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Hamburg, 31. Oktober 2014
Dr.-Ing. Jens-Martin Gutsche
Gertz Gutsche Rümenapp
Stadtentwicklung und Mobilität GbR
Büro Hamburg-Altona
Ruhrstraße 11
22761 Hamburg
E-Mail:
folgekostenschaetzer@ggr-planung.de
URL:
www.ggr-planung.de
Telefon: 040 / 85 37 37
48

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
Seite 3
Inhaltsverzeichnis
1
Dies ist die richtige Anleitung, wenn …
5
2
Effizientes Arbeiten mit dem FolgekostenSchätzer: Vorbereitung
und Strukturierung des Vorgehens
6
2.1
Die Kennwerte verstehen
6
2.2
Eigene Kennwerte zusammentragen und nutzen
10
2.3
Abgrenzungsproblematik bei einigen Kennwerten
16
2.4
Sinnvolle Ordner- und Dateistruktur
6
3
Berechnungsbeispiel 1: Weiterentwicklung einer Planung unter
dem Aspekt der Verringerung von Folgekosten
20
3.1
Aufgabenstellung
20
3.2
Schritt 1: Neue Kostenabschätzung anlegen und Potenzialfläche definieren
20
3.3
Schritt 2: Basisentwurf erfassen
22
3.4
Schritt 3: Erste Auswertung der Folgekosten
30
3.5
Schritt 4: Eigenes Netzelement und Kontrolle der Kostenaufteilung
31
3.6
Schritt 5: Ein Alternativentwurf (mit Fußweg und verändertem
Flächenzuschnitt)
37
3.7
Schritt 6: Zwei weitere Alternativentwürfe
42
3.8
Schritt 7: Vergleichende Folgekostenauswertung
44
3.9
Schritt 8: Fortsetzung der planerischen und kommunalpolitischen
Diskussion
47
4
Berechnungsbeispiel 2: Vergleich der Folgekostenneigung
alternativer Entwicklungsflächen innerhalb einer Gemeinde
48
4.1
Aufgabenstellung
48
4.2
Schritt 1: Neue Kostenabschätzung anlegen
49
4.3
Schritt 2: Die vier Potenzialflächen definieren
50
4.4
Schritt 3: Die fünf Planungen skizzieren
52
4.5
Schritt 4: Die Annahmen zur Kostenaufteilung kontrollieren
56
4.6
Schritt 5: Die Folgekostenneigung der vier Potenzialflächen vergleichen
57
5
Folgekosten in der planerischen Abwägung
60
6
Weitergehende Berechnungen
62
6.1
Erweiterungsmöglichkeiten für Folgekostenbetrachtungen
62
6.2
Grundprinzip: Excel-Export
62
6.3
Erweiterung I: Weitere technische Infrastrukturen
64
6.4
Erweiterung II: Soziale Infrastrukturen
65

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Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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6.5
Erweiterung III: Planerischer Aufwand zur Flächenaktivierung
65
6.6
Erweiterung IV: Kommunaler Handel mit Grundstücken
66
6.7
Erweiterung V: Fiskalische Gesamtwirkung
68
6.8
Konsistenz von FolgekostenSchätzer-Ergebnis und eigenen Erweiterungen
69

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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1
Dies ist die richtige Anleitung, wenn …
… Sie eine
Beispielrechnungen und fachliche Detailhinweise für den praktischen Einsatz des
FolgekostenSchätzers suchen.
In diesem Fall
haben Sie das Programm „FolgekostenSchätzer“ bereits installiert und gestartet
und sind bereits mit den für Ihren Anwendungsfall relevanten Dateneingaben und
Auswertungsmöglichkeiten vertraut.
Falls Sie noch nicht an diesem Punkt sind, werfen Sie bitte einen Blick in den Teil A der Anlei-
tung sowie in mindestens einen der Teile B, C oder D.
Zudem noch ein wichtiger Hinweis: Aktuell umfasst die Sammlung der Beispielrechnungen
nur Beispiele für den Themenfeld „Neubau“. Der Autor bemüht sich, in einer der nächsten
Überarbeitung auch Beispielfälle aus den Themenfeldern „Rückbau“ und „Bestand“ zu ergän-
zen.
Die fachlichen Hinweise zum Arbeiten mit Kostenkennwerten sind hingegen für alle Themen-
felder von Interesse.

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Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Effizientes Arbeiten mit dem FolgekostenSchätzer:
Vorbereitung und Strukturierung des Vorgehens
2.1 Sinnvolle Ordner- und Dateistruktur
Um den Überblick zu behalten und sich (Such-)Arbeit zu ersparen, kann es hilfreich sein,
beim Einsatz des FolgekostenSchätzers von vorneherein mit einer sinnvollen Ordner- und
Dateistruktur zu arbeiten. Einen einfachen Vorschlag dazu macht Abbildung 1.
Abbildung 1
Vorgeschlagene Ordnerstruktur
In dieser Struktur
liegt die Programmdatei (FolgekostenSchätzer) im Ordner
\ FolgekostenSchätzer \ Programm
liegt Ihre Kennwertedatei (Kapitel 2.3) im Ordner
\ FolgekostenSchätzer \ Kennwerte
liegen Ihre Kostenabschätzungsdateien
1
im Ordner
\ FolgekostenSchätzer \ Abschätzungen
2.2 Die Kennwerte verstehen
Sehr vereinfacht ausgedrückt multipliziert der FolgekostenSchätzer Mengenschätzungen
(„Wie viele zusätzliche Meter Straße braucht das Baugebiet?“) mit Kostenkennwerten („Wie
viel kostet ein
Meter Straße?“) und teilt diese Kosten anschließend auf die Kostenträger auf
(„Wer muss davon welchen Anteil bezahlen?“).
Während die Mengenschätzungen von Anwendungsfall zu Anwendungsfall variieren, sollten
innerhalb einer Kommune die Kostenkennwerte weitestgehend konstant bleiben. Ähnliches
gilt auch für die Kostenaufteilungen, insbesondere in den Phasen
„Betrieb, Unterhaltung und
1
Das sind die Dateien, die Sie zu Beginn im Startmenü des FolgekostenSchätzers anlegen, wenn Sie
eine neue Kostenabschätzung beginnen bzw. die Sie wieder aufrufen, wenn Sie an einer Kostenab-
schätzung
weiterarbeiten wollen. Vgl. die Abschnitte 4.2 und 4.3 im ersten Teil der Anleitung
(„Pro-
grammbedienung“).

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Instandsetzung“
sowie
„Erneuerung“, in denen städtebauliche Verträge i.d.R. keine Rolle
mehr spielen.
Möchte man den FolgekostenSchätzer häufiger einsetzen und die Ergebnisse auch in die
kommunalpolitische Diskussion (Bauausschuss, Gemeinderat, Bürgerveranstaltungen) ein-
bringen, so sollte man sich ein bisschen Zeit nehmen, um die im FolgekostenSchätzer hinter-
legten Kostenkennwerte auf ihre Gültigkeit für die eigene Gemeinde zu überprüfen.
Wie in Kapitel 6 des ersten Teils der
Anleitung („Programmbedienung“) im Detail erläutert,
können Sie über den Arbeitsschritt 1 des Hauptmenüs die voreingestellten Kostenkennwerte
einsehen und durch eigene Angaben ergänzen bzw. korrigieren (Abbildung 2).
Abbildung 2
Eigene Kostenkennwerte festlegen
Um dies tun zu können, hilft es zunächst zu verstehen, woher die vorgegebenen Kennwerte
stammen und warum sie ggf. für Ihre Kommune angepasst werden sollten.

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Wie ebenfalls in Kapitel 6 der Anleitung „Programmbedienung“ noch detaillierter erläutert,
beschreiben die Kostenkennwerte des FolgekostenSchätzers (Abbildung 2)
die erstmaligen Herstellungskosten pro Mengeneinheit
2
(in EUR pro Mengeneinheit),
die jährlichen Kosten für Betrieb, Unterhaltung und Instandsetzung pro Mengenein-
heit (in EUR pro Mengeneinheit und Jahr),
die zyklischen Kosten der Erneuerung pro Mengeneinheit (in EUR pro Mengeneinheit
und Erneuerungszyklus) sowie
die Lebensdauer, d.h. die Anzahl der Jahre zwischen erstmaliger Herstellung und Er-
neuerung bzw. zwischen allen folgenden Erneuerungen.
Alle Kennwerte, die Sie im FolgekostenSchätzer als Vorgabewerte finden, wurden durch das
Büro Gertz Gutsche Rümenapp recherchiert und aus einer Vielzahl von Quellen zusammenge-
tragen. Zu diesen Quellen zählen wissenschaftliche Studien und Gutachten zu den kommuna-
len Infrastrukturkosten ebenso wie Kennwerte, die dem Büro von Kommunen im Rahmen
von Beratungsprojekten
3
oder im Zuge der Anwendung des FolgekostenSchätzers genannt
wurden. Für die Version 4.0 wurden zudem die detaillierten Hinweise von acht Modellkom-
munen aus Bayern eingearbeitet.
4
Bereits bei der Auswertung dieser Quellen
die durch die mehrfache Weiterentwicklung des
FolgekostenSchätzers inzwischen mehrfach ergänzt wurde
wird eine gewisse Bandbreite
der genannten Kostensätze deutlich. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:
die Baukosten für die identische Bauleistung variiert in der Realität je nach
o
Anbieter (Bauunternehmen)
o
Region (Lohnniveau, Konkurrenzsituation der Anbieter, regionale Wirtschafts-
lage)
o
allgemeiner Wirtschaftslage in der Tiefbaubranche
o
Jahreszeit (Auslastung der Bauunternehmen)
o
Effizienz des eigenen kommunalen Bauhofs
die bautechnischen Anforderungen variieren von Gemeinde zu Gemeinde aufgrund
von
o
unterschiedlichen Bodenverhältnissen
o
unterschiedlichen bautechnischen und gestalterischen Vorgaben seitens der
Gemeinden
o
lokalen Besonderheiten der unterirdischen Leitungsnetzen
o
unterschiedlichen Stadt- und Ortsstrukturen
2
Z.B. pro laufendem Meter.
3
Das Büro Gertz Gutsche Rümenapp erarbeitet regelmäßig fiskalische Wirkungsanalysen für kommu-
nale Entwicklungsprojekte, in deren Rahmen Kennwerte eine Rolle spielen, deren Definition mit denen
des FolgekostenSchätzers vergleichbar sind.
4
Die Version 4.0 wurde ermöglicht durch das gemeinsame Modellprojekt
„Infrastrukturfolgekosten
neuer Wohnbaugebiete“
der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für
Bau und Verkehr sowie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. An dem Projekt haben die folgen-
den Modellkommunen teilgenommen, für deren vielfache Anregungen auch an dieser Stelle noch ein-
mal gedankt werden soll: Bischofsheim a. d. Rhön, Deggendorf, Fürstenfeldbruck, Markt Peiting, Neu-
Ulm, Nördlingen, Penzberg, Treuchtlingen.

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die kommunale Praxis ist
z.T. auch abhängig von der allgemeinen Haushaltslage
der Gemeinde
unterschiedlich. So
o
werden z.T. unterschiedliche technische bzw. wirtschaftliche Lebensdauern für
die Infrastrukturelemente verwendet
o
wird die Unterhaltung und Erneuerung der vorhandenen Infrastruktur mit un-
terschiedlicher Konsequenz verfolgt (und manchmal auch vernachlässigt)
o
bestehen z.T. sehr unterschiedliche Gewohnheiten im Bereich der Straßenrei-
nigung
o
sind die Betriebsausgaben aufgrund von Lage, Topografie und Wetter zwi-
schen den Gemeinden zum Teil unterschiedlich. Besonders auffällig ist dies
z.B. im Bereich des Winterdienstes
die Genauigkeit der Kostenerfassung variiert von Quelle zu Quelle aufgrund
o
unterschiedlicher kommunaler Buchungsverfahren (Kameralistik, erweiterte
Kameralistik, Doppik)
o
der manchmal nicht ganz eindeutigen Abgrenzung der technischen Systeme
und der Kostenphasen bei der Kostenerfassung (Abschnitt 2.4)
o
der unterschiedlichen Erfassungsstruktur der Kostenanteile der Kommune
(Kommunalhaushalt), der privaten Grundstücksbesitzer (Beitrags- und Gebüh-
renbescheide, städtebauliche Verträge) und der Allgemeinheit der Tarifkunden
(Tarifsystem der Ver- und Entsorger, Einzelfallentscheidungen über die Erhe-
bung von Baukostenzuschüssen)
Insbesondere die zuletzt genannten Effekte wurden
soweit möglich
bei der zusammen-
fassenden Auswertung der Quellen zur Herleitung der Vorgabewerte des FolgekostenSchät-
zers so weit wie möglich ausgeglichen. Es verbleibt aber eine gewisse Spannweite der vorlie-
genden Kostenangaben in den verwendeten Quellen aufgrund der zuvor genannten Gründe.
Jeder im FolgekostenSchätzer hinterlegte Kostenkennwert kann somit nur ein
nach ver-
schiedenen Kriterien gewichteter
Mittelwert der recherchierten Einzelwerte sein.
Für grobe Abschätzungen reichen diese Vorgabewerte in der Regel vollkommen aus. Soll der
FolgekostenSchätzer aber häufiger zum Einsatz kommen und sollen die Ergebnisse in den
ggf. kontroversen Diskussionen der kommunalen Gremien nicht aufgrund der Eingangsdaten
in Zweifel gezogen werden, so lohnt es sich, eigene Kostenkennwerte zu recherchieren (Ab-
schnitt 2.3).

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2.3 Eigene Kennwerte zusammentragen und nutzen
Vor dem im vorigen Abschnitt 2.1 dargestellten Hintergrund ist es sinnvoll, eigene Kennwerte
zu recherchieren, wenn man häufiger mit dem FolgekostenSchätzer arbeiten möchte.
Grundsätzlich gilt dabei für alle Kostenkennwerte:
Sie sollen die Gesamtkosten umfassen, d.h. nicht nur den kommunalen Kostenanteil.
5
Sie sollen
sofern relevant
die Mehrwertsteuer beinhalten (Bruttokosten).
Sie sollen den „Standardfall“ in der eigenen Kommune
abbilden. Spezifische Situatio-
nen auf einzelnen Entwicklungsflächen innerhalb des Gemeindegebiets sollten eher
über Auf- und Abschlagsfaktoren bei der Flächendefinition
6
oder eine Modifikation der
Mengenschätzungen für die spezifischen Infrastrukturnetze
7
berücksichtigt werden.
Das Zusammentragen und Nutzen eigener Kennwerte kann anhand der folgenden Schritte
erfolgen.
Schritt 1: Export einer Kennwerteliste
Als erstes sollten Sie sich eine Liste aller Kennwerte des FolgekostenSchätzers exportieren
lassen. Das ist mit wenigen Klicks gemacht (Abbildung 3).
Abbildung 3
Exportierten einer Kennwerteliste
5
Die Kostenaufteilung auf die Kostenträger erfolgt über getrennte Kennwerte, vgl. Abschnitt 6.7 im
ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedienung“).
6
Vgl. Abschnitt 7.6 im ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedienung“).
7
Vgl. Abschnitt 8.7 im ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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Klicken Sie im Hauptmenü zunächst auf den Arbeitsschritt 1. Im sich dann öffnenden Unter-
menü „Mengenelemente und Kostenkennwerte verwalten“ wählen Sie die linke obere der vier
Schaltflächen „Ansehen, ändern, prüfen und
ergänzen“, die sich auf die technische Infra-
struktur bzw. den Aspekt „Mengenelemente und ihre Kostenkennwerte“ bezieht.
Daraufhin öffnet sich die Bildschirmseite
„Technische Infrastruktur
Übersicht Netzelemen-
te“
(Abbildung 3, unten rechts). Auf dieser finden Sie in der unteren rechten Ecke eine
Schaltfläche mit dem Titel „Eine Liste mit allen Kennwerten in neue Exceldatei exportieren“.
Wenn Sie auf diese Schaltfläche klicken, werden Sie nach einem Pfad zum Speichern gefragt.
Wählen Sie diesen aus und speichern Sie die Kennwertliste. Bei der Auswahl des Speicher-
pfades sind für Sie ggf. die Hinweise aus dem Abschnitt 2.5 hilfreich.
Nach dem Speichern wird die Exceldatei mit der Liste der Kennwerte automatisch geschlos-
sen. Öffnen Sie diese erneut, um sie genauer zu betrachten.
Um spätere Verwechslungen auszuschließen: Diese Exceldatei dient Ihrer Orientierung sowie
zur Organisation Ihrer eigenen Datenrecherche. Sie ist nicht die Kennwertedatei, von der im
späteren Schritt 3 die Rede ist. Entsprechend kann sie auch nicht wieder eingelesen werden.
Damit haben Sie aber die Möglichkeit, in dieser Tabelle zu arbeiten, wie Sie es möchten. Sie
können Kennwerte farbig markieren, Kommentare hinzufügen, neue Spalten anlegen, …
Abbildung 4
Exportierte Liste der Kennwerte (ohne vorherige Eintragung eigener Kostenkennwerte
und Mengenelemente)
Wenn Sie die Liste der Kennwerte exportieren, ohne zuvor eigene Kennwerte eingetragen
bzw. eigene Netz- und Grünelemente definiert zu haben, dann enthält die Liste
wie in Ab-
bildung 4 zu sehen
– in den Spalten „Eigener Wert“ Nullwerte (bzw. den Startwert „1 Jahr“
bei der Lebensdauer). Zudem finden sich in der Liste nur vordefinierte Netzelemente sowie
(weiter unter) vordefinierte Grünelemente und Grünzuschläge.
Wenn Sie hingegen vor dem Exportieren eigene Kennwerte eingetragen oder eigene Netz-
und Grünelemente definiert haben (oder eine Kennwertedatei eingelesen haben, die solche
eigenen Kennwerte und Mengenelemente enthält), dann finden Sie diese eigenen Kennwerte
bzw. Mengenelemente auch in der exportierten Liste.

