Impfempfehlung E 10
Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission
beim Auftreten von atypischen Impfverläufen im Freistaat Sachsen
Vom 15.05.1998, Stand 01.07.2018
Die Beurteilung und Diagnostik (Begutachtung) von atypischen
Impfverläufen (gesteigerte Nebenwirkungen und Komplikationen
vorübergehender Art [zeitweilige Beeinträchtigung der Gesundheit]
und bleibender Art [Gesundheitsschäden = Impfschaden] in zeitli-
chem Zusammenhang nach Schutzimpfungen) setzt langjährige
Erfahrungen, subtile Fachkenntnis und ein modernes spezielles
diagnostisches Methodenspektrum voraus, um einen ursächlichen
Zusammenhang zu bejahen oder zu verneinen.
Jede nachträgliche Begutachtung von Impfschäden (in praxi derzeit
oft nach Jahren oder Jahrzehnten) stößt auf große Schwierigkeiten
und kann in der Sache weder dem geimpften Patienten noch dem
Impfarzt gerecht werden.
Zur qualifizierten Handhabung von § 6 Abs. 1 Nr. 3, § 8 Abs. 1, § 9
Abs. 3 und 4, § 11 Abs. 4 und § 60 ff. des Infektionsschutzgesetzes
(IfSG) und in Präzisierung der Aufgabe des ÖGD nach § 1 Abs. 4
des Gesetzes über den öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat
Sachsen (SächsGDG) empfiehlt deshalb die Sächsische Impfkom-
mission beim Auftreten von atypischen Impfverläufen im Freistaat
Sachsen:
1.
Meldung
1.1
Jeder Impfarzt hat im Interesse des Geimpften (optimale
Diagnostik, Behandlung und Sicherung von berechtigten Ansprü-
chen) und seiner eigenen Person (Beweis der fachgerechten Indika-
tion und Durchführung der Impfung und Abwehr ungerechtfertigter
Schuldzuweisungen oder materieller Anforderungen) atypische
Impfverläufe bzw. Verdachtsfälle einer über das übliche Ausmaß
einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung
(siehe Anlage 1) sorgfältig zu dokumentieren und die adäquaten
Maßnahmen (siehe Anlagen 5, 6 und 7) einzuleiten.
1.2
Der Verdacht einer über das übliche Ausmaß einer Impfre-
aktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung ist gemäß § 6
Abs. 1 Nr. 3 IfSG namentlich an das zuständige Gesundheitsamt zu
melden.
1.3
Die Meldung muss gemäß § 9 Abs. 3 und 4 IfSG unverzüg-
lich, spätestens innerhalb von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis
gegenüber dem für den Aufenthalt des Betroffenen zuständigen
Gesundheitsamt erfolgen. Für die Meldung sollten das vom Paul-
Ehrlich-Institut (Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische
Arzneimittel) entwickelte Berichtsformblatt (Meldebogen) (Anlage
2) (2) und der Ergänzungsbogen zur Meldung eines Verdachtes auf
Impfkomplikation (Anlage 3) verwendet werden.
1.4.
Bei der vorgeschriebenen Meldung handelt es sich natur-
gemäß immer um eine Verdachtsmeldung. Die Behauptung eines
kausalen Zusammenhanges ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich
(siehe auch unter 2.2).
1.5
Mögliche atypische Impfverläufe mit Falldefinitionen nach
einzelnen Schutzimpfungen (Impfantigenen) sowie Manifestations-
intervall nach der Applikation sind in Anlage 4 aufgeführt (7).
1.6
Die Gesundheitsämter übermitteln die Verdachtsmeldungen
unverzüglich der zuständigen Landesbehörde (Landesuntersu-
chungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen,
LUA) und der zuständigen Bundesoberbehörde (Paul-Ehrlich-
Institut) (§ 11 Abs. 4 IfSG).
