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Geplante
Flächenumgestaltung
Flst. 405/10
Gemarkung Beucha
Artenschutzfachliches
Gutachten
November 2021
bio
plan
Gutachterbüro für
Stadt- und Landschaftsökologie
Dr. Petra Strzelczyk
Schreberstraße 14 ● 04109 Leipzig
Tel.: 0341-4412022
Fax: 0341- 1248728
info@bioplan-leipzig.de
www.bioplan-leipzig.de

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Artenschutzfachliches Gutachten – Flst. 405/10 Gemarkung Beucha
2/20
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plan
Gutachterbüro für Stadt- und Landschaftsökologie Dr. Petra Strzelczyk
18.11.2021
Auftraggeber:
Haus & Garten Michael Kautz
Dorfstraße 12
04824 Brandis OT Beucha
Auftragnehmer:
bio
plan
Gutachterbüro für Stadt-
und Landschaftsökologie
Dr. Petra Strzelczyk
Schreberstraße 14
04109 Leipzig
Tel.: 0341/ 441 2022
Fax: 0341/ 1248 728
info@bioplan-leipzig.de
www.bioplan-leipzig.de
Projektleitung:
Dr. Petra Strzelczyk
Dipl. Biologin
Bearbeitung:
Nicole Apel
Markus Tinter
M. Sc.
M. Sc.
Kartierung:
Dr. Petra Strzelczyk
Nicole Apel
Markus Tinter
Dipl. Biologin
M. Sc.
M. Sc.
Leipzig, den 18.11.2021 ____________________
Dr. Petra Strzelczyk

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Artenschutzfachliches Gutachten – Flst. 405/10 Gemarkung Beucha
3/20
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plan
Gutachterbüro für Stadt- und Landschaftsökologie Dr. Petra Strzelczyk
18.11.2021
INHALTSVERZEICHNIS
1
Anlass und Aufgabenstellung
4
2
Methoden
5
2.1
Artenschutzfachliche Gehölzuntersuchung
5
2.2
Brutvogelkartierung
5
2.3
Fledermauskartierung
6
2.4
Zauneidechsenkartierung
8
3
Ergebnisse
8
3.1
Artenschutzfachliche Gehölzuntersuchung
8
3.2
Brutvogelkartierung
9
3.3
Fledermauskartierung
11
3.4
Zauneidechsenkartierung
12
4
Naturschutzrechtliche Situation
12
5
Fazit und empfohlene Maßnahmen
13
Anhang: Fotodokumentation
15

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Artenschutzfachliches Gutachten – Flst. 405/10 Gemarkung Beucha
4/20
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Gutachterbüro für Stadt- und Landschaftsökologie Dr. Petra Strzelczyk
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1
Anlass und Aufgabenstellung
Das Flurstück 405/10 der Gemarkung Beucha liegt gem. Satzung der Stadt Brandis im
Geltungsbereich des Bebauungsplanes „Gewerbepark Beucha“. Die Gesamtfläche ist wie folgt
untergliedert (s. Abb. 1): Auf dem östlichen Teil befinden sich Anpflanzungen vom Ende der 80-er/
Anfang der 90-er Jahre. Die Erstbegehung am 20.1.2021 ergab, dass es sich bei dem
überwiegenden Baumbestand (1) um eine ehemalige Streuobstwiese oder eine Obstbaumplantage
(nach Aussage Hr. Quaas/ UNB) handelt, bestehend aus hauptsächlich Wildkirschen und
Apfelbäumen. Am nördlichen Saum hin zur Offenfläche (4) stehen linear Hasel- und lichte
Brombeersträucher. Westlich an die Obstgehölze angrenzend befinden sich in freier Sukzession
aufgewachsene dicht stehende Laubgehölze (2), direkt westlich daran angrenzend eine große
dichte Brombeerhecke (3) sowie nördlich davon eine licht mit einigen Laub- und Nadelgehölzen
bewachsene Fläche (5). Zum Lindenring hin findet sich eine Offenlandfläche mit wenigen jungen
Laubgehölzen und Sträuchern (6). Gem. Aussagen des Sachgebietes Forst im Umweltamt ist die
bestockte Fläche kein Wald im Sinne des Sächsischen Waldgesetzes.
Abb. 1:
Flächenzuordnungen Flst. 405/10 in Beucha. (Quelle Luftbild: Google Earth Pro.)
Die Gesamtfläche wurde inkl. des östl. Mischgebiets erworben und soll mind. 40% Grün beinhalten;
d.h. in den Obstbaumbestand wird nicht eingegriffen. Der vorgesehene Flächeneingriff kann Abb. 2
entnommen werden. Auf 21,52 m vom nördlichen Zaun bis zum Baumbestand soll der Saum von
Brombeeren und Haselsträuchern befreit und die Fläche als Erweiterung für eine Stellfläche für
Fahrzeuge teilversiegelt werden. Ggf. soll die Straßenentwässerung in die bestehende
Geländemulde mit Schacht (Abb. 1, Fläche 2) abgeleitet werden. Für die dichte Brombeerhecke
westlich des Baumbestands (Fläche 3) war eine Rodung ursprünglich nur in Randbereichen
vorgesehen (bereits durchgeführt); nach aktueller Planung soll die Hecke zur weiteren
Flächennutzung jedoch nahezu vollständig entfernt werden. Dies entspricht, zusammen mit dem
nördlichen Hasel- und Brombeersaum, einer zu rodenden Fläche von ca. 1349 m². Zudem sind
evtl. weitere Rodungen auf der nordwestlichen und westlichen Fläche (5 und 6) geplant; letztere
soll später zum Verkauf stehen. Die vorgesehenen Ausgleichsflächen sollen als grüner
„Pufferstreifen“ rings um das Areal der Brombeerhecke auf einer Fläche von ca. 674 m² entstehen,
außerdem auf der nordöstlich angrenzenden Grünfläche auf ca. 285 m².

