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Bestimmung von Gebieten, in denen sich erhebliche
betriebswirtschaftliche Werte einer landwirtschaftlichen
Schaf- oder Ziegenhaltung befinden
1 Rechtlicher Rahmen
Die Sächsische Wolfsmanagementverordnung (SächsWolfMVO) enthält folgende Regelung:
§ 6 Entnahme zur Vermeidung erheblicher wirtschaftlicher Schäden
(1) Eine Entnahme ist als Ausnahme nach § 45 Absatz 7 Satz 1 Nummer 1 des
Bundesnaturschutzgesetzes zugelassen, wenn
1. sich im Gebiet des den Schaden verursachenden Wolfes auf Grund der Zahl der dort in
landwirtschaftlichen Betrieben gehaltenen Schafe und Ziegen und den damit
verbundenen notwendigen Betriebsmitteln erhebliche betriebswirtschaftliche Werte einer
landwirtschaftlichen Schaf- oder Ziegenhaltung befinden und
2. ein Wolf zumutbare Schutzmaßnahmen für die Schaf- und Ziegenhaltung nach Nummer
1 Buchstabe a und c der Anlage, die ordnungsgemäß errichtet und funktionstüchtig
betrieben wurden, innerhalb von zwei Wochen zweimal überwunden und Schafe oder
Ziegen
gerissen
oder
verletzt
hat;
dabei
ist
auch
die
Überwindung
von
Schutzmaßnahmen für Schafe und Ziegen nicht landwirtschaftlicher Tierhalter zu
berücksichtigen, bei denen ein ordnungsgemäßer Schutz nach Nummer 1 Buchstabe a
und c der Anlage gewährleistet war.
Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bestimmt die Gebiete nach Satz 1
Nummer 1. Die Voraussetzungen nach Satz 1 Nummer 2 müssen durch Dokumente des
Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie belegt sein.
(4) Können die Schäden keinem bestimmten Wolf zugeordnet werden, darf eine Entnahme
an einem potentiellen Schadensort auch ohne Zuordnung der Schäden zu einem
bestimmten Einzeltier durchgeführt werden, wenn sich die Schadensorte in einem
Rudelterritorium befinden und der Wolf sich der Schaf-, Ziegen- oder Gehegewildhaltung
nähert. Dies gilt nicht für Elterntiere, es sei denn, ein Elterntier verbleibt zur Aufzucht
vorhandener Welpen.
2 Gebietsbestimmung
Um festzustellen, welche Nutztierbestände von „erheblichen wirtschaftlichen Schäden“ im
Sinne des § 45 Abs. 7 Satz 1 Nr. 1 BNatSchG bedroht sind, ist eine typisierte
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung notwendig. Damit die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung als Basis
für eindeutige Vollzugsentscheidungen dienen kann, ist das Ergebnis als Karte umzusetzen.
Folgende Annahmen liegen der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zu Grunde:
Hobbytierhalter sind nicht zu betrachten.
Die Auswertung erfolgt ausschließlich mit Bezug auf Schaf- und Ziegenbestände.
Die Tiere werden i. d. R. in der Nähe des Betriebssitzes gehalten (5 km Radius -
deckt > 85 % des bewirtschafteten Dauergrünlandes ab).
Zur verwaltungstechnischen Umsetzung erfolgt die Bildung von Clustern durch
Überlagerung dieses Radius mit den Gemarkungsgrenzen.

Abteilung: 2 und 6/ Fachstelle Wolf
Telefon: 0800/ 555 0 666
E-Mail: fachstellewolf.lfulg@smul.sachsen.de
www.wolf.sachsen.de
Stand: 01.06.2019
Ein Wolf, der wiederholt zumutbare Schutzeinrichtungen überwindet und Schafe oder
Ziegen reißt, wird dies weiterhin tun (= Lerneffekt eingetreten).
Große Flüsse (z. B. Elbe) und eingezäunte Autobahnen stellen nur bedingt
Ausbreitungsgrenzen für den Wolf dar.
Liegt die Rissstelle innerhalb der Clustergrenze, so gelten schaf- und ziegenhaltende
Betriebe hinsichtlich erheblicher wirtschaftlicher Schäden als bedroht.
Die Größe der Schaf- oder Ziegenbestände korreliert mit der Höhe des betrieblichen
Bilanzvermögens.
Klassifizierung Betriebsgrößen:
a. bis 49 Schafe:
Hobbytierhaltung
b. 50-99 Schafe:
Beginn Nebenerwerb, Kleinbestand
c. ab 100 Schafe:
Beginn Herdenbestand
Sich wiederholende Risse führen in Summe für die im Cluster befindlichen Betriebe
zu wirtschaftlichen Schäden, die zum Ausstieg aus dem Betriebszweig Schafhaltung
führen können.
Der drohende wirtschaftliche Schaden wird für den Cluster unabhängig davon
unterstellt, wie sich die Nutztierzahlen im Cluster auf die einzelnen Betriebe verteilen.
Im Rahmen der Verordnungszulassung erfolgt keine einzelbetriebliche Betrachtung,
sondern nur Cluster-Betrachtung (abstrakter Ansatz)! Einzelbetriebliche
Betrachtungen bleiben im Rahmen der Einzelfallentscheidungen außerhalb der VO
aber möglich.
Daraus abgeleitete kartographische Darstellung:
Um jeden Betriebssitz (Postanschrift gemäß InVeKoS-Eintrag) eines landwirtschaftlichen
Schaf- oder Ziegenhalters mit mindestens 100 Tieren im Bestand wird ein Kreis mit einem
Radius von 5 km gezogen. Überlagernde Kreise werden miteinander fusioniert. Diese Kreise
und Kreisansammlungen bilden nun so genannte Cluster. Diese sind von unterschiedlicher
Größe und beinhalten ebenso unterschiedlich viele Betriebe.
Die Cluster werden mit den Gemarkungsgrenzen überlagert. Alle durch die Cluster
angeschnittenen oder überlagerten Gemarkungen bilden die Gebiete mit erheblichen
betriebswirtschaftlichen Werten im Bereich der Schaf- und Ziegenhaltung.
Es werden alle Betriebe betrachtet, die im Rahmen einer Einzelbefragung der Verwendung
ihrer Daten zugestimmt haben (s. Karte für Gebiete gem. § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1
SächsWolfMVO).
Für Schäden durch nicht individualisierbare Wölfe gem. § 6 Abs. 4 SächsWolfMVO werden
die anhand der Monitoringergebnisse abgegrenzten schematischen Wolfsterritorien des
aktuellsten Statusberichtes mit den Gemarkungsgrenzen überlagert. Es werden alle durch
die Wolfsterritorien angeschnittenen oder überlagerten Gemarkungen berücksichtigt (s.
Grundlagenkarte).
Die beschriebenen Ausgangskulissen der Gebiete mit erheblichen betriebswirtschaftlichen
Werten im Bereich der Schaf- und Ziegenhaltung sowie die von Wolfsterritorien
geschnittenen Gemarkungen werden abschließend überlagert. Für die Gemarkungen im
Überschneidungsbereich kann von § 6 Abs. 4 SächsWolfMVO Gebrauch gemacht werden
(s. Karte für Gebiete gem. § 6 Abs. 4 SächsWolfMVO).