muss eine sehr wichtige akustische Funktion
erfüllen. Die Stühle stellen eine maßgebliche Schallabsorptionsfläche dar und
beeinflussen die Nachhallzeit im Raum beträchtlich.
Die akustische Zielsetzung für die Saalbestuhlung besteht darin, dass Stühle eingebaut
werden, die im unbesetzten als auch im mit Personen besetzten Zustand ein ähnliches
Schallabsorptionsvermögen aufweisen.
Musiküberäume
Zu
einer guten Hörsamkeit in Musik-Überäumen gehört die Sicherstellung eines guten
Klangs sowie auch ein gutes gegenseitiges Hören der Musiker oder Akteure wie auch eine
angepasste Lautstärke.
Die raumakustische Situation wird hierbei insbesondere über die frequenzabhängige
Nachhallzeit
T
spezifiziert. Zusätzlich werden Anforderungen an die räumliche und
zeitliche Schallfeldverteilung gestellt.
Zum Erreichen von entsprechenden raumakustischen Bedingungen wird eine geeignete
Aufteilung von schallabsorbierenden, schallreflektierenden und schallstreuenden
Oberflächen notwendig. Parallele Wandflächen sind zu vermeiden. Zur Anpassung der
Nachhallzeit werden variable Absorber, z. B. Vorhänge, eingesetzt.
Für die Musiküberäume werden in Abhängigkeit von den Raumvolumina anzustrebende
Nachhallzeiten von etwa
T
Soll
= 0,45…0,65 s,
angestrebt, wobei der obere Wert durch die permanenten Maßnahmen, der untere Werte
durch variable Maßnahmen erreicht werden soll.
In Verbindung mit diffus schallreflektierenden Wand- und Deckenflächen, die sich
schallabsorbierenden Oberflächen abwechseln, können die gewünschten
raumakustischen Bedingungen für Musiküberäume umgesetzt werden.

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Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden - Realisierungswettbewerb Erweiterungsbau mit städtebaulichem Ideenteil nach RPW 2013
1 0 0 9
Schwarzplan
Modell
Allmann Sattler Wappner Architekten GmbH, München
Erster Wertungsrundgang

Erläuterungen
614624
Kubatur/ Städtebau
Das Gebäudeensemble der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber wird aktuell aus dem historischen
Hauptgebäude der HfM, dem Altbau sowie dem Neubau gebildet. Beide Gebäude liegen auf einer zentralen, klaren
Achse, die durch die symmetrische Aufteilung des Altbaus bestimmt ist. Diese wichtige Achse generiert eine
organisatorische Klarheit, die auch zum Ausgangspunkt für die räumliche Disposition des Erweiterungsbaus wird.
Die Erweiterungsstruktur nimmt die Geschosshöhen des Bestandes sowie die zentrale Achse auf und führt diese
konsequent fort. Die Gliederung der Volumina entspricht der Maßstäblichkeit im Kontext von Alt- und Neubau der
Hochschule. Die Höhenentwicklung nimmt Rücksicht auf den dominierenden Konzertsaal, in dem der 4,5-geschossige
Bauteil versetzt angeordnet wird und so eine räumliche Distanz wahrt. Mit einer kontinuierlichen Höhenstaffelung wird
ein harmonischer Übergang zum Neubau sowie zur Nachbarbebauung geschaffen. Gleichzeitig kann so auch das Dach
des Neubaus aktiviert und somit Angebote für Pausen und informellen Austausch, für die Studierenden und Mitarbeiter
zwischen den Übungsstunden, geschaffen werden. Durch die Setzung und Staffelung des Gebäudes werden sämtliche
Abstandsflächen eingehalten sowie die Belichtungssituation der nachbarlichen Wohnbebauung verbessert.
Ziel des Projektes ist es, die komplexe und durch zahlreiche Brandwände geprägte stadträumliche Situation durch
einfache, selbstverständliche Baukörper zu klären, den Binnenraum und sämtliche Dachflächen zu aktivieren sowie ein
flexibles, funktionales und elegantes Gebäude zu errichten, das zur Entstehung eines lebendigen Campus beiträgt.
Weiterentwicklung
Analog zu den Nachbargebieten und dem gesamten Quartier der Wilsdruffer Vorstadt, in welchen die Vorkriegs-
Blockrandstrukturen nach und nach wiederhergestellt werden sollen, ermöglicht das vorliegende Konzept auch die
zukünftige Schließung der Blockränder entlang der Grünen Straße am südlichen Teil des Wettbewerbsgebietes mit
zusätzlichen Erweiterungsbauten. Dabei sollen die Traufkanten der angrenzenden Nachbarbebauung aufgenommen
und fortgeführt werden.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein zusätzliches, 2,5-geschossiges Erweiterungsgebäude im Binnenraum zu
errichten, welches Bezug auf das östlich gelegene Gebäude im Blockinnenraum nimmt.
Das Gebäude „Grüne Straße 24“kann, ebenso wie die vorhandenen Bäume, zunächst erhalten werden. Das Potential
einer längerfristigen Umnutzung des Hauses wäre im Laufe der weiteren Planung zu prüfen.
Architektonisches Konzept
Klare Baukörper und Nutzungsverteilungen, eine zirkuläre Erschließung sowie die Verwebung mit dem Neubau bilden
die strukturelle Grundlage des architektonischen Konzeptes. Der Ringschluss der Erschließung um die hellen
Innenhöfe unter Einbindung des Neubaus ermöglicht dabei attraktive und belichtete Begegnungsflächen, deren Qualität
weit über die reine Erschließungsfunktion hinaus gehen. Das bestehende Foyer wird erweitert und um eine
kaskadenartige Treppe (Himmelsleiter) ergänzt, die alle Stockwerke miteinander verbindet. Das symbiotische Konzept
fördert die interne Vernetzung der Nutzungen. Die Staffelung der Volumina ermöglicht sämtlichen Ebenen einen Zugang
zu Außenflächen.
Die Fassade des Erweiterungsbaus nimmt in Materialität und Farbgebung ebenfalls Bezug auf den Neubau, so dass ein
harmonisches Ensemble entsteht. Die Überäume werden dabei in Ihrer Gestalt als Mirko-Bühnen inszeniert, die
gefaltete Fassade weist eine Analogie zu Bühnenvorhängen auf. Dabei können die weißen, perforierten Faltläden, die
dem Sonnenschutz dienen, flexibel geöffnet werden, so dass ein sich ständig wandelndes Erscheinungsbild entsteht.
Der gesamte Neubau ist in Holz-Beton Verbundbauweise konzipiert. Neben der kompakten Bauweise, der
Photovoltaikanlage auf dem Dach sowie den aktiven und passiven Maßnahmen des Energiekonzeptes des Gebäudes
trägt auch die Konstruktion wesentlich zur Nachhaltigkeit des Gebäudes bei.
Durchwegung / Landschaft
Die direkte Angliederung an den Neubau ermöglicht, mit dem Rückbau der bestehenden Hut- und Lederfabrik, die
Aktivierung des attraktiven Binnenraumes. Die vorgesehene Durchwegung fördert die bessere Einbindung der
Institution im städtischen Kontext. Die Qualität bleibt auch bei einer zukünftigen Schließung des Blockrandes erhalten,
bei der die Durchwegung weiterhin gewährleistet wird
Eine weitere Bespielung des Innenhofs erfolgt über Anordnung der Bibliotheksanbindung sowie dem separaten Eingang
für die Verwaltung. Große Grünbereiche sowie die Reduzierung der Versiegelung fördern die mikroklimatische Kühlung,
Biodiversität und Nachhaltigkeit. Die Erhaltung der großen Bestandsbäume im südlichen Bereich trägt ebenfalls zur
Verbesserung der bioklimatischen Situation des Viertels und dem näheren Umfeld bei.
Organisation
Die Gebäudekubatur gliedert sich in vier Teile, die funktional eine sinnvolle Anordnung des Raumprogramms abbilden.
Mit dem ersten, 2,5-geschossige Volumen, wird ein fließender Anschluss an den Neubau-Bestand gebildet. Es
beinhaltet die Erweiterungsflächen für die Bibliothek sowie das Foyer.
Im zweiten Baukörper sind alle musikalischen Überäume auf drei Ebenen angeordnet. Der gut proportionierte
Belichtungshof ermöglicht eine natürliche Belüftung und Belichtung der kleineren Überäume und trägt gleichzeitig
dazu bei, die Emission zu verringern und somit die Belange der Nachbarschaft zu schützen. Weitere Überäume sind auf

