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Denkmalschutz und Denkmalpflege
im Freistaat Sachsen
Beispiele aus 20 Jahren erfolgreicher Arbeit am Denkmal

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1 | Freistaat Sachsen, Lageplan Kulturdenkmale

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Vorwort
...................................................................................................................................................................................................... 4
Grußwort
......................................................................................................................................................................................................5
Altstädte
Altstadt Görlitz ....................................................................................................................................................................... 6
Altstadt Freiberg ....................................................................................................................................................................8
Altstadt Torgau mit Schloss Hartenfels .....................................................................................................................10
Bürgerhäuser
Zwickau, Priesterhäuser....................................................................................................................................................12
Oschatz, Vogtshaus ............................................................................................................................................................13
Löbau, Haus Schminke ......................................................................................................................................................14
Gründerzeitviertel
Chemnitz, Gründerzeitviertel Kaßberg .......................................................................................................................16
Leipzig, Erhaltungsgebiet Bachstraßenviertel/Waldstraßenviertel .................................................................18
Villenviertel
Glauchau, Villenarchitektur mit Park und Einfriedung ........................................................................................20
Militär-, Verwaltungs-, Kommunal-,
Verkehrs- und Handelsbauten
Görlitz, Kaisertrutz ..............................................................................................................................................................22
Zittau, Stadtbad ...................................................................................................................................................................23
Leipzig, Hauptbahnhof ......................................................................................................................................................24
Siedlungen
Leipzig, Nibelungensiedlung, sogenannter Rundling ...........................................................................................25
Dresden, Gartenstadt Hellerau ......................................................................................................................................26
Ländliche Denkmale
Umgebindehauslandschaft Oberlausitz am Beispiel Berthelsdorf und Großschönau ............................28
Schwarzbach, Museum für Volksarchitektur, Umsetzung des Wohnstallhauses
eines ehemaligen Vierseitenhofes aus Poppitz .......................................................................................................30
Schlösser und Herrenhäuser
Schloss Zuschendorf ..........................................................................................................................................................31
Albrechtsburg Meißen .......................................................................................................................................................32
Zwickau, Schloss Osterstein ............................................................................................................................................34
Industriedenkmale
Industriemuseum Chemnitz ...........................................................................................................................................36
Baumwolle Flöha (Wasserbau).......................................................................................................................................37
Denkmalschutzgebiet Saigerhütte Olbernhau-Grünthal ....................................................................................38
Kirchen und Klöster (Sakralbauten)
Panschwitz-Kuckau, Zisterzienserinnen-Abtei Klosterstift Marienstern ......................................................40
Dorfkirche Franken .............................................................................................................................................................41
Pirna, Stadtkirche St. Marien ..........................................................................................................................................42
Gartendenkmale
Fürst-Pückler-Park Bad Muskau ...................................................................................................................................43
Schlossgarten Waldenburg .............................................................................................................................................44
Nachkriegsmoderne
Chemnitz, Städtebauliches Ensemble „Straße der Nationen“ ...........................................................................45
Kleinarchitektur, Sepulkralkunst,
Kunstgut
Hainewalde, Kanitz-Kyausches Grufthaus ..............................................................................................................46
Meerane, Kirche St. Martin, Wandbild „Einzug in Jerusalem“ ..........................................................................47
Delitzsch, St. Peter und Paul, Altarretabel .................................................................................................................48
Herzogswalde, Johann Georg Schön-Orgel .............................................................................................................50
Abkürzungen und Fotonachweis
....................................................................................................................................................................................................51
Inhaltsverzeichnis

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4 |
Kulturdenkmale prägen unsere Städte und Landschaften. Sie spiegeln Sachsens reiche Geschichte
und Kultur wider. Für uns Sachsen vermitteln sie Vertrautheit und das Gefühl von Heimat. Für
Menschen von anderswo sind sie ein Grund, den Freistaat zu besuchen. Es liegt in unser aller Ver-
antwortung, dieses kulturelle Erbe zu erhalten und an die nächste Generation möglichst vollständig
und unverfälscht weiterzugeben.
Als die Menschen 1989 im Herbst auf die Straße gingen, haben sie nicht nur für Freiheit und De-
mokratie demonstriert, sondern auch für den Erhalt ihrer Städte und Dörfer. Mit Engagement und
unglaublichem Aufbauwillen gelang es, die verfallenen Altstädte zu retten. 20 Jahre später sind
Sachsens Städte so schön wie vielleicht noch nie zuvor.
Über eine Milliarde Euro haben der Freistaat Sachsen und der Bund in den Jahren 1991 bis 2010 in
der gemeinsamen Städtebauförderung für den Denkmalschutz zur Verfügung gestellt. Dazu kom-
men ca. 500 Millionen Euro aus dem Landesprogramm Denkmalpflege. Darüber hinaus hat der
Freistaat Sachsen fast eine Milliarde Euro investiert, um die Kulturdenkmale im staatlichen Besitz,
insbesondere seine Schlösser und Burgen, zu erhalten. Insgesamt ergibt das eine Summe von über
2,5 Milliarden Euro, die in den letzten 20 Jahren unseren Denkmalen zu Gute gekommen ist.
Der Denkmalschutz und die Denkmalpflege wären jedoch nicht so erfolgreich ohne das herausra-
gende Engagement der Bürger. Unzählige private Initiativen, Vereine, Stiftungen und Privateigen-
tümer haben sich unserer Kulturdenkmale angenommen. Mit großem Einsatz haben sie Gebäude
liebevoll saniert und alte Gemäuer mit Leben erfüllt.
Gemeinsam haben wir in den letzten 20 Jahren unseren Städten und Dörfern ihr Gesicht zu-
rückgegeben. Darauf können wir stolz sein und daran können wir anknüpfen.
Die vorliegende Broschüre zeigt Beispiele aus der erfolgreichen Arbeit von 20 Jahren Denkmal-
schutz und Denkmalpflege im Freistaat Sachsen. Ich wünsche mir, dass diese Beispiele noch mehr
Menschen den Wert unseres kulturellen Erbes bewusst machen und dazu ermutigen, sich weiterhin
für unsere schöne Kulturlandschaft einzusetzen.
Markus Ulbig
Sächsischer Staatsminister des Innern
Vorwort
für unsere schöne Kulturlandschaft einzusetzen.
Markus Ulbig
Sächsischer Staatsminister des Innern

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Grußwort
Vielfalt und Werte der sächsischen Denkmallandschaft
Sachsens Kulturlandschaften weisen eine große Vielfalt und Reichhaltigkeit in ihren Landschafts-
räumen ebenso wie in ihrem Denkmalbestand auf. Frühe Silberfunde im Erzgebirge bewirkten wirt-
schaftliche und innovative Schübe im ganzen Land und es entwickelte sich eine selten reiche
Baukultur, die den Maßstäbe setzenden Bauten des kunstsinnigen und repräsentationsfreudigen
Herrscherhauses folgte.
Das Sächsische Denkmalschutzgesetz von 1993 definiert Kulturdenkmale als „von Menschen ge-
schaffene Sachen, Sachgesamtheiten, Teile und Spuren von Sachen einschließlich ihrer natürlichen
Grundlagen, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen,
städtebaulichen oder landschaftsgestaltenden Bedeutung im öffentlichen Interesse liegt“. Sie sind
materielle Zeugnisse gerade dieser landesgeschichtlichen Entwicklung.
Bis 1989 war, bis auf wenige „Denkmal-Leuchttürme“ und liebevoll individuell privat gepflegte
kleinere Objekte, meist im ländlichen Raum, die gesamte historische Bausubstanz in ihrem Bestand
gefährdet. Die Gründe sind bekannt. Dem mühsamen Einsatz engagierter Bürger und Denkmalpfle-
ger, wenigstens für die Bewahrung unserer kulturellen Werte zu sorgen, ist es zu verdanken, dass
nach der Neugründung des Freistaates Sachsen, buchstäblich „5 vor 12“, eine großartige Aufbau-
leistung beginnen konnte.
Die große Vielfalt der Denkmallandschaft lässt starre Handlungskonzepte nicht zu. Die Arbeit am
Kulturdenkmal ist stets eine individuelle, auf die jeweilige Situation und die gegebenen Handlungs-
spielräume – auch und gerade des Bauherrn – fundiert zu begründende und mit Augenmaß abzu-
stimmende Aufgabe.
Wir können stolz sein auf die inzwischen wieder gewonnene, wunderbare sächsische Denkmalland-
schaft, die allerdings nach wie vor professioneller Erforschung, Erhaltung und Pflege bedarf. Bei-
spielhaft sind in dieser Broschüre einige die Vielfalt der sächsischen Denkmallandschaften prägen-
den Objekte ausgewählt worden. Sie spiegeln gleichzeitig typische Denkmalgattungen wider. So
finden Sie hier die weitgehend sanierten einzigartigen Altstadtkerne, Siedlungen, Villen- und Grün-
derzeitviertel ebenso wie gerettete Bürgerhäuser, öffentliche Bauten und Verkehrsanlagen. Nicht
fehlen dürfen in Sachsen natürlich Gartendenkmale, Herrenhäuser und Schlösser, Kirchen, Klöster,
facettenreiche ländliche Bauten und natürlich Industriedenkmale.
Es ist schon unglaublich viel erreicht worden: durch privates Engagement, gezielte öffentliche
Förderung und gute fachliche Begleitung – aber auch hier sichert nur Kontinuität nachhaltige Er-
folge.
Prof. Dr. Rosemarie Pohlack
Landeskonservatorin

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6 |
Altstädte
Altstadtkern Görlitz
Projektzeitraum
1991 bis heute
Gesamtinvestition
ca. 500.000.000
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP, SEP, LSP)
59.187.598
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
5.600.000
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
45.500
3 | Brüdergasse 8, vor der Sanierung, um 1989
4 | Brüdergasse 8, nach der Sanierung
2
| Östlicher Altstadtbereich von Nordwest
mit Peterskirche und Untermarkt, vor 1988
Sanierung und Revitalisierung
Im Jahr 1071 wird Görlitz erstmals in einer Urkunde König Heinrichs VI. erwähnt, wonach das sla-
wische Dorf Goreliz („zgoreti“, slaw. „ausbrennen“) dem Bischof von Meißen geschenkt wurde. 1075
kam das Gebiet der heutigen Ober- und Niederlausitz als Pfand und 1089 als Reichslehen unter die
Herrschaft der böhmischen Herzöge und späteren Könige, die mit Unterbrechungen bis 1635 damit
auch Stadtherren von Görlitz waren. In den Jahren 1126 und 1131 wurde die Burg Yzcorelik, die
vermutlich im Bereich der Peterskirche lag, zusammen mit anderen Burgen an der Grenze Böhmens
durch Herzog Sobeslav I. ausgebaut.
Wahrscheinlich Mitte des 12. Jahrhunderts entstand an der Via Regia eine frühe Ansiedlung von
Kaufleuten mit der um 1100 vom Bischof von Meißen gegründeten Nikolaikirche als Zentrum. Im
1. Viertel des 13. Jahrhunderts bildete sich die erste Stadtanlage im Bereich der heutigen Altstadt
heraus. Mittelpunkt des fast rechtwinkligen Straßennetzes war der Untermarkt mit dem Rathaus.
Den Kaufleuten folgten Tuchmacher aus Thüringen und der Mark Meißen, was zu einer rasanten
Stadtentwicklung führte. So wurde das 1234 vor der Stadt gegründete Franziskanerkloster schon
um 1250 in die sich westwärts entlang der Via Regia vergrößernde Altstadt am Obermarkt integ-
riert. Hauptkirche wurde die Peterskirche.
Die Patrizier besaßen seit Mitte des 13. Jahrhunderts die Stadtherrschaft. Mit dem Münzrecht von
1330 und dem Waidhandelsmonopol von 1339, mit dem Görlitz den ganzen Osten beherrschte,
begründete die Stadt ihren großen Reichtum. Durch den 1346 gegründeten Oberlausitzer Sechs-
städtebund der Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau sicherten sich die mit
Görlitz verbündeten Städte ihre Machtposition. Neben den herausragenden Sakralbauten und einer
wehrhaften Stadtbefestigung entwickelte sich im Profanbau der wohl einmalige Typ des Görlitzer
Hallenhauses, von dem heute noch gut 50 Gebäude nachweisbar sind.

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1635 wechselte die Landesherrschaft über die Oberlausitz und Görlitz vom Königreich Böhmen
zum Kurfürstentum Sachsen. 1815 kam die nordöstliche Oberlausitz mit Görlitz zum Königreich
Preußen. Der preußische Einfluss prägte Mitte des 19. Jahrhunderts auch die sich erweiternde Stadt
von der Altstadt zum südwestlich neu angelegten Bahnhof, wobei im Interesse eines harmonischen
Übergangs von der Altstadt zum Gründerzeitgebiet Teile der alten Stadtbefestigungsanlage zu-
gunsten von Grünplätzen aufgegeben wurden.
Mit dem Zweiten Weltkrieg brach die rasante Entwicklung der Stadt ab. Zwar blieb Görlitz von
größeren Zerstörungen verschont. Die Grenzziehung entlang der Neiße führte nach dem Zweiten
Weltkrieg jedoch zum Verlust der östlichen Stadtteile. Die Baupolitik in der DDR führte zu einem
Sanierungsstau, der den Bestand der historischen Gebäude stark gefährdete. Vor allem das Enga-
gement der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Görlitz verhinderte größere Flächenabrisse.
Nach 1990 wurden für Görlitz erhebliche Mittel bereitgestellt, die die Sicherung und schrittweise
Instandsetzung der wertvollen Kulturdenkmale und die Rettung der Altstadt ermöglichten. Mit
3500 größtenteils restaurierten Baudenkmalen weist Görlitz heute eines der besterhaltenen histo-
rischen Stadtbilder in Deutschland auf und bildet damit das größte zusammenhängende nationale
Flächendenkmal. Insbesondere die Altstadt mit ihren spätgotischen, Renaissance- und Barock-
Bürgerhäusern hat sich zu einem attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort für junge Menschen
sowie zu einem Magnet für Touristen aus dem In- und Ausland entwickelt.
6 | Görlitz, Untermarkt 6/7 mit Rathausturm, 1988
8 | 9 | Blick auf die Nordseite des Untermarktes
vor und nach der Sanierung
7 | Görlitz, Untermarkt 6–8, Rathaus mit
Rathaus turm, Ansicht von Osten nach der Sanierung
5 | Altstadt von Nordost mit weitgehend sanierter
Dachlandschaft

