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Kulturelle Bildung
für Kinder und Jugendliche
Runder Tisch

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03
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ................................................................... 04
Kulturräume in Sachsen
................................... 06
Ansprechpartner Kulturelle Bildung
.............. 08
Ein Konzept für alle Kinder und Jugendlichen,
alle Aspekte der Kultur, alle Künste,
in allen Regionen
................................................. 12
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst
Warum aus musischer erst ästhetische
und dann kulturelle Bildung wurde
........... 18
Dr. Christoph Dittrich
Mitglied des Sächsischen Kultursenats
Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz gGmbH
Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen im Deutschen
Bühnenverein
Gute Stadtentwicklung
denkt Kultur für alle mit
................................ 26
Werner Frömming
Referatsleiter Kulturbehörde Hamburg
Ein Rahmenkonzept für alle,
das auch Nachteile ausgleicht
....................... 32
Dr. Angelika Tischer
Leiterin der Arbeitsstelle Kulturelle Bildung bei der Senats-
verwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin
Eine Koordinierungsstelle steuert Pläne
und Programme für das ganze Land
.......... 40
Brigitte Schorn
Leiterin der Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule
und Jugendarbeit NRW
Erste Diskussionsrunde
..................................... 46
Podiumsdiskussion
»Vision 2025 – auf dem Weg zu einem
landesweiten Konzept Kultureller Kinder-
und Jugendbildung in Sachsen«
.................... 64
Prof. Dr. Daniel Haun
................................................
65
Direktor des »Zentrums für die Entwicklung in der frühen
Kindheit« an der Universität Leipzig
Felicitas Loewe
..........................................................
66
Mitglied des Sächsischen Kultursenats
Intendantin tjg. theater junge generation, Dresden
Dr. Regina Smolnik
................................................... 68
Landesarchäologin
Geschäftsführerin des Landesamtes für Archäologie
Uwe Gaul
................................................................... 69
Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Fazit
..........................................................................
84
Kulturelle Bildung
weiterführende Informationen im Netz
...... 90
Teilnehmer Runder Tisch
»Kulturelle Kinder- und Jugendbildung«
....... 94
Impressum
............................................................. U4
Gleichstellungshinweis
Ist zur besseren Lesbarkeit nur auf die weibliche oder
männliche Person Bezug genommen, so sind damit immer
beide Geschlechter gemeint.

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Vorwort
Was PISA alles nicht misst – die Frage ist für
manchen eine Zumutung. Schulen müssen Wis-
sen vermitteln: Deutsch, Mathematik, Naturwis-
senschaften – Kenntnisse, die abrufbar sind.
Mess bar also. Doch ist das alles? Genügt das
für die Persönlichkeitsentwicklung, für das Wer-
den mündiger Menschen? Was ist mit sozialer
Kompetenz, mit Wirtschaftswissen, sportlichem
Talent oder gar Kultureller Bildung über Zeichen-
übungen und Bildbesprechungen im Kunstun-
terricht hinaus? Ist das allein Sache der Eltern?
Ist die Gesellschaft dort raus?
Der Koalitionsvertrag von CDU und SPD sieht
das anders. Er legt fest, Kindern und Jugendli-
chen den frühzeitigen und einfachen Zugang zu
Kunst und Kultur zu ermöglichen. Dafür soll die
Zusammenarbeit von Kultureinrichtungen mit
Kindergärten und Schulen weiter gefördert wer-
den. Viele Akteure widmen sich bereits dem
Thema. Die Kultur- und Kunstverbände, die Kom-
munen, die Netzwerkstellen der Kulturräume,
Künstler selbst, die Schulen, die Bildungsagen-
tur, die Jugendhilfe, Museen, Theater, Musik-
schulen und andere vermitteln Kulturelle Bildung.
Doch ein landesweites Konzept gibt es dazu
bisher nicht.
Dr. Eva-Maria Stange, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, bei ihrem Einführungsvortrag.

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05
Der Runde Tisch, der am 5. November 2015 im
Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft
und Kunst stattfand, soll dazu beitragen, die
Entwicklung eines solchen Konzepts zu beför-
dern. Ziel ist es, die schulische kulturelle Bil-
dung deutlicher zu akzentuieren, die kulturelle
und interkulturelle Kompetenz zu fördern, kul-
turelle Bildungsangebote vor allem außerhalb
der urbanen Zentren zu stärken sowie eine di-
gitale Plattform zur Präsentation der Angebote
und Fördermöglichkeiten zu entwickeln. Für
Schu len im ländlichen Raum muss es ein Mobi-
litätskonzept geben, damit der Zugang zu den
Angeboten der Kulturellen Bildung erleichtert
und für alle ermöglicht wird.
Das alles soll besser koordiniert und auf der
Grundlage des landesweiten Konzepts geregelt
werden. Dafür holte sich das Kunstministerium
auch Vertreterinnen und Vertreter aus anderen
Bundesländern an den Runden Tisch, um von
den Erfahrungen in Berlin, Hamburg und Nord-
rhein-Westfalen zu profitieren. Deshalb kamen
auch Akteure aller Kunst- und Kultureinrichtun-
gen, von Verbänden und aus der Landespolitik,
um sich über Status quo, Probleme und Ziele
auszutauschen. Alle sollten frühzeitig mit ihren
Erfahrungen, Ideen und Ansprüchen eingebun-
den werden.
Ein Runder Tisch ist dafür ein geeignetes Veran-
staltungsformat. Es gibt kein Podium. Alle reden
miteinander, gleichberechtigt und von An gesicht
zu Angesicht. Niemand wird herausgehoben.
Alle Teilnehmer sind nur einem untergeordnet:
der gemeinsamen Idee eines landesweiten Kon-
zepts zur Kulturellen Bildung.
Zum Nachlesen sind die Wortbeiträge vom
Runden Tisch in dieser Broschüre dokumentiert.
Ulf Großmann, Präsident der Kulturstiftung des Freistaates
Sachsen, moderierte den Runden Tisch.

06
|
KULTURRAUM
LEIPZIGER RAUM
KULTURRAUM
VOGTLAND-ZWICKAU
KULTURRAUM
ERZGEBIRGE-MITTELSACHSEN
KULTURRAUM
MEISSEN-SÄCHSISCHE SCHWEIZ-
OSTERZGEBIRGE
KULTURRAUM
OBERLAUSITZ-
NIEDERSCHLESIEN
Plauen
Aue
Annaberg
Freiberg
Mittweida
Döbeln
Borna
Zwickau
Torgau
Meißen
Bautzen
Niesky
Hoyerswerda
Görlitz
LEIPZIG
DRESDEN
CHEMNITZ
Kulturräume in Sachsen

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07

Ansprechpartner
Kulturelle Bildung

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09
Kulturräume
Name
Institution | Anschrift
Kontaktdaten
Janine
Endler
Kultursekretärin
Kulturraum Vogtland-Zwickau
– Regionalbüro Vogtland –
Reichenbacher Str. 34
08527 Plauen
E-Mail: janine.endler@plauen.de
Telefon: 03741 2911060
Annett
Geinitz
Netzwerkstelle
Kulturelle Bildung KRVZ
c/o ars popularis e. V.
Weinholdstr. 7
08468 Reichenbach
E-Mail:
info.kulturellebildung-krvz@gmx.de
Telefon: 0152 55951200
Wolfgang
Kalus
Kultursekretär
Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen
Bahnhofstr. 8 a
09557 Flöha
E-Mail: w.kalus@kr-erzms.de
Telefon: 03726 78454711
Haike
Haarig
Netzwerkstelle Kulturelle Bildung
Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen
Bahnhofstr. 8 a
09557 Flöha
E-Mail: h.haarig@kr-erzms.de
Telefon: 03726 78454716
Reinhard
Riedel
Koordinator Kulturelle Bildung
Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen
Netzwerkstelle Kulturelle Bildung
Heinrich-Heine-Str. 19
08058 Zwickau
E-Mail: info@kultur.plus
Telefon: 0375 28317454
Telefon: 0177 6516677
www.kulturraum-erzgebirge-mittel-
sachsen.de
Ines
Lüpfert
Kultursekretärin
Kulturraum Leipziger Raum
c/o Landratsamt Landkreis Leipzig
Stauffenbergstr. 4, 04552 Borna
weitere Adresse:
Heinrich-Zille-Str. 5
04668 Grimma
E-Mail: ines.luepfert@lk-l.de
Telefon: 034347 9843500

10 |
Name
Institution | Anschrift
Kontaktdaten
Petra
Masroujah
Kulturraum Leipziger Raum
Leiterin Regionalbüro Nordsachsen
c/o Landratsamt Nordsachsen
Richard-Wagner-Str. 7a
04509 Delitzsch
E-Mail:
masroujah@kultur-leipzigerraum.de
Telefon: 03433 2432985
Cathrin
Möller
Kulturraum Leipziger Raum
Fachberaterin für Kulturelle Bildung
Regionalbüro Nordsachsen
c/o Landratsamt Nordsachsen
Richard-Wagner-Str. 7a
04509 Delitzsch
E-Mail:
cathrin.moeller@kultur-leipzigerraum.
de
Telefon: 0152 22848278
Diana
Fechner
Leiterin des Kultursekretariates
Kulturraum Meißen-Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge
c/o Landratsamt Landkreis Meißen
Brauhausstr. 21, 01662 Meißen
E-Mail:
diana.fechner@kreis-meissen.de
Telefon: 03521 7257061
Janina
Bellmann
Stellv. Leiterin
des Kultursekretariates
Kulturraum Meißen-
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
c/o Landratsamt Landkreis Meißen
Brauhausstr. 21, 01662 Meißen
E-Mail:
janina.bellmann@kreis-meissen.de
Telefon: 03521 725 70 62
Joachim
Mühle
Kultursekretär
Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien
c/o Landratsamt Görlitz
Bahnhofstr. 24, 02826 Görlitz
E-Mail:
joachim.muehle@kreis-gr.de
Telefon: 03581 663 9400
Telefon: 03582 960365
Ulf
Großmann
Koordinator Netzwerkstelle
Kulturelle Bildung
Kultursekretariat
Kulturraum Oberlausitz – Niederschlesien
c/o Landratsamt Görlitz
02826 Görlitz
E-Mail:
kulturelle-bildung@freenet.de
grossmann@kultur.org
u.grossmann@freenet.de
Telefon: 03581 6639400
Telefon: 035829 60365
Božena
Schiemann
Koordinatorin Kulturelle Bildung
Büro für Kulturmanagement
Moritzstraße 20
09111 Chemnitz
E-Mail:
kulturelle.bildung@stadt-chemnitz.de
Telefon: 0371 488 4113

| 11
Sächsische Bildungsagentur
Name
Institution | Anschrift
Kontaktdaten
Harriet
Völker
Sachbearbeiterin Kulturelle Bildung
Kulturamt
Stadtverwaltung Leipzig
Martin-Luther-Ring 4 – 6
04109 Leipzig
E-Mail: harriet.voelker@leipzig.de
Telefon: 0341 123 4239
Stephan
Hoffmann
Referent Kulturelle Bildung
Amt für Kultur und Denkmalschutz
Landeshauptstadt Dresden
Königstr. 15, 01097 Dresden
E-Mail: shoffmann@dresden.de
Telefon: 0351 488 8919
Name
Institution | Anschrift
Kontaktdaten
Michaela
Bausch
Sächsische Bildungsagentur
Annaberger Str. 119
09120 Chemnitz
E-Mail:
michaela.bausch@sba.smk.sachsen.de
Telefon: 0371 53 66 0
Hans-
Jürgen
Schmidt
Sächsische Bildungsagentur
Regionalstelle Bautzen
Postfach 4444, 02634 Bautzen
E-Mail: Hans-Jürgen.Schmidt@sbab.
smk.sachsen.de
Telefon: 03591 56210
Heike
Paul
Sächsische Bildungsagentur
Regionalstelle Chemnitz
Annaberger Str. 119, 09120 Chemnitz
E-Mail:
Heike.Paul@sbac.smk.sachsen.de
Telefon: 0371 5366 0
Katrin
Reis
Sächsische Bildungsagentur
Regionalstelle Dresden
Postfach 23 01 20, 01111 Dresden
E-Mail:
Katrin.Reis@sbad.smk.sachsen.de
Telefon: 0351 8439 0
Birgit
Willhöft
Sächsische Bildungsagentur
Regionalstelle Leipzig
Postfach 10 06 53, 04006 Leipzig
E-Mail:
Birgit.Willhoeft@sbal.smk.sachsen.de
Telefon: 0341 494550
Reinhard
Scholz
Sächsische Bildungsagentur
Regionalstell Zwickau
Postfach 20 09 42, 08009 Zwickau
E-Mail:
Reinhard.Scholz@sbaz.smk.sachsen.de
Telefon: 0375 4444 0

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Dr. Eva-Maria Stange,
Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst
Ein Konzept für alle Kinder und
Jugendlichen, alle Aspekte der
Kultur, alle Künste, in allen Regionen
Runder Tisch »Kulturelle Kinder- und Jugendbildung«

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| 13
Der Kultursenat hat sich zum Thema Kulturelle
Bildung vor einigen Jahren mit einprägsamen
Em pfehlungen zu Wort gemeldet. »Was PISA
nicht gemessen hat …« hieß es da provokant.
Mathematische, naturwissenschaftliche Kompe-
tenzen und Lesekompetenzen sind zweifelsohne
wichtig. Aber sie sind nicht alles, was Bildung
ausmacht. Deswegen hatte sich der Kultursenat
unter dieser Überschrift »im Land der Ingenieu-
re« dem Thema der Kulturellen Bildung zuge-
wandt. Entstanden sind wichtige Empfehlungen,
nicht nur für das Wissenschafts- und Kunstmi-
nisterium, sondern für die Staatsregierung ins-
gesamt und darüber hinaus natürlich auch für
Kulturräume oder Schulen.
Wir in Sachsen sind selbstverständlich deutsch-
landweit nicht die einzigen,
die sich mit dem
Thema Kulturelle Bildung beschäftigen und
schon gar nicht, wenn es darum geht, ein Landes-
konzept, wie es im Koalitionsvertrag heißt, für
die Kulturelle Bildung aufzustellen. Vertreter
anderer Bundesländer werden uns heute wich-
tige Anregungen geben können, ebenso wie zahl-
reiche Expertinnen und Experten aus Sachsen
sowie Vertreter aus dem Kultusministerium. In
Sachsen gibt es seit einigen Jahren eine inter-
ministerielle Arbeitsgruppe, die sogenannte IMAG.
Sie wurde vom Kultursenat in der Vergangen-
heit gelobt oder auch kritisiert, ihre Arbeitsfä-
higkeit und ihre Effekte wurden hinterfragt. Es
ist gut, dass sie existiert, denn damit wird klar,
dass Kulturelle Bildung keine Aufgabe eines
Ministeriums, sondern ministeriumsübergreifend
ist. Kunst-, Schul- und Sozialministerium widmen
sich dem Thema mit eigenen Mitteln.
Neben den Kulturinstitutionen sind Vertreter
der einzelnen Kulturräume
heute hier. Mit den
Kulturräumen haben wir eine Besonderheit in
Sachsen: Zwei Landkreise bzw. die drei urbanen
Städte haben sich zusammengeschlossen und
bilden einen Kulturraum. Dieser hat den großen
Vorteil, dass er eine eigene Kulturkasse hat, die
aus dem Land, aus den Landkreisen und natür-
lich von den kommunalen Trägern der Kultur-
einrichtungen, gespeist wird. So entsteht eine
solidarische Finanzierung für die Kultur.
Es liegt einige Jahre zurück, als wir festge-
stellt haben,
dass Kultur und Schule unter-
schiedliche »Sprachen« sprechen. Ganztagesan-
gebote kamen auf in den Schulen, aber es war
und ist nicht einfach für Künstler oder Kultur-
einrichtungen, den Zugang zur Schule zu finden.
Und zum Teil kann auch die Schule aufgrund
ihrer gesamten institutionellen Konstitution und
ihrer Aufgabe nicht so gut mit der freien Kultur
und Kunst umgehen.
Daher kam die Idee auf, im Kulturraum einen
sogenannten Koordinator einzusetzen, der die
Brücke zwischen der Bildungsagentur und den
Bildungseinrichtungen einerseits und dem Kul-
turraum andererseits herstellt. Für Schulen oder
auch für die Bildungsagentur ist der Begriff
»Kulturraum« erst einmal ein Fremdwort, weil er
mit dem Arbeitsbereich nicht unmittelbar zu
Dr. Eva-Maria Stange

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tun hat. Die Kulturkoordinatoren, die es mitt-
lerweile in fast allen Kulturräumen gibt, stellen
eine Brücke dar, um Kulturelle Bildung auch so
umfassend umsetzen zu können, wie unsere
reichhaltige Kulturlandschaft das anbietet. Un-
sere reichhaltige Kulturlandschaft ist geradezu
prädestiniert dazu, außerhalb und innerhalb
der Schulen Kulturelle Bildung zu befördern.
Der Kultursenat hat zu Recht auf einen wich-
tigen Punkt
aufmerksam gemacht, der sicher-
lich heute auch zur Sprache kommen muss.
Kulturelle Bildung hat nicht nur etwas mit der
Zeit im Kindergarten oder in der Schule zu tun,
sondern ist auch außerhalb verortet. Aber Kul-
turelle Bildung geschieht eben auch in Kinder-
garten und Schule. Daher ist es sehr wichtig, dass
kulturästhetische Bildung in der Schule veran-
kert ist – und dies hat PISA nicht gemessen.
Wenn in Schulen die Frage gestellt wird: »Was
kann heute ausfallen?«, weil ein Lehrer fehlt,
dann sollte es möglichst nicht der Kunst- oder
der Musikunterricht sein. Die Schüler verkraften
es auch, wenn eine Stunde Mathematik ausfällt.
Lassen Sie mich noch auf zwei Dinge eingehen.
Ein wunderbares Beispiel für unser Thema ist
es, wenn Museen mit ihren Angeboten in die
Schulen gehen. Ich zitiere aus einem Pressetext:
»Die Museumspädagogin Anke Kurzendörfer
betreut federführend das Projekt, das vom Frei-
staat Sachsen und dem Kulturraum Vogtland
gefördert wird. Es geht darum, das Museum zu
den Kindern zu bringen, die oft aufgrund der
räumlichen Entfernung nicht die Möglichkeit
haben, als Klasse oder Schule gemeinsam das
Museumsgefühl erleben zu können, erläuterte
Karin Müller vom Erich-Ohser-Haus den Hinter-
grund. Wir führen die Schüler mit dem Projekt
an das Thema heran und versuchen gemeinsam,
interessanten Fragen auf den Grund zu gehen.
Das Projekt wurde finanziert mit 6.500 Euro,
4.500 Euro Sachkosten, 1.500 Euro für die Logis-
tik aus dem Kulturraum und aus dem Landes-
haushalt – damit kommen die Schüler zur Kultur.«
Damit komme ich zu dem, was wir im Koali-
tionsvertrag verankert haben.
Im Koalitions-
vertrag hat Kultur übrigens gleich als erstes
Kapitel Eingang gefunden, auch wenn wir uns
natürlich als Kulturpolitikerinnen und Kulturpo-
litiker, die dieses Kapitel mit erarbeitet haben,
noch etwas mehr »Futter« gewünscht hätten.
Aber es ist immerhin das erste Kapitel mit The-
men, die uns auch bei der heutigen Veranstal-
tung beschäftigen. Es heißt hier: »Kindern und
Jugendlichen wollen wir den frühzeitigen und
einfachen Zugang zu Kunst und Kultur ermög-
lichen. Die Zusammenarbeit von Kultureinrich-
tungen mit Kindergärten und Schulen werden
wir weiter fördern und sie als Lehr- und Lernorte
nutzen. Wir werden in Abstimmung mit den han-
delnden Akteuren ein landesweites Konzept zur
Kulturellen Bildung in Sachsen entwickeln und
umsetzen. Ziel ist es, u. a. kulturelle Bildungs-
angebote außerhalb der urbanen Zentren zu stär-

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| 15
ken, die schulische kulturelle Bildung deutlicher
zu akzentuieren und die kulturelle und interkul-
turelle Kompetenz zu fördern sowie eine digita-
le Plattform zur Präsentation der Angebote und
Fördermöglichkeiten zu entwickeln. Für Schulen
im ländlichen Raum wollen wir Fahrten zu An-
geboten der kulturellen Bildung erleichtern. Musi-
zieren fördert die Entwicklung von Kindern. Die
hohe Förderung der Musikschulen wollen wir
daher fortsetzen. Das Programm ›Jedem Kind ein
Instrument‹ werden wir weiterführen. Darüber
hinaus werden wir ein Landesprogramm ›Thea-
ter und Schule‹ auflegen.«
Bis 2019 haben wir Zeit, diese Ziele umzu-
setzen
und auch das landesweite Konzept zu ge-
stalten. Ein zentraler Punkt ist den Koalitionä-
ren von CDU und SPD wichtig: dafür Sorge zu
tragen, dass in dem entlegensten Winkel im
Zit tauer Raum genauso wie zum Beispiel in Plau-
en oder im Landkreis Leipzig, wo auch immer,
Kinder und Jugendliche und natürlich auch Er-
wachsene die gleichen Möglichkeiten haben
sollen, an der reichhaltigen Kulturlandschaft in
Sachsen zu partizipieren, sich einzubringen, sie
mitzugestalten, teilzuhaben wie in den großen
Städten Dresden, Leipzig, Chemnitz. Das ist eine
große Herausforderung, wenn ich an die Thea-
terdiskussion denke oder an die Soziokultur.
Manchmal ist es auch einfach eine Trans-
portfrage:
Wie kommen die Kinder zur Kultur?
Das Bildungsticket, das derzeit konzipiert wird,
soll allen Kindern und Jugendlichen die Mög-
lichkeit geben, sich im gesamten Land für ein
geringes Entgelt zu bewegen. Damit sollen Hin-
dernisse wie die Finanzierung der Fahrten zu
den Kultureinrichtungen oder zu den Kulturan-
geboten überwunden werden. Zu Recht hat der
derzeitige Präsident des Kultursenats, Christian
Dr. Eva-Maria Stange, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, führte beim Runden Tisch in das Thema ein.

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ja ganz nett mit dem Bildungsticket, aber wenn
da kein ÖPNV mehr ist, dann nützt uns auch
das Bildungsticket nichts.« In dem von mir zi-
tierten Beispiel wurde in Busse investiert, damit
Kinder überhaupt die Möglichkeit haben, muse-
umspädagogische Angebote wahrzunehmen.
Wir haben mit unserem Kulturraumgesetz
und
mit unserer Dichte an Kultureinrichtungen beste
Grundlagen in Sachsen. Die Kultur ist gut finan-
ziert, auch wenn sich wahrscheinlich jeder, der
hier im Raum sitzt, mehr wünscht, einschließ-
lich wir als Ministeriumsvertreter. Aber wir sind
gut finanziert im Vergleich zu anderen Bundes-
ländern. Wir sollten daraus so viel wie möglich
machen und tatsächlich allen Bürgern im Frei-
staat die Möglichkeit geben, Kulturelle Bildung
wahrzunehmen und zu gestalten, mitzumachen,
egal, in welchem Alter und egal, wo sie leben
oder wie groß der Geldbeutel ist. Das ist unser
Anliegen, und das sollte letztlich auch im Lan-
deskonzept zum Ausdruck kommen.
16
|
Schramm, der bei den Koalitionsverhandlungen
dabei war und damals noch Oberbürgermeister
von Bautzen war, darauf hingewiesen: »Das ist
Dr. Eva-Maria Stange

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| 17
Kulturelle Bildung ist als Politikfeld der Zukunft
in der Politik in Sachsen angekommen. Das muss
man für den Bund übrigens fairerweise auch
sa gen. Dies macht deutlich, wie wichtig dieses
Politikfeld ist, das auch ein Gestaltungsfeld ist.
Ich möchte erinnern an eine »Große Anfrage« zur
Kulturellen Bildung im Freistaat Sachsen. Diese
mündete darin, dass es einen Entschließungs-
antrag gab, beschlossen im Oktober 2013 im
Landtag. Darin wurde die Aufgabe gestellt, die
Kommunikation mit den Akteuren der Kulturel-
len Bildung zu verbessern. Ich freue mich ganz
besonders, dass ein Vertreter des Sächsischen
Kultursenates heute den inhaltlichen Einstieg
gibt: Dr. Christoph Dittrich ist Generalintendant
des Theaters Chemnitz und war noch nicht Kul-
tursenator, als vor zehn Jahren im Kultursenat
heftig die Diskussion aufkam, was wir für Kul-
turelle Bildung tun können. Im Jahr 2006 wurde
die erste Netzwerkstelle als Projekt eingerich-
tet. Seitdem hat den Kultursenat dieses Thema,
neben vielen anderen, nicht losgelassen. Es gibt
zu dieser Frage eine eigene Arbeitsgruppe im
Senat. Herr Dr. Dittrich wird heute nicht für den
Senat sprechen, aber natürlich auch nicht gegen
den Senat als Senator. Er bringt in seinen Aus-
führungen natürlich auch die Positionen aus
der Arbeitsgruppe Kulturelle Bildung mit ein.
Einleitende Worte von Ulf Großmann,
Moderator der Veranstaltung und
Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Ulf Großmann

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Dr. Christoph Dittrich,
Mitglied des Sächsischen Kultursenats,
Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz gGmbH,
Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen
im Deutschen Bühnenverein
Runder Tisch »Kulturelle Kinder- und Jugendbildung«
Warum aus musischer
erst ästhetische und dann
kulturelle Bildung wurde

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| 19
Es zeichnet den heutigen Tag aus, dass Sie alle
in einer sehr intensiven Art und Weise mit der
Kulturellen Bildung vertraut sind. Ich bin Inten-
dant eines Theaters, das sich wie alle sächsischen
Theater intensiv diesem Gebiet widmet. Ehren-
amtlich bin ich Mitglied des Kultursenats. Rich-
tig, vor zehn Jahren war ich noch nicht dabei. Das
geht auch gar nicht, denn man hat immer nur
zwei Wahlperioden. Ich stehe auch dem Lan des-
verband Sachsen des Deutschen Bühnenvereins
vor. Auch der beschäftigt sich natürlich mit
diesen Fragen. Gelegentlich bin ich bei der schon
ge nannten IMAG gewesen. Ich habe Einzelge-
spräche geführt und viele Kontakte hinein in die
Kulturräume, natürlich auch zu weiteren Ver-
bänden. Warum zähle ich das auf? Ich könnte
die Liste noch fortsetzten mit den endlos vor-
handenen Papieren, die es zu diesem Thema gibt.
Da müsste doch eigentlich etwas klar sein oder?
Das ist es aber offenbar nicht, denn deswegen
treffen wir uns ja hier.
Es gibt einen Entwicklungsbedarf.
Der Runde
Tisch heute zeigt aber auch, dass der Frage eine
enorme Bedeutung beigemessen wird, und das
ist gut so. Gleich zu Beginn möchte ich auch
auf die Gefahr hinweisen, dass das Schlagwort
Kulturelle Bildung häufig und gern als ein
»Gummi-Wort«, als ein Ausreden-Wort und als
ein Tarnbegriff benutzt wird, weil es einfach
politisch elegant und opportun ist und auch
Dinge, die nicht funktionieren, einfach unter
diesem Schlagwort mal so weg verortet werden
können. Die Vielzahl der Beteiligten zeigt aus
meiner Sicht ganz eindeutig, dass die Kulturelle
Bildung eine Querschnittsaufgabe ist und dort
liegt wahrscheinlich auch das Problem, über das
wir sprechen. »Viele Köche verderben den Brei?«
Oder ist es vielleicht so, dass ganz viele um ei-
nen Patienten herumstehen? Jeder weiß, wie
die Herzdruckmassage geht, aber einer müsste
jetzt mal beherzt zugreifen. Und an wen richten
wir eigentlich die Frage der Kulturellen Bildung?
Ist es so, dass wir über die heranwachsende Ge-
neration sprechen oder ist das Vorhaben eigent-
lich viel weiter zu fassen? Wenn wir über junge
Menschen sprechen, sprechen wir dann über
Schule oder über alle Lebensbereiche? Das sind
die Fragen, die wir klären wollen – anschließend
müssen zwingend auch Handlungen und Ent-
wicklungen daraus abgeleitet werden.
Vielleicht eine kleine Rückschau auf den Be-
griff Kulturelle Bildung:
In den 1980er-Jahren
wurde der Begriff »Musische Bildung« verwen-
det. Das schien eine künstlerische Beschreibung
zu sein. Als ich dann in meinem Berufsleben in
den 1990er-Jahren damit befasst war, hieß es
»Ästhetische Bildung«. Auch dieser Begriff hat-
te noch etwas luxuriös, nebenberufliches in sich.
Und jetzt gibt es die »Kulturelle Bildung«. Allein
sprachlich ist das nahezu eine Eskalation, die zu
verzeichnen ist. Zwischen musisch und kulturell
ist, wenn man es konkret hinterfragt, ein riesen-
großer Unterschied. Auch dort ist, meiner An-
sicht nach, eine Vergewisserung des Themas not-
Dr. Christoph Dittrich

