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Artenschutzfachbeitrag zum Vorhaben Anlage einer
Freiflächenphotovoltaikanlage in der Gemeinde Boxberg/O.L. -
„Solarpark Nochten“
Bearbeitung: Sebastian Biele
Stand: 11.06.2021

Artenschutzfachbeitrag
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Zielsetzung
Im vorliegenden Gutachten wird das Vorkommen von Brutvögeln im Bereich der geplanten
Freiflächenphiotovoltaikanlage in der Gemeinde Boxberg (Gemarkung Nochten) und deren
Zuwegung bewertet. Dazu wurden im Zeitraum von April bis Juni 2021 Begehungen des Gebietes
durchgeführt. Die ermittelten planungsrelevanten Arten werden mit ihren Vorkommen näher
beschrieben,
auf
ihre
Betroffenheit
hin
untersucht
und
mögliche
Minimierungs-
und
Ausgleichsmaßnahmen beschrieben. Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen sollen negative
Auswirkungen auf die Avifauna durch das Vorhaben ausgeschlossen werden.
Beschreibung des Untersuchungsgebietes und des Vorhabens
Die NaturStromProjekte GmbH plant in der Gemeinde Boxberg/O.L. (Landkreis Görlitz) östlich der
Ortslage
von
Nochten
und
nordöstlich
der
Gleistrasse
Weißwasser-Rietschen
eine
Freiflächenphotovoltaikanlage. Zu deren Errichtung soll für eine Fläche von ca. 15 ha ein
vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Gemeinde Boxberg/O.L. beabsichtigt mit
der
Aufstellung
des
vorhabenbezogenen
Bebauungsplans
die
bauplanungsrechtlichen
Voraussetzungen zur Ansiedlung einer Freiflächenphotovoltaikanlage zur Stromerzeugung zu
schaffen. Zielstellung ist die Ausweisung als Sondergebiet. Als Zuwegung existieren zurzeit zwei
Varianten. Die erste Variante führt entlang der bestehenden Bahnlinie (Weißwasser – Rietschen) auf
einem bereits existierenden Waldweg. Als zweite Variante ist die Zuwegung über einen bestehenden
Wirtschaftsweg entlang des „Froschteichgrabens“ vorgesehen, welcher ca. 450 Meter parallel der
Variante 1 verläuft. Im Anschluss soll die Zuwegung in Variante 2 über Ackerflächen entlang des
Floßgrabens bis zum Vorhabensgebiet erfolgen.
Das Plangebiet befindet sich in der Gemeinde Boxberg/O.L., Gemarkung Nochten. Es umfasst die
Flurstücke 50/1, 51/2, 51/1, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61/1, 62/1, 63/1, 64/1, 65/1 und 66/1.

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Artenschutzfachbeitrag
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Abb. 1: Überblick Untersuchungsgebiet Gemeinde Boxberg/O.L., Gemarkung Nochten (schwarz –
geplante Freiflächenphotovoltaikanlage, rot – geplanten Zuwegungen (2 Varianten))
Das Plangebiet grenzt im Westen unmittelbar an die bestehende Bahntrasse Rietschen – Weißwasser
an, welche durch Ruderal- und Staudenflur geprägt ist. Im Norden grenzt es an einen Graben vor
einem bestehenden Waldweg an, welcher durch Eichen gesäumt ist. Im Anschluss findet sich ein
Laub-Nadel-Mischwald, mit vorwiegend Birke, Kiefer, Eiche und sonstigen Gehölzen. Nordöstlich des
Plangebietes finden sich landwirtschaftlich geprägte Strukturen sowie ein bestehender Wander- und
Reitweg mit Einzelgehölzen. Siedlungsbereiche grenzen in einem Abstand von ca. 500 Metern an. Der
Südöstliche Bereich des Plangebietes ist durch einen reinen Nadelwaldbestand (Kiefer)
gekennzeichnet.
Stehende Gewässer befinden sich nicht in unmittelbarer Umgebung zum Plangebiet.
Innerhalb des Plangebietes finden sich keine strukturellen Elemente, da es sich um eine
ausschließlich (intensiv) landwirtschaftlich genutzte Fläche handelt.
Naturräumlich gehört das Untersuchungsgebiet zur Muskauer Heide in der Naturregion Sächsisch-
Niederlausitzer Heideland.
Eine Teilfläche des SPA-Gebietes „Muskauer und Neustädter Heide“ (EU-Nr. 4552-452) liegt ca. 800
Meter südlich des Plangebietes. Das Europäische Vogelschutzgebiet besteht aus drei Teilgebieten
und hat eine Größe von ca. 14.055 ha. Das erste Teilgebiet liegt zwischen der Ortslage Neustadt und
der Staatsstraße S 130 im Norden, dem ehemaligen Tagebau Lohsa im Süden, der Bahnlinie zwischen
Weißkollm und Schleife im Westen und der Kreisstraße K 8481 im Osten. Das zweite Teilgebiet liegt
zwischen dem Tagebau Nochten im Nordwesten, dem Weißen Schöps im Süden und dem Kraftwerk
Boxberg im Westen. Nach Nordosten reicht es bis an das Truppenlager Haide (Kommandantur) bei
Weißkeißel heran. Das dritte Teilgebiet liegt zwischen der Ortslage Weißkeißel im Nordwesten, der
Staatsstraße S 127 im Nordosten und Osten sowie der Bundesstraße B 115 im Westen. Die südliche

Artenschutzfachbeitrag
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Gebietsgrenze
verläuft
nördlich
der
Ortslagen
Heidehäuser,
Walddorf
und
Steinbach.
Der Schutzzweck ergibt sich aus dem Brutvorkommen von Vogelarten offener bzw. vegetationsarmer
Sand- und Heideflächen, Waldschneisen, strukturreicher Kiefernwälder mit Laubwaldanteilen sowie
Laubwaldinseln, aber auch Heidemoore mit Heideteichen, Horstbäume und höhlenreiche
Einzelbäume.
Brutvorkommen von Birkhuhn (RL 1), Brachpieper (RL 2), Heidelerche (RL 3), Raubwürger (RL 2),
Seeadler (RL V), Steinschmätzer (RL 1), Wendehals (RL 3), Wiedehopf (RL 2) und Ziegenmelker (RL 2)
sind als Schutzzweck hervorgehoben.
Das FFH-Gebiet „Truppenübungsplatz Oberlausitz“ (EU-Nr. 4552-301), Teilgebiet „Muskauer Heide –
Westteil“ ist im südlichen Bereich deckungsgleich mit dem SPA-Gebiet und schützt die wertvollen
Komplexe aus Heiden und Magerrasen, Gebüschen, Hecken und Gehölzen sowie Fels, Gesteins- und
Rohbodenbiotopen. Diese Habitate sind Lebensraum für die Vogelarten des SPA-Gebietes, aber auch
z.B. für Rotbauchunke, Fischotter, Wolf und Große Moosjungfer.
Das FFH-Gebiet „Wälder und Feuchtgebiete bei Weißkeißel“ (EU-Nr. 4453-304), Teilgebiet
„Südbereich Braunsteich“ findet sich ca. 1,5 Kilometer nordöstlich des Plangebietes. Es schützt die
Komplexe
aus
Flachland-Mähwiesen,
feuchten
Heiden,
Stillgewässern
und
Waldkiefern-
Moorwäldern. Diese Habitate sind Lebensraum für die Vogelarten des SPA-Gebietes, aber auch z.B.
für Fischotter und Große Moosjungfer.
Artenschutzrechtliche Belange
Der Verweis auf das Artenschutzrecht soll vorab verdeutlichen, welche genehmigungsrechtlichen
Aspekte zu berücksichtigen sind, wenn im Bereich des geplanten Vorhabens Arten potenziell
beeinträchtigt werden. In jedem Fall sind die rechtlichen Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes
(BNatSchG), insbesondere der besondere Artenschutz (Kapitel 5, Abschnitt 3), auch bei Plan- und
Genehmigungsverfahren einschließlich der Bauleitplanung zu berücksichtigen.
Mit dem Inkrafttreten des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) vom 29.Juli 2009 am 1.März 2010
ist aufgrund der Förderalismusreform der Artenschutz abschließend im BNatSchG geregelt. Allerdings
ist es nach Art. 72 Abs. 3 Grundgesetz zulässig, dass die Länder ergänzende bzw. abweichende
Regelungen treffen. Daher ist es notwendig zusätzlich zum BNatSchG das jeweils einschlägige
Landesnaturschutzgesetz (SächsNatSchG) zu beachten. Das SächsNatSchG ist aber nur noch
anwendbar, wenn das BNatSchG zu einem Sachverhalt keine Regelung enthält bzw. den Ländern
Abweichungen gestattet werden. Soweit das Bundesrecht abschließend regelt, ist bestehendes
Landesnaturschutzrecht nichtig.
Als eines der wichtigsten Naturschutzinstrumente hat sich die FFH-Richtlinie der europäischen Union
herausgestellt. Sie regelt den Schutz von Arten und ihren Lebensräumen und war ausschlaggebend
für das Schutzgebietssystem „Natura 2000“. Der Gebiets- bzw. Habitatschutz steht jedoch
eigenständig neben dem besonderen Artenschutz, wobei es Überschneidungen beider Schutzregime
geben kann. Besondere Regelungen gelten für Arten die in Anhang IV der FFH-Richtlinie (Pflanzen,
Tiere außer Vögel) gelistet sind und für alle europäischen Vogelarten (gemäß Artikel 1 der EU-
Vogelschutzrichtlinie). Mit der „kleinen Novelle“ des BNatSchG vom 12.12.2007 wurde das
europäische Artenschutzrecht bereits weitgehend in nationales Recht umgesetzt. Im Zusammenhang
mit der Prüfung der Verträglichkeit von Bebauungs-Plänen und Bauvorhaben ist somit hauptsächlich
das BNatSchG, insbesondere § 44 ff, anzuwenden. Insbesondere bei einer abgestuften Beurteilung

Artenschutzfachbeitrag
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der Eingriffsrelevanz ist aber das Europarecht zu berücksichtigen. Artenschutzrechtliche Vorgaben
finden sich im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sowohl im Kapitel 3 zum
„allgemeinen Schutz von Natur und Landschaft“ (§ 19 – zu Umweltschäden) als auch im Abschnitt 3
des Kapitel 5, welches die Regelungen zum „Schutz der wild-lebenden Tier- und Pflanzenarten, ihrer
Lebensstätten und Biotope“ zum Gegenstand hat.
Bestimmungen des §44 BNatSchG
Die Notwendigkeit einer artenschutzrechtlichen Prüfung bestimmter Eingriffe in Natur und
Landschaft sowie weiterer Vorhaben ergibt sich aus § 44 ff BNatSchG. Zunächst gelten generell die
sogenannten Zugriffs-, Besitz- und Vermarktungsverbote für die besonders geschützte und
bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten (§ 44 Abs. 1 bis 3). Um jedoch bestimmte Vorhaben
überhaupt verwirklichen zu können, gelten bestimmte Maßgaben, nach denen die Verbote sowie
Freistellungen oder Ausnahmen zu prüfen sind. Bei der Prüfung sind in erster Linie die sogenannten
Zugriffsverbote relevant (§ 44 Abs. 1):
„Es ist verboten
1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen
oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu
zerstören,
2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der
Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser- Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören;
eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen
Population einer Art verschlechtert,
3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus
der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
4. wild lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen aus der
Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu schädigen oder zu zerstören (Zugriffsverbote).“
Aus § 44 Abs. 5 BNatSchG und aus einer Rechtsverordnung auf Grundlage von § 54 Abs. 1 Nr. 2
(bisher nicht erlassen) resultiert folgendes betrachtungsrelevantes Artenspektrum:
Alle Tierarten, die in Anhang IV Buchstabe a der Richtlinie 92/43/EWG
(FFH- Richtlinie) aufgeführt sind und
alle „europäischen Vogelarten" oder
alle in einer o.g. Rechtsverordnung aufgeführten Arten.
Aufgrund der Umsetzung von Europarecht in bundesdeutsches Recht sind demnach alle in Europa
natürlich vorkommenden „europäischen“ Vogelarten den streng geschützten Arten anderer
Artengruppen de facto gleichgestellt. Die Unterscheidung von streng geschützten Vogelarten
(Greifvögel, Eulen,…) und besonders geschützten Vogelarten (alle anderen heimischen Vögel) ist mit
Blick auf die Zugriffsverbote dadurch hinfällig geworden. Die Aufnahme aller europäischen
Vogelarten in das prüfrelevante Artenspektrum bedeutet auch, dass den Vögeln bei der
Eingriffsplanung eine herausragende Bedeutung zukommt.

