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Merkblatt zu den Anforderungen an die Verwertung
standortfremder mineralischer Abfälle in Abgrabungen
und Aufschüttungen außerhalb der Bergaufsicht
- LDS-Merkblatt Abfallverwertung -
Stand 04.06.2020
Dieses Merkblatt zur Abfallverwertung fasst die von SMEKUL vorgegebenen
abfall- und bodenschutzrechtlichen Maßstäbe für die Verwertung
mineralischer Abfälle in Abgrabungen und Aufschüttungen außerhalb der
Bergaufsicht zusammen. Dies sind im Einzelnen:
Erlass des SMUL vom 21. Juli 2015 zu „Anforderungen an die stoffliche
Verwertung mineralischer Abfälle; hier: TR Boden und Regelungen für die
Verwertung in Tagebauen und Abgrabungen, Az.: 45-8982.20/1/2
Vorläufige Hinweise zum Einsatz von Baustoffrecyclingmaterial
(Stand 09. Januar 2020)
Erlass des SMEKUL vom 09. Januar 2020 zur Verlängerung der
"Vorläufigen Hinweise zum Einsatz von Baustoffrecyclingmaterial" bis 31.
Dezember 2021, Az.: 45-8632/1/33
Erlass des SMUL vom 01. Juni 2010 zur Erläuterung
der "Vorläufigen
Hinweise zum Einsatz von Baustoffrecyclingmaterial",
Az.: 45-8981/2/31
Erlass des SMUL vom 08. Oktober 2009 zur „Verwertung von
mineralischen Abfällen; hier Porenbeton“, Az.: 45-8981.83/31
Erlass des SMUL vom 01. Juni 2010 zur „Einstufung von
Kalksandsteinabfällen“, Az.: 458981.83/2/34
Es berücksichtigt weiterhin Mitteilung der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall
(LAGA) 20 zu Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen
Abfällen - Technische Regeln - mit
Vorbemerkung zur Veröffentlichung des PDF-Dokumentes der LAGA-
Mitteilung 20 „Anforderungen an die stoffliche Verwertung von
mineralischen Abfällen - Technische Regeln“
(5. erweiterte Auflage, Stand: 06.11.2003, Erich Schmidt Verlag, Berlin)
auf der Internetseite der LAGA (Stand: 05.06.2012)
Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Abfällen:
Technische Regeln - Allgemeiner Teil - Überarbeitung und Endfassung
vom 06.11.2003
Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Abfällen:
Teil II: Technische Regeln für die Verwertung 1.2 Bodenmaterial (TR
Boden) Stand: 05.11.2004
Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Abfällen:
Teil III: Probenahme und Analytik, Stand: 05.11.2004
Ihr/-e Ansprechpartner/-in
Dr. Olaf Penndorf
Durchwahl
Telefon +49 371 532-1684
Telefax +49 371 532-1929
olaf.penndorf@
lds.sachsen.de*
Geschäftszeichen
(bitte bei Antwort angeben)
C43-8640/2/3
Chemnitz,
22. Juni 2020

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Veranlassung:
In Sachsen sind im Rahmen des bauordnungsrechtlichen Verfahrens Aufschüttungen
und Abgrabungen mit einer Höhe oder Tiefe bis zu 2 m und einer Grundfläche bis zu
30 m², im Außenbereich bis zu 300 m² verfahrensfrei (§ 61 Abs. 1 Ziff. 9. SächsBO).
Aufschüttungen und Abgrabungen in einem größeren Ausmaß als vorstehend genannt,
sind darüber hinaus genehmigungsfreigestellt (also nur anzeigepflichtig), wenn die
Maßgaben des § 62 SächsBO erfüllt werden.
Unabhängig davon unterliegen abfall- und bodenschutzrechtliche Fragestellungen nicht
der Prüfung durch die Bauaufsicht, weil diese Rechtsgebiete nicht zum aufgedrängten
Fachrecht in diesem Verfahren gehören. Insofern dürfen die Baugenehmigungen auch
keine diesbezüglich regelnden Nebenbestimmungen enthalten. Allenfalls können in
ihrer Wirksamkeit gegenüber dem Bauherrn unverbindliche Hinweise zu diesen
Sachverhalten gegeben werden.
Freilich kann die Bauaufsicht, wenn der Bauherr im Antrag z.B. bei Seitenentnahmen
mit Verfüllung abfall- und/oder bodenschutzrelevante Aussagen trifft bzw. aus dem
Antrag erkennbar wird, dass derartige Fragstellungen relevant sind, den Antrag der
unteren Abfall- und Bodenschutzbehörde (uABB) zur Kenntnis und weiteren
Veranlassung in dann deren eigener Zuständigkeit geben. Auf den Ablauf des
Baugenehmigungsverfahrens sowie die Erteilung der Genehmigung nach SächsBO hat
dies jedoch keinen Einfluss.
Die abfall- und bodenschutzrechtlichen Regelungen für derartige bauordnungsrechtlich
genehmigte Maßnahmen müssen durch den Bauherrn in eigener Verantwortung sowie
Rechts- und Verordnungskenntnis umgesetzt werden. Selbst wenn der Bauantrag
entsprechende Vorgaben enthält, bekommen diese durch die Erteilung der
Baugenehmigung weder eine inhaltlich noch eine zeitlich dauerhafte Verbindlichkeit.
Eine gewisse Rechtssicherheit diesbezüglich erlangt der Bauherr nur, wenn er selbst
bei der uABB vorstellig wird und dort abfall- und bodenschutzrechtliche Sachverhalte
(freiwillig) prüfen lässt und dann folgend die einvernehmlich abgestimmten Vorgaben
vollständig umsetzt.
Es obliegt demnach der uABB, im Rahmen der Überwachung die Einhaltung der abfall-
und bodenschutzrechtlichen Anforderungen auf Basis der aktuellen Rechtslage zu
überprüfen. Dazu soll der nachstehende Inhalt des Merkblatts Handlungshilfe sein.
Ergeben sich im Rahmen der Überwachung Abweichungen zu dem auf Abfall- und/oder
Bodenschutzrecht basierenden rechtskonformen Zustand (z.B. nicht zulässige
Verwertung von Abfällen, verursacht durch die gewählte Abfallart oder durch das Ziel
der Verwertung, Beseitigung von Abfällen in einer dafür nicht genehmigten Anlage,
nicht nachgewiesene Vorsorge gegen schädliche Bodenveränderungen), dann hat die
uABB mehrere Handlungsoptionen. Die mildeste Option gegenüber dem Bauherren
wäre die unmittelbare Aufforderung, den rechtswidrigen Zustand freiwillig, also ohne
Anordnung zu beseitigen und den rechtskonformen Zustand künftig auf freiwilliger Basis
sicherzustellen. Ist er dazu nicht bereit, muss ihm im Rahmen einer Anhörung
Gelegenheit gegeben werden, zu den angetroffenen abfall- und/oder
bodenschutzrechtlich bedingten Mängeln Stellung zu nehmen. Im Zuge dieser
Äußerung kann er immer noch die freiwillige Beseitigung dieser sowie die künftige
Sicherstellung des rechtskonformen Zustandes offerieren. Nutzt er diese Option nicht
bzw. verweigert er die Teilnahme an der Anhörung, verbleibt der uABB nur noch je
nach Art der angetroffenen Mängel eine Anordnung gegenüber dem Bauherren auf der
Basis § 7 Satz 3 BBodSchG in Verbindung mit § 10 BBodSchV.

