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Leitfaden
des Sächsischen Oberbergamtes
für das Verwahren von Tagesschächten
Vom 10. Dezember 2007
Sächsisches
Oberbergamt

Sächsisches Oberbergamt
Leitfaden
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für das Verwahren von Tagesschächten
Inhaltsverzeichnis
Seite
1.
Allgemeines................................................................................................................. 4
1.1
Rechtsgrundlagen und Anwendungsbereich................................................................ 4
1.2 Begriffsbestimmungen................................................................................................. 4
2.
Verfahrensweise bei der Verwahrung von Schächten............................................ 5
2.1
Ermittlung des Ist-Zustandes ....................................................................................... 5
2.1.1
Auswertung von Unterlagen ........................................................................................ 6
2.1.2
Weiterführende Untersuchungen ................................................................................. 6
2.1.3
Situation an der Tagesoberfläche................................................................................. 7
2.2
Ableitung der Verwahrungsziele ................................................................................. 7
2.3 Planung der Verwahrungsmaßnahmen........................................................................7
2.3.1
Festlegung der Verwahrungsart und des Verfüllumfangs............................................ 8
2.3.2
Auswahl des Füllgutes ................................................................................................. 8
2.4
Auswahl des Einbringverfahrens ................................................................................. 9
2.5 Gefahrenbereich........................................................................................................... 9
3.
Qualitätssicherung ..................................................................................................... 9
4.
Maßnahmen nach Abschluss der Verfüllung ........................................................ 10
5.
Verwahrungsdokumentation .................................................................................. 11
6.
Betriebsplanverfahren............................................................................................. 12
7.
Beendigung der Bergaufsicht.................................................................................. 12
Anhang 1 ................................................................................................................................. 13
1. Grundsätzliche Anforderungen..................................................................................13
2. Verwahrungsart.......................................................................................................... 13
3.
Sicherung der Füllsäule gegen Auslaufen.................................................................. 14
4. Füllgut........................................................................................................................14
4.1
Überwachung des Füllgutes....................................................................................... 15
4.2
Überwachung des Füllstandes.................................................................................... 15
5. Einbringverfahren ...................................................................................................... 15
6.
Sicherung der Tagesoberfläche.................................................................................. 16

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Anhang 2 ................................................................................................................................. 17
1. Einleitung...................................................................................................................17
2. Anforderungen ........................................................................................................... 17
3.
Grundsätze für die Auslegung.................................................................................... 17
4.
Durchführung der Verwahrungsarbeiten ................................................................... 18
4.1
Vorbereitende Maßnahmen........................................................................................ 18
4.2
Füllgut ........................................................................................................................ 19
Anhang 3 ................................................................................................................................. 20
1. Einleitung...................................................................................................................20
2. Anforderungen ........................................................................................................... 20
3. Füllgut........................................................................................................................20
4. Wettertechnische Maßnahmen...................................................................................20
4.1
Ermittlung des Ausgasungsverhaltens ....................................................................... 20
4.2
Behandlung der Schachtabgänge ............................................................................... 21
4.3
Vorsorge hinsichtlich des Ausgasens verfüllter Schächte ......................................... 21
4.4
Maßnahmen zur Beschränkung etwaiger Explosionsauswirkungen.......................... 21
4.5
Vorbeugende Maßnahmen ......................................................................................... 21
4.6
Maßnahmen während der Verfüllung ........................................................................ 22
4.6.1
Stetiges Verstürzen großer Füllgutmengen................................................................ 22
4.6.2 Messtechnische Maßnahmen.....................................................................................22
4.6.3
Maßnahmen zur Vermeidung explosionsfähiger Atmosphäre................................... 23
4.7
Maßnahmen bei Ausgasungen an der Tagesoberfläche............................................. 23
Anhang 4 ................................................................................................................................. 26
1.
Sanierung des Schachtkopfes..................................................................................... 26
2.
Sanierung der Füllsäule.............................................................................................. 26
3.
Maßnahmen bei Ausgasungen an der Tagesoberfläche............................................. 26

 
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für das Verwahren von Tagesschächten
1. Allgemeines
1.1
Rechtsgrundlagen und Anwendungsbereich
Zur Erfüllung der Anforderungen des § 55 Absatz 1 Satz 1 Ziffer 5 und Abs. 2 Ziffer 1
BBergG sind Tagesschächte, die abgeworfen bzw. nicht mehr befahren werden und deren
sicherheitlich ordnungsgemäßer Zustand nicht mehr erhalten wird, zu verwahren.
Dieser Leitfaden richtet sich an Unternehmer, die Schachtverwahrungsmaßnahmen planen,
und an die Bergbehörde als Richtschnur für die Behandlung von Betriebsplänen.
Der Leitfaden enthält Hinweise und beschreibt Verfahrenswege für die Abarbeitung von Pro-
jekten zur Verwahrung von Schächten. In den Anhängen 1 bis 3 sind Anforderungen zusam-
mengefasst, die aus Sicht der Bergbehörde bei herkömmlichen Verwahrungen bzw. Verwah-
rungen mit höheren Ansprüchen gestellt werden.
Der Leitfaden kann auch bei Verwahrungsmaßnahmen und zur Gefahrenabwehr im Altberg-
bau zum Anhalt genommen werden, soweit die Bestimmungen einschlägig sind.
Im Anhang 4 sind Maßnahmen zusammengestellt, die einer Verbesserung der Sicherheit an
nicht dauerhaft verwahrten Tagesschächten dienen können.
1.2 Begriffsbestimmungen
Auflager für die Schachtabdeckung
ist der Teil des Schachtausbaus oder des den Schacht-
ausbau umgebenden Baugrundes, in welchem durch die Schachtabdeckung eingeleitete Kräfte
wirksam sind oder wirksam werden sollen.
Dauerhaft
bedeutet nach gegenwärtigem Erkenntnisstand eine über die Haltbarkeit von Bau-
werken hinausgehende Sicherung zur Verhinderung von Gefahren aus dem Schacht.
Füllgut
ist das zum Verfüllen des Schachtes, einschließlich seiner untertägigen Abgänge be-
nutzte Material.
Füllsäule
ist die Gesamtheit des in den Schachthohlraum und damit unmittelbar verbundene
Abgänge (z. B. Füllörter) eingebrachten Füllguts.
Gefahrenbereich
ist der Bereich, in dem während der Verwahrung Schutzmaßnahmen aus
arbeitssicherheitlichen Gründen erforderlich sind.
Kohäsiver Füllsäulenabschnitt
ist ein Schachtabschnitt mit hydraulisch abbindendem,
standfestem, nicht auswaschbarem, z. B. zementgebundenem Material, der die durch die je-
weiligen Beanspruchungszustände hervorgerufenen Belastungen auf den Schachtausbau und
das Gebirge dauerhaft überträgt.
Langzeitsicher
ist eine Verwahrung, wenn sie über sehr lange Zeiträume verhindert, dass es
zu einer Beeinträchtigung der Biosphäre kommen kann.

