image
Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
der Sächsischen Staatsregierung
Berichtszeitraum: 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2007
Forstbericht

3
Inhalt
1
Vorwort
6
2
Der Wald in Sachsen
9
2.1
Entwicklung der Waldfläche
9
2.1.1
Aktuelle Waldfläche und Waldverteilung
9
2.1.2
Waldflächenbilanz
10
2.1.3
Waldmehrung
12
2.2
Eigentum am Wald
13
2.3
Baumarten, Altersstruktur, Vorrat und Zuwachs
15
2.3.1
Baumarten
15
2.3.2
Altersstruktur
17
2.3.3
Holzvorrat und Zuwachs
17
3
Sicherung der nachhaltigkeit
von Wald und Forstwirtschaft
21
3.1
Gesetzliche Grundlagen der Waldbewirtschaftung
21
3.1.1
Sicherung einer gesetzeskonformen Wirtschaftsführung im Privatwald
21
3.1.2
Vorbildliche Bewirtschaftung des Staats- und Körperschaftswaldes
22
3.2
Waldfunktionen-, Waldbiotop- und Standortskartierung
22
3.2.1
Waldfunktionenkartierung
22
3.2.2
Waldbiotopkartierung
24
3.2.3
Standortskartierung
25
3.3
Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft
26
4
Stand und Entwicklung der Forstwirtschaft
29
4.1
Holzmarktlage
29
4.2
Struktur des Privat- und Körperschaftswaldes
31
4.3
Wettbewerbsfähigkeit der Forstwirtschaft
31
5
Förderung des privaten und
körperschaftlichen Waldbesitzes
37
5.1
Beratung und Betreuung des Privatwaldes
37
5.1.1
Beratung
37
5.1.2
Betreuung
38
5.2
Betriebsleitung und Revierdienst im Körperschaftswald
39
5.2.1
Betriebsleitung
39
5.2.2
Forsteinrichtung für den Körperschaftswald
39
5.2.3
Revierdienst
40
5.3
Fachliche Aus- und Fortbildung der Waldbesitzer
40
5.4
Finanzielle Förderung des Privat- und Körperschaftswaldes
40
5.4.1
Entwicklung der forstlichen Förderung
43
5.4.2
Förderung des Waldumbaus
45
5.4.3
Förderung der Waldpflege
45
5.4.4
Förderung der Waldkalkung
45
5.4.5
Förderung des Wegebaus
45

4
5.4.6
Förderung sonstiger forstlicher Maßnahmen
47
5.4.7
Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse
47
5.4.8
Förderung der Erstaufforstung ehemals landwirtschaftlicher Flächen
47
6
Entwicklung der Wälder mit besonderem Status
51
6.1
Kraft Gesetzes geschützte Wälder
51
6.1.1
Schutzwald gemäß § 29 Abs. 1 SächsWaldG
52
6.1.2
Besonders geschützte Biotope gemäß § 26 SächsNatSchG
53
6.1.3
Kulturdenkmale gemäß § 2 SächsDSchG
53
6.2
Durch Rechtsverordnungen und Satzungen geschützte Wälder
54
6.2.1
Schutzgebiete gemäß SächsNatSchG
55
6.2.2
Schutzgebiete gemäß Wasserrecht
56
6.3
Wälder in der ausgewiesenen Immissionsschadzone
58
7
Besondere Schadereignisse
61
7.1
Waldzustand
61
7.2
Beseitigung der Schäden des Hochwassers 2002
62
7.2.1
Situation im Landeswald
62
7.2.2
Unterstützung im Privat- und Körperschaftswald
63
7.3
Trockenjahr 2003 und dessen Folgen
63
7.4
Nonnenkalamität in den Jahren 2003 und 2004
66
7.5
Sturmschäden durch „Kyrill“ und „Lancelot“ 2007
68
8
Wild und Jagd
73
8.1
Abschussentwicklung
74
8.2
Ergebnisse Verbiss- und Schälschadenserhebung
74
8.2.1
Verbisserhebung
77
8.2.2
Schälschadenserhebung
78
9
Staatliche Forstverwaltung
81
9.1
Organisation
81
9.1.1
Grundlagen der Organisation
81
9.1.2
Landesforstpräsidium (2003 bis 2005)
81
9.1.3
Staatsbetrieb Sachsenforst (ab 2006)
81
9.2
Aufgaben
83
9.2.1
Bewirtschaftung der landeseigenen Waldflächen
84
9.2.1.1
Grundsätze der Waldbewirtschaftung
84
9.2.1.2
Waldbau
84
9.2.1.3
Holznutzung
86
9.2.1.4
Forsteinrichtung im Landeswald
90
9.2.1.5
Einsatz landeseigener Forstmaschinen
90
9.2.1.6
Einsatz forstlicher Unternehmen
91
9.2.1.7
Verwaltungsjagd
91
9.2.1.8
Verwaltung des Staatswaldvermögens
93

5
Inhalt
9.2.2
Leistungen für private, kirchliche und körperschaftliche Waldeigentümer
94
9.2.3
Kompetenz- und Dienstleistungszentrum
für Naturschutz und Erholung im Wald
94
9.2.3.1
Naturschutz im Wald
94
9.2.3.2
Gewährleistung und Entwicklung der Erholungsfunktion
97
9.2.4
Forstliche Öffentlichkeitsarbeit und Waldpädagogik
98
9.2.4.1
Forstliche Öffentlichkeitsarbeit
98
9.2.4.2
Waldpädagogik
100
9.2.5
Forschungsaufgaben
103
9.2.5.1
Waldmonitoring
103
9.2.5.2
Generhaltung
104
9.2.5.3
Sonstige Forschungsaufgaben
104
9.2.6
Forst- und Jagdbehörde
104
9.2.6.1
Forstbehörde
104
9.2.6.2
Jagdbehörde
107
9.3
Personalentwicklung, Aus- und Fortbildung
108
9.4
Wirtschaftsergebnis
111
10
aktuelle herausforderungen
119
10.1
Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel
119
10.2
Rohholzmobilisierung
122
10.3
Cluster „Forst & Holz“
123
anhang
A 1
Wirtschaftsergebnisse nach Produktbereichen
(für 2007 vorläufiger Jahresabschluss)
126
A 2
Wirtschaftsergebnis für ausgewählte Produktgruppen
und Produkte (für 2007 vorläufiger Jahresabschluss)
128
A 3
Beispiele für Veröffentlichungen der Landesforstverwaltung
im Berichtszeitraum
130
A 4
Forschungsprojekte der Landesforstverwaltung im Berichtszeitraum
131
Glossar
138
abkürzungsverzeichnis
144
Impressum
147

image
6

image
image
7
DEr WalD In SachSEn
VorWort
1
Vorwort
Der nunmehr dritte Forstbericht der Sächsi-
schen Staatsregierung gibt einen umfassen-
den Überblick über Wald und Forstwirtschaft
in Sachsen. Wälder prägen mehr als ein
Viertel der Fläche im Freistaat Sachsen. Sie
bestimmen das Bild vieler sächsischer Land-
schaften, geben Menschen Arbeit und Ein-
kommen, produzieren den nachwachsenden
Rohstoff Holz, schützen vor Hochwasser und
Bodenerosion, spenden Trinkwasser, bieten
für unsere Bürgerinnen und Bürger einen Ort,
um Ruhe und Erholung zu finden, sind uner-
setzliche Lebensräume für zahlreiche Tiere
und Pflanzen und tragen wesentlich zum Er-
halt der biologischen Vielfalt bei.
Der vorliegende Bericht umfasst den Zeitraum
von 2003 bis 2007. Dabei konnte auch auf die
Ergebnisse der Bundeswaldinventur zurück-
gegriffen werden, die erstmalig im Freistaat
Sachsen eigentumsübergreifend durchge-
führt wurde.
Im Berichtszeitraum hat die Waldfläche trotz
Realisierung wichtiger Infrastrukturmaßnah-
men und Wirtschaftsansiedlungen nicht abge-
nommen, sondern ist kontinuierlich gestiegen.
Neben Ersatzaufforstungen für notwendige
Waldumwandlungen haben dazu wesentlich
die Rekultivierung ehemaliger Bergbauflächen
und die Erstaufforstung beigetragen. Damit
konnten die zentralen Ziele der sächsischen
Forstpolitik, Walderhaltung und Waldmehrung,
wie sie auch im Waldgesetz für den Freistaat
Sachsen definiert sind, erreicht werden.
Weitere bestimmende Themen im Berichtszeit-
raum waren die Neuausrichtung der Förderung
des Privat- und Körperschaftswaldes bis 2013,
die NATURA 2000-Richtlinien im Wald, beson-
dere Schadereignisse wie der Orkan „Kyrill“ im
Januar 2007 sowie die Organisationsänderun-
gen in der staatlichen Forstverwaltung.
Als die Sächsische Staatsregierung Anfang der
90er Jahre ihre forstpolitischen Ziele definiert
hat, war die Pluralität des Waldeigentums eine
der wesentlichen Säulen. Entstanden aus den
Bedürfnissen und Erfahrungen der vorherge-
henden Jahrzehnte zeigt der vorliegende Forst-
bericht, dass das konsequente Festhalten an
diesem Ziel wesentlich zur heutigen Stärke der
Forstwirtschaft beigetragen hat.
Als neue forstpolitische Herausforderungen
haben sich im Berichtszeitraum der Beitrag
des Waldes zum Klimaschutz, die Rohholz-
mobilisierung sowie die bessere Vernetzung
der Akteure im Cluster „Forst und Holz“ her-
auskristallisiert. Zunehmende Anstrengungen
erfordern auch die neuen Belastungen der
Wälder aus dem Klimawandel.
Der Grundstein zur Bewältigung dieser gro-
ßen Herausforderungen wurde gelegt. Nun
ist das Engagement aller Beteiligten gefor-
dert, an diesen Aufgaben weiterzuarbeiten,
um Wald und Forstwirtschaft als wichtige
Säule des ländlichen Raumes zu stärken.
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister
für Umwelt und Landwirtschaft

image
8

image
9
DEr WalD In SachSEn
1
Waldflächeninventur des Staatsbetriebes Sachsenforst nach digitaler Luftbildauswertung
2
Der Wald in Sachsen
2.1
Entwicklung der Waldfläche
2.1.1 aktuelle Waldfläche und
Waldverteilung
Die Waldfläche im Freistaat Sachsen beträgt
laut Waldflächeninventur der Landesforstver-
waltung (LFV) insgesamt 518.325 ha
1
(Stand
31.12.2007). Dies entspricht 28,2 % der Lan-
desfläche sowie einer Waldfläche von 1.220 m²
(0,12 ha) pro Einwohner. Im Vergleich der Bun-
desländer ist Sachsen damit unterdurchschnitt-
lich bewaldet (Tab. 2.1).
Die Waldverteilung in Sachsen ist sehr un-
gleichmäßig. Der Süden mit Erzgebirge, Vogt-
land und der Sächsischen Schweiz sowie der
Nordosten mit der Lausitzer Heidelandschaft
sind waldreich, während besonders die intensiv
landwirtschaftlich genutzten Lössgebiete Sach-
sens unterdurchschnittlich bewaldet oder sogar
zum Teil äußerst waldarm sind (Abb. 2.1).
Tab. 2.1:
Vergleich der Bewal-
dung in Sachsen und
im Bundesgebiet
Bild 2.1:
Wald in der Oberlausitz
Sachsen
Bundesgebiet
Gesamtfläche [Tha]
1.841
35.703
Waldfläche [Tha]
518
10.649
Waldanteil [%]
28,2
29,8
Waldfläche pro Einwohner [ha]
0,12
0,13

image
10
Abb. 2.1:
Waldverteilung im
Freistaat Sachsen
Tab. 2.2:
Vergleich der
Bewaldung in den
Planungsregionen des
Freistaates Sachsen
Diese differenzierte Waldverteilung spiegelt
sich auch in der Flächenbilanz der fünf Planungs-
regionen wider (Tab. 2.2).
2.1.2 Waldflächenbilanz
Die Waldflächenentwicklung im Freistaat
Sachsen war weiterhin positiv. Die Waldflä-
che hat sich seit dem ersten Berichtszeitraum
um etwa 9.500 ha erhöht (Tab. 2.3). Dieser
Anstieg beruht zum einen auf einer deutlich
verbesserten Datenerhebung (Projekt Wald-
flächenabgrenzung nach Luftbildanalysen).
Zum anderen ergibt sich aus der Bilanz der
realen Abgänge und Zugänge im Berichtszeit-
raum eine Waldflächenzunahme von 2.503 ha
(Tab. 2.4).
Die Waldinanspruchnahme betrug im Be-
richtszeitraum 803 ha und war damit deutlich
geringer als im letzten Berichtszeitraum. Die
mit großem Abstand bedeutendste Ursache
für Waldflächenverluste ist nach wie vor der
Waldflächen im Freistaat Sachsen
Bundeswald
Staatsgrenze
Landesgrenze
Planungsregion
Waldfläche [Tha]
Waldanteil [%]
Pro-Kopf-Waldfläche [ha]
Oberlausitz-Niederschlesien
164,1
36,4
0,26
Südwestsachsen
100,4
39,3
0,16
Oberes Elbtal-Osterzgebirge
90,6
26,3
0,09
Chemnitz-Erzgebirge
91,5
25,8
0,10
Westsachsen
71,9
16,3
0,07

image
11
DEr WalD In SachSEn
Braunkohletagebau in der Lausitz. Weitere
Gründe sind der Abbau anderer oberflächen-
naher Rohstoffe sowie der Bedarf für Ge-
werbe-, Industrie- und Verkehrsflächen. Zum
Ausgleich der nachteiligen Wirkungen von
Waldumwandlungen (Flächenzerschneidung,
Verinselung, Wegeunterbrechung usw.) wer-
den in der Regel Ersatzaufforstungen vorge-
schrieben.
Den größten Anteil an der Waldflächenzunah-
me von 3.306 ha hat mit 1.825 ha die Erstauf-
forstung von in der Regel landwirtschaftlich
genutzten Flächen. Dies ist eine positive Aus-
wirkung der sächsischen Förderpolitik (Kap.
5.4.8). Durch die Rekultivierung von Kippen-
flächen des Braunkohletagebaus wurden
1.216 ha Wald neu begründet. In der Waldflä-
chenbilanz werden nur die im Rahmen von Ge-
nehmigungsverfahren dokumentierten Wald-
flächenänderungen dargestellt. Die natürliche
Wiederbewaldung auf Sukzessionsflächen
wird statistisch nicht erfasst und kann lediglich
auf Basis von Luftbildanalysen ermittelt wer-
den.
Waldfläche [ha]
Waldanteil [%]
1. Forstbericht, Berichtszeitraum 1993 bis 1997
508.882
27,6
2. Forstbericht, Berichtszeitraum 1998 bis 2002
516.572
28,1
3. Forstbericht, Berichtszeitraum 2003 bis 2007
518.325
28,2
Tab. 2.3:
Waldflächenentwick-
lung in den Berichts-
zeiträumen
Bild 2.2:
Forstliche Rekultivie-
rung einer ehemaligen
Bergbaufläche

12
2
Flächenbilanzierung aus forstrechtlichen Genehmigungsverfahren ohne Planfeststellungsverfahren
Tab. 2.4:
Waldflächenbilanz
2
nach Regierungs-
bezirken und für den
Freistaat Sachsen
gesamt im Berichts-
zeitraum
2.1.3 Waldmehrung
Im Landesentwicklungsplan Sachsen (LEP)
vom 16. Dezember 2003 wird wie im vorange-
gangenen LEP als Ziel genannt, den Waldan-
teil im Freistaat Sachsen auf 30 % zu erhöhen.
Die Waldmehrung soll vorrangig in einzelnen
Schwerpunktgebieten, wie waldarmen Regio-
nen (z. B. Südraum Leipzig), erosionsgefährde-
ten Gebieten sowie Hochwasserentstehungs-
gebieten, erfolgen. Ein wichtiges Instrument
zur Umsetzung dieses landesplanerischen
Zieles ist die finanzielle Förderung der Wald-
mehrung (Kap. 5.4.8). Grundsätzlich liegt die
Entscheidung zur Erstaufforstung bei den
Flächeneigentümern bzw. -nutzern. Ebenso
beeinflussen konkurrierende Flächennutzun-
gen, wie Landwirtschaft oder Naturschutz, Um-
fang und Geschwindigkeit der Waldmehrung in
Sachsen.
Die Landesforstverwaltung hat zwischen
1997 und 2003 als Teil der Forstlichen Rah-
menplanung (Kap. 9.2.6.1) eine flächende-
ckende Waldmehrungsplanung erarbeitet,
mit deren Ergebnissen die Umsetzung des
Waldmehrungszieles verbessert wird. Auf
den Planungskarten werden potenzielle, aus
forstfachlicher Sicht zweckmäßige Erstauf-
forstungsflächen aufgrundlage naturräumlich
differenzierter Leitbilder dargestellt. Die Pla-
nung wurde für jedes ehemalige sächsische
Forstamt und in Zusammenarbeit mit den
betroffenen Behörden und Flächennutzern
durchgeführt.
Bestehende Pläne, Kartierun-
gen und andere Daten flossen ebenfalls in die
Waldmehrungsplanung ein. Die Daten und
Karten sind wertvolle Argumentationshilfe für
die Erstaufforstung. Gerade im Rahmen der
Flächenauswahl bei Ausgleichs- und Ersatz-
maßnahmen durch die zuständigen Behörden
Waldfläche
Regierungsbezirke
Dresden [ha]
Chemnitz [ha]
Leipzig [ha]
Sachsen [ha]
Flächenabgang gesamt
691
80
32
803
Braunkohleabbau und Rekultivierung
von Bergbaufolgelandschaften
538
11
3
552
Abbau oberflächennaher Rohstoffe
41
13
5
59
Gewerbe- und Industrieflächen
34
18
0
52
Wohnbebauung
4
5
3
12
Verkehrsflächen
18
2
7
27
Sonstiges
56
31
14
101
Flächenzugang gesamt
1.895
886
525
3.306
Forstliche Rekultivierung
1.107
0
109
1.216
Erstaufforstung
664
780
381
1.825
Ersatzaufforstung
124
106
35
265
Waldflächenbilanz
1.204
806
493
2.503

image
13
DEr WalD In SachSEn
Bild 2.3:
Erstaufforstungsfläche
der Stiftung Wald für
Sachsen im Südraum
Leipzig
werden sie als wertvolle Hinweise angenom-
men. Insgesamt wurde eine potenzielle Wald-
mehrungsfläche von fast 55.000 ha, verteilt
auf über 10.000 einzelne Flächen ermittelt.
Um positive Impulse für eine Waldmehrung
in Sachsen zu setzen, wurde 1996 mit Unter-
stützung des Freistaates die Stiftung Wald für
Sachsen ins Leben gerufen. Im Berichtszeit-
raum wurde aufgrund ihrer Aktivitäten in 50
Waldmehrungsprojekten eine Gesamtfläche
von 348 ha Wald aufgeforstet. Die Projekte
wurden durch großes ehrenamtliches En-
gagement von Bevölkerung, Vereinen usw.
unterstützt sowie durch eine Vielzahl von
öffentlichkeitswirksamen Aktionen, wie der
Durchführung von Pflanzaktionen und Exkur-
sionen, flankiert.
2.2
Eigentum am Wald
Die Anteile und Flächengrößen der verschie-
denen Eigentumsarten am sächsischen Wald
(Stand: 31.12.2007) werden durch die Abb.
2.2 und 2.3 sowie durch Tab. 2.5 wiederge-
geben.
Im Freistaat Sachsen ist der Anteil des
Staatswaldes (Landes- und Bundeswald) mit
44 % höher als im Bundesdurchschnitt (30 %
Landeswald, 4 % Bundeswald), der Anteil
des Körperschafts- und Kirchenwaldes mit
gut 10 % dagegen niedriger (Bundesdurch-
schnitt: 20 %). Der Privatwaldanteil in Höhe
von 45 % entspricht annähernd dem Bundes-
durchschnitt.
Die verschiedenen Waldeigentumsarten sind
in Sachsen regional sehr unterschiedlich ver-

14
teilt. Die größten zusammenhängenden Lan-
deswaldflächen befinden sich im Erzgebirge,
im Vogtland und in der Sächsischen Schweiz.
Das östliche Sachsen ist dagegen beinahe
ausnahmslos durch Privat-, Körperschafts-
und Kirchenwald geprägt. Eine Besonderheit
der nordsächsischen Kieferngebiete sind die
großen, überwiegend bewaldeten Truppen-
übungsplätze der Bundeswehr, deren Wald
(Bundeswald) durch die regional zuständigen
Hauptstellen der Bundesanstalt für Immobili-
enaufgaben bewirtschaftet wird.
Im Rahmen der Privatisierung des Treuhand-
restwaldes (TRW) wurden in den Jahren 2003
bis 2007 durch die Bodenverwertungs- und
-verwaltungs-GmbH (BVVG) 1.822 Objekte
(Waldflächen) mit insgesamt 23.689 ha ver-
Abb. 2.2:
Anteile der Waldeigen-
tumsarten in Sachsen
(Stand 31. 12. 2007)
Tab. 2.5:
Waldflächen in ha nach
Eigentumsarten und
Regierungsbezirken,
in Klammern Anteil der
jeweiligen Eigentums-
form in Prozent
(Stand 31. 12. 2007)
Gebiet
Staatswald
Körperschafts- und Privatwald
Sonderstatus
Summe
Freistaat
Bund
Körperschaft
Kirche
Privat
TRW
Reg.-Bezirk
Dresden
75.902
(29,8)
17.868
(7,0)
16.576
(6,5)
7.445
(2,9)
135.125
(53,1)
1.714
(0,7)
254.630
(100)
Reg.-Bezirk
Chemnitz
99.809
(52,0)
1.926
(1,0)
17.829
(9,3)
2.678
(1,4)
68.019
(35,5)
1.581
(0,8)
191.842
(100)
Reg.-Bezirk
Leipzig
25.740
(35,9)
6.502
(9,0)
6.514
(9,1)
1.182
(1,6)
31.815
(44,3)
100
(0,1)
71.853
(100)
Freistaat
Sachsen
201.451
(38,9)
26.296
(5,1)
40.919
(7,9)
11.305
(2,2)
234.959
(45,3)
3.395
(0,6)
518.325
(100)
1 %
5 %
2 %
8 %
39 %
45 %
Landeswald
Kirchenwald
Körperschaftswald
Bundeswald
Privatwald
Treuhandrestwald

image
15
DEr WalD In SachSEn
3
Datengrundlage: Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur (BWI²) Stichtag 1.10.2002,
Auswertung im Berichtszeitraum
Abb. 2.3:
Waldverteilung im
Freistaat Sachsen nach
Waldeigentumsarten
äußert. Insgesamt wurden in Sachsen seit
1992 bis Ende 2007 in 3.811 Kaufverträgen
90.877 ha Wald privatisiert (durchschnittliche
Objektgröße 23,85 ha).
Im Wesentlichen entspricht damit inzwischen
die Verteilung des Waldeigentums auf Staats-,
Körperschafts- und Privatwald annähernd den
Verhältnissen, wie sie sich in Sachsen seit
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt und bis
Ende des Jahres 1945 erhalten haben.
2.3
Baumarten, altersstruktur,
Vorrat und Zuwachs
3
2.3.1 Baumarten
Die Baumartenanteile in den sächsischen
Wäldern setzen sich, bezogen auf die gesam-
te Holzbodenfläche (inkl. Lücken und Blößen),
zu je einem Drittel aus Fichte, einem Drittel
aus Kiefer und Lärche sowie einem Drittel aus
Laubbaumarten zusammen (Abb. 2.4). Fichte
und Kiefer haben in den sächsischen Wäldern
völlig unterschiedliche regionale Verteilungs-
muster. Die Fichte hat mit einer Gesamtflä-
che von 166.000 ha (34,6 %) ihre regionalen
Schwerpunkte im Erzgebirge, im Erzgebirgs-
vorland und im Vogtland. In diesen Regionen
dominiert sie und zeigt die typischen Waldbil-
der des Altersklassenwaldes. Im Landeswald
ist Fichte die Hauptbaumart. Sie hat dort einen
höheren Anteil als in den Wäldern aller ande-
ren Eigentumsarten (Abb. 2.5). Die Kiefer hat
mit 144.000 ha bzw. einem Anteil von 30,0 %
dagegen einen anderen Verbreitungsschwer-
punkt. Sie ist die Baumart des Tieflandes im
Norden Sachsens und stockt überwiegend auf
den standörtlich benachteiligten Sandböden.
Bei den Laubbäumen prägen Arten mit nied-
riger Lebensdauer, insbesondere Birke, Aspe,
Pappel und Eberesche, das Bild. Es handelt
sich um typische Sukzessions- und Rohbo-
denpionierbaumarten, die einen Anteil von
insgesamt 16,1 % an der Holzbodenfläche
einnehmen. Sie sind meist temporäre Misch-
Bundeswald
Kirchenwald
Staatsgrenze
Landesgrenze
Körperschaftswald
Landeswald
Privatwald
Treuhandrestwald
Waldeigentumsarten

16
Abb. 2.4:
Baumartenanteile im
Hauptbestand über
alle Eigentumsarten
bezogen auf den Holz-
boden, inkl. Lücken und
Blößen (ALN = andere
Laubbäume niedriger
Lebensdauer wie Birke,
Aspe, Eberesche,
Pappel; ALH = andere
Laubbäume hoher Le-
bensdauer wie Ahorn,
Esche, Linde)
Abb. 2.5:
Baumartenanteile im
Hauptbestand nach
Eigentumsarten be-
zogen auf den Holz-
boden (inkl. Lücken
und Blößen)
baumarten in den Hauptbeständen. Weitere
flächenmäßig bedeutende Laubbaumarten
sind die Eiche mit 7,4 % und die Buche mit
3,4 %. Während der Eichenanteil im Privat-
wald etwas größer ist als im Landeswald, ist
dort der Buchenanteil größer. Diese Unter-
schiede sind auf die regionale Verteilung der
Eigentumsarten und die unterschiedlichen
Standortsansprüche der Baumarten zurückzu-
führen.
16,1 %
3,0 %
3,4 %
7,4 %
0,7 %
1,2 %
3,4 %
34,6 %
0,2 %
30,0 %
Eiche
Buche
ALH
ALN
Fichte
Tanne
Douglasie
Kiefer
Lärche
Lücke
Blöße
100 %
90 %
80 %
70 %
60 %
50 %
40 %
30 %
20 %
10 %
0 %
Bundes-
wald
Landes-
wald
Körper-
schafts-
wald
Privat-
wald
Treuhand-
restwald
alle Eigen-
tumsarten
Eiche
Buche
ALH
ALN
Fichte
Tanne
Douglasie
Kiefer
Lärche
Lücke
Blöße