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Hinweis:
Der Inhalt des nachstehenden Merkblattes soll den uABB der Landkreise und
kreisfreien Städte in Sachsen als sachseneinheitliche Informations- und
Handlungsgrundlage dienen für:
- die abfall- und bodenschutzrechtliche Beratung von Antragstellern für die o.g.
Bauvorhaben
- die abfall- und bodenschutzrechtliche Prüfung von Anträgen für o.g. Bauvorhaben
- die abfall- und bodenschutzrechtliche Überwachung von bauordnungsrechtlich
genehmigten Abgrabungen, Aufschüttungen und Verfüllungen
Es kann darüber hinaus an Antragsteller solcher Bauvorhaben bzw. Inhaber
entsprechender Baugenehmigungen ausgereicht werden, damit diese:
- in ihre Bauanträge entsprechende Formulierungen zur Sicherstellung der
ordnungsgemäßen und schadlosen Abfallverwertung sowie zur nachhaltigen
Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionalität aufnehmen oder
- im Rahmen der Umsetzung dieser Bauvorhaben eine verlässliche abfall- und
bodenschutzrechtliche Handlungsgrundlage haben.
Dieses Merkblatt gilt
nicht
für die Aufschüttungen oder Verfüllungen bzw. den Einbau
von mineralischen Abfällen in den Bereich der wassergesättigten Bodenzone. Dieser
Fall ist immer dann gegeben, wenn mit den vorgenannten Tätigkeiten in den Bereich bis
einen Meter über dem höchsten zu erwartenden Grundwasserstand eingegriffen wird.

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Erläuterungen:
Aufschüttung und Verfüllung
Veränderungen der natürlichen Oberfläche durch Erhöhung des Bodenniveaus
(Aufschüttung) oder Auffüllung anthropogen geschaffener Hohlformen (Abgrabungen)
im Landschaftsbau (Verfüllung) mit mineralischen Abfällen außerhalb von Bauwerken
mit dem Ziel, mindestens eine der Bodenfunktionen gemäß § 2 Abs. 2 Ziff. 1 bzw. Ziff.
3c nachhaltig zu sichern bzw. zu verbessern, vor allem die Funktion des Bodens als
Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für stoffliche Einwirkungen aufgrund seiner
Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften insbesondere auch zum Schutz des
Grundwassers. Die dafür zu verwendenden Materialien/Abfälle müssen den
Vorsorgemaßstäben des Bodenschutzes genügen, d.h. stofflich unbelastet und in der
Lage sein, die vorgenannten Funktionen zu übernehmen.
Einbau
Verwendung von mineralischen Abfällen mit entsprechenden, die des Baumaterials
substituierenden bautechnischen Eigenschaften als Ersatzbaustoffe in technischen
Bauwerken, wie z.B.
Straßen, Wege und Parkplätze,
Baustraßen,
Schienenverkehrswege,
Lager-, Stell- und sonstige befestigte Flächen,
Leitungsgräben und Baugruben,
Hinterfüllungen
Lärm- und Sichtschutzwälle,
Aufschüttungen zur Stabilisierung von Böschungen und Bermen
Kleinanlieferung
Anlieferung von bis zu 60 m³ bzw. 100 t mineralischen Abfalls mit Herkunft aus dem
nicht gewerblichen/industriellen Bereich. Der dafür vom Abfallerzeuger unterschriebene
und übergebene Anlieferschein muss vollständige Angaben gemäß § 49 Abs. 1 KrWG,
die richtigen ASN und weiteren Angaben, insbesondere zur Beschreibung der
Baumaßnahme enthalten und darüber hinaus plausibel belegen, dass ein
Kontaminationsverdacht nicht ableitbar ist.
analytisch deklarationspflichtige Anlieferung
herkunftsunabhängige Anlieferung von mehr als 60 m³ bzw. 100 t mineralischen Abfalls
sowie
jede
Anlieferungscharge
aus
Bodenbehandlungsanlagen,
Bodenrecyclinganlagen, Bauschuttrecyclinganlagen, Bodenbörsen und Lagern oder
Zwischenlagern, ausgenommen Lager oder Zwischenlager für Bodenmaterialien vom
Gelände des Herkunftsortes
verantwortliche Person auf der Baustelle (im Sinne dieses Merkblatts)
Verantwortliche Personen auf der Baustelle im Sinne dieses Merkblattes sind der
Bauherr gemäß §§ 52 und 53 SächsBO sowie der Rahmen seines Wirkungskreises am
Bau beteiligte Personenkreis. Sie sind dafür verantwortlich, dass die öffentlich-
rechtlichen Vorschriften, also auch Abfall- und Bodenschutzrecht eingehalten werden.

