Magdeburg
Erfurt
Dresden
Werda
Adorf
Markneukirchen
Bad Elster
Klingenthal
Kraslice
Bad Brambach
WERD
TANN
GUNZ
WERN
ROHR
Materialien zur Geologie
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Erdbebenbeobachtung im Freistaat Sachsen
Zweijahresbericht 2000–2001
Materialien zur Geologie

image
 
Vorwort
Erdbeben gehören zu den Naturereignissen, deren Auf-
treten durch den Mensch nicht verhindert oder vorherge-
sagt werden können. Die schädigenden Auswirkungen
können aber durch vorbeugende Maßnahmen reduziert
werden.
Im Freistaat Sachsen hat es bisher keine verheerenden
Beben gegeben. Seismische Ereignisse in Westsachsen
und besonders im Vogtland sind jedoch keine Seltenheit.
Dies zeigte der letzte stärkere Bebenschwarm im Herbst
2000 im tschechischen Novy´ Kostel, nur 10 km von Bad
Brambach entfernt. Dabei traten zwar keine Schäden an
Gebäuden oder Einrichtungen auf. Diese können aber in
Zukunft nicht völlig ausgeschlossen werden.
In den anderen Bundesländern wird die Untersuchung
von Erdbeben durch einen Landeserdbebendienst vorge-
nommen. Im Freistaat Sachsen haben sich Universitäten,
Unternehmen und Einrichtungen, die seismologische Mes-
sungen durchführen, zu einem »Seismologie-Verbund zur
Erdbebenbeobachtung in Sachsen« zusammengeschlos-
sen, um diese Aufgabe gemeinsam wahrzunehmen. Die
Koordination des Seismologie-Verbundes erfolgt durch das
Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie. Da Erd-
beben keine Ländergrenzen kennen, bestehen auch enge
Kontakte zu vergleichbaren Einrichtungen in anderen Bun-
desländern und benachbarten Ländern.
Eine Vorhersage von Erdbeben ist trotz vielfacher Anstren-
gungen und weltweiter wissenschaftlicher Untersuchun-
gen bisher nicht möglich. Jedoch können die Gebiete, die
besonders gefährdet sind, genauer abgegrenzt und ent-
sprechende Maßnahmen vorbereitet werden, um mög-
liche Schäden zu minimieren. Dazu werden die erdbeben-
gefährdeten Gebiete mit einem Netz seismologischer
und geodätischer Stationen versehen. Das geodätische
Netz existiert seit 1997. Die Umrüstung und der Ausbau
des seismologischen »Sachsennetzes« mit modernen
digitalen Registriergeräten und z.T. direkten Datenüber-
tragungssystemen werden im Jahr 2003 abgeschlossen.
Der Aufbau des Netzes sowie die Arbeit des Seismologie-
Verbundes ist nur durch die Unterstützung zahlreicher
Privatpersonen, Gemeinden und Einrichtungen möglich.
Diese Unterstützung erfolgt einerseits durch die Nutzung
ihrer Grundstücke oder Gebäude für die Ausstellung von
Messgeräten. Andererseits waren Informationen aus der
Bevölkerung über die Wahrnehmung seismischer Ereig-
nisse besonders während des Bebenschwarms im Herbst
2000 ein wichtiger Bestandteil der Auswertung. An dieser
Stelle sei allen gedankt, die zum Aufbau des Netzes bei-
tragen und beigetragen haben.
Die vorliegende Veröffentlichung beschäftigt sich mit dem
Bebenschwarm im tschechischen Novy´ Kostel. Außer-
dem informiert sie über die Arbeit der letzten 2 Jahre des
seit 1996 tätigen Seismologie-Verbundes.
Prof. Dr.-Ing. habil. Michael Kinze
Präsident des Sächsischen Landesamtes
für Umwelt und Geologie
3

 
4
Inhalt
1
Einleitung
5
2
Seismische Aktivität
7
2.1
Seismische Aktivität in Sachsen und angrenzenden Gebieten in den Jahren
7
2000 und 2001 (Ereignisse mit Magnituden 1 und größer)
2.2
Makroseismische Bewertung des Erdbebenschwarmes im Nordwesten der
8
Tschechischen Republik im Jahre 2000 (für den deutschen Teil des Schüttergebietes)
3
Projekt »Seismologisches Monitoring Westsachsen«
14
4
Geodätische Untersuchungen im vogtländischen Bebengebiet
25
5
Seismologische Netze
31
5.1
Das westsächsische Permanentnetz (»Online«-Netz)
31
5.2
Das Ostthüringer Seismische Netz (OTSN) der Universität Jena
32
5.3
Das temporäre sächsische Stationsnetz (»Offline«-Netz)
34
6
Praxisorientierte Arbeiten des Seismologie-Verbundes und
35
wissenschaftliche Kooperation
6.1
Georisiken
35
6.2
Geplante Arbeiten des Seismologie-Verbundes
37
6.3
Forschungsarbeiten zum Schwarmbebengebiet Vogtland/NW-Böhmen
37
Abbildungsverzeichnis
39
Literatur-, Tabellen- und Anlagenverzeichnis
41
Begriffserklärungen
43
Anlagen
45

 
Im Freistaat Sachsen liegt der Schwerpunkt der seismi-
schen Aktivität im westsächsisch-ostthüringischen Raum.
Ausgehend vom Vogtland verläuft die erdbebengefährdete
Zone über das Gebiet von Zwickau und Gera-Ronneburg
bis in den Raum von Leipzig. Dies ist auch das Gebiet, in
dem Messstationen permanent das seismische Gesche-
hen registrieren.
Die seismologische Überwachung in Sachsen wird durch
den Seismologie-Verbund zur Erdbebenbeobachtung ge-
währleistet. Er koordiniert die staatliche Erdbebenbeobach-
tung und sichert die seismologische Registrierung, führt
wissenschaftliche Untersuchungen durch und informiert
darüber die staatlichen Stellen, die Medien und die Bevöl-
kerung. Die Ergebnisse werden in Forschungsberichten,
wissenschaftlichen Publikationen, Pressemitteilungen und
Broschüren zusammengestellt und veröffentlicht. Das vor-
liegende Heft ist der 2. Bericht, in dem Arbeitsergebnisse
und für Sachsen relevante seismische Informationen aus
dem Zeitraum 2000–2001 zusammengestellt sind.
Im Seismologie-Verbund zur Erdbebenbeobachtung in
Sachsen haben sich seismologisch tätige Einrichtungen
zusammengeschlossen, um sowohl die vorhandenen Er-
fahrungen und Kenntnisse zu nutzen, als auch die beste-
henden seismologischen Observatorien und Stationen in
die Untersuchungen mit einzubeziehen. Derzeit arbeiten
folgende Institutionen und Einrichtungen im Rahmen des
Seismologie-Verbundes zusammen:
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie,
Amtsteil Freiberg
Universität Leipzig mit dem Geophysikalischen Observa-
torium Collm
TU Bergakademie Freiberg mit dem Seismologischen
Observatorium Berggießhübel
Universität Jena mit dem Seismologischen Observatorium
Moxa und dem Ostthüringer Seismischen Netz (OTSN)
TU Dresden
Wismut GmbH
Landestalsperrenverwaltung Sachsen
Auf die Aufgaben und die Zusammenarbeit im Rahmen des
Seismologie-Verbundes wird im Zweijahresbericht 1998–99,
der im Internet unter
www.umwelt.sachsen.de/lfug
ver-
fügbar ist, umfassend eingegangen.
Ein Schwerpunkt in dem vorliegenden Bericht liegt in der
Auswertung des im Herbst 2000 im Grenzgebiet NW-
Böhmen/Vogtland aufgetretenen Bebenschwarmes, bei
dem mehr als 10 000 Einzelereignisse registriert wurden.
Es war der stärkste Schwarm seit 1985/86.
Mit den Wahrnehmungsmeldungen aus der Bevölkerung
konnte eine makroseismische Intensitätskarte des stärk-
sten Einzelbebens am 06.11.2000 erstellt werden.
Ein wichtiger Beitrag ist auch die Zusammenstellung der
Ergebnisse des im Jahr 2000 abgeschlossenen For-
schungsvorhabens »Seismologisches Monitoring in West-
sachsen«. Hierbei wird besonders auf die Ortungsge-
nauigkeit seismischer Ereignisse und die angewandte
Seismologie eingegangen.
Analog zur Tschechischen Republik und den Nachbar-
ländern Thüringen sowie Bayern wird derzeit durch den
Seismologie-Verbund ein stationäres seismologisches
»Online«-Netz in Westsachsen aufgebaut, welches das
bestehende »Offline«-Netz ergänzt. Beide Netze zu-
sammen bilden das »Sachsennetz«, wobei die Registrie-
rungen der acht Permanent-Stationen im Datenzentrum in
Leipzig zusammenlaufen und eine sofortige Auswertung
aktueller Ereignisse erlauben. Dieses Netz ist geeignet,
beim Auftreten starker seismischer Ereignisse zeitnah
staatliche Stellen und Medien zu informieren, die dann
entsprechende Maßnahmen einleiten können.
Mit dem Auftreten seismischer Ereignisse können mess-
bare Verformungen der Erdoberfläche verbunden sein.
Mitarbeiter der TU Dresden führten geodätische Untersu-
chungen im Erdbebengebiet Vogtland durch. Weil Verän-
derungen erst nach längeren Zeiträumen nachgewiesen
5
1 Einleitung

werden können, müssen die Messungen in bestimmten
Abständen wiederholt werden.
Abschließend werden die geplanten Arbeiten vorgestellt
und die Problematik der Georisiken besprochen. Die Zu-
sammenarbeit in multidisziplinären Forschungsprojekten,
die sich auf das Erdbebengebiet Vogtland/NW-Böhmen
beziehen, ist ein Teil der Arbeit der Mitglieder des Seismo-
logie-Verbundes, um die Komplexität der geowissen-
schaftlichen Phänomene der Schwarmbebenregion Vogt-
land/NW-Böhmen zu verstehen. Aktuelle Informationen zu
seismischen Ereignissen, die Sachsen betreffen, werden
zukünftig auch im Internet verfügbar sein.
Danksagung
Die vorliegenden Arbeiten sind durch intensive Mitarbeit
der Bevölkerung und unterschiedliche Institutionen, ins-
besondere bei der Erstellung der makroseismischen Kar-
te sowie bei der Bereitstellung geeigneter Standorte für
seismologische und geodätische Messstationen, unter-
stützt worden.
Die geodätischen Untersuchungen wurden durch die
Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. Der beson-
dere Dank der TU Dresden, Institut für Planetare Geodä-
sie, gilt zahlreichen Bürgerinnen, Bürgern und Einrichtun-
gen sowie der Landestalsperrenverwaltung, die durch
Überlassung von Flächen bzw. Einrichtungen die Anlage
und wiederholte Vermessung des geodätischen Überwa-
chungsnetzes uneigennützig unterstützt haben. Darüber
hinaus sei der Gemeindeverwaltung Neustadt, dem
Zweckverband Fernwasser Südsachsen sowie dem
Zweckverband Wasser und Abwasser für ihre freundliche
Unterstützung und Zusammenarbeit bei der Errichtung
und dem Betrieb der GPS-Permanentstationen gedankt.
6

 
2.1
Seismische Aktivität in Sachsen
und angrenzenden Gebieten in den
Jahren 2000 und 2001 (Ereignisse
mit Magnituden 1 und größer)
Alle im Berichtszeitraum als Erdbeben identifizierten seis-
mischen Ereignisse mit Magnituden 1 und größer konn-
ten den aus der Vergangenheit bekannten Herdgebieten
in Westsachsen zugeordnet werden.
Die gesamte Aktivität wurde durch den starken Beben-
schwarm in NW-Böhmen (Tschechische Republik) im Herbst
2000 dominiert. Die Bebentätigkeit im Herdgebiet Novy´
Kostel, ca. 10 km östlich Bad Brambach, hatte am 28. August
2000 begonnen, wurde einige Tage später als Beginn eines
der dort bekannten Erdbebenschwärme erkannt und hielt
dann bis Mitte November 2000 an. Die herdnächsten Sta-
tionen des Deutschen Seismischen Regionalnetzes (GRSN)
erfassten währenddessen über 1000 zugehörige Einzel-
beben mit Magnituden zwischen +1 M 3,6. In Tab. 1
sind Angaben zu den 45 Beben mit M 2,5 aufgelistet.
Wenige Wochen vor dem Beginn des Schwarmes war bei
Wernitzgrün eine Registrierstation in Betrieb genommen
worden, an der insgesamt mehr als 10500, oft sehr dicht
aufeinander folgende, ähnliche Seismogramme von Einzel-
beben aus etwa 10 km Epizentralentfernung mit korrigier-
ten Magnituden von –1 M 3,4 identifiziert werden
konnten. In Abb. 1 wird die Bebenfolge in Tagessummen
aufgegliedert und zusätzlich nach Magnitudenklassen
unterschieden. Hier und auch in Abb. 2 (dargestellt ist die
Summe der im Herd freigesetzten seismischen Energie
seit Beginn des Schwarmes) lassen sich die aufeinander
folgenden Aktivitätsphasen des Schwarmes erkennen.
Qualität und Quantität der modernen Aufzeichnungen
übertreffen die bei den ähnlichen Schwärmen von 1962
(schwächer) und 1985/86 (stärker) beträchtlich.
Außerhalb des Schwarmes von Novy´ Kostel wurden vom
Januar 2000 bis Dezember 2001 insgesamt 31 weitere
seismische Ereignisse registriert, die in Tabelle 2 aufge-
listet und in Abb. 3 dargestellt sind. Bis auf 2 vermutlich
bergbauinduzierte Ereignisse im Bereich des Egergrabens,
ebenfalls in der Tschechischen Republik, fanden alle wei-
teren Ereignisse längs der Nord-Süd gerichteten Leipzig –
Regensburger Störungszone statt und konnten als tekto-
nische Beben identifiziert werden. Fast die Hälfte davon
ereigneten sich im Juni 2001 und konnten zwei Regionen
diesseits und jenseits der deutsch-tschechischen Grenze
im Vogtland bzw. in NW-Böhmen zugeordnet werden, die
nicht zum Epizentralgebiet des Schwarmes von 2000
gehören.
Nach Ausbau des lokalen Stationsnetzes und durch ver-
besserte Registriertechnik konnten auch kleinere Erd-
beben erfasst werden. Die Beben lassen sich bekannten
regionalen tektonischen Störungszonen zuordnen und be-
legen damit bereits bestehende Vorstellungen bezüglich
ihrer seismotektonischen Ursachen. Ein von der Deut-
schen Forschungsgemeinschaft und der Tschechischen
Akademie der Wissenschaften gefördertes Gemein-
schaftsprojekt bündelt eine Vielzahl geowissenschaftlicher
Untersuchungen zur weiteren Erforschung der in dieser
Region auftretenden geophysikalischen Phänomene. Es
verbessert die Voraussetzungen dafür, die hier beobach-
tete intrakontinentale Schwarmbebenseismizität in diese
Komplexvorgänge einzuordnen. Die Datenbereitstellung
wie auch die wissenschaftlichen Untersuchungen in Frei-
berg und Leipzig sollen zu Modellvorstellungen über die
Ursachen der Schwarmbebentätigkeit führen. Damit kön-
nen die Zusammenhänge zwischen den Klein- und Mikro-
beben in der oberen Erdkruste und den nachgewiesenen
Aufstiegsvorgängen von Magmen und Fluiden aus grö-
ßeren Tiefen aufgeklärt werden. In die Untersuchungen
sind auch beobachtete Entgasungen, Mineralwasservor-
kommen, subrezenter Vulkanismus und bereits vermes-
sene, langsam verlaufende Erdkrustenbewegungen ein-
geschlossen. In diesem Zusammenhang werden auch
Möglichkeiten zur Vorhersage der episodisch auftreten-
den seismischen Aktivität im Vogtland untersucht. Für die
7
2 Seismische Aktivität