 
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Sachverständig
i. S. dieses Leitfadens sind Personen, die für das Tätigkeitsfeld über eine
einschlägige Ausbildung, ausgeprägte Fachkenntnisse, praktische Erfahrungen sowie die Fä-
higkeit Gutachten zu erstellen, verfügen.
Schachtabdeckung
ist eine bauliche Anlage zum Abschluss der Schachtöffnung im Bereich
der Tagesoberfläche.
Schachtabgänge
sind Grubenbaue, die den Schacht mit dem Grubengebäude verbinden (z.
B. Füllörter, Seil-, Rohr-, Kabel- und Wetterkanäle).
Nicht als Schachtabgänge im Sinne dieses Leitfadens gelten Grubenbaue
,
in die wegen ihrer
geringen Abmessungen keine nennenswerten Verfüllmassen abfließen können.
Schachtpfropfen
sind Widerlager bei einer Teilverfüllung des Schachtes. Sie können auch
als Sonderform der Teilverfüllung in Betracht kommen.
Schachtverschlüsse
dienen zum Abdichten von Grubenhohlräumen gegen das Grundwasser
und die Biosphäre. Schachtverschlüsse können in einem oder mehreren Abschnitten eingebaut
werden oder die gesamte Füllsäule eines Schachtes umfassen.
Sicherheitszone
ist der Bereich an der Tagesoberfläche, in dem nach Abschluss der Verwah-
rung gemäß den Anforderungen dieses Leitfadens Gefährdungen durch Senkungen, Setzun-
gen, Einsturz oder Ausgasung nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
Standfestes Gebirge
liegt vor, wenn das Gebirge in der Lage ist, die auftretenden Lasten
dauerhaft ohne nachteilige Wirkungen auf die Gebirgseigenschaften zu tragen.
Verwahrung
umfasst alle Maßnahmen, die zur Herstellung eines dauerhaft sicheren Zustands
des Schachtes erforderlich sind.
Widerlager
für das Füllgut im Schacht sind das anstehende Gebirge oder Massiv- bzw. Erd-
bauwerke aus Mauerwerk, Beton, Füllgut oder Bruchhaufwerk, an denen sich das Füllgut und
ggf. Kräfte aus zusätzlichen Belastungen (z. B. die Wassersäule) im Schacht oder in den
Schachtabgängen abstützt bzw. abstützen soll.
2.
Verfahrensweise bei der Verwahrung von Schächten
2.1
Ermittlung des Ist-Zustandes
Die Ermittlung des Ist-Zustands hat das Ziel, die Verhältnisse des zu verwahrenden Schachtes
zu untersuchen, damit nachfolgend die Art der Verwahrung abgestimmt auf die vorliegenden
Verhältnisse festgelegt werden kann.
Angrenzende und benachbarte Grubenbaue und Hohlräume sind in die Ermittlungen einzube-
ziehen. Nachfolgende Abstände zur Schachtkontur können bei der Betrachtung zum Anhalt
genommen werden:
Braunkohlen-, Steinkohlen-, Kaolin- und Erzbergbau (sedimentär)
20 m
Erzbergbau (magmatisch)
10 m

 
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Salzbergbau 50 m
Liegen Schwächungen des Gebirges durch Abbaueinwirkungen oder hohen Durchbauungs-
grad vor, ist der v. g. Betrachtungsbereich ggf. höher anzusetzen.
2.1.1
Auswertung von Unterlagen
Im ersten Schritt sind vom Unternehmer alle Aufzeichnungen über den Schacht, die Einfluss
auf die Planung der Verwahrung haben können, auszuwerten. Dazu gehören insbesondere:
Markscheiderische Unterlagen
Bezeichnung der Schachtanlage, Lage (einschließlich Koordinaten), Höhenangaben (Ni-
veau der Rasensohle, Teufen der Schachtabgänge und des Schachttiefsten), Querschnitt,
Einfallen bei nicht seigeren Schächten, benachbarte Grubenbaue und ggf. deren Schacht-
anschlüsse; Abbau in Schachtnähe.
Die risslichen Unterlagen sollten mindestens den Tageriss, Schachtscheiben und
Schachtprofile sowie Darstellungen der Grubenbaue bis zu den in 2.1 festgelegten Ab-
ständen umfassen.
Technische Unterlagen
Beschreibungen und zeichnerische Darstellungen über Schachtausbau, Einbauten, För-
deranlagen, Befahrbarkeit und nutzbare Wasserhaltungen, frühere Nutzungen, Schäden
mit Auswirkungen auf die Standsicherheit des Schachtes, frühere Verwahrungsmaßnah-
men.
Geologie
Darstellung der geologischen Verhältnisse auf der Grundlage eines Schichtenverzeichnis-
ses (Schachtprofil).
Hydrologie/Hydrogeologie
Informationen zu den Grundwasserverhältnissen (vorbergbaulich und während der Berg-
bauphase) sowie Menge, Herkunft und Beschaffenheit (z. B. Betonaggressivität) der dem
Schacht zusitzenden Wässer.
2.1.2 Weiterführende Untersuchungen
Soweit die Auswertung der Unterlagen keine ausreichenden Erkenntnisse erbracht haben, sind
zusätzliche Untersuchungen durchzuführen. Dazu können u. a. geeignet sein:
Befahrungen
Kamerabefahrungen
Bohrungen
Messungen
Nachkartierungen
Geotechnische Untersuchungen

 
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Hydrologische Untersuchungen
2.1.3
Situation an der Tagesoberfläche
Die Situation an der Tagesoberfläche ist im Hinblick auf den Schutz der Oberfläche im Inte-
resse der persönlichen Sicherheit und des öffentlichen Verkehrs darzustellen. Insbesondere
gehören dazu Infrastruktureinrichtungen, bauliche Anlagen, Schutzgebiete, Vorfluter und zu
schützende Objekte. Die Eigentumsverhältnisse und bestehende Nutzungsrechte betroffener
Grundstücke sind zu ermitteln.
2.2
Ableitung der Verwahrungsziele
Auf der Grundlage der Erkenntnisse aus der Ermittlung des Ist-Zustands sind Ziele für die
Verwahrung abzuleiten, um die in § 53 Abs. 1 i. V. m. § 55 BBergG festgelegten allgemeinen
Anforderungen zu erreichen. Insbesondere sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:
Sicherung der Tagesoberfläche im Hinblick auf die Folgenutzung (Abstand zu baulichen
Anlagen und Infrastruktureinrichtungen, Gewährleistung der Standsicherheit des
Schachtes),
Sicherung gegen Zutritt/Austritt von gefährdenden Stoffen in das oder aus dem
Grubengebäude (z. B. Grubengas, Wasserzutritt im Salz, kontaminierte Wässer, Sauer-
wasser),
Schutz des Grundwassers (Erhaltung der Grundwasserstockwerke in ihrer Funktionalität),
Schutz der Lagerstätte,
Schutz anderer Bergbaubetriebe.
2.3
Planung der Verwahrungsmaßnahmen
Die Schachtverwahrung ist auf der Grundlage der nach 2.2. ermittelten Ziele nach dem Stand
der Technik zu planen. Bei der Planung sind die sich einstellenden hydrologischen Verhält-
nisse während und nach der Verwahrung des Schachtes und ggf. Flutung der Grube zu be-
rücksichtigen sowie die in Anhang 1 festgelegten allgemeinen Anforderungen zu beachten.
Erfordern die Verwahrungsziele einen langzeitsicheren Verschluss des Schachtes, sind zu-
sätzlich die in Anhang 2 enthaltenen weitergehenden Anforderungen zu beachten.
Besondere Anforderungen an die Verwahrung von Tagesschächten des Steinkohlebergbaus
sind im Anhang 3 enthalten.
Maßnahmen zur Sanierung nicht dauerhaft verwahrter Schächte sind in Anhang 4 dargestellt.
Sind Messungen oder Probenahmen auch nach Abschluss der Verwahrung erforderlich, müs-
sen bei der Planung die hierfür notwendigen Einrichtungen (z. B. Rohrleitungen für
Lotungen) berücksichtigt werden.