17
DEr WalD In SachSEn
4
Die Berechnungen beziehen sich auf die Holzbodenfläche. Der unbestockte Teil der Waldfläche
wie Wege, Holzlagerplätze, Blößen etc. wird nicht berücksichtigt.
Abb. 2.6:
Baumartenflächen
nach Altersklassen
(nur Hauptbestand; alle
Eigentumsarten)
2.3.2 altersstruktur
Aufgrund hoher Kriegs- und Nachkriegsnut-
zungen, einer fast zwanzig Jahre dauernden
Phase industrieller Produktionsmethoden in
der Forstwirtschaft der DDR sowie der ab den
1970er-Jahren eklatanten Waldschäden sind
alte Waldbestände in Sachsen deutlich unter-
repräsentiert. (Abb. 2.6). Deswegen sind we-
niger als 15 % der Wälder älter als 100 Jahre,
während folgerichtig das Maximum bei den
damals wieder aufgeforsteten Flächen der
heutigen III. Altersklasse mit 109.896 Hektar
(23 %) liegt. Die im Vergleich zu den 21- bis
40- bzw. 41- bis 60-jährigen Beständen gerin-
gere Fläche der ersten Altersklasse (1 bis 20
Jahre) kennzeichnet eine waldbauliche Trend-
wende. Die heute zeitgemäßen Verjüngungs-
verfahren arbeiten überwiegend unter dem
Schirm des Vorbestandes und nutzen wald-
baulich geeignete Naturverjüngungen oder
Voranbauten. Dadurch besteht zusätzlich zu
der I. Altersklasse eine Verjüngungsreserve,
die in Abb. 2.6 nicht dargestellt wird.
2.3.3 holzvorrat und Zuwachs
4
Die zweite Bundeswaldinventur (BWI²) von
2002 weist für die sächsischen Wälder ei-
nen Gesamtholzvorrat von 126 Mio. m³ mit
einem durchschnittlichen Vorrat von 262 m³
pro Hektar aus. Gegenüber dem vorigen Be-
richtszeitraum bedeutet das eine Vorratsan-
reicherung von 38 m³ je Hektar. Sachsens
Wälder verfügen damit über 3,7 % des Ge-
samtholzvorrates aller Bundesländer von
3,4 Mrd. m³ (320 m³/ha).
Der Holzvorrat im sächsischen Landeswald
nimmt aufgrund des hohen Fichtenanteils
mit etwa 52 Mio. m³ (41,5 %) einen überpro-
portional hohen Anteil am Gesamtholzvorrat
0
10.000
20.000
30.000
40.000
50.000
60.000
70.000
80.000
90.000
100.000
110.000
Fläche [ha]
1-20 J.
21-40 J.
41 -60 J. 61-80 J. 81-100 J. 101-120 J.121-140 J.141-160 J. >160 J.
Altersklasse [20 J.]
Eiche
Buche
ALH
ALN
Fichte
Tanne
Douglasie
Kiefer
Lärche

18
Abb. 2.7:
Holzvorräte nach
Waldbesitzarten
und Baumarten
(nach BWI
2
)
Abb. 2.8:
Laufender jährlicher
Holzzuwachs pro
Hektar von 2003 bis
2012 (nach BWI²) für
Deutschland und
Sachsen über alle
Eigentumsarten
Birke, Aspe,
Weide,
Eberesche,
Pappel
Ahorn, Esche,
Hainbuche,
Ulme
Buche
Eiche
Douglasie
Lärche
Kiefer
Fichte
5,3 Mio.
52,3 Mio
.
13,2 Mio.
41,4 Mio.
13,7 Mio.
0
5.000.000
10.000.000
15.000.000
20.000.000
25.000.000
30.000.000
35.000.000
40.000.000
45.000.000
50.000.000
55.000.000
Holzvorrat [m
3
]
Bundes-
wald
Landes-
wald
Körper-
schafts-
wald
Privat-
wald
Treuhand-
restwald
6,9
7,0
9,8
9,4
15,1
12,9
8,2
8,6
23,4
16,1
11,1
10,7
10,3
9,4
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
Eiche
Buche
Fichte
Kiefer
Douglasie
Lärche
Alle Baumarten
Sachsen 2003-2012
BRD 2003-2012
laufender Zuwachs [m
3
/a/ha]

19
DEr WalD In SachSEn
ein. Der Privatwald besitzt einen Vorrat von
ca. 41 Mio. m³ (32,9 %) Holz. Mittelfristig
wird der Vorrat des Treuhandrestwaldes in
Höhe von knapp 14 Mio. m³ (10,9 %) die-
sen
Wert erhöhen. Relativ geringe Holzmen-
gen stocken im Körperschaftswald mit rund
13 Mio. m³ (10,5 %) sowie im Bundeswald mit
etwa 5 Mio. m³ (4,2 %). Vergleicht man die
Vorräte im Privatwald, aufgeschlüsselt nach
den Eigentumsgrößenklassen, so erreicht die
höchsten Hektarwerte mit 267 m³/ha der
Kleinprivatwald mit einer Betriebsgröße von
weniger als 20 ha. Hier konzentrieren sich
mit 31 Mio. m³ etwa 75 % des Holzvorrates
im Privatwald und damit knapp ein Viertel des
gesamten Holzvorrates in Sachsen.
In Sachsens Wäldern wachsen jedes Jahr ca.
4,4 Mio. m³ Holz zu. Dieser hohe Zuwachs
von 9,4 m³ pro Jahr und Hektar resultiert im
Wesentlichen aus dem hohen Anteil von Be-
ständen, die sich in einem zuwachsstarken
Alter befinden. Vom Holzzuwachs wird ledig-
lich gut die Hälfte jährlich stofflich oder ener-
getisch genutzt. Die Zuwachsleistungen der
Hauptbaumarten in Sachsen und Deutschland
sind in Abb. 2.8 dargestellt.

image
20

21
SIchErunG DEr nachhaltIGkEIt Von WalD unD ForStWIrtSchaFt
3
Sicherung der
nachhaltigkeit von
Wald und Forst-
wirtschaft
Der Wald ist gemäß § 17 des Waldgesetzes
für den Freistaat Sachsen (SächsWaldG) so zu
bewirtschaften, dass seine Funktionen stetig
und auf Dauer erfüllt werden (Nachhaltigkeit).
Die zweite Ministerkonferenz zum Schutz
der Wälder in Europa definierte mit der Hel-
sinki-Resolution im Jahr 1993 die nachhaltige
Waldwirtschaft als „die Betreuung und Nut-
zung von Wäldern und Waldflächen auf eine
Weise und in einem Ausmaß, das deren bio-
logische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfä-
higkeit und Vitalität erhält sowie deren Poten-
zial, jetzt und in Zukunft die entsprechenden
ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen
Funktionen auf lokaler, nationaler und globa-
ler Ebene zu erfüllen, ohne anderen Ökosys-
temen Schaden zuzufügen.“ Die nachhaltige,
multifunktionale Forstwirtschaft im Freistaat
Sachsen wird unter anderem mit folgenden
Instrumenten sichergestellt:
• zukunftsorientierte Forstpolitik der Sächsi-
schen Staatsregierung, wie sie aus dem
Gesetzesauftrag resultiert,
• vorbildliche, auf periodische Betriebspläne
gestützte Bewirtschaftung des Staats- und
Körperschaftswaldes (forsttechnische Be-
triebsleitung, forstlicher Revierdienst im
Körperschaftswald),
• Sicherung einer gesetzeskonformen Wirt-
schaftsführung im Privatwald durch Bera-
tung, Betreuung, Förderung und Forstauf-
sicht,
• Schaffung und Aktualisierung von Informa-
tionsgrundlagen, die ersichtlich machen,
wo der Wald neben der Holzproduktion in
besonderem Maße Schutz- und Erholungs-
funktionen erfüllt (Waldfunktionenkartie-
rung),
• Erfassung ökologisch besonders wertvoller
und sensibler Lebensräume im Wald (Wald-
biotopkartierung),
• flächendeckende, besitzartenübergreifende
Kartierung der Waldböden (Standortskartie-
rung),
• Zertifizierung nachhaltig wirtschaftender
Forstbetriebe.
3.1
Gesetzliche Grundlagen
der Waldbewirtschaftung
3.1.1 Sicherung einer gesetzes-
konformen Wirtschafts-
führung im Privatwald
Insbesondere der Kleinprivatwald wird in der Re-
gel nicht durch forstliches Fachpersonal bewirt-
schaftet. Unabhängig von der Eigentumsform
stellt das SächsWaldG jedoch hohe Ansprüche
an die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung. In
den §§ 16 ff. SächsWaldG werden eine Reihe
von Grundpflichten beschrieben, die alle Wald-
besitzer, unabhängig von der Eigentumsart, zu
erfüllen haben. Damit wird eine nach anerkann-
ten forstlichen Grundsätzen nachhaltige Bewirt-
schaftung des sächsischen Waldes garantiert.
Es ist Aufgabe der Landesforstverwaltung,
die privaten Waldbesitzer so zu unterstützen,
dass
sie in die Lage versetzt werden, ihren Wald
pfleglich und sachgemäß zu bewirtschaften und
dabei ihren umfangreichen gesetzlichen Ver-
pflichtungen nachkommen können. Die wich-
tigsten Mittel hierfür sind die fachliche Beratung
und die Betreuung durch die vor Ort tätigen Re-
vierleiter sowie die finanzielle Förderung forst-
licher Betriebsarbeiten, die einer Verbesserung
des Waldzustandes dienen (Kap. 5). Falls es
letztendlich erforderlich ist, müssen jedoch
auch hoheitliche Maßnahmen im Rahmen der
Forstaufsicht ergriffen werden, beispielsweise
wenn ein Waldbesitzer seiner Verpflichtung zur
Borkenkäferbekämpfung nicht nachkommt.

image
22
Bild 3.1:
Erholungsfunktion des
Waldes
3.1.2 Vorbildliche Bewirt-
schaftung des Staats-
und körperschaftswaldes
Der Staats- und Körperschaftswald soll dem
Allgemeinwohl in besonderem Maße dienen
und ist vorbildlich zu bewirtschaften (§§ 45
und 46 SächsWaldG). Im Staats- und Körper-
schaftswald stellt sich daher die Aufgabe,
durch die Art der Wirtschaftsführung neben
der Holzproduktion auch die übrigen Wohl-
fahrtsleistungen des Waldes in einem Um-
fang zu berücksichtigen und gegebenenfalls
zu verbessern, der vom Privatwald aufgrund
der damit verbundenen Belastungen nicht
verlangt werden kann.
Zentrales Instrument der Wirtschaftsführung
im Staats- und Körperschaftswald sind zehnjäh-
rige Betriebspläne, deren Aufstellung für diese
Eigentumsarten gesetzlich vorgeschrieben ist.
Neben waldbaulichen Gesichtspunkten werden
bei der Aufstellung der Pläne auch die Ergeb-
nisse der Waldfunktionen-, Waldbiotop- und
Standortskartierung sowie bestehende Rechts-
normen berücksichtigt und in die Planungen in-
tegriert (Kap. 3.2, 5.2.2, 6.2 bzw. 9.2.1.4).
3.2
Waldfunktionen-,
Waldbiotop- und
Standortskartierung
3.2.1 Waldfunktionenkartierung
Nahezu jede Waldfläche erfüllt zu jeder Zeit
Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen. Das
SächsWaldG betrachtet alle Waldfunktionen
als gleichrangig. Die Waldfunktionenkartierung
erfasst und dokumentiert flächendeckend und
eigentumsübergreifend die besonderen, über
das normale Maß hinausgehenden Schutz-
und Erholungsfunktionen des Waldes.
Im Berichtszeitraum wurde die Ersterfassung
der besonderen Waldfunktionen gemäß dem
gesetzlichen Auftrag nach § 6a SächsWaldG
aktualisiert. Die Ergebnisse der aktualisierten

image
23
SIchErunG DEr nachhaltIGkEIt Von WalD unD ForStWIrtSchaFt
Tab. 3.1:
Flächen und Flächen-
anteile von Wäldern
mit besonderen Schutz-
und Erholungsfunk-
tionen in Sachsen
(Stand 01. 01. 2007)
Bild 3.2:
Landschaftsbildprägen-
de Funktion des Waldes
Waldfunktionenkartierung liegen in Form von
Waldfunktionenkarten und Ergebnisberichten
analog sowie als digitale Daten vor. Sie ste-
hen beim Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS)
allen interessierten Planungsträgern, Waldbe-
sitzern und Bürgern zur Verfügung.
Funktionenbereich
Funktionen
Fläche [ha]
Anteil [%]
Boden
Boden-, Anlagen-, Straßenschutz,
Schutzwald kraft SächsWaldG u. Ä.
58.232
11,2
Wasser
Wasserschutz, Schutz vor Hochwasser,
Wasserschutzgebiete u. Ä.
210.905
40,7
Luft
Klima-, Lärm-, Immissionsschutz u. Ä.
84.779
16,4
Natur
NATURA 2000, Schutzgebiete, ge-
schützte Biotope, Naturwaldzellen,
ökologisch wertvolle Waldflächen u. Ä.
378.965
73,1
Landschaft
Landschaftsschutzgebiete, land-
schaftsbildprägende Wälder u. Ä.
269.749
52,0
Kultur
Biosphärenreservate, Kulturdenkmale
u. Ä.
21.677
4,2
Erholung
Naturparke, Erholungswälder u. Ä.
311.584
60,1
Summe
1.335.891
257,7

image
24
Bild 3.3:
Buchentotholz
Die Waldfunktionenkartierung liefert bedeutsa-
me Informationen und Entscheidungshilfen für
die nachhaltige Sicherung und Verbesserung der
Schutz- und Erholungsfunktionen. Ihre Ergeb-
nisse fließen in alle waldrelevanten Planungen,
Genehmigungsverfahren etc. ein. Gleichzeitig
sind sie Basis für ein langfristiges Monitoring.
Sie werden bei der Forstbetriebsplanung und
bei forstbetrieblichen Maßnahmen berücksich-
tigt. Die wichtigsten quantitativen Resultate der
Kartierung gehen aus Tab. 3.1 hervor.
Insgesamt wurden 1.335.891 ha Wald mit be-
sonderen Schutz- und Erholungsfunktionen
erfasst. Das sind knapp 260 % der Waldfläche
Sachsens und bedeutet, dass jeder Hektar
Wald im Durchschnitt 2,6 besondere Wald-
funktionen erfüllt. Dieser Überlagerungsfaktor
ist im Vergleich zu der Erstkartierung deutlich
von 1,9 auf 2,6 gestiegen. Die Zunahme der
besonderen Schutz- und Erholungsfunktionen
resultiert im Wesentlichen aus der Auswei-
sung von NATURA 2000-Flächen (Kap. 6.2.1).
Durch die Ergebnisse der Waldfunktionenkar-
tierung wird die landeskulturelle und soziale
Bedeutung des Waldes für die Gesellschaft
nachdrücklich belegt. Der volkswirtschaftli-
che Wert der Schutz- und Erholungsfunktio-
nen des Waldes ist immens, aber im Gegen-
satz zur Nutzfunktion monetär nicht oder nur
schwierig quantifizierbar.
3.2.2 Waldbiotopkartierung
Die Waldbiotopkartierung wurde zwischen
1994 und 2000 eigentumsübergreifend im
Rahmen der landesweiten selektiven Biotop-
kartierung von der damaligen Sächsischen
Landesanstalt für Forsten (LAF) in Zusammen-
arbeit mit dem Sächsischen Landesamt für
Umwelt und Geologie (LfUG) durchgeführt.
Ziel des ersten Durchgangs der Waldbio-
topkartierung war es, seltene, naturnahe
oder gefährdete Lebensräume sowie gem.
§ 26 Sächsisches Naturschutzgesetz (Sächs-
NatSchG) besonders geschützte Biotope zu
erfassen und auf Karten darzustellen. Die Er-
gebnisse der Waldbiotopkartierung geben al-
len Forstbetrieben wichtige Informationen zu
schützenswerten Lebensräumen und sind so-
mit eine maßgebliche Grundlage für die nach-
haltige Sicherung der besonderen Biotop- und
Artenschutzfunktionen des Waldes.
Seit 2007 stehen den Behörden zusätzlich
neu gestaltete Waldbiotopkarten zur Verfü-
gung. Sie liegen nun im Maßstab 1:25.000
aufgrundlage der topografischen Karte (TK)
unabhängig von der jeweils gültigen Forst-
struktur vor. Dargestellt sind die Waldbiotope
in der farblichen Abstufung der elf Leitbiotop-
typen im Ergebnis der landesweit abgeschlos-
senen Kartierung.

image
25
SIchErunG DEr nachhaltIGkEIt Von WalD unD ForStWIrtSchaFt
Bild 3.4:
Lausitzer Granit-
Braunerde
3.2.3 Standortskartierung
Standortsgerechte Waldbewirtschaftung gem.
SächsWaldG bedeutet, sich bei allen forst-
lichen Handlungsweisen an die häufig klein-
räumig wechselnden, aber immer zusammen
wirkenden Faktoren Boden, Klima und Relief
anzupassen. Sie ist zudem auf die Erhaltung
und Verbesserung der Waldböden und ihrer
Produktionskraft ausgerichtet. Standortsge-
rechte Waldbestände haben nicht nur ökolo-
gische, sondern auch ökonomische Vorteile,
insbesondere da sie deutlich stabiler gegen-
über Schadensereignissen (Sturm, Schäd-
lingen usw.) sind. Sie sind der beste Garant
dafür, dass ihre vielfältigen Funktionen nach-
haltig erfüllt werden.
Ermöglicht wird die standortsgerechte Wald-
bewirtschaftung u. a. durch die Standortskartie-
rung. Sie liefert Informationen über die natür-
lichen Wuchsbedingungen und ist Grundlage
für wichtige waldbauliche Entscheidungen,
wie Baumartenwahl oder Verjüngungsart. Für
nahezu den gesamten sächsischen Wald lie-
gen über 900 analoge, nach einem einheitli-
chen Verfahren erstellte Kartenblätter, digitale
Standortskarten sowie die zugehörigen Erläu-
terungsberichte vor. Die Fortschreibung und
Ergänzung der Standortskartierung im Wald al-
ler Eigentumsarten erfolgt durch den Staatsbe-
trieb Sachsenforst. Im Berichtszeitraum wurde
eine Waldfläche von 2.350 ha standortskund-
lich bearbeitet.
Aufgrund des Klimawandels muss die bis vor
Kurzem als weitgehend konstant angesehene
Standortseigenschaft „Klima“ nun als dyna-
mische Größe betrachtet werden. Da insbe-
sondere mit der Baumartenwahl fast immer
über Ereignisräume von weit mehr als einem
Jahrhundert entschieden wird, ist die Beach-
tung klimatischer Veränderungen in der Forst-
wirtschaft von entscheidender Bedeutung
(Kap. 10.1). Unter Beibehaltung des bewähr-
ten vegetationsökologischen Ansatzes wurde
dementsprechend durch den Staatsbetrieb
Sachsenforst eine neue, dynamisch anwend-
bare Klimagliederung entwickelt. Hierbei sind
die Vegetationszeitlänge und die klimatische
Wasserbilanz – letzte entspricht der Diffe-
renz aus Niederschlag und potenzieller Ver-
dunstung während der Vegetationszeit – die
pflanzenphysiologisch wirksamen Hauptbe-
zugsgrößen, die im Zuge der Überarbeitung
zu neuen Klassen kombiniert werden. Dabei
entsprechen die neuen Klassengrenzen dem
natürlichen Auftreten bestimmter, so genann-
ter Leitwaldgesellschaften.
Die durch den Klimawandel bedingten Stand-
ortsänderungen (Temperaturerhöhung, gerin-
gere und ungleichmäßig verteilte Niederschlä-
ge mit der Konsequenz vermindert nutzbarer
Wasserkapazitäten) erfordern eine Anpassung
des waldbaulichen Handelns an die veränder-
ten Umweltbedingungen. Als Grundlage dafür
werden nach standörtlichen Kriterien arron-

image
26
Bild 3.5:
PEFC-Vor-Ort-Audit
in einem Kirchenwald
in der Oberlausitz
dierte Waldbauregionen ausgeschieden, die
sich neben den klimatischen Parametern vor
allem in der Vergesellschaftung betreffender
Substrate und deren Wassertransformations-
und -speichervermögen unterscheiden.
3.3
Zertifizierung nachhaltiger
Forstwirtschaft
Unter Zertifizierung nachhaltiger Forstwirt-
schaft wird der Nachweis für einen Forstbe-
trieb verstanden, dass alle Nutz-, Schutz- und
Erholungsfunktionen in seinem Wald den
nachfolgenden Generationen mindestens
in gleichem Maße wie heute zur Verfügung
stehen werden. Um ein Zertifikat zu erhal-
ten, muss sich der Waldbesitzer freiwillig zur
Einhaltung vorgegebener Standards bei der
Bewirtschaftung verpflichten. Wichtige Stan-
dards betreffen u. a. die Baumartenwahl, den
Naturschutz im Wald, den Biozideinsatz, das
Befahren der Waldböden und die Wildscha-
densituation.
Das Zertifikat stellt für den Forstbetrieb, die
Weiterverarbeiter und den Handel ein Mar-
ketinginstrument dar. Für den Verbraucher
ist es ein Kaufanreiz, wenn er der nachhalti-
gen Waldbewirtschaftung positiv gegenüber-
steht. Mit dem Kauf zertifizierter Produkte
des Waldes zeigen die Verbraucher bewusst
ökologische Verantwortung. Sie setzen sich
damit für den Erhalt von Wald und nachhal-
tiger Forstwirtschaft ein. Für die Verarbeiter
von Holz dient das Zertifikat auch als Nach-
weis für eine legale Holznutzung und damit
zur betrieblichen Risikominimierung.
Die freiwillige Zertifizierung der Waldbewirt-
schaftung ist in den letzten Jahren zu einem
wichtigen Thema geworden. Von Bedeutung
sind in Sachsen zwei Forstzertifikate, das
„Programme for the Endorsement of Forest
Certification Schemes” (PEFC) und das „Fo-
rest Stewardship Council” (FSC). Bis Ende
2007 haben sich 61 Forstbetriebe aller Wald-
eigentumsformen, die mit 252.251 ha rd. die
Hälfte der sächsischen Waldfläche repräsen-
tieren, nach PEFC zertifizieren lassen und dür-
fen das entsprechende Logo nutzen, darunter
auch der Wald im Eigentum des Freistaates.
In einer Selbstverpflichtungserklärung wird
der Einhaltung der Standards und der Duldung
von Kontrollen zugestimmt. Die Kontrollen
werden von unabhängigen Sachverständigen
jährlich stichprobenartig durchgeführt. Nach
den Vorgaben des FSC sind in Sachsen bisher
zwei Forstbetriebe mit rund 3.100 ha Wald-
fläche zertifiziert.
Im Jahr 2006 hat sich die Regionale PEFC-
Arbeitsgruppe Sachsen e. V. konstituiert. Mit-
glieder sind u. a. der Sächsische Waldbsitzer-
verband, die Arbeitsgemeinschaft land- und
forstwirtschaftlicher Betriebe in Sachsen und
Thüringen, die Schutzgemeinschaft Deut-
scher Wald, der Bund Deutscher Forstleute,
der Sächsische Forstunternehmerverband,
der Ökologische Jagdverein Sachsen, die

image
27
SIchErunG DEr nachhaltIGkEIt Von WalD unD ForStWIrtSchaFt
Bild 3.6:
Holzprodukt mit
Zertifikatslabel (PEFC)
Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sach-
sen, der Staatsbetrieb Sachsenforst, der Säch-
sische Forstverein und die Bundesanstalt für
Immobilienaufgaben, Geschäftsbereich Bun-
desforst. Am 24. August 2006 wurde nach
Begutachtung des regionalen Waldberichts
das PEFC-Zertifikat für die Region Sachsen
erneuert, welches nun bis 2011 gültig ist. Da-
mit besteht für jeden sächsischen Waldbesit-
zer weiterhin die Möglichkeit, sich mit seiner
Waldfläche an dem Prozess der freiwilligen
PEFC-Zertifizierung zu beteiligen.

image
28

image
29
StanD unD EntWIcklunG DEr ForStWIrtSchaFt
Bild 4.1:
Industrieholzpolter
4
Stand und
Entwicklung der
Forstwirtschaft
4.1
holzmarktlage
Entscheidend für die ökonomische Lage der
Forstbetriebe war im Berichtszeitraum die
steigende Nachfrage nach dem wichtigsten
Waldprodukt Holz. Diese Entwicklung wurde
vor allem durch die Schaffung weiterer Verar-
beitungskapazitäten in der Holzindustrie und
eine Renaissance des Energieträgers Holz
hervorgerufen. Gerade die Verwendung von
Holz zur Strom- und Wärmegewinnung hat
sowohl durch eine Reihe von energiepoliti-
schen Maßnahmen für den verstärkten Ein-
satz erneuerbarer Energien auf Bundes- und
EU-Ebene als auch durch den immensen
Preisanstieg bei fossilen Brennstoffen deut-
lich zugenommen. Die Holzmarktentwicklung
hat damit neue ökonomische Chancen für die
sächsische Forstwirtschaft und den ländli-
chen Raum eröffnet. Folgen dieser Situation
sind, dass vermehrt Nutzungskonkurrenzen
zwischen stofflicher und energetischer Ver-
wendung auftreten, die Mindestdurchmesser
der aufgearbeiteten Holzsortimente gesun-
ken sind und daher die im Wald verbleibende
Restholzmenge stark rückläufig ist.
Holz ist einerseits der bedeutendste nach-
wachsende Rohstoff Sachsens, andererseits
ist die nachhaltig nutzbare Menge jedoch
begrenzt (Kap. 2.3.3). Die tatsächliche Nut-
zung ist nur für den Landeswald sowie für die
durch den Staatsbetrieb Sachsenforst für den
Privat- und Körperschaftswald vermarkteten
Sortimente exakt erfasst. Zur Holzvermark-
tung der übrigen privaten Forstbetriebe sowie
des Bundeswaldes liegen keine gesicherten
Informationen vor.