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20 |
wendig. Kultur, ein enger oder ein weiter Be griff?
Verstehen wir eben doch irgendwie eher die Kunst
darunter oder auch die Alltagskultur? Oder sehen
wir einen weiten Kulturbegriff, der auch nicht-
k
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Wir nutzen den Begriff Kulturelle Bildung
sehr leicht,
vergessen aber häufig, dass es sich
vom »Wissen« abgrenzt. Lehren ohne eine Er-
fahrung bleibt aber immer blind. Und das un-
terscheidet Bildung von Wissen: ein Erleben, eine
Anwendbarkeit. Hier kommt, aus meiner Sicht,
Kultureller Bildung eine entscheidende Rolle zu.
Wenn Sie jetzt sagen »Das ist alles sehr theore-
tisch, es geht doch eigentlich um Erwartungen
an die Kulturelle Bildung hier im Land Sachsen«
war es mir dennoch wichtig, diese Fragen grund-
sätzlich in den Raum zu stellen. Denn natürlich
sind die Dinge, über die wir konkret sprechen, auch
in diesem theoretischen Überbau verwurzelt.
Genannt wurde die Antwort auf die »Große
Anfrage«
der CDU-FDP-Koalition und auch die
schon angesprochene Publikation des Kultur-
senats »Was PISA nicht gemessen hat …«. Das
sind richtig gute Papiere! Ich möchte einige we-
nige Sätze daraus zitieren, so wie es auch Frau
Staats ministerin bereits getan hat, die verdeut-
lichen, was wichtig ist an der Kulturellen Bil-
dung. Es heißt in der »Großen Anfrage«: »Kultu-
relle Bildung stärkt die Sensibilität dafür, dass
kulturelle Vielfalt und Differenzen zwischen Re-
gionen, Milieus, Ethnien, Geschlechtern und
auch Gene rationen eine kostbare Entwicklungs-
ressource der Gesellschaft ist.« Ein ganz wich-
tiger Satz, wenn wir über aktuelle Entwicklun-
gen nachdenken. Noch konkreter wird es mit:
»Die Einbettung Kultureller Bildung in die allge-
meine Bildung und die Stärkung der Kulturellen
Bildung im Allgemeinen sind von grundlegender
Bedeutung für die Entwicklungsfähigkeit für die
Dr. Christoph Dittrich

Gesellschaft.« »Kulturelle Bildung in die allge-
meine Bildung ein betten« – das ist unser Schlag-
wort, an dem sich alles ausrichten muss. Es gibt
in Sachsen eine große Anzahl sehr guter Ange-
bote. Ich möchte diese illustrieren und auch von
der Theorie weg kommen.
Eine Hauptaufgabe ist, Teilhabe zu ermög-
lichen.
Die Staatsministerin sprach bereits von
Fragen der Erreichbarkeit, dem Bildungsticket,
vielem anderen. Ich meine auch Lösungen von
Fremdheitsgefühlen, auf Augenhöhe mit den
Men schen umzugehen, die wir eigentlich errei-
chen wollen. Denn häufig sind das heranwach-
sende Generationen. Das Belehrende ist mög-
licherweise etwas, was ich von der Kulturellen
Bildung unterscheide. Es ist ein Auf-Augenhöhe-
Wahrnehmen.
Ein weiterer Punkt, die Verzahnung mit Kul-
tureinrichtungen,
ist bereits genannt worden.
Ein Beispiel: Vor meiner Tätigkeit in Chemnitz
war ich im ländlichen Raum tätig, in Riesa in
einem Orchester mit einem riesigen Spielgebiet,
von der tschechischen Grenze bis fast an den
Leipziger Raum heran. Eine große Anzahl von
Schulen liegt in diesem Gebiet. Alle Mobilitäts-
probleme, die man nur haben kann, findet man
in diesem Raum. Und ausgerechnet am Sitzort
dieses Orchesters gab es ein Gymnasium, dessen
Schüler niemals zu den pädagogischen Angebo-
ten des Orchesters kamen. Ich habe den Schullei-
ter gefragt, woran das eigentlich liege. Andere
kommen mit Bussen unter großem zeitlichem und
organisatorischem Aufwand in die Stadt, um
diese Angebote wahrzunehmen. Und ausgerech-
net das Institut, das fußläufig zu der entspre-
chenden Stadthalle lag, fehlte. Seine Antwort
war eindeutig. Er sagte mir, seine Aufgabe als
Schulleiter sei, die Schüler zu einem sehr guten
Abitur zu führen. Dazu seien genau drei Auf-
gaben zu bewältigen: lernen, lernen und lernen.
Ich habe ihn daraufhin gefragt, was er denkt,
was wir eigentlich anbieten? Denn das sei doch
umgesetzter und erfahrbar gemachter Schul-
stoff. Er hat mich verständnislos angesehen. Es
gibt genauso viele positive Gegenbeispiele. Aber
hier erkennen wir, dass die Inanspruchnahme
und Umsetzung Kultureller Bildung zu häufig
nicht systematisch und strukturell erfolgt, son-
dern von dem Engagement Einzelner abhängig
ist. Das ist aus meiner Sicht ein entscheidender
Knackpunkt.
Das setzt sich auch bei den Eltern fort.
Selbst
bei Schulen, die sich ein kulturelles Profil auf
die Fahne geschrieben haben, sieht sich der
Lehrkörper oft einem Rechtfertigungsdruck aus-
gesetzt, der einfach aus den Nützlichkeitserwä-
gungen unserer Gesellschaft heraus resultiert.
Es kommen solche Diskussionen auf wie: Was
das denn sei, wenn Unterrichtszeit für Tanzpro-
jekte oder ähnliches verwendet wird. Das könne
doch nicht sein, denn dann fällt doch so viel
Unterricht aus. Auch Eltern müssen wir einiges
erklären – und das meine ich mit Zielgruppen,
über die wir nachdenken. Sind das nur die Schu-
len oder vielleicht sind es die Familien oder auch
die reiferen Generationen? Ich spreche hier sehr
stark aus meinem eigenen Erlebensumfeld, dem
Theater, der Darstellenden Kunst und der Musik.
All das lässt sich völlig problemlos auf die Bib-
liotheken, Archive, Sammlungen, Soziokultur usw.
ausdehnen.
Ich möchte ein positives Beispiel herausstel-
len,
die neu entstandene »Kooperation Schule
und Theater« (KOST), ein Projekt, an dem wir sehr
lange gearbeitet haben. Die Arbeitsgemeinschaft
»Darstellendes Spiel«, die Träger des Landes-
Schüler-Theatertreffens war, hatte sich nach
einer schwierigen Zeit in Ehrenamtlichkeit auf-
|
21

image
22 |
gelöst, nun haben wir neue, stabile Strukturen
gefunden. Jetzt wird das Projekt dankenswerter
Weise konkret finanziert von mehreren Ministe-
rien. Verbunden ist dies mit einer Or ga ni satoren-
Stelle, die hervorragend angenommen wird, die
nicht nur das eigentliche Treffen und den enga-
gierten Schülerinnen und Schülern ein tolles
Erlebnis ermöglicht, sondern auch die Weiter-
bildung für die beteiligten Lehrer plant und
orga nisiert. Das ist ein sehr positives Beispiel.
Auch das erfolgreich veranstaltete Schüler-
thea ter-Treffen der Länder, also das Bundes-
treffen in diesem Jahr in Dresden, ist ein gutes
Beispiel einer raschen und positiven Entwick-
lung, wenn beherzt zugegriffen wird.
Andere Fragen sind schon angesprochen
worden, wie das Projekt JEKI.
Das Programm
»Jedem Kind ein Instrument« ist ein konkretes
Angebot. Wenn solche Angebote wirksam wer-
den, dann erkennt man: Es stehen auch eine
finanzielle Ausstattung und Organisationsstruk-
tur dahinter, an dernfalls bleibt es beim Bemühen
stehen. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass
in der Schule das Darstellende Spiel wieder eine
wesentlich bessere Verankerung finden sollte. Da
waren wir schon einmal weiter. Auf die Erfah-
rungen aus anderen Bundesländern bin ich sehr
gespannt.
Über Fördermechanismen möchte ich etwas
sa gen:
Es gibt immer wieder Programme, die
sich die Kulturelle Bildung auf die Fahne schrei-
ben. Manchmal habe ich die Sorge, dass hinter
der Forderung »Projekt neu, neuer, am neuesten«
auch eine Gefahr steckt. Immer wieder werden
Dinge, die entwickelt worden sind, in Frage ge-
stellt und eine Wiederholung verhindert, weil ein
neues Programm eine vermeintlich noch neuere
Idee fordert. Das kann nicht richtig sein. Dinge,
die als gut und effizient erkannt worden sind,
müssen auch verstetigt werden können. Ein
Innovationsdruck kann auch viel kaputt machen,
wenn er niemals zu einer Verstetigung führt.
Das Thema Kulturtechniken ist mir ein sehr
wich tiger Punkt.
Frau Dr. Stange sprach über
ein positives Beispiel, in dem Künstler oder Mu-
seen in die Schulen hineingehen. Es gibt jede
Menge von Angeboten, die in die Schulen kom-
men. Häufig entspricht das dem Wunsch der
Schule, denn es ist organisatorisch für sie be-
quemer. Aber ich halte es für ganz wichtig, dass
wir uns eines bewusst machen: Der künstlerische,
der kulturelle Inhalt, den wir vermitteln, ist die
eine Frage. Das Vermitteln der Kulturtechniken
scheint mir manchmal noch wesentlich wichti-
ger: als Kind gelernt zu haben, in Kultureinrich-
tungen zu gehen – das ist eine Kulturtechnik.
Das kann durch Projekte, die in Schulen statt-
finden, nicht gewährleistet werden. Kulturtech-
niken sollten eine Verankerung in Lehrplänen, in
unseren Köpfen und in unseren Vorhaben finden.

image
| 23
Außerdem: Es geht nicht ohne finanzielle
Mittel.
Bei Honoraren für freie Künstler, die
Projekte bestreiten, wurde erkannt, dass sich
diese nicht auf die eine Projektstunde reduzie-
ren lassen. Wenn Künstler aus Großstädten, in
denen sie oft leben, im ländlichen Räumen
Projekte umsetzen, also einen halben Tag un-
terwegs sind, können sie dort nicht nur für eine
Stunde bezahlt werden. Das ist nicht möglich,
das ist nicht richtig. Hier müssen entsprechende
Voraussetzungen geschaffen werden. Genauso
finanzieren sich Stellen von Pädagogen in den
Museen, Theatern, Sammlungen usw. nicht ein-
fach so nebenher. Vermittlung bedarf des qua-
lifizierten Vermittlers. Diese Budgets müssen
sys tematisch gewährleistet und zur Verfügung
gestellt werden. Selbstverständlich gehört auch
eine technische Ausstattung dazu.
Ich möchte auch eine Lanze brechen für die
Pflege von Bräuchen und Riten.
Das ist eine
wichtige Frage kultureller Identifikation und
Kultureller Bildung. In Sachsen haben wir hier
Nachholbedarf. Das ist aus meiner Sicht zum
großen Teil eine außerschulische Frage. Bei Aus-
übungen mit gesellschaftlicher Breitenwirkung
in örtlichen Vereinen, Musikgruppen usw. kann
gerade Bayern ein großes Vorbild sein. Die An-
passungsfähigkeit unserer Lehrer an die leben-
dige Kultur ist für mich als Theaterintendant
eine ganz große Frage. Machen wir unseren
Spielplan nach dem Lehrplan oder ist es mög-
lich, den Lehrplan nach dem Spielplan zu ent-
wickeln? Ich würde mich sehr freuen, wenn die
Spielplanangebote von den Schulen aufgegrif-
fen werden würden. Die Theater oder auch die
Museen usw. bieten zum großen Teil auch das
Dr. Christoph Dittrich

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24 |
Knowhow dafür an. Wenn es eine Ausstellung
gibt, gibt es auch ein pädagogisches Angebot
dafür, diese Dinge aufzugreifen und nicht etwa
einfach zu fordern »Spielt bitte wieder Kabale
und Liebe. Das behandeln wir sowieso jedes Jahr.«
Abschließend noch ein Gedanke, der aus der
Praxis immer wieder aufscheint.
Wir hatten
keine kontinuierliche Entwicklung in Fragen der
Kulturellen Bildung und das hat dazu geführt,
dass wir Brüche in den Generationen haben, die
wir jetzt auch spüren hinsichtlich der Erreich-
barkeit des Nachwuchses. Wenn die Eltern etwas
nicht vorleben können, dann ist sehr schwierig,
bei der jüngeren Generation anzuknüpfen. Was
heißt das eigentlich? Wir erleben manchmal bei
den jungen Menschen eine gleichzeitige Über-
und Unterforderung mit unseren Angeboten.
Durch eine fehlende Vorbildung können Vorha-
ben scheitern. Wir reden dann darüber, dass wir
Projekte noch niedrigschwelliger anbieten müs-
sen, damit es für alle fassbar wird. Aber diese
Angebote sind lapidar und unterfordern die jun-
gen Menschen in der Folge. »Ich kann zwar
keine Noten, aber das Lied erreicht mich einfach
nicht. Das ist doch Kinderkram«, hören wir dann.
Sich dort konzeptionell Gedanken zu machen,
ist vielleicht eine Aufforderung an die ausüben-
den Künstler und Pädagogen.
Ich möchte gerne zusammenfassen,
dass in all
den Dingen, die wir für die Kulturelle Bildung
vorbereiten, eine Befreiung von Nützlichkeits-
erwägungen immer wieder als Prämisse stehen
muss. Ich nannte Ihnen vorhin den Aspekt »Ab-
rechenbarkeit« von Kultureller Bildung. Das ist
nicht möglich beim Erlernen einer Kulturtech-
nik. Immer wieder sind diese Nützlichkeitser-
wägungen etwas, was uns in Entwicklungen auf-
fällt. Denn in Wahrheit betreiben wir mit der
Dr. Christoph Dittrich

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| 25
Kulturellen Bildung immer das Gleiche: Wir wol-
len Empathie wecken bei Menschen, ihnen einen
Zugriff auf ihre Umwelt, auf ihre Gesellschaft
ermöglichen. Das ist die Überschrift für das gan-
ze Vorhaben. Noch einmal die Bewusstmachung
dieser zwei Seiten: einerseits die Inhalte von
Kunst und Kultur und anderseits das Erlernen
von Kulturtechniken. Als dritter Punkt muss die
entsprechende finanzielle und organisatorische
Ausstattung genannt werden, hierzu zählen der
Nahverkehr oder auch die zeitlichen Ressourcen
eines Lehrplans genauso wie die Ausstattung
der Kulturträger.
Ich möchte mit einem Schlussbeispiel enden.
Es war sehr schön, dass wir das Schülertheater-
Treffen der Länder vor wenigen Monaten bei uns
in Dresden hatten. Die Eröffnungsveranstaltung
musste einen Spagat bewältigen. Der ganze Saal
war voller Schüler, voller Teilnehmerinnen und
Teilnehmern. Natürlich gehören zu einer Eröff-
nung das politische Statement, der Sponsor, der
Schirmherr gleichfalls dazu. Nun brauche ich
nicht zu schildern, dass das nicht das war, was
die Jugendlichen erwarteten, denn diese wollten
Theater machen und Theater sehen. Der Ab lauf
war sehr schön aufbereitet: Es gab die notwen-
digen Statements und auf der Bühne war gleich-
zeitig eine Theatergruppe des Dreikönigsgymna-
siums aus Dresden zu sehen: gelbe außerirdische
Wesen, die mit großen, quasi über dem Kopf
schwebenden Fragezeichen, mit knackenden Ge-
räuschen, mit komischen Kopfbewegungen,
riechend an die jeweiligen Statement-Geber he-
rantraten und »die Farbe des forschenden Thea-
ters«, so das Thema des Treffens, bereits in diese
Eröffnung hineintrugen. Sie können sich nicht
vorstellen, wie durch diese offene, unverstellte
Frage junger Menschen eine Verunsicherung
bei den Amts- und Würdenträgern eintrat. Kul-
turelle Bildung – also eine Frage zu stellen in
jedem Raum, an jedem Ort, in jeder Situation
eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu
ermöglichen – dort war es greifbar und sichtbar.

image
Werner Frömming,
Referatsleiter Kulturbehörde Hamburg
Runder Tisch »Kulturelle Kinder- und Jugendbildung«
Gute Stadtentwicklung
denkt Kultur für alle mit

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| 27
Ich möchte zu Beginn meines Beitrages auf re-
levante Strukturimpulse eingehen, die den Dis-
kurs voranbringen. Von einigen Impulsen in
Sachsen haben Sie bereits gesprochen: vom Koa -
litionsvertrag oder von der genannten »Großen
Anfrage« zur Kulturellen Bildung. Das sind Start-
signale, die Sie positiv aufnehmen. So hoffe ich,
dass auch vom heutigen Runden Tisch ein
weiteres Signal des Aufbruchs ausgehen wird.
Wir bemühen uns in Hamburg – und nicht nur
in Hamburg – schon seit geraumer Zeit aus die-
ser Startatmosphäre von 2004 heraus in die
Linie zu kommen, Programme zu verstetigen
und nachhaltige Strukturen zu schaffen.
Dieses Ziel will ich an Beispielen aus dem Rah-
menkonzept Kinder- und Jugendkulturarbeit
in Hamburg verdeutlichen.
2004 wurde dieses
Konzept im Sinne eines Startsignals in der 18.
Le gislatur veröffentlicht. Heute bewegen wir
uns in der 21. Legislatur und haben die Fort-
schreibung des Rahmenkonzepts »Kinder- und
Jugendkultur in Hamburg 2012« als Geschäfts-
grundlage. Was war 2004 der Ausgangspunkt?
Wir waren der Meinung, dass wir einen überge-
ordneten, strate gischen Aufhänger brauchen,
ein gesamtstädtisches Bezugssystem, in dem auch
Kulturelle Bildung Relevanz bekommen sollte.
Dieses Bezugssystem fanden wir in der gesamt-
städtischen Konzeption der »Wachsenden Stadt«.
In dieser Strategie ging es zunächst um den
Wirtschaftsstandort Hamburg, Hafenwachstum,
Industrieansiedlung und Einwohnerwachstum.
In der Fort schreibung 2003 hatte die Legislati-
ve die Exekutive aufgefordert, neben dem vor-
rangig ökonomischen Ansatz auch Ansätze zur
Steigerung der Lebensqualität für Familien auf-
zuzeigen. Diesen Impuls haben wir als Auftrag
zur Formulierung des genannten Rahmenkon-
zepts zur Kinder- und Jugendkultur genutzt.
Wir haben uns dabei an einem erweiterten
Begriff Kultureller Bildung orientiert:
Kultu-
relle Bildung als Schlüsselkompetenz in einem
Spannungsfeld von Rezeption, aber auch eigener
kreativer Tätigkeit. Wir haben als Ziel formuliert,
dass es vorrangig darum geht, vorhandene Po-
tenziale sichtbar zu machen und die Verbindung
zwischen Akteuren, die zum Teil unabhängig
von einander in der Stadt agierten, herzustellen.
Es ging weitergehend darum, geeignete Projek-
te für kulturelle Bildungsarbeit in der Kooperati-
on mit Schule weiterzuentwickeln und zu quali-
fizieren.
Transparenz im Bereich der kooperativen Pla-
nung ist uns ein wichtiges Anliegen.
Aus der
Startphase heraus hat sich das Rahmenkonzept
»Kinder- und Jugendkultur in Hamburg« in Fe-
derführung der Kulturbehörde bis zu seiner ak-
tuellen Fassung aus 2012 weiterentwickelt. Sie
sehen, dass wir uns hier über spezifische Aus-
gangsbedingungen von Kinder- und Jugendkul-
tur in einer Metropole Gedanken gemacht haben.
Dazu gehört am Ende auch die Bezug nahme
auf eine entwickelte Hamburger Stiftungsland-
schaft.
Werner Frömming

28 |
Meilensteine im Überblick:
In der Vorbe rei-
tungs phase zum Rahmenkonzept begannen be-
reits um 2001 auf Initiative der Kulturbehörde
Vorgespräche zwischen einzelnen Akteuren und
Vertretern aus verschiedenen Behörden verbun-
den mit der Frage, eine Landesarbeitsgemein-
schaft Kinder- und Jugendkultur zu gründen, um
die Akteure der Szene zusammenzubringen. Im
Rahmen dieser offenen Koordinierung entstand
in den beiden Folgejahren im Rahmen ge mein-
samer, intensiver Workshop-Arbeit das Ge rüst
des Rahmenkonzepts, das nach formeller, be-
hördlicher Abstimmung 2004 von Senat und
Bürgerschaft beschlossen wurde.
Parallel dazu lief die Diskussion um die Ge-
staltung der Ganztagsschule an.
Es ging darum,
dass auch auf der schulischen Seite kulturelle
Bildungsperspektiven einen Entwicklungsraum
bekommen sollten. Die strategischen Bezüge zum
Ganztag haben bis heute eine zentrale Bedeu-
tung. Als Ergebnis der Debatte haben wir eine
Rahmenvereinbarung zu Ganztagsangeboten in
der Stadt zwischen der Schulbehörde, der Landes-
arbeitsgemeinschaft »Kinder- und Jugendkultur«
und dem Verband »Stadtkultur Hamburg« – ein
Bündnis soziokultureller Initiativen und Zentren –
initiieren können. Damit wurden Sorgen von
Kulturakteuren, die sich durch schulische Ganz-
tagsangebote in ihrer eigenen Angebots ent-
wicklung mit Blick auf das begrenzte Zeitbudget
der Kinder und Jugendlichen bedroht sahen,
aufgegriffen. Der Evaluationsbericht zu unseren
ersten Bemühungen, den wir 2007 ins Parla ment
eingebracht haben, bestätigt, dass die Mitnahme
aller relevanten Akteure bei der Entwicklung
des Rahmenkonzepts gelungen ist.
Erste Maßnahmen, die wir 2004 initiiert
haben,
bezogen sich unmittelbar auf Schule. So
verfolgten wir mit der »Pilotschule Kultur« an
drei Schulstandorten einen frühen Ansatz kul-
tureller Schulentwicklung, der heute im Pro-
gramm »Kulturagenten für kreative Schulen«
wei terentwickelt wird: Ein Gymnasium, eine
Stadt teilschule und eine Grundschule haben sich
über drei Jahre auf ein Förderkonzept der Kul-
turbehörde eingelassen, das ihnen pro Schule
und Standort je Zehntausend Euro per anno An-
reizfinanzierung bot. Das Geld konnte unter der
Bedingung für Sachmittel oder Künstlerhonora-
re ausgegeben werden, dass der gleiche Betrag
per anno an Eigenmitteln mobilisiert wurde. Das
war ein außerordentlich erfolgreiches Projekt.
So erfolgreich, dass die Grundschule in Altona-
Altstadt wegen ihres beliebten Kulturprofils bis
heute von Elternseite so stark ausgewählt wird,
dass Anmeldefrequenzen der Nachbarschulen
sinken. Ein weiterer, auf Schule bezogener Entwick-
lungsimpuls war das Programm »Jedem Kind ein
Instrument«. Es kam als Pilotprojekt in die Stadt,
ist aber inzwischen an 62 Grundschulen in der
Stadt verstetigt worden. Es geht um gemeinsames
Musizieren, Kennenlernen von Instrumenten bis
hin zu profiliertem Einzelunterricht.
In den Folgejahren startete dann mit Unter-
stützung der Kulturstiftung
des Bundes und
der Stiftung Mercator im Kooperationsfeld von
Kultur und Schule das bereits genannte Pro-
gramm »Kulturagenten für kreative Schulen« an
24 Stadtteilschulen. Parallel dazu haben wir in
Hamburg mit der Gabriele Fink Stiftung das Pro-
gramm »Kulturschule Hamburg« zur kulturellen
Schulentwicklung an sieben Schulstandorten auf-
gelegt. Es fokussiert die Organisationsentwicklung
an Schulen und zielt darauf, das Leitbild der Schu-
len unter kulturellen Prämissen zu entwickeln und
dafür zu sorgen, dass regelmäßig Akteure und
Orte aus Kunst und Kultur in den Unterricht ein-
gebunden werden. Auch hier setzen wir auf eine
Verstetigung des Programms. Das sind letztlich

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| 29
aber Fragen, die längerfristig im politischen Raum
bewegt werden müssen.
Die Fortschreibung des Rahmenkonzepts in
2012 nannte ich bereits
. Wir haben es nach
einigen Mühen danach im August 2015 erreicht,
dass im Landesparlament eine gemeinsame Sit-
zung des Schulausschusses und des Kulturaus-
schusses zum Thema Kulturelle Bildung statt-
gefunden hat. Dem Protokoll dieser Sitzung sind
Übersichten zu allen Programmbausteinen bei-
gefügt worden, die bis dahin sowohl im schuli-
schen als auch im kulturellen Kontext realisiert
worden sind. Im Anschluss an diese parlamen-
tarische Befassung ist von Seiten der Regie-
rungsfraktion ein Antrag in das Landesparlament
eingebracht worden, der uns in seinen Petita auf
Ebene der Ministerialverwaltung zur Umsetzung
weiterer Maßnahmen aufforderte. Zu diesen
Maß nahmen gehört z. B. die Profilierung der
Rolle des Kulturbeauftragten an allen Schulen.
Diese Rolle ist inzwischen auf der ministeriellen
Ebene von Schulverwaltung im Sinne eines Auf-
gaben- und Anforderungsprofils »abgesegnet«
worden und wird in diesen Wochen über die ent-
sprechenden Schulleitungskonferenzen an alle
Schulen vermittelt. So werden wir in Zukunft jede
Hamburger Schule über unser Kommunikations-
netzwerk ansprechen und die Abstimmung kul -
tureller Projektarbeit mit den Schulen intensi-
vieren können.
Das Hamburger Netzwerk Kulturelle Bildung
ist breit aufgestellt.
Auf ministerieller Ebene
sind Schul- und Kulturbehörden die treibenden
Kräfte. Darüber hinaus sind weitere Behörden
wie die Sozialbehörde in ihrer Verantwortung
für den Bereich der Kindertagesstätten und die
Jugendhilfe beteiligt und die sieben Hamburger
Bezirksämter. Möglicherweise verwundern mag
in diesem Zusammenhang, dass auch die für
Stadtentwicklung und Wohnen zuständige Be-
hörde eingebunden wurde. Stadtentwicklung
heißt in Hamburg nicht nur Wohnungsbau oder
Sanierung öffentlicher Infrastruktur, sondern mit
Blick auf zu entwickelnde Lebensqualität in den
Quartieren eben auch, sich um die Lebensbedin-
gungen der Menschen zu kümmern und in so
genannte »weiche Strukturen« zu investieren.
Erfreulich ist das außerordentlich breite Enga-
gement von Stiftungen und Unternehmungen.
Hamburg ist Stiftungshauptstadt und zahlreiche
Programmimpulse gehen von Stiftungen oder auch
unternehmerischen Initiativen im kulturellen Feld
aus.
Aber: Ohne eine motivierte Akteursszene hätte
sich das Rahmenkonzept
in Hamburg nicht
entfalten können! Die Energie und die Kompe-
tenz der Akteursszene, die seit 2001 an gemein-
samen, strategischen Perspektiven mitarbeitet,
hat die Entwicklung der Rahmenkonzeption maß-
geblich mitbestimmt. Am Anfang standen –
vergleichbar der heutigen Veranstaltung – Runde
Tische. Wir haben von Seiten der Kulturbehörde
über einen längeren Zeitraum Workshops mit
70 bis 80 Beteiligten organisiert und uns durch
Werner Frömming