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Abbildung 5
Exportierte Liste der Kennwerte (nach vorheriger Eintragung eigener Kostenkennwerte
und Mengenelemente)
Schritt 2: Zuständige Ansprechpersonen zuordnen
Der nächste Schritt könnte darin bestehen, den einzelnen Kennwerten Ansprechpersonen
zuzuordnen, bei denen Sie die entsprechenden Kennwerte abfragen. Je nach Ihrer Funktion
und Kenntnis werden Sie dies in einigen Fällen auch selber sein. Bei anderen Kennwerten
finden sich die entsprechenden Personen vermutlich in der Bauverwaltung, der Kämmerei,
dem Grünflächenamt, dem Bauhof und den kommunalen oder privaten Versorgungsunter-
nehmen. Vielleicht kann Ihnen auch das Verkehrs- oder Grünplanungsbüro oder das Tief-
bauunternehmen Ihres Vertrauens weiterhelfen.
Schreiben Sie sich die betreffenden Personen doch einfach hinter die jeweilige Datenzeile.
Vermutlich wird die Ansprechperson für alle Werte in einer Zeile identisch sein. Wahrschein-
lich gilt dies auch für alle Zeilen eines Infrastrukturnetzes.
Schritt 3: Kennwerte bei den Ansprechpersonen abfragen
Sie können anschließend den betreffenden Personen die Tabelle (oder nur die relevanten
Teile daraus, damit sie sich nicht erschrecken!) weitergeben mit der Bitte, die markierten
Kennwerte zu prüfen bzw. durch eigene zu ergänzen. Die Rückläufe aus diesen Abfragen
können Sie dann in Ihre Liste eintragen und ggf. farblich markieren.
Vor dem Hintergrund der Erfahrung anderer Kommunen dazu folgende
eher menschliche
denn technische
Hinweise:
Rechnen Sie mit verwunderten Rückfragen der angesprochenen Personen. Nach ent-
sprechenden Kostenkennwerten fragt selten jemand. Dies gilt insbesondere für die
Betriebs-, Unterhaltungs- und Instandhaltungskosten.
Sofern Daten vorliegen, werden die jeweilig Zuständigen Sie ggf. mit einer Vielzahl
von Detailrückfragen
löchern und darauf hinweisen, dass das „so pauschal nicht zu
sagen ist“. Versuchen Sie zu erläutern, dass der FolgekostenSchätzer ein Werkzeug

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für Grobabschätzungen in frühen Planungsphasen ist, in denen all die Details einer
detaillierten Kostenplanung eben noch nicht bekannt sind. Nach einer gewissen Phase
der Verständigungsschwierigkeiten kommt man i.d.R. dann doch gemeinsam zu ganz
plausiblen Kennwerten.
Lesen Sie vor der Ansprache der betreffenden Personen einmal in Ruhe den nachfol-
genden Abschnitt 2.4. Die dort beschriebenen Abgrenzungsproblematiken werden
Ihnen ggf. auch im Gespräch mit Ihren Ansprechpartnern vor Ort begegnen. Je ge-
nauer Sie
z.B. auf Basis der Hinweise aus Abschnitt 2.4
entsprechende Vorgaben
zur Definition der Kennwerte formulieren können, umso leichter wird es Ihren An-
sprechpartnern fallen, entsprechende Daten für Sie zusammenzutragen.
Unter Umständen kann es auch sinnvoll sein, gemeinsam mit den Ansprechpersonen
eine Handvoll Referenzprojekte aus den letzten Jahren in der Gemeinde hinsichtlich
der entstandenen Kosten in den betreffenden Infrastrukturbereichen (insgesamt!
nicht nur für die Kommune!) durchzugehen. Oft nähert man sich so schneller und an-
schaulicher den eigentlich gesuchten, gemeindespezifischen Kennwerten.
Sie können Ihre Ansprechpartner auch fragen, welche wichtigen Infrastruktur- und
Grünelemente ihnen in der Auflistung noch fehlen. Zusammen mit den dabei eben-
falls abzufragenden Kostenkennwerten können Sie so Hinweise auf sinnvolle eigene
Mengenelemente bekommen, die sie anschließend im FolgekostenSchätzer definie-
ren.
8
Wichtig: Dabei geht es nicht darum, jedes Bauteil zu erfassen. So sollten z.B.
die Kennwerte pro Meter Kanal auch alle Schächte und sonstigen Bauteile sowie alle
Grabungsarbeiten enthalten. Sinnvolle eigene Mengenelemente könnten aber z.B.
Wendehammer bei der Straßenerschließung oder bestimmte, ggf. in der Buchführung
des Bauhofs übliche Grünflächentypen sein.
Haben Sie nicht den Ehrgeiz, alle Kennwerte der Liste recherchieren zu wollen. Zu-
mindest nicht im ersten Durchgang. Konzentrieren Sie sich vor allem auf die Infra-
strukturbereiche, an denen die Kommune ggf. finanziell beteiligt ist. Dies sind die Er-
schließungsstraßen und die Grünflächen, ggf. auch die Kanalisation. Lassen Sie bei al-
len anderen Kennwerten den Vorgabewert stehen. Wenn sich zeigt, dass Sie sehr in-
tensiv mit dem FolgekostenSchätzer arbeiten bzw. dass die planerische und kommu-
nalpolitische Diskussion auch die anderen Netzbereiche betrifft, können Sie hier auch
später nochmal genauer recherchieren.
Schritt 3: Gesammelte Kennwerte eintragen
Nachdem Sie
ggf. mit Hilfe weiterer Personen
eigene Kennwerte recherchiert haben,
tragen Sie diese ein. Gehen Sie dabei wie folgt vor:
Starten Sie den FolgekostenSchätzer und wählen Sie die Option „Eine ganz neue
Kos-
tenabschätzung beginnen“. Legen Sie für diese Kostenabschätzung einen Speicherort
fest. Dies kann der Desktop Ihres Systems sein, da die gerade erzeugte Kostenab-
schätzung nur als Rahmen für die Kennwerteeingabe fungiert und am Ende ruhig
wieder gelöscht werden kann (siehe das Ende dieser Aufzählung).
Nach dem Festlegen des Speicherorts werden Sie gefragt, ob Ihre Kostenabschätzung
auf einer Kennwertedatei basieren soll (Abbildung 6). Wenn Sie zu einem früheren
Zeitpunkt schon einmal eine Kennwertedatei angelegt haben, in der Sie eigene
Kennwerte bzw. Mengenelemente gespeichert haben, sollten Sie die Rückfrage mit
8
Vgl. die entsprechenden Ausführungen zum Hinzufügen eigener Netz- und Grünelemente in den Ab-
schnitten
6.3 und 6.4 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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„Ja“ beantworten und anschließend die
Kennwertedatei auswählen. Andernfalls be-
steht die Gefahr doppelter Datenhaltung. Wenn Sie hingegen noch keine eigene
Kennwertedatei angelegt haben (= der Normalfall, wenn Sie sich zum ersten Mal mit
dem Thema eigener Kennwerte beschäftigen), klicken Sie „Nein“.
Abbildung 6
Rückfrage, ob die neue Kostenabschätzung auf einer bestehenden Kennwertedatei
aufbauen soll
Quittieren Sie die nachfolgende Meldung mit einem „Ok“ und wählen Sie auf der Seite
„Was ist das Ziel Ihrer Kostenabschätzung“
einen der beiden Anwendungsfälle. (Die
Auswahl ist für die Eingabe der Kennwerte unerheblich.)
Klicken Sie im Hauptmenü anschließend auf den Arbeitsschritt 1 (Eigene Kostenkenn-
werte, Abbildung 3 oben) und folgen Sie ab hier den Abschnitten 6.2 bis 6.4 des ers-
ten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“),
zu finden in dem zweiten
PDF-
Dokument zum FolgekostenSchätzer. Dort wird Ihnen im Detail erläutert, wie Sie Ihre
eigenen Kennwerte für die technische Infrastruktur bzw. die Grünflächen in den Fol-
gekostenSchätzer eingeben und aktivieren. Zudem wird Ihnen erläutert, wie Sie eige-
ne Netz- und Grünelemente definieren und mit Kostenkennwerten versehen. Wie ein-
gangs dieses Kapitels erläutert, ist es nicht möglich, die von Ihnen überarbeitete Liste
der Kennwerte wieder einzulesen.
9
Nachdem Sie alle Kennwerte und Mengenelemente eingegeben haben, kehren Sie
zum Zwischenmenü „Mengenelemente und Kostenkennwerte verwalten“ zurück und
speichern Sie Ihre Eingaben in einer Kennwertedatei (Abbildung 7).
10
Für das Ablegen
der Kennwertedatei beachten Sie ggf. die Vorschläge für eine sinnvolle Dateistruktur
in Abschnitt 2.5. Sofern Sie bereits eine Kennwertedatei angelegt und vor der Einga-
be der neuen Kennwerte eingelesen hatten, können Sie diese überschreiben. Oder
Sie speichern eine neue Version, aus deren Namen der neuere Bearbeitungsstand
deutlich wird.
9
Entsprechende Überlegungen bei der Programmentwicklung wurden verworfen, weil die Möglichkeit
des Nutzers, eigene Kommentare vorzunehmen und die Liste für die Recherche der Kennwerte zu
verändern, dafür hätte zu sehr eingeschränkt werden müssen.
10
Vgl.
auch Abschnitt 6.8 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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Abbildung 7
Eigene Kennwerte in einer Kennwertedatei speichern
Kehren Sie anschließend ins Hauptmenü zurück und beenden Sie ggf. den Folgekos-
tenSchätzer.
Im Sinne eines guten Aufräumens können Sie nun die eingangs dieser Auflistung an-
gelegte Kostenabschätzungsdatei löschen (nicht die Kennwertedatei!!).
Schritt 4: Kennwerte nutzen
Wenn Sie von nun an über das Startmenü des FolgekostenSchätzers eine neue Kostenab-
schätzung beginnen, wählen Sie bei der in Abbildung 6 gezeigten Rückfrage zum Einlesen
einer Kennwertedatei immer die Option
„Ja“. So sind Sie sicher, dass Ihre
zusammengetra-
genen und eingetragenen Kennwerte und Mengenelemente für Ihre nächste Abschätzung
genutzt werden.
Wenn Sie im Zuge einer Kostenabschätzung einzelne Kennwerte noch einmal verändern,
Mengenelemente hinzufügen bzw. löschen oder die Kostenaufteilungsregeln verändern, kön-
nen Sie
sofern es Ihnen sinnvoll erscheint
Ihre Kennwertedatei überschreiben, indem Sie
über das Hauptmenü (Arbeitsschritt 1) zum in Abbildung 7 gezeigten Untermenü „Mengen-
elemente und Kostenkennwerte verwalten“ gelangen und dort mit der markierten
Schaltflä-
che die bisherige Kennwertedatei überschreiben (oder eine neue mit aktuellerer Bezeichnung
anlegen). Auf diese Weise pflegen Sie Ihre Kennwertedatei während der praktischen Anwen-
dung des FolgekostenSchätzers.
Das einzige, was nicht möglich ist, ist das Einlesen von Kostenkennwerten, Mengenelemen-
ten und Kostenaufteilungsregeln aus einer Kennwertedatei in eine bereits bestehende Kos-
tenabschätzung, in der schon Planungen (Arbeitsschritt 3 im Hauptmenü) definiert wurden.
Wenn Sie dies dennoch tun möchten, gibt es zwei Möglichkeiten:
Sie löschen alle Planungen, lesen dann die Kennwertedatei ein und geben danach alle
Planungen neu ein.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Sie speichern und schließen die Kostenabschätzung, beginnen eine neue, lesen die
Kennwertedatei ein, exportieren eine Liste der Kennwerte (Abbildung 3) und kehren
danach zum Startmenü zurück. Dort öffnen Sie Ihre eigentliche Kostenabschätzung,
öffnen den Arbeitsschritt 1 und ändern händisch anhand der exportieren Kennwerte-
liste die Kostenkennwerte und Mengenelemente. Anschließend fahren Sie mit Ihrer
Kostenabschätzung fort.
2.4 Abgrenzungsproblematik bei einigen Kennwerten
Bevor Sie sich intensiver mit der Recherche eigener Kennwerte beschäftigen, sollten Sie sich
kurz die folgenden Hinweise durchlesen. Diese betreffen Abgrenzungsprobleme, die immer
wieder mit der Herleitung von Kostenkennwerten auftreten. Diese haben nichts mit man-
gelnder Qualität des Datenmodells zu tun, sondern sie ergeben sich aus den technischen,
administrativen und buchhalterischen Zusammenhängen und Gegebenheiten:
Kostenphasen
Der FolgekostenSchätzer arbeitet mit einer Unterscheidung der drei Kostenphasen
Erstmalige Herstellung (= einmalige Kosten)
Betrieb, Unterhaltung und Instandsetzung (= jährliche Kosten)
Erneuerung (= zyklische Kosten = alle x Jahre, wobei x = Lebensdauer)
Während die Abgrenzung der Kostenphase „Erstmalige Herstellung“ zu den anderen beiden
Phasen relativ eindeutig ist, sind die
Übergänge zwischen den Phasen
„Betrieb, Unterhaltung
und Instandsetzung“
und „Erneuerung“ zum Teil fließend.
Die Kernfrage dabei lautet: Was
ist noch Instandsetzung und was ist schon Erneuerung?
Bei der empirischen Herleitung der Vorgabewerte wurde versucht, sich so weit wie möglich
an einer betriebswirtschaftlichen Definition zu orientieren. Danach dienen Maßnahmen der
Instandsetzung dem Werterhalt bzw. dem Sicherstellen, dass die vorgesehene Lebensdauer
auch wirklich erreicht wird. Sie erzeugen damit keine zusätzlichen Abschreibungsgüter. Dem-
gegenüber ersetzen
in der Theorie
Maßnahmen der Erneuerung abgängige (und i.d.R.
auch abgeschriebene) Anlagegüter (z.B. eine Erschließungsstraße oder zumindest wesentli-
che Schichten aus deren Aufbau) durch eine neue.
Zu Zeiten des kameralen Kommunalhaushalts war nicht in jedem Fall eindeutig zu erkennen,
ob eine Maßnahme eher der Kostenphase
„Betrieb, Unterhaltung und Instandsetzung“
oder
der Kostenphase „Erneuerung“
zuzuordnen ist. Durch die Einführung der Doppik ist dies im
Prinzip leichter geworden, da die Verknüpfung mit der Anlagenbuchhaltung klarer gegeben
ist. Trotzdem kann es im Detail auch weiterhin zu Zuordnungsschwierigkeiten kommen.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Lebensdauer
Die Lebensdauer von technischen Infrastrukturnetzen kann mitunter erhebliche Größenord-
nungen annehmen. Im Kanal- und Leitungsbereich sind z.T. Werte zwischen 60 und 100
Jahren nicht unüblich.
Dabei ist zwischen der wirtschaftlichen und der technischen Lebensdauer zu unterscheiden.
Erstere trifft eine Aussage darüber, wie lange ein Bauteil (z.B. ein Rohr)
ggf. mit gewissen
Abstrichen wie kleineren Undichtigkeiten
im Wesentlichen das tut, was es soll. Die wirt-
schaftliche Lebensdauer betrifft hingegen den angesetzten Abschreibungszeitraum.
Bei letzterem ist zu beachten, dass sich dieser durch technische Neuerungen oder gestiegene
Anforderungen (z.B. Umwelt- oder Verbraucherschutzauflagen) auch gegenüber ursprüngli-
chen Festlegungen verkürzen kann. Nicht selten ist die reale wirtschaftliche Lebensdauer
deutlich kürzer als die technische.
Der FolgekostenSchätzer ist weder ein Instrument zur technischen Bewertung von Bauteilen
noch zur Bilanzierung von Abschreibungen. Die Lebensdauer im Sinne des FolgekostenSchät-
zers ist vielmehr die Zeit, die vermutlich zwischen der erstmaligen Herstellung und der ersten
Erneuerung der Netzelemente bzw. Grünflächen vergeben wird. Warum die Erneuerung
stattfindet (technische Notwendigkeit, veränderte Nutzungsansprüche, veränderte Umwelt-
oder Sicherheitsauflagen, neue Technologien, turnusmäßiger Austausch) ist dabei zweitran-
gig.
Überlegen Sie für Ihre Festlegungen daher möglichst pragmatisch, wann es voraussichtlich in
der Realität zur ersten Erneuerung kommen wird. Ggf. kann dazu die Betrachtung laufender
Erneuerungsmaßnahmen in Ihrer Gemeinde hilfreich sein. Wann wurden die betreffenden
Bauteile, Netze und Grünanlagen erstmalig hergestellt bzw. das letzte Mal grundlegend er-
neuert?
Berücksichtigen Sie bei Ihren Festlegungen auch die bautechnischen Abhängigkeiten. So
werden z.B. nicht selten Kanalerneuerungen vorgenommen, weil die betreffende Straße er-
neuert wird. Aufgrund der Aufwandsminimierung werden sogar Erneuerungen vor Ablauf der
wirtschaftlichen Lebensdauer (vollständige Abschreibung) in Kauf genommen. Wenn es sol-
che Zusammenhänge auch in Ihrer Kommune gibt, sollten Sie ggf. die Lebensdauer von
Straße und Kanälen aufeinander abstimmen. Zudem könnte es in diesem Fall sinnvoll sein,
bei den Kosten der Erneuerungsmaßnahmen von einer koordinierten Baumaßnahme auszu-
gehen.
Abgrenzung Kanal / Straße
Durch die bauliche Verbindung von Kanalisation und Straße ist die Abgrenzung der Kosten
beider Netze nicht ganz einfach. Dies gilt umso mehr, als in manchen Fällen die Kommune
als Straßenbaulastträger Teile der Kosten der Kanalbaukosten trägt, da sie den Kanal zur
Regenentwässerung der Straßenoberfläche nutzt.
Sie sollten diese Zusammenhänge bei der Festlegung Ihrer Kostenkennwerte (bzw. deren
Abfrage bei anderen Personen) im Auge behalten und z.B. in der folgenden Form berücksich-
tigen:
Prüfung, dass die Summe der Kosten für Kanal und Straße bei der erstmaligen Her-
stellung (und ggf. auch der späteren Erneuerung
11
) nicht unrealistisch hoch wird, weil
11
Vgl. die im vorstehenden Abschnitt diskutierte, zeitlich koordinierte Erneuerung von Straße und
Kanal.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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sich durch eine gemeinsame Herstellung (und ggf. Erneuerung) Kosten sparen las-
sen.
Berücksichtigung einer möglicherweise gegebenen Kostenbeteiligung des Baulastträ-
gers der Straße (bei Erschließungsstraßen i.d.R. die Kommune) an den Kanalbaukos-
ten durch Festlegung einer entsprechenden Kostenaufteilung.
12
12
Wie Sie eine Kostenaufteilung für ein Infrastrukturnetz und eine Kostenphase festlegen, erläutert
Ihnen der Abschnitt 6.7 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“)
im Detail. Ein Beispiel
finden Sie zudem in Abschnitt 3.5 dieser Praxisanleitung.