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Inhaltsverzeichnis
Merkblatt Abfallverwertung
1
Abfallarten und Schadstoffzuordnungswerte für die Verwertung
mineralischer Abfälle (Aufschüttung, Verfüllung und Einbau),
durchwurzelbare Bodenschicht
6
1.1
Durchwurzelbare Bodenschicht
6
1.2
Verfüllung/Aufschüttung
7
1.2.1
Abfallarten
7
1.2.2
Parameterliste und Zuordnungswerte
7
1.3
Einbau zu bau- und/oder betriebstechnischen Zwecken
8
1.3.1
Abfallarten
8
1.3.2
Parameterliste und Zuordnungswerte
9
1.4
Grundwassermonitoring
9
2
Anforderungen an die Fachkunde, Sachkunde, Zwischenlager
10
2.1
Fachkunde des Bauunternehmers / der verantwortlichen Person
10
2.2
Sachkunde der qualifizierten Person
10
2.3
Zwischenlager
11
3
Annahme- und Kontrollverfahren
12
3.1
Grundschema zum Annahme- und Kontrollverfahren
12
3.2
Annahmeerklärung
12
3.2.1
Grundsatz
12
3.2.2
Sonderregelung für Kleinanliefermengen
13
3.3
Annahmekontrolle
13
3.4
Dokumentation bei Annahme der Abfälle
14
3.5
Zurückweisung von Abfällen
14
3.6
Zwischenlagerung von Abfallchargen zum Zweck von analytischen
Kontrolluntersuchungen
14
3.7
Verfüllung und Einbau von Abfällen
14
4
Probenahme, -vorbereitung und analytische Untersuchungen
16
4.1
Allgemeine Anforderungen an die Probenahme, Probenvorbereitung
und an analytische Untersuchungen
16
4.2
Eingangsanalyse vor Annahmeerklärung
16
4.3
Regel-Kontrolluntersuchungen (Eigenkontrolle)
16
4.4
Analytische Verdachtsuntersuchungen (Eigenkontrolle)
17
5
Betriebsunterlagen und Dokumentation
18
5.1
Betriebliche Dokumentation
18
5.2
Jahresbericht zur Abfallverwertung
18
5.3
Aufbewahrungspflicht für Unterlagen
19

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1
Abfallarten und Schadstoffzuordnungswerte für die Verwertung
standortfremder mineralischer Abfälle (Aufschüttung, Verfüllung und
Einbau), durchwurzelbare Bodenschicht
1.1
Durchwurzelbare Bodenschicht
Die durchwurzelbare Bodenschicht ist als Rekultivierungsschicht aus standorteigenem
oder standortfremdem Bodenmaterial zu errichten. Dieses muss in der Lage sein,
natürliche Bodenfunktionen zu übernehmen. Bei Verwendung von standortfremdem
Bodenmaterial ist die Einhaltung der Vorsorgewerte gemäß Anhang 2 Nr. 4 BBodSchV
i. V. m. § 12 BBodSchV nachzuweisen. Die Herkunft des Bodenmaterials ist zu
dokumentieren.
Die Mächtigkeit der Rekultivierungsschicht bei Verfüllungen bzw. Aufschüttungen als
bodenähnliche Anwendungen mit Zuordnungswerten Z 0*unterhalb der
durchwurzelbaren Bodenschicht soll mindestens 2 m betragen.
(vgl. LAGA Mitteilung 20 - TR Boden
vom 5. November 2004 Teil II Pkt. 1.2.3.2 und
Vollzugshilfe des SMUL
vom 9. Mai 2003 zu § 12 BBodSchV, Ziff. 8).
Bei standorteigenem Bodenmaterial ist eine Analytik nicht erforderlich
(vgl. § 12 Abs. 2 Satz 2 BBodSchV).
Bei landwirtschaftlicher Folgenutzung sollen die Schadstoffgehalte max. 70 % der
Vorsorgewerte betragen (vgl. § 12 Abs. 4 BBodSchV und Vollzugshilfe des SMUL vom
9. Mai 2003 zu § 12 BBodSchV, Ziff. 7).
Anforderungen an die technische Ausführung ergeben sich aus § 12 Abs. 9 BBodSchV
und aus der Vollzugshilfe des SMUL vom 9. Mai 2003 zu § 12 BBodSchV, Ziff. 12
Die Eignung des Bodenmaterials ergibt sich aus den Anforderungen in § 12 Abs. 6
BBodSchV.
Vor Aufbringen des standortfremden Bodenmaterials sind die Untersuchungen nach
den in Anhang 1 BBodSchV festgelegten Analytik-Methoden durchzuführen (vgl. § 12
Abs. 3 BBodSchV). Der Untersuchungsumfang ist ggf. auch in Folge des herkunfts-
bzw. vornutzungsbedingten Belastungsverdachts im standortfremden Bodenmaterial
um einzelne Parameter zu erweitern.
Die verantwortliche Person hat die Herkunft und die Einhaltung der Vorsorgewerte in
geeigneter Weise nachzuweisen, z.B. bei Ankauf von Bodenmaterial: zugehörige
Produktbeschreibung oder Deklaration.

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1.2
Verfüllung / Aufschüttung
1.2.1
Abfallarten
Zur Verfüllung unterhalb der durchwurzelbaren Bodenschicht sind folgende minera-
lische Abfallarten zulässig:
Abfallschlüssel
Abfallbezeichnung
17 05 04
Boden und Steine mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 05 03 fallen
17 05 06
Baggergut mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 05 05 fällt
Für die Verfüllung nach Pkt. 1.2 sind auch weitere Abfallarten im Einzelfall und nach
Prüfung durch die zuständige uABB zulässig, wenn die verantwortliche Person z.B.
durch Fachgutachten nachweist, dass bei Verwendung dieser Abfallarten analog zu
Bodenmaterial mindestens eine der Bodenfunktionen gemäß § 2 Abs. 2 Ziff. 1 bzw. Ziff.
3c BBodSchG nachhaltig gesichert bzw. verbessert wird, vor allem die Funktion des
Bodens als Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für stoffliche Einwirkungen
aufgrund seiner Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften insbesondere auch
zum Schutz des Grundwassers. Darüber hinaus dürfen schädlichen
Bodenveränderungen und nachteilige Veränderungen des Grundwassers nicht zu
besorgen sein. Einer Einzelfallbetrachtung ist insbesondere Bodenmaterial zu
unterziehen aus:
- Anlagen zur Behandlung von Boden (Bodenbehandlungsanlagen),
- Bodenrecyclinganlagen,
- Bauschuttrecyclinganlagen,
- Bodenbörsen und
- Lagern oder Zwischenlagern, ausgenommen Lager oder Zwischenlager für
Bodenmaterialien vom Gelände des Herkunftsortes.
1.2.2
Parameterliste und Zuordnungswerte
Die Schadstoffgehalte der zugelassenen mineralischen Abfälle dürfen die gemäß
Tabelle II.1.2-2 (Feststoffgehalte) und Tabelle II.1.2-3 (Eluatkonzentrationen) der LAGA
M 20 (TR Boden, Stand: 05.11.2004) aufgeführten parameterbezogenen
Zuordnungswerte nicht überschreiten.
Zur Sicherstellung von Aufschüttung bzw. Verfüllung oberhalb einem Meter über dem
höchsten zu erwartenden Grundwasserstand hat die verantwortliche Person die
konkrete Höhenlage der Aufstandsfläche der Maßnahme zu ermitteln. Ggf. ist dazu die
Beibringung eines hydrogeologischen Gutachtens erforderlich.