Für die Übermittlung sollte das Berichtsformblatt nach Anlage 2 (in
pseudonymisierter Form), für die Übermittlung an die LUA zusätz-
lich der Ergänzungsbogen nach Anlage 3 (ebenfalls in pseudo-
nymisierter Form) verwendet werden.
Die LUA wertet die Verdachtsmeldungen in Zusammenarbeit mit
der Sächsischen Impfkommission aus.
1.7
Die Verpflichtungen zur Meldung unerwünschter Arznei-
mittelwirkungen (auch Verdachtsfälle) nach Arzneimittelgesetz und
ärztlicher Berufsordnung an die Arzneimittelkommission der deut-
schen Ärzteschaft bleiben hiervon unberührt.
Auch für dieses Meldeverfahren kann das Berichtsformblatt nach
Anlage 2 (Kopie der Meldung an das Gesundheitsamt) verwendet
werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Meldung aus Grün-
den des Datenschutzes hinsichtlich patientenbezogener Angaben
(Angabe der Anfangsbuchstaben des Nach- und Vornamens, keine
Angabe der Adresse des Geimpften/Patienten) zu anonymisieren
ist.
2.
Bearbeitung, Maßnahmen
2.1
Personen, bei denen der Verdacht auf einen schwerwiegen-
den atypischen Impfverlauf besteht, der einen bleibenden Gesund-
heitsschaden befürchten lässt, sollten umgehend in ein leistungsfä-
higes Krankenhaus zur stationären Diagnostik, Überwachung,
Behandlung und Begutachtung eingewiesen werden (Anlage 5).
Bei gesteigerten Nebenwirkungen und Komplikationen, die mit
großer Wahrscheinlichkeit nur eine vorübergehende Beeinträchti-
gung des Gesundheitszustandes erwarten lassen, obliegt die Diag-
nostik, Überwachung, Behandlung und Beurteilung dem Impfarzt
oder behandelnden Arzt.
2.2
Um einen ursächlichen von einem zeitlichen Zusammen-
hang zur Impfung bzw. einen atypischen Impfverlauf oder anders-
artige Grundkrankheiten sicher unterscheiden und dies nach wis-
senschaftlichen Gesichtspunkten bearbeiten zu können, sollten sich
die nach 2.1 betroffenen Ärzte an die diesbezüglichen diagnosti-
schen Empfehlungen wissenschaftlicher Gesellschaften, der Natio-
nalen Referenzzentren und der Sächsischen Impfkommission halten
(siehe Anlagen 5, 6 und 7).
2.3
Das Gesundheitsamt ist nach Eingang der Meldung ver-
pflichtet, die Angaben nach 1.3 auf Vollständigkeit zu überprüfen
und die entsprechenden Daten gemäß § 11 Abs. 4 IfSG an die LUA
zu übermitteln. Des Weiteren können die Gesundheitsämter zu
Maßnahmen nach 2.1 und 2.2 beraten.
Nach Beendigung der Maßnahmen unter 2.1 und 2.2 sollte der
Impfarzt dem Gesundheitsamt einen Abschlussbericht zustellen,
gegebenenfalls sollte das Gesundheitsamt diesen anfordern.

2.4
Das Gesundheitsamt soll Hilfestellung leisten bei der Ein-
leitung der notwendigen Untersuchungen, die zur Klärung des
Falles führen und berät die betroffenen Personen ausführlich über
die Rechtsgrundlagen, insbesondere über die Modalitäten der An-
tragstellung auf Versorgung wegen Impfschadens gemäß § 60
Abs. 1 IfSG beim
Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV)
Fachbereich 4 - Soziales Entschädigungsrecht
Reichsstr. 3
09112 Chemnitz
2.5
Die Beurteilung, ob eine im zeitlichem Zusammenhang mit
einer Impfung eingetretene gesundheitliche Schädigung durch die
Impfung verursacht wurde, ist Aufgabe des KSV. Gegen eine ab-
lehnende Entscheidung des KSV ist der Rechtsweg zu den Sozial-
gerichten möglich.