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Artenschutzfachliches Gutachten – Flst. 405/10 Gemarkung Beucha
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Abb. 2:
Auszug aus Teilungsvorschlag 1 mit dem zu erhaltenden Biotop (rot umrandet), geplanten Gehölzfällungen
(hellgrün schraffiert) und geplanten Ausgleichsflächen (dunkelgrün schraffiert).
Bei dem Gehölzbestand kann es sich um Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Tieren der
besonders und streng geschützten Arten (§ 44 BNatSchG), aber auch um gesetzlich geschützte
Biotope (§ 30 BNatSchG) handeln. Um nicht gegen die in diesen §§ enthaltenen Verbote zu
verstoßen, war dies vor Beginn der Maßnahmen zu überprüfen. Dazu wurden im Jahr 2021
Erfassungen von Höhlenbäumen, Fledermäusen, Brutvögeln und Zauneidechsen durchgeführt und
die Fläche hinsichtlich eines Biotopstatus bewertet. Die Methoden sind nachfolgend erläutert.
2
Methoden
2.1
Artenschutzfachliche Gehölzuntersuchung
Am 01.04.2021 erfolgte eine ca. dreistündige Begehung der gesamten Fläche zur Untersuchung
des Gehölzbestandes hinsichtlich vorhandener Tierquartierstrukturen (Baumhöhlen, Spalten,
abstehende Borke) und Besiedlungshinweisen (Nistmaterial, Kot, anwesende Tiere etc.). Die
Gehölze wurden vom Boden aus, mit Taschenlampe und Endoskopkamera untersucht. Gehölze
mit entsprechenden Nachweisen wurden verortet und sind dem Anlagenplan Nr. 1 zu entnehmen.
Auf Grundlage der Begehung sollte zudem eine Einschätzung zum aktuellen Biotopstatus erfolgen.
2.2
Brutvogelkartierung
Zur Erfassung/ Abschätzung der brütenden Avifauna wurden insgesamt 2 Begehungen
durchgeführt – einmal Mitte April und einmal Anfang Juni (vgl. Tab. 1). Tag und Tageszeit der
Begehungen wurden bei günstiger Witterung zur Erfassung von Brutvögeln ausgewählt – in den
Morgenstunden um den Sonnenaufgang, möglichst ohne Regen und bei geringer
Windgeschwindigkeit.
Tab. 1:
Übersicht der beiden Begehungstermine zur Brutvogelerfassung
Datum
Uhrzeit
Temp.
Bewölkung Wind
Witterung
15.04.21
08:00 - 09:30
2-4 °C
1/8-3/8
2-2 bft
trocken, schwache Niederschläge letzte 24 h
10.06.21
05:15 - 06:15
16-18 °C 6/8-2/8
0-0 bft
keine Niederschläge letzte 24 h

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Bei einer Begehung wurden jeweils revieranzeigende Merkmale wie Gesang des Männchens,
Sichtbeobachtung eines Paares einer Art oder Futter/ Nistmaterial tragende Altvögel dokumentiert
und über ein mobiles Endgerät der Nachweisort im Gelände digital erfasst.
Da lediglich 2 Begehungen zur Brutzeit nicht ausreichen, um das Arteninventar möglichst
vollständig abzubilden, wurden anhand der beiden Begehungen sowie der Habitatausprägungen
des UG weitere potentielle Brutvogelarten abgeleitet. Ein Vorkommen dieser potentiellen Arten ist
aufgrund ihrer spezifischen Habitatansprüche und deren Verbreitung in der Region möglich.
2.3
Fledermauskartierung
Bioakustische Erfassung
Die Fledermauserfassung erfolgte zwischen Mai und September 2021 in Form von 4 abendlichen
Begehungen mit mobilen Zeitdehnungsdetektoren (siehe Tab. 2). Zum Einsatz kam ein Batlogger
M der Firma Elekon (Firmware 2.6.2), ein automatisches Aufnahmegerät, das Fledermausrufe/-
sequenzen in Echtzeit mit 16 bit-full-spectrum speichert. Der Empfindlichkeitsbereich des
Detektors liegt zwischen 10 und 150 kHz und kann somit das gesamte Spektrum der
Fledermausfauna in Deutschland erfassen. Des Weiteren macht der Detektor die Fledermausrufe
im Super-Heterodyn-Modus automatisch hörbar. Dadurch wird ein Mithören der Fledermausrufe in
Echtzeit im Gelände möglich und es kann vor Ort eine Vorbestimmung durchgeführt werden.
Die Erfassungen begannen jeweils mit Sonnenuntergang und endeten ca. 1-1,5 Stunden später,
um das Aktivitätsmaximum der Fledermäuse zu erfassen. Da das Untersuchungsgebiet sehr
kleinräumig ist, wurde es mehrfach abgelaufen. Die Detektorerfassungen erfolgten generell in
Form der Freestyle-Methode (Runkel et. al. 2018), ohne definierte Geschwindigkeit und Stopps.
Dieser Erfassungstyp ist eine gezielte mobile Erfassung, bei der wichtige Teillebensräume im UG
abgelaufen werden. Zudem erlaubt diese Methode die Variation der Strecke durch Änderung von
Teilstrecken und Reihenfolgen. Dadurch wird versucht, den gesamten Lebensraum in der
Untersuchungsfläche abzudecken.
Zur Erfassung von Flugaktivitäten und Nahrungshabitaten im Gelände ist die Detektorkartierung in
Verbindung mit Sichtbeobachtung eine effektive Nachweismethode. Bis auf wenige Arten (z. B.
Plecotus auritus/austriacus
oder
Myotis brandtii/mystacinus
) sind die Rufe durch die Kombination
von Mischer- und Heterodyndetektoren bei entsprechenden Entfernungen gut festzustellen und mit
der passenden Analysesoftware weitestgehend sicher zu unterscheiden. Vorteile der manuellen
Detektorbegehung sind die weiträumige Kartierung in kurzer Zeit und die zusätzliche Beurteilung
des Flugverhaltens durch Sichtbeobachtung. Des Weiteren ist durch die Mobilität die Möglichkeit
gegeben, Quartierstandorte festzustellen. Nachteile sind das nur kurzzeitige Aufzeichnen von
Rufaktivitäten am jeweiligen Untersuchungsstandort und dass immer nur die Situation der
untersuchten Nacht vermittelt wird.
Nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht zu den Erfassungszeiten und meteorologischen
Bedingungen der einzelnen Begehungstermine.
Tab. 2:
Übersicht zu Begehungsterminen und Wetterbedingungen der Detektorbegehungen.
Nr.
Datum
Startzeit
Endzeit
Temperatur
Bewölkung/Niederschlag
Wind
1
17.05.21
21:05
22:10
15°C
bewölkt, leichter Nieselregen am Ende
leicht
2
09.06.21
21:21
22:58
21°C
heiter, kein Regen
windstill
3
05.07.21
21:32
23:01
23-21°C
bewölkt, kein Regen
windstill
4
06.09.21
19:51
21:25
19-28°C
heiter, kein Regen
windstill