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1.3
Einbau zu bau- und/oder betriebstechnischen Zwecken
1.3.1
Abfallarten
Für den Einbau zu bautechnischen Zwecken sind ab 1 m oberhalb des höchsten zu
erwartenden
Grundwasserstandes
folgende
sogenannte
Bauschuttabfälle
zulassungsfähig:
Abfallschlüssel
Abfallbezeichnung
17 01 01
Beton
17 01 02
Ziegel
17 01 03
Fliesen und Keramik
17 01 07
Gemische aus Beton, Ziegeln, Fliesen und Keramik mit Ausnahme
derjenigen, die unter 17 01 06 fallen
Der Bauschutt muss gemäß Gewerbeabfallverordnung am Ort des Rückbaus
aufbereitet worden sein, das heißt der verantwortlichen Person auf der Baustelle ohne
Fremdbestanteile ( 5 Vol.-%), wie Glas, Kunststoffe, Metalle, Holz, Dämmmaterial,
Bitumengemische, Baustoffe auf Gipsbasis angedient werden.
Der Einbau o.g. standortfremder mineralischer Abfälle ist nur im Rahmen konkreter zur
Gesamtmaßnahme gehöriger Bauwerke zulässig. Dies können bspw. sein:
Straßen, Wege und Parkplätze,
Baustraßen,
Lager-, Stell- und sonstige befestigte Flächen,
Lärm- und Sichtschutzwälle,
Aufschüttungen zur Stabilisierung von Böschungen und Bermen,
Oberflächenstabilisierungen zur technologisch erforderlichen Herstellung der
Befahrbarkeit.
Dem Bauherren wird empfohlen, ein Konzept zu erarbeiten, welches
die Einbaumaßnahme(n) konkret beschreibt,
deren Erfordernis nachvollziehbar begründet,
an Hand der Dimension die benötigte Menge an Bauschutt ableitet,
die Bauschuttart sowie deren Qualität darstellt.
Für die Einbaumaßnahmen nach Abschnitt 1.3 sind weitere Abfallarten zulässig, wenn
die verantwortliche Person z.B. durch Fachgutachten nachweist, dass bei
zulassungskonformem Einbau keine schädlichen Bodenveränderungen und keine
nachteiligen Veränderungen des Grundwassers zu besorgen sind.
Dieses Konzept kann der zuständigen uABB vorab zur Bestätigung vorgelegt werden.

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1.3.2
Parameterliste und Zuordnungswerte
Die Schadstoffgehalte der Bauschuttabfälle dürfen folgende parameterbezogenen
Zuordnungswerte nicht überschreiten:
Parameter
Feststoff
in [mg/kg]
Eluat
in [mg/l]
Arsen
45
1)
0,010
Blei
210
1)
0,025
Cadmium
3
1)
0,005
Chrom (gesamt)
180
1)
0,05
Kupfer
120
1)
0,05
Nickel
150
1)
0,05
Quecksilber
1,5
1)
0,001
Zink
450
1)
0,5
EOX
3
-
PAK
nach EPA
5
-
Kohlenwasserstoffe C
10
-C
40
300 (600)
4)
0,2
4)
Leitfähigkeit
-
1500
2) 5)
pH-Wert
-
7 – 12,5
3) 5)
Sulfat
-
240
Chlorid
-
100
Phenole
-
0,02
1) Dieser Parameter ist zu bestimmen und mit dem Zuordnungswert abzugleichen, wenn der Abfall
dauerhaft im Aufschüttungs- oder Verfüllkörper verbleibt.
2) µS/cm
3) ohne Einheit
4) Werte gelten nur, sofern die MKW-Konzentrationen auf Asphaltanteile zurückzuführen sind. Zum
Nachweis ist im Eluat eine MKW-Konzentration von 0,2 mg/l einzuhalten.
5) Werte sind bei frisch gebrochenem, reinem Betonmaterial kein Ausschlusskriterium, wenn die Werte
für Chlorid und Sulfat und alle übrigen Zuordnungswerte eingehalten werden und andere
Salzbelastungen ausgeschlossen werden können.
1.4
Grundwassermonitoring
Ab einer/m Aufschüttungs- bzw. Verfüllmenge / -volumen von ca.100.000 t / 50.000 m³
ist die Baumaßnahme mit Verwertung mineralischer grundsätzlich mit einem
Grundwassermonitoring zur Überwachung der Schadlosigkeit der Abfallverwertung zu
verknüpfen. Der dazu an die untere Wasserbehörde zur Abstimmung zu richtende
Vorschlag hat seitens des Bauherrn anhand aussagefähiger Unterlagen zu erfolgen
und soll insbesondere folgende Aussagen enthalten:
- Anzahl und Ort der erforderlichen Pegel,
- Grundwasserstand (Nullmessung sowie Prognose zum höchsten zu erwartenden
Grundwasserstand bzw. Grundwasseranstieg), Grundwassergüte,
- Überwachungsdauer und -häufigkeit,
- die Hydrogeologie am Standort sowie das Gefährdungspotential der beantragten
Abfallarten sind zu beachten.
Es wird empfohlen, dass die verantwortliche Person sich hierzu bereits vor Baubeginn
mit der unteren Wasserbehörde abstimmt. Konkrete Festlegungen zum
Grundwassermonitoring können nur durch diese verbindlich gemacht.