30
Tab. 4.1:
Betriebsgrößenklassen
im Privat- und Körper-
schaftswald
Aufgrund von strukturellen Bewirtschaf-
tungserschwernissen und heterogenen Ei-
gentümerinteressen wird im Privatwald (Kap.
4.2)
lediglich ein Teil der potenziell möglichen
Holzmenge auch tatsächlich genutzt. Die zu-
nehmende Brennholznutzung für den Eigen-
bedarf beeinflusst zusätzlich die Nutzung ver-
marktungsfähiger Sortimente im Privatwald.
Die Berechnung des nachhaltig nutzbaren
Holzpotenzials erfolgte auf Basis der BWI
2
, für
den Landeswald zusätzlich durch eine Holz-
aufkommensprognose. Bis 2012 beträgt das
nachhaltig nutzbare Potenzial im Landeswald
jährlich 1,08 Mio. m
3
Holz. Die Nutzung der
vergangenen Jahre lag mit 1,0 bis 1,2 Mio. m
3
nahe am nachhaltig nutzbaren Potenzial. Auch
das jährliche Potenzial im Körperschaftswald
wird weitgehend ausgeschöpft.
Für die Abnehmerseite bedeutet dies, dass
ein Mehrbedarf an Holz, z. B. aufgrund von
Ansiedlung oder Ausbau weiterer Verarbei-
tungskapazitäten, nahezu ausschließlich nur
zulasten bestehender Stoffströme und Markt-
beziehungen gehen kann, es sei denn, es ge-
lingt, noch nicht genutzte Holzmengen vor al-
lem im Privatwald zu mobilisieren (Kap. 10.2).
Vor dem Hintergrund der bestehenden Infor-
mationsdefizite wurde Mitte 2007 ein For-
schungsauftrag mit dem Titel „Studie zum
realistisch zusätzlich mobilisierbaren Rohholz-
potential bis 2020 für den Freistaat Sachsen
auf Basis der Ermittlung des tatsächlichen
Rohholzaufkommens von 2002 bis 2006 sowie
zu den Mobilisierungshemmnissen“ ausge-
schrieben und an die TU Dresden, Fachrichtung
Forstwissenschaften vergeben. Zielsetzung
des Vorhabens ist eine Verbesserung der Infor-
mationslage insbesondere im Privatwald.
Betriebsgrößenklasse
Privatwald
Körperschaftswald
Anzahl [%]
Fläche [%]
Anzahl [%]
Fläche [%]
0 bis 1 ha
56,4
6,6
12,6
0,1
1 bis 5 ha
34,1
25,7
31,4
1,7
5 bis 10 ha
6,4
11,9
17,2
2,6
10 bis 20 ha
1,9
9,0
14,3
4,1
20 bis 50 ha
0,8
6,3
12,4
8,1
50 bis 100 ha
0,2
3,9
4,3
6,4
100 bis 200 ha
0,2
7,6
3,7
10,4
200 bis 500 ha
0,1
13,6
2,0
13,1
500 bis 1000 ha
0,1
11,4
1,0
13,9
über 1000 ha
0,0
4,1
1,1
39,6
Summe
100,0
100,0
100,0
100,0

31
StanD unD EntWIcklunG DEr ForStWIrtSchaFt
4.2
Struktur des Privat- und
körperschaftswaldes
Nach Abschluss der Privatisierung des Treu-
handrestwaldes wird fast die Hälfte des säch-
sischen Waldes privaten Waldeigentümern
gehören. Der Freistaat Sachsen kann somit
durchaus als Land des Privatwaldes bezeich-
net werden. Im Durchschnitt verfügt jeder
Waldbesitzer über eine Waldfläche von ledig-
lich 2,8 Hektar. Allerdings bewirtschaften über
90 % der ungefähr 85.000 privaten Waldbesit-
zer weniger als fünf Hektar Wald, häufig auf
mehrere Flurstücke verteilt (knapp ein Drittel
der Privatwaldfläche). Insbesondere für diesen
Kleinprivatwald sind die Ausgangsbedingun-
gen für eine effektive Bewirtschaftung eher
ungünstig. Die vergleichsweise kleinen Eigen-
tumseinheiten, eine teilweise unzureichende
Erschließung sowie die häufig geringe oder
fehlende Professionalisierung kennzeichnen
die Forststruktur im Kleinprivatwald. Gleich-
zeitig befinden sich aber 75 % des Holzvorrats
in Betrieben mit Größen unterhalb von 20 ha
Waldfläche.
4.3
Wettbewerbsfähigkeit
der Forstwirtschaft
Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse
Dem klein strukturierten Waldbesitz stehen
die in den letzten Jahren mit hoher Dynamik
fortschreitenden Konzentrationsprozesse auf
der Abnehmerseite gegenüber. Die kleinen
Forstbetriebe sind überwiegend nicht markt-
fähig, da sie allein nicht die von der Nachfra-
geseite geforderten Mindestmengen eines
Sortimentes liefern können.
Eine gut geeignete Möglichkeit, die geschil-
derten Hemmnisse zu überwinden, ist die Ko-
operation der Waldbesitzer, insbesondere in ei-
nem forstwirtschaftlichen Zusammenschluss
entsprechend Bundeswaldgesetz (BWaldG).
Forstliche Zusammenschlüsse haben den
Zweck, die wirtschaftliche Situation des Privat-
und Körperschaftswaldes zu verbessern. Es
handelt sich dabei um Selbsthilfeeinrichtungen
zur Überwindung struktureller Nachteile, z. B.
durch Bündelung von Waldpflegearbeiten oder
durch gemeinsamen Holzverkauf. In Sachsen
liegt der Organisationsgrad der Waldbesitzer in
forstlichen Zusammenschlüssen mit bisher ca.
17 % der Fläche des Privat- und Körperschafts-
waldes unter dem Bundesdurchschnitt.
Gegenüber 2003 stieg die Mitgliedsfläche der
Forstbetriebsgemeinschaften bis zum Jahr
2007 von 20.499 ha auf 47.750 ha, die Zahl
der Zusammenschlüsse blieb mit 29 konstant.
Insgesamt haben sich in forstlichen Zusam-
menschlüssen weit mehr als 2.000 private und
körperschaftliche Waldbesitzer zusammenge-
schlossen. Erfreulich ist die zunehmende Pro-
fessionalisierung sächsischer Forstbetriebs-
gemeinschaften. 2004 schlossen sich drei
Forstbetriebsgemeinschaften zu einer forst-
wirtschaftlichen Vereinigung zusammen, um
künftig durch gemeinsame Vermarktung ihren
Holzabsatz spürbar zu verbessern.
Holzverkauf
Der Holzeinschlag und -absatz im sächsi-
schen Wald wurde im Berichtszeitraum in al-
len Waldeigentumsarten deutlich gesteigert.
In den Jahren 2005 und 2007 führten abioti-
sche Schadereignisse (u. a. Sturm) zu extrem
hohen Zwangsnutzungen.
Die Holzmengen aller angefallenen Sortimente
konnten zu teilweise sehr guten Konditionen
aufgrund der ausgezeichneten Binnen- und
Globalkonjunktur sowie der vorhandenen Ab-
nehmerstruktur im Freistaat Sachsen und in
den benachbarten Bundesländern abgesetzt
werden. Der Großteil des Nadelsägeholzes
mit einem breiten Durchmesser- und Län-
genspektrum wird an hochmoderne Profilzer-
spanerwerke verkauft. Die erzeugten Produkte
reichen von Waren für die Palettenproduktion,
über Bauholz für Inlands- und Exportmärkte bis

image
image
32
Bild 4.2:
Hochmechanisierte
Holzernte im Körper-
schaftswald
Bild 4.3:
Polter mit Stammholz-
abschnitten

image
33
StanD unD EntWIcklunG DEr ForStWIrtSchaFt
Bild 4.4:
Bereitstellung von
Wertholz für die
Submission
hin zu hochwertigen Lamellen für die Leim-
holzproduktion. Holz geringerer Qualität wird
als Industrieholz zur stofflichen Verwertung an
Zellstoff- und Holzwerkstoffwerke abgesetzt,
welche daraus hochwertigen Kraftzellstoff
bzw. MDF-, OSB- oder Spanplatten für die Mö-
bel- und Laminatproduktion herstellen. Als Ab-
nehmer sind in den letzten Jahren Verwerter
hinzugekommen, die aus Industrie-, Sägerest-
und Althölzern Wärme und Strom, Pellets oder
Kraftstoffe produzieren. Im Freistaat Sachsen
wird mit zunehmender Tendenz Brennholz von
Selbsterwerbern aufgearbeitet. Allein 2006
wurde im Landeswald eine Menge von mehr
als 125.000 m
3
Brennholz genutzt.
Wichtigstes Verkaufssortiment waren Nadel-
stammholzabschnitte, die in Fixlängen von
2,50 bis 5,00 m ausgehalten und mit Profil-
zerspanertechnik bearbeitet wurden. Im Jahr
2007 wurden die höchsten Erlöse für Stamm-
holz-Abschnitte und Industrieholzsortimente
im Freistaat Sachsen seit 1990 erzielt. Beim In-
dustrieholz kam es im Berichtszeitraum 2003
bis 2007 zu Preissteigerungen von ca. 50 %,
wodurch Waldbesitzer mit schwachen Kiefern-
und Laubbaumbeständen positive Deckungs-
beiträge in der Waldpflege erzielen konnten.
Aufgrund der vorhandenen Abnehmerstruk-
tur kann auch mittel- bis langfristig mit guten
Absatzmöglichkeiten
aller
Holzsortimente
gerechnet werden. Die Schwankungen in
der Preisentwicklung können aufgrund der
zunehmend globalisierten Holzmärkte (Ein-
kaufs- und Absatzmärkte) ein erhebliches
Ausmaß erreichen. Das Holzmarktgeschehen
und damit die Absatzsituation der Forstwirt-
schaft werden zunehmend stärker durch Wit-
terungsextreme beeinflusst (Kap. 7).
Testbetriebsnetz Forstwirtschaft
Die Bundesregierung hat nach dem BWaldG
den Auftrag, dem Deutschen Bundestag jähr-
lich über die Lage und die Entwicklung der
Forstwirtschaft zu berichten. Dabei sollen
auch die zur Förderung der Forstwirtschaft
erforderlichen Maßnahmen dargelegt und
erläutert werden. Die Grundlage für diesen
Bericht bilden die Wirtschaftsergebnisse
von Forstbetrieben mit einer Waldfläche ab
200 ha, die zu einer Forstbetriebsstatistik zu-
sammengefasst werden. In einem für alle
Waldbesitzarten einheitlichen Erhebungs-
bogen stellen die freiwillig mitarbeitenden
Betriebe ihre Wirtschaftsergebnisse jährlich
dar.

34
Das Testbetriebsnetz ist im Freistaat Sachsen
inzwischen fest etabliert. Im Kommunalwald
bietet die Teilnahme von Forstbetrieben aus
allen Teilen des Freistaates gute Vergleichs-
möglichkeiten für die Teilnehmerbetriebe und
treffende Aussagen zur Ertragslage des Kom-
munalwaldes. Durch die gezielte Werbung
geeigneter Betriebe kann die Statistik weiter
verbessert werden. Die statistischen Aus-
wertungen der Daten der Privatwaldbetriebe
haben noch nicht die gleiche Qualität wie im
Kommunalwaldbereich. Um die vielfältigen
Verhältnisse im sächsischen Privatwald im
Testbetriebsnetz umfassend abzubilden, wer-
den am sächsischen Testbetriebsnetz interes-
sierte Privatwaldbetriebe besonders gesucht.
Die Ergebnisse aus dem Testbetriebsnetz zei-
gen im Berichtszeitraum ein differenziertes
Bild. Insbesondere im Jahr 2006 konnten im
Privat- und Körperschaftswald positive Rein-
erträge erwirtschaftet werden. Eine Kennzah-
lenübersicht ist im Internetauftritt des Säch-
sischen Staatsministeriums für Umwelt und
Landwirtschaft (SMUL) einzusehen.
Maßnahmen zur Verbesserung
der Ertragslage
Der Verkauf von Holz ist die Haupteinnahme-
quelle der sächsischen Forstbetriebe. In der
Regel werden über 90 % der betrieblichen Ein-
nahmen aus dem Rundholzverkauf realisiert,
umgekehrt machen die Kosten von Rundholz-
produktion und -bereitstellung den Hauptanteil
der Aufwendungen der Forstbetriebe aus. Die
Steigerung des Ertrages aus der Waldbewirt-
schaftung kann einerseits über eine weitere
Optimierung der Aufwandsseite bei Rund-
holzproduktion und -bereitstellung geschehen.
Andererseits können die Forstbetriebe durch
Verbesserung der Holzabsatzmöglichkeiten
höhere Preise erzielen.
Der Staatsbetrieb Sachsenforst engagiert
sich seit 2006 beim bundesweiten Gemein-
schaftsprojekt der deutschen Forst- und
Holzwirtschaft „NAVLOG“. Gegenstand des
Projektes ist der Aufbau sowie der Betrieb,
die Verbreitung und die Pflege eines wett-
bewerbsneutralen, bundesweiten und navi-
gationsfähigen Forstwege- und Straßen-
datenbestandes sowie darauf aufbauender
Logistikdienstleistungen zur Unterstützung
der forst- und holzwirtschaftlichen Logistikket-
ten und weiterer Anwendungen im Interesse
der Allgemeinheit (z. B. Rettungswesen, Kata-
strophenschutz). Weitere Ziele des Projektes
sind die Unterstützung und Durchführung von
Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen
an der Schnittstelle zwischen Forst- und Holz-
wirtschaft. Die Aufgabe des Staatsbetriebes
Sachsenforst besteht seit 2007 darin, flächen-
deckende Informationen über die Abfuhrwe-
ge im Wald zu erheben und zu digitalisieren.
Im Ergebnis sollen Wertschöpfungsprozesse
durch Optimierung des Informationsflusses
zwischen Forstbetrieb und Abnehmerseite
verbessert werden.
Intensiv wurde die Verwendung des Roh-
stoffes Holz als Bau-, Werk- und Brennstoff
mit verschiedenen Maßnahmen der Öffent-
lichkeitsarbeit thematisiert. Die Landesforst-
verwaltung beteiligte sich in diesem Zusam-
menhang regelmäßig an einer Vielzahl von
Veranstaltungen, z. B. an den jährlich stattfin-
denden Fachmessen „Haus“ und „Forst und
Holz“ in Dresden und veröffentlicht themen-
bezogene Publikationen, z. B. die Broschüre
„Heizen mit Holz“. Darüber hinaus organisier-
ten die Forstämter bzw. Forstbezirke in großer
Zahl regionale Veranstaltungen zur weiteren
Absatzverbesserung (Brennholztage, Hand-
werkertag im Zusammenhang mit der jähr-
lich stattfindenden Wertholz-Submission etc.).
Des Weiteren führte das SMUL im Jahr 2004
eine zweitägige Fachtagung zum Holzverkauf
in Schmochtitz durch und vergab einen säch-
sischen Holzbaupreis.

image
35
StanD unD EntWIcklunG DEr ForStWIrtSchaFt
Bild 4.5:
Transport von Fichten-
stammholzabschnitten

image
36

image
37
FörDErunG DES PrIVatEn unD körPErSchaFtlIchEn WalDBESItZES
Bild 5.1
Beratung im Privatwald
5
Förderung des
privaten und
körperschaftlichen
Waldbesitzes
Den nicht staatlichen sächsischen Waldbesit-
zern steht mit den Instrumenten der Sächsi-
schen Privat- und Körperschaftswaldverord-
nung (SächsPKWaldVO) vom 16. April 2003
ein breites Dienstleistungsspektrum der Lan-
desforstverwaltung zur Verfügung. Die priva-
ten Waldbesitzer können im Interesse einer
sachgemäßen Nutzung ihres Waldes auf die
kostenlose Beratung zurückgreifen bzw. bei
forstwirtschaftlichen Maßnahmen in ihrem
Wald das Angebot der fallweisen oder stän-
digen Betreuung durch den Staatsbetrieb
Sachsenforst nutzen. Die körperschaftlichen
Waldbesitzer nehmen größtenteils die Dienste
der forsttechnischen Betriebsleitung und des
forstlichen Revierdienstes für ihren Wald in
Anspruch. Für die Wälder der Körperschaften
wurde außerdem die Forsteinrichtung durch
den Staatsbetrieb Sachsenforst kostenfrei
durchgeführt. Darüber hinaus bestand im Be-
richtszeitraum für alle nicht staatlichen Wald-
besitzer die Möglichkeit der finanziellen Unter-
stützung forstlicher Maßnahmen im Rahmen
von Förderrichtlinien des Freistaates Sachsen.
5.1
Beratung und Betreuung
des Privatwaldes
5.1.1 Beratung
Die Beratung gem. §§ 23 und 49 SächsWaldG
ist eine Kernaufgabe der forstbehördlichen
Tätigkeit im Privatwald. Die Beratung soll
den Waldbesitzern, die nicht über forstliche
Fachkräfte verfügen, helfen, ihren Wald unter
Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen
ordnungsgemäß zu bewirtschaften und die
Eigentümerpflichten wahrzunehmen. Mit der

38
Abb. 5.1
Beratungen im Privat-
und Körperschaftswald
im Berichtszeitraum
Beratung wird, entsprechend den Bedürfnis-
sen der Waldbesitzer, Hilfe zur Selbsthilfe ge-
leistet.
Die Anzahl der beratenen Waldbesitzer zeigt
Abbildung 5.1. Die sehr hohe Zahl an Beratun-
gen im Jahr 2007 beruht auf dem, durch die
Folgen des Orkans „Kyrill“ hervorgerufenen,
großen Informationsbedarf (Schadensbeseiti-
gung, Waldschutz, Wiederaufforstung etc.).
Zukünftig wird der Beratungsbedarf zuneh-
men, weil aufgrund der Verteuerung fossiler
Energieträger voraussichtlich viele Waldbe-
sitzer, insbesondere Kleinwaldbesitzer, ver-
mehrt den im eigenen Wald nachwachsenden
Energieträger Holz nutzen werden. Ebenso
steigt das Informationsinteresse der Wald-
besitzer, v. a. in den Themenfeldern Waldbau
und Waldschutz im Zuge der Notwendigkeit,
ihren Wald an den Klimawandel anzupassen
(Kap. 10.1).
5.1.2 Betreuung
Die Betreuung umfasst die forsttechnische Be-
triebsleitung und den forstlichen Revierdienst
durch den Staatsbetrieb Sachsenforst (Kap.
9.2.2). Sie kann als sogenannte fallweise Be-
treuung oder durch eine längerfristige Übernah-
me als ständige Betreuung erfolgen. In beiden
Fällen werden Vereinbarungen zwischen dem
Waldbesitzer und dem Forstbezirk geschlos-
sen. Die Kosten der fallweisen Betreuung er-
geben sich aus dem vom Waldbesitzer gewähl-
ten Leistungsumfang. Die Kostenbeiträge für
die ständige Betreuung enthalten einen nach
Flächengröße gestaffelten Beitrag und die Mo-
dule entsprechend des Leistungsumfangs.
Betreut werden Privatwaldbesitzer nur, wenn sie
über keine eigenen forstlichen Fachkräfte verfü-
gen und ihnen auch nicht anderweitig forstlicher
Sachverstand zur Verfügung steht. Tab. 5.1 gibt
einen Überblick über die Inanspruchnahme der
Betreuungstätigkeit des Staatsbetriebes Sach-
senforst im Berichtszeitraum.
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
2003
2004
2005
2006
2007
Beratene Waldbesitzer

39
FörDErunG DES PrIVatEn unD körPErSchaFtlIchEn WalDBESItZES
Tab. 5.1:
Betreuungsleistungen
im Privatwald im
Berichtszeitraum
Schwerpunkt der ständigen Betreuung im
Privatwald ist das Auszeichnen von Waldbe-
ständen und die Organisation des Holzein-
schlages. Die ständige Betreuung wird vor
allem von Waldbesitzern kleiner Flächen in
Anspruch genommen.
5.2
Betriebsleitung und
revierdienst im
körperschaftswald
5.2.1 Betriebsleitung
Die forsttechnische Betriebsleitung hat für
alle Wald besitzenden Körperschaften, mit
Ausnahme der Städte Chemnitz und Leipzig
sowie der kirchlichen Forstverwaltungen des
Domstifts St. Petri und des Klosters St. Marien-
stern, der Staatsbetrieb Sachsenforst. Im Jahr
2007 wurde sie für insgesamt 940 Kommu-
nen, Kirchgemeinden, Stiftungen und Anstal-
ten des öffentlichen Rechts auf einer Fläche
von 42.788 ha ausgeübt (Kap. 9.2.2).
5.2.2 Forsteinrichtung für den
körperschaftswald
Der § 48 SächsWaldG weist der Forstbehör-
de die Aufgabe zur Aufstellung periodischer
Betriebspläne zu. Die Aufstellung der perio-
dischen Betriebspläne (i. d. R. alle 10 Jahre)
wird durch die Forsteinrichtung wahrgenom-
men. Deren Aufgabe ist es, den gegenwär-
tigen Waldzustand zu erfassen, die Ziele des
Waldbesitzers unter Beachtung der Bestim-
mungen des SächsWaldG in lang- und mittel-
fristigen Planungen umzusetzen und die Ver-
wirklichung der Ziele und Planungen aus der
zurückliegenden Periode zu beurteilen. Das
wichtigste Instrument der Körperschaften ist
die Aufstellung spezifischer Wirtschafts- und
Betriebsziele, die bei der Umsetzung der peri-
odischen Betriebspläne beachtet und mit der
Forsteinrichtung abgestimmt werden. Im Be-
richtszeitraum wurden für 496 Forstbetriebe
periodische Betriebspläne erarbeitet. Die ein-
gerichtete Waldfläche betrug 22.011 ha (Tab.
5.2). Etwa die Hälfte der Fläche (10.317 ha)
Jahr
Fallweise Betreuung
Ständige Betreuung
Erstellung
Wirtschafts-
plan
[ha]
Auszeichnen
von Wald-
beständen
[ha]
Organisation
Holzeinschlag
[fm]
Sonstige
Leistungen
[Std.]
Fläche
[ha]
Anzahl Wald-
besitzer
2003
4.969
652
48.972
213
4.206
26
2004
514
340
15.201
529
5.207
761
2005
1.262
648
22.366
602
7.285
788
2006
915
584
15.519
748
6.682
704
2007
513
344
19.807
942
4.074
750
Ø / Jahr
1.635
514
24.373
607
5.491
606

40
Tab. 5.2:
Forsteinrichtung im
Körperschaftswald im
Berichtszeitraum
und ca. drei Viertel der Betriebe wurden, be-
auftragt durch die Forstbehörde, durch Forst-
sachverständige im Werkvertrag bearbeitet.
5.2.3 revierdienst
Der Revierdienst im Körperschaftswald um-
fasst die forstlichen Tätigkeiten des Betriebs-
vollzuges. Die Körperschaften können den
Revierdienst mit geeignetem Personal selbst
ausführen oder sich des Revierdienstes des
Staatsbetriebes Sachsenforst aufgrundlage
der SächsPKWaldVO gegen einen Kostenbei-
trag bedienen.
Ende 2007 hatten 431 Körperschaften des
öffentlichen Rechts mit 30.870 ha Fläche und
358 Kirchgemeinden mit 2.406 ha Fläche Ver-
einbarungen über den forstlichen Revierdienst
abgeschlossen. Die erbrachten Leistungen im
Rahmen des Revierdienstes sind in Abb. 5.2
dargestellt.
Neben der Organisation des Holzeinschlages
bei Pflege-, Durchforstungs- und Erntemaß-
nahmen im Körperschaftswald wird das ge-
wonnene Holz durch die zuständigen Revierlei-
ter in verkaufbare Sortimente eingeteilt und zu
Verkaufslosen zusammengefasst (Abb. 5.3).
5.3
Fachliche aus- und Fort-
bildung der Waldbesitzer
Gemäß § 49 SächsWaldG wird der Privatwald
durch fachliche Aus- und Fortbildung gefördert.
Aufgrund der in den letzten Jahren stark gestie-
genen Nachfrage nach Motorsägenlehrgängen
im Zuge einer umfangreicheren Bewirtschaf-
tung des Privatwaldes durch die Waldbesitzer
selbst, werden gemeinsam mit der Land- und
Forstwirtschaftlichen
Berufsgenossenschaft
Mittel- und Ostdeutschlands Motorsägenlehr-
gänge angeboten.
Damit sollen die Waldbesitzer in die Lage ver-
setzt werden, ihren Wald unter Beachtung der
arbeitschutzrechtlichen Bestimmungen selbst zu
pflegen. Der Umfang der Aus- und Fortbildung
von Waldbesitzern einschließlich der Motor-
sägenlehrgänge ist aus der Abb. 5.4 ersichtlich.
5.4
Finanzielle Förderung des
Privat- und körperschafts-
waldes
Die Förderung von forstlichen Maßnahmen
im Privat- und Körperschaftswald erfolgte auf-
grundlage der Förderrichtlinien, die in Tab. 5.3
dargestellt sind.
Jahr
Kommunalwald
Kirchenwald
Gesamt
Waldfläche
[ha]
Betriebe
[Anzahl]
Waldfläche
[ha]
Betriebe
[Anzahl]
Waldfläche
[ha]
Betriebe
[Anzahl]
2003
4.763
104
784
106
5.547
210
2004
6.280
69
153
24
6.433
93
2005
1.038
17
115
7
1.153
24
2006
6.168
10
6.168
10
2007
980
63
1.730
96
2.710
159
Summe
19.229
263
2.782
233
22.011
496

