Staatsbetrieb Sachsenforst I Forstbezirk Plauen I Europaratstraße 11 | 08523 Plauen
www.sachsenforst.de/fob-plauen
I Tel.: 03741/104800 I Mail: Poststelle.sbs-plauen@smul.sachsen.de
Merkblatt des Staatsbetriebs Sachsenforst, Forstbezirk Plauen für private
Waldbesitzer zur Aufarbeitung von Schäden im Wald durch Borkenkäfer
(Stand: 16.05.2019)
1. Waldschutzsituation allgemein
Die Sturmereignisse im Winter 2017/2018 und die darauffolgende Trockenheit 2018 haben
unsere Wälder einem enormen Stress ausgesetzt. Diese Kombination von Wärme, Trocken-
heit und Vorhandensein von Sturmholz hat es in den vergangenen 50 Jahren nicht gegeben.
In der Folge verzeichnete Sachsen die größte Borkenkäferkalamität in der Geschichte der
sächsischen Forstwirtschaft. Die Situation wird auch 2019 angespannt bleiben, da die über-
winternden Ausgangspopulationen extrem hoch sind.
Die wichtigsten Borkenkäfer an Fichte sind der Buchdrucker und Kupferstecher.
2. Biologie
Die Borkenkäfer schwärmen bereits ab einer Temperatur von etwa 16°C. Innerhalb der fol-
genden 1 bis 2 Wochen werden Fichten besiedelt und pro Weibchen etwa 60°Eier abgelegt.
Bei günstiger Witterung fliegen die Altkäfer einige Zeit danach erneut aus um Geschwister-
bruten anzulegen.
Die Entwicklung von der Eiablage bis zum fertigen Käfer dauert in warmen Jahren 5 bis 6
Wochen. Unter diesen Bedingungen kann sich der Buchdrucker mit bis zu 3 Generationen
vermehren.
Aus einem Buchdruckerpaar können innerhalb eines Jahres bis zu 100.000 Käfer entstehen.
Das heißt: aus einer nicht aufgearbeiteten Käferfichte entstehen in der zweiten Generation
bis zu 20, in der dann folgenden Generation bis zu 400°Käferbäume!
3. Wie erkennt man einen Befall?
Charakteristische Zeichen für einen Borkenkäferbefall sind:
Bohrmehl an Rindenschuppen und am Stammfuß, gut sichtbar z.B. in Spinnenweben
herabfallende Rindenstücke die durch Spechthiebe verursacht werden
große Mengen fahlgrüner Nadeln am Boden
später Braunfärbung der Kronen
Die regelmäßige Kontrolle der Fichtenbestände ist für das rechtzeitige Erkennen des Bor-
kenkäferbefalls und für erfolgversprechende Gegenmaßnahmen von entscheidender Bedeu-
tung.
Der Umgebung früherer Käfernester und sonnenseitiger Waldränder ist dabei besondere
Aufmerksamkeit zu schenken.
Für die Kontrollen ab Frühjahr/Frühsommer heißt das: die Stämme der Altfichten sind
auf Bohrmehl, Einbohrlöcher und Harztropfen zu überprüfen. Dies muss ab Mitte April
bis September einmal wöchentlich erfolgen!

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4. Was sind Ihre Pflichten als Waldbesitzer?
Gemäß § 18 des Sächsischen Waldgesetzes (SächsWaldG) sind Waldbesitzer zur pflegli-
chen Bewirtschaftung des Waldes verpflichtet. Dazu gehören auch die Vorbeugung gegen-
über Forstschädlingen sowie die rechtzeitige und ausreichende Bekämpfung von Forst-
schädlingen. Die Pflicht zur Kontrolle des eigenen Waldes sowie zur Bekämpfung von Scha-
dinsekten ergibt sich aus der Pflanzenschutzverordnung (§ 4 SächsPflSchVO).
Die Erfüllung dieser Pflichten wird von den unteren Forstbehörden der Landkreise und Kreis-
freien Städte überwacht.
Borkenkäfer kennen keine Eigentumsgrenzen. Es sollte deshalb Kontakt zum Nachbarwald-
besitzer aufgenommen werden, um gegebenenfalls die Schäden gemeinsam aufzuarbeiten.
5. Was ist bei Borkenkäferbefall zu tun?
Die wirksamste Vorbeugung ist die Vermeidung fängischen Materials und ständige Kontrolle.
