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Lausitzer und Mitteldeutsche
Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH
Sanierungsbereich Lausitz
Prüfung von Maßnahmen
zur Reduzierung
der Betroffenheiten
Dezember 2013
Projekt 712.002 TO 050 Tagebaurestloch Knappensee
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee
(ehemaliger Tagebau Werminghoff I)
gemäß Sächsischer Hohlraumverordnung

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Planungsgemeinschaft ARGE Werminghoff
G.U.B. Ingenieur AG und BIUG GmbH
3
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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Inhaltsverzeichnis
Seite
Deckblatt
Titelblatt
Inhaltsverzeichnis
Anlagenverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
1
Veranlassung und Aufgabenstellung
6
2
Arbeitsunterlagen
7
3
Grundlagen der Bearbeitung
9
3.1
Lage und Beschreibung des Bearbeitungsgebietes
9
3.2
Technologische und historische Entwicklung des Bearbeitungsgebietes
10
3.3
Geologische und hydrologische Situation
11
3.4
Gefahrensituation und Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen
12
3.5
Sicherheitslinie und Sperrbereich
13
3.5.1
Ermittlung der Rückgriffweiten
13
3.5.2
Definition Sicherheitslinie
15
3.5.3
Definition Sperrbereich
15
4
Nutzungsmöglichkeit des Abschnittes E 1 während der Sperrphase
18
4.1
Geotechnische Verhältnisse und Gefahrensituation
18
4.2
Bautechnische Möglichkeiten zur Abwendung des Auflaufens von Schwallwellen
19
4.3
Bewertung der Nutzungsmöglichkeit
20
5
Minimierung von Betroffenheiten in der Knappenseesiedlung
21
5.1
Geotechnische Verhältnisse und Gefahrensituation
21
5.2
Betretungsmöglichkeiten während der Sperrphase
23
5.2.1
Grundsätzliches
23
5.2.2
Sperrbereich vor und während der Tiefenverdichtung (RDV)
24
5.2.3
Sperrbereich nach der Tiefenverdichtung (RDV)
27
5.2.4
Aufrechterhaltung der Medien während der Sperrzeit
28
5.3
Maßnahmen der Objektsicherung / Medienversorgung
29
6
Zusammenfassung
37

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4
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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Anlagenverzeichnis
Anlage 1
Lagepläne
Anlage 1.1
Regionaler Übersichtslageplan
M 1 : 10 000
Anlage 1.2
Lageplan
Prüfung der Minimierung von Betroffenheiten / Untersuchungsbereiche
M 1 : 5 000
Anlage 1.3
Lageplan
Übersicht zu den geplanten Sicherungsarbeiten am Knappensee
Anlage 1.4
Lageplan
Grundwasserflurabstände während Sicherungsarbeiten für einen Seewasserspiegel
von +125,5 m NHN.
M 1 : 5 000
Anlage 2
Rückgriffweitenermittlung
Anlage 3
Bereich E 1
Anlage 3.1
Lageplan
Teilbereich E 1
M 1 : 500
Anlage 3.2
Profil E 15/2009
M 1 : 100
Anlage 3.3
Schwallwellenberechnung
Anlage 3.4
Vorbemessung Buhnenelemente
Anlage 4
Bereich T und S Nord
Detaillageplan
Bereich T und S Nord
M 1 : 500

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5
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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Anlage 5
Medienversorgung
Anlage 5.1
Variantenbetrachtung zu Leistungen und Kosten bezogen auf Einzelobjekte mit und
ohne Frostschutzmaßnahmen, Sicherungsphase 1 Teil 2, Musterobjekt Siedlung „An der
Knappenhütte“, Finnhütte Nr. 3
Anlage 5.2
Brandmeldeanlage Wohnwagen-Bungalow-Gemeinschaft Knappenhütte, Bereich T,
Maßnahmen/ Kosten
Anlage 5.3
Gemeinde Lohsa
Campingplatz Z 5, Provisorische Versorgung Elektro
Voruntersuchung
Anlage 5.4
Gemeinde Lohsa
Campingplatz Z 5, Provisorische Versorgung Elektro
Übersichtplan
Anlage 5.5
Kostenermittlung
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Übersicht Rückgriffweiten
14
Abkürzungsverzeichnis
AFB
Abraumförderbrücke
LMBV
Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- Verwaltungsgesellschaft mbH
LRV
Oberflächennahe Rüttelverdichtung
RDV
Rütteldruckverdichtung
SächsOBA
Sächsisches Oberbergamt
SE
Standsicherheitseinschätzung

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
1
Veranlassung und Aufgabenstellung
Der Knappensee entstand im Jahre 1945 durch die unkontrollierte Flutung des Restloches des ehemali-
gen Braunkohlentagebaues Werminghoff I. Als Folge dieser unplanmäßigen Beendigung der Tagebau-
tätigkeit sind fast in sämtlichen Uferbereichen Kippenflächen verblieben.
Für das Tagebaurestgewässer wurden mit der Unterlage "Geotechnische Planungsleistungen zur Besei-
tigung der Setzungsfließgefahr und Sanierung des Knappensees (Tagebau Werminghoff)-SE“ [9] in den
Jahren 2008 und 2009 umfangreiche Sicherungsmaßnahmen beschrieben. Dieser Grundlage folgten
weitere bereichsbezogene Planungsunterlagen von Entwurfs- bis Ausführungsplanung.
Im Jahr 2012 wurden die zeitlichen Abfolgen der geplanten Sicherungsmaßnahmen im Rahmen eines
Gesamtbauzeitenplanes präzisiert [11]. Mit diesem Bauzeitenplan zeigte sich eine neue zeitliche Quali-
tät der Betroffenheiten Dritter. Verbunden damit war ebenso eine deutliche Erhöhung der vorangeschla-
genen Baukosten.
Mit der Unterlage zur Prüfung der Erforderlichkeit [5] erfolgte im Februar 2013 auf der Grundlage der
zu erwartenden Betroffenheiten eine wiederholte Untersuchung der Notwendigkeit von Gefahrenab-
wehrmaßnahmen. Mit dieser Untersuchung wurde die Handlungsnotwendigkeit erneut nachgewiesen,
da die konkrete Gefahr eines Schadensereignisses grundsätzlich besteht.
Aus Gründen der Minimierung der Inanspruchnahme Unbeteiligter, der Kostenoptimierung, der Opti-
mierung der Bauzeiten, der Minimierung verfahrensrechtlicher Risiken und der Absicherung der Ent-
scheidungsprozesse in den Gremien der Finanzierung wurde auf Grundlage der vorliegenden Vorpla-
nung und des Nachweises der Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen folgend die Geeignet-
heit der geplanten Maßnahmen [4] geprüft. Im Ergebnis dieser Untersuchung erfolgte die Festlegung
der Vorzugsvarianten für die Durchführung der Gefahrenabwehrmaßnahmen durch das SächsOBA.
Durch das SächsOBA wurden Gespräche mit den Betroffenen der geplanten Gefahrenabwehrmaßnah-
men durchgeführt. Als Interessenvertretung der Betroffenen hat sich am 28.06.2013 eine Bürgerinitiati-
ve gegründet. Aus den Gesprächen mit den Betroffenen sowie der Bürgerinitiative resultieren mehrere
Fragen und Feststellungen, die an das SächsOBA herangetragen wurden. Daraus resultiert ein Bedarf an
der Konkretisierung ausgewählter Aussagen, Festlegungen und Untersuchung, welche Möglichkeiten
bestehen, die Betroffenheiten im Rahmen der Baumaßnahmen zu minimieren.
Im Rahmen dieser Fragestellungen sind folgende Sachverhalte zu prüfen:
Prüfung der Nutzungsmöglichkeit des Abschnittes E 1 für die Öffentlichkeit während der Sanie-
rungsmaßnahme, hinsichtlich der Gewässernutzung (Baden),
Darstellung der Festlegungen zur Ausdehnung der Sperrbereiche,
Betretungsmöglichkeit der Siedlung Knappenhütte während der Sperrphase,
Heizung der Gebäude der Siedlung Knappenhütte innerhalb des Sperrbereiches.
