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Begründung zum
vorhabenbezogenen
Bebauungsplan Nr. 431
„Bau- und Gartenfachmarkt auf der
Alten Messe“
Stadtbezirk: Mitte
Ortsteil:
Zentrum-Südost
Grenze des räumlichen
Geltungsbereiches
Dezernat Stadtentwicklung und Bau
Stadtplanungsamt
Planverfasser:
11.03.2021

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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11.03.2021
INHALTSVERZEICHNIS
ZUSAMMENFASSUNG (Zusammenfassende Erklärung gemäß § 10a Abs. 1 BauGB) ......... 3
A.
EINLEITUNG ......................................................................................................................... 8
1.
Lage und Größe des Plangebietes ......................................................................................... 8
2.
Planungsanlass und -erfordernis ............................................................................................ 8
3.
Ziele und Zwecke der Planung ............................................................................................... 9
4.
Verfahrensdurchführung ....................................................................................................... 12
B.
GRUNDLAGEN DER PLANUNG ......................................................................................... 14
5.
Beschreibung des Plangebietes und seines Umfeldes ......................................................... 14
5.1 Topografie ............................................................................................................................ 14
5.2 Vorhandene Bebauung und Nutzungen, Denkmalschutz ..................................................... 14
5.3 Vorhandene Wohnbevölkerung ............................................................................................ 16
5.4 Vorhandene Freiflächen und ihre Nutzung ........................................................................... 16
5.5 Soziale Infrastruktur ............................................................................................................. 16
5.6 Technische Infrastruktur: Verkehrsinfrastruktur .................................................................... 16
5.7 Technische Infrastruktur: Ver- und Entsorgungsanlagen ...................................................... 17
6.
Planerische und rechtliche Grundlagen ................................................................................ 17
6.1 Raumordnung ...................................................................................................................... 17
6.2 Planungen der Stadt ............................................................................................................ 23
6.2.1 Flächennutzungsplan ........................................................................................................... 23
6.2.2 Landschaftsplan ................................................................................................................... 24
6.2.3 Integriertes Stadtentwicklungskonzept ................................................................................. 24
6.2.4 Stadtentwicklungsplan Zentren ............................................................................................ 24
6.2.5 Stadtentwicklungsplan Gewerbliche Bauflächen .................................................................. 25
6.2.6 Strategiepapier Alte Messe / Eigentümerziele ...................................................................... 25
6.3 Zulässigkeit von Bauvorhaben ............................................................................................. 28
7.
Umweltbericht ...................................................................................................................... 28
7.0 Zusammenfassung ............................................................................................................... 28
7.1 Einleitung ............................................................................................................................. 30
7.1.1 Ziele und Inhalte des Planes (Kurzdarstellung) .................................................................... 31
7.1.2 Fachliche Grundlagen und Ziele des Umweltschutzes ......................................................... 32
7.2 Beschreibung und Bewertung der erheblichen Umweltauswirkungen ................................... 35
7.2.1 Fläche .................................................................................................................................. 35
7.2.2 Boden .................................................................................................................................. 36
7.2.3 Wasser ................................................................................................................................. 37
7.2.4 Luft – Klima .......................................................................................................................... 38
7.2.5 Luft – Lufthygiene ................................................................................................................. 39
7.2.6 Pflanzen ............................................................................................................................... 39
7.2.7 Tiere ..................................................................................................................................... 43
7.2.8 Biologische Vielfalt ............................................................................................................... 49
7.2.9 Landschaft ........................................................................................................................... 49
7.2.10 Menschen – Erholungspotenzial...................................................................................... 50
7.2.11 Menschen/Gesundheit – Verkehrs- und Gewerbelärm .................................................... 50
7.2.12 Menschen/Gesundheit – Freizeitlärm .............................................................................. 56
7.2.13 Menschen/Gesundheit – Luftqualität ............................................................................... 56
7.2.14 Umweltbezogene Auswirkungen auf Kulturgüter und sonstige Sachgüter ....................... 56

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7.2.15 Wechselwirkungen zwischen den vorgenannten Belangen ............................................. 56
7.2.16 Auswirkungen aufgrund Anfälligkeit für Unfälle oder Katastrophen .................................. 57
7.2.17 Auswirkungen während der Bau- und Betriebsphase ...................................................... 59
7.3 Überwachung der erheblichen Umweltauswirkungen ........................................................... 59
7.4 Referenzliste der Quellen ..................................................................................................... 59
8.
Ergebnisse der Beteiligungen............................................................................................... 61
9.
Städtebauliches Konzept / Vorhaben- und Erschließungsplan ............................................. 61
9.1 Gliederung des Gebietes ...................................................................................................... 61
9.2 Bebauungs-/Nutzungskonzept ............................................................................................. 61
9.3 Erschließungskonzept .......................................................................................................... 65
9.4 Grünordnerisches Konzept ................................................................................................... 68
C.
INHALTE DES BEBAUUNGSPLANES ................................................................................ 69
10. Grenzen des räumlichen Geltungsbereiches ........................................................................ 69
11. Gliederung des Plangebietes ............................................................................................... 69
12. Sonstiges Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt ............................. 69
12.1 Art der baulichen Nutzung .................................................................................................... 69
12.1.1 Inhalt der Festsetzung ..................................................................................................... 69
12.1.2 Ziele und Zwecke der Festsetzung .................................................................................. 71
12.1.3 Geeignetheit der Festsetzung ......................................................................................... 71
12.1.4 Erforderlichkeit der Festsetzung ...................................................................................... 71
12.1.5 F ü r die Festsetzung sprechende Belange .................................................................... 72
12.1.6 G e g e n die Festsetzung sprechende Belange ............................................................. 74
12.1.7 Abwägungsentscheidung ................................................................................................ 76
12.2 Maß der baulichen Nutzung ................................................................................................. 76
12.3 Überbaubare Grundstücksfläche .......................................................................................... 77
12.4 Flächen für Nebenanlagen, oberirdische Stellplätze und deren Zufahrten ............................ 78
12.5 Flächen für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und
Landschaft ........................................................................................................................... 79
12.6 Mit Geh- und Fahrrechten zu belastende Flächen ................................................................ 84
12.7 Festsetzungen zum Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Anpflanzungen .... 84
12.8 Festsetzungen zu Bindungen für Bepflanzungen und für die Erhaltung von Bäumen,
Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen sowie von Gewässern ........................................ 86
12.9 Örtliche Bauvorschriften ....................................................................................................... 87
12.10 Bindung an den Durchführungsvertrag ................................................................................ 88
13. Öffentliche Verkehrsfläche; Anschluss an die öffentliche Verkehrsfläche ............................. 89
13.1 Öffentliche Verkehrsfläche ................................................................................................... 89
13.2 Anschluss an die öffentlichen Verkehrsflächen .................................................................... 89
14. Nachrichtliche Übernahmen ................................................................................................. 90
Anhang I:
Hinweise
II: Pflanzempfehlungen
III: Städtebauliche Kalkulation
IV: Abwägungsvorschlag

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ZUSAMMENFASSUNG
(Zusammenfassende Erklärung gemäß § 10a Abs. 1 BauGB)
Das
Plangebiet
dieses Bebauungsplanes befindet sich im Stadtbezirk Mitte, Ortsteil Zentrum-
Südost, zwischen Richard-Lehmann-Straße, Ottostraße, Puschstraße und Bahn-Trasse. Die Flächen-
größe des Plangebietes beträgt ca. 6,2 ha.
Planungsanlass
ist die Absicht des Vorhabenträgers, einen Bau- und Gartenfachmarkt zu errichten.
Das
Erfordernis
zur Aufstellung dieses Bebauungsplanes ergibt sich daraus, dass nur so die bau-
planungsrechtliche Zulässigkeit des Bauvorhabens hergestellt und das Erreichen der Ziele der Stadt
gewährleistet werden kann. Weiteres zu Planungsanlass und Erfordernis siehe Kap. 2 dieser Be-
gründung.
Wichtigste Ziele
der Aufstellung dieses Planes sind die Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmark-
tes, insbesondere um damit die städtebauliche Weiterentwicklung des Alten Messegeländes voran-
zutreiben und die oberzentralen Funktionen der Stadt Leipzig zu stärken sowie die Wahrung einer
geordneten und nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung. Weiteres zu den Zielen und Zwecken
des Bebauungsplanes siehe Kap. 3.
Der Bebauungsplan wurde
im vollen Verfahren mit Umweltprüfung und Umweltbericht
(siehe
Kap. 7) aufgestellt.
Wesentliche Planinhalte
sind insbesondere die Festsetzung
eines Baugebietes „Sonstiges Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt“
mit weiteren Festsetzungen
o
zur Zweckbestimmung und zur zulässigen Art der Nutzung, vor allem zu maximalen Ver-
kaufsflächengrößen und zulässigen Sortimenten,
o
zum Maß der baulichen Nutzung,
o
zu überbaubaren Grundstücksflächen,
o
zu Flächen und Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden,
Natur und Landschaft
sowie
einer öffentlichen Verkehrsfläche für einen untergeordneten Teil des Plangebietes.
Weiteres dazu siehe unten sowie Kap. 9 ff.
Die
Berücksichtigung der Umweltbelange
erfolgte insbesondere auf folgende Art und Weise:
Im Rahmen des Verfahrens (einschließlich der Umweltprüfung) wurden die Umweltbelange
ermittelt. Dazu wurden auch die Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange sowie die
Öffentlichkeit (einschließlich der Natur- und Umweltschutzverbände) mehrfach beteiligt. Die
gewonnenen Erkenntnisse wurden für die Planung und ihre Begründung (samt Umweltbericht)
sowie für die Abwägung zugrunde gelegt.
Für das Sondergebiet wurden (auch zur bzw. mit Wirkung auf die Vermeidung nachteiliger
Auswirkungen auf die Umweltbelange) unter anderem festgesetzt:
o
Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Land-
schaft (siehe Teil A: Planzeichnung und Teil B: Text Nr. 4 (einschließlich Unternummern)
des Bebauungsplanes sowie Kap. 7 und Kap. 12.5 dieser Begründung),
o
Das Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Anpflanzungen (siehe Teil A:
Planzeichnung und Teil B: Text Nr. 5 (einschließlich Unternummern) des Bebauungsplanes
sowie Kap. 7 und Kap. 12.7 dieser Begründung),

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o
Bindungen für Bepflanzungen und für die Erhaltung von Bäumen, Sträuchern und sonsti-
gen Bepflanzungen sowie von Gewässern (siehe Teil A: Planzeichnung und Teil B: Text
Nr. 6 (einschließlich Unternummern) des Bebauungsplanes sowie Kap. 7 und Kap. 12.8
dieser Begründung),
o
Örtliche Bauvorschriften zu Dachgestaltung, Fassadengestaltung und Werbeanlagen (siehe
Teil B: Text Nr. 7 (einschließlich Unternummern) des Bebauungsplanes und Kap. 12.9 die-
ser Begründung).
Mit den vorgenannten Festsetzungen kommt der Bebauungsplan auch den hier relevanten
Inhalten des Landschaftsplanes (siehe Kap. 7.1.2.2) umfassend nach.
Die
Berücksichtigung der Ergebnisse der Beteiligungen der Öffentlichkeit sowie der Behörden
und sonstigen Träger öffentlicher Belange
erfolgte insbesondere auf folgende Art und Weise:
Die während des Verfahrens eingegangenen Stellungnahmen wurden ausgewertet. Die gewon-
nenen Erkenntnisse wurden für die Planung und ihre Begründung (samt Umweltbericht) sowie
bei der Abwägung zugrunde gelegt. Soweit erforderlich oder zweckmäßig, wurden die Inhalte
der Stellungnahmen und die dazu jeweils vorgesehene Umgangsweise dem Stadtrat in Form ei-
nes Abwägungsvorschlages zur Abwägungsentscheidung vorgelegt. Zu den Ergebnissen der Be-
teiligungen sowie dem Abwägungsvorschlag siehe Anhang IV dieser Begründung.
Mit den folgenden wesentlichen Stellungnahmen aus der
Öffentlichkeit
(einschließlich Natur-
schutz- und Umweltverbänden, Bürgervereinen und -initiativen) wurde wie folgt umgegangen:
o
Verkehr
Den Anregungen eines Umweltschutzvereins, den Rad- und Fußverkehr in der Planung
stärker zu berücksichtigen sowie eine bessere ÖPNV-Erschließung des Plangebiets zu prü-
fen, wurde gefolgt. In den Bebauungsplan wurden „mit Geh- und Radfahrrecht zugunsten
der Allgemeinheit zu belastende Flächen“ und damit eine Rad- und Fußverkehrsverbin-
dung aufgenommen (siehe Teil A: Planzeichnung). Die Streckenplanung des ÖPNV ist im
Bebauungsplan nicht regelbar und deshalb nicht Gegenstand der vorliegenden Bauleitpla-
nung.
Zwei Einwender wandten sich gegen die Führung des vorhabenbezogenen Lieferverkehrs
über die Puschstraße, da diese zugleich als Schulweg für eine nahegelegene Schule diene.
Die angeführten Belange wurden geprüft, führten jedoch nicht zur Änderung von Planin-
halten, da die sichere Führung des Fußverkehrs entlang der Puschstraße gegeben ist. Nähe-
res dazu ist Anhang IV: Abwägungsvorschlag (Nr. II-2.1) dieser Begründung zu entneh-
men.
o
Denkmalschutz
Ein Einwender sah wiederholt die Belange des Denkmalschutzes nicht ausreichend berück-
sichtigt. Es wird ein Konflikt zwischen dem in der Begründung des Bebauungsplanes arti-
kulierten Ziel der Erhaltung des Baudenkmales Halle 17 in seinen wesentlichen Bestand-
teilen und dem geplanten Umbau, insbesondere dem Abbruch und Neubau der beiden Sei-
tenflügel gesehen. Zudem wird der Abriss der – nicht denkmalgeschützten – Teile der Hal-
le 16 und des südlich davon befindlichen, ebenfalls nicht denkmalgeschützten Gebäudes
kritisiert.
Dies führte zu entsprechenden Änderungen und Ergänzungen der Begründung zum Bebau-
ungsplan (siehe Kap. 5.2 und Kap. 9.2). Eine Änderung von Planinhalten zog die Stellung-
nahme nicht nach sich. Im Rahmen des Bebauungsplan-Verfahrens wurde das Einverneh-
men der zuständigen Denkmalschutzbehörde für das Vorhaben eingeholt. Die in den Ein-
wendungen vorgebrachten Bedenken wurden von der Unteren Denkmalschutzbehörde in-
tensiv geprüft, konnten jedoch in Summe ausgeräumt werden. Die Erforderlichkeit denk-

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malschutzrechtlicher Genehmigungen für bauliche Veränderungen an Denkmälern bleibt
ungeachtet dieses Bebauungsplanes bestehen.
o
Raumordnerische Belange
Ein Umweltverein stellt in Frage, ob für den geplanten Markt ein Bedarf bestehe; im Auf-
trag einer Mitbewerberin des Vorhabenträgers wirft auch eine Anwaltskanzlei in ihren
Einwendungen diese Frage auf und kritisiert, dass die Planung Zielen der Raumordnung
(insbesondere Integrationsgebot, Beeinträchtigungsverbot) zuwiderlaufe und erhebliche
Verdrängungswirkungen auf den bestehenden Einzelhandel zu erwarten seien.
Die Einwendungen wurden sorgfältig geprüft und führten zur Änderung des Bebauungs-
planes insoweit, als die Verkaufsfläche für zentrenrelevante Randsortimente auf insgesamt
800 m
2
reduziert wurde (siehe Teil B: Text, Festsetzung 1.1.2). Zudem wurden zu den vor-
gebrachten Aspekten umfangreiche Darlegungen in dieser Begründung ergänzt. Näheres
dazu ist Kap. 6 sowie Anhang IV: Abwägungsvorschlag (Nr. II-1.1 und II-3.1) dieser Be-
gründung zu entnehmen.
o
Artenschutzrechtliche Untersuchung und Bewertung
In zwei Einwendungen wurden die fachgerechte Ausführung sowie die planungsrechtliche
Bewertung der Ergebnisse des Artenschutzrechtlichen Fachbeitrages in Frage gestellt. Dies
wurde mit dem Ergebnis geprüft, dass die Zweifel am Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag
unbegründet sind. Die zuständige Untere Naturschutzbehörde hat auf die Einwendung hin
den Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag geprüft und in Art, Herangehensweise, Umfang
und Inhalt anerkannt. Die in den Einwendungen vorgebrachten Zweifel wurden nicht be-
stätigt. Gleichwohl sind, auch auf die Anregungen aus der Stellungnahme hin, noch einmal
Nachkartierungen hinsichtlich der Fledermausvorkommen im Plangebiet angestellt wor-
den.
1
Die Ergebnisse stützen die Befunde aus dem Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag von
2017.
In einer Einwendung wird zudem die Festsetzung einer ökologischen Bauüberwachung zur
Vermeidung von Verstößen gegen § 44 BNatSchG gefordert.
Für die geplanten Baumaßnahmen ist eine naturschutzrechtliche Genehmigung erforder-
lich, die seitens der Unteren Naturschutzbehörde mit Schreiben vom 13.11.2019 unter Auf-
lagen verbindlich in Aussicht gestellt wurde. Zu diesen Auflagen gehört auch die ökologi-
sche Bauüberwachung, somit wird der Forderung entsprochen.
Näheres dazu ist dem Anhang IV: Abwägungsvorschlag (Nr. II-3.7) dieser Begründung zu
entnehmen.
o
Immissionsschutz
Die anwaltliche Stellungnahme einer Mitbewerberin des Vorhabenträgers äußert Zweifel
an der schalltechnischen Untersuchung und sieht aufgrund benachbarter Nutzungen einen
Verstoß gegen das Trennungsgebot nach § 50 BImSchG.
Die Stellungnahme führte nicht zur Änderung von Planinhalten. Gleichwohl wurde das
schalltechnische Gutachten ergänzt sowie darauf basierend der Umweltbericht (Kap. 7.2.11
und 7.2.12) angepasst. Dem Schallgutachten zufolge liegen alle Immissionswerte im zuläs-
sigen Bereich, sodass für den Bebauungsplan keine Festsetzungen zum Schallschutz erfor-
derlich werden. Der Trennungsgrundsatz wurde in der Abwägung berücksichtigt. Näheres
dazu ist Anhang IV: Abwägungsvorschlag (Nr. II-3.8 und Nr. II-3.9) dieser Begründung zu
entnehmen.
1
hensen Büro für Naturschutz: „Artenschutzfachliche Nachkartierung – Hornbach – Alte Messe, Leipzig“ vom 28.11.2019

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o
Weitere Aspekte zum Umweltschutz
Mehrere Einwendungen regten eine stärkere Berücksichtigung des Arten-, Klima- und Bo-
denschutzes in der Planung an. Konkret wurden Dach- und Fassadenbegrünungen, eine
Reduzierung der versiegelten Fläche, beispielsweise durch eine mehrgeschossige Bebau-
ung und die Vermeidung asphaltierter Wege und Flächen sowie die stärkere Verwendung
von wasserdurchlässigem Pflaster und Rasengittersteinen im Außenbereich angeregt.
Der Plan wurde daraufhin u.a. wie folgt geändert: Erhaltung einiger nach § 21 SächsNat-
SchG geschützter Biotope (höhlenreiche Einzelbäume) und Schaffung von Ersatzhabitaten
in Form von Totholzpyramiden, Quartier- und Nistkästen für Fledermäuse, Mauersegler
und Kleinvögel sowie magere Sand-Kies-Flächen als Offenland-Lebensraum für die Blau-
flügelige Ödlandschrecke; Festsetzung von Dachgrün und Fassadenbegrünung; Verwen-
dung insektenfreundlicher Leuchtmittel; Aufnahme Früchte tragender Laubholzarten in die
Pflanzliste zur textlichen Festsetzung 6.1. Zur Reduzierung der Flächenversiegelung wer-
den die Stellflächen für Fahrzeuge mit Asphalt (Fahrwege) sowie in wasserdurchlässiger
Bauweise mit Rasengittersteinen oder Rasenfugenpflaster (Stellplätze) ausgeführt. In den
Randbereichen werden die Stellplätze mit Schotterrasen angelegt.
Die Frage, ob an dem Standort eine multifunktionelle, gegebenenfalls auch mehrstöckige
bauliche Nutzung etabliert werden sollte, wurde im Laufe des Bebauungsplan-Verfahrens
intensiv diskutiert und für das konkrete Vorhaben als nicht realisierbar erachtet. Gründe
hierfür waren u. a. die Anforderungen an den störungsfreien Betriebsablauf des Fachmark-
tes (insbesondere die getrennte Führung von Kunden- und Lieferverkehr), denkmalpflege-
rische Belange (architektonische Unterordnung der Neubauten unter die historische Mes-
sehalle 17) sowie stadtökologische Überlegungen (Minimierung der Abschwächung des
Kaltluftabflusses aus Richtung des Wilhelm-Külz-Parks).
Näheres dazu ist den Kapiteln 7, 12.5, 12.7, 12.8 sowie dem Anhang IV: Abwägungsvor-
schlag (Nr. II-3.7) dieser Begründung zu entnehmen.
o
Erfordernis der Bebauungsplanung, Verfahren
In mehreren Stellungnahmen wendet sich eine im Auftrag einer Mitbewerberin des Vorha-
benträgers agierende Anwaltskanzlei gegen das Verfahren als solches. So wird u.a. das
städtebauliche Erfordernis des Bebauungsplanes in Zweifel gezogen, die Modalitäten der
öffentlichen Auslegungen werden gerügt und es wird bezweifelt, dass der Bebauungsplan
abwägungsfehlerfrei beschlossen werden kann, da mit der Leipziger Entwicklungs- und
Vermarktungsgesellschaft mbH & Co. Grundstücks – KG (LEVG) eine 100 %ige Tochter-
gesellschaft der Stadt Leipzig Eigentümer des veräußerten Vorhabengrundstücks war.
Nach eingehender Prüfung der vorgebrachten Punkte wurde deutlich, dass der Bebauungs-
plan in der vorliegenden Form dennoch aufgestellt werden soll und kann. Ein städtebauli-
ches Erfordernis für die Planung liegt vor (vgl. Kap. 2). Die Modalitäten der öffentlichen
Auslegung sind nicht zu beanstanden. Trotz Veräußerung des Vorhabengrundstücks von ei-
ner städtischen Gesellschaft sieht die Stadt sich in der Pflicht zur sachgerechten Abwä-
gung, der sie im Verfahren nachgekommen ist. Weiteres dazu siehe Kap. 2, Kap. 3 und An-
hang IV: Abwägungsvorschlag (Nr. II-3) dieser Begründung.
o
Aus der Anliegerschaft wandte sich eine Schule gegen den Bebauungsplan, da sie die Nut-
zung ihres Freibereichs durch das Vorhaben gefährdet sah. Die Stellungnahme hatte keine
Änderung der Planung zufolge, da die Schule nicht über die Berechtigung zur Nutzung ei-
ner Fläche innerhalb des Plangebietes verfügt. Näheres dazu ist Anhang IV: Abwägungs-
vorschlag (Nr. II-2.2) zu entnehmen.

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Mit den folgenden wesentlichen Stellungnahmen der
Träger öffentlicher Belange
wurde wie
folgt umgegangen:
o
Die
Landesdirektion Sachsen
verwies in ihrer Stellungnahme vom 11.09.2019 darauf,
dass der Anteil zentrenrelevanter Randsortimente (damals 1.160 m
2
) nicht mit den Zielen
der Raumordnung zu vereinbaren sei. Nach Änderung der Planung und Reduzierung der
zulässigen Verkaufsfläche für diese Sortimente auf 800 m
2
wurde in der Stellungnahme
vom 01.07.2020 die Übereinstimmung der Planung mit den Erfordernissen der Raumord-
nung festgestellt.
Auf Anregung der Landesdirektion wurde weiterhin die Verwendung heller Oberflächen
für freie Dachflächen festgesetzt sowie eine Aussage zur Überwachung von Ausgleichs-
und Ersatzmaßnahmen im Umweltbericht ergänzt.
o
Auf Anregung der
Stadt Torgau
wurde das Gutachten zur Einzelhandelsverträglichkeit des
Vorhabens um Auswirkungen auf die umliegenden Mittelzentren ergänzt. Auswirkungen
auf das Mittelzentrum Torgau sind nicht zu erwarten.
o
Die
Stadt Markkleeberg
wandte sich in zwei Stellungnahme gegen den Bebauungsplan,
da sie durch den Betrieb des geplanten Marktes und damit zusammenhängende Um-
satzumverteilungen die mittelzentrale Funktion Markkleebergs gefährdet sieht. Die Stel-
lungnahmen wurden sorgfältig geprüft, führten aber – über die bereits genannte Reduzie-
rung der zulässigen Verkaufsfläche zentrenrelevanter Randsortimente – nicht zur Änderung
der Planung, da durch das Vorhaben keine Gefährdung zentraler Versorgungsbereiche im
Mittelzentrum Markkleeberg zu erwarten ist. In Kap. 6.1 dieser Begründung sowie im An-
hang IV: Abwägungsvorschlag (Nr. I-3) dieser Begründung wurden umfangreiche Darle-
gungen dazu ergänzt.
o
Auf Hinweis der
kommunalen Wasserwerke
wurden im Gestaltungsplan mehrere Baum-
standorte verlegt, um die Freihaltung des durch das Plangebiet verlaufenden Vorflutsamm-
lers zu gewährleisten. Zudem wurden Hinweise auf die Überflutungsprüfung gegeben, die
in der Begründung dieses Bebauungsplanes berücksichtigt (siehe Kap. 9.3) und an die zu-
ständigen Fachplaner weitergeleitet wurden.
o
Das Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA), das Landesamt für Umwelt, Landwirt-
schaft und Geologie (LfULG) sowie das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (LfD)
übersenden in ihren Stellungnahmen Hinweise, die in die Begründung zum Bebauungsplan
aufgenommen bzw. sofern sie die Ausführungsplanung betreffen, an die zuständigen Fach-
planer weitergeleitet wurden.
o
Auf Anregung der Stadtreinigung Leipzig wurden in Kap. 9.3 Aussagen zur Abfallentsor-
gung ergänzt.
o
Weitere Stellungnahmen unterschiedlicher Verbände, Nachbarkommunen sowie Versor-
gungsträger beinhalteten Zustimmung zur oder die Mitteilung der Nicht-Betroffenheit von
der Planung. Redaktionelle Hinweise zur Planbegründung wurden übernommen.
Die
Wahl des Bebauungsplanes
erfolgte, nach Abwägung mit den geprüften in Betracht kommen-
den anderweitigen Planungsmöglichkeiten, aus folgenden Gründen:
Nur mit dem Bebauungsplan in der vorliegenden Form können die dem Bebauungsplan zu-
grundeliegenden Ziele und Zwecke (siehe Kap. 3) erreicht werden. Näheres dazu siehe Teil C.
dieser Begründung.
Sowohl bei Nicht-Aufstellung des Bebauungsplanes als auch bei seiner Aufstellung mit ande-
ren, den im Rahmen der Beteiligungen eingegangenen Stellungnahmen entsprechenden Festset-
zungen wäre das Erreichen der dem Bebauungsplan zugrundeliegenden Ziele und Zwecke in
Frage gestellt bzw. sogar unmöglich. Auch dazu siehe Teil C. dieser Begründung.

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Zu einzelnen anderen anderweitigen Planungsmöglichkeiten, die im Rahmen der Beteiligungen
angeregt wurden, siehe oben sowie Anhang IV: Abwägungsvorschlag.
Anhaltspunkte dafür, dass dem Bebauungsplan Umweltbelange oder sonstige Belange mit
einem solchen Gewicht entgegenstehen, dass dieser in der vorliegenden Form nicht im Ergebnis
einer sachgerechten Abwägung aufgestellt werden könnte, liegen nicht vor.
Näheres zu den Inhalten und zur Umgangsweise mit den Stellungnahmen
ist dem Abwägungs-
vorschlag (siehe Anhang IV) zu entnehmen.
A.
EINLEITUNG
1.
Lage und Größe des Plangebietes
Das Plangebiet dieses vorhabenbezogenen Bebauungsplanes befindet sich im Stadtbezirk Mitte und
dort im Ortsteil Zentrum-Südost zwischen Richard-Lehmann-Straße, Ottostraße, Puschstraße und
Bahn-Trasse.
Es umfasst eine Fläche von ca. 6,2 ha und wird umgrenzt
im Norden von der Südgrenze des Flurstückes 159/103 der Gemarkung Thonberg,
im Osten von der Puschstraße, der Südgrenzen des Flurstückes 159/113 der Gemarkung
Thonberg, der Rückseite des Hauptgebäudes (Kreis’scher Kuppelsaal) der denkmalgeschütz-
ten ehemaligen Messehalle 16, sowie der oberen Böschungskante der S-Bahn-Trasse,
im Süden von der Richard-Lehmann-Straße sowie dem Flurstück 474/35 der Gemarkung
Connewitz sowie
im Westen von der östlichen Flurstücksgrenze des Flurstückes 159/35 der Gemarkung Thon-
berg, der Ottostraße sowie der östlichen Grenze des Flurstückes 159/107 der Gemarkung
Thonberg.
Die räumliche Lage des Plangebietes ist aus der Abbildung auf dem Deckblatt bzw. aus der Plan-
zeichnung zu ersehen. Der genaue Verlauf der Grenze des Plangebietes und die betroffenen Flurstü-
cke bzw. Flurstücksteile können aus der Planzeichnung bzw. aus dem Kap. 10 dieser Begründung
entnommen werden.
2.
Planungsanlass und -erfordernis
Planungsanlass
Anlass für die Aufstellung dieses Bebauungsplanes ist die Absicht des Vorhabenträgers, im Plange-
biet einen Neubau für die Ansiedlung eines Bau- und Gartenfachmarktes inklusive Baustoff-Drive-
in (kurz: Baumarkt) zu errichten.
Seitens der Stadt wird dieses Vorhaben befürwortet. Die Errichtung des Baumarktes im Plangebiet
entspricht der seitens der Stadt für das Plangebiet und das Areal der Alten Messe konkret angestreb-
ten strategischen und städtebaulichen Entwicklung, wie sie vor allem mit dem Integrierten Stadt-
entwicklungskonzept INSEK, dem Stadtentwicklungsplan Zentren sowie dem Strategiepapier Alte
Messe 2013 und den (fortgeschriebenen) Eigentümerzielen durch die Ratsversammlung beschlossen
wurden (näheres siehe Kap. 6.2.3, 6.2.4 und 6.2.6).
Zudem wird die Errichtung eines Bau- und Gartenfachmarktes in dem Bereich des Stadtgebietes
auch aus stadtentwicklungspolitischer Sicht als positiv bewertet (siehe Kap. 3, 6.1 und 6.2.6).
Außerdem bietet die Realisierung des Vorhabens die konkrete Chance der Nachnutzung des unge-
nutzten Grundstückes unter Bewahrung zumindest eines Teils der dort vorhandenen, baukulturell
bedeutsamen Baudenkmäler. Damit kann zur städtebaulichen Weiterentwicklung der Alten Messe

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unter teilweiser Erhaltung ihres aufgrund der früheren Nutzung besonderen Ortsbildes beigetragen
werden.
Planungserfordernis
Das Erfordernis für die Aufstellung des Bebauungsplanes begründet sich insbesondere wie folgt:
Gemäß § 1 Abs. 3 BauGB haben die Gemeinden Bauleitpläne aufzustellen, sobald und soweit dies
für die städtebauliche Entwicklung und Ordnung erforderlich ist.
Die Erforderlichkeit dieses Bebauungsplanes ist sowohl in zeitlicher („sobald erforderlich“) als
auch in inhaltlicher („soweit erforderlich“) Hinsicht gegeben. Denn:
Aktuelles städtebauliches Ziel der Stadt ist es, die Ansiedlung des o.g. Bau- und Gartenfach-
marktes (unter Wahrung der unten genannten Voraussetzungen, Ziele und Zwecke) zu ermög-
lichen.
Derzeit besteht keine Genehmigungsmöglichkeit für das Vorhaben. Gemäß § 11 Abs. 3 Bau-
NVO sind großflächige Einzelhandelsbetriebe, die sich nach Art, Lage oder Umfang auf die
Verwirklichung der Ziele der Raumordnung und Landesplanung oder auf die städtebauliche
Entwicklung und Ordnung nicht nur unwesentlich auswirken können, außer in Kerngebieten
nur in für sie festgesetzten Sondergebieten zulässig. Bei dem Bau- und Gartenfachmarkt han-
delt es sich um einen solchen großflächigen Einzelhandelsbetrieb.
Strategisches Ziel der Stadt ist u.a., die bauliche Entwicklung insbesondere der denkmalge-
schützten leerstehenden Gebäude auf der Alten Messe voranzutreiben.
Weiteres städtebauliches Ziel der Stadt ist es, die Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes
nur bei gleichzeitiger Wahrung einer geordneten und nachhaltigen städtebaulichen Entwick-
lung zu ermöglichen. Dabei sollen die nachfolgend im Einzelnen genannten Ziele und Zwecke
der Planung erreicht werden.
Daraus ergibt sich, dass die Aufstellung des Bebauungsplanes jetzt und mit den darin enthaltenen
Inhalten zur Schaffung der bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen für die Genehmigung des
Vorhabens bei gleichzeitiger Wahrung der städtebaulichen Ziele der Stadt erforderlich ist. Zur Er-
forderlichkeit der einzelnen Inhalte des Planes siehe Abschnitt C. dieser Begründung.
3.
Ziele und Zwecke der Planung
Mit der Aufstellung des Bebauungsplanes sollen vor allem folgende Ziele und Zwecke erreicht
werden:
Übergeordnete Zielsetzung der Stadt
ist:
Die Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes soll ermöglicht werden, insbesondere um
damit die seitens der Stadt angestrebte städtebauliche Weiterentwicklung des Alten Messege-
ländes voranzutreiben sowie um die oberzentralen Funktionen der Stadt Leipzig zu stärken.
Zugleich soll auf die Wahrung einer geordneten und nachhaltigen städtebaulichen Entwick-
lung hingewirkt werden. Dies bezieht sich sowohl auf das Gelände der Alten Messe und des-
sen Umfeld als auch auf das Stadtgebiet insgesamt und auf das möglicherweise betroffene
Umland der Stadt Leipzig.
Im Zusammenhang mit und zur Untersetzung und Umsetzung der übergeordneten Zielsetzung
bestehen die folgenden weiteren Ziele und Zwecke:
a)
Stärkung der oberzentralen Funktion der Stadt Leipzig
Mit der Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes soll zur Stärkung der oberzentralen
Funktion der Stadt Leipzig im Bereich des Einzelhandels, hier vor allem im Bereich der
Bau- und Gartenfachmärkte, beigetragen werden. Bezweckt wird damit auch die Verbesse-

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rung der Versorgung der Leipziger Bevölkerung sowie die Rückbindung von derzeit ins Um-
land abfließender Kaufkraft nach Leipzig.
b) Erhöhung der Arbeitsplatzzentralität Leipzigs und Stärkung der lokalen Wirtschaft
Durch die Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes wird auch die Schaffung neuer Ar-
beitsplätze im Stadtgebiet angestrebt, um damit auf die Erhöhung der Arbeitsplatzzentralität
Leipzigs hinzuwirken. So ist im Abgleich mit ähnlich dimensionierten Baumärkten von
mehr als 100 neuen Arbeitsplätzen auszugehen. Indem durch den großflächigen Handelsbe-
trieb zusätzliche Wertschöpfung erzeugt wird, soll die lokale Wirtschaft gestärkt werden.
Die Ansiedlung entspricht dabei den Zielen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts
Leipzig 2030 zum Ausbau einer vielfältigen und stabilen Wirtschaftsstruktur.
c)
Umsetzung der strategischen, stadtentwicklungspolitischen und städtebaulichen Ziele
der Stadt
Mit der Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes soll auf die Umsetzung der strategi-
schen, stadtentwicklungspolitischen und städtebaulichen Ziele der Stadt hingewirkt werden.
Dies betrifft namentlich vor allem das Integrierte Stadtentwicklungskonzept INSEK (siehe
Kap. 6.2.3), den Stadtentwicklungsplan Zentren (siehe Kap. 6.2.4) sowie die seitens der
Stadt für das Areal der Alten Messe und damit auch für das Plangebiet konkret angestrebten
strategischen und städtebaulichen Entwicklung, wie sie u.a. mit dem Strategiepapier Alte
Messe 2013 und den (fortgeschriebenen) Eigentümerzielen durch die Ratsversammlung be-
schlossen wurden (näheres siehe Kap. 6.2.6).
d)
Vermeidung schädlicher Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche
Die Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes und seine weitere Entwicklung sollen in
einem mit diesem Bebauungsplan nach Art und Umfang klar definierten Rahmen ermög-
licht, gleichzeitig aber auch begrenzt werden. Damit sollen schädliche Auswirkungen auf die
zentralen Versorgungsbereiche in der Stadt Leipzig und ihren Nachbargemeinden vermieden
werden.
e)
Reaktivierung und dauerhafte Nachnutzung einer weitgehend brachliegenden Fläche
Mit der Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes soll das bislang weitgehend brachlie-
gende, aber in integrierter und verkehrlich sehr gut erschlossener Lage auf dem Gelände der
Alten Messe gelegene Plangebiet einer neuen baulichen Nutzung zugeführt werden. Damit
soll dem Interesse der Innenentwicklung gedient werden, auch als Beitrag zur Einhaltung
des „30-Hektar-Ziels“ der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie.
f)
Städtebaulich-qualitative Weiterentwicklung des Alten Messegeländes
Es soll auf eine städtebaulich-qualitiative Weiterentwicklung des Alten Messegeländes hin-
gewirkt werden. Dies bezieht die ästhetische und funktionale Weiterentwicklung und Auf-
wertung der derzeit brachliegenden Hallen und Freiflächen im Plangebiet ebenso ein wie die
Erhöhung der Sichtbarkeit und Zugänglichkeit der Alten Messe von Süden. Dabei soll eine
städtebauliche und freiräumliche Gestaltung, die der besonderen Lage des Grundstückes im
denkmalgeprägten Umfeld der Alten Messe gerecht wird, sichergestellt werden. Damit soll
den Belangen sowohl der Erhaltung, der Erneuerung, der Fortentwicklung, der Anpassung
und des Umbaus des Alten Messegeländes, als vorhandenem Ortsteil der Stadt Leipzig, als
auch der Baukultur, der erhaltenswerten Ortsteile, Straßen und Plätze von geschichtlicher
und städtebaulicher Bedeutung, worum es sich bei dem Altem Messegelände zweifelsfrei
handelt, sowie der Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes gedient werden.

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g)
Sicherstellung der weitgehenden stadtökologischen Verträglichkeit des Vorhabens
Ziel der Stadt ist es darüber hinaus, dem Vorhaben in ökologischer Hinsicht einen Rahmen
zu setzen, um nachteilige Auswirkungen auf die Umweltbelange auf ein Minimum zu redu-
zieren. Dies umfasst insbesondere die Aspekte Klimaschutz und -anpassung (Reduzierung
des Aufheizeffektes der Bebauung, Begrünung der Gebäudes und Freiflächen), Artenschutz
(Erhalt von Biotopen, Insektenschutz, Schaffung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen,
insbesondere um die Funktion des Plangebietes als Brut- bzw. Wochenstubenort für ge-
schützte Tierarten zu erhalten), Boden- und Wasserschutz (weitgehende Verwendung versi-
ckerungsfähiger Oberflächenbefestigungen).
Ziel ist dabei auch, im Sinne einer „doppelten Innenentwicklung“ die Entwicklung des
Plangebietes, des Alten Messegeländes und des relevanten Umfeldes in ihrem jeweiligen
Bestand nicht nur im Sinne einer baulichen Verdichtung zu betreiben, sondern zugleich auch
auf die Erhaltung, Weiterentwicklung und Qualifizierung des urbanen Grüns hinzuwirken;
beides soll als Einheit konzeptionell zusammengeführt werden. Damit soll vor allem den
Belangen des Umweltschutzes aber auch den allgemeinen Anforderungen an gesunde Ar-
beitsverhältnisse entsprochen werden.
h)
Erhalt denkmalprägender Elemente
Im Zusammenhang mit dem Ziel f) soll auch der weitgehende Erhalt der denkmalprägenden
Elemente der ehemaligen Messehalle 17 ermöglicht werden, um damit den Belangen des
Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, aber auch hier der Baukultur sowie der erhal-
tenswerten Ortsteile, Straßen und Plätze von geschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung
zu dienen.
i)
Einfügen in das umliegende Verkehrssystem und Verbesserung der Wegebeziehungen
Der Bau- und Gartenfachmarkt soll hinsichtlich seiner Verkehrserschließung verträglich in das
umliegende Verkehrssystem eingebunden werden. Über die Schaffung eines neuen Knotenpunk-
tes an der Richard-Lehmann-Straße soll eine leistungsfähige Anbindung des Baumarktes an das
Straßenverkehrsnetz sichergestellt werden. Bezweckt wird mit dieser Anbindung auch, den zent-
ralen Bereich der Alten Messe von vorhabenbedingtem Kundenverkehr weitgehend freizuhalten.
Der ebenfalls an das Plangebiet angrenzende Ottostraße soll für die Erschließung des Vorhabens
eine untergeordnete Rolle zukommen.
Zudem sollen mit dem Vorhaben die Fuß- und Radwegebeziehungen sowohl innerhalb des Alten
Messegeländes (z.B. zwischen Ottostraße und Puschstraße) als auch zwischen Alte Messe und
Richard-Lehmann-Straße verbessert werden, indem ausreichend breite und befestigte, für Rad-
und Fußverkehr dauerhaft nutzbare Wege über das Plangebiet geführt werden.
Mit dem Zweck der Trennung des Kundenverkehrs vom Lieferverkehr soll die Anlieferung des
Marktes über die Nordostseite geführt werden. Dementsprechend sollen vom Plangebiet zur
Puschstraße auch für Schwerlastverkehr ausreichend befestigte Zufahrten entstehen.
Außerdem soll die Andienung des Nachbargrundstücks (Flurstück 159/103 der Gemarkung
Thonberg), die im Bestand über das Vorhabengrundstück verläuft, weiterhin gesichert werden.

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4.
Verfahrensdurchführung
Folgende
Verfahrensschritte
wurden zur Vorbereitung des Satzungsbeschlusses durchgeführt:
Aufstellungsbeschluss vom
Beschluss Nr. VI-DS-03088,
bekannt gemacht im Leipziger Amtsblatt Nr. 09/2017 vom 06.05.2017
12.04.2017
frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit
(§ 3 Abs. 1 BauGB),
bekannt gemacht im Leipziger Amtsblatt Nr. 12/2018 vom 16.06.2018
19.06.2018 bis
03.07.2018
frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange
(§ 4 Abs. 1 BauGB)
mit Schreiben vom
11.06.2018
Beteiligung der Träger öffentlicher Belange
(§ 4 Abs. 2 BauGB)
mit Schreiben vom
08.07.2019
Beteiligung der Öffentlichkeit
(§ 3 Abs. 2 BauGB),
bekannt gemacht im Leipziger Amtsblatt Nr. 13/2019 vom 29.06.2019
09.07.2019 bis
08.08.2019
Erneute Beteiligung der Träger öffentlicher Belange
(§ 4a Abs. 3 BauGB)
mit Schreiben vom
15.06.2020
Erneute Beteiligung der Öffentlichkeit
(§ 4a Abs. 3 BauGB),
bekannt gemacht im Leipziger Amtsblatt Nr. 11/2020 vom 06.06.2020
16.06.2020 bis
30.06.2020
Besonderheiten der Durchführung des Verfahrens
sind wie folgt zu nennen:
Änderung des räumlichen Geltungsbereichs im Laufe des Verfahrens
Gegenüber dem Aufstellungsbeschluss wurde das Plangebiet um eine ca. 5.000 m
2
große, südlich
der Puschstraße gelegene Fläche reduziert, da dieser Grundstücksteil nicht Gegenstand des Kaufver-
trages mit dem Vorhabenträger geworden ist und somit nicht in dessen Entwicklungsbereich liegt.
Zugleich wurde der Abschnitt der Bundesstraße 2 (Richard-Lehmann-Straße) zwischen Ottostraße
und östlicher Zufahrt des Flurstücks 474/35 der Gemarkung Connewitz in den räumlichen Gel-
tungsbereich dieses Bebauungsplanes einbezogen, da dort ein neuer lichtsignalgeregelter Knoten-
punkt zur Erschließung des Vorhabengrundstücks entsteht. Gemäß § 17 Bundesfernstraßengesetz
dürfen Bundesstraßen nur gebaut oder geändert werden, wenn der Plan vorher festgestellt wurde.
Gemäß § 17 b Abs. 2 FStrG können Bebauungspläne nach § 9 BauGB die Planfeststellung nach
§ 17 FStrG im Bereich von Bundesfernstraßen ersetzen.
Änderung des FNP im Parallelverfahren
Der FNP wird im Parallelverfahren (§ 8 Abs. 3 BauGB) geändert. Näheres siehe Kap. 6.2.1 dieser
Begründung.
Änderung des Entwurfs nach den erstmaligen Beteiligungen der Träger öffentlicher
Belange gemäß § 4 Abs. 2 BauGB und der Öffentlichkeit gemäß § 3 Abs. 2 BauGB
Im Rahmen der Überarbeitung des Planentwurfs unter Berücksichtigung der vorgebrachten Stel-
lungnahmen wurden folgende Anpassungen vorgenommen (redaktionelle Änderungen sind nicht
genannt):

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Teil A: Planzeichnung
o
Verwendung einer aktualisierten Katastergrundlage,
o
Anpassung des Grenzverlaufs zwischen Sondergebiet und öffentlicher Verkehrsfläche im
südlichen Plangebiet,
o
Anpassung des Zuschnitts der Maßnahmenflächen M 4 und M 6,
o
Anpassung der Baufenster aufgrund der aktualisierten Planung der inneren Erschließung auf
dem Vorhabengrundstück,
o
Anpassung des Zufahrtsbereiches am Knotenpunkt Richard-Lehmann-Straße aufgrund der
aktualisierten Planung der inneren Erschließung auf dem Vorhabengrundstück,
o
Anpassung der Fläche für oberirdische Stellplätze und deren Zufahrten aufgrund der aktua-
lisierten Planung der inneren Erschließung auf dem Vorhabengrundstück,
o
Räumliche Erweiterung der mit Geh- und Radfahrrechten zugunsten der Allgemeinheit zu
belastenden Fläche an der nordwestlichen Seite der Halle 17 aufgrund der aktualisierten
Planung der inneren Erschließung auf dem Vorhabengrundstück,
o
Änderung des Höhenbezugspunktes.
Teil B: Text
o
Änderung Textliche Festsetzung 1.1.2 d): Reduzierung der zulässigen Verkaufsfläche für
zentrenrelevante Randsortimente auf insgesamt 800 m
2
,
o
Ergänzung Textliche Festsetzungen 1.1.2 e) und 1.1.2 f): Ergänzung der zulässigen Art der
baulichen Nutzung um einen Imbiss und ein Mietcenter für Bau- und Heimwerkermaschi-
nen,
o
Ergänzung Textliche Festsetzung 2: Festsetzung einer Stellplatzzahl von genau 396,
o
Ergänzung Textliche Festsetzung 4.5: Verwendung insektenfreundlicher Leuchtmittel,
o
Ergänzung Textliche Festsetzung 4.6: Verwendung heller Oberflächen,
o
Präzisierung Textliche Festsetzung 5.3: Fassadenbegrünung.
Teil C: Vorhaben- und Erschließungsplan
o
Verwendung einer aktualisierten Katastergrundlage,
o
Aktualisierung der Stellplatzflächen und ihrer Zufahrten aufgrund der aktualisierten Planung
der internen Erschließung
o
Standortänderung von vier neu zu pflanzenden Bäumen auf Hinweis der Kommunalen Was-
serwerke,
o
Aktualisierung der Ansichten aufgrund der aktualisierten Planung.
Begründung:
o
Anpassungen in Kapitel 1 aufgrund geänderter Flurstückszuschnitte im Planumfeld,
o
Anpassungen in den Kapiteln 4, 5, 6, 7 (Umweltbericht) und 9 auf Basis eingegangener
Stellungnahmen und neuer Gutachten,
o
Ergänzung Kapitel 8.3 und 8.4: Beteiligung der Träger öffentlicher Belange sowie Beteili-
gung der Öffentlichkeit zum Entwurf,
o
Ergänzung und Begründung der geänderten Festsetzungen und örtlichen Bauvorschriften
(Kap. 10-14).