Im Winter angefallenes Sturm- und Schneebruchholz ist zügig aufzuarbeiten. Das betrifft
auch Einzelbrüche- oder Würfe! Eingeschlagenes Holz sollte zügig abgefahren werden. Ist
eine rasche Abfuhr nicht möglich, sollte das Holz entrindet oder außerhalb des Waldes (Ab-
stand mindestens 500 m) zwischengelagert werden. Die Behandlung befallener Hölzer mit
Pflanzenschutzmitteln, z.B. als Vor-Ausflug-Spritzung, ist nur als letztes Mittel gedacht und
an pflanzenschutzrechtliche Vorgaben gebunden.
Schwerpunkt der Kontrolle sind vorgeschädigte Fichtenbestände besonnte Randbereiche,
angerissen Fichtenalthölzer und Gebiete mit vorjährigen Käferbefall.
Zur Überwachung eignen sich ferner Fallensterne und Fangbäume. Ihre Anwendung ist je-
doch nicht zwingend erforderlich und meist nur in speziellen Fällen sinnvoll. Bei den Fallen
ist auf die richtige Platzierung zu achten um keinen Stehendbefall zu induzieren. Wichtig ist
zudem eine wöchentliche Kontrolle und Leerung der Falle. Die Fallen werden zu Beginn der
Schwarmzeit ab Anfang April aufgestellt.
Fangbäume werden im ausgehenden Winter gefällt und mit Reisig abgedeckt. Besonders
eignen sich Würfe- und Brüche aus dem Winter, die damit noch eine positive Funktion erhal-
ten können. Bevor die Käferbrut das Jungkäferstadium erreicht, sind die Bäume zu entrinden
bzw. aus dem Wald abzufahren. Anderenfalls werden die Fangbäume zu „Käferbrutstätten“.
Falls noch keine eigenen Erfahrungen zum Einsatz von Fallen und Fangbäumen vorliegen,
ist eine fachkundige Beratung zu empfehlen.
6. Organisation der Aufarbeitung
Wenn große Mengen in kurzer Zeit bearbeitet werden müssen, empfiehlt sich, Kontakt mit
benachbarten Waldbesitzern oder einer Forstbetriebsgemeinschaft aufzunehmen, um die
Aufarbeitung (und den Holzverkauf) gemeinsam zu organisieren. Die Revierförster nennen
auf Wunsch Firmen in der Region.
Sofern Sie das Schadholz selbst aufarbeiten, beachten Sie folgende Voraussetzungen für
eine unfallfreie Waldarbeit:
die persönliche Schutzausrüstung
technisch einwandfreie und mit den vorgeschriebenen Schutzeinrichtungen versehene
Werkzeugen und Geräten
das richtige Verhalten entsprechend den Regeln der Sozialversicherung für Landwirt-
schaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) und der Unfallverhütungsvorschrift Forsten
(VSG 4.3. in der Fassung vom 01.01.2017)
vor Beginn der Arbeiten eine Rettungskette organisieren! Im Wald niemals allein arbei-
ten!

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7. Verwertung des Holzes
Grundsätzlich gibt es folgende Vermarktungs- bzw. Verwertungsmöglichkeiten:
über die mit Aufarbeitung beauftragte Forstfirma. Viele forstliche Dienstleister haben Ver-
träge mit Holzabnehmern und können das anfallende Holz zu guten Konditionen verkau-
fen
über die Forstbetriebsgemeinschaft. Mitglieder werden das Holz in der Regel durch diese
vermarkten lassen
Sie verkaufen das Holz selbst
Sie nutzen das Holz selbst, z.B. als Brennholz
Gegenwärtig ist eine Vermarktung äußerst schwierig. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass
das Holz zu Beginn der nächsten Schwarmzeit noch im Wald lagert.
Entscheidend wird deshalb sein, ein Ausschwärmen der Käfer aus dem bereits aufgearbeite-
ten Käferholz zu verhindern. Das kann geschehen durch:
Entrindung
Abtransport (Umlagerung) aus dem Wald
oder, als letztes Mittel, Behandlung mit Pflanzenschutzmittel (siehe dazu Punkt 5)
8. Forstförderung
Waldumbau einschließlich Bodenvorarbeiten und Vorwuchsbeseitigung wird innerhalb der
Förderrichtlinie Wald und Forstwirtschaft (RL WuF 2014) gefördert. Mit der aktualisierten
Richtlinie werden zusätzlich Waldschutzmaßnahmen gefördert.
Waldschutzmaßnahmen, für die eine Förderung beantragt werden soll, sind spätestens sie-
ben Tage nach Beginn und auf jeden Fall vor Abschluss der Maßnahme, formlos beim örtli-
chen Forstbezirk (Revierleiter) anzuzeigen, unter Angabe von Zeitraum, beabsichtigter Maß-
nahme und geschätzter Holzmenge (am besten per Email).