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Soll von den festgelegten Anforderungen abgewichen werden, ist nachzuweisen, wie die ge-
forderte Sicherheit auf andere Weise gewährleistet wird.
2.3.1
Festlegung der Verwahrungsart und des Verfüllumfangs
Zu verwahrende Tagesschächte können in Abhängigkeit von den bergbaulichen und geotech-
nischen Gegebenheiten und den festgelegten Verwahrungszielen vollständig oder teilweise
verfüllt werden. Grundsätzlich ist eine Vollverfüllung zu bevorzugen.
Teilverfüllungen können in Frage kommen, wenn tiefere Abschnitte des Schachtes nicht mehr
zugänglich sind oder wenn z. B. die Abführung von Grubengas oder Wasser eine Vollverfül-
lung nicht ratsam erscheinen lassen.
Schachtpfropfen können eingebaut werden, wenn das Gebirge ausreichende Standfestigkeit
aufweist oder aus technischen Gründen eine weitergehende Verfüllung nicht zu realisieren ist.
2.3.2
Auswahl des Füllgutes
Beim Füllgut sind die in Abb. 1 dargestellten, grundlegenden Eigenschaften zu unterscheiden.
Abb. 1: Eigenschaften von Füllgut
Tragendes Füllgut
Tragendes Füllgut muss neben seiner Hohlraum verfüllenden Eigenschaft lagestabil sein
und die auftretenden Kräfte ableiten können.
Als tragendes Füllgut haben sich nach gegenwärtigem Kenntnisstand Hartgesteinschotter
und hydraulisch abbindendes Füllgut bewährt.

 
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Hohlraum verfüllendes Füllgut
Hohlraum verfüllendes Füllgut dient lediglich der vollständigen Ausfüllung von Schacht-
hohlräumen. Es muss nicht zwingend lagestabil sein.
Dichtendes Füllgut
Dichtendes Füllgut verhindert den Stoffaustausch bzw. -transport.
2.4
Auswahl des Einbringverfahrens
Zur Einbringung des Verfüllgutes stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Bei der
Auswahl des Verfahrens steht der Gesichtspunkt im Vordergrund, Brückenbildung, Schatten-
bildungen unter/hinter Einbauten zu vermeiden und die geforderte Qualität des Füllguts am
Einbauort zu erreichen.
Freies Verstürzen
Das freie Verstürzen kommt nur in Betracht, wenn keine Gefahr einer Brückenbildung im
Schacht besteht. Andernfalls ist das Rauben aller den freien Fall behindernden Einbauten
erforderlich.
Einbringen über Rohrleitung
Bestehen z. B. aus Gründen vorhandener Ein- und Ausbauten Bedenken gegen freies
Verstürzen, so muss das Verfüllgut schonend z. B. über Rohrleitungen eingebracht wer-
den. Die verbleibende Versturzhöhe ist in Abhängigkeit von den zu schonenden Ein- und
Ausbauten und von der Korngröße des Verfüllgutes festzulegen. Der Rohrdurchmesser ist
in Abhängigkeit von der Korngröße zu bestimmen.
Einbringen mit diskontinuierlich arbeitenden Verfahren
Das schonende Einbringen von Verfüllgut kann bei vorhandener Schachtförderanlage
mittels Skip oder Kübel mit Bodenentleerung erfolgen.
Das Einbringverfahren ist so zu wählen, dass die geforderte Qualität des Füllguts am Einbau-
ort gewährleistet bleibt.
Die Verfüllgeschwindigkeit ist bei kohäsiven Füllsäulen oder Schachtpfropfen so zu wählen,
dass die Tragfähigkeit der bisher eingebrachten Füllsäule erhalten bleibt.
2.5 Gefahrenbereich
Während der Verfüllarbeiten ist um den Schacht ein ausreichender Gefahrenbereich abzusper-
ren. Er sollte wenigstens den Bereich von 20 m um den Schacht sowie das Schachtgebäude
umfassen, wenn nicht zuvor anders bestimmt. Bei der Festlegung dieses Bereiches sind auch
Gefahren durch möglicherweise austretende Gase zu berücksichtigen. Die Arbeiten im Gefah-
renbereich sind gefährliche Arbeiten i. S. der ABBergV.
3. Qualitätssicherung
Der Umfang der erforderlichen Maßnahmen zur Qualitätssicherung sowie die Begleitung der
Gesamtmaßnahme sind im Einzelfall ggf. unter Hinzuziehung eines Sachverständigen festzu-
legen. Mindestens sind folgende Punkte zu überwachen:

 
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Übereinstimmung des Füllgutes mit den Anforderungen
Füllstandsüberwachung
Volumen des eingebrachten Füllgutes
Bei der Verwendung von kohäsivem Füllgut müssen vor dem Einbringen mindestens nach-
gewiesen werden:
o
die geforderte Festigkeit,
o
das Schwindverhalten,
o
das Ausbreitmaß für die einzelnen Mischungen,
o
Art, Festigkeitsklasse und Menge des Bindemittels,
o
Herkunft und Sieblinie der Zuschlagstoffe,
o
ggf. Art und Menge des zugesetzten Kornanteils < 0,06 mm und/oder verwendeter
Additive,
o
die Umweltverträglichkeit,
o
dass das Füllgut nicht zur Bildung von Gasen in gefährlichen Konzentrationen neigt.
Weitergehende Anforderungen sind in den Anhängen 1 - 3 festgelegt.
4.
Maßnahmen nach Abschluss der Verfüllung
Die Maßnahmen nach Abschluss der Verfüllung richten sich im Wesentlichen darauf, die
Tagesoberfläche so herzurichten, dass eine sichere Folgenutzung gewährleistet ist. Zu diesen
Maßnahmen gehören insbesondere:
Abdecken
Zum Abdecken von Tagesschächten kommen üblicherweise Platten aus Stahlbeton zur
Anwendung. Der Schachtausbau kann als Auflager für die Schachtabdeckung dienen,
wenn seine Standsicherheit örtlich untersucht und rechnerisch nachgewiesen ist. Eine
Abdeckung kann entfallen, wenn der Schacht kohäsiv verfüllt ist (siehe Anhang 1 Nr. 6).
Kennzeichnung
Die Lage der Tagesöffnung ist in geeigneter Weise dauerhaft zu kennzeichnen. Die
Kennzeichnung soll den Namen, die Lage des Mittelpunktes, die lichte Weite, die Teufe
des Schachtes und die zulässige Belastung der Abdeckplatte angeben.
Festlegen einer Sicherheitszone
Die Festlegung einer Sicherheitszone kann notwendig sein, z. B.
o
zur Abwehr von Explosions- und Gesundheitsgefahren bei Ausgasungen,