Artenschutzfachbeitrag
Seite 6
Europäische Vogelarten sind nach der Vogelschutz-Richtlinie (Artikel 1, Satz 1): „sämtliche
wildlebenden Vogelarten, die im europäischen Gebiet der Mitgliedstaaten, auf welches der Vertrag
Anwendung findet, heimisch sind.“ Das BNatSchG (§7, Absatz 2) bestimmt dazu den Begriff
heimische Art: „eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart, die ihr Verbreitungsgebiet oder
regelmäßiges Wanderungsgebiet ganz oder teilweise
a) im Inland hat oder in geschichtlicher Zeit hatte oder b) auf natürliche Weise in das Inland
ausdehnt;
als heimisch gilt eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart auch, wenn sich verwilderte oder durch
menschlichen Einfluss eingebürgerte Tiere oder Pflanzen der betreffenden Art im Inland in freier
Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten.“
Demnach sind auch in Deutschland eingebürgerte oder verwilderte Arten zu betrachten, sobald sie
sich bereits über mehrere Generationen fortgepflanzt haben. Dies betrifft z.B. die Neozoen
(eingebürgerte Tierarten) Nilgans und Mandarinente.
Begriffsbestimmung lokale Population
Schwierigkeiten bei der praktischen Beurteilung von Eingriffen bereitet die Definition der lokalen
Population einer Art (vgl. § 44 Abs. 1 Nr. 2, § 45 Abs. 7 BNatSchG). Es handelt sich im Gesetz um
einen sogenannten unbestimmten Rechtsbegriff. Obwohl das Verschlechterungsverbot für den
Erhaltungszustand einer Population einer Art ein zentrales Element in der FFH-Richtlinie ist, wird der
Begriff dort nicht näher definiert. Das BNatSchG enthält unter
§ 7 (Begriffsbestimmungen) den
Hinweis: „Population: eine biologisch oder geografisch abgegrenzte Zahl von Individuen einer Art“.
Aber auch diese Definition hilft kaum weiter, da sie die biologischen oder geografischen Kriterien zur
Abgrenzung offen lässt. Die Findung dieser Kriterien ist nicht trivial und auch nicht auf alle Arten
gleich anwendbar. In der Begründung zum neuen BNatSchG vom 25.4.2007 steht noch eine etwas
ausführlichere Definition: „Eine lokale Population umfasst diejenigen (Teil-)Habitate und
Aktivitätsbereiche der Individuen einer Art, die in einem für die Lebens(-raum)ansprüche der Art
ausreichenden räumlich-funktionalen Zusammenhang stehen.“ Interessanterweise wird hier die
Population über die von der Art benötigten Habitate definiert. Diese Herangehensweise gibt es beim
biologischen Populationsbegriff nicht, bei dem die Population nur über das besiedelte Areal
(mit)definiert wird. Daran orientiert sich auch der EU-Leitfaden zum Artenschutz:
„Population ist hier definiert als eine Gruppe von Individuen derselben Art, die zur selben Zeit in
einem geografischen Gebiet leben und sich miteinander fortpflanzen (können) (d. h. sie verbindet ein
gemeinsamer Genpool)“. Allerdings ist in der Praxis eine Orientierung am biologischen
Populationsbegriff nach populationsbiologischen oder populationsgenetischen Kriterien kaum
umsetzbar. Daher spricht sich auch die Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz (LANA 2009) für
einen pragmatischen Umgang aus. Je nach Verteilungsmuster, Sozialstruktur, individuellem
Raumanspruch und Mobilität der Arten werden zwei Haupttypen von lokalen Populationen
unterschieden:
Arten mit gut abgrenzbaren örtlichen Vorkommen im Bezugsraum
Kleinräumig konzentrierte Vorkommen, bei denen sich viele Individuen, bedingt durch eine enge
Bindung an bestimmte Lebensraumtypen bzw. -strukturen oder bestimmte Sozialstrukturen und
Verhaltensweisen, in gut abgrenzbaren Bereichen konzentrieren. Zu dieser Kategorie zählen auch

Artenschutzfachbeitrag
Seite 7
Vorkommen von Arten mit einer punktuellen oder zerstreuten Verbreitung oder solche mit lokalen
Dichtezentren. Die Abgrenzung sollte sich an den Beständen selbst bzw. den von ihnen besiedelten
Lebensräumen und kleinräumigen Landschaftseinheiten orientieren (z.B. Gewässer, Waldbereiche,
Grünlandkomplexe, Niederungen) oder auch auf klar abgegrenzte Schutzgebiete beziehen. Beispiele
sind die Laichgemeinschaften von Amphibien, die Reptilien eines Moores, die Libellen eines
Teichgebietes, die Bachmuschelvorkommen eines Fließgewässerabschnitts, die Fledermäuse einer
Wochenstube oder eines Winterquartiers.
Arten mit flächiger Verbreitung im Bezugsraum
Bei Arten mit einer weitgehend flächigen Verbreitung kann eine Abgrenzung der lokalen Population
meist nur pragmatisch erfolgen und z.B. auf den Bereich einer naturräumlichen Landschaftseinheit
bezogen werden. Hierfür dürften sich in der Regel die von Meynen & Schmithüsen (1953-1963)
definierten naturräumlichen Untereinheiten oder aber bei Arten mit größerer Mobilität die
dreistelligen Haupteinheiten anbieten. Wo eine naturräumliche Abgrenzung fachlich nicht sinnvoll
oder möglich ist, können unter pragmatischen Gesichtspunkten ggf. auch planerische Grenzen (bspw.
Schutzgebietsgrenzen) zu Grunde gelegt werden. Beispiele sind u. a. die durchgehende Verbreitung
von einzelnen Libellenarten an einigen Fließgewässern oder die relativ großflächige Verbreitung der
Zauneidechse.
Sonderfall: Arten mit sehr großen Aktionsräumen
Bei Arten mit sehr großen Raumansprüchen, für die die Punkte 1. und 2a. nicht zutreffend sind (z.B.
Schwarzstorch, Luchs, Wolf, Fischotter), ist die Abgrenzung einer lokalen Population auch bei
flächiger Verbreitung häufig gar nicht möglich. In diesem Fall ist (insbesondere bei seltenen Arten)
vorsorglich das einzelne territoriale Individuum oder das Paar/Rudel als lokale Population zu
betrachten.
Obwohl auch diese Einteilung (naturgemäß) einen Spielraum offen lässt, ist sie naturschutz- fachlich
sinnvoll und hat sich gleichzeitig bisher als praktikabel erwiesen. Dieser Ansatz wird daher auch im
vorliegenden Gutachten verfolgt.
Eingriffszulässigkeit nach §44 Abs. 5 BNatSchG
Absatz 5 des § 44 BNatSchG geht näher auf mögliche Situationen bei Eingriffen ein, bei denen
geschützte Arten nur teilweise betroffen sind. Demnach „…liegt ein Verstoß gegen das Verbot des
Absatzes 1 Nummer 3 und im Hinblick auf damit verbundene unvermeidbare Beeinträchtigungen
wild lebender Tiere auch gegen das Verbot des Absatzes 1 Nummer 1 nicht vor, soweit die
ökologische Funktion der von dem Eingriff oder Vorhaben betroffenen Fortpflanzungs- oder
Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt wird.“. Sofern nicht nur marginale
Bereiche eines Lebensraumes von Eingriffen betroffen sind und die ökologische Funktion auch nach
dem Eingriff erhalten bleibt, müssen Maßnahmen ergriffen werden um die Funktion zu erhalten
(„Soweit erforderlich, können auch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen festgesetzt werden.“).
Ergriffene vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (i. S. v. CEF – ountinous ecological functionality)
müssen vor dem Eingriff umgesetzt werden und auf ihre Effektivität hin überprüft werden. Bei einer
Unterkompensation sind ggf. weitere Maßnahmen notwendig. Die Beurteilung ob und wie die

Artenschutzfachbeitrag
Seite 8
ökologische Funktion einer Fortpflanzungs- oder Ruhestätte erhalten bleibt bzw. erhalten werden
kann obliegt dem Fachgutachter. Dieser hat sich dazu an der Biologie der betroffenen Art und der
vorgefundenen Situation zu orientieren.
Ausnahmen gem. § 45 Abs. 7 BNatSchG
Ausnahmen von den Verboten des § 44 BNatSchG sind in § 45 Abs. 7 BNatSchG abschließend
geregelt und können für im öffentlichen Interesse liegende Projekte von der unteren
Naturschutzbehörde zugelassen werden. Eine Ausnahme darf nur zugelassen werden, wenn
zumutbare Alternativen nicht gegeben sind,
der Erhaltungszustand der Populationen einer Art sich nicht verschlechtert,
Zu beachten ist außerdem:
Art. 16 Abs. 1 und 3 der FFH-Richtlinie und
Art. 9 Abs. 2 der EU-Vogelschutzrichtlinie
Befreiung gem. §67 BNatSchG
Befreiungen gem. § 67 Abs. 2 BNatSchG von den Verboten des § 44 sind bei der zuständigen Behörde
zu beantragen und können gewährt werden, wenn die Durchführung der Vorschriften im Einzelfall zu
einer unzumutbaren Belastung führen würde. Befreiungen sind demnach nicht mehr im öffentlichen
Interesse möglich, sondern zielen auf Fallkonstellationen ab, bei denen eine unzumutbare Belastung
des Einzelnen eintreten würde.
Umweltschadensgesetz
Neben
den
artenschutzrechtlichen
Bestimmungen
ist
als
Folge
möglicher
erheblicher
Beeinträchtigungen von europäisch geschützten Tier- und Pflanzenarten und deren Habitaten die
Haftung des Verantwortlichen für Umweltschäden nach dem Umweltschadensgesetz (vom
10.05.2007) zu beachten.

