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Sehr geehrte Schulleiterinnen und Schulleiter,
sehr geehrte Lehrerinnen und Lehrer,
das Leben in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist durch zahlreiche Begegnungen mit
Menschen vielfältiger sozialer, kultureller und geografischer Herkunft und durch verschiede-
ne individuelle biografische Erfahrungen gekennzeichnet. Sie bringen verschiedene Denk-
traditionen, Verhaltensweisen, Normen und Wertesysteme mit. Die Weiterentwicklung der
Kompetenzen im Umgang mit dieser sprachlichen und kulturellen Vielfalt stellt im Freistaat
Sachsen eine fortlaufende Aufgabe des Bildungswesens dar.
An unseren Schulen wächst die kulturelle und sprachliche Vielfalt. Inzwischen besuchen
mehrsprachig aufwachsende Schülerinnen und Schüler aus über 140 Ländern sächsische
Schulen. Das ist Chance und Herausforderung zugleich. Für uns steht dabei eine bestmögli-
che Bildung der Kinder und Jugendlichen an erster Stelle. Denn Bildung ist der Schlüssel zur
erfolgreichen Integration. Trotz aller Herausforderungen und Kraftanstrengungen, die sich
mit diesem Thema verbinden, sind mehrsprachig aufwachsende Kinder und Jugendliche für
unsere Schulen eine Bereicherung, da Sprachen und andere Kulturen in einer globalisierten
Welt immer wichtiger werden.
Unser Integrationskonzept mit der besonderen Bildungsberatung, den Vorbereitungsklassen,
dem Unterrichtsfach „Deutsch als Zweitsprache“, dem herkunftssprachlichen Unterricht und
der direkte, individuelle Einstieg der Schüler in das Regelschulsystem hat sich seit mehr als
20 Jahren bewährt.
Die Materialsammlung „Mit sprachlicher Kompetenz zum Schulerfolg“ beinhaltet alle notwen-
digen Informationen, Regelungen und Beschlüsse sowie Lehrpläne und die Niveaubeschrei-
bungen Deutsch als Zweitsprache, die die Arbeit an der Schule unterstützen.
All den Kolleginnen und Kollegen, die zu gelingenden schulischen Integrationsprozessen bei-
tragen, gelten meine Anerkennung und mein Dank.
Für Ihre Arbeit wünsche ich Ihnen viel Erfolg!
Ralf Berger
Präsident des Landesamtes für Schule und Bildung

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INHALT
Sächsische Rahmenbedingungen für eine chancengerechte Bildung und Erziehung
Beschlüsse der Kultusministerkonferenz
Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule
Integration als Chance – gemeinsam für mehr Chancengerechtigkeit
Gemeinsame Erklärung der KMK und der Organisationen von Menschen mit Migrations-
hintergrund zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern
Sächsische Lehrpläne
Lehrplan für Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
Deutsch als Zweitsprache 2000/2009/2018
Lehrplan für Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an berufsbildenden Schulen
Zweitsprache mit Grundlagen der Ausbildungsreife und Berufsorientierung 2017
Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die Primarstufe
Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die Sekundarstufe I
Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die Sekundarstufe II
Lehrplan Gymnasium Herkunftssprache
Lehrplan Oberschule Herkunftssprache
Rahmenplan Grundschule Herkunftssprache
Rahmenplan Sekundarstufe I Herkunftssprache
Rahmenpläne für den herkunftssprachlichen Unterricht. Handreichung für Lehrerinnen und
Lehrer
Landesregelungen des Freistaates Sachsen
Auszug aus dem Zuwanderungs- und Integrationskonzept II des Freistaates Sachsen
Auszüge aus Verordnungen und Verwaltungsvorschriften des Sächsischen Staatsministeriums
für Kultus – schulartübergreifend
Auszüge aus Verordnungen und Verwaltungsvorschriften des Sächsischen Staatsministeriums
für Kultus – schulartspezifisch
Weitere Materialien
Zeitschrift Klasse (2/2015) „Wir gehören dazu!“ – 10 Antworten zum Thema Migration und
Schule
Berufswahlpass – Ergänzungspaket für Vorbereitungsklassen an Oberschulen und
berufsbildenden Schulen
Durchgängige Sprachbildung. Qualitätsmerkmale für den Unterricht.