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FolgekostenSchätzer 5.0
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Stand: 31.10.2014
Seite 19
2.5

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Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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3
Berechnungsbeispiel 1: Weiterentwicklung einer
Planung unter dem Aspekt der Verringerung von
Folgekosten
3.1 Aufgabenstellung
In einer Stadt existiert in relativ attraktiver Lage die in Abbildung 8 dargestellte, potenzielle
Entwicklungsfläche. Ausgehend von einem vorliegenden Entwurf (ebenfalls Abbildung 8)
besteht die Aufgabe darin zu untersuchen, durch welche Veränderungen der Planungen die
Folgekosteneffekte einer Bebauung der Fläche verringert werden könnten. Das dargestellte
Beispiel ist fiktiv, aber angelehnt an einen realen Anwendungsfall.
Abbildung 8
Potenzielle Entwicklungsfläche
„Stadtkoppel“
des Berechnungsbeispiels
3.2 Schritt 1: Neue Kostenabschätzung anlegen und Potenzial-
fläche definieren
Neue Kostenabschätzung anlegen
Nach dem Start des FolgekostenSchätzers
13
wird im Startmenü
die Option „Eine ganz neue
Kostenabschätzung“ gewählt und anschließend ein Dateiname für die
Kostenabschätzungs-
datei festgelegt. In Anlehnung an die Bezeichnung der Entwicklungsfläche wird die Kosten-
13
Vgl. bzgl. der beim Start notwendigen Aktivierung der so genannten VBA-Makros die Hinweise in
Kapitel 3 im ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
Seite 21
abschätzungsdatei
„Stadtkoppel.xls“ genannt und im
bereits bei früheren Anwendungen des
FolgekostenSchätzers
angelegten Ordner
„…\FolgekostenSchätzer\Abschätzungen“ (Ab-
schnitt 2.1) abgelegt. Im Zuge der Neuanlage der Abschätzungsdatei werden in die Betrach-
tung gleich noch die zuvor zusammengetragenen, gemeindespezifischen Kennwerte einbezo-
gen, indem die Frage, ob eine bereits vorliegende Kennwertedatei eingelesen werden soll,
mit „Ja“ beantwortet wird.
14
Da bei der Aufgabenstellung nur eine einzige Fläche im Mittelpunkt der Betrachtung steht,
wird auf der sich anschließend öffnenden Bildschirmseite „Was ist das Ziel Ihrer
Kostenab-
schätzung?“ die linke Option („Planungsalternativen vergleichen“) gewählt.
15
Danach er-
scheint das Hauptmenü („Ablaufübersicht“) des FolgekostenSchätzers.
Definition der Potenzialfläche
Nächster Schritt ist die Eintragung der Potenzialfläche aus Abbildung 8 in den Folgekosten-
Schätzer. Dazu wird im Hauptmenü der Arbeitsschritt 2 („Die potenzielle Wohnbaufläche
be-
schreiben“)
gewählt. In den nachfolgenden Schritten
16
werden
gemäß den realen Eigen-
schaften der Potenzialfläche
die folgenden Eintragungen vorgenommen:
Basisdaten:
o
Name: Stadtkoppel
o
Größe (brutto): 1,6392 ha (= 16.392 qm)
o
Regenwasserableitung: Mischsystem
o
Gasanschluss: ja
Innere Erschließung:
o
Innere Erschließung wird benötigt
(„Ja“)
Äußere Erschließung:
o
Erschließungsstraße: 0 Meter
o
Kanalisation: 0 Meter
o
Wasserversorgung: 0 Meter
o
Strom: 350 Meter
o
Gas: 100 Meter
Ökologische Bedeutung:
o
Kategorie I: 100%
o
Kategorie II: 0%
o
Kategorie III: 0%
Hangneigung:
o
Neigungsquotient: 2%
Sonderkostenfaktor:
o
alle Netze: 100%
14
Vgl. hierzu den vorstehenden Abschnitt 2.3 in diesem Teil der Anleitung.
15
Vgl. zu dieser Auswahl auch den Abschnitt 4.2 im ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedienung“).
16
Vgl. zur Detailerläuterung der Programmhandhabung das Kapitel 7 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Kommunaler Grunderwerb:
o
Bodenpreis im Falle eines Ankaufs: 85 EUR
Nach einer abschließenden Kontrolle aller Eingaben (Abbildung 9) wird die Flächendefinition
abgeschlossen.
Abbildung 9
Zusammenfassung der Flächendefinition für betrachtete Potenzialfläche
3.3 Schritt 2: Basisentwurf erfassen
Im nächsten Schritt geht es darum, den vorliegenden Basisentwurf (Abbildung 10) im Folge-
kostenSchätzer zu erfassen. Dazu wird im Hauptmenü (Ablaufübersicht) der zweite Arbeits-
schritt („Planungen für die Wohnbaufläche definieren“) angewählt und auf der
nachfolgen-
den Bildschirmseite („Planungsvarianten“) links die Schaltfläche „Eine neue Planung
entwi-
ckeln“ angeklickt.
Abbildung 10
Vorliegender Basisentwurf (Ausgangspunkt der Betrachtung)

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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In den nachfolgenden Schritten der Planungsdefinition
17
werden die folgenden Eintragungen
vorgenommen:
Bezeichnung:
o
Bezeichnung der Planungsvariante: „Basisentwurf“
Flächenbilanz (Abbildung 11):
18
o
Berücksichtigung des 312 qm (= 0,0312 ha) großen Grundstücks des Block-
heizkraftwerks an der Einmündung der Haupterschließungsstraße unter „sons-
tige Flächen“
o
Da die Erschließungsfläche bekannt ist, wird über das Stiftsymbol neben „ha
Erschließungsfläche“ nicht nur der eigene Wert aus einer Vermessung des
Entwurfs (Ergebnis: 1210 qm = 0,121 ha) eingetragen, sondern das entspre-
chende Dialogfenster
auch mit der Schaltfläche „Eigenen Wert übernehmen“
geschlossen.
19
Entsprechend erscheint in der Flächenbilanz hinter dem einge-
tragenen Wert der Vermerk „Nutzereingabe“
(Abbildung 11).
o
Der Entwurf umfasst zudem noch 423 qm (= 0,0423 ha) Straßenbegleitgrün.
Diese werden unter der Rubrik „erschlossene Grünflächen“
erfasst und zwei
Bildschirmseiten später
als „Straßenbegleitgrün“ gekennzeichnet (siehe unten
in dieser Liste).
Abbildung 11
Flächenbilanz des Basisentwurfs
17
Vgl. zur Detailerläuterung der Programmhandhabung das Kapitel 8 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).
18
Vgl. zur Detailerläuterung der Programmhandhabung den Abschnitt 8.2 des ersten Teils der Anlei-
tung
(„Programmbedienung“).
19
Vgl. zur Detailerläuterung der Programmhandhabung den Abschnitt 8.2 des ersten Teils der Anlei-
tung
(„Programmbedienung“).

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Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Anzahl der Wohnungen / Bebauungsdichte (Abbildung 12):
20
o
18 Wohneinheiten (Absolutzahl)
o
Zum Festhalten dieser Eingabe bei späteren Planveränderungen: Umsetzen
des Schlosssymbols auf die Option „Wohneinheiten (Absolutanzahl)“
21
Abbildung 12
Anzahl der Wohnungen / Bebauungsdichte
Grünflächen (Abbildung 13)
22
o
Straßenbegleitgrün: 0,0423 ha (= die gesamte Grünfläche aus der Flächenbi-
lanz in Abbildung 11)
o
damit (wird automatisch angepasst): Allg. Grünflächen: 0 ha
o
Zuschlag für den Grünflächentyp „Straßenbegleitgrün“: 10 Straßenbäume
20
Vgl. Abschnitt 8.3
des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).
21
Vgl. Abschnitt 8.3 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).
22
Vgl. auch die
Detailerläuterung in Abschnitt 8.4 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedie-
nung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Abbildung 13
Detailangaben zu den Grünflächen im Basisentwurf
Ökologischer Ausgleich (Abbildung 14)
23
o
Es wird davon ausgegangen, dass ein ökologischer Ausgleich notwendig ist.
Die Eingangsfrage wird daher mit „Ja“ beantwortet.
o
Mangels weiterer Informationen wird für den Kompensationsfaktor eine An-
nahme innerhalb der im Leitfaden des Bayerischen Umweltministeriums ge-
nannten Spannweite („0,2 bis 0,5“) für Flächen mit geringer ökologischer
Be-
deutung und einer Bebauung mit einer Grundflächenzahl (GRZ) von 0,35 oder
weniger. Hier: Kompensationsfaktor = 0,35.
24
o
Daraus ergibt sich (automatisch berechnet) eine benötigte Ausgleichsfläche
von 0,5737 ha (= 5.737 qm).
o
Da alle im Gebiet befindlichen Grünflächen Straßenbegleitgrün sind (Abbildung
13) werden keine Flächen innerhalb des Gebiets als Ausgleichsflächen ange-
setzt. Entsprechend wird hinter „davon innerhalb der Potenzialfläche (ha)“ der
Eintrag „0“ unverändert gelassen.
o
Damit ergibt sich (automatisch berechnet) ein Bedarf an Ausgleichsflächen
außerhalb des Plangebiets von 0,5737 ha (= 5.737 qm).
o
Zudem erscheint die Zusatzfrage, welchem Grünflächentyp die Ausgleichs-
flächen außerhalb der Potenzialfläche zuzuordnen sind. Dabei wird der vorge-
schlagene („Ausgleichsflächen außerhalb“) beibehalten.
Dessen Kostensätze
können (nach Abschluss der Planungsdefinition) über den Arbeitsschritt 1 des
Hauptmenüs eingesehen werden (Abbildung 15).
23
Vgl. zur Detailerläuterung den Abschnitt 8.5 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).
24
Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen (StMLU) (2003): Eingriffs-
regelung in der Bauleitplanung. Bauen im Einklang mit Natur und Landschaft. Ein Leitfaden (Ergänzte
Fassung). München. Abbildung 7, Seite 13 und Seite 28 (Liste 1a). Hinweis: Der Leitfaden wird derzeit
überarbeitet.

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Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Abbildung 14
Grobabschätzung des ökologischen Ausgleichsbedarfs für den Basisentwurf
Abbildung 15
Kostensätze (Vorgabewerte) für den Grünflächentyp „Ausgleichsflächen außerhalb“
(nach Abschluss der Planungsdefinition einsehbar über Arbeitsschritt 1 des Hauptme-
nüs)

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Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Kommunaler Grunderwerb (Abbildung 16)
25
o
Es wird davon ausgegangen, dass eine Umlegung durchgeführt wird, aus der
die Stadt alle notwendigen Flächen für die Erschließungsmaßnahmen und die
Grünflächen innerhalb des Plangebiets erhält. Entsprechend wird in den ersten
beiden Zeilen die Option „kostenfrei (z.B. durch Umlegung)“ angewählt.
o
Für die notwendigen 5.737 qm Ausgleichsflächen außerhalb des Plangebiets
(unterste Zeile in der Bildschirmansicht) werden Ökokontoflächen angenom-
men (mittlere Auswahloption). Für diese wird ein stadtweit üblicher Kalkulati-
onskostensatz von 15,- EUR pro qm angesetzt.
Dieser Betrag umfasst nur die Ankaufkosten. Darüber hinaus ergeben sich mit
der Zuordnung der Ausgleichsflächen außerhalb der Potenzialfläche zum Grün-
flächentyp
„Ausgleichsflächen
außerhalb“
(Abbildung 14, unten) Kosten für die
erstmalige Herstellung in Höhe von weiteren 15,- EUR pro qm, für die regel-
mäßige Pflege in Höhe von 0,10 EUR pro qm und Jahr sowie für Erneue-
rungsmaßnahmen in Höhe von 10,- EUR alle 30 Jahre (Abbildung 15). Diese
Kostenkennwerte sind veränderbar
26
, sollen im aktuellen Berechnungsbeispiel
aber unverändert bleiben.
o
Insgesamt ergeben sich so (automatisch errechnet) kommunale Flächenan-
kaufskosten in Höhe von 86.058 EUR (Abbildung 16).
Abbildung 16
Kosten des kommunalen Grunderwerbs
25
Vgl.
zur Detailerläuterung den Abschnitt 8.6 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).
26
Vgl. zur Detailerläuterung den Abschnitt 6.4 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Bedarf an zusätzlicher technischer Infrastruktur (Abbildung 17)
o
Aufgrund der Detailliertheit des vorliegenden Basisentwurfs werden die Mo-
dellschätzungen zu den Straßenlängen mit eigenen Werten überschrieben.
Dazu werden
im
Bereich „Eigene Werte“ in der Spalte „Innere Erschließung“
die ei-
genen Messwerte (220
m für den Straßentyp „Anliegerstraße 5,50 m
breit“ bzw. 0 m für die
beiden anderen Straßenbreiten) eingetragen.
im Bereich „In die Kostenabschätzung übernommene Werte“ in der
Spalte „Innere Erschließung“ die eigenen Werte übernommen.
27
o
Mangels weiterer Informationen werden für alle anderen Netze die Modell-
schätzwerte unverändert übernommen.
Abbildung 17
Kontrolle des geschätzten Infrastrukturaufwandes (hier: Erschließungsstraßen)
Nach einer abschließenden Kontrolle der Eingaben anhand der Zusammenfassung (Abbildung
18) wird die Planung für den Basisentwurf abgespeichert.
27
Vgl. zur Detailerläuterung der Eingabe eigener Werte und deren Übernahme in die Modellrechnung
den Abschnitt 8.7 des ersten Teils der Anleitung („Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Abbildung 18
Zusammenfassung der Planungsdefinition für den Basisentwurf