41
FörDErunG DES PrIVatEn unD körPErSchaFtlIchEn WalDBESItZES
Abb. 5.2:
Leistungen für den
Körperschaftswald
2004 bis 2007
Abb. 5.3:
Holzsortierung und
-aufnahme im
Körperschaftswald
im Berichtszeitraum
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
4000
2004
2005
2006
2007
[ha]
Auszeichnen
Waldpflege
Durchforstung
Verjüngung
0
50.000
100.000
150.000
200.000
250.000
2003
2004
2005
2006
2007
[fm]

image
42
Bild 5.2
Ausbildung von Wald-
besitzern am Baum-
biegesimulator
Abb. 5.4:
Aus- und Fortbildung
von Waldbesitzern im
Berichtszeitraum
0
200
400
600
800
1.000
1.200
2003
2004
2005
2006
2007
Veranstaltungen
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
16.000
Waldbesitzer
Veranstaltungen
Waldbesitzer

43
FörDErunG DES PrIVatEn unD körPErSchaFtlIchEn WalDBESItZES
Tab. 5.3:
Im Berichtszeitraum
geltende Richtlinien
der Forstförderung
5.4.1 Entwicklung der forstlichen
Förderung
Im Berichtszeitraum wurden im Rahmen der
in Tab. 5.3 genannten Richtlinien Fördermittel
in Höhe von 18.884 TEUR auf der Grundlage
von über 6.300 Förderanträgen an fast 3.400
Waldbesitzer ausgezahlt (Abb. 5.5).
Inhaltliche Schwerpunkte der forstlichen För-
derung waren im Berichtszeitraum wie auch
in den vorherigen Jahren der Waldumbau und
die Kompensationskalkung im Rahmen der
Waldschadenssanierung.
Mit dem Ende der EU-Förderperiode 2000
bis 2006 zum 31. 12. 2006 lief auch die Richt-
Nr.
Titel/Grundlage/Finanzierung der Richtlinie
Laufzeit
23 / 02
Förderung der Wiederherstellung der durch Hochwasser
geschädigten forstlichen Infrastruktur
Grundlage:
Verwaltungsvorschrift der Sächsischen Staats-
kanzlei zur Förderung der Wiederherstellung
der vom Augusthochwasser 2002 geschädig-
ten Infrastruktur
Finanzierung durch Bundes- (60 %) und Landesmittel (40 %)
25. 11. 2002 bis
31. 12. 2003
52 / 00
Förderung der naturnahen Waldbewirtschaftung und
der Forstwirtschaft
Grundlage:
Operationelles Programm zur Strukturfonds-
förderung des Freistaates Sachsen für den
Zeitraum 2000 bis 2006
Finanzierung durch EU- (75 %) und Landesmittel (25 %)
20. 12. 2000 bis
01. 12. 2004
52 / 04
Förderung der naturnahen Waldbewirtschaftung und
der Forstwirtschaft
Grundlage:
Operationelles Programm zur Strukturfonds-
förderung des Freistaates Sachsen für den
Zeitraum 2000 bis 2006
Finanzierung durch EU- (75 %) und Landesmittel (25 %)
02. 12. 2004 bis
31. 12. 2006
WuF / 2007
Förderung der naturnahen Waldbewirtschaftung, forstwirtschaftlicher
Zusammenschlüsse und des Naturschutzes im Wald
Grundlage:
Entwicklungsprogramm für den ländlichen
Raum für den Freistaat Sachsen 2007 bis 2013
(EPLR)
Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe
„Verbesserung der Agrarstruktur und des
Küstenschutzes“ (GAK)
Finanzierung EPLR durch EU- (75 – 80 %) und Landesmittel (20 – 25 %)
Finanzierung GAK durch Bundes- (60 %) und Landesmittel (40 %)
ab 01. 10. 2007

44
Abb. 5.5:
Ausgezahlte Förder-
mittel im Berichtszeit-
raum
Tab. 5.4:
Förderung von Wald-
umbaumaßnahmen im
Berichtszeitraum
Tab. 5.5:
Förderung von Wald-
pflegemaßnahmen im
Berichtszeitraum
Tab. 5.6:
Förderung der
Kalkung im Privat- und
Körperschaftswald im
Berichtszeitraum
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
2003
2004
2005
2006
2007
[TEUR]
2003
2004
2005
2006
2007
gesamt
[TEUR]
1.006
1.060
894
645
1.196
4.801
[ha]
399
392
337
267
465
1.860
2003
2004
2005
2006
2007
gesamt
[TEUR]
602
585
361
254
92
1.894
[ha]
1.748
1.673
1.076
1.113
646
6.256
2003
2004
2005
2006
2007
gesamt
[TEUR]
991
1.138
1.486
1.227
626
5.468
[ha]
4.272
3.766
5.408
4.005
2.092
19.543

45
FörDErunG DES PrIVatEn unD körPErSchaFtlIchEn WalDBESItZES
linie 52 / 04 aus. Es konnte die vollständige
Bindung aller verfügbaren Mittel gesichert
werden, aufgrund fehlender Haushaltsmittel
mussten jedoch im Jahr 2006 ca. 150 Förder-
anträge abgelehnt werden.
Im Rahmen der aktuellen EU-Förderperiode
2007 bis 2013 trat die neue Förderrichtlinie
„Wald und Forstwirtschaft“ (WuF / 2007) zum
1. Oktober 2007 in Kraft. Fristgerecht wurden
480 Anträge mit einem Fördermittelumfang
von 6,4 Mio. EUR gestellt. Für die Wieder-
aufforstung der durch den Orkan „Kyrill“ ge-
schädigten Waldflächen wurde der vorzeitige
Vorhabensbeginn genehmigt, sodass mit der
Ausführung bereits im Jahr 2007 begonnen
werden konnte. Für den Bau bzw. die Sanie-
rung von ca. 97 Kilometern Waldwegen wur-
den 3,5 Mio. EUR, für den Waldumbau auf ei-
ner Fläche von mehr als 700 Hektar 2,0 Mio.
EUR für das Ausführungsjahr 2008 beantragt.
Auszahlungen nach RL WuF / 2007 standen im
Berichtszeitraum noch nicht an.
5.4.2 Förderung des
Waldumbaus
Waldumbaumaßnahmen dienen dem Aufbau
naturnaher, vielfältig strukturierter und sta-
biler Mischwaldbestände. Für die Förderung
des Waldumbaus einschließlich der erforder-
lichen Wildschutz- und Kultursicherungsmaß-
nahmen wurden 4.801 TEUR der Fördermittel
eingesetzt. Im Rahmen der geförderten Wald-
umbaumaßnahmen wurden ungefähr 7,5 Mio.
Bäume auf einer Waldfläche von 1.860 ha ge-
pflanzt (Tab. 5.4).
Schwerpunkte in der Förderung des Waldum-
baus waren der Umbau bzw. die langfristige
Überführung nicht standortsgerechter Nadel-
baumbestände bzw. wegen biotischer oder
abiotischer Schädigung stark aufgelichteter
Wälder in standortsgerechte, stabile Misch-
bestände auf einer Fläche von 1.283 ha sowie
Voranbaumaßnahmen mit Laubbäumen und
Weißtanne zur Stabilisierung und Verjüngung
der bisher vorhandenen Nadelholz-Altbestän-
de auf einer Fläche von 471 ha.
5.4.3 Förderung der Waldpflege
Jungwuchs- und Jungbestandspflege dienen
der Erziehung stabiler, strukturierter und leis-
tungsfähiger Waldbestände. Ihr Anteil an der
Gesamtfördersumme ist relativ gering. Damit
setzt sich der Trend weiter fort, der bereits im
vorangegangenen Berichtszeitraum zu beob-
achten war. Die Pflege des Waldes wurde auf
einer Waldfläche von 6.256 ha mit 1.894 TEUR
gefördert (Tab. 5.5). Der weitaus größte Anteil
dieser Maßnahmen (86 %) entfiel auf die Pfle-
ge von Jungbeständen, d. h. Waldbeständen
mit mehr als 5 m Höhe. Ursache für die ver-
gleichsweise niedrigen Werte im Jahr 2007
ist, dass die Förderperiode zum 31. 12. 2006
endete. Im Jahr 2007 wurden nur noch Rest-
vorhaben finanziert, die bereits in den Vorjah-
ren bewilligt worden waren.
5.4.4 Förderung der Waldkalkung
Die Kompensationskalkung von Waldböden
dient dazu, kurzfristig die hohen immissions-
bedingten Säureeinträge im Oberboden abzu-
puffern und damit Schäden an Baumbestand
und Waldboden zu mindern (Kap. 6.3 und 7.1).
Für die Kalkung von fast 20.000 ha Privat- und
Körperschaftswald wurden rund 5,5 Mio. EUR
im Berichtszeitraum aufgewendet (Tab. 5.6).
5.4.5 Förderung des Wegebaus
Eine ausreichende Erschließung des Waldes
mit Wegen ist Grundvoraussetzung für seine
ordnungsgemäße, nachhaltige Bewirtschaf-
tung. Deshalb sollen Waldbesitzer im Rahmen

image
image
46
Bild 5.3:
Kompensationskalkung
mit Flugzeugen
Bild 5.4:
Förderung des Wald-
wegebaus im Privat-
wald
Tab. 5.7:
Förderung des
forstwirtschaftlichen
Wegebaus im Berichts-
zeitraum
ihres Leistungsvermögens notwendige Wege
bauen und unterhalten (§ 21 SächsWaldG).
Die aktuelle Erschließungssituation im Pri-
vat- und Körperschaftswald in Sachsen ist
häufig unzulänglich. Zudem genügt der Zu-
stand der forstlichen Infrastruktur vielerorts
nicht mehr den Anforderungen der heutigen
Holztransporttechnik. Der forstwirtschaftli-
che Wege- und Brückenbau ist ein wesent-
liches Instrument zur Intensivierung der
Waldpflege und Holznutzung im Privat- und
Körperschaftswald (Kap. 4.2). Außerdem ist
das Vorhandensein gut instand gehaltener
Wege eine wichtige Voraussetzung für die
zunehmende Nutzung des Waldes als Erho-
2003
2004
2005
2006
2007
gesamt
[TEUR]
593
398
243
1.392
1.546
4.172
[lfm]
22.700
18.000
8.000
50.400
40.700
139.800

47
FörDErunG DES PrIVatEn unD körPErSchaFtlIchEn WalDBESItZES
lungsort und erhöht damit dessen Attraktivi-
tät für den Tourismus.
Auf den forstwirtschaftlichen Wege- und Brü-
ckenbau entfallen 4.172 TEUR der Fördermit-
tel. Mit diesen wurden fast 140 km Wege und
8 Brücken gebaut bzw. instand gesetzt (Tab.
5.7). Besonders zum Ende der Förderperiode
wurden von den Waldbesitzern Fördermittel
für den forstlichen Wegebau nachgefragt.
5.4.6 Förderung sonstiger
forstlicher Maßnahmen
Im Berichtszeitraum wurden weitere sons-
tige Maßnahmen im Forstbereich gefördert,
dazu zählen insbesondere Überwachung
und Bekämpfung von Waldkrankheiten und
Schädlingen, Investitionen zur energetischen
Holzverwertung, Gründung und Betrieb von
Vermarktungsorganisationen, Erstaufforstung
nicht landwirtschaftlicher Flächen sowie Maß-
nahmen des Vertragsnaturschutzes im Wald.
5.4.7 Förderung forstwirtschaft-
licher Zusammenschlüsse
In den alten Bundesländern sind etwa drei
Viertel der Waldfläche im kleineren Privat-
wald Teil von forstwirtschaftlichen Zusam-
menschlüssen. Davon ist man im Freistaat
Sachsen noch weit entfernt (Kap. 4). Die Bil-
dung neuer und die Erweiterung bestehen-
der forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse
ist deshalb ein vorrangiges Ziel der sächsi-
schen Forstpolitik. Um diese Zielstellung zu
erreichen, stellt die finanzielle Unterstützung
der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse
neben der Beratung ein wesentliches Instru-
ment der Forstpolitik dar.
Förderung der Verwaltungskosten
Hierbei wurden Gründungskosten, Personal-
und Reisekosten, Geschäftsausgaben sowie
Verwaltungs- und Beratungskosten der Zu-
sammenschlüsse gefördert. Seit dem Jahr
2001 betrug der Fördersatz gem. der Richt-
linien 52 / 00 bzw. 52 / 04 für Ausgaben der
Verwaltung und Beratung bezogen auf den
Gründungszeitpunkt in den ersten fünf Jah-
ren bis zu 60 %, in den darauf folgenden fünf
Jahren bis zu 40 % und für weitere fünf Jahre
bis zu 30 % der förderfähigen Ausgaben. In
den Jahren 2003 bis 2007 wurden insgesamt
73 Vorhaben mit 242 TEUR gefördert.
Förderung von Erstinvestitionen
Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse er-
hielten zudem Zuschüsse von bis zu 40 %
für die Neuanschaffung von Maschinen und
Geräten für forstliche Betriebsarbeiten. Im
Berichtszeitraum wurden vier Vorhaben mit
11 TEUR gefördert.
5.4.8 Förderung der Erstauf-
forstung ehemals landwirt-
schaftlicher Flächen
Im Berichtszeitraum wurden Erstaufforstun-
gen auf ehemals landwirtschaftlichen Flä-
chen
mit Zuschüssen in Höhe von insgesamt
8.163 TEUR (Investitionen 2.896 TEUR, Prämi-
en 5.267 TEUR) gefördert. Mit diesen Mitteln
konnte eine Fläche von 863 ha Wald neu be-
gründet werden (Tab. 5.8).
Die Förderung erfolgte aufgrundlage der
Richtlinie zur Förderung der ökologischen
Waldmehrung im Freistaat Sachsen (Richt-
linie 93 / 03) sowie ab dem Jahr 2007 zusätz-
lich basierend auf der Richtlinie Agrarumwelt-
maßnahmen und Waldmehrung (AuW / 2007).
Die Zuständigkeit für die Förderung von Erst-
aufforstungen wechselte zum 1. Januar 2007
von der Landesforstverwaltung zur Landwirt-
schaftsverwaltung.

image
48
Tab. 5.8:
Förderung der Erst-
aufforstung ehemals
landwirtschaftlicher
Flächen im Berichts-
zeitraum
Bild 5.5:
Erstaufforstungsfläche
Pflege und Schutz der
Kultur bis zum Alter
von 5 Jahren
Erstaufforstungsinvestition
Erstaufforstungsprämie
[TEUR]
[ha]
[TEUR]
[TEUR]
2003
337
134
532
525
2004
523
294
1.010
563
2005
546
175
576
655
2006
365
115
376
703
2007
284
145
402
766
Summe
2.055
863
2.896
3.212

image
image
49
FörDErunG DES PrIVatEn unD körPErSchaFtlIchEn WalDBESItZES
Bild 5.6:
Wald ist ein wichtiges
Strukturelement in der
Kulturlandschaft

image
50

image
51
EntWIcklunG DEr WälDEr MIt BESonDErEM StatuS
Bild 6.1:
Naturschutzfunktion
des Waldes
6
Entwicklung der
Wälder mit
besonderem Status
Waldflächen, die einem besonderen Schutz
oder besonderen Belastungen unterliegen,
werden als Wälder mit besonderem Status
bezeichnet. Die besondere Schutzkatego-
rie ergibt sich entweder direkt aus den Be-
stimmungen des SächsWaldG sowie unter-
schiedlicher Fachgesetze oder sie wird durch
Rechtsverordnungen bzw. Satzungen förmlich
festgesetzt. Mit dem Schutzstatus sind zum
Teil Einschränkungen in Nutzung, Verfügbar-
keit und Wertgehalt verbunden. Erfüllt eine
Waldfläche die Kriterien für einen Schutzsta-
tus kraft Gesetzes, gelten alle rechtlichen
Konsequenzen direkt, unabhängig davon, ob
die Fläche in dafür vorgesehenen Kartierun-
gen oder Verzeichnissen dargestellt ist.
Als besonders belastet gelten Waldflächen,
die innerhalb der durch das Sächsische
Staatsministerium für Umwelt und Landwirt-
schaft ausgewiesenen Immissionsschadzone
liegen.
6.1
kraft Gesetzes
geschützte Wälder
Bestimmte Waldflächen stehen kraft ver-
schiedener Fachgesetze und ohne weitere
förmliche Rechtsakte unter einem besonde-
ren Schutz. Sie weisen bestimmte, in diesen
Fachgesetzen definierte Eigenschaften auf.
Rechtliche Folgen und mögliche Einschrän-
kungen aufgrund des besonderen Schutzsta-
tus ergeben sich ebenfalls aus den betreffen-
den Gesetzen. Entsprechende Bestimmungen
sind im SächsWaldG, im SächsNatSchG und
im Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Kul-
turdenkmale im Freistaat Sachsen (SächsD-
SchG) enthalten.

image
image
52
Bild 6.2:
Bodenschutzwald
kraft Gesetzes
Bild 6.3:
Naturnahe Bachläufe
sind gem. § 26
SächsNatSchG
geschützt
6.1.1 Schutzwald gemäß
§ 29 abs. 1 SächsWaldG
Schutzwald gemäß § 29 Abs. 1 SächsWaldG,
sogenannter Bodenschutzwald kraft Geset-
zes, ist Wald auf erosionsgefährdeten Stand-
orten, insbesondere auf rutschgefährdeten
Hängen, auf felsigen oder flachgründigen
Steilhängen oder auf Flugsandböden. Boden-
schutzwald ist besonders häufig auf Steilhän-
gen im Elbsandsteingebirge oder an den Ufern
der sächsischen Flüsse (> 30° Hangneigung)
sowie auf Binnendünen in Nordostsachsen
anzutreffen.
Die aktualisierten Ergebnisse der Waldfunk-
tionenkartierung (Kap. 3.2.1) weisen Boden-
schutzwald auf 26.555 ha nach. Das entspricht
5,1 % der Waldfläche Sachsens (Tab. 6.1). Im
Berichtszeitraum wurde begonnen, den Bo-
denschutzwald nach § 29 Abs. 4 SächsWaldG
ortsüblich bekannt zu machen. Dazu wird die
Waldfunktionenkarte mit den Flurstücksinfor-
mationen verschnitten.

53
EntWIcklunG DEr WälDEr MIt BESonDErEM StatuS
Abb. 6.1:
Fläche der nach
§ 26 SächsNatSchG
besonders geschützten
Biotope im Wald
6.1.2 Besonders geschützte
Biotope gemäß § 26
SächsnatSchG
Die gemäß § 26 Abs. 1 SächsNatSchG geschütz-
ten Biotope sind durch besondere Standortsver-
hältnisse, eine typische Flora und Fauna sowie
sonstige Eigenschaften definiert. Zahlreiche
dieser besonders geschützten Biotope befinden
sich im Wald. Dazu gehören u. a. höhlenreiche
Einzelbäume und Altholzinseln, naturnahe Bach-
läufe und Quellen oder Moore. Darüber hinaus
sind bestimmte Wälder als naturnahe Relikte
natürlicher Waldgesellschaften, beispielsweise
Bruch-, Hangschutt- und Schluchtwälder oder
Wälder trockenwarmer Standorte ebenfalls
kraft Gesetzes geschützt (Abb. 6.1).
6.1.3 kulturdenkmale gemäß
§ 2 SächsDSchG
Kulturdenkmale im Sinne des § 2 SächsDSchG
sind von Menschen geschaffene Sachen oder
Teile von Sachen einschließlich ihrer natürli-
chen Grundlagen. Ihre Erhaltung liegt u. a.
wegen ihrer geschichtlichen oder Landschaft
gestaltenden Bedeutung im öffentlichen In-
teresse. Gegenstand des Denkmalschutzes
kann auch die Umgebung eines Kulturdenk-
mals sein. Insofern kann Wald unter diesem
besonderen gesetzlichen Schutz stehen. Typi-
sche Kulturdenkmale im Wald sind Baudenk-
male (Steinbrücken, Wegekreuze, Grenzstei-
ne etc.), technische Denkmale (z. B. Flößerei ,
Bergbauanlagen) und Bodendenkmale (Grab,
Siedlungsanlagen aus Eisen- oder Bronzezeit,
altslawische Wüstungen usw.).
Nach den Ergebnissen der Waldfunktionenkar-
tierung sind in Sachsen auf ca. 0,6 % der Wald-
fläche (3.210 ha) Kulturdenkmale vorhanden
(Tab. 6.1). Insgesamt sind die Einschränkungen
infolge kraft Gesetzes geschützter Kulturdenk-
male von eher geringer Bedeutung.
355
235
1.842
1.387
1.053
1.054
1.005
2.922
7.376
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
Fels-, Gesteins- und
Rohbodenbiotope
Fließgewässer
Standgewässer
Moore und Sümpfe
Grünland
Heiden und Magerrasen
Gebüsche, Hecken,
Gehölze
Staudenfluren und Säume
Wälder
[ha]

54
Tab. 6.1:
Kraft Gesetzes
geschützte Wald-
flächen in Sachsen
Tab. 6.2:
Gesamtflächen,
Waldflächen und
Waldflächenanteile
in Schutzgebieten,
einschließlich einst-
weilig sichergestellter
Schutzgebiete
(Stand 31. 12. 2007)
6.2
Durch rechtsverordnungen
und Satzungen geschützte
Wälder
Insbesondere wenn die Schutzwürdigkeit und
Schutzbedürftigkeit eines Gebietes gegeben
sind und der Schutzzweck nicht mit anderen
Instrumenten erreicht werden kann, kön-
nen Waldflächen durch Rechtsverordnungen
oder Satzungen aufgrundlage verschiedener
Fachgesetze unter Schutz gestellt werden.
Bewirtschaftungs- und andere Einschränkun-
gen durch Ge- und Verbote sowie Erlaubnis-
vorbehalte können dann Rechtsfolgen einer
Unterschutzstellung sein. Sie ergeben sich
aus dem Verordnungs- oder Satzungstext un-
ter Berücksichtigung der Gegebenheiten vor
Ort.
Die größte Bedeutung im Hinblick auf die
räumliche Ausdehnung haben Schutzgebiete
gemäß SächsNatSchG, in erster Linie die Ge-
biete der NATURA 2000-Kulisse (FFH-Gebiete
und SPA-Gebiete), sowie gemäß Sächsischem
Wassergesetz (SächsWG; Wasserschutzge-
biete und Überschwemmungsgebiete).
Schutzzweck
Gesetzliche Grundlage
Fläche [ha]
Anteil am Gesamtwald [%]
Bodenschutzwald
§ 29 SächsWaldG
26.555
5,1
Geschützte Biotope
§ 26 SächsNatSchG
17.230
3,3
Kulturdenkmale
§ 2 SächsDSchG
3.210
0,6
Schutzgebietskategorie
Gesamtfläche
Waldanteil
Anteil am
Gesamtwald
[ha]
[ha]
[%]
[%]
Naturschutzgebiet
50.085
32.920
65,7
6,4
Nationalpark
9.354
8.445
90,3
1,6
Naturdenkmal
6.316
4.459
70,6
0,9
Landschaftsschutzgebiet
553.581
218.754
39,5
42,2
Biosphärenreservat
30.102
15.342
51,0
3,0
Fauna-Flora-(FFH-)Gebiet
168.661
96.796
57,4
18,7
Vogelschutz-(SPA-)Gebiet
248.965
126.147
50,7
24,3