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8 |
Stadtsanierung
Die Stadt Freiberg, deren Geschichte eng mit dem Bergbau verbunden ist, entstand im Zuge der
Entdeckung von silberhaltigem Erz um 1168 auf der Christiansdorfer Flur. In kurzer Zeit entstanden
vier verschiedene Siedlungskomplexe um die Pfarrkirchen St. Jakobi, St. Nikolai, Unser Lieben Frau-
en und St. Petri, die noch vor 1200 zur späteren Altstadt zusammenwuchsen. Die Stadt Freiberg
bildete sich damit in nur wenigen Jahrzehnten heraus und war in ihrer Entstehungszeit die größte
und bedeutendste Stadt der Markgrafschaft Meißen. Ihr Silberreichtum und die bedeutende Münz-
stätte machten das Kurfürstentum Sachsen zu einem wohlhabenden Staatswesen. Mehrere Stadt-
brände (zuletzt 1484) legten die Stadt Freiberg in Schutt und Asche. Die danach entstandene Be-
bauung des späten 15. und 16. Jahrhunderts fußt auf den mittelalterlichen Strukturen und prägt
die Stadt bis heute. Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg blieben der Altstadt von Freiberg
erspart.
Von den im gesamten heutigen Stadtgebiet von Freiberg vorhandenen ca. 1500 Kulturdenkmalen
befinden sich mit etwa 520 mehr als ein Drittel in der Altstadt. Davon sind etwa 20 Baudenkmale
aus der Zeit vor 1500, ungefähr 220 aus dem 15. und 16. Jahrhundert und ca. 100 aus der Zeit des
Barock. Die restlichen Baudenkmale stammen aus der Gründerzeit und der Jahrhundertwende
sowie wenige aus der Zeit des Jugendstils und jüngeren Datums. Damit verfügt die Altstadt von
Freiberg mit ihrer überwiegend original erhaltenen spätgotischen und renaissancezeitlichen Bebau-
ung über einen außerordentlich reichen Bestand an wertvollen Kulturdenkmalen mit einem ge-
schlossenen Stadtbild.
Besonders hervorzuheben sind der spätgotische Dom, der mit seinen Kunstwerken wie „Goldene
Pforte“ und Kurfürstliche Begräbnisstätte sogar internationale Bedeutung besitzt, die Petrikirche,
die Nikolaikirche und Profanbauten wie das spätgotische Rathaus am Obermarkt, Schloss Freuden-
stein, die spätgotischen Domherrenhäuser am Untermarkt, das spätgotische Kornhaus und die
Stadtbefestigung. Daneben beherrschen die vielen steinernen Bürgerhäuser mit ihren steilen hohen
Dächern, profilierten Fenstergewänden und besonderen Portalen, Figuren und Schriftsteinen das
Stadtbild und besitzen mit ihren auch im Inneren der Gebäude überaus reichhaltigen originalen
Ausstattungen wie profilierten und bemalten Decken, Wandmalereien, Konsolsteinen, Kaminen,
Fensterarchitekturen einen unschätzbaren Wert.
Altstädte
Altstadtkern Freiberg
Projektzeitraum
1990 bis heute
Gesamtinvestition
ca. 450.000.000
davon u .a.:
Städtebauförderung (SDP, SEP)
58.781.227
EFRE-Förderung
19.000.000
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
160.000
10 | Blick auf die Freiberger Altstadt mit Obermarkt,
2005

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| 9
Es bedurfte großer gemeinsamer Anstrengun-
gen, um die Altstadt von Freiberg nach 1990
wieder im alten Glanze erstrahlen zu lassen.
Von den etwa 800 Gebäuden in der Altstadt
wurden bis 2010 515 komplett und 154 teilsa-
niert. Das bedeutet einen Sanierungsstand von
64 % bzw. 83 %. Die Freiberger Altstadt prä-
sentiert sich heute als kleinteilige, historische,
aber auch lebendige, weil jung gebliebene alte
Stadt.
16 | Pfarrgasse 20, 1987
17 | Pfarrgasse 20, 2008
11 | Kornhaus, 2010
12 | 13 | Obermarkt in den 50er Jahren und 2010
14 | 15 | Schloss Freudenstein 1997
und nach der Sanierung

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10 |
Stadtsanierung
Die historische Altstadt von Torgau in ihrer heutigen Größe und Struktur entstand vor über 800
Jahren. Urkundlich erwähnt wird Torgau jedoch bereits im Jahr 973. Die Stadt entstand im An-
schluss an eine Burg zum Schutze des wichtigen Elbübergangs und war ein bedeutender Marktort
(„torgove“, slaw. Markt).
Die Altstadt besteht aus der Burgmannensiedlung westlich vom Schloss Hartenfels mit der Marien-
kirche, die später zur Hauptkirche der Stadt wurde, der Kaufmannssiedlung um den großen recht-
eckigen Marktplatz mit der Nikolaikirche und schließlich der westlich gelegenen Stadterweiterung
der Handwerker. Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts hatte der Stadtkern seine heutige Gestalt
ausgebildet und war von einer Mauer umgeben. Seit dem 11. Jahrhundert war die Stadt fast stän-
dig im Besitz der Wettiner.
Bis zu den Stadtbränden von 1442 und 1482 bestand noch eine lockere Bebauung, danach erfolg-
te eine bauliche Verdichtung, überwiegend mit traufständigen und massiven Häusern. Diese Ent-
wicklung wurde durch die häufigere Anwesenheit der sächsischen Kurfürsten befördert. Seine
glanz vollste Zeit erlebte Torgau im Reformationszeitalter als politisch-administratives Zentrum des
protestantischen Bündnisses und als Residenzort der ernestinischen Linie der Wettiner. Auch nach
dem Schmalkaldischen Krieg blieb Torgau bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wichtigste Neben-
residenz im nunmehr albertinischen Kurfürstentum Sachsen und Austragungsort vieler Landtage.
Baulich wurde diese Funktion durch das Schloss Hartenfels mit seinem berühmten Wendelstein,
dem Schönen Erker und der von Luther geweihten Kapelle, dem ersten protestantischen Kirchen-
bau, in Szene gesetzt.
Auch ihre bis heute bestehende baukünstlerische Prägung erfuhr die Torgauer Altstadt in dieser
Re sidenzzeit. Neuerungen späterer Zeiten betreffen oft nur die Fassaden, so z. B. zu Beginn des 19.
Jahrhunderts, als Torgau zunächst zur sächsischen, nach 1815 zur preußischen Festung ausgebaut
wurde. Diese Festungssituation bewahrte die Stadt vor Ver änderungen im Zeitalter der industriellen
Revolution und der häufig damit verbundenen Zersiedelung.
Altstädte
Altstadtkern Torgau und Schloss Hartenfels
Projektzeitraum
1990 bis heute
Gesamtinvestition
ca. 160.000.000
davon u .a.:
Städtebauförderung (LSP, SEP, SDP)
28.574.330
KPII
2.835.000
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
1.095.000
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
871.432
Landesprogramm Denkmalpflege
733.000
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
240.799
WMF
94.436
23 | Rathaus
18 | Blick von der Marienkirche zum Schloss,
rechts davor das sanierte Zeughaus, heute
Heimerer-Schule
19 | Ansicht der Nikolaikirche mit restaurierten
Türmen
20 | Wohnhaus Schlossstraße 23 mit teilrestaurierter
und rekonstruierter Renaissancefassade

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| 11
Deshalb sind noch heute zwei Komponenten im Stadtbild prägend: die auf mittelalterlichem
Grundriss entstandene Residenzstadt der Renaissance und der umgebende Festungsgürtel, städ-
tebaulich transformiert als spätgründerzeitliche Wohngebiete und Stadtpark auf dem einstigen
Glacis.
Wichtige stadtbildprägende Dominanten sind neben dem Schloss Hartenfels das Kanzleihaus, die
Marienkirche, das Renaissance-Rathaus, die bereits nach der Reformation säkularisierte Nikolaikir-
che, die einstige Franziskaner-Klosterkirche, spätere Alltagskirche, die heute als Aula des Johann-
Walter-Gymnasiums fungiert, und das barocke Proviantmagazin. Straßen- und Platzräume werden
von stattlichen, oft mit Giebeln bekrönten Bürgerhäusern überwiegend aus der Renaissance ge-
säumt, in denen sich meist noch wertvolle Ausstattungen wie Holzbalkendecken und Wandmale-
reien erhalten haben.
Festungssituation und nur kleinere Industrieansiedlungen haben der Torgauer Altstadt die traditi-
onelle Funktion als geschäftliches Zentrum und Wohnstandort bewahrt. Auch in der DDR wurde in
Torgau die innerstädtische Sanierung gepflegt und somit der wertvolle historische Bestand über-
wiegend erhalten. Nach 1990 konnte die Sanierungstätigkeit intensiviert und planvoll fortgeführt
werden. So präsentiert sich Torgau heute als eine der schönsten und vollständig erhaltenen Alt-
städte und als einzige Residenzstadt der Renaissance im Freistaat Sachsen.
21 | Stadtansicht über die Elbe von Osten mit
Elbmagazin, Schloss Hartenfels und Marienkirche
24 | Rosa-Luxemburg-Platz 4,
restauriertes Handwerkerhaus des 17. Jhs.
25 | Breite Straße 9,
Haus des Bürgermeisters Ringenhai
22 | Schloss Hartenfels, Großer Wendelstein

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12 |
Restaurierung, Sanierung und Umnutzung als Museum für Stadt- und Kulturgeschichte
In der Zeit von 1264 bis 1466 erbaut, gehören die Priesterhäuser in Zwickau zu den ältesten städ-
tischen Wohnbauten Sachsens. Exemplarisch zeigen sie die Entwicklung des mittelalterlichen Haus-
baus vom Haustyp mit nur einem Raum je Geschoss zum gegliederten Wohnhaus mit Stube/Stu-
dierstube, Kammer und Küche. Das im 13. Jahrhundert entstandene Haus Nr. 7 entspricht dabei
– als eines der wenigen noch erhaltenen Beispiele – den „Bauvorschriften“ des „Sachsenspiegels“.
Die außerordentliche Bedeutung der Priesterhäuser beruht auf ihrer original erhaltenen spätmit-
telalterlichen Baugestalt und Ausstattung.
Die Priesterhäuser dienten bis zur Reformation Geistlichen der Marienkirche und danach Bediens-
teten des Kirchen- und Schulwesens als Wohnung. Nach einer Nutzung als Mietshäuser standen
sie seit 1977 leer. Trotz Notsicherungen waren die Priesterhäuser Anfang der 1990er Jahre z. T.
einsturzgefährdet. 1992/93 wurden Fördermittel des Bundes, des Freistaates Sachsen und der
Stadt Zwickau sowie Gelder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bereitgestellt, die eine schritt-
weise Sanierung der wertvollen Baudenkmale ermöglichten. Im Jahr 2003 wurden die Zwickauer
Priesterhäuser als Museum für Stadt- und Kulturgeschichte eröffnet. Zur Bewahrung der einzigar-
tigen Denkmalsubstanz gelang es, die für diese Nutzung erforderlichen Nebenfunktionen in einem
Ergänzungsbau unterzubringen.
Bürgerhäuser
Zwickau, Priesterhäuser
Projektzeitraum
1993 bis 2003
Gesamtinvestition
ca. 10.000.000
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP)
3.454.492
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
320.000
28 | 29 | Priesterhäuser, Domhof 5, „Gelehrtenstube“,
1993 und 2009
26 | 27 | Priesterhäuser, Domhof 5–8,
Zustand um 1985 und 2009
30 | 31 | Priesterhäuser, Domhof 7,
„Schwarze Küche“, um 1985 und 2009

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Bürgerhäuser
Oschatz, Vogtshaus, später Rathaus, Siegelhaus der Tuchmacher
Projektzeitraum
Sicherung 1993, Sanierung 2005 bis 2010
Gesamtinvestition
1.697.465
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP)
1.130.087
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
4.300
32 | 33 | Ansicht des Gebäudes von Nordost vor der
Sanierung und kurz vor der Fertigstellung 2009
36 | 37 | Eingang ins Obergeschoss, Vorzustand
während der Bauarbeiten und nach der Sanierung
34 | 35 | Renaissance-Saal im Erdgeschoss, während
der Baumaß nahmen und nach der Fertigstellung
Sanierung und Umnutzung als Bürohaus
Das in seiner äußeren Erscheinung schlichte, zweigeschossige sogenannte Oschatzer Vogtshaus
westlich der Aegidienkirche war bis 2006 als spätmittelalterliches Rathaus, Adelssitz, Siegelhaus
der Tuchmacherinnung und Wohnhaus bekannt. Erst Untersuchungen des Landesamtes für Denk-
malpflege und freiberuflicher Restauratoren im Vorfeld von Sanierungsmaßnahmen erbrachten
sensationelle Befunde – mehrteilige künstlerisch gestaltete Fenster, der Rest eines Kamins und
verschiedene Mauerzüge, die in die späte Romanik, also die Zeit um 1200 verweisen. Damit befindet
sich in dem Bauwerk der Rest des ältesten bisher nachweisbaren steinernen Hauses in einem städ-
tischen Kontext in Sachsen. Vergleichbare Befunde in Freiberg, Grimma und Zwickau sind jeweils
jüngeren Datums.
Der romanische Kernbau wird durch bauliche Veränderungen und Ergänzungen aus Gotik, Renais-
sance, Barock und schließlich Biedermeier und Gründerzeit überlagert und verkörpert damit zudem
die gesamte Baugeschichte der Stadt Oschatz.
Der Ursprungsbau, dessen materielle und baukünstlerische Beschaffenheit im Organismus der frü-
hen Bürgerstadt etwas Außerordentliches darstellt, wird mit dem chronikalisch überlieferten, quel-
lenmäßig aber noch nicht fassbaren Sitz eines markgräflichen Vogtes in Verbindung gebracht.
Entsprechend der kulturhistorischen Bedeutung des Hauses wäre eine museale Nutzung nahe lie-
gend und wünschenswert gewesen, war aber angesichts der finanziellen Möglichkeiten der Kom-
mune nicht realisierbar. So wurde ein Konzept zur Nutzung als Bürohaus gefunden, bei der die
baugeschichtlich wichtigen Teile des Hauses überwiegend sichtbar und für die Öffentlichkeit erleb-
bar bleiben konnten.