2.6
Es sei darauf hingewiesen, dass gemäß § 61 IfSG zur Aner-
kennung eines Gesundheitsschadens als Folge einer Schädigung im
Sinne des § 60 Abs. 1 Satz 1 die Wahrscheinlichkeit des ursächli-
chen Zusammenhangs genügt. Es muss kein kausal gesicherter
Zusammenhang vorliegen. Dies hat zwangsläufig Auswirkung auf
die Anzahl der Anerkennungen.
2.7
Die Sächsische Impfkommission kann unter Beachtung
aller datenschutzrechtlichen Regelungen von sich aus eine ab-
schließende Beurteilung und Begutachtung für wissenschaftliche
Zwecke vornehmen, ohne unmittelbare direkte Außenwirkung.
2.8
Mitglieder der Sächsischen Impfkommission können auf
Anfrage als Gutachter dem KSV und den Sozialgerichten zur Ver-
fügung stehen.
Die Sächsische Impfkommission
(Dr. med. Beier, Prof. Dr. med. habil. Bigl, Prof. Dr. med. habil. Borte, Dr. rer. nat. Bastian, Dr. med. Gottschalk, Dr. med. Grünewald,
Dr. med. Hösemann, N. Lahl, Dr. med. Merbecks, Dipl.-Med. Mertens, PD Dr. med. habil. Prager, Dr. med. Prodehl, Dr. med. Schmidt-
Göhrich, Dr. med. Wendisch)
Anlage 1
Definition des Verdachts einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung
(= Impfkomplikation = atypischer Impfverlauf)
Eine namentliche Meldepflicht an das Gesundheitsamt besteht nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 IfSG dann, wenn nach einer Impfung auftretende
Krankheitserscheinungen in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten und über die nachfolgend genannten Impf-
reaktionen hinausgehen:
Nicht meldepflichtig sind das übliche Ausmaß nicht überschreitende, kurzzeitig vorübergehende Lokal- und Allgemeinreaktionen, die als
Ausdruck der Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff anzusehen sind: z.B. (in Anlehnung an (1))
für die Dauer von 1-3 Tagen (gelegentlich bis 5 oder 7 Tage) anhaltende Rötung, Schwellung und/oder Induration unter 5 cm Durch-
messer sowie Schmerzhaftigkeit an der Injektionsstelle,
für die Dauer von 1-3 Tagen Fieber unter 39,5° C (bei rektaler Messung), Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein, Übel-
keit, Unruhe, Schwellung der regionären Lymphknoten,
im gleichen Sinne zu deutende Symptome einer ‚Impfkrankheit‘ 1-3 Wochen nach der Verabreichung abgeschwächter Lebendimpfstof-
fe:
z. B. eine leichte Parotisschwellung, kurzzeitige Arthralgien oder ein flüchtiges Exanthem nach der Masern-, Mumps-, Röteln- oder
Varizellen-Impfung
oder milde gastrointestinale Beschwerden, z. B. nach der oralen Rotavirus- oder Typhus-Impfung.
Ausgenommen von der Meldepflicht sind auch Krankheitserscheinungen, denen offensichtlich eine andere Ursache als die Impfung
zugrunde liegt.

image
image
Anlage 2
Bericht über Verdachtsfälle einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion
hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung (Verdacht auf Impfkomplikation) nach IfSG
(Die Meldeverpflichtung an die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft bleibt unberührt)
Definition des Verdachts einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung
(§6 Abs. 1, Nr. 3 IfSG):
Eine namentliche Meldepflicht an das Gesundheitsamt besteht nach §6 Abs. 1, Nr. 3 IfSG dann, wenn nach einer Impfung auftretende
Krankheitserscheinungen in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten und über die nachfolgenden Impfreaktionen
hinausgehen.
Nicht meldepflichtig sind das übliche Ausmaß nicht überschreitende, kurzzeitig vorübergehende Lokal- und Allgemeinreaktionen, die als
Ausdruck der Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff anzusehen sind: z.B.