Artenschutzfachbeitrag
Seite 9
Methoden
Zur Beurteilung des Konfliktpotenzials im Untersuchungsgebiet wurde das verfügbare Datenmaterial
zusammengetragen und bewertet. Das Material stammte aus den folgenden Quellen:
Befragung von vor Ort aktiven Ornithologen
Recherche in ornitho.de und weiterer Datenbanken
eigene Daten
Die eigenen Kartierungen zur Brutzeit erfolgten nach den „Methodenstandards zur Erfassung der
Brutvögel Deutschlands“ (Südbeck et al. 2005). Dabei werden alle nachgewiesenen Vogelindividuen
mit ihrem Artkürzel und einem Verhaltenskürzel in Tageskarten eingezeichnet. Die Auswertung nach
Kartierende erfolgt durch Übertragung der Daten aus den Tageskarten in Artkarten, wodurch die
Reviere abgegrenzt werden können. Durch die Nachweiskategorie ergibt sich auch der Brutzeitcode
für jedes Revier. Diese europaweit standardisierten Codes werden im Folgenden wiedergegeben:
Mögliches Brüten (A):
A1
Art zur Brutzeit im möglichen Bruthabitat festgestellt
A2
Singendes, trommelndes oder balzendes Männchen zur Brutzeit im möglichen
Bruthabitat festgestellt
Wahrscheinliches Brüten (B):
B3
Paar zur Brutzeit in geeignetem Bruthabitat festgestellt
B4
Revierverhalten (Gesang, Kämpfe mit Reviernachbarn etc.) an mind. 2 Tagen im Abstand von
mind. 7Tagen am selben Ort lässt ein dauerhaft besetztes Revier vermuten
B5
Balzverhalten (Männchen und Weibchen) festgestellt
B6
Altvogel sucht einen wahrscheinlichen Nestplatz auf
B7
Warn- oder Angstrufe von Altvögeln oder anderes aufgeregtes Verhalten, das auf ein Nest
oder Junge in der näheren Umgebung hindeutet
B8
Brutfleck bei gefangenem Altvogel festgestellt
B9
Nest- oder Höhlenbau, Anlage einer Nistmulde u.ä. beobachtet
Sicheres Brüten (C):
C10
Ablenkungsverhalten oder Verleiten (Flügellahmstellen) beobachtet
C11a
Benutztes Nest aus der aktuellen Brutperiode gefunden
C11b
Eischalen geschlüpfter Jungvögel aus der aktuellen Brutperiode gefunden
C12
Eben flügge Jungvögel (Nesthocker) oder Dunenjunge (Nestflüchter) festgestellt
C13a
Altvögel verlassen oder suchen einen Nestplatz auf. Das Verhalten der Altvögel deutet auf ein
besetztes Nest hin, das jedoch nicht eingesehen werden kann (hoch oder in Höhlen gelegene
Nester)
C13b
Nest mit brütendem Altvogel entdeckt
C14a
Altvogel trägt Kotsack von Nestling weg
C14b
Altvogel mit Futter für die nicht-flüggen Jungen beobachtet
C15
Nest mit Eiern entdeckt
C16
Junge im Nest gesehen oder gehört

Artenschutzfachbeitrag
Seite 10
Der Kartieraufwand und die zu erfassenden Artengruppen wurden vom Auftraggeber mit der UNB
Görlitz abgestimmt. Zur Erfassung der Brutvögel erfolgten zwischen Anfang April und Anfang Juni
sechs Tagbegehungen, was der empfohlenen Begehungsintensität entspricht. Außerdem fand eine
Nachtbegehung zum Nachweis von nachtaktiven Vogelarten statt. Zusätzlich erfolgten zwei
Erfassungen im Bereich des vermuteten Balzplatz des Birkhuhns. Während dieser Erfassung wurden
keine anderen Arten, außer wertgebenden Arten erfasst. Im Zuge der Brutvogelkartierungen in den
Morgenstunden wurden alle Vogelarten im Untersuchungsgebiet erfasst. Der Schwerpunkt der
Erfassungen lag dabei auf allen schutzwürdigen Arten (Anhang der Vogelschutzrichtlinie, Rote Liste
Deutschland (Südbeck et al. 2007), Rote Liste Sachsen (Zöphel et al. 2015), nach BNatSchG streng
geschützte Arten) und weitere wertgebende Arten gelegt. Für diese Arten wurde verstärkt versucht
eine höhere Nachweiskategorie für Reviere zu erreichen oder das Revier genauer abzugrenzen. An
allen Kartierungsgängen wurde im Bereich des potentiellen Balzplatzes des Birkhuhns verstärkt auf
indirekte Nachweise (Kot, Federn, Trittsiegel, …) geachtet. Für die häufigen Arten bedeutet die
eingeschränkte Kontrollintensität, dass die ermittelte Revieranzahl als Mindestwert anzusehen ist.
Datum
Beginn
Ende
Kommentar
05.04.2021
04:00
07:00
Balzplatzerfassung
10.04.2021
04:00
07:00
Balzplatzerfassung
17.04.2021
06:00
07:30
24.04.2021
05:30
07:30
04.05.2021
05:00
08:00
11.05.2021
04:45
08:30
27.05.2021
20:45
23:00
Nachtbegehung
28.05.2021
04:45
08:30
04.06.2021
04:45
08:30
Tab. 1: Übersicht der Begehungen

Artenschutzfachbeitrag
Seite 11
Ergebnisse
Im Untersuchungsgebiet konnten 51 Brutvogelarten in 267-358 Revieren nachgewiesen werden. Für
10 Arten konnte eine Nutzung des Untersuchungsgebietes als Nahrungs- bzw. Rasthabitathabitat
nachgewiesen werden. (Braunkehlchen, Graugans, Graureiher, Kranich, Mäusebussard, Nebelkrähe,
Rotmilan, Rohrweihe, Rauchschwalbe, Seeadler) Für 10 Arten konnte nur ein A-Nachweis (mögliches
Brüten) und für 40 Arten mindestens ein B-Nachweis erbracht werden. Nur für den Fischadler konnte
ein
C-Nachweis
erbracht
werden
(sicheres
Brüten).
Direkt
im
Plangebiet
der
Freiflächenphotovoltaikanlage konnten 2 Brutvogelarten in 4-5 Revieren nachgewiesen werden,
wobei für die Feldlerche mindestens ein B-Nachweis (wahrscheinliches Brüten) erbracht werden
konnte.
Die Offenlandflächen wurden von Rohrweihe, Rotmilan und Rauchschwalbe zur Nahrungssuche
genutzt. Die Arten brüten aber deutlich außerhalb des Untersuchungsgebietes.
Im Plangebiet sowie auf den westlich und nördlich angrenzenden Flächen konnten mehrfach
(05.04.2021, 10.04.2021, 17.04.2021, 24.04.2021, 04.05.2021, 11.05.2021, 28.05.2021) der Kranich
bzw. Kranichpaare beobachtet werden. Rein formal sind damit die Bedingungen für die Einstufung als
„wahrscheinliches Brutrevier“ erfüllt. Fraglich ist allerdings, ob diese Flächen tatsächlich als
Brutrevier genutzt werden. Mit dem zunehmenden Bestand des Kranichs sind die Brutplätze
zunehmend weniger anspruchsvoll. So gibt es mittlerweile Bruten in kleinen Tümpeln, fast trockenen
Bruchwäldern und auch auf Grünlandflächen. Voraussetzung ist allerdings eine minimale Deckung
des Nestes. Auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche kann eine Brut stattfinden, solange diese
Brutstätte nicht durch Bearbeitungsschritte zerstört wird und diese entsprechende Strukturen
aufweisen. Die Flächen im Untersuchungsraum verfügen allerdings nicht über diese geeigneten
Strukturen (mind. feuchte Senke, ausreichende Nestdeckung), sodass die Nachweise nicht als
Brutnachweis zu werten sind. Die Beobachtungen legen nahe, dass der Kranich in der näheren
Umgebung brütet und die zu betrachtenden Flächen als Nahrungshabitat nutzt.
Das Untersuchungsgebiet ist jedoch ausgesprochen Vielgestaltig und entsprechend verschieden ist
die Artzusammensetzung in den Lebensraumtypen.
Die landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie das Grünland an sich weisen nur eine geringe Arten-
und Revierzahl auf. Es ist Lebensraum für die Feldlerche, die in mind. vier Revieren vorkommt. Eine
rufende Wachtel spricht auch für ein gewisses Potenzial des Grünlandes. Das Vorkommen von noch
mehr wertgebenden Arten, wie z.B. Braunkehlchen, wird gegenwärtig durch die vergleichsweise
intensive und großflächige Nutzung verhindert. Die Flächen ist aber auch im Zusammenhang mit den
angrenzenden Habitatstrukturen zu sehen. Die vorhandenen (Einzel-)Strukturen entlang der
Bahnlinie stellen einen wertvollen Lebensraum für die wertgebenden Arten Grauammer und
Neuntöter dar. Die Heidelerche besiedelt mit einem wahrscheinlichen Revier den östlichen Bereich
der Untersuchungsfläche. Sie nutzt die kargen Wiesenbereiche entlang des bestehenden Wander-
und Reitweges und die Wiesenflächen des angrenzenden Kiefernwaldes.
Weiterhin konnte sie
westlich der Bahnlinie, sowie südlich des Siedlungsbereiches am „Braunsteichweg“ nachgewiesen
werden.
Der nördlich angrenzende Mischwald mit Kiefern, Birken, Eichen und sonstigen weist ein
entsprechendes Artenset auf. Nachweise von Bunt- und Schwarzspecht zeigen das Alter der
Bäume an, in denen Höhlen angelegt werden können. Die bestehenden Eichen entlang des

Artenschutzfachbeitrag
Seite 12
Reitweges am Floßgrabens bieten mit bestehenden Höhlen dem Star und anderen Höhlenbrütern
gute Brutmöglichkeiten.
Der reine Nadelwaldbestand (Kiefer) mit fehlenden Randstrukturen im Südosten ist besonders
arten-
und
individuenarm.
Lediglich
durch
die
vorhandene
Jungpflanzung
konnten
charakteristische Arten, wie Fitis, Dorngrasmücke und Goldammer nachgewiesen werden.
Art
BZC
BP
V
R
L
RL
SN
RL
D
Erhaltungs-
zustand
Amsel
B4
14-20
günstig
Bachstelze
B4
5-6
Günstig
Braunkehlchen
Zug
(B3)
2
2
schlecht
Buchfink
B4
20-24
günstig
Blaumeise
B4
6-10
günstig
Baumpieper
B4
12-20
3
3
unzureichend
Buntspecht
B4
6-8
günstig
Dorngrasmücke
B4
9-12
V
günstig
Eichelhäher
A2
0-4
günstig
Elster
B4
1
günstig
Erlenzeizig
A2
0-1
günstig
Feldsperling
B4
1
V
günstig
Fitis
B4
18-22
V
günstig
Fischadler
C11a
1
x
R
3
günstig
Feldlerche
B4
18-22
V
3
unzureichend
Gartengrasmücke
B4
4-6
V
günstig
Goldammer
B4
12-18
V
günstig
Grauammer
B4
12-15
V
V
günstig
Graureiher
Über-
flug
günstig
Grauschnäpper
A2
0-1
V
günstig
Grünfink
B4
1-3
günstig
Grünspecht
B4
1
günstig
Hausrotschwanz
B4
2-3
günstig
Heidelerche
B4
1-5
x
3
V
unzureichend
Hohltaube
B4
1
günstig
Kernbeißer
B3
1-2
günstig
Kohlmeise
B4
24-29
günstig
Kranich
(B4)
x
günstig
Kleiber
B4
3-5
günstig
Kolkrabe
B4
1
günstig
Kuckuck
B4
5
3
V
unzureichend

Artenschutzfachbeitrag
Seite 13
Mäusebussard
NG
günstig
Mönchsgrasmücke
B4
14-22
günstig
Nachtigall
B4
1
günstig
Nebelkrähe
NG
günstig
Neuntöter
B4
4-6
x
günstig
Pirol
B4
5-9
V
V
günstig
Raubwürger
A2
0-1
2
2
unzureichend
Rauchschwalbe
NG
3
3
unzureichend
Ringeltaube
B4
6-9
günstig
Rohrweihe
NG
x
unzureichend
Rotkehlchen
B4
17-20
günstig
Rotmilan
NG
x
V
günstig
Schwarzspecht
B4
2
x
günstig
Seeadler
NG
x
V
günstig
Singdrossel
B4
5-7
günstig
Star
B4
10-20
3
günstig
Stieglitz
A2
0-2
günstig
Stockente
B4
2-3
günstig
Sumpfmeise
B4
2-4
günstig
Turteltaube
A2
0-1
3
2
unzureichend
Wachtel
B4
1-3
V
günstig
Wacholderdrossel
A2
0-2
günstig
Waldkauz
A2
0-1
günstig
Waldlaubsänger
B4
2-6
V
günstig
Waldschnepfe
A2
0-4
V
V
günstig
Wendehals
A2
0-1
3
2
unzureichend
Wiesenpieper
A2
0-1
2
2
schlecht
Zaunkönig
B4
2-3
günstig
Zilpzalp
B4
16
günstig
Tab. 2: Übersicht Brutvogelarten im Untersuchungsgebiet
Fischadler, Heidelerche, Kranich, Neuntöter, Rohrweihe, Rotmilan, Schwarzspecht und Seeadler
sind im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie aufgeführt (siehe Tabelle 2). Zehn der im
Untersuchungsgebiet nachgewiesenen Brutvogelarten (Braunkehlchen, Baumpieper, Fischadler,
Feldlerche, Raubwürger, Rauchschwalbe, Star, Turteltaube, Wendehals, Wiesenpieper) sind in
der Roten Liste Deutschlands aufgeführt und zehn weitere Arten stehen in der bundesdeutschen
Vorwarnliste. (Feldsperling, Goldammer, Grauammer, Grauschnäpper, Heidelerche, Kuckuck,
Pirol, Rotmilan, Wachtel, Waldschnepfe) Zehn Arten (Braunkehlchen, Baumpieper, Fischadler,
Heidelerche, Kuckuck, Raubwürger, Rauchschwalbe, Turteltaube, Wendehals, Wiesenpieper)
stehen zudem in der Roten Liste Sachsen (Zöphel et al. 2015). Zusätzlich werden neun Arten in
der sächsischen Vorwarnliste geführt. (Dorngrasmücke, Fitis, Feldlerche, Gartengrasmücke,
Grauammer, Pirol, Seeadler, Waldlaubsänger, Waldschnepfe) Die vorkommenden Arten