 
Zeiträume zwischen den Erdbebenschwärmen (Jahre bis
Jahrzehnte) und auch während der Pausen zwischen
benachbarten Schwarmphasen (Tage bis Wochen) konn-
ten jedoch bisher noch keine statistisch zuverlässigen
Wiederholungsperioden als Voraussetzung für mögliche
Vorhersagen abgeleitet werden.
2.2
Makroseismische Bewertung des
Erdbebenschwarmes im Nordwe-
sten der Tschechischen Republik
im Jahre 2000 (für den deutschen
Teil des Schüttergebietes)
Alle Ereignisse, die während des Bebenschwarmes 2000
wahrgenommen wurden, gruppieren sich um ein Hypo-
zentrum südlich der Ortslage Novy´ Kostel, das durch die
mittleren Koordinaten 50,21° nördl. Breite/12,45° östl.
Länge und 9 km Tiefe bestimmt ist.
Nach Präzisionsortungen von F
ISCHER (2002) lagen die
Herde der Erdbeben in einer etwa Nord-Süd-gerichteten
Zone von knapp 3 km Länge in Tiefen zwischen 8 und 10
km. Die instrumentell bestimmten Magnituden (Richter-
skala) der registrierten Einzelbeben liegen für die Station
Wernitzgrün (Epizentraldistanz 10 1km) im Bereich
–1,0 M 3,4.
Verwertbare Meldungen über individuelle Wahrnehmungen
zahlreicher Personen im deutschen Teil des Schüttergebie-
tes betrafen ausschließlich Beben mit Magnituden größer
2,7, die alle im Zeitraum vom 4. September bis 7. November
2000 auftraten. Die Ansprechpartner – auch für zukünftige
Erdbebenmeldungen und einschlägige Anfragen – sind im
Fragebogen Anlage 2 dieses Heftes aufgeführt.
Für das stärkste Beben des Schwarmes am 6. Novem-
ber 2000, 23:07Uhr MEZ (=22:07 UTC) meldeten mitte-
leuropäische Erdbebenstationen Magnituden zwischen
3,4 und 4,2. Aus den eingegangenen Wahrnehmungsmel-
dungen konnte eine makroseismische Karte (zunächst für
Sachsen) konstruiert werden (Abb. 4), da Angaben aus
dem tschechischen Staatsgebiet für die Auswertung noch
nicht zur Verfügung standen. Daher wurde die Epizentral-
intensität I
0
vorerst auf einen Wert von I
0
=V–VI; höch-
stens VI (nach »EMS«) geschätzt. Die vorliegenden rund
170 – meist Orte in Sachsen betreffend – Wahrnehmungs-
meldungen zu etwa 30 Einzelbeben, davon 14 mit M
3,0,
verteilen sich auf
7 Beben in 8 Wochen vor dem stärksten Beben (40
Meldungen),
das stärkste Beben am 06.11.2000, 23.07 Uhr MEZ
(80 einzelne Meldungen wurden mit Intensitäten zwi-
schen Grad III und V bewertet),
6 Beben in 2 Stunden nach dem stärksten Beben (50
Meldungen), denen – oft ungenaue – Zeitangaben aus
Listen eindeutig zugeordnet werden konnten.
Die Einzelbeben des gesamten Schwarmes wurden in
zeitlich separierbare Phasen eingeteilt, die unregelmäßig
aufeinander folgten und jeweils mindestens ein Beben
mit M 3,0 (Magnitude ermittelt an der Station Collm)
enthalten (siehe Abb. 1). Außer für das stärkste Beben las-
sen sich hier wegen zu geringer geographischer Dichte
der Wahrnehmungsmeldungen keine zuverlässigen Iso-
seistenkarten konstruieren. Unter den mehr als 10500
Einzelbeben, die an der herdnächsten sächsischen Sta-
tion Wernitzgrün im Verlaufe des Schwarmes identifiziert
wurden, kamen k eine Schadenbeben vor.
8

Tab. 1:
Bebenschwarm 2000 (Einzelbeben mit M 2.5)
M (SZGRF)
ist ein Mittelwert aus Messwerten deutscher
Stationen, die größtenteils zum GRSN gehören
M (WERN)
wurde aus Messdaten der herdnächsten
sächsischen Station Wernitzgrün bestimmt
Das mittlere Epizentrum (50.21° N/12.45° O) ist in Abb. 3
als
+
eingetragen
Die Tabelle 1 stellt die 45 größten Einzelbeben des
Schwarmes 2000 zusammen. Neben dem Datum und der
Herdzeit sind für jedes Beben zwei Magnitudenangaben
enthalten, die geringfügige Unterschiede zwischen Da-
tenreihen demonstrieren sollen.
9
Datum
Herdzeit (UTC)
Magnituden
h:min:s SZGRF
(Anzahl der
WERN
(SZGRF)
Stationen)
29.08.
14:26:34.5
2.4
( 7)
2.7
14:55:03.2
2.5 ?
( 8)
2.5
03.09.
17:11:03.3
2.5
( 8)
2.6
22:07:54.5
2.5
( 8)
2.5
04.09.
00:31:46.4
3.3
(17)
3.2
01:51:43.9
2.5
( 9)
2.5
08.09.
09:14:01.4
2.6
(10)
2.6
11:36:08.8
2.5
( 9)
2.3
11:39:50.7
3.4
(22)
3.4
12:00:15.6
2.5
(10)
2.6
18:35:48.5
2.7
(11)
2.7
17.09.
08:31:34.6
2.5
(10)
2.5
09:06:56.4
2.7
(19)
2.7
14:52:33.6
2.5
(12)
2.3
15:14:33.5
3.1
(22)
3.0
15.10.
16:36:47.9
2.9
(17)
2.8
19:11:20.9
2.7
(16)
2.7
19:18:09.0
2.6
( 7)
2.4
19:24:14.6
2.9
(15)
2.8
19:58:51.5
2.7 ?
(10)
2.5
20:00:51.8
2.5
( 7)
2.5
20:01:43.2
2.5
( 6)
2.3
20:03:01.1
2.8
( 7)
2.6
16.10.
09:46:39.9
2.5
( 7)
2.5
17.10.
14:05:19.8
2.5
( 7)
2.3
14:26:14.6
2.5
( 5)
2.3
16:41:55.5
2.5
( 5)
2.3
22:45:32.8
2.5
( 6)
2.3
23.10.
21:22:01.9
3.2
(21)
2.6
21:46:58.6
2.7 ?
(11)
2.4
29.10.
05:10:47.5
3.0
(17)
X (Ausfall)
05.11.
01:05:04.9
2.8
(13)
2.8
06.11.
20:59:55.9
2.6
( 7)
2.4
21:10:19.0
3.1
(16)
3.0
22:07:19.8
3.7
(17)
3.3
22:28:37.2
2.6
( 7)
2.5
22:34:37.5
3.6
(17)
3.2
22:50:36.2
3.4
(16)
3.1
23:31:33.0
3.1
(13)
3.0
23:34:25.5
3.1
(10)
2.9
23:53:06.9
3.1
(18)
2.9
07.11.
14:46:56.1
2.5
( 5)
2.5
17:06:22.2
2.4
( 5)
2.6
21:40:47.0
2.6
( 5)
2.4
09.11.
16:30:28.0
2.6 ?
( 7)
2.6

10
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
Beben pro Tag
1.
September
1.
Oktober
1.
November
Phase 1
2
3
4
5
Datenlücke
7
0
5
10
15
20
25
1.
September
1.
Oktober
1.
November
0.00
0.00 ... 0.99
1.00 ... 1.99
2.00 ... 2.99
3.00
WERN-Magnitude (korr.)
2.00 ... 2.49
2.50 ... 2.99
3.00
WERN-Magnitude (korr.)
Beben pro Tag
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
27.8
6.9
16.9
26.9
7.10
17.10
27.10
7.11
17.11
Energiefreisetzung (Megajoule)
Abb. 1:
Bebenschwarm 2000, Station Wernitzgrün:
Zwischen Ende August und Mitte November 2000 wurden an der herdnahen Station 10500 Einzelbeben iden-
tifiziert. Sie sind zeitlich ungleichmäßig verteilt, lassen sich aber zu zeitlich begrenzten Schwarmphasen (1 bis 7)
zusammenfassen. Dargestellt sind die Tagessummen über der Zeit unter Berücksichtigung der Magnituden.
oben: alle Einzelbeben
unten: über 100 Einzelbeben hatten Magnituden größer 2 und konnten an vielen Stationen in Mitteleuropa re-
gistriert werden. Im Verlauf des Schwarmes nahm der Anteil dieser stärkeren Beben an den Tagessummen zu.
Abb. 2:
Summe der im Herd freigesetzten seismischen Energie seit Beginn des Schwarmes

Ereignis-
Datum
Herdzeit
Koordinaten
Magnitude
Herdgebiet
Bemerkungen
nummer
(UTC)
°N/°O
(Anzahl der
in Abb. 3
h:min:s
Stationen)
1
13.01.00
16:14:23.6
51.01/12.16
1.3 (3)
N-lich Gera, Thüringen
2
17.03.00
19:38:13.5
51.01/12.40
1.8 (6)
bei Altenburg, Thüringen
3
07.05.00
23:37:21.7
50.34/12.38
1.5 (5)
bei Zwota, Vogtland
4
31.05.00
16:41:09.3
50.76/12.35
1.5 (6)
bei Werdau
5
08.09.00
02:46:50.5
50.90/12.04
1.7 (6)
bei Gera, Thüringen
6
18.09.00
01:12:57.8
50.77/12.31
1.3 (5)
bei Werdau
7
11.11.00
20:52:38.6
50.41/13.38
1.4 (5)
Tusimice, N-liche
bergbauinduziert
Tschechische Republik (CR)
ˇ
8
13.01.01
00:40:38.2
50.41/13.31
2.0 (7)
Tusimice, N-liche CR
ˇ
bergbauinduziert
9
17.01.01
02:27:51.3
50.25/12.50
1.8 (7)
NW-liche CR
ˇ
10
11.02.01
08:09:53.1
50.35/12.40
2.1 (7)
bei Zwota, Vogtland
gefühlt
11
27.03.01
17:47:27.4
50.98/12.35
1.5 (5)
W-lich Altenburg, Thüringen
12
02.05.01
20:05:15.8
51.19/12.50
1.6 (6)
N-lich Borna
13
25.05.01
22:50:51.3
50.31/12.45
1.1 (5)
Luby, NW-liche CR
ˇ
14
27.05.01
01:56:24.8
50.30/12.42
1.0 (5)
Luby, NW-liche CR
ˇ
15
03.06.01
15:49:00.1
50.31/12.42
1.1 (4)
NW-liche CR
ˇ
16
04.06.01
01:37:09.9
50.31/12.43
1.1 (4)
NW-liche CR
ˇ
17
04.06.01
07:02:58.9
50.39/12.36
1.2 (5)
Vogtland
18
04.06.01
09:54:34.4
50.41/12.35
1.5 (5)
Vogtland
19
04.06.01
11:12:51.7
50.40/12.35
1.6 (6)
Vogtland
20
04.06.01
12:29:39.0
50.40/12.35
1.1 (5)
Vogtland
21
05.06.01
00:23:36.4
50.40/12.36
2.3 (6)
Vogtland
22
05.06.01
00:24:50.5
50.41/12.39
1.6 (6)
Vogtland
23
05.06.01
00:31:23.9
50.39/12.35
1.3 (5)
Vogtland
24
05.06.01
06:26:23.8
50.41/12.37
2.8 (6)
Vogtland
25
06.06.01
16:09:28.0
50.31/12.42
1.9 (7)
NW-liche CR
ˇ
26
09.06.01
21:43:23.1
50.30/12.46
2.3 (7)
NW-liche CR
ˇ
27
13.06.01
18:21:44.0
50.22/12.48
1.4 (6)
Luby, NW-liche CR
ˇ
28
15.06.01
03:28:55.2
50.30/12.44
1.3 (6)
NW-liche CR
ˇ
29
27.08.01
05:33:44.9
50.46/12.16
1.6 (6)
Plauen
30
11.09.01
03:15:56.8
50.51/12.27
1.2 (4)
bei Plauen
31
16.09.01
00:05:53.7
50.28/12.27
1.1 (5)
bei Bad Elster
11
Diese Tabelle enthält Daten von Beben mit Magnituden M 1,0 von Beben, die sich in Sachsen und grenznahen Regio-
nen außerhalb des Schwarmbebengebietes Novy´ Kostel ereigneten. Die Bestimmung ihrer Herddaten (Herdzeit, Epi-
zentrum, Magnitude) erfolgte mit Hilfe der in Sachsen installierten seismischen Stationen, des OTSN, des GRSN und
tschechischer Stationen. Um die durch unterschiedliche Abstrahlung und Dämpfung seismischer Wellen bedingte
Magnitudenstreuung einzuschränken, wurden für die Stationen Lokalmagnituden berechnet und daraus ein mittlerer
Magnitudenwert bestimmt.
Die Epizentren dieser
Beben befinden sich in
zwei eng begrenzten
Gebieten dies- und
jenseits der Grenze
zwischen Schöneck/
Vogtland und Mulden-
berg bzw. NW-liche
CR
ˇ
(10 km N-lich
des Schwarmbeben-
herdes 2000)
Tab. 2:
Seismische Ereignisse in Sachsen und angrenzenden Gebieten 2000/01 (M 1,0)

12
12
˚
12˚
13 ˚
13˚
14
˚
14
˚
15 ˚
15
˚
50˚
50 ˚
51˚
51˚
CLL
BRG
MOX
Dresden
Leipzig
Chemnitz
Gera
1
2
4
5
6
87
11
12
29
30
31
18
24
22
19/20
21
23
17
10
3
16
13
26
15/25
14
28
9
WERN
27
Abb. 3:
Seismische Ereignisse in Sachsen und angrenzenden Gebieten 2000/2001 (mit Magnituden 1 und größer)
1 M 2
M 2,
Erdbebenschwarm 2000,
seismische Stationen (GRSN, Wernitzgrün)

13
Dresden
Freiberg
Chemnitz
Zwickau
Gera
Karlovy Vary
Cheb
III
III–IV
IV
IV–V
Intensitäten
III–IV
III–IV
IV
IV
IV
IV–V
EPIZENTRUM
Tschechische Republik
Plauen
51°
50°
51°
50°
12°
13°
14°
12°
13°
14°
einfach mehrfach
belegt
Abb. 4:
Wahrnehmbarkeit des stärksten Bebens beim Schwarm 2000 am 06.11.2000, 23:07 MEZ