Die Prüfungen sind dabei umfassend, konkret, nachvollziehbar und detailliert zu führen und im vorlie-
genden Bericht zusammenzufassen.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
2
Arbeitsunterlagen
[1]
Protokoll zur Beratung „Mögliche Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten“
vom 26.09.2013,
ARGE Werminghoff,
27.09.2013
[2]
Aufforderung (Mail) LMBV an ARGE und GUP zur Beantwortung von Fragen des SächsOBA,
LMBV,
13.09.2013
[3]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee, Schreiben SächsOBA an LMBV
zur Festlegung der Planungsvarianten (Vorzugsvarianten), Freiberg
10.09.2013
[4]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee, Prüfung der Geeignetheit von Gefahrenab-
wehrmaßnahmen, ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
02.08.2013
[5]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee, Nachweis der Erforderlichkeit von Gefah-
renabwehrmaßnahmen, ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwi-
ckau, BIUG GmbH Freiberg,
18.02.2013
[6]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee, Genehmigungsplanung Bereich G,
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
16.01.2013
[7]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee, Genehmigungsplanung Bereich S,
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
16.01.2013
[8]
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Knappensee, Genehmigungsplanung der Bereich T,
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
16.01.2013
[9]
Geotechnische Planungsleistungen zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr und Sanierung des
Knappensees - Standsicherheitseinschätzung, Band 1, Band 2 und Band 3
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau, BIUG GmbH Freiberg,
14.08.2008 und 15.01.2009
[10]
Schreiben zur Bewertung der Betretungsmöglichkeiten der Sperrbereiche, ARGE Werminghoff,
G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau, BIUG GmbH Freiberg,
31.08.2012
[11]
Gesamtbauzeitenplan der Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee,
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Hauptniederlassung Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
Stand 21.08.2012

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
[12]
Geotechnische Dokumentation der Durchführung der dynamischen Kippenstabilisierung
mittels LRDV einschließlich Böschungsprofilierung im Bereich E am Knappensee
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
23.07.2010
[13]
Geotechnische Planungsleistungen zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr
und Sicherung des Knappensees – Bereich E – Ausführungsplanung
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
05.10.2009
[14]
Geotechnische Planungsleistungen zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr und Sicherung des
Knappensees – Bereich E – Entwurfs- und Genehmigungsplanung
ARGE Werminghoff, G.U.B. Ingenieur AG, Büro Zwickau,
BIUG GmbH Freiberg,
28.07.2009
[15]
Beurteilung der Setzungsfließgefahr und Schutz von Kippen gegen Setzungsfließen,
LMBV mbH
Stand Dezember 1998
[16]
Dynamik von Setzungsfließrutschungen und Bildungen von Schwallwellen, Carsten Jennrich,
Veröffentlichungen des Institutes für Geotechnik der Technischen Universität Bergakademie
Freiberg, 1999

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
3
Grundlagen der Bearbeitung
3.1
Lage und Beschreibung des Bearbeitungsgebietes
Der Knappensee befindet sich südöstlich von Hoyerswerda, östlich von Wittichenau zwischen den Orts-
lagen Maukendorf, Koblenz und Groß Särchen. Die Gemarkungen sind dem Landkreis Bautzen und
somit dem Freistaat Sachsen zugehörig. Teilbereiche des Gebietes sind als Landschaftsschutzgebiet
Knappensee ausgewiesen.
Der See sowie die angrenzenden Böschungen und Landflächen stellen ein im Jahre 1945 geflutetes Ta-
gebaurestloch dar. Die Wasserfläche des Knappensees beträgt ca. 260 ha bei einem Wasserstand von
H
W
= +125,5 m NHN und ca. 280 ha (2,8 Mio m²) bei einem Wasserstand von +126,0 m NHN.
Der Knappensee besitzt eine Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 2,1 km und ist zwischen 0,8 km und
2,1 km breit. Die westlichen, nördlichen und östlichen im Hinterland liegenden Böschungen sind über-
wiegend bewaldet. Am gewachsenen Südrand des Sees liegen die Ortschaften Groß Särchen und Kob-
lenz, die durch die Kreisstraße K 9219 verkehrstechnisch miteinander verbunden sind. Entlang der süd-
westlichen bis westlichen Seite des Sees verläuft die Bundesstraße B 96. Östlich bzw. nordöstlich des
Knappensees verläuft die Kreisstraße Koblenz - Knappenrode (K 9207). Nördlich des Knappensees liegt
die Ortschaft Maukendorf.
Die Hinterlandbereiche des Sees weisen im Westen und Süden ein flach ausgebildetes Höhenprofil aus.
Dagegen finden sich im östlichen Hinterland Böschungen, deren Geländeprofil bis zu einer maximalen
Höhe von +145 m NHN, im nördlichen Teil bis zu +138 m NHN und in weiterer Entfernung zum Ufer
bis zu +155 m NHN ansteigt. Neben den gegenüber der Westseite deutlich höheren Lagen zeichnet sich
die Ostböschung darüber hinaus durch ausgesprochen steile Böschungsbereiche aus.
Der Knappensee sowie sein unmittelbares Umfeld werden überwiegend touristisch und forstwirtschaft-
lich genutzt. Folgende Nutzungsflächen sind dabei um den See vorhanden:
im Osten die auf der Hochkippe gelegene Feriensiedlung Knappenhütte,
im südlichen Teil der Ostböschung (Koblenzer Strand) Hotels, Bungalows und Gaststätte,
im Südosten und Süden Ferienanlage mit Campingplatz, Bungalows, Einrichtungen des Frei-
zeitsportes,
im Südwesten und Westen neben dem für die Speicherbewirtschaftung vorhandenen
Randdamm,
Bungalows, Anglerheim, forstwirtschaftliche Flächen,
im Westen Waldstreifen,
im Norden die Bungalowsiedlung Maukendorf mit dem sich anschließenden Campingplatz und
der nordöstlich gelegenen Hochkippe (Außenkippe) Maukendorf mit forstwirtschaftlicher Nut-
zung.
Planungstechnisch sind die im Rahmen der Gefahrenabwehrmaßnahmen zu sichernden Bereiche in Ab-
schnitte unterteilt und mit den Buchstaben U, T, S, G, F, D Ost, D Mitte, E, D West, B und A gekenn-
zeichnet.
Das Bearbeitungsgebiet sowie die Planungsabschnitte sind im Lageplan der Anlage 1 dargestellt.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Zur Minimierung der Betroffenheiten werden im vorliegenden Bericht die Bereiche T und S Nord
(Siedlung Knappenhütte), der Bereich E 1 sowie D Ost betrachtet.
Siedlung Knappenhütte
Die Feriensiedlung „Zur Knappenhütte“ befindet sich ca. 1,5 km westlich des Hoyerswerdaer Ortsteils
Knappenrode am Nordostufer des Knappensees im Bereich der Absetzerhochkippe des ehemaligen Ta-
gebaus Werminghoff I. Territorial ist das Gelände zur Gemeinde Lohsa-Koblenz gehörig.
Nach Beendigung der bergbaulichen Tätigkeiten wurde der Kippenbereich für Erholungswecke sowie
forstwirtschaftlich genutzt. Westlich der Zufahrtsstraße befinden sich die baulichen Anlagen der Ferien-
siedlung sowie eine gewerbliche Bebauung. Die Bereiche unbebauter Kippenflächen sind mit Wald
bewachsen.
Die Geländeoberkante liegt bei ca. +130,0 m NHN bis +145,0 m NHN, wobei die Siedlung selbst auf
dem Plateau der Hochkippe angelegt ist.
Die Siedlung ist über eine von Nordost nach Südwest verlaufende Verbindungsstraße, die von der
Kreisstraße Koblenz – Knappenrode abzweigt, zu erreichen.
Bereich E 1
Der Bereich E 1 befindet sich am Südufer des Knappensees, westlich des Schwarzwasserzulaufes. Im
Osten geht dieser Bereich in den zu sichernden Abschnitt D Ost über. Im Süden des Abschnittes verläuft
ein asphaltierter Weg.
Die dem Ufer vorgelagerten unverdichteten Kippenmassen wurden im Abschnitt E 1 im Jahr 2010 mit-
tels oberflächennaher Verdichtung seeseitig gesichert.
