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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Heimatfreunde und MitstreiterInnen,
ich darf Ihnen noch ein zuversichtliches friedvolles Jahr 2021 wünschen, welches es gut mit Ihnen,
mit uns allen meint. Wir haben sicher schon lange nicht mehr gemerkt, wie wichtig die oftmals als
Floskel empfundene Aussage „Alles Gute, Gesundheit und viel Glück“ doch ist. Mit Gesundheit meine
ich die körperliche wie auch die seelische, hierzu gehören die Lieben daheim und das selbständige
Bestreiten eines ordentlichen Lebensunterhaltes. Das alles wünsche ich Ihnen von Herzen.
Im Moment, und es ist nicht absehbar, wann die Kette der Momente zu Ende ist, können wir unsere
Aktivitäten nicht wie bisher durchführen. Trotzdem sind unsere Themen gesellschaftlich relevant und
hat unsere Position auch Gewicht. Ich möchte Sie im Folgenden über Aktuelles informieren und
gleichzeitig Ihnen Mut zur Fortführung unserer (meist ehrenamtlichen) Tätigkeit machen – sonst fehlt
eine Stimme im Herzen der Gesellschaft, sonst verlischt Erfahrungsschatz einer unser Land
prägenden Generation.
Wir gedachten, Ungarn tat dies offiziell am 19. Januar, des 75. Jahrestages der Vertreibung der
Ungarndeutschen. Am 27. Januar gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus; wir sind immer
wieder ratlos, zu welchen Untaten Menschen fähig sein können. Uns berühren die Opfer noch heute
– und wir stehen damit aufgrund unserer Geschichte in einer besonderen Verantwortung. Ebenso

sehen wir das Schicksal der Vertriebenen und Heimatlosen und Entrechteten insgesamt, die dem 2.
Weltkrieg mit Nichts weiter als mit ihrem Leben entkommen konnten. Auch deshalb sollten wir bei
allem, was uns bewegt und wichtig erscheint, nie vergessen, in welch einer glücklichen Zeit wir leben
dürfen.
Trotz Pandemie, trotz Kontaktbeschränkungen, trotz dem derzeitigen Erliegen des Vereinslebens
(Ehrenamt trägt unsere Gesellschaft; sich engagieren bedeutet, eine Heimat zu haben, sie zu lieben
und sie für alle gestalten zu wollen) geht auch unsere Arbeit weiter. Redakteure von Arte
produzieren eine Serie (In etwa: wie klingt Heimat) und ich habe dazu verschiedene Kontakte der
Heimatvertriebenen und der Deutschen aus Russland zusammengestellt, ebenso unsere Broschüren
mit den Biographien als auch das Liederbuch versandt. Wundern Sie sich also nicht, wenn sich ein
Marc Oliver Rühle meldet und mit Ihnen ins Gespräch kommt.
Ende Dezember erschien unser Buch „Lieder der Deutschen aus dem östlichen Europa“. Es wird
bundesweit wie auch in Österreich, der Schweiz und Polen nachgefragt. In Zukunft wird dieses die
Grundlage für unsere Chöretreffen usw. sein, keine Kopien mehr. Scheuen Sie sich also nicht, es sich
zuzulegen (Bestellungen bei der Landesschatzmeisterin Frau Florian oder bei mir).
Für dieses Jahr haben wir das nächste übergreifende Projekt schon im Auge: „Sprache der Heimat“
(Arbeitstitel). Nach den Liedern sollen nun die Mundarten aufgehoben und in ihrer regionalen
Differenziertheit vorgestellt werden. Wer
Texte
hat, den bitte ich um eine rasche Einreichung; bitte
bis zum 31. März 2021.
Redaktionsschluss der nächsten Mitgliederzeitung ist der 15. März 2021.
Bitte reichen Sie Ihre
Beiträge an Frau Florian, Herrn Dr. Dannenberg und mich ein. Redaktionsbeirat ist der Vorstand des
Landesverbandes, der die Ausgewogenheit der Zeitung besorgt.
Auch dieses Jahr werden wieder der ZukunftErbe-Preis wie auch erneut der
Riesengebirgsliteraturpreis verliehen. Einreichungen
mit Begründung sind bis zum 30. Juni 2021
herzlich willkommen.
Die nächste
Stiftungsratssitzung
der Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration – Stiftung der
Vertriebenen im Freistaat Sachsen“ findet
am 23. Februar 2021
statt. Wichtige Anliegen können Sie
gern mitteilen.
Großen Zuspruch fand die Broschüre „Heimatwechsel. Sachsen und Russland. Deutsche aus Russland
in Sachsen“, die ich als Mitglied im
Landesmigrationsbeirat am 11. Februar
(Videochat) dort
vorstellen und unsere Anliegen zur Sprache bringen werde. Ich würde dieses Format gern fortsetzen
– wenn genügend Lebensberichte (die bis ins Heute reichen müssen, es geht also nicht nur um
Vertreibung) vorliegen. Wenn Sie mögen – schreiben Sie Ihre Geschichte als Sudetendeutscher, als
Schlesierin, als Ostpreußin oder als Schwabe gern auf, Bildmaterial nicht vergessen. Auch hier
werden Ihre
Zuarbeiten bis zum 31. Mai 2021
benötigt, wer etwas liefern möchte, den bitte ich
vorab um Mitteilung bis Mitte Februar.
Der Haushalt des Freistaates Sachsen wird voraussichtlich erst im Mai durch den Sächsischen Landtag
verabschiedet. Bis dahin existiert nur eine vorläufige Haushaltsführung. Es konnte aber erreicht
werden, dass unsere beiden Personalstellen sowie die Miete für das Haus der Heimat als auch der
drei Begegnungsstätten in Chemnitz, Dresden und Leipzig gesichert sind. Ebenso können Sie Ihre
monatliche Grundpauschale bis einschließlich Juni bei Frau Florian abrufen.
Bitte vergessen Sie auch nicht, Ihre Projektanträge bis Ende April 2021 einzureichen
– bewilligen
kann ich diese ab Mai dann zügig. Sobald die Rechtslage es erlaubt und Sie bis Mai Veranstaltungen
wieder durchführen dürfen, können Sie nichtverbrauchte Gelder aus 2020, wie schon besprochen,