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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3.4 Schritt 3: Erste Auswertung der Folgekosten
Nach Abschluss der Planungsdefinition für den Basisentwurf (Abschnitt 3.3) ermöglicht das
Hauptmenü (Ablaufübersicht) eine erste Auswertung der Folgekosten über die Schaltfläche
„Eine Planung auswerten“.
28
Abbildung 19
Folgekostenauswertung: Kosten insgesamt nach Kostenposition (oben) sowie nur
kommunale Kosten nach Kostenposition (unten)
Nach Auswahl der (bisher einzigen) Planung „Basisentwurf“
erscheint eine Auswertung für
die Gesamtkosten (mit dunkelblauen Balken). Wählt man über der Schaltfläche
„Andere
Dif-
ferenzierung“ eine Differenzierung nach Kostenposition, so ergibt sich das in
Abbildung 19
28
Vgl. zur Detailerläuterung den Abschnitt 9.1 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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oben dargestellte Bild. Danach liegen die Gesamtkosten der betrachteten Bereiche (techni-
sche Infrastruktur sowie Grün- und Ausgleichsflächen) bei knapp 33.000 EUR pro Wohnein-
heit zu Beginn des Betrachtungszeitraums. Über die nachfolgenden Jahre summieren sich die
Kosten auf über 45.000 EUR.
Blendet man alle Kosten aus, die die Kommune nicht zu tragen hat
29
, zeigt sich das in Abbil-
dung 19 unten wiedergegebene Bild. Danach liegen die kommunalen Kosten unmittelbar
nach der erstmaligen Herstellung bei etwa 11.000 EUR pro WE und kumulieren innerhalb der
nächsten 30 Jahre auf fast 21.000 EUR pro Wohneinheit.
30
3.5 Schritt 4: Eigenes Netzelement und Kontrolle der Kosten-
aufteilung
Eine genauere Betrachtung der bisherigen Eingaben und Auswertungen des Basisentwurfs
ergibt, dass diese in zwei Punkten noch verfeinert werden könnten:
1) Der Wendeplatz wird bisher als normaler Straßenabschnitt behandelt, obwohl er auf-
grund seiner Ausdehnung vermutlich deutlich teurer ist.
2) In der betreffenden Kommune ist es üblich, dass sich die Stadt als Baulastträger der
Erschließungsstraßen zu 20% an den Kosten des Kanalbaus (Mischsystem) beteiligt,
um deren Mitnutzung für die Straßenentwässerung abzudecken.
Für beide Aspekte gibt es im FolgekostenSchätzer keine entsprechenden Vorgabewerte,
gleichwohl aber die Möglichkeit, eigene entsprechende Mengenelemente (für Punkt 1) bzw.
Kostenaufteilungsregelungen (für Punkt 2) zu definieren.
Eigenes Netzelement „Wendeplatz“ definieren
Ein wesentliches Element des Erschließungskonzeptes des Basisentwurfs ist der Wendeplatz
(Abbildung 10). Dieser hat einen Durchmesser von etwa 20m.
Um diesen besser in den Folgekostenabschätzungen berücksichtigen zu können, wird ein
eigenes Netzelement „Wendeplatz
d=20m“
definiert
(Abbildung 20). Dazu wird im Hauptme-
nü der Arbeitsschritt 1 („Optional: Eigene Kostenkennwerte festlegen“) angewählt und in
dem sich dann öffnenden Zwischenmenü „Mengenelemente und Kostenkennwerte
verwal-
ten“ über die linke obere der vier Schaltflächen „Ansehen, ändern, prüfen und ergänzen“ die
im Hintergrund der Abbildung 20 gezeigte Übersichtsliste der Netzelemente für die tech-
nische Infrastruktur geöffnet. Über die dortige Schaltfläche „Eigenes Netzelement
hinzufü-
gen“ kann der Wendeplatz definiert werden.
Wie in Abbildung 20 zu sehen, werden für diese Kosten der erstmaligen Herstellung in Höhe
von 45.000 EUR (Betrieb und Unterhaltung: 300 EUR pro Jahr, Erneuerung: 37.000 EUR,
Lebensdauer: 30 Jahre) angesetzt. Alle diese Angaben beziehen sich auf den Wendeplatz als
Ganzes. Deshalb wird die Einheit
„Stück“ (anstelle von „lfd. Meter“) ausgewählt. Das neue
Netzelement
wird zudem dem Erschließungsnetz „Erschließungsstraßen“ zugeordnet. Damit
wird der Wendeplatz hinsichtlich der Kostenaufteilung behandelt wie alle anderen Erschlie-
ßungsstraßen. Durch
ein Anklicken der Schaltfläche „Netzelement hinzufügen“ wird die
Defi-
29
Schaltfläche „Andere Kostenarten“, Reiter „Kostenträger“, Auswahl „Grundstücksbesitzer“ und
„All-
gemeinheit der Netzkunden“ deaktivieren, danach „Zurück zur Auswertung“ anklicken.
30
Wenn Sie
nach Abschluss der Bildschirmaktualisierung, die ggf. einige Sekunden dauern kann
mit der Maus über das Diagramm fahren und damit Ihre linke Maustaste leicht berühren, können Sie
sich über die so genannte Tooltip-Anzeige Einzelwerte aus dem Diagramm anzeigen lassen.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
Seite 32
nition abgeschlossen und das zusätzliche Netzelement „Wendeplatz
d=20m“
erscheint in der
Übersichtsliste als
„Eigenes
Netzelement“.
Abbildung 20 Definition
eines eigene Netzelements „Wendeplatz
d=20m“
Das neu definierte Netzelement „Wendeplatz
d=20m“
gilt es im Folgenden in die bereits
de-
finierte Planung für den Basisentwurf zu integrieren. Dazu wird im Hauptmenü der Arbeits-
schritt „Planungen für die Wohnbaufläche definieren“ aufgerufen, anschließend die (einzige)
Planung „Basisentwurf“ ausgewählt und über die Schaltfläche „Die ausgewählte Planung
ver-
ändern“
erneut geöffnet.
Die ersten sechs Schritte der Planungsdefinition können schnell mit „Schritt weiter“
überblät-
tert werden, denn interessant wird es erst im siebten Schritt (Abbildung 21).
Dort taucht im Infrastrukturnetz „Straße“ jetzt zusätzlich am Ende der Elementeliste der
zu-
vor definierte „Wendeplatz d=20m“ auf. Da der
FolgekostenSchätzer für nutzerdefinierte
Netzelemente keine Mengenschätzung vornimmt, sind alle Modellschätzungen für den Wen-
deplatz bei „0 Stück“.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Abbildung 21
Einbindung des Wendeplatzes in die Infrastrukturmengenschätzung der Planung für
den Basisentwurf
Um den einen Wendeplatz des Basisentwurf in der Kostenabschätzung zu integrieren, klicken
Sie den Wert „0 Stück“ in der Spalte „Eigene Werte: Innere Erschließung“ in der Zeile
„Wen-
deplatz d=20m“
doppelt an und tragen die neue
Menge (1 Stück) in das sich dann öffnende
Dialogfenster ein. Nach dessen Schließung ist der neue Mengenwert übernommen, allerdings
noch nicht in die Modellrechnung einbezogen. Zu erkennen ist dies zum einen daran, dass
der eben eingetragene Werte eingeklammert dargestellt ist. Zum anderen steht in der Spalte
„In die
Kostenschätzung übernommene Werte: Innere
Erschließung“ immer noch ein
Wert
von 0 Stück. Um den eigenen Mengenwert auch in die Modellrechnung zu übernehmen, kli-
cken Sie den Mengenwert „0 Stück“ in der „In die Kostenschätzung übernommene Werte:
Innere Erschließung“
doppelt an und quittieren die erscheinende Rückfrage mit „Ja“.
31
Anschließend verkürzen wir noch den eigenen Mengenwert für den „Anliegerweg 5,50m
breit“ von 220 auf
200 Meter, da die restlichen 20 Meter ja nun durch den Wendeplatz abge-
bildet werden. Dazu klicken Sie den bisherigen Wert „220m“ in der Spalte „Eigene Werte:
Innere Erschließung“ (Zeile „Anliegerweg 5,50m breit“) doppelt und ersetzen ihn durch
200m. Dieser Wert wird automatisch in die Modellrechnung übernommen, da bereits vorher
(Abschnitt 3.3)
festgelegt wurde, dass in der Zeile „Anliegerweg 5,50m breit“ der Nutzerwert
übernommen werden soll.
Nach diesen Eingaben (Abbildung 21)
wählen Sie „Schritt weiter“ und schließen die Planung
erneut ab.
Eigene Kostenaufteilungsregel definieren
Als zweite Änderung sollte die Kostenaufteilung für die Kanalisation noch verändert werden.
Dazu kehren Sie ins Hauptmenü (Ablaufübersicht) zurück und wählen dort den Arbeitsschritt
1 („Eigene Kostenkennwerte“). Im dann erscheinenden Zwischenmenü
„Mengenelemente
und Kostenkennwerte verwalten“ klicken Sie diesmal die untere linke Schaltfläche „Ansehen,
31
Vgl. auch den Abschnitt 8.7 im ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
Seite 34
ändern,
prüfen und ergänzen“ (Technische
Infrastrukturen / Aufteilung der Kosten auf die
Kostenträger) an.
Blättern Sie in der dann erscheinenden Ansicht „Technische Infrastruktur –
Annahmen zur
Kostenaufteilung“ mit Hilfe des nach rechts zeigenden Pfeils
durch die Infrastrukturnetze, bis
Sie zum
Punkt „Kanalisation (Mischsystem) / Gesamtes Netz“ kommen. Unterhalb der rot
hinterlegten Überschrift „Erstmalige Herstellung“ können Sie sehen, dass standardmäßig eine
Aufteilung der Kosten für die erstmalige Herstellung der Kanalisation (Mischsystem) von je
50% durch die Anwohner und die Allgemeinheit der Netznutzer eingestellt ist.
Hintergrund dieser Standardeinstellung ist, dass sich in empirischen Untersuchungen gezeigt
hat, dass die Anschlussbeiträge, die die Grundstückseigentümer bzw. -käufer in Neubauge-
bieten bezahlen müssen, häufig nur die Hälfte der realen Kosten der zusätzlich notwendigen
Kanalisationsabschnitte decken. Die restlichen Kosten müssen daher über die allgemeine
Abwassergebühr refinanziert werden, die alle Netzkunden zu entrichten haben.
Abbildung 22
Definition einer eigenen Regelung zur Abbildung des kommunalen Kostenanteils für
die Straßenentwässerung
Um eine andere Kostenaufteilung auszuwählen
32
, klicken Sie auf den kleinen Stift neben dem
Eintrag „50% Kostendeckungsgrad Anschlussbeiträge“. Sie gelangen daraufhin zur Ansicht
„Technische Infrastruktur – Kostenaufteilung verändern“. In der dortigen Liste angebotener
Kostenaufteilungsregeln findet sich jedoch keine vordefinierte Regel, mit der die eingangs
dieses Abschnitts erwähnten 20% Kostenbeteiligung der Gemeinde für die Mitnutzung der
Kanalisation zum Zwecke der Straßenentwässerung berücksichtigt werden könnte. Eine ent-
sprechende Kostenaufteilungsregel lässt sich aber mit wenigen Handgriffen selbst definieren.
Wählen Sie dazu die Schaltfläche „Neue Aufteilungsregel definieren“ und Sie gelangen zu der
in Abbildung 22 gezeigten Ansicht. Mit Hilfe der in der Abbildung gezeigten Eintragungen
lässt sich der 20%-Anteil der Kommune berücksichtigen. Sofern genauere Informationen
zum Kostendeckungsgrad der Anschlussbeiträge vorliegen, können diese durch eine entspre-
32
Vgl. auch
den Abschnitt 6.7 im ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Seite 35
chende Anpassung des Anteils der Grundstücksbesitzer an dieser Stelle auch gleich noch
berücksichtigt werden. Da dies im hier vorgestellten Anwendungsbeispiel nicht der Fall ist,
werden die in der bisherigen Vorschlagsregelung enthaltenen 50% übernommen.
Wichtig bei der Eingabe ist sicherzustellen, dass die neu definierte Regelung in der unteren
Liste für das gerade betrachtete Netz (Kanalisation / Mischsystem) zur Verfügung gestellt
wird. Wird dies nicht vergessen, so taucht die neue Regelung nach einem Klicken der Schalt-
fläche „Regelung speichern“ in der Auswahlliste der Ansicht „Technische Infrastruktur
- Kos-
tenaufteilung
verändern“ auf.
Wenn Sie sie dort auswählen und die Auswahl übernehmen, erscheint die neue Regelung
auch in der Ansicht „Technische Infrastruktur – Annahmen zur Kostenaufteilung“, zu der
Sie
auf diese Weise zurückkehren (Abbildung 23).
Abbildung 23
Die eigene Regelung wurde für die Kostenphase „Erstmalige Herstellung“
übernom-
men
Bevor Sie zum Hauptmenü zurückkehren, sollten Sie die beiden Änderungen (neues Netze-
lement und neue Kostenaufteilungsregel) in Ihrer Kennwertedatei speichern, damit Sie Ihnen
auch für spätere Kostenabschätzungen zur Verfügung stehen. Klicken Sie dazu in dem Zwi-
schenmenü „Mengenelemente und Kostenkennwerte verwalten“
(Abbildung 24) auf die
Schaltfläche
„Aktuelle Kennwerte in einer Kennwertedatei speichern“. Falls Sie schon eine
Kennwertedatei haben, die Sie zu Beginn der Kostenabschätzung eingelesen haben (Ab-
schnitt 3.2), können Sie diese überschreiben. Falls nicht, legen Sie eine neue Kennwertedatei
an.
Wenn Sie nun über das Hauptmenü und den Arbeitsschritt 1 die Folgekostenauswertung er-
neut aufrufen, sehen Sie die Effekte der beiden Detailanpassungen (Wendeplatz und kom-
munaler Kostenanteil an der Kanalisation). Wenn Sie sich z.B. erneut nur die kommunalen
Kosten anzeigen lassen
33
(Abbildung 25), so sind dort die Kosten für die Erschließungsstra-
33
Zum Vorgehen vgl. Fußnote 29.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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ßen (mit 10% Kommunalanteil nach BauGB) leicht gestiegen. Zudem werden nun auch Kos-
ten der Kommune im Bereich
„Kanalisation“ sichtbar.
Abbildung 24
Das hinzugefügte Netzelement bzw. die hinzugefügte Kostenaufteilungsregel sollten
Sie auch in einer Kennwertedatei speichern, damit Sie Ihnen für spätere Kostenab-
schätzungen zur Verfügung steht
Abbildung 25
Kommunaler Kostenanteil nach Berücksichtigung des Wendeplatzes und der Änderung
der Kostenaufteilungsregelung für die erstmalige Herstellung der Kanalisation

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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3.6 Schritt 5: Ein Alternativentwurf (mit Fußweg und verän-
dertem Flächenzuschnitt)
In der Diskussion des Basisentwurfs (Abbildung 10) hat sich gezeigt, dass
die mit den beiden Bestandsgebäuden im Südosten des Gebiets im Zusammenhang
stehenden Grundstücke ggf. doch nicht zur Verfügung stehen und
die aufwändige Doppelerschließung über zwei Erschließungsstraßen ggf. auch redu-
ziert werden könnte und anstelle der zweiten Erschließungsstraße auch ein Fußweg
denkbar wäre.
Auf Basis dieser beiden Änderungen entstand der in Abbildung 26 gezeigte Alternativentwurf.
Die Anzahl der Wohneinheiten (18) ist gegenüber dem Basisentwurf trotz der geringeren
Fläche unverändert.
Abbildung 26
Erster Alternativentwurf (reduzierte Potenzialfläche, Fußweg statt zweiter Erschlie-
ßungsstraße)
Um auch diesen im FolgekostenSchätzer zu berücksichtigen, können Sie wie folgt vorgehen.
Zweite Fläche definieren
Der veränderte Flächenzuschnitt sollte berücksichtigt werden, indem Sie eine zweite Fläche
definieren. Dazu sind die folgenden Schritte notwendig:
Da Sie im Anwendungsfall „Planungsvergleich“ nur eine Fläche definieren können,
wechseln Sie zunächst über die Schaltfläche „Anwendungsfall ändern“ in den
Anwen-
dungsfall „Flächenvergleich“. Die Schaltfläche „Anwendungsfall ändern“ finden Sie
oben rechts im Hauptmenü (Ablaufübersicht).
Nun haben Sie die Möglichkeit, den reduzierten Planumgriff als zweite Fläche zu de-
finieren. Das Vorgehen und die Eingabewerte sind identisch mit der bisherigen Fläche
(Abschnitt 3.2), lediglich die Fläche (1,4287 ha Bruttofläche) und die Bezeichnung
(„Stadtkoppel (reduziert)“) sollten sich von der ersten Fläche unterscheiden
(Abbildung 27).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Abbildung 27
Definition der reduzierten Planfläche als zweite Potenzialfläche
Neues Netzelement „Fußweg“ definieren
Da es sich bei dem Fußweg um einen öffentlichen Fußweg handeln soll, ist dieser in den Kos-
tenabschätzungen zu berücksichtigen.
34
Fußwege sind im Standardset der Mengenelemente des FolgekostenSchätzers nicht enthal-
ten. Entsprechend muss
zunächst ein neues Netzelement „Fußweg“ definiert werden.
Das
Vorgehen ist identisch wie bei dem im ersten Teil des Abschnitts 3.5 definierten Wendeplatz.
Im Detail wurden für die dokumentierte Beispielrechnung dabei die folgenden Eintragungen
vorgenommen:
Netz: Erschließungsstraßen
Name: Fußweg 2m breit
Einheit: lfd. Meter
Breite: 2 m
Erstmalige Herstellung: 200 EUR / lfd. Meter
Betrieb, Unterhaltung und Instandsetzung: 0,30 EUR / lfd. Meter und Jahr
Erneuerung: 150 EUR / lfd. Meter
Lebensdauer: 20 Jahre
34
Private Fußwege sind - wie privaten Gebäude, Garagen und Grundstückszufahrten
nicht Gegen-
stand des FolgekostenSchätzers.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Alternativentwurf als Planung auf der neuen Fläche „Stadtkoppel (reduziert)“ definieren
Anschließend erfassen Sie den Alternativentwurf über den Arbeitsschritt 3 und die Schaltflä-
che „Eine neue Planung entwickeln“
als neue Planung für die zuvor definierte zweite Fläche
„Stadtkoppel
(reduziert)“. Wählen Sie dazu vor dem Anklicken der Schaltfläche
„Eine
neue
Planung entwickeln“ die Fläche „Stadtkoppel (reduziert)“ aus der Liste „Potenzialflächen“ aus
(Abbildung 28).
Abbildung 28
Start der Definition einer Planung für die zuvor definierte zweite Fläche
„Stadtkoppel
(reduziert)
Das Vorgehen in den nachfolgenden Schritten ist weitestgehend identisch mit der Planungs-
definition für den Basisentwurf im Abschnitt 3.3:
Bezeichnung:
o
Bezeichnung der Planungsvariante: „Alternativentwurf 1“
Flächenbilanz:
o
Unveränderte Berücksichtigung des 312 qm (= 0,0312 ha) großen Grund-
stücks des Blockheizkraftwerks an der Einmündung der Haupterschließungs-
straße unter „sonstige
Flächen“
o
Reduzierte Erschließungsfläche: jetzt 963 qm = 0,0963 ha (Nutzereingabe)
o
Reduziertes Straßenbegleitgrün (erfasst unter „erschlossene Grünflächen):
jetzt 312 qm (= 0,0312 ha)
o
Verbleibendes Nettowohnbauland (automatisch errechnet): 1,27 ha
Anzahl der Wohnungen / Bebauungsdichte:
o
Erneute Anzahl an Wohnungen: 18 Wohneinheiten (Absolutanzahl)
o
Schlosssymbol:
Option „Wohneinheiten (Absolutanzahl)“
Grünflächen:
o
Straßenbegleitgrün: 0,0312 ha