3.2
Technologische und historische Entwicklung des Bearbeitungsgebietes
Eine ausführliche Übersicht zur Tagebauentwicklung und eine Übersicht zu gegangenen Rutschungen
im Bereich des Knappensees ist der Unterlage [5] zu entnehmen.
Der Aufschluss des ehemaligen Tagebaues Werminghoff I erfolgte im Jahre 1915 nördlich des heutigen
Knappensees. Dabei wurden die Aufschlussmassen als Außenkippe nördlich des Bereiches U auf Ge-
wachsenem verkippt. Der Kohleabbau entwickelte sich im Schwenkbetrieb von Ost nach West, später
von Nord nach Süd. Während in den anfänglichen Betriebsperioden der Abraum mittels Absetzer
verkippt wurde, erfolgte der Versturz der Abraummassen ab dem Jahre 1929 mittels Abraumförderbrü-
cke (AFB-Kippe). Durch den Förderbrückenbetrieb wurden die Abraummassen strossenparallel zur
Abraumgewinnung direkt als Innenkippe verstürzt. Die Verkippungstechnologie der Abraumförderbrü-
cke charakterisiert hauptsächlich im mittleren bis hin zum südlichen Teil des Sees die Morphologie der
Kippenoberfläche, also im Speziellen die des Seebodens sowie der aus dem See herausragenden Inseln.
Mit Aufschluss des Tagebaues Werminghoff II wurden auch Abraummassen in den Tagebau
Werminghoff I verbracht. So wird die Geländemorphologie im Osten des Knappensees in den Berei-
chen T, S und G durch eine auf die AFB-Kippe aufgelagerte Absetzerhochkippe charakterisiert.
An den Tagebaurandbereichen im Süden verblieben mit der Weiterentwicklung des Tagebaues in Rich-
tung des heutigen Restloch F zwei Restlöcher, das Restloch A im Westen und das Restloch B im Osten.

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11
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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Die Restlöcher wurden vor Flutung des Tagebaues mit Material des Tagebaues Werminghoff II durch
Verspülen (Spülkippe) und Verstürzen (Hand-/Pflugkippe) verfüllt. An der Westböschung des Tage-
baues verblieb zwischen AFB-Kippe und Einschnittböschung (Gewachsenem) ein technologisch be-
dingter ca. 50 m breiter Randschlauch. An die Anschnittböschung wurde ebenfalls Material des Tage-
baues Werminghoff II in Form einer Handkippe angeschüttet. An der heutigen Ostböschung des
Knappensees wurde die Brückenkippe des Tagebaues Werminghoff I mit einer Absetzerkippe über-
schüttet. Anhand der Kippenentwicklung und deren Verbreitung wird deutlich, dass nahezu an allen
späteren Uferböschungen des Knappensees Kippenmaterialien abgelagert wurden.
Während der Betriebszeit traten immer wieder Rutschungen an den Kippen und Tagebauböschungen
auf. Die größte Rutschung mit einem Volumen von ca. 4,5 Mio. m³ wurde 1941 verzeichnet.
Der Knappensee entstand im Jahre 1945 durch eine unkontrollierte Flutung des westlichen Feldesteiles
des ehemaligen Tagebaues Werminghoff I.
3.3
Geologische und hydrologische Situation
Die früheren geologischen Verhältnisse des unverritzten Deckgebirges sind ausführlich in der Unterlage
zur Untersuchung der Erforderlichkeit [5] beschrieben.
Im Wesentlichen bestand die ungestörte Schichtenfolge aus Talsanden, interglazialen Ablagerungen und
grundmoränenartigen Bildungen. Örtlich waren tertiäre Bildungen eingelagert.
Das Liegende des abgebauten Kohleflözes wurde in Höhenniveaus von + 96,00 m NHN bis ca.
+ 101,00 m NHN angetroffen.
Neben den ursprünglichen geologischen Verhältnissen hat die Tagebau- und Versturztechnologie einen
entscheidenden Einfluss auf die Kippenverhältnisse im Bearbeitungsgebiet. Grundsätzlich ist davon
auszugehen, dass anhand von aufgenommenen Profilen aus dem Jahre 1938 der Kornanteil d < 0,2 mm
im Tagebau Werminghoff I 31,8 % und im Tagebau Werminghoff II 48,3 % betrug. Ein höherer Anteil
feinkörnigen Materials im Tagebau II resultierte aus Toneinlagerungen im Tiefschnitt. Durch die Kom-
bination von Hoch- und Tiefbagger erfolgte eine zwangsläufige Mischung der sandigen und tonigen
Materialien. Für das Untersuchungsgebiet ist deshalb festzustellen, dass die aus dem Tagebau
Werminghoff II stammenden Abraummassen (Hochkippe) einen durchschnittlich größeren Feinkornan-
teil besitzen als die Abraummassen aus dem Tagebau Werminghoff I (Brückenkippe, Außenkippe
Maukendorf).
Im Zuge der Tagebauentwicklung und des Einsatzes unterschiedlicher Versturztechnologien sind am
Knappensee Absetzer-, Brücken-, Spül-, Pflug- und Handkippen anzutreffen. Den Kenntnisstand über
die Verteilung und Charakterisierung dieser Kippenarten zeigt die Unterlage [5] und deren Anlage 5.
Der Knappensee entstand im Jahre 1945 durch eine unkontrollierte Flutung des westlichen Feldesteiles
des ehemaligen Tagebau Werminghoff I. Gespeist wird der See durch einen Zulaufgraben aus dem
Schwarzwasser, den Koblenzer Graben und den MTS-Graben.
Der Wasserspiegel im Knappensee unterliegt Schwankungen jahreszeitlicher und wasserwirtschaftlicher
Natur. Nach mehreren, durch Maßnahmen zur Minderung der Gefährdungen bedingten Schwankungen
wurde im Jahr 1991 ein oberstes Betriebsstauziel von +125,50 m NHN festgelegt. Im Fall des Eintretens
von Hochwasserperioden ist ein maximaler Höchststau von +126,0 m NHN ohne schädliche Auswir-
kungen auf die Standsicherheit der Uferböschungen und Dämme definiert.

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12
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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Im Rahmen der Realisierung von Sofortmaßnahmen zur Verringerung des geotechnischen Risikos im
Bereich des Knappensees ist im März 2011 eine Stauspiegelabsenkung auf den Minimalwasserstand
von +124,20 m NHN realisiert worden.
Für die Durchführung der geplanten Sicherungsarbeiten ist es vorgesehen, den Wasserspiegel im
Knappensee auf eine Höhe von mindestens +125,0 m NHN anzuheben.
Für die an den See angrenzenden Uferbereiche kann allgemein definiert werden, dass im Süden ein
Grundwasseranstrom in Richtung See und im Norden ein Grundwasserabstrom zu verzeichnen ist. Im
Zusammenhang mit der Flutung des Restlochs D/F ist insbesondere im Hinterland der südlichen Ostbö-
schung noch mit einem Grundwasseranstieg und damit mit einer Anpassung der Strömungssituation zu
rechnen. Das Grundwasser strömt in diesem Abschnitt allgemein aus südlicher bis südöstlicher Rich-
tung zu und fließt in nördliche bis nordöstliche Richtung (Restloch D/F) ab. Lokal wird die Grundwas-
serströmungsrichtung durch den jeweiligen Wasserstand im Knappensee beeinflusst.
3.4
Gefahrensituation und Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen
Eine aktuelle Betrachtung zur Erforderlichkeit von Gefahrenabwehrmaßnahmen erfolgte mit Erstellung
der Unterlage [5].
Hinsichtlich der geotechnischen Verhältnisse herrscht ein umfänglicher Kenntnisstand darüber vor, dass
in den Uferböschungen am Knappensee sowie in weiten Bereichen des Hinterlandes Kippenböden an-
stehen.
In den zahlreichen durchgeführten geotechnischen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass das vor-
handene sandige Kippenmaterial überwiegend locker bis bereichsweise sehr locker gelagert ist und wei-
tere für eine Verflüssigungsgefährdung maßgebende Eigenschaften (z. B. Kornverteilung, Rundungs-
grad usw.) aufweist. Entstehen im wassergesättigten Kippenbereich durch innere oder äußere Initiale
verursachte Porenwasserüberdrücke, die zu einer Verflüssigung führen, so folgen bei ausreichender
horizontaler Ausbreitungsfreiheit Setzungsfließrutschungen und bei fehlender Ausbreitungsmöglichkeit
zum Teil großräumige Geländeeinbrüche.