55
EntWIcklunG DEr WälDEr MIt BESonDErEM StatuS
6.2.1 Schutzgebiete gemäß
SächsnatSchG
Wald ist erkennbar überproportional im Ver-
gleich mit anderen Landnutzungsformen mit
Schutzgebieten ausgestattet (Tab. 6.2). Der
Waldanteil liegt in allen Schutzgebietskate-
gorien erheblich über dem Bewaldungspro-
zent im Freistaat Sachsen von 28,2 %. Damit
leisten die sächsischen Waldbesitzer einen
außerordentlich wichtigen Beitrag zum Arten-
und Biotopschutz.
NATURA 2000
Die EU-Kommission hat mit ihrer Entschei-
dung vom 13. 11. 2007 eine aktualisierte Lis-
te sämtlicher Fauna-Flora-(FFH-)Gebiete der
kontinentalen biogeografischen Region, in der
auch Sachsen liegt, bekannt gegeben (veröf-
fentlicht am 15. 01. 2008 in Nr. L 12 des Abl.
der EU). Für den Freistaat Sachsen kann da-
von ausgegangen werden, dass die EU diese
Liste als abschließend akzeptiert.
Die Vogelschutz-(SPA-)Gebietskulisse umfass-
te bis Herbst 2006 13 Gebiete mit einer Flä-
che von 87.232 ha (4,7 % der Landesfläche).
Aufgrund einer Nachmeldung des Freistaates
Sachsen sowie Korrekturen bei den bisherigen
Gebieten erhöhte sich die Anzahl im Oktober
2006 auf insgesamt 83 Vogelschutzgebiete
mit einer Fläche von 248.965 ha. Gleichzeitig
wurde für jedes dieser Gebiete eine Grund-
schutzverordnung erlassen.
Umsetzung der FFH-Richtlinie im Wald
Die Fauna–Flora–Habitat-Richtline (FFH-RL)
und die Vogelschutz-Richtlinie der europäi-
schen Union bilden die Rechtsgrundlage für
das zusammenhängende Netz der Schutz-
gebiete NATURA 2000. Eine wichtige Maß-
nahme zur Umsetzung der FFH-RL ist die
Managementplanung. Auf Basis einer bilate-
ralen Vereinbarung zwischen Forst- und Na-
turschutzbehörden werden FFH-Gebiete mit
einem hohen Waldanteil federführend durch
den Staatsbetrieb Sachsenforst bearbeitet.
Für die übrigen Gebiete mit überwiegendem
Offenlandcharakter waren das Landesamt für
Umwelt und Geologie (LfUG) bzw. die Regie-
rungspräsidien zuständig.
Die FFH–Managementplanung besteht aus
der Ersterfassung von Lebensraumtypen und
Arten aus dem Anhang II der Richtlinie sowie
der dazugehörigen Maßnahmenplanung. Die
Ersterfassung beinhaltet, dass Waldlebens-
räume räumlich abgegrenzt, nach Baumarten,
Bodenvegetation und Strukturparametern be-
schrieben und letztlich den Bewertungskate-
gorien A, B und C zugeordnet werden. Auch
Beeinträchtigungen wie starke Verbissschä-
den, Bodenverdichtung infolge Befahrung
sowie allgemeine Vitalitätsschäden werden
berücksichtigt.
Der planerische Teil unterscheidet Erhaltungs-
und Entwicklungsmaßnahmen. Ziel ist es, ge-
mäß FFH-RL den günstigen Erhaltungszustand
zu bewahren oder auf diesen hinzuwirken.
Besonders wichtig ist dabei, dass Totholz im
Wald bleibt und Bäume starker Dimension mit
Kronen-, Stamm- oder sonstigen Schäden als
sogenannte Biotopbäume gefördert werden,
da sie bereits heute Strukturen bieten und in
Zukunft den zahlreichen auf Totholz speziali-
sierten Arten zur Verfügung stehen sollen. In
der wertvollsten Kategorie A bedeutet das,
mindestens sechs Biotopbäume bzw. drei
Stück starkes Totholz aus Stamm oder Krone
bis zu deren Zerfall im Wald zu belassen.
Im Zuge der Habitatkartierung werden Vor-
kommen sowie Nahrungs-, Nist- und Wohn-
stätten europaweit bedeutender Tiere aus
dem Anhang II der FFH-RL erfasst. Als typi-
sche Waldbewohner gehören dazu z. B. Eremit,
Heldbock und Hirschkäfer, deren Lebenszyklus
eng mit alten und deshalb üblicherweise star-
ken, totholzreichen Eichen verknüpft ist, eben-
so wie Fledermäuse, die höhlen- und spalten-
reiche Bäume in vielfältiger Weise nutzen.

image
56
Bild 6.4:
FFH-Lebensraumtyp
9110, Hainsimsen –
Buchenwald
Im Berichtszeitraum wurden vom Staatsbe-
trieb Sachsenforst 26 FFH-Gebiete mit einer
Gesamtfläche von 6.491 ha und einem Wald-
anteil von 96 % hauptverantwortlich beplant.
Für die FFH-Managementpläne der übrigen 164
in Bearbeitung befindlichen Gebiete wurden
die relevanten waldfachlichen Inhalte zugear-
beitet. Dies betraf eine Fläche von 108.527 ha.
Davon sind 54 % Wald.
Im Landeswald wird die FFH–Management-
planung als Teil naturnaher Waldbewirtschaf-
tung umgesetzt. Sie ist integraler Bestandteil
der Forsteinrichtungsplanung. Für private und
körperschaftliche Waldbesitzer ist sie eine
Angebotsplanung. Sie haben die Möglichkeit,
sich bestimmte Maßnahmen, wie „Biotop-
bäume und starkes Totholz im Wald zu belas-
sen“, über die RL WuF / 2007 (Kap. 5.4) för-
dern zu lassen.
6.2.2 Schutzgebiete gemäß
Wasserrecht
Das Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts
(Wasserhaushaltsgesetz, WHG) in Verbindung
mit dem SächsWG sieht zum Erreichen der
Schutzzwecke Hochwasserschutz und Trink-
wasserschutz mehrere Instrumente vor, wie
Wasserschutz-, Überschwemmungs-, Hoch-
wasserentstehungsgebiete oder Gewässer-
randstreifen.
Trinkwasserschutz
In Trinkwasserschutzgebieten soll die öf-
fentliche Wasserversorgung vor nachteiligen
Einwirkungen geschützt werden. Sie sind in
der Regel in drei Schutzzonen untergliedert,
in denen mit zunehmender Entfernung von
den Wassergewinnungsanlagen abgestufte
Schutzbestimmungen festgelegt sind. Ne-
ben den Trinkwasserschutzgebieten gibt es in
Sachsen auch Heilquellenschutzgebiete zum
Schutz staatlich anerkannter Heilquellen.
Wälder erfüllen die oben genannten Ziele be-
sonders gut. Die hohe Speicherfähigkeit sowie
die intensive Durchwurzelung der Waldböden
verhindern Wassererosion. Ein ordnungs-
gemäß bewirtschafteter Wald leistet einen
wesentlichen Beitrag für einen möglichst in
der Menge ausreichenden und gleichmäßig
über das Jahr verteilten Grundwasserabfluss
für die wasserwirtschaftliche Nutzung. Nie-
derschlagswasser wird im Waldboden me-
chanisch und biologisch gereinigt. Außerdem
verursacht die forstliche Bewirtschaftung na-
hezu keinerlei Wasserbelastungen mit schäd-
lichen Stoffen, weil so gut wie keine Pflanzen-
schutzmittel eingesetzt werden. Waldflächen
nehmen in wasserrechtlichen Schutzgebieten
einen erheblichen Anteil ein (Tab. 6.3).
Hochwasserschutz
Der Schutz vor Hochwasser steht bei den
Überschwemmungsgebieten im Vordergrund.
Hier soll ein schadloser Abfluss von Hoch-

image
57
EntWIcklunG DEr WälDEr MIt BESonDErEM StatuS
wasser sowie eine Hochwasserentlastung
oder -rückhaltung gewährleistet werden. In
Hochwasserentstehungsgebieten ist das na-
türliche Wasserversickerungs- und Wasser-
rückhaltevermögen zu erhalten und zu ver-
bessern. Insbesondere sollen dort die Böden
so weit wie möglich entsiegelt und geeignete
Gebiete aufgeforstet werden. Diese Schutz-
kategorien haben aufgrund des Hochwasser-
ereignisses 2002 (Kap. 7.2) ein besonderes
Gewicht im Berichtszeitraum erlangt.
Gebiete mit besonderer Hochwasserschutz-
funktion von Wald sind im LEP 2003 darge-
stellt. Waldflächen in den ausgewiesenen
Gebieten besitzen grundsätzlich diese beson-
dere Schutzfunktion. Standortsgerechte Wäl-
der geben Niederschlagswasser nur verzögert
ab und dämpfen dadurch Hochwasserspitzen.
Insbesondere durch Dauerbestockung, die Er-
haltung und Begründung von Mischbeständen
aus standortsangepassten Baumarten mit ei-
nem hohen Anteil wintergrüner Nadelbaumar-
ten, einem stufigem Bestandsaufbau und Ver-
hinderung einer stärkeren Rohhumusauflage
soll auf das Ziel der Hochwasservermeidung
hingewirkt werden.
Bild 6.5:
Wasserschutzgebiet
im Wald
Tab. 6.3:
Waldflächen und
Waldflächenanteile in
Wasserschutzgebie-
ten gemäß SächsWG
einschließlich vorläufig
angeordneter Schutzge-
biete (Stand 31. 12. 2007)
Schutzgebietskategorie
Gesamtfläche
Waldanteil
Anteil am
Gesamtwald
[ha]
[ha]
[%]
[%]
Wasserschutzgebiet
154.069
66.207
43,0
12,8
davon Heilquellenschutzgebiet
5.355
3.365
62,8
0,7

58
In Schutzgebieten nach Wasserrecht können
bestimmte Handlungen verboten oder nur für
beschränkt zulässig erklärt, die Eigentümer
zur Duldung bestimmter Maßnahmen ver-
pflichtet oder ihnen Handlungspflichten aufer-
legt werden.
6.3
Wälder in der aus-
gewiesenen Immissions-
schadzone
Für die von den Immissionsschäden am
stärksten betroffenen Regionen Sachsens
wurde durch das SMUL im Jahr 2006 eine Im-
missionsschadzone gemäß § 32 SächsWaldG
neu ausgewiesen. Erstmals wurde hierbei
auf eine Untergliederung nach Schadzonen
verzichtet. Die qualifizierte Ausweisung der
Immissionsschadzone (Abb. 6.2) erfolgte auf
der Basis der regionalisierten bodenchemi-
schen Daten der Bodenzustandserhebung
unter Einbeziehung der Ergebnisse der Wald-
zustandserhebungen von 1991 bis 2003. Zu-
sätzlich wurden die Flächen von Übergangs-
baumarten, wie Murraykiefer oder Blaufichte,
berücksichtigt.
Die Zuordnung der Waldflächen zur Immis-
sionsschadzone erfolgte auf der Ebene von
Waldteilen. Eigentumsübergreifend erstreckt
sich die Immissionsschadzone auf einer Wald-
fläche von rd. 49.000 ha, was knapp 10 % der
sächsischen Gesamtwaldfläche entspricht.
Insbesondere in diesen Gebieten sind auch
zukünftig erhöhte Anstrengungen zur Sanie-
rung und Stabilisierung des immissionsge-
schädigten Waldes, z. B. durch Kompensati-
onskalkung, notwendig.

image
59
EntWIcklunG DEr WälDEr MIt BESonDErEM StatuS
Abb. 6.2:
Immissionsschadzone
2006
Immissionsschadzone

image
60

61
BESonDErE SchaDErEIGnISSE
Abb. 7.1:
Schadstufenverteilung
und mittlere Kronen-
verlichtung (KV) im
Berichtszeitraum
7
Besondere Schad-
ereignisse
7.1
Waldzustand
Der sichtbare Gesundheitszustand des Wal-
des wird in Sachsen nach einem in Deutsch-
land sowie Europa einheitlich angewandten
Verfahren zur Beurteilung der Baumkro-
nen
aufgenommen. Die im Berichtszeitraum
im
Rahmen dieser Waldzustandserhebung
(WZE) erfassten Kronenzustände zeigen die
sichtbaren Veränderungen in der Vitalität der
sächsischen Wälder aufgrund verschiedener
Belastungsursachen. Noch bis zur Mitte der
1990er-Jahre verursachten hauptsächlich
hohe Schadstoffkonzentrationen in der Luft
und intensive Säureeinträge in die Waldbö-
den akute Schäden am Kronenzustand und
senkten auch langfristig die Vitalität der
Wälder.
Ausgehend von der inzwischen deutlich ver-
minderten Immissionsbelastung – die atmo-
sphärischen Schadstoffkonzentrationen sind
auf Bruchteile der 1991 gemessenen Werte
gesunken – und den anhaltenden Anstrengun-
gen bei der Sanierung der Waldböden durch
die Bodenschutzkalkung nahmen mit zeitlicher
Verzögerung auch die Blatt- und Nadelverluste
ab. Infolgedessen ging der Anteil deutlich ge-
schädigter Waldflächen bis zum Jahr 2006 auf
14 % zurück (Abb. 7.1). Dies ist der niedrigste
Wert seit Beginn der WZE 1991. Gleichzeitig
wiesen 41 % der untersuchten Bäume 2006
keine erkennbaren Schäden auf. Dieser Trend
beruht im Wesentlichen auf der Verbesserung
des Kronenzustandes der ursprünglich beson-
ders stark belasteten Fichtenbestände in den
höheren Berg- und in den Kammlagen.
Sowohl bei den Fichtenbeständen der un-
teren Berglagen als auch bei den anderen
Baumarten stiegen die Blatt- und Nadelver-
0
20
40
60
80
100
2003
2004
2005
2006
2007
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (> 60 Jahre)
KV (- 60 Jahre)
KV (jedes Alter)
[%]

62
Tab. 7.1:
Mittelverbrauch aus-
gewählter Leistungen
und Maßnahmen bei
der Hochwasser-
schadensbeseitigung
2003 bis 2005 im
Landeswald
luste vor allem infolge der extrem trockenen
Witterungsperioden in den Jahren 2003 und
2006 jedoch wiederholt an (Kap. 7.3). Die
witterungsbedingten Beeinträchtigungen des
Kronenzustandes bewirkten 2007 eine sprung-
hafte Verschiebung bei der Schadstufenvertei-
lung. So waren 2007 nur noch 35 % der Bäume
gesund. Der Anteil der deutlich geschädigten
Bäume stieg im selben Jahr auf 20 % an.
Die Auswirkungen der im Zuge der prognos-
tizierten Klimaänderungen künftig häufiger
auftretenden Witterungsextreme auf den
Kronenzustand dürfen jedoch nicht mit der
Vitalität der Baumarten gleichgesetzt werden.
Die natürlichen Anpassungsreaktionen der
Baumarten auf Trockenstress und ihre Anfäl-
ligkeit gegenüber Folgeschäden durch Insek-
ten müssen bei der Interpretation gleichfalls
betrachtet werden. So steigen die Blattver-
luste bei den Eichenarten nach Trockenheit
stark an. Andererseits verfügen die Eichen
über ein beträchtliches Regenerationspoten-
zial, sodass sich ihr Kronenzustand rasch wie-
der verbessern kann. Die Sterberate bei den
Eichen nimmt nach Trockenjahren – entgegen
den Beobachtungen bei den anderen Baum-
arten – nicht zu. Detaillierte Informationen
zum Zustand der sächsischen Wälder sind
in den jährlich vom SMUL herausgegebenen
Waldzustandsberichten enthalten.
7.2
Beseitigung der Schäden
des hochwassers 2002
7.2.1 Situation im landeswald
Infolge der Hochwasserkatastrophe vom Au-
gust 2002 gehörte die Beseitigung von Schä-
den an der forstlichen Infrastruktur, die sich
für den Berichtszeitraum (Tab. 7.1) auf fast
15 Mio. EUR beziffern lassen, zu den Primär-
aufgaben der Landesforstverwaltung im Wald
des Freistaates Sachsen.
Den Schwerpunkt bildeten Vorhaben zur
Wege- und Brückeninstandsetzung sowie der
Brückenneubau. Zusätzlich waren umfangrei-
che Maßnahmen zur Verkehrssicherung, zur
Instandsetzung von Stützmauern, Durchläs-
sen, Gräben, Dämmen etc. sowie in der Land-
schaftspflege, wie Rekultivierung und Wie-
derherstellung von Biotopen, erforderlich.
Finanzvolumen
2003 [EUR]
Finanzvolumen
2004 [EUR]
Finanzvolumen
2005 [EUR]
Summe
2003-2005 [EUR]
Wegeneubau und
Wegeinstandsetzung
5.269.592
794.639
87.681
6.151.912
Brückenneubau
1.652.221
486.554
108.662
2.247.437
Brückeninstandsetzung
2.062.881
1.313.429
147.779
3.524.089
Aufwendungen für
Verkehrssicherung
132.060
5.797
137.857
andere Maßnahmen
2.435.661
272.571
24.368
2.732.600
Gesamt
11.552.415
2.872.990
368.490
14.793.895

63
BESonDErE SchaDErEIGnISSE
Tab. 7.2:
Förderung auf
Grundlage der
Richtlinie 23 / 02
Das Augusthochwasser 2002 verursachte im
Landeswald Aufwendungen zur Kompensation
der Schäden in Höhe von insgesamt 20,1 Mio.
EUR (davon 5,3 Mio. EUR im Jahr 2002).
7.2.2 unterstützung im Privat-
und körperschaftswald
Die finanzielle Unterstützung zur Wiederher-
stellung der durch die Hochwasserkatastro-
phe beschädigten forstlichen Infrastruktur
im Privat- und Körperschaftswald war ein
Schwerpunkt der forstlichen Förderung in den
Jahren 2003 und 2004.
Auf Grundlage der Richtlinie 23 / 02 vom
25.11.2002 (Tab. 5.3) wurden der Wieder-
aufbau und die Instandsetzung der beschä-
digten bzw. zerstörten forstwirtschaftlichen
Wege und Brücken, einschließlich der dazu-
gehörigen Anlagen, Maßnahmen der Land-
schaftspflege und Landschaftsgestaltung so-
wie andere Baumaßnahmen, gefördert. Die
Richtlinie war bis zum 31. 12. 2003 befristet.
Die Auszahlung der bewilligten Fördermittel
erstreckte sich bis in das Jahr 2005 hinein.
Insgesamt wurden 76 Vorhaben im Privat-
und Körperschaftswald mit einem Gesamt-
volumen von 1,6 Mio. EUR gefördert. Mit
Hilfe dieser Mittel wurden rd. 42 km forstwirt-
schaftliche Wege und 29 Brücken wieder auf-
gebaut bzw. instand gesetzt (Tab. 7.2)
7.3
trockenjahr 2003 und
dessen Folgen
Direkte Trockenschäden
Die außergewöhnliche Trockenheit des Jah-
res 2003 führte in weiten Regionen Sachsens
(mit Ausnahme der höheren Gebirgslagen) zu
negativen klimatischen Wasserbilanzen. Dies
bedeutet, dass die Verdunstung höher war
als die Summe der über das Jahr verteilten
Niederschläge. In normalen Jahren ergibt sich
ein Niederschlagsüberschuss, der im We-
sentlichen außerhalb der Vegetationsperiode
aufgebaut wird. Im Ergebnis trockneten die
sächsischen Waldböden während der Vege-
tationsperiode 2003 stärker aus als in ande-
ren Jahren, der Wasserstress für die Bäume
nahm extrem zu.
Beispielsweise verfügte der Boden in den
Laußnitzer Kiefernwäldern in der Wurzelzo-
ne (0 bis 50 cm Tiefe) über einen Zeitraum
von mehreren Wochen über keinerlei pflan-
zenverfügbares Wasser mehr. Dies war die
entscheidende Ursache für das Absterben
bzw. Vertrocknen der Bodenvegetation und
flach wurzelnder Bäume bzw. von Bäumen
auf flachgründigen Standorten. Insbesondere
betroffen waren die Flächen mit künstlicher
Verjüngung. Über alle Waldbesitzarten wur-
den auf rd. 600 ha Trockenschäden in den
Kulturen erfasst.
Anzahl der
Vorhaben
Anzahl der
Brücken
Länge der Wege
[lfm]
Fördervolumen
[TEUR]
2003
31
6
20.303
418
2004
40
23
19.957
1.110
2005
5
1.580
71
Gesamt
76
29
41.840
1.599

image
image
64
Bild 7.1:
Fraßbild des Buch-
druckers (Ips typo-
graphus L.)
Bild 7.2:
Fraßbild des Kupfer-
stechers (Pityogenes
Chalcographus L.)

65
BESonDErE SchaDErEIGnISSE
Abb. 7.2:
Durch Buchdrucker,
zum Teil in Verbindung
mit Kupferstecher,
befallene Holzmengen
von 1989 bis 2007
Borkenkäferentwicklung
Der außerordentlich warme und trockene
Sommer löste eine großräumige Massenver-
mehrung des Buchdruckers (vollständige Ent-
wicklung von zwei Generationen und sehr in-
tensive Anlage von Geschwisterbruten) aus.
Diese Borkenkäferart ist der gefährlichste bio-
tische Schadfaktor in alten Fichtenbeständen.
Neben idealen Entwicklungsbedingungen,
für den Käfer durch
die hohen Temperaturen,
steigerte der Trockenstress die Befallsgefähr-
dung der Fichten bei gleichzeitiger Verringe-
rung ihres natürlichen Abwehrvermögens in
Form des Harzflusses.
Parallel zum Buchdrucker kam es auch zu einer
Massenvermehrung des Kupferstechers. Des-
sen Befall im Kronenbereich von Altfichten, der
gebietsweise zum Absterben der Fichten oder
Teilen der Krone führte, war in dieser Intensität
bislang noch nicht aufgetreten. Untypisch war
auch der alleinige Befall des Kupferstechers in
älteren Fichten ohne das Zusammenwirken
mit
dem Buchdrucker. Überdurchschnittlich war
der Schadumfang durch Kupferstecherbefall
in jüngeren und mittelalten Fichtenbestän-
den. Dieses ungewöhnliche Auftreten des
Kupferstechers ist ausschließlich auf die tro-
ckenheitsbedingte
Schwächung der Fichten
und die hohen Temperaturen zurückzuführen.
Die im Trockenjahr 2003 befallene Menge
an Fichtenholz entsprach mit ca. 126.000 m
3
etwa dem Fünfzigfachen des Vorjahreswer-
tes sowie nahezu der gesamten, in den vo-
rangegangenen 14 Jahren insgesamt aufge-
tretenen Befallsholzmenge (Abb. 7.2).
In den Jahren 2004 und 2005 nahm der Befall
wegen der ungünstigen Witterungsbedingun-
gen und der intensiven Gegenmaßnahmen
aller betroffenen Waldbesitzer wieder ab. Der
ebenfalls warme und trockene Sommer 2006
führte zu einem erneuten Befallsanstieg. Mit
landesweit ca. 78.000 m
3
Stehendbefall wur-
de nach 2003 der zweithöchste Wert der letz-
ten 40 Jahre registriert.
Die Schäden in Sachsen konzentrierten sich auf
Fichtenbestände in den unteren Berglagen und
0
20000
40000
60000
80000
100000
120000
140000
1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Befallsjahr
Befallsholz [fm]
registriert Juni-Dezember im Befallsjahr
registriert Januar-Mai im Folgejahr

image
66
im Hügelland. Die in dieser Zeit am stärksten
von Borkenkäferbefall betroffenen Regionen
waren das Vogtland, das Erzgebirgsvorland, das
Sächsische Hügelland und die Oberlausitz (Abb.
7.3). Da im nördlichen Landesteil die Fichte
nur sehr vereinzelt vorkommt, traten hier auch
kaum Schäden auf. Das Erzgebirge war unter
Berücksichtigung des deutlich höheren Fichten-
anteils unterdurchschnittlich geschädigt.
Analog zum Buchdrucker an Fichten führte
die Witterung 2003 in den Lärchenbeständen
der gleichen Regionen zu einer wesentlichen
Zunahme des Stehendbefalls durch den Lär-
chenborkenkäfer.
Waldbrandentwicklung
Die warm-trockene Witterung 2003 führte re-
lativ frühzeitig zu einer hohen (25. März) bzw.
sehr hohen (28. März) Waldbrandgefahr und
verursachte drei längere Perioden, in denen
mindestens in einem Forstamt Sachsens
die Stufe 3 (hohe Waldbrandgefahr) ausge-
rufen wurde. Die seltene Situation, dass für
alle Forstämter Sachsens die Stufen 3 oder
4 ausgerufen werden mussten, wurde vom
12. 08. bis 14. 08. 2003 registriert. Trotz der
außergewöhnlichen Situation 2003 brannten
bei insgesamt 176 Bränden lediglich 37 ha
Wald (ohne Bundeswald), wobei der größ-
te Brand eine Ausdehnung von 2,5 ha hatte.
Damit hat sich bestätigt, dass das System
aus Überwachung und schneller koordinier-
ter Brandbekämpfung ausgezeichnet funk-
tioniert. Bei der überwiegenden Anzahl der
Brände konnte die Brandursache nicht er-
mittelt werden. Vorsätzliche Brandstiftung
nimmt in der Rangfolge der Brandursachen
die zweite Stelle ein.
7.4
nonnenkalamität in den
Jahren 2003 und 2004
Die Nonne ist eine der bedeutendsten forst-
schädlichen Schmetterlingsarten in Mittel-
europa. In Sachsen konzentrierte sich ihr
Befallsareal im Berichtszeitraum auf die nördli-
Abb. 7.3:
Regionale Verteilung
des Borkenkäferbefalls
für den Zeitraum 2003
bis 2007 in den Forst-
bezirken des Staats-
betriebes Sachsenforst

image
67
BESonDErE SchaDErEIGnISSE
Abb. 7.4:
Anzahl der Waldbrände
und betroffene Wald-
fläche im Berichtszeit-
raum
Bild 7.3:
Nonne (Lymantria
monacha L.)
chen und hier insbesondere die nordöstlichen
Kieferngebiete sowie auf Fichtenbestände im
Südwesten des Freistaates.
Im Jahr 2002 verstärkte sich der bereits seit
1998 / 99 zu beobachtende, kontinuierliche
Anstieg der Populationsdichten der Nonne.
Ein intensives Waldschutzmonitoring der Lan-
desforstverwaltung führte zu der Prognose,
dass für das folgende Jahr mit Bestandes be-
drohenden Fraßschäden zu rechnen war. Auf
dieser Grundlage wurden daher im Frühjahr
2003 in vier Forstämtern auf einer Fläche von
insgesamt ca. 2.100 ha zugelassene Pflanzen-
schutzmittel (Insektizide) gegen die Nonnen-
raupen ausgebracht und somit Fraßschäden
wirksam verhindert. Das Waldschutzmoni-
toring 2003 ergab, dass aufgrund der für die
Nonne günstigen Witterungsbedingungen die
befallsgefährdete Fläche sich im Folgejahr
noch weiter vergrößern sollte.
Im Jahr 2004 erreichte die Massenvermehrung
ihren Höhepunkt (Kulmination). In Teilen Nord-
0
50
100
150
200
Anzahl [N] / Fläche [ha]
Anzahl [N]
176
71
48
153
135
Fläche [ha]
37
13
11
28
28
2003
2004
2005
2006
2007