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Artbestimmung und Auswertung
Im Anschluss der Erfassungen wurden die gespeicherten Aufnahmen aus dem Batlogger M
ausgewertet. Mithilfe der Computerprogramme bcAdmin 4 (Version 1.1.5) und batident der ecoObs
GmbH erfolgt zunächst eine automatische Rufanalyse. Anhand der End- und Peak-Frequenzen,
der Länge der Rufe und der Rufabstände zwischen den Rufen einer Fledermausrufsequenz
können Fledermausarten zum Teil bis auf Artniveau bestimmt werden. Die Artbestimmung ist dabei
abhängig von der Qualität der Rufaufnahmen. Vor allem Arten der Gattung
Pipistrellus
(
Pipistrellus
pipistrellus, P. pygmaeus, P. nathusii
) können anhand dieser Methode mit einer hohen
Wahrscheinlichkeit eindeutig erkannt werden. Dennoch sind Überlappungen und damit
uneindeutige Sequenzen nicht auszuschließen.
Eine Bestimmung des Großen Abendseglers (
Nyctalus noctula
) ist unter bestimmten
Voraussetzungen zweifelsfrei möglich. Annäherungsrufe sowie Suchrufe in bestimmten Habitaten
weisen jedoch starke Ähnlichkeiten mit Rufen des Kleinen Abendseglers (
Nyctalus leisleri
), der
Zweifarbfledermaus (
Vespertilio murinus
) sowie der Breitflügelfledermaus (
Eptesicus serotinus
)
auf. Generell ist aufgrund der hohen Frequenz-Überlappungsbereiche eine eindeutige Bestimmung
dieser Arten nur im Idealfall möglich. Andernfalls werden diese sogenannten nyctaloiden Arten in
die Artgruppe Nyctaloid (welche auch Ruftypen des Großen Abendseglers in bestimmten
Situationen nicht ausschließt) zusammengefasst.
Anhand der Fledermausdaten können zudem die Zuordnung zu den Gattungen
Myotis
(Mausohren) und
Plecotus
(Langohren) eindeutig erfolgen. Eine detaillierte Bestimmung der Arten
der Gattung
Myotis
ist nicht immer zweifelsfrei bzw. nur im Idealfall bei qualitativ sehr hochwertigem
und störungsfreiem Datenmaterial möglich. Um Fehlbestimmungen zu vermeiden werden diese
Arten nur im Idealfall bis auf Artniveau erfasst und im Zweifel Artgruppen angegeben. Da neben
den Frequenzüberlappungen auch suboptimale Aufzeichnungen (starkes Echo, erhöhtes
Rauschen) zu einer ungenauen automatischen Artbestimmung führen können, wird im Anschluss
der automatischen Rufbestimmung mittels der o. g. Software eine manuelle Überprüfung der
bestimmten Rufe unter Anwendung des Programmes bcAnalyze 3 Light (ecoObs GmbH)
durchgeführt. Mit Bestimmungshilfen (u.a. SKIBA 2009, MARKMANN 2020) können suboptimale
Aufzeichnungen dann oftmals Arten oder Artengruppen zugeordnet werden.
Die potentielle Detektionsdistanz eines Fledermausrufes ist von zahlreichen Parametern wie
verwendetem Mikrofon, Ruffrequenz, Ruflautstärke, Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchte,
Einfallswinkel des Rufes und Geländestruktur abhängig. Sie reicht von wenigen Metern bei leise
rufenden Arten wie Langohren und der Bechsteinfledermaus bis ca. 100 Metern bei laut rufenden
Arten wie dem Großen Abendsegler, sodass es bei der bioakustischen Kontrolle von
Teillebensräumen wie Jagdhabitaten oder Flugleitlinien zur Über- bzw. Unterrepräsentation
einzelner Arten im Untersuchungsgebiet kommen kann.
Neben den Grenzen der Artbestimmung hat die akustische Erfassung ebenfalls Grenzen bezüglich
der Identifikation einzelner Individuen. Die Anzahl der aufgenommenen Kontakte gibt keinesfalls
die Anzahl der Individuen wieder, da ein Individuum sich mehrmals durch den Empfangsbereich
eines Detektors bewegen kann. Mehrfacherfassungen ein und desselben Individuums können
demnach nicht ausgeschlossen bzw. nachfolgend nicht oder nur sehr schwer überprüft werden
(RUNKEL ET AL. 2018). Die Anzahl der Kontakte stellt daher eher ein Maß für die Aktivität einer oder
mehrerer Fledermaus-Individuen dar und muss in Relation zu der gesamten Aufnahmezeit/-dauer
betrachtet werden. Wenn zwei Kontakte in einem großen zeitlichen Abstand (mehr als 30 sec)
aufeinander folgen, kann bei nur sehr wenigen Überflügen davon ausgegangen werden, dass es
sich um zwei Individuen handelt. Dies ist aber situationsabhängig zu betrachten. In besonderen
Jagdgebieten/Nahrungshabitaten, können sich Tiere immer wiederkehrend im Gebiet aufhalten
und somit kann anhand der akustischen Daten, welche aus den Detektorbegehungen hervorgehen,
keine konkrete Individuenberechnung durchgeführt werden.