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14 |
Instandsetzung und Umnutzung als Museum und für kulturelle Veranstaltungen
Von 1932 bis 1933 ließ sich der Löbauer Teigwarenfabrikant Fritz Schminke ein extravagantes
Wohnhaus in unmittelbarer Nähe seiner Fabrik in einem bestehenden Garten errichten. Das zu den
Hauptwerken des Architekten Hans Scharoun (1893–1972) zählende Haus ist als Beispiel des „Or-
ganischen Bauens“ eine Inkunabel der klassischen Moderne. Nach Auszug der Familie Schminke
erlebte das Gebäude eine wechselvolle Nutzung, zunächst als Erholungsheim für Kinder, dann als
Klubhaus der FDJ und Kreispionierhaus. Zwar blieb die historische Substanz durch die durchgängi-
ge Nutzung in der Hauptsache erhalten; aber die Schadensbilder im Bereich der Dächer und Fas-
saden waren zuletzt gravierend.
Bei der Instandsetzung von Haus und Garten zwischen 1999 und 2000 konnten die prägenden
Originalbauteile des Stahlskelettbaus vollständig erhalten und restauriert werden, insbesondere der
noch bauzeitliche Außenputz, die Stahlfenster, Geländer und Außentüren sowie die trotz aller Ver-
luste bedeutenden Reste des ursprünglichen Interieurs, darunter das wandfeste Mobiliar, alle In-
nentüren, verschiedene Bodenbeläge, die Fensterbänke und die Lichtdecke des Wintergartens. Das
einstige Raumkunstwerk war im Ganzen jedoch nicht wieder zu gewinnen. So fehlt heute den In-
nenräumen die spezielle Artikulation durch die unterschiedlich farbigen und strukturierten Tapeten,
die nach 1945 verloren gegangen waren. Auch der große Wohnraum kann ohne die architektonisch
aufgefasste Möblierung (freistehender Kamin, großes Sofa, Wandregal) die einstige Gestaltungs-
absicht nicht vollständig vermitteln. Nachdem die „Stiftung Haus Schminke“ im Jahr 2009 die
Trägerschaft für das Gebäude übernommen hat, dient es heute musealen Zwecken und als kultu-
reller Veranstaltungsort.
Bürgerhäuser
Löbau, Haus Schminke
Projektzeitraum
1999 bis 2000
Gesamtinvestition
1.331.718
davon u. a.:
BKM
350.771
Landesprogramm Denkmalpflege
185.379
Wüstenrotstiftung
642.063
39 | Blick in die zentrale Haushalle nach der
Sanierung, 2011
40 | Gartenseite vor der Sanierung, 1998
41 | rechts: Gartenseite nach der Sanierung, 2001
38 | Blick vom Wohnraum in den Wintergarten nach
der Sanierung, 2001

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16 |
Sanierung von Wohngebäuden, Gewerbebauten, Kirchen, Schulen
und anderen öffentlichen Gebäuden
Der Kaßberg ist der bevölkerungsreichste Stadtteil von Chemnitz und zählt zu den größten Grün-
derzeit- und Jugendstilvierteln Deutschlands. Er befindet sich in der Nähe des Flusses Chemnitz,
westlich des Stadtzentrums, am höchsten Punkt rund 30 Meter über dem Niveau der Innenstadt.
Er verdankt seinen Namen einer markanten Erhebung im westlichen Stadtgebiet, deren zur Innen-
stadt weisender Steilhang durch die Anordnung großer öffentlicher Bauten wie Schulen und Ge-
richtsgebäuden als Stadtkrone wahrgenommen wird. Eine geschwungene Auffahrt erschließt den
Ortsteil vom Zentrum her und führt auf die der Kammlinie folgenden Weststraße als zentrale
Achse. Sie wird in regelmäßigem Abstand von Nord-Süd-Verbindungen gekreuzt.
Das Straßenraster verweist auf das ausgehende 19. Jahrhundert als maßgebliche Entwicklungspha-
se dieses städtebaulich, stadtgeschichtlich und baukünstlerisch bedeutenden Ensembles. Die Be-
siedlung setzte erst nach 1855 mit der Errichtung einzelner privater Wohnhäuser ein. Zu den frühen
Bewohnern gehörte der Industriepionier Richard Hartmann, dessen 1858 erbaute Villa am nördlichen
Hang den ausgedehnten Hallenkomplex seiner Maschinenbaufabrik am Fuß des Hügels überragte.
Die Entwicklung zum großbürgerlichen Gründerzeitviertel begann mit der Aufstellung erster Be-
bauungspläne um 1870. Als Initialzündung ihrer Umsetzung kann der Bau des Gymnasiums an der
Hohen Straße 1872 gelten, das in ungebrochener Nutzungstradition fortbesteht. Mit dem bald
darauf errichteten Gerichtsgebäude, dem Kreissteueramt und der Gewerbekammer entstanden
wesentliche Teile der öffentlichen Bebauung entlang der Steilhangkante.
Die prominente Lage im Stadtgebiet sowie die Errichtung bedeutender öffentlicher Bauten zog eine
Klientel an wohlhabenden Bürgern nach sich, die in einzelnen Villen, vorrangig jedoch in frei ste-
henden Mietwohnhäusern gehobener Qualität wohnten. Akademiker, Kaufleute, Industrielle, Künst-
ler, Stadtverordnete und Beamte bildeten die Einwohnerschaft, aus deren Mitte Literaten wie Ste-
phan Hermlin, Stefan Heym und Lothar-Günther Bucheim, bildende Künstler wie Martha Schrag,
Otto Th. W. Stein und Marianne Brandt und die Architekten Erich Basarke und Fred Otto hervorge-
gangen sind.
Bis 1912 wuchs die geplante Karreestruktur rasch, großzügig gestaltet mit straßenbegleitenden
Baumreihen, öffentlichen Parks und obligatorischen Vorgärten. Der Erste Weltkrieg bereitete dieser
Entwicklung ein jähes Ende, abzulesen an der unvollständig gebliebenen, in den 1920er Jahren durch
Siedlungsbauten fortgeführten Bebauungsstruktur der westlichen Quartiere.
Gründerzeitviertel
Chemnitz, Gründerzeitviertel Kaßberg
Projektzeitraum
1990 bis heute
Gesamtinvestition
ca. 800.000.000
davon u. a.:
Städtebauförderung (SEP)
11.698.524
42 | Majolikahäuser Barbarossastraße 48 und 50

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| 17
Vor der Sanierungswelle der 1990er Jahre war der Stadtteil geprägt durch weitgehenden Ver-
schleiß der Gebäudesubstanz und ein Aufbrechen der städtebaulichen Struktur durch Wohnblöcke
der 1960er Jahre in Kriegslücken vor allem im östlichen Teil des Kaßbergs. Während letztere noch
immer als störendes Element vorhanden sind und in ihrem Umfeld auch die Entstehung ebenso
wenig passender Reihenhausbebauung ermöglicht haben, konnte der überlieferte Gründerzeitbe-
stand zumeist in Regie privater Eigentümer und Bauträger weitestgehend gesichert und denkmal-
pflegerisch verträglich an modernen Wohnkomfort angepasst werden.
Die Ausweisung zahlreicher Einzeldenkmale sowie der Status des Kaßbergs als Denkmalschutzge-
biet ermöglichten eine fachliche Steuerung der Bauvorhaben. Der Einsatz eines Farbgestalters be-
förderte die Wiederherstellung eines originalgetreuen Gesamtbildes. Nur noch wenige Bauten mit
unklaren Eigentumsverhältnissen oder mittlerweile stark geschädigter Substanz harren der Sanie-
rung.
46 | Weststraße 44
(Kreuzung Weststraße/Barbarossastraße)
47 | Majolikahäuser, Keramikfries
43 | Fassadendetail
44 | Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium, Hohe Straße
45 | Hübschmannstraße 17

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18 |
Städtebauliche Aufwertung eines Gründerzeitviertels
Das Erhaltungsgebiet Bachstraßenviertel und Waldstraßenviertel wurde 1990 förmlich festgelegt
und 1994 erweitert. Es erfasst zwei unmittelbar nebeneinander gelegene Gründerzeitviertel west-
lich bzw. nordwestlich des alten Leipziger Stadtkernes.
Die Wohnbebauung des Bachstraßenviertels stammt aus der Zeit von 1860 bis etwa 1890 und ist
nördlich der Käthe-Kollwitz-Straße (früher Plagwitzer Straße) und im westlichen Bereich als frei-
stehende Villen-, sonst überwiegend als geschlossene Blockrandbebauung ausgeführt. Unter den
Architekten der Wohngebäude sind mit Max Pommer, Oscar Mothes und Arwed Roßbach wichtige
Leipziger Vertreter des Historismus. Die Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg waren relativ gering
und konzentrierten sich auf den älteren östlichen Teil des Viertels.
Das Waldstraßenviertel gilt als eines der größten geschlossen erhaltenen Gründerzeitviertel in
Europa. Im Waldstraßenviertel wohnten zahlreiche bekannte Personen, darunter auch viele Musiker.
Beispiele dafür sind: Albin Ackermann-Teubner, Samuel Josef Agnon, August Bebel, Max Beckmann,
Georg Bötticher. Albert Lortzing komponierte in einem Gartenhaus der Funkenburg seine Oper „Zar
und Zimmermann“. Gustav Mahler wohnte von 1887–1888 im Haus Gustav-Adolf-Straße 12 und
schrieb dort unter anderem seine 1. Sinfonie.
Während es in den nordwestlichen Teilen des Waldstraßenviertels während des Zweiten Weltkrieges
kaum Bombenschäden gab, verzeichnet das Gebiet zwischen Ranstädter Steinweg und der davon
südlich gelegenen Käthe-Kollwitz-Straße starke Verluste, die in der DDR z. T. durch Neubauten er-
setzt wurden. Die verbliebene Bausubstanz war von Vernachlässigung, starkem Verfall oder nicht
denkmalgerechter Veränderung gekennzeichnet.
Gründerzeitviertel
Leipzig, Erhaltungsgebiet Bachstraßenviertel/Waldstraßenviertel
Projektzeitraum
1991 bis heute
Gesamtinvestition
ca. 205.600.000
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP)
29.932.740
48 | Waldstraßenviertel vor der Sanierung
49 | Waldstraßenviertel nach der Sanierung

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| 19
Das Erhaltungsgebiet Bachstraßenviertel/Wald-
straßenviertel gehört heute zu den begehrtes-
ten Wohngebieten Leipzigs. Mehr als 80 % der
Bausubstanz wurde mit großem Aufwand denk-
malgerecht saniert. Dazu gehören reich gestal-
tete Fassaden, hochwertige Treppenhäuser mit
Dekorationsmalereien sowie Interieurs mit
Stuckdecken, Türen und Parkettfußböden.
In den kommenden Jahren werden vorrangig die
Aufwertung der öffentlichen Räume sowie die
Wiederherstellung des historischen Erschei-
nungsbildes fortgesetzt. Dazu gehören der letz-
te Bauabschnitt zur Öffnung des Elstermühlgra-
bens sowie Baumaßnahmen für das Forum
Thomanum, das sich im Bereich der Thomas-
schule und dem Alumnat des Thomanerchores
in Form eines Campus als Bildungszentrum mit
Kindertagesstätte, Grundschule, Jugendmusik-
akademie und der Lutherkirche entwickeln soll.
50 | Balkon in der Christianstraße 6
vor der Sanierung
52 | 53 | Pfaffendorfer-Straße 1
vor und nach der Sanierung
51 | Balkon in der Christianstraße 6
nach der Sanierung
54 | 55 | Gustav-Adolf-Straße 19
vor und nach der Sanierung

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20 |
Villenviertel
Glauchau, Villenviertelarchitektur mit Park und Einfriedung
Erhaltung und denkmalgerechte Instandsetzung
Der wirtschaftliche Aufschwung in Sachsen um 1860/70 begünstigte im Erzgebirgsvorland auch
die industrielle Entwicklung der Stadt Glauchau. Glauchau entwickelte sich in wenigen Jahrzehnten
von einem verträumten Residenzstädtchen des Duodezfürstentums Schönburg zu einem typischen
sächsischen Industriestandort. In der Unterstadt nahe der Muldenaue breiteten sich die Fabriken
und Mietshausquartiere der Arbeiter aus; dagegen entstand südwestlich der historischen Oberstadt
– abseits der Fabrikanlagen mit ihren Industrieabgasen – in landschaftlich bevorzugter Lage nahe
dem Schlosspark ein Villenviertel. Die unmittelbare Nachbarschaft zur Altstadt und die Nähe zur
Schlossanlage sowie das Vorhandensein alter Straßen und Wege zu den nahe gelegenen Dörfern
begünstigten den Standort des Villenviertels, indem dieser Stadtteil dem Bedürfnis des prospe-
rierenden Bürgertums nach Leben auf dem Lande und in der Natur entsprach.
Das Glauchauer Villenviertel wurde innerhalb weniger Jahrzehnte im Stile des Historismus in zwei
Bauphasen errichtet: 1865 bis 1875 entstanden zunächst ohne einheitlichen Bebauungsplan ent-
lang der alten Verkehrswege sporadisch die ersten Villen im Stile des Spätklassizismus. Zwischen
1885 und 1895 wurde in rascher Folge der weitaus größere Teil der Villen im Stile der Neorenais-
sance und des aufkommenden Heimatstils gebaut. Um 1900 war die Bautätigkeit innerhalb des
Glauchauer Villenviertels im Wesentlichen abgeschlossen. In einer nachgeschobenen Bauphase
wurden von 1910 bis in die 1920er Jahre noch einige Baulücken im Stil der Reformarchitektur ge-
schlossen.
Das Glauchauer Villengebiet, das von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verschont blieb, zeichnet
sich durch hohe Authentizität und eine besonders herausgehobene architekturkünstlerische Be-
deutung aus.
58 | Plantagenstraße 10, Villa mit Park und
Einfriedung, Neorenaissance um 1885
56 | Plantagenstraße 3, Villa mit Park,
Neorenaissance um 1890
57 | Plantagenstraße 6, Villa mit Park,
Spätklassizismus um 1880
Projektzeitraum
1991 bis heute
Gesamtinvestition
Aufgrund der vielzähligen privaten
Einzeleigentümer keine Angabe möglich.