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B.
GRUNDLAGEN DER PLANUNG
5.
Beschreibung des Plangebietes und seines Umfeldes
5.1
Topografie
Das Areal der Alten Messe weist entsprechend der Topographie der Gesamtstadt ein schwaches
Gefälle von Südosten nach Nordwesten auf. Die Geländehöhe im Bereich des Vorhabens beträgt
129 -130 m ü. NHN. Im Süden des Plangebiets, zur Richard-Lehmann-Straße hin, steigt die Gelän-
dehöhe an. Eine Böschung, die auf der Nordseite von einer Stützmauer eingefasst ist, markiert einen
Geländeanstieg auf ca. 134 m ü. NHN. Die sich südlich an die Böschung anschließende Richard-
Lehmann-Straße inklusive ihrer Geh- und Radwege weist Höhen von 135 - 136 m ü. NHN auf.
5.2
Vorhandene Bebauung und Nutzungen, Denkmalschutz
Das Areal der Alten Messe ist von Gewerbe und Sondernutzungen dominiert, darunter auch groß-
flächiger Einzelhandel. Derzeit sind einige, auch größere Flächen des Alten Messegeländes noch
un- oder mindergenutzt, etwa der Großteil des Gebietes südöstlich der Straße „Alte Messe“ (Hunde-
schule, Autokino sowie dazwischen liegende Freiflächen) sowie Bauflächen westlich der Zwickauer
Straße (nördlich und südlich der Firmenzentrale eines Blutspendedienstes). Die Vermarktung bzw.
städtebauliche Entwicklung dieser Flächen bzw. Gebäude steht noch aus.
Im Plangebiet
befinden sich gegenwärtig die ehemaligen Messehallen 17 und 21 sowie der rück-
seitige Teil der Messehalle 16.
Die Messehalle 17 steht seit Aufgabe der Messennutzung im Zuge der Eröffnung der Neuen
Messe im Jahre 1996 (mit Ausnahme übergangsweiser Zwischennutzungen) leer.
Bei der Neubebauung sollen in Abstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde wesent-
liche Teile der Messehalle 17 erhalten und in das neue Gebäudekonzept integriert werden.
Die Halle 17 ist 1920 errichtet worden und diente damals als Ausstellungsort für Maschinen,
Fahrzeuge und Petrochemie. In den Jahren 1937/38 erhielt sie im Zuge eines umfassenden
Umbaus einen Kopfbau nach Südwesten. Der Kopfbau, der sich über die gesamte Gebäude-
breite erstreckt, wurde mit einem Pfeilerportal gestaltet. Nach Zerstörungen im Zweiten Welt-
krieg wurde die Halle mit den eingeschränkten Möglichkeiten der Nachkriegszeit wieder auf-
gebaut. Aus der wechselvollen Baugeschichte ergeben sich statische Probleme der Halle.
In einem vom Vorhabenträger im Jahr 2016 vorgelegten statischen Gutachten wurde darge-
legt, dass eine Umnutzung der Messehalle zu Verkaufszwecken die Anpassung an die heuti-
gen gesetzlichen Bestimmungen erfordere. Diesen Anforderungen genügt die vorhandene
Konstruktion nachweislich nicht.
Im § 9 des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen
(SächsDSchG) vom 3. März 1993 ist geregelt, wie mit Denkmalen verfahren werden soll, die
ihre Nutzung verloren haben:
„Werden Kulturdenkmale nicht mehr entsprechend ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung
genutzt, sollten Eigentümer und Besitzer eine Nutzung anstreben, die eine möglichst weitge-
hende Erhaltung der Substanz auf die Dauer gewährleistet.“
Da die Halle nicht mehr als Messehalle dient, ist die Erhaltung auf Dauer nur möglich, wenn
sie auf andere Weise genutzt wird. Dafür muss sie die heutigen bautechnischen Anforderun-
gen erfüllen. Diese Anpassung ist unabhängig von der Art der neuen Nutzung erforderlich.
Auch wenn die Halle zukünftig nicht für Verkaufs-, sondern für soziale oder kulturelle Zwe-
cke dienen würde, wäre die Anpassung an heutige Bestimmungen erforderlich.
Von der Denkmalschutzbehörde war deshalb zu entscheiden, ob der Teilabbruch die Erhaltung
des Mittelschiffs und der Südwest-Fassade als den wichtigsten Trägern des Denkmalwertes

image
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auf Dauer sichert. Auf Grundlage des vorliegenden Gutachtens kam die Denkmalschutzbe-
hörde der Stadt Leipzig im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen zu
der Einschätzung, dass der Teilabbruch das einzige Mittel für die Erhaltung des übrigen Hal-
lenbereichs, d.h. des Mittelschiffs, der Südwest-Fassade und der Nordost-Fassade darstellt.
Aus diesem Grund musste eine Zustimmung für den Teilabbruch in Aussicht gestellt werden.
2
Der aus den Jahren 1937/38 stammende mittlere Hallenteil und der zeitgleich errichtete Kopf-
bau mit dem Säulenportal sind zu erhalten, denkmalgerecht zu sanieren und in den neuen Hal-
lenbau für den Baumarkt zu integrieren.
3
Die Messehalle 21, ehemals Halle 13, befindet sich im Süden des Plangebiets. Sie steht nicht
unter Denkmalschutz und steht bereits seit mehreren Jahren ungenutzt leer.
Die Messehalle 16 wurde 1913 anlässlich der ersten Internationalen Baufachausstellung IBA
als erste Halle auf dem Gelände erbaut und diente bis in die 1970er Jahre als Ausstellungsflä-
che der Baubranche. Nach einer Phase wechselnder Nutzungen beherbergt sie inzwischen als
„Eventpalast“ unterschiedliche kulturelle Nutzungen.
Die Front der Halle 16 bildet der „Kreis’sche Kuppelbau“, der ein Säulenportal vor einem
kreisförmigen Grundriss aufweist, an den sich je ein Gebäudeschiff in nordwestliche und süd-
östliche Richtung anschließt. Von ihm erstrecken sich drei Hallenschiffe in Längsrichtung, die
durch einen weiteren Querbau an der Rückseite des Gebäudekomplexes verbunden sind. Der
rückwärtige Querbau sowie die drei Längsschiffe sind derzeit nicht genutzt.
Der denkmalgeschützte Kuppelbau der Messehalle 16 bleibt erhalten. Lediglich seine rück-
wärtigen, jüngeren Anbauten werden durch das Vorhaben betroffen und abgebrochen. Gegen
diesen Abbruch bestehen keine Einwände aus Gründen des Denkmalschutzes, da sich der
Denkmalschutz laut Denkmalliste des Freistaates nur auf den „Kuppelbau mit Seitenflügeln“,
nicht aber auf die rückwärtigen Hallenbereiche erstreckt (vgl. Abb. 1).
Abb. 1:
Denkmalbestand im Plangebiet und seiner Umgebung
Quelle:
Denkmalkarte Freistaat Sachsen,
https://denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de
2
Schreiben der Unteren Denkmalschutzbehörde vom 17.09.2018
3
Schreiben der Unteren Denkmalschutzbehörde vom 21.10.2019

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Im Umfeld des Plangebietes liegen mit den Hallen 11 (Einzelhandel), 12 (Stadtarchiv), 15
(Fahrrad-Fachmarkt) und 16 (Kultureinrichtung) weitere Denkmäler. In unmittelbarer Nach-
barschaft befinden sich zudem mehrere Autohäuser, ein Orthopädiegeschäft sowie die ehema-
lige Messehalle 14, in der soziale Nutzungen untergebracht sind.
5.3
Vorhandene Wohnbevölkerung
Im Plangebiet ist keine Wohnnutzung vorhanden.
In unmittelbarer Nachbarschaft zum Plangebiet ist keine Wohnnutzung vorhanden oder vorgesehen.
Die nächstgelegene schutzbedürftige Wohnbebauung befindet sich ca. 150 m südöstlich der Grenze
des Plangebiets.
5.4
Vorhandene Freiflächen und ihre Nutzung
Die vorhandenen Freiflächen im Plangebiet sind ungenutzt. Es handelt sich dabei überwiegend um
teilversiegelte, mit Ruderalvegetation bewachsene ehemalige Parkplatz- und Wegeflächen südwest-
lich der Messehalle 17. Weiterhin befinden sich im südöstlichen Teil des Plangebiets verwilderte
Grünflächen mit Gehölzaufwuchs sowie Strauchbewuchs auf der Böschung entlang der Richard-
Lehmann-Straße.
Im Umfeld des Plangebietes befinden sich mehrere größere unbebaute Flächen, die nicht oder als
Parkplatz genutzt werden. Die nächstgelegene Grünanlage, die auch als Erholungsfläche genutzt
wird, ist der Wilhelm-Külz-Park im Osten.
5.5
Soziale Infrastruktur
Innerhalb des Plangebietes bestehen derzeit keine Einrichtungen der sozialen Infrastruktur.
Im Umfeld des Plangebietes befinden sich in der östlich davon liegenden Halle 14 mehrere Einrich-
tungen in kirchlicher Trägerschaft, darunter die August-Hermann-Francke-Grundschule und der
„Pavillon der Hoffnung“, welcher verschiedene soziale Beratungs- und Begegnungsangebote be-
herbergt. Darüber hinaus beherbergt die Halle eine Musikschule sowie einen Indoor-Spielplatz.
Mit der Planung werden diese Nachbarnutzungen berücksichtigt.
5.6
Technische Infrastruktur: Verkehrsinfrastruktur
Motorisierter Individualverkehr
Die Richard-Lehmann-Straße im Süden des Plangebiets besitzt den Status einer Bundesstraße (B 2).
Die B 2 ist im Bereich des Bebauungsplans vierspurig ausgebaut. Da die äußeren Spuren zum Par-
ken genutzt werden, steht dem fließenden Verkehr jedoch nur ein Fahrstreifen pro Richtung zur
Verfügung.
Von der Richard-Lehmann-Straße besteht derzeit keine direkte Anbindung an das Plangebiet. Das
Plangebiet ist jedoch für den Kraftverkehr über die Puschstraße im Norden sowie die Ottostraße im
Westen angebunden. Über die Ottostraße besteht Anschluss an die Zwickauer Straße. Bei der Kreu-
zung Zwickauer Str./Perlickstr. als Verlängerung der Puschstraße handelt es sich um einen lichtsig-
nalgeregelten Knotenpunkt.
Über die Ottostraße ist vom Plangebiet auch die Richard-Lehmann-Str./B 2 schnell zu erreichen.
Der dort befindliche Knotenpunkt lässt jedoch kein Linksabbiegen auf die B 2 in östliche Richtung
bzw. von der B 2 aus westlicher Richtung zu.
Über ein Verkehrsgutachten wurde nachgewiesen, dass sämtliche Knotenpunkte im Bestand eine
ausreichende Leistungsfähigkeit aufweisen. Dies gilt auch bei zu erwartenden zukünftigen Verkeh-

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ren, sofern ein neuer, lichtsignalgeregelter Knotenpunkt das Plangebiet an die Richard-Lehmann-
Straße anschließt.
4
Zwar befinden sich in der Mitte der Fahrbahn noch Straßenbahngleise, diese sind jedoch bereits seit
Jahren nicht mehr in Betrieb. Im Entwurf der Fortschreibung des Nahverkehrsplans der Stadt Leip-
zig wird in der Richard-Lehmann-Straße keine Trassenfreihaltung mehr vorgesehen, sodass von
einer Reaktivierung der Straßenbahnstrecke im Bereich des Plangebiets nicht auszugehen ist. Bei
der Planung des neuen Verkehrsknotenpunkts wird eine mögliche Reaktivierung der Straßenbahn-
strecke daher nicht berücksichtigt.
Öffentlicher Nahverkehr
Die Alte Messe ist an das S-Bahn-, Straßenbahn- und Busnetz angebunden und damit nahverkehrs-
technisch sehr gut erschlossen. Für den zu errichtenden Bau- und Gartenfachmarkt werden die
Haltestellen Richard-Lehmann-/Zwickauer Straße (Bus, Straßenbahn) und An den Tierkliniken
(Straßenbahn) die nächstgelegenen sein, mit einer fußläufigen Entfernung zum Haupteingang von
ca. 400 m. In Reichweite sind auch einige Haltestellen anderer Linien, sodass der Standort von
vielen Teilen der Stadt ohne Umstieg erreicht werden kann.
5.7
Technische Infrastruktur: Ver- und Entsorgungsanlagen
Das Plangebiet ist an das örtliche Trinkwassernetz angeschlossen, eine Erschließung kann von den
Trinkwasserleitungen in der Zwickauer Straße, der Puschstraße und der Richard-Lehmann-Straße
erfolgen.
Der Anbindepunkt für Schmutz- und Regenwasser befindet sich an der westlichen Seite des Plange-
biets. In den dort befindlichen Schacht kann Schmutzwasser ungedrosselt eingeleitet werden. Zu-
dem befindet sich ein Vorflutsammler im westlichen Plangebiet.
Die Versorgung mit Strom und Wärmeenergie ist gesichert.
6.
Planerische und rechtliche Grundlagen
6.1
Raumordnung
Der Bebauungsplan ist gem. § 1 Abs. 4 BauGB den Zielen der Raumordnung angepasst.
Zum Entwurf des Bebauungsplanes, der Gegenstand der erneuten Beteiligungen zum Entwurf war,
teilte die Landesdirektion Sachsen mit, das Vorhaben stehe im Einklang mit den Erfordernissen der
Raumordnung.
5
Aus Sicht der Regionalplanung bestehen lt. Regionalem Planungsverband Leipzig-
Westsachsen keine Bedenken gegen die Planung
6
.
a) Fachliche Grundlagen:
Im seit dem 31.08.2013 verbindlichen
Landesentwicklungsplan Sachsen 2013
(LEP 2013)
7
sind
die Ziele und Grundsätze der Raumordnung für die räumliche Ordnung und Entwicklung des Frei-
staates Sachsen festgelegt.
Im
Regionalplan Westsachsen 2008
(RPlWS 2008), in Kraft getreten am 25.07.2008, sind die
Ziele und Grundsätze der Raumordnung für die Planungsregion Leipzig Westsachsen festgelegt.
Der Regionalplan befindet sich derzeit in der Gesamtfortschreibung. Die im Entwurf des neuen
Regionalplans Leipzig-Westsachsen enthaltenen Ziele und Grundsätze mit Bedeutung für das Vor-
haben sind nahezu inhaltsgleich mit den dargestellten Zielen und Grundsätzen des rechtskräftigen
Regionalplans.
4
IVAS Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und –systeme: Ansiedlung eines Hornbach-Baumarktes in Leipzig. Verkehrsgutachten.
Stand: 24. März 2016.
5
Landesdirektion Sachsen, Dienststelle Leipzig, Stellungnahme vom 01.07.2020
6
Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen, Regionale Planungsstelle, Stellungnahme vom 30.06.2020
7
Internetzugriff z.B.
über
https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/12896-Landesentwicklungsplan-2013#x74

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b) Erfordernisse der Raumordnung
Die Übereinstimmung des Bebauungsplanes mit den Erfordernissen der Raumordnung ist wie folgt
gegeben
:
Gemäß dem Ziel Z 1.3.1 i.V.m. Z 1.3.6 LEP 2013 ist das Oberzentrum Leipzig u.a. so zu
entwickeln, dass es „zur Sicherung der Daseinsvorsorge die Versorgung der Bevölkerung [...]
mit Gütern [...] in zumutbarer Entfernung“ sicherstellt (siehe auch Z 2.3.1 RPlWS).
Die vorliegende Planung trägt mit dazu bei, dass das Oberzentrum Leipzig als „Wachstumsmotor
der Region“ (Grundsatz G 2.1.6 RPlWS) diese Funktion, hier durch die Ansiedlung eines leistungs-
fähigen Bau- und Gartenfachmarktes, erfüllen kann.
Ziel Z 1.3.3 „Planungen und Maßnahmen in den Zentralen Orten, die die Funktionsfähigkeit
anderer Zentraler Orte beeinträchtigen, sind zu vermeiden.“
Diesem Ziel wird mit Blick auf die Ergebnisse der vorliegenden Einzelhandelsgutachten entspro-
chen. Hier sei explizit auf die Ausführungen zum Z 2.3.2.5 („Beeinträchtigungsverbot“) verwiesen,
welches u.a. auch auf den Erhalt der Funktionsfähigkeit der einzelhandelsbezogenen Versorgungs-
funktion anderer zentraler Orte abstellt.
Nach den Zielen Z 2.2.1.7, Z 2.2.1.9 und dem Grundsatz G 2.2.1.1 LEP 2013 ist eine Zer-
siedlung der Landschaft zu vermeiden, brachliegende Bauflächen sind zu beplanen und
nachzunutzen. Die Neuinanspruchnahme von Freiflächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke
in allen Teilräumen Sachsens soll vermindert werden.
Auch nach den regionalplanerischen Erfordernissen, z.B. Z 4.4.1. und Z 5.1.1 RPlWS 2008,
sollen bodenverbrauchende Nutzungen u.a. durch Flächenrevitalisierung brachliegender Are-
ale auf das unabdingbar notwendige Maß beschränkt werden.
Mit der Aufstellung des Bebauungsplans sollen die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen dafür
geschaffen werden, auf einem bisher zum großen Teil brachliegenden Grundstück auf der Alten
Messe unter Erhalt, Sanierung und Ausbau von Teilen denkmalgeschützter Bausubstanz einen Neu-
bau für die Ansiedlung eines Bau- und Gartenfachmarktes inklusive Baustoff-Drive-in einschließ-
lich benötigter Stellplätze zu errichten. Eine Neuinanspruchnahme bisher unbebauten Freiraums
außerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile findet nicht statt. Dies entspricht den genannten
raumordnerischen Erfordernissen zum Freiraumschutz, insbesondere den oben genannten Zielen
und Grundsätzen.
Nach dem Ziel Z 2.3.2.1 LEP 2013 („Konzentra-
tionsgebot“) gilt u.a., dass die Ansiedlung von
großflächigen Einzelhandelsbetrieben nur in
Ober- und Mittelzentren zulässig ist.
Dem wird – auch laut Landesdirektion Sachsen – ent-
sprochen.
Als entscheidungserheblich für die raumordnerische
Bewertung des Bebauungsplanes wird seitens der Lan-
desdirektion
„die Einstufung der Stadt Leipzig als Ober-
zentrum im System der zentralen Orte des Freistaates
Sachsen im LEP 2013 Ziel 1.3.6“
sowie die
„gemäß Ziel
1.3.1 zugewiesenen Aufgaben und Funktionen und der
Bestimmung ihres Mittelbereiches nach LEP 2013“
gemäß Erläuterungskarte „Mittelbereiche“ (siehe Abb.
2) angegeben.
Abb. 2:
Ausschnitt aus Karte "Mittelbereiche",
LEP 2013

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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Auf dieser Grundlage wird ausgesagt:
Großflächige, § 11 Abs. 3 BauNVO unterliegende Einzelhandelseinrichtungen sind im Oberzent-
rum Leipzig nach LEP 2013 Ziel 2.3.2.1 grundsätzlich zulässig.
8
.
Ziel Z 2.3.2.3 („Integrationsgebot“) besagt, dass bei überwiegend innenstadtrelevanten Sor-
timenten oder bei einer Verkaufsfläche für innenstadtrelevante Sortimente von mehr als
800 m² die Ansiedlung, Erweiterung oder wesentliche Änderung von großflächigen Einzel-
handelsbetrieben in den zentralen Orten, in denen zentrale Versorgungsbereiche ausgewiesen
sind, nur in den zentralen Versorgungsbereichen zulässig sind.
Dem wird entsprochen. Im Bebauungsplan ist festgesetzt, dass bau- und gartenfachmarkttypische
Randsortimente, bei denen es sich um zentrenrelevante Sortimente handelt, nur auf einer Verkaufs-
fläche von insgesamt 800 m² angeboten werden dürfen; vgl. Teil B: Text, Nr. 1.1.2 c) und d). Ein
Verstoß des Bebauungsplanes gegen das genannte Ziel der Raumordnung liegt in Folge dessen nicht
vor. Weiterer Darlegungen dazu bedarf es an dieser Stelle nicht.
Ziel Z 2.3.2.4 („Kongruenzgebot“) besagt u.a., dass die Ansiedlung von großflächigen Ein-
zelhandelseinrichtungen nicht dazu führen soll, dass der Einzugsbereich den Verflechtungs-
bereich des Zentralen Ortes wesentlich überschreitet.
Auch dem wird mit diesem Bebauungsplan entsprochen. Unter „1.3 Zentrale Orte und Verbün-
de“ des LEP 2013 ist angegeben, dass die mittelzentralen Verflechtungsbereiche in der Karte 2
„Mittelbereiche“ des LEP (siehe obige Abb.) dargestellt sind. Der darin dargestellte Verflechtungs-
bereich bzw. Mittelbereich der Stadt Leipzig als Oberzentrum erstreckt sich auch über angrenzende
Gemeinden. Aufgrund der räumlichen Lage des Bebauungsplangebietes im Stadtgebiet sind vor
allem zu nennen: Markranstädt, Pegau, Zwenkau, Markkleeberg, Böhlen, Rötha, Großpösna, Es-
penhain, Belgershain, Naunhof, Brandis, Borsdorf, Machern und Taucha. Soweit es sich dabei um
Gemeinden mit zentralörtllicher Funktion handelt, sind „Überschneidungsbereiche der Oberzen-
tren…“ dargestellt; hier ist aufgrund der Nähe zum Plangebiet vor allem Markkleeberg zu nennen.
Anhaltspunkte dafür, dass der Einzugsbereich des nach diesem Bebauungsplan bauplanungsrecht-
lich zulässigen großflächigen Bau- und Gartenfachmarktes den in Karte 2 des LEP (s.o.) dargestell-
ten Verflechtungsbereich bzw. Mittelbereich des Zentralen Ortes Leipzig wesentlich überschreitet,
liegen im Ergebnis der durchgeführten Ermittlungen nicht vor. So umfasst das Kerneinzugsgebiet
des geplanten Baumarktes insbesondere Teile des südlichen und südöstlichen Leipziger Stadtgebie-
tes.
9
Das erweiterte Einzugsgebiet (Zone II) umfasst mit Großpösna, Markkleeberg, Böhlen und
Rötha nur Gemeinden, welche dem o.g. Überschneidungsbereich des Oberzentrums Leipzig zuge-
ordnet sind. Dies wird auch in der Stellungnahme einer anderen Baumarktbetreiberin (bzw. der von
ihr beauftragten Rechtsanwälte), die im Rahmen der Beteiligungen zum Entwurf eingegangen ist,
bestätigt.
Im Ziel Z 2.3.2.5 („Beeinträchtigungsverbot“) ist u.a. festgelegt, dass die Ansiedlung von
großflächigen Einzelhandelseinrichtungen weder durch Lage, Größe des Vorhabens oder
Folgewirkungen das städtebauliche Gefüge, die Funktionsfähigkeit des zentralörtlichen Ver-
sorgungszentrums oder die verbrauchernahe Versorgung des Zentralen Ortes sowie der be-
nachbarten Zentralen Orte substanziell beeinträchtigen darf.
Dem wird ebenfalls mit diesem Bebauungsplan entsprochen. Weder in Leipzig noch in benachbar-
ten Zentralen Orten die in dem Ziel angesprochenen substanziellen Beeinträchtigungen zu erwarten.
Dafür spricht schon, dass mit diesem Bebauungsplan dem Ziel Z 2.3.2.4 („Kongruenzgebot“) ent-
sprochen wird (s.o.). Aber auch eine Betrachtung auf der Grundlage des Zieles Z 2.3.2.5 („Beein-
trächtigungsverbot“) führt zu diesem Ergebnis. Im Einzelnen:
8
Landesdirektion Sachsen, Dienststelle Leipzig, Stellungnahme vom 09.07.2018 zum Vorentwurf des Bebauungsplanes
9
CIMA (2019): Ergänzende Stellungnahme zur Potenzial- und Verträglichkeitsanalyse der geplanten Ansiedlung eines Hornbach
Bau- und Heimwerkermarktes in Leipzig, Standort „Alte Messe“, März 2019

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In Leipzig wird das städtebauliche Gefüge nicht im Sinne des Zieles substanziell beeinträchtigt.
Dies gilt einerseits im allgemeinen städtebaulichen Sinne: Es sind keine Anhaltspunkte dafür er-
kennbar, dass das für den Bebauungsplan anlassgebende Vorhaben „Bau- und Gartenfach-
markt“ sich nicht grundsätzlich auch im Sinne von § 34 BauGB in die Eigenart der näheren Umge-
bung einfügen würde. Dass dieser Bebauungsplan dennoch aufzustellen ist, beruht auf § 11 Abs. 3
BauNVO in Verbindung mit der Großflächigkeit des Bau- und Gartenfachmarktes; siehe Kap. 2.
Dies gilt andererseits ebenso im besonderen, auf das städtebauliche Gefüge im Bereich „Han-
del“ bezogenen Sinne: Substantielle Beeinträchtigungen auf das städtebauliche Gefüge hinsichtlich
bestehender Handelsstandorte sind nicht zu erwarten.
Dafür ist zunächst von Bedeutung: In dem Bau- und Gartenfachmarkt sind nur bestimmte Kern- und
Randsortimente zulässig; vgl. Teil B: Text, Nr. 1.1.2 des Bebauungsplanes. Folglich ist davon aus-
zugehen, dass alle anderen Handelseinrichtungen, die nicht auf die in dem Bau- und Gartenfach-
markt zulässigen Sortimente ausgerichtet sind, nicht von der Ansiedlung des Bau- und Gartenfach-
marktes beeinflusst oder sogar beeinträchtigt werden.
Desweiteren ist von Bedeutung: Bei dem Bau- und Gartenfachmarkt handelt sich zwar insgesamt
um eine großflächige Einzelhandelseinrichtung. Allerdings dürfen zentrenrelevante Sortimente nur
auf einer Verkaufsfläche von insgesamt 800 m² – also unterhalb der Schwelle zur Großflächigkeit –
angeboten werden, wobei zusätzlich eine art- und jeweils verkaufsflächenmäßige Beschränkung auf
die Sortimente Aquaristik/Tierbedarf (300 m²), Lampen/Leuchten/Elektro (250 m²), Bil-
der/Deko/Basteln (220 m²) und Heimtextilien (30 m²) erfolgt; vgl. Teil B: Text, Nr. 1.1.2 c) und d)
des Bebauungsplanes. Folglich ist davon auszugehen, dass alle Handelseinrichtungen, die auf die in
dem Bau- und Gartenfachmarkt zulässigen zentrenrelevanten Sortimente ausgerichtet sind, nicht in
dem Maße von der Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes beeinflusst werden, wie dies bei
der Ansiedlung einer großflächigen Einzelhandelseinrichtung für zentrenrelevate Sortimente der
Fall wäre. Hinzu kommt, dass die in dem Bau- und Gartenfachmarkt zulässigen Sortimente jeweils
auf eine maximale Verkaufsflächengröße weit unterhalb der Schwelle zur Großflächigkeit be-
schränkt sind. Substantielle Beeinträchtigungen auf das städtebauliche Gefüge hinsichtlich entspre-
chender Handelseinrichtungen sind – selbst, wenn es zu vereinzelten Betriebsaufgaben kommen
sollte – nicht zu erwarten. (Inwieweit Ziel Z 2.3.2.5 angesichts der Nicht-Großflächigkeit dieser
Sortimente überhaupt einschlägig ist, kann und soll dahingestellt bleiben.)
Hinsichtlich bereits bestehender Bau- und/oder Gartenfachmärkte ist von Bedeutung: In Folge der
Ansiedlung des nach diesem Bebauungsplan zulässigen großflächigen Bau- und Gartenfachmarktes
sind Umsatzumverteilungen gegenüber den nächstgelegenen Mitbewerbern zu erwarten. Hinsicht-
lich der Auswirkungen gegenüber der Bau- und Gartenfachmarktbranche fokussieren sich die vor-
liegenden Gutachten auf die beiden Mitbewerber an der Chemnitzer Straße in Leipzig und an der
Nordstraße in Markkleeberg, welche absehbar die größten relativen Umsatzumverteilungseffekte zu
verkraften hätten. Eine Standortaufgabe wäre in Anbetracht der kommunal beauftragten Gutachten
zwar nicht wahrscheinlich, ist aber mit Blick auf die seitens einer Mitbewerberin des Vorhabenträ-
gers eingereichte Stellungnahme, welche einem worst case Szenario gleichgesetzt werden kann,
auch nicht vollumfänglich auszuschließen. Im Fokus steht dabei insbesondere der Baumarkt in
Markkleeberg, der laut Berechnungen der Gutachter mit einer dann prognostizierten Flächenleis-
tung sogar 24 % unter den durchschnittlichen Kennwerten des Unternehmens liegen dürfte. Dies
wird seitens der Stadt Leipzig mit Blick auf die vorliegenden Daten nicht als wahrscheinlichste
Fallkonstellation angesehen, aber wurde auch in der Abwägung als mögliches Szenario berücksich-
tigt.
Im Ergebnis bleibt festzustellen, dass jedoch auch bei Eintritt dieses worst case Szenario (Markt-
aufgabe des o.g. Baumarktes in Markkleeberg) kein Zielkonflikt zum Z 2.3.2.5 („Beeinträchti-
gungsverbot“) besteht. Dies soll nachfolgend ausgeführt werden:

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Das benannte Ziel stellt auf den Schutz des zentralörtlichen Versorgungssystems ab. Damit ist ei-
nerseits die Funktionsfähigkeit der Zentralen Orte „als Ganzes“ in Analogie zu Z 1.3.3 (hier im
Speziellen die „Versorgungsfunktion“) als auch andererseits der Schutz der zentralörtlichen Versor-
gungszentren (im Falle von Markkleeberg gleichzusetzen mit den im Einzelhandelskonzept ausge-
wiesenen zentralen Versorgungsbereichen) und die Nahversorgungsstrukturen gemeint.
c) Funktionsfähigkeit des Zentralen Ortes
Bau- und Gartenfachmärkte haben einen Sortimentsschwerpunkt im Bereich der mittelfristigen
Bedarfsgüter und gehören in der wirtschaftlichen und sozialen Realität zur Grundausstattung eines
Mittelzentrums. Unter raumordnerischen Gesichtspunkten nimmt das Mittelzentrum diesbezüglich
auch einen Versorgungsauftrag für den ihm zugeordneten Mittelbereich wahr. Die durch diesen
Bebauungsplan vorbereitete Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarkts darf in Analogie zu den
Aussagen der Ziele Z 1.3.3 und Z 2.3.2.5 im konkreten Fall nicht die Versorgungsfunktion des
Mittelzentrums Markkleeberg im Hinblick auf die Bau- und Gartenfachmärkte grundsätzlich beein-
trächtigen. Dies ist mit Blick auf die versorgungsstrukturellen Ausstattungskennziffern nicht zu
erwarten. Setzt man die Daten der Gesellschaft für Markt- und Betriebsanalyse mbH (GEMABA) in
Relation zu den Vergleichsdaten für den Raum Leipzig, so zeigt sich, dass Markkleeberg über ein
deutliches Überangebot im Segment der Baumärkte verfügt. Kamen im Jahr 2018 bundesweit auf
einen Baumarkt rd. 38.600 Einwohner, so waren es im Freistaat Sachsen rd. 30.600 Einwohner. Das
Mittelzentrum Markkleeberg weist hier eine signifikant überdurchschnittliche Angebotsdichte auf,
in deren Folge auf jeden Baumarktstandort lediglich weniger als die Hälfte der Einwohner im Ver-
gleich zu den Referenzwerten des Freistaates und der Bundesrepublik entfallen. In Verbindung mit
der unterdurchschnittlichen Kaufkraftkennziffer und dem ausschließlich auf das Stadtgebiet bezo-
genen Verflechtungsbereich des Mittelzentrums Markkleeberg ist dies ein Hinweis auf Kaufkraft-
abschöpfungen aus dem benachbarten Leipzig. Dies ergibt sich auch aus der Marktanalyse, die der
Stellungnahme einer Mitbewerberin des Vorhabenträgers des nach diesem Bebauungsplan zulässi-
gen Bau- und Gartenfachmarktes beigefügt war. Demnach reichen die Einzugsbereiche der in den
benachbarten Orten, namentlich in Markkleeberg und Taucha, gelegenen Bau- und/oder Garten-
fachmärkte, weit in den Mittelbereich des Oberzentrums Leipzig hinein
10
.
Referenzwerte Ausstattungskennziffern im Vergleich (Status quo)
Sachsen
Leipzig
Markkleeberg
Einwohner
4.071.971
601.668
24.744
Baumärkte (ohne Gartenmärkte)
133
10
2
Einwohner je Baumarkt
30.616
60.167
12.372
Quelle:
Einwohner Stand: 31. Dezember 2019; Statistisches Landesamt; Stadt Leipzig
Einzelhandelsdaten: 37. Baumarkt-Strukturuntersuchung der GEMABA; BBE Handelsberatung (2019): Wettbewerbssituation
und -entwicklung durch Bau- und Gartenmärkte im Stadtgebiet Leipzig vom 17. April 2019
Die Ausstattungskennziffer des Oberzentrums Leipzig kann hingegen mit insgesamt 10 Baumarkt-
standorten als deutlich unterdurchschnittlich eingestuft werden. Die Zahlen belegen die entspre-
chende Angebotslücke, welche sich seit der Schließung von zwei Leipziger Baumarktstandorten im
Zuge der Insolvenz eines bundesweit aktiven Baumarkt-Unternehmens ergeben hat, und verdeutli-
chen nochmal die Intention dieses Bebauungsplanes zur Schaffung der Voraussetzungen für die
Ergänzung der bestehenden Angebotsstrukturen.
Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man die bewerteten Verkaufsflächen der Baumarktstandorte
der einzelnen administrativen Einheiten miteinander vergleicht. Auch hier wird die unterdurch-
schnittliche Verkaufsflächenausstattung des Oberzentrums Leipzig (1.470 m² Verkaufsfläche je
10.000 Einwohner) und die deutlich überdurchschnittliche Verkaufsflächenausstattung des Mittel-
zentrums Markkleeberg (5.796 m² Verkaufsfläche je 10.000 Einwohner) offensichtlich. Im Falle
10
BBE Handelsberatung (2019): Wettbewerbssituation und -entwicklung durch Bau- und Gartenmärkte im Stadtgebiet Leipzig vom
17. April 2019, S. 37-44

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einer Realisierung des Planvorhabens würde sich die Ausstattungskennziffer des Oberzentrums
Leipzig dem sächsischen Durchschnitt annähern (1.678 m² je 10.000 EW).
Referenzwerte Ausstattungskennziffern im Vergleich (Status quo)
Sachsen
Leipzig
Markkleeberg
Einwohner
4.071.971
601.668
24.748
bewertete Verkaufsfläche Baumärkte
718.080
88.474
14.345
VKF je 10.000 EW gewichtet
1.760
1.470
5.796
Quelle:
Einwohner Stand: 31. Dezember 2019; Statistisches Landesamt; Stadt Leipzig
Einzelhandelsdaten: 37. Baumarkt-Strukturuntersuchung der GEMABA; BBE Handelsberatung (2019): Wettbewerbssituation
und -entwicklung durch Bau- und Gartenmärkte im Stadtgebiet Leipzig vom 17. April 2019
Auch wenn die Stadt Leipzig nicht davon ausgeht, wäre selbst im Falle des seitens einer Mitbewer-
berin des Vorhabenträgers skizzierten worst case Szenarios immer noch eine überdurchschnittliche
Ausstattungskennziffer des Mittelzentrums Markkleeberg gegeben (rd. 2.600 m² je 10.000 EW).
Somit wäre in jedem Falle eine Funktionsfähigkeit des Zentralen Ortes gewährleistet.
d) Schutz der zentralörtlichen Versorgungszentren
Um eine Konformität zum Ziel Z 2.3.2.3 („Integrationsgebot“) zu gewährleisten, wurden die Grö-
ßenordnungen für zentrenrelevante Randsortimente im Bebauungsplan auf Werte unterhalb der
Regelvermutungsgrenze von 800 m² Verkaufsfläche begrenzt, also jenen Schwellenwert, ab wel-
chem städtebauliche Auswirkungen (wie bspw. schädliche Auswirkungen auf die Zentren) entspre-
chend der Rechtsprechung des BVerwG regelmäßig anzunehmen sind. Dies ist nochmals etwa ein
Drittel weniger als die von den vorliegenden Einzelhandelsgutachten als verträglich eingestufte
ursprüngliche Dimensionierung. In den Untersuchungen konnten keine schädlichen städtebaulichen
sowie absatzwirtschaftlichen Auswirkungen gegenüber den ausgewiesenen zentralen Versorgungs-
bereichen der Stadt Leipzig sowie der sonstigen Orte des Einzugsgebiets festgestellt werden.
e) Beeinträchtigung der verbrauchernahen Versorgung
Der mittels dieses Bebauungsplanes vorbereitete Bau- und Gartenfachmarktstandort ist durch eine
zentrale Lage und eine hervorragende ÖPNV-Anbindung geprägt. Der Bau- und Gartenfachmarkt
adressiert aufgrund seiner räumlichen Nähe zu den bislang unterversorgten südlichen und östlichen
Teilräumen des Leipziger Stadtgebietes vorrangig ein urbanes Milieu und wird sich voraussichtlich
durch einen Modal Split mit hohen Anteilen der Verkehrsträger des Umweltverbunds auszeichnen.
Somit ist der Standort in erster Linie ein Beitrag zur verbrauchernahen Versorgung, indem er dazu
beiträgt, entsprechend weite Wege der Konsumenten zu vermeiden. Eine Beeinträchtigung selbiger
kann auch mit Blick auf das seitens der Stellungnahme einer Mitbewerberin des Vorhabenträgers
skizzierten worst case Szenarios nicht festgestellt werden. So befindet sich bspw. der Baumarkt in
Markkleeberg Wachau jenseits der Bevölkerungsschwerpunkte des Mittelzentrums und kann auf-
grund seiner nicht integrierten Siedlungsrandlage mit eingeschränkter ÖPNV-Anbindung nur be-
dingt als verbrauchernah klassifiziert werden.
Auch unter Berücksichtigung der Begründung des LEP zu Ziel Z 2.3.2.5
normiert das Beeinträchtigungsverbot ausdrücklich den Schutz des zentralörtlichen Ver-
sorgungssystems. Durch eine falsche Standortwahl oder eine falsche Größenordnung kön-
nen großflächige Einzelhandelseinrichtungen die verbrauchernahe Versorgung der Bevölke-
rung und die Funktionsfähigkeit der Stadt- und Ortskerne nachteilig beeinflussen. Dem soll
vorgebeugt werden, indem die Auswirkungen auf den jeweiligen Versorgungsbereich be-
schränkt und darüberhinausgehende Beeinträchtigungen verboten werden. […] Die ver-
brauchernahe Versorgung der Bevölkerung im Einzugsbereich und die Funktionsfähigkeit
anderer Zentraler Orte dürfen nicht beeinträchtigt werden (siehe VGH Mannheim, Urteil
vom 17. Dezember 2009, Az.: 3 S 2110/08, Rn. 41, juris).
ergibt sich kein anderes Ergebnis.

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Bei der Ansiedlung von großflächigen Einzelhandelseinrichtungen soll laut Grundsatz G
2.3.2.6 LEP 2013 eine ausreichende Anbindung an den ÖPNV gewährleistet werden.
Der Bau- und Gartenfachmarkt liegt im fußläufigen Einzugsbereich sowohl der Straßenbahn als
auch der S-Bahn, sodass auch diesem Grundsatz Rechnung getragen wird.
Zusammen mit einer ebenfalls gegebenen sehr guten Erreichbarkeit für den Fahrradverkehr aus den
bisher unterversorgten südlichen und östlichen Teilräumen des Leipziger Stadtgebietes mit dichter
Bebauung und hoher Bevölkerungsdichte wird sich der neue Bau- und Gartenfachmarkt hauptsäch-
lich an dieses urbane Milieu richten und voraussichtlich durch einen überdurchschnittlich hohen
MIV-unabhängigen Verkehrsträgeranteil auszeichnen.
Nach dem Grundsatz G 6.4.1 LEP 2013 soll die kulturelle Vielfalt und Bedeutung Sachsens
mit „
seinem Netz der … Denkmale… erhalten und weiterentwickelt werden
“.
Dieser Grundsatz wird von diesem Bebauungsplan nicht berührt, da der Bebauungsplan keinen
direkten Einfluss auf den Erhalt von Denkmalen hat. Der im Zusammenhang mit dem anlassgeben-
den Bauvorhaben beabsichtigte Erhalt von Teilen der denkmalgeschützten, identitätsstiftenden
Messehalle trägt dem Grundsatz aber Rechnung.
6.2
Planungen der Stadt
6.2.1
Flächennutzungsplan
Parallel zur Aufstellung des Bebauungsplanes erfolgt eine
Änderung des Flächennutzungsplanes
(FNP).
Im bisher wirksamen FNP ist für das Plangebiet des Bebauungsplanes als allgemeine Art der bauli-
chen Nutzung dargestellt:
Gewerbliche Baufläche.
Diese Darstellung wird geändert in:
Sonderbaufläche mit Zweckbestimmung – Bau- und Gartenfachmarkt.
Mit dieser Änderung werden auch die bisherigen Ziele der Stadt für das Areal der Alten Messe
fortgeschrieben und konkretisiert (siehe Kap. 6.2.6).
Im Bebauungsplan wird als besondere Art der baulichen Nutzung festgesetzt:
„Sonstiges Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt“.
Damit ist der Bebauungsplan aus dem FNP entwickelt.
Im relevanten
Umfeld des räumlichen Geltungsbereichs
sind dargestellt:
nördlich: Sonderbaufläche mit der Zweckbestimmung „Fahrradfachmarkt“
östlich: ein Trassenkorridor für mögliche Straßenhauptnetzführung, Bahnanlagen
südlich: gewerbliche Baufläche,
westlich: gewerbliche Baufläche.