FÖRMIG MATERIAL 3
.
Deutsch als
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Sächsische Rahmenbedingungen für eine chancengerechte Bildung und
Erziehung
Eine chancengerechte Bildung für jeden Einzelnen stellt hohe Anforderungen an eine systemi-
sche und nachhaltige Unterrichts- und Schulentwicklung.
Seit den frühen 1990er Jahren besuchen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migra-
tionshintergrund sächsische Schulen. Von Beginn an verfolgt der Freistaat Sachsen das Ziel,
für jeden Schüler
1
den höchstmöglichen Schulabschluss zu gewährleisten und dabei die ganz
individuellen Potenziale jedes Einzelnen zu berücksichtigen. Dafür wurden die rechtlichen und
bildungspolitischen Grundlagen geschaffen. Der Freistaat Sachsen verfügt über ein einheitli-
ches, klar strukturiertes schulisches Integrationskonzept.
Unter Einbeziehung aller sächsischen Lehrkräfte, die das Fach Deutsch als Zweitsprache seit
1991 unterrichteten und durch eine langjährige wissenschaftliche Begleitung konnte nach dem
erfolgreichen Abschluss der Evaluation der sächsische Lehrplan Deutsch als Zweitsprache zum
1. August 2000 in Kraft gesetzt werden. Mit der Evaluierung dieses Lehrplanes wurden eben-
falls der individuelle Integrationsprozess in drei Etappen und die Aufgabenkonzeption der Be-
treuungslehrer, die als Berater, Mentoren sowie Integrationsbegleiter den schulischen Integrati-
onsprozess steuern und betreuen, evaluiert. Die Evaluation bestätigte sowohl die intensive Un-
terrichtung des Faches Deutsch als Zweitsprache in den Vorbereitungsklassen als auch die
erforderliche begleitende Unterrichtung zusätzlich zum Regelunterricht zur Erlangung der bil-
dungssprachlichen Kompetenz.
Die Spezifik Sachsens besteht darin, dass die evaluierte sächsische Konzeption zur Integrati-
on von Migranten Bestandteil dieses Lehrplans ist.
Im Ergebnis wurden die integrationsfördenden Maßnahmen wie die besondere Bildungsbera-
tung durch die Schulaufsicht, die Vorbereitungsklassen und die schrittweise Integration in Re-
gelklassen, der Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache in Vorbereitungsklassen und bil-
dungslaufbahnbegleitend, der Einsatz und die Ausbildung der Betreuungslehrer, der herkunfts-
sprachliche Unterricht und die Anerkennung der Zwei- und Mehrsprachigkeit als Bildungspoten-
in den Schulordnungen verankert und 2018 aktualisiert.
In den Schuljahren 2016
der Lehrplan Deutsch als Zweitsprache mit Grundlagen
der Ausbildungsreife und Berufsorientierung für berufsbildende Schulen und der Lehrplan
Deutsch als Zweitsprache für allgemeinbildende Schulen überarbeitet.
Zusätzlich wurden unterstützende Strukturen etabliert wie die schulartübergreifenden Koordina-
toren für Migration/Integration in den Standorten Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwi-
ckau des Landesamtes für Schule und Bildung, die Ansprechpartner im jeweiligen Schulreferat
in jeder Schulart, die Fachberater für Migration und Deutsch als Zweitsprache, die Betreuungs-
lehrer, die Kompetenzzentren Sprachliche Bildung und die Sprachberater. Im Standort Rade-
beul des Landesamtes für Schule und Bildung sind für die konzeptionelle Arbeit Referenten für
Migration/Integration zuständig. Fünf Kompetenzzentren Sprachliche Bildung unterstützen im
Freistaat Sachsen die Umsetzung einer durchgängigen sprachlichen Bildung in allen Schul-
Sowohl die integrationsfördernden Maßnahmen als auch die unterstützenden Strukturen
sind feste und reguläre Bestandteile des sächsischen Schulsystems.