Erläuterungen
614624
der Südseite einheitlich ausgerichtet. Dabei wird eine Gegenüberstellung mit der Wohnbebauung vermieden, so dass
die schalltechnische Verträglichkeit gewährleistet wird. Durch die räumliche Nähe zu den bestehenden Überäumen
werden Synergien sichergestellt. Im Souterrain dieses Volumens sind die zweigeschossigen Probebühnen mit den
entsprechenden dienenden Räumen verortet. Einzelne Sanitärräume, die im Bereich des Anschlusses entfallen, werden
in unmittelbarer Nähe im Erweiterungsbau wiederhergestellt.
Das dritte Bauvolumen beinhaltet alle zentralen Nutzungen, die auf drei Ebenen über den Bewegungsräumen, um einen
weiteren Innenhof, organisiert sind. Alle Verwaltungsräume erfüllen den ASR-Anforderungen an natürlicher Belichtung
und Belüftung. Die Belichtung der südlichen Büroräume erfolgt dabei sowohl über die südliche Fassade als auch durch
den Innenhof, so dass innere Blickbeziehungen ermöglicht werden. Dieser Gebäudeteil verfügt auch über einen
separaten Eingang sowie eine eigene, vertikale Erschließung. Auch dieser Hof ist als offener Hof konzipiert, generell ist
bei beiden Höfen eine Ausbildung als Atrium ebenfalls denkbar.
Das vierte Bauvolumen ist dreigeschossig und bietet Platz für einzelne Büros, Besprechungsräume sowie den
attraktiven Aufenthaltsraum und schafft einen harmonischen Anschluss an den Bestand, bietet Blickbeziehungen zur
Schützengasse sowie in den grünen Binnenraum. Im halb-öffentlichen Durchgang von der Schützengasse aus wird ein
separater Zugang für die Verwaltung verortet.
Erschließung
Die Studierenden betreten das Gebäude weiterhin über den Eingang im Altbau oder über den Neubau. Das
Erschließungsrückgrad des Erweiterungsbaus ist eine einläufige Treppe, eine „Himmelsleiter“, die alle Ebenen mit
Überäumen im Neubau sowie im Erweiterungsbau erschließt, womit auf die bestehende Treppe im Foyer verzichtet
werden kann. Alle Flure erschließen, mit der Breite von mindestens 1,8 Metern, ringförmig die Räume, ohne
Sackgassen zu bilden. Eine Nutzung der vorhandenen Anlieferung und ein neuer Lastenaufzug ist vorgesehen, um einen
schwellenlosen und trockenen Transport der Instrumente zu gewährleisten. Die Bibliothek im Erweiterungsbau ist aus
dem Foyer separat erreichbar und wird direkt an die bestehenden Räumlichkeiten angeschlossen.
Flexibilität
Auch im zunächst für die Verwaltung vorgesehenen Gebäudeteil ist eine lichte Raumhöhe sowie die benötigte Flurbreite
des Überaumtraktes übernommen, um eine Umwidmung zu ermöglichen. So kann die Verwaltungsnutzung zukünftig
auch in potentiellen Erweiterungsbauten im Rahmen der Schließung des Blockrandes verortet werden und an zentraler
Stelle zusätzliche Übe- und Musikräume realisiert werden.
Konstruktion
Der Erweiterungsbau ist auf einem 1,35m-Raster aufgebaut. Das Tragraster im Bürotrakt beträgt 5,4 x 5,4 m. Bei dem
Übungstrakt wird ein Tragraster von 4,05m x 6,75m verwendet, welches sich gut für die angestrebte Holz-Beton-
Verbundbauweise eignet. Selbstverständlich ist auch eine konventionelle Konstruktionsweise möglich.
Wirtschaftlichkeit
Der Entwurf bildet ein kompaktes Volumen mit einer optimierten Gebäudehülle. Es wird direkt an den Bestand angebaut
und das Ensemble überzeugt durch effiziente Grundrisse, die eine hohe Flexibilität, für zukünftige potentielle
Nutzungsänderungen, aufweisen. Die vorgeschlagenen Lüftungsklappen in der Fassade reduzieren eine notwendige
technische Raumlüftung. Zudem werden ausreichend funktionale Flächen für Erschließung, Sanitär- und
Technikbereiche vorgesehen.
Brandschutz
Der Erweiterungsbau verfügt über zwei notwendige Treppenhäuser. Von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes ist ein
Ausgang in einen notwendigen Treppenraum in höchstens 35 m Entfernung erreichbar. Es werden zwei Brandabschnitte
gebildet. Der zweite Rettungsweg des HfM Neubaus erfolgt über die bestehende Fluchttreppe, die im Souterrain im
Bereich der Anlieferung über einen Ausgang ins Freie geführt wird, zudem ist eine Flucht über die Treppenhäuser im
Neubau sichergestellt.
Klima- und Energiekonzept
Das Klima- und Energiekonzept des Gebäudes senkt durch die effiziente Gebäudehülle mit optimierten Fassaden und
effizienten Raumklimakonditionierungssystemen den Gebäudeenergiebedarf und schafft gleichzeitig optimierten Komfort
für die Nutzer*innen. Durch rationale Nutzung konventioneller Energie über Kraft-Wärme-Kälte Kopplung und Einsatz
regenerativer Energiequellen wie Photovoltaik auf der Dachfläche wird der Primärenergiebedarf minimiert und ein großer
Beitrag zur Nachhaltigkeit des Gebäudes geleistet. Natürliche Lüftung sowie Bauteilaktivierung tragen dazu bei, die
Dimensionierung notwendiger Klimageräte zu reduzieren.