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| 21
Im Jahr 2000 beschloss daher der Stadtrat der Großen Kreisstadt Glauchau die Denkmalschutz-
Gebietssatzung „Glauchau – Villengebiet“. Ziel und Aufgabe dieser Satzung ist die Erhaltung des
einheitlichen historischen Erscheinungsbildes des gründerzeitlichen Villengebietes.
Das gründerzeitliche Villengebiet wird geprägt von parkähnlichen Gartenanlagen mit z. T. land-
schaftsarchitektonischer Ausstattung durch Terrassen, Freitreppen, Steingärten, Grotten und
Teichanlagen sowie figuralen Skulpturen einschließlich straßenzugewandter Grundstücksein-
friedungen mit kunsthandwerklich wertvollen schmiedeeisernen Zäunen zwischen Gusseisen-
oder Steinsäulen über massiven Sockeln.
Der Gegenstand der Unterschutzstellung ist einerseits begründet in der historischen Bebauungs-
struktur einer zumeist zweigeschossigen repräsentativen Villenarchitektur mit Sockelgeschoss und
Drempel sowie einer überkommenen First- und Traufhöhe der Einzelhausbebauung, andererseits in
einer straßenseitig vorwiegend symmetrischen Fassadengliederung mit Mittelrisalit und Dreiecks-
giebel sowie insgesamt hochrechteckigen Fensterformaten und gequaderten Putzstrukturen im
Sockel- bzw. Souterrainbereich.
Dem Engagement von Privatpersonen sowie der Förderung des Bundes und des Freistaates Sach-
sen ist es zu verdanken, dass die städtebauliche Geschlossenheit und die baukünstlerische Qualität
des Glauchauer Villenviertels für kommende Generationen erhalten bleiben.
61 | Friedrich-Ebert-Straße 1, Villa mit Garten,
Landhausstil der zwanziger Jahre
62 | Clementinenstraße 8, Villenkomplex mit
Parkanlage und Einfriedung, Reformarchitektur
um 1915
59 | Gartenanlage in der Plantagenstraße
60 | Glauchau, Paul-Geipel-Straße 7, Villa mit Park,
Spätklassizismus um 1875

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22 |
Modernisierung des kunsthistorischen Museums Görlitz
in Vorbereitung der 3. Sächsischen Landesausstellung
Das Zentrum der Stadt Görlitz wird durch die mittelalterliche Baugruppe Kaisertrutz und Rei-
chenbacher Turm geprägt. Die große Kanonenbastion (Barbakane) wurde von den Görlitzern ab
1490 zum Schutz des westlichen Stadttores errichtet. Auch als „Rondell“ oder „große Bastei am
Budissiner Tor“ bezeichnet, sicherte sie mit ihren bis 4,5 Meter starken Mauern die Stadt nach
Westen. Weil die Festung und ihre schwedische Besatzung in den Wirren des Dreißigjährigen Krie-
ges den kaiserlichen und kursächsischen Belagerern trotzten, erhielt sie 1641 von den Belagerern
den Namen Kaisertrutz. Während Mitte des 19. Jahrhunderts Teile der Stadtbefestigungsanlagen
abgerissen wurden, so auch das zwischen Kaisertrutz und Reichenbacher Turm befindliche „Budis-
siner Tor“, blieb das geschichtsträchtige Rondell verschont. Im Zusammenhang mit der Neugestal-
tung städtischer Grünanlagen wurden der Wehrgraben und das einstige Erdgeschoss zugeschüttet,
was heute noch an den gleich über dem Rasen befindlichen Kanonenschießscharten erkennbar ist.
Das Geschoss über dem einst hölzernen Wehrgang wurde erst 1850 aufgesetzt. Auf den Umbau
von 1848 bis 1850 gehen auch die beiden Flügelbauten mit Eckpylonen und dem dazwischen ge-
legenen Portikus zurück. Die einstige Renaissancehaube des Mittelturms wurde durch eine neugo-
tische Aufstockung mit Zinnen ersetzt. Der umgestaltete Bau diente als Hauptwache, Zeughaus
und Militärgefängnis.
1932 wurde der Kaisertrutz für die Städtischen Kunstsammlungen als Museum umgebaut, wobei
das Rondell seinen neugotischen Zinnenkranz verlor. 1947 nahm das Museum archäologische
Sammlungen, eine Gemäldegalerie und ein Ausstellungskabinett auf. 1998 wurde der Kaisertrutz
Teil der Städtischen Sammlungen für Geschichte und Kultur. In Vorbereitung der 3. Sächsischen
Landesausstellung 2011 „Via Regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ konnte der Bau nach-
haltig für seine museale Nutzung saniert werden.
Militär-, Verwaltungs-, Kommunal-,
Verkehrs- und Handelsbauten
Görlitz, Kaisertrutz
Projektzeitraum
2005 bis 2011
Gesamtinvestition
5.970.000
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP)
4.792.000
64 | Ausstellungsraum 1. Obergeschoss, Rundbau
65 | Eingangsbereich zum Kaisertrutz vom Obermarkt gesehen, 2009
63 | Ehemaliger Innenhof mit Glasdach, Aufzug und
Treppenzugang zum Untergeschoss

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| 23
Sanierung und Erweiterung sowie Wiederherstellung der Außenanlage
Das Stadtbad in Zittau entstand nach einem Entwurf des Stadtbaudirektors Emil Trummler zwischen
1871 und 1874 als Bestandteil der repräsentativen Ringstraßenbebauung. Der stattliche neuklassi-
zistische Bau, der einen Turm der mittelalterlichen Stadtbefestigung einbezieht, gehört zu den
frühen, äußerlich unverändert erhaltenen Beispielen einer „Volksbadeanstalt“ in Deutschland und
stellt ein bedeutendes bau-, kultur- und hygienegeschichtliches Zeugnis der Gründerzeit dar.
Trotz zunehmender baulicher und technischer Mängel konnte der Badebetrieb bis in die 1990er
Jahre aufrecht erhalten werden. Bei der umfassenden Sanierung zwischen 2001 und 2009 waren
Eingriffe in die Substanz und die kleinteilig verschachtelte Raumstruktur des Gebäudes kaum ver-
meidbar. Trotzdem konnte die historische Zonierung des Hauptgeschosses mit zwei getrennten
Schwimmsälen im Ost- und Westflügel bewahrt werden, allerdings mit neuer, zentraler Erschließung
vom Mittelbau aus. Von den beiden nur noch in ihrer Kubatur erhaltenen Schwimmhallen verblieb
die östliche weitgehend im Bestand, während der einstige Männerschwimmsaal vergrößert werden
musste, um den Mindestanforderungen eines modernen Badebetriebs zu entsprechen.
Die notwendige Erweiterung, für die der Altbestand im Innern keinen Platz bot, erfolgte durch einen
zeitgemäßen, aber bewusst Kontraste vermeidenden Anbau an den zu zwei Dritteln neu errichteten
Westflügel. Das Hauptgebäude selbst wurde äußerlich einschließlich der umgebenden Grünanlagen
denkmalgerecht instand gesetzt, wobei die Fassaden ihre historische Farbe in Gelbocker zurücker-
hielten. Auch im Innern konnten einige der wenigen noch erhaltenen Zeugnisse des originalen
Ausbaus in die Neugestaltung einbezogen werden (z. B. Tauchbecken, Oberlichtdecken).
Militär-, Verwaltungs-, Kommunal-,
Verkehrs- und Handelsbauten
Zittau, Stadtbad
Projektzeitraum
2001 bis 2009
Gesamtinvestition
10.971.200
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP)
6.736.380
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
1.426.698
67 | ehemaliger Frauenschwimmsaal mit freigelegter
originaler Wandfassung, 2008
68 | ehemaliger Frauenschwimmsaal
nach der Sanierung, um 2010
66 | Ansicht nach der Sanierung, 2011

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24 |
Umbau und Modernisierung zum modernen Dienstleistungszentrum
Der 1909 bis 1915 nach Entwürfen von William Lossow und Max Hans Kühne errichtete Leipziger
Hauptbahnhof galt mit seinem 298 Meter langen Empfangsgebäude und insgesamt 26 Bahnsteigen
und 5 Außenbahnsteigen als größter Kopfbahnhof Europas. Hinter einer Sandsteinfassade mit neo-
klassizistischen Formen verbirgt sich eine für die Erbauungszeit hochmoderne Eisenbetontechno-
logie. Die symmetrische Anlage erinnert mit ihren beiden Eingangshallen an die ursprüngliche
Bestimmung als Doppelbahnhof mit getrennter sächsischer und preußischer Verwaltung. Beson-
ders beeindruckend ist die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und von 1954 bis 1962 wieder aufge-
baute monumentale Querbahnsteighalle, die mit 27 Metern Höhe und 33 Metern Breite eine Ge-
samtlänge von 270 Metern besitzt. Sie vermittelt zu der mit bogenförmigen Stahlbindern
überspannten und großzügig verglasten Bahnsteighalle.
Ab 1995 erfolgte der Umbau des modernisierungsbedürftigen Bahnhofes. Dabei wurden Fassaden,
Dächer und Bahnsteighalle nach denkmalpflegerischen Vorgaben instand gesetzt. In den Eingangs-
hallen, im Speisesaal und in den historischen Wartesälen wurde die ursprüngliche Dekoration und
Farbigkeit rekonstruiert. Das Weiterbauen am Denkmal betraf in erster Linie das Unter- und das
Erdgeschoss des Empfangsgebäudes sowie die Querbahnsteighalle, deren Fußboden ellipsenförmig
geöffnet wurde, um in drei Untergeschossen ein Einkaufszentrum mit ca. 30000 Quadratmetern
Verkaufsfläche und mehr als 140 Geschäften aufzunehmen. Auf der Fläche der ehemaligen Gleise
25 und 26 sowie unterhalb vom Gleis 24 wurde ein Parkhaus mit 600 Stellplätzen angelegt. Der
von der ECE-Gruppe konzipierte Umbau verfolgte das Ziel, den Bahnhof zu einem modernen
Dienstleistungs- und Reisezentrum umzugestalten. Im Herbst 1997 fand die feierliche Wiederer-
öffnung statt.
Militär-, Verwaltungs-, Kommunal-,
Verkehrs- und Handelsbauten
Leipzig, Hauptbahnhof
Projektzeitraum
1995 bis 1997
Gesamtinvestition
250.000.000
69 | Eingangsgebäude nach der Sanierung, 1997
70 | 71 | Querbahnsteig während des Umbaus 1995
und nach Fertigstellung, 1997
72 | Luftbild

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| 25
Restaurierung
Der Rundling im Stadtteil Lößnig von Leipzig, eigentlich Nibelungenring, ist eine 1929/30 nach
Plänen des bekannten Leipziger Architekten und Stadtbaurates Hubert Ritter errichtete kreisförmi-
ge Wohnanlage. Sie besteht aus 24 Häusern mit insgesamt 624 Wohnungen und ist in der Form
von drei konzentrischen Ringen mit zwei kreuzförmigen Erschließungsstraßen angeordnet. Der
äußere Ring hat einen Durchmesser von 300 Metern. Während die beiden äußeren Ringe der auf
einem Hügel gelegenen Anlage aus dreigeschossigen Bauten bestehen, ist der innere Ring vierge-
schossig ausgeführt. Die wirkungsvoll gestaffelte städtebauliche Anlage mit ihren überaus moder-
nen Bauten im Stil der Neuen Sachlichkeit zählt zu den bedeutendsten Siedlungsprojekten aus der
Zeit der Weimarer Republik.
Der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Rundling wurde in den Jahren 1965/66 teilweise
wieder aufgebaut. Denn auch in der DDR war er eine der begehrtesten Wohngegenden Leipzigs.
Dennoch führten Vernachlässigung und mangelhafter Bauunterhalt zu den üblichen Verfallser-
scheinungen. 1993 bis 1997 erfolgte eine umfangreiche Sanierung der denkmalgeschützten Anla-
ge, die auch den Wiederaufbau der fünf im Krieg zerstörten Blöcke einschloss. Die Leipziger Woh-
nungs- und Baugesellschaft (LWB) erhielt für die Sanierung den Deutschen Bauherrenpreis.
Siedlungen
Leipzig, Nibelungensiedlung, sogenannter Rundling
Projektzeitraum
1993 bis 1997
Gesamtinvestition
440.000.000
davon u. a.:
Landesprogramm Denkmalpflege
406.000
73 | Äußerer Ring nach der Sanierung
74 | Luftbild
75 | 76 | Innerer Ring vor und nach der Sanierung

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26 |
77 | 78 | Festspielhaus Hellerau von Süden, vor der
Sanierung, 1996 und 2009 (Gesamtsanierung noch
nicht abgeschlossen)
79 | 80 | Deutsche Werkstätten Hellerau, Hofraum in
Richtung Westen, vor der Sanierung, 1996 und nach
der Sanierung, 2009
81 | 82 | Heideweg 24, Blick von Nordosten,
vor der Sanierung, 1996 und nach der Sanierung,
2000
Sanierung der Gartenstadt mit Deutschen Werkstätten und Festspielhaus
Die Gartenstadt Hellerau – auf Initiative von Karl Schmidt, dem Inhaber der Deutschen Werk-
stätten Hellerau, gegründet – gilt weltweit als ein sehr frühes Beispiel der um 1905 von England
ausgehenden, internationalen „Gartenstadtbewegung“– einer Bewegung, die infolge ihres sozialen
und städtebaulichen Reformanliegens wegweisende Bedeutung für die Entwicklung des modernen
Städtebaues des 20. Jahrhunderts erlangte.
Die seit 1906 vorbereitete Ausführung dieser für damalige Verhältnisse neuartigen Stadtanlage
erfolgte auf der Grundlage eines von Richard Riemerschmid entworfenen Bebauungsplanes in einem
zuvor weitgehend unbebauten, einige Kilometer nördlich von Dresden gelegenen Gelände. Unter
Einbindung bedeutender Sozialreformer, Künstler und Architekten gelang nicht nur eine vorbild-
hafte Umsetzung der Ideale der noch jungen „Gartenstadtbewegung“, sondern zugleich eine ein-
drucksvolle städtebauliche Lösung mit einer Vielzahl sehr qualitätvoll gestalteter Einzelbauten und
spannungsvoll konzipierter Stadträume. Dies gilt sowohl für die in das natürliche Geländerelief
geschickt eingefügten Klein- und Landhausareale als auch für das Ensemble der Deutschen Werk-
stätten oder das „auf dem Hügel gelegene“ Festspielhausgelände, eine Inkunabel der deutschen
Architekturentwicklung.
Das schon von den Zeitgenossen begeistert aufgenommene Vorhaben „Hellerau“ wurde bereits nach
kürzester Zeit zu einem Treffpunkt der europäischen Avantgarde. Noch heute nimmt die stark
durchgrünte, in vielen Bereichen authentisch erhaltene Gartenstadt mit ihren reizvollen Straßen-
und Platzbildern den Betrachter spontan für sich ein. Ein Besuch Helleraus führt dabei nicht nur zu
einem sehr beliebten Stadtteil im Norden Dresdens, sondern zugleich zu einem wichtigen und
wertgeschätzten Markstein der jüngeren europäischen Stadtbaukunst.
In den vergangenen zwanzig Jahren ist Vieles zum Erhalt der als Sachgesamtheit unter Denkmal-
schutz stehenden Gartenstadt getan worden. Die bedrohlichste Situation stellte zu Beginn der
1990er Jahre wohl das jahrzehntelang als Kaserne zweckentfremdete Festspielhaus dar, dessen
Bausubstanz in größeren Bereichen akut gefährdet war. Schon bald nach der deutschen Einheit
Siedlungen
Dresden, Gartenstadt Hellerau
Projektzeitraum
1990 bis heute
Sicherung 1993, Sanierung 2005 bis 2010
Gesamtinvestition
Keine Angaben
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP)
5.766.316
Wüstenrot Stiftung
2.217.000
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
225.000

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wieder als Ort der Kunst in Besitz genommen, erfolgten zunächst dringend notwendige Siche-
rungsarbeiten. Aufbauend auf zwei international besetzten Wettbewerben begann nachfolgend ein
sehr aufwendiger Sanierungsprozess, der bereits weit vorangeschritten ist. Als Sitz wichtiger lan-
desweit tätiger Kulturinstitutionen und Wirkungsstätte des „Europäischen Zentrums der Künste“
wurde für den Gebäudekomplex nicht nur eine seiner internationalen Bedeutung angemessene
Nutzung gefunden, sondern Dresden zugleich um eine wichtige Fassette seines breiten kulturellen
Spektrums bereichert.
Ein weiteres bedeutendes Vorhaben stellte die bauliche Neustrukturierung der Deutschen Werk-
stätten Hellerau dar. Dabei gelang es einerseits durch die Errichtung eines anspruchsvoll gestalte-
ten neuen Werkstattbaues, die Voraussetzungen für modernste Fertigungsprozesse des weltweit
erfolgreich tätigen Unternehmens zu schaffen. Andererseits wurde das historische Gebäudeensem-
ble in beispielhafter Weise saniert und als gefragter Büro- und Tagungsstandort etabliert.
Besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt galt zudem der substanzschonenden Entwicklung der
großflächig im Bestand erhaltenen Klein- und Landhausviertel sowie der architektonisch quali-
tätvollen Ergänzung der Gartenstadt im Bereich der bislang noch freien Baufelder in einer dem Ort
angemessenen, modernen Formensprache.
| 27
84 | Am Dorffrieden, Blick nach Norden,
nach der Sanierung, 2011
85 | Am Grünen Zipfel, Blick nach Norden,
nach der Sanierung, 2011
83 | Heideweg 24, Blick von Osten (Detail Zugang),
nach Sanierung, 2000