Die Integration in die Schule beginnt mit der besonderen Bildungsberatung durch die Schulauf-
sicht als erstes Beratungsgespräch, einschließlich der Anerkennung bisher besuchter Schuljah-
re. Darauf folgt die Aufnahme in eine Vorbereitungsklasse an einer Grund
1
Die Bezeichnungen für Schüler, Lehrer sowie weitere Personenbezeichnungen werden generalisie-
rend für Schülerinnen/Schüler, Lehrerinnen/Lehrer sowie weitere Personenbezeichnungen gebraucht.
zial,
bis 2018 wurden
arten.
schule bzw. Oberschule

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bzw. an einem Beruflichen Schulzentrum bzw. an einem Kolleg oder in eine Regelklasse, in
Abhängigkeit von der sprachlichen Entwicklung in der deutschen Sprache.
Der Übergang von der Vorbereitungsklasse in eine Regelklasse ist ein sehr individueller und
schrittweiser Prozess, der von den Betreuungslehrern gesteuert und begleitet wird, in Abstim-
mung zwischen dem einzelnen Schüler, den Eltern bzw. anderen Personensorgeberechtigten
und beteiligten Fachlehrern. Die Integration der Schüler liegt als gesamtschulische Aufgabe in
der gemeinsamen Verantwortung der Schulleitung und aller beteiligte Lehrer. Der Betreuungs-
lehrer trägt dabei eine besondere Verantwortung. Als Berater, Mentor und Integrationsbegleiter
ist er der entscheidende Garant für gelingende Integrationsprozesse der Einzelschule.
Der Betreuungslehrer ist zugleich Fachlehrer für Deutsch als Zweitsprache. Zu Beginn dieses
Unterrichts, in der ersten Etappe, werden die alltagssprachlichen Grundlagen für die Fähigkeit
zur Teilnahme am Regelunterricht und am sozialen Leben der unmittelbaren Umwelt in der
Vorbereitungsklasse vermittelt.
Mit der beginnenden schrittweisen Integration in den Fachunterricht einer Regelklasse, in der
zweiten Etappe, ändert sich der Charakter des Unterrichts beim Erlernen des Deutschen als
Zweitsprache. Im Fokus steht der Ausbau bildungssprachlicher Kompetenzen in Kooperation
von Regelunterricht und Unterricht in der Vorbereitungsklasse. Der Lehrplan empfiehlt in Ab-
hängigkeit individueller Interessen und Begabungen eine schrittweise Integration der Schüler
von weniger sprachbetonten zu stärker sprachbetonten Fächern.
Gemäß Lehrplan Deutsch als Zweitsprache für allgemeinbildende Schulen erhalten die Schüler
der Vorbereitungsklasse keine Noten. In der dritten Etappe ist der Schüler in der Regelklasse
voll integriert und nimmt am Unterricht Deutsch als Zweitsprache teil, wenn der Bedarf mithilfe
der Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache nachgewiesen ist. Eine kontinuierliche
sprachliche Bildung in allen Fächern als Aufgabe jedes Fachlehrers trägt wesentlich zur Weiter-
entwicklung bildungssprachlicher Kompetenzen bei.
Gemäß Lehrplan Deutsch als Zweitsprache mit Grundlagen der Ausbildungsreife und Berufs-
orientierung für berufsbildende Schulen erhalten die Schüler der Vorbereitungsklasse während
der ersten Etappe keine Noten. In der zweiten Etappe sind die Leistungen in den Modulen des
Lehrplanes Deutsch als Zweitsprache gemäß den Regelungen in der Berufsschulordnung mit
Noten zu bewerten. Ihre sprachliche Entwicklung im Deutschen als Zweitsprache wird von den
Betreuungslehrern und den Fachlehrern mithilfe der Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweit-
sprache verbal eingeschätzt. Die dritte Etappe verläuft analog zu den allgemeinbildenden Schu-
len.
In der täglichen Steuerung und Begleitung sehr individueller und spezifischer Integrationspro-
zesse bei der Umsetzung des sachseneinheitlichen klar strukturierten Handlungskonzepts
kommt es auf ein professionelles Zusammenwirken aller Beteiligten aus Schulaufsicht, Schule,
Gemeinwesen und Gesellschaft an. Sachsen setzt sich für eine soziale und schulische Integra-
tion im Wohnumfeld ein.
