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Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz
Arbeitsgruppe Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände, Wein und Kosmetika (ALB)
Lebensmittelverband Deutschland e. V.
Orientierungswerte für Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH)
in Lebensmitteln
NEU: Stand Juni 2020
Die Vertreter der Lebensmittelüberwachungsbehörden der Länder und der Lebensmittelverband Deutsch-
land e. V. (bis Juni 2019 BLL e. V.) als Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft empfehlen die
Anwendung von „Orientierungswerten“ für Gehalte an Mineralölkohlenwasserstoffen sowie deren strukturel-
len Analoga. Diese Orientierungswerte wurden im Rahmen eines gemeinsamen Projekts auf Basis aktueller
Daten ab Juni 2016 entwickelt.
Ziel ist es, der Lebensmittelwirtschaft, Verbrauchern, Verbraucherschutzorganisationen und Warentestern
sowie den Überwachungsbehörden eine Orientierung zu geben, bis zu welcher Höhe Belastungen mit mine-
ralölartigen Kohlenwasserstoffen (mineral oil-like hydrocarbons – MOH) unter Beachtung und bei Kontrolle
und Beherrschung der bisher bekannten Eintragspfade erwartbar sind.
Die Orientierungswerte berücksichtigen in ihrer Ableitung ausdrücklich keine Aspekte der Toxikologie oder
Exposition, da nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Literatur sowie im Hinblick auf die
mögliche Bioakkumulation bestimmter MOSH-Fraktionen eine Ableitung gesundheitsbasierter Werte für die
Gesamtheit der mineralölartigen Kohlenwasserstoffe derzeit nicht möglich ist.
Im Sinne der Beschlussfassung der 13. Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) 2017 können die Ori-
entierungswerte den Ausgangspunkt für weitere Minimierungsanstrengungen darstellen. Die 15. VSMK (April
2019) begrüßte die ersten Ergebnisse des gemeinsamen Projekts „als wesentlichen Teil einer nationalen
Minimierungsstrategie und unterstützt die Weiterführung, um für weitere relevante Lebensmittel-Produktgrup-
pen Orientierungswerte zu erarbeiten.“
Unter anderem durch die BLL-Toolbox werden stufenbezogen Maßnahmen zur Vermeidung erkannter, spe-
zifischer Kontaminationsquellen durch Anpassung der Herstellungs- und Verpackungspraktiken (GMP) emp-
fohlen, die sich in den Prozessketten realisieren lassen. Durch die Vielfalt der Quellen, ubiquitäre Umwelt-
einflüsse, die Komplexität und Unterschiedlichkeit der Prozessketten, aber auch die Verwendung zugelasse-
ner Hilfsstoffe ergibt sich die Erkenntnis, dass sich auch bei Einhaltung einer optimierten Guten Herstellungs-
und Verpackungspraxis Gehalte von mineralölartigen Kohlenwasserstoffen nicht in allen Fällen vermeiden
lassen.
Eckpunkte für das Konzept:
Quellenunabhängigkeit
Berücksichtigung aktueller Daten basierend auf allgemein akzeptierten analytischen Verfahren
Gesamter Fraktionsbereich C
10
- C
50
Keine Berücksichtigung von Exposition und Toxizität
Statistische Betrachtung der Situation innerhalb einer Produktgruppe
Keine rechtliche oder gesundheitliche Beurteilung

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Erarbeitet wurden die Orientierungswerte von einer Projektgruppe aus repräsentativen Vertretern der Bun-
desländer (ALB/LAV) und der involvierten Wirtschaftskreise, letztere unter Koordination des Lebensmittelver-
bands (ehemals BLL). Dafür wurden mehr als 11.000 Einzeldatensätze anonymisiert erfasst und ausgewer-
tet. Die Datensammlung wird ständig produktspezifisch erweitert.
Im April 2019 lagen für erste Lebensmittelkategorien „Gemeinsame MOH-Orientierungswerte“ vor, die in pa-
rallelen Abstimmungsprozessen von BLL-Gremien, ALB/LAV und abschließend der VSMK bestätigt wurden.
Nach der ersten Veröffentlichung von drei Produktkategorien wurde im Februar 2020/Juni 2020 eine weitere
Kategorie ergänzt
(Tabelle neu: Stand Juni 2020)
.