 
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o
um unzuträgliche Belastungen bei baulicher Inanspruchnahme der nahen Umgebung
auszuschließen.
Die Größe der Sicherheitszone muss sich nach den Verhältnissen im Einzelfall richten.
Abführung von Gasen und/oder Wasser
Ist mit einem Austritt von Gasen und/oder Wasser aus dem Schacht zu rechnen, sind
Vorkehrungen zur gefahrlosen Abführung vorzusehen.
Erhaltung der Zugänglichkeit zur Schachtparzelle
Soweit nach Abschluss der Verwahrung Kontrollen (z. B. Füll-, Wasserstand, Ausga-
sung) oder Maßnahmen (z. B. Nachverfüllung) erforderlich sind, muss die Schachtpar-
zelle zugänglich bleiben.
Festlegung von Kontrollfristen und -umfang
Der verfüllte und abgedeckte Schacht ist auf das Nachsacken der Füllsäule sowie auf das
Austreten schädlicher Gase zu überprüfen. Die Überprüfungen sollen durch fachkundige
Personen erfolgen. Die Fristen müssen sich nach den Gegebenheiten im Einzelfall rich-
ten.
Wesentlicher Gesichtspunkt bei Kontrollen sollten auch Veränderungen der Nutzung im
Umfeld des Schachtes, z. B. durch bauliche Anlagen, sein.
Nachverfüllungen
Es ist festzulegen, bei welchen Setzungsbeträgen der Füllsäule nachzuverfüllen ist. Bei
auftretenden Gasen ist darauf zu achten, dass Hohlräume zwischen Füllgut und Abdeck-
platte auch im Hinblick auf das Ansammeln eines explosionsfähigen Methan-Luft-Gemi-
sches so klein wie möglich gehalten werden.
5. Verwahrungsdokumentation
Über die Verwahrung ist eine Dokumentation anzufertigen und der zuständigen Bergbehörde
zu übergeben. Die Dokumentation muss mindestens folgende Unterlagen enthalten:
Gesamtprojekt inkl. rechtlicher Rahmenbedingungen sowie Zielvorgaben,
Zustand des Schachtes und des relevanten Schachtumfeldes vor dem Beginn der Verwah-
rung,
Zustand des Schachtes und des relevanten Schachtumfeldes nach der Herrichtung zur
Verfüllung inkl. der durchgeführten Arbeitsschritte und der ausführenden Firmen,
Zustand des Schachtes und des relevanten Schachtumfeldes nach der Verwahrung inkl.
der durchgeführten Arbeitsschritte und der ausführenden Firmen,
textliche Erläuterung der Verwahrungsmaßnahmen mit dem Ergebnis der Ermittlung ei-
nes evtl. verbleibenden Gefährdungsbereiches,
zeichnerische Darstellungen (Lageplan mit Darstellung des Schachtes, Schachtprofil mit
Aufbau der Verfüllung, ggf. Gefährdungsbereich),

 
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Mengennachweise,
Nachweis der qualitätsgerechten Ausführung der Verwahrung,
Fotodokumentation.
6. Betriebsplanverfahren
Vor Beginn der Verwahrung eines Schachtes ist der zuständigen Behörde ein Betriebsplan
vorzulegen. Dem Betriebsplan sind die notwendigen Unterlagen beizufügen, aus denen die
zuständige Behörde erkennen kann, wie die Bestimmungen dieses Leitfadens umgesetzt wer-
den und die in den Anhängen 1 bis 3 festgelegten Anforderungen eingehalten werden.
7.
Beendigung der Bergaufsicht
Die Bergaufsicht endet, wenn die Maßnahmen des Betriebsplanes für die Verwahrung des
Schachtes vollzogen sind, das Abschlussbetriebsplanverfahren durchgeführt ist und die Vor-
aussetzungen des § 69 Abs. 2 BBergG erfüllt sind.
Der Beendigung der Bergaufsicht können Gefährdungen entgegen stehen, die sich z. B. durch
Nachsackungen der Füllsäule,
Wasseraustritte oder
Ausgasungen
ergeben.
Sind Entgasungseinrichtungen an verwahrten Schächten notwendig, verbleiben diese Ein-
richtungen als bergbauliche Einrichtungen unter Bergaufsicht, bis Gefahren oder Einwirkun-
gen im Sinne des § 69 Abs. 2 BBergG nicht mehr zu erwarten sind.
Nach Durchführung der Maßnahmen des Abschlussbetriebsplanes empfiehlt sich eine ge-
meinsame Abschlussbefahrung mit Vertretern der nachfolgend zuständigen Ordnungsbehör-
den.

 
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Anhang 1
Allgemeine Anforderungen an die dauerhafte Verwahrung von Schächten
1. Grundsätzliche Anforderungen
Tagesschächte müssen so verwahrt werden, dass die Sicherheit an der Tagesoberfläche
dauerhaft gewährleistet wird.
Verwahrungen müssen gewährleisten, dass keine nachteiligen Beeinflussungen durch
Stoffein- oder -austräge in bzw. aus dem Grubengebäude zu einer Schädigung der Um-
welt führen.
Schächte im standfesten Gebirge können voll- oder teilverfüllt werden.
Alle übrigen Schächte müssen grundsätzlich voll verfüllt werden.
Aus Abschnitten von Schächten, die verfüllt werden sollen, müssen sämtliche Einbauten
entfernt werden, wenn sie das zu erreichende Verwahrungsziel beeinträchtigen können.
Grundsätzlich sind Verwahrungen im trockenen Schacht durchzuführen.
Die Füllsäule muss bis zur Tagesoberfläche reichen.
Wasserzuflüsse in den Schacht sind ggf. abzudichten oder zu fassen und abzuleiten, wenn
das angestrebte Verwahrungsziel beeinträchtigt werden könnte.
Eine Beurteilung des Schachtes hinsichtlich einer möglichen Explosionsgefahr muss be-
reits vor Beginn der Verwahrung erfolgen. Falls eine solche Gefahr nicht ausgeschlossen
werden kann, sind die erforderlichen Maßnahmen (z. B. messtechnische Überwachung,
Inertisierung o. ä.) abgestimmt auf den Einzelfall zu treffen.
2. Verwahrungsart
Vollverfüllung
Die Vollverfüllung erfolgt vom Schachttiefsten bis zur Tagesoberfläche. Dabei dürfen
keine Unterbrechungen in der Füllsäule verbleiben.
Teilverfüllung
o
Kohäsive Teilverfüllungen dürfen nur eingebaut werden, wenn ein ausreichender
kraftschlüssiger Verbund zwischen Schachtausbau und Gebirge nachgewiesen ist.
o
Für die Herstellung definierter Verhältnisse im lastabtragenden Bereich (Widerla-
ger/Startbereich) kohäsiver Füllsäulenabschnitte sind sämtliche Schachteinbauten
vollständig zu entfernen.
o
Als temporäres Widerlager für kohäsive Teilfüllsäulen können auch Locker-
massenfüllsäulen genutzt werden, an die keine Anforderungen an die Dauer-