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30 |
zahlreichen Themen und Fragestellungen gear-
beitet: Wie machen wir es im Bereich der Bilden-
den Künste? Welche Rolle spielt die Medienar-
beit? Was sagt Theater zu diesem Themenfeld?
Das war ein außerordentlich spannender Dialog.
Auf Seiten der Akteursszene hat dieser Dialog
dazu geführt, dass sich aus der offenen Arbeits-
gemeinschaft heraus ein verbandliches Bündnis
konstituierte: die LAG Kinder- und Jugendkul-
tur e. V. Die LAG wird zwischenzeitlich hinsicht-
lich ihres Beratungs- und Netzwerkservice von
Seiten der Kulturbehörde institutionell gefördert.
In Folge eines kooperativen Planungsprozesses
der aus der Querschnittsthematik Kultureller Bil-
dung erwachsenden Durchdringung der Senats-
bereiche wurden auf ministerieller Ebene im
Verlauf der Projektarbeit auch gemeinschaft-
liche Finanzierungen möglich. Ich möchte das
am Beispiel der »HipHop-Akademie Hamburg«
verdeutlichen. Wir haben einen eigenständigen,
freien Träger in seiner Gründung unterstützt und
nachhaltig abgesichert. Sowohl Kultur, Schule,
Soziales als auch Stadtentwicklung beteiligen
sich an der institutionellen Förderung. Warum?
Weil dieser Träger in seiner stadtweit ausdiffe-
renzierten Projektarbeit eben auch die Themen
der genannten Senatsbereiche anspielt. Er agiert
nicht nur in einer Zentrale, sondern pflegt seine
Angebote in zahlreichen Stadtteilen mit Entwick-
lungsbedarf. In Hamburg heißen die Billstedt,
Willhelmsburg, Jenfeld oder Lurup. Mit der künst-
lerischen Projektarbeit werden sowohl Schulen
als auch Jugendeinrichtungen eingebunden.
Ein weiteres, starkes Projekt mit komplexer
Netzwerkstruktur heißt »Buchstart«.
Wir ha-
ben das 2006 seitens der Kulturbehörde mit den
Hamburger Kinderärzten begonnen und binden
in zahlreiche, stadtweit organisierte Lesegruppen
Werner Frömming, Referatsleiter Kulturbehörde Hamburg

| 31
mit dem Titel »Gedichte für Wichte« weitere
lokale Kultur- und Sozialeinrichtungen ein. Ca.
18.000 Buchgeschenke und Informationen zur
Lese förderung werden jedes Jahr durch die
Kinder ärzte bei der U6-Untersuchung am Ende
des ersten Lebensjahres übergeben. Alle Ham-
burger Kinderärzte machen mit. Zahlreiche
private För derpartner haben sich an diesem
Programm
be teiligt.
Das »Kultur Abo« ist in diesem Zusammenhang
interessant.
Es ist die Erfindung der LAG Kin-
der- und Jugendkultur e. V. Die Idee ist, Schulen
»Pakete« mit Angeboten verschiedener Künstler
und Kultureinrichtungen zu packen. Beide Seiten
gewinnen: Schulen können sich über die Dauer
eines ganzen Schuljahrs auf eine inhaltlich ab-
gestimmte Angebotslinie verlassen, die als Kom-
plettpaket vorbereitet und abgerechnet wird
und Künstler und Kultureinrichtungen, die kein
Angebot über ein ganzes Schuljahr erstellen
können, haben so die Chance, sich auch an einer
Schulkooperation zu beteiligen. An der Pilot-
phase haben sich mehrere Hamburger Stiftun-
gen beteiligt.
Ein Wort zu den privaten Förderpartnern.
Be-
merkenswert ist, dass einzelne Partner sich nicht
nur punktuell beteiligen, sondern längerfristig
engagieren. Die mit einer privaten Stiftung or-
ganisierte Ausschreibung »Kultur bewegt« geht
2016 bereits in das zehnte Jahr. Wenn ich alle
Förderungen aus Stiftungen, Unternehmen und
mäzenatische Leistungen von 2004 bis 2014 zu-
sammenrechne, komme ich auf eine Fördersum-
me von 10 Millionen Euro.
Wir wollen und können Kulturelle Bildung
nicht verordnen.
Wir folgen in Hamburg dem
Motiv der selbst verantworteten Schule. Wir ken-
nen Rahmenpläne und jede Schule positioniert
sich mit ihrem Profil in diesem Kontext. Das ist
zu respektieren. Die kulturelle Profilierung von
Schule funktioniert also nur im Rahmen stetiger
Kommunikation und Motivation. In der Jugend-
hilfe haben wir noch wenig Resonanzen. An der
stärkeren Ansprache von Kindertagesein-
richtungen arbeiten wir. Immerhin bieten die
entsprechenden Bildungsempfehlungen für
K
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fungs punkte. Die Entwicklung von Medienkom-
petenz ist in Hamburg einem anderen Senats-
konzept zugeschrieben worden.
Natürlich gibt es auch Brüche und Rückschläge.
Vor allem in der Kooperation mit privaten För-
derpartnern muss mit Brüchen gerechnet wer-
den. Wenn eine Stifterfamilie ihre Förderbereit-
schaft signalisiert, dann mag das für drei Jahre
funktionieren, vielleicht auch für fünf. Irgend-
wann stellt sich aber die Frage der Verstetigung
und des damit möglicherweise verknüpften Aus-
stiegs des Förderpartners. Darauf müssen sich
Ministerien und Kommunen einstellen. Brüche
ganz eigener Art erlebe ich mit Blick auf einzelne
Bundesfinanzierungen. Wir kennen beispiels-
weise das Bundesministerium für Bildung und
Forschung mit »Kultur macht stark«. Wir ken-
nen im sozialen Bereich die 10-Euro-Bildungs-
gutscheine. Beide Programme entziehen sich
als Bundesprogramme der Steuerung durch die
Länder. Auf unserer Ebene lässt sich also bezo-
gen auf Landesprogramme keine Synergie her-
stellen. Das sehe ich als ein Problem. Deshalb
bemühen wir uns, unsere Länderinteressen stär-
ker auf Bundesebene zu formulieren.

image
Dr. Angelika Tischer
Leiterin der Arbeitsstelle Kulturelle Bildung bei der
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin
Runder Tisch »Kulturelle Kinder- und Jugendbildung«
Ein Rahmenkonzept für alle,
das auch Nachteile ausgleicht

image
| 33
Auch wir haben angefangen mit einem Parla-
ments auftrag, so wie das hier im Land Sachsen
auch der Fall ist. Die Bildungs-, die Jugend- und
die Kulturverwaltung bekamen 2006 den Auf-
trag, ein gemeinsames Rahmenkonzept zur
kulturellen Kinder- und Jugendbildung zu ent-
wickeln. Der politische Auftrag ist das eine. Ein
gemeinsames Konzept zu entwickeln, wenn doch
alle Beteiligten – und durchaus mit Recht – da-
von überzeugt sind, dass es doch schon ganz
viel gute Angebote gibt, etwas ganz anderes.
In einem ersten Schritt
ist deshalb auch erst
einmal erhoben worden, was es alles bereits gab
in den drei beteiligten Verwaltungen. Das mag
manchem damals vorgekommen sein wie »Erb-
sen zählen«. Doch es hat uns dabei geholfen
wahrzunehmen, wie nah unsere Zielvorstellun-
gen beieinander waren, auch, an welchen Stellen
sich diese unterschieden und welche Möglich-
keiten zur Vernetzung unserer Anstrengungen es
gab. Diese Analyse des Vorhandenen hat gehol-
fen, nicht nur die weißen Flecken zu identifizie-
ren, sondern auch zu erkennen, wie man sinnvoll
synergetisch weiterarbeiten kann, wie sich unter-
schiedliche Perspektiven und Potenziale der ver-
schiedenen Verwaltungen sinnvoll miteinander
verknüpfen lassen. Und darum geht es ja bei
einem solchen verwaltungsübergreifenden Rah-
menkonzept, Potenziale unterschiedlicher Ver-
waltungen so miteinander zu verknüpfen, dass
Kinder und Jugendliche besser erreicht werden,
mehr und Besseres bei ihnen ankommt.
Parallel dazu brachte die »Offensive Kultu-
relle Bildung«
des Rates für die Künste im Herbst
2006 alle diejenigen zusammen, die im Feld der
Kulturellen Bildung bereits engagiert unterwegs
waren. Die gemeinsame Erklärung der Teilnehmer/
innen mit den 26 Forderungen und Empfehlun-
gen war nicht nur eine sehr gute Grundlage für
die Arbeit am Rahmenkonzept, sie ging auch ein
in die Verhandlungen zum Koalitionsvertrag im
selben Jahr. Und nicht zuletzt hat uns die Frage
interessiert, was es in Sachen Landeskonzept kul-
turelle Bildung außerhalb von Berlin bereits gab?
Wir haben nach Hamburg geschaut, wir waren
auch in NRW; wir haben Kolleginnen und Kolle-
gen aus München eingeladen, die ein sehr prak-
tikables Konzept für die Stadt München ent wi-
ckelt hatten und haben geschaut, was anderswo
funktioniert. Im Jahr 2008 war unser Rahmen-
konzept so weit gediehen, dass es ins Abgeord-
netenhaus eingebracht werden konnte. Der Weg
dahin war ein mühevoller Weg, weil sich nicht
allen sofort erschließen wollte, warum ein sol-
ches Konzept notwendig ist und welches seine
Vorteile sind.
Schwierigkeiten auf dem Weg gehören dazu,
das war die Lektion, die ich in diesem Prozess
lernen musste, die ich damals noch ein rechter
Dr. Angelika Tischer

image
34 |
»Verwaltungsneuling« war. In Zeiten von PISA und
zahllosen Schulleistungsstudien wird die Kultu-
relle Bildung von viel zu vielen immer noch als
etwas Nachrangiges wahrgenommen, als etwas,
was man sich nur leisten kann und will, wenn die
Pflichtaufgaben erledigt sind und Ressourcen
übrig sind.
Ziel des Berliner Rahmenkonzeptes ist es ganz
klar,
einen Nachteilsausgleich zu schaffen. Es
geht um mehr Bildungsgerechtigkeit. Wir wollen
nicht Kinder erreichen, die von den Eltern vom
Reiten zum Balletttraining, danach zum Chor
und Chinesisch-Unterricht gefahren werden. Es
geht vorrangig um die Kinder und Jugendlichen,
die im Elternhaus keine Unterstützung und För-
derung erfahren, aus welchem Grund auch im-
mer. Dass wir die bildungsbenachteiligten Kin-
der und Jugendlichen immer besser erreichen, ist
eines der wichtigsten Erfolgskriterien für unser
Konzept. Und es wird geprüft, ob diese Ziel-
gruppen tatsächlich erreicht werden.
Herr Dittrich hatte in seinen Ausführungen be-
merkt, dass Kulturelle Bildung ein sehr schwam-
miger Begriff ist, unter dem sich sehr vieles und
auch recht Unterschiedliches fassen lässt. Diese
begriffliche Unschärfe ist ein Grund für viele
Missverständnisse und divergierende Erwartun-
gen. Das Berliner Rahmenkonzept orientiert sich
an dem Begriffsverständnis der beiden UNESCO-
Weltkonferenzen für Art Education. Danach ist
die kulturelle Bildung als eine Verwirklichungs-
chance zu verstehen – im Sinne eines essenti-
ellen Vermögens, das gegeben sein muss, damit
jede/r ein erfülltes, gutes und menschliches Le-
ben führen kann, unabhängig davon, unter wel-
chen Voraussetzungen es begonnen wurde.
Dr. Angelika Tischer

| 35
Im Berliner Rahmenkonzept spielen die Küns te
eine zentrale Rolle. Sie werden als ein wichtiges
Medium von Selbst- und Welterkundung ver-
standen, geben Anstöße, wie auf künstlerische
Weise Selbstermächtigung betrieben werden
kann; wie Selbstwirksamkeit und Teilhabe er-
fahren werden können dadurch, dass man sich
auf die Künste einlässt. Der Rat für Kulturelle
Bildung hat 2013 definiert, dass Kulturelle Bil-
dung »Allgemeinbildung im Medium der Künste
ist«. Wir finden, dass das eine sehr eingängige
und plausible Definition ist, die inzwischen be-
reits weitergeschrieben worden ist.
Das Grundprinzip der Arbeit im Rahmenkon-
zept in Berlin
ist die strukturelle Kooperation
zwischen den unterschiedlichen Verwaltungen
und Institutionen auf Augenhöhe. Menschen, die
dasselbe wollen, verstehen sich relativ schnell,
wenn die Chemie stimmt. Wenn die Akteure je-
doch wechseln, besteht die Gefahr, dass Priori-
täten anders gesetzt werden und verloren geht,
was nicht zuvor in den Strukturen verankert
wurde.
Es geht um Kooperation zwischen allen Be-
teiligten,
zwischen Verwaltungen, zwischen Bil-
dungs- u. Kultureinrichtungen, zwischen Bildungs-
u. Jugendkultureinrichtungen und Experten, die
unterschiedliche Expertisen haben. Man hat es
dabei zu tun mit unterschiedlichen Praxen, un-
terschiedlichen Weisen, Geld zu verteilen oder
zu verdienen, Erfolgskontrolle zu betreiben, Er-
gebnisse zu definieren, mit Fehlern und Versa-
gen umzugehen. All das muss in Kooperationen
verhandelt werden und zwar immer wieder. Wenn
das nicht auf Augenhöhe passiert, bedeutet das
hohe Reibungsverluste, die den Erfolg gefährden.
Ich bin vorgestellt worden als Leiterin der
Arbeitsstelle Kulturelle Bildung.
Eine solche
Arbeitsstelle stellt man sich als eine große Struk-
tureinheit vor. Schauen Sie jedoch auf unsere
Internetseite, dann werden Sie feststellen, dass
es in allen Abteilungen und sehr vielen Referaten
unserer Verwaltung Mitarbeiter gibt, die auch
für einzelne Aspekte Kultureller Bildung zu -
ständig sind. In der Kulturverwaltung und der
Jugendverwaltung ist das ebenso. Die Zusam-
menarbeit in der Arbeitsstelle muss deshalb ohne
direkte Weisungsbefugnis erfolgen. Das setzt
voraus, dass man sich auf gemeinsame Ziele und
wichtige Arbeitsschritte auf diese Ziele hin ei-
nigt. Aber auch wenn das gegeben ist und diese
Ziele immer wieder neu justiert werden, braucht
es einen langen Atem und große Hartnäckigkeit,
weil sich die Frage der Prioritätensetzung in den
unterschiedlichen Struktureinheiten immer wie-
der neu stellt.
Zu den Instrumenten der Arbeit in Berlin:
Eine
der wichtigen Forderungen der Offensive Kultu-
relle Bildung war die nach einem Projektfonds,
der eine Art Experimentalfonds für die Koope-
ration zwischen den unterschiedlichen Part nern
sein sollte. Der Berliner Projektfonds Kulturelle
Bildung (BPKB) ist im Haushalt der Kulturver-
waltung mit zwei Millionen Euro im Jahr veran-
kert, das ist eine gute Summe, mit der man einiges
anfangen kann. Er wird im Auftrag der Kultur-
verwaltung bewirtschaftet von den Kulturpro-
jekten Berlins.
Der Projektfonds hat die Funktion, Innovation
zu ermöglichen
und zu fördern, Strukturbildung
und Vernetzung anzuregen. Ausgeschrieben
werden die Mittel in drei Fördersäulen. Alle An-
träge müssen grundsätzlich in einem Team ge-
stellt werden, in dem sowohl das Feld der Kul-
tur als auch das von Kita und Schule bzw./und
der Jugendkulturarbeit vertreten sind. In För-
dersäule 1 werden Fördersummen bis maximal

36 |
20.000 Euro ausgereicht, in Fördersäule 2 bis
maximal 200.000 Euro pro Jahr. Diese müssen
stadtweit von Bedeutung sein und das Potenzial
zur Strukturbildung haben. Die Mittel aus För-
dersäule 3 werden über die Bezirke vergeben.
Der Beirat des Projektfonds, in dem die drei
einbezogenen Verwaltungen durch die Staats-
sekretäre vertreten sind, berät die Förder-
schwerpunkte, gibt Empfehlungen für die Pro-
jektförderung und -evaluierung sowie für die
Weiterentwicklung dieses Förderprogramms.
Über den Projektfonds, der evaluiert und zu
dem regelmäßig Bericht erstattet wird,
er-
halten wir sehr gute Impulse im Hinblick auf
wichtige Fragen der Steuerung der Umsetzung
des Rahmenkonzeptes: Erreichen wir unsere
Ziel gruppen? Welche künstlerischen Bereiche
sind vollkommen unterrepräsentiert? In wel-
chen Bildungsinstitutionen oder Bereichen der
Kinder- und Jugendarbeit passiert noch zu
wenig? Was sind die Gründe dafür, dass die
Kooperation zwischen Theatern und Schulen im
Allgemeinen wunderbar klappt, die Kooperation
zwischen Mu seen und Schulen hingegen noch
manche Wünsche offen lässt?
Gesteuert wird die Umsetzung des Rahmen-
konzeptes Kulturelle Bildung
durch eine res-
sortübergreifende Arbeitsgruppe (ÜAG). Alle
beteiligten Verwaltungen sind in dieser Arbeits-
gruppe vertreten, zusätzlich die Geschäftsstelle
Kulturelle Bildung der Kulturprojekte GmbH (KPB)
sowie jeweils zwei Vertreter/innen der bezirkli-
chen Ämter für Kultur, Schule und Jugend. Wenn
man das auf Länderebene spiegeln würde, wären
das die Kommunen und Landkreise. Die ÜAG
trifft sich regelmäßig, mindestens sechs bis
acht Mal im Jahr und lädt in Abhängigkeit von
den Arbeitsschwerpunkten Gäste ein, die als
externe Experten wichtige Impulse einbringen.
Die ÜAG kann aber auch temporäre Arbeits-
gruppen initiieren, in die auch weitere Fachleute
eingeladen werden. Das machen wir derzeit im
Zusammenhang mit der Weiterentwicklung un-
seres Rahmenkonzeptes, an dem seit ca. einem
Jahr gearbeitet wird.
Für die Umsetzung des Rahmenkonzeptes
wur den fünf Handlungsfelder identifiziert:
Handlungsfeld 1
bezieht sich auf Maß-
nahmen zur Stärkung und Vernetzung der
Angebote in Verantwortung der Bezirke,
Handlungsfeld 2
auf den Ausbau von
Kooperationen und Partnerschaften,
Handlungsfeld 3
auf Qualifizierungs-
maßnahmen auf allen Ebenen,
Handlungsfeld 4
auf Maßnahmen zur
Entwicklung der Qualität von Schule und
Handlungsfeld 5
auf Fragen von Evaluation,
Öffentlichkeitsarbeit sowie die Einwerbung
von Drittmitteln.
Letzteres ist in Berlin leider sehr viel schwieriger
als in Hamburg.
Wie muss man sich die Arbeit in den Hand-
lungsfeldern vorstellen?
Dazu ein paar exem-
plarische Ausführungen. Im Handlungsfeld 1, in
dem die Stärkung der Angebote in Verantwor-
tung der Bezirke im Mittelpunkt steht, wird zum
Beispiel als Aufgabe formuliert, in allen Berliner
Bezirken Jugendkunstschulen nach dem soge-
nannten Berliner Modell einzurichten. Das Be-
sondere des Berliner Modells ist es, dass die
Jugendkunstschulen als bezirkliche Einrichtun-
gen nicht nur mit Honorar- und Sachmitteln aus
den bezirklichen Haushalten, sondern auch mit
Lehrerstunden ausgestattet sind. Damit haben
sie formal die Befugnis, Unterricht am anderen
Ort anzubieten. Die an die Jugendkunstschulen
mit Stundendeputaten abgeordneten Lehrkräfte
kooperieren eng mit den Künstlern und Künst-

image
| 37
lerinnen und anderen Honorarkräften sowie
den an der Jugendkunstschule tätigen Sozial-
pädagogen/innen. Auf diese Weise werden die
Jugendkunstschulen zugleich zu wichtigen Ein-
richtungen an der Schnittstelle zwischen Schule,
Kultur und Freizeitbereich. 2008 gab es in fünf
Berliner Bezirken solche Jugendkunstschulen.
Dadurch dass die Bildungsverwaltung zusätzli-
che Lehrer/innenstunden zur Verfügung gestellt
hat, entstanden starke Anreize, so dass seit 2010
inzwischen fünf weitere Bezirke eine Jugend-
kunstschule eingerichtet haben. Zwei weitere
Jugendkunstschulen sind im Aufbau, so dass
spätestens Ende 2016 ein flächendeckendes Netz
existieren wird.
Im Handlungsfeld 2 geht es um Maßnahmen
zum Ausbau von Kooperationen
und Part-
nerschaften. Ein erster Schritt in diese Richtung
war das »Berliner Patenschaftsprogramm Schu-
le und Kultur 2008«. Hierbei ging es darum, dass
Kultureinrichtungen eine Patenschaft über eine
Schule übernehmen. Recht schnell wurde sicht-
bar, dass das eine etwas paternalistische Sicht
war. Kooperation funktioniert nur dann, wenn sie
auf Augenhöhe stattfindet, wenn beide Seiten
davon profitieren. Audience-Development ist
eine wichtige Angelegenheit. Durch die Koope-
ration mit den Schulen haben die Kultureinrich-
tungen aber auch die Chance, sich als Institution
zu entwickeln, ihr Publikum besser kennenzu-
lernen und das eigene Programm ebenso wie
mögliche Präsentationsweisen an veränderte
Bedarfe und Erwartungen anzupassen. Aus dem
Patenschaftsprogramm ist deshalb recht schnell
ein »Partnerschaftsprogramm Schule und Kul-
tur geworden«, das sich sehr viel egalitärer ver-
steht. Kooperation funktioniert nicht voraus-
setzungslos, vor allem dann nicht, wenn es um
die Kooperation zwischen Menschen mit unter-
Dr. Angelika Tischer

image
38 |
schiedlicher Expertise aus verschiedenen Institu-
tionen geht. Kooperieren muss unter Umständen
auch gelernt werden können. Aus diesem Grund
spielen Qualifizierungsmaßnahmen eine ganz
wichtige Rolle. Die »KontextSchule«, die für
diesen Zweck entwickelt worden ist, war 2010
einmalig in der Bundesrepublik. Bei der »Kon-
textSchule« handelt es sich um einen berufsbe-
gleitenden Weiterbildungskurs, der am »Institut
für Kunst im Kontext« an der Universität der
Künste Berlin stattfindet und an dem ebenso
viele Lehrkräfte wie Künstler/innen oder Kunst-
vermittler/innen aller Kunstarten teilnehmen
können. Ein wenig funktioniert die »Kontext-
Schule« wie eine Partnerbörse. Die Lehrkräfte
und die Künstler/innen lernen einander kennen,
machen sich mit ihren unterschiedlichen Praxen
vertraut, beschäftigen sich mit zeitgenössischen
Theorien von Kultureller Bildung, finden sich in
berufsgemischten kleinen Gruppen, entwickeln
gemeinsame Projekte, führen diese durch, do ku -
mentieren sie und reflektieren über die Schwierig-
keiten und Probleme, die dabei aufgetreten sind.
Wichtig dabei ist vor allem eine systemische
Sicht auf die Unterschiedlichkeit der Handlungs-
logiken in Schulen, Kultureinrichtungen oder der
Praxis freiberuflich tätiger Künstler/innen oder
Musiker/innen.
Damit Kulturelle Bildung an den Schulen einen
höheren Stellenwert bekommt,
muss sie aus
der Nische der künstlerischen Fächer heraus.
Für die Kulturelle Bildung sind nicht nur die
Kunst-, Musik- und Theaterlehrer/innen einer
Schule verantwortlich. Auch Mathematik-, Geo-
grafie- oder Sportlehrer/innen können davon
profitieren, wenn sie in ihrem Unterricht den
Sinneserfahrungen und Emotionen den Raum
geben, der diesen in einem ganzheitlichen Bil-
dungskonzept zukommt. Der Wert künstlerischer
Erfahrungen, Strategien und Handlungsweisen
wird an deutschen Schulen leider noch weitge-
hend unterschätzt. Die neuen Rahmenlehrpläne
für die Klassen eins bis zehn, die vom nächsten
Schuljahr an in Berlin implementiert werden,
weisen aus diesem Grund in ihrem Teil B die
Kulturelle Bildung als übergreifende Aufgabe für
den Unterricht in allen Fächern aus.
Zum Schluss, aber dennoch ganz wichtig für
die Umsetzung des Berliner Rahmenkonzeptes
ist das Programm »Kulturagenten für kreative
Schulen«, das seit 2011, initiiert von der Stiftung
Mercator und der Kulturstiftung des Bundes in
fünf Ländern durchgeführt worden ist und mit
Unterstützung der beiden Stiftungen seit Beginn
des Schuljahres in Berlin als Landesprogramm
weitergeführt wird. Es zeichnet sich ab, dass
das Kulturagenten-Programm für den Bereich
der Schule eine ähnliche Motorfunktion be-
kommt, wie es der Projektfonds für den Bereich
der Koo peration mit den Künsten und Kulturin-
stitutionen bereits jetzt hat. Gerade sind wir
dabei, Schulen, die vier Jahre an diesem Pro-
gramm teil genommen haben, zu zertifizieren,
Dr. Angelika Tischer

image
| 39
damit sie vom nächsten Schuljahr an neue
Schulen im Programm begleiten und mit ihren
Erfahrungen unterstützen. Auch hier geht es
um eine systemische Sicht auf Schule, es müssen
Bedingungen dafür geschaffen werden, dass die
Kulturelle Bildung nicht die alleinige Angele-
genheit derer bleibt, die sie sowieso mit Leiden-
schaft leben, sondern zu einer Angelegenheit
möglichst vieler wird. Dazu muss sie in den
Strukturen von Schule verankert sein.
Wir haben in Berlin seit 2006 viel erreicht
und einiges verändert. Ich habe in diesen Jahren
gelernt, dass solche Veränderungsprozesse sehr
viel Zeit benötigen und jede gelöste Aufgabe
zehn neue nach sich zieht. Die Arbeit wird nicht
weniger, sie wird umfangreicher, je mehr Ver-
bündete man gewinnt, aber sie wird dabei auch
interessanter. Vernetzung ist für mich nach wie
vor ein Zauberwort. Wir werden stärker, je besser
wir vernetzt sind. Für manche mag die Kulturelle
Bildung noch ein entbehrlicher Luxus sein. Ich
glaube hingegen, dass eine bessere Kulturelle
Bildung ein Schlüssel sein kann zur Lösung sehr
vieler gesellschaftlicher Probleme. Auch zu denen,
die sich uns derzeit dadurch stellen, dass so viele
Menschen ihre Herkunftsländer verlassen. Wenn
wir davon ausgehen, dass Kulturelle Bildung auch
Bildung in den Kulturen ist, dann heißt das nicht
nur, dass die Geflüchteten lernen müssen, welche
Werte uns wichtig sind. Es heißt auch, dass wir
lernen müssen, mit ihnen gemeinsam zu leben.
Wir müssen sie schätzen lernen als Menschen,
die andere Erfahrungen und wichtige Kompe-
tenzen mitbringen. Und dafür ist die Kulturelle
Bildung ein ideales Medium.