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28 |
1
Davon 125.000
für Einzelobjekt Großschönau,
Theodor Haebler-Straße 25.
2
Hier nur aufgeführte Summe für Berthelsdorf und
Großschönau.
Sanierung einer Hauslandschaft am Beispiel Berthelsdorf und Großschönau
Von rund 6500 denkmalgeschützten Umgebindehäusern im Freistaat Sachsen befinden sich 6000
Bauten in der Oberlausitz, darunter 5000 im Altkreis Löbau-Zittau und über 900 im Altkreis Baut-
zen. Zu Recht spricht man deshalb von der „Oberlausitzer Umgebindehauslandschaft“, obwohl das
Umgebindehaus einst auch in anderen Teilen Sachsens stark verbreitet war und ebenso in anderen
Gebieten Deutschlands und Mitteleuropas zu finden ist. Man muss davon ausgehen, dass sachsen-
weit insgesamt nur noch etwa 40 Prozent des um 1900 vorhandenen Gebäudebestands erhalten
sind. Die ältesten datierten Häuser stammen aus dem 16. Jahrhundert, die jüngsten aus den 1930er
Jahren, abgesehen von einigen Neubauten aus der Zeit nach 1990. Die mit Abstand höchste Kon-
zentration von Umgebindebauten weist die südliche Oberlausitz auf. Sie ist die einzige Region, in
der sich alle Bevölkerungsschichten vom Spätmittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert des Umge-
bindehauses kontinuierlich bedient haben. So ist hier eine der eindrucksvollsten Kulturlandschaften
mit überaus sehenswerten historischen Ortsbildern erhalten geblieben.
Nach 1990 ermöglichten staatliche Förderprogramme und das Engagement beispielsweise der
Deutschen Stiftung Denkmalschutz eine umfassende Sanierung der historischen Bausubstanz. Al-
lein im Rahmen des Landesprogramms „Denkmalpflege“ konnten 1992 bis 2005 Reparatur- und
Sanierungsmaßnahmen bei über 500 Umgebindehäusern mit einem Volumen von mehr als 2,6
Millionen Euro gefördert werden. Insgesamt stellt sich heute der Sanierungsstand im Umgebinde-
hausgebiet durchaus unterschiedlich dar. Problematisch sind im Vergleich zu den Gebirgsorten vor
allem die Städte und Gemeinden an der Bundesstraße 96. So sind etwa 400 Umgebindehäuser
derzeit ohne Nutzung.
Umso erfreulicher ist es, dass sich die ostsächsischen und angrenzenden tschechischen und pol-
nischen Landkreise seit 2003 verstärkt auf die gemeinsame Hauslandschaft im Dreiländereck be-
sinnen und unter der Dachmarke „Umgebindeland“ neue Gremien gegründet und Projekte zur Er-
Ländliche Denkmale
Umgebindehauslandschaft Oberlausitz
Projektzeitraum
1990 bis heute
Gesamtinvestition
Keine Angaben
davon u. a.:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
1.448.101
1
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
128.000
2
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
79.940
Landesprogramm Denkmalpflege
2.600.000
86 | 87 | Großschönau, Theodor-Haebler-Straße 25,
Zustand um 2000 und nach der Sanierung 2011
88 | 89 | Berthelsdorf, Südstraße 1, Zustand des
Umge bindehauses um 1998 nach der Sanierung 2011

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| 29
haltung der Umgebindehäuser ins Leben gerufen haben. Genannt seien hier stellvertretend die
Einrichtung einer Online-Verkaufsbörse für ungenutzte Umgebindehäuser, über die bereits 100
Gebäude neue Eigentümer gefunden haben, oder der jährlich stattfindende „Tag des offenen Um-
gebindehauses“. Hinzu gesellen sich zahlreiche Vereine und Institutionen wie die Hochschule Zittau/
Görlitz mit dem „Informationszentrum Umgebindehaus“, der Sächsische Verein für Volksbauweise,
der „Fachring Umgebindehaus“ oder die im Jahr 2004 gegründete „Stiftung Umgebindehaus“, die
sich unter der Schirmherrschaft des Sächsischen Staatsministers des Innern sehr positiv entwickelt
hat. Sie kooperiert unter anderem mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und vergibt jährlich
den „Umgebindehauspreis“ für vorbildliche Sanierungsleistungen. Ausgezeichnet wurden beispiels-
weise die Häuser Südstraße 1 in Berthelsdorf und Theodor-Haebler-Straße 25 in Großschönau.
Während das brandgeschädigte Berthelsdorfer Haus nach behutsamer Sanierung als privates Wohn-
haus dient, entstand in dem lange leer stehenden, als „Inselhaus“ bekannt gewordenen Großschö-
nauer Gebäude eine anspruchsvolle Ferienwohnung. Bedenkt man darüber hinaus die oft jahrelan-
ge, kontinuierliche Pflege der Häuser durch ihre Eigentümer, tragen alle genannten Aktivitäten dazu
bei, eine Hauslandschaft zu erhalten, die noch das Gesicht einer ganzen Region prägt und im Zeit-
alter der Globalisierung ihre Unverwechselbarkeit ausmacht.
91 | Großschönau, Umgebindehaus-Ensemble an der
Mandau, 2011
90 | Karte der südlichen Oberlausitz mit den
wichtigsten Umgebindehausorten
92 | Großschönau, Ortsbild im Umfeld der
Dorfkirche, 2011
93 | Großschönau, Theodor-Haebler-Straße 25,
Umgebindehaus „Inselhaus“, 2011

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30 |
Umsetzung des Wohnstallhauses eines ehemaligen Vierseitenhofes aus Poppitz
Das 1568 erbaute und für diese Zeit große Wohnstallhaus aus Poppitz, Mühlenstraße 7, gehört zu
den ältesten ländlichen Kulturdenkmalen des Wohnens und Wirtschaftens unter einem Dach in
Sachsen. Bauhistorische Befunde zeigen, dass es als Umgebindehaus errichtet wurde. Das in Sach-
sen zweitälteste bekannte Umgebindehaus bildete im oberen Teil des heute zu Rochlitz eingemein-
deten Dorfes Poppitz den westlichen Abschluss eines Hofes. Dessen Scheune, die um die Mitte des
16. Jahrhunderts errichtet wurde, musste nach 1980 einem Neubaublock weichen. Auch die Erhal-
tung des Wohnstallhauses konnte den Eigentümern aufgrund seines desolaten Bauzustandes nicht
mehr zugemutet werden.
Um dieses überregional bedeutende Denkmal erhalten zu können, wurde es nach Schwarzbach
umgesetzt und anschließend museal genutzt. Dabei ist es der engagierten Arbeit des Museums für
Volksarchitektur und bäuerliche Kultur Schwarzbach e. V. zu verdanken, dass das Kulturdenkmal
nach Planungen eines Büros in ehrenamtlicher Tätigkeit unter fachlicher Betreuung durch die
Denkmalbehörden erfolgreich umgesetzt werden konnte. Der Wiederaufbau erfolgte mit einem
Erdgeschoss in Fachwerk mit Umgebinde und Blockstube. Dadurch ist heute ein mittelsächsisches
Wohnstallhaus des 16. Jahrhunderts in seiner Bau– und Raumstruktur der Öffentlichkeit zu-
gänglich.
Ländliche Denkmale
Schwarzbach, Museum für Volksarchitektur
Projektzeitraum
2004 bis 2008
Gesamtinvestition
390.000
96 | Ansicht des Wohnstallhauses während des
Wiederaufbaus im Museum Schwarzbach
97 | Abgewandte Traufe mit wiederhergestelltem
Langständergefüge. Die zugewandten Seiten sind
hingegen in Stockwerkbauweise errichtet.
95 | Abgewandte Traufe des Wohnstallhauses in
Poppitz. Das Erdgeschoss wurde in Bruchstein
ersetzt.
94 | Wohnstallhaus in Poppitz, dahinter der
Neubaublock

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| 31
Schlösser und Herrenhäuser
Schloss Zuschendorf
Instandsetzung und Restaurierung der Schlossanlage
Das Landschloss Zuschendorf, eine im 16. Jahrhundert umgebaute und um 1730 barock überform-
te Burganlage aus dem 11. Jahrhundert, war vom 15. bis 17. Jahrhundert Stammgut der Adelsfami-
lie von Carlowitz. Die landschaftlich markant in Erscheinung tretende Anlage aus Schloss, Kirche,
Park, Gutshof, Vorwerk und vorbeiführender Poststraße wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts
baulich vernachlässigt und in der DDR dem Verfall preisgegeben.
Dem Förderverein Landschloss Pirna-Zuschendorf e. V. gelang seit 1990 die fast vollständige Wie-
derherstellung des Schlossensembles, das heute die Botanische Sammlung bedeutender Kamelien-
und Azaleenbestände birgt, die aus der historischen Seidel’schen Kameliensammlung hervorgegan-
gen ist. Nach der Wiederherstellung des Vorwerkes und der Sicherung der in ihrem Fortbestand
bedrohten Schlosskirche konnten bis 1992 das schwer von Hausschwamm zerfressene und ein-
sturzgefährdete Südflügeldach des Schlosses erneuert, dessen noch offener Giebel geschlossen
und das Gebäude vor dem endgültigen Verfall gerettet werden. Bis 1997 folgten das Nordflügel-
dach und die Fassaden. Besonders problematisch war die Rettung der talseitigen Ecke des Nord-
giebels, die abzustürzen drohte. Einhergehend damit geschahen umfangreiche Arbeiten zur Siche-
rung weiterer Remisen-, Gewächs- und anderer Nebengebäude sowie zur Rekonstruktion des
wertvollen Parks. In den Jahren danach erfolgte die schrittweise Instandsetzung zahlreicher Innen-
räume. Es wurden ein Aufzug eingebaut, 2001 der Festsaal im Obergeschoss des Südflügels fertig
restauriert, eine gusseiserne Spindeltreppe in einen Nachbarraum umgesetzt und sämtliche ande-
ren, z. T. ebenfalls sehr repräsentativen Räume im Erd- und Obergeschoss sowie die Erschließungs-
galerie restauriert.
Projektzeitraum
1990 bis heute
Gesamtinvestition
2.778.000
davon u. a.:
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
286.000
Dussmann Stiftung
200.000
Kulturstiftung
der Sparkasse Freital-Pirna
157.000
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
150.000
Denkmalstiftung Baden-Württemberg
80.000
Landesprogramm Denkmalpflege
69.000
98 | Südflügel von Süden mit Übergang zur Schlosskirche
100 | Wappenstein in der Südfassade „Anno 1665“
99 | Anschluss zur Schlosskirche

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32 |
Schlösser und Herrenhäuser
Albrechtsburg Meißen
Sanierung und funktionale Modernisierung des Museums
Die Albrechtsburg in Meißen ist eines der bekanntesten spätgotischen Architekturdenkmale und
gilt als der erste Schlossbau Deutschlands.
Die Albrechtsburg wurde ab 1471 von Arnold von Westfalen im Auftrag von Ernst und Albrecht von
Sachsen erbaut und markiert den Übergang vom Typus der mittelalterlichen Burg zum frühneuzeit-
lichen Schloss. Neben konsequentem Geschossbau, regularem Grundriss und einer Appartement-
struktur prägen das Bauwerk große Vorhangbogenfenster und Säle mit Zellengewölben. Damit
gehört die Anlage zu den Spitzenleistungen europäischer Baukunst.
Obwohl das Schloss eigentlich als Residenz für die beiden Fürsten angelegt worden war, wurde es
nie als solches von ihnen genutzt. 1485 wurde die Regierung der beiden Brüder aufgehoben und
das Land in Sachsen und Thüringen geteilt („Leipziger Teilung“). Albrecht (der Albertiner) erhielt
Sachsen mit dem neu erbauten Schloss. Deswegen wurde es auch 1676 nach ihm auf den Namen
„Albrechtsburg“ getauft. Als Residenz wurde die Albrechtsburg jedoch erst von seinem Sohn Georg
dem Bärtigen genutzt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Schloss stark beschädigt.
Seitdem stand es leer. August der Starke nutzte die Albrechtsburg ab 1710 als sicheren Ort für die
erste europäische Porzellanmanufaktur, die hier über 150 Jahre verblieb.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Manufaktur in neu gebaute Fabrikgebäude umgesiedelt, das
Schloss stand wieder leer. In den Jahren 1864 bis 1870 wurden die alten Manufaktureinbauten
beseitigt und das Schloss als Monument sächsischer Geschichte wieder architektonisch hergerich-
tet. Die Räume wurden mit Wandmalereien zur wettinischen Geschichte versehen. Gleichzeitig
erfuhr der gesamte Burgberg eine entsprechende Umgestaltung. Krönung dieser historistischen
Inszenierung des Ensembles war die Vollendung der Türme des benachbarten Domes. Ende des 19.
Jahrhunderts wurde die Albrechtsburg auch der Bevölkerung zugänglich gemacht.
Projektzeitraum
1990 bis heute
Gesamtinvestition
3
27.705.000
101 | Domplatz
102 | Großer Wendelstein vor der Sanierung
3
Genannt werden die Gesamtbaukosten im
staatlichen Hochbau.

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| 33
107 | Gewölbesegment im 1. Obergeschoss
108 | Kapelle im 1. Obergeschoss
106 | Saal mit restauriertem Fußboden
im 3. Obergeschoss
103 |Kleine Tafelstube im 1. Obergeschoss
104 | Zellengewölbe mit historistischer
Dekorationsmalerei vor der Restaurierung
105 | Großer Kirchensaal im 1. Obergeschoss
1965 bis 1971 und zu Beginn der 1990er Jahre erfolgten Erneuerungsarbeiten an den Fassaden des
Schlosses, die sich stärker am ursprünglichen Erscheinungsbild orientierten. Maßnahmen zur bau-
lich-konstruktiven Ertüchtigung, zur Sanierung der Tragwerke und zur funktionalen Modernisierung
für den Museumsbetrieb schlossen sich an. Neben der Modernisierung der technischen Infrastruk-
tur und der Ausstellung wurden in vielen Räumen restauratorische Maßnahmen an den Wandfas-
sungen und Schmuckfußböden durchgeführt.

