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Newsletter Wolf Oktober/ 12
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Wölfe in der Lausitz (Stand Oktober 2012)
Aktuell leben zwölf Wolfsfamilien oder -paare in der Lausitz (siehe Abb.1); sieben davon
in Sachsen (Daubitz, Nochten, Milkel, Niesky, Dauban, Seenland und Königsbrücker
Heide). Vier Territorien (Welzow, Zschorno, Lieberose und Seese) befinden sich im
brandenburgischen Teil der Lausitz. Das Spremberger Rudel hat sein Territorium sowohl
auf brandenburgischem als auch auf sächsischem Gebiet.
Zusätzlich gibt es seit kurzem den Nachweis von einem Wolf im Hohwald (Landkreise
Sächsische Schweiz - Osterzgebirge und Bautzen) (siehe Seite 3).
Mittlerweile ist bekannt, dass sich das Revier des Nieskyer Rudels bis in die Königshainer
Berge südlich der Autobahn A4 erstreckt. Dies haben genetische Untersuchungen von
eingesammelten Kot - und Haarproben am Senckenberg Institut für Wildtiergenetik in
Gelnhausen gezeigt.
Abb.1: Verbreitung der Wölfe in Sachsen und Südbrandenburg (Stand Oktober 2012).
In den Sommer- und Herbstmonaten liegt der Schwerpunkt des Wolfsmonitorings darauf,
den Reproduktionsstatus in den bekannten Wolfsterritorien abzuklären. Es wird dabei
versucht, die Bestätigung des Wolfsnachwuchses in Form von dokumentierten Spuren,
Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz
Am Erlichthof 15 . 02956 Rietschen
Tel.: 035772 46762 . Fax: - 46771
E-Mail:
kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de
Internet:
www.wolfsregion-lausitz.de
Aktuelles

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Fotos oder Filmaufnahmen für jedes bekannte Wolfspaar oder Rudel zu erbringen. Diese
Monitoringarbeiten laufen noch bis in den Winter hinein. In Sachsen erfolgt das
Wolfsmonitoring entsprechend des Managementplans für den Wolf. Bislang konnten in
diesem Jahr in neun Lausitzer Wolfsrudeln Welpen nachgewiesen werden (Tabelle 1).
In drei Wolfsterritorien gibt es noch keine Hinweise auf Welpen, weshalb diese im Moment
als Paar statt Rudel eingestuft werden.
Tabelle 1. Anzahl der nachgewiesenen Welpen in den Lausitzer Territorien 2012
(Mindestangaben).
Territorium
Anzahl Welpen 2012
(Mindestangabe)
Territorium
Anzahl Welpen 2012
(Mindestangabe)
Nochten
2
Daubitz
1
Dauban
6
Spremberg
5
Seenland
noch nicht bekannt
Welzow
5
Niesky
4
Seese
5
Königsbrück
3
Zschorno
noch nicht bekannt
Milkel
4
Lieberose
noch nicht bekannt
In einigen Wolfsrudeln in der Lausitz gab es in diesem Jahr Veränderungen: Im
Daubaner- und Milkeler Rudel ist jeweils ein Elterntier im Frühjahr umgekommen.
Mittlerweile wurde jedoch im Daubaner Rudel eine neue Fähe und im Milkeler Rudel ein
neuer Rüde nachgewiesen. Beide Rudel ziehen auch dieses Jahr wieder Welpen auf.
Im Daubitzer- und Seenland Rudel haben die Territoriumsinhaber gewechselt. Das
bekannte Elternpaar in Daubitz konnte seit letztem Jahr nicht mehr in ihrem Revier
nachgewiesen werden. Der alte Rüde des Daubitzer Rudels war bereits im Winter 2010 /
2011, vermutlich nach dem Verlust seiner Partnerin, in das Milkeler Rudel gewechselt und
hatte dort die Position von MT4 („Rolf“) übernommen. Nachdem er noch ein Jahr im
Milkeler Rudel lebte, wurde er im Februar diesen Jahres in einer sehr schlechten
körperlichen Verfassung aufgefunden und musste eingeschläfert werden (siehe
Newsletter Mai/2012). Das neue Daubitzer Paar zieht in diesem Jahr mindestens einen
Welpen auf.