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40 |
Brigitte Schorn,
Leiterin der Arbeitsstelle Kulturelle Bildung
in Schule und Jugendarbeit NRW
Runder Tisch »Kulturelle Kinder- und Jugendbildung«
Eine Koordinierungsstelle
steuert Pläne und Programme
für das ganze Land

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| 41
Zunächst möchte ich mich sehr herzlich bedan-
ken für die freundliche Einladung hierher nach
Dresden. Vielen Dank für die Möglichkeit, in die-
ser Runde das »Jugendkulturland NRW« vorzu-
stellen. Ich freue mich sehr über Ihr Interesse an
den Strukturen und Programmen, die in NRW für
die Kulturelle Bildung von Kindern und Jugend-
lichen entwickelt wurden. Ich hoffe, dass Sie aus
dem, was ich Ihnen im Folgenden vorstelle, In-
formationen, Anregungen und Ideen mitnehmen
können, die Ihnen hilfreich sind bei der Bewäl-
tigung der Herausforderungen, denen Sie sich ge-
rade stellen. Ich beginne mit einem Rückblick auf
das Jahr 2006, wohl wissend, dass das Praxis-
feld »Kulturelle Bildung« in NRW viel älter ist.
2006 riefen der damalige Kulturstaatssekretär,
die amtierende Schulministerin und der Famili-
enminister Nordrhein-Westfalen zum »Modell-
land Kulturelle Bildung« aus. Mit dieser Initiative
strebte NRW an, seine bisherigen Aktivitäten im
Bereich der Kulturellen Bildung auszubauen. Man
wollte neue Strukturen der Kommunikation und
der Kooperation schaffen. Und man wollte mit
einer gezielten Förderung kulturelle Bildungsan-
gebote im ganzen Land unterstützen. Es waren
weniger qualitative Schwächen, die zu dieser
Ini tiative führten. Im Gegenteil: 2006 war die
Kul turelle Bildung schon recht gut aufgestellt.
Viel mehr waren es Struktur- und Umsetzungs-
probleme. Beklagt wurde eine fehlende Koordina-
tion, nicht miteinander abgestimmte Angebote,
nicht genutzte Synergien, fehlende Trans parenz,
Lücken zwischen den Angeboten.
Diese Initiative 2006 hat viel ins Rollen ge-
bracht.
Und natürlich gibt es noch immer nicht
den gewünschten Idealzustand. Aber doch wäre
vieles anders, wenn diese Initiative nicht den
Regierungswechsel überstanden hätte. Auch in
der rot-grünen Koalition seit 2010 ist man sich
einig, dass Kulturelle Bildung einen hohen Stel-
lenwert behalten soll. Nur hat die Initiative, ha-
ben die Bemühungen einen anderen Namen, ein
anderes Etikett: »Jugendkulturland NRW«. Die
Ziele, die man mit dem Modellland und der Ini-
tiative »Jugendkulturland« verfolgt, sind hoch.
Möglichst alle Kinder und Jugendlichen sollen an
kulturellen Bildungsangeboten teilhaben können.
Man möchte die Angebote verstetigen. Man
möchte nicht nur Leuchttürme und Highlights für
wenige realisieren, sondern dauerhafte, nachhal-
tig wirkende Strukturen aufbauen. Einige dieser
Programme möchte ich Ihnen im Folgenden vor-
stellen:
Landesprogramm Kultur und Schule NRW:
Eines der wichtigen und bis heute existenten
Landesprogramme ist das Programm »Kultur und
Schule«. Es ermöglicht die Durchführung prak-
tischer kultureller Bildungsangebote von 90 Mi-
nuten pro Woche, ein Schuljahr lang, in der
Brigitte Schorn

image
42 |
Schule, aber außerhalb der Unterrichtszeit. Das
jährliche Gesamtvolumen liegt bei 3,2 Mio. Euro.
Weit mehr als 5.000 Projekte wurden realisiert.
Mittlerweile ist das Programm für Kitas eröffnet.
Zum Programm gehört, dass Künstler/innen eine
Fortbildung zu ausgewählten pädagogischen
F
r
a
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s
t
e
llu
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ge
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b
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s
uc
he
n
.
Will man Kulturelle Bildung nachhaltig fördern,
müssen Strukturen geschaffen werden, die die Zu-
sammenarbeit aller beteiligten Akteure erleich-
tern. Kulturelle Bildung kann vor Ort nur dann
optimal gelingen, wenn die verschiedenen Äm-
ter, die Kultureinrichtungen, Schulen, Kitas und
Jugendfreizeiteinrichtungen miteinander koo pe-
rieren und systematisch vernetzt sind. Dazu be-
darf es einer gemeinsamen Planung von Kul tur-
förderung, Schulverwaltung und Jugendhilfe auf
örtlicher Ebene. Diese Kooperation der ver ant-
wortlichen Institutionen und Organisationen ist
die Grundlage für gelingende Kulturelle Bildung
im kommunalen Raum.
Seit dem Jahr 2007 schreibt deshalb die Lan-
des regierung
jährlich den Wettbewerb »Kom-
munale Gesamtkonzepte für Kulturelle Bildung«
aus. Der Wettbewerb zeichnet Kommunen aus,
die zielorientiert an der Stärkung der Kulturellen
Bildung arbeiten und unterstützte dieses Enga-
gement finanziell. Die Landesoffensive zur För-
derung der Kulturellen Bildung hat gezeigt, dass
Kommunikation und Kooperation der Akteure
VOR ORT wichtige Grundlagen sind, um das
Hand lungsfeld erfolgreich zu gestalten. Kultu-
relle Bildung wird dauerhaft im kommunalen
Leitbild verankert. Es werden entsprechende Struk-
turen geschaffen durch abgestimmtes Vorgehen
von Politik, Verwaltung und Akteuren vor Ort.
Die »Gesamtkonzepte« sollen folgende Aspekte
aufgreifen:
Verankerung Kultureller Bildung im Leitbild/
Profil der Kommune
Schaffung von Vernetzungsstrukturen
für Akteure, Politik und Verwaltung aller
beteiligten Handlungsfelder
Einrichtung einer Kontaktstelle
Vernetzt werden sollen Künstler, Kultur-
einrichtungen mit Kindergärten, Schule,
Weiterbildungseinrichtungen
Kulturinstitutionen sollen sich öffnen für
die Belange und Interessen von Kindern und
Jugendlichen
Besonderes Augenmerk soll gelegt werden
auf künstlerisch-kulturelle Bildung im
Vorschulalter
Engagierte Bürger und Eltern sollen
einbezogen werden
Die lokale Wirtschaft soll einbezogen werden
Und es sollen lokale Angebote für die
Qualifizierung der Akteure entwickelt und
umgesetzt werden
Brigitte Schorn

image
| 43
Kulturstrolche:
Die Idee, Grundschulkindern ei-
nen ungewöhnlichen und mehrfachen Zugang
zu Kultureinrichtungen (Museum, Archiv, Thea-
ter, Bürgerzentrum, Bibliothek …) zu verschaffen,
steckt hinter dem Programm »Kulturstrolche«.
Die Kulturstrolche lernen im Klassenverband alle
Kultursparten kennen, sie sammeln Eindrücke
und dokumentieren jeden Kulturbesuch durch
einen Sticker in ihrem persönlichen Kulturstrol-
che-Sammelheft.
Angefangen hat das Konzept in der Stadt
Münster. Von hier aus weitete sich die Idee aus
und mittlerweile beteiligen sich im Schuljahr
2014/2015 insgesamt 873 Klassen aus 61 Städ-
ten und Städteverbünden. Die Förderung beträgt
600 Euro pro Klasse und Schuljahr bis zu einem
Maximalbetrag von 7.800 Euro pro Stadt und
Haushaltsjahr.
Kulturrucksack NRW:
2012 brachte das Land
NRW gemeinsam mit den Kommunen ein neues
Landesprogramm auf den Weg, den Kulturruck-
sack NRW. Ziel des landesweiten Vorhabens ist
es, Kindern zwischen 10 und 14 Jahren kosten-
lose und deutlich kostenreduzierte kulturelle
An gebote zu eröffnen. Das Land stellt hierfür
jährlich rund 3 Mio. Euro zur Verfügung. Mitt-
lerweile beteiligen sich 220 Kommunen (35 Ein-
zelkommunen, 26 kommunale Verbände, 9 Kreise
und eine Städteregion). Kommunen, in denen
mehr als 3.500 junge Menschen im Alter von 10
bis 14 Jahren leben, können sich direkt beteiligen.
Kleinere Gemeinden bewerben sich gemeinsam
als interkommunaler Verbund. Das Land unter-
stützt die Kommunen mit 4,40 Euro pro Kind in
der genannten Altersgruppe. Eine landesweite
Koordinierungsstelle und Kulturrucksack-Beauf-
tragte vor Ort beraten und moderieren die Pro-
z esse und laden regelmäßig zum Austausch ein.

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44 |
JeKits:
Das Programm »JeKits – Jedem Kind
Instrumente, Tanzen, Singen« ist ein kulturelles
Bildungsprogramm in der Grundschule mit den
drei alternativen Schwerpunkten Instrumente,
Tanzen und Singen. JeKits strebt drei zentrale
Ziele an: gemeinsames musizieren oder tanzen,
kulturelle Teilhabegerechtigkeit und eine Berei-
cherung der kommunalen Bildungslandschaft.
Pädagogische Landkarte:
Außerschulische Lern-
orte – vom Museum bis zum Handwerksbetrieb –
können den schulischen Unterricht und auch
die vorschulische Erziehung in vieler Hinsicht be-
reichern. Um solche Lernorte unter Lehrkräften
und Fachkräften in Bildungseinrichtungen be-
kannter und besser nutzbar zu machen, realisiert
das LWL-Medienzentrum für Westfalen eine »Pä-
da gogische Landkarte« als Online-Datenbank
außerschulischer Lernorte für ganz Westfalen-
Lippe. Die »Pädagogische Landkarte« hilft als
kostenfreier Internetservice den Schulen, quali-
tativ hochwertige, spannende außerschulische
Lernorte zu finden. Gleichzeitig werden die klei-
nen Museen und Betriebe darin unterstützt, ihre
Tore zu öffnen für junge Menschen.
Mit dem Preis »Auf dem Weg zum Kinder- und
Jugendkulturland«
zeichnet das Land NRW jedes
Jahr herausragende Projekte aus, in denen Künst-
lerinnen und Künstler zusammen mit Kultur-, Bil-
dungs- und Jugendeinrichtungen arbeiten. Auch
das ist ein Anreiz für kulturelle Bildungspraxis.
Ausgezeichnet werden auch die Kommunen mit
Gesamtkonzepten für Kulturelle Bildung und
interkommunale Verbünde – gerade im ländli-
chen Raum spielen diese eine große Rolle.

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| 45
Regionale Bildungsnetzwerke:
Kulturelle Bil-
dung braucht Vernetzer, Moderatoren, Kümmerer,
damit Impulse weitergetragen werden. Hierfür
haben sich die sogenannten Bildungsnetzwerke
als hilfreiche Instanz herausgebildet. In den 54
Kreisen und kreisfreien Kommunen hat das Land
NRW sogenannte Bildungsbüros eingerichtet.
Korrekt heißen sie Bildungsbüros Regionale Bil-
dungsnetzwerke – und das beschreibt ihre Auf-
gabe: Die Akteure in den Bildungsbüros sollen die
lokalen Bildungs-, Erziehungs- und Beratungs-
systeme zu einem Gesamtsystem zusammen-
führen, um eine optimale Förderung von Kindern
und Jugendlichen zu gewährleisten. In manchen
Bildungsbüros wurde Kulturelle Bildung als ein
Schwerpunkt gewählt.
Arbeitsstelle »Kulturelle Bildung in Schule und
Jugendarbeit NRW«:
Ein konsequenter Schritt
im Rahmen aller Anstrengungen des Landes
NRW für die Kulturelle Bildung war die Einrich-
tung der Arbeitsstelle »Kulturelle Bildung in Schu-
le und Jugendarbeit NRW« im Februar 2009.
Diese Arbeitsstelle unterstützt landesweit die
Weiterentwicklung und den Aufbau von opti-
ma len regionalen und kommunalen Rahmenbe-
dingungen und Kooperationsstrukturen für
Kul turelle Bildung. Ausgewählte Regionen und
Kommunen in NRW werden dabei unterstützt,
die Zugänge zu Kultureller Bildung für Kinder
und Jugendliche zu erleichtern und die Durch-
lässigkeit zwischen den »Systemen« Schule, Ju-
gendarbeit und Kultur zu erhöhen.
Darüber hinaus informiert die Arbeitsstelle »Kul-
turelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW«
Schulen und Einrichtungen der Jugendarbeit über
Möglichkeiten der langfristigen Erweiterung ihres
kulturellen Bildungsangebots, ihrer Profilentwick-
lung und berät Schulen und Einrichtungen der
Jugendarbeit bei der Zusammenarbeit und nach-
haltigen Vernetzung mit Kooperationspartnern
aus Kunst und Kultur.
NRW hat damit eine zentrale Einrichtung ge-
schaffen, deren Aufgaben von der Bündelung
und Weitergabe von Informationen über die Ver-
netzung von und Kooperation mit den vielen
Akteuren im Schnittfeld Kultur/Schule/Bildung
bis hin zur Entwicklung kommunaler Gesamtkon-
zepte Kultureller Bildung in den Kommunen und
Regionen reichen.
Brigitte Schorn

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Ulf Großmann
Katja Margarethe Mieth
Brigitte Schorn
Thomas Früh
Dr. Christoph Dittrich
Torsten Tannenberg
Dr. Eva-Maria Stange
Runder Tisch »Kulturelle Kinder- und Jugendbildung«
Erste Diskussionsrunde
Dr. Angelika Tischer
Stephan Hoffmann
Werner Frömming
Dr. Christine Range
Aline Fiedler
Prof. Dr. Arend Flemming
Dr. Sibille Tröml

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| 47
Ulf Großmann
Moderator
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Wir wollen nun miteinander ins Gespräch kom-
men. Wir wollen diskutieren über die strukturellen,
die finanziellen, die operativ-organisatorischen
und auch die inhaltlichen Fragen, die Schwer-
punkt der Konzepte in Hamburg, Berlin und Nord-
rhein-Westfalen sind und die für die Findung
eines landesweiten Konzeptes zur Kulturellen Bil-
dung von Kindern und Jugendlichen in Sachsen
wichtig sind.
Katja Margarethe Mieth
Direktorin der
Sächsischen Landesstelle
für Museumswesen
Ich habe eine Frage zur Situation in Nordrhein-
Westfalen. Wenn ich das richtig verstanden habe,
konzentriert sich Ihr Programm in erster Linie
auf die Zusammenarbeit mit Künstlern an Schu-
len. Das ist ja ein großer Komplex. Da würde mich
interessieren: Welche Rolle spielen im Gesamt-
komplex der verschiedenen hier vorgestellten
Pro grammbestandteile andere außerschulische
Lernorte der Musischen und Kulturellen Bildung?
Und mich würde interessieren, worauf sich Ihre
Honorarnote bezieht? 27,50 Euro sind eine deut-
liche Erhöhung zum bisherigen; beziehen sich
diese auf 60 oder 90 Minuten? Sind darin die
Anreisekosten der Künstler zu den Schulen ent-
halten? Ich frage das deshalb, weil man die Qua-
lität der Kulturellen Bildung durchaus an der
Wertschätzung im Sinne der Honorarhöhe ab-
lesen kann.
Brigitte Schorn
Leiterin der Arbeitsstelle
Kulturelle Bildung in Schule und
Jugendarbeit NRW
Die außerschulischen Lernorte, die Kultureinrich-
tungen, die Archive und Theater, das sind alles
wesentliche Orte, die nicht alle in Schule rein-
gehen. Die Schule öffnet sich für diese Poten-
ziale, die in den Einrichtungen liegen. Und für die
andere Art des Lernens, die dort stattfindet. Bei
Kultur und Schule geht der Künstler in die
Schule. Beim Programm »Kulturrucksack« und
an dern gehen Schüler und Jugendliche in die
Ein richtungen. Das ist ganz wesentlich für die
Kulturelle Bildung; dass man authentisch am
»le benden Objekt« lernt. Die Schule muss sich
öff nen, um Teil des Kulturraums zu sein. Das
spielt eine ganz große Rolle und wird gefördert,
besonders im Programm »Kulturrucksack«, des-
sen Veranstaltungen explizit nicht in der Schule
statt finden sollten. Die zweite Frage: 27,50 Euro,
die ses Honorar gilt seit einem Jahr. Es bezieht
sich auf 60 Minuten Kursdauer. Anfahrt und
Vorbereitung sind inbegriffen. Da sagen viele
Künstler, das kann nicht sein, das ist zu wenig.
Katja Margarethe Mieth

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48 |
Thomas Früh
Abteilungsleiter Kunst im
Sächsischen Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Vieles, was Herr Dittrich angesprochen hat, gibt
es bereits zu Teilen im Freistaat Sachsen: An-
sprechpartner bei Bildungsagenturen, bei den
Kul turräumen, Runder Tisch, eine interministeri-
elle Arbeitsgruppe. Aber was fehlt aus Ihrer Sicht
an Struktur, Verbindlichkeit, damit daraus in
Sachsen ein Mehrwert entstehen könnte?
Dr. Christoph Dittrich
Mitglied des Sächsischen Kultursenats,
Generalintendant der
Städtischen Theater Chemnitz gGmbH,
Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen
im Deutschen Bühnenverein
Da bin ich vielleicht gar kein guter Ansprech-
partner. Ich komme von der praktischen Seite. Die
verwaltungstechnischen Regelungen höre ich,
kann sie wiedergeben und mir eigene Vorstel-
lungen dazu machen. Meine Sichtweise kommt
aus der Praxis. Wichtig ist aus dieser Sicht eine
Systematisierung, bei der man nicht abhängig ist
von »Tätern aus Leidenschaft«. Man braucht ei-
nen Kulturagenten oder Koordinator. Wie er sich
nennt, ist relativ egal. Aber diese ganz klare
strukturelle Festlegung und Bindung ist etwas
Wichtiges. Und es ist ein erster guter Schritt
dazu, was in den Kulturräumen mit den Netz-
werkstellen passiert ist. Ich denke, das sollte
auch an jeder Schule vorhanden sein.
Torsten Tannenberg
Sprecher der
IG Landeskulturverbände Sachsen
Geschäftsführer des Sächsischen Musikrates e. V.
Für mich stellt sich die Frage: Wen haben wir
eigentlich als Zielgruppe im Bereich Kulturelle
Bildung? Mir ist das jetzt zu sehr auf Schule
fixiert. Die Kultur als Heilsbringer ist mir zu sehr
auf Jugendliche ausgerichtet. Ich verstehe Kul-
turelle Bildung als gesellschaftliches Thema für
alle Altersgruppen. Meine Vorredner haben das
Thema vor allem im Bereich Schule gesehen. Ich
weiß nicht, ob uns das voranbringt, denn dies
Dr. Christoph Dittrich
Thomas Früh

image
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| 49
diskutieren wir jetzt seit Jahren. Wenn wir weiter-
kommen wollen, müssen wir ein Gesamtkonzept
entwickeln, welches neben dem schulischen auch
den außerschulischen Bereich einbezieht.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Es ist richtig, Herr Tannenberg, ich habe eigent-
lich schon auf Ihren Einwand gewartet, als ich die
Beiträge gehört haben. Dass wir uns heute Vor-
mittag und bei den Überlegungen am Runden
Tisch davon leiten lassen, dass es verstärkt um
Kinder und Jugendliche geht – ich würde nicht
sagen, dass es nur um Schule geht – das hat
natürlich auch mit dem Koalitionsvertrag zu tun,
der das Thema als politische Aufgabe benennt.
Ich halte das auch für wichtig und wir sind hier
auf einem sehr guten Weg. Es gibt einen Antrag
im Landtag, der sich auf Kinder und Jugendliche
fokussiert und dabei die Notwendigkeit formu-
liert, dafür mehr Strukturen zu schaffen und Ak-
teure zusammenzubringen. Ich habe eben genau
hingehört und wahrgenommen, dass es nicht
unbedingt mehr zu machen gilt, sondern dass wir
eine bessere Vernetzung herstellen müssen, um
das, was wir bereits haben, auch zueinander zu
bringen. Da gab es hier bereits eine ganze Menge
Anregungen. Aber Sie haben vollkommen recht,
wir müssen darüber nachdenken, den Begriff Kul-
turelle Bildung auf alle Altersgruppen auszu-
dehnen. Mein Vorschlag ist, die Fokussierung auf
Kinder und Jugendliche heute nicht als Einschrän-
kung zu sehen, sondern als ersten Ansatz. Das
Thema an sich ist schon so breit, wenn wir uns
den Bereich für Kinder und Jugendliche anschau-
en. Da denken wir in der Tat oftmals zuerst an
Institutionen, obwohl es die Institutionen nicht
alleine sind. Wir müssen aufpassen, dass wir die
Breite des Themas nicht zu groß wählen und es
damit zu wenig greifbar wird. Ich hoffe, dass
nach diesem heutigen Tag mehr passiert. Das ist
meine erste Anregung. Dann muss man dieses
Thema auch systematisch ausweiten.
Torsten Tannenberg
Dr. Eva-Maria Stange

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50 |
Dr. Angelika Tischer
Leiterin der Arbeitsstelle Kulturelle
Bildung bei der Senatsverwaltung
für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin
Von Herr Früh kam die Frage nach dem »Mehr«.
Da würde ich gerne hinzufügen wollen: Solan-
ge alles funktioniert in den Strukturen, die man
hat, ist alles gut. Aber spätestens dann, wenn es
irgendwo knirscht, wenn Probleme auftreten,
dann passiert etwas Reflexartiges: Dann näm-
lich sind immer die andern schuld. Weil man eben
nur die eine Perspektive hat, nämlich die eigene.
Aus meiner Sicht gibt es einen enormen Zuge-
winn aus einem Miteinander, einer geteilten Ver-
antwortung. Wir haben die Chance, die Perspek-
tiven der jeweils anderen kennen und verstehen
zu lernen. Wir können schauen, warum etwas
nicht funktioniert und damit auch Einsichten
bekommen, an welchen Stellen man eingreifen
kann, einmal abgesehen davon, dass man an-
sonsten leicht Gefahr läuft, parallele Struktu-
ren zu entwickeln. Verwaltungen neigen dazu,
ihre »Erbhöfe« abzustecken und darauf ganz stolz
zu sein. Wenn man aber mit begrenzten Mitteln
wirt schaften muss, dann ist das nicht beson-
ders zielführend. Wir sind jetzt bei der Weiter-
entwicklung unseres Rahmenkonzeptes an der
Stelle, an der wir sagen, wir brauchen mehr in-
tergenerative Angebote. Wir nehmen also einen
nächsten Schritt! Wenn man an den Institu-
tionen entlang arbeiten kann, ist das effektiv
und man hat gute Möglichkeiten, Einfluss zu
nehmen. Jetzt fängt das an, aufzuwachsen, und
da merkt man schnell, wenn es nicht mehr
sinn voll ist, an der Institution entlang zu den-
ken, wenn An satz punkte für weitere, für neue
Entwicklungsprozesse entstehen. Bei uns ist es
dieser intergenerative Prozess, über den wir
ge
r
ade
n
a
c
h
de
n
ke
n
.
Stephan Hoffmann
Referent Kulturelle Bildung im Amt
für Kultur und Denkmalschutz Stadt Dresden
Frau Tischer hat über »Audience Development«
im Nebensatz gesprochen. Sie haben das klar als
paternalistisches Konzept bezeichnet. Für uns
ist ganz interessant, darüber nachzudenken, wie
man das Konzept so weiterentwickeln könnte,
dass man eben nicht ein Publikum für die alten
Dr. Angelika Tischer
Stephan Hoffmann

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| 51
Inhalte in den altehrwürdigen Kulturinstitutio-
nen heranzieht, sondern auch innerhalb dieses
Konzeptes die Chancen zu einer Fortentwicklung
der Institutionen erkennt. Als Chance zu einer
Überprüfung der Relevanz, einer Aktualisierung,
einem Update. Ging Ihre Kritik in eine ähnliche
Richtung – oder wie habe ich dieses »paterna-
listisch« zu verstehen?
Dr. Angelika Tischer
Leiterin der Arbeitsstelle Kulturelle
Bildung bei der Senatsverwaltung
für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin
Es war eigentlich nicht als Kritik gemeint, son-
dern eine Erkenntnis, zu der wir gekommen sind.
Die Kulturinstitutionen sind ja gewachsene Ein-
richtungen, die tradiert werden, die auch dazu
neigen, ihr Selbstverständnis zu tradieren. Es ist
durchaus eine Erfahrung, die ich in den vielen
Jahren meiner Berufstätigkeit gewonnen habe,
dass ein Theaterintendant oder der Leiter eines
Museums fragen: Warum schafft ihr das nicht,
dass die Kinder zu uns kommen? Tatsächlich
kommt das etwas naiv rüber. Denn es meint:
Erzieht die Kinder mal so, dass sie freiwillig zu
uns kommen. So einfach ist es aber nicht. Die
Institutionen müssen sich verändern, wenn sie in
der Gesellschaft auf Dauer Bestand haben wol-
len. Wenn eine Gesellschaft teure Steuergelder
dafür aufwendet, dass ein Museum, ein Theater
oder eine andere kulturelle Einrichtung auf die
Dauer finanziert werden, dürfen sich diese nicht
nur an das Bewährte klammern. Es muss auch
gefragt werden dürfen, wie sich die Gesellschaft
ändert und mit ihr die Bedürfnisse der Menschen?
Die Kinder heute sind anders, können anderes,

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52 |
brauchen für ihre Entwicklung anderes als die
Generationen zuvor. Dann kann man nicht sagen:
Macht sie mal fit für das, was wir seit hundert
Jahren bewährt hat. Man muss auch fragen
dürfen, wie zukunftsfest das Altbewährte ist.
Das ist nicht als Kritik gemeint, sondern als Er-
fahrung und Erkenntnis. Bei diesem Patenschafts-
programm gab es schon anfangs diesen pater-
nalistischen Anspruch: Wir sind gut und nun
kommt mal zu uns. Wir haben in den Jahren
ge merkt: So funktioniert es nicht. Beide Seiten
müssen sich aufeinander einstellen – immer wie-
der neu. Das heißt jetzt nicht, dass man »Kabale
und Liebe« nicht mehr spielt. Aber man muss
fragen: Was bedeutet »Kabale und Liebe« heute
für Kinder und Jugendliche? Was könnte das
mög licherweise bedeuten? Was heißt das mög-
licherweise für die Art, Theater zu machen? Da
ist eine Menge möglich. Aber es ist ein schwe-
res Geschäft. Die Kulturverwaltung, die die In-
tendantenverträge abschließt, bemüht sich
hartnäckig, aber nicht immer erfolgreich, ent-
sprechende Aufgaben in die Intendantenver trä-
ge hineinzuschreiben. Das ist bei den Museums-
direktoren nicht anders. Da braucht es einen
langen Atem, auf beiden Seiten, damit Teilhabe
tatsächlich stattfinden kann.
Werner Frömming
Referatsleiter Kulturbehörde Hamburg
Ich möchte mich noch mal zur intergenerativen
Einbettung der Kulturellen Bildung äußern. In dem
von mir genannten Programm »Buchstart« be-
ginnen wir am Ende des ersten Lebensjahres bei
der U6-Untersuchung. Natürlich reicht Kulturel-
le Bildung über das Lebensalter Schule hinaus.
Es sind immer auch Eltern und Familienstruktu-
ren berührt. Diese lebensweltlichen Bezüge
müssen in allen Projekten und Programmen mit-
gedacht werden. Wenn sich die jeweiligen Kul-
tureinrichtungen in ihrer Programmentwicklung
und ihrer Ausstrahlung stärker sozialräumlich
öffnen und aus ihren angestammten Räumen
heraus in Stadtbereiche oder ländliche Bereiche
gehen, dann ist das auf jeden Fall zu begrüßen.
Zwei Beispiele aus Hamburg: Das Schauspielhaus
mit Karin Beier in der Intendanz hat sich auf
einen Stadtbereich orientiert, der eher eine Rand-
zone der Stadtentwicklung ist. In ihrem Enga-
gement klingt ein gesellschaftspolitisches Ver-
ständnis von Theaterarbeit an. Das Theater greift
Themen auf, die hier in der Diskussion auch
schon beschrieben wurden: Zuwanderung, Mi-
gration, Flucht und andere. Es stellt sich die
Frage, wie wir in einer multikulturellen Gesell-
schaft ein gelingendes Leben ermöglichen. Auch
das ist Kulturelle Bildung oder kann durch sie
gefördert werden. Dabei bezieht sich das Schau-
spielhaus auf die sogenannten Experten des All-
tags, auf vorhandene gesellschaftliche Grup pen,
auf Erwachsene, auf Kinder. Theater wird zu
einem Erlebnis im vertrauten Stadtraum mit neu-
en Resonanzen eines bisher nicht erreichten
Publikums – Audience Development in einer zeit-
gemäßen Form. Auch die Elbphilharmonie ist
Werner Frömming