Wird eine Setzungsfließrutschung ausgelöst, so verläuft der Rutschungsprozess lawinenartig und groß-
räumig in Sekunden bis Minuten ab. Für Leib und Leben sowie Sachwerte bleibt keine Reaktions-, Ret-
tungszeit sowie Zeit zur Ergreifung von Schutzmaßnahmen. Die Rutschungsereignisse selbst können
über Schwallwellen weitere Rutschungen an gegenüberliegenden Ufern auslösen, so dass in Folge eines
Ereignisses zusätzlich fast alle Uferbereiche des Knappensees bezüglich einer Sekundärrutschung akut
gefährdet sind.
Angesichts mehrerer Schadensereignisse, die sich in den letzten Jahren insbesondere auch auf
Innenkippenflächen der Lausitz ereignet haben, und der mit dem Knappensee vergleichbaren geotechni-
schen Situation ist das Risiko einer langfristigen Fortführung der Nutzung der Kippenflächen allein mit
der bisherigen Handhabung der Einhaltung von Verhaltensanforderungen und Geboten ohne partielle
Verbesserung als nicht vertretbar einzuschätzen. Unabhängig davon, ob durch die Einhaltung von Gebo-
ten und Verboten, deren Kontrolle und Durchsetzung sich als äußerst schwierig erwiesen haben, ein
äußeres Initial zwar scheinbar überwiegend verhinderbar scheint (Extremereignisse sind nicht kalkulier-
bar), kann auf mögliche innere Initiale nicht oder nur sehr beschränkt (z. B. durch ein Absenken des
Grundwasserspiegels) Einfluss genommen werden. Gleiches gilt für eine Verschlechterung der geotech-
nischen Situation infolge von Extremwetterereignissen (starke Niederschläge, Windeinfluss, etc.). Das
von den lockeren Kippenböden ausgehende geotechnische Risiko bleibt ohne geotechnische Siche-
rungs- und Verbesserungsmaßnahmen latent bestehen.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Aus vielen Untersuchungen sowie Schadensereignissen ist bekannt, dass allein mit wachsender Liege-
zeit der Kippe keine Abnahme der Verflüssigungsgefährdung einhergeht. Vor allem unter Beachtung
der Tatsache, dass sich mit wachsender Zeit die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Setzungsfließens
am Knappensee, bei dem Personen, Sachgüter und Schutzgüter massiv zu Schaden kommen, erhöht, ist
die Ergreifung von Maßnahmen zu deren Beseitigung dringend geboten.
Die Möglichkeiten zur Abwendung der bestehenden Gefahr und Sicherung der Uferböschungen sind in
der Unterlage zur Prüfung der Geeignetheit [4] grundlegend untersucht worden. Im Ergebnis dieser
Alternativprüfung wurden neue Vorzugsvarianten zur Durchführung der Gefahrenabwehr am
Knappensee definiert.
Bei der Durchführung der Sicherungsarbeiten werden teilweise große Initiale eingetragen, so dass das
Eintreten von Setzungsfließrutschungen nicht auszuschließen ist. Auf Grundlage dieser Verhältnisse ist
die Einrichtung eines Sperrbereiches ein fester Bestandteil der Umsetzung der Gefahrenabwehrmaß-
nahmen.
3.5
Sicherheitslinie und Sperrbereich
3.5.1
Ermittlung der Rückgriffweiten
Die Ermittlungen der Rückgriffweiten erfolgt im Allgemeinen nach den in [15], Kapitel 6.1 aufgeführ-
ten Berechnungsformeln. Hierbei handelt es sich um empirisch ermittelte Funktionen, die aus der Aus-
wertung von insgesamt 96 Setzungsfließrutschungen des Lausitzers und Mitteldeutschen Braunkohlen-
reviers bestimmt wurden.
Die Auswertung der untersuchten Rutschungen wurde in Abhängigkeit von wesentlichen Einflussgrö-
ßen vorgenommen. Diese Einflussgrößen sind:
Art und Intensität des Initials,
Technologie der Verkippung (Lage der Strossenrichtung zur möglichen Fließrichtung; parallel
(p) oder senkrecht (s)),
Ausfließbedingungen der Kippe (unbehindert (u), behindert (b)).
Andere Einflussfaktoren wie beispielsweise aus der Korngrößenverteilung ableitbare Parameter sind als
Einflussgrößen dieser empirischen Formeln statistisch nicht gesichert. Sie brachten keine Verbesserung
im Prognoseergebnis.
Für die Abschätzung der Rückgriffweite werden in [15] zwei Varianten angegeben, wobei die Varian-
te 2 speziell für Sande aus dem Speicherbecken Lohsa II entwickelt wurde.
Da das vorhandene Kippenmaterial am Knappensee (Abraum Werminghoff I und II) dem im Rahmen
der Untersuchungen zu den Sanden aus dem Speicherbecken Lohsa II nicht vollständig entspricht, wird
für die Ermittlung der Rückgriffweiten am Knappensee die Variante I als maßgebend erachtet.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Die Rückgriffweite x
r
errechnet sich nach Variante I ([15]) wie folgt:
=⋅
β
δ
2 tan
1
2
1
1
1
1
K
WK
H
H
b
x
r
H
k
a e
,
mit
β
Böschungswinkel,
δ
1
Koeffizient beachtet Abweichungen von dem durch die Regression bestimmten Wert,
insbesondere hinsichtlich der Stärke eines Initials,
H
K
Kippenhöhe,
H
WK
Kippenwasserstand,
a
1
, b
1
Koeffizienten bzgl. Verkippungstechnologie und Ausfließbedingungen.
Wie
anhand
der
aufgeführten
Erläuterungen
zu
der
Ableitung
der
Formeln
zur
Rückgriffweitenermittlung ersichtlich, stellen die erhaltenen Werte keine expliziten Ergebnisse dar.
Bedingt durch die empirische Herleitung der Formeln sind die Ergebnisse mit gewissen Unsicherheiten
behaftet und dürfen nicht als Absolutwerte angenommen werden. Aus diesem Grunde sind die ermittel-
ten Rückgriffweiten durch die Sachverständigen für Geotechnik bzgl. der Vergleichbarkeit mit dem
Bearbeitungsbereich weitergehend zu bewerten.
Für die Ermittlung der Rückgriffweiten am Knappensee wurde 2008 ein Initialfaktor von
δ
1
= 1,8 (star-
kes Initial) definiert. Überwiegend sind die konkrete Verkippungstechnologie und vor allem die für das
Rückgriffweitenmaß bestimmende Lage der Strossen in den Kippenbereichen am Knappensee nicht
hinreichend genau bekannt. Deshalb sind aus den Rückgriffweitenberechnungen die Werte der ungüns-
tigsten Modellvorstellung (parallele Lage der Strossen mit der möglichen Fließrichtung und ein unbe-
hindertes Ausbreiten der Rutschungsmassen) angenommen.
Tabelle 1:
Übersicht Rückgriffweiten
Untersuchungs-
bereich
Maßgebender Kippenhorizont
Berechnungsfall
Rückgriffweite
U
Absetzerkippe, Bereich mit gegangenen
Rutschungen und Spülkippenhorizonten
unbehindert, parallel
(p/u)
ca. 110 m ab
Kippenböschung
T
Absetzerkippe, Bereich mit gegangenen
Rutschungen und Spülkippenhorizonten
unbehindert, parallel
(p/u)
ca. 160 m ab der Bö-
schungsschulter der
Hochkippenböschung
S
Abgespülter Bereich, mit eingelagerten
Spülkippen und mit gegangenen Rut-
schungen
unbehindert, parallel
(p/u)
ca. 100 m
G
ohne Hochkippe
Absetzer-, AFB-Kippen, Pflugkippen
unbehindert, parallel
(p/u)
ca. 170 m von der Bö-
schungsschulter Ufer-
böschung
G
mit Hochkippe
Absetzer-, AFB-Kippen, Pflugkippen
unbehindert, senkrecht
(s/u)
ca. 220 m von der Bö-
schungsschulter der
Hochkippe
D
oberflächennahe Pflugkippen
unbehindert, parallel
(p/u)
ca. 160 m … 590 m ,
Begrenzung durch
obere Abraumgrenze

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Wie bereits erläutert, ist für die in Tabelle 1 nach [15] ermittelten Rückgriffweiten zu berücksichtigen,
dass aufgrund der empirischen Entwicklung diese Abschätzung mit entsprechenden Unsicherheiten
behaftet sein kann. Für die Festlegung des Gefährdungsbereiches am Knappensee sind diese Werte
durch den Sachverständigen für Geotechnik auf Plausibilität zu prüfen und für die Definition der
Sicherheitslinie mit dem Auftraggeber sowie zuständigen Aufsichtsbehörden abzustimmen.