Vor dem Hintergrund einer durch Globalisierung, Migration, das Zusammenwachsen Europas,
Fluchtbewegungen etc. bewirkten kulturellen Pluralisierung unserer Gesellschaft gilt es, sich
stets aufs Neue jenen Herausforderungen und Fragen zu stellen, die sich aus diesen Entwick-
lungen für Bildung und Erziehung in der Schule und darüber hinausgehend in der Region erge-
ben.
n
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Im Folgenden werden verwendete Begriffe erklärt.
Die
besondere Bildungsberatung
ist eine institutionelle Beratung durch die Schulaufsicht und
wird vor der Schulaufnahme im Freistaat Sachsen durchgeführt. Sie dient der individuellen Be-
ratung zu Bildungsmöglichkeiten, der Anerkennung bisher besuchter Schuljahre und der per-
sönlichen Unterstützung bei Entscheidungen über Bildungswege. Dokumentiert wird die beson-
dere Bildungsberatung durch ein Formular, das der aufnehmenden Schule übergeben wird. Die
weitere Bildungsberatung wird von der aufnehmenden Schule übernommen.
Vorbereitungsklassen
bereiten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auf die Teilnahme
am Unterricht einer Regelklasse vor. Bei Bedarf können auch Kinder aus Familien mit Migrati-
onshintergrund, die schon längere Zeit in der Bundesrepublik Deutschland leben oder hier ge-
boren sind, die Vorbereitungsklasse besuchen.
In den Vorbereitungsklassen wird das Fach Deutsch als Zweitsprache in der ersten und zweiten
Etappe unterrichtet. In der ersten Etappe werden zunächst grundlegende alltagssprachliche
Kenntnisse vermittelt. In der zweiten Etappe lernen die Schüler weiterhin Deutsch als Zweit-
sprache, parallel dazu nehmen sie am Unterricht in weiteren Fächern in ihrer neuen Klasse teil.
Die individuelle schrittweise Integration in den Regelunterricht hat zum Ziel, die bildungssprach-
liche Kompetenz schnellstmöglich auszubauen.
Vorbereitungsklassen gibt es an ausgewählten Grund- und Oberschulen sowie an ausgewähl-
ten Beruflichen Schulzentren und den Kollegs. Die Vorbereitungsklassen an Oberschulen neh-
men künftige Oberschüler sowie Gymnasiasten auf. Vorbereitungsklassen werden durch die
Schulaufsicht eingerichtet.
Der
Betreuungslehrer
ist Fachlehrer für Deutsch als Zweitsprache und Berater, Mentor und
Integrationsbegleiter. Er leitet eine Vorbereitungsklasse und ist verantwortlich für
- die migrationsspezifische Beratung von Schulleitungen, Lehrern, Schülern und Eltern
bzw. anderen Personensorgeberechtigten,
-
die Sensibilisierung aller an der Integration beteiligte Personen,
-
ein integrationsförderndes Schulklima,
- die Schaffung optimaler Rahmenbedingungen an der Schule und Koordinierung der In-
tegrationsprozesse,
- die Erarbeitung von Festlegungen zur Teilintegration und individueller Integrationsmaß-
nahmen,
- die Koordination von Übergangsprozessen und außerschulischen Integrationsmaßnah-
men,
-
die Kooperation mit allen an der Integration beteiligten Partnern (z. B. mit Behörden, Ju-
gendmigrationsdiensten, Integrationsbeauftragten, Migrationsorganisationen, Wohl-
fahrtsverbänden, Initiativen und Vereinen).
Der Betreuungslehrer nimmt Aufgaben wahr, die weit über den Unterricht im Fach Deutsch als
Zweitsprache hinausgehen. Deshalb erhöht sich der schulbezogene Anrechnungsumfang für
jede eingerichtete Vorbereitungsklasse um zwei Anrechnungsstunden für die Aufgaben der Be-
treuungslehrer (gemäß Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus über die
Arbeitszeit der beamteten Lehrkräfte, Sächsische Lehrkräfte-Arbeitszeitverordnung – SächsL-
KAZVO vom 7. Juli 2017.)
Die Materialsammlung „Mit sprachlicher Kompetenz zum Schulerfolg“ bietet weiterführende In-
formationen zur Umsetzung der ächsischen Konzeption zur Integration von Migranten im
schulischen Alltag.
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