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Die Rufsequenzen der Fledermäuse geben Hinweise auf ihr Verhalten. So können in einer
Rufsequenz Hinweise auf Nahrungssuchverhalten gefunden werden. Viele Fledermausarten
nutzen zur Ortung der Beutetiere spezielle Ruf-Sequenzen (sogenannte final oder feeding buzzes),
welche im Sonagramm eindeutig erkannt werden können. Ebenso können die Rufsequenzen
Hinweise auf soziales Verhalten geben, falls artspezifische und verhaltensspezifische Sozialrufe in
der Sequenz erfasst wurden (SKIBA 2009).
2.4
Zauneidechsenkartierung
Es wurden insgesamt 3 Begehungen im UG durchgeführt. Dafür wurden Tage und Tageszeiten mit
günstiger Witterung zur Kartierung von Zauneidechsen gewählt, die sich je nach Jahreszeit an
unterschiedlichen Tageszeiten ergaben (s. Tab. 3). Bei den einzelnen Begehungen wurden
typische Strukturen auf der gesamten Fläche langsam abgeschritten und gezielt nach ruhenden/
flüchtenden Tieren (z. T. mit Fernglas) abgesucht. Typische Strukturen sind insbesondere Säume,
d. h. Übergangsbereiche zw. rohem/ schütterem Boden und mehr oder weniger hoher und dichter
Vegetation. Zudem wurden potentielle Sonnenplätze und oberirdische Versteckstrukturen wie
Müllablagerungen, Stein- bzw. Totholzhaufen genauer untersucht. Vor der ersten Begehung
wurden Mitte April 4 künstliche Verstecke (Reptilienbretter) aus Bitumenwellplatten ausgelegt,
davon jeweils zwei auf Teilfläche 4 und 6 an geeigneten Strukturen.
Tab. 3:
Begehungstermine zur Erfassung von Zauneidechsen
3
Ergebnisse
3.1
Artenschutzfachliche Gehölzuntersuchung
Im Untersuchungsgebiet konnte insgesamt ein hohes Angebot an Tierquartierstrukturen im
vorhandenen Baumbestand festgestellt werden. Insbesondere die Apfelbäume und Weiden auf
den dichten Gehölzflächen im Osten bieten zahlreiches Quartier- und Brutplatzpotential für
Fledermäuse, Brutvögel und xylobionte Insekten (Baumhöhlen oder Totholz). Zur Begehung am
01.04.21 wurden insgesamt 26 Bäume mit Höhlenstrukturen oder Totholz festgestellt; darin 7
Brutvogelnistplätze, von denen zum Untersuchungszeitpunkt zwei durch Blaumeise und Star
besetzt waren. Im weiteren Jahresverlauf wurden in den Gehölzen samt Sträuchern auch weitere
Bruten registriert (siehe Kap. 3.2). Die Gehölze werden nicht nur von Höhlen-, sondern auch von
Freibrütern wie Ringeltaube und Krähenvögeln genutzt, von denen ebenfalls Altnester gefunden
wurden. Aufgrund der Menge an Höhlenbäumen, von denen einige Apfelbäume auf Teilfläche 1
sowie einzelne Weiden auf Teilfläche 2 gleich mehrere Höhlen aufweisen und damit als
höhlenreiche Einzelbäume gelten, kann in der Gesamtbetrachtung die Gehölzfläche im Osten als
höhlenreiche Altholzinsel betitelt werden, was einem geschützten Biotop im Sinne von § 30 Abs. 2
Satz 2 BNatSchG i. V. m. § 21 SächsNatSchG entspricht. Die detaillierten Ergebnisse der
Gehölzuntersuchung können nachfolgender Tabelle (Tab. 4) sowie dem Ergebnisplan in Anlage 1
entnommen werden.
Nr. Datum
Uhrzeit
Temp.
Witterung
Bemerkungen
1
11.05.21
14.00 -15.10
24 °C
sonnig, leichte Schleierwolken;
trocken; kaum Wind
Nur noch 2 Reptilienmatten
auf TF 6 vorhanden
2
28.06.21
09.42 - 10.25
23 °C
sonnig, leicht bewölkt; trocken;
windstill
Keine Reptilienmatten mehr
vorhanden, Mahd auf TF 6
3
09.09.21
10.17 - 11.00
26 °C
sonnig, leicht bewölkt, trocken,
windstill
-

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Tab. 4:
Ergebnisse der Gehölzuntersuchung am 01.04.2021.Grün markiert: Höhlenreiche Einzelbäume. BV =
Brutvögel, FM = Fledermäuse.
3.2
Brutvogelkartierung
Im UG wurden bei den 2 Begehungen im April und Juni 2021 insgesamt 18 Brutvogelarten
nachgewiesen – darunter fast alles ubiquitäre Vogelarten (siehe Tab. 5). Es konnten einige
Gehölzhöhlenbrüter dokumentiert werden (z. B. Star, Feldsperling, Blau- und Kohlmeise), die
nachweislich im UG brüteten. Unter den Gehölzfreibrütern wurde die streng geschützte
Greifvogelart Sperber (
Accipiter nisus
) über dem Gehölzbestand kreisend erfasst. Ein Horst konnte
nicht lokalisiert werden, jedoch ist dieser bei dichter Belaubung der Gehölze schwer zu finden. Eine
Brut der Art im UG ist möglich. Spechte konnten bei den Begehungen nicht nachgewiesen werden.
Ein Brutvorkommen von Klein/, Bunt-, Grünspecht und Wendehals ist jedoch aufgrund der
vorhandenen geeigneten Gehölze potentiell möglich. Die große, zusammenhängende
Nr.
Baumart
Befund
1
Weide
2 Nester: 1x Elster/Sicht, 1x anderer Krähenvogel in Baumkrone
2
Weide
Große tote Weide mit mehreren Baumhöhlen
3
Weide
2 tote Weiden mit Hohlstamm. Ein Stamm mit 2 Höhlen im oberen Bereich, untere
Höhle mit
Brutplatz Star
(Einflug)
4
Birke
Totholz stehend, Insektenpotential
5
Apfel
Tot, evtl. Potential (nicht erreichbare Höhle)
6
Haselnuss
Nest Ringeltaube in Baumkrone
7
Apfel
Tot, hohler Stamm mit Baumhöhlen, Potential BV und FM
8
Apfel
Tot mit hohlem Stamm, Baumhöhlen und Spalt, altes
Meisennest
im Innern
9
Apfel
Tot, oben offen, Insektenpotential
10
Apfel
Tot mit hohlem Stamm und Baumhöhle, oben offen. BV- und geringes FM-Potential
11
Apfel
Apfel mit hohlem Stamm, oben offen (Endoskop). BV- und geringes FM-Potential
12
Apfel
2 Brutplätze
(Meise?). Westseite frisches Moos eingetragen
13
Apfel
hohler Stamm mit Baumhöhlen, unten
Brutplatz
(Meise?)
14
Apfel
Höhlen mit Brutplatz-Potential
15
Apfel
Tot, mehrere Baumhöhlen und hohler Stamm,
2 Meisennester (1x Brutplatz
Blaumeise, Einflug)
16
Apfel
Totholz liegend, Potential Insekten
17
?
Totholz stehend mit Baumhöhlen; Potential BV, FM, Insekten
18
Apfel
Kleine Stammhöhle; Potential BV, FM, Insekten
19
?
liegendes Totholz, Potential Insekten
20
Apfel
stehendes Totholz mit Insektenfraßspuren
21
Apfel
stehendes Totholz mit Insektenfraßspuren
22
Apfel
Stammhöhle mit Brutplatz-Potential
23
Apfel
hohler Stamm
24
Kirsche
Nest Krähe in Baumkrone
25
Haselnuss
Nest Taube in Baumkrone
26
Apfel
Tot mit hohlem Stamm und großer Öffnung
27
Apfel
Tot mit hohlem Stamm und großer Öffnung
28
Apfel
Tot mit Höhlungen
29
Haselnuss
Nistkasten leer
30
Kirsche
Nistkasten Star mit Kot
Nr.
Sonstige Nachweise
31
Frühjahrsversammlung 8 Eichelhäher in Baumkrone sitzend und rufend