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6.2.2
Landschaftsplan
Gemäß § 11 BNatSchG ist für die örtlichen Ziele des Umweltschutzes im Stadtgebiet von Leipzig
ein Landschaftsplan als ökologische Grundlage für den Flächennutzungsplan aufgestellt worden
(bestätigt durch den Stadtrat am 16.10.2013). Im Landschaftsplan sind die Ziele, Erfordernisse und
Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege für die örtliche Ebene der Stadt Leipzig
konkretisiert. Näheres dazu siehe Kap. 7.1.2 dieser Begründung.
6.2.3
Integriertes Stadtentwicklungskonzept
Die Umsetzung des Stadtentwicklungskonzeptes
wird durch diesen Bebauungsplan unterstützt
.
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Leipzig 2020 (INSEK) wurde am 31.05.2018 als ressort-
übergreifendes, langfristiges Handlungskonzept vom Stadtrat beschlossen. Damit ist das Zielbild
Leipzig 2030 (Teil A) dem kommunalen Handeln in allen Bereichen zugrunde zu legen. Die fach-
übergreifenden Schwerpunktgebiete und die Ortsteilstrategie (Teil B) sind als Grundlage der stadt-
räumlichen Schwerpunktsetzung zu berücksichtigen.
Mit dem Bebauungsplan werden vorrangig folgende Handlungsschwerpunkte des strategischen
Zielbildes Leipzig 2030
verfolgt:
Vielfältige und stabile Wirtschaftsstruktur
; der Handlungsschwerpunkt hat als Ziel, die Rah-
menbedingungen für eine stabile und breite Wirtschaftsstruktur weiterzuentwickeln, ein-
schließlich eines Ausbaus der quartiersnahen Angebote.
Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur;
der Handlungsschwerpunkt hat als Ziel,
die Qualität des Leipziger Stadtbildes zu bewahren und weiterzuentwickeln und die Nutzbar-
keit der öffentlichen Räume zu erhöhen.
Nachhaltige Mobilität
; der Handlungsschwerpunkt hat das Ziel, dass Leipzig eine Stadt der
kurzen Wege bleibt und u.a. durch Siedlungsentwicklung und Funktionsmischung unnötige
Verkehre vermieden werden.
Mit Blick auf die Sicherung und Qualifizierung der Freiraumfunktionen im Plangebiet ist zudem
der Handlungsschwerpunkt „Balance zwischen Verdichtung und Freiraum“ relevant (INSEK,
S. A-13).
Das Vorhaben liegt im
Entwicklungsgebiet
Bayerischer Bahnhof/Alte Messe, das eine besondere
Rolle im Wachstumsprozess der Stadt übernehmen kann. Für den Bereich der Alten Messe soll,
ausgehend vom BioCityCampus am Deutschen Platz, die Ansiedlung und Erweiterung von for-
schungsaffinen Biotechnologie-Unternehmen forciert werden. Der Nutzungsmix soll um öffentliche
Einrichtungen sowie Fachmarktzentren mit nicht-zentrenrelevanten Sortimenten ergänzt werden.
Bei der Entwicklung ist ein besonderes Augenmerk auf die Gestaltung und Nutzbarkeit der öffentli-
chen Räume und die Vernetzung in die umliegenden Quartiere zu richten (INSEK, S. B-4, B-11).
Die aufgeführten strategischen und gebietsspezifischen Ziele des INSEK werden durch den Bebau-
ungsplan insofern unterstützt, dass insbesondere Flächen für einen innerstädtisch gelegenen Fach-
markt planungsrechtlich gesichert werden, der Erhalt wertvoller denkmalgeschützter Substanz
verfolgt und eine weitgehend brachliegende Fläche reaktiviert wird.
6.2.4
Stadtentwicklungsplan Zentren
Der Stadtentwicklungsplan
wird durch diesen Bebauungsplan umgesetzt
.
Der Stadtentwicklungsplan (STEP) Zentren 2016 (beschlossen am 20.09.2017; VI-DS-04512)
gliedert das Leipziger Stadtgebiet in unterschiedliche Versorgungsbereiche. Die City fungiert als A-
Zentrum mit überregionaler Ausstrahlung. Neun Stadtteilzentren, darunter das Paunsdorf-Center im
Osten, das Allee-Center im Westen der Stadt und sieben C-Zentren erfüllen eine Versorgungsfunkti-

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Seite 25
11.03.2021
on für größere Stadträume. Ergänzt werden diese durch 29 Nahversorgungszentren (D-Zentren) und
drei perspektivische D-Zentren.
Die Alte Messe ist im Fachmarktkonzept des STEP Zentren als Sonderstandort für nicht zentrenre-
levante großflächige Einzelhandelsbetriebe definiert - insofern steht das Vorhaben im Einklang mit
den Steuerungsgrundsätzen des STEP Zentren 2016. Neben den zentralen Versorgungsbereichen
sollen insbesondere diese Sonderstandorte Vorrangstandorte für die räumliche Bündelung großfor-
matiger Handelseinrichtungen mit nicht-zentrenrelevantem Hauptsortiment darstellen. Besondere
Merkmale der Alten Messe sind in diesem Zusammenhang die zentrale Lage und die überdurch-
schnittlich gute ÖPNV-Anbindung. Ferner besteht durch das hier verortete Möbelhaus, ein Ein-
kaufszentrum sowie einen Fahrradfachmarkt eine entsprechende handelsseitige Vorprägung, welche
durch die inzwischen erfolgte Ansiedlung eines weiteren Fahrradfachmarktes in der ehemaligen
Messhalle 15 noch substanziell weiter untersetzt wurde.
Die Angebotssituation im großflächigen Einzelhandel in Leipzig stellt sich wie folgt dar: Im Jahre
2016 existierten im Stadtgebiet 11 Bau- bzw. Gartenfachmärkte mit einer durchschnittlichen Größe
von 7.000 m² Verkaufsfläche. Die Bau- und Gartenfachmärkte sind überwiegend in den Versor-
gungsräumen West und Nord angesiedelt. Der STEP Zentren identifiziert demnach ein Versor-
gungsdefizit im Versorgungsraum Mitte-Süd, welches durch das Vorhaben behoben wird.
6.2.5
Stadtentwicklungsplan Gewerbliche Bauflächen
Der Stadtentwicklungsplan ist
für diesen Bebauungsplan nicht relevant
.
Der Stadtentwicklungsplan Gewerbliche Bauflächen ist die planerische Zielkonzeption der Stadt
Leipzig für die Entwicklung der Gewerblichen Bauflächen im Stadtgebiet. Er wurde 1999 vom
Stadtrat beschlossen und 2005 fortgeschrieben (Beschlussnummer: RB IV 330/05). Vorrangiges
Ziel des STEP ist es, mit einem quantitativ ausreichenden und differenzierten Angebot an Gewerbe-
flächen den Wirtschaftsstandort Leipzig zu stärken. Derzeit wird der STEP Gewerbliche Bauflächen
als STEP Wirtschaftsflächen fortgeschrieben. Der STEP Gewerbliche Bauflächen beinhaltet keine
Aussagen zu dem im räumlichen Geltungsbereich dargestellten Gebiet.
6.2.6
Strategiepapier Alte Messe / Eigentümerziele
Die Umsetzung der beschlossenen Ziele
wird durch diesen Bebauungsplan unterstützt.
Mit der Vorlage „
Strategiepapier Alte Messe 2013 – Eigentümerziele der Stadt Leipzig
“ wurde
durch die Ratsversammlung am 19. April 2014 (Beschluss-Nr. RBV-2006/14) neben dem Strategie-
papier 2013 auch das fortgeschriebene städtebauliche Rahmenkonzept als Eigentümerziele für die
Weiterentwicklung des alten Messegeländes beschlossen (Beschlusspunkt 4 der Vorlage).
Das Strategiepapier nennt als 1. Hauptthese die „
Beförderung des Life Science Clusters (Bio City,
Max-Planck-Institut, Fraunhofer Institut etc.)“
mit folgenden Details [nachfolgende Gliederungs-
punkte ergänzt]:
Auf den noch zu vermarktenden Flächen der Alten Messe, welche sich in unmittelbarer Nachbar-
schaft zum bereits bestehenden Forschungs- und Entwicklungsstandort der Life Sciences am
Deutschen Platz befinden, soll diese Entwicklung fortgesetzt und ausreichend Flächen vorgehal-
ten werden.
Im restlichen Kernbereich der Alten Messe ist darauf zu achten, dass möglichst Nutzungen ange-
siedelt werden, die den Forschungs- und Entwicklungsstandort unterstützen.
Ergänzend dazu ist im weiteren Strategiepapier u.a. ausgesagt:
Im Kernbereich werden neben dem Life Sciences Cluster möglichst Nutzungen angesiedelt, die
unterstützend wirken (z.B. Hotel, Kindereinrichtungen, Freizeitnutzungen, spezieller Einzelhan-
del, andere Hochtechnologie).

image
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Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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11.03.2021
Abb. 3:
Planausschnitt "STÄDTEBAULICHES RAHMENKONZEPT ALTES MESSEGELÄNDE
Aktualisierung Rahmenplan
"
(Eintragung der Grenze des B-Plan-Gebietes ergänzt)
Der Kernbereich ist in dem Plan „
STÄDTEBAULICHES RAHMENKONZEPT ALTES MESSEGELÄNDE Aktua-
lisierung Rahmenplan
“ (siehe Abb. 3), der der Vorlage als Anlage beigefügt war, schematisch (als
blau gestricheltes Rechteck) dargestellt. Ebenfalls schematisch (als gelb gestricheltes Oval) darge-
stellt ist ein Bereich, für den in der Legende angegeben ist „
Vorrang für Biocity / Forschung / Uni-
versität
“.
Das Plangebiet dieses Bebauungsplanes deckt sich in seinem nördlichen Teil mit einer untergeord-
neten Randfläche des Ovals „
Vorrang für Biocity / Forschung / Universität
“; dessen Grenze schnei-
det die ehemalige Messehalle 17 bzw. das geplanten Baumarktgebäude in West-Ost-Richtung dia-
gonal. Der weit überwiegende Flächenanteil des Plangebietes befindet sich außerhalb des Ovals.
Gleichzeitig decken sich die zu/von der Puschstraße geplanten Zufahrten sowie deren nordöstlich
des Baumarktgebäudes geplante Verbindung mit einer untergeordneten Randfläche des Kernbe-
reichs; alle anderen Flächen des Plangebietes befindet sich außerhalb davon.
In der 2. Hauptthese ist zur „
Sicherstellung Finanzierung und Nutzungsöffnung
“ ausgesagt:
Der Randbereich, d.h. die Restflächen der Alten Messe außerhalb des Kernbereichs können eine
Nutzungsöffnung erfahren, um aus deren Vermarktung die gesamte notwendige infrastrukturelle
Erschließung bis 2020 abschließen zu können.

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Dazu ist ergänzend im weiteren Strategiepapier u.a. ausgesagt:
1. Zur Sicherung der Finanzierung sollen die Restflächen der Alten Messe (Randbereich) eine
Nutzungsöffnung erfahren, um damit eine wirtschaftliche Grundlage für die Entwicklung zu
legen.
2. Dazu gehört auch, dass weiterer Handel unter Beachtung von stadtentwicklungsplanerischer
Verträglichkeit und in räumlicher Abgrenzung zu den Nutzungen im Kernbereich möglich ist.
3. Aus diesen Verkäufen sollen die Herstellung der notwendigen Infrastruktur finanziert und der
bürgschaftsgesicherte Kredit der LEVG bis 31.12.2016 komplett getilgt werden.
4. Ziel ist es, diese Flächen bis spätestens 2020 zu vermarkten und die wesentliche Infrastruktur
der Alten Messe bis dahin hergestellt zu haben.
5. Die Finanzierung der Erschließung und Entwicklung erfolgt ohne Belastung des städtischen
Haushalts mit der Maßgabe, dass das Eigenkapital der LEVG nicht dauerhaft unter den Stand
vom 31.12.2011(Eröffnungsbilanz der Stadt) sinkt.
Im Zusammenhang damit ist auch von Bedeutung, dass mit dem Beschlusspunkt 2. der Vorlage
beschlossen wurde „
Die Entwicklung der Alten Messe erfolgt ohne städtische Zuschüsse aus den
Erlösen der Vermarktung“
.
Das Plangebiet dieses Bebauungsplanes befindet sich, wie oben im Zusammenhang mit der 1.
Hauptthese dargelegt, zum weit überwiegenden Teil innerhalb des vorstehend benannten Randbe-
reiches bzw. der „Restflächen“ des Alten Messegeländes. Die Ansiedlung des Bau- und Garten-
fachmarktes im Plangebiet entspricht den oben genannten Punkten 1. und 2. und trägt zur Umset-
zung der Punkte 3. bis 5. sowie des Beschlusspunktes 2. bei. Dementsprechend dient dem auch die
Aufstellung dieses Bebauungsplanes.
In einer 3. Hauptthese wird der
Umgang mit den Denkmälern
konkretisiert. Dabei wird herausge-
stellt, dass über den Umgang mit den Denkmälern im Detail nur einzelfallbezogen und bei Vorlie-
gen eines konkreten Projektes entschieden werden kann.
Zum Umgang mit einzelnen Denkmälern erfolgen im weiteren Strategiepapier noch dezidiert zu-
sätzlich Forderungen. Zum einen ist die Halle 16 (Kreis’scher Kuppelbau) unbedingt zu erhalten.
Zum anderen sollen alle Denkmäler, auch die Halle 17, diese ist hier Gegenstand der Planung,
verstärkt am Markt angeboten werden. Auch dazu trägt die Aufstellung dieses Bebauungsplanes bei.
Mit der Vorlage „
Fortschreibung der Eigentümerziele
der Stadt Leipzig für die Leipziger Ent-
wicklungs- und Vermarktungsgesellschaft mbH & Co. Grundstücks-KG (LEVG)“, durch die Rats-
versammlung
beschlossen am 31.05.2018
(VI-DS-05407), wurden die 2014 beschlossenen Eigen-
tümerziele fortgeschrieben. U.a. wurde beschlossen „Die zur Beförderung des Life Sciences Clus-
ters bereit zu stellenden Flächen werden um 10.000 qm erhöht. Insgesamt sind ab 2018 noch 88.000
m² für Life Sciences zu reservieren.“ (Beschlusspunkt 2).
Hintergrund war ein am 17.11.2016 von der Ratsversammlung beschlossener Antrag (Vorlage VI-A-
03168-NF-02), die Eigentümerziele der LEVG zu überarbeiten. In dem Antrag war im Beschluss-
vorschlag ausdrücklich angegeben „Der Antrag bedeutet dabei keine Abkehr von den bisher durch
die Gremien beschlossenen Verkäufen, insbesondere des Baumarktes und des Fahrradmarktes.“
Folglich fußte der Beschluss des Antrages ausdrücklich auf der zuvor getroffenen Entscheidung der
Stadt, die fragliche Fläche für die Ansiedlung eines Baumarktes zu nutzen.
Dies gilt somit dementsprechend auch für die Fortschreibung der Eigentümerziele, mit der der
beschlossene Antrag umgesetzt wurde. In deren Begründung ist der oben zitierte Satz ebenfalls
ausdrücklich genannt. Zudem ist der Baumarkt in einer der Vorlage als Anlage beigefügten Flä-
chenübersicht sowohl namentlich (Betreiber des Baumarktes) in einer Tabelle als auch flächenmä-
ßig in einer kartenmäßigen Darstellung angegeben.

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Die Nutzung dieser Teilfläche des Alten Messegeländes für den Baumarkt stellt damit die aktuelle,
von der Ratsversammlung beschlossene Zielsetzung zur strategischen und städtebaulichen Entwick-
lung des Areals der Alte Messe dar.
Die Aufstellung dieses B-Planes dient der bauplanungsrechtlichen Umsetzung dieser beschlossenen
Zielsetzung.
Damit wird auch den Anforderungen des § 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB entsprochen.
6.3
Zulässigkeit von Bauvorhaben
Für das Plangebiet existiert zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein rechtskräftiger Bebauungsplan.
Das Gebiet befindet sich somit im unbeplanten Innenbereich, sodass sich die Zulässigkeit von
Bauvorhaben nach § 34 BauGB richtet. Die Umgebung des Vorhabens auf dem ehemaligen Stand-
ort der Alten Messe ist von großflächigem Handel, gewerblicher Nutzung, Einrichtungen aus For-
schung und Wissenschaft sowie Büros und Freizeitnutzungen geprägt. Damit entspricht die Gebiets-
prägung einem Gewerbegebiet nach § 8 BauNVO, in dem Gewerbebetriebe aller Art allgemein
zulässig wären.
Der Art nach wäre das hier zugrundeliegende Einzelhandelsvorhaben „Bau- und Gartenfachmarkt“
zwar grundsätzlich zulässig. Durch die Großflächigkeit des Vorhabens mit einer ca. 15.000 m
2
umfassenden Verkaufsfläche bedarf es allerdings gemäß § 11 Abs. 3 BauNVO eines dafür festge-
setzten Sondergebietes. Zur Schaffung der bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen für die Ge-
nehmigung des Vorhabens ist deshalb die Aufstellung dieses Bebauungsplanes erforderlich. Siehe
auch Kap. 2 dieser Begründung. Im näheren Umfeld des Vorhabens liegen die räumlichen Gel-
tungsbereiche folgender Bebauungspläne:
Nr. 34.1 „Hauptstraßensystem Alte Messe und Umfeld“ (in Kraft)
Nr. 54 „AUDI-Zentrum an Richard-Lehmann-Str.“ (in Kraft)
Nr. 223 „Umbau Messehalle 11 in ein SB-Warenhaus“ (in Kraft)
Nr. 361.1 „Funkmast Richard-Lehmann-Straße/Zwickauer Straße“ (in Kraft)
Nr. 361.2 „Messegrund West“ (in Kraft)
Nr. 379 „Einrichtungshaus auf der Alten Messe“ (in Kraft)
Nr. 421 „Fahrradfachmarkt auf der Alten Messe“ (in Kraft)
7.
Umweltbericht
7.0
Zusammenfassung
Wichtigstes Ziel der Aufstellung dieses Planes ist die Schaffung der bauplanungsrechtlichen Vo-
raussetzungen für die Ansiedlung eines Bau- und Gartenfachmarktes mit zugehörigen Nebenanla-
gen, Zufahrten und Stellplätzen auf dem Gelände der Alten Messe unter Einbeziehung von Gebäu-
debestand.
Als fachliche Grundlagen und Ziele liegen dem Plan vor allem zugrunde: Erkenntnisse zu Schutz-
gebieten und Schutzobjekten nach BNatSchG; der aktuelle Landschaftsplan der Stadt Leipzig [1]
sowie der Flächennutzungsplan [8]; das Bodenschutzkonzept der Stadt Leipzig [2]; der grünordne-
rische Fachbeitrag zum geplanten Vorhaben mit Bilanzierung der Flächen in Bezug auf Versiege-
lung, Erfassung des Baumbestandes mit Bewertung nach der Baumschutzsatzung der Stadt Leipzig
und Status als Geschütztes Biotop nach § 21 SächsNatSchG [3]; eine Schallimmissionsprognose
[4]; ein Verkehrsgutachten [5] und ein Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag [6]. Weiterhin wurden der
Auszug aus dem Kataster der geschützten Biotope der Stadt Leipzig [7], ein Baumgutachten [9], das

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Grundwassergeschütztheitsmodell und der Hydrogeologische Atlas [10, 11] sowie verschiedene
Umweltstandards der Stadt Leipzig [12, 13, 14, 15] für die Umweltprüfung herangezogen.
Ergänzend flossen Materialien der Bundesregierung und der Europäischen Union zur Nachhaltig-
keit im Städtebau [18, 19] und der Stadt Leipzig zur Stadtentwicklung [20, 21] ein.
Näheres dazu siehe in Kap. 7.1.2.5.
Das Plangebiet unterteilt sich in das Baufenster des Bau- und Gartenfachmarkts, Straßen und Wege-
flächen, Flächen für Stellplätze und Zufahrten sowie Freiflächen. Südlich schließt sich der Bereich
des neu zu errichtenden Knotenpunkts an die öffentliche Verkehrsfläche an.
Die Flächen des Baugrundstücks werden für die Nutzungsart „Sonstiges Sondergebiet, Zweckbe-
stimmung Bau- und Gartenfachmarkt“ (großflächiger Einzelhandel) festgesetzt. Die Gesamtanlage
besteht aus Baumarkt und Gartenfachmarkt inklusive Freilandbereich und Baustoff-Drive-in. In den
mit Baugrenzen bzw. Baulinien definierten überbaubaren Flächen werden die Baukörper errichtet.
Zusätzlich sind Flächen für Nebenanlagen (Imbiss, Flächen für ruhenden Verkehr) außerhalb der
überbaubaren Grundstücksfläche vorgesehen.
Die Warenanlieferung erfolgt von der Nordseite der Gebäude. Anlieferfahrten zum Drive-in-Bereich
erfolgen von der Nordseite, die Ausfahrt dann zur Südseite über den Kundenparkplatz. Kundenver-
kehr erfolgt von der Südseite über eine neu zu erstellende Auffahrtrampe vom neuen Knotenpunkt
an der Richard-Lehmann-Straße zu den Stellplätzen. Fußgänger und Radfahrer nutzen den Geh- und
Radweg von der Richard-Lehmann-Straße über die Rampe zur Eingangszone und gelangen von dort
weiter zur Puschstraße in Richtung Norden. Für Fuß- und Radverkehr ist es auch möglich, von der
Puschstraße kommend in das Plangebiet einzubiegen.
Das Stellplatzangebot umfasst auch Parkmöglichkeiten für Frauen (Frauenparkplätze), für Mobili-
tätseingeschränkte, für PKW mit Anhänger sowie Elektro-Ladestationen. Die Stellplätze an der
südlichen und westlichen Kante werden als Schotterrasen angelegt, um die Versiegelung zu reduzie-
ren und Flächen für den Artenschutz zu schaffen. Südöstlich des Drive-in wird eine Gehölzfläche
erhalten und ergänzt.
Erhebliche Umweltauswirkungen
, die in der Abwägung zu berücksichtigen sind, können für die
Schutzgüter Pflanzen (7.2.6, nach § 21 SächsNatSchG besonders geschützte höhlenreiche Einzel-
bäume) und Tiere (7.2.7, Maßnahmen zur Vermeidung von Tötungs- und Störungsverboten nach
§ 44 BNatSchG) nicht hinreichend ausgeschlossen werden.
Auf welche Teilaspekte von Umweltbelangen erhebliche Umweltauswirkungen zu erwarten oder
nicht auszuschließen sind und ob Maßnahmen zur
Überwachung
erheblicher Umweltauswirkungen
festgelegt werden, ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen. Die Maßnahmen zur Überwachung
erheblicher Umweltauswirkungen werden in 7.3 festgelegt.
Umweltbelange
Erhebliche
Auswirkungen
auf den Belang sind
zu erwarten oder
nicht auszuschließen
Überwachungs-
maßnahmen
sind festgelegt
Fläche
Nein
Nein
Boden
Nein
Nein
Wasser
Nein
Nein
Luft – Klima
Nein
Nein
Luft – Lufthygiene
Nein
Nein
Pflanzen
Ja
Ja

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Umweltbelange
Erhebliche
Auswirkungen
auf den Belang sind
zu erwarten oder
nicht auszuschließen
Überwachungs-
maßnahmen
sind festgelegt
Tiere
Ja
Ja
Biologische Vielfalt
Nein
Nein
Landschaft
Nein
Nein
Menschen – Erholungspotential
Nein
Nein
Menschen – Verkehrslärm
Ja
Nein
Menschen – Gewerbelärm
Ja
Nein
Menschen – Freizeitlärm
Nein
Nein
Menschen – Luftqualität
Nein
Nein
Kulturgüter und sonstige Sachgüter
Nein
Nein
Wechselwirkungen zwischen den vorgenannten Belangen
Nein
Nein
Auswirkungen auf die vorgenannten Belange aufgrund
Anfälligkeit der zulässigen Vorhaben für schwere Unfälle
oder Katastrophen
Nein
Nein
Auswirkungen während der Bau- und Betriebsphase der
geplanten Vorhaben auf die Belange nach § 1 Absatz 6
Nummer 7 Buchstabe a bis i BauGB
Nein
Nein
Näheres siehe Kap. 7.1 sowie Kap. 7.2. Die
Liste der Quellen
ist Kap. 7.4 zu entnehmen.
7.1
Einleitung
Für die Belange des Umweltschutzes wird im Bauleitplan-Verfahren eine Umweltprüfung durchge-
führt, in der
die voraussichtlichen erheblichen Umweltauswirkungen ermittelt und
die erheblichen Umweltauswirkungen, die ermittelt wurden, in einem Umweltbericht be-
schrieben und bewertet
werden (§ 2 Abs. 4 und § 2a Nr. 2 BauGB sowie Anlage 1 zum BauGB).
Dazu wird wie folgt vorgegangen:
a) Einschätzung, aufgrund einer überschlägigen Prüfung, auf welche Umweltbelange der Bau-
leitplan voraussichtlich erhebliche Auswirkungen haben kann, die in der Abwägung zu be-
rücksichtigen wären.
b) Festlegung, in welchem Umfang und Detaillierungsgrad die Ermittlung der Umweltbelange
für diesen Bauleitplan für die Abwägung erforderlich ist, auf der Grundlage der Einschät-
zung (siehe dazu Kap. 7.1.2).
c) Ermittlung der Umweltbelange in dem festgelegten Umfang und Detaillierungsgrad.
d) Beschreibung und Bewertung der ermittelten erheblichen Umweltauswirkungen im Um-
weltbericht (siehe Kap. 7.2).
e) Anpassung der Festlegung des Umfanges und Detaillierungsgrades der Ermittlungen und
des Umweltberichtes, soweit aufgrund neu gewonnener Erkenntnisse (z.B. im Ergebnis der
Beteiligungen zum Entwurf) erforderlich.

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7.1.1
Ziele und Inhalte des Planes (Kurzdarstellung)
Vor allem folgende wichtigste
Ziele des Planes
(siehe dazu auch Kap. 3) sind von Bedeutung:
Wichtigstes Planziel ist die Schaffung der planungsrechtlichen Grundlage für den Neubau eines
Bau- und Gartenfachmarktes auf dem Gelände der Alten Messe unter Einbeziehung von denkmal-
geschützten Gebäudeteilen. Dafür wird ein vorhabenbezogener Bebauungsplan nach §12 BauGB
aufgestellt.
In die Grün- und Freiflächenkonzeption werden Teile des vorhandenen Gehölzbestandes einbezo-
gen und die Belange von Umwelt- und Naturschutz in angemessener Weise berücksichtigt. Eine
Ausweitung von Siedlungsflächen und damit verbunden Flächenverbrauch bzw. eine Neuinan-
spruchnahme zusätzlicher (Außenbereichs-)Flächen für die Ansiedlung oder auch Kompensation ist
ausdrücklich nicht Ziel der Planung.
Inhalte des Planes
sind vor allem Festsetzungen:
zur Art der baulichen Nutzung (gemäß BauNVO), festgesetzt als Sonstiges Sondergebiet mit
Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt,
zum Maß der Nutzung, festgesetzt mit einer GRZ von 0,8 (daraus ergibt sich eine zulässige
Grundfläche von ca. 44.330 m²), Höhe baulicher Anlagen mit 18,5 m über der Bezugshöhe
von 129,4 m ü. NHN für das nordwestliche Baufenster, 10,5 m für das mittlere und 14,0 m für
das südöstliche Baufenster,
zu überbaubaren Grundstücksflächen, im Bereich der Baufelder der ehemaligen Messehallen,
zu Verkehrsflächen mit ca. 7.000 m
2
Gesamtgröße, Stellplatzanlagen für 396 PKW (ein-
schließlich Sondernutzungen wie Elektromobilität, Handicaps etc.) und 100 Fahrräder,
zum Immissionsschutz: Maßnahmen organisatorischer Art bzw. die Einhaltung guter fachli-
cher Praxis,
zur Grünordnung, insbesondere zur Bepflanzung der Stellplätze und der Art der Begrünung
von Offenlandbereichen im Süden des Plangebiets,
zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft, insbesondere
zum Artenschutz und zum Schutz besonderer Biotope (höhlenreiche Einzelbäume),
zu örtlichen Bauvorschriften nach SächsBO.
Der Plan wird für ein UVP-pflichtiges Vorhaben nach dem UVPG aufgestellt. Bei dem geplanten
Vorhaben „Bau- und Gartenfachmarkt“, für das dieser Plan aufgestellt wird, handelt es sich um ein
Vorhaben „Bau eines großflächigen Einzelhandelsbetriebes“ nach Nr. 18.6 der Anlage 1 UVPG.
Würde nach Nr. 18.8 Anl. 1 UVPG eine „Allgemeine Vorprüfung des Einzelfalles“ nach den Krite-
rien der Anl. 3 UVPG durchgeführt, dann würde diese mit Sicherheit zu dem Ergebnis führen, dass
erhebliche Umweltauswirkungen zu erwarten sind (siehe auch Kap. 7.3.6.1, 7.3.7.1 und 7.3.11.1)
und folglich eine UVP-Pflicht für das Vorhaben besteht.
Die UVP wird (gemäß § 50 Abs. 1 UVPG) im Aufstellungsverfahren für diesen Bebauungsplan als
Umweltprüfung nach den Vorschriften des BauGB durchgeführt; die Vorprüfung entfällt.
Ob der Parkplatz als eigenständiges Vorhaben „Bau eines Parkplatzes“ nach Anlage 1 Nr. 18.4
UVPG oder als Teil des Vorhabens „Einzelhandelsbetrieb“ zu sehen ist, kann dahingestellt bleiben,
da sich im Ergebnis für die Durchführung der Umweltprüfung nichts ändert. Über die oben genann-
ten Vorhaben hinaus wird der Plan nicht für UVP-pflichtige Vorhaben aufgestellt.

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7.1.2
Fachliche Grundlagen und Ziele des Umweltschutzes
Nachfolgend werden dargelegt:
die in einschlägigen Fachgesetzen und Fachplänen festgelegten Ziele des Umweltschutzes, die
für den Bauleitplan von Bedeutung sind,
die sonstigen für diesen Bauleitplan bedeutsamen fachlichen Grundlagen sowie
die Art, wie diese Ziele bei der Aufstellung des Bauleitplans berücksichtigt wurden (zur Be-
rücksichtigung der Umweltbelange siehe Kap. 7.2).
Zu darüber hinausgehenden Untersuchungen bzw. Gutachten (z.B. Lärm-, Verkehrsgutachten usw.)
siehe Kap. 7.1.2.5.
7.1.2.1 Schutzgebiete und Schutzobjekte gemäß BNatSchG
Das beplante Gebiet ist kein Bestandteil eines Vogelschutzgebiets (SPA) nach
Vogelschutzrichtli-
nie
. Das nächstgelegene Gebiet dieser Art ist von den Bauvorhaben mindestens 2 km (SPA Leipzi-
ger Auwald) entfernt und hat keinen räumlichen Zusammenhang zum Bebauungsplangebiet.
Das Plangebiet ist kein Bestandteil eines Gebiets nach der
Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie
(FFH).
Die nächstgelegenen Gebiete dieser Art sind von den Bauvorhaben mindestens 2,3 km (FFH-Gebiet
Leipziger Auensystem) bzw. 3,7 km (Teilfläche Mölkau des FFH-Gebiets Bläulingswiesen südöst-
lich von Leipzig) entfernt und haben keinen räumlichen Zusammenhang zum Bebauungsplangebiet.
Das Bearbeitungsgebiet ist kein Bestandteil eines
Naturschutzgebiets
(NSG). Auch in der Umge-
bung liegt kein solches Gebiet.
Das Plangebiet ist kein Bestandteil eines
Landschaftsschutzgebiets
(LSG). Die nächstgelegenen
Gebiete dieser Art sind von dem Bauvorhaben 2 km (LSG Leipziger Auwald), 1,2 km (LSG Löß-
nig-Dölitz) bzw. 1,3 km (Teilflächen des Landschaftsschutzgebietes Etzoldsche Sandgrube und
Rietzschketal Zweinaundorf) und 1,6 km (LSG Östliche Rietzschke – Stünz) entfernt und haben
keinen räumlich-funktionellen Zusammenhang zum Plangebiet.
Innerhalb des Plangebiets und in dessen Umgebung sind weder
Natur- oder Flächennaturdenk-
male
(ND/FND) im Sinne des § 28 BNatSchG in Verbindung mit § 18 SächsNatSchG, noch Ge-
schützte Landschaftsbestandteile (GLB) im Sinne des § 29 BNatSchG in Verbindung mit
§ 19 SächsNatSchG vorhanden.
Folgende
gesetzlich geschützten Biotope
(Pauschalschutz nach § 30 BNatSchG i.V.m.
§ 21 SächsNatSchG) liegen im Plangebiet: Höhlenreiche Einzelbäume in der Gemarkung Thonberg,
Flurstück 159/104 (Nummern 02015.E, 02017.E, 02018.E, 02019.E, 02021.E, 02022.E, 02023.E,
02024.E, 02025.E, 02026.E, 02027.E, 02028.E, 02029.E. im Kataster der geschützten Biotope der
Stadt Leipzig) [7]. Weitere pauschal geschützte Biotope nach den genannten Gesetzen sind im
Plangebiet nicht vorhanden.
7.1.2.2 Landschaftsplan
Im Landschaftsplan [1] sind die Ziele, Erfordernisse und Maßnahmen des Naturschutzes und der
Landschaftspflege für die örtliche Ebene der Stadt Leipzig konkretisiert. Er bildet die ökologische
Grundlage für den Flächennutzungsplan. [8]
Die für diesen Bauleitplan wesentlichen Inhalte des Landschaftsplanes sind:
Das Plangebiet ist Bestandteil des integrierten Leitbildes LB 11 (Gebiete und Komplexe mit Prä-
gung durch bauliche Einrichtungen des Gemeinbedarfes) im Integrierten Entwicklungskonzept.
Nördlich, südlich und westlich des Plangebiets setzt sich LB 11 fort. Flächen jenseits der Bahnstre-
cke im Osten bzw. der Philipp-Rosenthal-Straße im Norden der Alten Messe sind LB 5 (Parkanla-
gen etc.) zugeordnet.

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Ziele und Maßnahmen für das integrierte Leitbild im Plangebiet sind Erhaltung und Entwicklung
mit den Baukörpern korrespondierender Freiräume als integrierte Bestandteile des städtischen
Grünsystems mit spezifischen Gestaltungsmerkmalen, Nutzungsvielfalt und öffentlichen Durchwe-
gungen mit Anschluss an das Geh- und Radwegenetz.
Das Integrierte Entwicklungskonzept des Landschaftsplanes stellt für das Plangebiet folgende Inhal-
te zeichnerisch dar:
die Baugebiete folgen der nachrichtlichen Darstellung aus dem FNP (Plangebiet: Industrie-
und Gewerbeflächen, großflächiger Einzelhandel),
Entwicklung/Anreicherung von Lebensräumen in bebauten Gebieten (gesamter Komplex Alte
Messe),
Erhaltung von Frischluft- und Kaltluftentstehungsgebieten (entlang Bahndamm),
Flächenentsiegelung.
7.1.2.3 Grünordnung
Für diesen Bebauungsplan wurde ein grünordnerischen Fachbeitrag [3] (i. S. eines Grünordnungs-
planes nach § 11 BNatSchG i.V.m. § 7 SächsNatSchG) erarbeitet, dessen Inhalte gleichzeitig ökolo-
gische Grundlage des Bebauungsplanes sind. Die darin vorgeschlagenen Festsetzungen werden in
den Bebauungsplan übernommen.
Wesentliche Inhalte sind:
Gestaltung der Parkstellflächen und Randbereiche mit Laubbäumen,
Gestaltung der Zuwegungen, Zufahrten und Bewegungsflächen,
Ausweisung von ökologisch wirksamen Flächen für den Arten- und Biotopschutz (Vermei-
dungs- und Verminderungsmaßnahmen für Verbotstatbestände nach § 44 BNatSchG).
7.1.2.4 Eingriffsregelung
Die Vermeidung und der Ausgleich voraussichtlich erheblicher Beeinträchtigungen des Land-
schaftsbildes sowie der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts in seinen in
§ 1 Abs. 6 Nummer 7 Buchstabe a BauGB bezeichneten Bestandteilen (Eingriffsregelung nach dem
Bundesnaturschutzgesetz) sind gemäß § 1a Abs. 3 BauGB in der Abwägung nach § 1 Abs. 7 BauGB
zu berücksichtigen. Der Ausgleich erfolgt durch geeignete Festsetzungen nach § 9 BauGB als Flä-
chen oder Maßnahmen zum Ausgleich. Ein Ausgleich ist nicht erforderlich, soweit die Eingriffe
bereits vor der planerischen Entscheidung erfolgt sind oder zulässig waren. Dies wurde bei der
Aufstellung dieses Bebauungsplanes wie folgt berücksichtigt:
Für diesen Bebauungsplan wurde die Eingriffsregelung berücksichtigt. Sie wird verbal-argumenta-
tiv in den Kapiteln zu den einzelnen Schutzgütern abgehandelt. Zur Verdeutlichung der Versiege-
lungsanteile in Bestand und Planung erfolgte eine rechnerische Bilanzierung der Flächen, die detail-
liert im genannten grünordnerischen Fachbeitrag enthalten ist. Diese Ergebnisse fließen in die Aus-
führungen zu den Schutzgütern Boden (7.2.2) und Wasser (7.2.3) ein.
Eingriffe in den Baumbestand werden nach der Baumschutzsatzung reguliert. Die Ergebnisse der
Baumbestandserfassung sind ebenfalls im grünordnerischen Fachbeitrag dargestellt. Notwendiger
Ersatz soll im Plangebiet selbst erfolgen, siehe dazu Kap. 12 (Textliche Festsetzungen).
Ein Ausgleich ist im vorliegenden Bebauungsplan nicht erforderlich, denn:
bereits vor der planerischen Entscheidung wäre eine am Gebietscharakter orientierte Neube-
bauung – nach § 34 BauGB – zulässig,

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im Bestand sind die überwiegenden Flächenanteile (80 %) versiegelt, in der Planung wird
eine GRZ von 0,8 festgesetzt, die Flächenversiegelung wird also nicht erhöht (siehe hierzu
7.2.2),
Maß der baulichen Nutzung sowie Bauweise und überbaubare Grundstücksfläche orientieren
sich am Bestand bzw. der Bebauung der näheren Umgebung (siehe Kap. 12.1 bis 12.3).
7.1.2.5 Sonstige fachliche Grundlagen und Ziele des Umweltschutzes
a) Bodenschutz
: Die Ziele des Bodenschutzkonzeptes der Stadt Leipzig 2016 [2] sind die Erhal-
tung natürlicher Böden (insbesondere seltener Böden) und die Lenkung der Flächeninanspruchnah-
me auf weniger wertvolle Böden und bereits versiegelte Areale. Mit der baulichen Entwicklung der
Flächen des ehemaligen Messegeländes wird dem Ziel des Bodenschutzkonzeptes gefolgt, die
Flächeninanspruchnahme auf weniger wertvolle Böden zu lenken.
b) Verkehrsgutachten
: Es liegt ein Verkehrsgutachten zur Ansiedlung eines Baumarktes vor [5]. In
diesem Gutachten werden die Rahmenbedingungen zur verkehrlichen Erschließung (Straßen,
ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr) mit Aufzeigen des Ausbaubedarfs der angrenzenden Straßen
und Knotenpunkte für den Bau- und Gartenfachmarkt unter Berücksichtigung anderer geplanter
Entwicklungen im Gebiet behandelt. Zum Verkehrsgutachten wurden im Oktober 2018 Anlagen
ergänzt (Lageplan Knotenpunkt-Ausbau).
c)
Der
Luftreinhalteplan
der Stadt Leipzig [16] sieht folgende relevante Ziele vor:
Erschließung notwendiger Wege in der Stadt vorzugsweise zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit
öffentlichen Verkehrsmitteln,
Abbau von Überhitzung und Wärmestau, Freihaltung sonstiger Frischluftschneisen,
Reduktion von Versiegelung, Mehrung von Frei- und Grünflächen, Revitalisierung baulich
nicht nutzbarer Brachflächen.
Mit der gut erschlossenen ÖPNV-Lage und der Gewährleistung einer rad- und fußläufigen Verbin-
dung durch das Plangebiet wird einer der zentralen Anforderungen der Luftreinhalteplanung (Ver-
meidung) entsprochen.
d) Lärmschutz
: Es liegt mit der Schallimmissionsprognose [4] eine Schalltechnische Untersuchung
vor, die die erwartete Schallimmissionsbelastung durch den Bau- und Gartenfachmarkt und seine
Nebenanlagen (Beurteilungspegel) an relevanten Immissionsorten rechnerisch ermittelt und diese
Beurteilungspegel mit den Orientierungswerten der DIN 18005 Beiblatt 1 vergleicht.
e) Artenschutz
: Für die Prüfung zum Schutz besonders und streng geschützter Arten (spezielle
artenschutzrechtliche Prüfung) nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) wurde zum Bebau-
ungsplan ein Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag [6] erarbeitet, dessen Aussagen zur artenschutz-
rechtlichen Bewertung sich auf die artenschutzfachliche Kartierung sowie die Erfassungen zum
Baumbestand und den Biotop- und Nutzungstypen stützen. Im Ergebnis [6, 3] stehen Aussagen zur
Risikoabschätzung betroffener Arten bzw. Populationen im Plangebiet und es werden Maßnahmen
zur Vermeidung und Minderung artenschutzrechtlicher Verbotstatbestände aufgezeigt.
f) Baumgutachten
: Zur Beurteilung der gesetzlich geschützten Biotope (Höhlenreiche Einzelbäu-
me) im künftigen Freiraum wurde ein Gutachten zur visuellen Feststellung der Verkehrssicherheit
[9] erarbeitet, das außerdem Auswirkungen der geplanten Baumaßnahmen auf diese Bäume aufzeigt
und mögliche Baumschutzmaßnahmen benennt.
g) Umweltqualitätsziele:
Auf regionaler Ebene enthalten die Umweltqualitätsziele und -standards
für die Stadt Leipzig [12] weitere wesentliche Ziele des Umweltschutzes. Sie beziehen sich auf die
menschliche Gesundheitsvorsorge und das Wohlbefinden (Immissionsschutz, Klima, Erholung,
Lärm) sowie den Natur- und Ressourcenschutz. Die Umweltqualitätsziele der Stadt Leipzig sehen
für den Umgang mit Niederschlagswasser folgende Prioritäten vor:

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1. Verwendung auf den Grundstücken
2. Versickerung auf den Grundstücken
3. Einleitung in Fließgewässer
4. Einleitung in Kanalisation (im Trennsystem)
7.2
Beschreibung und Bewertung der erheblichen Umweltauswirkungen
Nach Nr. 2 der Anlage 1 zum BauGB bedarf es einer Beschreibung und Bewertung der erheblichen
Umweltauswirkungen, die in der Umweltprüfung nach § 2 Abs. 4 Satz 1 BauGB ermittelt wurden.
Gemäß § 2 Abs. 4 Satz 2 BauGB legt die Gemeinde für jeden Bauleitplan fest, in welchem Umfang
und Detaillierungsgrad die Ermittlung der Belange für die Abwägung erforderlich ist.
Im Rahmen des Verfahrens wurde geprüft, auf welche Umweltbelange oder Teilaspekte von Um-
weltbelangen die Aufstellung des Bauleitplanes möglicherweise erhebliche Umweltauswirkungen
haben kann, die in der Abwägung zu berücksichtigen sind.
Nachfolgend werden
a) der erforderliche Umfang und Detaillierungsgrad der Ermittlung der Umweltbelange festge-
legt und
b) die erheblichen Umweltauswirkungen, die aufgrund der Festlegung des Umfanges und De-
taillierungsgrades der Ermittlung der Umweltbelange ermittelt wurden, beschrieben und be-
wertet.
7.2.1
Fläche
Es sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen auf den Belang zu erwarten.
Deshalb wurde festgelegt, dass keine weiteren Ermittlungen dazu erforderlich sind.
Begründung:
Das Schutzgut Fläche wurde in das BauGB aufgenommen, um damit die UVP-ÄndRL umzusetzen
und gegen den Flächenverbrauch vorzugehen. Maßgebliches Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie ist in
diesem Zusammenhang insbesondere das „30-Hektar-Ziel“
11
.
Vor diesem Hintergrund geht es beim Belang „Fläche“ folglich darum, in der Umweltprüfung die
erheblichen Umweltauswirkungen der Planung auf die Ausweitung von Flächen für Siedlungs- und
Verkehrszwecke zu ermitteln, im Umweltbericht zu beschreiben und zu bewerten sowie in die Ab-
wägungsentscheidung einzustellen. Als Maßstab wird dabei die Abgrenzung lt. Begriffsdefinition
der Nachhaltigkeitsstrategie [16] verwendet.
Die vorliegende Planung führt
nicht
zur Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsfläche im o.g.
Sinne, denn:
Es handelt sich in Gänze um eine Planung zur Innenentwicklung.
Sie dient der Wiedernutzbarmachung von Flächen innerhalb des Siedlungskörpers.
Eine Ausweitung von Siedlungsflächen bzw. eine Neuinanspruchnahme von Freiraumflächen
für Siedlungs- und Verkehrszwecke ist nicht Gegenstand oder Folge dieses Planes. Er wirkt
dem vielmehr dadurch entgegen, dass er der Innenentwicklung dient.
Ohne die Festsetzungen des Bebauungsplanes wären eine geordnete städtebauliche Entwicklung
und die Beseitigung der städtebaulichen und freiraumplanerischen Defizite nicht möglich. Auf Basis
des geltenden Planungsrechtes (Gebietsentwicklung gemäß § 34 BauGB) wäre im Plangebiet nur
eine gewerbliche Nutzung in der bisherigen Struktur möglich – beispielsweise eine Parzellierung
11
Nach diesem Ziel soll die Inanspruchnahme zusätzlicher Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke bis zum Jahr 2030 auf unter
30 Hektar pro Tag begrenzt sowie der Rückgang der Freiraumfläche je Einwohner reduziert werden.