Das Seenland-Rudel wurde 2009 von der alten Neustädter Fähe (FT1 / „Sunny“) und
einem Rüden gegründet, nachdem der alte Neustädter Rüde verschwunden war. Das
Milkeler Rudel übernahm 2009 das ehemalige Neustädter Revier.
FT1 zog noch drei weitere Jahre im Seenlandrudel Welpen auf. Seit Herbst letzten Jahres
gibt es keine Hinweise mehr auf die alte Fähe. Inzwischen hat eine Tochter von ihr (FT4 /
„Mona“), die 2010 im Rahmen eines Projektes des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)
(Pilotstudie zur Abwanderung und Ausbreitung von Wölfen in Deutschland) besendert
worden war, das Seenland-Territorium übernommen. Sie lebt mit einem Rüden
zusammen, dessen Identität noch unklar ist. Bisher gab es in diesem Jahr keine Hinweise
auf Welpen aus dem Seenlandgebiet.
Auch im Nochtener Rudel hat es einen Wechsel gegeben. Dieses Rudel wurde 2005 von
FT3 („Einauge“) gegründet, die mittlerweile mindestens elf Jahre alt ist. 2012 zieht eine
Tochter von ihr, FT2 („Lisa“), zusammen mit einem neuen Rüden Welpen im Nochtener
Territorium auf. Auch diese Wölfin war im Rahmen der BfN-Studie besendert worden.
Anders als in den oben beschriebenen Fällen leben aber noch beide Elterntiere von FT2.
Die Biologinnen des Wildbiologischen Büro LUPUS untersuchen derzeit, wie sich das alte
und das neue Nochtener Paar miteinander arrangieren. Derzeit scheint es, als ob es
zwischen ihnen zu einer Aufteilung des Territoriums kommt. Bisher gibt es keine
Hinweise, dass die alte FT3 („Einauge“) dieses Jahr Welpen aufzieht.

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Seit März 2012 gibt es im Gebiet um den Hohwald (Landkreis Sächsische Schweiz -
Osterzgebirge und Bautzen) Hinweise auf die Anwesenheit eines Wolfes. Mitte Oktober
konnte diese Vermutung durch Bilder aus einer Fotofalle (automatisch auslösende
Kamera) bestätigt werden (Abb. 2).
Das Monitoring in den nächsten Monaten wird zeigen, ob das Tier dort dauerhaft ein
Territorium etabliert und ob es bereits einen Partner hat. Auch die Identität (die Herkunft)
des „Hohwaldwolfes“ soll über genetische Analysen geklärt werden.
Wolfshinweise, z.B. Sichtungen, Riss- und Kotfunde, können an das Landratsamt Ihres
Landkreises, das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz (Tel. 035772 46762) oder das
Wildbiologische Büro LUPUS (Tel. 035727 57762) gemeldet werden.
Abb. 2: Erster Foto-Nachweis eines Wolfes im sächsischen Hohwald.
Besenderte Wölfe
Zurzeit sind in Sachsen zwei Wölfe mit einem GPS-GSM Halsbandsender ausgestattet.
Sie sollen Daten zur Raumnutzung sowie zum Abwanderungs- und Ausbreitungsverhalten
liefern.
Ein männlicher Welpe des Nochtener Rudels, welcher im Dezember 2011 von einem Auto
angefahren und verletzt wurde, war nach 5-wöchiger Quarantäne im Naturschutz-Tierpark
Görlitz e.V., mit einem Halsbandsender ausgestattet wieder in die freie Natur entlassen
worden. Das Tier erhielt die Bezeichnung MT5 (vorher FT7, weil zunächst von einem
weiblichen Welpen ausgegangen wurde). Der Jungwolf hält sich nach wie vor in seinem
elterlichen Territorium auf. Ende September unternahm er einen mehrtägigen Ausflug in
den Norden des benachbarten Milkeler Territoriums, kehrte dann wieder nach Hause
zurück. MT5 ist auf Fotofallenbildern häufig zusammen mit seinen Eltern, dem alten
Nochtener Paar, zu sehen. Seine Geschwister („Einauge“ zog 2011 vier Welpen auf)
scheinen inzwischen abgewandert zu sein.