Zur Beratung über Fördermöglichkeiten stehen Ihnen Ihre Sachsenforst-Revierförster sowie
der
Sachbearbeiter
Forstförderung
des
Forstbezirks
Plauen,
Herr
Jörg
Müller,
Tel. 03741 / 104800, zur Verfügung.
Informationen zur Forstförderung finden Sie auch unter
www.sachsenforst.de
Waldbe-
sitzerportal
. Dort finden Sie auch ein Merkblatt zu förderfähigen Waldschutzmaßnahmen.
9. Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen
Bitte prüfen Sie, ob eine Holzlagerung auf landwirtschaftlicher Fläche vermeidbar ist.
Wenn eine Inanspruchnahme notwendig ist, muss diese in jedem Fall vorher mit dem
Bewirtschafter abgestimmt werden, ggf. zusätzlich mit dem Flächeneigentümer. Der Be-
wirtschafter weiß, welche Agrarförderung für diese Fläche beantragt ist. Die Antragsteller
von Agrarförderung müssen garantieren, dass die Flächen beihilfefähig bleiben.
Eine grundsätzliche Eignung zur Lagerung und deren Dauer hängt u.a. von der Nut-
zungsart und dem Schutzstatus ab.
Informationen geben die Ansprechpartner des Sächsischen Landesamtes für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie (LfULG).
o
LfULG Außenstelle Zwickau:
Telefon: 0375 / 5665 0
o
LfULG Außenstelle Plauen:
Telefon: 03741 / 1031 01

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10. Verbrennen von Schlagabraum
Das Verbrennen von Schlagabraum, der mit Schadorganismen wie z.B. Borkenkäfern befal-
len ist, entspricht als nichtchemische Bekämpfungsmaßnahme der guten fachlichen Praxis
im Pflanzenschutz nach § 3 Abs. 1 Pflanzenschutzgesetz (PflSchG).
Wenn die Menge fängischen Materiales so groß ist, dass eine Verrottung nicht möglich und
das Verbringen aus dem Wald unzumutbar ist, darf es zur Verhinderung eines weiteren Kä-
ferbefalles verbrannt werden.
Die untere Forstbehörde ist zu kontaktieren, sie bestätigt den Befall und die Notwendigkeit
des Verbrennens.
Die Waldbrandvorsorge (u.a. die Waldbrandwarnstufe) ist zu beachten.
11. Kontakt und weitere Informationen
Informationen zum aktuellen Borkenkäfergeschehen gibt es unter
www.sachsenforst.de
Rubrik „Waldschutzinformationen“. Ihr zuständiger Revierförster von Sachsenforst berät Sie
kostenlos zu Fragen der Waldbewirtschaftung:
Forstrevier Wildenfels
Herr Buchta
0174 / 3379606
Forstrevier Werdau
Herr Preußner
0174 / 3379607
Forstrevier Reichenbach
Herr Gorski
0174 / 3379608
Forstrevier Rodewisch
Herr Schlosser
0174 / 3379609
Forstrevier Bergen
Herr Scharschmidt
0174 / 3379610
Forstrevier Oelsnitz
Herr Liebetrau
0174 / 3379611
Forstrevier Mehltheuer
i. V. Herr Müller
0174 / 3379612
Wenn Sie nicht wissen, wer Ihr zuständiger Förster ist, hilft die Förstersuche.
www.sachsenforst.de
„Förstersuche“
Zuständig für die Forstaufsicht sind die unteren Forstbehörden der Landkreise und Kreis-
freien Städte:
Landratsamt Vogtlandkreis, Sachgebiet Forstbehörde, Postplatz 5, 08523 Plauen
Tel: 03741 / 300 1970
Landkreis Zwickau, Sachgebiet Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Zum Sternplatz 7,
08412 Werdau, Tel: 0375 / 4402 26340
Die Kontaktdaten der 3
Forstbetriebsgemeinschaften
in der Region finden Sie unter
www.sachsenforst.de/fob-plauen
forstliche Zusammenschlüsse im Vogtland.
Umfangreiche Informationen zu Borkenkäfern einschließlich Überwachung und Bekämpfung
sind im Internet unter
www.waldwissen.net
sowie unter
www.sachsenforst.de
zu finden.
Hinweise zur aktuellen Borkenkäfersituation finden Sie unter
http://www.wald.sachsen.de/aktuelle-situation-2019-8563.html