image
68
Bild 7.4:
Raupe der Nonne
(Lymantria monacha L.)
ostsachsens waren deswegen im Frühjahr Be-
kämpfungsmaßnahmen zur Verhinderung von
Kahlfraß durch die Raupen der Nonne notwen-
dig. Dazu wurden auf 9.320 ha Wald Pflanzen-
schutzmittel per Hubschrauber ausgebracht.
Rund die Hälfte der behandelten Flächen war
Privatwald. Die im Frühsommer 2004 erkenn-
baren Fraßschäden auf insgesamt ca. 720 ha
verdeutlichten, dass trotz der kühlen und feuch-
ten Frühjahrswitterung die Nonnenpopulatio-
nen in den behandelten Befallsschwerpunkten
ansonsten zu den erwarteten Schäden geführt
hätten. Die Fraßschäden traten unter anderem
dort auf, wo ein Pflanzenschutzmitteleinsatz
aufgrund der gesetzlichen Regelungen nicht
möglich war und wo Schäden in gewissem
Umfang toleriert werden konnten. Die Progno-
se für 2005 zeigte eine stark rückläufige Ten-
denz der Populationsdichten, so dass im Früh-
jahr lediglich kleinflächige Gegenmaßnahmen
erforderlich waren. Die Ergebnisse des Wald-
schutzmonitoring zeigten schließlich, dass die
großräumige Massenvermehrung der Nonne
im Jahr 2006 beendet war.
7.5
Sturmschäden durch
„kyrill“ und „lancelot“
2007
Das Orkantief „Kyrill“ am 18. / 19. Januar 2007,
dem wenige Tage später „Lancelot“ folgte,
war mit einer aufbereiteten Gesamtmenge von
ca. 1,82 Mio. m³ Wurf- und Bruchholz über alle
Waldbesitzarten das mit Abstand wirtschaftlich
bedeutendste Schadereignis in Sachsens Wäl-
dern seit 1990. Der Landeswald war mit einer
Menge von 1,15 Mio. m³ Wurf- und Bruchholz
am stärksten betroffen. Auf ca. 1.300 ha ent-
standen dort Kahlflächen.
Mit insgesamt 1,78 Mio. m³ Schadholz wur-
den landesweit hauptsächlich Nadelbaumbe-
stände, vorrangig Fichtenbestände geschä-
digt. Regional konzentrierten sich die Schäden
auf die windexponierten höheren Lagen, vor
allem im westlichen Erzgebirge (Abb. 7.5).
So hatten die beiden Forstbezirke Eibenstock
und Neudorf mit 377.000 m³ bzw. 203.000 m³
(jeweils über alle Besitzarten) die höchsten

image
69
BESonDErE SchaDErEIGnISSE
Abb. 7.5:
Wurf- und Bruchholz-
mengen durch „Kyrill“
und „Lancelot“
Wurf- und Bruchholzmengen zu verzeichnen.
Lokale Orkanspitzen und standörtlich bzw.
durch vorangegangene Bewirtschaftungs-
maßnahmen vorbelastete Bereiche führten
auch anderenorts zu starken Schäden. Bis
auf wenige Ausnahmen wurde das Wurf- und
Bruchholz bis zum Jahresende 2007 in den
Wäldern aller Eigentumsarten aufgearbeitet.
Erwartungsgemäß kam es in der Folge zu
Nachbrüchen an den neu entstandenen insta-
bilen Bestandesrändern.
Das durch „Kyrill“ entstandene Wurf- und
Bruchholz stellte ein enormes Brutraumange-
bot für holz- und rindenbrütende Schadinsek-
ten dar. Dies galt vor allem für das in Fichtenbe-
ständen angefallene Holz. Im Zusammenhang
mit einem überdurchschnittlichen Vorbefall
durch Buchdrucker im Jahr 2006 und dem
sehr warmen und trockenen Frühjahr 2007
(Kap. 7.3), das zu einem zeitigeren Beginn
des Schwärmfluges der Borkenkäfer führte,
war das Risiko für eine Massenvermehrung
sehr groß. Durch die schnelle Aufarbeitung
des Wurf- und Bruchholzes in den Wäldern al-
ler Eigentumsarten, vielerorts noch bevor die
Käfer dies für ihre Vermehrung nutzen konn-
ten, die schnelle Abfuhr insbesondere von
bereits befallenem Wurf- und Bruchholz, den
Einsatz von Insektiziden und die überwiegend
günstigen Witterungsbedingungen in den
Sommermonaten kam es 2007 nicht zu der
befürchteten Befallsentwicklung. Eine sehr
auffällige Schwärmaktivität des Buchdruckers
im Juli 2007, die offensichtlich zu einem über-
proportionalen Anfall von frischem Stehend-
befall in dieser Zeit führte, zeigt, dass weitere
Folgeschäden nach „Kyrill“ und „Lancelot“
möglich sind.
Wurf-und Bruchholz
nach Sturm „Kyrill“
und „Lancelot“
> 1.000
> 1.000 – 5.000
> 5.000 – 10.000
> 10.000 – 15.000
> 15.000 – 20.000
ab 20.000
Forstbezirksgrenze
Gesamtwald auf Revierebene
Nadel- und Laubholz
Stand 19.10.2007
geschätzte Menge [m³]

image
70
Bild 7.5:
Sturmschäden durch
den Orkan „Kyrill“ im
Forstbezirk Neudorf

image
71
BESonDErE SchaDErEIGnISSE
Bild 7.6:
gefahrenträchtige
Aufarbeitung von ge-
worfenem Sturmholz
im Forstbezirk
Eibenstock

image
72

73
WIlD unD JaGD
Tab. 8.1:
Schalenwildgebiete im
Freistaat Sachsen
8
Wild und Jagd
Wald und Wild stellen eine untrennbare Ein-
heit dar. Wald ist Lebensraum für viele Wildar-
ten. Insbesondere als Einstandsgebiet für die
Schalenwildarten hat er eine große Bedeu-
tung. Etwa 35 % der Gesamtjagdfläche in
Sachsen sind bewaldet.
Die Wildarten Reh- und Schwarzwild kommen
in Sachsen flächendeckend vor. Rot-, Dam- und
Muffelwild besiedeln nur bestimmte Gebiete.
Gemäß § 24 Abs. 1 Sächsische Jagdverordnung
(SächsJagdVO) wurden 1997 für diese Wildar-
ten sogenannte Schalenwildgebiete (SWG),
nach Abstimmung mit den Behörden und Fach-
verbänden, durch Rechtsverordnung festge-
setzt. In den Schalenwildgebieten darf neben
dem flächendeckend vorkommenden Reh- und
Schwarzwild nur eine weitere Schalenwildart
gehegt werden.
Die Überprüfung der bisherigen Grenzen der
SWG führte im Ergebnis 2004 zu einer Er-
weiterung um drei Muffelwildgebiete und die
Korrektur von bestehenden Gebietsgrenzen.
Tab. 8.1 zeigt die aktuelle Anzahl der SWG,
der zuständigen Hegegemeinschaften sowie
die Flächengrößen und Waldanteile.
Die ausgewiesenen Gebiete für Rot-, Dam-
und Muffelwild mit einer Fläche von insge-
samt 811.145 ha nehmen rund 55 % der Jagd-
fläche des Freistaates Sachsen ein. Von der
Waldfläche Sachsens sind 67 % in die Fläche
der Schalenwildgebiete einbezogen.
Die Waldlebensräume des Schalenwildes in
Sachsen sind oft noch durch Fichten- und Kie-
fernreinbestände geprägt. Die kontinuierlich
durchgeführten Waldumbaumaßnahmen zur
Schaffung standortsgerechter Mischwälder er-
halten bzw. erhöhen deren Anpassungsfähig-
keit und Stabilität. Sie tragen damit mittel- bis
langfristig wesentlich zur Verbesserung der na-
türlichen Lebensgrundlagen des Wildes bei. Al-
lerdings stellen die im Zuge des Waldumbaus
eingebrachten Baumarten, vor allem Buche,
Eiche und Weißtanne, vielerorts eine attraktive
Nahrungsquelle für Rot- und Rehwild dar, sodass
im Zusammenhang mit regional noch überhöh-
ten Wilddichten Schutzmaßnahmen, insbeson-
dere für Tanne und Eiche, erforderlich sind.
Das Leitbild der Jagd ist die nachhaltige Nut-
zung der Wildbestände, die Erhaltung eines
artenreichen und gesunden Wildbestandes
sowie die Sicherung und Verbesserung der
natürlichen Lebensgrundlagen des Wildes.
Mit der Jagd ist jedoch nicht nur die Verant-
wortung für das Wild verbunden, sondern
gleichzeitig auch die Verantwortung für seinen
Lebensraum, u. a. das Ökosystem Wald. Die
Jäger sind gesetzlich verpflichtet, die Hege
Wildart
SWG
[Anzahl]
Hege-
gemeinschaften
[Anzahl]
Fläche
[ha]
Anteil
Waldfläche
[%]
Anteil
Jagdfläche
[%[
Rotwild
10
16
569.924
55,0
39,0
Damwild
4
5
138.182
6,6
9,4
Muffelwild
9
9
103.039
5,4
7,0
Gesamt
23
30
811.145
67,0
55,4

image
74
Bild 8.1:
Jagdstrecke nach einer
Gesellschaftsjagd
so durchzuführen, dass Beeinträchtigungen
einer ordnungsgemäßen Forstwirtschaft durch
Wildschäden möglichst vermieden werden.
Überhöhte Wildbestände können den Wald-
umbau gefährden und durch Verbiss und Schä-
le zur Wertminderung von Waldbeständen
beitragen. In § 24 SächsWaldG wird daher die
Schaffung eines natürlichen Gleichgewichts
von Wald und Wild gefordert.
8.1
abschussentwicklung
Die Entwicklung der Jagdstrecke der im Frei-
staat Sachsen vorkommenden Schalenwildar-
ten zeigt im Berichtszeitraum, außer beim
Schwarzwild, einen in der Höhe verhältnismä-
ßig gleichbleibenden Verlauf (Abb. 8.1 bis 8.3).
Der beträchtliche Rückgang bei der Schwarz-
wildstrecke im Jagdjahr 2006 / 2007 ist auf
eine schneereiche und nasskalte Witterung
während der Frischlingsaufzucht zurückzu-
führen (Abb. 8.1). Viele Frischlinge starben
an den Folgen einer Unterkühlung. Ein kon-
tinuierlicher Streckenanstieg ist hingegen bei
Dachs, Marderhund und Waschbär zu ver-
zeichnen. Die Fuchsstrecke weist eine leicht
ansteigende Tendenz auf.
8.2
Ergebnisse Verbiss- und
Schälschadenserhebung
Eine maßgebliche Grundlage bei der Aufstellung
und Festsetzung der Abschusspläne für Scha-
lenwild (außer Schwarzwild) sind die periodisch
zu erstellenden forstlichen Gutachten. In einem
ersten Verfahrensschritt wird der Zustand der
Vegetation, entstandene Verbiss- und Schäls-
chäden und der Stand der Waldverjüngung (§ 24
Abs. 2 SächsWaldG) ermittelt. Der zweite Teil
umfasst u. a. eine gutachtliche Einschätzung
der Vegetationsentwicklung im Jagdbezirk.
Nach der erstmaligen Erhebung dieser Daten
1995 erfolgten Aufnahmen zur Verbisssitua-
tion in den Jahren 1998, 2000 und 2003 (je-

75
WIlD unD JaGD
Abb. 8.1:
Streckenergebnisse
ausgewählter Wild-
arten der Jagdjahre
2002 / 03 bis 2007 / 08
in Sachsen (1)
Abb. 8.2:
Streckenergebnisse
ausgewählter Wild-
arten der Jagdjahre
2002 / 03 bis 2007 / 08
in Sachsen (2)
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
40.000
45.000
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
Jagdjahr
Stück
Rehwild
Schwarzwild
Fuchs
Rotwild
Feldhase
Dachs
Muffelwild
Steinmarder
Damwild
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
4.000
4.500
5.000
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
Stück
Jagdjahr

76
Abb. 8.3:
Streckenergebnisse
ausgewählter Wild-
arten der Jagdjahre
2002 / 03 bis 2007 / 08
in Sachsen (3)
Abb. 8.4:
Vergleich der Leit-
triebverbissprozente
wichtiger Baumarten
für die Erhebungen
1995, 1998, 2000, 2003
und 2006
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
Jagdjahr
Stück
Waschbär
Rabenkrähe
Ringeltauben
Elster
Marderhund
0
10
20
30
40
50
60
Fichte
Kiefer
Lärche
Tanne
Douglasie
andere
Nadelbäume
Buche
Eiche
Ahorn
Hainbuche
Esche
andere
Laubbäume
Verbiss-Prozent [%]
1995
1998
2000
2003
2006

image
77
WIlD unD JaGD
Bild 8.2:
Leittriebverbiss an
einer jungen Weißtanne
Abb. 8.5:
Vergleich der Anteile
an ungeschützten
Verjüngungsflächen der
Schadstufen 2 und 3
in Verwaltungs- und
anderen Jagdbezirken
für die Verbisserhebun-
gen 2003 und 2006
weils April/Mai) bzw. zur Schälsituation 1998
und 2002 (jeweils September/Oktober). 2006
erfolgten die Aufnahmen zu Verbiss und Schä-
le erstmals zeitgleich.
8.2.1 Verbisserhebung
Der Anteil von Verjüngungsflächen, die vor
Wildverbiss geschützt sind, stieg 2006 im
Vergleich zur vorangegangenen Erhebung
geringfügig an. Mit 39 %, bezogen auf die
Gesamtzahl von Verjüngungsflächen, ist
dieser Wert zwar geringer als bei den ers-
ten drei Erhebungen, allerdings immer noch
sehr hoch. Das gilt besonders für Laubbaum-
verjüngungen, von denen in Eigen- und ge-
meinschaftlichen Jagdbezirken ca. 50 % der
Flächen und in den Verwaltungsjagdbezirken
etwa ein Drittel vor Wildverbiss geschützt
waren.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
[%]
Nadelbaum-
verjüngungen
Laubbaum-
verjüngungen
Laub-Nadelbaum-
mischverjüngungen
Verjüngung mit
Begleitbaumarten
Verwaltungsjagdbezirke
2003
2006
Nadelbaum-
verjüngungen
Laubbaum-
verjüngungen
Laub-Nadelbaum-
mischverjüngungen
Verjüngung mit
Begleitbaumarten
andere Jagdbezirke
0
10
20
30
40
50
60
70
80
[%]
2003
2006

image
78
Bild 8.3:
Schälschaden durch
Rotwild an einer jünge-
ren Fichte
Nach dem abnehmenden Trend in den voran-
gegangenen Erhebungen stieg der Leittrieb-
verbiss bei fast allen Baumarten im Jahr 2006
im Vergleich zu 2003 an, ohne jedoch das hohe
Niveau von 1995 zu erreichen (Abb. 8.4).
Vergleichbar mit der Zunahme der Leittriebver-
bissprozente der einzelnen Baumarten stieg
auch der Anteil von Flächen, die einen Verbiss
über dem noch tolerierbaren Grenzwert von
20 % (Schadstufen 2 und 3) aufweisen, wie-
der deutlich an (Abb. 8.5). Dieser Anteil ist in
den Verwaltungsjagdbezirken geringer als in
den anderen Jagdbezirken.
Obwohl im Berichtszeitraum erhebliche An-
strengungen zur Reduzierung überhöhter
Schalenwildbestände unternommen worden
sind, lässt die derzeitige Verbisssituation eine
natürliche Verjüngung des Waldes, wie sie im
SächsWaldG gefordert wird, in weiten Teilen
Sachsens noch nicht in ausreichendem Maße
zu. Den sächsischen Jägern kommt daher die
Aufgabe zu, durch eine weiter konsequente
Erfüllung der Abschusspläne, eine Verbesse-
rung der Verbisssituation herbeizuführen.
8.2.2 Schälschadenserhebung
Schälschäden wurden in den ausgewiesenen
Schalenwildgebieten für Rot- und Muffelwild
erhoben. Zusätzlich wurden Waldflächen au-
ßerhalb von Schalenwildgebieten (Randgebiete
von Schalenwildgebieten) untersucht, in denen
regelmäßig Rotwild zum Abschuss kommt.
Neue Schälschäden innerhalb von Schalen-
wildgebieten wurden 2006 bei 2,8 % der bo-
nitierten Bäume festgestellt. Gegenüber 2002
(3,0 %) stellt das eine geringfügige Absenkung
dar, ist aber immer noch doppelt so hoch wie
1995 (1,4 %).
Da Waldbestände in Abhängigkeit von der
Baumart zwischen 10 und 35 Jahre lang
schälgefährdet sind, kann sich der Scha-
den durch beständige jährliche Neuschäle
vervielfachen. Es wird davon ausgegangen,
dass neue Schälschäden, die bis zu 1 % der
vorherrschenden und herrschenden Bäume
eines Bestandes (Schadstufe 1) betreffen,
tolerierbar sind. 2006 ging landesweit der Flä-
chenanteil mit nicht tolerierbaren Schälschä-
den (Schadstufen 2 und 3) in Nadelbaumbe-
ständen deutlich um fast 10 %, im Vergleich
zur vorangegangenen Erhebung 2002, zurück.
In der Abb. 8.6 sind die Ergebnisse der Ein-
stufung der schälgefährdeten Bestände in
die drei Schadensstufen laut Verwaltungs-
vorschrift Forstgutachten für die Erhebungen
2002 und 2006 dargestellt.
In den Verwaltungsjagdbezirken nahm der
Anteil von Flächen mit nicht tolerierbaren
Schälschäden (Schadstufen 2 und 3) deutli-
cher ab als in den anderen Jagdbezirken. Der
Anteil mittel und stark geschälter Flächen von
27 % in den Eigen- und gemeinschaftlichen
Jagdbezirken sowie von 25 % in den Verwal-
tungsjagdbezirken ist annähernd gleich. Das
Schadniveau ist insgesamt nach wie vor hoch
und weist damit auf regional überhöhte Wild-
dichten hin.

79
WIlD unD JaGD
Abb. 8.6:
Anteile der
Schadstufen für die
Schälschadenserhe-
bungen 2002 und 2006
im Vergleich Verwal-
tungs- und andere
Jagdbezirke
Schadstufe 1
(bis 1% Schälschäden)
Schadstufe 2
(1,1 - 3% Schälschäden)
Schadstufe 3
(über 3% Schälschäden)
Verwaltungsjagdbezirke
2002
2006
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
[%]
Schadstufe 1
(bis 1% Schälschäden)
Schadstufe 2
(1,1 - 3% Schälschäden)
Schadstufe 3
(über 3% Schälschäden)
andere Jagdbezirke
2002
2006
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
[%]

image
80

81
StaatlIchE ForStVErWaltunG
9
Staatliche
Forstverwaltung
9.1
organisation
9.1.1 Grundlagen der
organisation
Die 1991 gegründete Sächsische Landes-
forstverwaltung bestand bis zum 31. 12. 2005
als dreistufige Sonderverwaltung. Als Ein-
heitsforstverwaltung nahm sie gleichzeitig
folgende Aufgaben wahr:
• Forsthoheit für den gesamten Wald im
Freistaat (Hoheitsverwaltung),
• Unterstützung für den Privat- und Körper-
schaftswald (Leistungsverwaltung),
• Bewirtschaftung des Landeswaldes (Staats-
forstbetrieb).
Von 1991 bis 2005 hat die Landesforstver-
waltung ihre Strukturen und ihre Aufgaben-
wahrnehmung kontinuierlich optimiert. Als
Beispiele seien genannt:
• Reduzierung der Zahl der Forstämter von 71
auf 47 und der Zahl der Reviere von 412 auf
324,
• Auflösung von Nebenbetrieben, wie Forst-
baumschulen und forsttechnischen Stütz-
punkten,
• Reduzierung des Personalbestandes von
2.953 auf 1.918 Mitarbeiter,
Zusammenführung der Forstdirektionen
Bautzen und Chemnitz mit der Landesan-
stalt für Forsten (LAF) zum Landesforst-
präsidium (LFP) zum 01. 01. 2003,
• Schrittweise Einführung des Neuen Steue-
rungsmodells (NSM) im gesamten Betriebs-
und Verwaltungsbereich seit 1998.
9.1.2 landesforstpräsidium
(2003 bis 2005)
Zu Beginn des Jahres 2003 wurden die zwei
regionalen Forstdirektionen in Chemnitz und
Bautzen gemeinsam mit der LAF zum LFP
in Pirna, Ortsteil Graupa, zusammengelegt.
Dieses übernahm alle Aufgaben der in ihr auf-
gegangenen Behörden. Die bisher der Lan-
desforstverwaltung zugeordnete Staatliche
Fortbildungsstätte für Forsten wurde Teil der
Staatlichen Fortbildungsstätte des SMUL in
Reinhardtsgrimma (StF). Die forstlichen Aus-
bildungsstätten Grillenburg und Morgenröthe,
die zwei Maschinenstationen Königstein und
Crottendorf sowie die Versuchsbaumschule
Graupa wurden dem LFP zugeordnet.
Gleichzeitig reduzierte sich durch die Entste-
hung des Nationalpark- und Forstamtes Säch-
sische Schweiz (NLPuFoA mit neun Forst-
revieren) die Anzahl der Forstämter auf 47.
Die übrigen 46 staatlichen Forstämter waren
räumlich bzw. funktional in 329 Forstreviere
gegliedert. Davon waren 148 Landeswald-,
147 Privat- und Körperschaftswald- und 34
Mischreviere. Die drei Waldschulheime Con-
radswiese, Stannewisch und Wahlsmühle
blieben Forstämtern angeschlossen.
9.1.3 Staatsbetrieb Sachsenforst
(ab 2006)
Die Bildung des Staatsbetriebes Sachsenforst
(SBS) zum 01. 01. 2006 stellt den bislang um-
fassendsten Reformschritt in der Entwicklung
der Landesforstverwaltung dar. Der Staatsbe-
trieb Sachsenforst hat sämtliche behördliche
und betriebliche Aufgaben der höheren (zu-
letzt LFP) und der unteren Forstbehörden (bis
dahin Forstämter) übernommen. Dazu wur-
den Fachaufgaben und Personal des LFP, der
Forstämter einschließlich des NLPuFoA und
teilweise der bisherigen Abteilung Forsten
des SMUL in den Staatsbetrieb Sachsenforst

image
82
Bild 9.1:
Sitz der Geschäfts-
leitung des Staats-
betriebes Sachsenforst
in Pirna, Ortsteil
Graupa, am Standort
des ehemaligen Lan-
desforstpräsidiums
überführt. Kennzeichnende Merkmale der
neuen Forstverwaltungsstruktur (Abb. 9.1)
sind
• die Beibehaltung des Prinzips der Einheits-
forstverwaltung (Hoheit, Beratung und Be-
treuung des Privat- und Körperschaftswal-
des, Staatsforstbetrieb) bei gleichzeitiger
interner organisatorischer und personeller
Funktionalisierung (Trennung innerhalb der
Einheit nach Funktionen),
• die Beibehaltung des Territorialprinzips
(Revierprinzip) in zukunftsfähigen Organisa-
tionseinheiten (Forstbezirke und Reviere)
sowie
• der Übergang von der drei- zur zweistufigen
Verwaltung nach außen mit dem SMUL als
oberste Forstbehörde und dem SBS als
Forstbehörde (§ 35 SächsWaldG).
Als regionale Betriebsteile fungieren die neu
gebildeten 15 Forstbezirke. In den Forstbe-
zirken erfolgte ebenso wie in der Geschäfts-
leitung eine Funktionalisierung. Es wurden
die Abteilungen Staatsforstbetrieb sowie Pri-
vat- und Körperschaftswald, eine Stabsstelle
Forsthoheit und eine Verwaltungsstelle ge-
schaffen.
Auch die Reviere wurden neu zugeschnitten.
Aus den bisher 324 Revieren wurden 223 Re-
viere neu gebildet: 126 Landeswald- sowie
97 Privat- und Körperschaftswaldreviere. Das
Prinzip der „eigentumsreinen“ Reviere wur-
de beibehalten. Zu dem Revierprinzip ist das
Funktionalprinzip durch die Einführung von
Funktionalsachbearbeitern des gehobenen
Forstdienstes hinzugekommen. Diese sind
auf forstliche Sonderaufgaben spezialisiert
und unterstützen die Revierleiter, die sich da-
mit intensiver auf die Kernaufgaben des Re-
vierdienstes konzentrieren können.
Im SMUL (2003 bis 2005 Abt. „Forsten“;
2006 bis 2007 Abt. „Naturschutz, Wald und
Forstwirtschaft“) sind die Dienst- und Fach-
aufsicht über den Staatsbetrieb Sachsenforst,
die Grundsatzfragen in den Bereichen Wald

83
StaatlIchE ForStVErWaltunG
Abb. 9.1:
Struktur des Staats-
betriebes Sachsenforst
(Stand 31. 12. 2007)
und Forstwirtschaft, die Aufgaben der obers-
ten Forst- und Jagdbehörde sowie die Fragen
der Forst- und Jagdpolitik angesiedelt. Als
Aufsichtsorgan für den Staatsbetrieb Sach-
senforst wurde ein Verwaltungsrat eingerich-
tet. Sieben Mitglieder des Verwaltungsrates
entscheiden über grundsätzliche Angelegen-
heiten des Staatsbetriebes und geben Leitli-
nien vor.
9.2
aufgaben
Die Tätigkeitsschwerpunkte der sächsischen
Landesforstverwaltung sind:
• Bewirtschaftung der landeseigenen Wald-
flächen (9.2.1),
• Leistungen für private, kirchliche und körper-
schaftliche Waldeigentümer (9.2.2; Kap. 5),
• Kompetenz- und Dienstleistungszentrum
für Naturschutz und Erholung im Wald
(9.2.3),
• forstliche Öffentlichkeitsarbeit und Wald-
pädagogik (9.2.4),
• Forschungsinstitution für Wald und Forst-
wirtschaft in Sachsen (9.2.5),
• Forst- und Jagdbehörde (9.2.6),
• Lehrausbildung zum Forstwirt sowie Lauf-
bahnausbildung im gehobenen und höheren
Forstdienst (9.3).
Verwaltungsrat
Staatsbetrieb Sachsenforst
Geschäftsführer
Geschäftsleitung
Inspektion
Büro, Pressestelle
Forstliche
Ausbildungsstätten
Maschinenstationen
Staatsforstbetrieb
Zentrum für forstliches
Vermehrungsgut
Personal, Recht, Privat-
und Körperschaftswald
15 Forstbezirke
einschließlich
Nationalparkamt
Forst- und Jagdbehörde
Ressourcenmanagement
Finanzmanagement/
Informationssysteme
126 Landeswaldreviere
97 Privat- und Körper-
schaftswaldreviere
3 Waldschulheime