-
für die Dauer von 1-3 Tagen (gelegentlich länger) anhaltende Rötung, Schwellung oder Schmerzhaftigkeit an der Injektionsstelle
-
Fieber unter 39.5
0
C (bei rektaler Messung), Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Unruhe, Schwellung der
regionären Lymphknoten
-
oder im gleichen Sinne zu deutende Symptome einer ‚Impfkrankheit‘ (1-3 Wochen nach der Impfung), z.B. leichte Parotisschwellung
oder ein Masern- bzw. Varizellen ähnliches Exanthem oder kurzzeitige Arthralgien nach der Verabreichung von auf der Basis abge-
schwächter Lebendviren hergestellten Impfstoffen gegen Mumps, Masern, Röteln oder Varizellen.
Ausgenommen von der Meldepflicht sind auch Krankheitserscheinungen, denen offensichtlich eine andere Ursache als die Impfung zu-
grunde liegt.
Meldedaten:
1. Patient:
Nachname°:
________________________ Vorname°:
____________________________
(Ersten Buchstaben des Nachnamens und des Vornamens bitte in die Kästchen eintragen)
Geburtsdatum:11111111
m11
w
Tag
Monat
Jahr
Geschlecht
Adresse°: Straße:_____________________________
PLZ:_________
Ort:_____________________________
2. Impfung
1
2
3
Impfdatum
Impfstoff
Pharm.
Unternehmer
Chargenbez.
Applikationsart-
und Ort
Impfanamnese*: Wurde/n die/ der o.g. Impfstoff/e i.d. Vorgeschichte bereits angewendet:
ja1
wann:_____________________________________________________________1
nein
3. Verdacht auf Impfkomplikation:
Diagnosen* bzw. Verdachtsdiagnosen :
Beginn
Dauer
1.
2.
3.

Anlage 2
Seite 2
3.1 Die Diagnose/ Verdachtsdiagnose wurde gestützt durch folgende abklärende Untersuchungen*:
(z. B. Liquor-Untersuchung, Serologie, EEG, EKG etc.; ggf. Angabe der beauftragten Untersuchungsstelle)
_____________________________________________________________________________________
_____________________________________________________________________________________
Dabei wurden folgende Differentialdiagnosen ausgeschlossen*:
(insbesondere auch unter Berücksichtigung einer eventuell gleichzeitig erfolgten Medikamentengabe)
_____________________________________________________________________________________
_____________________________________________________________________________________
Trat bei früheren Impfungen der Verdacht einer Impfkomplikation auf?*:
Symptome: ___________________________________________________________________________________
Impfung: _____________________________________________________________________________________
Datum der Impfung: ___________________________________________________________________________
Wurden die unter 2. genannten Impfstoffe nach Abklingen der Symptome nochmals angewendet?*
nein11
ja
wenn ja, trat nochmals der Verdacht einer Impfkomplikation auf?_______________
Traten die Symptome des o.g. Verdachtes einer Impfkomplikation beim Patienten ohne zeitlichen
Zusammenhang zu der o.g. Impfung nochmals auf?*
nein11
ja
wenn ja, wie oft und wodurch wahrscheinlich ausgelöst?______________________
3.2 Verlauf und Therapie der Impfreaktion:
War eine ambulante Behandlung erforderlich?
ja11
nein
War eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich?
ja11
nein
War die Impfreaktion lebensbedrohlich?
ja11
nein
3.3 Ausgang der Impfreaktion:
wiederhergestellt1
bleibender Schaden1
noch nicht wiederhergestellt1
unbekannt1
Tod1
(Sektion ? Todesursache ?*)
4. Adresse und Telefonnummer des Meldenden:°
Name:______________________ Straße:_______________________________________
PLZ:___________
Ort: ________________________________
Telefon:_______/_________
5. Adresse des impfenden Arztes (sofern nicht mit dem Meldenden identisch)°:
Name:______________________ Straße:_______________________________________
PLZ:___________
Ort: _________________________________________
Datum :____________________
Unterschrift :_______________________________
*
Für eine ausführliche Beschreibung bitten wir Sie, ein separates Blatt zu benutzen oder Kopien beizufügen.