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Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden - Realisierungswettbewerb Erweiterungsbau mit städtebaulichem Ideenteil nach RPW 2013
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Schwarzplan
Modell
merz merz gmbh & co. kg, Berlin
Erster Wertungsrundgang

Erläuterungsbericht
87459
Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden - Realisierungswettbewerb
Erweiterungsneubau mit städtebaulichem Ideenteil nach RPW 2013
„Eine neue Note kann es nicht sein. Die Noten sind alle
festgelegt, wie sie an der Klaviatur sehen. Aber wenn es
Ihnen auf eine Note ankommt, klingt sie anders.“
Haruki Murakami zitiert Thelonius Monks Antwort auf die Frage nach dem Geheimnis seines Kl
angs.
KONZEPTIONELLER ANSATZ !
Der Erweiterungsbau versteht sich als selbstverständliche Ergänzung und Fortführung des
Ensembles aus Altbau und Konzertsaal/Probenzentrum ohne jedoch seinen
eigenständigen Charakter zu verleugnen. Die Formensprache ist dem Inhalt und den
äusseren Zwängen angepasst.
Der erweiterte Hochschulkomplex soll den Charme einer Collage von Alt und Neu, von
Tradition und Moderne ausstrahlen, und folgt damit der bisherigen Entwicklung des
städtischen Blocks. Das Neue, die Erweiterung im Süden des Konzertsaals steht im Dialog
zu dem tradierten Hochschulgebäude und dem Annex entlang der Schützengasse.
Das neue Volumen nimmt die orthogonale Struktur der umgebenden Bebauung auf und
transferiert die expressive Form des Konzertbaus in eine sachliche Addition von kubischen
Körpern.
Eine funktionelle Aussenhaut zeigt das, was im Inneren passiert sowohl zum Blockinneren
als auch zum Stadtraum. Der „Inhalt“ ist in der Fassade ablesbar - eine Analogie aus
„Notenlinien“, „Taktstrichen“ und „Noten“ bildet das „Notensystem“ der äusseren Hülle.
Ähnlich einer Piano-Roll-Notation variieren die Fensteröffnungen in unterschiedlichen
Formaten und Positionierungen innerhalb einer Grundstruktur.
GLEICHGEWICHT VON NEU UND ALT IM STADT- UND BINNENRAUM!
Das ergänzende Volumen an der Stelle der ehemaligen Hut- & Lederfabrik erzeugt im
Blockinneren mit seinen Vor- und Rücksprüngen ein Spiel zwischen aufgehenden Körpern
und Höfen. !
Der unmittelbare städtebauliche Rahmen ist heterogen und differenziert. Innerhalb dieser
Typologie fügt der neue Bau eine weitere Zeitschicht zu und schafft durch seine
Formensprache - angemessen und zurückhaltend - die Voraussetzung für eine spätere
sinnvolle Erweiterung und Blockschliessung, die einen lebendigen Hochschulcampus
erwarten lassen.
FUNKTIONALITÄT: TRENNUNG UND SYNERGIE!
Der Erweiterungsbau ist so konzipiert, dass alle Räume eine Aussenbeziehung haben, alle
sind natürlich belichtet und belüftet. Im Kern Inneren des Gebäudes erstreckt sich ein
Atrium vom UG bis zum Dach, angeschlossen sind die Foyers der beiden Zugänge im EG,
die Bibliothek, eine grosse Treppe in das UG (kann für spontane Veranstaltungen genutzt
werden) und die Verkehrsflächen auf jeder Ebene, es bildet sich somit eine grosse