84
Tab. 9.1:
Verjüngungsverfahren
und -flächen im
Landeswald, getrennt
nach Laub- und Nadel-
bäumen
9.2.1 Bewirtschaftung der landes-
eigenen Waldflächen
9.2.1.1
Grundsätze der Wald-
bewirtschaftung
Die
Landesforstverwaltung
bewirtschaf-
tet gem. § 37 in Verbindung mit § 45 Sächs-
WaldG die landeseigenen Waldflächen ökolo-
gisch, ökonomisch und sozial nachhaltig. Die
Schwerpunkte dabei sind:
• Standörtlich und funktional differenzierter
Waldumbau, mit dem Ziel, naturnahe, stabile,
leistungsfähige und strukturreiche Misch-
wälder zu begründen, die an die Klimaände-
rungen angepasst sind,
• Schaffung ökologisch und wirtschaftlich
tragbarer Wilddichten,
zuverlässige Versorgung der Gesellschaft mit
dem nachwachsenden Rohstoff Holz unter
Optimierung von Holzabsatz und Holzerlösen,
• bestmögliche forstliche Aus- und Fortbil-
dung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Wald-
pädagogik.
9.2.1.2
Waldbau
Die Grundsätze der Waldbewirtschaftung setzt
der Staatsbetrieb Sachsenforst besonders ef-
fektiv durch einen den standörtlichen Bedin-
gungen angepassten naturnahen Waldbau um.
Dieser entscheidet über die langfristige Ausrich-
tung der Waldnutzung sowohl in ökologischer
als auch in ökonomischer Hinsicht. Die Aufga-
ben des Waldbaus umfassen die standortsge-
rechte Begründung, die Pflege, den Schutz und
die Ernte der Waldbestände. Die waldbaulichen
Vorgaben gewährleisten die naturnahe und
nachhaltige Bewirtschaftung im Landeswald.
Gesunde, stabile, strukturierte und leistungsfä-
hige Mischbestände mit gut verwertbarem Holz
sind Ziel der forstlichen Produktion.
Verjüngungs-
verfahren
2003
2004
2005
2006
2007
2003-
2007
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
Anbau
Laubbäume
67,7
81,6
87,7
175,6
207,6
620,2
Nadelbäume
34,7
17,4
31,7
96,5
229,0
409,3
Naturverjüngung
Laubbäume
126,3
60,4
7,6
76,3
270,6
Nadelbäume
114,2
34,4
29,2
45,5
223,3
Unterbau
Laubbäume
99,6
57,3
34,9
8,2
1,9
201,9
Nadelbäume
0,6
0,6
Voranbau
Laubbäume
268,6
322,3
422,9
565,0
413,4
1.992,2
Nadelbäume
219,0
267,5
260,7
368,6
354,7
1.470,5
Summe
Laubbäume
562,2
521,6
553,1
748,8
699,2
3.084,9
Nadelbäume
368,5
319,3
331,6
465,1
629,2
2.113,7
Summe gesamt
Laub-/ Nadelbäume
930,7
840,9
884,7
1.213,9
1.328,4
5.188,6

85
StaatlIchE ForStVErWaltunG
Abb. 9.2:
Anteile der Laub-
baumarten an der
Bestandesbegründung
im Berichtszeitraum
Die Bewältigung von Naturkatastrophen im
Wald ist eine ungeplante, aber immer wieder-
kehrende Aufgabe in der Waldbewirtschaftung.
Erfahrungen haben gezeigt, wie anfällig gerade
große, gleichförmige Waldbestände gegenüber
außergewöhnlich starken biotischen und abio-
tischen Belastungen (z. B. durch Sturm, Schäd-
linge, Trockenheit) sind. Besonders deutlich
wird das an den teilweise gravierenden, lang
spürbaren ökonomischen Folgen von Sturm-
schäden für die Forstbetriebe, wie sie bei-
spielsweise durch den Orkan „Kyrill“ 2007 ver-
ursacht wurden (Kap. 7.5). Mischbestände sind
gegenüber Schadereignissen widerstandsfähi-
ger, erbringen optimale Schutz- und Erholungs-
leistungen und haben, insbesondere vor dem
Hintergrund des Klimawandels, einen beträcht-
lichen Einfluss auf den mittel- und langfristigen
Betriebserfolg.
Im Rahmen der Bestandesbegründung wur-
den im landeseigenen Wald im Berichtszeit-
raum 5.189 ha mit standortsgerechten Bau-
marten verjüngt (Tab. 9.1). Dominierendes
Verjüngungsverfahren war der Voranbau.
Der Schwerpunkt der Verjüngung lag auf dem
Voranbau mit Laubbaumarten. Die Bestandes-
begründung mit diesen Baumarten erfolgte
im Anhalt an die natürliche Baumartenzusam-
mensetzung in Sachsen hauptsächlich mit
Buche und Eiche (Abb. 9.2).
Zur Lenkung der Bestandesentwicklung sowie
zur Verbesserung der Stabilität sind während
des gesamten Bestandeslebens regelmäßige
Pflegeeingriffe notwendig, mit dem Ziel, die
Waldbestände zu stabilen, strukturreichen
und leistungsfähigen Mischbeständen zu
entwickeln. Zum Ende des Bestandeslebens
wird dann zu Erntenutzungen mit dem Ziel
der Verjüngung übergegangen (Tab. 9.2).
Im Berichtszeitraum wurden durch die drei
Baumschulen des Zentrums für forstliches
Vermehrungsgut insgesamt 2,3 Mio. Forst-
pflanzen bereitgestellt. Das entspricht 25 %
des Gesamtbedarfs im Jahr 2007. Neben die-
sen Sortimenten wurde eine größere Anzahl
von Wildobst, Sträuchern und Heckenpflan-
zen für die Waldrandgestaltung bereitgestellt.
99 % des ausgelieferten Pflanzenmaterials
waren für den Landeswald bestimmt, ein
Prozent übernahmen private und kommunale
Waldbesitzer.
13 %
7 %
58 %
22 %
Buche
Eiche
sonstige Hartlaubbäume
sonstige Weichlaubbäume

86
Tab. 9.2:
Pflege, Durchforstung
und Ernte im Berichts-
zeitraum
Die Staatsdarre Flöha hat neben der Koordi-
nation der Saatguternte für die Versorgung
der landeseigenen Baumschulen insgesamt
65.400 kg Rohsaatgut der Baumarten Rotbu-
che, Eiche, Erle, Kirsche, Hybridlärche, Dou-
glasie und Fichte gedarrt und aufbereitet. Für
die Versorgung des Zentrums für forstliches
Vermehrungsgut und privater Baumschulen
sowie die Absicherung von Lohnanzuchten
wurden ca. 32.100 kg Saatgut bereitgestellt
bzw. nachgereift. Davon betrug der Anteil
Tannensaatgut aus sächsischen Herkünften
(Nationalpark und Erzgebirge) 635 kg.
9.2.1.3
holznutzung
Im Landeswald lag der Holzeinschlag in jedem
Jahr des Berichtszeitraums über 1,0 Mio. fm
(Abb. 9.3). Im Vergleich zum vorangegange-
nen Berichtszeitraum ist das eine merkliche
Steigerung um rund 10 %, die wesentlich auf
die deutlich zunehmende Nachfrage – sowohl
auf dem Gebiet der stofflichen als auch der
energetischen Holzverwendung – zurückzu-
führen ist. Im Jahr 2007 wurde im Landes-
wald die bislang höchste Holzmenge mit rund
1,4 Mio. fm eingeschlagen. Ursache für die-
se ungeplante drastische Steigerung war die
Sturmkatastrophe durch „Kyrill“ im Januar
2007 (Kap. 7.5).
Erfreulich ist, dass der Anteil verwertbarer
Sortimente am Gesamtholzeinschlag im Ver-
gleich zum vorhergehenden Berichtszeitraum
von 86 % auf nun 92 % gesteigert werden
konnte. Obwohl der von der Forsteinrichtung
für den Landeswald geplante Hiebssatz ins-
besondere 2007 deutlich überschritten wor-
den ist, bleibt die realisierte Einschlagsmen-
ge unter dem ermittelten Zuwachs (Kap. 2.3).
Das Prinzip der Nachhaltigkeit wird somit im
Landeswald trotz erhöhter Nutzungsmengen
gewahrt.
Im Berichtszeitraum wurden die Holzernte-
kosten (Aufarbeitungs- und Rückekosten) je
Festmeter bei den Hauptsortimenten kon-
tinuierlich verringert. Diese Entwicklung ist
hauptsächlich auf den zunehmenden Anteil
der hochmechanisierten Holzernteverfahren
am Gesamteinschlag zurückzuführen, der seit
2003 um 15 % auf einen Wert von 67 % im
letzten Berichtsjahr gestiegen ist.
In Mitteleuropa hat im Berichtszeitraum die
Nachfrage nach Holz u. a. aufgrund von Neu-
und Erweiterungsinvestitionen der Holzindust-
rie beständig zugenommen. Parallel dazu erleb-
te der Biomassemarkt ein unerwartet starkes
Wachstum, mit der Folge eines steigenden
Bedarfs, vor allem bei geringen Holzqualitäten
(Industrieholz, Brennholz). Dementsprechend
konnten die ansteigenden Holzeinschlagsmen-
Maßnahme
2003
2004
2005
2006
2007
Summe
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
Jungwuchspflege
1.259,64
947,52
860,99
912,93
342,50
4.323,58
Jungbestandspflege
2.331,73
1.761,57
1.453,50
1.405,01
435,21
7.387,02
Jungdurchforstung
5.572,96
4.389,62
3.842,01
2.755,17
679,64
17.239,40
Altdurchforstung
8.816,71
10.175,82
10.422,17
10.845,20
6.905,67
47.165,57
Erntenutzung
904,93
1.025,20
1.491,13
1.367,64
1.578,15
6.367,05

image
87
StaatlIchE ForStVErWaltunG
Abb. 9.3:
Gesamtholzeinschlag,
einschließlich Selbst-
werbung im Berichts-
zeitraum
Bild 9.2:
Holzeinschlag
1.004
1.063
1.184
1.050
1.384
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
2003
2004
2005
2006
2007
[Tfm]

image
88
Bild 9.3:
Holzrückung mit
Forwarder
Abb. 9.4:
Abgesetzte Holz-
mengen, ohne Selbst-
werbung im Berichts-
zeitraum
[Tfm]
0
200
400
600
800
1000
1200
2003
2004
2005
2006
2007
775
879
926
1.036
1.057

89
StaatlIchE ForStVErWaltunG
Abb. 9.5:
Entwicklung der
Holzerlöse nach Sor-
timenten im Berichts-
zeitraum
(L = Stammholz, LAS =
Stammholzabschnitte,
IL = Industrieholz lang,
IS = Industrieholz kurz,
BR = Brennholz, X =
X-Holz, R = Restholz,
SW = Selbstwerbung)
Abb. 9.6:
Entwicklung der
Deckungsbeiträge
nach Sortimenten im
Berichtszeitraum
0,00
10,00
20,00
30,00
40,00
50,00
60,00
70,00
L
LAS
IL
IS
BR
X
R
SW
[EUR/fm]
2003
2004
2005
2006
2007
-40,00
-30,00
-20,00
-10,00
0,00
10,00
20,00
30,00
40,00
50,00
L
LAS
IL
IS
BR
X
Deckungsbeitrag [EUR/fm]
2003
2004
2005
2006
2007

90
Abb. 9.7:
Durchschnittliche
Anteile der Unter-
nehmerleistungen an
den direkten Produkt-
kosten im Berichtszeit-
raum
gen (Abb. 9.4), auch des Sturmjahres 2007, bei
ebenfalls anziehenden Holzpreisen (Abb. 9.5)
am Markt abgesetzt werden.
Deutlich gestiegene Holzerlöse, insbesondere
im letzten Berichtsjahr, bei sinkenden Holzern-
tekosten bewirkten einen Zuwachs der De-
ckungsbeiträge über alle Sortimente (Abb. 9.6),
sodass im Berichtszeitraum selbst geringe
Qualitäten in den positiven Bereich gelangten.
9.2.1.4 Forsteinrichtung im
landeswald
Im Berichtszeitraum von 2003 bis 2007 wur-
den für insgesamt 118.790 ha Landeswald
neue periodische Forstbetriebsplanungen er-
stellt. Bis einschließlich 2004 erfolgte dies in
der Forstamtsstruktur. 2003 wurden die Forst-
ämter Colditz, Flöha, Görlitz, Großenhain, Ne-
schwitz und Tharandt, 2004 die Forstämter
Leubnitz, Pockau und Moritzburg bearbeitet.
Ab 2005 wurde in Vorbereitung auf die neue
Struktur zum 01. 01. 2006 bereits nach Forst-
bezirken eingerichtet. Die Forsteinrichtung er-
folgte in den Forstbezirken Bautzen, Dresden,
Taura, Weißwasser, Kamenz und Neustadt.
In den Forstbezirken Eibenstock und Plauen
wurden die Forsteinrichtungsarbeiten begon-
nen. Seit 2004 wird bei der Forsteinrichtung
im Landeswald die eigene Arbeitskapazität
mit Werkvertragnehmern ergänzt.
9.2.1.5
Einsatz landeseigener
Forstmaschinen
Die zwei Maschinenstationen des Staats-
betriebes Sachsenforst mit den Standorten
Crottendorf und Königstein haben sich als
Beratungs-, Ausbildungs- und Servicezentren
sowie als Partner der Forstbezirke in den letz-
ten Jahren bewährt. Dies wurde besonders
bei der Bewältigung der Sturmschäden nach
„Kyrill“ erkennbar. Neben der regulären Auf-
gabe der Schadholzaufarbeitung wurde von
der Maschinenstation Crottendorf der Einsatz
57
10
5
97
73
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Holzernte und
Holzrückung
Bestandes-
begründung
Bestandes-
pflege
Bodenschutz-
kalkung
Wege- und
Brückenbau
[%]

91
StaatlIchE ForStVErWaltunG
5
Die Fremdleistungskosten der Jahre 2003 bis 2005 beinhalten die gesetzliche Umsatzsteuer.
Aufgrund des Wechsels zur Regelbesteuerung ab dem Jahr 2006 ist die Umsatzsteuer in den
Jahren 2006 und 2007 nicht mehr aufwandswirksam.
Abb. 9.8:
Entwicklung der Kosten
für Unternehmerleistun-
gen am Aufwand nach
Leistungsbereichen
5
eines Baggers mit Greifsäge erprobt, der die
Aufarbeitung des Sturmholzes durch ein au-
ßerordentlich sicheres Arbeitsverfahren er-
möglicht.
9.2.1.6
Einsatz forstlicher
unternehmen
Der Einsatz forstlicher Unternehmer und
Selbstwerber im Landeswald hat eine große
Bedeutung. Die eingesetzten Unternehmen
sind größtenteils in Sachsen ansässige Firmen.
Schwerpunkte
des
Unternehmereinsatzes
waren die hochmechanisierte Holzernte, der
forstliche Wegebau, die Holzrückung, die Bo-
denschutzkalkung sowie zunehmend Saat und
Pflanzung oder ingenieurtechnische Leistungen
bei Inventuren und Planungen (Abb. 9.7).
Der deutliche Anstieg der Unternehmerleis-
tungen im Jahr 2007 resultiert aus der Besei-
tigung der Schäden infolge von „Kyrill“, wie
Aufarbeitung des Schadholzes, Einrichtung
von (Nass-)Lagerplätzen, präventiver Be-
handlung der Lagerbestände sowie Wieder-
aufforstung der Schadflächen. Für Unterneh-
merleistungen wurden im Berichtszeitraum
durchschnittlich rd. 23,5 Mio. EUR pro Jahr
aufgewendet (Abb. 9.8). Diese Ausgaben
tragen zur wirtschaftlichen Entwicklung, vor
allem in den strukturschwachen ländlichen
Regionen Sachsens, bei.
9.2.1.7
Verwaltungsjagd
Verwaltungsjagdfläche
Von der Landesforstverwaltung werden lan-
deseigene und Treuhandrestwaldflächen (bis
2005) bejagt, sofern sie Eigenjagdgröße er-
reichen. Im Jahr 2003 betrug diese Fläche
201.411 ha. Die Verwaltungsjagdfläche ist ste-
tig zurückgegangen (2006: 189.587 ha). 2007
stieg die Regiejagdfläche auf 199.118 ha an,
da in diesem Jahr die Naturschutzgebiete „Kö-
nigsbrücker Heide“ und „Gohrischheide und
Elbniederterrasse Zeithain“ in die Zuständig-
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
2003
2004
2005
2006
2007
Holzernte und Rückung
Bestandspflege
Wege- und Brückenbau
Bodenschutzkalkung
sonst. Dienstleistungen (ohne Verwaltung)
Bestandsbegrünung
Waldschutz
Forsteinrichtung
Entwicklung und Monitoring
[TEUR]

92
Tab. 9.3:
Entwicklung der
Jagdausübung in
Verwaltungsjagd-
bezirken
Tab. 9.4:
Jagdstreckenentwick-
lung (nur Schalenwild
und Füchse in Stück) in
den Verwaltungsjagd-
bezirken
keit des Staatsbetriebes Sachsenforst über-
gegangen sind (Kap. 9.2.1.8 und 9.2.3.1).
Jagdausübung
Die Anzahl der Jagdausübenden ist sowohl
bei den Forstbediensteten als auch bei den
privaten Jägern rückläufig. Private Jäger hat-
ten im Vergleich zu den Forstbediensteten ei-
nen erheblichen Anteil an der Jagdausübung
in Verwaltungsjagdbezirken im Berichtszeit-
raum. Die Anzahl der entgeltlichen Jahres-
jagderlaubnisscheine, mit denen revierlosen
Jägern die Jagdausübung ermöglicht wurde,
lag im Durchschnitt des Berichtszeitraumes
bei 800 pro Jahr. Weiterhin wurden mit dem
Angebot von Kurzjagderlaubnisscheinen, der
Jagdjahr
Forstbedienstete mit Jagdausübung
Private Jäger
als Dienstaufgabe
ohne Dienstaufgabe
sowie Forstpensio-
näre, Forststuden-
ten und sonstige
Beschäftigte
mit entgeltlichem
Jahresjagderlaubnis-
schein
Jagdgäste
(entgeltlich,
unentgeltlich)
2002 / 2003
706
404
884
1.702
2003 / 2004
529
395
911
1.374
2004 / 2005
504
380
794
1.308
2005 / 2006
531
413
932
1.396
2006 / 2007
481
361
767
833
2007 / 2008
488
368
516
1.114
Jagdjahr
Rotwild
Damwild
Muffelwild
Schwarzwild
Rehwild
Füchse
2002/2003
2.031
239
135
5.775
7.793
1.601
2003/2004
2.026
225
125
3.601
8.768
1.246
2004/2005
1.781
118
115
4.417
7.741
1.225
2005/2006
1.617
101
111
3.278
6.939
1.000
2006/2007
1.229
108
87
1.946
5.131
748
2007/2008
1.474
92
130
3.639
7.208
1.181

93
StaatlIchE ForStVErWaltunG
Abb. 9.9:
Wildbretverkauf aus
der Verwaltungsjagd
Teilnahme an Gesellschaftsjagden und von
verschiedenen Jagdpaketen attraktive Mög-
lichkeiten für Jagdgäste geschaffen, sich
nach individuellen Wünschen an der Verwal-
tungsjagd zu beteiligen (Tab. 9.3).
Jagdstreckenentwicklung
Tab. 9.4 zeigt die Streckenentwicklung für
Schalenwild und Füchse im Berichtszeitraum.
Die Streckenzahlen schließen das registrierte
Fall- und Unfallwild ein. Die privaten Jäger tra-
gen zu rd. der Hälfte zur Schalenwildstrecke
in der Verwaltungsjagd bei.
Wildbretvermarktung
Im Berichtszeitraum wurden gut 1.740 t Wild-
bret vermarktet. Mit 41 % (710 t) hatte das
Schwarzwild den größten Anteil daran, gefolgt
von Rot- und Rehwild mit 29 % bzw. 28 %.
Dam- und Muffelwild spielten dagegen beim
Wildbretverkauf keine Rolle (Abb. 9.9 und
9.10)
.
Wesentlicher Grund für die starke Abnahme des
Wildbretverkaufs in den Jagdjahren 2005 / 2006
und 2006 / 2007 ist der enorme Rückgang bei
der Schwarzwildstrecke (Kap. 8.1).
9.2.1.8
Verwaltung des Staatswald-
vermögens
Der vom Staatsbetrieb Sachsenforst verwal-
tete und bewirtschaftete Landeswald umfasst
Ende 2007 201.451 ha. Für den Berichtszeit-
raum ergibt sich daraus eine Flächenerweite-
rung von ca. 8.000 ha.
Der Flächenzugang ergibt sich aus dem
Saldo
von
Grundstücksverkehrsgeschäf-
ten, welche hauptsächlich der Arrondie-
rung des vorhandenen Landeswaldes oder
zur Flächenbereitstellung, insbesondere für
Straßenbaumaßnahmen, dienten und Flä-
chenverwaltungsübertragungen vom Staats-
betrieb Sächsisches Immobilien- und Bauma-
nagement. Der Hauptanteil resultiert jedoch
0
50.000
100.000
150.000
200.000
250.000
300.000
350.000
400.000
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
Rotwild
Damwild
Muffelwild
Rehwild
Schwarzwild
290.021
322.374
328.956
350.191
266.266
189.523
[kg]

94
aus der Übernahme der Naturschutzgebiete
„Königsbrücker Heide“ und „Gohrischheide
und Elbniederterrasse Zeithain“ mit einer
Waldfläche von 6.856 ha.
9.2.2 leistungen für private,
kirchliche und körperschaft-
liche Waldeigentümer
Zu den Leistungen, welche die Landesforstver-
waltung für den nicht staatlichen Waldbesitz
anbietet, zählen neben Beratung, Betreuung
und Förderung (Kap. 5) die Wirtschaftsverwal-
tung und der Holzverkauf.
Schwerpunkt der in der Verwaltungsvorschrift
zur SächsPKWaldVO geregelten Wirtschafts-
verwaltung ist der Holzverkauf für private und
körperschaftliche Waldbesitzer über Rahmen-
verträge der Landesforstverwaltung (Abb.
9.11). Dadurch werden auch Eigentümern klei-
ner Waldflächen Absatzmöglichkeiten für de-
ren Holz geschaffen. Darüber hinaus können
private und körperschaftliche Waldbesitzer ihr
Holz selbst, über forstliche Dienstleister oder
Forstbetriebsgemeinschaften, vermarkten.
9.2.3 kompetenz- und Dienst-
leistungszentrum für natur-
schutz und Erholung
im Wald
9.2.3.1
naturschutz im Wald
Die Landesforstverwaltung trägt mit der Ver-
waltung und Bewirtschaftung des Landeswal-
des verantwortlich zur Sicherung des Natur-
haushaltes und zur Verwirklichung der Ziele
des Biotop- und Artenschutzes bei. Etwa ein
Drittel des Landeswaldes sind Schutzgebiete
(insgesamt 63.800 ha). Es gibt etwa 16.000 ha
kartierte Biotope, wovon 6.500 ha gem. § 26
SächsNatSchG besonders geschützt sind. Die
Umsetzung des europäischen Schutzgebiets-
systems NATURA 2000 ist im Landeswald
eine der wichtigsten Naturschutzaufgaben.
Naturschutzfachliche Richtschnur für die Be-
wirtschaftung und Pflege der etwa 39.400 ha
Wald in FFH-Gebieten sind die FFH-Manage-
mentpläne. Sie werden unter Beteiligung der
Landesforstverwaltung aufgestellt und sind
Maßstab für den Schutz und die langfristige
Pflege wertvoller Waldbiotope im Landes-
wald (Kap. 6.2.1).
Abb.9.10:
Durchschnittlicher
Anteil am Wildbret-
verkauf aus der
Verwaltungsjagd der
Jagdjahre 2002 / 2003
bis 2007 / 2008 nach
Schalenwildarten
1 %
1 %
41 %
28 %
29 %
Damwild
Muffelwild
Rehwild
Rotwild
Schwarzwild