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Brombeerhecke im Westen des UG dient einer Kolonie Haussperlingen als Ruhe- und
Versteckplatz. Die Kolonie brütet in den Wohngebäuden der Umgebung.
Tab. 5:
Ergebnisse Begehung Brutvögel + Potential.
BN -
Brutnachweis
, BV -
Brutverdacht
, BF -
Brutzeitfeststellung
, NG -
Nahrungsgast,
DZ
– Durchzügler
VRL Anh.
1
- Art des Anhanges 1 der Europäischen Vogelschutzrichtlinie,
RL D
- Rote Liste Brutvögel Deutschlands (nach
RYSLAVY et al. 2020),
RL SN
- Rote Liste Wirbeltiere Sachsens (nach ZÖPHEL et al. 2015);
0 -
ausgestorben
, 1 -
vom Aussterben bedroht,
2
- stark gefährdet,
3
- gefährdet,
V
- Art der Vorwarnliste,
R
- Art mit geographischer
Restriktion, n. b. – nicht bewertet
Art - Deutsch
Art - wissenschaftlich
Art nach-
gewiesen -
Anzahl
Reviere
Art pot.
möglich
-
aktuell
nicht
nach-
gewiesen
Schutz- und Gefährdungsstatus
BN
BV
RL SN
RL D
VRL
Anh. 1
streng
gesch.
1
Amsel
Turdus merula
1
1
-
-
-
-
-
Blaumeise
Parus caeruleus
1
1
-
-
-
-
-
Buchfink
Fringilla coelebs
-
1
-
-
-
-
-
Bluthänfling
Carduelis cannabina
-
-
x
V
3
-
-
Buntspecht
Dendrocopos major
-
-
x
-
-
-
-
Dorngrasmücke
Sylvia communis
-
-
x
V
-
-
-
Eichelhäher
Garrulus glandarius
-
-
x
-
-
-
-
Elster
Pica pica
-
1
-
-
-
-
-
Fasan
Phasianus colchicus
-
-
x
n. b.
n. b.
-
-
Feldsperling
Passer montanus
1
-
-
-
V
-
-
Fitis
Phylloscopus trochilus
-
-
x
-
-
-
-
Gartengrasmücke
Sylvia borin
-
-
x
V
-
-
-
Gartenrotschwanz
Phoenicurus phoenicurus
-
-
x
3
-
-
-
Gelbspötter
Hippolais icterina
-
1
-
V
-
-
-
Girlitz
Serinus serinus
-
-
x
-
-
-
-
Goldammer
Emberiza citrinella
-
-
x
-
-
-
-
Grauschnäpper
Muscicapa striata
-
-
x
-
V
-
-
Grünfink
Carduelis chloris
-
1
-
-
-
-
-
Grünspecht
Picus viridis
-
-
x
-
-
-
x
Haussperling
Passer domesticus
(1)
-
-
V
-
-
-
Heckenbraunelle
Prunella modularis
-
-
x
-
-
-
-
Klappergrasmücke
Sylvia curruca
-
2
-
V
-
-
-
Kleinspecht
Dryobates minor
-
-
x
-
3
-
-
Kohlmeise
Parus major
1
-
-
-
-
-
-
Kuckuck
Cuculus canorus
-
-
x
3
3
-
-
Mönchsgrasmücke
Sylvia atricapilla
-
4
-
-
-
-
-
Nachtigall
Luscinia megarhynchos
-
3
-
-
-
-
-
Neuntöter
Lanius collurio
-
-
x
-
-
x
-
Pirol
Oriolus oriolus
-
-
x
V
V
-
-
Rabenkrähe
Corvus corone corone
-
-
x
-
-
-
-
Ringeltaube
Columba palumbus
1
-
-
-
-
-
-
Rotkehlchen
Erithacus rubecula
-
-
x
-
-
-
-
Schwanzmeise
Aegithalos caudatus
-
-
x
-
-
-
-
Singdrossel
Turdus philomelos
-
1
-
-
-
-
-
Sommergoldh.
Regulus ignicapilla
-
-
x
-
-
-
-
Sperber
Accipiter nisus
-
1
-
-
-
-
x
Star
Sturnus vulgaris
1-2
-
-
-
3
-
-
Stieglitz
Carduelis carduelis
-
1
-
-
-
-
-
Sumpfrohrsänger
Acrocephalus palustris
-
-
x
-
-
-
-
Trauerschnäpper
Ficedula hypoleuca
-
-
x
V
3
-
-
Waldohreule
Asio otus
-
-
x
-
-
-
x
Wendehals
Jynx torquilla
-
-
x
3
3
-
x
Zaunkönig
Troglodytes troglodytes
-
-
x
-
-
-
-
Zilpzalp
Phylloscopus collybita
-
3
-
-
-
-
-
1
streng geschützt
– nach BNatSchG