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| 53
auf dieser Spur aktiv. Auch sie geht in die Stadt-
teile. Das Konzerthaus wird demnächst eröff-
net. Wir schauen gespannt auf 2017. Bereits im
weiten Vorfeld laufen aber jetzt Programme der
Elbphilharmonie, mit denen sie in die Stadteile
hineingeht. Es gibt Familienkonzerte, Kinderkon-
zerte. Es berühren sich beide Themenbereiche:
Angebote der künstlerischen Performance er-
gänzt durch Angebote Kultureller Bildung. Ein
solches Programm heißt etwa »Dr. Sound« und ist
an Jugendliche gerichtet. Dieser Öffnungspro-
zess muss befördert werden, um ein produk tives
Gesamtklima von Offenheit, von stadtraum be-
zogener oder ländlich rückgekoppelter Kultur-
arbeit zu schaffen.
Dr. Christine Range
Geschäftsführerin der
Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und
Jugendbildung Sachsen e. V.
Frau Schorn sagte, Kulturelle Bildung sei eigent-
lich kommunale Aufgabe. Sie ist in den Kom-
munen verortet. Es hört sich aber so an, als ob
NRW als Land sehr viel Geld in die Kommunen
gibt. Werden die Jugendkunstschulen auch vom
Land gefördert? Zudem finde ich, dass auch die
4,40 Euro eine tolle Sache für Sachsen wären.
Das ist ähnlich wie die Jugendpauschale, wo
man pro Kind und Jugendliche bis zu 27 Jahren
vom Land an die Jugendämter einen Betrag von
12,50 Euro zahlt. Es wäre doch wunderbar, wenn
wir auch sagen können: Die Kommunen erhalten
4,40 Euro pro Kind für die Förderung von mehr
Kultur.
Brigitte Schorn
Leiterin der Arbeitsstelle
Kulturelle Bildung in Schule und
Jugendarbeit NRW
Tatsächlich werden die Jugendkunstschulen bei
uns zum Teil vom Land gefördert. Es gibt im Mo-
ment 60 Jugendkunstschulen, für die das zu-
trifft. Die Pauschale von 4,40 Euro bezog sich
auf den sogenannten »Kulturrucksack«. Das ist
ein Angebot für die 10- bis 14-Jährigen. Dort
stellt in der Tat das Land den Kommunen Geld
zur Verfügung, um für diese Zielgruppe zusätz-
liche Angebote zu entwickeln und umzusetzen.
Dr. Christine Range
Brigitte Schorn

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54 |
Aline Fiedler
Mitglied des Sächsischen Landtages, CDU
Mich würde interessieren, inwieweit die Kunst-
und Musikhochschulen mit in Ihre Überlegungen
eingebunden sind. Sie sprachen ja auch an, dass
es eine kleine Fortbildung für Lehrer gibt. Inwie-
weit wird der Ansatz der Kulturellen Bildung in
der Ausbildung an den Kunsthochschulen schon
beachtet? Eine weitere Problematik möchte ich
gern ansprechen: Wir sind die Lobbyisten für die
Kultur. Aber wir wissen auch, dass es andere
Bereiche gibt, die Schulen nicht uninteressante
Angebote unterbreiten, so etwa die Wirtschaft
und der Sport. Inwieweit haben Sie sich mit den
anderen Bereichen abgestimmt, damit nicht eine
Konkurrenzsituation entsteht?
Werner Frömming
Referatsleiter Kulturbehörde Hamburg
Die Kunsthochschule Lerchenfeld in Hamburg
ist – bis auf Einzelpersonen aus dem Lehrkörper –
nicht involviert. Es gibt keine offensiven Projekte
oder Programme, an denen sich die »Kunsthoch-
schule« institutionell beteiligt. Anders ist es bei
der Hochschule für Musik und Theater. Sie ist mit
einem eigenen JEKI-Ausbildungskonzept betei-
ligt. Sie hat an der Ausbildung von Musikleh-
rern/-innen einen relevanten Anteil. Aber das ist
sehr personenbezogen und zeigt, dass Kulturelle
Bildung und schulische Orientierung relevante
Ausbildungsfelder neben Orchestermusik und
anderen Bühnenperformances sind. Darüber hi-
naus ist die HCU Hafen City Universität mit
spezifischen Studiengängen wie »Kultur der Me-
tropole«, Veranstaltungen und Projektarbeit im
Themenfeld präsent. Im Umfeld Hamburgs ist
natürlich auch die Lüneburger Leuphana-Univer-
sität zu nennen.
Die Konkurrenz der Anbieter, die alle in die Schu-
len drängen, ist natürlich groß. Der Sport ist
nicht nur durch die Olympiabewerbung Hamburgs
sehr präsent. Die Sportvereine treten über den
Hamburger Sportbund und seinen Verband für
Turnen und Freizeit institutionell ganz anders auf.
Das macht sich auch bei dem Programm »Kids
in die Clubs« – gemeint sind die Sportvereine –
deutlich bemerkbar. Wir tun gut daran, unser
kulturelles Potenzial sichtbar zu machen. Ich
sprach in diesem Zusammenhang eingangs von
Angebotspaketen, in die auch Einzelkünstler ein-
gebunden werden können. Dafür brauchen wir
starke Strukturen.
Dr. Angelika Tischer
Leiterin der Arbeitsstelle
Kulturelle Bildung bei der Senatsverwaltung
für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin
Bei uns war das ähnlich. Die Kunst- und Musik-
hochschulen haben sich zuerst sehr zurück ge-
halten. Da gab es nur ein paar Interessierte und
Engagierte; Projekte geknüpft an Einzelpersonen,
die entwickelt worden sind im Kontext Hoch-
Aline Fiedler

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| 55
schule. Es gibt das Programm »ErzählZeit«. Das
ist verstetigt und bei uns inzwischen ganz re-
gulär im Haushalt verankert. Dieses Projekt ist
aus dem Hochschulkontext hervorgegangen. Die
bessere Nutzung der besonderen Potenziale der
Hochschulen und Universitäten, das ist eines der
Themen, die wir gerade jetzt bei der Weiterent-
wicklung des Rahmenkonzeptes auf der Agenda
haben. Es ist ganz interessant, dass die Kultu-
relle Bildung jetzt auch ein wichtiges Thema in
der Hochschulpolitik ist – noch nicht das wich-
tigste, aber ein wichtiges – an dem man nicht
mehr ohne weiteres vorbeikommt. Das gilt nicht
nur für die Hochschulen, die Designer, Künstler
oder Architekten ausbilden. Auch die Hochschu-
len, an denen die Erziehungswissenschaften eine
wichtige Rolle spielen, sind mit im Spiel. Das ist
auch notwendig, wenn es um den Stellenwert
geht, den Kulturelle Bildung in einem Konzept
der Allgemeinbildung hat. Natürlich haben wir,
wie Herr Frömming zu Recht bemerkt, vor dem
Hintergrund von PISA und dessen Nachwirkun-
gen das Problem, dass vielerorts die Vorstellung
vorherrscht, dass Bildungsimpulse vernetzt und
schnell zählbar und messbar sein müssen. Man
erwartet von allem, was in der Schule passiert,
einen schnell feststellbaren Effekt. Diese Bil-
dungserwartung haben viele Eltern. Man kann
ihnen das auch nicht übel nehmen, weil sie wol-
len, dass ihre Kinder Erfolg haben.
Andererseits sollte man solch eine Erwartung
auch nicht so einfach hinnehmen. Kulturelle
Bil dung gehört in ein ganzheitliches Bildungs-
konzept essenziell hinein und ist da nicht weg-
zudiskutieren. Aber man kann sie eben nicht
messen, wiegen und zählen. Sie fundiert und
konsolidiert eine Persönlichkeit und macht ei-
nen Teil ihrer Stärke aus. Doch das ist ein langer

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56 |
Prozess. Es ist wichtig, dass viele verstehen,
warum Kulturelle Bildung so essenziell ist, und
warum man sich die Zeit für solch langwierige
Entwicklungsprozesse gönnen muss. Die Schu-
len können gemäß Schulgesetz selbst entschei-
den, in welchem Bereich sie ihre Schwerpunkte
setzen. Es gilt folglich Schulen, die dies tun, in
dem einen oder anderen Bereich. Dabei ist auch
festzustellen, dass es inzwischen ganz langsam
eine Art Umdenken bei Schülern und Eltern gibt.
Schulen, die im Bereich der Kulturellen Bildung
ihren Schwerpunkt setzen, werden inzwischen
lieber gewählt, erfreuen sich eines stärkeren
Zulaufs. Das heißt, die Eltern fangen an zu ver-
stehen, dass es solcher Impulse braucht, damit
ihre Kinder gesunde, starke Persönlichkeiten wer-
den. Gesund im Sinne von autonom und sozial,
glücklich, stark.
Brigitte Schorn
Leiterin der Arbeitsstelle Kulturelle
Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW
Natürlich nehmen wir Bezug auf kulturelle Bil-
dungspraxisfelder, auf denen Menschen auch
aus gebildet sind. So ist bei uns gerade ein Ver-
bund von Hochschulen entstanden, die für die
Lehrerausbildung zuständig sind und die sagen:
Wir brauchen schon in der Ausbildung der Leh-
rer eine Sensibilisierung für Kulturelle Bildung,
für die Partner der Schule und für die Notwen-
digkeit, die Schule dafür zu öffnen. Wenn die
Lehrer in ihrer Ausbildung nie von diesem The-
ma gehört haben, dann ist das schwer, später
nachzuarbeiten. Des halb begrüßen und unter-
stützen wir das sehr. Auch in den Zentren für
die Lehrerausbildung fließen immer mehr diese
Aspekte Kultureller Bildung mit ein.
Joachim Breuninger
Geschäftsführer des
Sächsischen Museumsbundes,
Direktor des Verkehrsmuseums Dresden
Mich würde jetzt interessieren, ob in Hamburg,
Berlin und Nordrhein-Westfalen im Rahmen ih-
rer Aktionen zur Kulturellen Bildung Freiräume
in den Lehrplänen geschaffen werden, damit
da für mehr Zeit bleibt und das nicht als Zusatz-
angebot angesehen wird.
Prof. Dr. Arend Flemming
Geschäftsführer des
Landesverbandes Sachsen im
Deutschen Bibliotheksverband
Meine Frage schließt sich dort an: Wie haben
Sie die Geschwindigkeitsproblematik gelöst? Die
muss ich aber vielleicht doch ein wenig erläu-
tern. Herr Dittrich hatte bereits einige Ansätze
aufgezeigt, dass die Kulturelle Bildung gerade
im Bereich der Kinder und Jugendlichen in der
Lebenswirklichkeit ankommen muss. Die Lebens-
wirklichkeit heißt heutzutage Digitalisierung und
Joachim Breuninger

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Mobilisierung. Um diese Aspekte ging es heute
noch gar nicht, sie bedeuten aber eine extreme
Beschleunigung dieser Lebenswirklichkeit. Tat-
sächlich sind die Strukturen der Kulturellen Bil-
dung sehr behäbig. Funktioniert es denn, solche
zentralen Strukturen wie Arbeitsgruppen oder
Netzwerke, die immer langsamer werden, wenn
sie größer werden, zur Steuerung einzusetzen?
Die Schulen, kommen doch mit dieser Lebens-
wirklichkeit, mit ihren Lehrplänen gar nicht hin-
terher. Und entweder, wir hinken hinterher oder
wir suchen moderne Strukturen, die dieser Ge-
schwindigkeit angemessen sind. Also, wie lösen
Sie die Geschwindigkeitsproblematik?
Brigitte Schorn
Leiterin der Arbeitsstelle
Kulturelle Bildung in Schule und
Jugendarbeit NRW
Das lösen wir immer noch zu unserer eigenen
Unzufriedenheit. Es geht ja zum einen um die
Frage, wo ist der Platz für Kulturelle Bildung in
der Schule? Der sollte im Unterricht sein. Es gibt
jetzt gerade, unterstützt auch von Mercator,
das Projekt »Kulturpotenzial und Lebenskunst«,
bei dem genau das entwickelt wird. Kulturelle
Bildung gehört in die Rahmenrichtlinien, in die
Rahmenlehrpläne. Doch dann ist auch klar, wenn
Kulturelle Bildung in Schule eine Chance haben
muss, dann ist das ein Schulentwicklungspro-
zess, ein Organisationsentwicklungsprozess. Den
begleiten wir und stellen fest: Es ist möglich,
zum Beispiel, ein Band zu legen, etwa kulturelle
Bildungsangebote in einer Gesamtschule von dem
fünften bis zum achten, neunten, zehnten Jahr-
gang. Es besteht die Möglichkeit, dass Schulen
sich sukzessive aus einer Vielzahl von Angebo-
ten spezialisieren. Dafür legt die Schule Fächer
zusammen, ermöglicht Arbeitsgemeinschaften,
um möglichst viele Kinder und Jugendliche zu
erreichen. Da kann und muss jede Schule einen
eigenen Weg finden, aber da gibt es mittlerweile
sehr hoffnungsvolle Entwicklungen wie in den
Kulturschulen in Hamburg oder Berlin. Beim The-
ma Geschwindigkeit habe ich keine befriedi-
gende Antwort im Moment. Es hilft natürlich,
vernetzt zu arbeiten, Synergien zu nutzen. Nicht
jeder muss alles alleine und selber machen, aber
das ist ein schwieriges Thema.
Dr. Angelika Tischer
Leiterin der Arbeitsstelle
Kulturelle Bildung bei der Senatsverwaltung
für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin
Eine ganz persönliche Erfahrung in diesem Zu-
sammenhang: Ich war in der vergangenen Wo-
che mit meinen beiden schulpflichtigen Enkel-
kindern eine Woche im Urlaub. Das war eine
heftige Herausforderung für mich. Die beiden
spielten ständig Nintendo. Ich als Großmutter
musste ihnen Grenzen setzen. Doch dann gab
es eine Begebenheit: Meine Enkelin hatte einen
Alptraum und ich hatte die Möglichkeit – als
Prof. Dr. Arend Flemming

58 |
ausgebildete Kunstlehrerin – Impulse zu geben,
wie man mit dem Alptraum gestalterisch um-
gehen kann, wie man ihn bearbeiten kann. Das
hat sie ganz normal analog getan, indem sie
ge zeichnet hat. Auf langen Wanderungen, zu
denen ich sie mehr oder minder genötigt habe,
haben wir dann darüber gesprochen. Sie hat an-
gefangen zu schreiben, natürlich auf dem La p-
top. Dabei kam die Viertklässlerin immer wieder
an den Punkt, dass ihr der Laptop anzeigte, dass
sie bestimmte Wörter nicht richtig schrieb. Und
sie fragte: »Wie schreibt man denn das, Oma?«
Das klingt jetzt vielleicht ein wenig banal und
kurzschlüssig. Aber für mich ist die Möglichkeit,
mit den Medien, also mit den künstlerischen
Medien und zwar den digitalen wie den analo-
gen, Lebenseindrücke bearbeitbar zu machen,
der Schlüssel. An der Stelle haben wir dann auch
die Entschleunigung. Dass die Kids trotzdem ab
und zu »daddeln«, muss man hinnehmen. Das
Schema hat es doch schon immer gegeben:
Meine Eltern und meine Großeltern haben be-
stimmte Dinge auch nicht verstanden, die mir
damals wichtig waren. Das ist der Lauf der Zeit.
Was die Frage zur Verankerung der Kulturellen
Bildung in der Schule anbetrifft, verweise ich auf
die Notwendigkeit einer Kompetenzorientierung.
Das kann für mich ein Schlüssel sein, mit der
vermeintlichen Stofffülle umzugehen. Auf Dau-
er werden wir nicht glücklich damit, dass wir alle
Inhalte, die gelernt werden sollen, detailliert auf-
schlüsseln. Die sind so schnell veraltet, so schnell
können wir die Rahmenlehrpläne gar nicht wei-
terentwickeln. Wir müssen vielmehr bestimmen,
was Kinder und Jugendliche am Ende einer be-
stimmten Entwicklungsphase können müssen.
Es geht dabei nicht vordergründig um die Frage:
Woran haben sie es gelernt? Denn es kommt so
viel Neues an Wissen ständig hinzu. Dieses Neue
braucht Raum und viele Jüngere, also die her-
anwachsende Generation heute, kann bestimm-
te Kompetenzen auch an anderen Inhalten ent-
wickeln und erwerben, als an denen, die uns
selbst lieb geworden sind.
Der Weg über die Lernbereiche scheint mir einer
zu sein, der noch nicht wirklich bis zum Letzten
durchdacht ist. Aber er scheint mir erfolgver-
sprechender als unsere regulären Stundenpläne,
die schon Peter Petersen, so um 1920 herum,
Fetzenstundenpläne genannt hat. Was ist das
für ein Umgang mit Zeit, bei dem man aufhören
muss mit dem Lernen, nur weil es nach 45 Mi-
nuten klingelt? Gerade wenn man vielleicht Feuer
gefangen hat. Da bekomme ich zwar sofort
Probleme mit und Gegenwind von den Schullei-
tern. Ich glaube, den muss man aushalten.
Werner Frömming
Referatsleiter Kulturbehörde Hamburg
Im hamburgischen Schulgesetz Paragraph zwei,
Absatz vier, wird Kulturelle Bildung als integra-
ler Bestandteil schulischer Bildungsarbeit be-
schrieben. Das ändert aber nichts daran, dass
der Druck von konkurrierenden Aufgabenberei-
chen und der Erwartungshorizont von Eltern be-
zogen auf die sogenannten »Kernfächer« nicht
ignoriert werden darf. Mit Blick auf Zeugnisse
und Abschlussnoten ist das auch verständlich.
Nichtsdestotrotz helfen uns gerade Formate wie
»Kulturschule« oder das Programm »TUSCH –
Theater und Schule« strukturell, die Bedeutung
Kultureller Bildung herauszustellen. Da, wo sich
etwa Schulen in Kooperation mit Theatern über
zwei Jahre im Rahmen von »TUSCH« auf ein ver-
bindliches Programm einlassen, wächst die Be-
reitschaft, Lehreraufmerksamkeit, Zeitstunden,
Budgets und andere Dinge mehr bereitzustellen.
Die Frage, wie man mit neuen Medien an dieser
Stelle auf veränderte Kommunikationswege von
Kindern und Jugendlichen eingeht, ist ein weites

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Feld. Es beginnt etwa bei einer kleinen App, die
heißt »Theatix«. Da gibt es Restkarten für Jugend-
liche, die noch »last minute« kurz vor Beginn
einer Theaterveranstaltung für zwei bis drei Euro
in Hamburg gekauft werden können. Das Pro-
gramm wurde von einer Stiftung und der Schul-
behörde initiiert. Das Spektrum endet dann
vielleicht bei dem Trickfilm, den ich aus der schon
beschriebenen Grundschule kenne und der mich
immer wieder begeistert. Kinder haben ihn mit
einfachsten Digitalkameras und Knetmasse her-
gestellt. Kürzlich wurde er sogar bei den Kurz-
filmtagen in Hamburg im Metropolis gezeigt.
Kinder erzeugen also auch selber Medienange-
bote in sehr fantasievoller Form. Wenn so etwas
möglich ist, dann bin ich zuversichtlich, dass
wir auch Resonanzräume für kulturelle Bildungs-
perspektiven in diesen neuen Medien finden.
Nebenbei sei bemerkt, dass die gesamte Idee
der Medienbildung in Hamburg in einem eigen-
ständigen Rahmenkonzept zur Medienkompetenz
aufgegriffen wird.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Ich finde, alle Formen von Kultur haben etwas,
was uns dringend Not tut, die Entschleunigung.
Ich denke gerade an das Lesen. Es ist eine Wohl-
tat, auch für Kinder, die gestresst am Freitag
aus der Schule kommen, wenn der Opa dann am
Nachmittag nichts anderes macht als vorzule-
sen. Und das zweite ist die Tiefe. Bei allem, was
man tut, in die Tiefe zu gehen und nicht, »Husch,
husch!«, darüber hinweg – am Computer, am
Fernseher, an den Medien. Es geht darum, auch

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60 |
Fantasie und Emotionalität zu entwickeln. Ich
glaube, gerade die Kultur bringt Kindern und
Jugendlichen etwas, aber uns selber auch, das
wir dringend benötigen in dieser Zeit: Entschleu-
nigung, Tiefe und auch Kommunikation. Ich war
vergangene Woche bei einer Ausstellung im
Tapetenwerk in Leipzig. Da war eine wunderbare
Fotoserie mit Portraits von jungen Menschen,
wunderbar portraitiert, so wie bei den alten
Meistern. Im Hintergrund dunkel und im Vorder-
grund strahlend diese Gesichter. Ich habe eine
ganze Weile davor gestanden und dachte, irgend-
etwas stimmt an diesen Bildern nicht. Die Ju-
gendlichen schauten alle nach unten – anders
als bei den alten Meistern, wo wir immer den
Eindruck haben, sie sehen uns an, sie bewegen
sich mit uns mit, sie kommunizieren mit uns,
blickten die Jugendlichen auf den Fotos alle nach
unten. Und das war eben genau dieser Appell,
guckt mal hin, was da gerade passiert. Wir müs-
sen wieder miteinander kommunizieren und nicht
nur mit der Technik. Dabei kann uns die Kultur
helfen.
Dr. Sibille Tröml
Geschäftsführerin des
Sächsischen Literaturrats e. V.
Ich bin Frau Dr. Stange sehr, sehr dankbar für
diese Worte. Denn: Müssen wir immer trennen in
Kinder und Jugendliche? Geht denn Kulturelle
Bildung überhaupt ohne die Eltern? Geht sie
ohne Erwachsene? Geht sie ohne die Gemein-
schaft? Ich spreche hier bewusst von Gemein-
schaft und nicht von Gesellschaft, die für den
Einzelnen zu abstrakt und nicht greifbar ist. Ich
halte den Begriff Kulturelle Kinder- und Jugend-
bildung für schwierig. Ich habe so meine Prob-
leme, wenn es zu sehr auf den Einzelnen orientiert
ist. Wir haben im Moment zu viel Vereinzelung
und zu wenig Gemeinschaft. Wenn wir nur auf
den Einzelnen orientiert sind, ohne die Vernet-
zung zur Gruppe, dann passiert genau das, was
die Ministerin auf den Bildern gesehen hat.
Deshalb frage ich: Sollten wir uns immer nur auf
Kinder und Jugendliche orientieren oder sollten
wir nicht auch die nachfolgende und die vorhe-
rige Generation mit einschließen? Zum Zweiten
stellt sich für mich die Frage: Kulturelle Jugend-
bildung, muss sie jetzt, ich sage bewusst auch
jetzt, in einen Begriff gezwängt werden? Und in
fünf oder zehn Jahren gibt es dafür vielleicht
einen anderen? Wir haben früher einmal von Kul-
tur gesprochen. Es schmerzt mich sehr, dass die
Begriffe Kultur und Bildung getrennt werden.
Früher war in dem Begriff Kultur auch die Bil-
dung enthalten, ohne, dass man dafür zwei Be-
griffe bemühen musste. Insofern wird mit dem
Begriff Kulturelle Jugendbildung der Kultur auch
der Bildungsbegriff abgesprochen. Das halte ich
für fatal. Zumal sicher sehr viel Zeit in der Ver-
waltung dafür verwendet wird, solche Begriffe
wie Kultur-Scouts und TUSCH zu kreieren. Die
kennen viele zum Teil gar nicht. Die gehen auch
wieder verloren. Einen dritten Aspekt habe ich
noch: Meint diese Kulturelle Bildung, von der Sie
Dr. Sibille Tröml

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| 61
sprechen, nur Kunst und Kultur oder auch All-
tagskultur? Damit verbunden ist für mich auch
die Frage der Anerkennung und Achtung von
Kultur. Wenn in NRW 27,50 Euro gezahlt werden,
zeigt das leider auch, dass uns das nicht viel
wert ist. Und meine letzte Frage wäre: Muss
Kunst und Kultur immer innovativ sein? Darüber
wurde jetzt schon mehrfach gesprochen. Das
sind prinzipielle Fragen, auf die wir jetzt gar nicht
zu sprechen gekommen sind, weil wir uns zu
sehr an den Details verhakt haben.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Das war aber auch das Ziel unseres ersten Po-
diums gewesen, über Kulturelle Kinder- und Ju-
gend bildung und über das Verhältnis von Schule
und Kultureller Bildung zu sprechen. Gleichwohl
sind natürlich kritische Hinterfragungen wichtig
für die Gesamtdiskussion. Insofern weiß ich nicht,
ob wir jetzt so eine Generaldebatte noch aufma-
chen können.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Frau Tröml hat natürlich vollkommen recht. Ist
das Thema vielleicht zu eng gefasst worden bis-
her? Ja, weil wir uns bereits fokussiert haben auf
bestimmte Aspekte. Muss man das nicht weiter
fassen? Sie haben vollkommen recht, begriffli-
che Diskussionen in einem Prozess, in dem wir
politisch etwas bewegen wollen, kann man und
muss man führen. Man muss Kulturelle Bildung
auch definitorisch abgrenzen. Dann können wir
uns verständigen, was wir gemeinsam wollen.
Aber es grundsätzlich hinterfragen? Ist in Bil-
dung nicht Kultur schon drin oder sind es zwei
verschiedene Sachen? Es ist eine wirklich wich-
tige Diskussion. Sie führt uns im jetzigen Stadi-
um, wo wir einen Schritt weiter gehen wollen,
vielleicht ein bisschen weg.
Ich möchte noch etwas zu TUSCH sagen. Das ist
natürlich einer dieser Begriffe, auf die wir auch
verzichten könnten. Wollen wir jetzt Theater in
die Schule bringen oder Theater und Schule zu-
sammenbringen? Aber: Das braucht nun mal ei-
nen möglichst starken Begriff. Denn es ist leider
im politischen Raum nötig, für viele Dinge eine
Marke zu setzen. Wenn wir etwas erreichen
wollen, brauchen wir Geld dafür. Dann machen
wir ein Programm daraus und das heißt dann
eben TUSCH. Das ist manchmal ganz trivial, zu-
gegeben. Beim nächsten Mal ist es anders,
besser. Ich fand zum Beispiel den Begriff JEKI für
das Programm »Jedem Kind sein Instrument« ganz
gut. Auch, weil sich das so gut entwickelt hat.
Für alle heute angesprochenen Themen gilt aber:
Ihre Fragen und Anregungen gehen nicht verlo-
ren. Wir werden sicher nach dem heutigen Auf-
schlag mit weiteren Veranstaltungen, Workshops
Ulf Großmann