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FolgekostenSchätzer 5.0
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o
damit (wird automatisch angepasst): Allg. Grünflächen: 0 ha
o
Reduzierter
Zuschlag für den Grünflächentyp „Straßenbegleitgrün“:
8 Straßen-
bäume
Ökologischer Ausgleich:
o
Ausgleich erforderlich: „Ja“
o
Schätzwert für den Kompensationsfaktor: erneut 0,35
o
Daraus ergibt sich (automatisch berechnet) eine benötigte Ausgleichsfläche
von 0,5 ha (= 5.000 qm).
o
davon innerhalb der Potenzialfläche: 0 ha
o
Automatisch berechneter Bedarf an Ausgleichsflächen außerhalb des Plange-
biets: 0,5 ha (= 5.000 qm)
o
Grünflächentyp für Ausgleichsflächen außerhalb der Potenzialfläche:
„Aus-
gleichsflächen außerhalb“ (entspricht dem Vorgabewert)
Kommunaler Grunderwerb:
o
Umlegung, damit in den ersten beiden Zeilen:
Option „kostenfrei (z.B. durch
Umlegung)“
o
Ökokontoflächen für die notwendigen 5.000 qm Ausgleichsflächen außerhalb
des Plangebiets (unterste Zeile in der Bildschirmansicht): mittlere Auswahlop-
tion; 15,- EUR Ankaufskosten (ohne erstmalige Herstellung und Pflege) pro
qm
o
Insgesamt (automatisch errechnet): kommunale Flächenankaufskosten in Hö-
he von 75.007 EUR
35
Bedarf an zusätzlicher technischer Infrastruktur (Abbildung 29)
o
Straße:
„Eigene Werte“ in der Spalte „Innere Erschließung“:
„Anliegerstraße 5,50 m breit“: 160 Meter
„Anliegerstraße 8,50 m breit“: 0 Meter
„Sammelstraße 14,50 m breit“: 0 Meter
„Wendeplatz
d=20m“: 1 Stück
„Fußweg 2m“: 40 Meter
„In die Kostenabschätzung übernommene Werte“ in der Spalte
„Innere
Erschließung“: Übernahme aller eigenen Werte
o
Alle anderen Netze: Modellschätzwerte
35
Die 7 EUR Abweichung gegenüber 5.000 qm x 15 EUR/qm = 75.000 EUR ergeben sich aus einer
Berechnung mit ungerundeten Zahlen im Hintergrund. (Die Anzeige „5.000 qm“ für den
Ausgleichsbe-
darf ist auf volle Meter gerundet.)

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FolgekostenSchätzer 5.0
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Abbildung 29
Infrastrukturmengen für Planung „Alternativentwurf 1“
In der Zusammenfassung (Abbildung 30) am Ende der Planungsdefinition sind einige, aber
nicht alle Detailänderungen gegenüber dem Basisentwurf sichtbar. Erkennbar sind die Ver-
änderungen der Flächenbilanz und der Erwerbskosten. Nicht erkennbar
aber gleichwohl
erfasst
sind die Verschiebungen
von 40 Metern Erschließungsstraße vom Typ
„Anlieger-
straße 5,50 m breit“ zum Typ „Fußweg 2m“. Die Summe der Erschließungsstraßenlänge in
der Zusammenfassung (ohne Wendeplatz!) bleibt bei 200m.
Abbildung 30
Zusammenfassung der Planungsdefinition für den Alternativentwurf 1

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FolgekostenSchätzer 5.0
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3.7 Schritt 6: Zwei weitere Alternativentwürfe
Ein Kostenvergleich zwischen der Basisvariante und den alternativen Überlegungen ist Ge-
genstand des Abschnitts 3.8. Zuvor sollen jedoch noch zwei weitere Alternativentwürfe er-
fasst werden. Beide basieren auf dem reduzierten Plangebiet.
In einem „Alternativentwurf 2“
(Abbildung 31) wird vollständig auf die zweite Zuwe-
gung von Süden verzichtet. Die Anzahl der Wohnungen verbleibt unverändert bei 18.
Neben dem Verzicht auf die Zuwegung aus Richtung Süden ersetzt der in Abbildung
32
gezeigt „Alternativentwurf 3“ die Einfamilienhausbebauung am Südrand des
Plan-
gebiets durch ein längeres Mehrfamilienhaus. Die Zahl der Wohneinheiten steigt so
auf 22 Wohnungen.
Abbildung 31
Zweiter Alternativentwurf (Verzicht auf den Fußweg)
Abbildung 32
Dritter Alternativentwurf (Mehrfamilienhaus am Südrand des Plangebiets)
Da sich beide Planvarianten auf die gleiche Fläche beziehen wie der bereits erfasste Alterna-
tiventwurf 1 (Abschnitt 3.6), kann die Erfassung dieser beiden zusätzlichen Planvarianten
sehr arbeitssparend erfolgen.

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FolgekostenSchätzer 5.0
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Wählen Sie dazu im Hauptmenü erneut den Arbeitsschritt 3 („Planungen für die
Wohnbauflä-
chen definieren“) an. Markieren Sie anschließend in der Ansicht „Planungen für die einzelnen
Wohnbauflächen“ in der Spalte „Potenzialflächen“ die Fläche „Stadtkoppel (reduziert)“ und
wählen Sie dann aus der daraufhin erscheinenden Liste in der Spalte „Planungen für die
aus-
gewählte Potenzialfläche“ den „Alternativentwurf 1“ aus. Klicken Sie anschließend auf „Die
ausgewählte Planung duplizieren“ und geben Sie „Alternativentwurf 2“ als Namen der zu
erstellenden Kopie der Planung ein (Abbildung 33).
Abbildung 33
Duplizieren des Alternativentwurfs 1 zum arbeitssparenden Erfassen des Alterna-
tiventwurfs 2
Wenn Sie jetzt
auf „Die ausgewählte Planung duplizieren“ klicken haben Sie eine
vollständige
Kopie des Alternativentwurfs 1 (unter dem Namen „Alternativentwurf 2“) erstellt. Diese
er-
scheint nun als zweite Planung für die ausgewählte Potenzialfläche „Stadtkoppel (reduziert)“
in der Liste der Planungen.
Um nun noch die paar wenigen Änderungen im Alternativentwurf 2 gegenüber dem Alterna-
tiventwurf 1 einzutragen, wählen Sie den Alternativentwurf 2 in der Liste aus und klicken auf
„Die ausgewählte Planung verändern“. Danach
klicken Sie sich durch die bereits bekannten
Schritte der Planungsdefinition.
Die Schritte 1 bis 6 können Sie in einer schnellen „Schritt
weiter“-Klickfolge überblättern,
denn die einzige Änderung (Wegfall des Fußwegs) erfassen Sie im Schritt 7. Dort doppel-
klicken Sie den Wert 40m in der Spalte „Eigene Werte: Innere Erschließung“ (Zeile „Fußweg
2m breit“) und ersetzen ihn durch eine „0“. Der Wert wird automatisch in die
Modellrech-
nung übernommen, weil Sie für die Zeile „Fußweg 2m breit“ bereits im
Alternativentwurf 1
eingestellt hatten, dass der Nutzerwert in die Modellrechnung übernommen werden soll.
(Wenn nicht, klicken Sie einmal doppelt auf den entsprechenden Wert in der Spalte „In die
Kostenschätzung übernommene Werte: Innere Erschließung“) und bestätigen die Rückfra-
ge.)

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Danach können Sie „Schritt weiter“ klicken und im nächsten Fenster die Planung
abschlie-
ßen. Das war’s schon.
Ebenso schnell definieren Sie den dritten Alternativentwurf; denn alles, was sich im Alterna-
tiventwurf 3 gegenüber dem zweiten Alternativentwurf ändert, ist die Anzahl der Wohnein-
heiten. Entsprechend kopieren Sie den Alternativentwurf 2 (Name der Kopie: Alternativent-
wurf 3), öffnen
die so entstandene Planung über die Schaltfläche „Die ausgewählte
Planung
verändern“, klicken „Schritt weiter“ bis zum Schritt 3 („Anzahl der Wohnungen /
Bebauungs-
dichte“), ändern die Absolutanzahl der Wohneinheiten von 18 auf 22 und klicken sich
an-
schließend per „Schritt weiter“ bis zum Ende der Planungsdefinition. Dort schließen Sie Ihre
Planung ab.
Sie haben nun vier Planungen definiert (Abbildung 34): eine (den Basisentwurf) auf Basis
des ursprünglichen Gebietszuschnitts „Stadtkoppel“ sowie drei Alternativentwürfe auf Basis
des reduzierten Flächenzuschnitts „Stadtkoppel
(reduziert).
Abbildung 34
Vier erfasste Planungen auf zwei Flächenzuschnitten (Potenzialflächen)
3.8 Schritt 7: Vergleichende Folgekostenauswertung
Die vier Planungsentwürfe können Sie nun über den vierten Arbeitsschritt im Hauptmenü
vergleichen. Wählen Sie dazu die Option „Flächen vergleichen“.
Sie werden danach gebeten,
die Flächen und Planungen auszuwählen, die Sie vergleichen möchten. Wählen Sie alle aus
(Abbildung 35).
36
36
Für Details der Handhabung vgl.
auch Kapitel 9 im ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedie-
nung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Abbildung 35
Auswahl der zu vergleichenden Flächen/Planungen
Abbildung 36
Vergleich der vier Entwürfe: Gesamtkosten pro Wohneinheit
Wie die Bildschirmansicht in Abbildung 36 deutlich macht, haben sich die (Folge-)Kosten pro
Wohneinheit insgesamt von etwa 34.500 EUR (im Startjahr des Projekts) bzw. 48.800 EUR
(inklusive der nachfolgenden 40 Jahre) im Basisentwurf
37
über die einzelnen Alternativent-
würfe auf bis zu 24.800 EUR (Alternativentwurf 3 im Startjahr des Projekts) bzw. 34.700 EUR
37
Die Werte für den Basisentwurf haben sich gegenüber der Auswertung in Abbildung 19 leicht ver-
ändert, weil im Basisentwurf inzwischen die Nachträge (Wendeplatz, Kostenaufteilung Kanalisation)
aus Abschnitt 3.5 enthalten sind).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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(Alternativentwurf 3 inklusive der nachfolgenden 40 Jahre) reduziert. Dies entspricht einer
Reduktion um knapp 30%.
Auch wenn man alle Kosten, die von der Kommune nicht zu tragen sind, aus der Betrachtung
herausnimmt
38
, zeigt sich eine deutliche Reduktion der (Folge-)kosten (Abbildung 37). Auch
diese liegt in der Größenordnung von 30%.
Abbildung 37
Vergleich der vier Entwürfe: Kosten der Gemeinde pro Wohneinheit
Der Sprung zwischen dem Alternativszenario 2 und dem Alternativszenario 3 ergibt sich nur
durch die Erhöhung der Zahl der Wohnungen. In Absolutbeträgen sind die (Folge-)Kosten
beider Entwürfe identisch.
Um dies sichtbar zu machen, können Sie über die Schaltfläche „Andere Darstellung“ und den
Reiter „Bezugsgröße“ die Darstellungsoption „Ausgaben der gesamten Planung anzeigen“
auswählen. Wie in Abbildung 38 zu sehen, überdecken sich in diesem Fall die Kostenlinien
der Alternativentwürfe 2 und 3, so dass der Alternativentwurf 2 gar nicht mehr zu sehen ist.
Da die Gemeinde im Alternativentwurf 3 aber mehr Wohnraum schaffen kann als im Alterna-
tiventwurf 2, sollten vor allem die Kosten pro Wohneinheit für Vergleichsbetrachtungen her-
angezogen werden.
38
Zum Vorgehen vgl. Fußnote 29.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Abbildung 38
Vergleich der vier Entwürfe: Kosten der Gemeinde insgesamt
3.9 Schritt 8: Fortsetzung der planerischen und kommunalpoli-
tischen Diskussion
Mit den verschiedenen Entwürfen und Folgekostenauswertungen kann die planerische und
kommunalpolitische Diskussion in eine weitere Runde gehen.
Um die Ergebnisse des FolgekostenSchätzers in Präsentationen und Tischvorlagen für interne
Sitzungen, Bauausschuss, Gemeinderat und Bürgerversammlung zu nutzen, empfiehlt es
sich, die Darstellungen
über die Schaltfläche „Darstellung nach MS Excel exportieren“
in eine
getrennte Exceldatei zu exportieren.
39
Diese Exceldatei enthält nicht nur das gerade dargestellte Diagramm und eine Bezugstabelle
mit allen Einzelwerten sondern auch alle Flächen- und Planungsdefinitionen, Kennwerte und
Annahmen, die zu dem Abschätzungsergebnis geführt haben.
Der Frage, wie die Ergebnisse von Folgekostenabschätzungen in Bezug zu setzen sind mit
anderen Aspekten der planerischen und kommunalpolitischen Entscheidungsfindung, geht
Kapitel 4 dieser Anleitung nach.
39
Vgl. zu Details der Handhabung auch die Abschnitte Kapitel 9.5 bis 9.7 des ersten Teils der Anlei-
tung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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4
Berechnungsbeispiel 2: Vergleich der Folgekosten-
neigung alternativer Entwicklungsflächen innerhalb
einer Gemeinde
4.1 Aufgabenstellung
In einer Kommune steht die Fortschreibung des Flächennutzungsplans an. Zu dessen Vorbe-
reitung stellt das Bauamt strategische Vorüberlegungen an, auf welchen Flächen die zukünf-
tige wohnbauliche Entwicklung stattfinden soll. Aufgrund der bisherigen Diskussion in den
Ausschüssen sowie eigener Überlegungen konzentrieren sich die vergleichenden Betrachtun-
gen auf die vier in Abbildung 39 dargestellten Potenzialflächen:
Fläche A ist eine bisher größtenteils landwirtschaftlich genutzte Fläche, die im Süden
an ökologisch interessante Bereiche angrenzt.
Fläche B ist eine bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche mit Hangneigung.
Fläche C ist eine ehemals gewerblich genutzte Brachfläche innerhalb des zusammen-
hängenden Siedlungskörpers.
Fläche D ist die Gesamtheit von acht Baulücken, kleineren Brachflächen bzw. deutlich
untergenutzten Flächen innerhalb des zusammenhängenden Siedlungskörpers.
Das Bauamt hat bereits vergleichende Untersuchungen zu Fragen wie verkehrlichen Effekten,
städtebaulichen Möglichkeiten, Vermarktbarkeit, Aktivierbarkeit der Flächen und ökologi-
schen Effekten durchgeführt.
40
Diese Betrachtungen sollen nun um eine vergleichende Ab-
schätzung der Folgekosten ergänzt werden.
Abbildung 39
Alternative Entwicklungsflächen des Berechnungsbeispiels
40
Vgl. hierzu auch Kapitel 5.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
Seite 49
Da es sich um strategische Vorüberlegungen handelt, existieren für die einzelnen Flächen
keine Detailplanungen. Es existieren lediglich Annahmen, wie viele Wohnungen in etwa auf
den einzelnen Flächen entstehen könnten. Diese Annahmen entstammen der Erfahrung so-
wie den planerischen Überlegungen der Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter des Bauamtes.
Für die Flächen A und B wird von einer Ein- und Zweifamilienhausbebauung ausge-
gangen. Es wird davon ausgegangen, dass sich diese Bebauung siedlungsstrukturell
an zwei in den zurückliegenden Jahren realisierten Baugebieten orientieren würde.
Die Bebauung auf den acht zur Fläche D zusammengefassten Baulücken und kleine-
ren Brachflächen wird sich hinsichtlich der Bebauungsdichte an der jeweils umgeben-
den Bebauung orientieren und dabei die Möglichkeiten des §34 BauGB möglichst
weitgehend ausschöpfen.
Für die potenzielle Nachnutzung der innergemeindlichen Brachfläche C zeigt die bis-
herige Diskussion zwei unterschiedliche Szenarien. Während einige Akteure für eine
kompaktere Bebauung plädieren, möchten andere die Fläche im Falle einer wohnbau-
lichen Nachnutzung eher in Richtung einer lockeren Ein- und Zweifamilienhausbebau-
ung entwickelt sehen. In der Folgekostenbetrachtung sollen daher beide Variante be-
trachtet werden.
4.2 Schritt 1: Neue Kostenabschätzung anlegen
Wie im ersten Berechnungsbeispiel (Kapitel 3) besteht der erste Arbeitsschritt darin, eine
neue Kostenabschätzung anzulegen.
Dazu wählen Sie nach dem Start des FolgekostenSchätzers
41
im
Startmenü die Option „Eine
ganz neue
Kostenabschätzung“. Nach der entsprechenden Aufforderung wird ein Dateiname
für die dabei neu anzulegende Kostenabschätzungsdatei festgelegt.
42
Mit Blick auf die im
vorigen Abschnitt skizzierte Aufgabestellung wird diese
„Vorüberlegung_FNP.xls“
benannt
und im Ordner
„…\FolgekostenSchätzer\Abschätzungen“
abgelegt.
43
Da die Kommune den FolgekostenSchätzer zum ersten Mal nutzt, wird die anschließende
Frage, des FolgekostenSchätzer, ob die Kostenabschätzungsdatei auf einer vorliegenden
Kennwertedatei
beruhen soll, mit „Nein“ beantwortet.
44
Die Aufgabenstellung
entspricht dem Anwendungsfall „Flächenvergleich“. Auf der
sich an-
schließend öffnenden
Bildschirmseite „Was ist das Ziel Ihrer Kostenabschätzung?“
wird daher
die rechte
Option („Planungsalternativen vergleichen“) gewählt
(Abbildung 40).
45
Danach erscheint das Hauptmenü
(„Ablaufübersicht“)
des FolgekostenSchätzers.
41
Vgl. bzgl. der beim Start notwendigen Aktivierung der so genannten VBA-Makros die Hinweise in
Kapitel 3 im ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedienung“).
42
Für detailliertere
Hinweise vgl. Abschnitt 4.2 im ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedienung“).
43
Gemäß der Empfehlung aus Abschnitt 2.1 dieses Teils der Anleitung.
44
Vgl. hierzu auch Abschnitt 2.3 in diesem Teil der Anleitung.
45
Vgl. zu dieser Auswahl auch den Abschnitt 4.2 im ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Abbildung 40
Wahl des Anwendungsfalls „Flächenvergleich“
4.3 Schritt 2: Die vier Potenzialflächen definieren
Nächster Schritt ist die Definition der vier Potenzialflächen. Dazu wählen Sie im Hauptmenü
den Arbeitsschritt
2 („Die potenziellen Wohnbauflächen beschreiben“) aus.
Auf der anschließend erscheinenden Bildschirmseite
(„Potenzielle Flächen für
Wohnungs-
bau“)
wählen Sie
anschließend vier Mal hintereinander die Option „Eine neue Fläche
definie-
ren“, um die
Eigenschaften der einzelnen Potenzialflächen einzugeben. Das Ergebnis der
Eingabe zeigt Abbildung 41.
Abbildung 41
Fertig gestellte Definition der vier Potenzialflächen