Artenschutzfachbeitrag
Seite 14
Schwarzspecht, Grauammer, Wendehals, Raubwürger, Heidelerche und Grünspecht sind nach der
bundesdeutschen Artenschutzverordnung streng geschützt. Die wertgebenden Arten werden in
den folgenden Abschnitten vertieft betrachtet.
Die nicht näher betrachteten verbleibenden Arten sind ubiquitär und in Bezug auf ihren
Lebensraum wenig anspruchsvoll. Daher ist bei ihnen nicht mit einer Beeinträchtigung der lokalen
Population zu rechnen. Die Zugriffsverbote (insbesondere das Tötungsverbot) gelte natürlich
trotzdem auch für sie und sind durch entsprechende Maßnahmen zu wahren.
Birkhuhn
Das Birkhuhn besiedelt im Tiefland komplexe Moor- und Heidegebiete, Sukzessionsflächen in
Wäldern sowie Truppenübungsplätze. Wichtige Habitatelemente sind Zwergstrauchgesellschaften in
Moor-Heide-Biotopen oder feuchten extensiv genutztem Grünland. Mit einem Brutbestand von
40 - 60 Paaren (2004-2007) ist das Birkuhn in Sachsen eine vom Aussterben bedrohte Vogelart. Für
die Vorkommen in der Muskauer Heide liegen in jüngster Zeit keine Reproduktionsnachweise vor,
lediglich Einzelnachweise. Es ist davon auszugehen, dass die Population im Erlöschen begriffen ist.
Im Bereich des vermuteten Balzplatzes östlich des Plangebietes konnte keine Aktivität des
Birkhuhns festgestellt werden. Es erfolgten 2 Balzplatzzählungen Anfang/Mitte April 2021.
Weiterhin wurde bei jeder Begehung auf indirekte Nachweise geachtet (Federn, Kot, Trittsiegel,…).
Während der Erfassungen konnte kein Nachweis des Birkhuhns erfolgen. Somit muss davon
ausgegangen werden, dass der Balzplatz nicht mehr genutzt wird.
Braunkehlchen
Das Braunkehlchen ist ein Brutvogel offener Landschaften. Vorrausetzungen für Brutvorkommen
sind bodennahe Deckung für die Nestanlage, vielfältige Kraut und Zwergstrauchschicht zur
Nahrungssuche und ausreichend Anzahl an höheren vertikalen Strukturen, welche als Sing- und
Sitzwarten genutzt werden. Mit einem Brutbestand von 1.500 - 3.000 Paaren (2004-2007) ist das
Braunkehlchen häufiger als das Schwarzkehlchen. Der lang- und kurzfristige Rückgang der Art
erforderte die Einstufung stark gefährdet. (RL 2) Neben den Beeinträchtigungen auf dem Zug und in
den Winterquartieren ist das Braunkehlchen vor allem durch Intensivierung der Grünlandnutzung,
Umnutzung von Grün- in Ackerland aber auch Fortschreitung der Sukzession auf Sonderstandorten
betroffen. Besonderes Problem stellt die Erstmahd des Grünlandes dar (Gelege- bzw.
Jungvogelverluste).
Während den Untersuchungen konnte am 04.05.2021 ein Paar der Art auf den Wiesenflächen
südlich der Siedlung am „Braunsteichweg“ festgestellt werden. Ein weiterer Nachweis erfolgte am
11.05.2021. Während den weiteren Begehungen konnte die Art nicht mehr festgestellt werden. Die
Beobachtungen
erfolgten
im
erweiterten
Erfassungszeitraum
der
Art.
Innerhalb
der
wertungsgrenzen konnte kein Nachweis erbracht werden. Somit ist davon auszugehen, dass es sich
bei den anwesenden Braunkehlchen noch um Zugvögel handelte und sie nicht in die Bewertung
aufgenommen werden. Von Maßnahmen im Plangebiet wären die potentiellen Reviere nicht
betroffen.

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Artenschutzfachbeitrag
Seite 15
Abb. 2: Nachweise des Braunkehlchens
Baumpieper
Der Baumpieper besiedelt Waldränder, lichte Wälder und strukturreiche Landschaften mit einem
kleinflächigem Wechsel aus Bäumen und Offenland. Mit einem Brutbestand von
15.000-30.000 Paaren (2004-2007) ist der Baumpieper zwar noch eine häufige sächsische Vogelart.
Die starken Bestandrückgänge von über 50% in nur einem Jahrzehnt seit der vorletzten
landesweiten Kartierung 1993-1996 (35.000-70.000) erfordern aber eine Einstufung in Rote Liste
Sachsen als „gefährdet“ (RL SN 3). Die Art wurde auch in der Roten Liste Deutschland von der
Vorwarnliste in die Kategorie „gefährdet“ (RL D 3) heraufgestuft.
Im Untersuchungsgebiet konnten 12 bis 20 Reviere des Baumpiepers ermittelt werden. Diese finden
sich entlang geeigneter Strukturen entlang der bestehenden Bahnlinie sowie entlang der
Waldränder. Angrenzend an das Plangebiet finden sich 3 bis 4 Reviere. Von Maßnahmen im
Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die Art zu erwarten, da der Übergangsbereich
zwischen Offenland und Gehölz- bzw. Waldstrukturen erhalten bleibt und mit den zu errichtenden
Blühstreifen nördlich und südlich des Plangebietes geeignete Brut- und Nahrungshabitate
vorhanden sind bzw. entstehen.

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Seite 16
Abb. 3: Reviere des Baumpiepers
Dorngrasmücke
Die Dorngrasmücke besiedelt gern halboffene bis offene Landschaft mit mindestens kleinen
Komplexen an Gebüschen, Weg- und Straßenrändern oder zuwachsende Brachflächen. Günstige
Lebensbedingungen findet sie aber auch an gestuften Waldrändern. Aufgrund von kurzfristigen
Bestandsrückgängen wurde die Dorngrasmücke auf die Vorwarnliste der Rote Liste der Brutvögel
Deutschlands gesetzt. (Bestand: 15.000 – 30.000 BP,
2004 – 2007) Hohe Verluste erleidet die
Dorngrasmücke
neben
dem
Zug
und
in
den
Winterquartieren
vor
allem
durch
Lebensraumeinschränkungen, Intensivierung der Landwirtschaft, Flurbereinigung und veränderte
Landnutzung.
Entsprechend Ihrer Lebensraumansprüche findet die Dorngrasmücke entlang der bestehenden
Bahnlinie mit den Begleitgehölzen gute Lebensraumbedingungen. Angrenzend an das Plangebiet
finden sich 0 bis 2 Reviere (jeweils A2 - Nachweise). Von Maßnahmen im Plangebiet sind keine
negativen Auswirkungen auf die Art zu erwarten, da die bestehenden Strukturen nicht entfernt
werden und sogar noch ergänzt werden

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Artenschutzfachbeitrag
Seite 17
Abb. 4: Reviere der Dorngrasmücke
Feldsperling
Der Feldsperling besiedelt gern halboffene, gehölzreiche Landschaften mit ganzjähriger Verfügbarkeit
an Nahrungsressourcen. Günstige Lebensbedingungen findet sie aber auch in lichten Wäldern und an
Waldrändern. Der Feldsperling ist mit 35.000 bis 70.000 Brutpaaren in Sachen wesentlich seltener als
der Haussperling. Aufgrund von mittelfristigen Bestandsrückgängen wurde der Feldsperling auf die
Vorwarnliste der Rote Liste der Brutvögel Deutschlands gesetzt. Verluste erleidet der Feldsperling
durch geringen Bruterfolg aufgrund intensiver Landwirtschaft (Biozideinsatz), Zerstörung von
Brutplätzen (Entfernung von Streuobstwiesen, Feldgehölzen,…) sowie erheblichen
Nahrungsengpässen außerhalb der Brutzeit. Der Feldsperling konnte mit einem Revier entlang des
Weges südlich der Siedlung am „Braunsteichweg“ nachgewiesen werden. Die bestehenden
Strukturen in der nähe des Siedlungsbereiches bieten dem Feldsperling gute Lebensbedingungen.
Von Maßnahmen im Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die Art zu erwarten.

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Artenschutzfachbeitrag
Seite 18
Abb. 5: Revier des Feldsperlings im Untersuchungsgebiet
Fitis
Der Fitis besiedelt hauptsächlich lichte Vorwälder. Aufgrund einer Halbierung des Brutbestandes
(40.000-80.000 Brutpaare) im Vergleich zur landesweiten Erfassung 1978- 1982 wird er in der Roten
Liste Sachsen in die Vorwarnliste aufgenommen. Als Rückgangsursachen werden neben Verlusten
auf dem Zugweg eine intensivere und geänderte Landnutzung angesehen. So sind Kahlschläge
seltener geworden und Vorwaldstadien werden in weniger Bereichen geduldet bzw. wieder neu
erschaffen.
Ähnlich dem Baumpieper konnten im Untersuchungsgebiet 18 bis 22 Reviere des Fitis ermittelt
werden. Diese finden sich entlang geeigneter Strukturen entlang der bestehenden Bahnlinie sowie
entlang der Waldränder. Angrenzend an das Plangebiet finden sich 3 bis 4 Reviere. Von
Maßnahmen im Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die Art zu erwarten, da der
Übergangsbereich zwischen Offenland und Gehölz- bzw. Waldstrukturen erhalten bleibt und mit

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Artenschutzfachbeitrag
Seite 19
den zu errichtenden Blühstreifen nördlich und südlich des Plangebietes geeignete Brut- und
Nahrungshabitate vorhanden sind bzw. entstehen.
Abb. 6: Reviere des Fitis im Untersuchungsgebiet
Fischadler
Der Fischadler besiedelte ursprünglich störungsarme Waldgebiete, die nach allen Seiten einen
Überblick über die Umgebung ermöglichen. Als Voraussetzung für ein Brutvorkommen ist das
Vorhandensein einzeln stehender Bäume, die den Bestand überragen (Überhälter) für die Nestanlage
sowie weiterer exponierter, hoher, alter Bäume als Ruhe- und Wachplatz zu sehen. Da Mastenreihen
von Hochspannungsleitungen, vor allem 110-kV-Freileitungen innerhalb von störungsarmen
Agrarlandschaften den Brutplatzansprüchen entsprechen, werden diese immer häufiger genutzt,
insbesondere nach Optimierung durch die Anlage von Nisthilfen. Weitere Voraussetzung ist das
Vorhandensein fischreicher Gewässer als Nahrungsgrundlage, welche auch einige Kilometer entfernt
liegen können. Der sachsenweite Bestand des Fischadlers konnte sich in den letzten Jahrzehnten
erholen und beträgt 30 – 40 Brutpaare.
Der Fischadler konnte am 17.04.2021 und 11.05.2021 auf dem Hochspannungsmasten westlich des
Plangebietes beobachtet werden. Im weiteren Untersuchungsverlauf konnten keine weiteren