 
14
Eingeordnet in die Aufgaben des Seismologie-Verbundes
Sachsens beim LfUG steht Westsachsen seit Ende 1997
im Blickpunkt eines besonderen seismologischen Inter-
esses und kann als potenzieller seismologischer Gefähr-
dungsschwerpunkt eingestuft werden. Daher wird mit
einer Langzeitbeobachtung im Rahmen eines Monitoring-
und Forschungsprogramms das Ziel verfolgt, Erkenntnis-
se zu gewinnen, die zu fundierten Aussagen hinsichtlich
der Erbebengefährdung für die Belange der Landesent-
wicklungsplanung führen. Die strategische Aufgabe be-
stand darin, natürliche und anthropogene Quellen von
Erschütterungen zu erfassen, um Basisdaten für die Be-
urteilung des seismologischen Gefährdungspotenzials
insbesondere in der letzten Phase der Flutung des WIS-
MUT-Bergbaureviers Aue-Alberoda und hinsichtlich der
dynamischen Belastung von Talsperrenbauwerken zu
gewinnen. Die wissenschaftliche Aufgabe bestand in der
Erfassung der räumlichen, zeitlichen und energetischen
Verteilung (regionale Seismizität) natürlicher (tektonisch
bedingter) und künstlicher (spreng- bzw. flutungsbeding-
ter) Mikrobeben und der Analyse der zugrunde liegenden
Herdprozesse.
Zur Lösung dieser Aufgaben wurde ein mobiles seis-
mologisches Netz von 11 Stationen betrieben, dessen
wichtigste Parameter in »Erdbebenbeobachtung im Frei-
staat Sachsen – Zweijahresbericht 1998–99 (Materialien
zur Geologie)« beschrieben sind. Die für den Berichtszeit-
raum wesentlichen Standorte enthält Abb. 5. Insgesamt
wurden weit über 1000 tektonische sowie 21 induzierte
Mikrobeben und 15 Steinbruchsprengungen erfasst. Die
stärksten Ereignisse sind im Bulletin (s. Kap. 2.1, Tab. 1
und 2) aufgeführt. In Tab. 3a sind die 50 induzierten
Mikrobeben des vorangegangenen Berichtszeitraumes
(1998–1999) den 21 induzierten Mikrobeben (Tab. 3 b) des
aktuellen Berichtszeitraumes (2000–2002) gegenüber-
gestellt. Charakteristische Unterschiede in der »Hand-
schrift« und in der spektralen Zusammensetzung der
Registrierungen sind in Abb. 6 erkennbar. Alle Registrie-
rungen stammen vom Standort AUC und stellen die
Vertikalkomponente (Z) der Schwinggeschwindigkeit (v)
am Registrierpunkt (Ordinatenwert, gemessen in m/s)
dar. Während die oberen beiden Registrierspuren bzw.
Spektren tektonische Beben (Spur (1): Herdlage fern
(Novy´ Kostel) und Spur (2): Herdlage nah (Muldenberg))
betreffen, zeigt die dritte Spur ein induziertes Mikrobeben
(vgl. Tab. 3b, Nr. 16) aus dem Raum Aue-Alberoda und die
vierte Spur eine Steinbruchsprengung nahe der Ortslage
Wolfsgrün. Die auffälligen Unterschiede in der Registrier-
form und -stärke wie in der spektralen Zusammensetzung
liefern typische Merkmale zur Beschreibung der ursäch-
lich verschiedenen Herdprozesse.
Die geographische Verteilung aller erfassten Mikrobeben
des Berichtszeitraums enthält Abb. 5. Die Häufung der
Epizentren zwischen 12°20’ und 12°30’ östlicher Länge
folgt in ihrer N-S-Anordnung dem Verlauf der Leipzig-
Regensburg-Störung und weist damit auf die tektonische
Ursache dieser Mikrobeben hin. Die lockere Anordnung
von Mikrobeben südlich von Plauen steht im Kontrast zur
starken Clusterung der Epizentren nordöstlich von Cheb
(Herdregion um Novy´ Kostel). Erwähnenswert ist außer-
dem eine Bebenfolge westlich von Muldenberg mit
Magnituden bis 2,0. Die bei der Herdlokalisierung er-
zielbare Genauigkeit hängt in hohem Maße von der
Geometrie der Beobachtungsstationen bezüglich der
Herdlage ab. Ereignisse, die im Inneren des Beobach-
tungsnetzes liegen, lassen sich wesentlich genauer lo-
kalisieren als solche, die weit außerhalb stattfinden. Die
Ortungsgenauigkeit hängt ferner von der genauen Kennt-
nis der Ausbreitungsgeschwindigkeit der seismischen
Wellen im Untergrund ab und von der exakten Bestim-
mung ihrer Ankunftszeiten an den Stationen. Bei einer
angestrebten Genauigkeit von 0,01 s erfordert dies so-
wohl ein deutlich erkennbares Signal als auch eine ent-
sprechend große Zeitgenauigkeit der Aufnahmeappara-
turen, die nur durch eine externe Zeitsynchronisierung
des gesamten Netzes erreichbar ist. Die Lokalisierungs-
genauigkeit hängt also sowohl von der Stärke als auch
von der Lage der Quelle ab.
14
3 Projekt »Seismologisches
Monitoring Westsachsen«

Die Ausbreitungsgeschwindigkeiten seismischer Wellen
im Untergrund wechseln mit der Tiefe und mit den geolo-
gischen Gegebenheiten in der Erdkruste und lassen sich
nicht in allen Feinheiten abbilden. Für die Lokalisierung
müssen daher »mittlere« Geschwindigkeitsmodelle an-
genommen werden, was zu einem gewissen Fehler
führt. Die Resultate verschiedener Lokalisierungsver-
suche sind in der Abb. 7 dargestellt. Sie sollen einen Ein-
druck von der erzielbaren Genauigkeit vermitteln. Die
jeweils mit einer Linie verbundenen gelben und blauen
Symbole geben den Ort (Epizentrum) eines Ereignisses
wieder, wie er mit verschiedenen Lokalisierungsverfahren
ermittelt wurde. Es wird deutlich, dass sich z.B. Ereig-
nisse im Raum Zwickau-Gera-Plauen unabhängig vom
Verfahren mit einer Übereinstimmung von wenigen Kilo-
metern orten lassen. Ereignisse nördlich des Stations-
netzes sind dagegen viel ungenauer zu orten. In solchen
Fällen führt erst die Zuhilfenahme weiterer Stationen
(etwa des Ostthüringen-Netzes, der tschechischen Netze
oder des Deutschen Seismischen Regionalnetzes) zu
befriedigenden Resultaten. Eines der Anliegen des Seis-
mologie-Verbundes Sachsen ist daher die kontinuierliche
Verbesserung und Automatisierung des Datenaus-
tausches mit den Nachbarnetzen.
Die Konfiguration des im Raum Aue-Alberoda verdichte-
ten Netzes erwies sich als nahezu optimal, da die mei-
sten der dort im Zuge der Flutung induzierten Mikrobe-
ben im Inneren des Beobachtungsnetzes liegen (Abb. 8).
Der Vergleich der Berichtszeiträume 1998/99 und 2000/01
lässt eine Tendenz der Nordost-Verlagerung der Epizen-
tren und im Mittel eine größere Tiefenlage der jüngeren
Ereignisse erkennen. Aus den für dieses Gebiet berech-
neten Herdparametern ist besonders erwähnenswert der
Verlauf des kumulativen Spannungsabbaus (Abb. 9). Das
dreifach stufenartige Erscheinungsbild korreliert gut mit
den drei linearen Abschnitten der Flutungsrate und deutet
auf ein fraktales [selbstähnliche, skaleninvariante Struktu-
ren; abgeleitet von Fraktion (Bruchteil)] rheologisches Ver-
halten des Gebirges hin. Mit anderen Worten reagiert das
Gebirge offenbar auf den unterschiedlich schnell anwach-
senden Druck der drei Flutungsraten mit einem charakte-
ristischen Zeitverzug mit der Eigenschaft der Selbstähn-
lichkeit. Neben diesen Arbeiten betreibt die WISMUT
GmbH ein internes Monitoring zur Kontrolle des Gebirgs-
verhaltens bei der Flutung.
Eine erste Einordnung zur Abschätzung des Gefähr-
dungspotenzials liefert die Zusammenstellung relevanter
Herdparameter für unterschiedliche Zeiträume und Herd-
prozesse, wie sie Abb. 10 wiedergibt. Anhand dieser Dar-
stellung können die Herdparameter »seismisches Mo-
ment« als Maß der Bebenstärke, »Herdradius« als Maß
der Scherflächengröße und »Spannungsabfall« als Maß
des Spannungsabbaus für unterschiedliche Bebenfolgen
und -arten miteinander verglichen werden. Die klare Clu-
sterung der älteren bzw. jüngeren tektonischen Ereignis-
se und das vergleichsweise niedrige energetische Niveau
der induzierten Ereignisse ergibt eine klare Differenzie-
rung natürlicher und anthropogen bedingter Prozesse des
Spannungsabbaus.
Umfangreiche Analysen der dynamischen Belastung einiger
Staumauern Westsachsens lassen keine akute seismische
Gefährdung durch Mikrobeben oder Steinbruchsprengun-
gen erkennen. Die gemessenen Belastungswerte bleiben
weit unterhalb sicherheitsrelevanter Bemessungswerte.
Die Registrierungen in Staumauern zeigen zugleich ein
ausgeprägtes Resonanzverhalten (Abb. 11) und bieten
damit die Möglichkeit, auf das elastische Verhalten der
Gesteine im Gründungsbereich rückzuschließen. Die Lan-
destalsperrenverwaltung befasst sich im Rahmen der
Eigenüberwachung ebenfalls mit dem Thema seismolo-
gisches Monitoring.
15

16
51°00’
50°40’
50°20’
50°00’
12°00’
12°20’
12°40’
13°00’
Gera
Chemnitz
Zwickau
Aue
Hof
Cheb
Plauen
MARB
HART
AUP
AUC
KHAA
CZS
HLD
EIB
CAR
MUL
ORT
Abb. 5:
Lage der Stationen des mobilen Netzes sowie Epizentren der damit georteten Mikrobeben im Berichtszeit-
raum 2000/2001

17
lfd. Nr.
Datum
Herdzeit
Koordinaten
Herdtiefe
Magnitude
h:min:s
Hochwert
Rechtswert
in km
(Anz. d. Stationen)
1
10.03.98
03:34:32.0
56 09300
45 47800
2,3
0.0 (4)
2
30.04.98
22:48:32.3
56 09500
45 48100
1,6
0.3 (5)
3
30.04.98
23:31:09.0
56 09700
45 48000
0
–1.1 (4)
4
29.05.98
11:44:47.2
56 09500
45 49300
1,5
0.6 (5)
5
18.06.98
19:51:53.3
56 09500
45 49300
1,9
–0.3 (5)
6
20.06.98
23:53:58.7
56 09300
45 48300
0,2
–1.3 (4)
7
20.06.98
23:54:22.3
56 09400
45 48200
–0,2
–0.4 (4)
8
09.07.98
19:44:06.1
56 10300
45 48100
0
–0.8 (4)
9
18.07.98
18:16:22.3
56 09200
45 48800
1,4
–0.7 (3)
10
20.07.98
00:25:17.5
56 09300
45 48500
1,9
–0.7 (5)
11
23.08.98
05:55:10.7
56 09400
45 48800
1,7
0.5 (5)
12
23.08.98
07:42:21.5
56 09600
45 48500
1,2
–0.8 (3)
13
01.09.98
00:31:35.0
56 09200
45 48400
2,1
1.0 (4)
14
01.09.98
06:22:19.0
56 09400
45 48200
2,2
1.0 (4)
15
19.10.98
14:30:44.8
56 09100
45 48000
2,2
1.0 (6)
16
25.10.98
19:55:01.1
56 09800
45 48400
0,8
0.0 (4)
17
08.11.98
16:43:02.1
56 09900
45 48100
2,2
0.0 (4)
18
08.11.98
16:54:36.4
56 09800
45 49200
4,4
–0.5 (3)
19
12.11.98
20:35:56.5
56 09700
45 49300
1,6
–0.8 (3)
20
14.11.98
23:56:41.5
56 09600
45 48400
1,1
–0.5 (4)
21
18.11.98
02:43:18.8
56 09900
45 50700
1,1
–0.5 (3)
22
18.11.98
03:29:07.9
56 09900
45 50800
1,0
–0.1 (3)
23
28.11.98
01:45:36.5
56 10200
45 48400
2,5
1.4 (4)
24
02.01.99
16:01:31.7
56 10500
45 49200
2,2
0.7 (7)
25
11.01.99
01:47:07.3
56 10500
45 49300
2,7
0.7 (7)
26
31.01.99
23:52:24.8
56 09700
45 50400
2,2
0.8 (5)
27
18.02.99
23:44:10.1
56 09700
45 48500
1,4
0.1 (3)
28
15.03.99
22:53:46.8
56 09800
45 48800
1,8
–0.4 (3)
29
16.03.99
04:42:10.3
56 09800
45 48600
1,6
–0.7 (3)
30
16.03.99
06:59:00.2
56 09800
45 48800
1,8
–0.3 (3)
31
06.04.99
04:08:25.5
56 09600
45 48800
0,2
–0.4 (3)
32
26.04.99
10:21:46.4
56 09600
45 49200
2,4
0.3 (7)
33
11.05.99
03:31:32.4
56 10200
45 48300
2,0
0.3 (4)
34
17.05.99
03:54:04.3
56 09300
45 48800
1,3
–0.4 (5)
35
18.05.99
21:09:50.5
56 09300
45 48300
1,3
0.1 (4)
36
19.05.99
05:18:33.2
56 09400
45 48500
1,0
–0.1 (4)
37
19.05.99
05:18:33.5
56 09400
45 48002
0,9
–0.4 (4)
38
02.06.99
16:35:12.9
56 09500
45 48200
0,8
–0.8 (4)
39
15.06.99
22:50:25.5
56 10000
45 48100
0,7
–0.5 (4)
40
16.06.99
04:27:47.4
56 09700
45 48100
–0,3
–0.5 (3)
Tab. 3a:
Lokalisierung induzierter Ereignisse im Bergbaurevier Aue-Alberoda mit XNSLOC im Vergleich 1998/99

18
lfd. Nr.
Datum
Herdzeit
Koordinaten
Herdtiefe
Magnitude
h:min:s
Hochwert
Rechtswert
in km
(Anz. d. Stationen)
1
21.05.00
03:39:36.5
56 09600
45 49900
1,4
–0.2 (4)
2
20.06.00
23:54:03.9
56 09800
45 49400
3,2
–0.6 (3)
3
21.06.00
08:13:37.0
56 09300
45 48700
2,0
0.6 (3)
4
24.06.00
14:27:36.5
56 09700
45 49100
2,1
–0.7 (3)
5
20.07.00
10:28:39.5
56 09300
45 48000
0,2
0.6 (4)
6
02.08.00
16:03:47.9
56 09100
45 47900
0,4
0.1 (5)
7
05.08.00
15:06:20.2
56 09300
45 49700
1,1
–0.4 (4)
8
09.08.00
23:54:36.1
56 09700
45 49700
1,2
–0.4 (3)
9
16.09.00
21:16:12.0
56 09700
45 49600
2,3
–0.4 (3)
10
16.09.00
22:10:35.8
56 09400
45 49700
1,8
–0.4 (3)
11
17.09.00
07:44:09.4
56 09400
45 49200
1,5
–0.1 (3)
12
22.09.00
03:58:26.3
56 09400
45 49400
1,1
0.2 (5)
13
22.09.00
03:58:31.5
56 09500
45 49300
1,2
–0.4 (5)
14
27.09.00
22:34:38.2
56 09600
45 48300
1,3
–0.8 (4)
15
03.10.00
02:05:24.5
56 10000
45 49000
3,7
–0.4 (3)
16
23.05.01
14:40:02.6
56 09600
45 50600
5,0
0.6 (3)
17
16.06.01
11:26:19.5
56 08400
45 47700
0,6
–0.6 (4)
18
16.06.01
11:26:28.4
56 08600
45 47700
0,5
–0.2 (4)
19
20.07.01
22:40:30.9
56 09600
45 49600
1,2
0.0 (4)
20
08.09.01
05:44:22.7
56 09900
45 49200
1,5
–0.5 (3)
21
16.11.01
07:24:11.9
56 09600
45 49400
2,6
0.2 (3)
lfd. Nr.
Datum
Herdzeit
Koordinaten
Herdtiefe
Magnitude
h:min:s
Hochwert
Rechtswert
in km
(Anz. d. Stationen)
41
08.07.99
21:23:48.3
56 08500
45 47300
–0,2
–0.4 (3)
42
09.07.99
13:01:00.4
56 09300
45 47900
2,3
0.5 (5)
43
19.07.99
00:39:07.5
56 09700
45 48300
0,4
–0.8 (4)
44
19.07.99
11:04:20.7
56 09800
45 48500
1,9
–0.2 (4)
45
27.07.99
17:39:03.7
56 09300
45 49500
0,6
–0.4 (4)
46
31.07.99
22:46:23.7
56 09900
45 48700
1,3
0.1 (4)
47
28.08.99
09:55:29.0
56 09100
45 48500
0,8
0.2 (5)
48
16.09.99
17:52:04.7
56 10200
45 48100
1,5
–0.5 (4)
49
12.11.99
04:40:37.3
56 09100
45 50000
0
–0.5 (3)
Tab. 3b:
Lokalisierunginduzierter Ereignisse im Bergbaurevier Aue-Alberoda mit XNSLOC im Vergleich 2000/01
Fortsetzung
Tab. 3a:

image
19
Abb. 6:
Registrierungen der Z-Komponente der Schwinggeschwindigkeit am Stationspunkt AUC (oben),
Spur 1 aus Herdregion Novy´ Kostel,
Spur 2 aus Herdregion Muldenberg,
Spur 3 aus Bergbaurevier Aue-Alberoda,
Spur 4 aus Steinbruch Wolfsgrün (Pg – direkte Longitudinalwelle, Sg – direkte Transversalwelle)
und zugehörige Amplituden-Frequenz-Spektren (unten)

20
Aue
Chemnitz
Gera
Plauen
Zwickau
12°00’
12°20’
12°40’
13°00’
50°40’
51°00’
50°20’
Zwickauer Mulde
HLD
HART
AUP
AUC
CZS
KHAA
MARB
EIB
MUL
OTR
Geologische
Störung
Station
X N S L O C
hom. Halbraum
H Y P O S A T
GRANU - 95
Abb. 7:
Ortungsgenauigkeit in Bezug zur Netzgeometrie