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Die für die einzelnen Potenzialflächen eingetragenen Eigenschaftswerte
46
sind in Tabelle 1 in
einer Übersicht zusammengestellt.
Fläche A
Fläche B
Fläche C
Fläche D
Basisdaten
Name
Fläche A
Fläche B
Fläche C
Fläche D
Fläche
4,8 ha
3,1
2,5
1,8
Regenwasser
Trennsystem Trennsystem Trennsystem Mischsystem
Gas
Ja
Ja
Ja
Ja
Innere Erschließung
Ja
Ja
Ja
Nein
Äußere
Erschlie-
ßung
Straße
140
190
0
0
Kanalisation
180
210
90
0
Wasser
0
130
0
0
Strom
310
210
0
0
Gas
170
130
30
0
Ökologi-
sche Be-
deutung
Kategorie I
60%
80%
90%
100%
Kategorie II
30%
20%
10%
0%
Kategorie III
10%
0%
0%
0%
Hangneigung
2%
8%
1%
0%
Lage-
spezifische
Mehr- oder
Minder-
kosten
Straße
100%
105%
100%
100%
Kanalisation
100%
102%
100%
100%
Wasser
100%
101%
100%
100%
Strom
100%
100%
100%
100%
Gas
100%
101%
100%
100%
Preis bei Grunderwerb
18 €/qm
20 €/qm
75 €/qm
110 €/qm
Tabelle 1
In der Flächendefinition eingetragene Eigenschaften der vier Potenzialflächen
Die aus Tabelle 1 ersichtlichen Besonderheiten der einzelnen Flächen ergeben sich u.a. aus
den folgenden Zusammenhängen:
Die zur Fläche D zusammengefassten Baulücken und kleineren Brachflächen sowie
die größere Brachfläche C liegen in Bestandsgebieten mit einer Kanalisation mit
Mischsystem. Während bei einer Bebauung der größeren Brachfläche C davon auszu-
46
Für eine detaillierte Erläuterung der einzelnen Definitionsschritte vgl. Kapitel 7 des ersten Teils der
Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
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gehen ist, dass neue Netzabschnitte als Trennsystem gebaut werden, entstehen bei
einer Bebauung der Baulücken und kleineren Brachflächen i.d.R. keine oder nur so
kurze zusätzliche Kanalabschnitte, dass hier weiterhin von einem Mischsystem ausge-
gangen werden kann.
Die Fläche D repräsentiert acht kleine Einzelflächen. Jede dieser Einzelflächen braucht
aufgrund seiner geringen Größe keine innere Erschließung. Entsprechend wird für die
Fläche D
trotz der Kontrollrückfrage des FolgekostenSchätzers
die Einstellung
„Nein“ (= keine innere Erschließung) gewählt.
Bei der äußeren Erschließung ist die Entfernung der Potenzialflächen im Außenbereich
(Flächen A und B, gemessen ab deren Rand) zu den jeweiligen Anschlusspunkten der
Infrastrukturnetze deutlich größer als bei den Innenentwicklungsflächen C und D.
Diese längeren Entfernungen ergeben sich zum einen aus der peripheren Lage der
Potenzialflächen A und B. Zum anderen sind die nächstgelegenen Erschließungsstra-
ßen, Kanäle und Trafostationen i.d.R. nicht ausreichend dimensioniert, um den Neu-
anschluss eines neuen Baugebiets zu übernehmen. Im Gegensatz dazu liegt die Flä-
che C an vielen Hauptstraßen und -leitungen. Im Falle der Kanalisation müssen diese
jedoch im Falle einer Bebauung in einem Abschnitt aus Altersgründen ersetzt werden.
Die Baulücken und kleineren Brachflächen (zusammengefasst zur Fläche D) benöti-
gen keine äußere Erschließung, da sie jeweils bereits angeschlossen sind und ihre zu-
sätzliche Anschlussmengen (Haushalte) sehr gering sind.
Die Innenbereichsflächen C und D sind aufgrund ihrer Vornutzung von geringerer
ökologischer Bedeutung als die beiden Außenflächen A und B.
Die Topografie spielt nur bei der Fläche B eine Rolle. Bezüglich der lagespezifischen
Mehr- oder Minderkosten werden jeweils die Vorschlagswerte übernommen.
Hinsichtlich des Grunderwerbs erweisen sich die Innenentwicklungsflächen pro Qua-
dratmeter als deutlich teurer als die Außenbereichsflächen. Die Preisangaben im Zuge
der hier vorgenommenen Flächendefinition sagen jedoch noch nichts darüber aus, ob
und in welchem Umfang für die jeweiligen Planungen wirklich kommunale Flächen
angekauft werden müssen. Diese Festlegungen erfolgen im Zuge der nachfolgend be-
schriebenen Planungsdefinition (Abschnitt 4.4).
Nach Abschluss der Flächendefinitionen (Abbildung 41) kehren Sie über die Schaltfläche
„Zum Hauptmenü der Arbeitsschritt“ zur Ablaufübersicht zurück.
4.4 Schritt 3: Die fünf Planungen skizzieren
Im nächsten Schritt definieren Sie mit Hilfe des Arbeitsschrittes 3 im Hauptmenü
(„Planun-
gen für die Wohnbauflächen definieren“) insgesamt fünf Planungen –
jeweils eine für die
Flächen A, B und D sowie zwei für die Fläche C.
47
Markieren Sie dazu in
der Bildschirmansicht „Planungen für die einzelnen Potenzialflächen“
(Abbildung 42) die Fläche, für die Sie eine Planung eingeben möchten und klicken Sie an-
schließend „Eine neue Planung entwickeln“.
48
47
Vgl. die Aufgabenstellung in Abschnitt 4.1.
48
Für eine detaillierte Anleitung zur Definition von Planungen vgl. Kapitel 8 des ersten Teils der Anlei-
tung
(„Programmbedienung“).

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Abbildung 42
Auftakt zur Definition der Planung für die Potenzialfläche A
Tabelle 2 zeigt die Eintragungen für die fünf Planungen. Die Unterschiede zwischen deren
Werten beruhen auf den folgenden Zusammenhängen und Annahmen:
Für die Flächenbilanz wird auf Basis einer groben Auswertung zurückliegender Pla-
nungen in der Beispielkommune vereinfachend davon ausgegangen, dass 10% der
Bruttofläche für erschlossene Grünflächen verwendet werden. Gemeinbedarfsflächen,
sonstige Flächen und nicht erschlossene Grünflächen werden mangels detaillierter
Planungen für die betrachteten Flächen sowie zur Verbesserung der Vergleichbarkeit
der Flächen nicht angesetzt. Für die Erschließungsfläche wird jeweils die Modellschät-
zung übernommen. Das verbleibende Nettowohnbauland ergibt sich automatisch.
Ebenfalls auf Basis einer Auswertung zurückliegender Bebauungspläne bzw. der bis-
herigen Erfahrungen der Beispielkommune mit der Bebauung von Baulücken wird von
zwei Bebauungsvarianten ausgegangen: Einer lockeren Bebauung mit 17 Wohnungen
(= Wohneinheiten = WE) pro Hektar Nettowohnbauland (i.d.R. Ein- und Zweifamili-
enhäuser) sowie einer etwas dichteren Bebauung mit 35 Wohnungen pro Hektar Net-
towohnbauland (teilweise Reihenhäuser bzw. kleinere Mehrfamilienhäuser). Für die
Flächen A und B wird von der lockeren Ein- und Zweifamilienhausbebauung ausge-
gangen. Aufgrund der Hanglage wird bei der Fläche B die Dichte sogar noch etwas
reduziert (Verschattungseffekte). Für die zur Fläche D zusammengefassten Baulücken
erscheint aufgrund der jeweiligen räumlichen Einbindung im Mittel die etwas dichtere
Bebauungsvariante realistisch. Auf der Fläche C, der ehemals gewerblich genutzte
Brachfläche innerhalb des zusammenhängenden Siedlungskörpers, sind
je nach
städtebaulicher Konzeption
beide Bebauungsvarianten vorstellbar. Entsprechend
wird hier zwischen zwei Varianten unterschieden (Tabelle 2).
Bezüglich der Grünflächenplanung im Detail wird bei den beiden größeren Flächen A
und B davon ausgegangen, dass innerhalb des Plangebiets jeweils ein kleiner Spiel-
platz angelegt wird, zumal hier aufgrund der Randlage andere Spielplätze nicht er-
reichbar sind. Für die Flächen C und D wird dies nicht angenommen, da ein beste-
hender Spielplatz von der Fläche C aus gut erreichbar ist bzw. die Baulücken keinen
entsprechenden Platz bieten.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Fläche A
Fläche B
Fläche C
Fläche D
Einzige
Planung
Einzige
Planung
Erste
Variante
Zweite
Variante
Einzige
Planung
Name der Planung
Grobpla-
nung für
Fläche A
Grobpla-
nung für
Fläche B
Lockere
Bebauung
Dichtere
Bebauung
Grobpla-
nung für
Fläche D
Flächen-
bilanz
Gemeinbedarf
0 ha
0 ha
0 ha
0 ha
0 ha
Erschlossene
Grünfläche
0,48 ha
0,31 ha
0,25 ha
0,25 ha
0 ha
Nicht erschlos-
sene Grünfläche
0 ha
0 ha
0 ha
0 ha
0 ha
Sonst. Flächen
0 ha
0 ha
0 ha
0 ha
0 ha
Erschließungsfl.
Modellschätzung
Nettowohnbaul.
Modellberechnung
Wohneinheiten pro Hektar
Nettowohnbauland
17 WE/ha 16 WE/ha 17 WE/ha 35 WE/ha 35 WE/ha
Grünflä-
chen
(Detail)
Spielplatzfläche
0,2 ha
0,15 ha
0 ha
0 ha
0 ha
Allgemeine
Grünflächen
Modellberechnung (= verbleibende Restfläche)
Zuschläge
keine Zuschläge
Ökologi-
scher
Ausgleich
Ausgleich
notwendig?
Ja
Ja
Nein
Nein
Nein
Kompensations-
faktor
0,6
0,45
-
-
-
Ausgleichsflä-
che
innerhalb
0,15 ha
0,1 ha
-
-
-
Ausgleichsflä-
che
außerhalb
Modellberechnung
-
-
-
Grünflächentyp
außerhalb
„Ausgleichsflächen
außerhalb“
-
-
-
Kom-
munaler
Grund-
erwerb
Erschließung
kostenfrei kostenfrei kostenfrei kostenfrei kostenfrei
Ausgleichsflä-
che
innerhalb
kostenfrei kostenfrei
nicht
relevant
nicht
relevant
nicht
relevant
Ausgleichsflä-
che
außerhalb
Ökokonto
22 €/qm
Ökokonto
22 €/qm
nicht
relevant
nicht
relevant
nicht
relevant
Bedarf an Infrastruktur
Modellschätzungen
Tabelle 2
In der Planungsdefinition eingetragene Eigenschaften der fünf Planungen

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
Seite 55
Für die Planungen auf den Flächen A und B ist voraussichtlich ein ökologischer Aus-
gleich notwendig. In Anlehnung an den Leitfaden des Bayerischen Umweltministeri-
ums
49
werden die in Tabelle 2 genannten Kompensationsfaktoren geschätzt. Auf-
grund der größeren ökologischen Bedeutung der Fläche A gegenüber der Fläche B
wird ein entsprechend höherer Kompensationsfaktor angesetzt. Die Fläche C kann vo-
raussichtlich mit einem Bebauungsplan der Innenentwicklung nach § 13a BauGB ent-
wickelt werden. In diesem Fall ist kein Ausgleich erforderlich. Auf den Baulücken (Flä-
che D) ist dieser voraussichtlich ebenfalls nicht erforderlich.
In der Beispielgemeinde sind bei Flächenentwicklungen Umlegungen üblich. Entspre-
chend wird davon ausgegangen, dass die Kommune die benötigten Flächen für Er-
schließungs- sowie Grün- und Ausgleichsmaßnahmen innerhalb des Gebietes kosten-
frei erhält. Dies gilt jedoch nicht für die benötigten Ausgleichsflächen außerhalb der
jeweiligen Entwicklungsfläche. Aufgrund der Nutzung eines Ökokontos werden für
diese einheitliche Ankaufskosten von 22,- EUR in Ansatz gebracht. Wie bereits bei Be-
rechnungsbeispiel 1 ausgeführt, umfasst dieser Betrag nur den Flächenankauf. Durch
die Zuordnung der Ausgleichsflächen außerhalb zum gleichnamigen Grünflächentyp
(Vorgabewert) werden durch den FolgekostenSchätzer darüber hinaus im Hinter-
grund automatisch Kosten für die erstmalige Herstellung, die jährliche Pflege sowie
die zyklische Erneuerung in Ansatz gebracht (Abbildung 15).
Da zum Zeitpunkt der Vorüberlegungen zum Flächennutzungsplan für keine der Pla-
nungen detaillierte Erschließungsplanungen vorliegen, werden bei allen fünf Planun-
gen die Vorschlagswerte zum voraussichtlichen Infrastrukturaufwand übernommen.
Nach der Eingabe sieht die Übersichtsanzeige aus wie in Abbildung 43 dargestellt.
Abbildung 43
Liste der Planungen nach Abschluss der Eingabe
49
Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen (StMLU) (2003): Eingriffs-
regelung in der Bauleitplanung. Bauen im Einklang mit Natur und Landschaft. Ein Leitfaden (Ergänzte
Fassung). München. Seite 13. Hinweis: Der Leitfaden wird derzeit überarbeitet. Vgl. auch die Detailer-
läuterung in Abschnitt 8.4 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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Seite 56
4.5 Schritt 4: Die Annahmen zur Kostenaufteilung kontrollie-
ren
Mit der Definition der fünf Planungen im vorigen Schritt sind fast alle wesentlichen Eingaben
erfasst. Bevor man mit den Auswertungen der Folgekosten beginnt, ist es jedoch sinnvoll,
noch einmal in Ruhe die Annahmen zu den Kostenaufteilungen zu kontrollieren. Diese er-
reicht
man über die Hauptmenüpunkt 1 („Optional: Eigene Kostenkennwerte festlegen“).
Diese Kontrolle ist auch dann sinnvoll, wenn man keine eigenen Kostenkennwerte eintragen
möchte, weil an dieser Stelle zugleich die Kostenaufteilung zwischen den drei Kostenträgern
„Grundstücksbesitzer“, „Gemeinde“ und „Allgemeinheit der Netznutzer“ festgelegt
wird.
50
Abbildung 44
Kontrolle der Annahmen zur Kostenaufteilung für die technischen Infrastrukturnetze
Für die Beispielrechnung werden aufgrund des frühen Planungsstadiums alle Vorgabewerte
des FolgekostenSchätzers zur Kostenaufteilung übernommen.
Für den Bereich der Erschließungsstraßen (Abbildung 44) umfassen diese Vorgabewerte u.a.
die Erhebung von Beiträgen für die Straßenerschließung nach §127ff BauGB (d.h.
keine Annahme über einen Erschließungskostenvertrag)
die Annahme eines Kostendeckungsgrades des kommunalen Straßenbetriebs in Höhe
von 20% (im Wesentlichen erwirtschaftet aus der Straßenreinigungsgebühr)
keine Anwendung der Möglichkeit zur Beteiligung der Anlieger an der späteren Er-
neuerung der Straßen auf Basis des Kommunalabgabengesetzes (KAG).
Zudem wird für den Bereich der Grünflächen davon ausgegangen, dass diese vollständig auf
Kosten der Gemeinde zu erstellen und zu pflegen sind.
50
Vgl. auch Abschnitt 6.7 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedienung“).

