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Blick ins Verborgene
Schloss Hubertusburg – aktive Nutzung und Denkmal zugleich
Die sächsische Auftaktveranstaltung zum diesjährigen Tag des offenen
Denkmals am 8. September findet auf Schloss Hubertusburg in Wermsdorf
statt.
Innenminister
Ulbig
verleiht
den
sächsischen
Kinder-
und
Jugenddenkmalpreis. Besucher können sich bei zahlreichen Führungen
durch die Schlossanlage in sonst unzugänglichen Bereichen umschauen.
Innenminister Markus Ulbig: „Ein Denkmal muss lebendig bleiben. Ich freue
mich, dass Hubertusburg seit dem Einzug des Archivzentrums wieder eine
Aufgabe hat.“
Das „ehemals größte Jagdschloss Europas“ ist an der damaligen Poststraße
zwischen Dresden und Leipzig gelegen und nach dem Schutzpatron der
Jagd benannt. Der Neubau wurde im Jahr 1753 nach den Plänen des
Dresdner Oberlandbaumeisters Johann Knöffel fertig gestellt. Im Laufe des
Siebenjährigen Krieges wurde das Schloss mit Ausnahme der Kapelle
geplündert und die Nutzung als Jagdschloss endete.
Über die Jahrhunderte ergab sich eine Vielzahl von Nachnutzungen. Seit
Juni 2009 wird auf 6.820 Quadratmetern des denkmalgeschützten Schlosses
das Archivzentrum Hubertusburg betrieben. Dessen Einrichtung kostete 27
Millionen Euro. Wichtigster Bestandteil dieser Außenstelle des Sächsischen
Staatsarchivs ist die Zentralwerkstatt für den Erhalt von Archiv- und
Bibliotheksgut.
Die Zentralwerkstatt hat die Aufgabe, große Mengen geschädigten
Archivgutes zu sichern, konservatorisch und restauratorisch zu bearbeiten
sowie durch die Anfertigung von Schutz- oder Sicherungsmedien und die
Verwahrung dieser Medien in den Sondermagazinen dauerhaft zu erhalten.
Dies erfolgt vor allem im Rahmen von sogenannten Mengenverfahren und in
Auftragsvergaben an private Anbieter. Aber auch vom Zerfall bedrohte
Einzelobjekte können in der Zentralwerkstatt restauriert und vor weiteren
Schädigungen geschützt werden. Darüber hinaus koordiniert und priorisiert
die Zentralwerkstatt die Bestandserhaltungsmaßnahmen des Staatsarchivs
und stimmt sie mit denen des Bundes und der Länder ab.
Medieninformation
181 / 2012
Sächsisches Staatsministerium des Innern
Ihr Ansprechpartner
Thomas Ziegert
Durchwahl
Telefon +49 351 564-3040
Telefax +49 351 564-3049
presse@smi.sachsen.de
Dresden, 06.09.2013
Hausanschrift:
Sächsisches Staatsministerium
des Innern
Wilhelm-Buck-Straße 2-4
01097 Dresden
www.sachsen.de

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„Herzstück“ des Sachgebietes Restaurierung und Konservierung ist eine
Maschine, in der vom Zerfall bedrohtes Archivgut gewaschen wird. Mit ihr
können sowohl schädigende Inhaltsstoffe entfernt als auch stabilisierende
Stoffe in das Papier eingebracht werden. Risse werden durch ein dünnes
Seidenpapier geschlossen, fehlende Ecken und Kanten ergänzt.
Mit der Einrichtung der Zentralwerkstatt hat der Freistaat Sachsen auch
Konsequenzen aus der großen Flut des Jahres 2002 gezogen.
Hochwassergeschädigtes
Archivgut
lässt
sich
weitaus
besser
zwischenlagern und restaurieren, wenn die nassen Unterlagen sofort nach
ihrer Bergung bei tiefen Temperaturen eingefroren werden. Anschließend
müssen die Archivalien aufgetaut werden, ohne dass sie dabei nass werden
(Gefriertrocknung).
Zu
diesem
Zweck
stehen
der
Zentralwerkstatt
Spezialgeräte zur Verfügung. Weiterhin gibt es Spezialeinrichtungen zur
Restaurierung von Siegeln und Materialien aus Holz, Leder und Pergament
sowie zum Färben von Leder und Papier.
Seit 2011 unterstützt der Freistaat Sachsen die Stadt Köln mit
bestandserhaltenden Maßnahmen an Archivgut, welches beim Einsturz des
Kölner Stadtarchivs geschädigt wurde. Derzeit sind drei Restauratoren und
16 Hilfskräfte aus der Region für das Stadtarchiv Köln im Archivzentrum
Hubertusburg im Einsatz. Bisher konnten bereits 1.670 laufende Meter
Archivgut durch Gefriertrocknung vor dem Verfall bewahrt und 426 laufende
Meter gereinigt werden. Das Staatsarchiv profitiert von der Präsenz
zusätzlicher Restauratoren, von deren Fachwissen und von deren
praktischen Erfahrungen insbesondere im Bereich der Notfallbewältigung.
Außerdem werden seit 2010 in Kooperation mit dem Christlichen Sozialwerk
Wermsdorf
auch
Menschen
mit
Behinderung
in
der
Konservierung/Restaurierung und in der Verfilmung von Archivgut eingesetzt.
In diesem Jahr wird das Staatsarchiv im AZH überdies erste Erfahrungen als
Einsatzstelle für Interessenten des Freiwilligen Sozialen Jahres und des
Bundesfreiwilligendienstes sammeln.
Im Anschluss an die Restaurierung durch die Zentralwerkstatt werden im
Sachgebiet Verfilmung von den Archivalien Mikrofilme erstellt. Neben
Schrittschaltkameras steht auch eine Spezialkamera zur Verfügung, die
Originale bis zu einer Größe von 4-fach DIN A0 fotografieren kann, also auch
großformatige Archivalien wie Karten und Pläne. Die Filme, die für diese
Aufnahmen
benutzt
werden,
sind
bei
Lagerung
in
klimatisierten
Spezialmagazinen bis zu 1000 Jahre (in Farbe etwa 500 Jahre)
lagerungsbeständig.
Das Archivzentrum Hubertusburg beherbergt neben der Zentralwerkstatt
auch das Sachgebiet Audiovisuelle Medien, das Kinofilm-Materialien aller
Formate, sowie Video- und Tonaufnahmen aus allen Abteilungen in den
klimatisierten Sondermagazinen des Archivzentrums archiviert. Es ist im Jahr
1997 im Staatsarchiv Leipzig begründet worden. Im Archivzentrum hält das
Sachgebiet eigene Studiotechnik zur fachgerechten Sicherung und
Erschließung
vor.
Dort
wird
unter
anderem
im
Rahmen
eines

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Kooperationsvertrages mit dem Sächsischen Landtag ein Projekt zur
Digitalisierung von Plenartagungs-Videos der ersten beiden Legislaturperio-
den durchgeführt. Mit der Verlegung der studiotechnischen Ausrüstungen in
das Archivzentrum Hubertusburg wird die Klimatisierung der empfindlichen
audiovisuellen Materialien weiter differenziert und damit die Erhaltung der
Bestände verbessert. Das audiovisuelle Archivgut ist in Form von
Benutzerkopien im Staatsarchiv Chemnitz, im Hauptstaatsarchiv Dresden, im
Bergarchiv Freiberg und im Staatsarchiv Leipzig zugänglich, professionelle
Benutzungsanliegen z. B. der Fernseh- und Rundfunkanstalten werden direkt
vom Sachgebiet Audiovisuelle Medien bearbeitet.