Seitens der Bearbeitung von Gefahrenabwehrmaßnahmen erfolgte mit der Weiterführung der Planung
(EP, GP, AP) die Prüfung der Werte durch die Sachverständigen auf Aktualität.
3.5.2
Definition Sicherheitslinie
Die Sicherheitslinie umgrenzt die Flächen, auf denen unmittelbare Auswirkungen aus den Sicherungs-
bzw. Sanierungsmaßnahmen und / oder aus der Speicherbewirtschaftung nicht ausgeschlossen werden
können (Gefährdungsbereich), so dass gegebenenfalls Maßnahmen zur Sicherung gegen Gefahren ge-
troffen werden können bzw. müssen. Der Verlauf der Sicherheitslinie wird in erster Linie entsprechend
den geotechnischen und hydrologischen Erfordernissen festgelegt.
Die Anwendung der Sicherheitslinie hat zu unterscheiden:
a) den Interessen der Öffentlichkeit
- außerhalb des Sperrbereiches,
b) den Anforderungen für Sicherungs-
- innerhalb des Sperrbereiches.
bzw. Sanierungsarbeiten
Anwendung und Bedeutung bzgl. der Öffentlichkeit
Der Aufenthalt von Personen und das Abstellen und Betreiben von Geräten innerhalb der Sicherheitsli-
nie sind nur unter Einhaltung von Verhaltensanforderungen gestattet. Auf die bestehenden Gefährdun-
gen und Verhaltensanforderungen wird durch geeignete Maßnahmen hingewiesen (Unterrichtung der
Flächeneigentümer, Erteilung von Auflagen, Beschilderungen usw.). Gegebenenfalls werden zusätzli-
che Maßnahmen zur Erhöhung des Sicherheitsniveaus ergriffen.
Anwendung und Bedeutung bzgl. der Sicherungs- bzw. Sanierungsmaßnahmen
Je nach Gefährdung und Einwirkungen aus den Sicherungsarbeiten werden Teilbereiche der von der
Sicherheitslinie umschlossenen Flächen in einen Sperrbereich überführt.
3.5.3
Definition Sperrbereich
Die Sperrbereichslinie darf in Richtung Gefahrenzunahme nur durch unmittelbar an den Sicherungs-
bzw. Sanierungsmaßnahmen beteiligte Personen, Geräte und nur für die Dauer der auszuführenden Ar-
beiten überschritten werden. Dabei ist das Betreten bzw. Befahren des Sperrbereiches nur unter Einhal-
tung von verschärften Verhaltensanforderungen zulässig. Das Personal und berechtigte Personen sind zu
Beginn der Sicherungsmaßnahmen (und gegebenenfalls wiederholt) entsprechend aktenkundig zu beleh-
ren. Im Falle von Rutschungen, Havarien, Störungen und Ereignissen, die Personal und Technik gefähr-
den können, sind Personal und gegebenenfalls Technik schnellstmöglich aus dem akuten Gefährdungs-
bereich zurückzuziehen. Gleiches gilt für größere Arbeitspausen sowie für Reparatur und Wartungsar-
beiten.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Die Sicherheitslinie für die Böschungsbereiche des Knappensees wurde in der Vorplanung [9] festgelegt
und ist im Lageplan Anlage 1.3 dargestellt.
Die dynamische Anregung durch das Verdichten mittels Tiefenrüttler kann im Vorland der Tiefenver-
dichtung zu großräumigen Bodenverflüssigungen mit anschließender Setzungsfließrutschung führen.
Die durch die Deformation und der damit verbundenen Primärrutschung erzeugten Schwallwellen und
hydraulischen Überdrücke im Untergrund können an benachbarten und gegenüberliegenden
Kippenböschungen (Uferabschnitte S, T, U, C und A) Sekundärrutschungen auslösen.
Entsprechend der vorhandenen Gefährdung werden Teilflächen der von der Sicherheitslinie umfassten
Flächen in einen Sperrbereich überführt.
Die Sperrbereichsgrenze gilt als eine öffentlichkeitswirksame Absperrung und umschließt den Sperrbe-
reich. Für alle nicht an den Sicherungsarbeiten beteiligten bzw. nicht speziell belehrten Personen (Unbe-
fugte) ist ein Aufenthalt innerhalb des Sperrbereiches untersagt. Dies gilt sinngemäß auch für das Ab-
stellen und Betreiben von Fahrzeugen und Geräten. Der Verlauf der Sperrbereichsgrenze wird in erster
Linie unter geotechnischen Gesichtspunkten der Auswirkung von akuten Gefährdungen festgelegt. Der
Sperrbereich darf, außer von berechtigtem und belehrtem Personal, nicht von Dritten (Unbefugten) be-
treten oder befahren werden. Das Betreten bzw. Befahren des Sperrbereiches durch autorisiertes Perso-
nal ist nur unter Einhaltung von Verhaltensanforderungen gestattet. Zutrittsberechtigte sind über beste-
hende Risiken und Gefährdungen, den Verlauf und die Bedeutung der Sperrbereichsgrenze sowie den
Verlauf der Sperr- und Sicherheitslinien aktenkundig zu belehren.
Folgende Rahmenbedingungen und Maßnahmen sind bei der Einrichtung der Sperrbereiche zu beachten
(aus [6]):
Bis zum Abschluss der Tiefenverdichtungs- und Erdbauarbeiten ist das innerhalb des Sperrbe-
reiches befindliche Kippengebiet als gefährdetes Gebiet zu betrachten.
Im Sperrbereich befindliche Personen, Tiere, baulichen Anlagen und Wertgegenstände sind
durch Setzungsfließrutschungen gefährdet. Für alle ortsfesten baulichen Anlagen sind Wertgut-
achten zu erstellen.
Alle Sachgüter, Wertgegenstände, bewegliche baulichen Anlagen etc. sind für den Zeitraum der
Sanierungsarbeiten aus dem geotechnischen Sperrbereich zu entfernen. Gleiches gilt für poten-
ziell umwelt- bzw. wassergefährdende Stoffe.
Die Sperrbereichsgrenze ist im Gelände durch Verbotsschilder eindeutig zu kennzeichnen.
Unter Beachtung der Übersichtlichkeit des Geländes und der Erkennbarkeit müssen die Ver-
botsschilder in ausreichendem Abstand aufgestellt sein. Der Abstand muss ≤ 50 m bzw. so groß
sein, dass das jeweils benachbarte Schild noch erkennbar ist. An jedem erkennbaren Zugang
muss mindestens ein Verbotsschild vorhanden sein.
Zufahrtswege und -straßen sind zusätzlich durch Barrieren (z. B. Zäune, Schranken und
Verwallungen) abzusperren.
Während der Arbeiten ist zu verhindern, dass sich nicht unmittelbar an der Sicherung beteiligte
Personen restlochseitig des ausgewiesenen Sperrbereiches aufhalten.
Eigentümer, Pächter und Nutzer im Sperrbereich befindlicher Flächen sind zu informieren.
Während der Verdichtungsarbeiten (RDV) dürfen die im Sperrbereich befindlichen Gebäude
nicht durch Personen genutzt oder betreten werden. Als Wohnsitz genutzte Häuser sind für den
Zeitraum der Rüttel- und Erdbauarbeiten freizuziehen.

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Im Sperrbereich vorhandene Versorgungs- und Medienleitungen sind während der Maßnahmen
zur Gefahrenabwehr zu sichern und/oder vor Beginn der Maßnahme zur Gewährleistung der
Versorgungssicherheit entsprechend den Planungen zur Medienversorgung zu verlegen.