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bei mir umbewilligen lassen. Eine Jahresauftaktveranstaltung dürfte damit für jeden gesichert sein
sobald es geht.

Für unsere außerschulische Bildungs- und Begegnungsstätte Transferraum Heimat in Knappenrode
liegt nun die denkmalschutzrechtliche Genehmigung vor; Foto anbei. Nunmehr gehen die
Ausschreibungen raus, nach Eingang der Angebote wird ausgewählt und dann gebaut. Parallel wird
die Innenausstattung, also die eigentliche Ausstellung, vorangetrieben.
Ganz wichtig ist mir dieses Jahr das
Gedenken an 80 Jahre Auflösung der Wolgarepublik,
gegründet
unter dem ersten Volkskommissar für Nationalitätenfragen Josef Stalin. Ich werde anläßlich dieses
Ereignisses nochmals auf meine Kollegen in Bund und Ländern zugehen – es wäre zu schön, hier die
Rentendiskussion zur Fremdrente für die Deutschen aus Russland zu lösen. Unabhängig davon
möchte ich
gern alsbald mit der Landsmannschaft und dem Landesverband konkrete Initiativen für
den August besprechen.
Neuigkeiten oder auch Erinnerungen finden Sie immer auf meiner
Seite innerhalb des
Internetauftrittes des Sächsischen Staatsministeriums des Innern
(dort Schnelleinstieg, dort
Beauftragter). Es kann nicht schaden, wenn Sie diese Seite regelmäßig nachschlagen …
Was mir noch am Herzen liegt: Im Heim meiner geistig schwerbehinderten Tochter hängt obige
kleine Ausstellung, hier ein bisschen als Collage zusammengefasst, die zeigt, wie sich die Kinder dort
Gedanken um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens machen. Liebe und Freundschaft sind
essenzielle Bestandteile unseres Lebens. Gedenktage zeigen oft, zu welch unfassbaren Schrecken sich
der Mensch aufschwingen kann. Neben dem Gedenken, der Erinnerung und dem tätigen Stillen von
Wunden können wir auch etwas für unsere Zukunft tun, indem wir in unser Handeln (dazu gehört
auch das Schreiben in Facebook und Twitter wie auch das direkte Miteinander) das Wohlwollen
gegenüber dem anderen legen, nicht dessen Verletzung. Bei vielen, was man so liest, merkt man,
dass die Anonymität auch das Schreiben bestimmt - wir beleidigen immer mehr, alles ist plötzlich
absolut und ein Dazwischen, eine wohlwollende Auslegung des von dem anderen Gesagten gibt es
immer seltener - im Gespräch miteinander haben wir als Chance zum Wohlwollen auch Gestik,
Mimik, Ort, Zeit, ja den Menschen direkt vor uns. Herz, Freundschaft, Liebe (in einem umfassenden
Sinne) statt Rechthaberei ... denn die verletzten Seelen sind die Einfallstore des Bösen.
Deshalb:
immer mit Wohlwollen.
Herzliche Grüße
Ihr
Dr. Jens Baumann
Beauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen
Jens.baumann@smi.sachsen.de