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2
Anforderungen an die Fachkunde, Sachkunde, Zwischenlager
2.1
Fachkunde des Bauherren / der verantwortlichen Person
Die für die Abfallverwertung in der Betriebsstätte verantwortliche Person (Bauherr und
im Rahmen ihres Wirkungskreises am Bau Beteiligte) hat den zuständigen Behörden
ihre Fachkunde zum ordnungsgemäßen und schadlosen Umgang mit Abfällen sowie zu
den Vorsorgeanforderungen des Boden- und Gewässerschutzes mittels Fortbildungs-
oder Qualifizierungsmaßnahmen nachzuweisen. Dabei hat der o.g. verantwortliche
Personenkreis seine Fachkunde im Falle von Rechtsänderungen eigenverantwortlich
aufzufrischen.
Mögliche Lehrinhalte für Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen:
- Vorschriften des Abfallrechts und des für die zugelassenen Abfallverwertungs-
maßnahmen geltenden sonstigen Umweltrechts (insbesondere Bodenschutzrecht),
- Kenntnisse über Umwelteinwirkungen und sonstige Gefahren sowie erhebliche
Nachteile und erhebliche Belästigungen, die von den zugelassenen Abfallver-
wertungsmaßnahmen ausgehen können einschließlich Maßnahmen zu deren
Vermeidung bzw. Beseitigung,
- Art und Beschaffenheit, Verhalten und Reaktion von Abfällen,
- eine Zertifizierung des Baubetriebes als Entsorgungsfachbetrieb für vergleichbare
Tätigkeiten der Abfallverwertung kann als Nachweis der Fach-kunde anerkannt
werden.
2.2
Sachkunde der qualifizierten Person
Während der Betriebszeiten, in denen standortfremde mineralische Abfälle
angenommen werden, muss mindestens eine hierfür qualifizierte Person die Annahme
und die Verwertung (Verfüllung, Einbau) dieser Abfälle überwachen. Jede dieser
qualifizierten Personen muss die erforderliche Sachkunde für die jeweils von ihr
wahrgenommenen Tätigkeiten besitzen. Der unter Pkt. 2.1 genannte fachkundige
Personenkreis hat die qualifizierten Personen betrieblich einzuarbeiten und anhand der
Baugenehmigung der davon unabhängig geltenden und zutreffenden Vorschriften des
Abfall-, Bodenschutz- und Wasserrechtes regelmäßig zu unterweisen, insbesondere
über:
- die zur Verwertung (Verfüllung, Aufschüttung, Einbau) zugelassenen Abfallarten
einschließlich deren Abfallqualitäten,
- Annahmeverfahren und Qualitätskontrollen,
- Fälligkeit von Kontrolluntersuchungen,
- Verfüllkonzept und Bauschuttkonzept,
- Nachweisführung und Betriebsdokumentation der Abfallverwertung.
Die Bereiche Annahme und Verwertung (Aufschüttung, Verfüllung, Einbau) innerhalb
des Bauvorhabens sollen nach Möglichkeit jeweils durch mindestens eine hierfür
qualifizierte Person besetzt sein, insbesondere:
- bei weiten Wegen, d.h. großen Abständen zwischen Annahmeort (Waage) und
Verwertungsort (Verfüll- oder Einbaubereich) bzw. schwer einsehbarem Gelände
oder
- bei großen Bauvorhaben mit Abfallverwertungsmengen ab 50.000 t pro Jahr.

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2.3
Zwischenlager
Bauflächen, auf denen mineralische Abfälle verwertet oder zwischengelagert werden,
sind gegen unberechtigtes Betreten oder Befahren zu sichern. Die verantwortliche
Person bzw. die im Rahmen ihres Wirkungskreises am Bau Beteiligten müssen
nachweisen, dass der Gesamtbaubereich über eine ausreichend große
Zwischenlagerfläche verfügt, z.B. für Abfallchargen, die nicht unmittelbar verwertet
und/oder beprobt werden. Die Einrichtung und die Größe dieser Zwischenlagerfläche
sind im Einzelfall sachgerecht und verhältnismäßig zu bemessen und betriebsbezogen
zu begründen.

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3
Annahme- und Kontrollverfahren
3.1
Grundschema zum Annahme- und Kontrollverfahren
Für die Verwertung standortfremder mineralischer Abfälle gilt folgendes Annahme- und
Kontrollverfahren:
- Annahmeerklärung (Pkt. 3.2) und Eingangs-/Deklarationsanalyse (Pkt. 4.2),
- Annahmekontrolle (Pkt. 3.3),
- Dokumentation bei der Annahme der Abfälle (Pkt. 3.4),
- ggf. kurzzeitige Zwischenlagerung (unter einem Jahr) (Pkt. 3.6),
- Regel-Kontrolluntersuchungen (Eigenkontrolle) durch den Bauherrn (Pkt. 4.3),
- anlassbezogene Verdachtsuntersuchungen durch den Bauherrn (Pkt. 4.4),
- Verfüllung im festgelegten Raster oder Einbau der Abfälle in konkrete Einbau-
maßnahme für berg- und/oder betriebstechnische Zwecke (Pkt. 3.7).
3.2
Annahmeerklärung
3.2.1
Grundsatz
Die verantwortliche Person bzw. die im Rahmen ihres Wirkungskreises am Bau
Beteiligten haben gegenüber dem Abfallerzeuger vor der Annahme jeder ersten
Abfallcharge (bezogen auf Abfallart und Herkunftsbereich) eine schriftliche
Annahmeerklärung nach fachkundiger Prüfung aller vom Abfallerzeuger vorzulegenden
Unterlagen nach Pkt. 4.2 abzugeben.
Die Annahmeerklärung darf nur erteilt werden, wenn diese Unterlagen des Abfaller-
zeugers vollständig sind, die sachgerechte Probenahme sowie analytische
Untersuchung plausibel sind und der Abfall demzufolge alle maßgeblichen
parameterbezogenen Zuordnungswerte gemäß Zweckbestimmung des genehmigten
Bauwerkes einhält.
Die Unterlagen des Abfallerzeugers sind vollständig, wenn sie die nach Pkt. 4.2
erforderlichen Mindestangaben enthalten. Die verantwortliche Person hat dabei auch
die Festlegungen zur Registerpflicht gem. §§ 49, 51 Kreislaufwirtschaftsgesetz
(KrWG)
zu beachten.
Die Annahme gilt seitens der verantwortlichen Person als erklärt, wenn der vom
Abfallerzeuger unterschriebene Anlieferschein nach Plausibilitätsprüfung durch den
Bauherrn gegengezeichnet wird. Darüber hinaus muss jede der zugehörigen
Annahmeerklärung
nachvollziehbar
zugeordnet
werden
können.
Die
Mindestanforderungen für vorzulegende Deklarationsanalysen der Abfallerzeuger
resultieren aus Punkt 1.2.2 der LAGA M 20 TR Boden vom 05. 11. 2004.