62 |
und Diskussionen das Thema Kulturelle Bildung
vertiefen, uns einzelnen Aspekten daraus sepa-
rat zuwenden, auch dem Thema Innovationen.
Das mag überflüssig klingen, ist aber bestimmten
Fördermechanismen geschuldet. Wenn staatli-
che Projektgelder auf der Grundlage einer Förder-
richtlinie vergeben werden, kann das nächste
Projekt immer nur gefördert werden, wenn es
nicht als Anschlussprojekt daherkommt, sondern
als etwas Neues. Das führt uns aber zum Nach-
denken darüber, ob wir nicht andere Mechanis-
men brauchen, um mehr Nachhaltigkeit in un-
sere Programme zu bekommen.
All Ihre Fragen sind angekommen und werden
ernst genommen. Wir müssen sie weiter disku-
tieren. Immer unter der Zielstellung: Wie können
wir Kulturelle Bildung wirklich und verstärkt im
Bewusstsein und im Handeln in Sachsen voran-
bringen? Das wird manchmal ganz allgemein und
manchmal sehr speziell werden, etwa, wenn es
ums Geld geht. Wir werden in den nächsten Jah-
ren nicht unbedingt mehr Geld haben. Ich gebe
Ihnen recht: 27 Euro für ein Honorar sind natür-
lich nicht viel, wenn man davon alles bestreiten
muss. Aber umso wichtiger ist es, dass alle Ak-
teure zunächst gemeinsam darüber nachdenken,
wie wir mit den zur Verfügung stehenden Mit-
teln am effektivsten und am besten umgehen
können. Dann haben Sie auch die nötigen Argu-
mente, um auf die Politik zuzugehen. Es sind ja
auch Abgeordnete aus dem Landtag heute hier.
Auch das sind Adressaten, denen Sie sagen kön-
nen: Wir brauchen für die Kulturelle Bildung
mehr Geld.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Ein schönes Abschluss-Statement unserer ers-
ten Diskussionsrunde, unseres ersten Aktes des
heutigen Spieles. Natürlich sind nicht alle As-
pekte besprochen und alle Fragen beantwortet.
Ich verweise auf eine bekannte Literatursendung,
an deren Ende ein berühmter Mann sagte: »Vor-
hang zu und alle Fragen offen?« Nicht ganz so
geht es uns. Wir haben viele Impulse bekommen
von unseren Gästen aus Hamburg, aus Berlin,
aus Nordrhein-Westfalen. Wir haben einen Über-
blick über die Lage der Kulturellen Bildung in
Sachsen erhalten. Wir haben diese unterschied-
lichen Ansätze verglichen, diskutiert und hinter-
fragt. Das war die Absicht der ersten Diskussion.
Wir werden im Anschluss die Möglichkeit haben,
konkreter auf die Erfordernisse einzugehen, die
beachtet werden müssen, um zu einem landes-
weiten Konzept für die Kulturelle Bildung zu
kommen.

image
| 63

image
Runder Tisch »Kulturelle Kinder- und Jugendbildung«
Podiumsdiskussion
»Vision 2025 – auf dem Weg zu einem landesweiten Konzept
Kultureller Kinder- und Jugendbildung in Sachsen«
Ulf Großmann
Prof. Dr. Daniel Haun
Felicitas Loewe
Nicole Aurich
Dr. Regina Smolnik
Uwe Gaul
Stephan Hoffmann
Britta Schulze
Torsten Tannenberg
Reinhard Riedel
Dr. Tatjana Frey
Prof. Dr. Arend Flemming
Dr. Sibille Tröml
Dr. Christine Range

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| 65
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Unser Thema lautet nun: »Vision 2025 – auf dem
Weg zu einem landesweiten Konzept Kultureller
Kinder- und Jugendbildung in Sachsen«. Wir ha-
ben bereits den Einwand gehört, ob wir uns nicht
zu sehr eingrenzen, wenn wir über Kinder- und
Jugendbildung reden? Sollten wir nicht lieber
über Kulturelle Bildung für alle reden? Gleich-
wohl reden wir jetzt über Kinder und Jugendli-
che, lassen uns aber auch nicht gänzlich darauf
einschränken. Es gibt viele aktuelle Anforderun-
gen, wie die Flüchtlingsproblematik, die wir hier
flankierend mit besprechen werden. Neue Ge-
sprächspartner werden sich jetzt mit einem Kurz-
Statement vorstellen, mit Ihnen diskutieren und
auf Ihre Fragen antworten. Als erstes steht Prof.
Dr. Daniel Haun auf unserem Plan. Er ist Profes-
sor für frühkindliche Entwicklung und Kultur an
der Universität Leipzig, Direktor des Leipziger
Forschungszentrums für frühkindliche Entwick-
lung und Experte für das menschliche Verhalten
im Art-und-Kultur-Vergleich.
Prof. Dr. Daniel Haun
Direktor des »Zentrums für die
Entwicklung in der frühen Kindheit«
an der Universität Leipzig
Ich habe natürlich zu einem gewissen Ausmaß
eine andere Perspektive auf die Frage der Kul-
turbildung. Ich verbringe sehr viel Zeit mit Kin-
dern in verschiedensten Kulturen. Also, von den
Jäger-Sammler-Kulturen Nordnamibias über In-
donesien bis in die verschiedensten Bereiche
Sachsens und würde einfach mal versuchen, zwei
Punkte zu nennen, die für mich wichtig sind. Ob
sie es für Sie sind, müssen wir dann sehen. Mein
erster Punkt: Kinder kommen in unsere Gemein-
schaft als Neulinge, was die kulturellen Gepflo-
genheiten und kulturellen Gegebenheiten unse-
rer Gemeinschaft angeht. Zudem haben sie das
ganz große Bedürfnis, sich in diese Gemeinschaft
einzubringen und an dieser produktiv und er-
folgreich teilzunehmen. Das heißt, es gibt ein
Be dürfnis, Kultur zu erwerben auf Seiten der
Kinder. Das heißt, Kinder lernen Kultur nicht nur
dann, wenn wir versuchen, sie ihnen beizubrin-
gen, sondern immer, auch zwischen den Zeilen.
Kinder halten sich nicht an die Unterscheidung
und Definition, die wir machen, was Kultur ist und
was nicht. Sie saugen alles auf, was ihnen an-
geboten wird. Und ganz viel davon, wie gerade
schon gesagt, passiert zwischen den Zeilen. Kin-
der versuchen, ein Weltbild, eine Perspektive, eine
Lebensstruktur für sich zu erwerben, die ganz
viel vermittelt wird auch in den Dingen, die nicht
explizit gelehrt werden. Kulturelles Lernen pas-
siert also ständig. Wir müssen die Fragen beant-
worten: Womit will man diese Zeit füllen? Wel-
che Dinge bietet man Kindern an im Vergleich
zu dem Angebot, das besteht, wenn wir es nicht
tun? Das ist mein erster Punkt. Unsere Aufgabe
Prof. Dr. Daniel Haun

image
66 |
als Gemeinschaft besteht darin, eine Gemein-
schaft zu schaffen, in der Kultur einen gewissen
Stellenwert hat. Denn dieser Wert vermittelt
sich zwischen den Zeilen.
Mein zweiter Punkt, den ich gerne setzen wür-
de, ist die kulturelle Vielfalt als Ressource. Das
Verständnis über die eigene Kultur ist dann am
tiefsten, wenn man um eine Alternative berei-
chert wird, wenn man mit jemandem in Kontakt
stehen darf, der eine andere Kultur in sich trägt.
Die Erkenntnisse, die sich dann über die eigene
Kultur erschließen und zuvor vielleicht nicht so
bewusst waren, sind besonders bereichernd.
Diese Chance bietet sich jetzt endlich mal im
großen Stil und zwar direkt vor unserer Haus-
tür. Diese Chance gilt es, in einem Konzept für
Kulturelle Bildung unbedingt zu nutzen. Durch
diesen Ge nuss des interkulturellen Kontaktes
lässt sich kulturelle Kompetenz aufbauen. Und
damit meine ich natürlich auch interkulturelle
Kompetenz. Das ist ein Anspruch, der in der Kul-
turellen Bildung mit zu verankern ist.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung des Freistaates
Sachsen
Herzlichen Dank. Wir hören jetzt Frau Felicitas
Loewe, die Intendantin des Theaters »Junge Ge-
neration tjg« in Dresden. Das Theater hat in seinem
Auftrag natürlich Kulturvermittlung ganz oben
stehen. Sie haben das als Auftrag, aber auch als
Selbstverpflichtung aufgenommen.
Felicitas Loewe
Mitglied des Sächsischen Kultursenats,
Intendantin, theater junge generation, Dresden
Ich bin sehr dankbar für die Rede von Prof. Haun.
Ich frage mich, wie ermächtigen wir Kinder und
Jugendliche eigentlich – sie dürfen ja, und können
heute leider auch nicht hier sein – gleichberech-
tigt an dieser Debatte teilzunehmen. Ich appel-
liere daran, die Kinder ernst zu nehmen: nicht nur
als Zielgruppe, sondern als gleichberechtigte
Akteure. Wie oft höre ich: Das sind die Zuschau-
er von morgen. Ich frage mich dann immer: Was
machen die Kinder und Jugendlichen denn ei-
gentlich heute? Insofern bin ich Herrn Prof. Haun
sehr verbunden. Ich möchte gerne nochmal be-
stärken, das Thema auf Augenhöhe mit den Kin-
dern und Jugendlichen zu besprechen. Und es
steht die Frage: Wie müssen sich Kultur- und
Kunsteinrichtungen verändern? Es nützt nichts,
immer auf der Jugend rumzuhacken. Sie ist, wie
sie ist und ich bin es leid, immer als Verfechter
aufzutreten und zu mahnen: Ihr müsst euch än-
dern und nicht die Heranwachsenden müssen
sich ändern!
Tatsächlich ist es in Sachsen ein Problem, ob und
wie sich Kunst- und Kultureinrichtungen den
Kindern zuwenden. Im Kinder- und Jugendthe-
Felicitas Loewe

image
| 67
ater ist Vermittlung im Kunstprozess festge-
schrieben. Das ist richtig und wichtig. Kunst wird
aber nicht nur in den Institutionen gemacht.
Das tut auch die freie Szene. Die ist in Sachsen
leider sehr schwach und unterentwickelt. Wenn
ich mal aus der Schule plaudern darf – ich sitze
ja auch im Fachbeirat der Sächsischen Kultur-
stiftung: Von 120 Anträgen im Bereich Darstel-
lende Kunst ist nicht ein einziger im Kinder- und
Jugendtheaterbereich dabei gewesen. Da besteht
akuter Handlungsbedarf. Es gibt ein riesiges
Interesse von Schulen, mit Künstlern und Thea-
terpädagogen zusammenzuarbeiten. Das liegt
meines Erachtens an einer Unschärfe zwischen
Förderung, Qualifizierung und der Bereitschaft,
sich zu verändern, zu vernetzen. Es gibt zum
Glück die Koordinierungsstelle Schule – Theater
KOST. Liebe Frau Aurich, berichten Sie bitte aus
der Praxis. Mit KOST haben wir ein Instrumen-
tarium erstellt, das sich genau dieser Verbindung
von Kunst und Bildungsinstitution widmet und
dabei lebensnah sowie noch ausbaufähig ist.
Nicole Aurich
Projektleiterin »KOST –
Kooperation Schule und Theater in Sachsen«
theater junge generation, Dresden
Ich möchte beginnen mit dem gestrigen Treffen
der sächsischen Theaterpädagogen. Wir haben
einmal in die Runde gefragt: Was sollen wir an
den Runden Tisch zur Kulturellen Bildung mit-
nehmen? Die Antwort war klar: Es muss eine Auf-
nahme bzw. Erweiterung um die Sparte The ater,
aber generell der Kulturellen Bildung in die Lehr-
pläne geben. Es kann nicht sein, dass Lehrer
oder Schulleiter sich dafür Zeit erkämpfen müs-
sen. Kulturelle Bildung sollte selbstverständli cher
Bestandteil von Schule sein und es müssen die
Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden.
Auch die Theaterpädagogen sehen es natürlich
als Aufgabe an, mit Schulen in Kontakt zu sein.
Aber nicht nur, weil das die potenziellen Zuschau-
er sind. Nein, sie halten diese Arbeit für wertvoll
und sie sehen, dass es ohne diese Zusammen-
arbeit nicht geht. Die Theater und die einzelnen
Theaterpädagogen wollen diese Zusammenarbeit.
Aber sie stoßen an Grenzen. Das liegt daran,
dass es in vielen Schulen dafür keinen Nerv gibt
bzw. die Lehrer und Lehrerinnen keinen Rückhalt
im Rahmen der personellen und strukturellen
Be dingungen der Schule haben. Für die Theater-
pädagogen – gerade im ländlichen Raum – ist
es auch eine Frage der Zeit, weil die Theaterpä-
dagogin gleichzeitig noch Regieassistentin oder
Souffleuse ist. Trotzdem versuchen sich die The-
aterpäda gogen auf die Verhältnisse einzustellen.
Es braucht eine verbindliche Verankerung in den
Fortbildungskatalogen und in der Lehrerausbil-
dung. In welcher Form auch immer, ob das eige-
ne Studiengänge, Ergänzungsstudiengänge sind,
es muss verpflichtender Bestandteil werden, ei -
gentlich auch für den Mathematik-, Physik- und
Chemielehrer. Denn wenn wir da mit der Trennung
anfangen, dann widersprechen wir uns selbst,
dass Kulturelle Bildung auch eine lebens lange
Nicole Aurich

image
68 |
Bildung ist. Nochmal kurz zu KOST, wir or ga ni-
sieren das Schülertheatertreffen Sachsen, hat-
ten dieses Jahr das Bundesfestival »Schul thea-
ter der Länder« hier. Das Interesse der Schulen an
Theater ist riesengroß. Wir hatten 53 Schulen,
die sich für eine Kooperation mit Theaterkünst-
lern beworben haben. Wir fördern, dank des
Kunstministeriums und des Kultusministeriums
sechs Kooperationen im Moment.
Man kann solche Kooperationen nicht einfach
mal so schnell aus dem Boden stampfen. Wir
brauchen ein gutes Netzwerk an Künstlern. Das
müssen wir aufbauen und wir müssen wissen,
welche Qualität sie mitbringen. Wir brauchen Wei-
terbildung und wir brauchen Kontinuität, damit
sich die Kooperationspartner Schule, Theater,
Museum und Orchester permanent treffen und
austauschen können. Es ist also nicht damit
ge tan, dass ein Künstler nur in die Schule fährt.
Ein weiteres Problem ist für mich die Logistik.
Das Theater Plauen-Zwickau fordert Busse für
die Fahrten ins Theater. Es stößt an Grenzen:
Die Lehrer wollen die Theatertickets bezahlen,
aber die Busfahrt kostet zehn Euro für das Kind.
Das geht ja allen anderen Institutionen so, ob
das jetzt Museen oder Orchester sind. Da, von
der Seite, muss also etwas getan werden.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Ich darf nun überleiten zu Dr. Regina Smolnik,
der Landesarchäologin und Geschäfts führerin des
Landesamtes für Archäologie Sach sen in Dres-
den. Archäologie und Kulturelle Bildung, da fragt
man sich zunächst: Wo setzt man da eigentlich
an? Ich weiß natürlich, dass das »PEGASUS Pro-
gramm« ganz maßgeblich dahinter steht.
Dr. Regina Smolnik
Landesarchäologin,
Geschäftsführerin des Landesamtes
für Archäologie
Ja, Archäologie beschäftigt sich mit Kulturen
und Kultur. Kultur ist in unserem Begriff etwas
völlig anderes als das, worüber Sie bisher disku-
tiert haben. Wir reden von Kulturen, von Kultur,
von Kulturlandschaft, von Kulturerbe, von Sach-
kultur und das betrifft nicht nur die Archäolo-
gie. Das betrifft eine Vielzahl von Wissenschaften,
die ihre diversen Museen und ihre Kundschaft
haben. Sie müssten alle in den Kanon der Kultu-
rellen Bildung mit aufgenommen zu werden. Wir
können die Geschichte und mit der Geschichte
auch die Archäologie nicht aus der Kulturellen
Bildung ausklammern und sagen, wir kümmern
uns nur um Tanz, Musik und die schönen Künste.
Wir müssen uns auch um das wirkliche Kultur-
erbe kümmern, das sich in Sachkultur nieder-
schlägt und aus dem wir eine Menge lernen
kön nen. Archäologie und Geschichte bieten ein
Identifikationsmodell an, eines von vielen. Jeder
von uns sucht sich seine Identifikatoren in der
Gesellschaft. Die Geschichte und die Archäolo-
Dr. Regina Smolnik

image
| 69
gie sind etwas ganz wichtiges, um sich mit sei-
ner Umgebung zu identifizieren; um sich mit
seiner unmittelbaren Landschaft zu identifizie-
ren; um Fragen an die Kulturlandschaft zu stel-
len. Wir dürfen uns nichts vormachen, wenn Sie
aus dem Haus gehen, haben Sie Kulturlandschaft
und keine Natur vor sich. Wie sie entstanden ist,
was es damit auf sich hat, was davon bewah-
renswert ist, welcher Kultur zuordenbar ist, das
alles muss gelernt werden. Wir versuchen, das
zu vermitteln. Ich halte das für ganz wichtig und
auch für eine ganz große Chance, wenn wir jetzt
auch neue Mitbürger in unserer Mitte aufnehmen.
Mein Lieblingsbeispiel ist immer, dass vor 7500
Jahren die Neolithiker zu uns gekommen sind
mit dem sogenannten neolithischen Paket. Alles
war fertig, die Tiere waren gezüchtet, das Ge-
treide war gezüchtet, die landwirtschaftlichen
Techniken waren da. Und sie sind aufgebrochen
und haben fast den gleichen Weg genommen wie
heute die Flüchtlinge und haben es innerhalb von
500 Jahren bis ins Pariser Becken geschafft und
uns die erste große bäuerliche Kultur gebracht,
die erste große gemeinsame europäische Kultur.
Wahrscheinlich können sich etwa drei Viertel
der hier Anwesenden als Nachfahren dieser Band-
keramiker aus Vorderasien betrachten. Es sind
nicht unbedingt nur die Fremden, die kommen,
sondern es sind unsere Cousins und das möch-
ten wir auch vermitteln.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Als nächsten bitte ich Staatssekretär Uwe Gaul
um seinen Beitrag. Die »Vision 2025« stellt Ihr
Haus vor eine große Aufgabe, vor allem vor einen
kommunikativen Prozess, der zu organisieren ist.
Uwe Gaul
Staatssekretär im Sächsischen
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Bis 2025 zu denken, ist unheimlich schwer. Wenn
man aktuell die Entwicklungen, mit denen wir
täglich konfrontiert werden, betrachtet, dann
fällt es doppelt schwer. Ich bin eher pragmatisch.
Für uns gilt der Koalitionsvertrag. Kindern und
Jugendlichen wollen wir einen frühzeitigen und
einfachen Zugang zu Kunst und Kultur ermög-
lichen. Möglichst allen. Natürlich ist ein Konzept
der Kulturellen Bildung bis 2025, was wir als Per-
spektive entwickeln wollen, umfassender. Aber
wenn ich über möglichst alle und den Zugang
von möglichst allen nachdenke, komme ich an
einem großen Baustein nicht vorbei und das ist
für mich die Schule. Natürlich stimmt es: Kinder
lernen immer. Aber, sie lernen nicht gleich, weil
die Teilhabemöglichkeiten unterschiedlich sind.
Deshalb ist für mich der Gerechtigkeitsaspekt
eine ganz entscheidende Grundlage dieser kon-
zeptionellen Überlegung.
Sachsen ist ein Land mit einer kulturellen Viel-
falt, die wirklich mehr als beachtlich ist. Die Kul-
tur ist tief in der Bevölkerung verankert. Dafür
Uwe Gaul

70 |
wird dieses Land zu Recht beneidet. Das ist auch
eine tolle Chance, eine Ressource, die von der
Vielfalt der Vertreter hier am Tisch auch abge-
bildet wird. Nun kommt es darauf an, diesen
Schatz auch zu heben. Deswegen ist die Zusam-
menführung der Akteure in ein gemeinsames
Format einer der wesentlichen Schritte. Deswe-
gen begrüße ich es, dass die Kulturkollegen aus
dem Kultusministerium auch dabei sind, denn wir
brauchen sie als Partner, genau wie die Kollegen
aus dem Jugendbereich. Ich würde mir wünschen,
dass wir ein Konzept schaffen, was von der Wie-
ge bis zu Bahre reicht und alle Bereiche mit-
nimmt, den ganzen Fächer der Kulturellen Bil-
dung. Aber wir müssen auch pragmatisch sehen,
was sich wie realisieren lässt. Das betrifft die
Schule, die Jugendhilfe wie auch die Kulturträ-
ger. Wir brauchen einen Interessenausgleich,
damit alle Träger der Kulturellen Bildung mit ein-
bezogen werden. Das erfordert eine gute Orga-
nisation. Das erfordert auch das nötige Geld. Wir
müssen sehen, dass es gleichberechtigt und
vielfältig Angebote in den Städten und auf dem
Land gibt. Immer unter der Maßgabe, dass kultu-
relle Teilhabe für alle möglich sein muss. Das
sind so einige Bausteine, über die wir nachdenken
sollten. Ich wäre sehr froh, wenn wir neben den
vielfältigen Diskussionen auch zu einem Verfah-
ren kommen, das uns pragmatisch der Zukunft
2025 näherbringen kann.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Ja, Herr Staatssekretär, Sie haben die Diskussion
wieder auf den Kern zurückgeführt, nämlich auf
die Fragestellung: Langfristiges Konzept – wie
bekommen wir das hin? Was machen wir damit?
Wie fassen wir das an? Was müssen wir gleich
machen? Und was ist wirklich visionär? Dann
steigen wir jetzt in die Diskussion ein. Die Teil-
nehmer sind vielfältig, von der Wissenschaft an-
gefangen bis zu den Praktikern und eben auch
aus der Archäologie. Die reiche Kulturlandschaft
ist gut repräsentiert mit Vertretern von Theatern,
Bibliotheken, Verbänden, Institutionen, Kommu-
nen und auch der Kulturpolitik.
Stephan Hoffmann
Referent Kulturelle Bildung im Amt
für Kultur und Denkmalschutz Stadt Dresden
Beim Thema Herausforderungen muss dringend
die Bildungsgerechtigkeit mit angesprochen wer-
den. Wir wollen ja immer alle ansprechen. Das
Jugendkulturbarometer 2012 sagt uns allerdings,
dass zwischen 2004 und 2012 der Anteil der
wenig bis überhaupt nicht kulturinteressierten
jungen Menschen unter den 14- bis 24-Jährigen
mit niedriger Schulbildung um 16 Prozent gestie-
gen ist, während wir Anstrengungen zur Entwick-
lung der Kulturellen Bildung unternommen ha-
ben. Das halte ich für äußerst bedenklich und
wirklich für eine der wichtigsten Herausforde-
rungen, der wir uns stellen müssen. Die Zahl
der jenigen ist gestiegen, die sagen »das interes-
siert mich nicht«. Das ist auch der Grund, war-
um die Schule so wichtig ist. In der Schule sind
alle, über die Schule sind alle erreichbar. Und das
ist dann wahrscheinlich der Grund, warum die
Referenten heute Morgen über Schulentwicklung
gesprochen haben.
Natürlich haben wir über Kulturelle Bildung im
Allgemeinen gesprochen, aber im engeren Sinne
haben wir doch drei Vorträge gehört über Schul-
entwicklung. Meine Perspektive ist aber nicht
primär die Schule, sondern die Kommune. Aus der
Perspektive war für mich der Beitrag aus Nord-

image
| 71
rhein-Westfalen am erhellendsten, weil da die
strukturelle Analogie zu Sachsen am leichtes-
ten zu greifen ist. Das Verhältnis zwischen den
Bezirken und dem Stadtstaat ist ein deutlich
anderes als das zwischen den Kommunen und
dem Flächenstaat. Ich habe in dem Vortrag er-
fahren, wie das Land NRW konzeptionell und
strukturell zusammengedachte Anreize für die
Kommunen setzt. Das wären in unserem Fall die
Kulturräume. Damit schafft NRW eine Entwick-
lung der Kulturellen Bildung. So etwas brauchen
wir auch.
Diese Struktur können wir uns abschauen, weil
wir dann auch in Sachsen aus dieser unguten
Diskussion herauskommen, in der das Subsidia-
ritätsprinzip dem Bedürfnis der Lenkung und
Steuerung in Bezug auf Kulturentwicklung und
Kulturelle Bildung entgegengestellt wird. Der
Freistaat und die Kulturräume müssten abge-
stimmt Anreize setzte, auch Mittel zur Verfügung
stellen. Sie sollten aber eben nicht nur Geld
geben, sondern auch wirklich konzeptionell ge-
dachte Anreize setzen, wo sich Kommunen ent-
wickeln können, wo sich Kulturräume entwickeln
können. Was heute in der Präsentation aus Ber-
lin wieder angeklungen ist und was man sich
bei allen Unterschieden näher anschauen sollte,
sind die verschiedenen Förderungen, die auf
bezirklicher Ebene und auf Landesebene inein-
andergreifen. Es lohnt sich wirklich sehr, sich das
anzusehen und zu prüfen, wie man das im Be-
zug auf Kulturräume und den Flächenstaat für
uns denken kann.
Britta Schulze
Künstlerin in Leipzig
Mein Name ist Britta Schulze. Ich bin freischaf-
fende Künstlerin in Leipzig und vertrete hier den
Landesverband Bildende Kunst Sachsen e. V. Der
Verband ist aufgegliedert in Regionalverbände,
die die Interessen der bildenden Künstler in Sa-
chsen vertreten. Diese Künstler sind meist frei-
schaffend tätig und in keinen so festen Struk-
turen wie denen eines Angestellten verankert.
In der Kulturellen Bildung sind sie oft Einzelkäm-
pfer und das direkt vor Ort in und außerhalb von
Schule. Dieses »Einzelkämpfen« hat für mich jetzt
noch einmal eine Frage aufgeworfen. Ich danke
dem Beitrag von Frau Loewe, der mir aus dem
Herzen gesprochen hat. Ich finde es schade, dass
wir durch unsere eigenen Strukturen sehr über
diesen elitären Anspruch von oben nach unten
denken. Es ist auch schade, dass wir weniger
wirklich die Jugendlichen und die Kinder fragen,
deren Lebenswelten und Kommunikationsstruk-
turen sich unglaublich schnell verändern.
Durch die Erfahrung von Projekten in der Eisen-
bahnstraße in Leipzig mit Jugendlichen mit Mi-
grationshintergrund weiß ich, wie Sprache und
Kommunikationsformen sich innerhalb von ei-
nem Jahr verändern. Ich bin seit vier Jahren im
offenen Freizeittreff »Rabet« unterwegs, biete
da Projekte an, habe auch das Projekt »Fliegen-
des Atelier« mit organisiert und stelle fest, dass
bildende Künstler die Zwischeninstanz zwischen
Britta Schulze

image
72 |
Kindern und Jugendlichen, sowie den Instituti-
onen sein können. Sie können Informationen von
Jugendlichen tragen – wie sie leben, wie sie spre-
chen, wie sie kommunizieren – weil freischaf-
fende Künstler nicht in festen Strukturen ver-
ankert sind und oftmals eine andere praktisch
orientierte Denkweise haben. Sie kommen durch
den künstlerischen Prozess direkt an die Jugend-
lichen heran.
Ich bitte wirklich darum, dass Projekte nicht nur
über Schule gedacht werden. Es gibt viele offe-
ne Möglichkeiten, wo Jugendliche sich treffen
können. Wir müssen sie da mehr zu Wort kom-
men lassen. Für mich ist Verortung ganz wichtig
und auch die Lebensweisen der Jugendlichen,
wie zum Beispiel die Kommunikation von ihnen
im medialen Bereich. Dort sind sie in der Verän-
derung unglaublich schnell. Ich kann verstehen,
dass es wichtig ist, wieder Ruhe in das Denken
zu bringen. Aber die Jugendlichen agieren nicht
so. Ich nutze z. B. erst seit einem Jahr Facebook,
um für Jugendliche erreichbar zu sein. Facebook
ist aber für viele Jugendliche in gewissen Formen
miteinander zu kommunizieren nicht mehr »in«.
Das sind nur noch bestimmte Kreise von ihnen,
die sich mit Facebook beschäftigen, zum Beispiel
junge Migranten. Wir müssen uns auch einge-
stehen, dass wir über unsere Denkweisen oft
nicht mehr die Denkweisen der Jugendlichen
er reichen. Deshalb finde ich unkonventionelle
Struk turen viel wichtiger.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Herr Prof. Haun, gibt es durch Ihre Kulturver-
gleiche Erkenntnisse, die man mit auf den Weg
nehmen könnte?
Prof. Dr. Daniel Haun
Direktor des »Zentrums für die
Entwicklung in der frühen Kindheit«
an der Universität Leipzig
Ich kann Ihnen die Erfahrung anbieten, dass
andere Kulturen, in denen ich mich bewege, sich
noch in wesentlich schnelleren, wesentlich stär-
keren Veränderungsprozessen befinden. Die wer-
den oft durch krassere Umweltveränderungen
her vorgerufen. Wenn ich an die Jäger und Samm-
ler in Namibia denke, die von der völligen Ab-
wesenheit von Besitz bis zum ersten Zaun gekom-
men sind in den letzten zehn Jahren. Da sind
dann natürlich Veränderungsprozesse, die we-
sentlich rapider laufen.
Ulf Großmann

| 73
Es wiederholt sich aber, dass immer in der Ge-
neration, die in einem anderen kulturellen Kon-
text aufgewachsen ist, als der, der sich jetzt
dar stellt, sich dieses Gefühl von kulturellem Ver-
lust nicht so ganz abschütteln lässt. Viele von
uns sind sich bewusst, dass Kultur nicht verloren
geht, dass sich Kultur aber verändert. Bestimm-
te kulturelle Werte und bestimmte Anteile an der
Kultur gehen verloren. Kultur als Konzept ist
einfach in einem ständigen Veränderungsprozess.
Trotzdem trennt man sich sehr schwer von die-
sem Verlustgefühl und dieser Schwierigkeit, mit
Veränderung umzugehen. Daher kann es beim
Erarbeiten von Konzepten, nur von Vorteil sein,
die Stimmen mit aufzunehmen, die den Prozess
hinter sich haben, den wir wahrscheinlich nicht
mehr vollziehen können.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Eine kleine Ergänzung oder vielleicht auch ein
Widerspruch: Ich war mit meiner Frau dieses Jahr
zu einem medizinischen Hilfsprojekt im Norden
Namibias unterwegs. Dort ist uns aufgefallen,
dass jeder Einheimische, der zu diesen mobilen
Kliniken gekommen ist, ein Handy hatte. Nicht
nur die Jungen, vor allem auch die Alten, auch die
Himba-Frauen, die von ihren Männern zur Schau
gestellt werden, um fotografiert zu werden. Die
können ihr Handy nicht in die Brusttasche ste-
cken, weil sie sich nackt mit ihrer wunderbaren
traditionellen Haartracht und Körperbemalung
präsentieren. Sie haben aber in einem kleinen
Ledertäschchen ihr Handy stecken. Jeder ist dort
vernetzt. Das heißt, das von uns hier diskutierte
Tempo hat längst auch den Norden Namibias
erreicht.
Prof. Dr. Daniel Haun
Direktor des »Zentrums für die
Entwicklung in der frühen Kindheit«
an der Universität Leipzig
Die jüngere Genration dort vor Ort spürt ein sehr
klares Bedürfnis, auf die sie umgebende, in ho-
hem Ausmaß noch fremde Kultur zuzugehen –
und dies auch mit einer höchstmöglichen Ge-
schwindigkeit zu tun. Die älteren Generationen
dagegen versuchen, irgendwie einen Gegenpol
herzustellen. So krass ist die Situation hier nicht.
Ich versuche nur zu sagen, dass sich dort ähn-
liche Situationen abbilden. Die Generation, die
die Möglichkeit hat, Konzepte zu schaffen, Än-
derungen hervorzurufen, ist oft eben nur ein
Teil der Gesellschaft, die es dann betreffen soll.
Ich kann es folglich nur befürworten, die un-
mittelbar betroffene Generation mit einzubin-
den.
Torsten Tannenberg
Sprecher der
IG Landeskulturverbände Sachsen,
Geschäftsführer des
Sächsischen Musikrates Sachsen e. V.
Ich stimme zu, dass Schule mit dabei sein muss.
Und ich würde gern noch ergänzen, dass wir
natürlich die Kommunen mit am Tisch haben
müssen, die letztendlich die Bedingungen für die
Arbeit vor Ort bieten oder eben auch nicht und
für die kulturellen Angebote vor Ort die Haupt-
verantwortung tragen.