Ein Weiterbetrieb/Sicherung der Medien mit Monitoring wird im Rahmen der weiteren Planung
untersucht.
Schäden an der innerhalb des Sperrbereiches befindlichen Bebauung, z. B. infolge von Rut-
schungen, sind durch eine angepasste Rüttlerfahrweise (im Ergebnis des RDV-Tests festzule-
gende Sicherheitsfahrweise) zu vermeiden.
Nach Beendigung der Sicherungsarbeiten (dynamische Kippenstabilisierung, Massenauftrags-
und -abtragsarbeiten) ist die Nutzung der innerhalb des Sperrbereiches liegenden Gebäude, bau-
lichen Anlagen und Flächen wieder möglich.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
4
Nutzungsmöglichkeit des Abschnittes E 1 während der Sperrphase
4.1
Geotechnische Verhältnisse und Gefahrensituation
Als Bereich E sind diejenigen Abschnitte der Südböschung gekennzeichnet, an denen die Uferlinie im
gewachsenen Lockergestein liegt. Der Böschung im Gewachsenen sind eingespülte Kippenböden vorge-
lagert.
Die dem Ufer vorgelagerten unverdichteten Kippenmassen wurden in den Abschnitten E 1 und E 2 im
Jahr 2010 mittels seeseitiger oberflächennaher Verdichtung (Leichte Rüttelverdichtung - LRV) gesi-
chert 0. Weiterhin erfolgte im Abschnitt E die Errichtung einer Einsetzstelle für auf dem See arbeitende
Gerätetechnik, im Speziellen für zukünftige seeseitige Sanierungstechnik.
Die Zielstellung der im Jahre 2010 durchgeführten Sicherung bestand in der Herstellung der Trittsicher-
heit der dem Ufer vorgelagerten Kippenbereiche in Bereichen, in denen die Wassertiefe bzgl. des tiefs-
ten Seewasserspiegels Z
A
(+124,2 m NHN) weniger als 2 m beträgt. Damit waren zur Verdichtung mit-
tels LRV die ufernahen gekippten Bereiche vorgesehen, deren Seesohle oberhalb des Niveaus +122,2 m
NHN liegt.
Hinsichtlich der Begrenzung wurde die LRV vom Niveau +117,0 m NHN (seeseitige Begrenzung, Un-
terkante LRV) bis an die Grenze Kippe/Gewachsenes und von dort auf der gewachsenen Böschungs-
oberfläche bis zur Böschungsschulter durchgeführt (landseitige Begrenzung). Die realisierte LRV-
Fläche ist in Anlage 3.1 dargestellt.
Durch die vorgenommene Verdichtung konnten die locker bis sehr locker gelagerten Kippensande in
eine lockere bis mitteldichte Lagerung überführt werden. Die Trittsicherheit auf der Seesohle ist nach
Durchführung der Verdichtung im Bereich E 1 oberhalb des Niveaus +117 m NHN am Südufer des
Knappensees gegeben.
In gewachsenen Uferbereichen, die durch den vorhandenen nicht dichten Bewuchs hydrodynamisch
nicht ausreichend gesichert sind, wurde das hydromechanisch erforderliche Wellenausgleichsprofil her-
gestellt. Die Profilierung erfolgte im Höhenbereich +125,0 m NHN … +126,1 m NHN mit der Aus-
gleichsneigung 1 : 14.
Aus geotechnischer Sicht sind im Bereich E keine Verflüssigungserscheinungen (Setzungsfließrut-
schungen, Grundbrüche infolge Verflüssigung) zu befürchten. Gegenüber Rutschungen ist Bereich E als
gesichert zu betrachten.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass für diesen Bereich keine Gefahren bestehen. Im Zusammenhang mit
den Sanierungsarbeiten können Setzungsfließrutschungen in anderen Uferbereichen des Knappensees
nicht ausgeschlossen werden. Bedingt durch derartige Ereignisse können sogenannte Schwallwellen
auftreten und im Uferbereich E 1 auflaufen.
Da sich bei Setzungsfließrutschungen die Massen mit bis zu mehreren Metern pro Sekunde im Restloch
in Richtung zum gegenüberliegenden Ufer hin bewegen, erfolgt eine intensive Verdrängung von Was-
sermassen, die zu einer energiereichen Schwallwellenbildung führt. Besonders beim Auflaufen der Wel-
le am Gegenufer ändern sich drastisch Wellenhöhe und Wellencharakter [16].
Anhand der in [16] dargelegten Berechnungsformeln zur Abschätzung der Schwallwellenbildung kön-
nen je nach Rutschungsort und Ausbildung Wellenhöhen mit 0,12 m bis 1,13 m sowie Auflaufhöhen am
Strandbereich in E 1 bis zu 3,60 m prognostiziert werden (siehe Anlage 3.3). Hieraus ergeben sich ent-
sprechende Gefährdungen für am Ufer bzw. in der Flachwasserzone befindliche Personen.
Folglich ergeben sich für Badegäste, die den Bereich E während der Sanierung zum Baden nutzen wür-
den, entsprechende Gefahren.

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19
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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass die Wasserfläche des Knappensees während der ersten Sanie-
rungsphasen intensiv von seeseitiger Technik (Schuten, Boote, Pontons usw.) genutzt bzw. mit dieser
befahren wird.
4.2
Bautechnische Möglichkeiten zur Abwendung des Auflaufens von
Schwallwellen
Wie bereits in Kapitel 4.1 aufgeführt, besteht eine der Hauptgefährdungen der Nutzung des Bereiches
E 1 im Auftreffen einer setzungsfließbedingten Schwallwelle.
In diesem Zusammenhang sind die technologischen Möglichkeiten zur Reduzierung dieser Gefahr zu
betrachten. Die Sicherung kann durch ein- oder aufgebrachte Elemente im Uferbereich erreicht werden,
die die Bewegungsenergie der auftreffenden Welle abmindern und umwandeln. Bei der Lageanordnung
dieser Elemente ist zu berücksichtigen, dass diese im Sicherungsbereich der bereits hergestellten LRV-
Fläche liegen müssen.
Aufgrund der begrenzten nutzbaren Gründungsfläche im Bereich des LRV-Körpers scheiden alle aufge-
brachten Bauteile aus Beton, Steinen usw. aus. Steinschüttdämme würden durch ihre erforderliche
Aufstandsfläche die noch nutzbare Wasserfläche sehr verringern, so dass letztendlich kaum nutzbarer
Badestrand verbleiben würde.
Dagegen erscheinen in den Boden eingebrachte Pfahlsysteme zielführender. Im Wasserbau werden übli-
cherweise Holzpfähle als Buhnen eingesetzt.
Eine Dimensionierung erforderlicher Buhnenelemente ist in Anlage 3.4 aufgeführt.
Für den Einsatz von Buhnen lassen sich folgende Vorteile für die Ausführung ableiten:
Energieumwandlung / -abbau der Schwallwelle,
geringer Platzbedarf.
Es ist nicht auszuschließen, dass die Buhnen beim Auftreffen einer Schwallwelle brechen oder derart
verformt/verschoben werden, dass gegebenenfalls eine Erneuerung bzw Neuverankerung erforderlich
werden könnte.
Für eine spezielle Sicherung gegenüber einer Schwallwellengefahr im Bereich E 1 mittels Buhnen erge-
ben sich folgende Nachteile:
hohe technologische Anforderung an den seeseitigen Einbau der Buhnen (Arbeitspontons, Boo-
te),
beim Einbau werden teilweise hohe Initiale in die vorgelagerten Kippen des Bereiches E 1 in
Form von Rammarbeiten eingebracht; Verflüssigungsvorgänge außerhalb des LRV-Körpers
können nicht ausgeschlossen werden,
Reduzierung des nutzbaren Strandes auf eine Streifenbreite von 10 m bis 18 m,
für Einbringung der Buhnen ist seeseitige Technik erforderlich
hoher Kostenfaktor,
Frage des Rückbaues der Elemente nach Beendigung der Sanierungsarbeiten,
Beschädigungen der Buhnen infolge des Auftreffens einer Schwallwelle ist nicht auszuschlie-
ßen.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
4.3
Bewertung der Nutzungsmöglichkeit
Der Uferbereich im Abschnitt E ist von der Uferlinie bis zu einer Höhenkote von +122,2 m NHN mit-
tels LRV gesichert. Entsprechend besteht in diesem Uferabschnitt eine ausreichende Trittsicherheit in
der Flachwasserzone. Setzungsfließrutschungen an der gewachsenen Böschung bzw. Verflüssigungser-
scheinungen sind nicht mehr möglich.
