Fundstelle: Beschlüsse der Kultusministerkonferenz, Luchterhand: Leitzahl 652
Dateiname KMK: 1999_652-Grundsätze Sportförderunterricht.doc
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Grundsätze
für die Durchführung von Sportförderunterricht
sowie für die Ausbildung und Prüfung zum Erwerb
der Befähigung für das Erteilen
von Sportförderunterricht
(Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 26.02.1982
in der Fassung vom 17.09.1999)
Präambel
Der Sport gehört zu jenen schulischen Lern- und Erfahrungsbereichen, die in den
zurückliegenden Jahrzehnten eine besondere Entwicklung erfahren haben.
Vielfältige Maßnahmen in den einzelnen Ländern
von der Lehrerausbildung über
neue Curricula bis zur Einführung täglicher Bewegungszeiten, vom Sportstättenbau
bis zur bewegungsfreundlichen (Um-)Gestaltung der Schulhöfe
haben hierzu
beigetragen. Die Kultusministerkonferenz hat sich bei dieser Entwicklung als Ort der
Koordinierung bewährt.
Die veränderten Lebensbedingungen machen für eine zunehmende Anzahl von
Schülerinnen und Schülern den Sportunterricht ergänzende Fördermaßnahmen
erforderlich. Dazu zählen insbesondere auch Angebote eines Sportförderunterrichts,
dessen Weiterentwicklung folgende Prinzipien zugrunde liegen:
I.
Sportförderunterricht
1.
Begründung
Der Sportförderunterricht kann zusätzlich zum obligatorischen Sportunterricht an
den Schulen durchgeführt werden. Er ist vor allem für Schülerinnen und Schüler
bestimmt, die motorische Defizite und psycho-soziale Auffälligkeiten aufweisen,
und zielt darauf ab, ihre Bewegungsentwicklung positiv zu beeinflussen und ihre
Gesundheit und damit ihr Wohlbefinden zu steigern.
Oft korrelieren schulische Lernleistungen und auffälliges psycho-soziales
Verhalten bei Schülerinnen und Schülern sehr eng mit körperlichen
Entwicklungsrückständen und motorischen Leistungsdefiziten. Daher dient der
Sportförderunterricht auch der Steigerung einer allgemeinen schulischen Lern-
und Leistungsfähigkeit und verbesserten Integration der Schülerinnen und
Schüler in das Schulleben.
2.
Aufgaben
Im Sportförderunterricht sollen Schülerinnen und Schüler mit motorischen und
psycho-sozialen Schwächen durch eine besonders qualifizierte Lehrkraft
langfristig und gezielt gefördert werden. Sie sollen sich der Leistungsfähigkeit

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ihres Körpers (wieder) sicher werden und jene Kompetenzen erwerben, die für
die Teilnahme am Bewegungsleben der Gleichaltrigen wichtig sind.
Für Kinder und Jugendliche mit schwerwiegenden körperlichen Defiziten und
psycho-motorischen Störungen sollten zusätzliche therapeutische Möglichkeiten
aufgezeigt werden. Die Förderung behinderter Kinder und Jugendlicher ist
vorzusehen, soweit dies möglich ist.
Die Auswahl der Schülerinnen und Schüler für den Sportförderunterricht erfolgt
unter Beteiligung der Erziehungsberechtigten und ist vorrangig unter
spezifischen sportpädagogischen Förderungskriterien durchzuführen. Die
Formen der Zusammenarbeit zwischen den Sportlehrkräften und
Gesundheitsämtern, speziell Schulärztinnen bzw. Schulärzten, sowie
niedergelassenen Ärztinnen bzw. Ärzten werden ebenso durch die Länder
geregelt wie die Modalitäten zur Durchführung ggf. zusätzlich erforderlicher
ärztlicher Untersuchungen.
3.
Didaktisches Konzept
Ziel des Sportförderunterrichts ist die ganzheitliche Förderung der
Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen durch Bewegung,
Spiel und Sport unter besonderer Berücksichtigung der Gesundheit. Dabei sollen
didaktische Prinzipien wie Kindgemäßheit, Offenheit, Freiwilligkeit und
Selbständigkeit im Vordergrund stehen.
Eine isolierte Berücksichtigung biologisch-medizinischer Aspekte und ein
ausschließlich auf die körperliche Symptomatik ausgerichtetes unterrichtliches
Vorgehen sind im Sinne eines ganzheitlichen Persönlichkeits- und
Gesundheitsverständnisses nicht ausreichend.
Mangel an Bewegungserfahrungen bzw. einseitige Anforderungen führen in der
Regel zu körperlichen Einschränkungen und ziehen häufig psychische und
soziale Belastungen und Probleme der Kinder und Jugendlichen nach sich.
Deshalb soll der Sportförderunterricht zusätzlich einen Ausgleich für psycho-
soziale Probleme bieten. Er dient den Schülerinnen und Schülern zur Steigerung
des Selbstwertgefühls, zur Entwicklung einer positiven Grundeinstellung und als
Bereich der psychischen Entspannung und des sozialen Wohlbefindens.
4.
Inhalte
Der Sportförderunterricht bezieht alle Inhalte des Schulsports mit ein, soweit
dies sinnvoll und organisatorisch möglich ist. Die Auswahl der Inhalte soll sich
vornehmlich an den grundlegenden und spezifischen Bedürfnissen der an ihm
teilnehmenden Schülerinnen und Schüler orientieren. Anregungen aus ihrem
Bewegungsleben und Spielverhalten sollten berücksichtigt und aufgenommen
werden. Ferner sollte der Entwicklung sportlicher Neigungen und Interessen, die
in die Freizeit hineinwirken, Raum gegeben werden.
Inhaltliche Schwerpunkte stellen
insbesondere im Primarbereich
elementare
Körper- und Bewegungserfahrungen und die Förderung bzw. Entwicklung
sozialer Kompetenzen dar. Der Förderung von Wahrnehmung und
Bewegungskoordination kommt eine herausgehobene Bedeutung zu. Daneben