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3.2.2 Sonderregelung für Kleinanliefermengen
Abweichend von Abschnitt 3.2.1 kann die verantwortliche Person bei der Annahme von
Kleinanliefermengen in Gebinden bis zu 10 m³ (Abfallcharge) bei einer Gesamtmenge
bis zu 60 m³ oder bis zu 100 t ein und derselben Abfallart und Herkunft auf die Vorlage
einer analytischen Untersuchung durch den Abfallerzeugers verzichten, wenn alle
sonstigen, nach Abschnitt 4.2 erforderlichen Angaben des Abfallerzeugers auf dem
schriftlichen Anlieferschein vollständig und plausibel sind und sich daraus kein
Kontaminationsverdacht ableiten lässt. Zusätzlich ist in solchen Fällen die Herkunft der
Kleinanliefermengen durch Angaben zur Vornutzung des Standortes und Beschreibung
der Baumaßnahme mit Angabe der Größenordnung (Volumenabschätzung des
Baukörpers)
detailliert zu beschreiben. Beispiele für eine derartige Beschreibung,
jeweils mit geschätzter Vermaßung sind:
- Aushub Baugrube Einfamilienhaus mit Kellergeschoss (9 x 9 x 0,75 m),
- Aushub Bodenplatte Garage (6 x 3 x 0.5m),
- Abriss Schuppen aus unverputztem Ziegelmauerwerk
(Gesamtwandgröße = 12 x 2 x 0,4 m),
- Aushub Erneuerung Hofbefestigung Naturstein (5 x 10 x 0,5 m),
- Aushub Erneuerung Befestigung Hauszugang (5 x 1 x 0,3 m),
- Abriss Begrenzungsmauer zu Nachbargrundstück, verputztes Ziegelmauerwerk
(Gesamtwandgröße = 10 x 1,5 x 0,4 m),
- Aushub Instandsetzung Rohrbruch Trinkwasserleitung auf privatem Grundstück,
Baugrube, ungebundenes Tragschichtmaterial und Bodenmaterial
(5 x 0,8 x 1 m),
- Aushub Kabelgraben auf privatem Grundstück (10 x 0,4, 0,5 m).
3.3
Annahmekontrolle
Die verantwortliche Person bzw. die im Rahmen ihres Wirkungskreises am Bau
Beteiligten dürfen eine angelieferte Abfallcharge nur annehmen, wenn dieser Abfall
sowohl mit den Angaben im Lieferschein also auch mit denen in der Annahmeerklärung
übereinstimmt. Auf Plausibilität sind dabei insbesondere zu prüfen:
- Abfallherkunft und Menge,
- Abfallschlüssel nach AVV,
- Aussehen, Konsistenz, Geruch und Farbe des Abfalls (organoleptische Prüfung).
Die angenommenen Abfallmengen sind nach Abfallschlüsseln getrennt fortlaufend zu
erfassen (abfallartbezogene Gesamtmenge). Hieraus haben die verantwortliche Person
bzw. die im Rahmen ihres Wirkungskreises am Bau Beteiligten die Fälligkeit der Regel-
Kontrolluntersuchungen abzuleiten und die qualifizierte Person bei der Annahmekon-
trolle entsprechend zu unterweisen.

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3.4
Dokumentation bei Annahme der Abfälle
Mit der Annahme der Abfälle hat der Bauherr bzw. die verantwortlichen Person für jede
angelieferte Abfallcharge nachvollziehbar schriftlich zu dokumentieren (z. B. auf dem
Lieferschein):
- Datum und Uhrzeit der Anlieferung,
- Kennzeichen des Fahrzeugs, Name des Transport-Unternehmens und des Fahrers,
- Abfallart (Abfallschlüssel) und Abfallmenge sowie Herkunft der Abfälle,
- Zuordnung der Abfallcharge zur Annahmeerklärung sowie zum Verfüllraster bzw. zur
konkreten Einbaumaßnahme,
- bei Zwischenlagerung: Grund der Zwischenlagerung sowie Kennzeichnung der
Abfallcharge am Zwischenlager mit Zuordnung zum Lieferschein,
- bei Verwendung für bau- und/oder betriebstechnische Zwecke: Bezeichnung und Ort
der Einbaumaßnahme,
- Auffälligkeiten aus der Prüfung während der Annahmekontrolle.
3.5
Zurückweisung von Abfällen
Liegt keine Annahmeerklärung vor oder weichen die Angaben im Lieferschein von der
Annahmeerklärung ab, ist die Annahme des Abfalls zu verweigern und die Ab-
fallcharge zurückzuweisen. Die Zurückweisung von Abfällen soll als „besonderes
Vorkommnis“ im Bautagebuch dokumentiert werden. Bei bereits erteilter
Annahmeerklärung hat ein schriftlicher Vermerk über den Verbleib der Abfälle auf der
Annahmeerklärung zu erfolgen.
Auch bei Überschreitung nur einzelner maßgeblicher parameterbezogener Zuordnungs-
werte gemäß Zweckbestimmung des genehmigten Bauwerkes ist eine
Annahmeerklärung des Unternehmers nicht von vornherein zulässig. In solchen Fällen
sollte eine abweichende Einzelfallentscheidung bei der unteren Abfall- und
Bodenschutzbehörde erbeten werden. Dazu hat der Antrag auf Einzelfallentscheidung
den Nachweis zu enthalten, dass trotz Überschreitung von Zuordnungswerten gemäß
Zweckbestimmung des genehmigten Bauwerkes die Schadlosigkeit in diesem Einzelfall
sichergestellt ist.
3.6
Zwischenlagerung von Abfallchargen zum Zweck von analytischen
Kontrolluntersuchungen
Solange für eine angelieferte Abfallcharge die analytische Untersuchung (Kontroll- oder
Verdachtsuntersuchung) nicht abgeschlossen ist, muss diese Abfallcharge auf dem
Zwischenlager getrennt von anderen Abfallchargen zwischengelagert und so
gekennzeichnet bleiben, dass jederzeit eine eindeutige und nachvollziehbare
Zuordnung zum Lieferschein, zur Annahmeerklärung und zur analytischen
Untersuchung gewährleistet ist. Die Verwertung dieser untersuchten Abfallcharge ist
nur zulässig, wenn die Untersu-chungsergebnisse die Einhaltung aller
Zuordnungswerte gemäß Zweckbestimmung des genehmigten Bauwerkes
nachgewiesen haben.
3.7
Verfüllung und Einbau von Abfällen
Angenommene Abfallchargen sind vor deren Verwertung (Aufschüttung, Verfüllung
oder Einbau) in ausreichendem Abstand zur Kippenböschung bzw. endgültigen
Ablagerungsort abzuladen und organoleptisch zu prüfen. Fremdbestandteile