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34 |
Restaurierung, Sanierung und Umnutzung als Seniorenwohnanlage
Die baulichen Anfänge des Schlosses Osterstein reichen bis um 1200, d. h. in die Zeit der Entstehung
Zwickaus als Reichsstadt zurück. Die unter Markgraf Wilhelm I. von 1383 bis 1405 entstandene
landesherrliche Burg wurde unter Kurfürst Christian I. von 1587 bis 1590 nach Plänen des Land-
baumeisters Hans Irmisch zu einem der repräsentativsten Renaissanceschlösser Sachsens umgebaut.
Den hohen Denkmalwert der regelmäßigen Anlage dokumentieren im Nordflügel z. B. die gotischen
Kellerräume mit kreuzgratgewölbter Halle und als renaissancezeitliche Räume die Große Hofstube
mit zwei toskanischen Säulen sowie die Silberkammer. Im Südflügel unterstreichen der mächtige
Torturm mit gotischem Torbogen und als Zeugnisse der Renaissance die Große Hofküche mit tos-
kanischer Mittelsäule, die Kleine Hofstube sowie das gewaltige Dachwerk die Bedeutung des Schlos-
ses. Besonders prägend sind zudem die beiden Renaissance-Wendelsteine. Als „Residenz“ des
Kurfürsten für seine Aufenthalte in Zwickau und als Amtssitz errichtet, diente das Schloss 1775
bis 1962 dem Strafvollzug. Danach kam es zu einem rapiden Verfall, der den Totalverlust befürch
-
ten ließ.
Nach mehreren Eigentümerwechseln folgten auf ein Zwangsversteigerungsverfahren 2000/01
nachhaltige Notsicherungen. 2006 konnte für ein neues Nutzungskonzept „Seniorenwohnanlage
Schloss Osterstein“ die Finanzierung durch den privaten Eigentümer, Schloss Osterstein GmbH &
Co KG sowie eine umfangreiche Förderung von Bund, Freistaat und Deutscher Stiftung Denkmal-
schutz sowie durch Spenden der Fördervereine gewährleistet werden. 2008 wurde die „Senioren-
wohnanlage Schloss Osterstein“ feierlich übergeben und das Schloss im Herzen Zwickaus wieder
für alle Bürger erlebbar.
Schlösser und Herrenhäuser
Zwickau, Schloss Osterstein
Projektzeitraum
2006 bis 2008
Gesamtinvestition
ca. 18.600.000
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP, LSP)
8.243.428
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
745.000
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
78.900
110 | Ansicht von Osten, Zustand 1829 vor dem Abbruch der östlichen Volutengiebel
109 | Große Hofstube, 2008

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| 35
114 |Ansicht von Südosten, 2008
112 | Ansicht des Nordflügels von Süd, 1993
113 | Ansicht des Nord- und des neuen Ostflügels,
2008
111 | Ansicht von Südosten, 1993

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36 |
Sanierung und Einrichtung zum Museum unter Hinzufügung ergänzender Neubauten
(Foyer, Magazin)
Der 1907 für die Esche AG errichtete Gebäudekomplex – eine Eisengießerei mit Produktionshalle,
Putzerei, Werkstattgebäuden und Maschinenhaus – war einst eine der bedeutendsten Industriean-
lagen in Chemnitz und steht heute als architektonisch wertvolles Ensemble unter Denkmalschutz.
Dies gilt insbesondere für die anspruchsvolle Fassadenarchitektur mit ihren halbkreisförmigen, in
rotem und gelbem Backstein ausgeführten Ziergiebeln und für die genietete Sheddach-Stahlkons-
truktion der Gießereihalle. Es beherbergt das Industriemuseum Chemnitz mit seiner umfangreichen
Sammlung von Exponaten der sächsischen Industriegeschichte.
Fast wäre dieses Kleinod sächsischer Industriearchitektur aus dem Stadtbild verschwunden. Nach
der Auslagerung der zuletzt dort produzierenden Gießerei „Rudolf Harlaß“ in den 1980er Jahren
sollten die 1907 für die Escher AG errichtete Shedhalle und ihre z. T. älteren Nebengebäude einer
Erweiterung des benachbarten Schleifmaschinenwerkes weichen. Trotz Ausweisung als Kulturdenk-
mal waren die Bohrlöcher zur Sprengung bereits eingebracht. Die Entdeckung zweier Wandbilder
der Chemnitzer Künstlerin Martha Schrag im Maschinensaal hat wesentlich zum Erhalt beigetra-
gen. Sie zeigen Szenen aus dem Arbeitsalltag der Gießer und stellen heute eine der Attraktionen
des Museums dar.
Bevor es zur Nutzung als zentraler Ausstellungsort des Museumsverbundes „Sächsisches Indus-
triemuseum“ kam, musste die Treuhand erst mühsam nach punktuellen, aus dem städtischen Haus-
halt finanzierten Notsicherunsmaßnahmen vom Erhalt dieses wertvollen Denkmalensembles über-
zeugt werden. 1996 begannen Kaufverhandlungen der Stadt Chemnitz, mit dem Ziel, einen
Museumsstandort zur Produktionsgeschichte einzurichten. Die Gründung des Zweckverbands In-
dustriemuseum mit Beteiligung des Freistaates Sachsen machte den Weg frei für das heutige In-
dustriemuseum, das 2003 eingeweiht wurde.
Unter maßvoller Ergänzung vorhandener Bauten durch ein verbindendes Foyer nach dem Entwurf
des Berliner Architekturbüros Wermund und Pauli konnte der thematischen Ausrichtung des Mu-
seums eine adäquate bauliche Hülle gegeben werden. Die mächtigen Blendbögen der Klinkerfassa-
de zur Zwickauer Straße sind dabei zum Markenzeichen des Museums geworden.
Industriedenkmale
Industriemuseum Chemnitz
Projektzeitraum
1996 bis 2003
Gesamtinvestition
ca. 20.000.000
davon u. a.:
Städtebauförderdung (LSP)
1.763.957
Stadt Chemnitz
11.000
116 | Maschinenhaus
115 | Außenansicht nach der Sanierung
117 | Skulptur: „Geschützter Kopf – geschützte
118 | Außenansicht nach der Sanierung
Gedanken“, Entwurf: Steffen Volmer

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| 37
Sanierung und Umbau des Fabrikationsgebäudes der ehemaligen Baumwollspinnerei Clauß
zu öffentlicher Nutzung als Stadtbibliothek, Stadtsaal, Kindergarten, Gewerbe
Das Fabrikgebäude „Wasserbau“ ist Teil der großflächigen Anlage der ehemaligen Baumwollspinne-
rei Clauß im ursprünglichen Ortsteil Plaue der Stadt Flöha. Gegründet 1809, gehört sie zu den äl-
testen Industriestandorten Sachsens und zeichnet sich im Gebäudebestand durch Industriebauten
der Gründungszeit, zahlreiche Ergänzungsbauten des 19. Jahrhunderts und vier prägnante Bauten
einer Expansionsphase um 1904 aus. An diesem baulichen Ensemble ist die Entwicklung des Fab-
rikbaus von den Anfängen maschineller Textilproduktion bis in das 20. Jahrhundert in hervorragen-
der Weise ablesbar.
Der dreigeschossige „Wasserbau“ gehört zur Bauphase des frühen 20. Jahrhunderts. Das Gebäude
wird durch aufwändig gegliederte Klinkerfassaden mit einer gleichförmigen Reihung annähernd
geschosshoher Industriefenster geprägt. Der horizontal ausgerichtete Bau erhielt durch kräftige,
turmartig überhöhte Risalite der Ecken eine vertikale Betonung.
Die Sanierung und Umnutzung dieses Produktionsgebäudes stellt den Auftakt der Revitalisierung
des gesamten Geländes dar, zu dem sich die Stadt Flöha ausdrücklich bekennt. Basierend auf einem
von ihr initiierten Masterplan soll sich auf dem denkmalgeschützten ehemaligen Industriegelände
eine neue städtebauliche Mitte der Ortschaft entwickeln. Die durch EFRE-Mittel großzügig geför-
derte Sanierung des Wasserbaus und die damit verbundene Einrichtung öffentlicher Nutzungsräu-
me wie Stadtbibliothek, Stadtsaal und Sparkasse haben für die gesamte Entwicklung des Areals
Signalwirkung.
Durch die Umsetzung weiterer Baumaßnahmen in der seit 1992 leer stehenden Industrieanlage,
wie z. B. dem Ausbau des „Neubaus“ zum Supermarkt und der Umnutzung des Verwaltungsbaus/
Shedhalle zu einer innovativen Kindertagesstätte, wird in der Stadt Flöha beispielhaft aufgezeigt,
wie eine Industriebrache erfolgreich revitalisiert und ein bedeutendes Industriedenkmal erhalten
werden kann.
Industriedenkmale
Baumwolle Flöha (Wasserbau)
Projektzeitraum
2004 bis 2007
Gesamtinvestition
Keine Angaben
davon u. a.:
Städtebauförderung (SEP)
4.799.751
EFRE-Stadtentwicklung
3.339.572
121 | Luftbild Alte Baumwolle
119 | 120 | Wasserbau vor und nach der Sanierung

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38 |
Sicherung und Sanierung der historischen Bausubstanz zur Standortaufwertung für Gewer-
be, Hotel und Gastronomie
Der Denkmalkomplex der Saigerhütte Olbernhau-Grünthal gilt als weltweit einmaliges Zeugnis der
Verhüttung von silberhaltigen Kupfererzen im sogenannten Saigerverfahren. Seine besondere Be-
deutung resultiert aus dem geschlossenen Bestand von Produktions-, Verarbeitungs-, Verwaltung-,
Wohn- und Sozialgebäuden.
Gegründet wurde die Saigerhütte 1537 als Hüttenwerk zur Entsilberung von Schwarzkupfer durch
das metallurgische Verfahren „Saigern“. Parallel dazu entstand im 16. Jahrhundert eine geschlos-
sene Wohnsiedlung mit verschiedenen infrastrukturellen Einrichtungen, so einer Schule (Hütten-
schule), Verwaltungsgebäuden (z. B. Haus des Richters, Faktorei) und Versorgungseinrichtungen
(z. B. Hüttenmühle, Brauhaus, Hüttenschänke).
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Betrieb um ein Kupferwalzwerk erweitert, woraus
sich eine Umstellung und Modernisierung der Produktion ergab. Bis 1873 arbeitete das Unterneh-
men als Königlich Sächsischer Kupferhammer. Im Zuge der Liberalisierung von Gewerbe und Indus-
trie wurde es privatisiert und 1873 bis 1945 als „Sächsische Kupfer- und Messingwerke F. A. Lange“
betrieben. Nach der Beschlagnahmung des Unternehmens 1945 erfolgte die Gründung des „VEB
Blechwalzwerk Olbernhau“. Dieser Walzbetrieb nutzte bauliche Anlagen des Saigerhüttenareals bis
1990/1991.
Aus der Anfang der 1990er Jahre erarbeiteten Bestandsaufnahme wurden insbesondere der sehr
große Reparaturrückstau an der baulichen Substanz und die mangelhafte Erschließung des Areals
ersichtlich, die auch zu einem zunehmenden Leerstand vor allem bei den unsanierten Bauten
führte.
Es galt daher, den schlechten Zustand der Gebäude – z. B. am Neuhammer, der Hüttenschule und
dem Zimmerhaus – schnellstens zu stoppen. Funktionelle Mängel, z. B. Defizite an kulturellen Ein-
richtungen, Gaststätten, Hotelkapazitäten, der Abwassererschließung, dem Wege- und Straßenbau
sowie an Parkplätzen mussten beseitigt werden. Dadurch sollten die Nutzungsfähigkeit der histo-
rischen Bausubstanz verbessert und eine Standortaufwertung erzielt werden.
Die Stadt Olbernhau ging mit gutem Beispiel voran. Sie nahm die Sicherung und Sanierung der
gefährdetsten Gebäude vor und verbesserte die Erschließung. Aber auch Privatpersonen engagier-
ten sich stark bei der Sanierung und Nutzung wertvoller historischer Gebäude. So wurden bei-
spielsweise die Hüttenschänke und das Haus des Anrichters zum Hotel „Saigerhütte“ ausgebaut,
das Garhaus zu einer Verkaufseinrichtung umgenutzt. Mit Stolz kann man heute darauf verweisen,
dass die Einzeldenkmale wie auch der gesamte Denkmalkomplex in den meisten Fällen denkmalge-
recht saniert wurden.
Industriedenkmale
Denkmalschutzgebiet Saigerhütte Olbernhau-Grünthal
Projektzeitraum
1991 bis 2010
Gesamtinvestition
4.520.000
davon u. a.:
Programme der Städtebauförderung
(LSP + SEP)
1.891.378
Landesprogramm Denkmalpflege
364.000
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
36.000
122 | Laube des Faktors, 1994
123 | Laube des Faktors, Deckenbemalung, 2007
124 | Relief am Haus des Faktors, 2008

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| 39
Das Ziel ist aber noch nicht vollständig erreicht. Die Lange Hütte, das wichtigste Produktionsge-
bäude, existiert nur noch in seinen Grundmauern. Die technische Einrichtung wurde rekonstruiert,
befindet sich gegenwärtig aber in einem schlechten Zustand. Ebenso steht die Hüttenschmiede als
ungenutzte Ruine auf dem Gelände. Bei diesen zwei Objekten besteht dringender Handlungsbedarf.
125 | Hüttenschule 1994
126 | Hüttenschule 2006
128 | Neuhammer, 2009
129 | Freilichtmuseum, 2005
127 | Zimmerhaus mit Fleischbank, 2008

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40 |
4
Genannt werden die Gesamtbaukosten im staatli-
chen Hochbau
Instandsetzung und Restaurierung der Klosteranlage
Das Zisterzienserinnen-Kloster Sankt Marienstern in Panschwitz-Kuckau wurde 1248 durch die
Herren von Kamenz gestiftet, 1250 in den Zisterzienserorden aufgenommen und damit unter die
Aufsicht des Klosters Altzella bei Nossen gestellt. Es ist eines der wenigen noch unverändert ihrer
Bestimmung dienenden Klöster in Sachsen.
1429 wurde das Kloster von den Hussiten geplündert und gebrandschatzt. Die Reformation über-
stand das Kloster unbeschadet und mit ihm blieben ein Teil der unter dem Patronat von St. Mari-
enstern stehenden Pfarreien katholisch. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Anlage von
den Schweden erneut geplündert und beschädigt. Von 1716 bis 1732 erfolgte der barocke Umbau.
Seit den 1960er Jahren wurden kontinuierlich Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen an der
gesamten Klosteranlage ausgeführt.
1998 fand hier anlässlich des 750. Gründungsjubiläums die 1. Sächsische Landesausstellung „Zeit
und Ewigkeit“ statt. Im Zusammenhang damit wurden die Dreifaltigkeitssäule, der Heilige Nepo-
muk, das Wappen der Äbtissin Cordula Sommer und die Grabplatte der Äbtissin Dorothea Schubert
restauriert, ein Wirtschaftsgebäude zu einem Werkstattwohnheim – dem Josefshaus – und das
Teresa-Haus als Wohnpflegeheim umgebaut. In den zurück liegenden Jahren folgten die Einrich-
tung der Schatzkammer und eines Museums im Gästehaus sowie die Eröffnung einer heilpädago-
gischen Kindertagesstätte. Die Sanierung, statisch-konstruktive Sicherung und Innenrestaurierung
der Klosterkirche erfolgt seit 2005 und dauert noch an. Derzeit erschweren erhebliche bauklimati-
sche Schwierigkeiten sowie durch Grundwasser verursachte Setzungen im Baugrund, die ein Nach-
geben des Kirchenbodens an mehreren Stellen verursacht haben, die Sanierungsarbeiten.
Kirchen und Klöster (Sakralbauten)
Panschwitz-Kuckau, Zisterzienserinnen-Abtei Klosterstift Marienstern
Projektzeitraum
1996 bis heute
Gesamtinvestition
Keine Angaben
davon u. a.:
Staatshaushalt
4
9.761.000
Landesprogramm Denkmalpflege
1.100.000
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
553.763
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
100.000
131 | Lebendiges Denkmal, Schwestern im Umwelt- und Lehrgarten
132 | Klosterkirche, 2010
130 | Klosterkirche und Abteigebäude von Westen