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der Fläche nördlich der Richard-Lehmann-Straße bis zu den derzeitigen Messehallen 16 und 17 in
einzelne Gewerbegrundstücke, die dann jeweils mit einer GRZ von 0,8 bebaubar wären, jedoch
ohne eine Erschließung des Grundstücks nach Süden in Richtung Richard-Lehmann-Straße.
7.2.2
Boden
Es sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten.
Begründung:
Die Ziele des Bodenschutzkonzeptes der Stadt Leipzig [2] sind die Erhaltung natürlicher Böden
(insbesondere seltener Böden) und die Lenkung der Flächeninanspruchnahme auf weniger wertvolle
Böden und bereits versiegelte Areale. Mit der baulichen Entwicklung der Flächen des ehemaligen
Messegeländes wird diesem Ziel des Bodenschutzkonzeptes gefolgt. Im Plangebiet sind die Boden-
verhältnisse bereits im Bestand erheblich verändert, es sind ausschließlich anthropogen geprägte
Bodentypen, als Allosole (Aufschüttungsböden durch Umlagerung natürlicher Bodensubstrate) und
Phyrosole (Aufschüttungsböden aus natürlichen und technischen Bodenmaterialien), anzutreffen.
Unter einer anzunehmenden wechselnd mächtigen anthropogenen Auffüllung (bestehende Bebau-
ung) sind mehrere Meter mächtige saalekaltzeitliche Lockergesteine (Geschiebelehme, -mergel mit
oftmals eingeschalteten Linsen bzw. Lagen von Schmelzwassersanden) zu erwarten, es können
darüber hinaus saalekaltzeiltliche Kiese vorkommen. Insbesondere im südöstlichen Randbereich des
Plangebiets können bereits oberflächennah tertiäre Lockergesteine auftreten. Die rolligen Sedimente
stellen erfahrungsgemäß Grundwasserleiter dar, auch in den Sandlinsen kann Grundwasser auftre-
ten, das gespannt ist. Grundwasserstände können bereichsweise bei weniger als 4 m unter Gelände
auftreten. Während Tauperioden im Frühjahr oder im Zuge niederschlagsreicher Zeiten ist eine
verstärkte Grundwasserführung zu erwarten (Stellungnahme LfULG 06.05.2018).
Altlasten bzw. Altlastenverdacht sind für das Plangebiet nicht bekannt. Das Sächsische Altlastenka-
taster weist für das Plangebiet keine Hinweise auf. Somit ist nach aktuellem Kenntnisstand davon
auszugehen, dass keine altlastenverdächtigen Flächen nach § 2 Abs. 6 des Gesetzes zum Schutz vor
schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten (Bundes-Bodenschutzgesetz)
vom 17.03.1998 vorliegen.
Der überwiegende Flächenanteil ist bereits im Bestand versiegelt (Versiegelungsanteil 44.240 m
2
der Gesamtfläche von 55.544 m
2
= 80 %).
Mit Umsetzung der Planung beträgt der bau- und anlagebedingte Versiegelungsanteil – durch Ein-
satz wasserdurchlässiger Beläge an Stelle vollversiegelter Flächen – nur noch 76 % (siehe hierzu
Tabellen zur Versiegelungsbilanz im Grünordnerischen Fachbeitrag [3]).
Folglich sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen auf den Belang zu erwar-
ten. Weiterer Ermittlungen und Darlegungen dazu bedarf es deshalb nicht.
Das Plangebiet liegt nach Kenntnissen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
(LfULG) in einem Gebiet, in dem erhöhte Radonkonzentrationen in der Bodenluft auftreten können.
Da sich nicht mit Sicherheit ausschließen lässt, dass aufgrund lokaler Gegebenheiten und der Eigen-
schaften des Gebäudes hinsichtlich eines Radonzutrittes erhöhte Werte der Radonkonzentration in
der Raumluft auftreten, werden vorsorglich Empfehlungen für Schutzmaßnahmen ausgesprochen.
Diese werden als Hinweise in die Begründung übernommen (s. Anhang I).

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7.2.3
Wasser
Es sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten.
Begründung:
Das Plangebiet ist nicht Bestandteil eines Schutzgebietes oder von Schutzrestriktionen nach dem
gültigen Wasserhaushaltsgesetz (WHG) des Bundes. Risiken durch Hochwasser und Überflutung im
und unmittelbar außerhalb des Plangebietes bestehen nicht. Es sind im Plangebiet und dessen Um-
gebung keine Oberflächengewässer vorhanden. Insofern finden keine Eingriffe und Einflüsse auf
Oberflächengewässer statt.
Das Grundwasser im Plangebiet ist sehr gut geschützt (Grundwassergeschütztheitsklasse 1 nach
dem Hydrologischen Atlas Stadt Leipzig [10,11] – Geschiebe der Endmoräne mit mehr als 5 m
Überdeckung über dem quartären (Haupt-) Grundwasserleiter). Bau-, anlage- oder betriebsbedingte
Eingriffe in den Grundwasserleiter finden nicht statt.
Altlasten im Wasser sind für das Plangebiet nicht bekannt.
Bau- und betriebsbedingt notwendiges Wasser wird über das Leitungsnetz der Stadt bezogen.
Abwasser (Schmutzwasser) wird geregelt in die Kanalisation (Abwassernetz der Kommunalen
Wasserwerke Leipzig GmbH) entsorgt. Weiteres zu den Medienanschlüssen siehe Kap. 9.3.
Für die Einleitung von Regenwasser gilt eine Drosselung auf 370 l/s zuzüglich der Einleitung von
30 l/s Regenwasser des benachbarten Autohauses als Nacheinleiter durch das Grundstück des Bau-
markts. [22]
Mit der Entwurfsplanung für den Bereich der Stellplätze des Bau- und Gartenfachmarktes wurde
die Planung der Entwässerung sowie die Berechnung der anfallenden Wassermengen (30-jähriger
Regen) einschließlich der notwendigen Abläufe beauftragt. Es ist geplant, ein Trennsystem für das
gesamte Grundstück neu herzustellen. Das Regenwasser auf sämtlichen Grünflächen wird unge-
sammelt über die belebte Bodenzone in den Untergrund abgeleitet.
Das für das Vorhaben in Auftrag gegebene geotechnische Fachgutachten [23] kommt zu dem
Schluss, dass der Boden im Plangebiet aufgrund seiner bindigen Beschaffenheit eine geringe
Durchlässigkeit aufweist und damit für eine Versickerung von Niederschlagswasser nicht geeignet
ist.
Zum Zwecke der Rückhaltung des im Plangebiet anfallenden Niederschlagswassers sind Rigolen in
Mulden zwischen den Stellplatzreihen geplant. Die Anlage der Stell- und Freiflächen erfolgt mit
einer leichten Neigung, sodass Niederschlagswasser in Richtung der Mulden abfließt. Weitere
Möglichkeiten zur Sammlung und Nutzung von anfallendem Regenwasser werden im Zuge des
Bauantragsverfahrens behandelt. Auch die konkreten Versickerungs- (sofern gegeben) und Ableit-
mengen sind bis zur Stellung des Bauantrags abschließend zu klären und mit den Kommunalen
Wasserwerken zu kommunizieren.
Darüber hinaus ist ein Überflutungsnachweis (Berücksichtigung der Starkregenproblematik, Über-
flutungsvorsorge in Anlehnung an DIN-EN 1986-100) für Gebäude und Freiflächen darüber zu
erbringen, dass die Differenz zwischen 30-jährigem und 100-jährigem Regenereignis (KOSTRA-
DWD 2010R) nicht auf öffentliche Flächen gelangt („Definition und Anlage von Notwasserwegen
zum kontrollierten Abfluss von Oberflächenwasser bei außergewöhnlichen Starkregen“). Optimal
hierfür sind z.B. eine Stau-Lamelle auf den Dächern (Wasseranstau, bevor die Überlaufeinrichtun-
gen ansprechen) sowie Mulden in Grünflächen. Bei diesen Aufgaben der Genehmigungsplanung
sind enge Abstimmungen zwischen Hochbau-Planung und Freianlagen-Planung notwendig.
Es ist dabei zu beachten, dass die Offenlandflächen der Maßnahme M 1 als Trockenbiotope nicht
für eine dauerhafte Rückhaltung von Niederschlagswasser geeignet sind (Artenschutz für trocken-
heitsliebende Arten).

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Empfohlen wird die Ausführung der Stellplätze mit Rasengittersteinen oder Rasenfugenpflaster.
Die Entwässerung des auszubauenden Teilstücks der Richard-Lehmann-Straße erfolgt wie im Be-
stand. Sollte sich im Rahmen der Ausbau-Planung eine nennenswerte Mehrversiegelung ergeben, ist
dies im Rahmen der Genehmigungsplanung gesondert zu betrachten.
7.2.4
Luft – Klima
Es sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten.
Begründung:
Ziele des Belanges sind in der Stadt Leipzig generell die Verringerung bzw. der Abbau stadt- und
bioklimatischer Belastungen, Entsiegelung, Schaffung vernetzter Grünzonen, Aufwertung vorhan-
dener Luftleitbahnen, Be- und Durchgrünung (Fassaden- und Dachbegrünung, Straßenräume) und
Beschattung. Diesen Zielen wird der Plan vollumfänglich gerecht:
Das gesamte Plangebiet ist bereits Bestandteil eines intensiven städtischen Überwärmungsbereichs
(Innenstadtklima) mit hohen Tages- und Nachttemperaturen, geringer nächtlicher Abkühlung, ge-
ringer relativer Feuchte, stark reduziertem Luftaustausch und stark turbulentem Windfeld mit Bö-
igkeit und Zugerscheinungen. Dieses Mikroklima ist bioklimatisch und luftklimatisch stark belas-
tend (Hitzestress). Solche durch Dachflächen und Bodenbeläge begünstigten Wärmeinseln bzw.
überwärmten Bereiche (Versiegelungsgrad im Plangebiet bei rund 80 %) erreichen eine bis zu 3° C
höhere Temperatur als die umgebenden Flächen. Im Bestand ist die Schadstoffbelastungssituation
hoch (v.a. Feinstaub).
Durch die verhältnismäßig niedrige Bauweise kann ein aus Richtung des Wilhelm-Külz-Parkes
kommender Kaltluftabfluss das Plangebiet passieren. Eine Minimierung der Abschwächung dieses
Luftstromes wird durch Bepflanzung des Kundenparkplatzes und angrenzender Flächen durch
Laubbäume und dadurch mögliche Verschattung erreicht. Sowohl Dachflächen, die frei von Begrü-
nung und technischen Aufbauten sind, als auch alle versiegelten Freiflächen sind in heller Farbge-
bung auszuführen. Damit wird die einstrahlungsbedingte Aufheizung im Plangebiet vermindert und
einer Überwärmung entgegengewirkt.
Mit Umsetzung der Planung wird ein Flächenanteil von 4 % (etwa 2.375 m
2
) entsiegelt. Bereichs-
weise treten wasserdurchlässige Beläge an die Stelle aktuell noch vollversiegelter Flächen. Der
Grünanteil wird gegenüber der gegenwärtigen Situation etwa verdoppelt (Bestand: ca. 6.200 m
2
,
Planung ca. 12.890 m
2
). Die für den Artenschutz freizuhaltende Magerrasenfläche wird durch eine
standortangepasste Ansaatmischung begrünt. Der Gehölzbestand im südöstlichen Bereich in Nach-
barschaft zum Bahneinschnitt (festgesetzte Maßnahme M 2) wird erhalten und ergänzt.
Zudem wird an der dieser Fläche zugewandten Fassade sowie Bereichen der Nordostfassade (östli-
cher Teil Anlieferung) eine Berankung durch Kletterpflanzen ergänzt (textliche Festsetzung 5.3, vgl.
Kap. 12.7). Diese ist wirksam auf etwa 50 m Fassadenlänge. Außerdem erhält die Dachfläche des
Gartenmarktes außerhalb der Belichtungsöffnungen und technisch notwendigen Aufbauten eine
extensive Dachbegrünung (festgesetzte Maßnahme M 5, wirksam auf ca. 1.500 m
2
Dachfläche).
Damit ergeben sich positive Auswirkungen auf das Schutzgut (z.B. Staubbindung, ausgleichende
Wirkung auf den Temperaturgang an heißen Tagen).
Die Aufstellung von Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen des Vorhabens wurde durch den
Vorhabenträger geprüft, jedoch aufgrund von statischen Begrenzungen aufgrund der zusätzlichen
Wind- und Schneelasten wieder verworfen. Dies schließt auch eine etwaige solare Nutzung der
Dachflächen durch Dritte aus.

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7.2.5
Luft – Lufthygiene
Es sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten.
Begründung:
Da im räumlichen Geltungsbereich des Bebauungsplanes keine genehmigungsbedürftigen Anlagen
nach BImSchG vorhanden oder geplant sind, sind solche Risiken auszuschließen. Es ist davon
auszugehen, dass mit der geplanten Bebauung des Bau- und Gartenfachmarktes keine erhebliche
Zunahme der lufthygienischen Belastungen im Sinne des BImSchG im Gebiet zu erwarten ist.
Der geplante Bezug der Fernwärme trägt dazu bei, dass anlage- und betriebsbedingt im Gebiet
selbst keine Schadstoffe für die Wärmeversorgung entstehen.
Schienenverkehr (S-Bahn, Straßenbahn) sowie Linienbusse verbleiben wie im Bestand. Die Ge-
samtmenge der Abfahrten ändert sich durch das Vorhaben nicht. Deshalb sind die Auswirkungen
des ÖPNV-Aufkommens nicht als erheblich einzuschätzen.
Das Verkehrsgutachten [5] gibt für die Richard-Lehmann-Straße im Bestand ein Gesamtverkehrs-
aufkommen von 13.900 Kfz/24 h an. Die höchste Verkehrsbelastung liegt dabei in den Nachmit-
tagsstunden. Lediglich in der Frühspitzenstunde ist sie kurzzeitig höher.
Für den geplanten Bau- und Gartenfachmarkt wird betriebsbedingt ein werktägliches Verkehrsauf-
kommen von insgesamt etwa 4.120 Kfz-Fahrten in 24 Stunden (Quell- und Zielverkehr) veran-
schlagt. Die Prognose berücksichtigte neben dem Bau- und Gartenfachmarkt auch andere Entwick-
lungen im Untersuchungsgebiet. Das maximale stündliche Verkehrsaufkommen wird wahrschein-
lich zwischen 13:00 und 14:00 Uhr erreicht. Betrachtet wurde jedoch das höchste stündliche Ver-
kehrsaufkommen zwischen 16:00 und 17:00 Uhr, da dann auch die Knotenpunktbelastung mit 353
Fahrten/h (Quellverkehr 185 F/h, Zielverkehr 168 F/h) am höchsten ist. Damit wird ein zusätzliches
Gesamtverkehrsaufkommen von insgesamt etwa 6.760 Kfz-Fahrten je 24 Stunden im Quell- und
Zielverkehr erwartet. Die nachmittägliche Spitzenstunde wird voraussichtlich 581 Fahrten je Stunde
(306 im Quell- und 275 im Zielverkehr) umfassen. Das Verkehrsaufkommen bewegt sich damit in
einem üblichen Rahmen für derartige Standorte.
Hinsichtlich der Erschließung des Bau- und Gartenfachmarktes wird der Empfehlung des Verkehrs-
gutachtens gefolgt, indem eine lichtsignalgeregelte Anbindung des Vorhabens an die Richard-
Lehmann-Straße im Abstand von ca. 230 m zum Knotenpunkt Richard-Lehmann-/Zwickauer Straße
erfolgt. Um die Anbindung des Vorhabens für den nicht-motorisierten Verkehr möglichst attraktiv
zu gestalten, werden sämtliche Zufahrten mit Geh- und Radwegen ausgestattet. Darüber hinaus
werden Teilflächen des Plangebiets als mit Geh- und Radfahrrechten zugunsten der Allgemeinheit
zu belastende Flächen festgesetzt, sodass sich die Erschließung des Alten Messegeländes für den
Fuß- und Radverkehr insbesondere in Nord-Süd-Richtung verbessert. Weiterhin wird der Radver-
kehr durch das Anbieten einer hohen Zahl sicherer Radabstellanlagen, die zum Teil auch für Lasten-
fahrräder geeignet sind, gefördert.
Die geplante Bebauungsstruktur bedingt keine „geschlossenen“ Räume, mit denen eine Schadstoff-
anreicherung gefördert würde.
Die Prognose der Umweltwirkungen soll weiterhin Summationseffekte der allgemeinen Verkehrs-
entwicklung und der Entwicklung der geplanten Bebauung im direkten Umfeld berücksichtigen.
7.2.6
Pflanzen
7.2.6.1 Umfang und Detaillierungsgrad der Ermittlungen
Das Plangebiet ist überwiegend versiegelte Fläche, auf der keine seltenen oder besonders ge-
schützten Pflanzenarten vorkommen. Bis auf geringe Teile gestalteter Flächen („Abstandsgrün“)
handelt es sich um Spontanaufwuchs aufgrund der Nutzungsauflassung der vergangenen Jahre.
Wertvoll ist allein in gewissem Maße der vorhandene Baumbestand aus der Zeit der Anlage des

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einstigen Messegeländes. Da das gesamte Freigelände umgestaltet wird, sind
erhebliche Auswir-
kungen
wie folgt zu erwarten oder zumindest nicht auszuschließen:
Verlust von Pflanzenbeständen (hier: Großbäume) infolge von Baumaßnahmen, teils mit
Charakter besonders geschützter Biotope nach § 21 SächsNatSchG.
Vertiefende Ermittlungen
wurden deshalb insoweit als erforderlich festgelegt, wie sich dies aus
den nachfolgenden Darlegungen ergibt:
Durchführung Baumkartierung und Baumgutachten
Hinsichtlich darüber hinausgehender Ermittlungen wurde festgelegt, dass es ihrer nicht bedarf, weil
keine Anhaltspunkte für weitere für die Abwägung erhebliche Umweltauswirkungen vorliegen.
7.2.6.2 Bestandsaufnahme des derzeitigen Umweltzustands (Basisszenario)
a)
Beschreibung der verwendeten Methodik und etwaiger Schwierigkeiten
Im Frühjahr 2017 wurde das Plangebiet mehrfach begangen und im Ergebnis eine Biotoptypenkar-
tierung erstellt. Bis September 2018 wurden einzelne Aktualisierungen vorgenommen. Die Biotope
wurden gemäß Leipziger Bewertungsmodell (Stand 08.2016) erfasst. Weiterhin wurde im Rahmen
der Vermessung der Baumbestand erfasst und dokumentiert. Biotoptypen und Baumbestand sind
Gegenstand des Bestandsplanes und der ergänzten Baumbestandsliste im Grünordnerischen Fach-
beitrag [3].
Die katalogisierten höhlenreichen Einzelbäume [7] mit den Nummern 02017.E, 02024.E, 02025.E,
02026.E, 02027.E und 02028.E werden durch ihre Lage in der geplanten Zufahrt bzw. inmitten der
geplanten Stellplätze indirekt von der Baumaßnahme betroffen. Insofern waren ihre Verkehrssicher-
heit und ihre Beeinflussung durch das Bauvorhaben zu untersuchen [3, 9].
b)
Umweltmerkmale der Gebiete, die voraussichtlich erheblich beeinflusst werden
Im Plangebiet und dessen näherem Umfeld kommen keine internationalen oder nationalen Schutz-
gebiete vor (siehe auch Kap. 7.1.2.1).
Im Bestand ist das Plangebiet Bestandteil stark versiegelter Gewerbeflächen mit Großparkplätzen.
Etwa 80 % der Plangebietsfläche sind versiegelt. Es treten keine seltenen bzw. besonders oder
streng geschützten oder der Roten Liste zugehörigen Pflanzenarten auf. Der vorhandene Baumbe-
stand setzt sich aus Alleebäumen (Linden) entlang der Lieferstraßen zwischen den Messehallen 16
und 17 sowie 16 und 21, Hybrid- und Pyramid-Pappeln, Schwarz-Kiefern und einigem Wildauf-
wuchs unterschiedlicher Arten (Robinie, Ahorn) zusammen. Die Baumkronen sind überwiegend
verschnitten. Vor allem die Linden entlang der Zufahrten zwischen den alten Messehallen 17 und 16
sowie zwischen 16 und 21 ebenso wie die großen Hybridpappeln sind in einem unbefriedigenden
Vitalitätszustand.
Es sind folgende geschützte Biotope gem. § 21 SächsNatSchG bzw. § 30 BNatSchG vorhanden: 13
Stück höhlenreiche Einzelbäume 02.015.E, 02.017.E, 02.018.E, 02.019.E, 02.021.E, 02.022.E,
02.023.E, 02.024.E, 02.025.E, 02.026.E, 02.027.E, 0.2028.E, 02.029.E.
c)
Voraussichtliche Entwicklung des Umweltzustands bei Nichtdurchführung der Planung
Bei einem weiteren Brachliegen der Fläche würde die Sukzession weiter fortschreiten und würden
sich allmählich die Bestände mit Gehölzjungwuchs und Brombeergestrüpp verdichten und weiter
ausdehnen. Aufgrund der überwiegenden Versiegelung könnte die Vegetation sich jedoch nicht
ungehindert bis zum Sukzessionsendstadium (Wald) entwickeln.

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7.2.6.3 Prognose über die Entwicklung bei Durchführung der Planung
a)
Prognose über die Entwicklung des Umweltzustandes bei Durchführung der Planung
Mit Umsetzung des Bebauungsplanes ändern sich die Vegetationsstrukturen auf den Freiflächen von
ruderalem zu gärtnerischem Charakter. Nur wenige Großbäume können erhalten werden.
Die höhlenreichen Einzelbäume mit den Nummern 02018.E, 02019.E, 02021.E, 02022.E und
02023.E befinden sich in der Vorhabenplanung in einem zur Bebauung vorgesehenen Baufenster.
Dies macht eine Fällung der Bäume aus folgenden städtebaulichen und wirtschaftlichen Gründen
erforderlich:
Die Revitalisierung von Brachflächen stellt ein Querschnittsthema des Integrierten Stadtentwick-
lungskonzepts Leipzig 2030 [21] dar. Mit Errichtung des Bau- und Gartenfachmarkts auf der Alten
Messe erfolgt eine solche Wiedernutzung einer jahrelang ungenutzten Fläche. Mit dem Vorhaben
wird dazu beigetragen, die innerstädtische Brachfläche im Kontext einer seit zwei Jahrzehnten
kontinuierlich vollzogenen Entwicklung der Alten Messe zu einem lebendigen innerstädtischen
Stadtteil für Handel, Dienstleistungen, Forschung und Wissenschaft städtebaulich aufzuwerten und
einer neuen Nutzung zuzuführen. Zugleich wird die Alte Messe durch die Reaktivierung eines noch
brach liegenden Grundstücksareals als Konversionsstandort insgesamt weiter gestärkt. Nicht zuletzt
kann durch das Vorhaben die denkmalgeschützte Halle 17 mit ihrem markanten und das Gebiet
prägenden Portikus in ihren wesentlichen Teilen erhalten werden.
Durch die Einbeziehung der historischen Bauteile in die Vorhabenplanung werden allerdings die
Grundrissanordnung und die Ausrichtung des neuen Gebäudekomplexes in ihren Grundzügen vor-
definiert. So leitet sich die Bauflucht des Neubaukörpers aus derjenigen des Denkmals ab und muss
so zu unvermeidbaren Konflikten mit den Biotopbäumen 02022.E und 02023.E führen, die unmit-
telbar in dieser Flucht stehen und im Ergebnis deren Erhaltung nicht rechtfertigen können.
Hinsichtlich der städtebaulich-architektonischen Ausgestaltung wurde das Vorhaben mehrmals im
Gestaltungsforum der Stadt Leipzig vorgestellt und abgestimmt. Die jetzige und dem Bebauungs-
plan zugrundeliegende Planung ist Ergebnis dieser Abstimmungen und berücksichtigt die Empfeh-
lungen des Gestaltungsforums. Insbesondere die Forderung nach einer baulichen Trennung zwi-
schen denkmalgeschütztem Bestandsbau und den Neubaukörpern hat sich erheblich auf den Ent-
wurf ausgewirkt. Da aus funktionalen Gründen eine geschützte und beheizte Verbindung zwischen
Bestand und Neubau für den Betrieb des Marktes unbedingt erforderlich ist, wurden beide Gebäu-
deteile zwar voneinander abgerückt, aber durch einen stark zurückgesetzten gläsernen Gang wieder
miteinander verbunden. Die Nutzungsfläche des Gebäudes wurde durch diese Maßnahme jedoch
erheblich verringert. Um dennoch die für einen wirtschaftlichen Betrieb des Marktes notwendigen
und aufgrund der gutachterlich bestätigten Verkaufsflächen zulässigen Nutzungsflächen zu errei-
chen, musste, unter Berücksichtigung der engen Vorgaben des Vorhabenträgers für künftige Gang-
und Regalbreiten, die vorliegende Dimensionierung des Baukörpers für den Gartenfachmarkt ge-
wählt werden. Obwohl diese mit der Lage der Biotopbäume 02018.E, 02019.E, 02021.E kollidiert,
war eine für die Erhaltung der Bäume obligatorische Verschiebung der Baugrenzen des Garten-
fachmarktes nach Osten leider nicht möglich, ohne dass es zu wirtschaftlich nicht vertretbaren
Flächeneinbußen innerhalb de Gebäudes gekommen wäre. Somit ergeben sich für die Biotopbäume
02018.E, 02019.E, 02021.E keine Alternativen zu einer Fällung.
Die höhlenreichen Einzelbäume mit den Nrn. 02017.E, 02024.E, 02025.E, 02026.E, 02027.E und
02028.E werden durch ihre Lage in der geplanten Zufahrt bzw. inmitten der geplanten Stellplätze
indirekt von der Baumaßnahme betroffen. Insofern waren ihre Verkehrssicherheit und die anlagen-
bedingte Beeinflussung durch das Bauvorhaben einzelbaumbezogen zu untersuchen [9].
Für diese Bäume wurden im Ergebnis folgende Empfehlungen getroffen:
Nr. 02017.E (Linde): Erhalt unter Herstellung der Verkehrssicherheit.

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Nr. 02024.E (Linde): Fällung, da bei Durchführung der notwendigen Sicherungsmaßnahmen
die Biotopeigenschaft Höhlenbaum verloren geht.
Nr. 02025.E (Linde): Erhalt unter Herstellung der Verkehrssicherheit.
Nr. 02026.E (Linde): Erhalt unter Herstellung der Verkehrssicherheit.
Nr. 02027.E (Linde): Erhalt unter Herstellung der Verkehrssicherheit.
Nr. 02028.E (Hybridpappel): Fällung, da geringe Lebenserwartung, Gefährdungspotenzial
und umfangreiche Sicherungsmaßnahmen zur Herstellung der Verkehrssicherheit notwendig,
die im Widerspruch zur angestrebten Planung stehen.
Mit der Festsetzung von Flächen für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von
Natur und Landschaft wird eine Vegetationsentwicklung angestrebt, die dem Schutzgut Fauna
angemessen gerecht wird (siehe Kap. 7.3.7) und sich überwiegend aus Offenflächen mit Charakter
von Schotter- und Magerrasen (Rohbodenbiotope als „Extremstandort“), aber auch Rasenflächen
zusammensetzt. Pflanzfestsetzungen umfassen die Überschirmung der Stellplätze mit Bäumen und
die Anpflanzung von Großbäumen und -sträuchern in den westlichen und südwestlichen Randberei-
chen des Plangebiets. Zudem wird ein Gehölzbiotop erhalten und entwickelt, das ebenfalls als
Rückzugsraum für die Fauna verfügbar ist.
b)
Prognose der Einhaltung der relevanten Ziele des Umweltschutzes bei Durchführung der
Planung
Mit der Planung werden keine Schutzgebiete nach dem Sächsischen und dem Bundesnaturschutzge-
setz beeinträchtigt. Es kommt bau- und verkehrssicherungsbedingt zur Fällung der in 7.2.6.2 b)
genannten geschützten Biotope gem. § 21 SächsNatSchG bzw. § 30 BNatSchG.
Dem Ziel des Landschaftsplans der Stadt Leipzig – der Anreicherung und Entwicklung von Lebens-
räumen für Tiere und Pflanzen – wird gefolgt, indem auf den Freianlagen neue Grünstrukturen
entstehen. Geplant ist außerdem die Erhaltung und Entwicklung von Artenreichtum durch Ansaat-
mischungen mit Wildarten (siehe auch 7.2.8 Biologische Vielfalt), womit dem Ziel der Schaffung
von Ergänzungsflächen des Biotopverbundes gefolgt wird. Den Zielen der nachhaltigen Sicherung
heimischer Pflanzenarten und deren Populationen einschließlich ihrer Lebensräume und Lebensge-
meinschaften wird über die Festsetzungen zum Arten- und Biotopschutz gefolgt.
Für die bau- und betriebsbedingt zu fällenden Bäume wird über das Instrument der Baumschutzsat-
zung Ersatz auf den Freianlagen in den westlichen und südwestlichen Randbereichen des Plange-
biets geleistet.
7.2.6.4 Maßnahmen zur Vermeidung, Verringerung und zum Ausgleich der nachtei-
ligen Auswirkungen
Mit der Planung werden bau- und verkehrssicherungsbedingt geschützte Biotope gem. § 21 Sächs-
NatSchG bzw. § 30 BNatSchG – die höhlenreichen Einzelbäume mit den Nummern 02017.E,
02018.E, 02019.E, 02021.E, 02022.E, 02023.E, 02024.E, 02025.E, 02026.E, 02027.E und 02028.E
– beeinträchtigt.
Die höhlenreichen Einzelbäume Nr. 02017.E. 02025.E, 02026.E und 02027.E können erhalten
werden. Für diese vier Linden sind Maßnahmen der Kronenpflege zur Verkehrssicherung durchzu-
führen. Die detaillierte Erläuterung der Maßnahmen ist im Gutachten zur Verkehrssicherheit der
Bäume angegeben [9]. Da die Durchführung nicht Gegenstand der Bauleitplanung ist, wird an
dieser Stelle darauf nicht weiter eingegangen. Die Erhaltung als Biotopbaum wird per Festsetzung
geregelt. Ihre Standorte sind als nachrichtliche Übernahme in der Planzeichnung dargestellt.
Für die Bäume Nr. 02024.E und 02028.E wird die Fällung aufgrund der starken Vorschädigungen
empfohlen. Die Biotopeigenschaft lässt sich mit der notwendigen Durchführung der Maßnahmen
zur Verkehrssicherung nicht erhalten. Für die Beseitigung dieser Bäume ist ein naturschutzrechtli-

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ches Befreiungsverfahren (BNatSchG § 3 Abs 6, SächsNatSchG §21, Abs. 6) einer Fällung der
genannten höhlenreichen Einzelbäume vorausgehend durchzuführen. Das Verfahren ist nicht Ge-
genstand des Bebauungsplanverfahrens. Verpflichtend sind dabei Ersatzmaßnahmen zu benennen.
Diese werden in der festgesetzten Fläche M 2 (Gehölzbiotop) als mindestens drei Totholzpyramiden
aus den Stämmen und Großästen der höhlenreichen Einzelbäume fachgerecht errichtet. Diese Er-
satzbiotope sind bis einschließlich ihrer natürlichen Zerfallsphase zu belassen.
Außerdem wird die Fläche M 2 als extensiv genutztes Gehölzbiotop dauerhaft erhalten. In dieser
Fläche stehen die beiden höhlenreichen Einzelbäume 02.015.E und 02.029.E, deren Erhaltung auch
über ihren natürlichen Abgang hinaus als stehendes Totholz ebenfalls textlich festgesetzt wird.
Gehölznachpflanzungen sind in diesem Bereich nur mit einheimischen, standortgerechten Arten
zulässig.
Ergänzend erfolgt die Begrünung der dieser Fläche zugewandten Fassade mit Kletterpflanzen (text-
liche Festsetzung 5.3, wirksam auf etwa 50 m Fassadenlänge) und es werden Maßnahmen zur Er-
haltung und Ergänzung des Gehölzbestandes längs der Richard-Lehmann-Straße getroffen (Maß-
nahmen M 4 und M 6). Die Dachfläche des Gartenmarktes erhält zudem eine extensive Begrünung
(festgesetzte Maßnahme M 5, wirksam auf ca. 1.500 m
2
Dachfläche, außerhalb der Belichtungsbän-
der und technisch notwendigen Aufbauten). Damit werden Lebensraum für Pflanzen und Nahrungs-
flächen für Insekten und Kleinvögel geschaffen.
Für die aufgrund der neuen Bebauung mit ihren Nebenanlagen notwendig zu beseitigenden Bäume
erfolgen Ersatzpflanzungen im Rahmen der Baumschutzsatzung, und es erfolgt die Neupflanzung
eines Baumes je angefangene vier Stellplätze.
Die Anlage der Magerwiese und des Schotterrasens mit trockenverträglicher, artenreicher Kräuter-
mischung (Festsetzung 4.1) dient als Synergieeffekt auch der Verbesserung des Artenreichtums der
Flora.
7.2.6.5 In Betracht kommende anderweitige Planungsmöglichkeiten
Maßgebliches Ziel des Vorhabens ist die Erhaltung denkmalgeschützter Teile der bestehenden Mes-
sehalle 17 und gleichzeitiger wesentlicher Grund für die getroffene Wahl der Planungsmöglichkeit.
Anderweitige Planungsmöglichkeiten kommen deshalb nicht in Betracht, da die Einbeziehung
dieser historischen Bauteile in die Vorhabenplanung die Grundrissanordnung und die Ausrichtung
des neuen Gebäudekomplexes in ihren Grundzügen vordefinieren. Die städtebaulich-
architektonische Gestaltung (Einordnung der Baukörper, Stellplätze, Freianlagen) wurde im Gestal-
tungsforum der Stadt Leipzig mehrmals abgestimmt, mit dem Ergebnis der jetzigen und dem Be-
bauungsplan zugrundeliegenden Planung.
Ziel der Planung ist eine geplante Verkaufsfläche von 15.000 m² unter gleichzeitigem Vorhalten der
erforderlichen Stellplätze, Zufahrten und Freiflächen (siehe Kap. 12.2). Dies lässt sich mit kleineren
Baukörpern, die unter Umständen mehr Bestandsbäume berücksichtigen würden, nicht erreichen.
Der schlechte Zustand und die Prognose der Lebenserwartung der vorhandenen Bäume rechtferti-
gen nicht die Verminderung der Zielflächengrößen für den Bau- und Gartenmarkt. Der gewählten
Planungsmöglichkeit wurde deshalb der Vorzug gegenüber allen anderweitig diskutierten Pla-
nungsmöglichkeiten gegeben.
7.2.7
Tiere
7.2.7.1 Umfang und Detaillierungsgrad der Ermittlung
Es sind erhebliche Auswirkungen wie folgt zu erwarten oder zumindest nicht auszuschließen:
Veränderung des Bestandes an Vögeln und Fledermäusen infolge des Verlustes von Lebens-
stätten an den Gebäuden und dem Baumbestand.

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Reduzierung des Bestandes der Blauflügeligen Ödlandschrecke infolge des Verlustes von
Lebensstätten auf den teilversiegelten Flächen.
Vertiefende Ermittlungen wurden deshalb insoweit als erforderlich festgelegt, wie sich dies aus den
nachfolgenden Darlegungen ergibt:
Kartierung der Artengruppen Brutvögel, Fledermäuse, Reptilien und Heuschrecken und Er-
stellung eines Artenschutzrechtlichen Fachbeitrags.
Hinsichtlich darüber hinausgehender Ermittlungen wurde festgelegt, dass es ihrer nicht bedarf, weil
keine Anhaltspunkte für weitere für die Abwägung erhebliche Umweltauswirkungen vorliegen.
7.2.7.2 Bestandsaufnahme des derzeitigen Umweltzustandes (Basisszenario)
a) Beschreibung der verwendeten Methodik und etwaiger Schwierigkeiten
Für die Artengruppen Brutvögel, Fledermäuse, Reptilien und Heuschrecken wurden im Frühjahr
und Frühsommer 2017 faunistische Erfassungen durchgeführt, die als Anlage zum Artenschutz-
rechtlichen Fachbeitrag [6] dokumentiert sind. Die Prüfung, inwieweit Beeinträchtigungen für Arten
nach § 44 BNatSchG durch den Bebauungsplan vorbereitet werden, erfolgte im Rahmen des Arten-
schutzrechtlichen Fachbeitrages 2017 bzw. für besonders geschützte „nationale“ Arten im Rahmen
des Gründordnerischen Fachbeitrags [3], die beide auf diese Erfassungen zurückgreifen. Zu den
europäisch geschützten Arten gehören die Arten(gruppen) der Avifauna, Fledermäuse und Zaunei-
dechsen.
Im Rahmen der faunistischen und Biotop-Erfassungen wurden keine Zauneidechsen beobachtet.
Die Flächen im Plangebiet weisen für die Art keine Eignung auf und liegen verinselt zu den nächs-
ten bekannten Vorkommen. Erhebliche Auswirkungen auf Zauneidechsen sind folglich nicht zu
erwarten.
b) Umweltmerkmale der Gebiete, die voraussichtlich erheblich beeinflusst werden
Avifauna
Im Folgenden wird auf die Erfassungsergebnisse Bezug genommen. Dabei wurden insgesamt 16
Brutvogelarten nachgewiesen, von denen für 20 Brutpaare (BP) ein Brutnachweis erbracht werden
konnte, für weitere 30 Paare bestand Brutverdacht. Hinzu kommen weitere Arten, die das Gebiet als
Nahrungsgast oder Durchzügler nutzen. Die Artenzahl ist in Anbetracht der innerstädtischen Lage
und des hohen Versiegelungsanteils erwartungsgemäß gering.
Tabelle:
Im Untersuchungsgebiet nachgewiesene Brutvogelarten und ihre Gefährdungseinstufung
2017 in Sachsen.
Art (dt)
Art (Wiss.)
Brutstatus
B = Brutverdacht
C = Brutnachweis
Rote Liste
Sachsen
BNatSchG
Amsel
Turdus merula
5x B, 1x C
u
§
Bachstelze
Motacilla alba
1x B
u
§
Blaumeise
Parus caeruleus
4x B
u
§
Eichelhäher
Garrulus glandarius
1x C
u
§
Grünfink
Fringilla fringilla
4x B
u
§
Hausrotschwanz
Phoenicurus ochruros
4x B, 3x C
u
§
Kohlmeise
Parus major
2x B, 2x C
u
§
Mauersegler
Apus apus
5x C
u
§
Mönchsgrasmücke
Sylvia atricapilla
2x B
u
§

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Rabenkrähe
Corvus corone
1x B, 1x C
u
§
Ringeltaube
Columba palumbus
1x B, 2x C
u
§
Rotkehlchen
Erithacus rubecula
1x B
u
§
Singdrossel
Turdus philomelos
1x B, 1x C
u
§
Stieglitz
Carduelis spinus
1x B
u
§
Straßentaube
Columba domestica
3x C
n.b.
§
Zilpzalp
Phylloscopus collybita
3x B, 1x C
u
§
Es bedeuten außerdem: u – ungefährdet, n.b. – nicht beurteilt, § – besonders geschützt.
Die Brutvogelfauna kann als typisch für den Untersuchungsraum der Gewerbegebiete angesehen
werden. Nach BNatSchG sind alle Arten als „besonders geschützt“ eingestuft. Als „streng ge-
schützt“ ist keine der gefundenen Arten klassifiziert. Noch ist keine der Arten in der bundesdeut-
schen oder sächsischen Roten Liste registriert.
Mit vier Brutvogelpaaren und dreimal Brutverdacht ist der Hausrotschwanz der häufigste Brutvogel
im Plangebiet und als Nischenbrüter überwiegend auf das Vorhandensein der bestehenden Gebäude
angewiesen. Bemerkenswert ist außerdem das nachgewiesene Brutvorkommen von fünf Mauerseg-
lerpaaren an Messehalle 21.
Zusammenfassend ist herauszustellen, dass die vorkommenden Brutvögel im Stadtgebiet von
Leipzig weit verbreitet und häufig vertretene Brutvogelarten sind. Insgesamt wird die Bedeutung
des Plangebietes für Vögel als gering bis durchschnittlich eingeschätzt.
Fledermäuse:
Die Artengruppe Fledermäuse wurde ebenfalls faunistisch erfasst. In den Gebäuden konnten keine
Hinweise auf Wochenstuben gefunden werden und die festgestellte geringe Anzahl jagender Tiere
lässt das Vorhandensein von Fortpflanzungsstätten im Gebiet eher unwahrscheinlich erscheinen.
Jedoch werden die im Plangebiet bestehenden Alt- und Biotopbäume mit teilweise Höhlen und
Spalten von baumbewohnenden Fledermausarten als Sommer- bzw. Zwischenquartier genutzt und
es ist auch wahrscheinlich, dass einzelne Gebäudespalten als Sommer- bzw. Tagesquartier genutzt
werden. Anlagebedingte Verluste von Sommer- wie Ganzjahresquartieren sind deshalb bei Durch-
führung des Bebauungsplans zu erwarten.
Das Ergebnis der artenschutzrechtlichen Prüfung sieht mögliche Verstöße gegen das Tötungs- oder
Störungsverbot gemäß § 44 Abs. 1 Nr. 1, 2 und 3 BNatSchG. Eine erhebliche Störung, die zu einer
Verschlechterung der lokalen Population führt, kann jedoch, da eine Reproduktion nicht wahr-
scheinlich ist, ausgeschlossen werden.
In Bezug auf die zukünftige Eignung des Plangebietes als Jagdgebiet oder Raum für Transferflüge
sind nur wenig betriebsbedingte Auswirkungen zu befürchten. Insofern kann der Bereich weiter als
Jagdrevier dienen.
Tabelle:
Im Untersuchungsgebiet nachgewiesene Fledermausarten und ihre Gefährdungseinstufung
2017 in Sachsen.
Art (dt)
Art (Wiss.)
Nachweise
Anzahl, Datum
Rote Liste
Sachsen
BNatSchG
Breitflügel-
fledermaus
Eptesicus serotinus
1x 23.05.2017
3
§§
Großer Abendseg-
ler
Nyctalus noctula
2x 02.05.2017,
2x 23.05.2017,
1x 13.06.2017,
2x 19.07.2017
V
§§

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Kleinabendsegler
Nyctalus leisleri
1x 23.05.2017
3
§§
Mückenfledermaus
Pipistrellus pyg-
maues
1x 23.05.2017
3
§§
Rauhautfledermaus Pipistrellus nathusii
1x 02.05.2017
1x 23.05.2017
3
§§
Zwergfledermaus
Pipistrellus pi-
pistrellus
1x 19.07.2017 (Sozial-
laute),
2 Ind. 09.07.2017
(Konkurrenzverhalten)
V
§§
Es bedeuten: 3 – gefährdet, V – Vorwarnliste, §§ – streng geschützt.
Insekten:
Im Plangebiet wurden mit der faunistischen Erfassung [6] außerdem folgende wertgebenden Insek-
tenarten festgestellt, die nach § 7 Abs. 2, Nr. 13 BNatSchG zu den besonders geschützten Arten
zählen:
Tabelle 1:
Im Untersuchungsgebiet nachgewiesene Heuschrecken und ihre Gefährdungseinstufung
2017 in Sachsen.
Art (dt)
Art (Wiss.)
Individuen
Rote Liste
Sachsen
BNatSchG
Blauflügelige Ödland-
schrecke
Oedipoda caerule-
scens
33 m, 20 w, 13 w
sub, 4 ny
u
§
Blauflügelige Sand-
schrecke
Sphingonotus
caerulans
1w , 1w sub
u
§
Es bedeuten: m – Männchen, w – Weibchen, w sub – subadulte Weibchen, Ny – Nymphen; u – ungefährdet, § – besonders geschützt.
Die Blauflügelige Ödlandschrecke wurde auf offenen bis schütter bewachsenen Splittstandorten,
überwiegend südlich von Messehalle 17, kartiert. Die beiden Exemplare der Blauflügeligen Sand-
schrecke wurden nur im Bereich südlich der Messehalle 17 festgestellt.
c) Prognose der Entwicklung des Bestandes bei Nichtdurchführung der Planung
Avifauna, Fledermäuse
Die geringe bis durchschnittliche Bedeutung für eine Vielfalt an Vogel- bzw. Fledermausarten im
näheren Umfeld der Innenstadt würde bestehen bleiben. Aufgrund der bestehen bleibenden Versie-
gelung wird sich die Bedeutung kaum verbessern. Die Gebäude könnten sich bei fortschreitendem
Verfall besser (bessere Zugänglichkeit in die Innenräume durch desolate Fenster oder Fassadenteile)
oder auch weniger gut eignen (Zugluft, eindringende Nässe oder Prädatoren).
Heuschrecken
Das Vorkommen der Blauflügeligen Ödland- und Sandschrecke ist an das Vorkommen von offenen
sandigen Flächen mit einem Deckungsgrad von weniger als 50 % gebunden. Bei gänzlich ausblei-
bender Nutzung wie Befahren oder Begehen von Flächen würde weitere Sukzession die Lebens-
raumbedingungen für diese Offenlandarten schrittweise verschlechtern, ansonsten würde die Eig-
nung bestehen bleiben.
7.2.7.3 Prognose über die Entwicklung bei Durchführung der Planung
a) Prognose der Entwicklung des Umweltbestandes bei Durchführung der Planung
Avifauna
Baubedingt und durch die zunehmende Nutzungsintensität der Flächen mit Umsetzung des Bebau-
ungsplanes werden die Fortpflanzungs- und Ruheplätze einiger Arten verloren gehen, bzw. wird die