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Seite 20
Nachweise
erbracht
werden.
Nahrungsflächen
stellen
die
Gewässer
nordwestlich
des
Untersuchungsgebietes
dar.
Da
ein
möglicher
Revierschwerpunkt
sich
außerhalb
des
Planungsgebietes befindet ist er durch die Maßnahmen im Plangebiet nicht betroffen.
Feldlerche
Die Feldlerche ist ein Steppenvogel und bevorzugt ausgesprochen offene Landschaften. Zu vertikalen
Strukturen (Waldränder, hohe Gebäude etc.) wird ein Abstand von 50-100 m eingehalten. Kleinere
Einzelbäume, Büsche oder Telegraphenmasten werden toleriert, sind aber für eine Besiedlung durch
die Feldlerche nicht nötig. Wichtiges Qualitätsmerkmal von Revieren ist ein freier Zugang zur
Bodenoberfläche für die zu Fuß kleine Bodenarthropoden jagende Art. So werden intensiv
bewirtschaftete Wiesen nicht oder nur in sehr geringen Dichten besiedelt und Ackerflächen
gemieden bzw. aufgegeben wenn die Feldkultur keinen Bodenzugang gewährt (z.B. Raps, Mais).
Durch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft mit höheren Halmdichten und durch
Düngergaben erzeugtem starkem Pflanzenwachstum werden früher gut besiedelte Feldkulturen wie
Getreide zunehmend schwächer besiedelt. Die verbreitete Verwendung von Pestiziden führt zu
einem stark verminderten Insektenleben auf den Feldern was der Feldlerche die Nahrungsgrundlage
entzieht. In Summe haben diese Faktoren zu einer großflächigen Bestandsausdünnung geführt, die
weiter anhält.
In Deutschland siedeln auf einem Hektar gut geeignetem Acker oder Grünland 1-2 Feldlerchenpaare
(von Blotzheim 1985). Der Durchschnitt für gute Leguminosen- und Getreidereviere liegt in
Mitteleuropa aber eher bei knapp 1 BP / ha (Pätzold 1983, Steffens et al. 1998). Etwas geringere
Dichten von 0,2-1 BP / ha werden auf Weiden und feuchten Mähwiesen beobachtet. Durchschnittlich
höhere Dichten werden in allen Lebensräumen erreicht wenn der Grenzlinienanteil hoch ist.
Besonders günstig wirken sich Feldraine aus. In steppenartigen Habitaten mit optimaler
Bodenvegetation, wie z.B. auf Tagebaufolgeflächen im Lausitzer Seenland, werden - zumindest
vorübergehend - sehr hohe Dichten von 3-4 BP / ha erreicht.
Die Feldlerche hat durch die anhaltende Intensivierung der Landwirtschaft stark im Bestand
abgenommen. Während der sächsische Bestand 1993-1996 noch auf 100.000-300.000 Brutpaare
geschätzt wurde, ergab die letzte landesweite Erfassung 2004-2007 einen um 40% geringeren
Bestand von 80.000-160.000 Brutpaaren. Der Bestand ist in den letzten Jahren weiter deutlich
gesunken. Damit ist die Feldlerche zwar noch kein seltener Vogel, aber die stark gesunkenen Dichten
sind im Freiland bereits deutlich spürbar. Während sie in der Roten Liste Deutschlands (2015) bereits
als gefährdet (RL 3) geführt wird, wird sie in Sachsen noch auf der Vorwarnliste geführt. Der
Erhaltungszustand der Feldlerche wird vom LfULG (2017) in Sachsen als „unzureichend“ eingestuft.
Sekundärbiotope bieten zunehmend bessere Habitate mit höheren Revierdichten für die Feldlerche
als die nach der „guten landwirtschaftlichen Praxis“ bearbeitete Agrarlandschaft. Zur Stabilisierung
der Bestände werden verschiedene Maßnahmen (z.B. „Lerchenfenster“) angeboten und in den
Landwirtschafts- betrieb integriert. So lassen sich durch Feldlerchenfenster die Siedlungsdichten im
Durchschnitt um reichlich 2 BP / ha anheben und mit zusätzlichen Fahrgassen wird eine Steigerung
um ca. 1,5 BP / 10 ha erreicht (Schmidt et al. 2015). Feldlerchen meiden große vertikale Strukturen
und halten zum Waldrand und zu Gebäuden einen Mindestabstand ein.
Innerhalb des Plangebietes siedelten vier Paare der Feldlerche. Dies entspricht in diesem Teil einer
Dichte von 0,35 Brutpaare/ha und zeigt eine mäßige Habitateignung. Für eine höhere Dichte ist die
Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche zu intensiv und es fehlen auflockernden Strukturen auf der
Fläche.

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Seite 21
Durch eine Errichtung der Modulfelder gehen offene freizugängliche Flächen verloren und
beeinträchtigen somit das Vorkommen der Feldlerche im Planungsgebiet. Allerdings bietet die
Anordnung der Module in einem Abstand von ca. 3,2 Metern eine weitere Zugänglichkeit. Die
Umwandlung von intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen zu extensiv genutztem Grünland
kann sich positiv auf die Feldlerchenbestände auswirken. Mit einer gezielten Gestaltung der Fläche
und einem gezieltem Mahdregime (außerhalb der Brutzeit Anfang September bis Ende Februar)
könnten Brutbiotope der Feldlerche erhalten werden.
Für die Beurteilung des Störungstatbestandes empfiehlt das LfULG die Gemeinde als Bezugsgröße für
den Bestand der lokalen Population. In der Gemeinde Boxberg/O.L. sind noch Acker- und
Grünlandflächen von über 1.000 ha vorhanden. Es ist daher wahrscheinlich, dass der Bestand in der
Gemeinde über den 60 Brutpaaren, die benötigt werden, damit die vier Paare im Plangebiet unter
der Signifikanzschwelle von 5% bleiben. Aus rechtlicher Sicht ist daher eine erhebliche
Beeinträchtigung der Feldlerche bei einem Verlust der vier Reviere nicht anzunehmen.
Abb. 7: Reviere der Feldlerche im Untersuchungsgebiet

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Seite 22
Gartengrasmücke
Die Gartengrasmücke bewohnt stark verbuschte Bereiche an Waldrändern, lichte Vorwälder, Parks
und auch Siedlungen. Mit ihren Ansprüchen steht sie zwischen der Dorngrasmücke, die sehr offene
Landschaften besiedelt und der Mönchsgrasmücke, die auch in älteren Wäldern brütet. Mit 35.000 –
70.000 Brutpaaren ist sie ein häufiger sächsischer Vogel. Ihr Bestand hat aber sowohl langfristig als
auch kurzfristig deutlich abgenommen und sie wird daher in die Vorwarnliste der Roten Liste Sachsen
aufgenommen.
Im Untersuchungsgebiet befindet sich vier bis sechs Reviere der Gartengrasmücke mit dem
Schwerpunkt entlang der Bahnlinie. Von Maßnahmen im Plangebiet sind die Reviere nicht betroffen.
Abb. 8: Reviere der Gartengrasmücke im Untersuchungsgebiet

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Seite 23
Goldammer
Die Goldammer besiedelt gern linienartige verbuschte Strukturen in einer ansonsten offenen
Landschaft und ist ein typischer Heckenbewohner. Günstige Lebensbedingungen findet sie aber auch
an gestuften Waldrändern und in verbuschten Offenlandschaften. Auch in jungen Baumpflanzungen
siedelt die Goldammer gern. Aufgrund von deutlichen kurzfristigen Bestandsrückgängen wurde die
Goldammer auf die Vorwarnliste der Rote Liste der Brutvögel Deutschlands gesetzt.
Im Untersuchungsgebiet siedelt Goldammer entlang der bestehenden Strukturen. Von Maßnahmen
im Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die Art zu erwarten, da der Übergangsbereich
zwischen Offenland und Gehölz- bzw. Waldstrukturen erhalten bleibt und mit den zu errichtenden
Blühstreifen nördlich und südlich des Plangebietes geeignete Brut- und Nahrungshabitate
vorhanden sind bzw. entstehen.
Abb. 9: Reviere der Goldammer im Untersuchungsgebiet

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Seite 24
Grauammer
Die Habitatansprüche der Grauammer ähneln denen des Braunkehlchens. Bevorzugt werden
halboffene Landschaften mit einzelnen Büschen oder kleinen Baumgruppen als Singwarten. Sehr
gern besiedelt werden auch linienartige Habitate wie breite Wegränder, Böschungen und
Brachestreifen. Die Grauammer ist toleranter gegenüber dem Vorkommen von größeren Bäumen
oder Hecken als das Braunkehlchen und deckt dadurch ein etwas größeres Habitatspektrum ab. Sie
ist auch flexibler bei der Nahrungswahl und verarbeitet mit ihrem großen Schnabel auch große
Insekten. Reviere der Grauammer sind im Normalfall 4-6 ha groß (Gliemann 1973) können aber bei
optimalen Bedingungen auch deutlich kleiner sein. Bei großflächigen Untersuchungen liegt die Dichte
in Sachsen bei bis zu 8 BP / km², ist aber meist deutlich niedriger (Steffens et al. 1998). Bei
kleinflächigen Kartierungen (< 100 ha) wurde in den 70er Jahren bei Biehla eine maximale Dichte von
33 Rev. / km² ermittelt (Melde 1981)
.
Starke Bestandsgewinne von einem niedrigen Niveau in den 90er Jahren sind vermutlich zu einem
großen Teil auf günstige Wetterbedingungen (milde Winter, trockene Sommer) zurückzuführen. Seit
der
Aufgabe
des verpflichtenden
Bracheanteils in
Agrarbetrieben 2007
ist wieder ein
Bestandsrückgang zu beobachten. Negativ wirkt sich auch die anhaltende Reduktion von
Randstrukturen und Feldelementen aus. Die Grauammer wird auf der Vorwarnliste der neuen Rote
Liste Sachsen geführt. Aus der bundesdeutschen Rote Liste wurde die Art entlassen. Der
Erhaltungszustand der 1.200-2.400 BP in Sachsen wird vom LfULG als „günstig“ eingeschätzt. Die Art
gilt nach der Bundesartenschutzverordnung als streng geschützt.
Im
Untersuchungsgebiet
brüteten
12
15
Paare
der
Grauammer.
Damit
stellt
das
Untersuchungsgebiet mit den vorhandenen Strukturen für die Grauammer ein sehr gutes Bruthabitat
dar. Genutzt werden vor allem linienhafte Strukturen entlang der Bahnlinie sowie die
Grünlandstrukturen südlich der Siedlung am „Braunsteichweg“. Von Maßnahmen im Plangebiet sind
keine negativen Auswirkungen auf die Art zu erwarten, da der Übergangsbereich zwischen Offenland
und Gehölz- bzw. Waldstrukturen erhalten bleibt und mit den zu errichtenden Blühstreifen nördlich
und südlich des Plangebietes geeignete Brut- und Nahrungshabitate vorhanden sind bzw. entstehen.