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(mineralisch und organisch) sind auszusortieren sowie ordnungsgemäß und schadlos
zu entsorgen. Der Abfall kann verfüllt oder eingebaut werden, wenn sich keine Zweifel
an dessen Konformität gemäß Zweckbestimmung des genehmigten Bauwerkes
ergeben. Die Verfüllung bzw. Aufschüttung hat dabei Rasterfeldern gemäß Konzept zu
erfolgen. Das jeweils aktuelle Rasterfeld ist in geeigneter Weise vor Ort zu
kennzeichnen.
Das vorgenannte Konzept für die Verfüllung bzw. Aufschüttung von mineralischen
Abfällen hat die verantwortliche Person auf der Grundlage eines Auszugs vom aktuellen
Grundriss des Verfüllungs- bzw. Aufschüttungsbauwerkes zu erstellen. Die für die
Verfüllung/Aufschüttung von Abfällen vorgesehenen Bereiche sind in geeignete Raster
einzuteilen:
- Richtgröße für ein Raster zur Verfüllung/Aufschüttung:
Länge x Breite = 50 m x 50 m
- Höhe der Kippscheiben: 5 m
- Kubatur pro Rasterfeld: 5.000 m³
- prognostische Darstellung der beabsichtigten Verfüll-/aufschüttungsmaßnahmen pro
Kalenderjahr für die geplante Dauer der Errichtung der Bauwerkes (Verfüllkörper/
Aufschüttung)
Der Verwertung von Abfällen gemäß Pkt. 1.3 hat nach Maßgabe des ggf. genehmigten
Konzepts zu erfolgen. Die eingebauten Bauschutt-Abfallmengen sind unter Benennung
der konkreten Einbaumaßnahme ebenfalls nachvollziehbar zu dokumentieren.

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4
Probenahme, Probenvorbereitung und analytische Untersuchungen
4.1
Allgemeine Anforderungen an die Probenahme, Probenvorbereitung und
an analytische Untersuchungen
Die Probenahme, Probenvorbereitung und analytischen Untersuchungen sind nach den
anerkannten Regeln der Technik durchzuführen. Analytische Untersuchungen sind von
akkreditierten Labors unter Einhaltung der aktuellen Analyseverfahren durchzuführen.
Sie richten sich nach folgenden Maßgaben:
- für die ggf. geplante durchwurzelbare Bodenschicht: nach Anhang 1 der BBodSchV
- für Abfälle zur Verfüllung/Aufschüttung und zum Einbau:
nach Mitteilung 20 der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA): Anforderungen an
die stoffliche Verwertung von mineralischen Abfällen: Teil III: Probenahme und
Analytik, Stand: 05.11.2004
Probenahme und Probenvorbereitung sind zu dokumentieren, damit diese nachvoll-
ziehbar und prüfbar sind. Die Kontrolluntersuchungen sind darüber hinaus nur dann
vollständig und auswertbar, wenn Beprobungs-, Probenvorbehandlungs- und
Laborprotokolle vollständig in den Baustellenunterlagen vorliegen.
4.2
Eingangsanalyse vor Annahmeerklärung
Alle standortfremden mineralischen Abfälle sind der in der Betriebsstätte
verantwortliche Person vor Abgabe der Annahmeerklärung analytisch untersucht und
charakterisiert
vorzulegen
(Eingangsanalyse
=
Deklarationsanalyse
des
Abfallerzeugers).
Diese Analyse hat mindestens folgende Angaben zu enthalten:
- Abfallherkunft (einschließlich der Vornutzung des Entnahmebereiches),
- Abfallbeschreibung und sechsstelliger Abfallschlüssel nach AVV,
- Aussehen, Konsistenz, Geruch, Farbe,
- Masse des Abfalls als Gesamtmenge,
- Probenahmeprotokolle sowie Ergebnisse der analytischen Untersuchung
(Analysenprotokolle zur chemischen Beschaffenheit).
Abweichend von Satz 1 kann die Annahme folgender Abfälle nachweislich ohne
anthropogenen oder geogenen Belastungsverdacht ohne vorherige analytische
Untersuchung erklärt werden:
- Kleinanliefermengen (Pkt. 3.2.2),
- in Gebieten nachweislich ohne geogen oder siedlungsbedingt erhöhte
Schadstoffgehalte am Herkunftsort in natürlicher Lagerung befindliches
Bodenmaterial (17 05 04) ohne Fremdbestandteile.
4.3
Regel-Kontrolluntersuchungen (Eigenkontrolle)
Die in der Betriebsstätte Verantwortliche hat jeweils eine analytische
Kontrolluntersuchung der angelieferten Abfallcharge zu veranlassen:
- je 4.000 t
a) für die durchwurzelbare Bodenschicht (standortfremdes Material) nach Pkt. 1.1,
b) für Abfälle zur Verfüllung nach Pkt. 1.2,
c) für Abfälle zum Einbau nach Pkt. 1.3,