Während der Durchführung der Sicherungsarbeiten können jedoch andere Gefährdungen auftreten. In
erster Linie ist durch auftreffende Schwallwellen (die durch Setzungsfließrutschungen in anderen Ufer-
bereichen ausgelöst werden können) eine Gefährdung für Personen (Badegäste), die sich im Ufer- bzw.
Flachwasserbereich im Abschnitt E befinden, gegeben.
Eine geeignete Sicherung gegen die auftretenden Schwallwellen können Buhnen darstellen. Jedoch sind
die Herstellungskosten nicht unter 400.000 € ohne Rückbau zu beziffern. Weiterhin wandeln diese Ele-
mente nur einen Teil der Wellenenergie um bzw. ändern den Wellencharakter der Schwallwelle nur
partiell. Entsprechend große Wellen können auch die Elemente überströmen. Trotz der Abminderung
der Wellenenergie können diese Verhältnisse für sehr junge oder kleine Badegäste mit geringer Körper-
größe gefährlich sein.
Darüber hinaus gewährleisten die Buhnen selbst noch keinen ausreichenden Schutz gegen Übersteigen
bzw. Überklettern dieser Elemente. Für eine wirksame Absperrung wäre zusätzlich das Anbringen von
entsprechenden Bauelementen (z. B. Zaunsfelder) auf den Buhnen erforderlich, die wirksam ein Ein-
dringen von Personen in den Sperrbereich verhindern.
Einhergehend mit der Durchführung der Sicherungsmaßnahmen muss während dieser Arbeiten mit ei-
ner Veränderung der Wasserqualität gerechnet werden. Dies kann eine Beeinträchtigung der Badever-
hältnisse bedeuten. So sind aufgrund der Bagger- und Verdichtungsarbeiten Trübungen des Wassers
nicht auszuschließen. Der See vor dem Badebereich wird während der ersten Sanierungsphasen der
„Gefahrenabwehr Knappensee“ intensiv als Fahrweg der Seetechnik genutzt werden. Aufgrund des
intensiven seeseitigen Fahrverkehrs ist aus Sicherheitsgründen und zur Gewährleistung eines reibungs-
losen Bauablaufes sicher ein Bewegen (durch Schwimmen, etc.) von Dritten in diesen Trassenbereich
zu unterbinden. Zusätzlich kann der „Ruhefaktor“ See als Naherholungseffekt stark verändert auf die
Öffentlichkeit wirken und den Freizeitwert entsprechend einschränken.
Weiterhin ergibt sich für die Sicherungselemente ein entsprechender Überwachungsaufwand bezüglich
der Funktionalität der Wellenbrechung sowie Absperrung.
Grundsätzlich könnte aufgrund der bereits erfolgten Sicherung gegenüber einer Rutschungsgefahr der
Bereich E 1 durch ein Einziehen der Sperrbereichsgrenze auf die Wasserfläche genutzt werden. Um die
aus einer möglichen Schwallwelle resultierenden Gefährdungen zu reduzieren, sind jedoch zusätzliche
Aufwendungen an Sicherungs- und Unterhaltungsmaßnahmen (Schwallwellenauflaufsicherung) not-
wendig. Die nach der Errichtung von Buhnen für eine mögliche Nutzung zur Verfügung stehende Flä-
che ist auf eine Uferstreifenbreite von ca. 18 m begrenzt. Auch nach erfolgter Sicherung gegen
Schwallwellen ist der Strandbereich nicht gefährdungsfrei, da der Betrag der Energieumwandlung durch
die Buhnen, aber auch die konkret stattfindenden hydrodynamischen Prozesse nicht umfänglich erfass-
bar sind. Es wird aus wirtschaftlichen aber auch sicherheitstechnischen Bedenken von einer Badenut-
zung des Bereiches abgeraten.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
5
Minimierung von Betroffenheiten in der Knappenseesiedlung
5.1
Geotechnische Verhältnisse und Gefahrensituation
Der Siedlung Knappenhütte sind als Sicherungsbereiche die Uferabschnitte T und S Nord vorgelagert.
In diesen Bereichen zeigen die Böschungen oberhalb des Wasserspiegels eine deutliche Gliederung. Die
Böschungsverhältnisse der Kippen können im Betrachtungsgebiet wie folgt beschrieben werden:
Bereich T:
Die Kippenverhältnisse im Uferbereich des Abschnittes T werden an der nördlichen und
südlichen Grenze durch Spülkippen charakterisiert, die die Massen der Rutschungen aus
den Jahren 1930 und 1937 überlagern. Die Rutschungsmassen sind überwiegend locker
gelagert, wobei die in der Spülkippe abgelagerten Kippenböden auch mitteldichte Lage-
rungen erreichen. Zwischen beiden Rutschungsbereichen überlagern die Spülkippen eine
Absetzerkippe mit geringer Lagerungsdichte. Ab der Uferlinie steigt das Gelände mit ei-
ner geringen Neigung (ca. 1 : 15 … 1 : 20) auf ein Niveau von +128,0 m NHN … +131,0
m NHN an. An diese Uferfläche schließt sich eine steilere Böschung bis zur Berme, auf
der sich die Wohnwagen- und Bungalowsiedlung befindet, an. Die Neigungen dieser Bö-
schung betragen 1 : 1,5 … 1 : 1,8 (33,7° … 29,0°) und spiegeln damit etwa den Winkel
der inneren Reibung wider. Die Böschungen befinden sich somit bezüglich der Standsi-
cherheit nahe dem erdstatischen Grenzzustand. Nur Bewuchs und Umlagerungsprozesse
sorgen für eine gewisse Standsicherheitsreserve. Diese Kippe kann in die Kategorie
Pflug- oder Handkippe eingeordnet werden.
Oberhalb der Berme schließt sich wiederum die Böschung der Hochkippe an, die mit Bö-
schungsneigungen von bis zu 1 : 1 (45°) ein Plateauniveau an der Schulter der Gesamtbö-
schung von ca. +145,0 m NHN (Niveau Siedlung Knappenhütte) erreicht. Diese Bö-
schungsbereiche befinden sich bezüglich der Standsicherheit ebenfalls nahe dem Grenz-
gleichgewicht. Das in der Hochkippe abgelagerte Kippenmaterial stammt aus dem Tage-
bau Werminghoff II.
Bereich S Nord:
Der nördliche Teilabschnitt des Uferbereiches S zeichnet sich durch eine ähnliche
Kippengenese wie im Nachbarbereich T aus. Die Kippe baut sich aus einer Pflugkippe
mit einer überlagernden Absetzerkippe auf. Im Gegensatz zum Bereich T ist im Uferab-
schnitt S keine Spülkippe vorgelagert. Im südlichen Teil des Uferabschnittes wurde bis
1940 ebenfalls eine Pflugkippe betrieben. Über die Pflugkippe wurde eine Absetzerkippe
geschüttet. Die Massen, die mit dem Absetzer abgelagert wurden, stammen aus dem Ta-
gebau Werminghoff II.
Die Gesamtkippenmächtigkeiten (OK Hochkippe bis Liegendes) im Bereich der Siedlung Knappenhütte
betragen ca. 45 m.
Die Körnungslinien der vorhandenen Kippenböden liegen fast vollständig im als verflüssigungsgefähr-
det einzustufenden Kornspektrum. Der Feinkornanteil (d ≤ 0,063 mm) beträgt in der Regel ≤ 30 %. Die
abgelagerten Kippensande weisen eine gute Rundung auf, die als weiterer begünstigender Faktor für
eine Verflüssigung anzusehen ist. Die Lagerungsdichten der Kippen sind als locker bis sehr locker ein-
zustufen. Partiell sind im Bereich der Spülkippen auch höhere Lagerungsdichten anzutreffen. Flächen-
deckend können jedoch keine Verhältnisse nachgewiesen werden, die ein Versagen infolge Verflüssi-
gung ausschließen.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Aufgrund der vorhandenen geotechnischen sowie geometrischen Verhältnisse in den Uferbereichen T
und S sind somit die angrenzenden restlochseitigen Flächen der Siedlung Knappenhütte mit hohem
Schadenspotenzial als setzungsfließgefährdet einzustufen. Die abgeschätzten Rückgriffweiten eines
Setzungsfließereignisses belaufen sich zwischen 100 m und 160 m ab der maßgeblichen Böschungs-
oberkante (Niveau +136,0 m NHN).