Erläuterungsbericht
87459
übergreifende Kommunikationszone, eine Art innerer Campus, der alle Ebenen
miteinander verlinkt und keine Büroflure entstehen lässt. !
Der Anschluss des Erweiterungsbaus an die Achse zwischen Altbau und Konzertsaal führt
die Wegebeziehungen sinnvoll und selbstverständlich weiter und ist mit dem zusätzlichen
Eingang auf der Rückseite des Konzertsaals verlinkt. !
Eine stringente Grundrissorganisation erlaubt das Zusammenfassen von Räumen zu klar
definierten Clustern die durch Proberäume und Studios ergänzt werden. Alle Proberäume,
im Inneren mit Holz ausgekleidet, zeigen sich über grosszügige Verglasungen zu diesen
kommunikativen Verkehrsflächen. Als Sichtschutz oder aus schalltechnischen Gründen
sind in den Räumen Vorhänge installiert, die individuell eingestellt werden können.!
KONSTRUKTION UND MATERIALITÄT!
Tragstruktur ist ein Stahlbetonskelett, die an der Aussenwand mit vorgemauerten Ziegeln
verblendet wird. Als Reminiszenz an den Ort und aus Gründen der Nachhaltigkeit werden
die Ziegel aus dem Abbruch der ehemaligen Hut- & Lederfabrik gewonnen. Es entsteht so
ein lebendiger Geschichtsträger, der sich selbstverständlich in das Blockinnere einfügt.
Innerhalb des sichtbaren Skeletts werden die Ausfachungen als Holzfassade mit
Verglasungen ausgeführt. Die Holzpaneele sind mit Lüftungsflügeln ausgestattet, so dass
alle Fenster als Festverglasungen ausgeführt werden können. Die Holzpaneele sind auf
der Aussenseite nach der Yakisugi-Methode* oberflächlich verkohlt, dies ist zum einen ein
Wetterschutz und zum anderen ist es durch seine schwarze, wertige Oberfläche eine
ästhetische Ergänzung zu dem breit verfugten Mauerwerk aus Abbruchsteinen. Die
hölzerne Anmutung (Analogie zu Musikinstrumenten) zieht sich über die Holzverkleidung
im Rauminneren bis zum Atrium durch. !
* YAKISUGI _ durch das Abflammen verdichten sich die Zellen im Holz, die Oberfläche
wird nicht zerstört, sondern veredelt und konserviert. Das Holz wird ohne Chemie
resistent gegen Schimmel, Verwitterung, Insekten- und Pilzbefall.!
NACHHALTIGKEIT!
Verschiedene Massnahmen unterstützen die Nachhaltigkeit des Neubaus. Neben der
Verwendung von Ziegeln aus dem Abbruch der Hut- & Lederfabrik für das
Verblendmauerwerk werden nachwachsende Rohstoffe eingesetzt, wie die
Innenwandverkleidung aus Holz, die Böden aus geöltem Stirnholzparkett und die
Aussenfassade aus Holzpaneelen die nach der Yakisugi-Methode behandelt werden. !
Alle Aufenthaltsräume sind natürlich be- und entlüftet und belichtet und mit einem
aussenliegenden, individuell steuerbaren Sonnenschutz ausgestattet. Zur Klimatisierung
kommen Kühldecken zum Einsatz.!
Das Dach wird vollständig begrünt und mit Solarpaneelen in Ost-West-Ausrichtung
ausgestattet - die Dachverglasung des Atriums führt Form und Geometrie der
Solarpaneele weiter > 5. Fassade.!
Alle neu gepflanzten Bäume und Sträucher in den Freibereichen sind Obstgehölze, die
Rasenflächen werden als Bienenwiese ausgebildet. !

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Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden - Realisierungswettbewerb Erweiterungsbau mit städtebaulichem Ideenteil nach RPW 2013
1 0 1 1
Schwarzplan
Modell
wulf architekten gmbh, Stuttgart
Erster Wertungsrundgang

Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden
Realisierungswettbewerb Erweiterungsneubau mit städtebaulichem Ideenteil
070221
Städtebau
Das vorgeschlagene städtebauliche Konzept ist aus der Analyse der vorhandenen Bebauungsstruktur
abgeleitet und führt diese auf eigene Weise fort. Baulücken im Blockrand an der Grünen Straße wie
auch an der Schützengasse sollen geschlossen, und der Blockrand dadurch komplettiert werden. Im
Blockinneren besteht die Bebauungstypologie aus einzelnen Solitärgebäuden. Dieses Prinzip soll
auch für die Erweiterungen der Hochschule für Musik aufgenommen werden. Die vorgeschlagenen
Solitäre sind zueinander gedreht und scheinbar frei im inneren des Blocks angeordnet. Sie besetzen
die Baugrenzen der Grenzbebauung der Hutfabrik und sichern so das Grenzbaurecht, weiterhin sind
sie leicht ineinandergeschoben, sodass interne Verbindungen und Verknüpfungspunkte für die
zusammenhängende Nutzung der Hochschule für Musik entstehen können. Dieses Prinzip wird im
Ideenteil fortgesetzt.
Ein runder Gelenkbau im Ideenteil markiert einen möglichen Eingang von Osten, erreicht über
Tordurchgänge in der Blockrandbebauung des Ideenteils , über welche auch nach Vollendung des
Ideenteils eine Durchwegung des Gesamtareals in Nord-Süd Richtung möglich sein soll, wie auch die
Zufahrt zu den Stellplätzen im Blockinneren.
Nutzungsverteilung und Erschließung
Der Haupteingang der HfM bleibt weiterhin am Wettiner Platz. Über die bestehende Erweiterung
erreicht man das Foyer des Konzertsaal, welches durch die neue Erweiterung vergrößert wird. Über
eine grosszügige, neue Vertikalerschließung erreicht man im Basisgeschoss die vergrößerte
Bibliothek – belichtet durch einen runden Tiefhof – sowie die Bewegungsräume und die Probebühne
(Studiobühne). Hier befindet sich auch der Anschluss an den bestehenden Warenlift, der als
Durchlader umgerüstet werden soll.
Im Erdgeschoss des Neubaus sind an der Grünen Straße Büros der zentralen Nutzungen, ein
Nebeneingang und als Vorschlag ein kleines Studenten-Café angeordnet. Ebenfalls im Erdgeschoss
befinden sich die Lufträume der im Basisgeschoss angeordneten, überhohen Bewegungsräume und
Probebühne.
Über die neue Vertikalerschließung erreicht man das 1. Obergeschoß des Bestandsbaus mit dem
Rang des Konzertsaals, und die neue Erweiterung mit den Nutzungen Probebühne Jazz/Rock/Pop,
Tonstudios und das Midi-Studio, sowie die zentralen Nutzungen im Baukörper an der Grünen Straße.
Im 2. und 3. Obergeschoss befinden sich die Ensemble, Unterrichts- und Überäume, sowie ein Teil
der zentralen Nutzungen.
Auf diese Weise können die Räume mit Lärmemissionen größtenteils von der Nachbarbebauung
abgewandt und ohne Störung für die Anwohner angeordnet werden. Außerdem sind an empfindlichen
Stellen oder lauten Räumen Fenster mit innerer Prallscheibe als Teil der bauakustischen Raumschale
geplant, um eine gute Schallisolierung zu ermöglichen.
Materialität und Fassade
Im Inneren sollen natürliche Materialien möglichst materialtreu eingesetzt werden. Die Tragstruktur
aus Stahlbeton (aus bauakustischen Gründen) und mit hohem Recyclinganteil wird komplementiert
durch Einbauten aus Holz und schafft so eine warme Atmosphäre.

Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden
Realisierungswettbewerb Erweiterungsneubau mit städtebaulichem Ideenteil
070221
Die Fassade orientiert sich in Materialität und Ausdruck an der Charakteristik der Umgebung: Die
Straßenfassade an der Grünen Straße nimmt als Lochfassade den Öffnungsanteil und den
Fensterrhythmus der Nachbargebäude auf. In ihrer Materialisierung soll ein gräulich sandfarbener
Backstein zum Einsatz kommen, der einerseits aus der Materialisierung des Kraftwerks Mitte, als auch
aus der Farbigkeit und Materialisierung der Bestandsfassade des Hauptgebäudes abgeleitet ist. Eine
vertikale Rhythmisierung wird in der Fassade der Solitärgebäude im Blockinneren weitergeführt, die
abstrahiert das Zusammenspiel der Baukörper betonen und hervorheben soll. Filter mit gezielten
Ausblicken verbinden innen und außen mit angemessenem Öffnungsanteil.
Die Außenräume sind durch das Zusammenspiel von bestehenden, teilweise begrünten
(Brand)wänden, die Patina und Spuren der Vergangenheit tragen, und den Neubaufassaden, die
zurückhaltend einen neuen Raum aufspannen, charakterisiert. In einem dieser Außenräume soll der
Freibereich des vorgeschlagenen Studenten-Cafés angeordnet werden, ein spannungsvoller,
kommunikativer Treff- und Rückzugsort.
Energie, Technik und Nachhaltigkeit
Ein nachhaltiges Gebäude zeichnet sich einerseits durch den Ressourcen schonenden Bau und
Betrieb und niedrigen Energieverbrauch, anderseits durch langfristige Nutzungsflexibilität und
durchdachte, nach Lebensdauer getrennte Systeme aus. Der Einsatz von robusten, natürlichen
Materialien und nachwachsenden Rohstoffen sorgt für behagliche Atmosphäre und niedrige
Unterhaltskosten.
Haustechnikräume sind im Untergeschoss des Baukörpers an der Grünen Straße angeordnet.
Grundsätzlich soll ein Low-Tech passiv Konzept verfolgt werden, bei dem der Einsatz von
haustechnischen Anlagen auf das Nötigste reduziert ist. Passive Möglichkeiten wie natürliche
Belichtung und Belüftung wo es die Nutzung zulässt, thermische Speichermasse sowie lokale
Energiepotentiale wie Solar und das Potential von Regenwassernutzung sollen ausgeschöpft werden.
Die Technikverteilung erfolgt vertikal über zentral angeordnete Steigzonen, sowie horizontal auf den
Geschossen als offen geführte Medien unter der Geschossdecke. Technik ist gut zugänglich und von
anderen Systemen wie dem Ausbau und dem Tragwerk unabhängig erneuerbar.
Außenliegender, witterungsgeschützter Sonnenschutz, natürliche Belüftung (wo möglich) und gute
Tageslichtausbeute, sowie viel thermische Speichermasse und eine abgestimmte Akustik in den
Innenräumen versprechen hohen Komfort und eine ausgewogene Passiv-Performance bei niedrigem
Energieverbrauch. Das Dach ist für den Einsatz einer Photovoltaikanlage geplant.
Wirtschaftlichkeit
Kompakte Bauvolumen, geringer Flächenverbrauch und effiziente Verteilung, robuste und natürliche
Materialien, flexible Raumstrukturen und Flächeneffizienz, und geringe Eingriffe in den Bestand
versprechen niedrige Bau und Betriebskosten, bei langfristiger Nutzungsperiode.

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Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden - Realisierungswettbewerb Erweiterungsbau mit städtebaulichem Ideenteil nach RPW 2013
1 0 1 7
Schwarzplan
Modell
Behnisch Architekten, Stuttgart
Erster Wertungsrundgang

Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, Erweiterungsbau
201792
Entwurfserläuterung
Der Freistaat Sachsen beabsichtigt die Errichtung eines Erweiterungsbaus an der Hochschule für Musik (HfM) Carl Maria
von Weber in Dresden. Der Hauptstandort der Hochschule liegt zentral auf der altstädtischen Seite südlich der Elbe. Das
unmittelbare städtebauliche Umfeld ist heterogen und durch unterschiedliche Gebäudetypologien aus verschiedenen
Zeitepochen geprägt. Das Wettbewerbsareal befindet sich inmitten einer baulichen Struktur mit Blockrandbebauung und
hat einen komplexen Zuschnitt. Angrenzende, bestehende Gebäude sind zu berücksichtigen, außerdem kann durch den
Rückbau nicht mehr erhaltenswerter Häuser, weitere Fläche dazugewonnen werden.
Der denkmalgeschützte Altbau der Hochschule begrenzt den Blockrand nach Westen zum Wettiner Platz hin.
Gemeinsam mit dem Anbau Grüne Straße 32 ist er das Gesicht zur Stadt und bildet einen historisch geprägten und
repräsentativen Hauptzugang für Studierende, Mitarbeiter*innen und Besucher*innen zur Gesamtanlage der Hochschule
für Musik. Der bestehende Neubau mit seinem Konzertsaal zeigt sich nach Norden zur Schützengasse markant und in
der formalen Gestik selbstbewusst, gleichwohl modern und bildet über einen Vorplatz eine angemessene „Störung“ bzw.
Öffnung der Blockrandbebauung aus. Dieser Zugang zur Hochschule kann bei besonderen Veranstaltungen und
Konzerten als weiterer Eingang genutzt werden.
Die Planungsaufgabe bzw. die Suche nach einer angemessenen, ortsspezifisch nachvollziehbaren und begründbaren
Lösung soll sich nicht nur auf die funktionale Ergänzung der Hochschule mit zusätzlichen Einheiten für Verwaltung, Lehr-
und Forschungsflächen und einer Bibliothekserweiterung beschränken. Vielmehr ist es gewünscht, die Idee einer
städtebaulichen und quartiersbezogenen Konzeption zu erarbeiten, die die unmittelbare Umgebung und Nachbarschaft in
besonderem Maße berücksichtigt. Sämtliche Anforderungen an einen lebendigen Hochschulcampus sind somit zu
beachten, wobei die inneren Organisationsprinzipien der Hochschule nur im Einklang mit einer übergeordneten und
weitsichtigen Betrachtungsweise des Stadt- und Blockquartiers entwickelt werden können. Die städtebaulichen
Ergänzungen sind somit neben den Überlegungen zum weiteren Entwicklungs- und Erweiterungspotential der
Hochschule wie auch der Einordnung und Gestaltung zukünftiger Freiflächen qualitativ zu bewerten. Verschiedene
Wegebeziehungen, Zugangsmöglichkeiten und eine vernetzte Wahrnehmung des zukünftigen Gesamtensembles und
neuen Erweiterungsbaus im Stadtgefüge sind demnach gleichrangig zu betrachten, um hieraus Rückschlüsse für eine
sensible Neugestaltung im Quartier zu ziehen.
Das ist eine spannende und herausfordernde Aufgabe, der keineswegs mit dem Repertoire einer Standardlösung
begegnet werden kann. Es gilt, eine identitätsstiftende und maßgeschneiderte Lösung anzustreben, um Besuchern und
Gästen der Hochschule ein bereicherndes Wechselspiel an baulichen und landschaftlichen Qualitäten bieten zu können.
Das Raumprogramm und die einzelnen Funktionseinheiten für den Erweiterungsbau sowie die inneren Zusammenhänge
von Altbau, dem Gebäude Grüne Straße 32 und dem bestehenden Neubau mit Konzertsaal wurden in der Auslobung
präzise und detailliert beschrieben. Dennoch scheint genügend Raum für Interpretation und Gestaltungsfreiheit
vorhanden, um etwas kompositorisch Einzigartiges daraus zu entwickeln.
Startpunkt all unserer inhaltlichen und konzeptionellen Überlegungen ist der Wunsch, der Freifläche im Blockinneren
durch den Rückbau der ehemaligen Hut- und Lederfabrik eine höhere Aufenthaltsqualität und besondere Lebendigkeit zu
verleihen. Die Entwurfsidee sieht eine großzügige Ausformulierung und Gestaltung der landschaftlichen Freibereiche als
eine Oase der Erholung vor
zugänglich auch für die Nachbarschaft
ebenso wie ein neues, erweitertes und
verbindendes Foyer, das Bestand und Erweiterungsbau verknüpft und die vertikalen Verbindungen im Haus neuordnet.
Transparenz, Offenheit sowie Leichtigkeit und Helligkeit sind wahrnehmbare Attribute, die für die neue Gesamtanlage
gelten sollen. Zurückhaltung in Bauvolumen und maßstäbliche Angemessenheit stehen nicht in Widerspruch zu Präsenz
und Wahrnehmbarkeit im öffentlichen Raum.
Die ersten Entwurfsüberlegungen entwickeln sich aus der Idee heraus, mit dem Neubau an das bestehende Foyer des
Erweiterungsbaus anzuschließen, es
zu vergrößern und eine „imaginäre Schnittstelle“ zu gestalten,
die zum einen
funktional räumliche Verbindungen im Inneren des Hauses schafft sowie den Außenraum und den Übergang zu den
Freianlagen im Blockinneren, spielerisch integriert. Unser Anliegen ist es vor allem auch, dem neuen Erweiterungsbau
eine Präsenz im öffentlichen Raum als „drittes Gesicht“ zu verschaffen
neben dem denkmalgeschützten Altbau am
Wettiner Platz und dem modernen Neubau im Nordosten
und auch von Süden her, von der Grünen Straße aus, einen
weiteren Eingang anzulegen.
Im neuen Zentrum der Musikhochschule, dem repräsentativen, großzügigen Foyer, treffen Alt- und Neubau aufeinander.
Vom öffentlichen Straßenraum im Norden erreicht man das angehobene Niveau über eine großzügige Treppe und den
Hauptzugang. Von Süden her ist das Foyer über den neuen Nebeneingang und eine gut begehbare Rampe