Möglichst genaue Zeitangaben und die Beschreibung der differentialdiagnostischen Untersuchungen ist für die Bewertung des kausalen
Zusammenhanges von Impfung und beobachtetem Verdacht der Impfkomplikation von größter Wichtigkeit!
°
Die Angaben zu diesen (zusätzlich kursiv bzw. blau gekennzeichneten) Punkten dürfen vom Gesundheitsamt – bis auf den jeweils ersten
Buchstaben des Nachnamens und des Vornamens – nicht weitergeleitet werden!

Anlage 3
Vom Impfarzt oder vom behandelnden Arzt auszufüllen und der Meldung an das zuständige Gesundheitsamt
(d. h. dem Berichtsformular des Paul-Ehrlich-Institutes) beizufügen.
Ergänzungsbogen zur
Meldung eines Verdachtes auf Impfkomplikation
1. Patient:
Nachname°:
______________________ Vorname°:
______________________
(Ersten Buchstaben des Nachnamens und des Vornamens bitte in die Kästchen eintragen)
Geburtsdatum:11111111
m11
w
Tag
Monat
Jahr
Geschlecht
Adresse°: Straße:__________________________ PLZ:_______
Ort:_______________________
2. Angaben zu den Eltern / Sorgeberechtigten/-verpflichteten des Patienten (Impflings) bei Kindern
und geschäftsunfähigen oder beschränkt geschäftsfähigen Personen:
Name°:
Vorname°:
Adresse°:
3. Ergänzende Angaben zur Impfung:
wievielte Impfung gegen diese Erkrankung (unabhängig vom Impfstoff)?:
Synchron-Impfung mit:
Simultan-Impfung? (Angabe des Immunglobulins):
allgemein empfohlene (Standard-)Impfung?:
Indikationsimpfung/Reiseimpfung? (Indikation angeben):
4. Angaben zur Belehrung (freiwillige Angabe):
Ist der Patient bzw. dessen Vertreter über den Anspruch auf Versorgung gemäß § 60 ff. IfSG belehrt worden?:
5. Ergänzende Angaben zum Impfarzt (freiwillige Angabe):
Fachrichtung/Qualifikationen:
letzte Impffortbildung:
Ort, Datum: .................................. Arztunterschrift
Stempel
°
Die Angaben zu diesen (zusätzlich kursiv bzw. blau gekennzeichneten) Punkten dürfen vom Gesundheitsamt – bis auf den jeweils ersten
Buchstaben des Nachnamens und des Vornamens – nicht weitergeleitet werden

Anlage 4
Mögliche atypische Impfverläufe mit Falldefinitionen nach einzelnen Schutzimpfungen (Impfantigenen) sowie Manifestationsinter-
vall nach der Applikation
(in Anlehnung an die US-amerikanische "Vaccine Injury Table" vom 21. März 2017 (7)
Impfstoff
Erkrankung, Behinderung, Schädigung oder
erfasster Zustand
Zeitspanne von der Impfung bis zum
Auftreten der ersten Symptome oder
Manifestation einer Krankheit oder von
signifikanten Verschlechterungen
I.
Impfstoffe, die
Tetanus-Toxoid enthalten
(z.B. DTPa, DPT,
DT, Td oder T)
A.
Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock
B.
Neuritis der oberen Extremitäten
C.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
D.
Vasovagale Synkope
≤4
Stunden
2-28 Tage (nicht weniger als 2 Tage und
nicht mehr als 28 Tage)
≤48
Stunden
≤1
Stunde
II.
Impfstoffe, die Pertussis-
Ganzkeime oder -Antigene
enthalten (z.B. DTPa, DPT,
P, Pa, DTP-Hib)
A.
Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock
B.
Enzephalopathie oder Enzephalitis
C.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
D.