image
74 |
Reinhard Riedel
Koordinator Kulturelle Bildung
im Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen
Mir wäre wichtig, dass wir uns auch darüber
verständigen, ob der Erlebnisraum Schule sich
mit den aktuellen Bedingungen und Eigenheiten,
mit denen er behaftet ist, sich in dieser Form
gut für Kulturelle Bildung eignet. Oder ob es für
das Erleben Kultureller Bildung einfach noch an-
dere Kriterien braucht. Nach meinem Empfinden
ist Schule ganz stark geprägt von Wissensver-
mittlung nach einem starken Leistungsziel. Und
das ist nicht unbedingt in allen Details förderlich
für das Erleben kultureller Zusammenhänge. Da-
für müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein.
So ist es ganz wichtig, dass Heranwachsende
auch die Orte von Kunst und Kultur kennenlernen.
Aber nicht nur, um zu erfahren, was dort pas-
siert, sondern auch, um die Atmosphäre zu er-
leben, die dort herrscht.
Ich bin sehr skeptisch, ob unsere Anteile, die wir
gerne durch Kulturelle Bildung in die Schulen
tragen wollen, immer dort in diesem Kontext so
gut wirken können, wie es nötig wäre. An den
Schulen steht einfach alles im Kontext der Wis-
sensvermittlung und des Leistungsgedankens.
Also müssen wir uns überlegen, wie können He-
ranwachsende auch das wahrnehmen, das unter
anderen Kriterien gedeiht. Wenn es mal nicht
darum geht, der Erste mit dem besten Ergebnis
zu sein, wie das in allen sonstigen Fächern ist.
Nein, in der Kulturellen Bildung können sich Schü-
ler auch Zeit nehmen. Das müssen sie auch ge-
nießen können. Für unsere auf Leistung ge-
trimmten Kinder und Jugendlichen ist das doch
ein Prozess, der einer Grenzerfahrungen nahe
kommt.
Das sind alles Dinge, die nach den Regeln der
herkömmlichen Schule nicht regulierbar und
mess
bar sind. Ich plädiere dafür, beim Thema
Kulturelle Bildung wirklich dranzubleiben. Man
muss ganz genau schauen, wo wirklich etwas
entstehen kann und wo es ein beliebiges The-
menfeld ist, was mal angesprochen wird. Wo
man mal eine schöne Übung methodisch macht.
Das dann aber wieder vorbei und abgehakt ist.
Ich denke, das Erleben Kultureller Bildung braucht
etwas Sinnliches, es muss die Kinder und Ju-
gendlichen ergreifen und ihnen eine Erfahrung
ermöglichen. Das ist in dem Kontext, wie ihn
Schule im Moment bietet, nicht so gut möglich.
Ich will das gar nicht geringschätzen oder be-
werten. Aber ich denke, es braucht für eine er-
folgreiche Vermittlung von Kultureller Bildung
einfach andere Bedingungen.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Da stecken ja zwei Dinge drin. Die Frage nach
Lernorten. Dem Museum, dem Theater als alter-
nativer Lernort, der auch ein emotionales Erle-
ben zulässt. Und die Fragestellung nach der
Schnittmenge zwischen Schule und Kultur. Gibt
Reinhard Riedel

image
| 75
es überhaupt gemeinsame Schnittmengen? Wo
gibt es die bei der Rhythmisierung der Abläufe
zwischen Schule und Kultur? Wie lassen sich
Tagesstruktur und Jahresstruktur von Schule und
Kultureller Bildung, die ja ziemlich arhythmisch
verlaufen, synchronisieren?
Dr. Tatjana Frey
Referatsleiterin im Sächsischen
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Eltern und
die Familie. Denn zuallererst sind es die Eltern,
die Bildungs- und Erlebnisräume für ihre Kinder
schaffen. Möglicherweise sind sie aber nicht
mehr selbst in der Lage, Kulturinstitutionen zu
betreten, diese Schwelle zu überschreiten, weil
es einfach nicht zu ihrem Leben gehört. Prof.
Haun sagte, die Kinder lernen immer. Es ist nur
die Frage, was man ihnen anbietet. Sie nehmen
das alles auf. Sie nehmen auch das auf, was
Eltern aus bildungsfernen Schichten ihnen nicht
anbieten. Stellt sich da nicht die Frage, wie wir
die Eltern mit einbeziehen können, um sie auch
ein wenig zu beschulen oder zu bilden, wenn
wir so ein Konzept erstellen?
Uwe Gaul
Staatssekretär im Sächsischen
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Partner für Kulturelle Bildung muss nicht unbe-
dingt Schule als Ort sein. Es gibt auch außer-
schulische Lernorte. Das sollte man mit beden-
ken. Aber: Kulturelle Bildung ist für mich nichts,
was sich nur über Projekte definiert. Es muss
darum gehen, ein systematisch, strukturell und
langfristig verankertes Konzept zu entwickeln, bei
dem Projekte durchaus Bausteine sein können.
Dr. Regina Smolnik
Landesarchäologin,
Geschäftsführerin des Landesamtes
für Archäologie
Vielleicht zwei Dinge, was außerschulische Ler-
norte anbelangt. Die Museen sind als klassische
außerschulische Lernorte ja sehr beliebt. Wir
spüren das auch im Staatlichen Museum für Ar-
chäologie in Chemnitz mit seinem umfangrei-
chen museumspädagogischen Programm. Glei-
ches gilt für das »PEGASUS Projekt«, das vom
Kultusministerium initiiert und betreut wird. Es
trägt den Untertitel »Schulen adoptieren Denk-
male«. Aber wie kommen sie zu den Denkmalen?
Das passiert nur, wenn die Schulen aktiv werden,
die in ihrer unmittelbaren Umgebung ein Denk-
mal haben, was sie betreuen können. Das ist
aber auch eine Frage der Zeit.
Wie kriegt man Schulen, Schüler und Lehrer er-
tüchtigt, sich überhaupt diese Zeit zu nehmen,
um Kulturelle Bildung an außerschulischen
Lernorten wahrnehmen zu können? Ich bin mir
nicht sicher, ob sich wirklich viele Schulen diese
Zeit nehmen wollen. Denn gerade im ländlichen
Raum müssen dafür oft weite Wege gegangen
werden.
Dr. Tatjana Frey

image
76 |
Felicitas Loewe
Mitglied des Sächsischen Kultursenats,
Intendantin, theater junge generation, Dresden
Ich möchte noch einmal auf den intergenerati-
ven Aspekt von Kultureller Bildung zurückkom-
men. Wir bieten seit nunmehr fast neun Jahren
im tjg. theater junge generation Theater für die
Allerkleinsten an. Tatsächlich habe ich die Erfah-
rung gemacht, dass die Kulturtechniken von den
Zweijährigen ganz schnell beherrscht werden,
dass sie nicht lange brauchen, um Verabredun-
gen zu treffen. Aber die Eltern (er)kennen die
Codes nicht. Das ist wirklich eine Umkehrung
der Verhältnisse: Mit dem Zweijährigen kommt
man ganz schnell in Kommunikation und die
Eltern stehen da und wissen eigentlich überhaupt
nicht, um es mal etwas umgangssprachlich zu
sagen, wie sie sich benehmen sollen. Sie haben
keinerlei Erfahrungen.
Unser Theater wendet sich, das meine ich nicht
im wortwörtlichen Sinne, tatsächlich von der
Schule ab. Denn mit den Schulen läuft das ver-
hältnismäßig gut. Wir verkaufen ja über zwei
Drittel unserer Karten über ein Schulanrecht. Wo
wir aber wirklich im Moment viel zu tun haben,
das ist der intergenerative Teil. Es geht darum,
die Kommunikation in der Familie zu organisieren
und zu strukturieren, gemeinsame Erlebnisse zu
schaffen, zu akzeptieren, dass Kunst und Kultur
für Kinder auch Ausgangspunkt für ein gemein-
sames Erleben sein können. Es sollte ja nicht
heißen: »Ins Theater geht mal schön mit der
Schule. Mit uns geht ihr dann woanders hin.«
Da ist wirklich viel zu tun. Unsere Gemeinschaft
hat Kulturtechniken verlernt.
Dr. Sibille Tröml
Geschäftsführerin des
Sächsischen Literaturrats e. V.
Ich würde da gern einhaken wollen. Ich frage
mich auch, müssen wir die Eltern überzeugen,
dass sie mit ihrem Kind dann dort hineingehen?
Oder würde es nicht reichen, wenn wir bei den
Eltern soweit kommen, dass sie sagen, es ist
schön, dass du dich künstlerisch und kulturell
beteiligst? Meine Eltern sind mit mir nie ins
Theater gegangen, haben nie ein Konzert mit
mir besucht. Ich habe aber trotzdem ein kultur-
volles Elternhaus. Meine Eltern gehörten nicht
zur sogenannten bildungsfernen Schicht. Sie wa-
ren Arbeiter, aber sie hatten eine Offenheit und
den Wunsch, dass das Kind sich weiterentwickelt.
Sie hatten nicht die Feindschaft zu Kunst und
Kultur, die wir oft bemerken.
Ein Beispiel: Ein Autor hat in einer Schule in
einer sehr sozialschwachen Region in Leipzig
Schreibkurse angeboten. Die größten Feinde wa-
ren die Eltern, weil sie Angst hatten, dass die
ihre Kinder sich weiterentwickeln über die Köp-
fe der Eltern hinweg. Dann könnten die Kinder
ihnen vielleicht mal etwas sagen, was ihnen nicht
gefällt. Mich würde interessieren, wie Herr Prof.
Haun dieses Problem sieht. Sollte man Eltern
aus bildungsfernen Schichten überzeugen, dass
sie mitmachen beziehungsweise sich auch kul-
Felicitas Loewe

image
| 77
turell bilden? Oder sollte man nicht einfach
hoffen, dass sie dann über ihre Kinder sagen,
»Hey, so schlecht ist das auch nicht«.
Prof. Dr. Daniel Haun
Direktor des »Zentrums für die
Entwicklung in der frühen Kindheit«
an der Universität Leipzig
Die Erwartung an die Eltern muss nicht sein, die
Kulturelle Bildung zu übernehmen. Das kann na-
türlich ein Teilanspruch sein. Aber es muss in
erster Linie darum gehen, die Eltern zu öffnen
und damit den Weg für die Kinder aufzumachen.
Eltern sind nun einmal einer der zentralen Ori-
entierungspunkte, sie sind die natürliche Lern-
umgebung. Eine der natürlichen Lernumgebungen
des Kindes ist die Familie. Schule ist effektiv
und gewissermaßen ein Kompromiss zwischen
den Bedürfnissen von Kindern und den Ansprü-
chen einer industrialisierten Gesellschaft. Aber
die unmittelbare Umgebung, die unmittelbare
Familiengemeinschaft ist natürlich ein anderer
sehr, sehr natürlicher Lernraum, der geöffnet
werden müsste.
Stephan Hoffmann
Referent Kulturelle Bildung im Amt
für Kultur und Denkmalschutz Stadt Dresden
Nur nochmal ganz kurz zur Rolle der Kommunen.
Die Kommunen gehören mit an den Tisch. Wir
haben zum Beispiel ein Konzept Kultureller Bil-
dung der Landeshauptstadt Dresden. Aber das
hat natürlich eine vollkommen andere Relevanz
als ein Rahmenkonzept Kultureller Bildung des
Landes Berlin. Ein Konzept Kultureller Bildung
der Landeshauptstadt macht ja eigentlich nur
Sinn im Konzert mit einem landesweiten Kon-
zept. Dann vielleicht ein kleiner Widerspruch:
Ich bin im Bezug auf Schule sehr viel optimisti-
scher als das eben anklang. Ich glaube, dass
Schule so vielfältig ist und inzwischen auch so
offen ist und so viel möglich machen kann, dass
wir dort gut anknüpfen können. Aber es gab auch
die Studie von EDUCULT. Die verglich Sachsen,
Niedersachsen und Baden-Württemberg in Be-
zug auf die Förderung von Modellprojekten. Im
Ergebnis bemängelt die Studie die strukturelle
Kooperationsfähigkeit von Schulen in Sachsen.
Diesen Punkt darf man bei allem Optimismus
bezüglich der Inhalte, des Engagements, der Of-
fenheit und der selbstständigen Schwerpunkt-
setzung an einzelnen Schulen nicht außer Acht
lassen. Strukturelle Kooperationsfähigkeit der
Schulen ist ein wichtiges Thema für ein landes-
weites Konzept.
Stephan Hoffmann

image
78 |
Prof. Dr. Arend Flemming
Geschäftsführer des
Landesverbandes Sachsen im
Deutschen Bibliotheksverband e. V.
Ich möchte hier allen noch mal ans Herz legen,
dass es auch wirtschaftliche Erwägungen ge-
ben muss und kann. In Dänemark, in Finnland
ist per Gesetz geregelt, dass es in jeder Schule
eine Schulbibliothek gibt. Das ist in der Bundes-
republik nie geregelt worden. Mitunter haben
Schulen eigene Bibliotheken, mitunter nicht. Der
Zugang zum Buch ist also ungleich. Das muss
aber nicht unbedingt bedeuten, dass der Ort
Schule unbedingt der Richtige für Veranstaltun-
gen der Kulturellen Bildung ist. Es gibt auch in
Sachsen das Paradoxon, dass etwa eine Groß-
stadt wie Leipzig einen Bibliotheksentwicklungs-
plan verfügt, auf dessen Grundlage es gut aus-
gestattete Stadtteilbibliotheken gibt.
Es kann aber sein, dass zum Beispiel die Nach-
barschule eine Schulbibliothek einrichtet, weil
die Schulbauförderrichtlinie das fordert. Dann
sam melt der Förderverein der Schule alte, aus-
gesonderte Bücher, damit die Bibliothek über-
haupt einen Bestand an Büchern hat. Der ist
zwar un genügend, trotzdem nutzen die Lehrer
der Nachbarschaftsschule ihre Schulbibliothek
und verweigern sich der viel besser ausgestat-
teten städtischen Bibliothek auf der anderen
Straßenseite. Das ist eine kulturelle Katastrophe
und zudem eine wirtschaftliche. Ich möchte
anhand des Beispiels dafür plädieren, solche
Dinge beim landesweiten Konzept mitzudenken.
Es geht um die Fragen: Wer ist Partner? Wo ist
ein richtiger Ort? Was können wir uns leisten?
Einen zweiten Punkt möchte ich noch anspre-
chen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir
ein hochwertiges landesweites Konzept zustan-
de bringen. Es gibt hochkompetente Akteure, es
gibt eine Verwaltung, die das Thema vorantreibt
und es gibt großen Bedarf. Was aber dann nötig
ist, ist die Evaluierung. Um die Projekte und de-
ren Wirkung und Strahlkraft einschätzen zu
können, müssen sie in regelmäßigen Abständen
überprüft werden. Und das sollten wir möglichst
nicht selber tun. Wir können uns dabei auch
nicht auf die Instanzen der Kulturräume verlas-
sen. Die sind für die Kultur da. Wir brauchen
eine externe Evaluierung, damit die Strukturen,
die wir im öffentlich-rechtlichen Bereich erzeu-
gen, tatsächlich nachhaltig werden. Wir reden
hier von Kultureller Bildung. Das Substantiv ist
Bildung und das Adjektiv ist kulturell. Die Zu-
ständigkeit für die Bildung liegt beim Land. Wir
müssen uns die Frage stellen, wo verorten wir
eigentlich in unserer schönen Struktur der Kul-
turräume die Verantwortlichkeit des Landes?
Dr. Christine Range
Geschäftsführerin der
Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und
Jugendbildung Sachsen e. V.
Ich möchte meinem Redebeitrag folgende Er-
kenntnis voranstellen: Wir wissen, dass die An-
zahl der Kulturnutzer seit den 1970er Jahren
Dr. Christine Range

| 79
nahezu konstant geblieben ist. Die Anzahl der
Macher und die Kulturausgaben sind dagegen
permanent gestiegen. Wenn wir an dieser Nut-
zer-Statistik etwas ändern wollen, führt der
Weg unbedingt auch über die Schule. Schule
kann zwar nicht alles leisten. Aber wenn wir
allen Kindern und Jugendlichen gleichberechtig-
ten Zugang zu Kultur und Kunst ermöglichen,
wenn wir Bildungsbenachteiligte und wenig
kulturaffine Kinder und Jugendliche erreichen
wollen, die von den Elternhäusern keine Anre-
gungen bekommen, dann brauchen wir die Schu-
le als Ausgangsort. Es geht gar nicht anders,
weil gerade im ländlichen Raum schlicht die
Kultureinrichtungen fehlen.
Es gibt in Deutschland etwa 40.000 Schulen
und es gibt 400 Jugendkunstschulen. In anderen
Kultursparten sieht es ähnlich aus. Wir müssen
also die Erstimpulse und ein möglichst vielge-
staltiges kulturelles Angebot – Projekte, AGs,
GTA – in den Schulen bündeln, damit wir eine
kulturelle Basisversorgung der Kinder und Ju-
gendlichen erreichen und Interessen wecken.
Auch die Jugendhilfe ist mit dieser Aufgabe
betraut. Im Kinder- und Jugendhilfegesetz im
Paragraph 11 ist das als Pflichtaufgabe festge-
schrieben: »Kulturelle Bildung als Teil der Per-
sönlichkeitsentwicklung, um Kindern und Ju-
gend lichen die zur Förderung ihrer Entwicklung
er forderlichen Angebote zur Verfügung zu stel-
len, die an ihren Interessen anknüpfen und von
ihnen mitgestaltet werden.«
Mir scheint aber, wir bleiben heute hier in der
Diskussion sehr nah am Begriff der formalen Bil-
dung. Was wir im Bereich der außerschulischen
Arbeit machen ist aber nonformale Bildung. Des-
halb finde ich diesen Kulturbegriff, der hier im
Raum steht, sehr konservativ, sehr klassisch. Ich
war vorhin sehr froh, dass Frau Loewe gefragt
hat, wo sind eigentlich die Jugendlichen? Wir
reden über sie, wir entwickeln Konzepte für sie
und sie sind nicht da. Wir brauchen sie aber, da
junge Leute viel mehr in Sachen Kultur unter-
wegs sind, als es uns manchmal vielleicht schei-
nen mag. Aber sie sind es nicht in den Sparten,
die wir als klassische Kultur bezeichnen und de-
finieren.
Jugendliche wollen sich ausprobieren. Sie suchen
Experimentierräume. Die Interessen wechseln
ständig. Wenn sie zu einem Konzert gehen und
Musik hören, dann ist das nicht Kulturelle Bil-
dung, wenn sie aber in ein klassisches Konzert
gehen, ist es Kulturelle Bildung. Also warum ist
das so? Wer maßt sich an, in dem Moment zu
sagen, sie lernen oder empfinden dort mehr oder
weniger? Nonformale Bildung ist etwas anderes
als formale Bildung. Kulturelle Bildung gehört
zur grundständigen Bildung. Darüber hinaus muss
es aber Freiräume geben. Es muss respektiert
werden, was junge Leute machen, ob nun Graf-
fiti oder Musik hören oder samplen. Sie machen
so viel, von dem wir nicht einmal eine Ahnung
haben. Das gehört mit zur Kultur, das ist auch
eine Form der Kulturellen Bildung. Wir sollten es
nicht ausblenden.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Ich möchte jetzt gerne diese Diskussionsrunde
abschließen. Dafür bitte ich alle Podiumsteil-
nehmer noch einmal um ein kurzes Statement,
in dem sie beschreiben, was für sie heute eine
besonders bedeutsame Erkenntnis war. Immer
mit Blick auf die »Vision 2025«, das ein landes-
weites Konzept für Kulturelle Bildung in Sachsen
entstehen soll.

image
80 |
Prof. Dr. Daniel Haun
Direktor des »Zentrums für die
Entwicklung in der frühen Kindheit«
an der Universität Leipzig
Erstens: Wir dürfen die Nutzung kultureller Di-
versität nicht aus den Augen verlieren. Zweitens:
Ich plädiere dafür, dass es einen Kompromiss zu
finden gilt zwischen Kulturpflege und Kulturin-
novation. Wirklich wichtig ist die Schaffung von
Kulturexperimentier- und Freiräumen. Auch in
der Kulturellen Bildung muss kulturelle Entwick-
lung zugelassen und gefördert werden. Es muss
Raum sein für Dinge, die man jetzt vielleicht im
Moment noch nicht absieht oder nicht versteht
oder beides. Warum ist menschliche Kultur an-
ders? Menschliche Kultur bildet sich auf einer
sozialen Ebene. Menschen betreiben Kultur als
eine Art Identifikations- und Strukturierungs-
prozess. In einer Schimpansengruppe kennt je-
der jeden. Es gibt keine Fremden innerhalb einer
Gruppe von Schimpansen.
Dagegen gibt es unter Menschen durchaus sol-
che innerhalb einer menschlichen Gemeinschaft,
die sich nicht persönlich kennen. Aber sie iden-
tifizieren sich über eine Zusammengehörigkeit.
Diese wiederum wird ganz oft über den kulturel-
len Habitus, über die Gewohnheiten, über einen
gemeinsamen kulturellen Hintergrund struk tu-
riert und definiert. Diese Form der Gemeinschafts-
bildung durch kulturelle Gemeinsamkeit ist sehr
außergewöhnlich. Das hat Kon sequenzen. Denn
so entsteht Diversität, so entstehen Variabilität
und Anpassung an verschiedene Lebens- und
Kulturräume. Das ist der zentrale Grund und
Unterschied, warum men schliche Kultur anders
ist. Was steht dahinter?
Es gibt bestimmte Eigenschaften des Menschen,
die diese Art der Strukturierung fördern. Diese
Eigenschaften sind die Konsequenz von bestimm-
ten evolutionären Schritten. Vor 70.000 Jahren
waren die Menschen reduziert auf 6000 Indivi-
duen. Aus diesem Populationsengpass, aus die-
ser Notwendigkeit der Veränderung ist ein kul-
turelles Wesen entstanden, das mit einem Ausmaß
an Abstraktionsvermögen und an Inno va tions-
vermögen neue Welten für sich erschließen konn-
te. Das ist das Erbe, das wir jetzt tragen. Die
Anpassung an diese Notsituation hat für uns
alles das möglich gemacht, worüber wir heute
gesprochen haben.
Dr. Regina Smolnik
Landesarchäologin,
Geschäftsführerin des
Landesamtes für Archäologie
Ich möchte noch einmal an die Frage erinnern,
die am Anfang stand: Was wollen wir als Ge-
meinschaft den lernenden Kindern anbieten,
was sie mitnehmen sollen? Was sollen sie als
Kulturpaket von uns mitbekommen? Sicherlich
ist viel dabei, was die Fähigkeit entwickelt, mit
Dingen künstlerisch und kulturvoll umzugehen.
Aber es ist mehr, da muss ich Prof. Haun ein we-
nig widersprechen. Sie sehen nur die Schimpan-
sengruppe. Sie sehen nicht diejenigen, die die
Prof. Dr. Daniel Haun

| 81
Schimpansengruppe schon längst ausgestoßen
hat, weil sie anders waren. Natürlich gibt es das,
Fremde bei Tiergruppen. Im Unterschied zu die-
sen sind wir Menschen in der Lage, das Fremde
bei uns zu integrieren oder zu akzeptieren. Das
ist auch eine große Aufgabe der Kulturellen Bil-
dung, die Akzeptanz des Fremden.
Felicitas Loewe
Mitglied des Sächsischen Kultursenats
Intendantin, theater junge generation, Dresden
Meines Erachtens haben wir unter der Über-
schrift des heutigen Tages fast alle Aspekte ein-
gesammelt. Das ist sehr beachtlich. Was ist Kunst
und Kultur? Was sind die Kommunikationsstruk-
turen, die wir etablieren wollen? Das konnten wir
heute als Problemfeld verifizieren. Das sollten
wir auch nicht aus den Augen verlieren, wenn
wir über die vielen Details reden und das Thema
weiterentwickeln.
Uwe Gaul
Staatssekretär im Sächsischen
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Mir bleibt, mich bei Ihnen allen für Ihr Kommen,
für Ihre Anregungen, Ihren Widerspruch zu be-
danken. Es ist in der Tat viel gesagt worden. Wir
haben die Kulturelle Bildung von allen Seiten
beleuchtet. Die Entwicklung eines landesweiten
Konzepts wird dadurch nicht weniger zur Her-
ausforderung. Je mehr Facetten es gibt sind, um-
so herausfordernder ist es, alles in einen ge-
meinsamen Plan zu fassen. Partizipation ist für
mich dabei ein Selbstverständnis. Ob das jetzt
für die heutige Sitzung gilt, für die es uns wich-
tig war, dass sich alle Akteure einbringen. Aber
ich meine Partizipation auch in dem Sinne, dass
wir im Koalitionsvertrag festgeschrieben haben,
allen Kindern und Jugendlichen die Teilnahme
an Kultureller Bildung zu ermöglichen.
Das ist wichtig für die Persönlichkeitsentwick-
lung und eine Frage der Bildungsgerechtigkeit,
deswegen müssen wir alle erreichen. Vielen Dank
an alle Beteiligte, dass sie uns unterstützt ha-
ben. Die Arbeit fängt jetzt erst an. Es werden
weitere, unzählige Workshops folgen. Wir möch-
ten in dieser Legislaturperiode das landesweite
Konzept der Kulturellen Bildung beschrieben
ha ben. Das werden wir mit Ihnen gemeinsam
schaf fen. Wir haben dafür mindestens zwei Ar-
beitseinheiten: zum einen die interministerielle
Arbeitsgruppe und wir hatten hier heute den
Runden Tisch. Nun werden wir das Gesagte sor-
tieren und dann sehen, wie es weitergeht. Ich
glaube, dass wir mit der heutigen Tagung einen
großen Schritt weitergekommen sind.
Ulf Großmann
Moderator,
Präsident der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen
Auch mir bleibt, mich bei allen Referenten, bei
den Diskutanten zu bedanken, bei Ihnen meine
Damen und Herren, für das Mitreden, für das
Mitdenken. Es sind unheimlich viele Themenfel-
der angesprochen, manche nur touchiert wor-
den. Mich persönlich werden aus der Vielzahl
von Begriffen, Stichworten und Themen die
kulturelle Diversität und die Suche nach Kom-
promissen noch weiter beschäftigen. Auch das
Stichwort »Frühdenken«, das Herr Frömming ein-
gebracht hat, gilt in jeder Hinsicht. Das müssen
wir unbedingt tun: früh anfangen zu denken.
Herzlichen Dank Ihnen allen. Ich wünsche Ihnen
noch einen schönen Tag, einen guten Heimweg.
Bleiben Sie neugierig. Applaus. Vielen Dank.