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sollten eine vielfältige Beanspruchung der Muskulatur sowie eine Erhöhung der
physischen wie psychischen Belastbarkeit bzw. Leistungsfähigkeit angestrebt
werden.
Inhaltliche Schwerpunkte bilden darüber hinaus insbesondere der Aufbau von
Befähigung und Motivation zum Sporttreiben in Schule und Freizeit und die
Vermittlung von Kompetenzen im Hinblick auf eine dem individuellen
Leistungsvermögen angemessene sportliche Belastung.
5.
Organisation
Der Sportförderunterricht soll inhaltliche Bezüge zum obligatorischen
Sportunterricht und zum außerunterrichtlichen Schulsport herstellen. Eine
Kooperation der im Sportförderunterricht tätigen Lehrkräfte mit den übrigen
Lehrkräften der Schule ist erforderlich. Vor allem bei jüngeren Schülerinnen und
Schülern ist die Integration der Eltern in die Fördermaßnahmen, stärker als im
sonstigen schulischen Leben üblich, anzustreben. Die Eltern sollten über die
Bedeutung der Motorik für die Gesamtentwicklung eines Kindes informiert
werden. Im Rahmen der außerschulischen Kooperation sollte insbesondere auch
die Zusammenarbeit mit Sportvereinen erfolgen
6.
Qualifikation der Lehrkräfte
Die Qualifikation der im Sportförderunterricht tätigen Lehrkräfte unterliegt
besonderen Anforderungen. Eine Zusatzausbildung ist erforderlich.
II.
Ausbildung
1.
Ziel der Ausbildung
Ziel der Ausbildung ist die Vermittlung von spezifischen Kenntnissen und
Fähigkeiten für das Erteilen von Sportförderunterricht für Schülerinnen und
Schüler mit deutlichen körperlichen Entwicklungsrückständen, motorischen
Defiziten, psycho-motorischen Störungen und psycho-sozialen Auffälligkeiten in
allen Schularten und Schulformen.
2.
Ausbildungswege
Die Ausbildung zum Erwerb der Befähigung für das Erteilen von
Sportförderunterricht kann durchgeführt werden
a) für Studierende im Fach Sport im Rahmen des Studienganges für ein
Lehramt an Schulen,
b) für Lehrkräfte im Schuldienst mit Fakultas Sport bzw. einer Un-
terrichtserlaubnis für Sport.