 
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standsicherheit zu stellen sind. In solchen Fällen muss sichergestellt sein, dass Perso-
nen bei einem plötzlichen Abgehen der Lockermassen nicht gefährdet werden.
o
Bei der Verwendung von verlorenen Schalungsbühnen ist deren Tragfähigkeit sta-
tisch nachzuweisen.
o
Erforderliche Wasserwegsamkeiten dürfen nicht zugesetzt werden.
o
Die Standsicherheit von kohäsiven Füllsäulenabschnitten, die statischen Anforderun-
gen genügen müssen, ist durch eine gutachterliche Stellungnahme von einem Sach-
verständigen nachzuweisen.
o
Füllsäulenabschnitte im Bereich von nicht nachweisbar mit dem Gebirge verbunde-
nen Schachtausbauelementen (z. B. Tübbingausbau) dürfen nicht als tragfähige Füll-
säulenabschnitte berücksichtigt werden.
Besondere Verfüllmaßnahmen
o
Schachtpfropfen müssen formschlüssig ausgeführt werden.
o
Schachtpfropfen müssen mindestens eine dem größten freitragenden Durchmesser
entsprechende Höhe aufweisen.
3.
Sicherung der Füllsäule gegen Auslaufen
Bei Verfüllungen mit Lockermaterialien sind Schachtabgänge abhängig vom eingesetzten
Verfüllgut auf solcher Länge zu verfüllen, dass ein Auslaufen der Füllsäule auch unter
Einfluss von Feuchtigkeit oder Wasser sicher verhindert wird.
Die Firste des Füllorts muss dabei mindestens auf einer der Höhe des Füllorts ent-
sprechenden Länge unterfangen werden.
Bei Vollverfüllungen mit geschichteten Füllsäulen sind im Bereich von Schachtabgängen
tragende Füllsäulenabschnitte von ausreichender Länge einzubringen.
4. Füllgut
Füllgut muss
o
den statischen Erfordernissen entsprechende Festigkeiten aufweisen,
o
volumenbeständig sein,
o
gegen chemische und physikalische Einwirkungen am Einbauort beständig sein.
Kennzeichnungspflichtige Baustoffe, die auf die unter Tage beschäftigten Personen
einwirken können, müssen nach der Bergverordnung zum gesundheitlichen Schutz der
Beschäftigten (Gesundheitsschutz-Bergverordnung - GesBergV) zugelassen sein.
Hydraulisch abbindendes Füllgut muss so beschaffen sein, dass es im Schacht verblei-
bende Einbauten umschließt. Es darf sich beim freien Fall im Schacht nicht entmischen.

 
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Die Eignung der Zuschlagstoffe ist unter Berücksichtigung der Einbringtechnik nachzu-
weisen.
Vom Füllgut dürfen keine umweltschädigenden Wirkungen ausgehen und gefährliche
Stoffe, z. B. Wasserstoff, freigesetzt werden.
Das Füllgut darf nicht zur Selbstentzündung neigen, entzündlich, explosions-gefährlich,
explosionsfähig oder brandfördernd sein.
4.1
Überwachung des Füllgutes
Beim Einbringen von hydraulisch abbindendem Füllgut ist jeweils alle 500 m³ Füllgutmenge
eine Serie von Proben herzustellen und entsprechend der geforderten Festigkeit zu untersu-
chen. Alle weiteren Eigenschaften sind gemäß Nr. 3 des Leitfadens zu untersuchen. Die Gü-
teüberwachung des Füllgutes ist von einem Sachverständigen durchzuführen.
Vom Unternehmer sind Rückstellproben des Füllgutes zu nehmen und mindestens bis zur
bergbehördlichen Prüfung des Nachweises der ordnungsgemäßen Verfüllung aufzubewahren.
4.2
Überwachung des Füllstandes
Während der Verfüllarbeiten ist die Übereinstimmung des Füllstandes im Schacht mit den
zugeführten Füllmengen durch Vergleich der zugeführten und der erforderlichen Füllgutmen-
gen zu überwachen.
Das Messen des Füllstandes soll Brücken- und Hohlraumbildungen im Schacht frühzeitig
erkennen lassen und soll nach dem Verfüllen von jeweils höchstens 50 m Schachtsäule, min-
destens jedoch arbeitstäglich, erfolgen.
Werden die Verfüllarbeiten um mehr als 24 Stunden unterbrochen, so ist vor der Fortsetzung
der Verfüllarbeiten der Füllstand erneut zu messen.
Bei jeder Messung ist auf Ansammlungen von Wasser auf der Füllsäule zu achten.
Bei Wasseransammlungen auf der Füllsäule ist das Bauverfahren so anzupassen, dass die
dauerhafte Standsicherheit der Füllsäule nicht gefährdet wird. Hierzu ist ein gesonderter
Nachweis zu erbringen.
Beim Einbringen des Füllgutes ist vor dem Wechsel der Festigkeitsklasse zu ermitteln, ob der
vorgesehene Füllstand erreicht wurde.
5. Einbringverfahren
Vor Beginn der Verfüllarbeiten ist der Nachweis der Verfügbarkeit ausreichender Mengen des
Füllgutes für die Verfüllung beizubringen, um eine stetige Verfüllung gewährleisten zu kön-
nen.
Bei der Auswahl des Einbringverfahrens ist zu beachten, dass
keine unvertretbaren Schäden am Ausbau des Schachtes oder verbleibenden Einbauten
entstehen, die das angestrebte Ziel der Verwahrung in Frage stellen würden,

 
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die geforderte Qualität des Füllgutes am Einbauort erreicht wird und
die erforderliche Arbeitssicherheit gewährleistet wird.
6.
Sicherung der Tagesoberfläche
Wetterkanäle und andere oberflächennahe Schachtabgänge sind in die Verwahrung ein-
zubeziehen.
Besteht durch austretende Gase eine Explosions- und/oder Gesundheitsgefahr, sind vor
Beginn der Verfüllung Maßnahmen zur Verdünnung und gefahrlosen Ableitung unter be-
sonderer Berücksichtigung von baulichen Anlagen über dem Schacht zu treffen. Ggf.
kann es erforderlich sein, diese Anlagen (z. B. Schachtgebäude) zu entfernen.
Auf eine besondere Schachtabdeckung kann verzichtet werden, wenn der Schacht bis zur
Tagesoberfläche kohäsiv verfüllt ist.
Mit Lockermaterial verfüllte Schächte müssen mit einer Abdeckplatte abgedeckt sein.
Die Abdeckplatte und ihr Auflager müssen auf die zu erwartenden Beanspruchungen
ausgelegt und statisch nachgewiesen werden.
Abdeckplatten sind auf die zu erwartende Verkehrslast auszulegen.
Standsicherheitsnachweise müssen mindestens folgende Lastannahmen berücksichtigen:
o
eine Ersatzlast für Verkehrslasten von mindestens 32 kN/m² an der Tagesoberfläche,
o
andere ständig wirkende Lasten wie z. B. Überschüttungen,
o
ggf. auftretende dynamische Belastungen,
o
ggf. Sog- und Rückprallkräfte in Abhängigkeit von der Teufe.
Die Abdeckplatte ist zur Beobachtung des Füllstands im Schacht sowie zur Durchführung
von Nachverfüllungen mit einer ausreichend großen, gesicherten Öffnung zu versehen.