95
StaatlIchE ForStVErWaltunG
Abb. 9.11:
Holzverkauf für private
und körperschaftliche
Waldbesitzer über
Verträge der Landes-
forstverwaltung im
Berichtszeitraum
Für den Biotopschutz wird im Landeswald
eine Vielzahl von Leistungen erbracht. Bei-
spiele sind das Erhalten von historischen
Waldnutzungsformen, das Schaffen und Pfle-
gen von Sonderstandorten, das Belassen von
Alt- und Totholz oder das Erweitern von Bio-
topverbundsystemen. Im Artenschutz wur-
den Maßnahmen, wie das Festlegen und Si-
chern von Horstschutzzonen, das Anbringen
von Nisthilfen oder das Erhalten und Wieder-
einbürgern seltener Baumarten (Weißtanne,
Elsbeere, Wildobst etc.), durchgeführt. Eben-
falls waren die naturnahe Neugestaltung und
Pflege von Waldinnen- und -außenrändern,
Maßnahmen der Moorrenaturierung oder die
Renaturierung von Bachläufen und weitere
Gewässerschutzmaßnahmen Bestandteil der
Tätigkeit sowohl in als auch außerhalb von
Schutzgebieten.
Leistungen dieser Art sind Teil der Zielsetzung
in der naturnahen, ökologisch orientierten
Waldwirtschaft. Die Anforderungen des Na-
turschutzes werden auf der gesamten Wald-
fläche beachtet und in die normale forstliche
Tätigkeit einbezogen. Die Landesforstverwal-
tung verfolgt somit einen integrativen Ansatz
von Waldbewirtschaftung und Naturschutz.
Sie trägt Verantwortung für das praktische
Management auf einem Großteil der sächsi-
schen Schutzgebietsfläche und für eine Viel-
zahl von Einzelbiotopen.
Verwaltung der Großschutzgebiete
Die Landesforstverwaltung hat zum 01. 01. 2003
durch Zusammenführung der Sächsischen
Forstämter Bad Schandau und Lohmen (teil-
weise) sowie der Nationalparkverwaltung zum
NLPuFoA die fachliche Verantwortung für Natur-
schutz und Landschaftspflege in der National-
parkregion Sächsische Schweiz übernommen.
Das NLPuFoA ist damit
• untere Forstbehörde für den Nationalpark
Sächsische Schweiz und angrenzende Be-
reiche (rd. 10.900 ha),
0
20.000
40.000
60.000
80.000
100.000
120.000
140.000
160.000
180.000
2003
2004
2005
2006
2007
Körperschaftswald
Privatwald
[fm]

image
96
Bild 9.4:
Strukturreicher
Buchen-Eichenmisch-
wald
• verantwortlich für die Entwicklung des Lan-
deswaldes (rd. 8.700 ha),
• Fachbehörde des Naturschutzes und
• Nationalparkwacht für die Nationalpark-
region (Nationalpark und Landschaftsschutz-
gebiet) Sächsische Schweiz (rd. 38.100 ha).
Seit Gründung des Staatsbetriebes Sachsen-
forst ist die Verwaltung als Nationalparkamt
einer von 15 Forstbezirken. Mit der Übernah-
me der Flächen der Naturschutzgebiete „Kö-
nigsbrücker Heide“ und „Gohrischheide und
Elbniederterrasse Zeithain“ (rd. 9.100 ha) zum
01. 01. 2007 wurde es mit dem Aufbau einer
Verwaltung für die beiden Naturschutzgebiete
beauftragt.
Am 23. 10. 2003 erließ das SMUL die „Verord-
nung über die Nationalparkregion Sächsische
Schweiz“. Das NLPuFoA war als Naturschutz-
fachbehörde maßgeblich an der Vorbereitung
und Abstimmung beteiligt. Darauf aufbauend
wurde das Nationalpark-Programm nach Zu-
stimmung der obersten Naturschutzbehörde
vom 08. 08. 2007 veröffentlicht. Aufgaben
für die Naturschutzfachbehörde waren im
Berichtszeitraum insbesondere die Manage-
mentplanung für die FFH-Gebiete Lachsbach-
und Sebnitztal, Tafelberge und Felsreviere der
linkselbischen Sächsischen Schweiz bzw. den
Nationalpark sowie rd. 1.500 naturschutzfach-
liche Stellungnahmen.
Im Nationalpark erfolgten entsprechend den
naturschutzrechtlichen Vorgaben auf rd. 40 %
der Waldflächen grundsätzlich keine forstlichen
Maßnahmen. So konnte dort der vorrangige
Schutzzweck, „Natur Natur sein lassen“, bereits
verwirklicht werden. Pflege- und Entwicklungs-
maßnahmen im Winterhalbjahr konzentrierten

97
StaatlIchE ForStVErWaltunG
sich auf die Förderung standortsheimischer
Baumarten, das Zurückdrängen gebietsfremder
Baumarten (v. a. Weymouthskiefer und Rotei-
che) sowie die Stabilisierung fichtenreicher Be-
stände. Dabei fielen rd. 140 Tfm Holz an.
Leistungen im Bereich Erholungsvorsorge und
Besucherbetreuung im Nationalpark umfass-
ten zwischen 2003 und 2007 vor allem die Un-
terhaltung rd. 400 km markierter Wanderwe-
ge. Im Jahr 2006 erfolgte u. a. die Planung und
Ausweisung von 70 km des „Malerweges“
(114 km Gesamtlänge) mit über 400 Wegwei-
sern und Wegemarken. Im Berichtszeitraum
wurden rd. 2.400 geführte Wanderungen,
Vorträge, Veranstaltungen zur Wildnis- und
Waldpädagogik sowie Austauschprogramme
für Jugendliche mit insgesamt rd. 46.100 Teil-
nehmern durchgeführt. Hinzu kommen über
33.000 Gespräche durch die Mitarbeiter der
Nationalparkwacht zur Besucherinformation
im Gelände.
Die Landesforstverwaltung dokumentiert mit
der erfolgreichen Entwicklung im National-
park und in der Nationalparkregion Sächsische
Schweiz ihre Verantwortung und Kompetenz
auch für den nicht bewirtschafteten Wald im
Freistaat Sachsen sowie für Naturschutz und
Landschaftspflege.
9.2.3.2 Gewährleistung und
Entwicklung der
Erholungsfunktion
Der sächsische Wald ist ein äußerst belieb-
ter Raum für Erholung und Freizeitgestaltung.
Das belegen weit über 100 Mio. Waldbesuche
jährlich. Während die in den Ballungsräumen
gelegenen Waldgebiete für die Naherholung
unverzichtbar sind, sind insbesondere die Wäl-
der der Mittelgebirge vom Vogtland bis zum
Zittauer Gebirge sowie der Oberlausitz für die
Fernerholung unentbehrlich. Der Wald stellt für
viele Tourismusregionen im Freistaat Sachsen
einen wichtigen Teil ihrer Attraktivität dar und
ist damit eine Grundlage für die wirtschaftliche
Entwicklung im ländlichen Raum.
Die Erholungsfunktion ist gem. § 1 SächsWaldG
nachhaltig zu sichern und zu verbessern. Die
Landesforstverwaltung setzt deshalb diese
zentrale Aufgabe vorbildlich und auf vielfältige
Weise im Landeswald um. Der Bevölkerung
nutzt folgerichtig intensiv das umfangreiche
Angebot, sich im ausgeglichenen Schonklima
des Waldes psychisch und physisch zu rege-
nerieren, Beeren und Pilze zu sammeln oder
die Natur intensiv zu beobachten und zu er-
leben. Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat im
Berichtszeitraum eine Vielzahl von Erholungs-
möglichkeiten im sächsischen Landeswald
erhalten und verbessert bzw. neu geschaf-
fen. Im Rahmen der vorbildlichen, ökologisch,
wirtschaftlich und sozial nachhaltigen Wald-
bewirtschaftung wird gewährleistet, dass die
Funktionsfähigkeit des Waldes für die Erho-
lung dauerhaft erhalten bleibt.
Waldwege
Grundlage für die Erholung im Wald ist das
allgemeine Betretungsrecht gem. § 11 Sächs-
WaldG. Das ausgedehnte Wegenetz, wie
es im Landeswald vorhanden ist, bildet ei-
nen idealen Zugang für Erholungssuchende.
3.600 km Forstwege einschließlich zahlreicher
Brücken, deren Herstellung und Pflege durch
die forstliche Bewirtschaftung gewährleistet
wird, ermöglichen eine vielfältige Erholungs-
nutzung für Wanderer, Radfahrer, Reiter usw.
Da bei Ausbau und Unterhaltung der Wald-
wege im Landeswald ein besonderes Au-
genmerk auf deren multifunktionaler Eignung
liegt, investiert die Landesforstverwaltung
permanent in eine gut ausgebaute Wegeinfra-
struktur. So wurden Wander- und Radwander-
wege angelegt sowie ein Reitwegenetz von
über 1.400 km (45 % aller Reitwege im Wald)
unterhalten. Im Winter werden rund 600 km
Waldwege zum Spuren von Skitrassen zur
Verfügung gestellt.

98
Erholungseinrichtungen
Der Staatsbetrieb Sachsenforst betreut über
900 größere Erholungseinrichtungen, wie
Schutzhütten, Spielplätze, Feuer- und Grillan-
lagen sowie eine Vielzahl von eigenen Erho-
lungsflächen oder kleineren Einrichtungen (u. a.
Sitzbänke, Park- und Rastplätze, Liegewiesen,
Wegweiser,
Informationstafeln,
Aussichts-
punkte, Geländer, Treppen und Leitern). Für
diese Erholungseinrichtungen bedeutet das
auch, dass damit immer erhöhte Aufwendun-
gen zur Verkehrssicherung verbunden sind.
Sonstige Leistungen für Erholungsfunktion
Weitere Leistungen zur Verbesserung der Er-
holungsfunktion, die der Staatsbetrieb Sach-
senforst im Landeswald erbringt, sind z. B.
die Anlage und Pflege von Sichtschneisen,
Maßnahmen zur Lenkung des Besucherver-
kehrs, die Anlage und Pflege von Lehr- und
Sportpfaden, aber auch die Beräumung von
Müll und Abfall in Eigenregie.
Erholungsangebote Dritter im Landeswald
Neben den durch den Staatsbetrieb Sach-
senforst im Rahmen der Verbesserung der
Erholungsfunktion betriebenen Erholungs-
einrichtungen gibt es eine stetig wachsende
Zahl spezieller sportlicher und touristischer
Anlagen Dritter im Landeswald, wie Hunde-
rennstrecken, Mountainbikeparcours, Pfer-
deschlittenwege oder Kletterwälder. Im Rah-
men der Allgemeinwohlverpflichtung wird nur
dort die Anlage solcher Einrichtungen erlaubt,
wo diese mit den öffentlichen Interessen in
Einklang zu bringen ist. Dabei werden immer
auch deren einschränkende Auswirkungen
auf die Waldfunktionen (insbesondere die Er-
holungsfunktion) geprüft.
9.2.4
Forstliche öffentlichkeits-
arbeit und Waldpädagogik
9.2.4.1
Forstliche öffentlichkeits-
arbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit der Landesforstver-
waltung hat als oberstes Ziel, die Menschen
über die Bedeutung des Waldes und seiner
verschiedenen Nutz-, Schutz- und Erholungs-
funktionen für die heutige und die zukünftige
Gesellschaft zu informieren. Daran anknüp-
fend werden folgende Themen schwerpunkt-
mäßig bearbeitet:
• Aufbereiten, Bereitstellen und Vermitteln
von fachlichen Informationen für private
Waldbesitzer und andere Interessierte,
• Werben für den nachwachsenden Energie-
träger, Bau- und Werkstoff Holz,
• Erhöhen der Akzeptanz für die Kompetenz
der forstlich ausgebildeten Beschäftigten
aller Ebenen und Institutionen,
• Bekanntmachen von aktuellen forstpoliti-
schen Zielen und Entscheidungen sowie
Werben für ihre Akzeptanz.
Um die Ziele zu erreichen, werden verschie-
dene, an die jeweilige Zielgruppe und das
konkrete Thema angepasste Methoden und
Mittel genutzt. Dazu gehören unter anderem
Medienarbeit, Veranstaltungen, Tagungen,
Führungen, Veröffentlichungen und Internet-
präsenz. Im Berichtszeitraum waren die Vor-
stellung des 2006 neu gegründeten Staatsbe-
triebes Sachsenforst sowie die Medienarbeit
nach „Kyrill“ im Jahr 2007 besondere Aufga-
benschwerpunkte. Die mit der Gründung des
Staatsbetriebes Sachsenforst erfolgte Funk-
tionalisierung von Öffentlichkeitsarbeit und
Waldpädagogik führte zu einer – sowohl in
Qualität als auch Quantität – intensiveren und
effektiveren Wahrnehmung dieses Aufgaben-
bereiches.

image
99
StaatlIchE ForStVErWaltunG
Bild 9.5:
Mit Pflanzaktionen
werden insbesondere
Schüler / Schülerinnen
für forstpolitische
Themen, wie Klima-
schutz durch Waldmeh-
rung, auf spielerische
Weise sensibilisiert
Medienarbeit
Die Medien- und Pressearbeit zur Information
der Bevölkerung über forstliche Themen er-
folgte durch alle Organisationseinheiten der
Landesforstverwaltung. Mit der Funktionali-
sierung der Öffentlichkeitsarbeit wurde 2006
in jedem Forstbezirk ein Verantwortlicher für
die Pressearbeit benannt. Die für eine effekti-
ve Arbeit notwendigen Kontakte zu den örtli-
chen Medien wurden dadurch gestärkt.
Die Zusammenarbeit der Forstämter bzw.
Forstbezirke mit der örtlichen Presse wird
in einer Vielzahl von Veröffentlichungen über
waldbezogene Ereignisse aller Art doku-
mentiert. Hervorzuheben sind beispielswei-
se
Berichte zur Gründung des Staatsbetriebes
Sachsenforst, zu den Auswirkungen des Or-
kans „Kyrill“ im Wald, zu den Waldjugendspie-
len oder zur Forsteinrichtung im Landes- und
Körperschaftswald. Von besonderem Interes-
se waren alljährlich Meldungen zur aktuellen
Waldbrandlage, zur Borkenkäfersituation oder
zur energetischen Verwertung von Holz. Im
Rahmen einer Pressekonferenz wurde jähr-
lich im Dezember der jeweils aktuelle Waldzu-
standsbericht durch den Sächsischen Staats-
minister für Umwelt und Landwirtschaft
vorgestellt.
Veranstaltungen, Tagungen, Führungen
Der Staatsbetrieb Sachsenforst war im Be-
richtszeitraum auf einer Vielzahl von Veran-
staltungen, Ausstellungen und fachbezogenen
Messen vertreten. Beispiele dafür sind die
Messen „Forst & Holz“ in Dresden und „Jagd
& Angeln“ in Leipzig sowie das Landesernte-
dankfest und der Tag der Sachsen. Für Wald-
besitzer, Förster, Forstunternehmer besonders
informativ waren Veranstaltungen des SMUL,
wie die Sächsischen Waldbesitzertage in Mitt-
weida (2003) und Kamenz (2005) sowie Tagun-
gen zu verschiedenen Fachthemen, wie Wald-
mehrung oder Holzverkauf.
Im Berichtszeitraum wurden von den Forst-
ämtern bzw. Forstbezirken für die verschie-
densten Interessengruppen zahlreiche the-

image
100
Bild 9.6:
Gemeinsame Ver-
anstaltung des „Forst-
politischen Forums“
des SMUL und der
Großen Kreisstadt
Wurzen zum Thema
„Waldmehrung und
Naturschutz“ am
28. 09. 2007
matische Waldführungen durchgeführt sowie
lokale Veranstaltungen, wie Brennholztage,
Weihnachtsbaumverkauf oder Pflanzaktionen
zum Tag des Baumes, angeboten. In Koope-
ration mit der Sächsischen Landesstiftung
Natur und Umwelt (LaNU) beteiligt sich der
Staatsbetrieb Sachsenforst jedes Jahr im Mai
an der Aktion „Frühlingsspaziergänge“.
Veröffentlichungen
Die Veröffentlichungen zu Wald und Forst-
wirtschaft erzielen eine breite Resonanz bei
den angesprochenen Zielgruppen. In Tab. 3
des Anhangs sind einige ausgewählte Publi-
kationen, die im Berichtszeitraum erschienen
sind, dargestellt.
Internetpräsenz
Die Internetpräsenz der Landesforstverwal-
tung wurde ständig erweitert und aktualisiert.
Nach Gründung des LFP wurden die Auftritte
der LAF und der ehemaligen Forstdirektionen
Bautzen und Chemnitz zusammengeführt.
Mit der Gründung des Staatsbetriebes Sach-
senforst wurden die Seiten erneut überarbei-
tet und die Inhalte an die neue Struktur an-
gepasst. Die drei Waldschulheime erhielten
im Berichtszeitraum eine auf die Zielgruppe
Kinder und Jugendliche abgestimmte eigene
Internetpräsentation.
9.2.4.2
Waldpädagogik
Mit der Waldpädagogik als Teil der Bildung für
nachhaltige Entwicklung soll der zunehmen-
den Naturentfremdung der Bevölkerung ent-
gegengewirkt werden. Deswegen ist obers-
tes Ziel der Waldpädagogik, die Menschen für
die Belange von Wald, Forstwirtschaft und
Jagd zu sensibilisieren. Insbesondere Kindern
und Jugendlichen soll die Bedeutung des
komplexen Waldökosystems, seiner Nutz-,
Schutz- und Erholungsfunktionen sowie sei-
ner naturnahen, nachhaltigen Nutzung durch
entsprechende Programme begreif- und er-
lebbar gemacht und damit das Naturverständ-
nis gefördert werden. Aufgrund ihrer beson-

image
101
StaatlIchE ForStVErWaltunG
Bild 9.7:
Eine Grundschulklasse
untersucht Totholz
Tab. 9.5:
Entwicklung der
Gästezahlen in den
drei sächsischen
Waldschulheimen
deren Bedeutung wurde die Waldpädagogik
2007 als Aufgabe für die Forstbehörde in § 37
SächsWaldG festgeschrieben.
Hauptzielgruppe der waldpädagogischen Akti-
vitäten sind Grundschulkinder. In diesem Alter
werden Beziehungen in der Natur, die Arbeit
im Wald und ökonomische Zusammenhänge
schon gut verstanden. Deshalb haben wald-
pädagogische Programme in diesem Stadium
den größtmöglichen und langfristigen Lerner-
folg. Doch auch die Nachfrage nach Angebo-
ten für ältere Schüler ist in den zurückliegen-
den Jahren ständig gestiegen.
Waldpädagogische Zentren
Der Staatsbetrieb Sachsenforst betreibt die
drei Waldschulheime Conradswiese, Stan-
newisch und Wahlsmühle. Die Wochen- und
Tagesprogramme werden vorwiegend durch
Grundschulen, jedoch zunehmend auch von
Kindergartengruppen und älteren Schülern
genutzt.
Weitere waldpädagogische Zentren sind u. a.
der Walderlebnisgarten Eich, die Bildungs-
stätte Sellnitz im Nationalpark Sächsische
Schweiz sowie die 2003 eröffnete Walder-
lebnisscheune Taura. Die höchsten Besucher-
zahlen hat das Wildgehege Moritzburg. Neue
Tierarten und Attraktionen locken jährlich
2003
2004
2005
2006
2007
Kinder
3.631
3.516
4.019
4.182
4.941
Erwachsene
1.440
1.732
1.979
1.005
1.110

image
102
Bild 9.8:
Waldjugendspiele –
spielerisches Lernen
im Wald
Tab. 9.6:
Anzahl der Waldjugend-
spielveranstaltungen
sowie der teilnehmen-
den Schüler /Schülerin-
nen im Berichtszeitraum
mehr als 150.000 Besucher in die traditions-
reiche Anlage.
Waldjugendspiele
Die Waldjugendspiele, getragen von SMUL,
Kultusministerium und Schutzgemeinschaft
Deutscher Wald e. V., haben sich im Veran-
staltungsplan von Schulen und Forstbezirken
als feste Größe etabliert. Die rege Nachfrage
der Schulen bewirkte eine annähernd gleich-
bleibende Anzahl von Veranstaltungen im
Mai/Juni jedes Jahres mit durchschnittlich
fast 5.600 teilnehmenden Schülerinnen und
Schülern (Tab. 9.6). Im Jahr 2004 führten die
Forstbezirke Weißwasser und Adorf erstmals
grenzübergreifende Waldjugendspiele durch.
Zusätzlich finden die Wildgehegespiele in Mo-
ritzburg das gesamte Jahr über statt.
Sonstige waldpädagogische Aktivitäten
Insgesamt wurden im Berichtszeitraum ca.
25.000 Personen pro Jahr im Rahmen thema-
tisch vielfältiger, altersgerechter Veranstaltun-
gen, wie Försterwanderungen, Projekt- und
Walderlebnistage, individuell betreut. Zu den
Hauptzielgruppen gehörten Kindergartenkinder,
Senioren, Familien und Vereine. Für die Wald-
besucher stehen im Landeswald ca. 80 Wald-
lehr- und Erlebnispfade mit einer Gesamtlänge
von fast 260 km zur Verfügung.
2003
2004
2005
2006
2007
Veranstaltungen
61
55
61
54
57
Schüler / Schülerinnen
5.600
5.260
5.500
6.200
5.400

103
StaatlIchE ForStVErWaltunG
Tab.9.7:
Beispiele geförderter
Waldpädagogikprojek-
te im Berichtszeitraum
Der Freistaat Sachsen unterstützt Vereine
und Verbände, die sich in der Waldpädagogik
engagieren. So wurden im Rahmen der Richt-
linie 70 / 02 zur „Förderung von Initiativen zur
Entwicklung der Land- und Forstwirtschaft
sowie des Umwelt- und Naturschutzes, der
Ernährungsberatung, -erziehung und Verbrau-
cheraufklärung im Freistaat Sachsen“ und
ab 2007 nach der Richtlinie „Besondere Ini-
tiativen“ im Berichtszeitraum jedes Jahr im
Durchschnitt acht Waldpädagogikprojekte ge-
fördert (Tab. 9.7).
9.2.5
Forschungsaufgaben
9.2.5.1
Waldmonitoring
In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten
wurde in Sachsen ein systematisches Netz
der forstlichen Umweltüberwachung etabliert,
das aktuell vom Staatsbetrieb Sachsenforst
betrieben wird und detaillierte ganzheitliche
Informationen über Zustand und Entwicklung
der sächsischen Wälder zur Verfügung stellt.
Es ist nach Systematik und Methodik in das
europäische Waldschadensmonitoring integ-
riert, welches bis Ende 2006 im Rahmen des
Umweltprogramms FOREST FOCUS von der
europäischen Union finanziell gefördert wur-
de. Grundlage für das systematische forstliche
Umweltmonitoring sind in Sachsen die bereits
im Rahmen des bisherigen Waldmonitorings
untersuchten sogenannten Level I- und Level
II-Flächen (intensive Dauerbeobachtung in
acht repräsentativen Waldökosystemen). Mit
den Ergebnissen konnten im Berichtszeitraum
sowohl der forstlichen Praxis als auch den öf-
fentlichen und politischen Entscheidungsträ-
gern flächenhafte ökologische Basisdaten zur
Bewertung von Wald- und Bodenzustand im
Rahmen der vielfältigen Schutz-, Landschafts-
und Lebensraumfunktion der sächsischen
Wälder zur Verfügung gestellt werden.
Es konnte für den Verlauf des Berichtszeitrau-
mes festgestellt werden, dass sich die durch
Umweltschadstoffe induzierte Stoffbelastung
der Waldökosysteme weiterhin vermindert
hat (Kap. 7.1). Insbesondere durch den star-
ken Rückgang der Schwefelimmissionen sind
die mit der Deposition von Schwefel- und
Stickstoffverbindungen verknüpften Versaue-
rungseffekte („Saurer Regen“) im Ökosystem
stark zurückgegangen. Mittlerweile stellen die
aus Stickstoffverbindungen resultierenden
Säurewirkungen (z. B. Überschussnitrifikation)
die entscheidende Komponente für übermä-
ßige Säurebelastungen der Waldökosysteme
dar. Folglich wird es zur Vermeidung einer
fortschreitenden großflächigen Nährelement-
verarmung und Versauerung sowie zur allge-
meinen ökochemischen Verbesserung der
Böden zumindest in den Waldökosystemen
des Erzgebirges – trotz der aufgezeigten posi-
Verein / Verband
Projekt
Deutsche Waldjugend Zethau e. V.
· „Waldkindergartentage“
· „Forststudium für Grundschüler“
· „Naturschutzprojekt mit Kindern in Zethau“
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald,
Landesverband Sachsen e. V.
· „Planung, Vorbereitung und Durchführung von lan-
desweiten Waldjugendspielen im Freistaat Sachsen“
· „Nachhaltigkeit und Biodiversität – Global change
und Forstwirtschaft“
Kultur- und Umweltzentrum agra-Park e. V.
· „Lernort Wald“

104
tiven Entwicklungen bei der Umweltbelastung
– auch in der nahen Zukunft weiterhin notwen-
dig sein, wenigstens einen Teil des Verlustes
an Pufferkapazität bzw. des Nährstoffdefizits
durch Kalkungsmaßnahmen zu kompensie-
ren. Der Freistaat Sachsen wird deswegen die
Kompensationskalkung weiter fördern.
9.2.5.2
Generhaltung
Die Landesforstverwaltung beteiligt sich an
dem bundesweiten Programm zur „Erhaltung
und nachhaltigen Nutzung forstlicher Genres-
sourcen“. Ziel ist es, das genetische Potenzial
sowohl von Wirtschaftsbaumarten als auch von
seltenen bzw. gefährdeten Baum- und Strauch-
arten zu erhalten und eine nachhaltige Nutzung
zu ermöglichen. Im Berichtszeitraum erfolgte
durch den Staatsbetrieb Sachsenforst eine
vollständige Evaluierung aller bisher ausgewie-
senen In-situ-Vorkommen sowie die abschlie-
ßende Bearbeitung der noch ausstehenden
Waldflächen im Freistaat Sachsen. Mit Stand
vom 31. 12. 2007 sind im gesamten Freistaat
Sachsen ca. 1.100 Waldbestände mit einer Flä-
che von 3.190 ha sowie ca. 5.650 Einzelbäume
für die In-situ-Erhaltung erfasst und werden als
Wald mit besonderer Generhaltungsfunktion
ausgewiesen. Insgesamt wurden 34 Baum-
und Straucharten bzw. Artengruppen berück-
sichtigt. Durch die Einbeziehung erhaltungsre-
levanter Versuchsflächen sowie die Neuanlage
von Erhaltungs-Samenplantagen konnte das
bestehende System zur Ex-situ-Erhaltung im
Landeswald auf 260 Bestände (21 Baumarten)
mit 215 ha Fläche sowie 55 Samenplantagen
(18 Baumarten) erweitert werden.
9.2.5.3
Sonstige Forschungs-
aufgaben
Ein wichtiges Betätigungsfeld bestand im Be-
richtszeitraum in praxisbezogenen Versuchs-
und Forschungsaufgaben auf dem Gebiet der
Forstwirtschaft. In Tabelle 4 des Anhangs
sind die wesentlichen Forschungsprojekte im
Berichtszeitraum zusammengestellt.
9.2.6
Forst- und Jagdbehörde
9.2.6.1
Forstbehörde
Forstliche Rahmenplanung
Die forstliche Rahmenplanung soll der Schaf-
fung von Grundlagen und Leitlinien zur Si-
cherung und Verbesserung der Lebens- und
Wirtschaftsverhältnisse,