Vasovagale Synkope
≤4
Stunden
≤72
Stunden
≤48
Stunden
≤1
Stunde
III.
Impfstoffe, die Masern-,
Mumps- und Röteln-Virus
oder eine seiner Komponenten
enthalten ( z.B. MMR, MMRV)
A.
Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock
B.
Enzephalopathie oder Enzephalitis
C.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
D.
Vasovagale Synkope
≤4
Stunden
5-15 Tage (nicht weniger als 5 Tage und
nicht mehr als 15 Tage)
≤48
Stunden
≤1
Stunde
IV.
Impfstoffe, die Röteln-Virus
enthalten
(z.B. MMR, MMRV)
A.
Chronische Arthritis
7-42 Tage (nicht weniger als 7 Tage und
nicht mehr als 42 Tage)
V.
Impfstoffe, die Masern-Virus
enthalten (z.B. MMR, M,
MMRV)
A.
Thrombozytopenische Purpura
B.
Masern-Impfstamm-Virus-Infektion bei
immungeschwächten Geimpften
- Impfstamm-Virus identifiziert
- keine Impfstamm-Bestimmung erfolgt oder
Laborergebnis nicht eindeutig
7-30 Tage (nicht weniger als 7 Tage und
nicht mehr als 30 Tage)
nicht anwendbar
≤12
Monate
VI.
Impfstoffe, die lebendes
Polio-Virus enthalten (OPV)
A.
Paralytische Poliomyelitis
- bei einem nicht-immundefizienten Geimpften
- bei einem immundefizienten Geimpften
- bei einem vakzine-assoziierten Kontaktfall
B.
Polio-Impfstamm-Virus-Infektion
- bei einem nicht-immundefizienten Geimpften
- bei einem immundefizienten Geimpften
- bei einer vakzine-assoziierten Kontaktpolio
≤30
Tage
≤6
Monate
nicht anwendbar
≤30
Tage
≤6
Monate
nicht anwendbar

Fortsetzung Anlage 4
VII. Impfstoffe, die inaktiviertes
Polio-Virus enthalten (IPV)
A.
Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock
B.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
C.
Vasovagale Synkope
≤4
Stunden
≤48
Stunden
≤1
Stunde
VIII. Hepatitis-B-Impfstoffe
A.
Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock
B.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
C.
Vasovagale Synkope
≤4
Stunden
≤48
Stunden
≤1
Stunde
IX. Haemophilus-influenzae-Typ-b-
(Hib-) Impfstoffe
A.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
B.
Vasovagale Synkope
≤48
Stunden
≤1
Stunde
X.
Varizellen-Impfstoffe
A.
Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock
B.
Disseminierte virale Varizellen-Impfstamm-
Erkrankung:
- Impfstamm-Virus identifiziert
- keine Impfstamm-Bestimmung erfolgt oder
Laborergebnis nicht eindeutig
C.
Varizellen-Impfstamm-Virus-Reaktivierung
D.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
E.
Vasovagale Synkope
≤4
Stunden
nicht anwendbar
7-42 Tage (nicht weniger als 7 Tage und
nicht mehr als 42 Tage)
nicht anwendbar
≤48
Stunden
≤1
Stunde
XI.
Rotavirus-Impfstoffe
A.
Invagination
1-21 Tage (nicht weniger als 1 Tag und
nicht mehr als 21 Tage)
XII. Pneumokokken-Konjugat-
Impfstoffe
A.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
B.
Vasovagale Synkope
≤48
Stunden
≤1
Stunde
XIII. Hepatitis-A-Impfstoffe
A.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
B.
Vasovagale Synkope
≤48
Stunden
≤1
Stunde
XIV. Saisonale-Influenza-Impfstoffe
A.
Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock
B.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
C.
Vasovagale Synkope
D.
Guillain-Barré-Syndrom
≤4
Stunden
≤48
Stunden
≤1
Stunde
3-42 Tage (nicht weniger als 3 Tag und
nicht mehr als 42 Tage)
XV. Meningokokken-Impfstoffe
A.
Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock
B.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
C.
Vasovagale Synkope
≤4
Stunden
≤48
Stunden
≤1
Stunde
XVI. Humane-Papillomvirus-(HPV-)
Impfstoffe
A.
Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock
B.
Anhaltende, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der Schulter im Zusammenhang
mit der Impfstoffgabe
C.
Vasovagale Synkope
≤4
Stunden
≤48
Stunden
≤1
Stunde

image
Anlage 5
Auswahl sich in zeitlichem Zusammenhang mit Impfungen möglicherweise manifestierender neurologischer Erkrankungen und der durchzu-
führenden Diagnostik
Quelle:
Empfehlungen zum Vorgehen bei Auftreten ungewöhnlicher neurologischer Symptome in zeitlichem Zusammenhang mit Impfungen im
Kindes- und Jugendalter - Aktualisierte Stellungnahme der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie
für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) vom 17.11.2015 (3)

image
Fortsetzung Anlage 5
Abkürzungen: EEG = Elektroenzephalographie, cMRT = cerebrale Magnetresonanztomographie, MRZ = Masern-Röteln-Zoster

Anlage 6
Beispiele angeborener Immundefekte (ID)
Quelle:
DGPI-Handbuch, 6. Auflage 2013. (4)
Defekt betrifft
Krankheit
Phagozyten
T-Lymphozyten
B-Lymphozyten
AK
Vererbung
septische Granulomatose
+
-
-
-
AR, XR
schwerer kombinierter ID (SCID)
-
+
+
+
AR,XR
Thymushypo-/-aplasie
(Di George)
-
+
(+)
(+)
ca.10%
hereditär
1
Agammaglobulinämie
-
-
+
+
XR, AR
variable IDS (CVID)
-
-/+
-/+
+
meist
sporadisch
Wiskott-Aldrich-Syndrom
-
+
+
(+)
XR, AR
Ataxia teleangiectatica
-
+
+
(+)
AR
1
Chromosom 22 Mikrodeletions-Syndrom
AK: Antikörperproduktion; AR: Autosomal-rezessiv; XR: X-chromosomal-rezessiv; SCID: Severe combined immunodeficiency;
IDS: Immundefekt-Syndrome; CVID: Common variable Immunodeficiency
Anlage 7
Empfehlungen zur virusdiagnostischen Abklärung von unerwarteten Nebenreaktionen
nach Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln
in Anlehnung an das Primärprobenhandbuch des NRZ Masern-Mumps-Röteln am RKI (5)
Bei Schutzimpfungen mit lebenden attenuierten Masern-, Mumps-, Röteln- und Varizella-Zoster-Viren ist eine sogenannte Impfkrankheit
(Kennzeichen: Fieber, flüchtige Exantheme, Lymphknotenschwellung, Parotitis, Durchfall) nicht ganz vermeidbar.
In sehr seltenen Fällen kann es auch zu unerwarteten Nebenreaktionen kommen. Sofort nach Bekanntwerden abnormer klinischer Symptome,
u. a. von Seiten des ZNS, sollte eine umfassende Diagnostik eingeleitet werden.
Diese Untersuchungen sind ein wichtiger Beitrag zur objektiven Bewertung von Nebenreaktionen, zur Abgrenzung möglicher interkurrenter
Wildvirusinfektionen und zur Aufklärung von Kausalzusammenhängen für die spätere Begutachtung vermuteter Impfschäden. Von großer
Bedeutung ist auch der Ausschluss der Koinzidenz anderer Virusinfektionen (z.B. Enteroviren, Herpesviren).
Zur Orientierung für die behandelnden Ärzte werden folgende Hinweise zur Materialentnahme gegeben:
Einsendung möglichst sofort nach Entnahme,
Lagerung der Probe bis zum Versand im Kühlschrank,
Transport bei Raumtemperatur,
Abstriche und Tupfer in speziellen Transportmedien (für Virusanzüchtung, PCR u.a.),
nur vom Labor (z. B. NRZ) zur Verfügung gestellte Tupfer, Medien, Röhrchen usw. benutzen.