© Staatsbetrieb Sachsenforst / A. Klingenberger

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Die am 02.05.2012 im Rahmen des Projektes „Wanderwolf“ besenderte Jungwölfin
„Marie“ (FT7) aus dem Milkeler Rudel hält sich weiterhin in ihrem elterlichen Territorium
auf.
Das Streifgebiet von FT7 reicht von südlich von Königswartha bis Neustadt / Spreetal im
Norden und liegt zum Großteil innerhalb des aus den Telemetriedaten des
vorangegangenen BfN-Projektes „Pilotstudie zur Abwanderung und zur Ausbreitung von
Wölfen in Deutschland" bekannten Milkeler Territoriums.
Ende September hat „Marie“ einen kurzen Ausflug in das benachbarte Daubaner
Territorium unternommen, ist jedoch sofort zurückgekehrt.
Die Besenderung erfolgte im Rahmen eines gemeinsamen Projektes des Sächsischen
Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) mit der Projektgruppe „Wanderwolf“,
die aus der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. (GzSdW), dem Internationalen
Tierschutz-Fonds gGmbH (IFAW), dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und
dem World Wide Fund For Nature Deutschland (WWF) besteht.
Mehr Informationen zu den besenderten Wölfen und dem Projekt „Wanderwolf“ erhalten
Sie auch auf
www.wolfsregion-lausitz.de.
Aktuelle Wolfsnachweise außerhalb des Lausitzer Wolfsgebietes
Außerhalb der Lausitz sind in Deutschland aktuell fünf Wolfsrudel, sowie sechs Gebiete
mit territorialen Wolfspaaren bzw. Einzeltieren nachgewiesen:
In Brandenburg leben außerhalb der Lausitz drei weitere Rudel (Brück/Lehnin, Jüterbog
und Sperenberg). Im Bereich Sperenberg südlich von Berlin war seit 2011 ein Wolfspaar
bestätigt. In diesem Jahr konnte dort erstmals Nachwuchs nachgewiesen werden. Auch
im Lehniner Rudel konnten 2012 wieder Welpen bestätigt werden, in Jüterbog steht der
Nachweis von Welpen noch aus.
Ein weiterer territorialer Wolf lebt seit 2010 in der Kyritz-Ruppiner Heide, dem
Grenzbereich zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
In Mecklenburg-Vorpommern sind zwei sesshafte Einzeltiere nachgewiesen: in der
Ueckermünder Heide (seit 2007) und in der Lübtheener Heide (seit 2006).
Definitionen und Abkürzungen:
BfN: Bundesamt für Naturschutz
FT / MT: Die mit einem Halsbandsender versehenden Wölfe bekommen eine fortlaufende Nummer, die bei
den Weibchen mit FT (f = female, t = telemetry) und bei den Männchen mit MT (m = male, t = telemetry)
beginnt.
MCP100: die durch die Verbindung der äußeren Lokationen (per Satellitenpeilung festgestellten
Aufenthaltsorte des besenderten Tieres) entstandene Fläche.
Streifgebiet: Gebiet, das von noch nicht territorialen Wölfen genutzt wird. Dieses deckt sich vor der
Abwanderung zum Großteil mit dem Territorium (s.u.) der Elterntiere. Einige Jungwölfe unternehmen vor
ihrer eigentlichen Abwanderung vom Territorium ihrer Eltern aus Ausflüge in Nachbarterritorien. Ihr
Streifgebiet ist dann größer als ihr Elternterritorium.
Territorium: Ein Territorium ist per Definition ein verteidigtes Gebiet. Bei erwachsenen Wölfen entspricht
das Territorium ihrem Streifgebiet (s.o.), das sie gegen fremde Wölfe verteidigen. Territoriale Wölfe
überschreiten die Grenzen ihres Territoriums nur selten. In Mitteleuropa sind Reviergrößen von 150-350
km
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Größe bekannt.

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Ein Rudel (Altengrabow) hat sein Revier im Grenzgebiet von Sachsen-Anhalt und
Brandenburg. Dieses Rudel ist bereits seit 2009 nachgewiesen und zieht seitdem Welpen
auf. Bisher konnten im Sommer 2012 sechs Welpen durch Fotofallenaufnahmen
nachgewiesen werden.