Aus der Sicht der Projektgruppe sind folgende Informationen und Hinweise wichtig:
Die Ableitung der Orientierungswerte erfolgte nach statistischen Grundsätzen in der Regel auf Basis des
90. Perzentils aktueller Daten zu Produktgruppen, bei denen bereits in der Vergangenheit eine erfolgrei-
che Reduktion der Belastung mit MOH erreicht und belegt werden konnte. Die Orientierungswerte auf
Basis des 90. Perzentils stellen im Rahmen der guten fachlichen Praxis (GMP) in der Regel mindestens
erreichbare Werte dar.
Die „MOSH-Werte“ beziehen sich auf die Gesamtheit der in einem Produkt analysierbaren mineralölarti-
gen Kohlenwasserstoffe (MOSH einschließlich der MOSH-Analoga wie POSH, PAO oder MORE) unge-
achtet der Eintragsquellen, wie zum Beispiel Packstoffe oder technische Hilfsstoffe.
In Bezug auf MOAH gelten die im JRC-Report beschriebenen maximalen Bestimmungsgrenzen LOQ
max
,
jedoch bezogen auf die Gesamtfraktion C
10
– C
50
, als Orientierungswerte.
Bei der analytischen Überprüfung der Einhaltung der Orientierungswerte dient der durch das Europäi-
sche Referenzlabor JRC veröffentlichte „Technical Report“
(Guidance on sampling, analysis and data
reporting for the monitoring of mineral oil hydrocarbons in food and food contact materials, 2019)
als me-
thodische Bezugsgrundlage.
Als künftige Projektziele sind Orientierungswerte für weitere Produktgruppen vorgesehen. Die Projekt-
gruppe arbeitet kontinuierlich an der Erhebung, Zusammenführung und Auswertung weiterer Daten-
sätze.
Autoren und Vertreter der Projektgruppe:
Dr. Sieglinde Stähle
Lebensmittelverband Deutschland e. V.
Claire-Waldoff-Straße 7, 10117 Berlin
staehle@lebensmittelverband.de
www.lebensmittelverband.de
Rüdiger Helling
SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR SOZIALES UND VERBRAUCHERSCHUTZ
Referat 22 | Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit, Bedarfsgegenstände, Kosmetika
Albertstraße 10, 01097 Dresden
ruediger.helling@sms.sachsen.de
www.sms.sachsen.de

 
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MOH-ORIENTIERUNGSWERTE
LAV und Lebensmittelverband Deutschland empfehlen gemeinsam die Anwendung von „Orientierungswer-
ten“ für das quellenunabhängige Vorkommen von Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOH der
Summe von MOSH (einschließlich MOSH-Analoge) und MOAH) in Lebensmitteln als einheitlich zu verwen-
dende, abgestimmte Beurteilungsgrundlagen. Die Orientierungswerte beruhen auf statistisch gesicherter
Grundlage vergleichbarer Daten, die der BLL und die Bundesländer im Rahmen eines gemeinsamen Projek-
tes für den Zeitraum ab Juni 2016 erhoben haben. Die Daten sind nach abgestimmten Vorgaben zur Analytik
und Erfassung (siehe Projekt-Beschreibung vom Juni 2018) undifferenziert und unabhängig von den poten-
tiellen Eintragsquellen erfasst worden. Aus dem umfangreichen Datenpool wurden bei ausreichender Daten-
grundlage für bestimmte Lebensmittelgruppen in einem pragmatischen statistischen Prozess die „Orientie-
rungswerte“ abgeleitet (in der Regel basierend auf dem 90%-Perzentil einer Verteilung). Die so abgeleiteten
Orientierungswerte basieren nicht auf toxikologischen oder Expositionsbewertungen und stellen kein Krite-
rium zum Nachweis der lebensmittelrechtlichen Konformität dar. Sie geben den aktuellen Stand der Technik
unter Berücksichtigung der verschiedenen Eintragspfade für Mineralölkohlenwasserstoffe und deren Analoge
(vergleiche BLL-Toolbox-Konzept (Dezember 2017) wieder.
Die Werte sind dementsprechend Empfehlungen und Orientierungshilfen für die Praxis, sie sind definitions-
gemäß nicht als Grenzwerte zu verstehen oder anzuwenden. Die Werte gelten für Endverbraucherprodukte
beziehungsweise Produkte am Markt und stellen den Stand der Guten Agrar-, Herstellungs- und Verpa-
ckungspraxis der jeweiligen Prozessketten zum gegenwärtigen Zeitpunkt dar.