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Seite 25
Abb. 10: Reviere der Grauammer im Untersuchungsgebiet

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Seite 26
Grauschnäpper
Der Grauschnäpper besiedelt gern horizontal und vertikal stark gegliederte, lichte Laub- und
Mischwälder, entlang von Rändern, Schneisen und Lichtungen. Günstige Lebensbedingungen findet
sie aber auch in Siedlungen des ländlichen Raumes mit exponierten Ansitzwarten und ausreichendem
Nahrungsangebot. Der Grauschnäpper ist mit 8.000 bis 16.000 Brutpaaren in Sachsen die
zweithäufigste
Schnäpperart
nach
dem
Trauerschnäpper.
Aufgrund
von
langfristigen
Bestandsrückgängen wurde der Grauschnäpper auf die Vorwarnliste der Rote Liste der Brutvögel
Deutschlands gesetzt. Verluste erleidet der Grauschnäpper neben den Verlusten auf dem Zug und in
den Winterquartieren vor allem durch den Biozideinsatz in der Land- und Forstwirtschaft,
Ausräumung der Landschaft und den Verlust an Brutmöglichkeiten (Totholz, Brutnischen in
Siedlungen).
Der Grauschnäpper konnte mit einem möglichen Revier entlang des Weges südlich der Siedlung am
„Braunsteichweg“ nachgewiesen werden. Die bestehenden Strukturen in der Nähe des
Siedlungsbereiches bieten dem Grauschnäpper gute Lebensbedingungen. Von Maßnahmen im
Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die Art zu erwarten.
Abb. 11. Mögliches Revier des Grauschnäppers im Untersuchungsgebiet

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Seite 27
Grünspecht
Der Grünspecht bewohnt den Übergangsbereich von alten Wäldern zur offeneren Landschaft. Große
alte Bäume benötigt er zur Anlage seiner Bruthöhle, während die Nahrungssuche hauptsächlich auf
Offenflächen stattfindet. Er frisst sehr gerne Ameisen, die er zum Großteil auf Wiesen findet. Sehr
gute Lebensbedingungen bieten parkartige Landschaften und Siedlungsbereiche mit einem alten
Baumbestand. Die Art profitiert vermutlich von warmen Sommern (Insektenreichtum) und milden
Wintern (reduzierte Sterblichkeit) und seine kurzfristige Bestandsentwicklung ist positiv. Der
bundesdeutsche Bestand betrügt zur Atlaskartierung (2004-2009) 42.000-76.000 Brutpaare und in
Sachsen wurden in diesem Zeitraum 1.500-3.000 Brutpaare registriert. Sein Erhaltungszustand wurde
2017 in Sachsen als günstig eingeschätzt. Der Grünspecht wird in keiner Roten Liste geführt. Die Art
ist aber nach der BArtSchV streng geschützt.
Mindestens ein Revier des Grünspechtes befindet sich in den Waldflächen nördlich des Plangebietes.
Es ist aber davon auszugehen, dass das Revier auch Teile des Siedlungsgebietes von Weißkeißel und
den Bereichen am „Braunsteichweg“ umfasst. Die Attraktivität der Waldflächen nördlich ergibt sich
vor allem durch Offenbodenstellen und gut besonnte Waldränder und Wege. Eine Nutzung des
Plangebietes zur Nahrungssuche konnte nicht beobachtet werden. Von einer wesentlichen
Abhängigkeit des Grünspechtes von den Flächen im Plangebiet ist aber nicht auszugehen.
Abb. 12: Revier des Grünspechtes im Untersuchungsgebiet

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Seite 28
Heidelerche
Die Heidelerche ist ein Bewohner ausgesprochen offener Habitate mit einem hohen Anteil an
Offenboden. Früher siedelte sie auf kargen Feldern und Waldblößen sowie Kiesbänken entlang der
Flüsse. Durch die intensiven Nährstoffeinträge ist sie von den Feldern weitestgehend verschwunden
und besiedelt jetzt vornehmlich Sekundärhabitate wie Kies- und Sandgruben, Tagebaufolgeflächen
und Truppenübungsplätze. Auf den armen Böden der Teichlausitz hat die Art ihren sächsischen
Verbreitungsschwerpunkt und bewohnt auch noch nährstoffarme Wiesen und Kahlschlagsflächen vor
dem Aufwachsen von Jungbäumen. Aufgrund langfristiger Bestandsabnahmen und absehbaren
weiteren Lebensraumverschlechterungen wird sie in der neuen Rote Liste Sachsens (2015) als
gefährdet (RL SN 3) eingestuft. Ihr Erhaltungszustand wird in Sachsen als unzureichend eingeschätzt.
Als Art des Anhang I der Vogelschutzrichtlinie genießt sie einen europarechtlichen Schutz. Außerdem
ist sie nach der bundesdeutschen Artenschutzverordnung streng geschützt.
Im Untersuchungsgebiet brüteten ein bis fünf Paare der Heidelerche vor allem im Bereich um das
Planungsgebiet. Von Maßnahmen im Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die Art zu
erwarten, da der Übergangsbereich zwischen Offenland und Gehölz- bzw. Waldstrukturen erhalten
bleibt und mit den zu errichtenden Blühstreifen nördlich und südlich des Plangebietes geeignete
Brut- und Nahrungshabitate vorhanden sind bzw. entstehen.
Abb. 13: Reviere der Heidelerche im Untersuchungsgebiet

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Seite 29
Kranich
Der Kranich bewohnt Waldkomplexe mit strukturreichen Feuchtgebieten, bevorzugt in lichten
Birken- und Erlensümpfen. Bruthabitate finden sich auch in Moor- und Heidegebieten, verlandeten
Seen, aber auch in der Kulturlandschaft mit Feuchtstellen. Voraussetzung ist eine ausreichende
Nestdeckung. Das Nahrungsspektrum des Kranichs besteht aus tierischen und pflanzlichen
Bestandteilen, wobei der Pflanzliche Anteil überwiegt. Zur Nahrungssuche ist der Kranich vorwiegend
in offener Landschaft anzutreffen. Seine kurzfristige Bestandsentwicklung ist sachsen-, sowie
bundesweit positiv. In Sachsen bei der letzten Erfassung 200 -250 Brutpaare registriert. Diese
Zunahmen sind vor allem durch lokale Bestandszunahmen, günstige Nahrungsbedingungen im
Herbst und Winter, verkürzte Zugwege
und den verbesserten Schutz begründet.
Sein
Erhaltungszustand wurde 2017 in Sachsen als günstig eingeschätzt. Der Kranich ist eine Art des
Anhang I der europäischen Vogelschutzrichtlinie. Zwar konnten während den Begehungen Kranich
festgestellt werden, sie werden jedoch nicht als Brutvögel im Untersuchungsgebiet gewertet, da
geeignete Brutmöglichkeiten nicht vorhanden sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Art
Brutvogel im weiteren Umfeld ist. Von einer wesentlichen Abhängigkeit des Kranichs von den Flächen
im Plangebiet ist nicht auszugehen.
Kuckuck
Der Kuckuck besiedelt verschiedene Lebensraumtypen von halboffenen Waldlandschaften über
halboffene Hoch- und Niedermoore bis zu Küstenlandschaften. Grundvoraussetzung für das
Vorkommen ist die Anwesenheit der Hauptwirtsarten zur Eiablage. Langfristig ist von einem
negativen Bestandstrend der Art in Sachsen auszugehen. Bei der letzten landesweiten Erfassung der
Vogelbestände konnten 2.000 – 4.000 Brutpaare in Sachsen ermittelt werden. Gründe für diesen
negativen Trend liegen vor allem mit der Strukturverarmung der Agrarlandschaft, Anlage von
Monokulturen sowie dem Einsatz von Bioziden und deren Wirkung auf die Wirtsarten begründet. Der
Kuckuck wird auf der Roten Liste Sachsens mit 3 geführt.
Insgesamt konnten 5 Reviere des Kuckucks im Untersuchungsgebiet festgestellt werden. Von einer
wesentlichen Abhängigkeit des Kuckucks von den Flächen im Plangebiet ist nicht auszugehen.

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Seite 30
Abb. 14: Reviere des Kuckucks im Untersuchungsgebiet
Neuntöter
Der Neuntöter gilt als Charakterart der gut strukturierten Agrarlandschaft, besiedelt aber auch
Brachen, gestuften Waldränder und Schonungen. Bei der Nahrungswahl ist er opportunistisch und
nimmt Großinsekten, Kleinsäuger und andere Vögel. Zur Brut ist er auf dichte Büsche zur
Nestanlage angewiesen. Die Art ist im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie aufgeführt. Die Art wird
nicht in der Roten Liste Deutschlands oder Sachsens geführt. Der Bestand ist über die letzten 25
Jahre fluktuierend, aber zeigt über die letzten 12 Jahre eine leichte deutschlandweite Abnahme
(Sudfeldt et al. 2013). In Sachsen gilt der Erhaltungszustand des Neuntöters bei einem Bestand von
8.000-16.000 Brutpaaren als günstig. Über die letzten Jahrzehnte hat sein Bestand in Sachsen
deutlich zugenommen.
Negativ wirkt sich die anhaltende Reduktion von Randstrukturen und Feldelementen,
Nahrungsverknappung durch Biozideinsatz und immer dichter werdende Vegetation aus. Der
Erhaltungszustand in Sachsen wird vom LfULG als „günstig“ eingeschätzt.

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Im Untersuchungsgebiet brüteten 4 - 6 Paare des Neuntöters. Damit stellt das Untersuchungsgebiet
mit den vorhandenen Strukturen für den Neuntöter ein gutes Bruthabitat dar. Genutzt werden vor
allem linienhafte Strukturen entlang der Bahnlinie sowie die Grünlandstrukturen südlich der Siedlung
am „Braunsteichweg“. Von Maßnahmen im Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die
Art zu erwarten, da der Übergangsbereich zwischen Offenland und Gehölz- bzw. Waldstrukturen
erhalten bleibt und mit den zu errichtenden Blühstreifen nördlich und südlich des Plangebietes
geeignete Nahrungshabitate vorhanden sind bzw. entstehen.
Abb. 15: Reviere des Neuntöters im Untersuchungsgebiet

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Pirol
Der Pirol besiedelt hauptsächlich lichte und sonnige Wälder, Auen und Kulturlandschaft mit
ausreichendem Gehölzbestand. Aufgrund der langfristigen negativen Bestandsentwicklung wurde
der Pirol in den Roten Listen Sachsens und Deutschlands in die Vorwarnliste aufgenommen. In
Sachsen konnte ein Bestand von 4.000 – 8.000 BP ermittelt werden. Als Rückgangsursachen werden
neben Verlusten auf dem Zugweg eine intensivere und geänderte Landnutzung sowie Biozideinsatz
angesehen.
Im Untersuchungsgebiet konnten 5 - 9 Reviere des Pirols ermittelt werden. Diese finden sich in den
Waldstrukturen entlang der Bahnlinie mit den entsprechenden Waldrändern. Von Maßnahmen im
Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die Art zu erwarten, da der Übergangsbereich
zwischen Offenland und Gehölz- bzw. Waldstrukturen erhalten bleibt.
Abb. 16: Reviere des Pirols im Untersuchungsgebiet

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Raubwürger
Der Raubwürger besiedelt halboffene bis offene Landschaften verschiedenster Ausprägung mit
Einzelgehölzen
oder
Gehölzgruppen.
In
Grünlandbereichen
sind
Einzelgebüsche
und
Weidezaunpfähle von besonderer Bedeutung. Die Art ist im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie
aufgeführt. Die Art wird in der Roten Liste Deutschlands und Sachsens mit 2 geführt (stark
gefährdet).
Aufgrund
der
langfristig
negativen
(kurzfristig
mehr
oder
weniger
stabil)
Bestandsentwicklung kommt es zu dieser Einstufung. In Sachsen gilt der Erhaltungszustand des
Raubwürgers bei einem Bestand von 150 - 250 Brutpaaren als unzureichend.
Gefährdungsursachen sind vor allem in der Lebensraumzerstörung, dem Umbruch von Grünland- und
Heideflächen sowie der Aufforstung zu sehen.
Im Untersuchungsgebiet konnte ein mögliches Revier des Raubwürgers in dem Grünlandbereich
südlich des Siedlungsbereiches am „Braunsteichweg“ festgestellt werden. Von Maßnahmen im
Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die Art zu erwarten, da der Übergangsbereich
zwischen Offenland und Gehölz- bzw. Waldstrukturen erhalten bleibt und keine Eingriffe innerhalb
des bestehenden Grünlands (Weidenutzung) erfolgt.

