Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und Luftschadstoffe (FLK)
für den Flughafen Leipzig/Halle
Bericht der 55. Sitzung am 17.10.2018
Im Zuge der regelmäßigen Berichterstattung informierte der Flughafen über die Verkehrs-
entwicklung, die Beschwerdesituation, die Fluglärmmessungen, die Bahnverteilung, die Nut-
zung der Triebwerksprobelaufhalle und die Umsetzung der Schallschutzmaßnahmen.
Die Flugbewegungen nahmen im Berichtszeitraum zu. Von Januar bis September des Jah-
res stieg die Anzahl um 15,6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Zahl der gewerbli-
chen Fluggäste stieg um 8,1 %, die umgeschlagene Fracht um 9,5 %.
Seit der letzten FLK-Sitzung im März 2018 gingen beim Flughafen 3.927 über den DFLD
generierte digitale Beschwerden von 59 Beschwerdeführern ein. 61 schriftliche und telefoni-
sche Beschwerden von 47 Beschwerdeführern waren zu bearbeiten. Die durchschnittliche
Anzahl der Beschwerden bezogen auf einen Monat des Berichtszeitraums ist zum vorange-
gangenen Berichtszeitraum erneut rückläufig.
An den 10 stationären Fluglärmmessstellen waren keine signifikanten Pegelveränderungen
zu verzeichnen. Die mobilen Messstellen waren in Böhlitz-Ehrenberg und Schkopau, OT
Luppenau im Einsatz. Die Messungen ergaben keine unzulässige Fluglärmbelastung. Die
nächsten mobilen Messungen sollen in Halle-Ost (Büschdorf), Eilenburg, Kabelsketal (Benn-
dorf/Naundorf) und Schkeuditz, Dahlienweg erfolgen.
Im Berichtszeitraum wurde die Nordbahn am Tage stärker belegt; in der Nacht war es die
Südbahn. Über den gesamten Zeitraum wurde die Südbahn stärker genutzt.
Im Berichtszeitraum Januar bis September 2018 fanden von 235 Triebwerksprobeläufen 70
außerhalb der Triebwerksprobelaufhalle statt. Es wurde kein nächtlicher Probelauf außerhalb
der Halle durchgeführt.
Die von der Planfeststellungsbehörde verfügten passiven Schallschutzmaßnahmen hat der
Flughafen zu 96,4 % realisiert bzw. der verbliebene Handlungsbedarf liegt bei den Antrag-
stellern. 7.508 Wohneinheiten in Einzelobjekten haben baulichen Schallschutz erhalten.
5.788 Wohneinheiten in Sonderobjekten wurden mit Schallschutz ausgestattet. Derzeit be-
finden sich 27 Wohneinheiten in der Dimensionierung. Noch offene Vorgänge sind überwie-
gend auf ausstehende Abstimmungen der Antragsteller mit den ausführenden Firmen zu-
rückzuführen.
Der Flughafen und DHL berichteten über die weitere Entwicklung am Standort aufgrund der
steigenden Nachfrage und aktualisierter Prognosen zum Frachtaufkommen. Der Flughafen
zeigte potentielle Entwicklungsflächen auf. Konkrete Vorhaben sind der Bau eines neuen
Kleinflugzeugshangars, die Entwicklung einer Fläche für Tank & Rast, der Bau eines Sicher-
heitsparkbereiches für den Güterverkehr und die Errichtung eines Containerterminals im
Luftfrachtumschlagbahnhof. Des Weiteren soll das Rollwegesystem erweitert werden.
Gleichzeitig ergibt sich Planungsbedarf zur Erweiterung des DHL Vorfeldes um bis zu 36
Flugzeugstandplätze. Beide Unternehmen sagten eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlich-
keit an den bevorstehenden Planungen zu. Derzeit werden die Planungsgrundlagen ermittelt.
Aufgrund der prognostizierten Entwicklung ist eine Zunahme des Luftverkehrsaufkommens
absehbar. Die DFS führte aus, dass sich das derzeit angewendete Anflugverfahren Point
Merge bereits heute in Spitzenzeiten seiner Kapazitätsgrenze nähert. Die Leistungsfähigkeit
des Point Merge Systems, welches sich noch in der Evaluierungsphase befindet, hat sich in
der Praxis als geringer herausgestellt, als zur Planung 2014/2015 angenommen. Das heuti-
ge Point Merge System kann die notwendige luftseitige Kapazität für das von DHL am Flug-

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hafen aktuell avisierte Wachstum nicht gewährleisten. Die DFS prüft derzeit, welche Maß-
nahmen erforderlich sind. Details werden im Rahmen der Beratung mit der Fluglärmkommis-
sion in einer Sitzung im Dezember dieses Jahres vorgestellt und diskutiert.