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Dichte des Brutvogelaufkommens abnehmen. Allerdings werden auch neue Habitatstrukturen ent-
stehen (Freiflächen, Flächen für Maßnahmen). Insbesondere für Gebäude- bzw. Höhlen- und Halb-
höhlenbrüter (z. B. Mauersegler und Hausrotschwanz) werden Brutstätten verloren gehen. Die alten
Bestandsgebäude werden durch neue Bauten ersetzt, welche ohne besondere Maßnahmen kaum
Lebensraumpotenzial für Gebäudebrüter bieten.
Für die Freibrüter unter den Brutvogelarten (z.B. Ringeltaube, Rabenkrähe, Grünfink) werden mit
der Entwicklung der neuen Vegetationsstrukturen die verlorengegangenen Strukturen im unmittel-
baren räumlichen Zusammenhang wieder hergestellt. Für gebüschbrütende Arten (wie Mönchs-
grasmücke oder Singdrossel) werden mit der Festsetzung von Flächen für Maßnahmen zum Schutz,
zur Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft auf einer Fläche von ca. 1.900 m
2
, auf denen
Gehölzstrukturen mit Bäumen und Sträuchern erhalten bleiben und ergänzt werden, Lebensräume
erhalten bzw. Ersatzlebensräume geschaffen.
Fledermäuse
Für die gebäudebewohnenden Fledermäuse werden neue Spaltenquartiere in den Fassadenbereichen
der neuen Gebäude vorgesehen. Für gehölzbewohnende Fledermausarten werden künstliche Quar-
tiere in den ruhig gelegenen Bereichen des per Festsetzung zu sichernden Gehölzbiotops angelegt,
der Gehölzlebensraum an sich bleibt auf dieser Fläche erhalten bzw. werden Ersatzlebensräume
geschaffen. Mit Entwicklung der neuen Vegetationsstrukturen werden die verlorengegangenen
Strukturen im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang wieder hergestellt.
Blauflügelige Ödlandschrecke, Blauflügelige Sandschrecke
Die Bestände der Blauflügeligen Ödlandschrecke und der Blauflügeligen Sandschrecke sind an
sonnenexponierte schüttere Vegetationsbestände mit mageren Rohbodenangeboten und sandigen
Bereichen gebunden. Diese Lebensraumstrukturen werden im Plangebiet zunächst bau- und anlage-
bedingt zerstört. Per Festsetzung wird gesichert, dass geeignete Habitate in vergleichbarer Größen-
ordnung im Bereich der Freiflächen südlich und südwestlich der neuen Gebäude neu hergestellt
werden.
b) Prognose der Einhaltung der relevanten Ziele des Umweltschutzes bei Durchführung der
Planung
Die Einhaltung der Vorschriften gemäß § 44 Abs. 5 BNatSchG für die europäisch geschützten Arten
wurde im Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag untersucht:
Avifauna
Mit den Festsetzungen von Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Natur und
Landschaft wird einem Fortbestand bzw. einer Entwicklung der geeigneten Lebensräume der im
Gebiet häufig vorkommenden Brutvogelarten entsprochen. Die ökologische Funktion der vom
Eingriff betroffenen Fortpflanzungs- und Ruhestätten wird im räumlichen Zusammenhang weiterhin
erfüllt. Demnach sind durch den Bebauungsplan keine Verstöße gegen die artenschutzrechtlichen
Zugriffsverbote der Avifauna zu erwarten. Verstöße gegen das Tötungsverbot können durch Maß-
nahmen zum bauzeitlichen Management wie die Verlagerung der Bauzeiten außerhalb der Hauptre-
produktionszeiten der Vögel und durch den Einsatz einer artenschutzfachlichen Baubegleitung
vermieden werden.
In Bezug auf den landesweiten Betrachtungsraum ist anzumerken, dass geeigneter Lebensraum für
Gebäudebrüter zunehmend fehlt. Aus diesem Grund wird empfohlen, gebäudeintegrierte künstliche
Nisthilfen für Gebäudebrüter (Mauersegler, auch geeignet für Haussperling) zu installieren.
Fledermäuse
Mit den Festsetzungen der Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Natur und
Landschaft wird der Fortbestand bzw. die Entwicklung der geeigneten Lebensräume der Artengrup-
pe gesichert. Die ökologische Funktion der vom Eingriff betroffenen Ruhestätten wird im räumli-

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chen Zusammenhang weiterhin erfüllt. Demnach sind durch den Bebauungsplan keine Verstöße
gegen die artenschutzrechtlichen Verbote zu erwarten. Verstöße gegen das Tötungsverbot können
durch geeignete Maßnahmen zum bauzeitlichen Management vermieden werden.
Blauflügelige Ödlandschrecke, Blauflügelige Sandschrecke
Die Einhaltung der Naturschutzziele für besonders geschützte Arten nach § 7 Abs. 2 Nr. 13
BNatSchG wird wie folgt dargestellt:
Die Festsetzungen des Bebauungsplanes führen zum Verlust von Biotopen, die von besonders ge-
schützten Heuschreckenarten genutzt werden. Um diesen Verlust auszugleichen, werden Festset-
zungen von Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft vor-
genommen. Die festgesetzten Maßnahmen können den Fortbestand bzw. die Entwicklung geeigne-
ter Lebensräume im Plangebiet absichern.
7.2.7.4 Maßnahmen zur Vermeidung, Verringerung und zum Ausgleich der nachtei-
ligen Auswirkungen
Bauphase
Zur Erhöhung der Datensicherheit wurden im Zeitraum September bis November 2019 ergänzend
die potenziellen Fledermaus-Winterquartiere im Plangebiet kartiert. Dabei wurde die bisherige
Tendenz bestätigt. Es wurden keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich des Fledermausvorkommens
im Plangebiet gewonnen. Die endgültigen Ergebnisse fließen in die Antragsunterlagen zur Bauge-
nehmigung ein.
Die Abriss- und Fällmaßnahmen sind durch einen artenschutzfachlichen Gutachter zu begleiten. Vor
Rodung größerer Bäume sind diese auf Vorkommen von Lebensstätten an Gehölze gebundener
Brutvogelarten und baumbewohnender Fledermäuse zu untersuchen.
Rodungs- und Abrissarbeiten sind außerhalb der Vegetations- und Fortpflanzungszeit, d.h. nur im
Zeitraum von Oktober bis Ende Februar durchzuführen. Die Splittflächen mit Lebensraumfunktion
von Blauflügeliger Ödlandschrecke und Blauflügeliger Sandschrecke sind vor Baubeginn abzu-
schieben und zur Wiederverwendung auf den Maßnahmeflächen für diese Arten im Plangebiet
zwischenzulagern.
Wirkphase
Für die zu beseitigenden Bäume mit Eignung als Ruhe- und Reproduktionsquartier für höhlenbrü-
tende Kleinvögel und Fledermäuse erfolgen vollumfänglich Ersatzpflanzungen bzw. werden Nist-
hilfen angebracht. Dies wird per Festsetzung gesichert.
Es wird eine zusammenhängende Struktur an Gehölzbiotopen mit Bäumen und Sträuchern erhalten
sowie ergänzend die angrenzende Fassade mit Kletterpflanzen begrünt (Absicherung per Festset-
zungen zu M 2, M 4 und M 6 und textlicher Festsetzung 5.3), so dass diese Flächen für Gebüsch-
brüter verfügbar sind.
Für Gebäudebrüter und Fledermäuse wird per Festsetzung gesichert, dass Nisthilfen am Gebäude
angebracht werden.
Per Festsetzung wird die Anlage magerer Biotope mit Ansaat einer trockenverträglichen regionalen
Saatgutmischung für die Erhaltung des Lebensraumes der Blauflügeligen Ödlandschrecke gesichert.
Die extensive Dachbegrünung (Festsetzung 4.4) kann vor allem Insekten als Lebensraum dienen.
7.2.7.5 In Betracht kommende anderweitige Planungsmöglichkeiten
Anderweitige Planungsmöglichkeiten, die die Ziele und den räumlichen Geltungsbereich des Bau-
leitplans berücksichtigen, wurden aus den in Kap. 7.2.6.3 und Kap. 7.2.6.5 dargestellten wesentli-

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chen Gründen nicht in Betracht gezogen und der gewählten Planungsmöglichkeit deshalb der Vor-
zug gegeben.
Eine Wiedernutzbarmachung der einstigen, sanierungsbedürftigen Messehallen ist in allen Fällen –
auch wenn die Gebäude dabei vollständig erhalten blieben, verkleinert würden oder gänzlich neu
entstünden – mit umfangreichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen und mit Flächenentsiegelun-
gen verbunden, die erhebliche Eingriffe in die Lebensräume von gebäudebewohnenden Tierarten
mit sich brächten. Erhebliche Eingriffe in den Baumbestand im Bereich der Bestandsgebäude bzw.
der versiegelten Flächen und damit den hier betroffenen Lebensraum von höhlen- und spaltenbe-
wohnenden Tierarten würden dabei baubedingt ebenfalls stattfinden.
7.2.8
Biologische Vielfalt
Es sind keine für die Abwägung erheblichen umweltbezogenen Auswirkungen zu erwarten. Deshalb
wurde festgelegt, dass dazu keine weiteren Ermittlungen erforderlich sind.
Begründung:
Den Zielen des Belanges wie:
Bei Revitalisierung von Gewerbeflächen Teilflächen als extensive Grünflächen erhalten,
extensiv pflegen, keine Ansaat/Anpflanzung von Standard-Saat-/Pflanzgut, Nutzung des spon-
tan entstehenden Gehölz- und Magerrasenbestandes zur Grünflächengestaltung,
Durchgrünung neuer Gewerbeflächen mit standortgerechten heimischen Baumarten und
extensiven Grünflächen, Anlage zusammenhängender Gehölzflächen mit Großgehölzanteil,
Biotopverbund am Rand des Plangebiets: Verbund der Gleis- und Trockenbiotope, Grünfläche
(Böschungsbereich Bahnanlage),
Entwicklung/Anreicherung von Lebensräumen in bebauten Gebieten, Biotopschutz
wird der Plan wie folgt gerecht:
Im Bestand ist das Plangebiet Bestandteil stark versiegelter Gewerbeflächen mit Großparkplätzen.
Im Belang biologische Vielfalt der Arten wird sich bei Umsetzung des Bebauungsplanes ein gering-
fügig verändertes Artenspektrum einstellen. Die im Plangebiet befindlichen, gestörten Biotope mit
geringer biologischer Vielfalt werden durch unterschiedliche Biotopstrukturen (extreme Vegetati-
onsstandorte, gärtnerisch geprägte Flächen mit Einzelbäumen und Baumgruppen, extensiv gepflegte
Gehölz- und Gebüschfläche) aufgewertet bzw. weiterhin gewährleistet werden. Siehe hierzu die
Ausführungen in Kap. 7.2.6 und 7.2.7.
Folglich sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen auf den Belang zu erwar-
ten. Weiterer Ermittlungen und Darlegungen dazu bedarf es deshalb nicht.
7.2.9
Landschaft
Es sind keine für die Abwägung erheblichen umweltbezogenen Auswirkungen zu erwarten. Deshalb
wurde festgelegt, dass dazu keine weiteren Ermittlungen erforderlich sind.
Begründung:
Die Durchführung der Planung lässt zwar erhebliche Veränderungen und damit erheblich scheinen-
de Auswirkungen auf den Belang „Landschaft“ erwarten. Im Ergebnis der Umnutzung findet aber
eine erhebliche gestalterische Aufwertung statt. Den Zielen des Belanges:
Entwicklungsbedarf Landschaftsbild: Aufwertung der Qualität des Siedlungs- und Land-
schaftsbildes,
Abbau von städtebaulichen Defiziten und Sanierung von umgestalteten Freiräumen und Bra-
chen als spezifisches Entwicklungsziel,

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Entwicklung des raumwirksamen Grünanteils
wird der Plan vollumfänglich gerecht:
Im Bestand ist bereits eine baulich nahezu vollständig überprägte, ebene bis leicht geneigte Grund-
moränenlandschaft zu verzeichnen, es bestehen visuelle Beeinträchtigungen (Mangel an raumwirk-
samen Gehölzen, Verwahrlosungstendenzen). Die Planung führt zu einer Inwertsetzung eines weite-
ren Kernstücks brachliegender einstiger Ausstellungsgebäude und -flächen der Alten Messe.
Mit der vorgesehenen Planung wird die Brache bzw. werden die sanierungsbedürftigen Bauwerke
umfassend umgestaltet und damit städtebauliche Defizite abgebaut und es geht eine raumwirksame
Erhöhung des Grünanteils einher. Es erfolgt damit eine Aufwertung des Siedlungs- und Land-
schaftsbildes.
7.2.10 Menschen – Erholungspotenzial
Es sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten. Deshalb wurde
festgelegt, dass dazu keine weiteren Ermittlungen erforderlich sind.
Begründung:
Das Plangebiet besitzt kein vordergründiges Erholungspotential und ist nicht Bestandteil eines
Erholungsgebiets oder einer öffentlichen Grünanlage.
Erholungsrelevanz haben im weiteren Sinne die lokalen und regionalen Wegebeziehungen, die das
Plangebiet randlich berühren (Geh- und Radwege entlang der Straßentrassen von Richard-
Lehmann-Straße und untergeordnete Beziehungen entlang von Puschstraße und Ottostraße).
Auf der Grundlage der vorlegten Planung erfolgt eine Verbesserung der bestehenden Wegebezie-
hungen, da mit der Festsetzung von Geh- und Radfahrrechten zugunsten der Allgemeinheit eine
Verbindung zwischen der Richard-Lehmann- bzw. Ottostraße zur Puschstraße dauerhaft gesichert
wird.
7.2.11 Menschen/Gesundheit – Verkehrs- und Gewerbelärm
7.2.11.1 Umfang und Detaillierungsgrad der Ermittlung
Es sind
erhebliche Auswirkungen
hinsichtlich des Verkehrs- und Gewerbelärms wie folgt zumin-
dest nicht auszuschließen:
Für den geplanten Bau- und Gartenfachmarkt werden eine Betriebszeit von 06:00 bis 22:00 Uhr und
eine Ladenöffnungszeit von 07:00 bis 20:00 Uhr angestrebt. Es könnte hierdurch zu schalltechni-
schen Konflikten kommen.
Als vertiefende Ermittlung wurde daher eine Schallimmissionsprognose als erforderlich festgelegt.
Diese wurde im Zuge der Vorhabenplanung durchgeführt und ermittelte rechnerisch die dem Vorha-
ben zuzuordnende Schallimmissionsbelastung an relevanten Immissionsorten [4].
Darin wurden für das Vorhaben folgende schalltechnisch relevante
Emissionsquellen
identifiziert:
Warenanlieferung (LKW, Handhubwagen), einschließlich Abladung Langhölzer
Kundenstellplätze
Einkaufswagen-Sammelbox
Haus-/Lufttechnik
In der Umgebung des Plangebiets wurden folgende
Immissionsorte
ermittelt:
IO-01: Puschstr. 9, 1. OG Pavillon der Hoffnung, südwestliche Fassade (Gewerbegebiet)
IO-02: Kleingartenanlage „Marienbrunn“ (Kleingärten)

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IO-03: Grimmweg 16, Wohnbebauung 2. OG (allgemeines Wohngebiet)
IO-04, IO-05: Puschstraße 6, Sanitätshaus (2 verschiedene Punkte, beide Gewerbegebiet)
IO-06, IO-10: Puschstraße 8 (2 verschiedene Punkte, beide Gewerbegebiet)
IO-07: Puschstraße 10, Eventpalast (Gewerbegebiet)
IO-08: Puschstraße 9, Pavillon der Hoffnung-Betriebsleiterwohnung (Gewerbegebiet)
IO-09: Puschstraße 9, Schulstandort nördlich des Eventpalastes (Gewerbegebiet)
Hinsichtlich darüber hinausgehender Ermittlungen wurde festgelegt, dass es ihrer nicht bedarf, weil
keine Anhaltspunkte für weitere für die Abwägung erhebliche Umweltauswirkungen vorliegen.
7.2.11.2 Bestandsaufnahme des derzeitigen Umweltzustandes (Basisszenario)
a) Beschreibung der verwendeten Methodik und etwaiger Schwierigkeiten
Es wurde zum vorliegenden Bebauungsplan eine Schalltechnische Untersuchung angefertigt, die die
der gewerblichen Anlage des geplanten Bau- und Gartenfachmarkts zuzuordnende Schallimmissi-
onsbelastung (Beurteilungspegel) an relevanten Immissionsorten rechnerisch ermittelt und diese
Beurteilungspegel mit den Orientierungswerten der DIN 18005 Beiblatt 1 vergleicht. Sie stützt sich
auf den Entwurf zum Vorhaben Bau- und Gartenfachmarkt (2018, Lageplan, Ansichten, Schnitte)
und die angrenzenden Bebauungspläne Nr. 223 (Umbau Messehalle 11 in SB-Warenhaus), Nr. 421
(Fahrradfachmarkt auf der Alten Messe), Nr. 361.1 (Funkmast Richard-Lehmann-Straße/Zwickauer
Straße), Nr. 361.2 (Messegrund-West) und Nr. 54, 1. Änderung (AUDI-Zentrum an der Richard-
Lehmann-Straße) sowie den Flächennutzungsplan Leipzig.
Da das Vorhaben von gewerblichen Anlagen (Autohäuser, Tankstelle, etc.) umgeben ist, bestehen
Vorbelastungen. Schalltechnische Auflagen für diese gewerblichen Anlagen bzw. nutzbaren Flächen
sind jedoch nicht bekannt bzw. nicht konkret quantifizierbar, sodass aus diesem Grund im gemein-
samen Einwirkbereich der Anlagen und der Vorbelastung der um 6 dB reduzierte Immissionsricht-
wert angestrebt wird (s. TA Lärm
12
Abschnitt 3.2.1, Absatz 2).
Für die Berechnung nach der TA Lärm wurden Immissionspunkte jeweils 0,5 m vor der Mitte eines
geöffneten Fensters der betreffenden Fassade bzw. in einer Höhe von 2 m (Kleingartenanlage) und 4
m (in unbebauten Bereichen) gewählt. Die Berechnungen erfolgen getrennt für die Beurteilungszeit-
räume „Tag“ (06:00 bis 22:00 Uhr) und „Nacht“ (lauteste Nachtstunde in der Zeit von 22:00 bis
06:00 Uhr). Als Beurteilungskriterium wurden die Orientierungswerte nach DIN 18005 herangezo-
gen. Nach TA Lärm ist abzusichern, dass kurzzeitige Überschreitungen des Immissionsrichtwertes
tags um mehr als 30 dB(A) und nachts um mehr als 20 dB(A) nicht auftreten.
Als Grundlage zur schalltechnischen Beurteilung dient ein dreidimensionales
schalltechnisches
Berechnungsmodell
aus einem Ausbreitungsmodell (Gelände und Bebauung) und einem Emissi-
onsmodell (Emittenten).
Die Emissionsdaten für die vorliegenden schalltechnisch relevanten Emittenten liegen ausschließ-
lich als Einzahlwerte vor, anhand derer die Schallausbreitungsberechnungen gemäß TA Lärm bzw.
DIN ISO 9613, Teil 2 mit der Mittenfrequenz von 500 Hz durchgeführt werden.
Bei Überschreitungen der Beurteilungskriterien an den Immissionsorten im Ergebnis der Berech-
nungen werden die Schallquellen aufgezeigt, die zu dieser Überschreitung führen und Anforderun-
gen an die Minderung der Emissionspegel dieser Quellen formuliert. Die Wirkung kurzzeitig auftre-
tender Emissionen wird für das Zuschlagen einer Kofferraumtür auf dem Parkplatz (E1) sowie für
das Betätigen der Druckluftbremse (E2) rechnerisch ermittelt und mit den zulässigen Einzelereig-
niskriterien der TA Lärm verglichen. Die Geräusche des An- und Abfahrtverkehrs auf öffentlichen
12
Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm –
TA Lärm) vom 26. August 1998

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Verkehrsflächen werden entsprechend der TA Lärm, Punkt 7.4 in die Beurteilung der Geräuschsi-
tuation einbezogen.
Bei der Ermittlung der Emissionen wird bei allen Anlagenteilen davon ausgegangen, dass diese
entsprechend des Standes der Technik ausgeführt werden (z.B. feste Regenrinne, keine „klappern-
den“ Fahnenmasten).
b) Umweltmerkmale der Gebiete, die voraussichtlich erheblich beeinflusst werden
Für die Wohnbebauung südlich der Richard-Lehmann-Straße (IO-03) liegt kein Bebauungsplan vor.
Im gültigen Flächennutzungsplan der Stadt Leipzig ist der Bereich als Wohnbaufläche ausgewiesen,
weshalb dem nächstgelegenen Wohnhaus der Schutzanspruch eines allgemeinen Wohngebietes nach
der TA Lärm zugeordnet wird.
Als weitere schützenswerte Substanz wird die Kleingartenanlage „Marienbrunn“ betrachtet (IO-02).
Weitere, im Gewerbegebiet gelegene Immissionsorte sind die im Norden des Eventpalastes
ansässige Schule „AHF Grundschule“ (IO-09) bzw. der Gebäudekomplex „Pavillon der Hoffnung“
(IO-01 im 1. OG; mit im Gewerbegebiet gelegener Betriebsleiterwohnung, IO-08), der Eventpalast
(IO-07) sowie das erst 2018 fertiggestellte Sanitätshaus (IO-04 und -05). Da sich das Areal
nordwestlich des Plangebiets (Puschstraße 8, IO-06, IO-10, Gewerbegebiet) noch in der
Entwicklung befindet, wurden hier zudem zwei freie Aufpunkte in 3 m Abstand zur
Grundstücksgrenze als Immissionsorte für die Untersuchung ausgewählt.
c) Prognose der Entwicklung des Bestandes bei Nichtdurchführung der Planung
Ohne die vorliegende Planung ist die Entwicklung als Gewerbegebiet baurechtlich möglich. Eine
Ansiedlung von Gewerbetreibenden könnte dann Lärmemissionen über die Bestandssituation hin-
ausgehend verursachen, sodass in Summe die Immissionsrichtwerte der TA Lärm überschritten
werden.
7.2.11.3 Prognose über die Entwicklung bei Durchführung der Planung
a) Prognose der Entwicklung des Umweltbestandes bei Durchführung der Planung
Die Anlieferung für das Vorhaben mit LKW > 7,5 t findet nur werktags innerhalb der Zeit von 06.00
bis 22.00 Uhr statt (Beurteilungszeitraum “Tag”). Es wird „Fahrgeräusche und besondere Fahrzu-
stände“ und „Betriebsgeräusche“ geben.
Für den Anlieferverkehr wird angenommen, dass ein Abstellen des Motors während der Entlade-
bzw. Beladevorgänge als gute fachliche Praxis gehandhabt wird (max. 1 min Betriebsdauer = 60 s).
Nur für das Müllfahrzeug wird auf Grund der über den LKW-Motor betriebenen Hydraulik zur
Beladung eine Betriebszeit von 5 min (300 s) angesetzt.
Die Anlieferungen erfolgen sowohl über eine Rampe als auch ebenerdig. In Summe sind folgende
vier Punkte nördlich des Gebäudekomplexes durch den Betreiber benannt, an denen ein Warenum-
schlag erfolgt:
A) Abladen Langhölzer
(Entladung vom LKW zum Lager mit Handhubwagen, Gesamtdauer ca. 90 min),
B) Verladung innerhalb der eingehausten Anlieferung über eine Rampe
(Abladen Sackware mit einem Stapler, Gesamtdauer ca. 40 min),
C) Sackware Gartensortiment
(Abladen der Baustoff-LKW mit Stapler, ca. 60 min, Beladung der Auslieferung per Hand) und
D) Ablage Baustoffe bzw. Auslieferungsbereich/Drive-in.
Die erfahrungsgemäß zu erwartenden Warenmanipulationen wie z.B. Abladen von Langholz und
Sackware mit Staplern führen zu Geräuschentwicklung. Die Fahrwege im Bereich der Ladezonen

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sind nicht eindeutig festgelegt, daher wird die Emissionsquelle als Flächenquelle entsprechend ihrer
Lage angesetzt und die Fahrten innerhalb des LKW (Rollgeräusche, Wagenboden) werden am
LKW-Standort berücksichtigt. Für die erforderliche Rangierstrecke der LKW im Bereich der Lade-
rampe wird im schalltechnischen Modell ein Zuschlag von 5 dB vergeben, womit die bei Rangiertä-
tigkeiten auftretenden Schallereignisse wie Beschleunigung und Verzögerung der Fahrt berücksich-
tigt sind. Außerdem ergeben sich aus den Anfahrten und den Liefervorgängen für das Geschäftshaus
Betriebsgeräusche (z.B. Anlassen, Türenschlagen, Leerlauf), die in die Emissionsdaten eingehen.
Die Kleinanlieferungen (Pakete) per Transporter werden manuell entladen, dies verursacht keine
relevanten Emissionen.
Die LKW-Anfahrten sind wie folgt geplant: Sämtliche LKW fahren den Markt zur Anlieferung der
Ziele A, B, C und D (s. oben) über die Puschstraße an. Über die Ottostraße hin zur Zwickauer Stra-
ße erfolgen keine An- und Abfahrten des Lieferverkehrs. Lediglich die Abfahrt der Lieferfahrzeuge
des Sanitätshauses erfolgt über die gesonderte Anbindung an die Ottostraße.
Nur die LKW, die den Baustoff-Drive-in beliefern (Bereich D), fahren über den Kundenparkplatz
und die Richard-Lehmann-Straße wieder ab. Der erwartete Emissionspegel für den ruhenden Ver-
kehr auf den brutto 396 Stellplätzen auf etwa 14.870 m
2
Fläche mit ca. 2.060 Kunden im Tagzeit-
raum (= 4.120 Kfz-Fahrten/24 h) [5] umfasst Geräusche der An- und Abfahrt (Befahren der Stell-
platzanlage), Starten der Motoren, Türen- sowie Kofferraumzuschlagen und Befahren des Parkplat-
zes mit Einkaufswagen, die impulshaft auftreten. Außerdem spielt die Art der Fahrbahn- und Stell-
platzbefestigung eine Rolle. Es wird auf der Stellplatzanlage zu unterschiedlichen Bewegungshäu-
figkeiten – überproportional häufig im Eingangsbereich und abnehmend in den entfernten Berei-
chen – kommen.
Des Weiteren sind im Stellplatzbereich 14 Einkaufswagen-Sammelboxen vorgesehen, die voraus-
sichtlich analog der Bewegungen im Stellplatzbereich überproportional häufig im Eingangsbereich
und abnehmend in den entfernten Bereichen genutzt werden. Dort wird es durch Ein- und Aussta-
peln impulshaft zu Schallemissionen kommen, wofür 258 x Ein- und Ausstapeln tags prognostiziert
werden. Die Geräusche, die beim Bewegen der Einkaufswagen auf dem Parkplatz auftreten, sind in
der Emissionsermittlung „Kundenparkplätze“ erfasst.
Zu Immissionen durch lufttechnische Anlagen konnte in der Schallimmissionsprognose noch keine
Betrachtung erfolgen, da Art und Umfang der eingesetzten Haustechnik noch nicht bekannt waren.
Jedoch können solche Anlagen immer so ausgelegt werden, dass sie – auch unter Berücksichtigung
von gewerblicher Vorbelastung – nicht zu schalltechnischen Konflikten führen. In der Regel ist von
einem konfliktfreien Betrieb der lufttechnischen Anlagen auszugehen, wenn diese den Immissions-
richtwert um ≥ 10 dB unterschreiten.
Eine solche haustechnische Umsetzung ist unkritisch möglich. Die entsprechende Ergänzung des
Gutachtens erfolgt zusammen mit dem Bauantrag.
Für die Bauleitplanung ergibt sich somit hinsichtlich des Schutzes vor schädlichen Umwelteinwir-
kungen kein zusätzlicher Regelungsbedarf.
b) Prognose der Einhaltung der relevanten Ziele des Umweltschutzes bei Durchführung der
Planung
Der Emissionsansatz zur Berechnung der Geräuschimmissionen durch die Betriebsgeräusche der
LKW geht von Mittelwerten aus. Die im Anlieferungsbetrieb auftretenden Geräusche wurden als
Schallleistungspegel L
WA
(arithmetische Mittelwerte) für LKW detailliert in der Schallimmissions-
prognose und mit einer mittleren Dauer berücksichtigt. Die Emissionsquelle der Fahrwege wurde
dabei als Flächenquelle angesetzt. Für die Stellplatzanlage (im Gutachten „Parkplatz“ genannt)
werden Pegelanteile mit Zuschlag für die stattfindenden impulshaften Geräusche sowie für die
Fahrbahnoberfläche und den Parksuchverkehr angesetzt. Bezüglich der Kundenstellplätze und der
Einkaufswagen-Sammelboxen kommt das Schallgutachten zu dem Ergebnis, dass bei normalem

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Betrieb weder die einschlägigen Orientierungswerte überschritten werden, noch kurzfristige Ge-
räuschspitzen, die den Immissionsrichtwert tags und nachts um 30 dB(A) bzw. 20 dB(A) über-
schreiten, zu erwarten sind. Beide Emissionsquellen liegen südwestlich des geplanten Gebäude-
komplexes und damit auf der lärmunsensiblen Seite des Plangebiets.
Für den Kundenverkehr wurden die Geräusche des An- und Abfahrtverkehrs auf öffentlichen Ver-
kehrsflächen entsprechend der TA Lärm, Punkt 7.4 in die Betrachtung einbezogen. Da der An- und
Abfahrtsverkehr direkt über die Richard-Lehmann-Straße und die Ottostraße erfolgt und sich somit
mit dem übrigen Verkehr mischen wird, sind aus lärmschutztechnischer Sicht keine organisatori-
schen Maßnahmen zur Geräuschminderung des An- und Abfahrtverkehrs erforderlich.
Für die Warenanlieferung wurden sowohl der Anfahrtsverkehr inklusive Betriebsgeräuschen (Brem-
sen, Türen zuschlagen, Anlassen) als auch der Warenumschlag (Abladen von Hölzern, Hubwagen-
und Staplergeräusche) berücksichtigt. Auch hier sind kurzfristige Geräuschspitzen, die den Immis-
sionsrichtwert tags um mehr als 30 dB(A) und nachts um mehr als 20 dB(A) überschreiten, nicht zu
erwarten.
Das Entladen der LKW erfolgt über eine eingehauste Rampe, sodass die Schallemissionen auch auf
der Nordostseite des Gebäudekomplexes keine kritischen Werte erreichen. Weitere Maßnahmen zur
Lärmreduktion sind aus lärmtechnischer Sicht nicht erforderlich.
Im Hinblick auf haustechnische Anlagen zur Belüftung/Kühlung/Heizung ist vorbehaltlich der
genauen technischen Ausrüstung davon auszugehen, dass die Anlagen im Betrieb den Immissions-
richtwert um mindestens 10 dB unterschreiten.
Die ermittelten Beurteilungspegel (L
r
, tags und nachts) an den relevanten Immissionsorten werden
in der Schallimmissionsprognose ([4], Tabelle 8, S. 20) ausgewiesen und den Orientierungswerten
gegenübergestellt. Im Ergebnis werden an den vorhandenen relevanten Immissionsorten die Orien-
tierungswerte in den Beurteilungszeiträumen tags und nachts um mehr als 6 dB, bis auf die IO-06
und IO-07 sogar um mehr als 10 dB unterschritten. Einzige Ausnahme ist der IO-10, dort wird der
Orientierungswert zwar eingehalten, aber nicht um mindestens 6 dB unterschritten. Schalltechni-
sche Konflikte sind jedoch auch hier nicht zu erwarten, da auf dem betreffenden Nachbargrundstück
mögliche neue Gewerbenutzungen mit hoher Sicherheit nicht einen so hohen Beurteilungspegel
erzeugen, dass in Summe der Immissionsrichtwert überschritten wird. Weiterhin wäre im Rahmen
des Genehmigungsverfahrens eines möglichen neuen Vorhabens auf dem Nachbargrundstück zu
prüfen, ob alle Voraussetzungen nach § 15 BauNVO erfüllt sind.
Somit sind für das geplante Vorhaben keine schalltechnischen Konflikte zu erwarten.
Zur Vermeidung störender kurzzeitiger Geräuscheinwirkungen für die Wohnbereiche ist nach TA
Lärm abzusichern, dass kurzzeitige Überschreitungen des Immissionsrichtwertes tags um mehr als
30 dB(A) und nachts um mehr als 20 dB(A) nicht auftreten. Die im direkten Umfeld des künftigen
Bau- und Gartenmarktes vorhandenen Gebäude befinden sich alle in einem Gewerbegebiet. Die
nächstgelegene schutzbedürftige Wohnbebauung befindet sich ca. 150 m südöstlich der Grenze des
Plangebiets. Vorgänge bzw. Emittenten, die hier zu einer Überschreitung des Einzelereigniskriteri-
ums führen könnten, sind dem Bau- und Gartenmarkt nicht zuzuordnen. Somit sind Spitzenpegel,
die kurzfristige Geräuschspitzen mit einer Überschreitung des Immissionsrichtwerts – tags um mehr
als 30 dB(A) und nachts um mehr als 20 dB(A) – verursachen, nicht zu erwarten.
Die TA Lärm führt in Absatz 2, Punkt 7.4 zum anlagenbezogenen Verkehrsaufkommen auf öffentli-
chen Straßen aus: „Geräusche des An- und Abfahrtverkehrs auf öffentlichen Verkehrsflächen in
einem Abstand von bis zu 500 Metern vom Betriebsgrundstück sollen durch Maßnahmen organisa-
torischer Art so weit wie möglich vermindert werden, so weit
sie den Beurteilungspegel der Verkehrsgeräusche für den Tag oder die Nacht rechnerisch um
mindestens 3 dB(A) erhöhen,

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keine Vermischung mit dem übrigen Verkehr erfolgt ist und
die Immissionsgrenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV) erstmals oder
weiter gehend überschritten werden.“
Diese Kriterien gelten kumulativ, d.h. nur wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, sollen durch
Maßnahmen organisatorischer Art die Geräusche des An- und Abfahrtverkehrs so weit wie möglich
vermindert werden. Die wesentlichen Zu- und Abfahrten erfolgen über die Richard-Lehmann-
Straße. Eine Vermischung mit dem übrigen Verkehr ist direkt gegeben. Eine weitere Betrachtung
des anlagenbedingten Verkehrs entfällt daher. Organisatorische Maßnahmen (in praxi das Eingren-
zen der Ein- und Ausfahrtzeiten) leitet die Schalltechnische Untersuchung aus lärmschutztechni-
scher Sicht nicht ab.
7.2.11.4 Maßnahmen zur Vermeidung, Verringerung und zum Ausgleich der nachtei-
ligen Auswirkungen
Maßnahmen organisatorischer Art zur Verminderung der Geräusche des An- und Abfahrtverkehrs,
sind laut schalltechnischer Untersuchung nicht notwendig. Folgende Hinweise bzw. Anforderungen
an die Realisierung des Vorhabens sind zu beachten:
Die Öffnungszeiten des Geschäftshauses werden in der Zeit von 07:00 bis 20:00 Uhr umge-
setzt (Betriebszeit 6:00 bis 21:00) und die Marktanlieferung findet innerhalb der Zeit von
06:00 bis 21:00 Uhr statt. Nachtlieferungen werden ausgeschlossen, rechnerisch wären sie bis
22:00 Uhr möglich, ohne dass die Immissionsrichtwerte überschritten werden. Eine Anliefe-
rung über die Straße Alte Messe ist bereits im Bestand ausgeschlossen, da von der Prager
Straße aus ein Einfahrverbot für LKW besteht.
Alle Anlagenteile sind entsprechend des Standes der Technik auszuführen (z.B. feste Regen-
rinnen, abgestrahlte einzeltonfreie Schallspektren und keine „klappernden“ Fahnenmasten).
Das abgestrahlte Schallspektrum der lufttechnischen Aggregate muss entsprechend dem Stand
der Technik einzeltonfrei sein. Weiterhin ist bei der Dimensionierung der Anlagen zu beach-
ten, dass die in der Schallimmissionsprognose [4] in Tabelle 8 ausgewiesenen reduzierten Be-
urteilungspegel eingehalten werden.
Für den Parkplatz sind die Fahrgassen mit einer Asphaltoberfläche oder einem schalltechnisch
gleichwertigen Belag zu realisieren.
Der Rampentisch selbst ist dreiseitig mit Dach in geschlossener Bauweise auszuführen. Die
resultierende erforderliche Schalldämmung (R
W
) der Wand und des Daches muss dabei min-
destens 25 dB betragen.
Das abgestrahlte Schallspektrum der lufttechnischen Aggregate muss entsprechend Stand der
Technik einzeltonfrei sein. Weiterhin ist bei der Dimensionierung der Anlagen zu beachten,
dass diese den Orientierungswert um ≥ 10 dB unterschreiten.
7.2.11.5 In Betracht kommende anderweitige Planungsmöglichkeiten
Anderweitige Planungsmöglichkeiten
, die in Betracht gekommen sind, sind wie folgt zu nennen:
Eine andere Anordnung der schallemittierenden Funktionsbereiche Warenanlieferung und Kunden-
stellplätze mit Einkaufswagen-Sammelboxen ist durch eine andere Konfiguration des Gebäude-
komplexes grundsätzlich möglich und in der frühen Planungsphase betrachtet worden, ohne diese
Schallquellen damit jedoch ausschließen oder wesentlich reduzieren zu können.
Wesentliche Gründe für die getroffene Wahl sind:
Der gewählten Planungsmöglichkeit wurde aus folgenden Gründen der Vorzug gegenüber der an-
derweitigen Planungsmöglichkeit:

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Der zu erhaltende denkmalgeschütze Portikus mit seinem Haupteingang stellt eine wesentliche
städtebauliche Vorgabe dar. Auf diese muss mit der Anordnung der Kundenstellplätze auf der Fläche
davor reagiert werden. Unter Berücksichtigung der Prämisse, dass der Anlieferverkehr vom Kun-
denverkehr getrennt werden muss und dass die Funktionsabläufe innerhalb der Gebäudeteile be-
triebsorganisatorisch weitgehend vorgegeben sind, ergibt sich folgerichtig ein der gewählten Pla-
nung entsprechender Gebäudeentwurf. Dieser erfüllt die bestehenden Rahmenbedingungen auch
hinsichtlich des Schallschutzes besser, als anderweitige Planungsmöglichkeiten.
7.2.12 Menschen/Gesundheit – Freizeitlärm
Hinsichtlich des Freizeitlärms sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen zu
erwarten.
Begründung:
Das Plangebiet besitzt kein vordergründiges Erholungspotential und ist nicht Bestandteil eines
Erholungsgebiets oder einer öffentlichen Grünanlage. Erholungsrelevanz haben im weiteren Sinne
nur die lokalen und regionalen Wegebeziehungen, die das Plangebiet randlich berühren und für die
eine mit Geh- und Radfahrrechten zu belastende Fläche festgesetzt wird.
Daraus sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen auf den Belang zu erwarten.
Weiterer Ermittlungen und Darlegungen zu Freizeitlärm bedarf es deshalb nicht.
7.2.13 Menschen/Gesundheit – Luftqualität
Es sind keine für die Abwägung erheblichen lufthygienischen Auswirkungen aus vorhandenen
Emissionsquellen, die auf das Plangebiet einwirken, zu erwarten. Zu Veränderungen der lufthygie-
nische Situation, die aus der Umsetzung der Planung resultieren können, siehe Kap. 7.2.5.
7.2.14 Umweltbezogene Auswirkungen auf Kulturgüter und sonstige Sachgüter
Auf diesen Belang sind keine für die Abwägung erheblichen umweltbezogenen Auswirkungen zu
erwarten. Deshalb wurde festgelegt, dass dazu keine weiteren Ermittlungen erforderlich sind.
Begründung:
Das Plangebiet ist durch die Alte Messe geprägt. Es weist mit Portikus und Mittelschiff der Messe-
halle 17 historisch bedeutsame Kulturgüter auf, die unter Denkmalschutz stehen. Diese Denkmal-
substanz wird in der Planung berücksichtigt. Aus der Umsetzung der Festsetzungen des Bebauungs-
planes sind deshalb keine abwägungserheblichen Umweltauswirkungen auf die denkmalgeschützten
Bestandteile zu erwarten. Anhaltspunkte für sonstige im Plangebiet oder seinem relevanten Umfeld
vorhandene Kulturgüter und sonstige Sachgüter, auf die der Bebauungsplan abwägungserhebliche
umweltbezogene Auswirkungen haben könnte, liegen nicht vor.
In der Umgebung des Plangebiets befindliche Denkmalensembles wie der Deutsche Platz, die Allee
der Straße des 18. Oktober im Bereich der Alten Messe und die Messehallen 12 (ehem. Sowjeti-
scher Pavillon), 15 und 16 (Kreis’scher Kuppelsaal) werden vom hier behandelten Vorhaben nicht
beeinträchtigt.
7.2.15 Wechselwirkungen zwischen den vorgenannten Belangen
Es sind keine für die Abwägung erheblichen umweltbezogenen Auswirkungen zu erwarten.
Begründung:
Wechselwirkungen der Schutzgüter untereinander:
Bereits im Bestand wurden durch Überbau-
ung und Überprägung Bodenverluste hervorgerufen und Pflanzenstandorte bzw. Lebensräume
verändert. Die bestehende großflächige Versiegelung wirkt zusammen mit den bestehenden bindi-
gen Verhältnissen im Untergrund ("Thonberg") auf die Erhöhung des Oberflächenabflusses und die
Verringerung der Grundwasserneubildung. Die Veränderung des Wasserhaushaltes führte zur Wand-

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lung der Standortverhältnisse und beeinflusste die Besiedlung durch Pflanzen. Wasser für die Vege-
tation muss deshalb durch Regenwassermanagement verfügbar gemacht werden, bzw. muss mit
Überschüssen bei Starkregenereignissen umgegangen werden. Die vorhandene Überbauung und die
überwiegend Wärme absorbierenden Bodenbeläge führten zu stärkerer Aufheizung, zum Verlust der
Möglichkeit von Kaltluftentstehung und zur Behinderung und Veränderung von Luftaustauschbe-
wegungen. Diese geländeklimatischen Veränderungen wirkten sich wiederum auf die Standortbe-
dingungen für Pflanzen und Tiere aus: ursprünglich vorhandene Offenland- und Waldarten wichen
zunehmend Ubiquisten, Arten vergleichsweise trockener und wärmerer Standorte und Besiedlern
von z.B. Gebäuden. An dieser Konstellation wird sich auch mit Umsetzung der Planung nichts
Gravierendes ändern. Im Rahmen der Prüfung der Belange Boden, Wasser und Klima sowie Pflan-
zen, Tiere und Biodiversität wurde festgestellt, dass mit Umsetzung der in den vorgenannten Kapi-
teln 7.2 genannten Maßnahmen keine der Veränderungen zu dauerhaften erheblichen und nachteili-
gen Umweltwirkungen über den Bestand hinaus und damit zu erheblichen Beeinträchtigungen
führen werden.
Wechselwirkungen durch Summation mit weiteren Vorhaben:
Im Bereich des Alten Messege-
ländes sind weitere umfangreiche Baumaßnahmen geplant oder werden aktuell umgesetzt. Diese
dienen der Revitalisierung des historisch und im Bestand durch Großbaukörper und Publikumsver-
kehr geprägten Stadtraumes "Alte Messe". Die Kubaturen der Baukörper und die Erwartungen an
Verkehr und Nutzung orientieren sich am Bestand. Insofern werden auch durch Summation keine
erheblichen Umweltauswirkungen generiert.
7.2.16 Auswirkungen aufgrund Anfälligkeit für Unfälle oder Katastrophen
Es sind keine für die Abwägung erheblichen umweltbezogenen Auswirkungen zu erwarten. An-
haltspunkte dafür, dass derartige Auswirkungen zu erwarten sind, liegen nicht vor. Die nach dem
Bebauungsplan zulässigen Vorhaben weisen keine besondere Anfälligkeit für schwere Unfälle oder
Katastrophen im Sinne des § 1 Abs. 6 Nr. 7 Buchst. j BauGB auf.
Im Einzelnen:
Gemäß der genannten Norm sind, unbeschadet des § 50 Satz 1 des BImSchG, die Auswirkungen,
die aufgrund der Anfälligkeit der zulässigen Vorhaben für schwere Unfälle oder Katastrophen auf
die Belange nach § 1 Abs. 6 Nr. 7 Buchst. a bis d und i BauGB zu erwarten sind, bei der Aufstellung
der Bauleitpläne zu berücksichtigen.
Gegenstand der Betrachtungen sind dabei grundsätzlich ausschließlich (vgl. Gesetzentwurf der
Bundesregierung zum BauGB 2017 ([17], S. 40)
Vorhaben,
o
für die nach dem Bebauungsplan eine Zulässigkeit gegeben ist und
o
die nach gegenwärtigem Wissensstand hinsichtlich derjenigen Merkmale, die für die
Bestimmung der Relevanz von Unfall- oder Katastrophenereignissen von Bedeutung
sind, hinreichend konkretisiert sind, sowie
Unfall- oder Katastrophenereignisse,
o
die aufgrund der Anfälligkeit des jeweiligen Vorhabens für schwere Unfälle
und/oder Katastrophen zu erwarten und deshalb für das betroffene Vorhaben von
Bedeutung sind, wobei
o
für die Bestimmung der Relevanz von Unfall- und Katastrophenereignissen sowohl
ihre Wahrscheinlichkeit als auch das mit ihnen verbundene Schadensausmaß zu be-
rücksichtigen sind,
Auswirkungen, die

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o
bei relevanten Unfall- oder Katastrophenereignissen
o
von dem jeweiligen Vorhaben selbst hervorgerufen werden können.
Für schwere Unfälle,
die als vorhabeninterne Ereignisse vom Vorhaben selbst hervorgerufen werden können,
bei denen die Eintritts-Wahrscheinlichkeit nicht so gering ist, dass mit ihrem Eintreten nicht
gerechnet werden muss, und
bei denen erhebliche Auswirkungen auf die genannten Belange zu erwarten oder nicht auszu-
schließen sind,
ist zu ermitteln und darzulegen, welche erheblichen umweltbezogenen Auswirkungen zu erwarten
oder nicht auszuschließen sind.
Hinsichtlich schwerer Unfälle im Sinne der Seveso-III-Richtlinie [18] bzw. der StörfallVO des
Bundes werden hier zusätzlich die Auswirkungen in den Blick genommen, die von außerhalb des
Plangebietes gelegenen Betriebsbereichen von Störfallbetrieben auf schutzbedürftige Nutzungen
einwirken können.
Für Katastrophen,
die als vorhabenexterne Ereignisse von außen auf das jeweilige Vorhaben einwirken können,
bei denen die Eintritts-Wahrscheinlichkeit nicht so gering ist, dass mit dem Eintreten nicht
gerechnet werden muss,
für die das jeweilige Vorhaben anfällig ist und
deren Einwirken auf das jeweilige Vorhaben bewirkt, dass von ihm erhebliche Auswirkungen
auf die genannten Belange zu erwarten oder nicht auszuschließen sind,
ist zu ermitteln und darzulegen, welche erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten oder nicht
auszuschließen sind.
An Katastrophenereignissen sind von den grundsätzlich denkbaren Fällen (z.B. Erdbeben, Anstieg
des Meeresspiegels, Überschwemmungen vgl. UVP-ÄndRL [19], S. 2) für die Stadt Leipzig in
diesem Zusammenhang nach ausreichendem Ermessen nur Hochwassersituationen bzw. Überflu-
tungen nach Starkregen bedeutsam und daher auch nur diese zu betrachten.
Davon ausgehend ist festzustellen:
Anhaltspunkte dafür, dass erhebliche Auswirkungen auf die genannten Belange aufgrund der Anfäl-
ligkeit der zulässigen Vorhaben für schwere Unfälle oder Katastrophen zu erwarten wären, liegen
im Ergebnis der durchgeführten Ermittlungen nicht vor. Die nach dem Bebauungsplan zulässigen
Vorhaben weisen keine besondere Anfälligkeit für schwere Unfälle oder Katastrophen im Sinne der
Regelung auf. Denn:
Katastrophen aufgrund Gefährdungen durch Hochwasser oder Überflutungen können ausgeschlos-
sen werden. Die in dem Bebauungsplan festgesetzten Baugebiete liegen weder in einem Über-
schwemmungsgebiet noch in einem Bereich, der in der Vergangenheit von Überflutungen betroffen
war bzw. für den es Hinweise auf eine derartige Gefährdung gibt.
Das Plangebiet liegt auch nicht in einem Gebiet mit unterirdischen Hohlräumen oder in Hanglage.
Es handelt sich bei dem Vorhaben nicht um einen Störfallbetrieb. Geplant wird die Errichtung eines
Bau- und Gartenfachmarktes in üblicher Weise. Relevante chemische Substanzen werden allenfalls
nur in Kleinstmengen deutlich unterhalb der Schwellenwerte nach der Störfall-Verordnung (12.
BImSchV) gelagert bzw. gehandelt.