In der Annaburger Heide, im Dreiländereck Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen,
gibt es seit Herbst 2010 immer wieder bestätigte Hinweise auf einen Wolf. Im September
2012 entstandene Fotofallenaufnahmen legen die Vermutung nahe, dass sich in dem
Gebiet zwei Wölfe aufhalten. Die endgültige Bestätigung steht noch aus.
In Niedersachsen gibt es aktuell den Nachweis von einem Wolfsrudel auf dem
Truppenübungsplatz Munster-Nord südlich von Hamburg. Im Juli 2012 konnte auch der
Nachwuchs dieses Wolfspaares fotografiert werden. Genetische Analysen haben nun
ergeben, dass beide Elterntiere aus sächsischen Wolfsrudeln stammen. Die Fähe wurde
im Nochtener Rudel, der Rüde im Seenland Rudel geboren.
Auf dem Truppenübungsplatz Bergen, ca. 30 km südwestlich des Truppenübungsplatzes
Munster-Nord ist aktuell ein Wolfspaar nachgewiesen. Seit Sommer 2012 war dort ein
Wolfsrüde, der ursprünglich aus dem Altengrabower Rudel in Sachsen-Anhalt stammt,
bestätigt. Außerdem gab es Hinweise auf die Anwesenheit eines zweiten Wolfes. Im
September 2012 gab es die Bestätigung: von einer Fotofalle wurden zwei Wölfe
zusammen fotografiert (Abb. 3).
Abb. 3: Der erste Nachweis von zwei Wölfen auf dem Truppenübungsplatz Bergen
(Niedersachsen) (© Bundesanstalt für Immobilienaufgaben / Tilk).

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Einzelnachweise:
In Schleswig-Holstein konnte Ende Juli im Landkreis Segeberg ein Wolf anhand einer
Kotprobe, die genetisch untersucht wurde, bestätigt werden. Die genetische Analyse
ergab, dass es sich um einen männlichen Wolf aus der Deutsch-Westpolnischen
Population handelt. Seitdem gab es mehrere Fotofallenaufnahmen von dem Tier, der
letzte Nachweis stammt aus dem September. Noch ist unklar, ob das Tier dort dauerhaft
ein Revier etabliert oder weiter ziehen wird.
Im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen) wurde anhand eines im April 2012 gefundenen
Haares ein Wolf genetisch bestätigt. Es handelte sich um eine Fähe, die aus dem
Altengrabower Rudel (Sachsen-Anhalt / Brandenburg) stammt. Seither gibt es keine
weiteren Nachweise oder bestätigten Hinweise aus diesem Gebiet.
Mehr Informationen zu bestätigten Wolfsvorkommen in Deutschland auf unserer
Internetseite
(www.wolfsregion-lausitz.de).
Quellen:
Sachsen: LUPUS; Brandenburg: LUGV / LUPUS; Niedersachsen: NLWKN; Mecklenburg-
Vorpommern: LUNG; Sachsen-Anhalt: LAU / LUPUS; Schleswig-Holstein: MLUR.
Das Wolfsjahr in Fakten
Das Wolfsjahr im biologischen Sinne fängt Anfang Mai mit der Geburt der Welpen an und
endet im April des darauffolgenden Jahres, wenn die Welpen ein Jahr alt sind, nun
„Jährlinge“ genannt werden und der nächste Wurf zur Welt kommt.
Wölfe bekommen nur einmal im Jahr Junge. Die eigentliche Paarungszeit (Ranz) findet
Ende Februar/Anfang März statt. Die Vorranz kann bei Wölfen mehrere Wochen dauern
und bereits im Januar beginnen. Die Tragzeit beläuft sich auf 61 - 64 Tage, sodass die
Welpen Ende April/Anfang Mai geboren werden. Durchschnittlich werden 4 - 6 Welpen
(bis 11 Junge möglich) geboren.
Die Wölfin sucht sich einen Wurfort aus und gräbt eine Höhle, wo die Welpen als
sogenannte „Nesthocker“ geboren werden. Zur Geburt sind die Welpen dunkel gefärbt,
blind und taub. Ihr Riech- und Tastsinn ist jedoch sehr gut ausgebildet. In den ersten
Wochen hält sich die Fähe hauptsächlich in der Wurfhöhle auf und wird in dieser Zeit vom
Rüden mit Nahrung versorgt.