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3.3
Fledermauskartierung
An den vier Erfassungsterminen wurden insgesamt 260 Fledermaus-Kontakte in 345 min
Aufnahmedauer aufgezeichnet. Dies bedeutet im Mittel ca. 0,75 Fledermauskontakte pro
Aufnahmeminute im Untersuchungsgebiet, was mit einer mittleren Aktivität bewertet werden kann.
Zu beachten ist, dass die Anzahl der Kontakte nicht die Anzahl der Individuen widerspiegelt. Die
Aufnahmen konnten den 3 Fledermausarten Zwergfledermaus (
Pipistrellus pipistrellus,
n = 76),
Großer Abendsegler (
Nyctalus noctula,
n = 61) und Breitflügelfledermaus (
Eptesicus serotinus
,
n = 91) zugeordnet werden. Außerdem wurden insgesamt 12 Rufe der nyctaloiden Gruppe Nycmi
und 18 Rufe der Gruppe Nyctaloid zugeordnet; ein Ruf konnte nicht zwischen Zwerg- und
Mückenfledermaus unterschieden sowie ein weiterer Ruf keiner Gruppe eindeutig zugeordnet
werden. Die folgende Tabelle gibt die Anzahl der aufgezeichneten Fledermauskontakte pro
Fledermausart bzw. -artengruppe über die vier Detektorbegehungen wieder.
Tab. 6:
Übersicht über die Anzahl der Kontakte pro Art/Artgruppe und Begehungstermin im UG. Eser –
Eptesicus
serotinus
, Nnoc
– Nyctalus noctula,
Ppip
– Pipistrellus pipistrellus.
Fledermausart/-artengruppe
Artkürzel
Anzahl Kontakte im Jahr 2021
17.05.
09.06.
05.07.
06.09.
Gesamt
Zwergfledermaus
Ppip
47
21
6
2
76
Zwerg-/Mückenfledermaus
Pipistrelloid
-
-
-
1
1
Großer Abendsegler
Nnoc
-
18
40
3
61
Breitflügelfedermaus
Eser
-
64
26
1
91
Gruppe Kl. Abendsegler, Breitflügel-, Zwei-
farbfledermaus
Nycmi
-
1
10
1
12
Gattungen Nyctalus, Eptesicus, Vespertilio
Nyctaloid
-
8
10
-
18
Unbest.
Spec.
-
1
-
-
1
Anzahl der Kontakte
47
113
92
8
260
Aufnahmedauer in min
65
97
89
94
345
Aktivität = Kontakte/min
0,7
1,2
1,0
0,1
0,75
Die Fledermausaktivität war Anfang Juni am höchsten mit einer mittleren Kontaktanzahl von 1,2
Kontakten pro Aufnahmeminute. Die geringste Aktivität mit nur ca. 0,1 Kontakten pro Minute war
Anfang September zu verzeichnen.
Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.
3a
zeigt die Aufteilung der Fledermauskontakte im gesamten Untersuchungszeitraum.
Jagdaktivität und soziale Interaktionen
Anhand akustischer Aufnahmen können neben Suchflugrufen weitere Ruftypen oder
Rufsequenzen erkannt werden. Darunter zählen Nahrungsfangrufsequenzen (sog. feeding
buzzes), welche auf Jagdaktivität hindeuten. Des Weiteren können diverse Sozialrufe erkannt
werden. Diese Rufe können auf Quartiere, Balzaktivitäten oder andere Soziale Interaktionen
hindeuten.
Es konnten insgesamt 20 Jagdrufe, hauptsächlich von Zwerg- und Breitflügelfledermäusen,
festgestellt werden (siehe Tab 7). Zur letzten Begehung im September wurde zudem ein einzelner
Balzruf des Großen Abendseglers aufgenommen. Die verorteten Jagdrufe und der Sozialruf sind
im Ergebnisplan in Anlage 3b dargestellt.

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Tab. 7:
Detektierte Jagdaktivitäten an den einzelnen Begehungsterminen
Fledermausart
Artkürzel
Anzahl Rufsequenzen mit Feeding buzz
17.05.
09.06.
05.07.
06.09.
Gesamt
Zwergfledermaus
Ppip
7
2
-
-
9
Zwerg-/Mückenfledermaus
Pipistrelloid
-
-
-
1
1
Breitflügelfledermaus
Eser
-
5
2
-
7
Großer Abendsegler
Nnoc
-
1
-
-
1
Gattungen Nyctalus, Eptesicus, Vespertilio
Nyctaloid
-
1
-
-
1
Gruppe Kleiner AS, Breitflügel-, Zweifarbfled.
Nycmi
-
1
-
-
1
Gesamt
7
10
2
1
20
Sichtbeobachtungen
Während der Erfassungen wurde versucht, detektierte Individuen im Flug zu beobachten. Dies
gelingt in strukturiertem Gelände meist nur bei einem geringen Anteil der Tiere, da die Rufe bei
einigen Arten über größere Entfernungen aufgezeichnet werden und der Höreindruck keine
Richtungserkennung vermittelt. Zudem erschwert sich die Erkennbarkeit bei zunehmender
Dunkelheit. Anhand der Beobachtungen konnte festgestellt werden, dass v.a. Breitflügel- und
Zwergfledermäuse die Gehölzkante im Norden des Biotops sowie einzelne Areale freistehender
Baumkronen innerhalb des Biotops zur Jagd nutzen. Zum ersten Begehungstermin mit 47
Rufkontakten von Zwergfledermäusen wurde jeweils nur ein einzelnes Individuum gesichtet,
welches zu den Kontaktzeiten fast permanent beobachtet werden konnte.
3.4
Zauneidechsenkartierung
Es konnten zu keiner Begehung Zauneidechsen auf der Fläche festgestellt werden. Im Laufe des
Jahres wurde auch bereits mit ersten Arbeiten auf der nördlichen Freifläche begonnen, sodass
diese Fläche als Habitat nicht mehr geeignet war. Auf dem Offenland im Westen war die Vegetation
zur zweiten Erfassung sehr hoch, bei der ersten und dritten wurde zuvor gemäht. Insgesamt sind
nur wenig geeignete Strukturen wie Stein- und permanente Gehölzanhäufungen vorhanden;
zudem fehlt auf dem Offenland gut grabbarer Untergrund.
4
Naturschutzrechtliche Situation
Alle in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind streng geschützt.
Alle in Deutschland natürlich vorkommenden Vogelarten im Sinne des Artikels 1 der Richtlinie
2009/147/EG (Vogelschutzrichtlinie) sind besonders geschützt, einige davon streng geschützt.
Zudem ist die Zauneidechse in Deutschland streng geschützt.
§ 44 Abs. 1 Nr. 1-3 BNatSchG:
„Es ist verboten,
1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu
verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu
beschädigen oder zu zerstören,
2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der
Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören;
eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen
Population einer Art verschlechtert,