21
Abb. 8:
Lage der Stationen im Raum Aue-Alberoda sowie damit geortete Epizentren im Vergleich des vorangegangenen
mit dem aktuellen Berichtszeitraum (oben) und Hypozentren in ihrer Lage zur Granitoberfläche im Vergleich
des vorangegangenen und des aktuellen Berichtszeitraumes (unten)
7
8
9
10
11
12
45
46
47
48
49
50
51
52
AUP
AUC
AUM
CZS
371
296
366
Hauptfallrichtung
der Granitoberfläche
56
45
N
Aue-Alberoda
98/99
Schächte
Stationen
00/01
-6000
-5000
-4000
-3000
-2000
-1000
0
1000
-0,5
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
4
Entfernung in km
Granit-Oberfläche
SW
NO
98/99
00/01
Tiefe in m (NN)
0
0,5
1,0
km

22
-300
-200
-100
0
100
200
300
Wasserstand in m üb. NN
Wasserstände der GWBM – Flutung Schlema-Alberoda
0
5
10
15
20
25
30
35
40
01.03.1998
01.05.1998
01.07.1998
01.09.1998
01.11.1998
01.01.1999
01.03.1999
01.05.1999
01.07.1999
01.09.1999
01.11.1999
01.01.2000
01.03.2000
01.05.2000
01.07.2000
01.09.2000
01.11.2000
01.01.2001
01.03.2001
01.05.2001
01.07.2001
01.09.2001
01.11.2001
kumulativer Spannungsabbau
(Mpa)
Madariaga
01.07.1997
01.09.1997
01.11.1997
01.01.1998
01.03.1998
01.05.1998
01.07.1998
01.09.1998
01.11.1998
01.01.1999
01.03.1999
01.05.1999
01.07.1999
01.09.1999
01.11.1999
01.01.2000
01.03.2000
01.05.2000
01.07.2000
01.09.2000
01.11.2000
01.01.2001
01.03.2001
01.05.2001
01.07.2001
01.09.2001
01.11.2001
01.01.2002
Abb. 9:
Gegenüberstellung von Flutungsverlauf (unten) und kumulativem Spannungsabbau (oben) im Raum Aue-
Alberoda

1E + 14
1E + 13
1E + 12
1E + 11
1E + 10
1E + 09
1E + 01
1E + 02
R (m)
1E + 03
M
0
(Nm)
10
2
10
1
10
0
10
–1
10
–2
10
–3
10
–4
10
3
tektonische Ereignisse Schwarm 1985/86
tektonische Ereignisse 06/97-09/00
induzierte Ereignisse 07/99-09/00
= const
[MPa]
23
Abb. 10:
Vergleich der Herdparameter seismisches Moment (M
O
), Herdradius (R), und Spannungsabfall ( ) für
tektonische und induzierte Ereignisse mit älteren Daten

image
24
Abb. 11:
Richtungsselektive Spektralanalyse des P-Welleneinsatzes bei fortschreitendem Analysefenster (im Recht-
eckfenster grau hinterlegt)

 
Was hat Geodäsie mit der Erdbebenbeobachtung
in Sachsen zu tun?
Eine der wesentlichen Aufgaben des Geodäten ist die Be-
stimmung der Größe und Form der Erde bzw. von Teilen
der Erdoberfläche sowie deren zeitliche Veränderungen.
Für die Untersuchung von Erdbeben kann insbesondere
die zeitliche Veränderung der Geometrie der Erdober-
fläche von besonderem Interesse sein. Warum das so ist,
wird verständlich, wenn man sich vor Augen führt, dass
es während eines Bebens zum Bruch innerhalb des
Gesteins kommt, welcher bleibende Verformungen her-
vorruft. In Abhängigkeit von verschiedenen Parametern,
wie z. B. Tiefe und Größe der Bruchfläche bzw. den Eigen-
schaften des umliegenden Gesteins, kann sich diese
bleibende Änderung der Geometrie auf mehr oder weni-
ger große Gebiete an der Erdoberfläche erstrecken. Der-
artige Formänderungen messtechnisch zu erfassen, ist
die Aufgabe geodätischer Untersuchungen im sächsi-
schen Vogtland (W
ENDT 2000). Sie leisten damit einen Bei-
trag zur Risikoabschätzung im Rahmen der allgemeinen
Daseinsfürsorge. Gleichzeitig sind sie Bestandteil der
Grundlagenforschung, indem anderen Disziplinen der
Geowissenschaften einzigartige Informationen für weiter-
führende Modellierungen des Phänomens der Schwarm-
beben bereitgestellt werden.
Geodätisches Überwachungsnetz
»Vogtländisches Bebengebiet«
Bereits im Sommer 1994 wurde mit der Anlage eines geo-
dätischen Überwachungsnetzes im oberen Vogtland be-
gonnen (W
ENDT 1999) und so an frühere geodätische
Arbeiten der TU Dresden angeknüpft (T
HURM u.a. 1977).
Dieses Netz erstreckt sich im Norden beginnend von Fal-
kenstein bis nach Carlsfeld im westlichen Erzgebirge wei-
ter entlang der Grenze zur Tschechischen Republik über
Schönberg im Süden bis nach Eichigt im Westen. Seine
Ausdehnung beträgt in N-S-Richtung etwa 35 km und in
W-O-Richtung etwa 30 km.
Es umfasst 16 Punktgruppen und überdeckt nahezu voll-
ständig den sächsischen Teil der Bebenregion Vogt-
land/NW-Böhmen. Entlang der N-S orientierten Reichen-
bach-Schöneck-Erlbach-Störungszone sowie der NW-SO
verlaufenden Bergen-Klingenthal-Störungszone befinden
sich örtliche Verdichtungen des Rahmennetzes. In Abb. 12
sind neben den Punktgruppen und ausgewählten tektoni-
schen Störungen (B
ERGER 1997) auch die Hypozentren der
Beben seit 1986 dargestellt. Südöstlich des Überwa-
chungsnetzes befindet sich bereits auf tschechischem
Territorium das Herdgebiet Novy´ Kostel, in welchem der
überwiegende Anteil der seismischen Energie der Beben-
region Vogtland/NW-Böhmen freigesetzt wird.
Jede Punktgruppe besteht mindestens aus drei einzelnen
zumeist unterirdischen Messpunkten, um etwaige lokale
Veränderungen eines Punktes sicher erkennen zu können
(vgl. Zweijahresbericht 1998/99).
Bei der Auswahl der Punktgruppen wurde insbesondere
berücksichtigt, dass optimale Messungen unter Nutzung
des Global Positioning System (GPS) durchführbar sind.
Für geodätische Anwendungen, wie sie hier beschrieben
sind, wurde die Lage der Netzpunkte mit einer mittleren
Genauigkeit von einem Millimeter jeweils zu den Zeit-
punkten der einzelnen GPS-Messkampagnen bestimmt.
Dies konnte nur durch ein umfangreiches Messprogramm,
in dessen Rahmen bis zu zehn geodätische GPS-Empfänger
und Antennen während mehrtägiger Messungen gleich-
zeitig zum Einsatz kamen, sowie durch spezielle differen-
tielle Auswerteverfahren erreicht werden (W
ENDT und
D
IETRICH 2002).
25
4 Geodätische
Untersuchungen im
vogtländischen Bebengebiet

26
Reichenbach
Schöneck
Erlbach Störungszone
Bergen
Klingenthal
Störungszone
Plauen
Schöneck
Eichigt
Carlsfeld
Schönberg
Klingenthal
Falkenstein
1
2
3=
4
5
6
14
5W
5E
6W
1W
1E
2W
2E
3W
3E
1EP
1WP
Republik
Sachsen
Bayern
7=
6E
Station des Rahmennetzes,
Erstmessung 09/1994
Station einer lokalen Verdichtung,
Erstmessung 09/1994 bzw. 09/1997
GPS-Permanentstation,
Inbetriebnahme 10/2000
Epizentrum
km
05 10
Tschechische
Abb. 12:
Geodätisches Überwachungsnetz »Vogtländisches Bebengebiet« mit ausgewählten tektonischen Störungen
nach Berger (1997) und Epizentren seit 1986 sowie Lage der beiden GPS Permanentstationen. Der Rahmen
innerhalb der Netzskizze begrenzt das in Abb. 14 dargestellte Gebiet.

27
In Abb. 13 sind die vom Institut für Planetare Geodäsie
seit Existenz des Überwachungsnetzes durchgeführten
GPS-Messkampagnen gegenüber den im selben Zeit-
raum registrierten seismischen Ereignissen in der Beben-
region Vogtland/NW-Böhmen dargestellt. Es wurden nur
diejenigen seismischen Ereignisse mit einer angegebe-
nen Lokalmagnitude dargestellt. Tatsächlich ist die Zahl
der Erdbeben weit höher. Wichtig erscheint der Umstand,
dass die ersten drei GPS-Messkampagnen während einer
Phase geringer seismischer Aktivität durchgeführt wur-
den. Dagegen fand die bislang vorletzte GPS-Messkam-
pagne während der seit 1985/86 stärksten Schwarmbe-
ben statt. Die letzte GPS-Messkampagne wurde im
Herbst 2001 nach dem vorläufigen Abklingen der jüng-
sten relativ hohen seismischen Aktivität durchgeführt.
Interpretation der Ergebnisse
der bisherigen GPS-Messkampagnen
Für den Zeitpunkt jeder GPS-Messkampagne wurde die
Geometrie des Überwachungsnetzes bestimmt. Aus
dem Vergleich der beiden Netzgeometrien zweier aufein-
ander folgender Kampagnen lässt sich die Formänderung
zwischen den Zeitpunkten der Messungen ableiten. Dies
ist für diejenigen Punkte des Überwachungsnetzes, die
sich am nächsten zum Herdgebiet von Novy´ Kostel be-
finden, in Abb. 14 dargestellt. Blau repräsentiert die Lage-
änderung von 1994 nach 1997, grün die von 1997 nach
1999, rot die von 1999 nach 2000 und schwarz die von
2000 nach 2001. Obwohl es sich hierbei um Beträge von
nur wenigen Millimetern handelt, lassen sich folgende
Schlüsse ableiten:
(1) Im Zeitraum 1994 bis 1999 ist für einzelne Punkte des
Überwachungsnetzes, welche dicht bei N-S gerichteten
Störungen liegen, eine nahezu gleichförmige Lageände-
rung erkennbar. Von den in Abb. 14 dargestellten Punkten
ist beispielsweise die Nummer 5 (Landwüst, Wirtsberg)
betroffen. Dies deutet auf eine konstante Deformations-
rate entlang solcher Störungselemente hin.
(2) Die roten Vektoren weichen gegenüber den andersfarbi-
gen stark ab. Dies ist jedoch nicht das Ergebnis fehlerhafter
Messungen, sondern hat seine Ursache sehr wahrschein-
lich in einer elastischen Ausgleichsbewegung während der
stärksten Beben der Region für den von den GPS-Messun-
gen erfassten Zeitraum von 1994 bis 2001. Elastische Aus-
gleichsbewegungen sind von starken Erdbeben bekannt.
Für die Punkte 2W, 5, 7 ist dies in nahezu idealer Weise
und für 2E sowie 3 zumindest verrauscht erkennbar.
(3) Nach dem Abklingen der seismischen Aktivität im Jahr
2001 entsprechen die Vektoren im Wesentlichen denen des
Zeitraumes von 1994 bis 1999. Zusammenfassend kann
festgehalten werden, dass die bisherigen GPS-Messkam-
pagnen im geodätischen Überwachungsnetz »Vogtländi-
sches Bebengebiet« in Phasen mit relativ geringer seismi-
scher Aktivität auf einen allmählichen Spannungsaufbau
in N-S-Richtung hindeuten. Beim Überschreiten einer kri-
tischen Spannung innerhalb der Erdkruste kommt es
während der stärksten Beben in der Region zu messba-
ren Ausgleichsbewegungen, was zu einem vorläufigen
Spannungsabbau führt. Anschließend setzt wieder der
kontinuierliche Spannungsaufbau ein. Der seismische
Zyklus hat sich geschlossen.
0
1
2
3
4
Lokalmagnitude [M
L
]
1.1.1994
1.1.2002
GPS
GPS
GPS
GPS
GPS
Abb.13:
Zeitliche Verteilung der Erdbeben seit 1990 (SZGRF) und der durch die TU Dresden durchgeführten GPS-
Messkampagnen im geodätischen Überwachungsnetz.

Permanente GPS-Messungen
Die bisher beschriebenen GPS-Messkampagnen im Über-
wachungsnetz bieten den Vorzug, dass innerhalb weniger
Tage eine relativ große Anzahl von Punkten vermessen
werden kann. Dadurch wird mit vertretbarem wirtschaftli-
chem Aufwand eine verhältnismäßig hohe räumliche Auf-
lösung im Untersuchungsgebiet erreicht. Dagegen ist die
zeitliche Auflösung des Deformationsprozesses eher ge-
ring. Beispielsweise war nur für wenige Punkte eine Ver-
messung einmal pro Jahr im Zeitraum 1999 bis 2001 mög-
lich. Um eine hohe zeitliche Auflösung der gegenwärtig
ablaufenden Deformationen der Erdkruste geodätisch
erfassen zu können, sind kontinuierliche Messungen not-
wendig. Hierzu bieten sich permanente GPS-Messungen
an. Diese erfordern, dass an ausgewählten Standorten je
ein GPS-Empfänger dauerhaft installiert und betrieben
wird. Der ausgezeichneten zeitlichen Auflösung stehen
somit relativ hohe Anschaffungskosten gegenüber, so
dass die Anzahl derartiger Stationen vorerst gering ist.
28
Schöneck
Erlbach Störungszone
Bergen - Klingenthal
Störungszone
3=5W
5
7=6E
6W
2W
2E
maximaler Verschiebungsbetrag
1999 2000: Station 5: 3.7 mm
Republik
Sachsen
Reichenbach
Tschechische
km
0
2.5
5
Abb. 14:
Punktverschiebungen für ausgewählte Stationen des Überwachungsnetzes. Bildausschnitt gemäß dem
inneren Rahmen in Abb. 12. Die einzelnen gerichteten Strecken repräsentieren die Formänderungen der
Erdoberfläche in den Zeiträumen zwischen den aufeinanderfolgenden GPS-Messkampagnen.
Blau
steht für den Zeitraum von 1994 bis 1997,
Grün
für 1997 bis 1999,
Rot
für 1999 bis 2000 und
Schwarz
für 2000 bis 2001. Tektonische Störungen auszugsweise nach Berger (1997).

image
image
Im Rahmen eines durch die Deutsche Forschungsge-
meinschaft geförderten Projektes war es im Jahr 2000
möglich, zwei permanente GPS-Stationen im vogtländi-
schen Bebengebiet einzurichten und seitdem zu betreiben.
Die beiden Stationen befinden sich südlich von Falken-
stein und überdecken N-S-orientierte Störungselemente
(siehe Abb. 12). Abb. 15 zeigt eine typische Montierung
der Antenne zum Empfang der GPS-Satellitensignale auf
einem eigens dafür errichteten Betonpfeiler. In Abb. 16
sind weitere wesentliche Bestandteile einer solchen Per-
manentstation, wie der GPS-Empfänger mit unterbre-
chungsfreier Stromversorgung, Teile des Überspannungs-
schutzes sowie der Datenfernübertragung zu sehen.
Mit der Inbetriebnahme der beiden permanenten GPS-
Stationen wurde erstmals ein geodätisches Monitoring
im Sächsischen Vogtland gestartet, das in seiner zeitli-
chen Kontinuität mit der seismologischen Erdbebenüber-
wachung vergleichbar ist. Auch hier besteht das Ziel in der
Bestimmung von Bodenbewegungen, jedoch unterschei-
den sich die Skalen beider Verfahren ganz erheblich.
Moderne Breitbandseismometer können elastische
Schwingungen mit Perioden im Bereich von etwa 0.02 bis
200 Sekunden erfassen. Die maximalen Auslenkungen
dieser Bodenbewegungen befinden sich im Mikrometer-
bereich (10
–6
m). Demgegenüber erscheint gegenwärtig
mit Hilfe der GPS-Permanentstationen im Vogtland eine
maximale zeitliche Auflösung von einigen Stunden bis zu
einem Tag sinnvoll. Langandauernde Krustendeforma-
tionen können theoretisch zeitlich unbegrenzt erfasst
werden. Die kleinste messbare Streckenänderung kann
unter bestimmten strengen Voraussetzungen einige
Zehntelmillimeter in einem Entfernungsbereich bis zu
einigen Zehnerkilometern betragen. Maximale messbare
Streckenänderungen sind hingegen instrumentell nicht
begrenzt. Dadurch, dass beide Überwachungsverfahren
unterschiedliche Aufgaben erfüllen, ergänzen sie sich
gegenseitig sinnvoll im Rahmen der Untersuchungen zur
Seismizität in der Bebenregion Vogtland/NW-Böhmen.
29
Abb. 15:
Pfeiler mit Antenne auf einer GPS-Permanent-
station. Die Antenne muss fest mit dem Unter-
grund verbunden sein, und die nähere Umge-
bung sollte den uneingeschränkten Empfang
der GPS-Satellitensignale ermöglichen.
Abb. 16:
Weitere wesentliche Bestandteile einer der bei-
den GPS-Permanentstationen. An der Wand
hängend ist der GPS-Empfänger montiert. Die-
ser wird durch eine unterbrechungsfreie Strom-
versorgung gespeist und ist an eine ISDN-
Verbindung für die Datenfernübertragung zur
TU Dresden angeschlossen.

