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Drei Jahre ADR Rosenprüfung in Dresden-Pillnitz
Dr. Spellerberg vom Bundessortenamt ist der Koordinator der ADR-Sichtung.
Hier mit schwarzem Jackett im Kreis der Bewerter.
Seit Jahrhunderten begeistern sich Gartenfreunde und Pflanzenliebhaber für eine ganz spezielle Gattung
Pflanzen: Die Rose. Am Beginn dieser Liebhaberei stand die Auslese besonderer Pflanzen aus dem Bereich der
natürlich gewachsenen Wildrosen, die über die gesamte nördliche Hemisphäre verteilt heimisch sind. Erst viel
später begannen die Menschen mit gezielten Züchtungen neue und verbesserte Sorten herzustellen und den
Liebhabern verfügbar zu machen. Ende des 18. Jahrhunderts nach der Einfuhr chinesischer Rosen mit
dauerhafter Blüte gelang in Europa ein großer Sprung vorwärts zu Sorten mit länger anhaltender oder
mehrmaliger Blüte.
Seit dieser Zeit sind tausende neue Sorten in schier unübersehbarer Vielfalt entstanden, unter denen garantiert
für jeden Geschmack die passende Sorte zu finden ist. Doch wie soll der Rosenfreund hieraus die für ihn am
besten geeigneten Rosen herausfinden?
Kletterrosen der Pillnitzer ADR- Prüfanlage Ende September 2007

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Hier kann das ADR-Prädikat, das den besten Sorten zuerkannt wird, eine gute Hilfe sein. Die Abkürzung steht für
„Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung“. Diese Prüfung wurde vor über 50 Jahren durch Wilhelm Kordes
initiiert. An 11 Prüfstandorten, die über ganz Deutschland verteilt sind und zu denen auch der Fachbereich
Gartenbau der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Dresden-Pillnitz gehört, werden von deutschen
und ausländischen Züchtern eingesandte Rosensorten unter strikter Vermeidung von Pflanzenschutzmitteln auf
Herz und Nieren geprüft. Dabei stehen Merkmale wie Frosthärte, Wüchsigkeit, Blüte, Duft und vor allem
Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten im Vordergrund. Nach 3 Jahren intensiver Bewertungen werden die
Daten im Bundessortenamt in Hannover zusammengeführt. Bei Erreichen bestimmter Punktzahlen werden dann
die entsprechenden Sorten für das ADR-Prädikat vorgeschlagen.
Anlässlich der dreijährigen Mitgliedschaft des Pillnitzer Standortes im Kreise der ADR-Prüfgärten tagte der
Arbeitskreis ADR in diesem Jahr am 06. September in der Fachschule für Gartenbau in Dresden-Pillnitz. Dem
Arbeitskreis gehören Vertreter des Bundes deutscher Baumschulen, Rosenzüchter und Vertreter unabhängiger
Prüfgärten an.
Schon am Vorabend des für die Züchter so wichtigen Tages trafen sich die Teilnehmer zum fachlichen
Meinungsaustausch. Viele Themen wie Trends in der Züchtung oder auch Probleme bei der Vermarktung wurden
diskutiert. Dabei ist immer wieder faszinierend, dass ungeachtet der Tatsache, dass die Firmen im Wettbewerb
stehen, alle Gespräche harmonisch und in freundschaftlicher Atmosphäre verlaufen.
Am 06. September wurde den besten Sorten das Prädikat verliehen. Nach einer Führung durch den Pillnitzer
Schlosspark trafen sich die Mitglieder des Arbeitskreises sowie die Rosenzüchter – letztere als Zuhörer – im
Rosenquartier des Lehr- und Sichtungsgartens der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Die zur Kürung
bereits fest stehenden Rosensorten und die noch zu Diskussion stehenden „Wackelkandidaten“ wurden vor Ort
besichtigt und teilweise gemeinsam bonitiert. In der Diskussion wurde deutlich, dass manche Sorten unter den
Pillnitzer Klima- und Bodenbedingungen Unterschiede in Wuchsstärke, Entwicklungsstand und Gesundheit zu
den übrigen 10 Standorten zeigten, was die Notwendigkeit der Prüfung an verschiedenen Standorten
unterstreicht.
Im Sitzungszimmer bei gespannter Atmosphäre wird es ernst

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Im Sitzungszimmer wurde es dann ernst. Nachdem die 11 Prüfer kurz zur Situation an ihrem Sichtungsstandort
berichtet hatten, kam es zur Abstimmung. 39 Sorten standen zur Bewertung an. Darunter waren bereits im
Handel befindliche Sorten als auch noch unter einem Arbeitsnamen laufende Neuzüchtungen, die noch auf ihren
endgültigen Namen warten. Von diesen 39 Sorten hatten 10 Sorten sowohl in der Gesundheit als auch in der
Gesamteinschätzung eine so hohe Bewertung erreicht, dass es hier keiner Diskussion für die Zuerkennung des
Prädikates bedurfte. Diskussionsbedarf gab es zu 12 weiteren Rosensorten, die an verschiedenen Standorten
knapp unter der geforderten Norm blieben, an anderen aber besser waren, und dadurch im Grenzbereich für die
Zuerkennung des ADR-Prädikates lagen. Zum abschließenden Ergebnis kam man nach reichlichem Abwägen
des Für und Wieder durch demokratische Abstimmung. Dabei konnten weitere 4 Sorten herausgefiltert werden,
die doch an der überwiegenden Mehrzahl der Standorte positiv auffielen. Insgesamt konnten somit 14 Sorten in
diesem Jahr das begehrte ADR-Prädikat erhalten, welches nun die Züchter werbewirksam für die Vermarktung
ihrer Rosen einsetzen können. Namen und Beschreibung der neuen ADR- Sorten können im Internet unter
ADR-
Rosen.de
nachgelesen werden. Allen ausgezeichneten Züchtern sei auch von dieser Stelle aus herzlich gratuliert.
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Aberkennung des ADR-Prädikates bei Sorten, die den heutigen
Ansprüchen nicht mehr genügen. Ein Anfang war bereits 2002 mit Sorten wie `Schneewittchen`, `Chorus`,
`Montana` oder `Robusta` gemacht worden. 2006 folgten `Ricarda`, `Vicky` und `Noack’s Melissa`. In diesem
Jahr wurden die Sorten `Sympathie` und `Grandhotel` aus der ADR-Sortenliste gestrichen. Weitere werden sicher
noch folgen.
Der letzte Tagesordnungspunkt führte uns noch einmal in den Lehr- und Sichtungsgarten. Der Mitteldeutsche
Rundfunk hatte sich angekündigt, um einen Beitrag über die Arbeit des ADR-Arbeitskreises für eine
Gartensendung zu drehen. Mit Hilfe einer „Probebonitur“ wurde das Anliegen der Rosenprüfung für die Zuschauer
verdeutlicht .
Das Objektiv des MDR ist immer am Ort des Geschehens
Mit diesen Dreharbeiten fand die diesjährige ADR-Tagung ihren Abschluss. Die Vergabe des Prädikates an 14
von 39 eingesandten Sorten ist sehr gutes Ergebnis und zeigt, dass die Züchter auf dem eingeschlagenen Weg
zur schönen und gesunden Rose große Fortschritte gemacht haben. Die nächste ADR-Tagung wird im Herbst
2008 in Weihenstephan stattfinden.
Hubertus Franke
Link zur ADR-Homepage:
ADR-Rosen.de