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Abb. 17: mögliches Revier des Raubwürgers im Untersuchungsgebiet
Rauchschwalbe
Die Rauchschwalbe konnte auf den Untersuchungsflächen als Nahrungsgast festgestellt werden.
Das Untersuchungsgebiet bietet der Art keine Brutmöglichkeiten, da die Art als ausgesprochener
Kulturfolger an Siedlungsbereiche gebunden ist. Mögliche Brutvorkommen sind im Bereich der
Siedlung am „Braunsteichweg“ zu vermuten. Von Maßnahmen im Plangebiet sind keine negativen
Auswirkungen auf die Art zu erwarten, da die Flächen weiterhin als Nahrungshabitat zur Verfügung
stehen.
Rohrweihe
Die Rohrweihe konnte einmalig auf der Untersuchungsfläche als Nahrungsgast bzw. überfliegend
festgestellt werden. Die Rohrweihe besiedelt Seenlandschaften und Flussauen mit ausgeprägten
Verlandungszonen und schilfreichen Altarmen. Daneben kommt sie auf Dauergrünland und
Agrarflächen vor. Aufgrund der einmaligen Beobachtung der Art während der Begehung am
04.06.2021 ist nicht von einer Brut im Untersuchungsgebiet auszugehen, sodass keine negativen
Auswirkungen zu erwarten sind. Potentielle Brutplätze finden sich an den Gewässern nördlich bzw.
nordwestlich des Untersuchungsgebietes.

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Rotmilan
Der Rotmilan konnte einmalig auf der Untersuchungsfläche als Nahrungsgast bzw. überfliegend
festgestellt werden. Der Rotmilan besiedelt vielfältig strukturierte Landschaften mit einem Wechsel
von bewaldeten bzw. Feldgehölzen und offenen Biotopen. Im Gegensatz zum Schwarzmilan spielt
die Nähe zu Gewässern eine untergeordnete Rolle. Aufgrund der einmaligen Beobachtung kann
nicht von einer Brut im Untersuchungsgebiet ausgegangen werden und somit auch keine negativen
Auswirkungen zu erwarten sind.
Schwarzspecht
Der Schwarzspecht bewohnt ausgedehnte Misch- und Nadelwälder vom Gebirge bis ins Tiefland mit
einem ausreichenden Altholzanteil zur Anlage von Brut- und Schlafhöhlen. Bruthöhlen finden sich vor
allem in Buchenbeständen. Als Nahrung nutzt er häufig Larven, Puppen und Imagines von Ameisen
oder anderen Holzbewohnenden Insekten. In Sachsen wurden während der letzten Erfassung 1.400 -
2.000 Brutpaare registriert. Sein Erhaltungszustand wurde 2017 in Sachsen als günstig eingeschätzt.
Der Grünspecht wird in keiner Roten Liste geführt. Die Art ist im Anhang I der europäischen
Vogelschutzrichtlinie geführt.
Es finden sich in den Waldflächen nördlich und südlich des Plangebietes zwei Reviere des
Schwarzspechtes. Die Attraktivität der Waldflächen nördlich ergibt sich vor allem durch die
angrenzenden Flächen entlang der Bahnlinie mit Offenbodenstellen und gut besonnte Waldränder
und Wege. Eine Nutzung des Plangebietes zur Nahrungssuche konnte nicht beobachtet werden. Von
einer wesentlichen Abhängigkeit des Schwarzspechtes von den Flächen im Plangebiet ist nicht
auszugehen.

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Abb. 18: Reviere des Schwarzspechtes im Untersuchungsgebiet

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Star
Der Star ist eine (noch) weit verbreitet Vogelart und besiedelt sowohl (Laub)Wälder, als auch
Siedlungsbereiche und parkartige Landschaften. Voraussetzung für sein Brutvorkommen ist das
Vorhandensein von (Baum)Höhlen, da er sie nicht selber anlegen kann. Der Star hat in den letzten
Jahren stark abgenommen und wurde daher in der neuen Roten Liste Deutschlands (Grüneberg et al.
2015) als „gefährdet“ (RL D 3) aufgenommen.
Im Untersuchungsgebiet brüten 10 - 20 Paare. Direkt am Plangebiet 4 Paare. Der Erhalt der
Brutreviere hängt in erster Linie am Erhalt der alten Bäume (v.a. Eichen) entlang des bestehenden
Reitweges am Floßgraben ab. Von Maßnahmen im Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen
auf die Art zu erwarten, da keine Gehölzentfernungen entlang des Reitweges geplant sind und mit
der Anlage von Blühstreifen potentielle Nahrungsflächen nicht verloren gehen bzw. neu geschaffen
werden.
Abb. 19: Reviere des Stars im Untersuchungsgebiet

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Turteltaube
Die Turteltaube besiedelt relativ trockene Gebiete, lichte sommertrockene Wälder mit hohem Anteil
an mittelhohen Busch- und Baumbestand. Ferner findet man sie heute in halboffener
Kulturlandschaft in Verbindung mit Waldrändern und Waldlichtungen, Bergbaufolgelandschaften und
Siedlungen mit aufgelassenen Gärten und Obstplantagen. Mit 2.000 bis 3.500 BP ist sie die seltenste
Taubenart in Sachsen. Ihr Erhaltungszustand wird mit „unzureichend“ angegeben. Der lang- und
kurzfristige Bestandsrückgang führt zu der Einordnung in die Rote Liste Deutschlands und Sachsens
als „gefährdet“ (Sachsen) bzw. „stark gefährdet“ (Deutschland).
Gefährdungsursachen sind vor allem die Jagd auf dem Zug, der Verlust an Brutlebensräumen sowie
die Intensivierung der Landwirtschaft.
Abb. 20: mögliches Revier der Turteltaube im Untersuchungsgebiet

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Wachtel
Die Wachtel ist ein Brutvogel offener Feld- und Wiesenflächen mit hoher, Deckung gebender
Krautschicht. Bevorzugt werden tiefgründige und feuchte Böden. Typische Brutplätze stellen
Getreidefelder, Brachen, Luzerne- oder Kleeschläge und Wiesen dar. Neben den erheblichen
Verlusten durch menschliche Verfolgung auf dem Zug, ist die Wachtel vor allem durch Intensivierung
der Landwirtschaft mit Zerstörung der kleinstrukturierten Kulturlandschaft gefährdet. Als extremer
Stratege ist sie sogar in der Lage noch im ersten Sommer eine Erstbrut durchzuführen.
Mit 2.000 bis 4.000 Brutpaaren ist sie in Sachsen die häufigste Feldhuhnart. Ihr Erhaltungszustand
wird in Sachsen mit „günstig“ angegeben. Aufgrund der starken kurzfristigen Abnahme der Bestände
wurde die Art in die Roten Liste Deutschland in die Vorwarnliste aufgenommen.
Innerhalb des Plangebietes siedelten ein Paar der Wachtel. Für eine höhere Dichte ist die Nutzung
der landwirtschaftlichen Fläche zu intensiv.
Durch eine Errichtung der Modulfelder gehen offene freizugängliche Flächen verloren und
beeinträchtigen somit das Vorkommen der Wachtel im Planungsgebiet. Allerdings bietet der Aufbau
des Zaunes (untersten 20 cm werden offen gelassen) eine weitere Zugänglichkeit zu den Flächen. Die
Umwandlung von intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen zu extensiv genutztem Grünland
kann sich positiv auf die Wachtelbestände auswirken. Mit einer gezielten Gestaltung der Fläche und
einem gezieltem Mahdregime (außerhalb der Brutzeit September bis April) könnten Brutbiotope der
Wachtel erhalten werden.
Für die Beurteilung des Störungstatbestandes empfiehlt das LfULG die Gemeinde als Bezugsgröße für
den Bestand der lokalen Population. In der Gemeinde Boxberg/O.L. sind noch Acker- und
Grünlandflächen von über 1.000 ha vorhanden. Es ist daher wahrscheinlich, dass der Bestand in der
Gemeinde über den 60 Brutpaaren, die benötigt werden, damit die vier Paare im Plangebiet unter
der Signifikanzschwelle von 5% bleiben. Aus rechtlicher Sicht ist daher eine erhebliche
Beeinträchtigung der Wachtel bei einem Verlust der bis zu drei Reviere nicht anzunehmen.

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Abb. 21: Reviere der Wachtel im Untersuchungsgebiet

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Waldlaubsänger
Der Waldlaubsänger besiedelt ältere Hoch- und Niederwälder mit geschlossenen Kronendach und
wenig Krautvegetation. Besiedelt wird auch Wirtschaftswald, solange einzeln eingesprengte
Laubbäume vorhanden sind. Mitunter werden parkartige Habitate in Siedlungen besiedelt. Mit
einem Brutbestand von 5.000 - 10.000 Paaren (2004-2007) ist der Waldlaubsänger die seltenste
Laubsängerart Sachsens. Die starken Bestandrückgänge der letzten 25 Jahre erfordern eine
Einstufung in Rote Liste Sachsen in die Vorwarnliste. Die Art findet sich nicht auf der Roten Liste
Deutschlands.
Im Untersuchungsgebiet konnten 2 bis 6 Reviere des Waldlaubsängers ermittelt werden. Diese
finden sich innerhalb des Waldes nördlich des Plangebietes. Angrenzend an das Plangebiet finden
sich bis zu 3 Reviere. Von Maßnahmen im Plangebiet sind keine negativen Auswirkungen auf die
Art zu erwarten.
Abb. 22: Reviere des Waldlaubsängers im Untersuchungsgebiet

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Seite 42
Waldschnepfe
Die Waldschnepfe besiedelt ältere ausgedehnte, reich gegliederte Waldbestände, bevorzugt
Auwälder und feuchte Fichtenwälder der Hochlagen. Von besonderer Bedeutung sind mehrstufige
Waldbestände mit lückigem Kronenschluss, strukturierte Strauch- und Krautschicht sowie
Waldlichtungen. Der Brutbestand wird mit 500 - 1.000 Paaren (2004-2007) angegeben. Aus
methodischen Gründen ist dies jedoch nur eine äußert grobe Schätzung, da die Art erheblichen
Erfassungsproblemen
unterliegt.
Langfristige
Lebensraumverluste
im
Zusammenhang
mit
ungünstigen Zukunftsaussichten führten zu einer Einordnung in die Rote Liste auf die Vorwarnliste
Sachsens und Deutschlands.
Nachweise der Waldschnepfe konnten vor allem entlang der Bahnlinie sowie südlich des
„Froschteichsgrabens“ erfolgen. Von Maßnahmen im Plangebiet sind keine negativen
Auswirkungen auf die Art zu erwarten.
Abb. 23: Nachweise der Waldschnepfe im Untersuchungsgebiet

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Wendehals
Der Wendehals besiedelt aufgelockerte Laub-, Misch- und Nadelwälder in Verbindung offener
Flächen für die Nahrungssuche. Daneben werden auch Streuobstwiesen, Feldgehölze, Parks, Gärten
o.ä. genutzt. Voraussetzungen sind wärmebegünstigte Standorte, eine hohe Ameisendichte und
reiches Höhlenangebot. Mit einem Bestand von 300 – 500 Brutpaaren in Sachsen wird der
Erhaltungszustand in Sachen als „unzureichend“ eingestuft. Die langfristig negativen
Bestandsentwicklungen erforderten eine Einstufung auf der Roten Liste Sachsens in die Kategorie 3
(„gefährdet“). In Deutschland wird er in der Roten liste als „stark gefährdet“ geführt.
Gefährdungsursachen sind der Verlust wichtiger Randstrukturen, zu Häufige (gleichzeitig zu seltene)
Wiesenmahd
(Nahrungsverfügbarkeit),
Biozideinsatz
sowie
intensive
Nutzung
von
Streuobstbeständen.
Im Untersuchungsgebiet rief am 11. Mai ein Wendehals in dem Siedlungsbereich am „Waldweg“
(Gemeinde Weißkeißel) nördlich des Plangebietes. Es ist möglich, dass es sich um einen verspäteten
Durchzug eines Individuums handelte, da ein weiterer Nachweis nicht erfolgte. Von Maßnahmen im
Plangebiet sind daher keine negativen Auswirkung gen auf die Art zu erwarten.
Abb. 24: mögliches Revier des Wendehals im Untersuchungsgebiet