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FolgekostenSchätzer 5.0
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Seite 57
Alle diese Annahmen können Sie als Nutzerin oder Nutzer des FolgekostenSchätzers in Ihren
eigenen Abschätzungen verändern.
51
Die Übernahme der Vorgabewerte dient an diese Stelle
lediglich als Berechnungsbeispiel.
Abbildung 45
Kontrolle der Annahmen zur Kostenaufteilung für die Grünflächentypen
4.6 Schritt 5: Die Folgekostenneigung der vier Potenzialflächen
vergleichen
Für den Anwendungsfall „Flächenvergleich“
52
bietet
das Hauptmenü unter dem Punkt 4 („Die
Folgekosten der Wohnbauflächen schätzen/vergleichen“ die beiden Möglichkeiten „Eine
Flä-
che auswerten“ sowie „Flächen vergleichen“ an.
Mit der ersten Möglichkeit können Sie sich die Detailstruktur jeder einzelnen der fünf defi-
nierten Planungen ansehen und auf diese Weise zusätzlich plausibilisieren. Aufgrund der ein-
leitend beschriebenen Aufgabenstellung, im Zuge der Vorüberlegungen zu einer Neuaufstel-
lung des Flächennutzungsplans die Folgekostenneigung unterschiedlicher Potenzialflächen zu
vergleichen, wird
jedoch die zweite Option („Flächen vergleichen“) gewählt.
Aus dem daraufhin erscheinenden Auswahlmenü werden alle fünf Planungen ausgewählt.
Halten Sie dazu die Shift-Taste (= die Taste zum Erzeugen von Großbuchstaben) gedrückt,
während Sie die Planungen aus der angezeigten Liste auswählen. Dadurch können Sie meh-
rere Planungen (hier: alle) auswählen.
Das Ergebnis der vergleichenden Folgekostenbetrachtung zeigt Abbildung 46. Danach liegen
die Folgekosten auf den beiden Randflächen A und B deutlich höher als auf der Innenbe-
reichsfläche C. Auf dieser wiederum verteilen sich die Kosten im Falle einer etwas dichteren
51
Wie Sie dies tun, erläutert Ihnen Abschnitt 6.7 des ersten Teils der Anleitung
(„Programmbedie-
nung“).
52
Vgl. die entsprechende Auswahl zu Beginn der Beispielrechnung (Abbildung 40).

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FolgekostenSchätzer 5.0
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Bebauung auf deutlich mehr Wohnungen, so dass die Kosten pro Wohnung in dieser Pla-
nungsvariante erheblich geringer ausfallen. Keine Folgekosten in den betrachteten Bereichen
(technische Infrastrukturen sowie Grün- und Ausgleichsflächen) entstehen im Falle der Be-
bauung der Baulücken, die zur Fläche D zusammengefasst wurden.
Abbildung 46
Vergleich der Gesamtkosten pro Wohneinheit
Berücksichtigt man in der Auswertung nur die Kosten, die der Gemeinde entstehen
(Abbildung 47), so kommt man zu einem ähnlichen Ergebnis hinsichtlich der Folgekostennei-
gung. Auch hier erweisen sich die beiden Randflächen A und B als auffällig teuer für den
Kommunalhaushalt.
Abbildung 47
Vergleich des Kostenanteils der Gemeinde pro Wohneinheit

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FolgekostenSchätzer 5.0
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Die in Abbildung 47 darstellte Auswertung können Sie reproduzieren, indem Sie auf die
Schaltfläche „Andere Kostenarten“ klicken. Wählen Sie in dem dann erscheinenden
Dialog-
fenster den Reiter „Kostenträger“ und entfernen Sie alle Häkchen bis auf „Gemeinde“.
Auf eine ganz ähnliche Art und Weise können Sie auch die Kosten der Allgemeinheit der
Netzkunden isolieren. Entfernen Sie dazu alle Häkchen bis auf den Kostenträger
„Allgemein-
heit der Netzkunden“.
Das Ergebnis dieser Auswahl zeigt Ihnen Abbildung 48. Die dort zu sehenden Werte besagen
u.a., dass die Allgemeinheit der Netzkunden pro neu gebauter Wohnung auf der Fläche B
bereits zum Zeitpunkt deren Erschließung (Jahr 0) etwa 6.500 EUR ungedeckte Kosten über
die allgemeinen Wasser-, Abwasser-, Strom- und Gastarife zu tragen hat
unabhängig da-
von, ob Sie in den Neubaugebiet wohnt oder nicht. Durch den laufenden Betriebsaufwand
der vergleichsweise langen Leitungen pro Wohnung steigt dieser Betrag innerhalb von 25
Jahren auf insgesamt 10.000 EUR pro neu gebauter Wohnung auf der Fläche B. Nach 40
Jahren sind es sogar 11.300 EUR pro neu gebauter Wohnung.
Auch für die Allgemeinheit der Netzkunden
sprich: die Gesamtheit der Einwohner
erweist
sich somit die Innenentwicklung auf den Flächen C und D als deutlich weniger folgekosten-
trächtig.
Abbildung 48
Vergleich des Kostenanteils der Allgemeinheit der Netznutzer pro Wohneinheit
Besonders auffällig sind die Kostenvorteile der Baulücken. Hier fallen nahezu keine Folgekos-
ten an. In der Praxis erweist sich die Aktivierung von Baulücken jedoch nicht immer als ein-
fach. Gegenüber einer Ausweisung von Flächen auf der grünen Wiese (Flächen A und B)
haben diese daher häufig einen erheblich planerischen Mehraufwand, den die Kommune in
Form von Personalkosten und externen Unterstützungsleistungen zu spüren bekommt.
Angesichts der erheblichen Kostenvorteile der Innenentwicklungsflächen für den Kommunal-
haushalt (Größenordnung in Abbildung 47: 20.000 EUR pro Wohneinheit) erscheint dieser
planerischer Mehraufwand jedoch in einem deutlich anderen Licht. Letztendlich ist er gut
investiertes Geld, um die sichtbar werdenden Kostenvorteile der Innenentwicklung zu nut-
zen. Abschnitt 6.5 vertieft diesen Gedankengang weiter.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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5
Folgekosten in der planerischen Abwägung
Die Folgekosten von Flächenausweisungen sind ein wichtiges
und bisher häufig vernach-
lässigtes
Thema in der kommunalpolitischen Diskussion um eine sinnvolle strategische Flä-
chenentwicklungspolitik.
Vor allem drei Punkte machen den Aspekt der Folgekosten kommunalpolitisch interessant:
Kommunale Mittel sind knapp.
Folgekostenbetrachtungen können helfen, kommunalpolitische und planerische Ziele
mit geringerem Mittelaufwand zu erreichen. So bleibt mehr Geld für andere wichtige
Aufgaben (oder zum Schuldenabbau) übrig. Folgekostenbetrachtungen lenken den
Blick von den Kosten der erstmaligen Herstellung (die sich oft durch städtebauliche
Verträge auf Private übertragen lassen) hin zu den Folgekosten für Betrieb, Pflege
und Unterhaltung sowie die spätere Erneuerung. Folgekostenbetrachtungen helfen zu
verhindern, dass Kommunen mit ihren Flächenausweisungen immer wieder in die
„Folgekostenfalle“ tappen.
Die Vorteile der Innenentwicklung werden deutlicher.
Im Prinzip sind fast alle
für den auch im Baugesetzbuch verankerten Grundsatz
„In-
nenentwicklung vor Außenentwicklung“. In der praktischen Umsetzung wird dann
aber doch der Flächenausweisung auf der grünen Wiese der Vorzug gegeben, weil sie
schneller realisierbar und kostengünstiger erscheint. Folgekostenbetrachtungen hel-
fen, die großen Kostenvorteile der Innenentwicklung sichtbar zu machen. Diese kön-
nen dann einem möglichen planerischen Mehraufwand gegenübergestellt werden.
53
Viel zusätzliche Infrastruktur heißt viele zusätzliche Kosten für die Gebührenzahler.
Häufig ein Schattendasein bei der Flächenentwicklung fristet die Allgemeinheit der
Netznutzer, zugleich die Allgemeinheit der Tarifkunden. Jedes zusätzliche Meter Rohr
und Leitung, dass in die Erde gelegt wird, muss zum Großteil durch diese Allgemein-
heit der Abwasserpreis-, Strompreis-, Wasserpreis- und Gaspreiszahler finanziert
werden. Gerade bei Flächenausweisungen mit geringer Dichte (Einfamilienhausgebie-
te) kommt viel zusätzliche Leitung und Rohr pro neu angeschlossenem Haushalt in
den Boden. Finanziert werden müssen diese Leitungen und Rohre vor allem von
Netzkunden, die in den dichteren Siedlungsbereichen wohnen. Folgekostenabschät-
zungen machen diesen Zusammenhang sichtbar.
Vor dem Hintergrund der Bedeutung dieser drei Punkte ist es wichtig zu klären, welche Be-
deutung dem Ergebnis einer Folgekostenabschätzung (z.B. aus der Beispielrechnung in Kapi-
tel 3) in der planerischen Abwägung und der kommunalpolitischen Entscheidungsfindung
beigemessen werden sollte.
Die Autoren des FolgekostenSchätzers haben dazu die folgende Position:
Der FolgekostenSchätzer soll helfen, Folgekostenbetrachtungen in der planerischen
Abwägung und der kommunalpolitischen Entscheidungsfindung deutlich mehr Ge-
wicht zu geben als dies bisher der Fall ist.
Zugleich muss aber auch deutlich sein: Folgekosten sind ein Abwägungsaspekt unter
anderen. Die Flächenentwicklung mit den geringsten Folgekosten muss nicht unbe-
dingt die insgesamt Beste sein. Aspekte wie städtebauliche Qualität, soziale Integrati-
53
Vgl. hierzu auch die Ausführungen am Ende des Abschnitts 4.6 sowie in Abschnitt 6.5.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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on, Ökologie, Verkehrsvermeidung, Anpassungsfähigkeit, raumordnerische Leitbilder
oder die öffentliche Akzeptanz müssen ebenso eine wichtige Rolle in der Entschei-
dungsfindung spielen.
54
Die Autoren sehen den FolgekostenSchätzer daher als Werkzeug, fundiertere Aussa-
gen zu einem wichtigen
aber bei weitem nicht dem einzigen
Abwägungsgesichts-
punkt zu erzielen.
54
Der Wegfall der Fußwegeverbindung im Alternativentwurf 2 des Berechnungsbeispiels in Abschnitt
3.7 könnte z.B. unter den Aspekten Verkehrsvermeidung, städtebauliche Qualität und öffentliche Ak-
zeptanz kritisch gesehen werden.

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FolgekostenSchätzer 5.0
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6
Weitergehende Berechnungen
6.1 Erweiterungsmöglichkeiten für Folgekostenbetrachtungen
Der FolgekostenSchätzer beschäftigt sich mit zwei wichtigen Themen im Bereich der Folge-
kosten: den technischen Infrastrukturen und den Grün- und Ausgleichsflächen.
Daneben existieren aber auch noch andere Folgekosten der Siedlungsentwicklung, z.B. im
Bereich der sozialen Infrastruktur. Zudem könnte man auf die Idee kommen, den Folgekos-
ten Einnahmen aus Grundstücksverkäufen oder zusätzlich generierten Steuern gegenüberzu-
stellen.
Ziel dieses Kapitels ist es daher, Wege aufzuzeigen, wie man die Ergebnisse des Folgekos-
tenSchätzers als Ausgangspunkt nutzen kann, um weitere Kosten- (oder Einnahmen-)aspek-
te mit in die jeweilige Betrachtung einzubeziehen.
6.2 Grundprinzip: Excel-Export
Relativ unabhängig von der genauen Zielsetzung der Erweiterung besteht der erste Schritt in
aller Regel darin, die Ergebnisse des FolgekostenSchätzers in eine getrennte Exceldatei zu
exportieren.
Dies geschieht über die Schaltfläche „Darstellung nach MS Excel exportieren“, die in jeder
Auswertungsmöglichkeit des Arbeitsschritts 4 zu finden ist (vgl. z.B. Abbildung 38). Je nach
vorgesehener inhaltlicher Erweiterung kann es sinnvoll sein, eher die Detaildarstellungen für
einzelne Planungen (vgl. z.B. Abbildung 19) oder die Vergleichsdarstellung für mehrere Pla-
nungen bzw. Flächen (vgl. z.B. Abbildung 36) zum Ausgangspunkt zu machen.
Stehen bei den Erweiterungen vor allem die Kosten (oder Einnahmen) der Kommune im Vor-
dergrund, ist es ggf. sinnvoll, vor dem Export die Kosten anderer Kostenträger aus der Be-
trachtung herauszunehmen.
55
Grundlage der Beispiele und Anregungen in den nachfolgenden Abschnitten bildet der Export
der in Abbildung 25 dargestellten Auswertung des
„Basisentwurfs“ des Berechnungsbeispiels
aus Kapitel 3. Die Exportdatei enthält neben dem zuvor im FolgekostenSchätzer angezeigten
Diagramm (Abbildung 49, oben) auch dessen Rohdaten (Abbildung 49, unten).
Zudem bestehen dynamische Beziehungen zwischen dem Diagramm
(Excelblatt
„Kostenab-
schätzung (Abbildung)“)
und dem Tabellenblatt mit den Rohdaten
(„Kostenabschätzung (Ta-
belle)“). Das bedeutet zum einen, dass eine händische Veränderung der Rohdaten automa-
tisch das Diagramm verändert. Es bedeutet zum anderen, dass dem Diagramm über die übli-
chen Excel-Funktionen weitere Datenreihen hinzugefügt werden können (Abbildung 50).
56
Insbesondere diese zweite Möglichkeit machen sich die in den nachfolgenden Abschnitten
beschriebenen Erweiterungen zunutze.
55
Zum Vorgehen vgl. Fußnote 29.
56
In der in Abbildung 50 gezeigten Excel-Version 2010 erfolgt das Hinzufügen z.B. über einen Klick in
das Diagramm mit der rechten Maustaste und der Auswahl der Option
„Daten auswählen …“ aus dem
sich öffnenden Kontextmenü.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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Abbildung 49
Exportdatei (erzeugt aus der in Abbildung 25 gezeigten Auswertung im Folgekosten-
Schätzer)
Abbildung 50
Hinzufügen zusätzlicher Datenreihen über die üblichen Excel-Funktionen (hier: in der
Excel-Version 2010)