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3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus
der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.
[…]“
SMUL Sachsen (2009): LANA-Empfehlung zum Umgang mit unbestimmten Rechtsbegriffen:
„Bei standorttreuen Tierarten kehren Individuen zu einer Lebensstätte regelmäßig wieder zurück,
auch wenn diese während bestimmter Zeiten im Jahr nicht von ihnen bewohnt ist. Solche
regelmäßig genutzten Fortpflanzungs- oder Ruhestätten unterliegen auch dann dem
Artenschutzregime, wenn sie gerade nicht besetzt sind. Der Schutz gilt bei ihnen also das ganze
Jahr hindurch und erlischt erst, wenn die Lebensstätte endgültig aufgegeben wurde (vgl. EU-
Kommission (2007): Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten der FFH-Richtlinie, Kap.
11.3.4.b), Nr. 54). Hierfür bedarf es einer artspezifischen Prognose.“
Weiterhin regelt § 30 BNatSchG i. V. m. § 21 SächsNatSchG den gesetzlichen Biotopschutz. So
zählen in Sachsen „höhlenreiche Altholzinseln und höhlenreiche Einzelbäume“ zu den gesetzlich
geschützten Biotopen, welche nicht zerstört bzw. erheblich beeinträchtig werden dürfen. Anträge
auf Ausnahme sind zulässig, wenn die Beeinträchtigungen ausgeglichen werden können.
5
Fazit und empfohlene Maßnahmen
Auswertung Brutvögel
Das UG lässt sich nach den Habitaten in 3 Teilflächen einteilen: Eine waldartige Fläche im
Süden und Osten, eine offene Fläche im Nordosten und eine halboffene Fläche im Westen.
Die Offenlandfläche im Nordosten stellt für Brutvögel lediglich eine Nahrungsfläche dar. Eine
Brut auf dieser Fläche ist wenig wahrscheinlich, da die Fläche zu klein ist bzw. die Störung zu
groß (Pflegeschnitt). Die waldartige Fläche mit bereits Höhlen/ Spalten etc. tragenden Bäumen
stellt einen essentiellen Rückzugsort mit günstigen Brutplätzen für Gehölzbrüter in einer sonst
relativ gehölzarmen Umgebung zur Verfügung.
Ein Eingriff ist lediglich randlich im Norden und Westen geplant. Hierbei sollten die Höhlen
tragenden Bäume erhalten werden. Zudem günstig wäre ein Erhalt/ Neuanlage einer
Gebüschreihe/ Hecke nach außen als Sichtschutz vor optischen Störreizen in die Waldfläche
hinein.
Die halboffene Fläche im Westen wird vollständig durch das Vorhaben überplant. Hier erfolgte
lediglich ein Nachweis weniger Gehölzfreibrüter (Klapper-/ Mönchsgrasmücke, Elster). Jedoch
sind potentiell weitere wertgebende Arten nicht auszuschließen – z. B. Dorngrasmücke oder
Neuntöter – wenn auch aufgrund der Kleinflächigkeit und Siedlungslage nur geringes
Besiedlungspotential besteht. Hierfür sollte eine geeignete, größere Ausgleichsfläche in der
Umgebung hergestellt werden – z. B. könnte das Grünland direkt im Osten anschließend durch
Gebüschpflanzungen aufgewertet werden.
Die große Brombeerhecke im Westen muss zumindest in Teilen erhalten oder etwa
gleichwertig im unmittelbaren Umfeld ersetzt werden. Bei kompletter Entnahme der Hecke
besteht die Möglichkeit, dass die Spatzen-Kolonie den Brutstandort aufgibt.
Auswertung Fledermäuse
Es wurden über die Detektorkartierung mit Zwerg- und Breitflügelfledermaus sowie Großem
Abendsegler mindestens drei Arten (alle Anhang IV der FFH-RL) im UG festgestellt.