Die Messungen können jederzeit via ISDN von einem
Rechner an der TU Dresden abgerufen werden. Dort
erfolgt dann deren Prozessierung, wobei der Vektor zwi-
schen beiden Permanentstationen anhand der Messun-
gen jeweils für einen Zeitraum von 24 Stunden berechnet
wird. Somit resultieren Tageslösungen, wie sie in Abb. 17
getrennt nach Nord- und Ostkomponente für die Dauer
des ersten Betriebsjahres aufgetragen sind. Die Neigung
der jeweiligen Datenreihe gegenüber der Zeitachse ist ein
Maß für die Relativbewegung beider Stationen zueinander.
Sie beträgt nach vorläufigen Berechnungen etwa einen
Millimeter pro Jahr in N-S-Richtung über eine Entfernung
von weniger als drei Kilometer. Dies ist, gemessen an
geologischen Maßstäben, keineswegs eine geringe De-
formationsrate, da das Gestein im Untergrund dem durch
die Deformation verursachenden Spannungsaufbau nur
begrenzt widerstehen kann. Der kurzzeitige Spannungs-
abbau während der verhältnismäßig häufigen, dadurch
zumeist schwachen und somit weitgehend ungefähr-
lichen Beben in der Bebenregion Vogtland/NW-Böhmen
ist die Folge.
Schlussbemerkung
Der eigentliche Auslösemechanismus der vogtländischen
Erdbeben dürfte weitaus komplizierter sein und wird noch
nicht ausreichend verstanden. Dies ist neben anderen ein
wesentlicher Grund, warum eine wissenschaftlich fun-
dierte Vorhersage der Erdbeben nicht oder nur in sehr ein-
geschränktem Maße möglich ist. Doch auch wenn Scha-
denbeben im Sächsischen Vogtland selten auftreten, so
sind sie nicht völlig auszuschließen. Daher ist die länder-
übergreifende Zusammenarbeit insbesondere von deut-
schen und tschechischen Wissenschaftlern erforderlich.
In diesem Rahmen sind weiterführende GPS-Messungen
dringend geboten.
30
-5
0
5
DO [mm]
Zeit [Tag]
-5
0
5
DN [mm]
0
61
122
183
244
305
366
Zeit [Tag]
jährliche Bewegungsrate: 1.1 mm/a +/– 0.1 mm/a
Nordkomponente
Ostkomponente
24h-Wiederholbarkeit:
+/–
0.6 mm
24h-Wiederholbarkeit:
+/–
0.6 mm
jährliche Bewegungsrate: 0.4 mm/a +/– 0.1 mm/a
0
61
122
183
244
305
366
Abb. 17:
Darstellung der Tageslösungen über die Zeit (10/2000 bis 10/2001) nach Nord- und Ostkomponente getrennt.
Jeder Punkt repräsentiert die mittleren Koordinaten aus den Beobachtungen eines Tages.
Der Anstieg der ausgleichenden Geraden ist ein Maß für die Relativbewegung beider GPS-Permanent-
stationen zueinander. Die 24h-Wiederholbarkeit gibt den mittleren Fehler einer einzelnen Tageslösung an.
Durch die Häufung der Messungen wird mit zunehmender Zeit die Genauigkeit für die Bestimmung der
Bewegungsraten gesteigert.

image
image
 
5.1
Das westsächsische
Permanentnetz (»Online«-Netz)
Im Jahr 2000 wurde mit dem Aufbau eines seismologi-
schen Stationsnetzes in Westsachsen begonnen, das in
erster Linie die Erdbebentätigkeit im seismisch aktiven
Teil der Nord-Süd verlaufenden Leipzig-Regensburg-
Störung sowie im Schwarmbebengebiet Vogtland/NW-
Böhmen permanent überwachen soll. Die Stationen des
Netzes sind technisch so ausgerüstet, dass die Messdaten
kontinuierlich vor Ort gespeichert werden und ein Abruf
der Daten über das Telefonnetz automatisch zu beliebigen
Zeiten erfolgen kann. Damit besteht die Möglichkeit, ein
»Online«-Netz zu realisieren, bei dem alle Daten praktisch
ohne Zeitverzug in einer Datenzentrale auflaufen und aus-
gewertet werden können. Eine kurzfristige Information
von Behörden, Öffentlichkeit und Medien bei relevanten
seismischen Ereignissen ist somit gegeben.
Im Endausbau bis 2003 wird das Permanentnetz aus 8
Stationen bestehen, von denen 7 im Online-Betrieb arbei-
ten. Die Standorte der Stationen sind für einen längeren
Zeitraum (10–20 Jahre) vorgesehen. Sechs Stationen
werden vom Sächsischen Landesamt für Umwelt und
Geologie zur Verfügung gestellt, jeweils eine Station vom
Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt
und von der Universität Leipzig. Aufbau und Betrieb des
Netzes und der dazugehörenden Datenzentrale obliegen
der Universität Leipzig. Die fortlaufende Datenauswer-
tung wird am Observatorium Collm der Universität Leip-
zig durchgeführt werden.
Als erste Station des Netzes wurde WERN (Wernitzgrün/
Vogtland) im August 2000 in Betrieb genommen – gerade
rechtzeitig vor Beginn des Erdbebenschwarmes vom
August bis Dezember 2000 (siehe Kapitel 1). An der herd-
nächsten deutschen Station WERN wurden etwa 10500
auswertbare Einzelereignisse dieses Schwarmes regi-
striert. Bis Ende 2001 konnten noch die Stationen TANN
(Besucherbergwerk Tannenbergsthal), WERD (Talsperre
Werda), GUNZ (Wasserhochbehälter Gunzen) und OTR
(Obertriebel) in Betrieb genommen werden. OTR ist nicht
für den Online-Betrieb vorgesehen. Am Standort ROHR
(Rohrbach, nahe Bad Brambach) läuft derzeit eine Station
im Testbetrieb. Es ist geplant, zwischen Leipzig und Alten-
burg sowie im südöstlichen Sachsen-Anhalt zwei weitere
Stationen aufzubauen (siehe Abb. 20).
31
5 Seismologische Netze
Abb. 18:
Eingang zum Besucherbergwerk Tannenbergsthal
Abb. 19:
Untertagestation Tannenbergsthal in der Auf-
bauphase

 
Die Station TANN bildet die Zentralstation des Netzes. Sie
ist mit einem speziellen breitbandigen Seismometer vom
Typ STS-2 ausgerüstet und befindet sich untertägig in
einem Blindstollen des Besucherbergwerks Grube Tannen-
bergsthal. Abb. 18 zeigt den Eingang zur Grube. In Abb. 19
ist das Seismometer auf einem Betonsockel zu sehen,
der die direkte Ankopplung an den gewachsenen Fels der
Stollensohle herstellt, vor Anbringen eines Schutzgehäu-
ses (weiß), das zur Abschirmung von Umwelteinflüssen
auf das empfindliche Messgerät dient. Die Station in
Sachsen-Anhalt wird mit einem Seismometer gleichen
Typs ausgerüstet.
Nach Abschluss der Aufbauarbeiten, Installation der Tele-
kommunikationsverbindungen und Inbetriebnahme des
Datenzentrums in Leipzig sollen alle Informationen zu
seismischen Ereignissen über das Internet zur Verfügung
gestellt werden. Das westsächsische Stationsnetz und
das Ostthüringen-Netz ergänzen einander. Perspektivisch
kann durch eine gemeinsame Auswertung der Daten bei-
der Netze eine sehr gute Präzision bei der Detektion,
Lokalisierung und Stärkebestimmung selbst kleinster
seismischer Ereignisse in der Region erreicht werden.
5.2
Das Ostthüringer Seismische Netz
(OTSN) der Universität Jena
Jahrzehntelange seismologische Forschungsarbeit und Re-
gistrierungen im Vogtland lieferten die Motivation und Gründe
für die Errichtung eines modernen seismologischen Netzes in
Ostthüringen. Ungeachtet des Sachverhalts, dass die stärk-
sten Beben des »Mitteldeutschen« Erdbebengebietes sich in
Ostthüringen ereigneten, war diese Region trotz ihres seis-
mischen Gefährdungspotenzials bis 1997 völlig unzureichend
mit seismischen Beobachtungsstationen ausgestattet. Bei
vergleichsweise geringer Seismizität bestimmen Einzelbeben
höherer Intensität den seismischen Charakter der von rezen-
ter Tektonik geprägten Region. Die Untersuchung der lokalen
Seismizität bildete daher das Hauptziel des Netzbetriebes.
Neben der Erfassung der Mikroseismik und Erkundung des
lokalen Spannungsfeldes zur Beschreibung der Seismotekto-
nik und lokalen Krustenstruktur sollte die lokale seismische
Gefährdung, insbesondere in den Kreuzungsbereichen rezent
aktiver Störungen, untersucht werden. Weiterhin soll das
OTSN die seismischen Beobachtungen in den benachbarten
Regionen, speziell die Gebiete Westsachsens und des Vogt-
lands mit Nordböhmen, unterstützen.
32
Station
Name
Breite
Länge
Höhe
Seismometer
Abtastrate
In Betrieb
°N
°O
(m NN)
(Hz)
seit
WERN
Wernitzgrün
50.2874
12.3761
715
LE-3D/5s
100
02.08.2000
GUNZ
Gunzen
50.3635
12.3316
669
LE-3D/5s
100
16.12.2000
TANN
Tannenbergsthal
50.4160
12.4600
825
STS-2
100
19.12.2000
WERD
Werda
50.4489
12.3070
589
LE-3D/5s
100
13.06.2001
ROHR
Rohrbach
50.2346
12.3168
626
LE-3D/5s
100
07.08.2001
OTR
Obertriebel
50.3543
12.1406
510
LE-3D/5s
62.5
19.12.2001
Die derzeitigen Stationen des westsächsischen Permanentnetzes
Station
Name
Breite
Länge
Höhe
Seismometer
Abtastrate
In Betrieb
°N
°O
(m NN)
(Hz)
seit
BDE
Bad Elster
50.2886
12.2197
616
Mark 4
100
07.09.2000
NIC
Nickelsdorf
50.9769
12.0031
318
S 13
100
28.06.2001
PLN
Plauen
50.4851
12.1573
470
CMG-3ESP
100
01.02.1997
PST
Posterstein
50.8630
12.2528
327
CMG-40T
100
01.03.1997
RAU
Rautenberg
51.0235
12.4037
260
SM 3
100
11.10.2000
REU
Reust
50.8311
12.1953
417
CMG-40T
100
01.03.1998
SCH
Schönfels
50.6759
12.4015
441
SM 3
100
01.11.1997
TAU
Tautenburg
50.9816
11.7111
367
SSJ-2
100
01.05.1997
ZEU
Zeulenroda
50.6706
11.9771
374
CMG-3ESP
100
01.06.1997
Die Stationen des Ostthüringer Seismischen Netzes OTSN

33
51.0°
50.5°
11.5°
12.0°
12.5°
13.0°
TAU
NIC
PST
REU
RAU
ZEU
MOX
AUC
Altenburg
AUP
AUM
EIB
PLN
WERD
CAF
TANN
GUNZ
WERN
ROHR
BDE
OTR
CLL
Chemnitz
Zwickau
Gera
Zeitz
Jena
0 10 20
km
Leipzig
Sachsennetz Online
Sachsennetz Offline
geplante Stationen
OTSN
GRSN Stationen
CZS
SCH
HLD
Abb. 20:
Karte des Stationsnetzes der am Seismologie-Verbund beteiligten Institutionen
Mit projektgebundenen Fördermitteln des Thüringer Mini-
steriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie
Berufungsgeldern des Lehrstuhlinhabers für Angewandte
Geophysik am Institut für Geowissenschaften der FSU
Jena wurde Anfang 1997 mit dem Aufbau des seis-
mischen Netzes zur Erfassung der lokalen Seismizität und
Untersuchung des seismischen Risikos in Ostthüringen
begonnen. Mit fünf digitalen, autonom arbeitenden
24-bit-Datenerfassungssystemen der Fima RefTek und
Dreikomponenten-Seismometern begann Ende 1997 die
kontinuierliche Datenregistrierung mit 100 Hz. Weitere
Stationen wurden in der Folgezeit in das beliebig erwei-
terbare Netz eingefügt. Seit Jahresbeginn 2002 wird das
Netz mit neun Stationen betrieben. In der nachfolgenden
Tabelle sind sie mit Standortparametern und Ausstattung
aufgelistet und in Abb. 20 dargestellt.

 
Während von 1990 bis 1997 lediglich 92 seismische Ereig-
nisse erfasst wurden, gelang bisher mit dem OTSN die
Registrierung und Lokalisierung von ca. 290 lokalen tekto-
nischen Ereignissen (mit ca. 3000 Einsätzen) mit Magni-
tuden ab M
L
= –0,5 sowie die Erfassung und Auswertung
kleinerer Erdbebenschwärme, wie des Schwarmes um
Werdau vom Dezember 1997/ Januar 1998, des am wei-
testen nördlich gelegenen innerhalb des bisher bekann-
ten Schwarmbebengebiets. Weiterhin wurden etwa 140
Sprengungen mit etwa 1150 Einsätzen erfasst und bear-
beitet. Der größte Teil der im Bereich sich kreuzender
Störungen aufgetretenen Ereignisse lässt sich der Leip-
zig-Regensburger-Störungszone, andere der Gera-Jáchy-
mov-Störungszone zuordnen. Die erfasste Mikroseismi-
zität der mit dem OTSN überwachten Region half bei der
Festlegung seismischer Quellregionen zur Bestimmung
der seismischen Gefährdung. Mit der Erarbeitung einer
lokalen seismischen Gefährdungskarte für Ostthüringen
und angrenzende Gebiete (K
RACKE, D. & HEINRICH, R. 2002)
wurde eine wichtige Zielstellung erreicht.
Alle seit Beginn 1994 auf dem Territorium Thüringens und
angrenzender Gebiete registrierten natürlichen Ereignisse
und eine Vielzahl von Sprengungen werden ohne untere
Magnitudenbegrenzung in einem von D. Kracke und R.
Heinrich erstellten Ereigniskatalog erfasst. Es fand eine
gesonderte Bearbeitung der Bebenschwärme statt. Die
Wellenformdaten werden archiviert und auf Anfrage be-
reitgestellt. Neben den Untersuchungen von historischer
und rezenter Seismizität wurden detaillierte seismologi-
sche Karten (Epizentren- und Epizentrendichtekarten,
Magnituden- und Intensitätsdichtekarten, Karten der seis-
mischen Energiefreisetzung sowie die bereits erwähnte
seismische Gefährdungskarte für Ostthüringen und
angrenzende Gebiete) gefertigt.
5.3
Das temporäre sächsische
Stationsnetz (»Offline«-Netz)
Das temporäre seismologische Messnetz in Sachsen be-
steht aus 7 mobilen Stationen und hat vor allem die Auf-
gabe, die Registrierungen des permanenten Netzes zu er-
gänzen. Sie sollen jedoch vor allem durch die Flutung des
WISMUT-Bergbaureviers Aue-Alberoda hervorgerufene
induzierte Seismizität erfassen und ein Monitoring der
dynamischen Belastung von Talsperrenbauwerken auf
Grund natürlicher oder künstlicher Erschütterungen durch-
führen. Die Aufstellungsorte der Stationen konzentrieren
sich daher auf den Raum Aue und einige Dammbauwerke
(Carlsfeld, Eibenstock, Helmsdorf). Die Stationen arbeiten
»offline«, d.h. ohne Kommunikationsverbindung zu einer
Datenzentrale. Die anfallenden Messdatenwerden vor Ort
auf einem lokalen Datenträger gespeichert, in größeren
Zeitabständen abgeholt und an der TU BA Freiberg aus-
gewertet. Die Stationen des Netzes sind ebenfalls in Abb.
20 dargestellt und in der folgenden Tabelle aufgelistet.
Die Standorte MUL (Muldenberg), HART (Hartenstein),
MARB (Markersbach) und KHAA (Aue, Kulturhaus) waren
im Rahmen des Forschungsprojektes bis Dezember 2000
in Betrieb, wurden jedoch nicht in das »Offline«-Netz
übernommen.
34
Station
Name
Breite
Länge
Höhe
Seismometer
Abtastrate
In Betrieb
°N
°O
(m NN)
(Hz)
seit
HLD
Helmsdorf
50.7552
12.4596
332
LE-3D/1s
125
08.12.1997
AUP
Aue, »Prinzenhöhle«
50.6383
12.6795
374
LE-3D/1s
125
31.08.1999
AUC
Aue, Viehzucht
50.6215
12.7054
446
LE-3D/1s
125
21.10.1998
AUM
Aue, Markus-Semmler-Str.
50.6072
12.6801
398
LE-3D/1s
125
07.05.200
CZS
Aue, Clara-Zetkin-Siedlung
50.6045
12.6500
460
LE-3D/1s
125
18.12.2000
EIB Eibenstock 50.5309 12.6004 528 LE-3D/1s 125 21.01.1997
CAF
Carlsfeld
50.4258
12.5976
895
LE-3D/1s
125
14.04.2000
Die derzeitigen Stationen des temporären sächsischen Stationsnetzes