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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6.3 Erweiterung I: Weitere technische Infrastrukturen
Eine denkbare Erweiterung könnte z.B. die Berücksichtigung weiterer technischer Infrastruk-
turen sein.
So trifft der FolgekostenSchätzer in seiner aktuellen Fassung z.B. keine Aussage über mög-
licherweise notwendige Maßnahmen in den Bereichen
Lärmschutz,
Schutz gegen Regenwasser von Außengebieten
57
oder
Breitband.
Sofern diese
oder andere
Themen der technischen Infrastruktur von Relevanz für die von
Ihnen betrachteten Entwicklungsflächen oder -projekte sind, so können Sie entsprechende
Kosten in zusätzlichen
Spalten des Excelblatts
„Kostenabschätzung (Tabelle)“
erfassen
(Abbildung 51, unten) und durch zusätzliche Verknüpfungen mit dem Diagramm auch in die-
sem anzeigen lassen (Abbildung 51, oben).
Die Werte dieser zusätzlichen Datenreihen müssen Sie selbst herleiten, z.B. unter Nutzung
anderer Abschätzungsmodelle, vorliegender Fachgutachten oder anhand (ggf. grober) An-
nahmen auf Basis Ihrer Erfahrungen mit zurückliegenden Projekten.
Abbildung 51
Zusätzliche eigene Kostenrubriken der technischen Infrastruktur (angezeigte Werte
sind fiktiv)
57
Vgl. z.B. Informations- und Beratungszentrum Hochwasservorsorge Rheinland-Pfalz und WBW Fort-
bildungsgemeinschaft für Gewässerentwicklung mbH (2012): Starkregen. Was können Kommunen
tun? Mainz. Kaiserslautern. Stuttgart.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
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6.4 Erweiterung II: Soziale Infrastrukturen
Nach dem gleichen Prinzip lassen sich auch Folgekosten berücksichtigen, die nicht dem Be-
reich der technischen Infrastruktur zuzurechnen sind.
Dazu zählen z.B. Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur. Dabei sollten laufende Ausga-
ben (für zusätzliches Personal und Material) und investive Ausgaben (für Neu- und Ausbau-
maßnahmen wegen erschöpfter räumlicher Kapazität der bestehenden Einrichtungen) unter-
schieden werden.
Abbildung 52
Zusätzliche eigene Kostenrubriken der sozialen Infrastruktur (angezeigte Werte sind
fiktiv)
6.5 Erweiterung III: Planerischer Aufwand zur Flächenaktivie-
rung
Der Flächenvergleich im Berechnungsbeispiel 2 (Kapitel 4) hat deutlich gemacht, dass In-
nenentwicklungsflächen (insbesondere Baulücken und kleine Brachflächen, die keine innere
Erschließung benötigen) häufig erheblich weniger Folgekosten erzeugen als die Entwicklung
von Flächen im Außenbereich.
Die Praxis zeigt, dass die Aktivierung der entsprechenden Flächen jedoch mit einem gewis-
sen Aufwand verbunden ist. So sind die betreffenden Grundstücksbesitzer anzusprechen und
können nicht in allen Fällen dazu bewegt werden, ihre Flächen zu entwickeln oder diese an
baubereite Haushalte oder Unternehmen zu veräußern.
Für kommunale Strategieentscheidungen kann es daher interessant sein, den planerischen
Aufwand eines Flächenmanagements (z.B. Brachflächenkataster, Eigentümeransprache, In-
vestorenberatung, ggf. sogar kommunale Förderungen für Bauvorhaben im Innenbereich)
mit in die Betrachtung einzubeziehen. Auch dazu sollte das Ergebnis der Betrachtung aus
dem FolgekostenSchätzer exportiert werden und dann in Excel
wie in Abbildung 51 für die
weiteren technischen Infrastrukturen
um die Kosten des planerischen Aufwands ergänzt
werden. Dieser tritt in aller Regel nur einmalig im Jahr 0 auf. Planerischer Aufwand aus den
Vorjahren sollte aufaddiert und ebenfalls dem Jahr 0 zugeordnet werden.
Häufig zeigt sich dabei, dass sich durch die Einbeziehung der planerischen Mehrkosten für
die Aktivierung von kleinteiligen Innenentwicklungspotenzialen deren Kostenbilanz zwar ver-
schlechtert, in der Summe für die Kommune aber immer noch günstiger ist als die Entwick-
lung von „Grüne
Wiese“-Flächen.

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Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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6.6 Erweiterung IV: Kommunaler Handel mit Grundstücken
Die eigenen Erweiterungen müssen sich nicht auf den Bereich der Ausgaben beschränken.
Denkbar ist auch, den Ausgaben Einnahmen gegenüberzustellen.
Sofern die Gemeinde an den Grundstückstransaktionen beteiligt ist, könnte es z.B. interes-
sant sein, die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde für den An- und Verkauf des Netto-
wohnbaulandes
58
in die Bilanzierung einzubeziehen.
Ein mögliches Vorgehen zeigt Abbildung 54. Beispielhaft werden hier die kommunalen Kos-
ten
59
für den „Alternativentwurf 3“ aus Kapitel
3.7 exportiert. Mit Blick auf die zeitlich sehr
punktuellen Ausgaben und Einnahmen der Gemeinde beim An- und Verkauf des Nettowohn-
baulandes wird dabei vor dem Export eine nicht-kumulierte Darstellung gewählt.
60
In der exportierten Exceldatei werden anschließend die folgenden Veränderungen und Erwei-
terungen vorgenommen (Abbildung 53):
Negatives Vorzeichen für alle Ergebnisse des FolgekostenSchätzers (Ausgaben!)
Erweiterung der X-Achse um sechs Jahre von dem Jahr 0 (= dem Projektstart), um
den Flächenankauf sechs Jahre vor dem Projektstart abzubilden
Hinzufügung von zwei Spalten („Flächenankauf“ und „Flächenverkauf“) mit Eintrag
der entsprechenden Beträge
Ausweitung der Bezüge des Diagramms auf die zusätzlichen Zeilen und Spalten
Die Darstellung in Abbildung 54 macht den Vorteil von Darstellungen mit kumulierten Ausga-
ben (wie z.B. in Abbildung 52) deutlich: Große Einzelbeträge in einzelnen Jahren (wie
Grundstücksan- und -verkäufe in Abbildung 54) lassen kleinere, aber kontinuierlich anfallen-
de Ausgaben im Bereich des Betriebs sowie der Unterhaltung und Pflege der Infrastrukturen
und Grünflächen optisch fast verschwinden. Über zwei bis drei Jahrzehnte kumuliert ergeben
sich aber auch aus diesen Kostenpositionen relevante Größenordnungen.
Abbildung 53
Vorgenommene Erweiterungen im Tabellenblatt
„Kostenabschätzung (Tabelle)“
58
Die Ankaufskosten für die Erschließungs-, Grün- und Ausgleichsflächen sind in den Ergebnissen des
FolgekostenSchätzers bereits enthalten.
59
Vgl. Fußnote 29.
60
Schaltfläche „Andere Darstellung“, Reiter „Kumulation“, Auswahl „Anzeige ohne Kumulation“,
da-
nach „Zurück zur Auswertung“ anklicken.

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FolgekostenSchätzer 5.0
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Stand: 31.10.2014
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Abbildung 54
Export des „Alternativentwurfes 3“ (aus Kapitel
3.7), Einstellungen: nur Kosten der
Gemeinde, keine Kumulierung (oben) sowie Erweiterung zur Berücksichtigung kom-
munaler Einnahmen und Ausgaben aus dem An- und Verkauf der Grundstücke (Net-
towohnbauland) (unten)

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Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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6.7 Erweiterung V: Fiskalische Gesamtwirkung
Im Prinzip lassen sich die genannten Erweiterungen fortsetzen, bis am Ende eine vollständi-
ge fiskalische Wirkungsanalyse steht.
Solche Wirkungsanalysen bilanzieren alle haushaltsrelevanten Effekte von Projekten der
Siedlungsentwicklung zu einer fiskalischen Gesamtwirkung. Darin enthalten sind auch alle
steuerlichen Effekte (z.B. Mehreinnahmen aus der Einkommens- oder Gewerbesteuer) sowie
die Auswirkungen auf die sekundären Mechanismen des kommunalen Finanzsystems. Zu
letzteren zählen u.a. eine projektbedingte Veränderung der Einnahmen aus den Schlüsselzu-
weisungen des kommunalen Finanzausgleichs sowie veränderte Ausgaben für Umlagen, z.B.
an den Kreis, den Schulverband, Zweckverbände sowie
je nach Bundesland
ggf. auch die
Verwaltungsgemeinschaft, das Amt, die Verbands- oder Samtgemeinde.
Beispielhaft zeigt Abbildung 55 das Ergebnis einer solchen fiskalischen Analyse.
Abbildung 55
Beispiel für eine fiskalische Wirkungsanalyse (erarbeitet mit Hilfe des Abschätzungs-
modells FIA)
Fiskalische Gesamtanalysen sind sehr komplex. Entsprechend kann es sinnvoll sein, hierbei
auf vorhandene Modelle bei Planungsbüros zurückzugreifen.
61
61
Die in Abbildung 55 dargestellte fiskalische Wirkungsanalyse wurde beispielsweise mit Hilfe des
Abschätzungsmodells FIA des Büros Gertz
Gutsche Rümenapp im Rahmen der Studie
„Siedlungsent-
wicklung und Mobilität“, u.a. für die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des
In-
nern, für Bau und Verkehr erarbeitet. Den entsprechenden Bericht sowie weitere Hinweise finden Sie
hier:
http://www.stmi.bayern.de/buw/staedtebau/planungszuschuesse/forschung/index.php
.
Detail-
lierte Informationen zum genutzten Modell FIA (Fiscal Impact Analysis finden Sie außerdem an dieser
Stelle:
http://www.was-kostet-mein-baugebiet.de/werkzeuge/fiskalische-gesamtbilanz.html
.

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FolgekostenSchätzer 5.0
Anleitung (Teil E: Beispielrechnungen)
Stand: 31.10.2014
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6.8 Konsistenz von FolgekostenSchätzer-Ergebnis und eigenen
Erweiterungen
Bei allen eigenständigen Erweiterungen der Ergebnisse des FolgekostenSchätzers ist es wich-
tig, auf eine finanzmathematische Konsistenz der exportierten FolgekostenSchätzer-Ergeb-
nisse und der eigenen Ergänzungen zu achten.
Im Kern geht es dabei um eine sachgemäße Nutzung der Schaltflächen (Abbildung 56)
„Andere Darstellung“
„Andere Kostenarten“ und
„Andere
Differenzierung“.
Abbildung 56
Relevante Einstellungsmöglichkeiten vor dem Export zur Sicherstellung der Konsistenz
der FolgekostenSchätzer-Ergebnisse mit den eigenen Erweiterungen
So sollten Sie bei einer eigenständigen Erweiterung der FolgekostenSchätzer-Ergebnisse auf
die folgenden Punkte achten:
(1) Kumulation:
Über die Schaltfläche „Andere Darstellung“ können Sie vor dem Export
auswählen, ob die Kosten nur dem Jahr zugerechnet werden sollen, in dem Sie anfal-
len (Auswahl „Anzeige ohne
Kumulation“), oder ob jedem Jahr die Summe aller Aus-
gaben zugerechnet werden soll, die bis zu diesem Jahr anfallen (Auswahl „Anzeige
mit Kumulation“).
An die Darstellung, die Sie vor dem Export für die Ergebnisse des
FolgekostenSchätzers auswählen, müssen Sie sich dann auch an Ihre eigenen Ergän-
zungen halten. Wenn Sie z.B. die Option „Anzeige mit Kumulation“ gewählt haben,
müssen Sie auch Ihre Ergänzungen für alle Vorgängerjahre des jeweiligen Betrach-
tungsjahrs aufaddieren, bevor Sie sie gemeinsam mit den Ergebnissen des Folgekos-
tenSchätzers anzeigen und auswerten.
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(2) Preissteigerungen und Diskontierung: Der FolgekostenSchätzer berücksichtigt keine
Preissteigerungen, d.h. alle Kostenangaben sind in Preisen des Ausgangsjahres („Jahr
0“ in den Darstellungen) zu verstehen. Dazu
passend wird für die Diskontierung zu-
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Ein Beispiel hierfür zeigt die Abbildung 52. In der dortigen Ergänzung kumulieren die laufenden
Ausgaben für die Kindertagesstätten über den Betrachtungszeitraum. Auch die investiven Ausgaben
sind kumuliert dargestellt. Allerdings werden hier nur im Jahr 0 Ausgaben (für den Ausbau der Kita)
getätigt, so dass sich der kumulierte Betrag in den Folgejahren nicht mehr erhöht.

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künftiger Ausgaben (sofern über die Option „Andere Darstellung“
„Diskontierung“
ausgewählt) nur der Realzinssatz
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angewendet. Für Ihre eigenständigen Ergänzun-
gen müssen Sie somit darauf achten, dass
für alle von Ihnen ergänzten Einnahmen und Ausgaben ebenfalls keine Preis-
steigerung unterstellt wird
im Falle einer Auswahl der Option „Anzeige mit Diskontierung“ vor dem Export
der FolgekostenSchätzer auch Ihre ergänzten Einnahmen und Ausgaben in
den Jahren nach dem Startjahr mit dem gleichen Realzinssatz diskontiert wer-
den.
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(3) Bezugsgröße:
Über den Reiter „Bezugsgröße“ (Schaltfläche „Andere Darstellung“)
können Sie vor dem Export der FolgekostenSchätzer-Ergebnisse festlegen, ob sich die
Auswertungsergebnisse auf die Gesamtkosten der Planung oder auf die Kosten pro
Wohneinheit beziehen sollen. Für eine konsistente Erweiterung der FolgekostenSchät-
zer-Ergebnisse müssen sich auch Ihre eigenen Abschätzungen auf die gleiche Be-
zugsgröße beziehen.
(4) Kostenarten:
Über die Schaltfläche „Andere Kostenarten“ können Sie die Auswertung
auf einzelne bzw. ausgewählte Kostenpositionen
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, Kostenträger und Kostenphasen
eingrenzen. Die gleiche Eingrenzung (bzw. Nicht-Eingrenzung!) muss dann auch für
Ihre Ergänzungen gelten. Wenn Sie z.B. nur die Einnahmen und Ausgaben Ihrer
Kommune betrachten wollen, sollten Sie vor dem Ergebnisexport aus dem Folgekos-
tenSchätzer die Kostenträger „Grundstücksbesitzer“ und „Allgemeinheit der
Netzkun-
den“ aus der Auswahl
herausnehmen.
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Andernfalls addieren Sie später ggf. Werte
aus Ihren eigenen Erweiterungen, die sich nur auf den Kostenträger „Gemeinde“
be-
ziehen mit Ergebniswerten aus dem FolgekostenSchätzer, die auch die Ausgaben der
Grundstücksbesitzer sowie der Allgemeinheit der Netznutzer beinhalten.
(5) Differenzierung: Von
den mit der Schaltfläche „Andere Differenzierung“
erreichbaren
Auswertungsmöglichkeiten eignen sich für einen Export zum Zweck der eigenen Er-
gänzung i.d.R. die beiden Auswahlmöglichkeiten
„Nicht
thematisch differenzieren“
und
„Nach
Kostenposition“ am
besten. Differenzierungen, die die Kostenträger bzw.
die Kostenphase betreffen, sollten ggf. eher über eine entsprechende Auswahl der
Kostenträger bzw. Kostenphasen über die Schaltfläche „Andere Kostenarten“ erzielt
werden (vgl. den vorstehenden Punkt dieser Aufzählung).
(6) Wenn Sie die Ergebnisse für mehrere Planungen (bzw. Flächen mit Planungen) expor-
tieren und durch eigene Ergänzungen erweitern wollen, können Sie
je nach Struk-
tur Ihrer geplanten Erweiterungen
entweder einen Planungs- bzw. Flächenver-
gleich
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exportieren oder Sie exportieren mehrfach hintereinander Detailauswertun-
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Der Realzinssatz entspricht dem (üblicherweise genannten) Nominalzinssatz minus der Inflationsra-
te. Er kann über die Schaltfläche „Zinssatz festlegen“ (Option „Andere Darstellung“, Reiter
„Diskontie-
rung“) verändert werden.
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Für weitere Hinweise hierzu vgl. den Abschnitt „Diskontierung“ im Kapitel 9.3 des ersten Teils der
Anleitung („Programmbedienung“).
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Kostenpositionen sind die einzelnen technischen Infrastrukturnetze
(Straße, Kanal, …) sowie die
Grün- und Ausgleichsflächen.
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Reiter „Kostenträger“, vgl. auch den Abschnitt 9.4 im ersten Teil der Anleitung
(„Programmbedie-
nung“).
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Schaltfläche „Planungen vergleichen“ bzw. „Flächen vergleichen“ im Arbeitsschritt 4 des
Hauptme-
nüs.

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gen für einzelne Planungen
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, die Sie anschließend in einer gemeinsamen Excel-Datei
zusammenführen. Letzteres ermöglicht Ihnen den Export von mehr Detaildaten, da
bei einem Planungs- bzw. Flächenvergleich nur die Gesamtkosten exportiert werden
können. Diese Gesamtkosten können Sie natürlich auch bei einem Planungs- bzw.
Flächenvergleich über
die Schaltfläche „Andere Kostenarten“
so einschränken, dass
Sie Ihren Anforderungen entsprechen (z.B. nur Kosten der Gemeinde).
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Schaltfläche „Eine Planung auswerten“ bzw. „Eine Fläche auswerten“ im Arbeitsschritt 4 des
Haupt-
menüs.