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Die Fläche stellt für Fledermäuse ein Nahrungshabitat inmitten des Siedlungsbereiches dar.
Zwar sind auch potentielle Fortpflanzungsstätten durch eine Vielzahl an Baumhöhlen
vorhanden, jedoch sind diese auf der dicht bewachsenen Gehölzfläche durch fehlende freie
Anflugmöglichkeiten schwer zu erreichen und deswegen eher ungeeignet.
Durch den geplanten Eingriff ist keine Beeinträchtigung von Fledermäusen zu erwarten, da der
Altholzbestand als hauptsächliche Nahrungsfläche erhalten bleibt. Einzig eine Beleuchtung
könnte zur Störung führen, sodass auf eine direkte Beleuchtung des Gehölzrandes möglichst
zu verzichten ist.
Auf Teilfläche 5 im Norden befindet sich derzeit ein Feuerholzstapel, der ein potentielles
Fledermaus-Winterquartier darstellt. Ein Umsetzen bzw. Entfernen des Stapels sollte
außerhalb des Winters erfolgen, um evtl. im Winterschlaf befindliche Fledermäuse nicht zu
stören, da dies zum Tot der Tiere führen kann. Eine Entnahme im Winter muss mit äußerster
Vorsicht und ohne Störung von Fledermäusen durchgeführt werden.
Biotopstatus
Die zusammenhängende Gehölzfläche im Osten, bestehend aus einer ehemals angelegten
Streuobstwiese/Obstplantage und angrenzenden Laubgehölzen ist aufgrund ihres Reichtums
an Höhlen und Spalten tragenden Bäumen (insbes. Apfelbäume) mit großem Totholzanteil als
geschütztes Biotop der höhlenreichen Einzelbäume bzw. höhlenreichen Altholzinsel gem. § 21
SächsNatSchG zu definieren.
Durch den verwilderten Wuchs und das Vorhandensein weiterer Gehölze wie Haselsträucher,
Birken, Brombeeren, Johannisbeeren etc
.
besitzt diese Fläche keinen typischen Charakter
einer Streuobstwiese oder Obstplantage.
Für jegliche Eingriffe in den Gehölzbestand sind die naturschutzrechtlichen Verbotstatbestände
gem. § 30 und § 44 BNatSchG zu berücksichtigen.
Rodungen und Ersatzmaßnahmen
Sämtliche Rodungen sollten ausschließlich während der Winterperiode zwischen Oktober und
Februar erfolgen, um eine Störung geschützter Tierarten zu minimieren. Zu dieser Zeit ist in
den Sträuchern auf überwinternde Igel am Boden zu achten; ggf. ist hierfür eine ökologische
Begleitung der Rodungen vorzunehmen. Sind Höhlenbäume von einer Rodung betroffen, ist
diese ganzjährig ökologisch zu begleiten.
Der vorhandene Starenkasten ist zu erhalten oder gleichwertig zu ersetzen.
Die
bereits
vom
Bauherrn
vorgeschlagenen
Ersatzmaßnahmen
in
Form
von
Gebüschpflanzungen (siehe Abb. 2) sind, bei vollständiger Entfernung der randseitigen
Brombeer- und Haselsträucher in mindestens dem angegebenen Umfang umzusetzen.
Essentiell wichtig ist die Anlage einer Heckenstruktur im Südwesten zum Schutz der an den
Gebäuden brütenden Haussperlingskolonie. Dies ist nach aktuellem Kenntnisstand entlang
des Zauns auf einer Fläche von ca. 4x50 m vorgesehen, was aus gutachterlicher Sicht
ausreichend ist. Zudem sollen hier als westlich und nördlich angrenzender Saum als auch auf
der im Nordosten angrenzenden Grünfläche weitere Strauchpflanzungen vorgenommen
werden. Die Ersatzpflanzungen sollten als
CEF-Maßnahme
vor der Entfernung der restlichen
Brombeer- und Haselsträucher vorgenommen werden.
Die Anlage der neuen Hecken sollte mit lockerer, artenreicher Bepflanzung erfolgen; auf einen
regelmäßigen Schnitt ist zu verzichten. Für die Ersatzpflanzungen eignen sich einheimische
Sträucher mit ökologischem Mehrwert, wie z.B. Berberitze, Gemeiner Schneeball, Weißdorn,
Kornelkirsche, Pfaffenhütchen, Schlehe, Wildrosen (z. B.
Rosa canina
), Hasel, Schwarzer
Holunder. Die Sträucher können auch mit einzelnen Bäumen wie Feldahorn, Eberesche und
ggf. Obstbäumen durchsetzt sein. Koniferen stellen keinen geeigneten Ersatz dar.

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Anhang:
Fotodokumentation
Anlagen
Anlage 1:
Ergebnisplan Gehölze
Anlage 2:
Ergebnisplan Brutvogelerfassung
Anlage 3a:
Ergebnisplan Fledermauserfassung
Anlage 3b:
Ergebnisplan Jagd- und Sozialrufe Fledermäuse

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Fotodokumentation
Abb. A-1:
Blick auf die Gehölzfläche im Osten
Abb. A-2:
ebenso
Abb. A-3:
Gehölzfläche im Osten mit
Haselsträuchern
Abb. A-4:
Senke mit Schacht zur Ableitung von
Oberflächenwasser
Abb. A-5:
alter Apfelbaum mit Höhlungen
Abb. A-6:
ebenso

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Abb. A-7:
Baumspalt mit Nistmaterial (Meise)
Abb. A-8:
alte Weide mit Baumhöhlen
Abb. A-9:
Weide aus Abb. A-8 auf Freifläche mit
Brombeerbewuchs
Abb. A-10:
Baumhöhle mit Brutplatz Star
(beobachteter Einflug)
Abb. A-11:
frisches Nistmaterial in hohlem
Baumstamm
Abb. A-12:
Blaumeise am Brutplatz in Baumhöhle
kurz vor dem Einflug

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Abb. A-13:
Amsel auf Nest in Brombeerstrauch
Abb. A-14:
Frühjahrsversammlung von Eichelhähern
Abb. A-15:
Blick auf die Gehölzfläche aus Richtung
Ost
Abb. A-16:
Blick entlang der nördlichen Gehölzkante
Abb. A-17:
Brombeerhecke am nördlichen Saum
Abb. A-18:
Teilfläche 5 mit einzelnen Bäumen

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Abb. A-19:
Starenkasten (später besetzt) auf TF 5
Abb. A-20:
Nadelbäume auf TF 5
Abb. A-21:
Dichte Brombeerhecke im Westen im
April
Abb. A-22:
ebenso
Abb. A-23:
Offenlandfläche im Westen im April
Abb. A-24:
bereits gerodeter Teil der Brombeeren im
September

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Abb. A-25:
ebenso
Abb. A-26:
pot. Habitat Zauneidechsen
Abb. A-27:
ausgelegte Reptilienmatte zur zweiten
Begehung mit hoher Vegetation
Abb. A-28:
Feuerholzstapel als pot. Winterquartier für
Fledermäuse
Abb. A-29:
Freifläche im Norden im August
Abb. A-30:
Ausgleichsfläche im Nordosten