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| 41
Sanierung und Umnutzung zur kommunalen Innovationswerkstatt
Die klassizistische Kirche in Franken wurde 1835/1836 erbaut und gehört zu den wenigen hervor-
ragenden Schinkel-Nachfolgebauten in Sachsen. Der Kirchenbau entspricht in Stil und repräsenta-
tiver Ausstattung dem Zeitgeist des beginnenden 19. Jahrhunderts. Der in seinen Abmessungen
wohl proportionierte Baukörper mit doppeltürmiger Westfront strahlt eine Monumentalität aus,
die den Anspruch des Kunstwollens seiner Entstehungszeit auf nachhaltige Weise belegen.
Der rechteckige Saalbau, nach italienischem Vorbild entworfen, ist mit einem flach geneigten Sat-
teldach in Schieferdeckung versehen. Die Architektur stellt mit ihrer aus Rochlitzer Porphyr gear-
beiteten Gliederung unter durchgängiger Verwendung des die sakrale Würde betonenden Rundbo-
gens einen Sonderfall unter den sächsischen Kirchen dieser Zeit dar.
Der Innenraum der ebenso schlichten wie anspruchsvollen Saalkirche wird durch ein flach gedeck-
tes, gerade abschließendes Kirchenschiff mit umlaufenden, eingeschossigen Emporen über dori-
schen Säulen geprägt. Dem Hauptraum der Kirche vorgelagert ist eine schmale Vorhalle, über der
sich die Turmgeschosse erheben.
Das denkmalpflegerisch hochwertige klassizistische Gebäude wurde durch den Förderverein „Kirche
Franken e. V.“ vor dem totalen Verfall gerettet. Dazu sind durch den Förderverein Mittel in Höhe
von rd. 1,7 Mio. Euro von staatlicher wie auch privater Seite eingeworben worden. Grundlegend für
die Sanierungsaktion „Kirche Franken“ ist die durch den Förderverein erarbeitete „Konzeption zur
Rettung der klassizistischen Kirche in Franken durch Umnutzung“. Dank des vom Förderverein er-
arbeiteten Nutzungskonzeptes und des Wiederaufbaus ist für die lokale Bevölkerung ein kulturelles
Zentrum entstanden.
Kirchen und Klöster (Sakralbauten)
Dorfkirche Franken
Projektzeitraum
1996 bis 2003
Gesamtinvestition
1.740.438
davon u. a.:
Amt für Ländliche Neuordnung
848.847
Landesprogramm Denkmalpflege
334.641
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
138.049
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
61.355
134 | Blick von Südwesten 1987
135 | Zustand nach der Sanierung, 2006
136 | Kircheninnenraum nach Sanierung, 2003
133 | Kircheninnenraum vor der Sanierung, 1987

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42 |
Instandsetzung und Restaurierung
Die durch Peter Ulrich 1504 begonnene, seit 1539 eingewölbte und 1546 vollendete Marienkirche
in Pirna stellt eines der wertvollsten Beispiele der sog. deutschen Sondergotik dar. Reich ge-
schmückte Rippengewölbe zeigen dichtes Maschennetzwerk, Rautensterne, Fischblasen, gewun-
dene Rippen, Hobelspanrippen und pflanzliche Formen. Als Besonderheit sind die Gewölbeausma-
lungen von 1545/46 zu nennen, die wegen zahlreicher bildlicher Gemeinsamkeiten mit der
„Lutherbibel“ zu den frühesten Zyklen der Reformationszeit zählen. „Ein protestantisches Kunst-
werk von hoher Bedeutung und Seltenheit“ (Georg Dehio).
Die Kirche war über längere Zeit baulich vernachlässigt worden und zeigte Durchfeuchtungen bis
in die Gewölbekappen. Neben allgemeinem Verschleiß an der Ausstattung und Technik lag ein
gleichmäßig dunkler Schleier auf der gesamten Raumschale. Nach umfangreichen Instandset-
zungsarbeiten am Dach und teilweise an den Außenwänden begann man mit gründlichen Vorun-
tersuchungen der Ausmalungen, der bauklimatischen Verhältnisse und der Ausstattung sowie der
Heizung und Beleuchtung.
Im Ergebnis dessen entstand ein Konzept, das über mehrere Jahre die Gesamtinstandsetzung der
Kirche und ihre Nutzung für Liturgie, Konzerte und Tourismus vorsah. Nach einer Probeachse für
die Wand- und Deckenrestaurierung wurden 2001 die Erneuerung der Heizungsanlage sowie die
Restaurierung und der Umbau der Brauthalle zu einem kleinen Besucherzentrum vorgenommen.
Von 2002 bis 2004 folgte die schrittweise Restaurierung der Raumschale, zuerst das nördliche
Seitenschiff, dann das südliche Seitenschiff mit Sakristei und kleinem Chor und die Behandlung des
Mittelschiffs mit der Orgelempore. Im Nachgang wurden diverse Epitaphien restauriert und das
Nordportal mit den Figuren Luthers und Melanchthons instandgesetzt.
Kirchen und Klöster (Sakralbauten)
Pirna, Stadtkirche St. Marien
Projektzeitraum
1998 bis 2004
Gesamtinvestition
5.401.127
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP)
1.472.920
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
377.000
Ev.-luth. Landeskirche
277.524
Förderverein Marien
255.479
Landesprogramm Denkmalpflege
250.000
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
70.000
138 | Außenansicht von Südosten
140 | Altar und Taufstein
137 | Orgelempore
139 | Gewölbe über dem Mittelschiff,
Blick nach Osten

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| 43
Pflege und Entwicklung der Pücklerschen Parklandschaft
Der von Hermann Fürst von Pückler-Muskau und seinen Gärtnern geschaffene Park gehört zu den
herausragenden Gartenkunstwerken von nationaler Bedeutung. Das sich beiderseits der Neiße auf
750 ha (200 ha in Sachsen) erstreckende Areal gehört zu den klassischen Landschaftsgärten. Die
natürliche Landschaft wurde bei der Ausgestaltung erhalten und durch ausgewogene Raumwirkung
mit Durch- und Fernsichten, wirkungsvolle Verwendung von Solitären und Baumgruppen in Ab-
stimmung mit großen Wiesenflächen sowie der Belebung durch ruhendes und fließendes Wasser
gesteigert.
Die Pflege und Erhaltung ist auch in Krisenzeiten nie ganz abgerissen, konnte nach der Wende je-
doch qualitativ neu ausgerichtet werden. Seit der Gründung der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad
Muskau“ im Jahr 1993 wurden wichtige Schritte zur Instandsetzung realisiert bzw. in Angriff ge-
nommen. Dazu gehören neben dem Wiederaufbau des Muskauer Schlosses und der Doppelbrücke
über die Neiße, die Wiederherstellung der inneren Fernsichten, z. B. vom Pücklerstein zum Schloss
Muskau, die Instandsetzung der Orangerie und der Neubeginn der Zitruskultur als wichtige Berei-
cherung der Schlossrampe mit Kübelpflanzen sowie die denkmalgerechte tägliche Ausführung der
Gartenpflege.
Die jahrzehntelangen guten deutsch-polnischen Beziehungen haben nicht nur die Erhaltung des
gartenkulturellen Erbes in Muskau unterstützt, sondern auch den gemeinsam angestrebten Welt-
kulturerbetitel der UNESCO beflügelt. Die Anerkennung des Parks als Weltkulturerbe ist Auszeich-
nung und Verpflichtung. So sind derzeit weitere Sanierungsvorhaben für die Bereiche der Schloss-
gärtnerei in der Ausführung, ebenso wie der Wiederaufbau der Englischen Brücke, die eine der
letzten Verbindungslücken im Wegesystem der Parklandschaft schließen wird.
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Investitionskosten und Verwaltungsausgaben zur
Erhaltung des Parkensembles.
Gartendenkmale
Fürst-Pückler-Park Bad Muskau
Projektzeitraum
1993 bis heute
Gesamtinvestition
79.216.300
davon u. a.:
Staatshaushalt
5
48.050.800
Bund
20.498.800
Stiftung
„Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“
4.269.400
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
722.500
EU (Interreg)
712.600
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
255.600
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
44.500
142 | Neues Schloss, 2010
143 | Neiße-Doppelbrücke nach dem Wiederaufbau,
2005
144 | Tränenwiese
141 | Neues Schloss, Ostseite, Schlossrampe,
Mitte 90er

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44 |
Gartendenkmale
Schlossgarten Waldenburg
Instandsetzung des Rosengartens, Grottenhang und äußere Parkeinfriedung
Mit der Entwicklung des Schlosses Waldenburg zum Fürstensitz der Familie von Schönburg-Wal-
denburg entstanden um die Schlossanlage auch zahlreiche hochrepräsentative Gartenanlagen.
Ende des 18. Jahrhunderts wurden sie zu einem 104 ha großen englischen Landschaftspark erwei-
tert. Der darin gelegene etwa 3 ha große, mauerumwehrte Schlosspark wurde 1858 aus einer älte-
ren Vorgängeranlage entwickelt und mit seltenen Parkgehölzen bepflanzt. Nach dem von 1909-
1912 erfolgten Umbau des Schlosses entstand 1920 unmittelbar an der herrschaftlichen Terrasse
ein hölzerner Pavillon plus Rosengarten in geometrischem Stil. Mit Marmorplatten ausgelegte
Zierwege gliederten den Sondergarten in vier Rosenbeete um ein Postament mit Vase im Zentrum
der Anlage.
Durch die Sanierung des Pavillons sowie die Wiederherstellung des Nagelwerkgeländers mitsamt
Rosenbogen und der Neubestückung der Bepflanzung mit Buchs und Rosen in den rot-weißen
Farben des Hauses Schönburg konnte der kleine Sondergarten revitalisiert werden. So wurde im
Rahmen des musealen Gesamtkonzeptes auch an die bedeutende Gartenkunst am Schloss Walden-
burg erlebbar angeknüpft.
Projektzeitraum
2009 bis 2010
Gesamtinvestition
1.795.000
davon u. a.:
Städtebauförderung (SDP)
1.220.000
147 | Postament mit Vase
148 | Blick auf Schloss Waldenburg
146 | Rosengarten mit Pavillon nach der Sanierung,
2011
145 | Rosengarten mit Pavillon vor der Sanierung,
2009

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| 45
Nachkriegsmoderne
Chemnitz, Städtebauliches Ensemble „Straße der Nationen“
Sanierung von Wohn- und Geschäftshäusern, Sanierung und Umbau Stadthallenkomplex
Die Straße der Nationen ist eine der bekanntesten Straßen im Zentrum der Stadt Chemnitz. Sie
verbindet den Neumarkt im Zentrum der Stadt mit der Emilienstraße in Schloßchemnitz und kreuzt
die Brückenstraße, die Müllerstraße und die August-Bebel-Straße.
Die alte Chemnitzer Innenstadt wurde während des Zweiten Weltkrieges durch Bombardierungen
größtenteils zerstört. Über den Wiederaufbau gab es Auseinandersetzung zwischen den Verfech-
tern zweier verschiedener Stadtgrundrisse. Die „Ringkämpfer“ plädierten für einen Wiederaufbau
der Stadt nach dem historischen Stadtgrundriss mit der die innere Stadt umgebenden Ringstraße,
die „Kreuzritter“ dagegen kämpften für zwei großzügig angelegte Straßenzüge mit einer großen
Kreuzung, die das neue Stadtzentrum bilden sollte. Letztere setzten sich durch. Mit der Umbenen-
nung der Stadt in Karl-Marx-Stadt und der damit verbundenen Erhebung zur sozialistischen Mus-
terstadt sollte im Gegensatz zur bisherigen kleinteiligen Neubebauung von nun an das Leitbild des
sozialistischen Städtebaus verwirklicht werden. Dies wurde 1960 mit dem Generalbebauungsplan
offiziell festgelegt.
Die neue Stadtmitte von Chemnitz entstand an der Kreuzung der beiden Hauptachsen Straße der
Nationen und Karl-Marx-Allee. Im Gegensatz zur Karl-Marx-Allee als politische Demonstrations-
straße wurde die Straße der Nationen als neue Geschäftsstraße mit gesamtstädtischer Bedeutung
angelegt. Neben Geschäften umfassten die Konzeptionen für die Magistrale auch Wohnungen,
womit die neue sozialistische Gesellschaftsordnung manifestiert werden sollte. Um 1960 war die
Bebauung bis zum Theaterplatz errichtet; das Gebäude des Rates des Bezirkes sowie der Industrie-
und Handelskammer sollte Bindeglied zum Theaterplatz sein.
In der Ausführungsplanung erfuhr die zunächst festere Rahmung des Platzes eine Auflösung durch
die frei in einer Grünanlage stehende Stadthalle mit angegliedertem Hotelturm.
Die städtebauliche Figur quergestellter Wohnhochhäuser, denen pavillonartige Bauten mit gewerb-
licher und gesellschaftlicher Funktion vorgelagert sind, findet zeitgenössische Parallelen. Ausge-
hend von der Wideraufbauplanung Rotterdams nach den Zerstörungen der 1940er Jahre sind
ähnliche Konzepte auch in der Berliner Straße in Frankfurt/M. und in der Prager Straße in Dresden
verfolgt worden. Aufgrund der leichten Krümmung der Straße der Nationen mit der sich daraus
ergebenden Staffelung der Gebäude zeigt die Chemnitzer Variante jedoch besondere städtebauli-
che Qualitäten. Die architektonische Detailgestaltung ist zudem geprägt von der Verwendung orts-
üblicher Materialien.
Die umstrittene Unterschutzstellung in den frühen 1990er Jahren schuf die Grundlage für den
denkmalgerechten Erhalt dieses in mehrfacher Hinsicht bedeutenden zeitgeschichtlichen Doku-
ments.
Projektzeitraum
1993 bis heute
Sicherung 1993, Sanierung 2005 bis 2010
Gesamtinvestition
über 50.000.000
149 | Stadthalle mit Park und Hotel
150 | Straße der Nationen-Ecke Brückenstraße, 2011
151 | Königstraße (heute Straße der Nationen)
vor 1945
152 | Straße der Nationen, 1992
153 | Straße der Nationen, 1999