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Wiesenpieper
Der Wiesenpieper besiedelt weitgehend offene, gehölzarme Landschaften unterschiedlicher
Ausprägung,
hauptsächlich
Grünland,
Ackergebiete,
aber
auch
Hochmoore
und
feuchte
Heidegebiete. Mit einem Brutbestand von 1.200 - 2.400 Paaren (2004-2007) hat ich der Bestand des
Wiesenpiepers im Vergleich zur letzten Erfassung halbiert. Diese starken Bestandrückgänge seit der
landesweiten Kartierung 1993-1996 liegen vor allem in Lebensraumverlusten, Umwandlung von
Grün- in Ackerland sowie der Hydromelioration begründet. Die Art wurde in der sächsischen sowie
bundesdeutschen Roten Liste mit 2 eingestuft.
Im Untersuchungsgebiet sang am 04. Mai ein Wiesenpieper im Bereich des Floßgrabens nördlich des
Plangebietes. Von Maßnahmen im Plangebiet sind daher keine negativen Auswirkungen auf die Art
zu erwarten.
Abb. 25: mögliches Revier des Wiesenpiepers im Untersuchungsgebiet

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Seite 45
Vorhabenbezogene Einschätzung
Die nachfolgenden Abschnitte beschreiben die anlage-, bau- und betriebsbedingten Wirkfaktoren des
Vorhabens. Sie werden auf ihre Relevanz in Bezug auf das Artenschutzrecht hin untersucht. Dabei
wird hauptsächlich auf §44 BNatSchG abgestellt.
Anlagebedingte Wirkfaktoren
Durch den Bau einer Freiflächenphotovoltaikanlage kommt es zu einer geringen Neuversiegelung.
Durch die geplante Anlage geht Lebensraum vor allem für Arten des Offenlandes verloren. Insgesamt
wird sich die Struktur der Fläche ändern. Aus gegenwärtig sehr offenen Habitaten entsteht lineare
Struktur (Module, Zaun, …), welche aber auch durch Vögel genutzt werden können. (z.B. als Sitz- und
Singwarten)
Baubedingte Wirkfaktoren
Während der Baumaßnahmen wird es zu Störungen durch Lärm und Bewegungen kommen. Dadurch
werden die jeweiligen Bauflächen durch die meisten Arten nicht mehr zur Verfügung stehen. Da bei
Umgestaltungen für ein Freiflächenphotovoltaikanlage teilweise auch der Oberboden abgeschoben
wird, können Fortpflanzungsstätten von Bodenbrütern geschädigt werden, wenn Erdarbeiten
während der Brutzeit stattfinden.
Bei eventuellen Baumfällungen können Lebensstätten geschützter Tiere betroffen sein (§44 Abs. 1
Nr. 3). Wenn Gebüschrodungen während der Fortpflanzungszeit stattfinden, können ebenso
Fortpflanzungsstätten betroffen sein und sogar das Tötungsverbot verletzt werden.
Betriebsbedingte Wirkfaktoren
Durch die Baumaßnahmen werden sich kurzfristig vor allem die Störungen deutlich erhöhen.
Innerhalb einer Freiflächenphotovoltaikanlage gibt es unregelmäßig menschliche Aktivitäten, die auf
viele Arte optisch und/oder akustisch störend wirken, welche in der Regel aber als gering
einzuschätzen sind. Für Vögel sollte dieses Risiko gering sein, da innerhalb der kein motorisierter
Verkehr stattfindet. Bei Durchführungen von Mahd- und Pflegemaßnahmen außerhalb der Brutzeit
sind kaum Beeinträchtigungen zu erwarten. Auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden sollte
jedoch unbedingt verzichtet.

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Maßnahmen zur Vermeidung
Im Folgenden wird ein Überblick über die empfohlenen Maßnahmen zum Schutz der potenziell
beeinträchtigten Arten gegeben.
Minimierung des Versieglungsgrades
Es ist ein erklärtes Ziel der Bundesregierung bis spätestens 2030 (ursprünglich angestrebt war bereits
2020) den Flächenverbrauch von gegenwärtig etwa 60 ha auf unter 30 ha pro Tag zu drücken.
Besonders negativ wirkt sich die vollständige Versieglung der Böden aus. Generell sollte daher der
Versiegelungsgrad bei allen Baumaßnahmen minimiert werden. Es ist aber darauf zu achten, dass
Zuwege nicht versiegelt werden.
Bauzeitbeschränkung
Besonders lärmintensive Baumaßnahmen müssen zwischen September und März außerhalb der
Brutzeit erledigt werden. Baumfällungen/Gebüschrodungen und größere Eingriffe in den Oberboden
müssen zur Wahrung des Tötungsverbotes außerhalb der Brutzeit durchgeführt werden. Falls davon
abgewichen werden soll, muss ein Sachverständiger im Rahmen der ökologischen Baubegleitung den
zu rodenden Bereich vorher auf das Vorkommen von Fortpflanzungsstätten untersuchen.
Pflege
Innerhalb der Freiflächenphotovoltaikanlage ist die Entwicklung zu offenem Magerrasen
anzustreben. Hierbei empfiehlt sich die Einsaat mit geeignetem gebietsheimischem Saatgut sowie ein
gezieltes Mahdregime innerhalb der Planfläche. Dazu sollte die Fläche zunächst über einige Jahre
(mind. 3 Jahre) ausgehagert werden. Dies kann über eine ein- bis zweimalige Mahd, inklusive
Mahdgutentfernung, erfolgen. Um Beeinträchtigungen auf die Avifauna zu vermeiden sollte diese
Mahd im Herbst (nach der Brutzeit) und/oder im zeitigen Frühjahr (vor der Brutzeit) erfolgen. Die
Beweidung der Flächen mit Schafen könnte als Alternative angesehen werden. Allerdings befindet
sich das Plangebiet innerhalb eines bzw. mehrerer Wolfsreviere. Bei einer Beweidung müsste eine
„wolfssichere“ Einzäunung gewährleistet sein (z.B. Untergrabungsschutz des Zaunes). Diese
Maßnahmen stehen jedoch anderen Zielen gegenüber (z.B. Durchlässigkeit für Kleinsäuger oder
Wachtel), sodass das gezieltes Mahdregime zu empfehlen ist. Mit der Mahd kann weiterhin gezielt
die Entwicklung hinsichtlich zum Zielbiotop gesteuert werden.
Anlage von Blühstreifen
Am südlichen und nördlichen Außenbereich der Anlage sollte ein artenreicher Blühstreifen aus
einjährigen und zweijährigen Wild- und Kulturpflanzen sowie langlebigen Wildkräutern etabliert
werden, die bevorzugt auch von Nachtfaltern angeflogen werden. Diese können als Brutplatz genutzt
werden und dienen als wichtige Nahrungsgrundlage. Auch hier empfiehlt sich zunächst eine
mehrjährige Aushagerung, da es sich um vormals landwirtschaftlich genutzte Bereiche handelt.

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Anlage von Einzelgehölzen
Es empfiehlt sich die Anlage von niedrigwüchsigen Einzelgehölzen entlang des bestehenden Wander-
und Reitweges im östlichen Bereich des Plangebietes. Diese können einerseits als Sichtschutz dienen
und bieten gleichzeitig Sing- und Sitzwarten für verschiedene Vogelarten (z.B. Grauammer,
Neuntöter, Raubwürger).
Variantenvergleich der geplanten Zuwegung
Für die Zuwegung der Freiflächenphotovoltaikanlage „Solarpark Nochten“ stehen zum jetzigen
Zeitpunkt zwei Varianten zur Verfügung. Beide Varianten orientieren sich an bestehenden Wald–
bzw. Wirtschaftswegen. Lediglich bei Variante 2 müsste ein ca. 410 Meter langer Abschnitt entlang
des „Floßgrabens“ auf der Ackerseite neu angelegt werden.
Beide Varianten beeinträchtigen Lebensstätten und Nahrungshabitate von Vögeln. Variante 1 führt
parallel entlang der Bahnlinie mit vorwiegend Walstrukturen (Waldränder) auf der östlichen Seite
und der Bahnlinie mit Einzelgehölzen und Gebüschstrukturen auf der westlichen Seite. Variante 2
weist neben Waldstrukturen im nördlichen Bereich weiterhin Offenland (Weide bzw. Feldflur),
Heckenstrukturen entlang des Froschteichgrabens und Waldränder (entlang des Floßgrabens) auf.
Aufgrund der vorhandenen Biotope und Strukturen konnten im Wirkraum der Variante 2 mehr Arten
nachgewiesen werden (Variante 1 – 20 Arten; Variante 2 – 25 Arten). Ähnlich verhält es sich mit der
Anzahl der betroffenen Reviere von Vogelarten. Entlang der Variante 1 konnten während den
Erfassungen 2021 ca. 60 Reviere verschiedener Vogelarten nachgewiesen werden. Entlang der
Variante 2 ca. 80 Reviere.
Legt man den Rote Liste Status der der nachgewiesenen Vogelarten zugrunde, ergibt sich eine
Betroffenheit für Variante 1 von elf Arten bzw. dreizehn Arten hinsichtlich der Variante 2.
Als Vogelart des Anhang I der europäischen Vogelschutzrichtline konnte der Neuntöter an beiden
Varianten nachgewiesen werden.
Variante 1
Variante 2
Anzahl (Arten)
20
25
Anzahl (Reviere) ca. 60
ca. 80
streng geschützt 2
3
Rote Liste
11
13
VS-RL
1
1
Aufgrund der vorliegenden Daten ist Variante 1 zu bevorzugen. Entscheidend ist die Anzahl der
betroffenen Arten und Reviere. Zusätzlich erfolgt beim Ausbau der Variante 1 nur eine geringere
Teilversiegelung (Verbreiterung des bestehenden Weges). Im Zuge der Variante 2 würde eine
Teilversiegelung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen (ca. 410 Meter) erfolgen. Diese Flächen
würden Vögeln nicht als Brut- und Nahrungshabitat zu Verfügung stehen.

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Zusammenfassung
Im vorliegenden Gutachten wurde das Vorkommen von Brutvögeln Bereich des geplanten Vorhabens
„Errichtung einer Freiflächenphotovoltaikanlage“ in der Gemeinde Boxberg/O.L. im Landkreis Görlitz
untersucht. Dazu wurden verfügbare Daten ausgewertet und zwischen April und Juni 2021 neun
Begehungen durchgeführt. Die Brutvögel wurden durch eine Brutvogelkartierung nach den
Methodenstandards erfasst.
Im Untersuchungsgebiet konnten 51 Brutvogelarten in 267 - 358 Revieren nachgewiesen werden,
wovon direkt im B-Plangebiet 2 Brutvogelarten in 4 - 5 Revieren vorkamen. Fischadler, Heidelerche,
Kranich, Neuntöter, Rohrweihe, Rotmilan, Schwarzspecht und Seeadler sind im Anhang I der
Vogelschutzrichtlinie aufgeführt. Zehn der im Untersuchungsgebiet nachgewiesenen Brutvogelarten
(Braunkehlchen, Baumpieper, Fischadler, Feldlerche, Raubwürger, Rauchschwalbe, Star, Turteltaube,
Wendehals, Wiesenpieper) sind in der Roten Liste Deutschlands aufgeführt und zehn weitere Arten
stehen in der bundesdeutschen Vorwarnliste. Zehn Arten (Braunkehlchen, Baumpieper, Fischadler,
Heidelerche, Kuckuck, Raubwürger, Rauchschwalbe, Turteltaube, Wendehals, Wiesenpieper) stehen
ebenfalls in der Roten Liste Sachsen. Zusätzlich werden neun Arten in der sächsischen Vorwarnliste
geführt. Schwarzspecht, Grauammer, Wendehals, Raubwürger, Heidelerche und Grünspecht sind
nach der bundesdeutschen Artenschutzverordnung streng geschützt. Die Vorkommen von
wertgebenden Arten mit starker Planungsrelevanz verteilen sich recht gleichmäßig über das
Untersuchungsgebiet. Eine gewisse Konzentration ist in entlang der vorhandenen linienhaften
Strukturen erkennbar.
Es werden Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen vorgeschlagen, um negative Auswirkungen auf
die vorgefundene Fauna zu vermeiden. Bei Umsetzung der Maßnahmen sind keine erheblichen
Beeinträchtigungen der Fauna zu befürchten.

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Abb. 26: nachgewiesene Vogelarten im Untersuchungsgebiet