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3.
Zulassung zur Ausbildung
Die Voraussetzungen für die Zulassung zur Ausbildung nach Nummer 2 a)
werden durch die entsprechenden Studienordnungen und Ausbildungsgänge der
Hochschulen, die Zulassungsvoraussetzungen für die besonderen Lehrgänge
nach Nummer 2 b) durch die Bestimmungen der Länder geregelt.
4.
Umfang und Gliederung der Ausbildung
Die Ausbildung umfasst mindestens 72 Stunden und berücksichtigt folgende
Schwerpunkte:
a) Didaktik und Methodik des Sportförderunterrichts,
b) didaktisch-methodische Übungen,
c) unterrichtspraktische Ausbildung,
d) biologisch-medizinische Grundlagen des Sportförderunterrichts.
5.
Ausbildungsinhalte
Inhalte der Ausbildung sollten sein:
a) Didaktik und Methodik des Sportförderunterrichts
Erscheinungsformen, Ursachen, Auswirkungen und Aus-
gleichsmöglichkeiten senso-motorischer und psycho-sozialer
Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter;
Test- und Auswahlverfahren;
Gesetzmäßigkeiten und Störungen der kindlichen Entwicklung;
Belastbarkeit und Trainingswirkungen im Kindes- und Jugendalter;
motorische Leistungsschwäche und psychische Störungen; (z.B.
verhaltensauffällige Kinder im Schulsport);
Integration der geförderten Kinder und Jugendlichen in das allgemeine
schulische Leben;
Einflussmöglichkeiten auf das Freizeitverhalten;
Lehrplan, Organisation;
Lehrverfahren und Lehrerverhalten;
spezielle Aspekte der Förderung (psycho-motorische Erziehung,
Konzepte bewegungsfreudiger/bewegungsfördernder Schulen,
Entspannungstechniken und -verfahren, Verfahren psycho-physischer
Regulation u.a.);
b) didaktisch-methodische Übungen im Sportförderunterricht (Übungen
mit Experimentalcharakter)
Erarbeitung von Unterrichtsbeispielen zur Wahrnehmungsförderung und
motorischen Förderung;

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Erarbeitung von Unterrichtsbeispielen zur sozialen, emotionalen und
kognitiven Entwicklungsförderung über Bewegung, Spiel und Sport;
exemplarische Erarbeitung von Situationen in differenziertem
Unterrichtsverlauf;
Entwicklung von Beispielen und Techniken des Lehrerhaltens für den
Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern und ihre Integration im
Unterricht;
Analyse von Demonstrationsstunden, ggf. unter Verwendung
audiovisueller Medien;
c) biologisch-medizinische Grundlagen des Sportförderunterrichts
Bau und Funktion des kindlichen und jugendlichen Organismus;
biologische Entwicklungsprozesse im Kindesalter und ihre
Beeinflussbarkeit durch Bewegung, Spiel und Sport;
Bedeutung gesundheitlich relevanter Dysfunktionen im Be-
reich des Nervensystems, des Herz-Kreislauf -Atmungssys-
tems, der Muskulatur und des Stoffwechsels im Kindes- und
Jugendalter, Abgrenzungen der Haltungs- und Leistungs-
schwäche gegenüber der Normvariante und irreversiblen Be-
einträchtigungen;
ausgewählte bewegungs- und sporttherapeutische Maßnahmen der
Pädiatrie zur möglichen weiterführenden Beratung der
Erziehungsberechtigten;
Grundlagen der gesunden Ernährung.
III. Prüfung
1.
Zweck der Prüfung
Durch die Prüfung sollen die Bewerberinnen und Bewerber nachweisen, dass sie
befähigt sind, Sportförderunterricht zu erteilen. Mit Bestehen der Prüfung wird
die Berechtigung erworben, Sportförderunterricht in der Schule zu erteilen.
2.
Prüfungsausschuss
Die Prüfung wird nach den Bestimmungen der Länder durchgeführt.

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3.
Voraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung
Vor der Zulassung zur Prüfung ist die vorgeschriebene Ausbildung nach
Abschnitt II. nachzuweisen.
4.
Gliederung der Prüfung
Die Prüfung kann einen lehrpraktischen Teil sowie einen schriftlichen und einen
mündlichen Teil beinhalten. Die näheren Bestimmungen über die Gestaltung und
den Umfang der Prüfung treffen die Länder.
5.
Bewertungen der Prüfungsleistungen und Prüfungsergebnisse
Die Bestimmungen über die Bewertung der Prüfungsleistungen sowie über die
Feststellung des Prüfungsergebnisses treffen die Länder.
6.
Wiederholungen der Prüfung
Wiederholungen der Prüfung sind bei Nichtbestehen zulässig.