Die Berichterstattung in den Medien bezüglich des kürzlich in den Regelbetrieb überführten
RECAT-EU-Systems, das die Anflugkapazität zum Flughafen erhöhen kann, führte bei An-
wohnern und FLK-Mitgliedern zu Irritationen. Die DFS erläuterte die Maßnahme und betonte,
dass es sich dabei nicht um ein geändertes Flugverfahren handelt, über das die FLK zuvor in
Kenntnis gesetzt werden muss. Bei RECAT-EU handelt es sich um eine europäische Vorga-
be zur Staffelung der Flugzeuge entsprechend ihrer Wirbelschleppenkategorie, die es er-
möglicht, die Abstände der aufeinander folgenden Flugzeuge beim Anflug auf den Flughafen
unter bestimmten Bedingungen zu verkürzen.
Zum Stand der Maßnahmenplanungen zur Erhöhung der Sicherheit bei Bahnkreuzungen
gab die DFS einen Zwischenbericht.
Im Änderungsgenehmigungsverfahren „Triebwerksprobeläufe“ gibt es keinen neuen Sach-
stand. Der Flughafen hat die notwendigen Untersuchungen zur Erstellung der von der Ge-
nehmigungsbehörde geforderten ergänzenden Unterlagen beauftragt. Über den Fortgang
des Verfahrens lässt sich die FLK informieren.
Der Flughafen berichtete erneut über die Flugbewegungen der AN 12, AN 22 und AN 26 der
letzten fünf Jahre und erweiterte die Statistik um die AN 124. Er zeigte die Entwicklung in
den Monaten Januar bis September des Jahres 2018 auf. Die bereits länger andauernden
Bemühungen der FLK zur Reduzierung des Einsatzes des Flugzeugtyps AN 12 waren erfolg-
reich. Im Ergebnis von Abstimmungen sicherte die Bundeswehr zu, die für die Versorgung
des Bundeswehrkontingentes in Mali notwendigen Flüge ausschließlich tagsüber durchzu-
führen. Seit Juni 2018 fanden nachts keine Flüge der AN 12 statt. DHL betonte, dass die
verbliebenen Flugbewegungen mit der AN 26 nicht in ihrem Auftrag stattfinden.
Die mit der Lärmaktionsplanung befassten kommunalen Behörden vereinbarten, ihre Pla-
nungen zu koordinieren. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geolo-
gie hatte zur Unterstützung der Kommunen die Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs Flug-
lärm beauftragt, dessen Entwurf vorgestellt wurde.
Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) stellte drei Anträge: Sie beantragte die Errich-
tung einer Fluglärmmessstation im Rackwitzer Ortsteil Podelwitz bzw. die Umsetzung einer
vorhandenen Messstelle dorthin. Die FLK lehnte diesen Antrag mit großer Mehrheit ab. Ein
Gewinn an zusätzlichen Erkenntnissen ist nicht zu erwarten. Mit dem 2. Antrag. beantragte
die BVF die Einführung des Fluglärminformationstools „TraVis“ am Flughafen Leipzig/Halle.
Dieses System stellt die An- und Abflüge am Flughafen Leipzig/Halle und die Ergebnisse der
Lärmmessungen nahezu in Echtzeit dar. Es sorgt damit für mehr Information und Transpa-
renz für die Öffentlichkeit. Die FLK stimmte dem Antrag mit großer Mehrheit zu. Der Flugha-
fen und die DHL erklärten sich zur Finanzierung bereit. Mit dem dritten Antrag soll für die
Abflugrouten MAGDA 1 E/Q und GOLAT 1 E/Q (östliche kurze Südabkurvung) ein Wegpunkt
mit einer Mindestflughöhe eingeführt werden. Der Antrag wurde zurückgestellt. Die DFS
steht dem grundsätzlich offen gegenüber, benötigt dafür aber genauere Angaben.
Schließlich berichtete die Genehmigungsbehörde vom Fortgang der Gespräche mit Vertre-
tern von Bürgerinitiativen des Netzwerkes Zukunft Leipzig zum Thema Fluglärmreduzierung
am Flughafen Leipzig/Halle.
Die nächste reguläre Sitzung findet am 27.03.2019 statt.
Manfred Heumos
Vorsitzender der Fluglärmkommission am Flughafen Leipzig/Halle