 
6.1
Georisiken
Geologisch bedingte Naturkatastrophen spielen auch im
mitteleuropäischen Raum eine größere Rolle, als man
gemeinhin annimmt. Solche Georisiken, wie Erdbeben,
Vulkanausbrüche oder Massenbewegungen können die
natürliche Lebensgrundlage der Menschen gefährden.
Diese naturgegebenen Gefährdungen können meist nicht
verhindert, jedoch durch geeignete Maßnahmen in ihren
Auswirkungen reduziert werden. Sie sind gleichrangig mit
extremen witterungsbedingten Gefährdungen wie Hoch-
wasser oder Sturmschäden zu behandeln. In Sachsen ist
mit folgenden Georisiken zu rechnen:
Erdbeben
Massenverlagerungen wie Felsstürze, Hangrutschun-
gen, Steinschläge
Bergbau- und technisch induzierte Gefährdungen
Das Risiko durch Schadenereignisse nimmt durch die Kon-
zentration in Ballungsräumen, die Besiedlung und Industria-
lisierung in stark exponierten Regionen und durch die An-
fälligkeit moderner Infrastruktur zu. Moderne Verkehrswege
(Schiene, Straße, Tunnel) mit ihren Einschnitten, künstlichen
Böschungen und schnellen Transporteinrichtungen erfor-
dern immer höhere Anforderungen hinsichtlich der Sicher-
heit von Fahrbahnen. Der Risikoeinschätzung, Beobachtung
und Gefahrenabwehr kommen damit eine zunehmend
größere Bedeutung zu. Die volkswirtschaftlichen Schäden
haben sich weltweit in den letzten 30 Jahren bedingt durch
Georisiken und klimabedingte Ereignisse vervielfacht.
Eine hinreichende geophysikalische, ingenieurgeologi-
sche bzw. geotechnische Überwachung und Bewertung ist
Grundlage einer Risikoeinschätzung und einer angemes-
senen Einschränkung von Gefahrenbereichen.
Erdbeben
Ursache für das Auftreten von Erdbeben ist der plötzliche
Spannungsabbau in der Erdkruste. Dieser Spannungsabbau
erfolgt häufig an kontinentalen Plattenrändern, wenn diese
sich relativ zueinander bewegen. Aber auch innerhalb von
kontinentalen Platten (intrakontinentale Erdbeben) treten
Erdbeben auf, deren Ursachen noch nicht hinreichend
geklärt sind.
In Sachsen liegt der Schwerpunkt der Erdbebentätigkeit
im westsächsischen/ostthüringischen Raum. Ausgehend
vom Vogtland verläuft die erdbebengefährdete Zone über
das Gebiet von Zwickau und Gera-Ronneburg bis in den
Raum von Leipzig.
Am häufigsten sind die Erdbeben, die im Raum NW-Böh-
men, Plauen, Klingenthal und Bad Brambach in unregel-
mäßigen Abständen als Erdbebenschwärme auftreten und
dabei Intensitäten bis VII nach der Europäischen Makro-
seismischen Skala (EMS) erreichen. Der bisher letzte
starke Bebenschwarm mit einer Maximalintensität von VI
(vgl. Kap. 2.2 und Anlage 1) ereignete sich im Herbst 2000.
Erdbeben außerhalb des Schwarmbebengebietes (Raum
Zwickau, Gera und Leipzig) treten seltener auf, wobei aber
Intensitäten bis zum Grad VIII ermittelt wurden. Das letzte
starke Beben ereignete sich 1872 südlich von Ronneburg
und wurde als Mitteldeutsches Erdbeben bekannt. In
historischer Zeit sind im Gebiet 9 Erdbeben mit Epizen-
tralintensitäten größer VI beschrieben worden (Abb. 21).
35
6 Praxisorientierte Arbeiten
des Seismologie-Verbundes
und wissenschaftliche
Kooperation
800
900
1000
1100
1200
1300
1400
1500
1600
1700
1800
1900
VI
VII
VIII
Jahr
823
827
1088
1346
1366
1553
1872
1985
Intensität
Abb. 21:
Erdbeben in Sachsen mit Intensitäten
VI im
Zeitraum 800–2000

image
Erdbeben können nicht abgewendet und auch nicht vor-
hergesagt werden. Durch ständiges Beobachten und
Registrieren (seismisches Monitoring) der auftretenden
schwächeren Ereignisse kann man jedoch die Risikoge-
biete besser eingrenzen. In diesen gefährdeten Gebieten
gelten dann besondere Bauvorschriften (DIN 4149). Poten-
ziell gefährdete Bauten, wie Hochhäuser oder Industrie-
anlagen, unterliegen besonderen Sicherheitsbestimmun-
gen bzw. sollten dort nicht errichtet werden.
In Sachsen wird die Erdbebenbeobachtung durch den Seis-
mologie-Verbund gewährleistet. Er nutzt die Registrierun-
gen der zwei seismologischen Regionalnetzstationen Collm
und Berggießhübel sowie des »Sachsennetzes« (s. Abb.
20) mit 8 stationären Permanent-Stationen und 7 mobilen
offline-Stationen. Zur Auswertung werden die Messdaten
der seismischen Netze in Thüringen, Bayern und der
Tschechischen Republik einbezogen.
Massenbewegungen
Massenbewegungen sind natürliche Vorgänge. Rutschun-
gen erfolgen in Lockermassen unter bestimmten geome-
chanischen Bedingungen, die z.B. von der Korngrößen-
verteilung und dem Wassergehalt abhängig sind. Die
Hangneigung kann daher von flachen Lockergesteins- bis
steilen Festgesteinsböschungen variieren. Fels- und Berg-
stürze sowie Steinschläge entstehen dagegen durch die
Ablösung von Felsmassen aus steilen Hangbereichen. Ihr
Volumen reicht von faustgroßen Steinen bis in den Be-
reich von mehreren Kubikmetern. Dabei sind materielle
und sogar Personenschäden mit tödlichem Ausgang nicht
auszuschließen. In Sachsen ereigneten sich im Jahr 2000
zwei Todesfälle durch Felsstürze und Steinschläge. Ein
größeres Ereignis war der Felssturz vom 22.11.2000 (12:43
MEZ) am Warturm, wobei ca. 1000 t Sandstein 80 m zu
Tal stürzten. Ursachenforschung, Risikoeinschätzung und
Sicherheitsmaßnahmen gewinnen bei Steinschlägen und
Felsstürzen auch international an Bedeutung.
Bekannte steinschlaggefährdete Bereiche wurden früher
bei der Besiedlung weitgehend gemieden. Die zunehmend
hohe Nachfrage nach Bauland und der dadurch erforderli-
che Bedarf an Verkehrswegen führt zu einer verstärkten
Nutzung auch von potenziell gefährdeten Bereichen. In den
Schwerpunktgebieten Sächsische Schweiz und Erzgebirge
treten Felsstürze und Steinschläge (Abb. 22) häufig auf.
Dabei können Massen bis zu über 1000 Tonnen zu Tal ge-
hen. Die Ereigniswahrscheinlichkeit liegt in der Sächsischen
Schweiz durchschnittlich bei einem Ereignis in 2 Jahren
(Abb. 23). Charakteristisch sind jahreszeitliche Schwankun-
gen. Der größte Teil der Ereignisse findet u.a. bedingt durch
Einwirkungen während und nach Frostperioden statt.
Da sich plötzliche Massenverlagerungen im Regelfall zeitlich
nicht voraussagen lassen, können die potenziell gefährdeten
Gebiete nur abgesperrt und geotechnisch überwacht wer-
den. Der natürliche Prozess der Abtragung von Felshängen
ist nicht zu verhindern, jedoch sind durch geeignete Maß-
nahmen, wie vorsorgliche künstliche Abtragung und Beräu-
mung, bauliche Maßnahmen oder Fangeinrichtungen und
Fangzäune, das Risiko und mögliche Schäden verringerbar.
Überwachung und Risikoeinschätzung können durch eine
systematische Erfassung, Beobachtung und Bewertung
von sich abzeichnenden Massenverlagerungen, aber auch
durch messtechnisches Monitoring an ausgewählten Ob-
jekten vorgenommen werden. Ziel ist die Eingrenzung
und ständige Beobachtung kritischer Bereiche und ihre
Zuordnung in Gefährdungsgruppen, für die vorsorglich
Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet werden können.
36
Abb. 22:
Steinschlag bei Postelwitz (Elbsandsteingebirge)
vom 16.01.1936 (Deutsche Fotothek, Dresden)
Zeitraum
1900
1910
1920
1930
1940
1950
1960
1970
1980
1990
2002
0
1
2
3
4
5
6
7
8
Abb. 23:
Häufigkeit von großen Felsstürzen in der Säch-
sischen Schweiz zwischen 1900 und 1990

 
6.2
Geplante Arbeiten des
Seismologie-Verbundes
Im Rahmen des Seismologie-Verbundes konzentriert sich
die Arbeit in den nächsten Jahren auf vier Schwerpunkte.
1. Inbetriebnahme des »Sachsennetzes«
Folgende Aufgaben sind für den Seismologie-Verbund
von Vorrang – der Abschluss des Aufbaues aller 8 seis-
mischen Permanent-Stationen des »Sachsennetzes« und
des zentralen Datenzentrums zur Datenauswertung,
-speicherung und Datenbereitstellung sowie die Über-
führung zum routinemäßigen Betrieb (Ende 2003).
2. Seismologische Gefährdungskarte
Sachsen – Thüringen – Sachsen-Anhalt
Im Rahmen der Neubearbeitung der DIN 4149 (neu), die
sich an den Prinzipien des Eurocode 8 orientiert, werden
die Erdbebenzonen unter Berücksichtigung des geologi-
schen Untergrundes neu definiert. Damit verbunden ist
eine teilweise Neuzuordnung der betroffenen Gemeinden
der Länder Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zu
den entsprechenden Erdbebenzonen gegenüber DIN 4149
notwendig. Die DIN 4149 (neu) liegt derzeit als Entwurf
(Gelbdruck) vor. Um eine einheitliche und übersichtliche
Darstellung der grenzüberschreitenden Erdbebenzonen
zu erreichen ist eine »Seismologische Gefährdungskarte«
geplant, die zeitgleich mit dem Inkrafttreten der DIN 4149
(neu) erscheinen soll.
3. Forschungsprojekt
»Seismologisches Monitoring
in tektonisch vorgeprägten Zonen«
Es ist geplant, die Fortführung der Forschungsarbeiten,
die sich derzeit auf die angewandte Seismologie und Ver-
besserung der Ortungsgenauigkeit vorwiegend in West-
sachsen konzentriert, verstärkt im Zusammenhang mit
der tektonischen Vorprägung (stärkere Beanspruchung) zu
betrachten. Tektonische Störungen werden als ein wesent-
liches Element bei der Entstehung von Erdbeben ange-
sehen. Die Zuordnung der in der Tiefe georteten Erdbe-
benherde auf bekannte tektonische Elemente an der Erd-
oberfläche ist bisher jedoch nur unzureichend gelungen.
4. Internet-Präsenz
Es ist vorgesehen, aktuelle seismische Ereignisse die den
Freistaat Sachsen und angrenzende Gebiete betreffen
sowie Ergebnisse der Arbeit des Seismologie-Verbundes
im Internet bereitzustellen. Bereits jetzt finden Sie wei-
terführende Informationen zur Seismologie sowie zu
bestimmten Schwerpunkten unter folgenden Internet-
adressen:
6.3
Forschungsarbeiten zum
Schwarmbebengebiet
Vogtland/NW-Böhmen
Die Erdkruste und der obere Erdmantel unter dem Vogt-
land und NW-Böhmen stellen aus geowissenschaftlicher
Sicht etwas Besonderes innerhalb der weltweiten Erd-
kruste dar. Die Einmaligkeit besteht in den periodisch
wiederkehrenden Schwarmbeben – dieser Begriff wurde
bereits vor über 100 Jahren von K
NETT und CREDNER
geprägt – und dem nachweisbaren Zusammenhang von
seismischer Aktivität, tiefreichenden Krustenstrukturen,
Mantelfluiden und -entgasungen, subrezentem Vulkanis-
mus, Mineralwasservorkommen und neotektonischen
Krustenbewegungen. Zahlreiche Anstrengungen zur Klä-
rung dieser Phänomene wurden insbesondere von deut-
schen und tschechischen Geowissenschaftlern unternom-
men. Hauptziel ist dabei, die Entstehung der Schwarm-
beben und ihre Verteilung in Raum und Zeit sowie ihre
wechselseitige Beziehung mit Fluiddynamik (Bewegung
von Fluiden), Magmatismus, Bruchtektonik, Schwerefeld,
Krustenbewegungen und Paläospannungsregime (Druck-
und Zugbedingungen in einem bestimmten geologischen
37
Institution
Internetadresse
Schwerpunkt
LfUG
www.umwelt.
Seismologie-
sachsen.de/lfug
Verbund
(Geologische Landes-
aufnahme/Geophysik/
Fernerkundung)
Uni Leipzig
www.uni-leipzig.de/
Permanentnetz
Observatorium
collm
(»Online«-Netz)
Collm
TU BAF
www.geophysik.
Temporäres
tu-freiberg.de
Stationsnetz
(»Offline«-Netz)
Uni Jena
www.uni-jena.de/
Ostthüringer
chemie/geowiss
seismisches Netz
TU Dresden
www.tu-dresden.de/
Geodätisches
fghgipg
Überwachungs-
netz
Seismologisches
www.szgrf.bgr.de
Deutsches
Zentralob-
Regionalnetz
servatorium
und aktuelle
Gräfenberg
Informationen