 
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Anhang 2
Weitergehende Anforderungen an eine langzeitsichere Schachtverwahrung
1. Einleitung
Die Beseitigung oder Verwertung von Abfällen in Bergwerken erfordert einen langzeitsiche-
ren Abschluss von der Biosphäre. Hierfür sind langzeitsichere Schachtverschlüsse einzubrin-
gen. Die in diesem Anhang zusammen gestellten Anforderungen an die Erstellung langzeitsi-
cherer Schachtverschlüsse berücksichtigen zudem die einschlägigen Festlegungen im Abfall-
recht und Atomrecht.
Anhaltspunkte für die Gestaltung von Schachtverschlüssen bietet dieser Leitfaden auch in
Fällen, in denen z. B. Salzbergwerke nach Einstellung der Gewinnung langzeitsicher gegen
Zuflüsse in die Grubenhohlräume zu verschließen sind.
2. Anforderungen
Sofern nicht im Folgenden höhere Anforderungen gestellt werden, müssen Schachtverwah-
rungen bei Endlagern, Deponien oder Versatzbergwerken entsprechend den Anforderungen
des Anhangs 1 dieses Leitfadens ausgeführt werden.
Für eine langzeitsichere Schachtverwahrung ist der Aufbau der Füllsäule konstruktiv so zu
gestalten, dass
langzeitsicher und wartungsfrei Zuflüsse über die abgedichteten Querschnitte in die für
die Ablagerung genutzten Hohlräume ausgeschlossen werden,
langzeitsicher und wartungsfrei Austritte von schädlichen Bestandteilen aus den
eingelagerten Stoffen in darüber liegende Gebirgsschichten bzw. Grundwasserleiter und
die Biosphäre ausgeschlossen werden,
Umläufigkeiten über den u. U. permeablen ausbruchnahen Gebirgsbereich verhindert
werden sowie
tragende Elemente der Füllsäule und Schachtverschlüsse alle einwirkenden Beanspru-
chungen aufnehmen und diese in das umgebende Gebirge ableiten.
3.
Grundsätze für die Auslegung
Schächte, in die Schachtverschlüsse eingebracht werden sollen, müssen grundsätzlich auf
ganzer Länge verfüllt werden.
Die individuellen Verhältnisse des Gesamtsystems „Schacht“ sind zu berücksichtigen (Einzel-
fallbetrachtung).
Nach Möglichkeit sind neben einem Hauptdichtelement weitere Dichtelemente in geeigneten
Horizonten mit in die Füllsäule einzubeziehen, um neben der ohnehin vorhandenen Langzeit-
dichtung weitere zusätzliche Barrieren zu schaffen.

 
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Bei Tagesschächten des Salzbergbaus ist die dauerhafte Trennung zwischen löslichem und
unlöslichem Gebirge durch mindestens ein langzeitsicheres Abdichtelement oberhalb des
Grubengebäudes vorzunehmen. Der Einbauhorizont des Dichtelementes kann dabei sowohl in
einem geeigneten Steinsalzhomogenbereich bei sofortiger Aktivierung durch Lösungsbeauf-
schlagung als auch in einem Tonhorizont unter Ausnutzung der plastischen Eigenschaften des
umgebenden Gebirges erfolgen.
Durch konstruktive Gestaltung, entsprechende Auswahl des Füllguts sowie des Einbauverfah-
rens muss sichergestellt werden, dass es nicht zu unzulässigen Setzungs- oder Erosionser-
scheinungen unterhalb tragender Füllsäulenabschnitte kommen kann, die die Lagestabilität
und damit die Dichtigkeit des Schachtverschlusses beeinträchtigen würden.
Die Eignung des Füllguts ist durch entsprechende Untersuchungen nachzuweisen. Im We-
sentlichen kommt es dabei darauf an, die Insitu-Bedingungen am vorgesehenen Einsatzort zu
berücksichtigen.
Um tragende und dichtende Füllsäulenabschnitte zu dimensionieren, ist ein Nachweis der
Standsicherheit bzw. der zu gewährleistenden Dichtigkeit hinsichtlich der relevanten Bean-
spruchungszustände vorzunehmen.
4.
Durchführung der Verwahrungsarbeiten
4.1 Vorbereitende Maßnahmen
Die im Rahmen von Genehmigungsverfahren z. B. für Endlager, Deponien oder Versatz-
bergwerke festgelegten Verschlussmaßnahmen sind vor der Verwahrung des Schachtes zu
überprüfen, um sie ggf. den aktuellen Erfordernissen und Erkenntnissen anzupassen.
In Vorbereitung der Schachtverwahrung sind Messungen vorzunehmen, um Ausgangsdaten
für die konstruktive Gestaltung der Füllsäule und für den Bauablauf zu erlangen. Besonders
sind dabei zu ermitteln:
ggf. vorhandene Konvergenzbewegungen/Überzugswirkungen auf Schachtbauwerke
Spannungszustände im Gebirge,
Umfang der Auflockerungszone,
Zustand des vorhandenen Schachtausbaus.
Anhand der Erkenntnisse aus den vorbereitenden Feststellungen ist die Wahl der Verwah-
rungsvariante einschließlich einer Risikobewertung darzulegen. Dabei sind insbesondere die
zugrunde gelegten Verwahrungsziele und die gewählte Verwahrungsart zu erläutern.
Vor der Verfüllung sind aus dem Füllort und den zu verfüllenden, schachtnahen Grubenbauen
sowie aus dem Schacht sämtliche Einbauten einschließlich Rohrleitungen und Kabel zu ent-
fernen.
Zugangsstrecken zum Schacht sind mindestens auf einer der doppelten Höhe des Füllortes
entsprechenden Länge firstbündig und ohne Resthohlräume mit einem den Anforderungen

 
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nach Punkt 3 Anhang 1 des Leitfadens entsprechenden Material zu verfüllen. Grubenbaue
ohne direkte Verbindung zum Schacht sind entsprechend zu verfüllen.
4.2 Füllgut
Die Auswahl des Füllgutes hat sich nach der Hauptfunktion (vgl. Pkt. 2.3.2) zu richten. Beim
Aufbau einer Füllsäule, die als geotechnische Barriere im Langzeitsicherheitsnachweis ange-
sprochen wird, sind Materialien zu verwenden, die ihre spezifischen Eigenschaften langzeitsi-
cher beibehalten. Füllgut, dessen langzeitsichere Beständigkeit sich durch natürliche Analoga
beweisen lässt, ist zu bevorzugen. Bei Abweichungen ist der Nachweis für das Gesamtsystem
im Einzelfall zu führen.

 
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Anhang 3
Anforderungen an eine dauerhafte Schachtverwahrung im Steinkohlebergbau
1. Einleitung
Dieser Anhang enthält besondere Anforderungen an das Verwahren von Tagesschächten im
Steinkohlebergbau und berücksichtigt die besonderen Bedingungen, die aus dem Auftreten
von Grubengas herrühren.
Sofern im Folgenden keine abweichenden Anforderungen gestellt werden, müssen Schacht-
verwahrungen im Steinkohlenbergbau entsprechend den Anforderungen des Anhangs 1 dieses
Leitfadens ausgeführt werden.
2. Anforderungen
Aufzugebende Tagesschächte sind durch eine Voll- oder Teilverfüllung mit kohäsivem Füll-
gut zu verwahren, sodass sie dauerhaft standsicher sind.
3. Füllgut
Füllgut, das Abfälle enthält, unterliegt den Bestimmungen des Abfallrechtes. Insofern sind bei
der Verwertung von Abfällen, die in unter Bergaufsicht stehenden untertägigen Grubenbauen
eingesetzt werden, die Bestimmungen der Versatzverordnung - Verordnung über den Versatz
von Abfällen unter Tage - (VersatzV) und die Technischen Regeln für den Einsatz von Ab-
fällen als Versatz in den jeweils gültigen Fassungen einzuhalten.
4. Wettertechnische Maßnahmen
4.1
Ermittlung des Ausgasungsverhaltens
Das Ausgasungsverhalten jedes Schachtes ist durch eine gutachterliche Stellungnahme von
einem Sachverständigen zu beurteilen. Hierbei ist die langfristige Möglichkeit eines Gruben-
wasseranstieges mit zu berücksichtigen.
Vor Beginn der Verfüllarbeiten ist der zu verfüllende Schacht während eines ausreichend lan-
gen Zeitraumes zu beobachten, um einen Überblick zu gewinnen, in welchen Bereichen mit
Methan (CH
4
) zu rechnen ist. Dabei sind insbesondere aufgegebene Grubenbaue, Flözdurch-
trittsstellen und tektonische Störungen zu berücksichtigen sowie Ort und Größe des jeweiligen
Gaszustromes in Abhängigkeit von Luftdruckschwankungen und die wettertechnischen Be-
einflussungsmöglichkeiten festzustellen. Dabei ist es nicht ausreichend, den Schacht selbst zu
untersuchen, vielmehr ist der Einfluss des gesamten schachtnahen Grubengebäudes ein-
schließlich abgedämmter Grubenbaue auf eventuelle Methanzutritte zu beurteilen. Die Pla-
nungen für den wettertechnischen Rückzug sind in die Beurteilung mit einzubeziehen.
Auch in Fällen, in denen ein messbarer Methanzustrom nicht festgestellt wird, können im
Verlauf der Verfüllarbeiten Methan/Luft-Gemische auftreten, wenn bei Wetterstillstand oder