image

image

Fazit

| 85
Kultur ist Bildung. Sich kulturell zu betätigen be-
deutet unter anderem, wichtige Potenziale der
Persönlichkeit wie Kreativität, Neugierde, Fanta-
sie und eigene Stärken zu fördern. Kulturell ak-
tive Kinder und Jugendliche erfahren viele Dinge,
die anderen, weniger aktiven, verborgen bleiben.
Insofern schließt der Zugang zu Kultureller Bil-
dung auch ein Stück Bildungsgerechtigkeit und
Chancengleichheit bei der Entwicklung der in-
dividuellen Möglichkeiten mit ein. Die Aufgabe
eines Konzeptes für die Kulturelle Bildung be-
steht darin, entsprechende Zugänge zu kultu-
rellen Einrichtungen und kulturellen Aktivitäten
für alle zu schaffen.
Mit dem Koalitionsvertrag hat die von SPD und
CDU geführte Landesregierung nicht nur die Be-
deutung der Kulturellen Bildung betont, sondern
dies auch mit der Aufgabe verbunden, im Laufe
der Legislatur ein flächendeckend umfassend wir-
kendes Konzept für Sachsen zu erarbeiten.
Vor diesem Hintergrund sind die Erwartungen
an ein Konzept und dementsprechend auch an eine
Fachtagung des Sächsischen Staatsministeriums
für Wissenschaft und Kunst zur Kulturellen
Bildung hoch.
Die Kulturelle Bildung hatte es nicht immer
leicht in Sachsen, dem selbsternannten Land der
Ingenieure. Mit dem im Koalitionsvertrag ge-
setzten Auftrag zur Erarbeitung eines Konzeptes
wuchs bei den Akteuren die Hoffnung, dass auch
im Freistaat Bestrebungen unterstützt wer den
– was andere Bundesländer bereits haben – ein
landesweites Konzept für die Kulturelle Bil dung
von Kindern und Jugendlichen zu er arbeiten.
Die Grundlagen dafür sind gut. Sachsen hat eine
sehr hohe Dichte an Kultureinrichtungen. Es gibt
ein Kulturraumgesetz, das die Finanzierung re-
gionaler Kunst und Kultur regelt. Insgesamt ist
die Kultur im bundesweiten Vergleich gut finan-
ziert. Der Freistaat gibt pro Kopf im Vergleich
der Flächenländer in der Bundesrepublik Deutsch-
land das meiste Geld für die Kultur aus. Der Ver-
fassungsauftrag, Kultur zu entwickeln und zu
fördern, umfasst auch die Kulturelle Bildung.
Dieser Auftrag erstreckt sich auf die Kulturräu-
me, egal ob Großstadt oder ländlicher Raum.
Gleichwohl fehlt es bisher an Verbindlichkeit und
einer gemeinsamen Strategie im Zusammen-
wirken.
Wie es gehen kann, dafür lieferten u. a. drei
Re ferenten wertvolle Anregungen. Der von
Christoph Dittrich vorangesetzten Zustandsbe-
schreibung aus dem Freistaat Sachsen folgte eine
Weitung des Blickfeldes auf die Stadtstaaten
Hamburg, Berlin und das Flächenland Nord-
rhein-Westfalen. Die Vorträge von Werner
Frömming, Angelika Tischer und Brigitte Schorn
zeigten, wie zäh und langwierig der Entwick-
lungsprozess eines solchen strategischen Kon-
zepts sein kann. Auch wenn die Erkenntnis der
Bedeutung der Kulturellen Bildung allerorts vor-
handen ist, braucht es einen langen Atem,
Protagonisten auf fachlicher Ebene sowie die
politische Unterstützung. Zentrale Akteure bei
der Konzeption und bei der Verfestigung der
Strukturen sind die ineinander greifenden und
zugleich bezüglich ihrer Tradition unterschiedlich
agierenden Bereiche Jugendhilfe inklusive der
Kindertagesbetreuung, der Schule und der Kul-
tur zugleich, aber auch kommunale und staatliche
Verantwortungsträger, die im besten Falle gut
miteinander kooperieren.
Hamburg beispielsweise hat ein Konzept als Ge-
schäftsgrundlage. Es wird stetig weiterentwickelt,
wie Werner Frömming berichtete. Schulen wer-
den für das Thema sensibilisiert. Realisiert und
angetrieben wird die Kulturelle Bildung durch
Pro jekte und Programme wie »Pilotschule Kul-
tur«, »Kulturschule«, »Buchstaat«, »Jedem Kind ein
Instrument«, »Hip Hop Akademie«, »TUSCH – Thea-
ter und Schule«, »Kultur und Schule«. Eine sehr
motivierte Akteursszene in allen Altersgruppen

86 |
und Kunstgattungen bringt sich dafür ein und
schmiedet Allianzen mit privaten Trägern und
Geldgebern. Den Schulen werden Angebotspa-
kete gepackt, die sie zugreifen lassen. Kultur
wird als ein Teil der Stadtentwicklung gesehen
und mitgedacht.
Berlin startete 2006 die Offensive Kulturelle
Bildung. Heute kooperieren laut Rahmenkonzept
drei Verwaltungen auf Augenhöhe, gesteuert
von einem Beirat mit drei Staatssekretären. Den
Anreiz für die Akteure bilden drei Förderungs-
säulen. Unterstützt werden kleinere Projekte, die
immer aber eine Bildungs- und eine Kulturfunk-
tion haben. Eine zweite Fördersäule vergibt Mittel
für stadtweit wichtige Programme. Und eine
dritte Fördersäule honoriert Kooperationen und
Partnerschaften, Qualifizierungsmaßnahmen,
Schulqualität, Schulentwicklung.
Nordrhein-Westfalen bietet als Flächenland die
beste Anschauung für Sachsen. NRW nennt sich
selbst »Jugendkulturland« und ist am weitesten.
Es gibt ein drei Millionen Euro schweres Landes-
programm Kultur und Schule. Künstler erhalten
feste Honorarsätze, wenn sie in die Schulen geh-
en. Mittlerweile wurde dies auf die Kitas ausge-
weitet. Eine Koordinierungsstelle prüft Schul-
konzepte zur Kulturellen Bildung und fördert
diese. Das Geld muss wiederum in die Vernet-
zung fließen. So rücken alle enger zusammen.
Nordrhein-Westfalen schnürt einen Kulturruck-
sack für 10- bis 14-Jährige. Jede Kommune be-
kommt 4,40 Euro pro Kind und Jahr und kann
damit zusätzliche Angebote schaffen. Mittler-
weile sind 220 Städte und Gemeinden beteiligt.
Doch was ist eigentlich Kulturelle Bildung? Sie
ist Allgemeinbildung und mehr als Wissen. Eine
wenig abrechenbare Qualität. Aber sie stärkt
die Sensibilität für das Miteinander, für kulturel-
le Vielfalt und Unterschiede zwischen Regionen,
Milieus, Ethnien, Geschlechter und Generationen.
Sie weckt die Empathiefähigkeit für Menschen,
die mit Natur und Gesellschaft umgehen wollen.
Sie ist damit eine Bedingung für die Entwick-
lungsfähigkeit der Gesellschaft. Die Beschäfti-
gung mit Kultur, die Art des Umgangs mit den
Dingen, bringt Kindern und Jugendlichen Ent-
schleunigung, Tiefe, Persönlichkeitsentwicklung,
Kommunikation, Reflektion und Verständnis.
Kinder und Jugendliche erfahren Kulturelle Bil-
dung auch ohne ein landesweites Konzept. Denn
sie lernen immer und überall, nehmen Einflüsse
wahr, reflektieren diese. Das ist aber nicht sys-
tematisch und strukturell, sondern im besten
Falle vom Engagement Einzelner, von sozialen
Kontexten, Eltern, Angebotsdichte etc. abhängig.
Es geht darum, ein Konzept zu entwickeln, das
Geist und Richtung beschreibt, das eine Struktur
beschreibt und aus dem sich konkrete Projekte
und Aktivitäten ableiten lassen. Auch Eltern mit
ihren unterschiedlichen Interessenlagen für
ihre Kinder werden eingeladen, an dem Konzept
mitzuwirken.
Erkenntnisse, Forderungen, Aufgaben:
Alle Akteure und Beteiligte Kultureller Bildung
müssen einbezogen werden. Das sind drei Mi-
nisterien, Kulturräume, Bildungsagenturen,
Schulen, Kommunen, Kultureinrichtungen,
Künstler, Jugendhilfe, Eltern sowie die Kinder
und Jugendlichen. Es gibt bereits Städte und
Gemeinden, die eigene Konzepte zur Kulturellen
Bildung haben. Ein landesweites Konzept muss
un bedingt mit diesen abgestimmt werden.
Kulturelle Bildung durchdringt alle Bereiche.
Auch an Schulen findet sie mit verschiedensten
Projekten statt. Die Angebotsdichte und
-vielfalt ist aber sehr unterschiedlich. Es muss
nun darum gehen, Kulturelle Bildung struk-
turell und flächendeckend zu ermöglichen.
Die Netzwerkstellen in den Kulturräumen
und die Beauftragten in der Bildungsagentur
bauen Brücken zwischen Kultur und Schule.

| 87
Kulturelle Bildung beginnt im Elternhaus und
lange bevor Kinder in die Schule kommen.
Bei älteren Kindern bleiben Eltern »Quelle«
Kultureller Bildung, aber sie werden auch
Partner der Kulturellen Bildung von »außer-
halb«: durch die Schule, Kultureinrichtungen
usw. Eltern als Partner in die Projekte zur
Kulturellen Bildung mit einzubeziehen,
ist ein wichtiger Baustein zum Erfolg.
Wichtig sind auch Punkte wie die Mobilität
bzw. die Finanzierung dieser Mobilität. Wie
sind Kinder und Jugendliche auch in entlege-
nen Gebieten mobil? Wie wird das geplante
Bildungsticket umgesetzt? Wie können Ange-
bote wie Kulturbusse umgesetzt werden? Gibt
es überhaupt überall einen öffentlichen Nah-
verkehr oder sind andere Lösungen nötig?
Es geht auch darum, dass sich die etablierten
Kulturinstitutionen ein Publikum der Zukunft
sichern. Innerhalb des Konzeptes müssen
Museen, Theater, Orchester und andere auch
die Chancen zur eigenen Fortentwicklung
erkennen und gerade deshalb die Kulturelle
Bildung als ihre genuine Aufgabe begreifen.
Die Lebenswirklichkeit vieler Kinder und
Jugendlicher heißt Digitalisierung: Sie sind
ständig online, unterscheiden nicht mehr
nach online und offline. Auf die damit
verbundene extreme Beschleunigung der
Lebenswirklichkeit von Heranwachsenden
muss eine Antwort gefunden werden.
Es ist möglich, wie Hamburg dies tut, die
Kulturelle Bildung als integralen Bestandteil
der Schulbildung ins Schulgesetz aufzuneh-
men. Trotzdem dürfen der Druck von kon-
kurrierenden Aufgabenbereichen und der
Erwartungshorizont von Eltern nicht ignoriert
werden. Mit Blick auf Zeugnisse und
Abschluss noten ist das auch verständlich.
Kulturelle Bildung muss sich behaupten.
Die Konkurrenz weiterer Interessenten, die
auch in die Schulen drängen, ist groß. Alle
haben die Schule als sozialer und kultureller
Lernort erkannt. Nötig sind Lobbyarbeit,
gute Argumente, prominente Fürsprecher,
überzeugende Beispiele.
Kulturelle Bildung an Kindertagesstätten und
Schulen ist besonders wichtig, weil hier alle
Kinder erreicht werden können, auch jene,
deren Eltern – aus welchen Gründen auch
immer – dies ihren Kindern nicht ermöglichen
können. Nötig ist daher eine verbindliche
Verankerung von Projekten Kultureller
Bildung in den Lehrplänen, aber auch in den
Fortbildungskatalogen und in der Lehrer-
ausbildung. Nur das führt zu Kontinuität.
Die Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen
zu ermöglichen muss eine entscheidende
Grundlage des landesweiten Konzepts sein.
Das ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit
und wichtig für die Persönlichkeitsentwick-
lung aller jungen Menschen.
Die Planung von Konzepten und Projekten
der Kulturellen Bildung muss mit denjenigen
geschehen, für die sie gedacht ist. Daher
sollte man Kinder und Jugendliche befragen
und zu Wort kommen lassen, aber auch im
ständigen Dialog bleiben, denn ihre Lebens-
welten und Kommunikationsstrukturen
verändern sich unglaublich schnell.
Eine Qualität von Kultur- und Kunstinstitu-
tionen muss es sein, auf die Wünsche,
Interessen und Begabungen von Kindern und
Jugendlichen flexibel eingehen zu können.
Kulturelle Bildung sollte Raum geben, Traditi-
onelles kennenzulernen und Experimentelles
auszuprobieren. Deshalb muss es Freiräume
geben, die die individuellen Vorlieben und
Begabungen der jungen Leute respektieren,
auch wenn sie von klassischen Kunstrichtungen
und Kulturtechniken abweichen. Es gilt,
Kompromisse zu finden zwischen Tradition,

88 |
Pflege und Erneuerung. Wichtig sind Experi-
mentier- und Freiräume, um Entwicklung und
Entfaltung von Kreativität zu ermöglichen.
Die Anforderungen und Themen eines landes-
weiten Konzepts für Kulturelle Kinder- und Ju-
gendbildung sind eine komplexe Materie mit sehr
speziellen Einzelbereichen. Nach der Zu sam-
men kunft aller Akteure am Runden Tisch geht
es demnächst um eine von Dialog geprägte
Be sprechung und Benennung konkreter Hand-
lungsfelder. Dafür werden sich die Beteiligten
in Arbeitsgruppen und Workshops treffen, um
stärker in die Details einsteigen und auch quer
oder weniger formatiert zu denken. Zudem gibt
es parallel weiter die Treffen der Interministeri-
ellen Arbeitsgruppe. Die Ergebnisse dieses mehr-
stufigen Kommunikationsprozesses sollen in
einer Schlussveranstaltung diskutiert und zu-
sammengefasst werden. Am Ende eines solchen
wechselseitigen Gesprächs steht das landes-
weite Konzept, ein gutes Beispiel für einen Po-
litikstil, der Teilhabe aller nicht nur ermöglicht,
sondern auch einfordert.
Weitere Schritte:
die Einbindung der verschiedenen Akteure
aus Kultur, Schule und Jugend im Rahmen
der Gesprächsformate IMAG, Netzwerk-
treffen, Runder Tisch,
gezielte Einladungen zu Workshops
zu den unterschiedlichen Handlungsfeldern
in Verantwortung des SMWK,
Konzeptarbeit auf der Grundlage der Work-
shopberatungen und -ergebnisse im Rahmen
einer dafür eingesetzten Redaktionsgruppe,
finale Endabstimmung durch die
drei Ministerien SMWK, SMK, SMS.

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| 89

Kulturelle Bildung
weiterführende Informationen
im Netz

| 91
SACHSEN
Beteiligte Staatsministerien
www.smk.sachsen.de
www.smwk.sachsen.de
www.sms.sachsen.de
Netzwerkstellen in den Kulturräumen
www.kulturelle-bildung-chemnitz.de
www.kulturellebildung-ol.de
www.kulturraum-oberlausitz.de/
kulturelle-bildung/
www.kulturraum-vogtland-zwickau.de
www.kulturraum-erzgebirge-mittelsachsen.de/
kulturelle-bildung.html
kultur-leipzigerraum.de/de_DE/
neuigkeiten-kulturelle-bildung
www.kreis-meissen.org/5825.html
www.dresden.de/de/kultur/
kulturentwicklung/kulturelle-bildung.php
www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/
kunst-und-kultur/kinder-und-jugendkultur/
infos-fuer-schulen-horte-und-kitas/online-
version-ordner-kulturelle-bildung/
www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/
kunst-und-kultur/kinder-und-jugendkultur/
kulturelle-bildung/
Bildungsbereich
www.sba.smk.sachsen.de
www.sachsen-macht-schule.de/
lernstadtmuseum/
www.schule.sachsen.de/9201.htm
www.schule.sachsen.de/10177.htm
www.sachsen.ganztaegig-lernen.de/Sachsen/
home.aspx
www.kita-bildungsserver.de/projekte/
laufende-projekte/kubik-kulturelle-bildung-
in-kindertageseinrichtungen/
www.kultur-macht-schule.de/finanzierung/
oeffentliche-foerderung/rahmenbedingungen/
sachsen.html
Freie Träger
www.pokubi-sachsen.de
www.kost-sachsen.de
Landesverband Soziokultur Sachsen
www.lkj-sachsen.de
Sächsischer Kultursenat:
www.kdfs.de
Deutscher Bühnenverein,
Landesverband Sachsen
www.landesverband-sachsen.de
Sächsische Landesstelle für Museumswesen
www.museumswesen.smwk.sachsen.de
Sächsischer Künstlerbund
Landesverband Bildende Kunst e. V.
www.saechsischer-kuenstlerbund.de
Sächsischer Literaturrat e. V.:
www.saechsischer-literaturrat.de
Sächsischer Musikrat e. V.
www.saechsischer-musikrat.de
Dokumente
www.dresden.de/media/pdf/kulturamt/
Grundatzpapier_KuBi_Kulturraeume_
Sachsen.pdf
www.kdfs.de/do/240.0.pdf?x=5721
Sonstige
www.kultur-bildet.de
www.sachsens-museen-entdecken.de
www.kubi-online.de

92 |
HAMBURG
Ausgewählte Links zu Programmen
und Projekten
www.kinderkultur.hamburg.de
www.hamburg.de/kulturbehoerde/
rahmenkonzept/
http://bildungsserver.hamburg.de/
kultur-in-schulen/
www.jahrderkuenste.de
www.hamburg.de/jiz
www.kindernetz-hamburg.de
www.kulturnetz-hamburg.de
www.kinderundjugendkultur.info
www.kulturschule.hamburg.de
www.kulturagenten-programm.de/laender/
land/5
www.tusch-hamburg.de
www.hamburg.de/jeki
www.jeki-hamburg.de
www.mediennetz-hamburg.de
www.lesenetz-hamburg.de
www.kultur-hamburg.de
www.buecherhallen.de
www.buchstart-hamburg.de
www.kinderbuchhaus.de
www.hiphopacademy-hamburg.de
www.hamburg.de/kulturbehoerde/
kultur-bewegt
BERLIN
Ausgewählte Links
http://www.berlin.de/sen/bildung/
http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/
index.php?id=11212

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NORDRHEIN-WESTFALEN
www.kulturellebildung-nrw.de
https://www.mfkjks.nrw/arbeitsfelder-der-
kulturpolitik-nordrhein-westfalen
www.kulturundschule.de
www.kulturstrolche.de
www.kulturrucksack.nrw.de
www.jekits.de
www.lkj-nrw.de
www.spiel-und-theater.de
www.jugendstil-nrw.de
www.lkd-nrw.de
www.arbeit-bildung-kultur.de
www.lag-kunst-und-medien.de
www.lag-figurentheater.de
www.lagmusik.de
www.lag-tanz-nrw.de
www.jfc.info
BUNDESEBENE
Bundesministerium für Bildung und
Forschung:
www.bmbf.de
https://www.bundesregierung.de/Webs/
Breg/DE/Bundesregierung/
BeauftragtefuerKulturundMedien/
beauftragte-fuer-kultur-und-medien.html
Deutscher Kulturrat:
www.kulturrat.de
Kulturpolitische Gesellschaft e. V.:
www.gew.de
Bundesakademie für Kulturelle Bildung
Wolfenbüttel:
www.bundesakademie.de
Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und
Jugendbildung:
https://www.bkj.de
Zentrum für Kulturforschung (ZfKf):
http://www.kulturforschung.de

Teilnehmer
Runder Tisch
»Kulturelle Kinder- und
Jugendbildung«

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Teilnehmer Funktion
Institution
Nicole
Aurich
Projektleiterin »KOST- Kooperation
Schule und Theater in Sachsen«
theater junge generation, Dresden
Janina
Bellmann
Stellvertretende Leiterin des
Kultursekretariats
Kulturraum Meißen-Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge
Joachim
Breuninger
Geschäftsführer des
Sächsischen Museumsbundes
Direktor des Verkehrsmuseums Dresden
Sächsischer Museumsbund
Verkehrsmuseum Dresden
Jan Deicke
Vorstandsmitglied
Landesverband Freie Theater e. V.
Dr.
Christoph
Dittrich
Mitglied des Sächsischen Kultursenats
Generalintendant der
Städtischen Theater Chemnitz gGmbH
Vorsitzender des Landesverbandes
Sachsen im Deutschen Bühnenverein
Sächsischer Kultursenat
Städtische Theater Chemnitz gGmbH
Landesverband Sachsen
im Deutschen Bühnenverein
Janine
Endler
Kultursekretärin
Kulturraum Vogtland-Zwickau
Diana
Fechner
Leiterin des Kultursekretariates
Kulturraum Meißen-Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge
Aline
Fiedler
Mitglied des Sächsischen Landtages
Sächsischer Landtag
Prof. Dr.
Arend
Flemming
Geschäftsführer
Landesverband Sachsen im
Deutschen Bibliotheksverband e. V.
Dr. Tatjana
Frey
Referatsleiterin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Werner
Frömming
Referatsleiter
Kulturbehörde Hamburg
Kulturamt, Kulturprojekte K 23
Thomas
Früh
Abteilungsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst

96 |
Teilnehmer Funktion
Institution
Uwe Gaul
Staatssekretär
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Annett
Geinitz
Koordinatorin
Netzwerkstelle Kulturelle Bildung
Kulturraum Vogtland-Zwickau
Norina
Gneist
Parlamentarische Beraterin
Sächsischer Landtag
Ulf
Großmann
Präsident
Moderator der Veranstaltung
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Haike
Haarig
Koordinatorin
Netzwerkstelle Kulturelle Bildung
Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen
Prof. Dr.
Daniel
Haun
Professur für Frühkindliche Entwicklung
und Kultur an der Universität Leipzig
Direktor des Leipziger »Zentrums für die
Entwicklung in der frühen Kindheit«
Universität Leipzig
Juliane
Herrmann
Bundesfreiwilligendienst
Kultur und Bildung
Kulturbüro der Stadt Chemnitz
Dr. Dieter
Herz
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Kultus
Stephan
Hoffmann
Referent Kulturelle Bildung
Amt für Kultur und Denkmalschutz
Stadt Dresden
Jan
Keilhauer
Parlamentarischer Berater
Sächsischer Landtag
Christina-
Maria
Lehmann
Referentin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Felicitas
Loewe
Mitglied des Sächsischen Kultursenats
Intendantin
tjg. theater junge generation, Dresden

| 97
Teilnehmer Funktion
Institution
Ines
Lüpfert
Kultursekretärin
Kulturraum Leipziger Raum
Petra
Masroujah
Leiterin Regionalbüro Nordsachsen
Kulturraum Leipziger Raum
Katja
Margarethe
Mieth
Direktorin
Sächsische Landesstelle
für Museumswesen
Dr.
Christine
Range
Geschäftsführerin
Landesvereinigung Kulturelle
Kinder- und Jugendbildung
Sachsen e. V.
Reinhard
Riedel
Koordinator Kulturelle Bildung
Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen
Božena
Schiemann
Sachbearbeiterin Kulturelle Bildung
Büro für städtisches Kultur-
management der Stadt Chemnitz
Hans-
Jürgen
Schmidt
Referent
Sächsische Bildungsagentur
Regionalstelle Bautzen
Claudia
Schmidt
Leiterin Bildung und Vermittlung
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Jochen
Schnabel
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium für
Soziales und Verbraucherschutz
Brigitte
Schorn
Leiterin
Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in
Schule und Jugendarbeit NRW
Britta
Schulze
Dipl. Malerin/Grafikerin
Landesverband Bildende
Kunst Sachsen e. V.
Ralf
Seifert
Referent
Sächsisches Staatsministerium
für Kultus
Dr. Regina
Smolnik
Landesarchäologin
Geschäftsführerin des Landesamtes
für Archäologie
Landesamt für Archäologie

98 |
Teilnehmer Funktion
Institution
Franz
Sodann
Mitglied des Sächsischen Landtages
Sächsischer Landtag
Yvonne
Sommer-
feld
Referentin
Sächsischer Landkreistag
Dr.
Eva-Maria
Stange
Staatsministerin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Torsten
Tannenberg
Sprecher der IG Landeskulturverbände
Sachsen
Geschäftsführer des Sächsischen
Musikrates Sachsen e. V.
IG Landeskulturverbände Sachsen
Sächsischer Musikrat e. V.
Dr.
Angelika
Tischer
Leitung der Arbeitsstelle
Kulturelle Bildung
Senatsverwaltung für Bildung,
Jugend und Wissenschaft Berlin
Dr. Sibille
Tröml
Geschäftsführerin
Sächsischer Literaturrat e. V.
Harriet
Völker
Sachbearbeiterin Kulturelle Bildung
Kulturamt Stadtverwaltung Leipzig
Isabell
Will
Fachreferentin
Sächsischer Städte- und
Gemeindetag e. V.
Birgit
Willhöft
Referentin
Sächsische Bildungsagentur
Regionalstelle Leipzig

image
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Wigardstraße 17 | 01097 Dresden
www.smwk.sachsen.de
Redaktion:
Pressestelle Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Redaktionsschluss:
Dezember 2015
Gestaltung und Satz:
www.oe-grafik.de
Fotos:
Titel: Trillerpfeifen und Ghettoblaster, Urheber: Ecker, Bogomir,
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Veranstaltungsdokumentation: Martin Förster;
Fotos zur Kulturellen Bildung: Museum der bildenden Künste Leipzig;
S. 63: ©Anselm Kiefer
Druck:
Druckhaus Dresden GmbH
Auflage:
2.000
Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei:
Zentraler Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung
Hammerweg 30, 01127 Dresden
Telefon: +49 351 2103671 oder +49 351 2103672
Telefax: +49 351 2103681
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