Bei der Überprüfung der Einhaltung der Orientierungswerte dient der aktuelle Leitfaden
1
, des europäischen
Referenzlabors als methodischer Bezug einschließlich der dort angegebenen mindestens zu erreichenden
Bestimmungsgrenzen (LOQ
max
), analytischen Rahmenbedingungen sowie der Hinweise zur weiteren Cha-
rakterisierung bei schwierigen Proben und Matrices unter Verwendung zusätzlicher analytischer Methoden
wie zum Beispiel GC-MS, LC-GC-FID/MS oder GCxGC-FID/MS, über deren Notwendigkeit jedoch von Fall
zu Fall entschieden werden muss.
DEFINITION „MOH-Orientierungswerte
„Die Werte geben eine Orientierung, welcher quellenunabhängige Gehalt an mineralölartigen Kohlenwasser-
stoffen (MOH als Summe von MOSH und MOSH-Analogen (wie POSH, PAO, MORE) und als MOAH) in
Lebensmitteln einer spezifischen Gruppe mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist als Er-
gebnis einer guten fachlichen Herstellungspraxis auf den verschiedenen Prozessstufen und aufgrund ubiqui-
tärer Einflüsse.
Werden Orientierungswerte überschritten, kann dies auf mögliche und gemäß der Guten Praxis gegebenen-
falls vermeidbare Eintragsquellen im Rahmen der Herstellungs- und Verpackungsprozesse entlang einer Lie-
ferkette hinweisen und Anlass für Ursachenforschung sein.
Bei der weiteren Beurteilung eines Produktes sind dessen
Zusammensetzung, Art und Dauer der Verpackung, Mindesthaltbarkeit,
Informationen über die Rohstoffsituation, über Verarbeitungsprozesse und Lebensmittelkontaktmateria-
lien auf allen Stufen sowie
die Zweckbestimmung und die üblichen Verzehrmengen zu berücksichtigen.“
1
JRC Technical Report: Guidance on sampling, analysis and data reporting for the monitoring of mineral oil hydrocar-
bons in food and food contact materials, 2019, ISBN 978-92-76-00172-0

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LAV und Lebensmittelverband: MOH-Orientierungswerte (Stand Juni 2020)
Nr. Produktgruppe
Lebensmittelkategorie
(Endverbraucherprodukte)
MOSH und
Analoga
[mg/kg]
C
10
-C
50
MOAH
[mg/kg]
C
10
-C
50
Hinweise zur Anwendung
(Hinweise zu den erfassten Lebensmittelgruppen/
zu nichterfassten Produkte und Abgrenzungen/
gegebenenfalls zu Begründungen, Datenbasis
oder sonstige Besonderheiten)
MOH-Orientierungswerte sind immer in Verbindung mit der
beschriebenen Definition anzuwenden.
1
Pflanzliche Öle
(wie Rapsöl, Sonnenblumenöl, Leinöl, Olivenöl)
(außer Öle/Fette tropischer Pflanzen und Sojaöl)
13
n. b.
2
diese Orientierungswerte sind nicht zur Anwendung für Öle/Fette, die aus
tropischen Pflanzen gewonnen wurden (zum Beispiel Kokosöl), vorgesehen,
aufgrund ungenügender statistischer Datenbasis (im Dezember 2018)
2
Brot und Kleingebäck, Feine Backwaren, Getreideer-
zeugnisse und getreidebasierte Produkte,
Cerealien, Reis, Teigwaren
6
n. b.
3
nicht für Rohwaren oder Rohteige
3
Süßwaren (Zuckerwaren außer Kaugummi), Schoko-
lade und kakaobasierte Süßwaren
9
n. b.
3
4
Nüsse, Schalenfrüchte, Ölsaaten, Kokosnuss, Erd-
nüsse und Trockenfrüchte sowie Mischungen daraus
4
n. b.
3
n. b. - nicht bestimmbar, das heißt Gehalte < Bestimmungsgrenze (hier: LOQ
max
in mg/kg gemäß der JRC Guidance on sampling, analysis and data
reporting for monitoring of mineral oil hydrocarbons in food and food contact materials, Stand 2019)
2
LOQ
max
für jede Fraktion (vergleiche JRC Technical Report
1
) für Fette/Öle entspricht 2 mg/kg
3
LOQ
max
für jede Fraktion (vergleiche JRC Technical Report
1
) für fettarme Lebensmittel < 4% Fett entspricht 0,5 mg/kg; > 4 % Fett entspricht 1 mg/kg