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5 Ein Übungskatalog mit alternativen Sportmöglichkeiten
Im Folgendem werden für die in Kapitel 2 und 3 betrachteten Krankheitsbilder
alternative Übungsmöglichkeiten vorgestellt, welche trotz gesundheitlicher
Einschränkung
ausgeführt
werden
und
dementsprechend
zu
einer
Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes beitragen können. In Anlehnung
an das bereits entwickelte Konzept von Teichert (2005) wird die äußere Form
der alternativen Sportmöglichkeiten übernommen. Die Übungen werden
ebenfalls im Karteikartenformat zugunsten einer leichten Anwendung seitens
des Schülers und des Lehrers angeboten. In Anpassung an die
gesundheitlichen Einschränkungen werden die Karteikarten weiterentwickelt
und mit zusätzlichen Informationsfeldern versehen. Insgesamt werden 73
alternative Übungsmöglichkeiten vorgestellt, welche sich wie folgt auf die
jeweiligen Einschränkungen verteilen:
-
18 Übungen für Asthmatiker
-
18 Übungen für adipöse und übergewichtige Schüler
-
12 Übungen für herzkranke Schüler
-
25 Übungen zur Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten
Die Übungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Koordination nehmen den
größten Teil des Kataloges ein, da diese Übungen für alle Kinder und
Jugendlichen, besonders aber für gesundheitlich eingeschränkte Schüler
notwendig erscheinen . Im Rahmen dieses Kataloges sollen die Übungen zur
Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten nicht nur von Kindern mit einer
umschriebenen Entwicklungsstörung der motorischen Funktion ausgeführt
werden, sondern von allen gesundheitlich eingeschränkten Schülern mit einer
Teilsportbefreiung. Dementsprechend gilt dieser Teil des Übungskataloges
ebenso für asthmaerkrankte, adipöse und herzkranke Kinder und Jugendliche.
Schüler mit Herzerkrankungen erhalten hier nur 12 Übungsvorschläge, da ihre
Trainingsmöglichkeiten vor allem in den Bereichen Ausdauer und Kraft liegen,
sie aber auch die Übungen der anderen vorgestellten Krankheitsbilder
ausführen können, welche auf eine Schulung von Kraft, Ausdauer und vor allem
Koordination abzielen. Zu jeder gesundheitlichen Einschränkung finden sich
verschiedene Übungen für die Klassenstufen 5 bis 7 und 8 bis 10, um einerseits
längerfristig erkrankten Schülern im Laufe der Schulzeit unterschiedliche

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Sportmöglichkeiten anbieten zu können und um andererseits Differenzierungen
bezüglich der Schwierigkeit von Übungen vornehmen zu können. Das heißt,
Übungen für die Klassenstufen 8 bis 10 haben in der Regel einen höheren
Schwierigkeitsgrad, als die der niedrigeren Klassenstufen, so dass die Übungen
weitestgehend den körperlichen und koordinativen Voraussetzungen der
jeweiligen Altersklasse angepasst sind. Gleichzeitig bedeutet dies, dass Schüler
der Klassen 8 bis 10 gut die Übungen der Fünf- bis Siebenklässler ausführen
können, Schüler der 5. bis 7. Klassen aber möglichst keine der höheren
Klassenstufen ausüben sollten. Dabei muss beachtet werden, dass
grundlegend von normalentwickelten Kindern ausgegangen wird. Etwaige
Retardierungen oder Akzelerationen in der Entwicklung müssen individuell
Beachtung finden.
Die Sportmöglichkeiten wurden schülergerecht ausgewählt, d. h. der Schüler
sollte mit Hilfe der schriftlichen Instruktionen und der dazugehörigen Skizze
oder fotografischen Abbildung in der Lage sein, den Kern der Übung schnell
und eigenständig zu erfassen und diese erwartungsgemäß auszuführen. Die
Übungen wurden bestmöglich dem jeweiligen Umfeld angepasst, d. h. auf
Grundlage des Wissens, von welchen Sportarten bzw. Körperübungen die
Schüler teilsportbefreit sind, wurde eine entsprechende Übung für den Indoor-
Bereich (innen) Sporthalle oder Outdoor-Bereich (außen) Sportplatz gewählt.
Bei der Auswahl der alternativen Sportmöglichkeiten wurde darauf geachtet,
möglichst leicht verständliche und freudbetonte Übungen zu wählen, die nur ein
Minimum an Vorbereitung bedürfen. Durch klare, den Schüler persönlich
ansprechende Anweisungen zur Ausgangsstellung, Übungsausführung und
Dosierung mit Hinweisen zur Belastungs- und Pausengestaltung werden dem
Schüler motivierende und leicht praktikable Übungsvorschläge unterbreitet. Die
„Was brauche ich?“- und „Pass auf!“-Felder verhelfen dem Schüler zu einer
schnellen und richtigen Übungsausführung. Adressatengerechte und humor-
volle Übungsbezeichnungen stützen das Konzept, dem Schüler möglichst
spielerisch Freude an der sportlichen Bewegung zu vermitteln. Den Karteikarten
können folgende Informationen entnommen werden:

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-
für welche Klassenstufe die Übung geeignet ist, d. h. Klasse 5 bis 7 oder
Klasse 8 bis 10
-
für welche gesundheitliche Einschränkung ist die Übung vorgesehen,
d. h. für Asthmatiker, Adipöse und Übergewichtige, Herzkranke oder
koordinativ Schwache
-
welchen Schwierigkeitsgrad die Übung hat, d. h. ein roter Smilie markiert
eine leichte Übung, bis hin zu fünf roten Smilies, welche eine schwere
Übung verdeutlichen
-
welche Nummer die jeweilige Übung hat, (zur besseren Handhabung
seitens des Lehrers)
-
welche Fähigkeiten trainiert werden, d. h. Kraft, Ausdauer oder
Schnelligkeit schulende Übungen bzw. Übungen zur Verbesserung der
Differenzierungs-, Orientierungs-, Gleichgewichts-, Reaktions- oder
Rhythmisierungsfähigkeit
-
den adressatengerechten Namen der Übung
-
für welches Umfeld die Übung geeignet ist, d. h. Indoor, Outdoor oder
beides
-
welche Materialien für die Übung benötigt werden
-
welche Ausgangsstellung gegebenenfalls eingenommen werden muss
-
die ausführliche und präzise Ausführung der Übung
-
die genaue Dosierung, durch Angaben zu Wiederholungen, Pausen und
Serien
-
eine übungsverdeutlichende Abbildung (Skizze und/oder Foto)
-
was bei der Übung besonders zu beachten ist, hervorgehoben im „Pass
auf!“-Feld
Mit Hilfe der Karteikarten und den darauf enthaltenen Informationen sollte der
Schüler in der Lage sein, innerhalb des Unterrichts selbstständig und funktionell
fehlerfrei üben zu können, ohne den Ablauf des Sportunterrichts unterbrechen
oder stören zu müssen. Auf diese Weise wird ein störungsfreier Unterricht für
die übrigen Schüler gewährleistet, während die gesundheitlich eingeschränkten
Kinder und Jugendlichen in den sportlichen Verlauf integriert werden und
zugleich ihre Gesundheit fördern. Das selbstständige Üben der Schüler mit den
Karteikarten stellt keinerlei Mehrbelastung für den Sportlehrer dar, so dass für

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alle Schüler, gesunde und gesundheitlich eingeschränkte, eine reibungslose
Unterrichtseinheit ohne Verlust an Aktivität gewährleistet wird.
5.1 Asthma bronchiale
Der
Übungskatalog
für
Asthmatiker
umfasst
acht
Übungen
zur
Ausdauerschulung, sechs Kräftigungsübungen und vier Vorschläge zur
Verbesserung der Schnelligkeit. Davon ist jeweils eine Hälfte der Klassenstufe
5 bis 7 und eine Hälfte den Klassen 8 bis 10 zugeordnet. Ausdauer schulenden
Übungen wird hier besondere Beachtung geschenkt, da eine verbesserte
allgemeine, aerobe Ausdauer das Risiko einer durch Anstrengungsasthma
verursachten
Atemnot
deutlich
verringern
kann.
Die
Übungen
zur
Ausdauerschulung sollen vor allem zu dem Zeitpunkt ausgeführt werden, wenn
die Schüler von Ausdauerläufen und ähnlichen Belastungen teilsportbefreit
sind. Aus diesem Grund sind alle vorgestellten Übungen im Bereich Ausdauer
Outdoor-tauglich, d. h. sie können im Freien durchgeführt werden. Nichtsdesto-
trotz muss auf negativ wirkende Einflussfaktoren geachtet und beispielsweise
kalte, trockene und allergenreiche Luft vermieden werden. Die Übungen
integrieren alle eine für Asthmatiker zu bevorzugende Intervallbelastung und
schließen ungefährliche Bewegungsformen, wie beispielsweise Walking, mit
ein. Freudbetonte Übungsvarianten lenken die Aufmerksamkeit der Schüler
weg von der Anstrengung hin auf „Zusatzaufgaben“, wie Figuren, Zeitungen
oder kleine zu zeichnende Kunstwerke. Dadurch empfinden die Schüler
sportliche Bewegung nicht als Last und Anstrengung, sondern als freudvolle,
motivierende Bewegung. Im Bereich der Kraft schulenden Übungen wird
besonders die Muskulatur des Rumpfes, also Rücken und Bauch, sowie die
Armmuskulatur trainiert. Diese Muskelgruppen tragen in einem gekräftigten,
funktionstüchtigem Zustand zu einer Erleichterung der Atmung bei und erhöhen
so die Leistungsfähigkeit eines Asthmatikers. Die Karteikarten geben Hinweise
auf eine belastungsadäquate Atmung, d. h. bei Belastung Ausatmen und bei
Entlastung Einatmen, so dass einem durch falsche Atmung hervorgerufenem
Asthmaanfall entgegengewirkt werden kann. Die Technik der Lippenbremse
kann und sollte gerade bei diesen Übungen Anwendung finden. Für einen
Asthmatiker bieten sich auch die Kraft schulenden Übungen der Wirbelsäule
von Teichert (2005) an. Im Bereich des Schnelligkeitstrainings können die