 
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geringer Wetterbewegung und ungünstigen Luftdruckverhältnissen Grubengas zum Beispiel
aus aufgegebenen Grubenbauen in den Schacht eintritt.
4.2
Behandlung der Schachtabgänge
Schachtabgänge am Schachtkopf, wie z. B. Wetterkanäle, Rohrleitungskanäle und Kabelka-
näle, sind so zu behandeln, dass über diese Schachtabgänge keine schädlichen Gase ver-
schleppt werden können.
Die Schachtabgänge sind in der gutachterlichen Stellungnahme nach Nr. 4.1 zu betrachten.
4.3
Vorsorge hinsichtlich des Ausgasens verfüllter Schächte
Im Hinblick auf mögliche Gasaustritte an der Tagesoberfläche ist durch eine gutachterliche
Stellungnahme festzulegen, welche Maßnahmen zur gezielten Grubengasannahme und zur
ausreichend bemessenen Abführung von Grubengas erforderlich sind. In Frage kommen z. B.
in der Füllsäule verlegte oder vorhandene Rohrleitungen, ggf. mit Flammendurchschlagsiche-
rung (vergleiche Nr. 4.7 / siehe Bild 1 und Tabelle 1). Hierbei sind Grubenwasseranstiege
auch über lange Zeiträume zu berücksichtigen.
4.4
Maßnahmen zur Beschränkung etwaiger Explosionsauswirkungen
Vor Beginn der Verfüllarbeiten sind Hindernisse am Schachtkopf zu beseitigen, insbesondere
großflächige Bauwerke wie Bühnen oder Decken und Wände von Schachtgebäuden. Dabei ist
sicherzustellen, dass Gegenstände nicht in den Schacht fallen.
Können diese Hindernisse aus technischen Gründen vor Beginn der Verfüllarbeiten nicht ent-
fernt werden, sind durch die gutachterliche Stellungnahme nach Nr. 4.1 Ersatzmaßnahmen zur
Beschränkung etwaiger Explosionsauswirkungen aufzuzeigen.
Im Rahmen der vorbereitenden Maßnahmen ist ferner zu prüfen, ob bereits vor Aufnahme der
Verfüllarbeiten eine Inertisierung des Schachtes notwendig ist und inwieweit die unter
Nr. 4.6.3 genannten vorbereitenden Arbeiten für eine Inertisierung durchzuführen sind.
In die vorbereitenden Maßnahmen sind auch die Maßnahmen nach Nr. 4.6.2 im notwendigen
Umfang einzubeziehen.
Die Einzelheiten der Planungsschritte sind deshalb unter Hinzuziehung eines Sachverständi-
gen festzulegen. Dieser hat die danach zu installierenden Einrichtungen (Inertisie-
rung/Messtechnik) vor Beginn der Schachtverfüllungen abzunehmen.
4.5 Vorbeugende Maßnahmen
Beim Verfüllen von Schächten können Methanzutritte aus aufgegebenen Grubenbauen in Ab-
hängigkeit von Schwankungen des atmosphärischen Luftdruckes nicht ausgeschlossen wer-
den. Die Möglichkeit der Bildung zündfähiger Methan/Luft-Gemische lässt sich durch fol-
gende Maßnahmen verringern:

 
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Eine durchgehende Bewetterung von dem zu verfüllenden Schacht zu wenigstens einem
Ausziehschacht ist so lange wie möglich über die tiefste jeweils noch offene Sohle auf-
recht zu erhalten.
Der letzte zu verfüllende Schacht ist nach Unterbrechung der durchgehenden Bewette-
rung unverzüglich zu verfüllen.
Mit dem Verfüllen sollte bei steigendem bzw. hohem Luftdruck begonnen werden, um
die Wahrscheinlichkeit größerer Gaszuströme aus dem Grubengebäude zu verringern.
4.6
Maßnahmen während der Verfüllung
4.6.1
Stetiges Verstürzen großer Füllgutmengen
Die Maßnahmen nach Nr. 4.5 können zumindest für den Beginn der Verfüllarbeiten günstige
Voraussetzungen schaffen, aber nicht verhindern, dass sich nach einem Druckausgleich zwi-
schen aufgegebenen und offenen Grubenbauen bei fallendem Luftdruck ein Methanzutritt aus
den aufgegebenen Grubenbauen einstellt.
Daher sollte zusätzlich zu den vorstehend bezeichneten Maßnahmen durch stetiges Verstürzen
großer Füllgutmengen ein in das Grubengebäude gerichtetes Druckgefälle erzeugt werden,
das meist erst nach Unterbrechung des Verfüllvorganges oder durch entsprechenden Abfall
des Luftdrucks ausgeglichen wird.
4.6.2 Messtechnische Maßnahmen
Die Schwankungen des atmosphärischen Luftdrucks sind mit Hilfe eines Barographen zu be-
obachten.
Der CH
4
-Gehalt im Schacht ist in etwa 50 m Teufe durch eine ortsfeste registrierende CH
4
-
Messeinrichtung zu überwachen.
Darüber hinaus sind die CH
4
-Gehalte innerhalb des Schachtes durch ortsfeste registrierende
Messeinrichtungen an Stellen zu überwachen, an denen mit dem Zustrom von Methan zu
rechnen ist.
Bei Erreichen eines festzulegenden Grenzwertes (nicht über 1 % CH
4
) muss ein optisches und
akustisches Warnsignal an einer während der Verfüllarbeiten ständig besetzten Stelle ausge-
löst werden.
Falls der CH
4
-Gehalt der Messstelle in 50 m Teufe den festgelegten Grenzwert erreicht oder
überschreitet, sind alle elektrischen Betriebsmittel im Gefahrenbereich nach Nr. 2.5 des all-
gemeinen Teils des Leitfadens unverzüglich abzuschalten.
Wenn die Notwendigkeit einer Inertisierung nicht ausgeschlossen werden kann, sind ortsfeste
O
2
-Messeinrichtungen an Stellen einzurichten, an denen mit dem Auftreten explosionsfähiger
Atmosphäre zu rechnen ist.
Während der Verfüllung des Schachtes ist eine Schachtmesssonde für die Messung des CH
4
-
und O
2
-Gehaltes vorzuhalten. Diese ist einzusetzen, wenn