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- je 500 t
d) für Kleinanliefermengen nach Pkt. 3.2.2
Der Kontrollrhythmus einer Regel-Kontrolluntersuchung im Rahmen der Eigenkontrolle
durch den der o.g. verantwortlichen Personen bezieht sich jeweils auf die
angenommene Gesamtabfallmenge aller Anlieferer pro Verwertungsart a) … d). Es sind
daher fortlaufend die angenommenen Abfälle aller Anlieferer aufgeschlüsselt nach
Verwertungsart zu summieren. Es gibt daher bis zu vier unabhängig voneinander
laufende Kontroll-rhythmen. Wird z.B. seit der letzten Regel-Kontrolluntersuchung die
4.000. t (= viertausendste Tonne) Abfall für die Verfüllung/Aufschüttung angeliefert, so
ist diese Abfallcharge analytisch zu untersuchen. Eine Abfallcharge ist der Abfall, der
mit einer Ladung (z.B. LKW, einschließlich Hängerzug, Kleintransporter, PKW-
Anhänger) oder mit einem Container angeliefert wird.
4.4
Analytische Verdachtsuntersuchungen (Eigenkontrolle)
Resultiert aus der Annahmekontrolle nach Pkt. 3.3 der Verdacht, dass angelieferte
Abfälle in Bezug auf die Zweckbestimmung des genehmigten Bauwerkes unzulässige
Schadstoffkonzentrationen aufweisen können, hat die in der Betriebsstätte
verantwortliche Person (Bauherr und im Rahmen ihres Wirkungskreises am Bau
Beteiligte) unverzüglich eine analytische Kontrolluntersuchung außerhalb der
Untersuchungsfrequenz nach Abschnitt 4.3 zu veranlassen. Werden unzulässige
Bestandteile einer Abfallanlieferung bzw. Bestandteile festgestellt, die die gesamte
Abfallcharge negativ beeinflussen können, hat an Stelle einer abfallcharakterisierenden
Probenahme eine „Hot spot“-Beprobung gem. LAGA PN 98 zu erfolgen.

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5
Betriebsunterlagen und Dokumentation
5.1
Betriebliche Dokumentation
Die verantwortliche Person hat nachvollziehbar zu dokumentieren:
- Fachkundenachweis der verantwortlichen Person
(Aus- und Fortbildung, Pkt. 2.1),
- Sachkundenachweis der qualifizierten Person(en) (Unterweisung nach Pkt. 2.2),
- alle Annahmeerklärungen (jeweils mit den Unterlagen des Abfallerzeugers zum
Nachweis analytischer Untersuchungen, soweit nach Pkt. 3.2 erforderlich),
- alle zugehörigen Lieferscheine,
- vollständige Unterlagen zu allen analytischen Kontrolluntersuchungen im Auftrag des
Bauherren / der verantwortlichen Person einschließlich zugehöriger
Probenahmeprotokolle im Original,
- Entsorgungsnachweise für angenommene, nicht zulassungskonforme Abfälle (Pkt.
3.5),
- Nachweise zur Herkunft und Qualität des Bodenmaterials für die durchwurzelbare
Bodenschicht nach Pkt. 1.1,
- alle Angaben, die zur Erstellung des Jahresberichts erforderlich sind.
5.2
Jahresbericht zur Abfallverwertung
Die verantwortliche Person soll der zuständigen Abfall- und Bodenschutzbehörde bis
jeweils zum 31. März des Folgejahres bei mehrjährigen Bauvorhaben, sonst zum
Bauende einen schriftlichen Jahres- bzw. Abschlussbericht zur Abfallverwertung für den
Berichtszeitraum (vorangegangenes Kalenderjahr oder Gesamtbauzeit) vorlegen.
Dieses Dokument hat mindestens folgende Angaben für den Berichtszeitraum
enthalten:
- Name der verantwortlichen Person für die Abfallverwertung und ggf. durchgeführte
Fortbildungs-/Qualifizierungsmaßnahmen (Pkt. 2.1),
- Namen der qualifizierten Person(en) (Pkt. 2.2),
- angenommene Abfallmengen pro Abfallschlüssel,
- bei mehrjährigen Vorhaben Abfallmengen zum 31.12. auf dem Zwischenlager,
aufgeschlüsselt in Abfälle zur Verfüllung (Pkt. 1.2) und Abfälle zum Einbau (Pkt. 1.3),
- Darstellung der Umsetzung des Verfüll- bzw. Aufschüttungskonzepts auf
vorhandenem aktuellen Riss-werk (aktueller Verfüllstand der Raster),
- Darstellung der Umsetzung des Bauschuttkonzepts (realisierte Baumaßnahmen),
- Anzahl und Auswertung der analytischen Regel-Kontrolluntersuchungen (Pkt. 4.3)
und Verdachtsuntersuchungen (Pkt. 4.4), jeweils aufgeschlüsselt auf Abfälle zur
Verfüllung, zum Einbau und Kleinanliefermengen,
- Darstellung der angenommenen, nicht für die Zweckbestimmung des genehmigten
Bauwerkes geeigneten Abfallchargen sowie Nachweis des weiteren Verbleibs aller
angelieferten Abfälle,
- besondere Vorkommnisse hinsichtlich der Abfallverwertung (z.B. Pkt. 3.5),
- Auswertung des Grundwassermonitorings und Schlussfolgerungen für die Abfall-
verwertungsmaßnahmen (Verfüllung/Aufschüttung/Einbau).
Für die Darstellung der Umsetzung des Verfüll-/Aufschüttungskonzepts ist das
Augenmaß angemessen. Eine regelmäßige Neuvermessung ist nicht erforderlich, die
Skizzierung des Voranschreitens der Verfüllung/Aufschüttung auf vorhandenem
aktuellen Risswerk, geschätzt in ca. 25-%-Schritten ist ausreichend.

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Sofern ein Grundwassermonitoring (siehe Pkt. 1.4) durchzuführen ist, sollen die
Ergebnisse Bestandteil des/der Berichtsdokumente(s) „Abfallverwertung“ sein und bei
mehrjährigen Vorhaben auch Schlussfolgerungen der verantwortlichen Person zur
Beurteilung der Schadlosigkeit der Abfallverwertung sowie zum Höhenniveau der
Grundwasserstände enthalten.
Das/Die Berichtsdokument(e) kann/können in digitaler Form eingereicht werden.
5.3
Aufbewahrungspflicht für Unterlagen
Die verantwortliche Person hat mindestens bis zum Ende der Bauarbeiten
aufzubewahren (§ 82 SächsBO):
- Nachweise zur Herkunft und Qualität des Bodenmaterials für die durchwurzelbare
Bodenschicht,
- alle Annahmeerklärungen (jeweils mit den Unterlagen des Abfallerzeugers zum
Nachweis analytischer Untersuchungen, soweit nach Pkt. 3.2 erforderlich),
- vollständige Unterlagen zu allen analytischen Kontrolluntersuchungen im Auftrag der
s verantwortlichen Person einschließlich zugehöriger Probenahmeprotokolle im
Original,
- alle Jahresberichte.