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Das Plangebiet befindet sich in einem deutlichen Abstand zu außerhalb des Plangebietes gelegenen
Betriebsbereichen von Störfallbetrieben, sodass auch bei schweren Unfällen keine für die Abwä-
gung erheblichen Auswirkungen auf die im Plangebiet zulässigen Nutzungen zu erwarten sind.
7.2.17 Auswirkungen während der Bau- und Betriebsphase
Es sind keine für die Abwägung erheblichen Umweltauswirkungen, die über die bereits genannten
Auswirkungen hinausgehen würden, zu erwarten. Deshalb wurde festgelegt, dass dazu keine weite-
ren Ermittlungen erforderlich sind.
Begründung:
Gemäß Nr. 2 Buchst. b Teilsatz 2 der Anlage 1 zum BauGB sind, soweit möglich, die möglichen
erheblichen Auswirkungen während der Bau- und Betriebsphase der geplanten Vorhaben auf die
Belange nach § 1 Absatz 6 Nummer 7 Buchstabe a bis i BauGB zu beschreiben. Anhaltspunkte
dafür, dass andere als die in den Kap. 7.2.1 bis 7.2.13 bereits genannten Auswirkungen zu erwarten
sind, liegen nicht vor. Weitere Darlegungen dazu sind deshalb nicht erforderlich.
7.3
Überwachung der erheblichen Umweltauswirkungen
Die Gemeinden sind verpflichtet, die erheblichen Umweltauswirkungen, die aufgrund der Durch-
führung der Bauleitpläne eintreten, zu überwachen, um insbesondere unvorhergesehene nachteilige
Auswirkungen frühzeitig zu ermitteln und in der Lage zu sein, geeignete Maßnahmen zur Abhilfe
zu ergreifen (§ 4c BauGB). Die geplanten Maßnahmen zur Überwachung der erheblichen Umwelt-
auswirkungen sind im Umweltbericht zu beschreiben (siehe Nr. 3. b) der Anlage 1 zum BauGB).
Im Rahmen der Umweltprüfung für diesen Bebauungsplan wurde festgestellt, dass die Ausführung
des Vorhabens in Bezug auf die Umweltbelange Pflanzen und Tiere erhebliche Umweltauswirkun-
gen nach sich ziehen wird (vgl. Kap. 7.0). Aus diesem Grund sind folgende Überwachungsmaß-
nahmen durchzuführen:
Kontrolle der Durchführung ökologischer Baubegleitung bei den Abrissmaßnahmen,
Kontrollen, ob die Durchführung der in den Festsetzungen
o
zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft (vgl. Kap.
12.5),
o
zum Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Anpflanzungen (vgl. Kap. 12.7),
sowie
o
zu Bindungen für Bepflanzungen und für die Erhaltung von Bäumen, Sträuchern und sons-
tigen Bepflanzungen (vgl. Kap 12.8)
genannten Maßnahmen fachgerecht erfolgt sind und deren Dauerhaftigkeit gewährleistet wird.
Die umweltbezogenen Maßnahmen werden im Durchführungsvertrag fixiert, der dann die Basis für
das Monitoring darstellt. Auf die gesetzliche Pflicht der Behörden zur Unterrichtung der Stadt (§ 4
Abs. 3 BauGB) wird hingewiesen.
Sollte es bei der Durchführung dieses Bebauungsplanes Hinweise auf unvorhergesehene Umwelt-
auswirkungen geben, dann werden erforderlichenfalls geeignete Maßnahmen ergriffen werden.
7.4
Referenzliste der Quellen
Diesem Umweltbericht liegen die in der nachfolgenden Tabelle genannten Quellen, die für die im
Bericht enthaltenen Beschreibungen und Bewertungen herangezogen wurden, zugrunde. Allge-
meingültige und allgemeinverfügbare Quellen, wie Bundes- und Landesgesetze/-verordnungen usw.
– z.B. Baugesetzbuch (BauGB), Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), Gesetz über die Umwelt-
verträglichkeitsprüfung (UVPG) - werden hier nicht aufgeführt.

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Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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[1] Stadt Leipzig (2013):
Landschaftsplan Leipzig (Beschluss der Ratsversammlung vom
16.10.2013).
[2] Stadt Leipzig:
Bodenschutzkonzept
.
[3] Fagus GmbH (2018):
Grünordnerischer Fachbeitrag zum Bebauungsplan 431 „Bau- und
Gartenfachmarkt auf der Alten Messe
“,
Markkleeberg/Schkeuditz, November 2019.
[4] Goritzka und Partner (2019):
Schallimmissionsprognose zum Bebauungsplan Nr. 431 „Bau-
und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“, Goritzka Akustik Ingenieurbüro für Schall- und
Schwingungstechnik Matthias Barth, Leipzig vom 27.11.2019.
[5] IVAS (2018):
Verkehrsgutachten zur Ansiedlung eines Hornbach-Baumarktes in Leipzig
.
Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme, Dresden, Vorabzug 24. März 2016 und
Anlagen vom 05.10.2018.
[6] Fagus GmbH in Zusammenarbeit mit Hensen Büro für Naturschutz (2017):
Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag zum Bebauungsplan 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf
der Alten Messe“, Markkleeberg/Schkeuditz 09/2017, 1. Änderung bis 11/2019
.
[7] Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz (2018):
Stellungnahme der unteren Naturschutzbehörde
im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung zum Vorentwurf des
vorhabenbezogenen Bebauungsplans 431 mit Auszug aus dem Kataster der geschützten
Biotope der Stadt Leipzig vom 21.08.2018
.
[8]
Stadt Leipzig (2014):
Flächennutzungsplan der Stadt Leipzig (Fortschreibung), Beschluss der
Ratsversammlung vom 04.12.2014.
[9] Steinert, Annett (2018):
Gutachten zur visuellen Feststellung der Verkehrssicherheit von 6
Biotop-Bäumen sowie Auswirkungen geplanter Baumaßnahmen auf diese Bäume, inkl.
Benennung von möglichen Baumschutzmaßnahmen. Standort: Alte Messe, zwischen Richard-
Lehmann- und Puschstraße. Leipzig, 10/2018
.
[10] Regierungspräsidium Leipzig (1996):
Grundwassergeschütztheitsmodell.
[11] Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz (2005):
Hydrogeologischer Atlas Stadt Leipzig
.
[12] Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz (2003):
Umweltqualitätsziele und –standards für die
Stadt Leipzig. Im Auftrag der Stadt Leipzig, Juli 2003.
[13] Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz (2010):
Stadtklimauntersuchung Leipzig, Dezember
2010.
[14] Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz (2011):
Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept
für die Stadt Leipzig. Im Auftrag der Stadt Leipzig, Oktober 2011
.
[15] Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz (2016a):
Luftreinhalteplan für die Stadt Leipzig –
Auszug (Karten zu NO2 und PM10). Im Auftrag der Stadt Leipzig, November 2016
.
[16] Bundesregierung (Hrsg., 2016):
Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie – Neuauflage 2016, Stand:
1. Oktober 2016, Kabinettsbeschluss vom 11. Januar 2017, S. 159f
.
[17] Bundesregierung:
Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie 2014/52/EU im
Städtebaurecht und zur Stärkung des neuen Zusammenlebens in der Stadt, Deutscher
Bundestag, Drucksache 18/10942, S. 41.
[18]
Europäische Union:
Richtlinie 2012/18/EU des Europ. Parlaments und des Rates vom 4. Juli
2012 zur Beherrschung der Gefahren schwerer Unfälle mit gefährlichen Stoffen, zur
Änderung und anschließenden Aufhebung der Richtlinie 96/82/EG des Rates (ABl. L 197 vom
24.7.2012).
[19] Europäische Union:
Richtlinie 2014/52/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom

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16. April 2014 zur Änderung der Richtlinie 2011/92/EU über die
Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten, S. 2,
Erwägungsgrund (15).
[20] Stadt Leipzig (2016):
Stadtentwicklungsplan Zentren, Fortschreibung, Stand Mai 2017, S. 17.
[21] Stadt Leipzig (2017):
Entwurf Integriertes Stadtentwicklungskonzept „Leipzig 2030“
(INSEK).
[22] Kommunale Wasserwerke Leipzig (KWL) (2018):
Stellungnahme vom 09.07.2018 zur
frühzeitigen Beteiligung Bebauungsplan 431
.
[23] GHJ Ingenieurgesellschaft für Geo- und Umwelttechnik mbH & Co. KG 2019:
Geotechnisches und Umwelttechnisches Gutachten Neubau Hornbach Bau- und Gartenmarkt,
S. 30.
8.
Ergebnisse der Beteiligungen
Im Rahmen der
frühzeitigen Beteiligungen
zum Vorentwurf dieses Bebauungsplanes gingen diver-
se Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit und von Trägern öffentlicher Belange ein. Diese Stellung-
nahmen wurden ausgewertet und waren mit Grundlage für die Erarbeitung des Entwurfes dieses
Bebauungsplanes und seiner Begründung.
Im Rahmen der
erstmaligen Beteiligungen zum Entwurf
des Bebauungsplanes und seiner Be-
gründung gingen weitere Stellungnahmen ein. Diese wurden ebenfalls ausgewertet und haben zu
einigen Änderungen und Ergänzungen am Plan und an der Begründung geführt (siehe die Auflis-
tung in Kap. 4). Aufgrund dessen wurden erneute Beteiligungen zum Entwurf des Bebauungsplanes
und seiner Begründung durchgeführt.
Auch im Rahmen dieser
erneuten Beteiligungen zum Entwurf
gingen Stellungnahmen ein. Diese
wurden ebenfalls geprüft und zusammen mit den zuvor eingegangenen Stellungnahmen und dem
ansonsten vorliegenden Abwägungsmaterial in die Abwägung eingestellt.
Im Ergebnis der Prüfung und Abwägung war lediglich noch diese Begründung zu ändern und zu
ergänzen. Die Notwendigkeit zur Änderung oder Ergänzung von Inhalten des Bebauungsplanes
bestand nicht.
Mehr zu den
inhaltlichen Ergebnissen der Beteiligungen
ist der Zusammenfassung am Anfang
dieser Begründung (erreichbar über diesen
Link
) zu entnehmen. Zu den einzelnen Ergebnissen der
Beteiligungen siehe „Anhang IV: Ergebnisse der Beteiligungen / Abwägungsvorschlag“, der dieser
Begründung als eigenes Dokument beigefügt ist. Die darin enthaltenen Darlegungen sind ausdrück-
lich Teil dieser Begründung und liegen den Inhalten dieses Bebauungsplanes mit zugrunde.
9.
Städtebauliches Konzept / Vorhaben- und Erschließungsplan
9.1
Gliederung des Gebietes
Das Plangebiet gliedert sich in überbaute Flächen, Flächen für Nebenanlagen und Stellplätze, öf-
fentliche Verkehrsflächen sowie Grünflächen einschließlich Ausgleichsflächen. Das Vorhaben be-
zieht sowohl Bestandsgebäude als auch Neubauten ein.
9.2
Bebauungs-/Nutzungskonzept
Die Bebauung setzt sich zusammen aus
dem Baumarkt-Hauptgebäude,
daran südöstlich anschließend dem Gartenfachmarkt mit Freibereich sowie wiederum
südöstlich sich L-förmig anschließend dem Baustoff-Drive-in und

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11.03.2021
einem zusätzlichen Gebäude für besondere Nutzungen (Imbiss).
Dem Bebauungsplan liegt die gestalterische Idee zugrunde, die drei Nutzungen Baumarkt, Garten-
fachmarkt und Baustoff-Drive-in in drei ablesbare Baukörper zu gliedern. Diese drei Gebäude, die
in einem unmittelbaren funktionalen Zusammenhang stehen, sollen jeweils ein einheitliches Er-
scheinungsbild aufweisen, jedoch untereinander hierarchisch angeordnet sein. Somit wird trotz der
Länge des Gebäudekomplexes von ca. 290 m der Eindruck einer monotonen, langgezogenen Fassa-
de vermieden. Baumarkt und Gartenfachmarkt bilden nach Südwesten eine Gebäudeflucht, die
durch die vorhandene Bebauung, maßgeblich den Portikus der Halle 17, vorgegeben wird. Der
Drive-in-Bereich springt aus dieser Bauflucht ca. 30 Meter nach Südwesten vor, um auf diese Weise
die Wirkung eines eigenen Baukörpers und eine insgesamt stärker gegliederte und hinsichtlich der
Baumassen differenzierte Gesamtanlage zu erzeugen, die sich aus mehreren Kubaturen zusammen-
setzt.
Die maximal zulässige Verkaufsfläche beträgt 15.000 m
2
. Davon entfallen 8.000 m
2
auf den Bau-
markt, 5.000 m
2
auf den Gartenfachmarkt und 2.000 m
2
auf den Baustoff-Drive-in. Die funktionale
und bauliche Ausgestaltung der Nutzungsbausteine stellt sich folgendermaßen dar:
a) Baumarkt
Das klassische Baumarktsortiment wird für den Kunden am Standort der ehemaligen Messehalle 17
untergebracht. Das Mittelschiff und der Portikus werden denkmalgerecht saniert. Die zwei Seiten-
schiffe, die statisch nicht mehr zu ertüchtigen sind, werden abgebrochen und ersetzt. Dabei wird die
historische Kubatur der Halle wiederhergestellt. Dieser neue Komplex beinhaltet neben den Ver-
kaufsflächen Räumlichkeiten für Technik und Personal sowie für Kundentoiletten, die vorrangig im
Portikus zu platzieren sind, sowie die Wareneingangsbereiche mit Andockstationen. Der Kopfbau,
der in mittiger Lage den künftigen Haupteingang in den Baumarkt aufnimmt, ist auf den Kunden-
parkplatz orientiert.
Für die Kunden soll es zwei Ein- und Ausgangsbereiche sowie einen weiteren, optionalen Aus-
gangsbereich geben: Im Portikus mittig sollen der Hauptein- und -ausgang angeordnet werden. Ein
weiterer Ein- und Ausgangsbereich befindet sich am nordwestlichen Ende des Portikus. Hier wird
im Wesentlichen der Kunde den Markt betreten/verlassen, der sperrige und schwere Indoor-Waren
(wie z.B. Bauelemente, Spanplatten, Badewannen, Fliesen) kauft und diese in einer dem Ein- und
Ausgang vorgelagerten, gesonderten Kundenladezone schnell einladen kann. Der optionale Aus-
gang könnte im südöstlichen Teil des Portikus als ein spezieller Ausgang mit eigener Kasse für die
sogenannten Profikunden eingerichtet werden. Durch die Nähe dieses Ausgangs zum angrenzenden
zweiten Komplex Gartenmarkt könnte dieser in der Gartensaison auch als zusätzlicher Ausgang für
die Gartenkunden genutzt werden.
Die Anlieferungsachse befindet sich an der nordöstlichen Gebäudeseite. Dabei werden die sperrigen
Artikel im nördlichen Hallenteil abgeladen und in den Markt gefahren. Hierbei handelt es sich um
die Artikel, die seitlich vom LKW abgeladen werden müssen (wie z.B. Profil- und Bauhölzer). Die
Hauptanlieferung für den Baumarkt ist konzeptionell im Scheitelpunkt zwischen Baumarkt und
Gartenmarkt platziert. Die LKW fahren rückwärts an zwei Andockstationen und werden von innen
heraus entladen.
b) Komplex Gartenfachmarkt
Zwischen dem Baumarkt und dem Gartenfachmarkt entsteht ein transparenter, überdachter Über-
gang in Form einer Glasfuge.
Der Komplex Gartenfachmarkt besteht für sich aus vier funktional unterschiedlichen Bereichen, die
sich aus nordwestlicher in südöstliche Richtung aneinander anschließen:
Gartenfachmarkt Warmhalle: Hier sind alle Sortimente untergebracht, die ganzjährig im Gar-
tenfachmarkt verkauft werden oder die Kälte oder Frost nicht vertragen.

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Gartenfachmarkt Kalthalle: Die Sortimente umfassen z.T. auch die saisonalen Schwerpunkte
vom Camping- und Freizeitmöbelangebot bis zum baumarkttypischen Weihnachtsmarkt.
Gartenfachmarkt Überdachung: Sortimente, die vor Nässe zu schützen sind, aber Kälte ver-
tragen, sind unter Dach platziert.
Gartenfreiland: Hier werden stark saisonale Sortimente von Baumschulpflanzen über Blu-
menerden und Pflanzkübel bis zum Weihnachtsbaum angeboten.
Durch eine einheitliche Fassadengestaltung und die Einhausung des Freilandbereichs in derselben
Höhe, die die Fassaden aufweisen, erscheint der vierteilige Komplex als Einheit.
Die Anlieferung des Gartenfachmarktes wird im Wesentlichen auch über die o.g. Andockstationen
abgewickelt. Auf Höhe des Freilandbereiches werden saisonal die Palettenwaren (Blumenerde, Torf,
Rindenmulch etc.) angeliefert.
c) Baustoff-Drive-in, Lager und Mietcenter
Der Komplex Baustoff-Drive-in, Lager und Mietcenter dient für Baustoffe, großvolumige Waren
sowie mietbare Profiwerkzeuge und Großgeräte. Er soll in der Außenwirkung als ein Gebäude
wahrgenommen werden. Das Prinzip des Drive-in besteht darin, dass die Kunden durch das soge-
nannte Portal in die Halle bis vor das Regal fahren, die gewünschten Artikel in den PKW, auf Hä-
nger oder Klein-LKW laden und dann beladen zum Ausfahrtportal fahren. Dort befinden sich eine
Ein- und eine Ausfahrtskontrolle mit Kassenfunktion. Folgende Aufteilung ist zu berücksichtigen:
Drive-in: In diesem Bereich sind die sperrigen Artikel und Baustoffe platziert, die auch kalt
gelagert werden dürfen.
Lager: Weitere Flächen in der Halle, die für Kunden nicht zugänglich sind, umfassen die
Lagerhaltung für die Palettenware „Baustoffe“ (Betonplatten, Steine) und die Lagerhaltung
für Baustoffkommissionen.
Mietcenter: Das Mietcenter ist auf südöstlicher Seite in das Drive-in-Gebäude integriert. Es
besteht aus der Mietstation mit Tresen sowie Lager- bzw. Stellflächen für die Mietgeräte. Dort
können sowohl Profiwerkzeuge als auch Großgeräte wie Kleinbagger, Hebebühnen und Lift-
arme etc. gemietet werden.
Die Anlieferung erfolgt am nördlichen Teil der Halle.
Generell finden die Anlieferungen in der nördlichen Achse hinter Baumarkt, Gartenfachmarkt und
Drive-in statt. Am Wendehammer wird gedreht und der LKW-Verkehr zur Puschstraße zurückge-
führt.
d) Imbiss
Dem Haupteingang vorgelagert ist ein etwa 12 x 30 m großer Platz, der als Fußgängerbereich und
Freifläche mit Aufenthaltsqualität dient. Auf der Südostseite des Platzes wird ein Imbiss mit einer
maximalen Grundfläche von 30 m
2
errichtet. Für diesen wird ein containerartiges Gebäude mit
einem eingehausten und überdachten Stehtischbereich errichtet, in dem sich das Verkaufspersonal
und Kunden aufhalten. Der Imbiss ist gestalterisch dem Corporate Design des Vorhabenträgers
angepasst, wird aber von einem Franchisepartner betrieben. Wegen der an dieser Stelle höchsten
Kundenfrequenz und der Nähe zu den Kundentoiletten wird der Imbiss im Fußgängerbereich vor
dem Haupteingang platziert. Der Standort am südöstlichen Rand der Freifläche wird so gewählt,
dass der Blick auf den Portikus nicht beeinträchtigt wird.
e) Gesamtensemble
Der gesamte Bau erstreckt sich über eine Breite (Nordwest - Südost) von ca. 285 m und eine Tiefe
(Südwest - Nordost) von ca. 80 m, wobei das Baustoffcenter im Vergleich zur Front der anderen
beiden Baukörper um etwa 30 m nach vorn versetzt ist. Die Höhe des Baumarkt-Hauptgebäudes

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11.03.2021
orientiert sich am Bestand und beträgt 17,0 m, bezogen auf die Geländehöhe von 129,4 m ü. NHN.
Die anderen Baukörper sind dem Hauptbau hierarchisch untergeordnet und weisen eine maximale
Höhe von 10,5 m (Verbindungsfuge) bzw. 14,0 m (Gartenfachmarkt und Drive-in) bezogen auf die
Höhe von 129,4 m ü. NHN auf. Der Kopfbau wird in seiner repräsentativen Wirkung nicht durch
neue Gebäudeteile beeinträchtigt. Die Anordnung der neuen Baukörper ist so gewählt, dass der
Kopfbau auch im Ensemble seine besondere städtebauliche Wirkung entfalten kann.
f) Freiflächen
Die Freiflächenplanung zielt auf eine sichere, von den Fahrgassen des Parkplatzes separierte Füh-
rung der Kundenströme zu und zwischen den einzelnen Gebäudeteilen. Geordnete Baumpflanzun-
gen lockern die Stellplatzflächen auf. Über die gesamte Breite des Baumarkts und Gartenfach-
markts erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 15.000 m
2
abzüglich des Platzbereichs der Kunden-
parkplatz. Die insgesamt 396 Stellplätze für PKW, Klein-LKW bis 7,5 t und PKW mit Anhänger
werden mit insgesamt ca. 100 Bäumen begrünt. Sechs der Stellplätze werden für Elektrofahrzeuge
reserviert und mit Ladesäulen versehen. Unmittelbar am Eingang werden zudem 92 Abstellplätze
für Fahrräder und acht Stellplätze für Lastenfahrräder eingerichtet. Die Randbereiche im Nordwes-
ten, Süden und Südosten des Plangebiets werden als Grünflächen ausgebildet. Die Stellplätze wer-
den mit wasserdurchlässigem Pflaster befestigt. Die am Rand des Parkplatzes befindlichen Stellflä-
chen werden mit Schotterrasen angelegt. Die Begrünung der unbebauten Grundstücksflächen be-
rücksichtigt notwendige Ausgleichsflächen für den Arten- und Biotopschutz.
Von der Puschstraße kommend ist die Verlängerung der Szendreistraße in südwestliche Richtung
entlang der Grenze des Flurstücks 159/103 als Zuwegung über das Plangebiet zur Ottostraße vor-
handen. Da es sich hierbei nicht um eine öffentlich gewidmete Straße handelt, wird die Wegever-
bindung als Fläche festgesetzt, die sowohl mit einem Geh- und Fahrrecht zugunsten der Andienung
des Flurstücks 159/103 (Sanitätshaus) als auch einem Geh- und Radfahrrecht zugunsten der Allge-
meinheit zu belasten ist.
Ergänzend wird zwischen Puschstraße und Richard-Lehmann-Straße eine mit einem ständigen Geh-
und Radfahrrecht zugunsten der Allgemeinheit zu belastende Fläche festgesetzt, um die Alte Messe
für den Fuß- und Radverkehr besser zu erschließen (vgl. Kap. 9.3 und Kap. 13).
Aufgrund der denkmalpflegerischen Relevanz der Messehalle 17 als Einzeldenkmal in Verbindung
mit einem hohen städtebaulichen und stadtgestalterischen Anspruch an die Alte Messe als Denkma-
lensemble wurde ein erster Entwurf des Vorhabens im Gestaltungsforum der Stadt Leipzig behan-
delt. Den Empfehlungen des Gestaltungsforums folgend wurden die Kubaturen der Baukörper
überarbeitet und die architektonische Gestaltung der Fassaden qualifiziert. Dies betrifft insbesonde-
re das deutliche Abrücken der neuen Baukörper von der Messehalle 17 und die Ausbildung einer
insgesamt L-förmigen Gesamtanlage. Zu den Vorgaben und Anregungen aus dem Gestaltungsforum
gehören ebenfalls der Einsatz wiederkehrender Materialien und Fassadenelemente sowie die Aus-
führung der Neubaufassaden in einer eigenständigen, kontrastierenden Farbigkeit. Mit hellen Tönen
hebt sich der Kopfbau deutlich von den beiden anderen großen Baukörpern (dunkle Töne) und der
Verbindungsfuge zwischen Bau- und Gartenfachmarkt (transparent) ab. Am Baumarktgebäude
werden Schriftzug und Logo des Baumarktbetreibers platziert. Zudem werden alle Eingänge, der
Gartenfachmarkt und das Portal des Drive-in entsprechend des Coporate Design des Unternehmens
beschriftet. Dazu wird ein Werbekonzept erstellt, das weitere Maßnahmen beinhaltet und im Durch-
führungsvertrag zwischen Vorhabenträger und Stadt verbindlich geregelt wird.
An der Richard-Lehmann-Straße wird der vorhandene lineare Heckenbewuchs erhalten sowie im
Rahmen der dort notwendigen Gehölzsanierung partiell in der Höhe reduziert und nach Bedarf
ergänzt, um entlang der zum Vorhabengrundstück orientierten Straßenflucht eine Raumkante auszu-
bilden.

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11.03.2021
9.3
Erschließungskonzept
a) Verkehrserschließung
Bei der Erschließung des Plangebiets waren drei wesentliche Rahmenbedingungen zu berücksichti-
gen:
Der zentrale Bereich des alten Messegeländes von der Puschstraße bis zur Prager Straße soll
von einem vorhabenbedingten zusätzlichen PKW-Aufkommen freigehalten werden.
Die vom Vorhabenträger verfolgte Trennung von Lieferverkehr und Kundenverkehr soll
umgesetzt werden.
Die vom Vorhabenträger gewünschte PKW-Anbindung von der Richard-Lehmann-Straße in
alle Richtungen soll ermöglicht werden.
Unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen ergibt sich folgendes Erschließungskonzept:
Die
Hauptanbindung
wird mit einem neu zu errichtenden lichtsignalgeregelten Knotenpunkt an
der Richard-Lehmann-Straße (B 2) erfolgen. Die für den Neubau des Knotens an der Bundesstraße
erforderliche Planfeststellung wird gemäß § 17b Abs. 2 FStrG durch diesen Bebauungsplan ersetzt.
Eine weitere
untergeordnete Erschließung
für den Kundenverkehr wird über die Ottostraße erfol-
gen. Dies erleichtert den Verkehrsfluss in Richtung Prager Straße, Semmelweisstraße und Straße
des 18. Oktober, da auf diese Weise auf die Benutzung der Knotenpunkte Hornbach/Richard-
Lehmann-Straße und Richard-Lehmann-Str./Zwickauer Straße verzichtet werden kann.
Die
Zu- und Abführung des Lieferverkehrs
erfolgt dagegen über die Puschstraße. Diese ist für
das vorhabenbedingte LKW-Aufkommen und die geringen Schwerverkehrsmengen auf dem Gelän-
de der Alten Messe ausreichend leistungsfähig. Um die Trennung von Liefer- und Kundenverkehr
zu gewährleisten, wird die Anlieferung des Baumarktes ausschließlich über die Nordostseite des
Plangebiets abgewickelt. Die Lieferfahrzeuge fahren über die Puschstraße in das Plangebiet ein und
gelangen entlang der nordöstlichen Gebäudeseite zum Lieferbereich. Die Anlieferzonen befinden
sich in den rückwärtigen, für die Kunden nicht zugänglichen Bereichen der Gebäude. Eine Wende-
schleife hinter dem Baustoff-Drive-in ermöglicht das Wenden auch für LKW, sodass die Ausfahrt
ebenso wie die Einfahrt entlang der Rückseite des Gebäudekomplexes erfolgen kann. Der Kunden-
parkplatz wird somit vom Lieferverkehr nicht tangiert. Lediglich Anlieferungen direkt ins Baustoff-
lager benötigen als Abfahrtoption auch den Weg über den Kundenparkplatz mit Ausfahrt über den
neuen Knotenpunkt an der Richard-Lehmann-Straße.
Das Gesamtaufkommen an Liefer- und Entsorungsverkehr für das Vorhaben wird vom Vorhaben-
träger mit 37 Fahrten beziffert. Darunter fallen sowohl Fernfahrten (Last- bzw. Sattelzüge) und
Klein-LKW bis 7,5 t als auch Kurierdienste, Kundenausfuhren und die Müllabfuhr. Diese Angaben
liegen auch dem zum Vorhaben erstellten Schallgutachten zugrunde.
Der
Lieferverkehr für das Flurstück 159/103
(Sanitätshaus) kann über die Zuwegung von der
Puschstraße zur Ottostraße abgewickelt werden (vgl. Kap. 9.1). Eine Polleranlage auf Höhe der
nordwestlichen Ecke des zukünftigen Baumarkt-Gebäudes verhindert die Durchfahrt zwischen
Kundenparkplatz und Puschstraße für Kfz. Andienungsfahrzeuge können jedoch nördlich des Pol-
lers durch ein Tor auf das Grundstück des Sanitätshauses einfahren. Die Ausfahrt der Andienungs-
fahrzeuge erfolgt wiederum über das in der Planzeichnung mit GF 1 bezeichnete Teilstück des
Vorhabengrundstücks in Richtung Ottostraße. Die Ausfahrt zur Ottostraße wird als Einbahnstraße
angelegt, sodass hier keine Einfahrt für Kfz möglich ist. Die Durchfahrt für Kfz zwischen dem
Kundenparkplatz des Vorhabens und der in der Planzeichnung mit GF 1 bezeichneten Fläche wird
auf geeignete Weise unterbunden. Fußgänger und Radfahrer können diese Querung jedoch nutzen
und haben somit Anschluss sowohl zur Ottostraße als auch zur Puschstraße (vgl. Kap. 12.6). Ein
Rechtsabbiegeverbot für LKW verhindert bereits im Bestand die Einfahrt von Schwerverkehr aus

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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11.03.2021
der Prager Straße in die Straße Alte Messe. Die Anfahrt des Lieferverkehrs kann daher nur über die
Zwickauer Straße oder die Semmelweisstraße erfolgen.
Für den wirtschaftlichen Betrieb des Bau- und Gartenfachmarktes sind
Kfz-Stellplätze
in angemes-
sener Anzahl bereit zu stellen. Gemäß den Empfehlungen der Richtwerttabelle der Verwaltungsvor-
schrift zu § 49 SächsBO ist für großflächige Einzelhandelsbetriebe außerhalb von Kerngebieten 1
Stellplatz je 10-20 m
2
Verkaufsfläche vorzuhalten. Das Vorhaben weist eine Verkaufsfläche von ca.
15.000 m
2
auf. Da der Drive-in keine Parkplätze erfordert (die Fahrzeuge fahren in den Drive-in-
Bereich ein), ist nur die Verkaufsfläche von Baumarkt und Gartenfachmarkt für die Berechnung
maßgeblich. Diese beträgt 13.000 m
2
. Damit ergäbe sich gemäß Richtwerttabelle ein Bedarf von
650-1.300 Stellplätzen. Der obere Richtwert wird für das Vorhaben als deutlich zu hoch angesehen.
Basierend auf Erfahrungen mit der Auslastung anderer Baumarktparkierungsflächen im Stadtgebiet
wird der geringere Wert (650 Stellplätze) zugrunde gelegt.
Gemäß der Verwaltungsvorschrift zur SächsBO kann bei „gesichertem und leistungsfähigem An-
schluss an den ÖPNV in zumutbarer fußläufiger Entfernung zur Anlage (bis 500 m) (...) die Stell-
platzverpflichtung regelmäßig um bis zu 30 Prozent verringert werden.“
13
Die nächste ÖPNV-
Haltestelle (Richard-Lehmann-Straße/Zwickauer Straße) ist deutlich weniger als 500 m vom Vorha-
ben entfernt und wird von einer Straßenbahnlinie und einer Buslinie angefahren. In weniger als
1.000 m fußläufiger Entfernung zum Vorhaben befindet sich die Haltestelle Altes Messegelände, die
von zwei weiteren Straßenbahnlinien sowie einer Buslinie bedient wird. Dies begründet eine Ver-
ringerung der Stellplatzanzahl um 30 % auf 455 Stellplätze.
Aufgrund der integrierten Lage, dem hohen Anteil an Wohngebieten im näheren Einzugsbereich des
Vorhabens und der guten Erreichbarkeit mit dem Fahrrad ist weiterhin davon auszugehen, dass die
Kundschaft zu einem, verglichen mit anderen Baumarktstandorten, hohen Anteil aus „Taschenkun-
den“ besteht, die keine sperrigen Waren nachfragen und nicht mit dem Kfz anfahren. Zu diesen
zählen auch Kunden, die sich ohnehin auf dem Gelände der Alten Messe befinden, weil sie dort
Arbeiten, einkaufen oder andere Einrichtungen aufsuchen und in geringer fußläufiger Entfernung
zum Bau- und Gartenfachmarkt bereits einen Kfz-Stellplatz im Gebiet nutzen. Mit dieser Begrün-
dung ist eine weitere Reduzierung der Stellplätze auf knapp 400 möglich und sinnvoll, um den
Anteil monofunktionaler, versiegelter Freiflächen im Plangebiet möglichst gering zu halten. Dies
trägt auch der im Rahmen der Beteiligungen vorgetragenen Forderung nach Reduzierung der Flä-
chenversiegelung Rechnung.
Die somit realisierte Stellplatzanzahl entspricht noch immer dem von der Forschungsgesellschaft
für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) veranschlagten Bedarf für vergleichbare Vorhaben. Dieser
wird in den Empfehlungen für Anlagen des ruhenden Verkehrs (EAR) der FGSV mit einen PKW-
Stellplatz pro 30–40 m
2
Verkaufsfläche veranschlagt. Damit ergäbe sich für das Vorhaben ein Be-
darf von 375–500 Stellplätzen für Kfz. Diesen Wert empfiehlt auch das Verkehrsgutachten für das
Vorhaben.
Die Erstellung eines betriebsinternen Mobilitätskonzeptes, um die Anfahrten per Kfz der Mitarbei-
ter zu reduzieren, wird im Verkehrsgutachten ebenfalls empfohlen und kann die Stellplatznachfrage
weiter senken.
Für das Plangebiet wird deshalb eine Stellplatzanzahl von 396 festgesetzt, darunter auch Stellplätze
für PKW mit Anhänger (vgl. Kap. 12.4). Der Parkplatz wird über eine eigene Zu- und Abfahrt an
die Richard-Lehmann-Straße angebunden. Der Anbindepunkt wird so ausgebaut, dass er die künfti-
gen Verkehre aufnehmen kann. Für einen Teil der Stellplätze wird eine Doppelnutzung angestrebt,
indem diese nicht nur von Kunden des Bau- und Gartenfachmarkts, sondern außerhalb der Betriebs-
zeiten auch von anderen Anliegern der Alten Messe genutzt werden können.
Für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer werden folgende Maßnahmen ergriffen:
13
VwVSächsBO Nr. 49.1.5.1

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die Errichtung einer ausreichenden Anzahl von
Fahrradabstellplätzen
für Kunden und Be-
schäftigte, inklusive acht Stellplätzen für Lastenräder,
das Anlegen von
Gehwegen und Fußgängerüberwegen
zwischen den bestehenden Gehwe-
gen der öffentlichen Straßen und den Eingangsbereichen der Gebäude,
das Anlegen eines
Fuß- und Radweges
zwischen Ottostraße und Puschstraße, um für den
Rad- und Fußverkehr einen Netzschluss in Ost-West-Richtung zu gewährleisten.
Mit dem neuen Knotenpunkt an der Richard-Lehmann-Straße wird auch eine lichtsignalgeregelte
Querungsmöglichkeit für Fußgänger und Radfahrer geschaffen. Der bestehende Radweg auf der
Südseite der Richard-Lehmann-Straße wird zum Gehweg. Der nördliche Radweg wird in Teilen
zugunsten der Rechtsabbiegespur der Fahrbahn zugeschlagen, östlich davon wird er zum Grünstrei-
fen. Der Radverkehr wird in beide Richtungen auf Radfahrstreifen geführt, die an die bestehenden
Radfahrstreifen bzw. Geh- und Radwege angeschlossen werden. Somit ist eine durchgängige Rad-
verkehrsanlage weiterhin gegeben.
Um die Geh- und Radwegverbindung auch außerhalb der Öffnungszeiten des Baumarkts zugänglich
zu halten, werden zwei mit Geh- und Radfahrrechten zugunsten der Allgemeinheit zu belastende
Flächen festgesetzt (vgl. Kap. 12.6). Die Maßnahmen dienen dazu, die Erreichbarkeit des Vorha-
bens zu verbessern und damit die Qualität des Standortes aufzuwerten.
Das Gebiet ist sehr gut durch den
öffentlichen Personennahverkehr
erschlossen (vgl. Kap. 5.6).
Im fußläufigen Einzugsbereich des Vorhabens liegen mehrere Straßenbahn- und Bushaltestellen
unterschiedlicher Linien. Die S-Bahn-Anbindung kann insbesondere für Kunden aus dem Leipziger
Umland interessant sein. Allerdings ist die fußläufige Entfernung der Haltestellen Völkerschlacht-
denkmal (ca. 800 m) und MDR (ca. 1.100 m) zum Vorhaben nicht unerheblich.
Es wird eine Feuerwehrumfahrung um den gesamten Gebäudekomplex eingerichtet, die ständig
freizuhalten ist. Auf der südöstlichen Gebäudeseite wird diese Umfahrung durch den Drive-in-
Bereich geführt.
Die Abfallentsorgung erfolgt ebenso wie die Anlieferung über die Nordostseite (Rückseite) des
Bau- und Gartenfachmarktes. Der im Vorhaben- und Erschließungsplan dargestellte Wendehammer
ist so dimensioniert, dass auch für die Fahrzeuge der Stadtreinigung eine Wendemöglichkeit im
Plangebiet besteht.
b) Technische Medien
Die öffentlichen Straßen in der Umgebung des Plangebiets sind trinkwasserseitig erschlossen. Eine
Erschließung des Vorhabens kann ausgehend von den Trinkwasserleitungen DN 300 GGG Zwick-
auer Straße, DN 150 GGG Puschstraße und DN 150 GGG Richard-Lehmann-Straße erfolgen.
Schmutz- und Regenwasser kann an der westlichen Seite des Plangebiets in das öffentliche Netz
eingeleitet werden. Während der Regenwasserabfluss auf 400 l/s (370 l/s Plangebiet und 30 l/s
Nachbargrundstück) limitiert ist, kann Schmutzwasser ungedrosselt in das Abwassernetz eingeleitet
werden.
Die Stellflächen im östlichen Bereich sind mit einer leichten Neigung angelegt, sodass das Nieder-
schlagswasser in Richtung der zwischen den Stellflächen befindlichen Rinnen mit Rasenfugenpflas-
ter abfließen und so in die Vegetationsflächen gelangen und dort versickern oder verdunsten kann.
Die Vegetationsflächen M 1 werden nur bei einem Starkregenereignis als Überflutungsfläche ge-
nutzt und dienen nicht zum Dauerstau. Das gesammelte Oberflächenwasser sowie der versiegelten
Außenflächen im westlichen Bereich wird in entsprechend dimensionierte Stauraumkanäle und
Rigolen abgeleitet und zurückgehalten. Um den vorgeschriebenen Maximal-Abfluss von 400 l/s
nicht zu überschreiten, wird der letzte Schacht vor dem Hausanschlussschacht als Drosselschacht
ausgebildet. Ein Notüberlauf in das Kanalnetz ist nicht vorgesehen. Im Falle eines Starkregenereig-
nis wird somit das Regenwasser schadlos auf dem Grundstück zurückgehalten.