Die Genome von Masern-, Mumps- und Rötelnviren werden mit einer quantitativen PCR nachgewiesen. Fällt diese positiv aus, sollten die
Proben in einer weiteren PCR mit anschließender Sequenzierung und phylogenetischer Analyse genotypisiert werden.
Über eine PCR zur Differenzierung von z. B. Masernimpfviren und Wildviren können bei kürzlich Geimpften mit Masern-typischen
Symptomen Impfviren differenziell nachgewiesen werden. Die anschließende Genotypisierung bestätigt die vorläufige erfolgte Einordnung
(Charakterisierung) als Impfvirus oder Wildvirus abschließend.

Einsendematerialien:
Virusnachweis
Antikörpernachweis
PCR (Nachweis des Genoms, Genotypisierung), Anzucht
IgG, IgM, Avidität, Neutralisationstest
1.
Liquor (nach Verfügbarkeit) im Transportröhrchen
1.
Serum (1 - 2 ml) im Standard-Serumröhrchen
2.
Rachenabstrich mit Virus-Transportmedium (1 Tupfer)
2.
(Zweit-) Serum (1 - 2 ml), 3 - 4 Wochen später
3.
Urin (max. 5 ml) im Transportröhrchen
3.
Liquor (nach Verfügbarkeit) im Standardröhrchen
4.
Stuhl (3 Proben in mehrtägigen Abständen)
4.
Vollblut (3 ml) im Standardröhrchen
5.
ggf. spezielle Diagnostiksets, Transportmedien
5.
EDTA-Blut (3 ml) im Standardröhrchen
6.
Plasma (1 – 2 ml) im Standardröhrchen
Literatur:
1.
Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut – 2017/2018.
Epid. Bull. 2017; 34: 354-355
2.
Paul-Ehrlich-Institut 2018. Bericht über Verdachtsfälle einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheit-
lichen Schädigung (Verdacht auf Impfkomplikation) nach IfSG. Stand: 10.01.2018.
https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/vigilanz/pharmakovigilanz/ifsg-meldebogen-verdacht-
impfkomplikation.pdf;jsessionid=0D04107968C7721BF92D0E02AA5BE1D7.2_cid344?__blob=publicationFile&v=10
3.
Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin 2015. Empfehlungen zum Vorgehen bei Auftreten ungewöhnlicher neurologischer
Symptome in zeitlichem Zusammenhang mit Impfungen im Kindes- und Jugendalter - Aktualisierte Stellungnahme der Kommission
für Infektionskrankheiten und Impffragen der DAKJ.
https://dakj.de/wp-content/uploads/2015/12/2015-dakj-neurologische-symptome-nach-impfungen.pdf
Abfrage am 06.02.2018
4.
Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. DGPI-Handbuch 2013. 6. Auflage.
Georg Thieme Verlag Stuttgart. S. 39, Tab. 2.1
5.
Robert Koch-Institut. Nationales Referenzzentrum (NRZ) für Masern-Mumps-Röteln. Primärprobenhandbuch.
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/NRZ/MMR/Primaerprobenhandbuch/Primaerprobenhandbuch.pdf?__blob=publicationFile
Abfrage am 08.02.2018
6.
World Health organization (WHO). Uppsala Monitoring Centre. The use of the WHO-UMC system for standardised case causality
assessment.
http://www.who.int/medicines/areas/quality_safety/safety_efficacy/WHOcausality_assessment.pdf
Abfrage am 09.02.2018
7.
Centers for Disease Control and Prevention (CDC) 2015. Epidemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases. The Pink
Book, 13th Edition, March 2017, Appendix D-7 – D-8: National Childhood Vaccine Injury Act: Vaccine Injury Table.
https://www.cdc.gov/vaccines/pubs/pinkbook/downloads/appendices/d/injury-table.pdf
Abfrage am 09.02.2018