Zeitraum) zu untersuchen. Das Problem ist also kein rein
seismologisches, sondern muss in einem komplexen
geowissenschaftlichen Zusammenhang gesehen und be-
arbeitet werden.
Seit 1999 werden Forschungsarbeiten zum Thema
»Schwarmbebengebiet Vogtland« in den Bereichen Seis-
mizität, Seismotektonik, Gravimetrie, Geodynamik, Geo-
däsie und Fluidchemie auf deutscher Seite von der Deut-
schen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Auch auf
tschechischer Seite besteht eine Projektförderung. Erste
Ergebnisse der Forschungen wurden auf nationalen und
internationalen Tagungen präsentiert (siehe Zeitschrift
Studia Geophysica et Geodaetica 2000).
In einer zweiten Phase findet seit 2002 das seismologi-
sche Großprojekt BOHEMA (Seismische und stoffliche
Erkundung von Kruste und Mantel des Vogtländisch –
NW-Böhmischen Schwarmbebengebietes) statt. Im Rah-
men des Gemeinschaftsprojektes von 10 Institutionen aus
Deutschland, der Tschechischen Republik und Frankreich
werden auf einer Fläche von etwa 160 x 280 km
2
über 130
mobile seismische Stationen für ein Jahr in Betrieb sein.
Mit den gewonnenen Daten soll unter anderem eine
genaue dreidimensionale Abbildung der Erdkruste und
des oberen Erdmantels bis in mehrere 100 km Tiefe
erreicht und die Frage nach einem möglichen Magmenre-
servoir im Mantel beantwortet werden. Die vollständige
Auswertung der Daten wird mehrere Jahre in Anspruch
nehmen (weitere Informationen unter
www.szgrf.bgr.de).
38

 
Abb. 1: Bebenschwarm 2000, Station Wernitzgrün: Zwi-
schen Ende August und Mitte November 2000 wur-
den an der herdnahen Station 10 500 Einzelbeben
identifiziert. Sie sind zeitlich ungleichmäßig verteilt,
lassen sich aber zu zeitlich begrenzten Schwarmpha-
sen (1 bis 7) zusammenfassen. Dargestellt sind die
Tagessummen über der Zeit unter Berücksichtigung
der Magnituden.
oben: alle Einzelbeben
unten: über 100 Einzelbeben hatten Magnituden größer 2
und konnten an vielen Stationen in Mitteleuropa regis-
triert werden. Im Verlauf des Schwarmes nahm der
Anteil dieser stärkeren Beben an den Tagessummen zu.
Abb. 2: Summe der im Herd freigesetzten seismischen
Energie seit Beginn des Schwarmes
Abb. 3: Seismische Ereignisse in Sachsen und angren-
zenden Gebieten 2000/2001 (mit Magnituden 1 und
größer)
1 M 2
M 2
Erdbebenschwarm 2000
seismische Stationen (GRSN, Wernitzgrün)
Abb. 4: Wahrnehmbarkeit des stärksten Bebens beim
Schwarm 2000 am 06.11.2000, 23:07 MEZ
Abb. 5: Lage der Stationen des mobilen Netzes sowie
Epizentren der damit georteten Mikrobeben im Be-
richtszeitraum 2000/2001
Abb. 6: Registrierungen der Z-Komponente der Schwing-
geschwindigkeit am Stationspunkt AUC (oben),
Spur 1 aus Herdregion Novy´ Kostel,
Spur 2 aus Herdregion Muldenberg,
Spur 3 aus Bergbaurevier Aue-Alberoda,
Spur 4 aus Steinbruch Wolfsgrün
(Pg – direkte Longitudinalwelle,
Sg – direkte Transversalwelle)
und zugehörige Amplituden-Frequenz-Spektren (unten)
Abb. 7: Ortungsgenauigkeit in Bezug zur Netzgeometrie
Abb. 8: Lage der Stationen im Raum Aue-Alberoda so-
wie damit geortete Epizentren im Vergleich des voran-
gegangenen mit dem aktuellen Berichtszeitraum
(oben) und Hypozentren in ihrer Lage zur Granitober-
fläche im Vergleich des vorangegangenen und des
aktuellen Berichtszeitraumes (unten)
Abb. 9: Gegenüberstellung von Flutungsverlauf (unten)
und kumulativem Spannungsabbau (oben) im Raum
Aue-Alberoda
Abb. 10: Vergleich der Herdparameter seismisches Mo-
ment (M
0
), Herdradius (R), und Spannungsabfall ( )
für tektonische und induzierte Ereignisse mit älteren
Daten
Abb. 11: Richtungsselektive Spektralanalyse des P-Wellen-
einsatzes bei fortschreitendem Analysefenster (im
Rechteckfenster grau hinterlegt)
Abb. 12: Geodätisches Überwachungsnetz »Vogtländisches
Bebengebiet« mit ausgewählten tektonischen Stö-
rungen nach Berger (1997) und Epizentren seit 1986
sowie Lage der beiden GPS-Permanentstationen. Der
Rahmen innerhalb der Netzskizze begrenzt das in
Abb. 14 dargestellte Gebiet.
Abb. 13:Zeitliche Verteilung der Erdbeben seit 1990
(SZGRF) und der durch die TU Dresden durchgeführ-
ten GPS-Messkampagnen im geodätischen Überwa-
chungsnetz.
Abb. 14: Punktverschiebungen für ausgewählte Stationen
des Überwachungsnetzes. Bildausschnitt gemäß dem
inneren Rahmen in Abb. 12. Die einzelnen gerichteten
Strecken repräsentieren die Formänderungen der Erd-
oberfläche in den Zeiträumen zwischen den aufeinan-
der folgenden GPS-Messkampagnen.
Blau
steht für
39
Abbildungsverzeichnis

den Zeitraum von 1994 bis 1997,
grün
für 1997 bis 1999,
rot
für 1999 bis 2000 und schwarz für 2000 bis 2001.
Tektonische Störungen auszugsweise nach Berger
(1997).
Abb.15: Pfeiler mit Antenne auf einer GPS-Permanent-
station. Die Antenne muss fest mit dem Untergrund
verbunden sein, und die nähere Umgebung sollte den
uneingeschränkten Empfang der GPS-Satellitensigna-
le ermöglichen.
Abb.16: Weitere wesentliche Bestandteile einer der bei-
den GPS-Permanentstationen. An der Wand hängend
ist der GPS-Empfänger montiert. Dieser wird durch
eine unterbrechungsfreie Stromversorgung gespeist
und ist an eine ISDN-Verbindung für die Datenfern-
übertragung zur TU Dresden angeschlossen.
Abb.17: Darstellung der Tageslösungen über die Zeit
(10/2000 bis 10/2001) nach Nord- und Ostkomponente
getrennt. Jeder Punkt repräsentiert die mittleren Koor-
dinaten aus den Beobachtungen eines Tages. Der An-
stieg der ausgleichenden Geraden ist ein Maß für die
Relativbewegung beider GPS-Permanentstationen zu-
einander. Die 24h-Wiederholbarkeit gibt den mittleren
Fehler einer einzelnen Tageslösung an. Durch die Häu-
fung der Messungen wird mit zunehmender Zeit die
Genauigkeit für die Bestimmung der Bewegungsraten
gesteigert.
Abb.18: Eingang zum Besucherbergwerk Tannenbergsthal
Abb.19: Untertagestation Tannenbergsthal in der Aufbau-
phase
Abb. 20: Karte des Stationsnetzes der am Seismologie-
Verbund beteiligten Institutionen
Abb. 21: Erdbeben in Sachsen mit Intensitäten VI im
Zeitraum 800–2000
Abb. 22: Steinschlag bei Postelwitz (Elbsandsteingebirge)
vom 16.01.1936 (Deutsche Fotothek, Dresden)
Abb. 23: Häufigkeit von großen Felsstürzen in der Sächsi-
schen Schweiz zwischen 1900 und 2002
40

 
41
Literatur-, Tabellen- und
Anlagenverzeichnis
Literatur
B
ERGER, H.-J. (1997): Tektonische Strukturkarte 1: 200 000.
– Auszug nach Geologischer Übersichtskarte der BRD,
Blatt Zwickau, Unveröff. im LfUG.
DIN 4149 – Bauten in deutschen Erdbebengebieten;
Lastannahmen, Bemessung und Ausführung üblicher
Hochbauten. – Sächs. Amtsblatt vom 28.08.1995,
Sonderdruck Nr. 6/1995.
Erdbeben in Deutschland 1993: Berichte der deutschen
seismologischen Observatorien mit einem Katalog
wichtiger Weltbeben. – [Hrsg.] Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover 1998.
Erdbebenbeobachtung im Freistaat Sachsen: Zweijahres-
bericht 1998–99; (Materialien zur Geologie), Red. B.
W
ITTHAUER, O. KRENTZ. – Hrsg. Landesamt für Umwelt
und Geologie; Dresden, Freiberg 2000.
G
RÜNTHAL, G. (1993): European Macroseismic Scale 1992
(updated MSK-scale). – European Seismological Com-
mission, Luxembourg.
G
RÜNTHAL, G., MAYERROSA, D. (1998): Einheitliche Erd-
bebengefährdungskarte für Deutschland, Österreich
und die Schweiz (D-A-CH). – Schweizerischer Pool für
Erdbebendeckung, Bern.
K
RACKE, D., HEINRICH, R. (2002): »Local seismic hazard
assessment in areas of weak to moderate seismicity
– Case study from Eastern Germany«. Special issue of
Tectonophysics »Strong Ground Motion, Earthquake
Hazard and Risk in Eastern Europe, Asia, and the
Western Pacific« (im Druck).
Lexikon der Geowissenschaften (2000): Bd. 1, A bis Edi,
500 S. – Spektrum, Akad. Verl., Heidelberg.
M
URAWSKI, H. (1988): Deutsches Handwörterbuch der
Tektonik (in 6 Bänden). – Hannover.
M
URAWSKI, H. (1977): Geologisches Wörterbuch. – Fer-
dinand Enke Verlag, Stuttgart.
N
EUMANN, W., JACOBS, F. & TITTEL, B. (1986): Erdbeben. –
[Hrsg.] Aulis Verlag Deubner & Co. KG, Köln.
T
HURM, H., BANKWITZ, P. & BANKWITZ, E. (1977): Rezente
horizontale Deformationen der Erdkruste im Südteil
der DDR. – Petermanns Geographische Mitteilungen,
(121): 281–301, Gotha.
W
ENDT, J. (1999): Zur Geokinematik im sächsischen Vogt-
land. – Deutsche Geodätische Kommission, Reihe C,
Heft 517: S.60 ff.
W
ENDT, J., DIETRICH, R. (2002): Determination of recent
crustal deformations based on precise GPS measure-
ments in the Vogtland earthquake area. – Journal of
Geodynamics, Elsevier Science, Amsterdam, im Druck.
Zeitschrift Studia Geophysica et Geodaetica; 44 (2000)2;
44 (2000)4. – Praha.

42
Tabellen
Tab.1: Bebenschwarm 2000 (Einzelbeben mit M 2.5)
Tab. 2: Seismische Ereignisse in Sachsen und angrenzen-
den Gebieten 2000/01 (M
1.0)
Tab. 3a: Lokalisierung induzierter Ereignisse im Bergbau-
revier Aue-Alberoda mit XNSLOC im Vergleich 1998/99
Tab. 3b: Lokalisierung induzierter Ereignisse im Bergbau-
revier Aue-Alberoda mit XNSLOC im Vergleich 2000/01
Anlagen
Anlage 1: Makroseismische Intensitätsskala EMS-92
Anlage 2: Ausführlicher Fragebogen zur
Erdbebenbeobachtung
Anlage 3: Fragebogen zur Veröffentlichung

 
anthropogen:
vom Menschen erzeugt, verursacht
Bebenschwarm:
möglicherweise sehr dichte zeitliche Folge von meist kleinen Erdbeben (Schwarmbeben)
im gleichen Herdgebiet, deren einzelne Energiebeiträge sich nicht wesentlich unterscheiden;
Erdbebenserie
Bodenunruhe (Bewegung), mikroseismische:
mehr oder weniger kontinuierliche Bodenschwingungen durch
Verkehr, Industrie und atmosphärische Störungen; als Rauschen Störfaktor bei seismologischen Registrierungen
Cluster:
Menge von Einzelereignissen, die räumlich und zeitlich eng beieinander liegen
Detektionsschwelle:
schwächstes noch erfasstes Erdbeben; durch die Empfindlichkeit der Seismometer bestimmt
Bodenunruhe
EMS:
Europäische Makroseismische Skala
Intensität
Epizentralintensität:
Intensität im
Epizentrum
Epizentrum:
Auf die Erdoberfläche projizierte Lage des Bebenherdes ( Hypozentrum). Die auf der Erdoberfläche
gemessene Entfernung eines Punktes zum Epizentrum heißt Epizentraldistanz; die maximale Schütterwirkung an
der Erdoberfläche ist die
Epizentralintensität.
Erdbebengefährdung:
Wahrscheinlichkeit des Auftretens seismischer Erschütterungen
Erdbebenkatalog:
Zusammenstellung von Erdbeben, die nach einem bestimmten Gesichtspunkt ausgewählt wurden
(z.B. Fühlbarkeit, Schadenswirkungen, Magnitude, Region), für Einzelaussagen und statistische Bearbeitung
Erdbebenserie:
im deutlichen zeitlichen Zusammenhang mit einem Hauptbeben stehende Abfolge von einzelnen
Erdbeben im gleichen Herdgebiet; Stärke und Häufigkeit im Allgemeinen mit der Zeit abnehmend
Vorbeben
Nachbeben
Schwarmbeben
Erdbebenzone:
Gebiet mit bedeutender Konzentration natürlicher seismischer Ereignisse
(global 3 Hauptzonen: zirkumpazifische, mediterrantransasiatische und mittelozeanische Zone)
Eurocode 8:
Norm des Comité Européen de Normalisation (CEN) zur Auslegung von Bauwerken gegen
Erdbebeneinwirkungen
Fluid:
Bei relativ niedrigen Drücken und Temperaturen wird zwischen gasförmiger und flüssiger Phase unterschieden.
Bei Drücken und Temperaturen oberhalb des kritischen Punktes gibt es keine Unterscheidung zwischen Gas und
Flüssigkeit, daher spricht man von überkritischem Fluid oder einfach Fluid.
Geotektonik (griech. tektonikos = zum Bau gehörend):
Lehre vom Aufbau und den Bewegungsformen der
Erdkruste und des oberen Erdmantels
GRSN:
German Regional Seismological Network (Deutsches Regionalnetz seismologischer Breitbandstationen)
Herddaten:
räumliche, zeitliche und energetische Zahlenangaben über seismische Ereignisse; im Einzelnen
geographische Koordinaten des Epizentrums, Herdtiefe, Herdzeit und Magnitude
Herdtiefe:
Tiefe des Erdbebenherdes unter der Erdoberfläche (global: Flachbeben bis 70 km, mitteltiefe Beben bis
300 km, Tiefbeben über 300 km)
Herdzeit:
bei natürlichen Erdbeben nur nachträglich bestimmbarer Beginn des Herdprozesses; bei Sprengungen und
Explosionen der direkt messbare Zeitpunkt der Auslösung
Hypozentrum:
berechnete Lage des Erdbebenherdes in der Tiefe
Intensität:
Die Intensitätsskala basiert auf der Beobachtung der Bebenwirkungen auf Menschen, Gebäude oder
Natur im betroffenen Gebiet. Die neueste Weiterentwicklung stellt die Europäische Makroseismische Skala dar
(EMS-92), die u.a. auch erdbebengerecht konstruierte Bauten einschließt.
intrakontinental:
im Inneren eines Kontinentes gelegen
43
Begriffserklärungen