angebunden. Der Übergang zum Bestand ist barrierefrei möglich. Auf diese Weise werden Vernetzung gefördert und
Durchlässigkeit gewährleistet.
Das so verlagerte, neue Herz der Anlage, ist der Ort an dem sich Besucherströme treffen, sich verteilen, kreuzen und
queren, sodass hier in gegenseitig inspirierender Kommunikation ein kreativer Austausch von Studierenden, Lehrenden,
Gästen und Besuchern stattfinden kann. Hier gliedern und verzweigen sich die einzelnen Ebenen, die unterschiedlichen
Geschosse verweben sich zu einem lebendigen Organismus. Ein offenes und anregendes Raumgefüge entsteht, das
gleichzeitig eine einfache Orientierung im Haus gewährleistet. Unterschiedliche, in Raumzuschnitt und Größe variierende
Musikräume organisieren sich entlang der Fassaden und haben so durchgängig Bezug zum Außenraum. Im Westen
rückt der Baukörper stellenweise von der Nachbarbebauung ab und schafft einen Innenhof, der für eine gute
Tageslichtausnutzung sorgt. Über einen Balkon wird ein Zugang hinab zum intimen Bibliotheksgarten gewährt.
Bibliotheksbesucher können sich hierher zurückziehen und an einem ruhigen Ort Entspannung finden.
Der Landschaftsbereich im Blockinneren wird der Öffentlichkeit als Garten zugänglich gemacht und bietet somit attraktive
Flächen für Begegnungen und Lebendigkeit. Im Außenraum in Richtung Grüne Straße lädt
eine „Agora“, ein
abgesenkter
Tiefhof, der mit seinen Sitzstufen ein kleines Amphitheater für Veranstaltungen bietet und den Garten vielfältig terrassiert,
zum Verweilen ein. Öffentliche Lesungen können hier beispielsweise in einem besonderen Umfeld stimmungsvoll
inszeniert werden. Das Gartengeschoss öffnet sich mit einer großzügig verglasten Fassadenfläche zur Agora und zum
Außenraum
auf diese Weise wird das Untergeschoss direkt mit Tageslicht versorgt. Die Bibliothek befindet sich hier,
während die Probebühnen und Bewegungsräume im zweiten Untergeschoss angesiedelt sind. Über freie Treppen sind
sie an das interne Wegesystem und das zentrale Foyer angeschlossen. Die Flur- und Erschließungszonen werden über
wandbegleitende Oberlichtelemente mit Tageslicht versorgt und sind so angenehm und freundlich gestaltet.
Die beiden Obergeschosse erreicht man über das Foyer über einladende und großzügige Treppen im Atrium. Im ersten
Obergeschoss sind weitere Musikräume angeordnet. Die beiden Ensembleräume mit der überhohen lichten Raumhöhe
bilden den Abschluss des Baukörpers zur Grünen Straße hin und markieren gleichzeitig eine angenehme
Wahrnehmbarkeit im Gefüge der Blockrandbebauung. Das zweite Obergeschoss ist als Staffelgeschoss ausgebildet.
Weitere Verwaltungsräume sind hier zu finden. Eine großzügige Terrasse nach Süden bietet reizvolle Ausblicke über die
Dächer Dresdens.
Für eine funktionierende Logistik ist gesorgt. Eine Umgestaltung des bestehenden Lastenaufzugs als „Durchlader“
garantiert eine einfache Nutzung über das interne logistische System. Die Anlieferung mit Zufahrt von der
Schützengasse wird ebenfalls in diese Überlegungen funktional eingebunden. Die Zufahrt zu den geforderten
Stellplätzen erfolgt über die Schützengasse. Halbgeschossig ins Gelände integriert, kann der fußläufige Zugang ins
Gebäude über die „Agora“ erfolgen. Ein zusätzlicher Anschluss über den Nebeneingang ist gewährleistet. Eine interne
Anbindung an den Erweiterungsbau erfolgt über das Gartengeschoss. Der obere Abschluss des „Parkdecks“ wird in die
Modellierung und die Gestaltung der Freianlagen im Blockinneren integriert.
Der Entwurf folgt dem Wunsch des Auslobers, den Blockrand im Süden mit baulichen Ergänzungen und Erweiterungen
zu schließen, was vor allem die Idee der ruhigen Gartenoase stärkt. Ausnahme bildet der neue Nebenzugang von der
Grünen Straße, der eine Anbindung an den Straßenraum garantiert und das neue Gebäude hier sichtbar werden lässt.
Eine mögliche, weitere zukünftige Erweiterung der Musikschule wird als Einzelsolitär im „Garten“,
im Blockinneren,
mit
Anbindungen an das Haupthaus vorgeschlagen. Die maßstäbliche Körnung der Blockinnenbereiche kann so
gewährleistet werden. Die Decke der Parkgarage ist so vordimensioniert, dass eine spätere Erweiterung problemlos
möglich sein wird. Zum Garten orientiert zeigt sich der Erweiterungsbau kleinteilig, spielerisch und in der Erscheinung
weniger dominant. Die auskragenden, nutzbaren Terrassen und begrünten Balkone gliedern den Baukörper in der
Horizontale stimmungsvoll und ausgewogen und erzeugen so eine angenehme Vertrautheit. Proportionen,
Geschossigkeit und Maßstäblichkeit wirken angemessen. Die Leichtigkeit der Erscheinung wird unterstützt durch
vertikale und rhythmisch gliedernde, zwischen den Decken eingestellte Fassadenelemente. Durch eine kompositorische
Vielfalt entsteht ein musikalisches Spiel von transparenten und opaken Elementen, das bewusst kontrastierend zu den
eher schweren, steinernen Fassaden der Umgebung steht.
Außerdem kontrastierend soll der neue Erweiterungsbau mit einfachen, teilweise roh belassenen und robusten
Materialien ausgestattet werden. Die vorgeschlagenen Materialien folgen der Idee der Authentizität; sie sind
angemessen der funktionalen Anforderungen sowie individuell für die jeweilige Nutzung gewählt. Die notwendigen
haustechnischen Installationen werden sichtbar und gut organisiert geführt, sodass notwendige Wartungen einfach und
unkompliziert vorgenommen werden können. Einfache Stahlgeländer unterstützen die Transparenz, lassen Blicke aus
dem Inneren zu und unterstreichen gleichzeitig den modernen Charakter des Hauses.

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Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden - Realisierungswettbewerb Erweiterungsbau mit städtebaulichem Ideenteil nach RPW 2013
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Schwarzplan
Modell
HPP Architekten GmbH, Leipzig
Erster Wertungsrundgang