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Die Versorgung des Bau- und Gartenfachmarkts mit Strom und Wärmeenergie kann über das vor-
handene Netz erfolgen.
9.4
Grünordnerisches Konzept
Das Plangebiet gliedert sich in das Baufeld für die Gebäude, Fläche für Nebenanlagen und Stell-
plätze, private und öffentliche Verkehrs- und Wegeflächen sowie Freiflächen. Die unbebauten Flä-
chen weisen sechs verschiedene Kategorien von Oberflächen auf. Die versiegelten Bereiche setzen
sich zusammen aus Asphalt (Fahrbahnen), Pflasterflächen (Gehwege, Stellplätze) und Schotterrasen
(randliche Stellplätze). Die befestigten Flächen sind in heller Farbgebung auszuführen. Die unver-
siegelten Grün- und Freiflächen gliedern sich in Offenlandformen (Trockenrasen), Rasen und Stra-
ßenbegleitgrün sowie Gehölzfläche.
Am westlichen, südlichen und östlichen Rand des Plangebiets werden Grünflächen unterschiedli-
cher Art angelegt. Hierzu zählen
Gehölzflächen im Südosten des Plangebiets zum S-Bahn-Damm,
Flächen mit magerem Kies-Sand-Gemisch im südlichen Plangebiet östlich und westlich der
Auffahrt zur Richard-Lehmann-Straße,
eine weitere Fläche mit vorhandenem Gehölz, angrenzend an die südliche Grenze des Bauge-
biets,
Magerrasen auf der östlichen Böschung der Auffahrt,
Grünflächen mit Bäumen an der westlichen Böschung der Auffahrt,
ein schmaler Grüngürtel mit Bäumen am westlichen Rand des Plangebiets,
eine weitere Magerrasenfläche im nordwestlichen Plangebiet zwischen der Kfz-Ausfahrt zur
Ottostraße und dem Fuß- und Radweg zur Ottostraße,
eine begrünte Böschung mit vorhandenem Heckenbewuchs zwischen Richard-Lehmann-
Straße und dem Baugebiet sowie
Straßenbegleitgrün, Rasen und begrünte Abstandsflächen am nordöstlichen Rand des Plange-
biets und zum Teil neben oder zwischen den Stellplätzen.
Vor dem Haupteingang wird zudem zwischen den Stellplätzen ein größerer Aufenthaltsbereich mit
Nebenfunktionen angelegt, der ebenfalls von Bäumen gesäumt wird.
Zwischen den Stellplatzreihen und im Grünstreifen am Rand der Stellplatzflächen werden ca. 100
Laubbäume gepflanzt. Diese gliedern die Stellplatzflächen untereinander und grenzen sie von den
Freiflächen im Süden und der Ottostraße im Westen ab (vgl. Kap. 7, Kap. 12.7). Die Stellplatzfläche
ist leicht in Richtung der Bäume zwischen den Stellplatzreihen geneigt, sodass Niederschlagswasser
dort in Mulden und Rigolen gesammelt und zurückgehalten werden kann. Zu beachten ist, dass die
Flächen M 1 als trockene Habitatflächen so anzulegen sind, dass Regenereignisse nicht zu einer
Flutung dieser Flächen führen.
In der unmittelbaren Umgebung des Baufelds werden vier höhlenreiche Einzelbäume erhalten.
Im Südosten des Gebiets bleibt ein Gehölzbiotop mit zwei weiteren höhlenreichen Bäumen erhal-
ten. Diese Fläche wird als Gehölzfläche bis zur Südwestfassade des Gartenmarktes (Drive-in-
Bereich) ergänzt. Die angrenzende Südostfassade erhält eine Begrünung aus Kletterpflanzen. Au-
ßerdem werden Bestandsgehölze im Bereich der Stützmauer zur Richard-Lehmann-Straße erhalten.
Zusammen dienen diese Bereiche dem Arten- und Biotopschutz und der Erfüllung stadtklimatischer
Funktionen.
Der an mehreren Standorten anzulegende magere Schotterrasen aus Kies-Sand-Gemisch dient
vordergründig als Offenland-Lebensraum mit lichtem Bewuchs dem Schutz bedrohter Tierarten,

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insbesondere der im Plangebiet nachgewiesenen Blauflügeligen Ödlandschrecke (vgl. Kap. 7 und
Kap. 12.5). Zusammen mit der im Bereich des Gartenfachmarktes vorgesehenen Dachbegrünung
stellen solche mageren Flächen Lebensraum für Insekten dar und bedienen gleichzeitig Funktionen
der Stadtökologie (z.B. Staubbindung, Photosynthese, Reduzierung sommerlicher Aufheizung).
C.
INHALTE DES BEBAUUNGSPLANES
10.
Grenzen des räumlichen Geltungsbereiches
Der räumliche Geltungsbereich des Bebauungsplans ist im Teil A: Planzeichnung festgesetzt. Er
umfasst die Flurstücke 159/110 und 159/112 der Gemarkung Thonberg mit einer Gesamtfläche von
5,53 ha der sowie 0,71 ha des Flurstücks 474/36 der Gemarkung Connewitz.
Das Plangebiet wird wie folgt begrenzt:
im Norden durch die Flurstücke 159/107, 159/103,159/65, 159/1113 und 159/114 der Gemar-
kung Thonberg,
im Osten durch das Flurstück 532/23 der Gemarkung Connewitz sowie die westliche Grenze
des Flurstücks 474/38 der Gemarkung Connewitz,
im Süden durch die Flurstücke 474/35 und 474/36 der Gemarkung Connewitz,
im Westen durch die Flurstücke 159/109, 159/111, 159/35 und 159/32 der Gemarkung Thon-
berg sowie die Straßenkreuzung Richard-Lehmann-Straße/Ottostraße.
Neben dem Vorhabengrundstück (159/112) werden noch das Flurstück 159/110 der Gemarkung
Thonberg sowie Teilbereiche des Flurstücks 474/36 der Gemarkung Connewitz in den räumlichen
Geltungsbereich dieses Bebauungsplans mit einbezogen, da es hier zu einer durch das Vorhaben
ausgelösten Neuorganisation des Verkehrs kommen wird.
11.
Gliederung des Plangebietes
Das Plangebiet dieses vorhabenbezogenen Bebauungsplanes ist gegliedert in
ein „Sonstiges Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt“ sowie
eine öffentliche Verkehrsfläche.
Bei der Fläche des Sondergebietes handelt es sich um den Bereich des diesem vorhabenbezogenen
Bebauungsplan zugrundeliegenden Vorhaben- und Erschließungsplanes.
Die Verkehrsfläche wird gemäß § 12 Abs. 4 BauGB in den vorhabenbezogenen Bebauungsplan
einbezogen, weil aufgrund des Vorhabens eine Neuorganisation mit einer entsprechenden baulichen
und verkehrsorganisatorischen Anpassung des Straßenraums erforderlich ist.
12.
Sonstiges Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt
12.1
Art der baulichen Nutzung
12.1.1 Inhalt der Festsetzung
Im
Teil A: Planzeichnung
ist die dort als „SO“ bezeichnete Fläche festgesetzt als (siehe Planzei-
chenerklärung):
Sonstiges Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt
[§ 11 Abs. 3 BauNVO]

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Im
Teil B: Text
ist dafür weiter festgesetzt:
1.1
Sonstiges Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt
[§ 11 Abs. 3 BauNVO]
1.1.1
Das sonstige Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt, dient
der Unterbringung eines großflächigen Baumarkts mit Gartenfachmarkt und Dri-
ve-in-Einrichtung zum Verkauf von Baustoffen.
1.1.2
Für das sonstige Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gartenfachmarkt,
gilt:
a)
Ausschließlich zulässig ist ein Bau- und Gartenfachmarkt inklusive Bau-
stoff-Drive-in mit einer Verkaufsfläche von max. 15.000 m
2
, davon
• Baumarkt
8.000 m
2
• Gartenmarkt
5.000 m
2
• Baustoff-Drive-in 2.000 m
2
b)
Als Kernsortiment sind ausschließlich zulässig:
• Bauelemente, Baustoffe (inkl. Holz)
• Bodenbeläge, Teppiche
• Eisenwaren/Beschläge
• Elektroinstallationsmaterial
• Farben/Lacke
• Fliesen
• Maschinen/Werkzeuge
• Pflanzen/Samen
• Sanitärartikel
• Tapeten
c)
Ergänzend zum Kernsortiment nach b) sind ausschließlich bau- und gar-
tenfachmarkttypische Randsortimente zulässig.
d)
Randsortimente nach c), bei denen es sich um zentrenrelevante Sortimente
gemäß der Leipziger Sortimentsliste (s.u.) handelt, dürfen nur auf einer
Verkaufsfläche von insgesamt 800 m
2
angeboten werden. Im Einzelnen
werden folgende Höchstmaße festgesetzt:
• Aquaristik/Tierbedarf
300 m
2
• Lampen/Leuchten/Elektro 250 m
2
• Bilder/Deko/Basteln
220 m
2
• Heimtextilien
30 m
2
e)
Es ist ein Gastronomiebetrieb (Imbiss) zur Kundenversorgung mit einer
Grundfläche von maximal 30 m
2
zulässig.
f)
Es ist ein Mietcenter für Bau- und Heimwerkermaschinen zulässig.
1.1.3
Werbeanlagen als eigenständige Hauptnutzung sind unzulässig.
[§ 1 Abs. 9 BauNVO]

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12.1.2 Ziele und Zwecke der Festsetzung
Ziel der Festsetzung ist es, auf die Umsetzung vor allem der im Kap. 3 genannten übergeordneten
Zielsetzung sowie der Ziele und Zwecke a) bis i) hinzuwirken, um damit zu einer geordneten städ-
tebaulichen Entwicklung beizutragen.
Für dieses Vorhaben soll das Plangebiet (mit Ausnahme der öffentlichen Straßen) bauplanungsrecht-
lich als Sondergebiet im Sinne des § 11 Abs. 3 BauNVO festgesetzt werden, hier mit der Zweckbe-
stimung „Bau- und Gartenfachmarkt“.
Mit der Einzelfestsetzung zentrenrelevanter Sortimente soll bezweckt werden, dass der Fachmarkt-
charakter des Vorhabens gewahrt bleibt und keine „schleichende“ Verschiebung des Angebots vom
bau- und gartenfachmarkttypischen Kernsortiment hin zu zentrenrelevanten Randsortimenten statt-
findet.
Die Begrenzung der Verkaufsflächen dient damit der Erhaltung, Entwicklung und Stärkung konkret
zu schützender zentraler Versorgungsbereiche und der Zentrenstruktur. (Vgl. Kap. 6.2).
Die Festsetzungsteile 1.1.2 e) und f) haben zum Ziel, zusätzliche, untergeordnete, im Zusammen-
hang mit der Hauptnutzung stehende Nutzungen im Plangebiet zu ermöglichen. Zweck ist es, einen
leistungsfähigen Bau- und Gartenfachmarkt anzusiedeln, der mit für Baumärkte üblichen Angebo-
ten für die Kunden ausgestattet ist.
12.1.3 Geeignetheit der Festsetzung
Die Festsetzung ist geeignet, da damit die diesem Bebauungsplan zugrundeliegenden Ziele (siehe
Kap. 3) erreicht werden können. Mit der Festsetzung wird die seitens der Stadt gewollte zukünftige
Nutzung einerseits bauplanungsrechtlich ermöglicht, andererseits wird die Nutzung klar und ver-
bindlich definiert und damit in ihren Entwicklungsoptionen so begrenzt, dass seitens der Stadt
ungewollte Entwicklungen vermieden werden. Andere als die aufgeführten Nutzungsarten werden
effektiv ausgeschlossen. Durch die Beschränkung der Verkaufsfläche insgesamt sowie der Verkaufs-
flächen einzelner Sortimente werden schädliche Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche in
der Gemeinde oder in anderen Gemeinden wirksam verhindert. Mit den Festsetzungsteilen 1.1.2 e)
und f) sowie 1.1.3 wird die Entwicklung des Plangebietes effektiv gesteuert: Einzelne ergänzende
Nutzungen sind zulässig, jedoch hinsichtlich Art, Anzahl und Größe beschränkt. Eine Entwicklung,
die den eigentlichen Zielen dieses Bebauungsplanes zuwiderläuft – etwa indem unter dem Deck-
mantel untergeordneter Nutzungen eine Imbissmeile oder eine Werbemeile im Plangebiet entstehen
– wird durch die Festsetzung unterbunden.
12.1.4 Erforderlichkeit der Festsetzung
Die Erforderlichkeit der Festsetzung ist sowohl in zeitlicher („sobald erforderlich“) als auch in
inhaltlicher („soweit erforderlich“) Hinsicht gegeben. Die in Kap. 2 formulierten Darlegungen
gelten hier entsprechend. Im Einzelnen:
Die Festsetzung des sonstigen Sondergebietes ist notwendig, da das Vorhaben gemäß § 11 Abs. 3
BauNVO nur im Sonstigen Sondergebiet mit entsprechender Zweckbestimmung zulässig ist (siehe
auch Kap. 2). Das Vorhaben wäre also ohne die Festsetzung dieser Art der baulichen Nutzung nicht
genehmigungsfähig und damit nicht umsetzbar.
Die Festsetzung einer Zweckbestimmung ist nach § 11 Abs. 2 der BauNVO erforderlich. Die
Zweckbestimmung „Bau- und Gartenfachmarkt“ sowie die textliche Festsetzung Nr. 1.1.1 entspre-
chen dem hier gewollten Vorhaben. Durch die Zweckbestimmung wird die Ansiedlung anderer
großflächiger Einzelhandelsbetriebe an dem Standort ausgeschlossen. Dass das Sondergebiet „der
Unterbringung eines großflächigen Baumarktes mit Gartenfachmarkt…“ dient, entspricht in diesem
Falle dem konreten Vorhaben, für das dieser vorhabenbezogene Bebauungsplan aufgestellt wird und
zu dessen Durchführung sich der Vorhabenträger im Durchführungsvertrag verpflichtet. Zudem sind

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nur solche Vorhaben zulässig, zu deren Durchführung sich der Vorhabenträger im Durchführungs-
vertrag verpflichtet hat (siehe im Teil B: Text unter I.). Dies steht der Zulässigkeit eines davon
abweichenden anderen oder eines weiteren Vorhabens entgegen. Im Übrigen ist davon auszugehen,
dass in dem Sondergebiet nur ein für die Realisierung eines Baumarktes der üblichen Größe geeig-
netes Grundstück vorhanden ist bzw. in dem Sondergebiet nur ein Baumarkt der üblichen Größe
errichtet werden kann.
Die Festsetzung 1.1.2 ist wie folgt erforderlich, um das zulässige Vorhaben hinsichtlich seiner Art
genauer zu definieren:
Buchstabe a) ist erforderlich, um für die jeweiligen Teile des Vorhabens die maximal zulässigen
Verkaufsflächen zu begrenzen.
Buchstabe b) mit der Regelung der zulässigen Kernsortimente ist erforderlich, um die Zulässigkeit
auch anderer Kernsortimente auszuschließen.
Buchstabe c) ist erforderlich, um die Zulässigkeit der genannten Randsortimente einerseits zu eröff-
nen und andererseits auf die genannten Sortimente zu beschränken.
Buchstabe d) ist erforderlich, um die Regelung des Buchstaben c) hinsichtlich der zentrenrelevanten
Randsortimente zu untersetzen. Die Beschränkung der zentrenrelevanten Randsortimente ist sowohl
aus stadtentwicklungspolitischen als auch aus aus raumordnerischen Gründen notwendig. Ohne die
Beschränkung der Verkaufsfläche für diese Sortimente auf insgesamt 800 m² wäre auch eine größe-
re Verkaufsfläche zulässig. Damit wäre zu befürchten, dass die Verkaufsfläche zentrenrelevanter
Randsortimente ein Maß erreicht, das schädliche Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche
der Stadt Leipzig oder umliegender Gemeinden erwarten lässt. Dies würde sowohl zu den stadtent-
wicklungspolitischen Zielen der Stadt Leipzig als auch den Zielen der Raumordnung (hier: Ziel Z
2.3.2.3 des LEP; Näheres siehe Kap. 6.1.1) im Widerspruch stehen. Die Beschränkung der Randsor-
timente ihrer Art nach ist erforderlich, um den Verkauf auch anderer zentrenrelevanter Sortimente
auszuschließen. Die Beschränkung der einzelnen Verkaufsfläche ist erforderlich, um Flächenver-
schiebungen zwischen den Sortimenten, aus denen unterschiedliche städtebauliche Auswirkungen
resultieren können, auszuschließen.
Buchstaben e) und f) sind erforderlich, um in dem Sondergebiet die Zulässigkeit der entsprechen-
den, lt. Vorhaben- und Erschließungsplan vorgesehenen Nutzungen zu eröffnen. Hinsichtlich der
Beschränkung auf je einen Betrieb bzw. ein Mietcenter gelten die obigen Ausführungen zur Zuläs-
sigkeit nur von Vorhaben, zu deren Durchführung sich der Vorhabenträger im Durchführungsvertrag
verpflichtet hat (Teil B: Text unter I.), sowie zur Unzulässigkeit davon abweichender oder weiterer
Vorhaben entsprechend.
Mit der Festsetzung 1.1.3 wird sichergestellt, dass im Plangebiet keine Werbeanlagen zulässig sind,
die nicht in einem inhaltlichen Zusammenhang mit der Nutzung der Fläche stehen. Die Errichtung
solcher Fremdwerbeanlagen liefe inbesondere der in Kap. 3 Buchstabe f) genannten städtebaulichen
Zielsetzung des Bebauungsplanes zuwider.
Für die Werbung des Vorhabenträgers an der „Stätte der Leistung“ liegt als Teil des Durchführungs-
vertrags ein mit der Stadt Leipzig abgestimmtes Werbekonzept vor.
12.1.5 F ü r die Festsetzung sprechende Belange
Die von der Festsetzung positiv berührten und damit für die Festsetzung sprechenden Belange sind
insbesondere:
a) Das Interesse der Stadt an der Umsetzung ihrer stadtentwicklungspolitischen Ziele, insbe-
sondere der in Kap. 3 aufgeführten.
b) Das Interesse des Vorhabenträgers am Bau und Betrieb des Marktes sowie an der Gewinner-
zielung.

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c) Das Interesse der LEVG an der Veräußerung des Grundstückes.
Dass weitere Belange in abwägungserheblicher Weise durch die Festsetzung positiv berührt werden
könnten, ist derzeit nicht erkennbar.
Die genannten Belange und ihre konkrete Betroffenheit werden im Folgenden näher beschrieben
und gewichtet.
Die Betroffenheit des öffentlichen
Belanges a)
ist eindeutig gegeben, da die bauplanungsrechtliche
Umsetzung dieses Belanges Ziel und Zweck des Bebauungsplanes sowie auch Ziel, Zweck und
Inhalt vor allem dieser Festsetzung ist. Mit der Festsetzung des Sonstigen Sondergebietes Zweckbe-
stimmung Bau- und Gartenfachmarkt und den dazu getroffenen weiteren Festsetzungen zur Art der
Nutzung wird einerseits die Errichtung des anlassgebenden und den Zielen der Stadt entsprechen-
den Bau- und Gartenfachmarktes aus bauplanungsrechtllicher Sicht ermöglicht. Andererseits wird
dessen Entwicklung – ebenfalls den Zielen der Stadt entsprechend – beschränkt.
Beide Inhalte der Festsetzung – die Schaffung der bauplanungsrechtlichen Zulässigkeit des Bau-
und Gartenfachmarkts sowie dessen Beschränkung hinsichtlich der Entwicklung – sind für die
Stadtentwicklung Leipzigs als zentral einzustufen. Denn:
Infolge der Realisierung des Bau- und Gartenfachmarktes ist eine dem Ziel a) entsprechende
Stärkung der oberzentralen Funktion der Stadt Leipzig zu erwarten. Dies ist von besonderer
Bedeutung für die Stadt Leipzig aber auch für das Umland, für das sie die oberzentrale Funk-
tion wahrnimmt.
Durch die Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes ist mit einer dem Ziel b) entsprechen-
den Erhöhung der Arbeitsplatzzentralität Leipzigs sowie auch einer Stärkung der lokalen
Wirtschaft zu rechnen. Die Funktion Leipzigs als bedeutsamer Arbeitsort wird durch das Vor-
haben gestärkt. Auch dies ist von besonderer Bedeutung für die Stadt Leipzig aber auch für
das Umland, soweit die Stadt dafür Kristallisationspunkt, Stabilitätsfaktor und „Wachstums-
motor“ ist.
Die mit der Festsetzung ermöglichte Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes wirkt auf
die dem Ziel c) entsprechende Umsetzung der strategischen, stadtentwicklungspolitischen und
städtebaulichen Ziele der Stadt hin. So wird das Versorgungsdefizit im Bereich der Bau-
marktsortimente verringert. Zudem trägt der Standort dem Ziel der Verkehrsvermeidung
Rechnung und entspricht der Strategie zur prioritären Weiterentwicklung bereits vorgeprägter
Sonderstandorte mit nicht zentrenrelevanten Hauptsortimenten. Das Vorhaben stellt einen
wichtigen Baustein der städtebaulichen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Alten
Messegeländes dar. Dies ist von besonderer Bedeutung für die Stadt Leipzig, aber auch für
das Umland in vorgenannter Hinsicht.
Gleichzeitig führt die sich aus der Festsetzung ergebende Beschränkung der Entwicklung des
Bau- und Gartenfachmarktes zu einer sowohl dem Ziel c) als auch dem Ziel d) entsprechen-
den Vermeidung schädlicher Auswirkungen auf die zentralen Versorgungsbereiche. Dies ist
von besonderer Bedeutung sowohl für die Stadt Leipzig als auch für die berührten Nachbar-
gemeinden.
Die mit der Ansiedlung des Bau- und Gartenfachmarktes verbundene, dem Ziel e) entspre-
chende Reaktivierung und dauerhafte Nachnutzung der im Plangebiet gelegenen Fläche ist
von besondere Bedeutung für die Stadt Leipzig. Dies ist vor allem auch damit begründet, dass
sich die seit Verlagerung der Leipziger Messe auf das neue Messegelände weitgehend brach-
liegende Fläche in integrierter und verkehrlich sehr gut erschlossener zentraler Lage im Stadt-
gebiet Leipzigs befindet. Die Wiedernutzbarmachung der Fläche dient der Innenentwicklung,
der nicht nur im Interesse der Stadt, sondern auch im allgemeinen Interesse (siehe z.B. § 1a
Abs. 2 BauGB sowie das „30-Hektar-Ziels“ der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie) eine be-
sondere Bedeutung zukommt.

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Die mit der Festsetzung ermöglichte Realisierung des Bau- und Gartenfachmarktes ist zudem
Voraussetzung für die dem Ziel f) entsprechende städtebaulich-qualitative Weiterentwicklung
des Plangebiets und insoweit auch des Alten Messegeländes insgesamt oder zumindest der im
relevanten Umfeld des Plangebietes gelegenen Teile des Alten Messegeländes. Dies ist für das
Alte Messegelände und – aufgrund seiner zentralen Lage im Stadtgebiet und auch seiner his-
torischen Bedeutung – für die Stadt insgesamt von besonderer Bedeutung.
Dem Belang kommt somit für die Abwägung
besonderes Gewicht
zu.
Die Betroffenheit des Vorhabenträgers –
Belang b)
– ist offensichtlich. Der Vorhabenträger hat ein
wirtschaftliches Interesse an der Festsetzung des Sondergebietes, um im Plangebiet einen Bau- und
Gartenfachmarkt errichten und betreiben sowie Gewinne erzielen zu können. Das Interesse an der
Errichtung und am Betrieb des Baumarktes sowie der Generierung von Umsatz und Gewinn ist für
die Abwägung von
untergeordnetem Gewicht
. Von Bedeutung dafür ist auch, dass es sich nur um
das privatwirtschaftliche Interesse eines einzelnen Unternehmens handelt.
Gleichzeitig werden die Belange des Vorhabenträgers durch die Festsetzung, mit denen die Ent-
wicklung des Bau- und Gartenfachmarktes beschränkt wird, in negativer Hinsicht berührt. Auch
dem wird aus den o.g. Gründen nur
untergeordnetes Gewicht
beigemessen. Hinzu kommt: Da
ohne diese Beschränkung die Zuässigkeit des Vorhabens insgesamt in Frage stünde, dürfte das
Interesse des Vorhabenträgers an der Festsetzung in ihrer Gesamtheit deutlich überwiegen.
Bei
Belang c)
, dem Interesse der LEVG (als bisheriger Grundstückseigentümerin) an der Veräuße-
rung des Grundstückes (und damit auch dem damit in Verbindung stehenden, gleichgerichteten
Interesse der Stadt als alleinige Gesellschafterin der LEVG) handelt es sich nicht um einen städte-
baulich relevanten Belang, sondern um rein finanzielle Interessen der LEVG bzw. der Stadt. Diesem
Belang wird folglich
keine Abwägungsrelevanz
beigemessen und er wird deshalb nicht bzw.
ohne
Gewicht
in die Abwägung eingestellt.
12.1.6 G e g e n die Festsetzung sprechende Belange
Der Festsetzung grundsätzlich entgegenstehende Belange sind vor allem:
d) Das Interesse der Stadt Markkleeberg an der Beibehaltung der bestehenden Situation, hier
der bestehenden Kaufkraftbindung im Bau- und Gartenmarktsektor in ihrem Stadtgebiet.
e) Das Interesse von Mitbewerbern an der Vermeidung von Umsatzeinbußen, die durch die Re-
alisierung des Vorhabens zu erwarten sind.
f) Das Interesse der benachbarten Schule an der Vermeidung von Beeinträchtigungen des
Schulablaufs.
Die Betroffenheit des
Belanges d)
ist eindeutig gegeben, da mit der Festsetzung die bauplanungs-
rechtliche Grundlage zur Errichtung des Bau- und Gartenfachmarktes geschaffen wird, dessen
Betrieb zu Umsatzverlagerungen aus Markkleeberg nach Leipzig führen wird. Die Stadt Markklee-
berg hat dies auch in ihren im Rahmen des Verfahrens abgegebenen Stellungnahmen vorgetragen
(siehe Anhang IV: Abwägungsvorschlag, Nr. I-3). Diese Umsatzverlagerungen sind aber hinzuneh-
men. Denn:
Wie in Kap. 6.1 Buchst. c) aber auch in Anhang IV: Abwägungsvorschlag (unter der Nr. I-3) aufge-
zeigt, liegt bislang offensichtlich eine Kaufkraftabschöpfung aus dem Leipziger Stadtgebiet nach
Markkleeberg vor. Dieser Kaufkraftabfluss wird sich mit dem neuen Bau- und Gartenfachmarkt
reduzieren. Es ist aber damit zu rechnen, dass dennoch ein erheblicher Kaufkraftabfluss aus Leipzig
nach Markkleeberg verbleiben wird. Dass in Folge der Kaufkraftabzüge eine Beeinträchtigung der
mittel-zentralen Funktion der Stadt Markkleeberg zu befürchten wäre, ist nicht zu erwarten. Dass
die Versorgungsfunktion der in Markkleeberg ansässigen Bau- und/oder Gartenmärkte für die Ein-
wohner von Markkleeberg (und auch des Landkreises) in Frage gestellt würde, ist nicht zu erwarten.

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Dem Belang kommt damit nur
untergeordnetes Gewicht
zu. Weiteres dazu siehe die Ausführun-
gen in Anhang IV: Abwägungsvorschlag, Nr. I-3, die auch hier gelten.
Die Betroffenheit des
Belanges e)
, dem Interesse der Mitbewerber an der Vermeidung von Umsatz-
einbußen durch die Realisierung des Vorhabens, ist gegeben bzw. anzunehmen. Einerseits sind
derartige Umsatzeinbußen zu erwarten oder zumindest nicht auszuschließen. Andererseits ist ein
Interesse der Mitbewerber, keine Umsatzeinbußen in ihren eigenen Bau- und/oder Gartenmärkten
hinnehmen zu müssen, nachvollziehbar. Dies gilt unabhängig davon, ob die Mitbewerber sich im
Rahmen des Verfahrens entsprechend geäußert haben oder nicht. Im Verfahren hat – neben der Stadt
Markkleeberg – nur eine Mitbewerberin des Vorhabenträgers (bzw. die sie vertretenden Rechtsan-
wälte) derartige Umsatzeinbußen in ihren Stellungnahmen angesprochen (siehe Anhang IV: Abwä-
gungsvorschlag, Nrn. I-3 und II-3); von weiteren Mitbewerbern ist im Aufstellungsverfahren keine
Stellungnahme eingegangen.
Wie aus mehreren Gutachten, die im Rahmen des Bebauungsplan-Verfahrens erstellt bzw. mit Stel-
lungnahmen der o.g. Mitbewerberin des Vorhabenträgers eingegangen sind, abzuleiten ist, sind für
die Mitbewerber in mehreren Märkten Umsatzeinbußen zu erwarten, wenn das Vorhaben in dem
festgesetzten Maß umgesetzt wird. Das Interesse der Mitbewerber, keine oder zumindest nur gerin-
gere Umsatzeinbußen hinnehmen zu müssen, ist insofern nachvollziehbar und auch abwägungsrele-
vant.
Von Bedeutung dafür ist zunächst, dass es sich lediglich um privatwirtschaftliche Interessen einzel-
ner Unternehmen handelt. Bestand und wirtschaftlicher Erfolg dieser Unternehmen wird durch die
Umsetzung dieses Bebauungsplanes nicht in Frage gestellt.
Hinzu tritt, dass es sich faktisch lediglich um ein Interesse der Mitbewerber am Schutz vor Konkur-
renz handelt. Dabei handelt es sich in in der Regel nicht um einen abwägungserheblichen Belang.
Das Bundesverwaltungsgericht führt in seinem Urteil vom 10. Juli 2020
14
dazu aus: „Das Interesse,
ein Gewerbe frei von Konkurrenz ausüben zu können, ist in aller Regel kein abwägungserheblicher
Belang, weil ihm der städtebauliche Bezug fehlt; das Bauplanungsrecht verhält sich gegenüber
Wettbewerbsinteressen neutral. Der einzelne Gewerbetreibende hat weder einen Anspruch darauf,
dass eine vorhandene Wettbewerbssituation nicht verschlechtert wird, noch ist sein dahingehendes
Interesse schutzwürdig, weil er mit neuer Konkurrenz ständig rechnen muss. Das gilt grundsätzlich
auch dann, wenn der Bebauungsplan die Grundlage für die Ansiedlung eines Konkurrenten im
Einzugsbereich der eigenen wirtschaftlichen Betätigung, gegebenenfalls sogar in der unmittelbaren
Nachbarschaft, bildet.“ Genau dies – die Verhinderung der Verschlechterung der vorhandenen Wett-
bewerbssituation – wird mit dem Belang geltend gemacht. In der Urteilsbegründung heißt es weiter:
„Nur in besonders gelagerten Einzelfällen können Umstände vorliegen, die eine Berücksichtigung
gerade der privaten Interessen eines Einzelbetriebes nachelegen. Wann ein solcher Einzelfall vor-
liegt, lässt sich nicht losgelöst von den jeweiligen Gegebenheiten abstrakt festlegen.“ Im vorliegen-
den Fall gibt es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass ein solcher Einzelfall vorliegt.
Zudem ist – auch auf Grundlage der o.g. Stellungnahmen und Gutachten und der darin für die drei
in Markkleeberg gelegenen Bau- bzw. Gartenmärkte (vermutlich als worst case) mit 13 %, 10 %
und 11 % angegebenen Kaufkraftabzüge – nicht anzunehmen, dass die Umsatzumverteilungen
existenzgefährdende Auswirkungen auf die Betriebe der Mitbewerber haben können.
Im Ergebnis kommt dem Belang somit nur
untergeordnetes Gewicht
zu. Weiteres dazu siehe die
Ausführungen in Anhang IV: Abwägungsvorschlag, Nr. II-3, die auch hier gelten.
Der
Belang f)
, das Interesse der benachbarten Schule an der Vermeidung von Beeinträchtigungen
des Schulablaufs, bezog sich zum einen auf die Nutzung des Flurstücks der Messehalle 13 als Frei-
bereich der Schule und bezieht sich zum anderen auf die Nutzung der Puschstraße als Schulweg.
14
Urteil BVerwG 4 BN 50.19 Rn 8

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Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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11.03.2021
Der erste Aspekt ist nicht Gegenstand der Planung und für die Abwägung folglich nicht von Bedeu-
tung (Näheres siehe Anhang IV, Nr. II-2.2).
Der zweite Aspekt, die Befürchtung, der durch ein Vorhaben dieser Art und Größe hervorgerufene
Lieferverkehr auf der Puschstraße könne zu einer Gefährdung der Schülerinnen und Schüler führen,
wurde hingegen in der Abwägung berücksichtigt. Die Befürchtungen sind nachvollziehbar, aber im
Ergebnis der nochmaligen Prüfung unbegründet (Näheres siehe Anhang IV, Nr. II-2.1). Dem kommt
folglich nur
untergeordnetes Gewicht
zu.
12.1.7 Abwägungsentscheidung
Die Stadt entscheidet sich im Ergebnis der Ermittlung und Gewichtung der von der Festsetzung
berührten Belange für die Bevorzugung der unter a) bis c) genannten, für die Festsetzung sprechen-
den Belange. Die unter d) bis f) genannten, gegen die Festsetzung sprechenden Belange wiegen
dagegen weniger schwer und werden deshalb zurückgestellt. Der Grundsatz der Verhältnismäßig-
keit wird dabei gewahrt.
Von Bedeutung dafür ist insbesondere:
Bei Belang a) handelt es sich um einen öffentlichen Belang, dem aus den verschiedenen
genannten Gründen besondere Bedeutung und damit auch besonderes Gewicht zukommt. Da
die einzelnen dafür genannten Gründe unterschiedliche Aspekte und Zielrichtungen betreffen,
wird dem in der Summe ein noch höheres Gewicht beigemessen.
Den Belangen b) – soweit dieser für die Festsetzung spricht – und c) kommt nur untergeord-
netes bzw. kein Gewicht zu. Sie sind hier nicht weiter zu betrachten.
Den gegen die Festsetzung sprechenden Belangen d) und e) kommt, aus den jeweils genann-
ten Gründen nur untergeordnetes Gewicht zu. Daran ändert sich auch in der summarischen
Betrachtung nichts. Von Bedeutung dafür ist auch, dass hinter beiden im wesentlichen das In-
teresse an der Vermeidung der genannten Kaufkraft- bzw. Umsatzumverteilungen steht.
Auch Belang f) kommt aus den oben genannten Gründen nur untergeordnetes Gewicht zu.
Daran ändert sich auch in der summarischen Betrachtung mit den Belangen d) und e) nichts.
Die Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit ist jeweils gegeben. Die sich aus dem
Bebauungsplan für die nachteilig Betroffenen jeweils ergebenden Auswirkungen sind zumut-
bar und deshalb hinzunehmen.
12.2
Maß der baulichen Nutzung
Im
Teil A: Planzeichnung
wird für das Sonstige Sondergebiet, Zweckbestimmung Bau- und Gar-
tenfachmarkt festgesetzt:
Die Grundflächenzahl (GRZ) beträgt 0,8.
[§ 16 Abs. 2 Nr. 1 BauNVO, § 19 BauNVO]
Als maximale Höhe der Oberkante von Gebäuden, bezogen auf die Bezugshöhe von 129,4 m ü.
NHN, werden weiter festgesetzt:
18,5 m für das nordwestliche Baufenster (Baumarkt-Hauptgebäude)
10,5 m für das mittlere Baufenster (Durchgang „Glasfuge“)
14,0 m für das südöstliche Baufenster (Gartenfachmarkt, Gartenfreilandbereich, Baustoff-
center und Drive-in).
[§ 16 Abs. 2 Nr. 4 BauNVO, § 18 BauNVO]
Begründung:

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11.03.2021
Für das gesamte Gebiet wird die gemäß § 19 BauNVO für sonstige Sondergebiete maximal zulässi-
ge Grundflächenzahl von 0,8 festgesetzt. Die Festsetzung ist erforderlich, um das Vorhaben mit
einer geplanten Verkaufsfläche von 15.000 m² sowie den erforderlichen Stellplätzen und Zufahrten
umzusetzen und gleichzeitig einen Teil der vorhandenen Fläche durch Entsiegelung und Begrünung
ökologisch und städtebaulich aufzuwerten. Die Festsetzung der GRZ von 0,8 entspricht dem in der
näheren Umgebung üblichen Maß der baulichen Nutzung (vgl. vorhabenbezogener Bebauungsplan
Nr. 379 „Einrichtungshaus auf der Alten Messe“ und Bebauungsplan Nr. 421 „Fahrradfachmarkt auf
der Alten Messe“) und wird dem städtebaulichen Ziel gerecht, die Alte Messe als Standort für groß-
flächigen Einzelhandel zu etablieren.
Hinsichtlich der zulässigen Gebäudehöhe wird unterschieden zwischen dem Hauptgebäude des
Baumarkts, der verbindenden Glasfuge sowie dem Gartenfach- und Baustoffmarkt. Eine Unterglie-
derung in einzelne Baugebiete findet nicht statt. Die unterschiedlichen Maße der baulichen Nutzung
sind jedoch durch eine Knotenlinie (Anlage zur PlanZV Nr. 15.14) im Plan von einander abge-
grenzt.
Maßgeblich für das Vorhaben ist die Erhaltung denkmalgeschützter Teile der bestehenden Messe-
halle 17. Das Höhenmaß für diesen Teil des Baugebietes richtet sich daher nach dem Bestand und
beträgt 18,5 m, bezogen auf die Bezugshöhe von 129,4 m ü. NHN. Die künftige Kubatur des Mark-
tes soll den vorhandenen Portikus nicht überragen, sondern vielmehr seinen umfeldprägenden Cha-
rakter stärken. Eine höhere Bebauung wäre städtebaulich nicht vertretbar, da das Erscheinungsbild
des Ensembles erheblich beeinträchtigt würde.
Die Verbindung zwischen Baumarkt und Gartenfachmarkt wird durch einen Durchgang in Form
einer gläsernen Fuge realisiert. Für diese wird eine Höhenbeschränkung auf maximal 10,5 m über
Bezugshöhe festgesetzt. Damit soll sichergestellt werden, dass dieses Bauteil den Baukörpern des
Baumarkts und des Gartenfachmarkts deutlich untergeordnet wird. Der Verbindungsbau erfüllt zum
einen den funktionalen Zweck eines eingehausten Übergangs zwischen dem Bau- und dem Garten-
fachmarkt. Zum anderen soll er eine klare optische Trennung zwischen dem Hauptgebäude (ehema-
lige Halle 17) und den seitlich abgerückten Baukörpern des Gartenfachmarkts und des Baustoff-
Drive-ins herstellen. Diese wird mit der Limitierung der Höhe in Kombination mit der zeichneri-
schen Festsetzung des Baukörpers erreicht.
Die zwei für den Gartenfachmarkt sowie den Baustoff-Drive-in vorgesehenen Baukörper sind ge-
genüber dem Baumarkt-Hauptgebäude untergeordnet. Die maximale Höhe im östlichen Teil der
überbaubaren Grundstücksfläche wird auf 14,0 m über Bezugshöhe beschränkt. Mit der Beschrän-
kung wird sichergestellt, dass kein Gebäude den denkmalgeschützten Portikus überragt.
12.3
Überbaubare Grundstücksfläche
Im
Teil A: Planzeichnung
wird im Sonstigen Sondergebiet mittels Baugrenzen und Baulinien eine
überbaubare Grundstücksfläche, bestehend aus drei verschiedenen, zusammenhängenden Baufens-
tern, festgesetzt.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 2 BauGB]
Begründung:
Da der denkmalgeschützte Portikus der Messehalle 17 erhalten und in die Bebauung integriert
werden soll, definiert er eine städtebaulich bedeutsame Bauflucht, die durch Baulinien an der Front
(Südwestseite) des Baumarktes aber darüber hinaus auch entlang der Vorderseite des zukünftigen
Gartenfachmarktes und seines Freilandbereiches festgesetzt wird. Die Baulinien an den Seiten
(Nordwesten und Südosten) der Halle 17 gewährleisten, dass der entstehende Baukörper den äuße-
ren Abgrenzungen des ehemaligen Hallenbaus entspricht. Die Rückseite des Baumarkt-Gebäudes
wird ebenfalls durch Baulinien begrenzt. Diese setzen die Kante des Risalits fest, die durch das
vorhandene Mittelschiff definiert wird. Zu beiden Seiten dieser mittleren Baulinie schließen sich
Baulinien an, die entsprechend dem Denkmal zurückspringen und damit die gestalterische Wirkung

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des Mittelrisalits als vorstehendes Bauteil sicherstellen. Damit wird der historische Grundriss der
Halle 17 auch mit dem Neubau erhalten.
Durch die Festsetzung der Baulinien an der Nordostseite des für den Baumarktteil vorgesehenen
Bereiches des Plangebiets wird zudem gewährleistet, dass zwischen Bebauung und Grundstücks-
grenze eine Durchfahrt mit LKW mit ausreichender Breite und damit die Erreichbarkeit der südöst-
lichen Gebäudeteile durch den Lieferverkehr entsprechend dem Erschließungskonzept möglich ist.
Zugleich wird dem Bedarf an Gebäudegrundfläche zur Realisierung des vorgesehenen Verkaufsflä-
chenvolumens Rechnung getragen. Der Abstand zwischen Grundstücksgrenze und Nordostfassade
des Baumarkts wird durch die Baulinien auf 10,2 m (Mittelrisalit) bzw. 11,3 m (Seitenflügel) fest-
gesetzt.
Die Verbindungsfuge zwischen Bau- und Gartenfachmarkt soll sich städtebaulich den angrenzenden
Gebäuden deutlich unterordnen. Um die Fugenwirkung zwischen den Nachbargebäuden zu sichern,
erfolgt die Festsetzung des Baufensters durch eigene Baugrenzen in alle Richtungen. Somit entsteht
ein rückseitig um mindestens 4 m eingezogener Körper als funktionale Verbindung zwischen Bau-
markt und Gartenfachmarkt.
Die Front des Gartenfachmarkts nach Südwesten wird durch eine Baulinie bestimmt, die der durch
den Portikus vorgegebenen Bauflucht folgt. Eine Baugrenze auf der Nordwestseite des künftigen
Gartenfachmarkts soll für eine ausreichende Distanz von mindestens 12,4 m zwischen Baumarkt
und Gartenfachmarkt sorgen, sodass die Trennung zwischen der zum Teil denkmalgeschützten
Halle 17 und dem Neubau deutlich wird. Die Position der weiteren künftigen Fassaden wird eben-
falls durch Baugrenzen so festgesetzt, dass der Lieferverkehr entlang der rückwärtigen Gebäudesei-
te noch innerhalb der Grundstücksgrenze abgewickelt werden kann. Die südöstliche Baugrenze
stellt zudem sicher, dass im südöstlichen Plangebiet ausreichend Fläche für unbebaute Grün- und
Biotopflächen zur Verfügung steht.
12.4
Flächen für Nebenanlagen, oberirdische Stellplätze und deren Zufahrten
Im
Teil A: Planzeichnung
wird im Bereich der nicht-überbaubaren Grundstücksfläche südwestlich
des geplanten Bau- und Gartenfachmarkts eine mit „St“ bezeichnete Fläche für Nebenanlagen,
oberirdische Stellplätze und deren Zufahrten festgesetzt. Diese schließt auch die Zufahrten zum
öffentlichen Straßennetz ein. Weiterhin sind in der Fläche Nebenanlagen (Imbiss, Einkaufswagen-
unterstände) zulässig.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 4 BauGB]
Weiterhin wird im
Teil B: Text
festgesetzt:
2
Stellplätze
Im Plangebiet sind insgesamt 396 Kfz-Stellplätze zu errichten, einschließlich Sonderstell-
plätze für spezifische Nutzergruppen (z.B. Elektrofahrzeuge, Motorräder, Menschen mit Be-
hinderung). Stellplätze sind nur innerhalb der Fläche für Stellplätze und der überbaubaren
Grundstücksflächen zulässig.
[§ 12 Abs. 6 BauNVO i. V. m. § 89 Abs. 1 Nr. 4 SächsBO]
Begründung:
Die festgesetzte Fläche für Stellplätze bietet nach dem städtebaulichen Konzept im Vorhaben- und
Erschließungsplan Parkmöglichkeiten für 396 PKW inklusive Sonderstellflächen für Menschen mit
Behinderung sowie PKW mit Anhänger und Elektroautos und erfüllt damit die Anforderungen an
einen Fachmarkt dieser Größenordnung.
Ein deutlich darüber hinausgehender Bedarf ist aufgrund der integrierten Lage und sehr guten
ÖPNV-Anbindung des Vorhabens nicht zu erwarten und wäre städtebaulich auch nicht vertretbar.
Zudem beschränkt die festgesetzte Grundflächenzahl von 0,8 den Umfang der Fläche, die für Stell-

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plätze genutzt werden kann. Die Position der Stellplatzfläche ist an die Architektur des Gebäudes
und die Verkehrserschließung angepasst. Die Anordnung der Gebäude, Stellflächen und Zufahrten
folgt dem Prinzip der räumlichen Trennung von Liefer- und Kundenverkehr. Der Kundenverkehr
soll ausschließlich über die Richard-Lehmann-Straße und die Ottostraße abgewickelt werden. Stell-
flächen außerhalb der festgesetzten Fläche würden dieser Absicht zuwiderlaufen.
Weiterhin werden Abstellflächen für 100 Fahrräder, darunter auch solche für größere Lastenfahrrä-
der, geschaffen. Diese liegen außerhalb der festgesetzten Fläche für Stellplätze.
Der in Kap. 12.1 beschriebene Gastronomiebetrieb (Imbiss) zur Versorgung der Kunden ist inner-
halb der festgesetzten Fläche zulässig, da für seine Nutzung die räumliche Nähe zu den Stellplätzen
von Bedeutung ist. Gleiches gilt für die Unterstände für Einkaufswagen, die von Kunden auf dem
Weg vom bzw. zum Fahrzeug genutzt werden.
12.5
Flächen für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von
Boden, Natur und Landschaft
Im
Teil A: Planzeichnung
wird der Erhalt besonders geschützter Biotope festgesetzt.
In der Planzeichnung werden insgesamt sechs mit “B” bezeichnete Bäume dargestellt, die gemäß §
30 BNatSchG i.V.m. § 21 SächsNatSchG besonders geschützte Biotope darstellen. Diese sind zu
erhalten.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
4.1
Habitatflächen
Die in der Planzeichnung mit M 1 bezeichneten Flächen sind als Habitatflächen für die
Blauflügelige Ödlandschrecke anzulegen. Sie sind dazu als extensive, magere Flächen mit
schütterer Vegetationsbedeckung zu entwickeln und dauerhaft extensiv zu pflegen. Gehölz-
aufwuchs ist zu unterbinden, Gehölzanpflanzungen sind unzulässig.
Begründung:
Die Festsetzung dient vorrangig dem Artenschutz. Mit der vegetationsarmen Fläche aus Sand und
Kies wird ein Offenland-Lebensraum geschaffen, der den Anforderungen der Blauflügeligen Öd-
landschrecke entspricht. Damit dient sie der Vermeidung von Verbotstatbeständen nach § 44 Abs. 1
Satz 2 und 3 BNatSchG durch bau-, anlage- und betriebsbedingte Eingriffe. Laut Fachgutachten
sind im Bestand ca. 5.800 m
2
Habitatfläche vorhanden, die in der Planung wiederherzustellen sind.
Dies erfolgt durch die Anlage von magerem sandig, kiesigen Schotterrasen auf drei Teilflächen
M 1, mit denen insgesamt ca. 4.340 m² Habitatfläche geschaffen werden. Weitere Habitatflächen
entstehen mittels der Regelungen aus Festsetzung 4.3.1 (860 m²). Damit ergibt sich eine Summe
von 5.200 m². Die Differenz von 600 m² gegenüber dem Bestand ist naturschutzfachlich und natur-
schutzrechtlich deshalb vertretbar, weil zugunsten des Erhaltes des Gehölzbestandes auf der Fläche
M 6, der Lebensräume für Kleinvögel und Insekten schafft, auf weitere Habitatflächen für die Öd-
landschrecke verzichtet wird. Die Maßnahme wirkt auf eine dauerhafte ökologische Funktionalität
für die Art in ihren Lebensräumen hin.
Vor Baubeginn sollten die vorhandenen Splittbeläge abgeschoben werden, anschließend als Hauf-
werk gelagert und auf die neuen Flächen wieder aufgebracht werden, da sich in der obersten Boden-
schicht sehr wahrscheinlich Gelege der Ödlandschrecke befinden. So kann die Wiederbesiedelung
der neuen Flächen sichergestellt werden. Zu beachten ist, dass die Vegetationsbedeckung nur ma-
ximal 60–70 % beträgt und an punktuellen Extremstandorten aus Splittgrus oder ähnlichem Materi-
al Bewuchs nur sehr schütter und lückig aufkommt. Dadurch entstehen Offenland-Lebensräume mit
lichtem Bewuchs als Habitat für die Blauflügelige Ödlandschrecke.
Die Festsetzung dient zusätzlich der Verbesserung des Stadtklimas, dem Bodenschutz, der Förde-
rung der Biodiversität sowie der Speicherung und Versickerung von Niederschlagswasser.