Isoseiste:
Linie, die Gebiete verschiedener seismischer Intensität voneinander abgrenzt Longitudinalwelle, auch P-Welle
(primäre Welle) oder Kompressionswelle: ein Haupttyp seismischer Raumwellen; breitet sich im Vergleich mit
anderen seismischen Wellen am schnellsten aus. Die Bodenteilchen werden in Ausbreitungsrichtung der Welle bewegt.
Magnitude:
Magnituden-Skala, 1935 von Ch. Richter eingeführt ( Richter-Skala), ist ein Maß für die bei einem
Erdbeben freigesetzte Energiemenge. Die Magnitude wird aus der durch Seismographen gemessenen
Erschütterungsamplitude berechnet. Die in der Nähe (bis 1000 km) eines Epizentrums bestimmte Magnitude
heißt Lokalmagnitude (ML).
Makroseismik:
Beschreibung von fühl- und sichtbaren Erdbebenwirkungen ohne instrumentelle Messwerte
Messnetz, seismologisches:
untereinander verbundene seismologische Stationen, deren Messungen kombiniert
ausgewertet werden
MEZ:
Mitteleuropäische Zeit; MEZ =
UTC + 1 Stunde
Mikroseismik:
Bodenunruhe
Moment, seismisches:
Maß für die Bebengröße; Produkt aus Gesteinsfestigkeit, Bruchfläche und Betrag der Verschiebung
Monitoring:
ständige Beobachtung
Nachbeben:
zeitlich und räumlich eng mit einem vorangegangenen Hauptbeben zusammenhängendes Ereignis
einer möglicherweise langen Erdbebenserie
OTSN:
Ostthüringer seismisches Netz
P-Welle:
Longitudinalwelle
Rheologie:
Wissenschaft, die sich mit dem Verhalten der Materie unter dem Einfluss von formverändernden
Kräften befasst
Richter-Skala:
Klassifikation der Erdbeben nach ihrem Energieumsatz. In Herdnähe können schwache Erdbeben
mit sogar negativen Magnituden erfasst werden, während aus Registrierungen der stärksten, sehr seltenen
Erdbeben Magnituden bis ca. 9,5 berechnet wurden.
Schüttergebiet:
Fläche der gespürten Bebenwirkungen; die mittlere Entfernung der Fühlbarkeit heißt Schütterradius
Schwarmbeben:
Bebenschwarm
Seismik:
Verfahren zur Feststellung von Form, Lage und Eigenschaften geologischer Körper (bevorzugt Lagerstätten,
Baugrund) mit künstlich angeregten elastischen Wellen (durch Sprengung, Schlag, Vibration); häufig auch als
Sprengseismik bezeichnet
Seismizität:
zusammenfassende Bezeichnung für die Erdbebentätigkeit sowie ihre räumliche, zeitliche und
energetische Verteilung
Seismogramm:
zeitlicher Verlauf der vom Seismographen wiedergegebenen Bodenbewegungen
Seismograph:
Messgerät zur Registrierung von Bodenbewegungen, bestehend aus Seismometer (Empfänger der
mechanischen Energie) und Aufzeichnungssystem (Messdatenanzeige und Informationspeicherung)
Seismologie (griech. seismos = Erderschütterung):
Erdbebenkunde; Wissenschaft von Erdbeben; Teilgebiet der
Geophysik
Seismometer:
Seismograph
seismisches Netz:
mehrere
Seismographen (an verschiedenen Standorten) zur Registrierung von Bodenbewegungen
Station, seismologische:
wissenschaftlichtechnische Einrichtung zur Aufzeichnung und Interpretation von Erderschütterungen
Störung:
Trennfuge im Gesteinsverband, an der eine Verstellung angrenzender Schollen stattgefunden hat
subrezent:
unmittelbar vor der Jetztzeit stattgefunden
SZGRF:
Seismologisches Zentralobservatorium Gräfenberg
S-Welle:
Transversalwelle
Tektonik:
Geotektonik
Transversalwelle, auch S-Welle (sekundäre Welle) oder Scherwelle:
ein Haupttyp seismischer Wellen;
die Bodenteilchen schwingen senkrecht zur Ausbreitungsrichtung
UTC:
(Abkürzung für engl. Universal Time Coordinated = »Koordinierte Weltzeit«): früher Mittlere Greenwich-Zeit
(GMT), die auf den Nullmeridian bezogen ist; UTC
MEZ
– 1 Stunde
Vorbeben:
zeitlich und räumlich eng mit einem nachfolgenden, stärkeren Hauptbeben zusammenhängendes Ereignis
44

 
Anlagen

 
Stark vereinfachte Kurzform der makroseismischen Intensitätsskala EMS-92
Europäische Makroseismische Skala – 1992 (G
RÜNTHAL 1993)
EMS
Definition
Beschreibung der maximalen Wirkung (stark verkürzt)
Intensität
I
nicht fühlbar
Nicht fühlbar.
II
kaum bemerkbar
Nur sehr vereinzelt von ruhenden Personen wahrgenommen.
III
schwach
Von wenigen Personen in Gebäuden wahrgenommen.
Ruhende Personen fühlen ein leichtes Schwingen oder Erschüttern.
Lampen schwingen leicht.
IV
deutlich
Im Freien vereinzelt, in Gebäuden von vielen Personen wahrgenommen.
Einige Schlafende erwachen. Geschirr und Fenster klirren, Türen klappern.
V
stark
Im Freien von wenigen, in Gebäuden von den meisten Personen wahrgenommen.
Viele Schlafende erwachen. Wenige werden verängstigt.
Gebäude werden insgesamt erschüttert.
Hängende Gegenstände pendeln stark, kleine Gegenstände werden verschoben.
Gelegentlich treten Haarrisse im Verputz auf und in wenigen Fällen Abfallen kleiner Putzstücke.
VI
leichte
Viele Personen erschrecken und flüchten ins Freie.
Gebäudeschäden
Einige Gegenstände fallen um.
An einigen Häusern entstehen leichte Schäden (Risse im Verputz),
vornehmlich an Häusern in schlechterem Zustand feine Mauerrisse,
Abfallen von Verputz- und Schornsteinteilen.
VII
Gebäudeschäden
Die meisten Personen erschrecken und flüchten ins Freie.
Möbel werden verschoben. Gegenstände fallen in großen Mengen aus Regalen.
An vielen Häusern solider Bauart treten mäßige Schäden auf (Mauerrisse).
Vornehmlich Gebäude in schlechterem Zustand zeigen größere Mauerrisse,
vereinzelt Einsturz von Zwischenwänden.
VIII
schwere
Viele Personen verlieren das Gleichgewicht.
Gebäudeschäden
Selbst schwere Möbel werdenverschoben und zum Teil umgeworfen.
An vielen Gebäuden einfacher Bausubstanz treten schwere Schäden auf; d. h. Giebelteile
und Dachgesimse stürzen ein. Einige Gebäude sehr einfacher Bauart stürzen ein.
IX
zerstörend
Allgemeine Panik unter den Betroffenen.
Sogar gut gebaute gewöhnliche Bauten zeigen schwere Schäden und teilweisen Einsturz
tragender Bauteile.
Viele schwächere Bauten stürzen ein.
X
sehr zerstörend
Viele gut gebaute Häuser werden zerstört oder erleiden schwere Beschädigungen.
XI
verwüstend
Die meisten Bauwerke, selbst mit guter erdbebengerechter Konstruktion, werden zerstört.
XII
vollständig
Nahezu alle Konstruktionen werden zerstört.
verwüstend
Anlage 1 EMS-92 [Kurzform]

 
Anlage 2 Fragebogen zur Erdbebenbeobachtung
Alle Wahrnehmungen zu diesem Erdbeben sind wichtig und
sollen erfasst und ausgewertet werden. Bitte helfen Sie uns
dabei, indem Sie diesen Fragebogen unvoreingenommen und
vollständig ausfüllen und ihn an die ausgebende Stelle oder
an eine der oben angegebenen Adressen zurückgeben.
1
Haben Sie das oben genannte Ereignis verspürt?
nein
(Es ist sinnvoll, zum weiteren auch dann Stellung
zu nehmen, wenn Sie nichts gespürt haben!)
ja
Wann genau?
Uhrzeit (Stunde und Minute)
h
min
Wo genau befanden Sie sich?
in einem Gebäude
im Freien
im Auto
wo sonst?
Adresse Ihres Aufenthaltsortes während der
Beobachtung (evtl. mit Postleitzahl)
Anzahl der Stockwerke des Gebäudes
Stockwerk Ihres Aufenthalts während
der Beobachtung
Bauart des Gebäudes
Fachwerk
Ziegel
Plattenbau
Natursteine Beton andere?
Lage Ihres Aufenthaltsortes während der Beobachtung
Ebene
Hang
Berg
Tal
Ufer
Untergrundbeschaffenheit, falls Ihnen bekannt
Sandboden
Lehm/Ton
Fels
aufgeschütteter Boden
Sumpf
andere?
Ihre momentane persönliche Situation während
des Ereignisses
stehend
sitzend
liegend
schlafend und auf Grund der Auswirkungen erwacht
andere?
2
Was verspürten Sie?
Können Sie die entsprechende Dauer
(in Sekunden) schätzen?
Dauer
Auf- und Abwärtsbewegung
s
ruckartige, kurze Bewegung
s
langsames Schwanken
s
Zittern
s
Geräusche (wann? welche?)
s
etwas anderes ?
s
Falls mehreres gleichzeitig oder nacheinander gespürt
wurde, bitte beschreiben:
Sächsisches
Landesamt für
Umwelt und Geologie
Postfach 80 01 00
01101 Dresden
Geophysikalisches
Observatorium Collm
der Universität Leipzig
04779 Wermsdorf
Observatorium
Berggießhübel der TU
Bergakademie Freiberg
Hauptstraße 8
01819 Berggießhübel
Institut für
Geowissenschaften
Universität Jena
Burgweg 11
07749 Jena
Stelle für
Gebietsgeologie Staatl.
Umweltfachamt Plauen
Bahnhofstraße 46–48
08523 Plauen
Seismologie-Verbund Sachsen

3
Welche Wirkungen rief das Ereignis hervor?
a) in und an Gebäuden/technischen Anlagen
(wo?
Art/Zweck des Gebäudes/der Anlage
)
vorübergehende:
Zittern/Pendeln frei hängender oder
stehender Gegenstände
Klappern und Pendeln von Fenster und Türen
Auf- und Zuschlagen von Fenster und Türen
Klirren von Geschirr und Fenstern
Knistern von Dielen und Wänden
Krachen im Gebälk
Zittern von Möbelstücken
Schwanken von Möbelstücken
ungewöhnliches Verhalten von Tieren
bleibende:
Verschieben, Umfallen oder Herabfallen
kleiner Gegenstände in/aus Regalen u.ä.
Verrutschen von Wandbildern
Überschwappen freier Wassermengen
Stehenbleiben von Uhren
Verrücken von Möbelstücken
Schäden:
nicht bekannt geworden
Umstürzen von Möbelstücken
feine Risse im Verputz
Abbröckeln von Verputz
Risse in Mauern und Fußböden
Risse an Schornsteinen
Abfallen von Dachziegeln
Einsturz von Gebäudeteilen
an unterirdischen Ver- und Entsorgungsanlagen
b) in der Natur
Bodenrisse
Senkungen
Erdrutsche
Felsstürze
Veränderungen an Gewässern, Brunnen, Stauseen
(z.B. Wasserstand, Trübung, Wellen)
(wo genau?
)
4
Verspürten Sie Nachstöße?
nein
ja
(wann?
wie stark?
)
Falls Sie bei dem Ereignis erschrocken sind,
beschreiben Sie bittte kurz Ihre Empfindungen:
Haben Sie auf Grund von Befürchtungen
(welchen?
)
das Gebäude verlassen, in dem Sie sich vor dem
Ereignis aufgehalten hatten?
nein
ja
Haben andere Personen in Ihrer Umgebung
das Ereignis ebenfalls wahrgenommen?
einzelne
wenige ca. (5%)
viele ca. (50%)
die meisten
Hatten Sie schon vorher persönliche Erfahrungen
mit Erdbeben bzw. Gebirgsschlägen?
nein
ja
(welche
)
Schildern Sie bitte ggf. weitere Einzelheiten, außergewöhnliche
Vorkommnisse, Veränderungen und Schäden, die mit dem
Ereignis im Zusammenhang stehen könnten:
Ihre Kontaktadresse:
Name:
Vorname:
Straße, Nummer:
Postleitzahl, Wohnort:
Telefon:
Telefax:
E-Mail:

 
Anlage 3 Fragebogen zur Veröffentlichung
Wir sind an Ihrer Meinung über die Veröffentlichungen des
Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (LfUG)
interessiert.
Bitte senden Sie den Fragebogen per Fax ausgefüllt an das
Sächsiches Landesamt für Umwelt und Geologie
Abteilung 2
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Grundlagen Umweltbeobachtung
Zur Wetterwarte 11
01109 Dresden
Telefax:
(03
51) 8 92 82 25
1
Wie ist der Titel der Veröffentlichung?
2
Wie sind Sie auf die Veröffentlichung
aufmerksam geworden?
3
Zu welcher der folgenden Zielgruppen gehören Sie?
Behörden
Parteien
öffentliche Bibliotheken
Museen
Hochschulen
Verbänden
Schulen
Vereine
Institute
Privatpersonen
Betriebe
Ingenieurbüros
Sonstige
4
Wie nutzen Sie die Veröffentlichungen des LfUG?
im Beruf
in der Ausbildung
privat
5
Sind Sie mit dem Informationsgehalt zufrieden?*
123456
6
Wie beurteilen Sie das Layout und die optische
Darstellung der Veröffentlichung?*
123456
7
Ist der fachliche Inhalt aussagefähig dargestellt?*
123456
8
Wie ist Ihr Gesamteindruck?*
1 2345 6
9
Welche Themenbereiche sind in der Veröffentlichung
zu kurz gekommen?
10
Ihre Meinung, Verbesserungsvorschläge, Kritik oder Lob!
11
Möchten Sie über vergleichbare Veröffentlichungen
des LfUG informiert werden?
ja
nein
Falls ja, werden Sie automatisch in den Verteiler der Materialienreihe
aufgenommen. Dazu bitte Ihren Namen und Adresse unten angeben.
Die Angaben werden vertraulich behandelt.
Wir bedanken uns für die Beantwortung der Fragen und
werden Ihre Ideen und Anregungen berücksichigen.
*Erläuterungen:
1 = sehr gut
2 = gut
3 = befriedigend
4 = ausreichend
5 = mangelhaft
6 = ungenügend
Adressangaben:
Name:
Vorname:
Straße, Nummer:
Postleitzahl, Wohnort:
Telefon:
Telefax:
E-Mail:

 
Impressum
Materialien zur Geologie
Erdbebenbeobachtung im Freistaat Sachsen
Zweijahresbericht 2000–2001
Titelbild:
Hintergrundbild: Bundesländer Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt mit
den seismischen Ereignissen in Sachsen und angrenzenden Gebieten im Zeit-
raum 2000/2001 mit Magnituden 1 und größer
Zusatzkarte: Registrierungen des Ereignisses vom 16.09.2001 durch Erdbe-
benstationen des im Aufbau befindlichen westsächsischen Permanentnetzes
Karte: S. WENDT, Universität Leipzig
Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Öffentlichkeitsarbeit
Zur Wetterwarte 11, D-01109 Dresden
E-Mail: Abteilung2@lfug.smul.sachsen.de
Autoren:
Kapitel 1: O. Krentz, B. Witthauer
1)
Kapitel 2: R. Mittag
2)
B. Tittel, P. Buchholz, S. Wendt
3)
Kapitel 3: B. Forkmann, A. Docekal, F. Donner
2)
Kapitel 4: J. Wendt
4)
Kapitel 5: M. Korn, S. Funke, B. Tittel, S. Wendt
3)
R. Heinrich, D. Kracke
5)
Kapitel 6: O. Krentz, Ch. Starke, P. Dommaschk
1)
M. Korn
3)
Unter Mitarbeit von: C. Block
1)
Redaktion: B. Witthauer, O. Krentz
1)
1)
Landesamt für Umwelt und Geologie, Amtsteil Freiberg
2)
TU BA Freiberg
3)
Universität Leipzig
4)
TU Dresden
5)
Universität Jena
Redaktionsschluss: September 2002
Gestaltung, Satz und Repro:
c-macs publishingservice
Tannenstraße 2, 01099 Dresden
Druck und Versand:
Sächsische Druck- und Verlagshaus AG
Tharandterstraße 23–27, 01159 Dresden
Fax: 0351/4203186 (Versand), E-Mail: versand@sdv.de
Bezugsbedingungen:
Diese Veröffentlichung kann kostenfrei von der Sächsischen Druck- und
Verlagshaus AG bezogen werden.
Hinweis:
Diese Veröffentlichung wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Sächsi-
schen Landesamtes für Umwelt und Geologie (LfUG) herausgegeben. Sie darf
weder von Parteien noch von Wahlhelfern im Wahlkampf zum Zwecke der
Wahlwerbung verwendet werden. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevor-
stehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden,
die als Parteinahme des Landesamtes zugunsten einzelner Gruppen verstanden
werden kann. Den Parteien ist es gestattet, die Druckschrift zur Unterrichtung
ihrer Mitglieder zu verwenden.
Copyright:
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die
des Nachdrucks von Auszügen und der fotomechanischen Wiedergabe, sind
dem Herausgeber vorbehalten.
Gedruckt auf 100 % Recyclingpapier
November 2002
Das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie ist im Internet
(www.umwelt.sachsen.de/lfug).
Magdeburg
Erfurt
Dresden
Werda
Adorf
Markneukirchen
Bad Elster
Klingenthal
Kraslice
Bad Brambach
WERD
TANN
GUNZ
WERN
ROHR