588753
Erläuterungsbericht
Städtebauliche Einbindung
Der geplante Erweiterungsbau der Hochschule für Musik (HfM) Carl Maria von Weber ist als
ein im Lageplan H-förmiges Gebäude entwickelt. Während der Gebäudeflügel an der Grüne
Straße den Blockrand des Quartiers abschließt, legt sich der andere Flügel an den bereits
realisierten Neubau an. Zwischen den beiden Flügeln und dem mittleren Verbindungsbau
entstehen zwei Freiräume unterschiedlicher Qualität. Während der Südwestliche als
Eingangshof durch einen großen Durchgang mit der Grüne Straße verbunden ist, ist der
Nordwestliche als geschlossener Innenhof ausgebildet.
Die geplanten Gebäudehöhen folgen dem erläuterten städtebaulichen Gliederungsprinzip. Der
Gebäudeflügel an der Grüne Straße nimmt die Höhe des Blockrandes beginnend mit dem
Altbau am Wettiner Platz bis zum Einschnitt zur Versorgung des Areals an der Schützengasse
auf. Der repräsentative Eingangsplatz und der Konzertsaal selbst behalten ihre
herausragenden, stadtbildprägenden Dispositionen. Der innere Flügel des Erweiterungsbaus
hat dieselbe Höhe wie der Neubau. Der mittlere Verbindungsbau vermittelt zwischen beiden
Höhen, so dass sich von der Grüne Straße zur Schützengasse eine Staffelung der
Gebäudehöhen ergibt.
Durch die geplante städtebauliche Gliederung und die Staffelung der Gebäudehöhen des
Erweiterungsbaus wird die schon vorhandene städtebauliche Priorisierung weitergebaut. Der
Altbau am Wettiner Platz und auch der Konzertsaal an der Schützengasse behalten ihre
bereits bestehenden städtebauliche Identitäten. Der Erweiterungsbau ergänzt das
Gebäudeensemble, ohne in Konkurrenz zu den vorgenannten Bauten zu treten. Die
Platzierung und Erschließung der weiter im Quartier geplanten Häuser der Hochschule für
Musik folgt insgesamt der mit Neubau und geplanten Erweiterungsbau begonnenen
städtebaulichen Konzeption.
Funktionalität und Erschließung
Das vorgegebene Raumprogramm ist systematisch unterteilt in den Gebäudeteilen des
Erweiterungsbaus untergebracht. Die nicht, natürlich zu belichteten und direkt an den Bestand
anzubindenden fachlichen Nutzungen sind im Gebäudeflügel, der sich direkt an den Neubau
angliedert, angeordnet. Die Erweiterung der Bibliothek befindet sich wie im Bestand im halb
tiefergelegten Untergeschoss und wird natürlich vom Eingangshof belichtet, so dass die
Räume sowohl von der Schützengasse als auch von der Grüne Straße erlebbar sind. Die
Bewegungsräume sind so konzipiert, dass diese sowohl unterteilt als auch gemeinsam mit
dem Foyer als ein großer Raum bespielt werden können. Durch die zur Grüne Straße
ebenerdige Anordnung und der gleichzeitigen Ausbildung des höher gelegen Erdgeschosses
an der Schützengasse ergibt sich für Foyer und Bewegungsräume eine den Raumgrößen
angemessene Geschosshöhe. Über diesen fachlichen Nutzungen verbinden die Übe- und
Unterrichtsräume im mittleren Verbindungsbau den nördlichen und südlichen Gebäudeflügel
miteinander. Im Gebäudeflügel an der Grüne Straße sind alle zentralen Nutzungen
untergebracht.
Für die Erschließung des Gesamtensembles wird das bisherige Konzept fortgeschrieben. Die
Studierenden haben nach wie vor den zentralen Eingang im Altbau und können über den
Verbindungsweg im Neubau die neuen zentralen vertikale Erschließungen im
Erweiterungsbau erreichen. Der Eingang zum Konzertsaal ist ebenso mit der neuen vertikalen
Erschließung verbunden, bei öffentlichen Veranstaltungen kann der Zugang zu fachlichen
Nutzungen auch über das Foyer, dass von der Grüne Straße erreichbar ist, gewährt werden.

588753
Die zentralen Nutzungen haben einen eigenen Eingang und eine vertikale Erschließung an
der Grüne Straße, sind aber auch auf jeder Gebäudeebene an die fachlichen Nutzungen
angebunden. Das gesamte Gebäudeensemble ist barrierefrei erschlossen und erhält mit den
Eingängen an der Grüne Straße eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Erschließungen.
Um die Freiflächen nicht mit ruhendem Verkehr zu belegen, ist im halb tiefergelegten
Untergeschoss ein Mobility Hub untergebracht, der sowohl die nachzuweisenden PKW –
Einstellplätze als auch die Fahrradstellplätze aufnimmt. Die Erschließung erfolgt von der
Schützengasse.
Architektonische Qualitäten
Zentrales architektonisches Element im Erweiterungsbau ist die vertikale Erschließung an die
Kommunikationszonen und Dachterrassen sowie Teeküchen als offenen Tresen angebunden
sind. Das Foyer am Eingangshof kann mit den durch mobile Wände getrennten
Bewegungsräumen zu einem großen Veranstaltungsraum zusammengeschaltet werden, der
von der Grüne Straße einsehbar ist und die Hochschule für Musik nach außen zur Stadt
darstellen kann.
Die Gebäude im Blockinneren haben Fassaden, die das bereits realisierte architektonische
Konzept des Neubaus an dieser Stelle mit Fenstern in hellen Putzflächen fortschreiben. Der
Gebäudeflügel an der Grüne Straße erhält für die zentralen Büronutzungen großzügige
Fensterkonstruktionen, die zusätzlich und zum sommerlichen Wärmeschutz durch vertikale
Holzlamellen gegliedert werden und damit dem Erweiterungsbau ein selbstbewusstes
Äußeres in der Blockrandbebauung geben. Die Bewegungsräume im Erdgeschoss haben
großzügige Glasfassaden, die einerseits Einblicke erlauben aber auch komplett verdunkelt
werden können.
Im Innenbereich erhalten die Gebäudeteile des Erweiterungsbaues extensiv begrünte
Flachdächer, die durch die Höhenstaffelung jeweils auch als Dachterrassen für die dahinter
liegenden Kommunikationszonen genutzt werden können und damit in Teilen begehbar sind.
Große Oberlichter markieren die zentralen vertikalen Erschließungen.
Zonierung der Freiflächen und Schalltechnische Verträglichkeit
Im Gesamtensemble der Hochschule für Musik werden mit dem Erweiterungsbau weitere
Freiflächen zur Verfügung. Der Eingang von der Grüne Straße wird über einen verkehrsfreien
Eingangshof gebildet, zu dem sich die Begegnungsräume und das Foyer sowie die Bibliothek
orientieren. Die einprägsame Bestandswand an der Grundstücksgrenze zum Gebäude 20 wird
in die Gestaltung der Freiflächen einbezogen und bildet mit der Absenkung zur Belichtung der
Bibliothek dem Haupteingang ein grünes Gegenüber. Der allseits umschlossene nordöstliche
Innenhof schafft geschützte Aufenthaltsbereiche für Probe- und Unterrichtspausen. Auch hier
ist die begrünte Brandwand zum Gebäude 16 /16a Ausgangspunkt der Freiraumgestaltung.
Einzig von der Schützengasse im Norden ist wie bereits im Bestand vorhanden die Zufahrt mit
Fahrzeugen bis zum Mobility Hub und zur Ver- und Entsorgung des Areals erlaubt.
Die Übe- und Unterrichtsräume erhalten neben zu öffnenden Fenstern auch schallgedämmte
Lüftungsflügel, die es erlauben, die Räume auch während des Musizierens zu belüften. Zur
Grüne Straße schirmen der höhere Gebäudeflügel mit den zentralen Nutzungen und zur
Schützengasse der Konzertsaal schalltechnisch die im Blockinneren liegenden Räume ab, so
dass es keine schalltechnisch kritischen Wechselwirkungen mit der Umgebung auftreten

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