Mit drei Wochen verlassen die Jungen zum ersten Mal den Bau, bis zur 8. Woche bleiben
sie noch in der Nähe der Höhle. Allerdings können die Wolfseltern bereits in den ersten
acht Wochen mehrfach mit ihren Welpen umziehen. Wenn die Welpen mobiler werden,
halten sie sich an so genannten Rendezvousplätzen auf, wo sie auf die Eltern und älteren
Geschwister warten, die ihnen Futter dorthin bringen. Bei Wölfen kümmern sich beide
Elterntiere um die Aufzucht der Jungen und teilweise helfen auch ältere Geschwister mit.
Die Welpen unternehmen von dort aus in den nächsten 12 Wochen immer weitere
Ausflüge in die Umgebung des Rendezvousplatzes. Ab dem Alter von 20 Wochen
wandern sie schließlich mit den Elterntieren mit und lernen unter anderem das Jagen. Im
Herbst und Winter werden die Welpen immer selbstständiger. Die meisten Wölfe wandern
in ihrem zweiten Lebensjahr aus ihrem Elternterritorium ab, um eine eigene Familie zu
Thema

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gründen. Vereinzelt kann es vorkommen, dass ein Wolf auch noch länger bei den Eltern
bleibt. Freilebende Wölfe reproduzieren in der Regel frühestens im Alter von zwei Jahren.
Man unterscheidet vier unterschiedliche Stadien in der Entwicklung der Welpen:
1. Neonatalphase: Geburt bis 2 Wochen alt
Die Welpen haben ihre Augen und Ohren geschlossen und haben eine schlechte
Thermoregulierung. Sie kriechen umher, lecken und saugen bis zur 8. Lebenswoche
Muttermilch.
2. Übergangsphase: bis 20 Tage alt
In diesem Zeitraum öffnen sie ihre Augen, können sich bereits auf ihren Beinen halten,
beginnen zu kauen und ihre Zähne kommen durch. Das Öffnen der Ohren kennzeichnet
das Ende dieser Phase.
3. Sozialisierungsphase: bis zum 77. Lebenstag
Sie verlassen den Bau und kommen in Kontakt mit den anderen Rudelmitgliedern. So
kommt es zur Bindung zwischen diesen. Ab der 3. Lebenswoche nehmen sie feste
Nahrung zu sich, welche von den erwachsenen Wölfen hervorgewürgt wird. Sie nehmen
etwa 50 – 230 g/Tag zu.
4. Jugendabschnitt: bis zur Geschlechtsreife (22. Monat)
In diesem Abschnitt erreichen sie den Höhepunkt ihrer Bewegungsfähigkeit. Die
Möglichkeit eine starke Bindung mit anderen einzugehen ist vermindert. Mit 10 Monaten
ist ihr Skelettwachstum beendet und sie sind so groß wie ihre Eltern. Die meisten
Jungtiere verlassen ihr Elternterritorium im Alter von 1 bis 2 Jahren.
Sozialisierung
Wölfe gelten als scheue, vorsichtige Tiere. Sie meiden den Kontakt zum Menschen.
Wissenschaftliche Studien zeigten, dass dies wesentlich damit zusammenhängt, dass die
sensible Phase zur Prägung und Sozialisierung bei den Wolfswelpen in den ersten Tagen
ihrer Entwicklung liegt. Dies erklärt auch deren Verhalten Neuem gegenüber. Versuche,
Wölfe an den Menschen zu gewöhnen, erwiesen sich als schwierig. Die Tiere behielten
eine gewisse Scheu dem Menschen gegenüber. Ab dem 21. Tag zeigen Wolfswelpen
Fluchtverhalten Neuem gegenüber, wodurch eine Sozialisierung sehr erschwert bis
unmöglich wird. Dies zeigte auch der erste Versuch von Erich Klinghammer von Wolf Park
in Indiana, USA, Wolfswelpen an den Menschen zu gewöhnen. Er hielt sich von Geburt
an täglich etwa 1 Stunde bei den Welpen auf, da er eine gute Beziehung zum Muttertier
hatte. Die Welpen kannten seinen Geruch und näherten sich ihm auch an. Sie waren aber
24 Stunden am Tag mit den anderen Wölfen zusammen, sodass sie nie volles Vertrauen
zu Erich Klinghammer aufgebaut hatten. Dieser Versuch zeigte, dass eine enge Bindung
des Wolfes an den Menschen notwendig ist, wenn man mit Wölfen wissenschaftlich
arbeiten möchte. Dafür ist es wichtig, die Tiere bereits im Alter von 8-10 Tagen an den
Menschen zu nehmen und durch intensive, zeitaufwendige Handaufzucht den Wolf an
den Menschen zu sozialisieren, sodass das Tier eine vertrauensvolle Beziehung
aufbauen kann. Die Tiere haben zu dieser Zeit noch die Augen geschlossen und zeigen
noch kein Fluchtverhalten.