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46 |
Konservierung und Restaurierung
Das Kanitz-Kyausche Grufthaus wurde 1715 für den Hainewalder Erb- und Lehnsherrn Otto Ludwig
von Kanitz (1661–1724) und seine Ehefrau Victoria Tugendreich geb. von Kyau (1657–1717) als ei-
gene Grablege auf dem Kirchhof errichtet. Der hochbarocke Bau gilt als bedeutendes Beispiel seiner
Gattung in Sachsen, vor allem aufgrund des monumentalen Gepräges seiner vier gleichartig durch-
gestalteten Fassaden und der ausdrucksvollen Figuren des böhmischen Bildhauers Franz Biener
(um 1681/82–1742). Von hohem Rang ist auch das Grabmal aus Stuckmarmor im oberirdischen
Gruftraum, ein szenischer Aufbau mit den lebensgroßen Figuren der beiden Verstorbenen.
Die langwierige Restaurierung des Grufthauses erfolgte im Wesentlichen zwischen 2000 und 2007.
Dass die Unterschiede zwischen dem Zustand vor und nach der Instandsetzung nicht vordergrün-
dig in Erscheinung treten, entspricht dem denkmalpflegerischen Ziel, die baukünstlerische Aussage
des Kulturdenkmals zwar punktuell wieder zu verdeutlichen, aber gleichzeitig die Würde des geal-
terten Grabmonuments zu wahren. So wurden neben der aufwändigen Fugensanierung die Archi-
tekturgliederungen und Figuren vor allem steinkonservatorisch gesichert und Korrekturen auf eine
optische Beruhigung der teilweise heterogenen Steinoberflächen beschränkt. Die jüngere, wenig
überzeugende Farbfassung des Außenputzes wich einer zurückhaltenden Steinfarbigkeit, während
im zuletzt weißen Hauptraum der durch Befund gesicherte helle Sandton aus der Bauzeit wieder-
hergestellt wurde. Besondere Aufmerksamkeit galt auch der aufwendigen Restaurierung des Figu-
rengrabmals sowie der metallrestauratorisch anspruchsvollen Konservierung der stark geschädig-
ten barocken Prunksarkophage mit den sterblichen Überresten des Bauherrn und seiner Gemahlin.
Kleinarchitektur, Sepulkralkunst, Kunstgut
Hainewalde, Kanitz-Kyausches Grufthaus
Projektzeitraum
2000 bis 2007
Gesamtinvestition
376.000
davon u. a.:
Landesprogramm Denkmalpflege
50.000
Zuschüsse Landkreis
65.000
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
42.000
155 | 156 | Barocker Metallsarkophag vor und nach
der Restaurierung, 2005, 2008
157 | Restauriertes Grabmal im oberirdischen
158 | „Tod“, Figur von Franz Biener, 2007
Gruftraum, 2008
154 | Ansicht nach der Restaurierung, 2007

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| 47
Kleinarchitektur, Sepulkralkunst, Kunstgut
Meerane, Kirche St. Marien, Wandbild „Einzug in Jerusalem“
Sicherung und Restaurierung des Wandbildes
Das Wandbild mit dem Thema „Christi Einzug in Jerusalem“ entstand 1906 im Zuge der farblichen
Neufassung des Kircheninnenraumes der Stadtkirche St. Martin in Meerane durch den Dresdner
Künstler Karl Schulz. Das monumentale Wandbild wurde über dem romanischen Triumphbogen des
Innenraumes platziert, in Secco-Technik gemalt und war ursprünglich umlaufend in einem orna-
mental-dekorativen Rahmen mit Schriftfeld gefasst.
Der Denkmalwert des Gemäldes begründet sich in seiner bildkünstlerischen Anlehnung an die von
Otto Gussmann geprägte Dresdner Schule der Wandmalerei, deren Kunstwollen in dem Jahrzehnt
vor dem Ersten Weltkrieg, ausgehend vom Jugendstil, sachsenweit führend war. Das Gemälde
brilliert in der Klarheit seines Aufbaus und der dekorativen Durchgestaltung der Details, wobei es
seinen Proportionen und seiner Detailtreue die prägnante Wirkung auf den Kirchenraum verdankt.
Das mit dem „Einzug Christi in Jerusalem“ verbundene triumphale Ausbreiten der Gewänder aller
Beteiligten auf dem Weg des Messias durch die Heilige Stadt soll nicht zuletzt auch den Erfolg der
Textilstadt Meerane im weltweiten Handel des Tuchgewerbes symbolisieren.
Da viele Zeugnisse monumentaler Jugendstilmalerei durch Kriegsschäden verloren gegangen sind,
ist der Kunstwert dieses Gemäldes umso höher zu bewerten Der wichtigste Teil der Restaurierungs-
maßnahmen war die Reinigung und Abnahme der Verschmutzung bzw. des Überzuges mit einer
möglichst schadensfreien Methode. Hierzu wurde die Laser-Methode verwandt. Abschließend wur-
de nach Vervollständigung des Wandbildes der Rahmen unter Einbeziehung aller vorhandenen
Befunde rekonstruiert.
Projektzeitraum
1994 bis 2009
Gesamtinvestition
97.542
davon u. a.:
Sonderprogramm BKM
36.000
Landeskirche
10.000
Sparkasse Chemnitz
9.500
Landesprogramm Denkmalpflege
7.017
160 | Nach der Restaurierung, 2010
161 | Detail während der Restaurierung
159 | Wandbild vor der Sicherung, 1997

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48 |
Kleinarchitektur, Sepulkralkunst, Kunstgut
Delitzsch, St. Peter und Paul, Altarretabel
Restaurierung
Das Altarretabel der Delitzscher Stadtkirche St. Peter und Paul wurde 1492 gestiftet. Mit der bau-
lichen Instandsetzung und neogotischen Umgestaltung der Kirche durch den Architekten Conrad
Wilhelm Hase in den Jahren 1889/90 wurde der barocke Altar entfernt und durch den damals auf
der Empore abgestellten spätgotischen Altar ersetzt. Der verloren gegangene Aufsatz über dem
Schrein mit einer Darstellung des Gekreuzigten, der Mutter Maria und dem Lieblingsjünger Johan-
nes wurde ergänzt, ebenso das Gesprenge. Beim Wiederaufbau hatte man aus unerklärlichen Grün-
den auf die Wandelbarkeit des Retabels verzichtet und die bemalten seitlichen Flügelpaare mitein-
ander vernagelt und fest arretiert. Dieser Vorgang war völlig in Vergessenheit geraten. Als im
Jahre 2000 nach Abschluss der Rekonstruktion der Farbigkeit des Kirchenraumes eine Reinigung
des Altares notwendig wurde, kam es zur Wiederentdeckung der überaus qualitätvollen und unge-
wöhnlich gut erhaltenen Innenseiten. Weil die wertvollen Malereien unbedingt gezeigt werden
sollten, musste die Beweglichkeit der Klappflügel und die Funktion als Wandelaltar wieder hergestellt
werden. Zusammen mit der weitgehend original erhaltenen Predella hat der Delitzscher Altar eine
Höhe von mehr als zehn Metern. Vor allem wegen seiner bemalten Tafeln gehört er zu den Bedeu-
tendsten seiner Art in Sachsen.
Projektzeitraum
2000 bis 2007
Gesamtinvestition
37.000
davon u. a.:
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
32.000
164 | Tafel der ersten Wandlung (Sonntagsseite)
165 | rechts: Detail aus der Tafel der Heiligen Barbara
162 | 163 | Altarretabel mit geschlossenem und
offenem Schrein

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| 49

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50 |
Restaurierung und Teilrekonstruktion
(Wiederherstellung der originalen Stimmtonhöhe und der originalen Disposition)
Die Orgel in der Dorfkirche in Herzogswalde bei Dresden ist das einzige vollständig erhaltene Inst-
rument Johann Georg Schöns. Selbst die Zinn-Prospekt-Pfeifen und die außergewöhnlich schöne,
farbig marmorierte Gehäusefassung sind original erhalten. Johann Georg Schön wurde um 1706
in Hainewalde in der Lausitz geboren. Er war über drei Jahrzehnte einer der wichtigsten Mitarbeiter
von Gottfried Silbermann in Freiberg, dessen Werkstatt er 1753 übernahm und dessen Baustil er in
der Herzogswalder Orgel weiterführte. Das Schmuckwerk am Orgelgehäuse wurde von den Freiber-
ger Bildhauern Edeborn und Lippmann ausgeführt, die die Orgel zugleich auch farbig fassten und
vergoldeten. Am 25. Juli 1763 fand die Abnahmeprüfung durch den Freiberger Domorganisten
Johann Christoph Erselius statt.
Bei der Restaurierung der Orgel mussten erstmals seit 1763 die Windladen und Bälge aus den La-
gern genommen, verschlissene Belederungen erneuert und gerissene Hölzer ausgespänt werden.
Der barocke Chorton wurde wieder hergestellt. Zwei fehlende Register (Posaune 16’ und Quinte
1 1/2’) wurden nach historischem Vorbild rekonstruiert. Die originalen, aber stark durch Fleder-
maus-Urin verschmutzten Prospektpfeifen wurden gewaschen, wodurch eine weitere chemische
Reaktion mit der Zinn-Oberfläche verhindert werden soll.
Auf Grund der umfangreichen historischen Substanz, des klanglich unveränderten Pfeifenwerks
und der Herkunft des Erbauers aus der Werkstatt Gottfried Silbermanns besitzt die Herzogswalder
Orgel einen sehr hohen Denkmalwert.
Kleinarchitektur, Sepulkralkunst, Kunstgut
Herzogswalde, Johann Georg Schön-Orgel
Projektzeitraum
1999 bis 2009
Gesamtinvestition
91.049
davon u. a.:
Landesprogramm Denkmalpflege
35.376
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
4.000
166 | Registerzüge auf der linken Spielschrankseite:
Die Beschriftung des verloren gegangenen Registers
Quinta 1 1/2’ wurde aus der Fassung herausgekratzt,
die Elfenbein-Knöpfchen der Züge mit weißer
Kunststoff-Folie überklebt.
167 | Registerzüge auf der linken Spielschrankseite:
Das verloren gegangene Register Quinta 1 1/2’ wurde
einschließlich der Beschriftung rekonstruiert.
168 | Orgel während der Restaurierung; die
Prospektpfeifen, das gesamte Innen-Pfeifenwerk, die
Klaviatur und die Spielschranktüren sind ausgebaut.
169 | Orgel mit originalen Zinn-Prospektpfeifen und
geschlossenen Spieltischtüren

| 51
Abkürzungsverzeichnis zur Zusammensetzung der Investitionsförderung
SDP
Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“
SEP
Bund-Länder-Programm „Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen“
LSP
Landessanierungsprogramm
EFRE
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
KPII
Konjunkturprogramm II
BKM
Bundesbeauftragter für Kultur und Medien
WMF World Monuments Found
Bildnachweis
1
© Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen 2011;
2–9
Stadtplanungs-
und Bauordnungsamt Görlitz;
10
Falcon Crest Airphotos;
11
Katharina Wegelt;
12
Stadtarchiv
Freiberg;
13
René Jungnickel;
14
Untere Denkmalschutzbehörde Freiberg Stadt;
15
Katharina
Wegelt;
16
Stadt- und Bergbaumuseum;
17
Waltraud Rabich;
18
Gerold Schädlich;
19–41
LfD;
42–43
Stadt Chemnitz, Bürgermeisteramt; Rosenkranz;
44
LfD;
45
Untere Denkmalschutzbe-
hörde Chemnitz;
46–47
Stadt Chemnitz; Bürgermeisteramt, Rosenkranz;
48–49
LfD;
50–55
Stadt Leipzig; Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW);
56–62
LfD;
63–64
Architekt Anton Spindler;
65–67
LfD;
68
AIZ Architektur- und Ingenieurbüro für Hoch- und Tief-
bau Zittau GmbH; Siegfried Schwarz;
69
LfD; 70 Stadt Leipzig;
71
LfD;
72
Henry Pfeifer;
73–76
Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB);
77–78
LfD;
79–80
Lothar Sprenger;
81–100
LfD;
101–102
LfD;
103
Frank Höhler,
104–106
LfD;
107
Frank Höhler;
108–114
LfD;
115
Stadt Chemnitz, Bürgermeisteramt, Rosenkranz;
116
Untere Denkmalschutzbehörde Chem-
nitz;
117–118
Stadt Chemnitz, Bürgermeisteramt, Rosenkranz;
119
KEWOG Städtebau GmbH;
120
Silvia und Michael Rümler;
121
KEWOG Städtebau GmbH;
122–129
Untere Denkmalschutz-
behörde, Stadtverwaltung Olbernhau;
130
Verena Mittasch;
131–132
Klosterstift St. Marien-
stern;
133–135
Obere Denkmalschutzbehörde;
136–140
LfD;
141
Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement SIB, NL Dresden II;
142–144
Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad
Muskau“;
145
LfD;
146–148
Landkreis Zwickau; Schlossverwaltung Waldenburg; Ralph Zenker;
149
Untere Denkmalschutzbehörde Chemnitz;
150
Obere Denkmalschutzbehörde;
151
Repro
aus Chemnitz am Ende des 19. Jahrhunderts in Wort und Bild (ohne Jahr) von Wilhelm Zöllner;
152–153
Untere Denkmalschutzbehörde Chemnitz;
154–158
LfD;
159
Augsten;
160–169
Hodick.
Hinweis: Bilder
11–13
und
15–17
aus der Broschüre Universitätsstadt Freiberg Sachsen
„vom Silber zum Silizium“, Freiberg Stadtsanierung 1990–2010; Herausgeber: Universitätsstadt
Freiberg, 2010.
Hinweis zu den genannten Gesamtinvestitionen und Finanzierung aus dem sächsischen Staats-
haushalt, Fördermitteln, Stiftungen u. a.: Landesdirektionen Chemnitz, Dresden und Leipzig sowie
Sächsische Aufbaubank-Förderbank. Die Darlegungen beruhen insbesondere auf Angaben aus
behördlichen Genehmigungsverfahren, Fördermittelbescheiden sowie Auskünften von Stiftun-
gen. Anspruch des Herausgebers auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.
Abkürzungsverzeichnis und Bildnachweis

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Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium des Innern
Abteilung 5 – Stadtentwicklung, Bau- und Wohnungswesen
Wilhelm-Buck-Straße 4, 01097 Dresden
Telefon: +49 351 5640
Telefax: +49 351 5643509
E-Mail:
info@smi.sachsen.de
Internet:
www.smi.sachsen.de
Redaktion:
Sächsisches Staatsministerium des Innern
Referat 51 – Denkmalpflege und Denkmalschutz
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen
Gestaltung, Satz, Druck:
WDS Pertermann GmbH
Internet:
www.wds-pertermann.de
Redaktionsschluss:
15. Juni 2011
Auflagenhöhe:
1. Auflage Juli 2011, 2.500 Exemplare
Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei:
Zentraler Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung
Hammerweg 30, 01127 Dresden
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