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Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
4.2
Versickerung
Die Befestigung von Stellplätzen und Zufahrten auf den Baugrundstücken ist so auszuführen,
dass das auf den jeweiligen Flächen anfallende Niederschlagswasser weitestgehend inner-
halb dieser Flächen versickern kann.
Begründung:
Die Festsetzung dient dem Schutz von Boden und Wasser. Durch die Ausführung der Parkplatzge-
staltung entsprechend den genannten Vorgaben soll das anfallende Niederschlagswasser in Richtung
der Bäume abfließen und dort aufgenommen, verdunstet und soweit möglich versickert werden.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
4.3.1 Kfz-Stellplätze mit Schotterrasendecke
Innerhalb der zeichnerisch festgesetzten Fläche für oberirdische Stellplätze sind in einem
Umfang von mindestens 860 m
2
die an der westlichen und südwestlichen Flächengrenze be-
findlichen Stellplätze als Schotterrasen anzulegen und extensiv zu pflegen.
Begründung:
Diese Festsetzung dient vorrangig dem Artenschutz und hierbei zur Vermeidung der Erfüllung von
Verbotstatbeständen nach § 44 Abs. 1 Satz 2 und 3 BNatSchG durch bau-, anlage- und betriebsbe-
dingte Eingriffe: Zum Ausgleich von im Rahmen der Baumaßnahmen verloren gehenden Lebens-
räumen geschützter Tierarten, hier: Blauflügelige Ödlandschrecke, sind diese Flächen als (sehr)
trockener Offenland-Lebensraum mit magerer, schütterer Vegetationsbedeckung zu entwickeln und
dauerhaft zu erhalten.
Die Maßnahme der Herstellung magerer Flächen ist im Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag zum
vorliegenden Bebauungsplan gemäß § 44 des BNatSchG für die Blauflügelige Ödlandschrecke
vorgesehen. Sie dient zur Sicherung der kontinuierlichen ökologischen Funktionalität für die Art in
ihren Lebensräumen.
Mit der Festsetzung 4.1 werden dafür ca. 4.340 m² auf den 3 Teilflächen M 1 vorgehalten. Damit
wird zusammen mit Maßnahme 4.3.1 (mindestens 860 m², was ca. 70 Stellplätzen entspricht) den
Empfehlungen des Artenschutzrechtlichen Fachbeitrages soweit gefolgt, dass mindestens 5.200 m²
Lebensraum für die Blauflügelige Ödlandschrecke entstehen. Die Differenz von 600 m
2
gegenüber
der ermittelten Habitatfläche im Bestand wird zugunsten des Erhaltes des Gehölzbestandes auf der
Fläche M 6, der Lebensraum für Kleinvögel und Insekten schafft, naturschutzfachlich akzeptiert.
Mit dieser Fläche werden verschiedene Synergieeffekte erreicht: die Maßnahmen nützen der stadt-
klimatischen Funktion, dienen mit ihrem Blütenreichtum der Stärkung des Landschaftsbildes und
haben außerdem günstige Wirkungen auf das Schutzgut Wasser (Verdunstung, Retention). Sie ver-
bessern die Biodiversität und können ökologische Verbundfunktionen erfüllen, sind überdies Le-
bensraum für weitere Tierarten wie z.B. Tagfalter, Wildbienen, Schwebfliegen, Käfer und bieten
damit auch Nahrung für verschiedene Vogelarten.
Indem die Fläche neben der ökologischen auch eine praktische Funktion (Schaffung von Stellflä-
chen) erfüllt, wird sie optimal ausgenutzt. Der Versiegelungsgrad der Stellplätze wird gering gehal-
ten, ohne dass der Komfort der Kunden beeinträchtigt wird.
Da diese Stellplätze nur bei Belegungsspitzen von Kfz frequentiert werden und diese nur mit einem
geringen Teil des Bodens (Fahrspur) in Berührung kommen, sind die Flächen dennoch als Lebens-
raum für die Blauflügelige Ödlandschrecke geeignet.
Für die Maßnahme wurden die am Rande gelegenen Stellplätze gewählt, da diese seltener genutzt
werden. Zudem begünstigt die Position in der Nähe der Grünflächen (insbesondere M 1) die Nut-

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Seite 81
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zung der Stellflächen als Lebensraum für die Blauflügelige Ödlandschrecke. Die genaue Lage der
betroffenen Stellplätze geht aus dem Vorhaben- und Erschließungsplan hervor.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
4.3.2 Fledermaus-Spaltenquartiere
Es sind mindestens 10 Spaltenquartiere für Fledermäuse fachgerecht an den Südostfassaden
der Gebäude im Bereich der oberen Traufkante in mindestens 4 m Höhe in beruhigten Be-
reichen (keine angestrahlten Flächen) zu integrieren.
4.3.3 Mauersegler-Koloniekästen
Es sind mindestens 10 Brutplätze als Koloniekästen an den Nord- und Ostfassaden der Ge-
bäude im Bereich der oberen Traufkante in beruhigten Bereichen (keine angestrahlten Flä-
chen) fachgerecht zu integrieren.
4.3.4 Nischenbrüter-Kästen
Es sind mindestens 10 Halbhöhlen-Kästen in geeigneten Bereichen der Nord- und Ostfassa-
den der Gebäude in mindestens 2 m Höhe fachgerecht zu integrieren.
Begründung:
Die Festsetzungen dienen ausschließlich dem Artenschutz. Durch die Maßnahmen werden Ersatzle-
bensräume für durch die Baumaßnahmen verlorengehende Brutplätze geschützter Tierarten am
Gebäude wie Mauersegler, gebäudebrütende Kleinvögel und verschiedene Fledermausarten ge-
schaffen. Damit dient die Festsetzung der Vermeidung von Verbotstatbeständen nach § 44 Abs. 1
Satz 2 und 3 BNatSchG durch bau-, anlage- und betriebsbedingte Eingriffe. Die Maßnahmen sind
im Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag zum vorliegenden Bebauungsplan gemäß § 44 BNatSchG
vorgesehen.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
4.3.5 Fledermaus-Quartierkästen
Im Bereich der Gehölze auf den Freiflächen sind im gesamten Gelände mindestens 2 Flach-
kästen und 3 Rundkästen an aus dem Bestand verbleibenden Gehölzen in mindestens 4 m
Höhe fachgerecht anzubringen, zu pflegen und dauerhaft zu erhalten.
4.3.6 Kleinvogel-Kästen
Im Bereich der Gehölze auf den Freiflächen sind im gesamten Gelände mindestens 4 Halb-
höhlen- und 10 Höhlenbrüterkästen für Kleinvögel fachgerecht in mindestens 2 m Höhe an-
zubringen, zu pflegen und dauerhaft zu erhalten.
Begründung:
Die Festsetzungen dienen ausschließlich dem Artenschutz. Durch die Maßnahmen werden Ersatzle-
bensräume für durch die Baumaßnahmen verloren gehende Brutplätze geschützter Tierarten an
Gehölzen (Linde, Pappel), wie Spechte, gebäudebrütende Kleinvögel und verschiedene Fleder-
mausarten geschaffen. Damit dient die Festsetzung der Vermeidung von Verbotstatbeständen nach §
44 Abs. 1 Satz 2 und 3 BNatSchG durch bau-, anlage- und betriebsbedingte Eingriffe. Die Maß-
nahmen sind im Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag zum vorliegenden Bebauungsplan gemäß § 44
BNatSchG vorgesehen.
Da Fledermäuse zumeist einen Quartierverbund nutzen, sind die Fledermauskästen möglichst
grüppchenweise anzubringen.
Die Kleinvogelkästen für Nischen- und Höhlenbrüter sind an Gehölzen und mit einer Ausrichtung
nach Osten oder Südosten anzubringen, um optimale Brutbedingungen zu schaffen.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:

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4.3.7 Gehölzbiotop
Die in der Planzeichnung mit M 2 bezeichnete Fläche ist als extensiv genutztes Gehölzbio-
top dauerhaft extensiv zu pflegen. Gehölznachpflanzungen sind nur mit einheimischen,
standortgerechten Arten zulässig.
4.3.8 Erhalt höhlenreicher Einzelbäume
Die in der Planzeichnung als besonders geschütztes Biotop nachrichtlich übernommenen
höhlenreichen Einzelbäume sind zu erhalten. Sie sind auch über ihren natürlichen Abgang
hinaus als stehendes Totholz zu belassen. Danach ist das Totholz vor Ort bis zum Abschluss
der natürlichen Zerfallsphase zu belassen.
4.3.9
Totholzpyramiden als Ersatz für höhlenreiche Einzelbäume
Innerhalb der in der Planzeichnung mit M 2 bezeichneten Fläche sind aus den Stämmen und
Großästen der im Rahmen des Vorhabens zu fällenden höhlenreichen Einzelbäume mindes-
tens drei Totholzpyramiden fachgerecht aufzustellen und bis einschließlich ihrer natürlichen
Zerfallsphase zu belassen.
Begründung:
Die Festsetzungen dienen vorrangig dem Biotopschutz. Die Maßnahmen stellen die Erhaltung der
Lebensräume geschützter Tierarten sowie ökologischer Verbundfunktionen sicher. Da auch Insek-
ten-, Kleinvogel- und Fledermausarten von der Maßnahme profitieren, dient sie zugleich dem Ar-
tenschutz. Die Lebensraumfunktion können die Bäume auch über ihren natürlichen Abgang hinaus
erfüllen. Daher sind sie auch in der Zerfallsphase zu belassen. Soweit erforderlich, sind geeignete
Maßnahmen zur Verkehrssicherung zu treffen. Dabei ist zu beachten, dass auch Totholz am Standort
verbleibt und der natürliche Zerfallsprozess fortschreiten kann. Um die Lebensraumfunktion der zu
fällenden höhlenreichen Einzelbäume auszugleichen, müssen mindestens drei Totholzpyramiden
errichtet werden.
Das einer Fällung der höhlenreichen Einzelbäume zwingend vorausgehende naturschutzrechtliche
Befreiungsverfahren nach § 3 Abs. 6 BNatSchG i.V.m. § 21 Abs. 6 SächsNatSchG ist im Rahmen
des Baugenehmigungsverfahrens durchzuführen und nicht Gegenstand des Bebauungsplanverfah-
rens.
Bei Festsetzung 4.3.9 handelt es sich um eine verpflichtende Ersatzmaßnahme für die bau- und
verkehrssicherungsbedingte Beseitigung der Biotopstrukturen alter Bäume, speziell der nach § 21
SächsNatSchG geschützten höhlenreichen Einzelbäume. Dementsprechend sind die bei der Beseiti-
gung anfallenden Stämme und Großäste für die Herstellung der Totholzpyramiden zu nutzen.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
4.4
Dachbegrünung
Die in der Planzeichnung mit M 5 bezeichnete Fläche ist mit standortgerechten Arten auf
einer Substratschichtdicke von mindestens 8 cm extensiv zu begrünen. Davon ausgenommen
sind notwendige Flächen für Belichtungsbänder/Licht- und Rauchschutzöffnungen sowe
Technikaufbauten. Die Begrünung ist dauerhaft zu erhalten und bei Abgang zu ersetzen.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 20 BauGB]

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Begründung:
Das Grundstück des geplanten Bau- und Gartenfachmarkts befindet sich in einem intensiven städti-
schen Überwärmungsbereich. Diese Überwärmung kann den Kaltluftabfluss vom Wilhelm-Külz-
Park über das Plangebiet in Richtung Innenstadt abschwächen. Eine Minimierung der Aufheizung
durch Sonneneinstrahlung kann durch die Anlage extensiv begrünter Dächer erreicht werden.
Dadurch kann an besonders heißen, strahlungsreichen Tagen, wie sie mit dem Klimawandel ver-
stärkt zu erwarten sind, ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden (Klimaanpassungsmaßnah-
me).
Begrünte Dächer verzögern den Regenwasserabfluss, verbessern die mikroklimatisch-lufthygie-
nische Situation im direkten Baukörperbereich, binden Staub, filtern Regenwasser und schaffen
Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Dachbegrünung gehört zu den Standards in Leipziger Gewer-
begebieten. Festsetzungen zur Dachbegrünung tragen deshalb in erheblichem Maße zum ökologi-
schen Wert bei.
Dementsprechend wird festgesetzt, dass die bezeichnete Dachfläche extensiv zu begrünen ist. Mit
der empfohlenen Mischung aus Sedumsprossen verschiedener Arten wird eine extensive, nieder-
wüchsige Begrünung auf diesem Extremstandort erreicht. Solche trockenen, sonnenexponierten
Flächen werden auch von verschiedenen Insektenarten als Lebensraum besiedelt.
Die Festsetzung beschränkt sich auf denjenigen Teilbereich der Neubauten, der die statischen Be-
dingungen zum Anlegen eines Gründaches erfüllt. Die Dachflächen über der Warenanlieferung im
Nordosten und das leichte Hallendach des Baustoff-Drive-in im Südosten erfüllen diese Anforde-
rungen ebensowenig, wie die offenen Überdachungen der Gartenfreilandflächen.
Der Baukörper des Baumarktes im Westen mit den denkmalgeschützten, wiederherzustellenden
Originalbauteilen Portikus und Mittelschiff und den ergänzten Seitenflügeln orientiert sich am
ursprünglichen Aussehen der historischen Messehalle 17. Dieses gestalterische und durch den
Denkmalschutz begründete Bemühen würde durch eine damals nicht vorhandene Dachbegrünung
konterkariert.
Pflanzempfehlung: siehe Pflanzliste zur textlichen Festsetzung 4.4.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
4.5
Insektenfreundliche Beleuchtung
Für Außenbeleuchtung sind ausschließlich Leuchten mit insektenverträglicher Ausstattung
zu verwenden.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 20 BauGB]
Begründung:
Das Plangebiet befindet sich in der Nähe des Wilhelm-Külz-Parks und weiterer Grünflächen. In
dieser Umgebung stellt starke Beleuchtung durch künstliches Licht eine Gefahr für Insekten dar.
Die Verwendung insektenverträglicher Leuchtmittel für Werbeanlagen und Außenleuchten kann
dieser Gefährdung Abhilfe schaffen. Es sind daher Lampen mit warmweißem LED-Licht (< 3.000
K), möglichst 2.700 K einzusetzen. Diese sind in geschlossenen Leuchtkörpern mit nach unten
gerichtetem Licht zu verwenden. Die Lichtpunkthöhe soll 5 m nicht überschreiten. Dies entspricht
dem heutigen Standard einer umweltverträglichen Beleuchtung und steht den berechtigten Interes-
sen des Vorhabenträgers nach Sichtbarkeit des Vorhabens und Verkehrssicherheit auf dem Gelände
nicht entgegen.
4.6
Befestigung von Oberflächen
Für die Herstellung sämtlicher versiegelter Flächen, die nicht durch Gebäude überbaut
werden, sind ausschließlich helle Oberflächen zulässig.

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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[§ 9 Abs. 1 Nr. 20 BauGB]
Begründung:
Die Festsetzung wird getroffen, um den Aufheizeffekt der versiegelten Freiflächen zu vermindern.
Durch die Verwendung heller Beläge wird die Rückstrahlkraft (Albedo) der Oberflächen erhöht und
somit die einstrahlungsbedingte Erwärmung im Plangebiet reduziert. Dies wirkt sich positiv auf das
lokale Stadtklima aus.
12.6
Mit Geh- und Fahrrechten zu belastende Flächen
Im
Teil A: Planzeichnung
werden für die geplanten Durchwegungen der privaten Freiflächen zwei
Flächen als „Mit Geh- und Fahrrechte zu belastende Flächen“ festgesetzt
:
Fläche GF 1, zu belasten mit einem Geh- und Fahrrecht zugunsten der Andienung des Grund-
stücks 159/103 (Sanitätshaus) sowie einem Geh- und Radfahrrecht zugunsten der Allgemein-
heit.
Fläche GF 2, zu belasten mit einem Geh- und Radfahrrecht zugunsten der Allgemeinheit.
Begründung:
zu GF 1: Da die Andienung des Flurstücks 159/103 (Sanitätshaus) über eine im Plangebiet liegende
Straße erfolgt, wird die Wegeverbindung im Nordwesten des Plangebiets von der Ottostraße zur
Puschstraße entlang der östlichen und südwestlichen Grenze des Flurstücks 159/103 als mit einem
ständigen Geh- und Fahrrecht zugunsten der Andienung des Flurstücks 159/103 und ergänzend mit
einem Geh- und Radfahrrecht zugunsten der Allgemeinheit zu belastende Fläche festgesetzt.
Ziel dieser Festsetzung ist es zum einen, die Anlieferung an das zum Vorhaben benachbarte Grund-
stück zu gewährleisten. Zum anderen soll – in Kombination mit GF 2 – eine dauerhafte Anbindung
des Vorhabengrundstücks an die Puschstraße für Radfahrer und Fußgänger sichergestellt werden.
zu GF 2: Mit dem Vorhaben wird eine neue Wegeverbindung zwischen Richard-Lehmann-Straße
und Puschstraße geschaffen. Um diese jederzeit für die Allgemeinheit nutzbar zu machen, wird die
in Teil A: Planzeichnung als „GF 2“ benannte Fläche mit einem ständigen Geh- und Radfahrrecht
zugunsten der Allgemeinheit belegt. Die betreffende Fläche umfasst einen Korridor entlang der
künftigen Zufahrt zur Richard-Lehmann-Straße einschließlich der dazugehörigen Gehwege sowie
im weiteren Verlauf eine Fahrgasse des Parkplatzes und den Fußweg entlang der Zufahrt . Das Geh-
und Radfahrrecht gilt auch während der Schließzeiten des Baumarktes. Damit erfolgt ein wichtiger
Lückenschluss im Rad- und Fußwegenetz, der die umweltfreundliche Verkehrserschließung des
gesamten Messegeländes verbessert.
12.7
Festsetzungen zum Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und sonstigen
Anpflanzungen
Im
Teil B: Text
wird festgesetzt:
5.1
Bepflanzung von Stellplätzen
Je angefangene, ebenerdige vier Stellplätze ist mindestens ein standortgerechter großkroni-
ger hochstämmiger Laubbaum (Stammumfang mindestens 18-20 cm, Kronenansatz in 2,5 m
Höhe), zwischen den Plätzen bzw. unmittelbar am Rand zu pflanzen. Jeder Baum ist in eine
offene Bodenfläche (Baumscheibe) mit einer Mindestfläche von 6 m
2
zu pflanzen. Die Baum-
scheiben sind durch geeignete bauliche Maßnahmen vor Überfahren zu schützen. Die Bäu-
me sind dauerhaft zu erhalten und bei Abgang zu ersetzen.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 25a BauGB]

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Seite 85
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Begründung:
Durch Bau und Betrieb des Vorhabens werden einige Bäume, die sich im oder unmittelbar am Bau-
feld befinden, beseitigt. Dabei handelt es sich überwiegend um Bäume, die in ihrer Vitalität und
Verkehrssicherheit beeinträchtigt sind, die jedoch zum Teil wichtige ökologische Funktionen als
Lebensraum, Nahrungsquelle und Schattenspender erfüllen.
Vorrangiges Ziel der Festsetzung ist die Begrünung und Beschattung der Stell- und Freiflächen.
Insbesondere Laubbäume haben durch Schattenwurf und Transpiration einen positiven mikroklima-
tischen Effekt, indem sie die lokale Überwärmung verringern. Für die Gesamtstadt erfüllt der Grün-
zug vom Südfriedhof und Wilhelm-Külz-Park über die Alte Messe und die Straße des 18. Oktober
eine wichtige Funktion als Kaltluftschneise. Durch die Anpflanzung von Laubbäumen und anderer
Vegetation wird die Aufheizung des Luftstroms an warmen Tagen verringert. Damit stellen die
Festsetzungen sowohl Klimaschutz- als auch Klimaanpassungsmaßnahmen dar. Darüber hinaus
verbessern die Pflanzen die Luftqualität und tragen durch die Verdunstung an den Blattoberflächen
zu einer Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und zur Gewährleistung gesunder Wohn- und Arbeitsver-
hältnisse bei.
Zudem zielt die Festsetzung auf eine gestalterische Funktion der Bäume als Gliederungselemente
ab, welche die Stellplatzflächen optisch aufwerten.
Gemäß der Satzung der Stadt Leizig zum Schutz und zur Pflege des Baumbestandes der Stadt
Leipzig (Baumschutzsatzung) ist für die baulich bedingte Beseitigung von Starkbäumen in ange-
messenem und zumutbarem Umfang Ersatz zu leisten, ohne dass die Ersatzpflanzungen an der
Position der abgängigen Bäume erfolgen müssen. Diese Vorgabe wird durch die Festsetzung über-
nommen und präzisiert.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
5.2
Magerrasen
Die mit M 3 bezeichnete Fläche ist als Magerrasen anzulegen und dauerhaft zu erhalten.
Gehölze sind unzulässig.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 25a BauGB]
Begründung:
Die Begrünung der Böschungsfläche dient der besseren Speicherung und Versickerung von Nieder-
schlagswasser. Mit dem Ausschluss von Gehölzen wird sichergestellt, dass die Besonnung der sich
östlich anschließenden Fläche nicht beeinträchtigt wird, damit diese ihre Funktion als Lebensraum
für geschützte Arten (hier: Blauflügelige Ödlandschrecke) erfüllen kann. Die empfohlenen Arten
dienen durch die gute Durchwurzelung der Böschungsfläche als Erosionsschutz.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
5.3
Fassadenbegrünung
Die nach Südosten zu der in der Planzeichnung mit M 2 bezeichneten Fläche orientierte
Fassadenseite ist auf einer Länge von mindestens 50 m mit Kletterpflanzen (Pflanzabstand
maximal 1,0 m) zu begrünen. Die Begrünung ist dauerhaft zu erhalten und bei Abgang zu
ersetzen.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 25a BauGB]
Begründung:
Die Festsetzung zur Begrünung des rückwärtigen Drive-in-Bereiches erfolgt aus Gründen des Ar-
tenschutzes, um an den ansonsten funktional gestalteten Fassaden zusätzliche Versteck-, Nist- und
Nahrungsmöglichkeiten für Wildvögel und Insekten, ergänzend zu den Maßnahmeflächen M 2, M 4
und M 6, anzubieten.

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Die Festsetzung trägt weiterhin zur Verbesserung der mikroklimatisch-lufthygienischen Situation
im direkten Baukörperbereich und zur Verbesserung der bauphysikalischen Eigenschaften der Au-
ßenwand bei.
Die Fassadenbegrünung bleibt auf die südöstliche Fassade beschränkt, weil sie hier unmittelbar an
eine ökologisch wertvolle Grün- und Ausgleichsfläche angrenzt und aus dem öffentlichen Raum
wenig einsehbar ist. Alle übrigen Fassaden des Gebäudekomplexes, auch die rückwärtigen Bereiche
der Warenanlieferung, sind Teil eines durch das Gestaltungsforum der Stadt Leipzig bestätigten
architektonischen Konzeptes, das denkmalpflegerische und gestalterische Aspekte berücksichtigt
und keine Fassadenbegrünung vorsieht.
Aus statischen Gründen wird die Südostfassade des Drive-in auf einer Länge von mindestens 50 m
nicht als geschlossene Wand, sondern als Rahmenkonstruktion mit einem Stabgitterzaun ausgeführt.
Dieser dient als Rankhilfe für die Fassadenbegrünung, während an den Ecken aus architektonisch-
gestalterischen Gründen die geschlossenen Fassaden sichtbar bleiben sollen.
12.8
Festsetzungen zu Bindungen für Bepflanzungen und für die Erhaltung von
Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen sowie von Gewässern
Im
Teil B: Text
wird festgesetzt:
6.1
Hecke parallel zur Richard-Lehmann-Straße
Innerhalb der in der Planzeichnung mit M 4 bezeichneten Fläche ist die bestehende Hecke
bis zu einer Wuchshöhe von mindestens 1,1 m zu erhalten und zu pflegen. Fehlstellen sind
mit standortgerechten, schnittgeeigneten Laubholzarten zu ergänzen. Der Baumbestand ent-
lang der Hecke ist zu erhalten.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 25b BauGB]
Begründung:
Mit der Festsetzung soll die Begrünung der vorhandenen Böschung unter Einbezug der vorhande-
nen Pflanzen gesichert werden. Zugleich erfüllt die zu pflanzende Hecke eine städtebauliche Funk-
tion als Raumkante parallel zur Richard-Lehmann-Straße.
Der aktuelle Zustand des vorhandenenen Bewuchses der Weißdornhecke und der Bäume (v.a. Robi-
nien) erfordert eine behutsame Sanierung. Im schütter bewachsenen östlichen Teil der Fläche wer-
den Nachpflanzungen erforderlich.
Die Gehölze dieser zusammenhängenden Fläche (siehe auch M 2 und M 6) stellen in ihrer Ge-
samtstruktur ein wertvolles Habitat mit wichtigen Nist- und Brutmöglichkeiten sowie zahlreichen
Nährgehölzen für Singvögel und Insekten dar – z.B. für die in den Erfassungen zum Artenschutz-
rechtlichen Fachbeitrag von 2017 angetroffenen Freibrüter. Der Zusammenhang dieser Grünstruktur
macht die hohe Wertigkeit in diesem Bereich aus. Die Erhaltung von Grünstrukturen dieser Art ist
für die Biodiversität von besonderer Wichtigkeit.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
6.2
Fläche an der Mauer zur Richard-Lehmann-Straße
Der innerhalb der in der Planzeichnung mit M 6 bezeichneten Fläche vorhandene Gehölz-
streifen ist zu erhalten. Eine Ausbreitung der im Gehölzstreifen vorhandenen Brombeere auf
die in der Planzeichnung mit M 1 bezeichnete Fläche ist zu unterbinden.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 25b BauGB]
Begründung:
Die Fläche M 6 umfasst ein ca. 600 m
2
großes Gebiet, das sich unmittelbar nördlich an die Mauer
zur Richard-Lehmann-Straße anschließt. Die dort vorhandenen wild aufgewachsenen Gehölze

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(Brombeere sowie Robinien und andere Baumarten) sollen erhalten bleiben. Der Gehölzstreifen
gliedert die Freifläche und dient als verbindendes Element zwischen der Biotopfläche M 2 und dem
vorhandenen Hecken- und Baumbewuchs auf der Fläche M 4.
Die Wildgehölze stellen ökologisch wertvollen Lebensraum für Insekten und Kleinvögel (besonders
geschützte Arten nach § 7 Abs. 2 Nr. 13 Buchstabe b Doppelbuchstabe bb BNatSchG) – vor allem
im Zusammenhang mit der benachbarten Fläche M 2 – dar, der zu erhalten ist. Die mit dem Gehölz
verbundene Verschattung der Fläche für die Ödlandschrecken (M 1) ist aufgrund der südlich an-
grenzenden hohen Mauer bzw. Böschung zu vernachlässigen. Zudem werden diese Lebensräume
für die Ödlandschrecke und solche für Kleinvögel gleichermaßen wichtig bewertet. Der Erhalt des
Gehölzbestandes zulasten der Fläche für die Ödlandschrecke ist deshalb naturschutzfachlich und -
rechtlich vertretbar.
Die Ausbreitung der Brombeere auf diesen Standort ist durch jährlichen Rückschnitt zu verhindern,
um die Lebensbedingungen für die Blauflügelige Ödlandschrecke auf der Fläche M 1 nicht zu
beeinträchtigen.
12.9
Örtliche Bauvorschriften
Im
Teil B: Text
wird festgesetzt:
7.1
Dachgestaltung
Es sind ausschließlich Dächer mit einer Neigung bis zu 10° zulässig.
Auf maximal 10 % der Gebäudegrundfläche ist eine Überschreitung der Gebäudehöhe
durch Dachaufbauten, installationstechnische Bauteile, Filteranlagen und dergleichen um
maximal 5,0 m ausnahmsweise zulässig.
Dachflächen, die frei von Begrünung, Aufbauten und Belichtungsbändern sind, sind in heller
Farbgebung auszuführen.
Begründung:
Dem Gebietscharakter entsprechend werden durch die Festsetzung Dächer mit einer Neigung von
mehr als 10° ausgeschlossen. Eine geringere Neigung ist möglich. Um den Spielraum für die Aus-
führungsplanung der Gebäude, insbesondere aufgrund der unterschiedlichen Kubaturen der Gebäu-
de, nicht unverhältnismäßig einzuschränken, wird keine geringere Neigung festgesetzt.
Notwendige technische Aufbauten können bis zu 5,0 m über die Gebäudehöhe hinausragen. Damit
wird sichergestellt, dass die für den Betrieb notwendigen Anlagen auf dem Dach errichtet werden
können, ohne das äußere Erscheinungsbild der Baukörper zu beeinträchtigen.
Freie Dachflächen sind in heller Farbgebung zu halten, um die Rückstrahlkraft (Albedo) der Dach-
oberflächen zu erhöhen und damit die Überwärmung des Plangebiets zu verringern.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
7.2
Fassadengestaltung
Zulässige Materialien für die Gestaltung der Außenflächen der Fassaden sind:
- Sichtbeton
- Blech
- Glas
Zulässige Farben für die Gestaltung der Außenflächen der Fassaden in Anlehnung an die
RAL Farbkarte sind:
- Weißaluminium

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- Graualuminium
- Anthrazitgrau
- Grautöne
Begründung:
Die Festsetzung der Fassadengestaltung gibt die im Gestaltungsforum der Stadt Leipzig vereinbar-
ten Vorgaben zum ästhetischen Erscheinungsbild des Vorhabens wieder. Mit der Beschränkung der
zulässigen Materialien und Farben für die Außenfassaden werden gravierende Abweichungen vom
Gestaltungskonzept unterbunden.
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
7.3
Werbeanlagen
Werbeanlagen mit wechselndem und/oder sich bewegendem Licht sind unzulässig.
Begründung:
Werbeanlagen als eigenständige Hauptnutzung sind durch Festsetzung 1.1.3 ausgeschlossen, die
örtiche Bauvorschrift bezieht sich daher auf Werbeanlagen, die im inhaltlichen Zusammenhang mit
dem Vorhaben stehen. Blinkende sowie mit wechselndem oder sich bewegendem Licht ausgestatte-
te Werbeanlagen werden ausgeschlossen, da sie ein unruhiges oder sogar aggressiv wirkendes Er-
scheinungsbild erzeugen. Dies ist weder gestalterisch gewünscht, noch dem Gebiet oder der Nut-
zung entsprechend.
12.10 Bindung an den Durchführungsvertrag
Im
Teil B: Text
ist unter I. festgesetzt:
Für den Bereich des Vorhaben- und Erschließungsplanes sind im Rahmen der festgesetzten
Nutzungen nur solche Vorhaben zulässig, zu deren Durchführung sich der Vorhabenträger
im Durchführungsvertrag verpflichtet. Änderungen des Durchführungsvertrages oder der
Abschluss eines neuen Durchführungsvertrages sind zulässig.
[§ 12 Abs. 3a i.V.m. § 9 Abs. 2 BauGB]
Begründung:
In § 12 Abs. 3a BauGB ist geregelt:
Wird in einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan für den Bereich des Vorhaben- und Er-
schließungsplans durch Festsetzung eines Baugebiets auf Grund der Baunutzungsverord-
nung oder auf sonstige Weise eine bauliche oder sonstige Nutzung allgemein festgesetzt, ist
unter entsprechender Anwendung des § 9 Absatz 2 festzusetzen, dass im Rahmen der festge-
setzten Nutzungen nur solche Vorhaben zulässig sind, zu deren Durchführung sich der Vor-
habenträger im Durchführungsvertrag verpflichtet. Änderungen des Durchführungsvertrags
oder der Abschluss eines neuen Durchführungsvertrags sind zulässig.
Dem wird mit dieser Festsetzung entsprochen.
Der für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan unerlässliche Vorhabenbezug ist durch eine hinrei-
chend konkrete Bestimmung des geplanten Vorhabens im Durchführungsvertrag sicherzustellen.
Der Durchführungsvertrag ist zwar im Gegensatz zum Vorhaben- und Erschließungsplan nicht
Bestandteil des vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Durch diese Festsetzung wird jedoch ein
verbindlicher Bezug zu dem im Durchführungsvertrag konkret festgelegten Vorhaben hergestellt.
Dies ist erforderlich, da die planungsrechtliche Beurteilung des Vorhabens sich ausschließlich nach
dem Bebauungsplan richtet.
Die Art der zulässigen Nutzung wird zum einen im vorhabenbezogenen Bebauungsplan über diese
Festsetzung verankert und zum anderen im Durchführungsvertrag geregelt. Die Regelungen im

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Durchführungsvertrag spiegeln die vom Vorhabenträger konkret vorgelegte städtebauliche Planung
wider, die innerhalb eines festgelegten überschaubaren Zeitraums umgesetzt wird.
Die nutzungskonkretisierenden Regelungen des Durchführungsvertrags können ohne Durchführung
eines aufwändigen Bebauungsplanverfahrens auch geändert werden, sodass der großzügigere Rah-
men des vorhabenbezogenen Bebauungsplans flexibel durch präzisierte Regelungen des Durchfüh-
rungsvertrags ergänzt wird.
13.
Öffentliche Verkehrsfläche; Anschluss an die öffentliche Verkehrsfläche
13.1
Öffentliche Verkehrsfläche
Im
Teil A: Planzeichnung
werden ein 0,71 ha umfassender Teil der Richard-Lehmann-Straße
inklusive Geh- und Radweg sowie Straßenbegleitgrün und die vorhandene Böschung zwischen
Straßenraum und Vorhabengebiet in den räumlichen Geltungsbereich des vorhabenbezogenen
Bebauungsplans einbezogen und als „öffentliche Verkehrsfläche“ festgesetzt. Dies betrifft den
Abschnitt zwischen Ottostraße und der westlichen Grenze des Flurstücks 474/38.
Begründung:
Der Einbezug der öffentlichen Verkehrsfläche in den vorhabenbezogenen Bebauungsplan erfolgt, da
es aufgrund des Vorhabens zu einer Neuorganisation in diesem Bereich der Bundesstraße 2
(Richard-Lehmann-Straße) mit einer entsprechenden baulichen und verkehrsorganisatorischen
Anpassung des Straßenraums kommt.
Der räumliche Geltungsbereich des Bebauungsplanes schließt den gesamten Abschnitt der Richard-
Lehmann-Straße, in dem es zu baulichen Anpassungen kommt, mit ein.
13.2
Anschluss an die öffentlichen Verkehrsflächen
Im
Teil A: Planzeichnung
werden die Anschlüsse des Plangebiets an die öffentliche Verkehrsfläche
als Ein- und Ausfahrten mit Lage und Größe zeichnerisch festgesetzt.
[§ 9 Abs. 1 Nr. 11 BauGB]
Im
Teil B: Text
wird weiterhin festgesetzt:
3
Anschluss an die öffentlichen Verkehrsflächen
Ein- und Ausfahrten von und zu den angrenzenden Verkehrsflächen sind nur innerhalb der in
der Planzeichnung festgesetzten Ein- und Ausfahrtsbereiche zulässig.
Begründung:
Für das Plangebiet liegt ein mit dem Vorhabenträger abgestimmtes Erschließungskonzept vor. Kern
dieses Konzeptes ist die Haupterschließung des Gebiets durch eine neu zu schaffende Anbindung an
die Richard-Lehmann-Straße. Die Einrichtung des Knotenpunktes erfolgt, um die Alte Messe von
vorhabenbedingtem PKW-Aufkommen freizuhalten und gleichzeitig die Erreichbarkeit des Vorha-
bens auch für den überörtlichen Verkehr zu gewährleisten.
Im Norden besteht ein Anschluss an die Puschstraße, der jedoch ausschließlich dem Lieferverkehr,
den Anliegern des benachbarten Flurstücks 159/103 sowie Radfahrern und Fußgängern vorbehalten
sein soll. Dies wird durch eine Pollerlösung gewährleistet.
Im Westen des Plangebiets bestehen zwei Anschlüsse an die Ottostraße. Der nördlich gelegene ist
jedoch lediglich als Ausfahrt für die Andienung des Flurstücks 159/103 (Sanitätshaus) vorgesehen
und wird daher als Einbahnstraße (ggf. Radfahrer frei) angelegt (vgl. Kap. 9.3).

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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Seite 90
11.03.2021
Damit verfügt das Plangebiet über eine komfortable Erschließungssituation. Ein Bedarf an weiteren
Ausfahrten ist nicht absehbar. Um zusätzliche Verkehrsströme und weitere Versiegelung zu vermei-
den, sind daher keine weiteren Ein- und Ausfahrten zulässig.
Die festgesetzten Ein- und Ausfahrten sind in ihrer jetzigen Position geeignet, um den vorhabenbe-
dingten An- und Abfahrtsverkehr zu bewältigen. Eine Positionsveränderung einzelner Ein- und
Ausfahrten ist der Verkehrskoordination im Plangebiet und darüber hinaus nicht zuträglich und soll
durch die Festsetzung vermieden werden.
14.
Nachrichtliche Übernahmen
Denkmalschutz
Bei der Halle 17 handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Bauwerk. Dies ist in der Planzeichnung
entsprechend vermerkt. Der denkmalkonstituierende Portikus und das Mittelschiff werden im Rah-
men des Umbaus erhalten. Die Seitenflügel der Halle werden zum Abbruch freigegeben.
Biotopschutz
Auf dem Vorhabengrundstück befanden sich vor Durchführung des Vorhabens insgesamt 13 höhlen-
reiche Einzelbäume, die nach § 30 BNatSchG i.V.m. § 21 SächsNatSchG besonders geschützte
Biotope darstellen. Sechs der Biotope werden im Rahmen der Umsetzung des Vorhabens erhalten.
Ihre Standorte sind in der Planzeichnung mit dem Buchstaben „B“ bezeichnet.
Heinrich Neu
amt. Amtsleiter
Anhang
gez.

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“ (Entwurf)
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Anhang I: Hinweise, Seite 1
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Anhang I: Hinweise
Schutz vor Strahlenbelastung
Vorsorgender Radonschutz
Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat mit Stellungnahmen vom 06.07.2018
und 08.08.2019 mitgeteilt:
„Das Plangebiet liegt nach den uns bisher vorliegenden Kenntnissen in einem Gebiet, in dem
wahrscheinlich erhöhte Radonkonzentrationen in der Bodenluft vorhanden sind.“
Zum vorliegenden Vorhaben bestehen nach derzeitigem Kenntnisstand keine rechtlichen Bedenken,
aber es bestehen Anforderungen für den Radonschutz, die beachtet werden sollen.
Aufgrund der Verabschiedung des neuen Strahlenschutzgesetzes und der novellierten
Strahlenschutzverordnung gelten seit dem 31. Dezember 2018 erweiterte Regelungen zum Schutz
vor Radon (§§ 121 – 132 StrlSchG / §§ 153 – 158 StrlSchV).
Erstmalig wurde zum Schutz vor Radon ein Referenzwert für die über das Jahr gemittelte Radon-
222-Aktivitätskonzentration in der Luft vom 300 Bq/m³ für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze in
Innenräumen festgeschrieben.
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen errichtet, hat geeignete Maßnahmen
zu treffen, um den Zutritt von Radon aus dem Baugrund zu verhindern oder erheblich zu
erschweren. Diese Pflicht gilt als erfüllt, wenn die nach den allgemein anerkannten Regeln der
Technik erforderlichen Maßnahmen zum Feuchteschutz eingehalten werden.
Wer im Rahmen baulicher Veränderung eines Gebäudes mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen
Maßnahmen durchführt, die zu einer erheblichen Verminderung der Luftwechselrate führen, soll die
Durchführung von Maßnahmen zum Schutz vor Radon in Betracht ziehen, soweit diese
Maßnahmen erforderlich und zumutbar sind.
Weiteres siehe:
www.umwelt.sachsen.de
>> Strahlenschutz >> Radon.

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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Anhang II: Pflanzempfehlungen, Seite 1
11.03.2021
Anhang II: Pflanzempfehlungen
Im Folgenden werden die für den räumlichen Geltungsbereich empfohlenen Pflanzenarten in Form
von Pflanzlisten genannt:
Pflanzliste zu textlichen Festsetzungen 4.1 und 4.3.1
Artenspektrum der Mager- und Sandrasen bzw. Pflaster- und Schotterrasen in halber empfohlener
Ansaatstärke (1 bzw. 1,5 g/m
2
), zertifiziert nach VWV-Regiosaaten
Kräuter (70%):
Allium lusitianum – Berglauch
Alyssum alyssoides – Kelch-Steinkraut
Anthemis tinctoria – Färber-Hundskamille
Armeria maritima – Grasnelke
Campanula rotundifolia – Rundblättrige Glockenblume
Clinopodium vulgare – Gewöhnlicher Wirbeldost
Dianthus carthusianorum – Karthäusernelke
Dianthus deltoides – Heidenelke
Draba verna – Frühlings-Hungerblümchen
Flilpendula vulgaris – Kleines Mädesüß
Fragaria vesca – Wald-Erdbeere
Hieracium pilosella – Kleines Habichtskraut
Jasione montana – Berg-Sandglöckchen
Lotus corniculatus – Hornschotenklee
Papaver argemone – Sand-Mohn
Petrorhagia saxifraga – Steinbrech-Felsennelke
Potentilla verna – Frühlings-Fingerkraut
Rumex acetosella – Kleiner Sauerampfer
Sedum acre – Scharfer Mauerpfeffer
Sedum album – Weißer Mauerpfeffer
Sedum rupestre/reflexum – Felsen-Fetthenne (Tripmadam)
Teucrium chamaedrys – Edel-Gamander
Thymus praecox – Frühblühender Thymian
Thymus pulegioides – Gewöhnlicher Thymian
Trifolium arvense – Hasen-Klee
Trifolium campestre – Feld-Klee
Gräser (30%):
Agrostis capillaris – Rotes Straußgras
Brachypodium pinnatum – Fiederzwenke
Festica ovina – Schaf-Schwingel
Poa compressa – Platthalm-Rispengras
Pflanzliste zu textlicher Festsetzung 4.4
Dachgrün mit Sedumsprossen
Allium lusitanicum – Berglauch
Alyssum alyssoides – Kelch-Steinkraut
Anthemis tinctoria – Färber-Hundskamille
Arenaria serphyllifolia – Quendelblättriges Sandkraut
Armeria maritima ssp. elongata – Gemeine Grasnelke
Aster linosyris – Goldhaaraster
Biscutella laevigata – Glattes Brillenschötchen

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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Anhang II: Pflanzempfehlungen, Seite 2
11.03.2021
Calendula arvensis – Acker-Ringelblume
Campanula rotundifolia – Rundblättrige Glockenblume
Clinopodium vulgare – Gewöhnlicher Wirbeldost
Dianthus armeria – Raue Nelke
Dianthus deltoides – Heidenelke
Dianthus carthusianorum – Kartäusernelke
Draba verna = Erophila verna – Frühlings-Hungerblümchen
Erodium cicutarium – Gewöhnlicher Reiherschnabel
Euphorbia cyparissias – Zypressen-Wolfsmilch
Filipendula vulgaris – Kleines Mädesüß
Fragaria vesca – Wald-Erdbeere
Gentiana cruciata – Kreuz-Enzian
Globularia bisnagarica – Gewöhnliche Kugelblume
Helianthemum nummularium – Gewöhnliches Sonnenröschen
Hieracium pilosella – Kleines Habichtskraut
Jasione montana – Berg-Sandglöckchen
Legousia speculum-veneris – Echter Frauenspiegel
Linum austriacum – Österreichischer Lein
Papaver argemone – Sandmohn
Petrorhagia prolifera – Sprossende Felsennelke
Petrorhagia saxifraga – Steinbrech-Felsennelke
Potentilla verna – Frühlings-Fingerkraut
Prunella grandiflora – Großblütige Braunelle
Ranunculus bulbosus – Knotiger Hahnenfuß
Saxifraga granulata – Knöllchen-Steinbrech
Sedum acre – Scharfer Mauerpfeffer
Sedum album – Weißer Mauerpfeffer
Sedum rupestre-reflexum – Felsen-Fetthenne
Sedum sexangulare – Milder Mauerpfeffer
Teucrium chamaedrys – Edel-Gamander
Thymus praecox – Frühblühender Thymian
Thymus pulegioides – Gewöhnlicher Thymian
Veronica teucrium – Großer Ehrenpreis
Briza media – Gewöhnliches Zittergras
Salvia pratensis – Wiesen-Salbei
Briza media – Gewöhnliches Zittergras
Carex flacca – Blaugrüne Segge
Corynephorus canescens – Silbergras
Festuca cinerea – Blauschwingel
Koeleria glauca – Blaugrünes Schillergras
Melica ciliata – Wimper-Perlgras
Phleum phleoides – Steppen-Lieschgras
Pflanzliste zu textlicher Festsetzung 5.1
Koelreuteria paniculata – Blasenesche
Robinia pseudoacacia – Robinie, ggf. in Sorten
Gleditsia triacanthos – Gleditsie, ggf. in Sorten
Amelanchier sp. – Felsenbirne

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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Anhang II: Pflanzempfehlungen, Seite 3
11.03.2021
Pflanzliste zu textlicher Festsetzung 5.2
Artenspektrum der Mager- und Sandrasen, zertifiziert nach VWV-Regiosaaten
Artenliste als Empfehlung:
Kräuter (≥50%)
Achillea millefolium – Gemeine Schafgarbe
Calluna vulgaris – Heidekraut
Campanula rotundifolia – Rundbl. Glockenblume
Centaurea jacea – Wiesen-Flockenblume
Dianthus deltoides – Heidenelke
Galium album – Weißes Labkraut
Galium verum – Echtes Labkraut
Hieracium pilosella – Kleines Habichtskraut
Hypochaeris radicata – Gewöhnliches Ferkelkraut
Knaitia arvensis – Acker-Witwenblume
Leucanthemum ivulgare – Margerite
Lotus – Hornschotenklee
Malva moschata– Moschus-Malve
Origanum vulgare – Gewöhnlicher Dost
Pimpinella saxifrage – Kleine Bibernelle
Potentilla argentea – Silber-Fingerkraut
Prunella grandiflora – Großblütige Braunelle
Reseda lutea – Gelbe Resede
Sanguisorba minor – Kleiner Wiesenknopf
Scabiosa columbaria – Tauben-Skabiose
Thymus pulegioides – Gewöhnlicher Thymian
Viola arvensis – Acker-Veilchen
Gräser (<50%)
Agrostis capillaris – Rotes Straußgras
Anthoxanthum odoratum – Gewöhnliches Ruchgras
Briza media – Zittergras
Corynephorus canescens – Silbergras
Festuca ovina – Schaf-Schwingel
Koeleria pyramidata – Großes Schillergras
Luzula campestre – Gewöhnliche Hainsimse
Poa compressa – Platthalm-Rispe
Pflanzliste zu textlicher Festsetzung 5.3
Fassadengrün
Actinidia sp. – Wilde Kiwi
Akebia quinata – Akebie
Aristolochia sp. – Pfeifenwinde
Campsis radicans – Klettertrompete (Sorten)
Clematis sp. – Waldrebe (Arten und Sorten)
Hedera helix – Efeu
Lonicera periclymenum – Wald-Geißblatt
Lonicera heckrottii – Immergrünes Geißblatt
Lonicera caprifolium – Gartengeißblatt (Jelängerjelieber)

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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Anhang II: Pflanzempfehlungen, Seite 4
11.03.2021
Pflanzliste zu textlicher Festsetzung 6.1 (M4)
Schnittverträgliche, fruchttragende Sträucher
Berberis vulgaris – Gemeine Berberitze
Crataegus monogyna – Eingriffliger Weißdorn
Crataegus laevigata – Zweigriffliger Weißdorn
Prunus mahaleb – Steinweichsel
Prunus spinosa – Schlehe

Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan
Nr. 431 „Bau- und Gartenfachmarkt auf der Alten Messe“
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Anhang III: Städtebauliche Kalkulation, Seite 1
11.03.2021
Anhang III: Städtebauliche Kalkulation
Anmerkung: Geringfügige Abweichungen durch Rundung von Teildaten sind möglich.
Flächenbilanz
Bestand
Planung
Differenz
Flächenart
%
%
%
Baugebiete
55.656
89,2
55.329
88,7
-327
-0,4
Reines Wohngebiet
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Allgemeines Wohngebiet
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Mischgebiet
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Gewerbegebiet
55.656
89,2
0
0,0
-55656
-89,2
Industriegebiet
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Sondergebiet
0
0,0
55.329
88,7
55329
88,7
Verkehrsflächen
6.741