Allerdings kann man die Bindung von Wölfen an den Menschen nicht mit der Beziehung
zwischen Hunden und Menschen vergleichen. Wölfe lassen sich nicht wie Hunde
erziehen und werden mit zunehmendem Alter, insbesondere ab dem Erreichen der
Geschlechtsreife, schwerer kontrollierbar, weshalb sich Wölfe nicht als Haustiere eignen.
Hunde, die domestizierten Nachfahren der Wölfe, wurden von uns Menschen in
Tausenden von Jahren durch intensive Auslese nach unseren Bedürfnissen und
Ansprüchen geschaffen. Sie bauen eine intensive, entspannte Bindung zum Menschen
auf. Dies ist selbst im Alter von 14 Wochen noch möglich. Wenn man einen Hundewelpen

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im Alter von 34 Tagen das erste Mal in menschliche Hände gibt und sich dann einen Tag
lang intensiv mit ihm beschäftigt, baut er eine Bindung auf, die sich von einem Hund der
von den ersten Tagen an mit Menschen in Kontakt ist nicht mehr unterscheiden lässt.
Auch die Haltung von Wölfen ist kritisch zu sehen. Wölfe können kaum "artgerecht
gehalten" werden, da man dem hohen Raumbedarf der Tiere meist nicht gerecht werden
kann und die Tiere in ihrem arttypischen Sozialverhalten eingeschränkt sind. Werden sie
trotzdem in Gefangenschaft gehalten, so bedarf es eines triftigen Grundes, wie Forschung
und/oder Bildung bzw. Arterhaltung, wie sie wissenschaftliche Einrichtungen betreiben.
Freilebende Wölfe wachsen in den ersten Wochen ihres Lebens in der Höhle zusammen
mit der Mutter auf und sind zunächst vor allem auf die Wolfsmutter geprägt wenn sie die
Höhle das erste Mal verlassen. Erst später findet eine intensive Bindung mit den anderen
Rudelmitgliedern (Vatertier und Geschwister der Vorjahre) statt. In dieser sensiblen Zeit
begegnen die Jungwölfe einem Menschen äußerst selten und wenn, dann sind diese
Begegnungen nicht von solcher Intensität, die ein Vertrauen zu dem Menschen entstehen
lässt. Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass Wölfe auch im Erwachsenenalter dem
Menschen aus dem Weg gehen.
Quellen
Freedman D. G., J. A, King, O. Elliot, 1961. Critical Period in the Social Development of
Dogs. Science, Vol. 133. Nr. 3457, pp. 1016-1017
Klinghammer E. und Patricia A. Goodmann, 1987. Socialisation and management of
wolves in captivity. In H. Frank (Ed.), Man and wolf: Advances, issues and problems in
captive wolf research (pp. 31-59). Dordrecht: W. Junk Publishers.
Mech D. & L. Boitani, 2003. Wolves: Behavior, Ecology and Conservation. The University
of Chicago Press, Chicago, Illinois, USA
Okarma, H. & D. Langwald, 2002. Der Wolf. Ökologie, Verhalten, Schutz. Parey
Buchverlag, Berlin, Wien.
Reinhardt I. & G. Kluth, 2007. Leben mit Wölfen. BfN-Skript 201.
Zimen E. 1987. Ontogeny of approach and flight behavior towards humans in wolves,
poodles and wolf-poodle hybrids. In H. Frank (Ed.), Man and wolf: Advances, issues and
problems in captive wolf research (pp. 275-292. Dordrecht: W. Junk Publishers.