 
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1. eine oder mehrere ortsfeste Messeinrichtungen innerhalb des noch zu verfüllenden
Schachtabschnittes ausfallen und/oder
2. die angezeigten Messwerte einer oder mehrerer ortsfester Messeinrichtungen unplausibel
erscheinen.
4.6.3
Maßnahmen zur Vermeidung explosionsfähiger Atmosphäre
Wenn die Messungen nach Nr. 4.6.2 eine Überschreitung des festgelegten Grenzwertes für
CH
4
ergeben, sind Sondermaßnahmen (z. B. Änderung des Verfüllregimes, Inertisierung)
unverzüglich einzuleiten.
Zur Inertisierung müssen Vorbereitungen getroffen sein, dass das Inertgas sofort und erfor-
derlichenfalls an mehreren Stellen aufgegeben werden kann. Die Aufgabestellen sind so über
den Schacht zu verteilen, dass eine vollständige Inertisierung des zu beaufschlagenden
Schachtabschnittes gewährleistet ist.
Bei einer Inertisierung mit Sauerstoffüberwachung darf die Verfüllung nur dann durchgeführt
werden, wenn ein vorher festzulegender Sauerstoffgrenzwert unterschritten wird.
In den Bereichen, in denen mit CH
4
-Zuströmen zu rechnen ist, sollte der Abstand zwischen
den Öffnungen der Inertgasleitung und der Füllsäule 100 m nicht überschreiten.
4.7
Maßnahmen bei Ausgasungen an der Tagesoberfläche
Im Hinblick auf mögliche unkontrollierte Gasaustritte an der Tagesoberfläche ist eine gezielte
Grubengasannahme und -abführung sicherzustellen (vergleiche Nr. 4.3 / siehe Bild 1 und Ta-
belle 1).
Im Hinblick auf mögliche unkontrollierte Gasaustritte an der Tagesoberfläche sind geeignete
Maßnahmen zu ergreifen, um eine Gefährdung an der Tagesoberfläche auszuschließen. Als
Möglichkeit der sicheren Grubengasannahme und -abführung können z. B. auch Flächendrä-
nagen oder Dränagesysteme aus Materialien hoher Permeabilität zum Einsatz kommen, über
die Gase in definierte Bereiche abströmen.
Der Einfluss des Grubenwasseranstiegs auf den erhöhten Anfall von Grubengas ist zu berück-
sichtigen.
Die im Einzelfall erforderlichen Maßnahmen sind unter Hinzuziehung eines Sachverständigen
festzulegen und aufzuzeichnen.

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Tabelle 1 - Anforderungen an Entgasungseinrichtungen verfüllter Schächte
Mindesthöhe über Begehungsebene
3 m
Festigkeitsauslegung PN 10
Absicherung am Ausblasende
dauerbrandsichere Flammen-
durchschlagsicherung
Handabsperreinrichtung erforderlich
Rückschlagklappe oder Regeleinrich-
tung
erforderlich *
)
Kontrollmessanschlüsse erforderlich
Erdung/Blitzschutz nach DIN/VDE
erforderlich
Aufbau und
Ausrüstung
Nachfüllöffnung gasdicht
An-/Überfahrschutz erforderlich
Schutzeinrichtungen
Schutz gegen Manipulationen
erforderlich
Mindestabstand vom Ausblasende für
Fahrwege und Gebäude, deren Höhe
mindestens 1 m geringer als Ausbla-
sende
Radius 10 m
Mindestabstand von Gebäuden, deren
Höhe größer als Ausblasende
Radius 15 m
Sicherheitszone
Mindestabstand von feuer- und explosi-
ons- gefährdeten Bereichen
Radius 20 m
Hinweisbeschilderung für feuer- und
explosionsgefährdeten Bereich
erforderlich
Sonstiges
Handrad der Absperreinrichtung
demontieren oder festsetzen
Prüfung durch Sachverständige
mindestens alle 3 Jahre
Prüfung durch verantwortliche Perso-
nen
mindestens jährlich
Überwachung
Prüfung durch fachkundige Personen
mindestens alle 3 Monate
*
)
Bei Entgasung eines verfüllten Schachtes mit Anschluss an nicht verfüllte Grubenbaue

image
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Bild 1: Grundsätzlicher sicherheitstechnischer Aufbau einer passiven Entgasungseinrichtung

 
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Anhang 4
Maßnahmen zur Sanierung nicht dauerhaft verwahrter Schächte
Ist erkannt worden, dass die Verwahrung eines Schachtes nicht dauerhaft ist und sich daraus
Gefahren für die öffentliche Sicherheit ergeben können, sind Maßnahmen zur Verbesserung
der Sicherheit zu ergreifen. Hierzu kann die Sicherheit entweder durch Aufbringen einer Ab-
deckplatte oder durch Vergütung der Füllsäule verbessert werden. Unsichere Zustände in
nicht dauerhaft ausgeführten Füllsäulen können insbesondere beim Grubenwasseranstieg ent-
stehen.
1.
Sanierung des Schachtkopfes
Abdeckplatten sind nach den Anforderungen des Anhangs 1 Nr. 6 auszulegen.
Verfahren, wie z. B. Geogitter, bewehrte Erde oder Ankertechnik führen nicht zu einer end-
gültigen Sanierung des Schachtes. Sie erreichen lediglich verringerte Auswirkungen an der
Tagesoberfläche. Die Einsetzbarkeit derartiger Verfahren muss sich nach dem angestrebten
Sanierungsziel im Einzelfall richten.
2.
Sanierung der Füllsäule
Bei nicht dauerhaft verwahrten Schächten, die auf Grund des verwendeten Füllgutes, der Ab-
deckung, der hydrogeologischen und geologischen Situation eine Gefährdung darstellen, sind
Maßnahmen zu treffen, die ein Auslaufen/Abgehen der Füllsäulen in evtl. vorhandene mit
dem Schacht durchschlägige Grubenbaue sowie Sackungen und Brückenbildungen in den
Füllsäulen verhindern. Art und Umfang der Maßnahmen haben sich nach den jeweiligen örtli-
chen Verhältnissen (technische Durchführbarkeit) sowie nach der Wahrscheinlichkeit des
Eintritts einer Gefährdung an der Tagesoberfläche und des zu erwartenden Schadensausmaßes
zu richten.
Da jeder Schacht über spezifische Eigenschaften und Randbedingungen verfügt (Füllgut,
Teufe, Durchmesser, Ausbau, Lage der Felslinie, Bebauung, geplante Folgenutzung), sind
diese im Vorfeld jeder Schachtsicherungsmaßnahme zu erkunden und zu bewerten.
Verfahren zur dauerhaften Sanierung von Füllsäulen können z. B. sein:
Injektion mit hydraulisch erhärtenden Materialien in die Füllsäule
Sanierung durch einen kohäsiven Füllsäulenabschnitt oder Schachtpfropfen,
Sanierung durch das Hochdruck-Injektions-Verfahren (HDI).
3.
Maßnahmen bei Ausgasungen an der Tagesoberfläche
Sofern unkontrollierte Gasaustritte an der Tagesoberfläche beobachtet werden oder zu erwar-
ten sind, gelten die Regelungen in Anhang 3 Nr. 4.7 sowie die Anforderungen nach Anhang 3,
Tabelle 1 und Bild 1 entsprechend.