Die größte im Jahr 1941 im Tagebau Werminghoff gegangene Rutschung mit einem Volumen von
4,5 Mio. m³ reicht mit dem Rückgriff bis in den Betrachtungsbereich S und unterstreicht damit das
Rutschungs- und Gefährdungspotenzial des Untersuchungsgebietes.
Eine Bodenverflüssigung auslösende Initiale können im Bereich S und T in vielfältiger Weise auftreten.
In der Unterlage zur Untersuchung der Erforderlichkeit [5] wurden u.a. folgende mögliche Initiale auf-
geführt:
Sackungen durch Grundwasserspiegeländerungen,
Wasserspiegelschwankungen (GW - Strömungspotenzial),
Naturereignisse,
Fahrverkehr, Bautätigkeit,
Windwellenerosion, Primärböschungsbruch.
Entsteht durch einen Eintrag eines dieser Initiale (oder aber auch durch Kombination mehrerer Initiale)
eine Verflüssigung, so kann im Bereich T und S Nord eine Setzungsfließrutschung mit einem ketten-
reaktionsartigen Charakter ausgelöst werden. Für betroffene Bereiche und sich darin befindliche Perso-
nen einschließlich ihrer Sachwerte ist keine Reaktions- und Rettungszeit vorhanden.
Aus diesem Grunde ist wie in [5] bereits ausreichend dargelegt, die Ausführung von Gefahrenabwehr-
maßnahmen unabdingbar.
Als Vorzugsvariante für die Bereiche S Nord und T wurde mit [3] die seeseitige Erstellung eines Ver-
steckten Dammes mittels Rütteldruckverdichtung (RDV-Stützkörper) definiert.
Die dynamische Anregung durch das Verdichten mittels Tiefenrüttler kann als Initial wirken und im
Vorland der Tiefenverdichtung zu großräumigen Bodenverflüssigungen mit anschließender Setzungs-
fließrutschung führen.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
5.2
Betretungsmöglichkeiten während der Sperrphase
5.2.1
Grundsätzliches
Die Betrachtung der Betretungsmöglichkeiten (Art und Weise) der Sperrbereiche ist ein wichtiger Punkt
bei der Frage der Akzeptanz und Schadensminderung der geplanten Gefahrenabwehrmaßnahmen und
privatrechtlichen Einigungen im Vorfeld der Arbeiten.
Die grundlegenden Anforderungen an den Sperrbereich sowie dessen Ausbildung wurden beginnend
mit der Vorplanung im Jahr 2008 und weiter laufend über die nachfolgenden abschnittsbezogenen Pla-
nungen, auf Aktualität geprüft und gegebenenfalls präzisiert. Diese aktuell gültigen Randbedingungen
sind im Kapitel 3.5.3 dargelegt. Für die Sachverständigen für Geotechnik unterliegen die Vorgaben
einem ständigen Abwägungsprozess zwischen
der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit,
den Betroffenheiten der Öffentlichkeit,
Technologien der Sicherungsarbeiten zur Gefahrenabwehr,
der Praktikabilität der Umsetzung von Verhaltensvorgaben.
Die Sicherheit der Öffentlichkeit sowie auch der für die Sicherungsarbeiten eingesetzten Arbeitnehmer
hat für die Bearbeitung der Thematik oberste Priorität. Gleiches gilt für die Betrachtung der Möglichkeit
einer Betretung der Sperrbereiche am Knappensee durch Dritte.
Zu einer über die Planungsunterlagen hinausreichenden gesonderten Betrachtung und Stellungnahme
zum Sachverhalt wurden die am Knappensee zuständigen Sachverständigen für Geotechnik bereits im
August 2012 aufgefordert. Wie bereits in dieser Stellungnahme [10] dargestellt, können die folgend
aufgeführten grundlegenden Sachverhalte für die Betrachtung einer Betretung der Sperrbereiche wäh-
rend der Sanierungsdurchführung abgeleitet werden.
Mit Beginn der Sicherungsarbeiten werden zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit Sperrberei-
che und Sperrbereichsgrenzen eingerichtet, da infolge der dynamischen Anregung durch das Verdichten
mittels Tiefenrüttler im Vorfeld der Verdichtungsarbeiten großräumige Bodenverflüssigungen mit an-
schließenden Setzungsfließrutschungen auftreten können.
Aufgrund der Vielzahl von Ereignissen im Bereich von Innenkippen erfolgte durch die LMBV 2010
eine umfangreiche Einrichtung von Sperrbereichen auf diesen Flächen. Die erweiterten Sperrbereiche
wurden 2011 einer geotechnischen Bewertung unterzogen. Um diese gleiche Verfahrensweise (sofortige
Sperrung bzw. Einrichtung eines Sperrbereiches) im Bereich der Kippenflächen am Knappensee und die
damit verbundenen Folgen für die Bewohner und Nutzer dieser Kippenbereiche zu vermeiden, wurden
durch die Sachverständigen der ARGE Werminghoff gemeinsam mit der LMBV und dem Sächsischen
Oberbergamt Sofortmaßnahmen zur Verringerung der bestehenden Gefahr ausgearbeitet. Dabei handelte
es sich um Maßnahmen, die kurzfristig umsetzbar waren.
Zur Minderung der Setzungsfließgefahr und Reduzierung des von den unverdichteten Kippenböden
ausgehenden geotechnischen Restrisikos wurden folgende Sofortmaßnahmen am Knappensee festgelegt
und umgesetzt:
Absenken des Seewasserspiegels im Knappensee auf Minimalstau (+124,2 m NHN),
Geschwindigkeitsbeschränkung für die Straße K 9207 / K 6407,
Einrichtung eines Porenwasserdrucküberwachungs- und Alarmsystems an der Straße K 9207 /
K 6407,
Präzisierung der Verhaltensanforderungen.

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24
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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Für die Durchführung und den Beginn der Sicherungsarbeiten wird im Speicher Knappensee ein Was-
serspiegel von +125,0 m NHN bis +125,5 m NHN angefahren. Die mit der Sofortmaßnahme „Absen-
kung des Wasserspiegels am Knappensee auf das Absenkziel (Z
A
= +124,2 m NHN)“ begrenzt wirken-
de Minderung der Gefahrensituation wird ab dem Zeitpunkt der Wasserspiegelerhöhung im Knappensee
unwirksam.
5.2.2
Sperrbereich vor und während der Tiefenverdichtung (RDV)
Mit Beginn der Bauarbeiten zur seeseitigen Baggerung im Vorfeld der RDV-Trasse erfolgt ein Eingriff
in die bisher vorhandene geotechnische Gleichgewichtssituation der Uferböschung. Einhergehend damit
ergibt sich mit Beginn der Baggerarbeiten eine Erhöhung des geotechnischen Risikos für den Uferbe-
reich, wo diese Eingriffe erfolgen. Somit begründet sich die Einrichtung des Sperrbereiches nicht aus-
schließlich durch die Tiefenverdichtungsarbeiten (RDV), sondern bereits durch die im Vorfeld notwen-
dige Stauspiegelanhebung und Baggerarbeiten.
In der aktuellen Bauablaufplanung ist festgelegt, dass die Verdichtungsarbeiten (RDV und LRV) in
einer 6-Tage-Woche im Zweischichtbetrieb ausgeführt werden. Die Rütteldruckverdichtung wird dabei
in einer Sicherheitsfahrweise realisiert, die zwar das Risiko des Auslösens von Setzungsfließrutschun-
gen mindert, jedoch trotzdem ein hohes Initial einträgt und aus diesem Grunde Verflüssigungsereignisse
nicht ausgeschlossen werden können.
Die Rüttelpausen (Nacht- und Sonntagspause) bzw. Arbeitspausen am RDV-Damm gewährleisten dabei
keine definierte Sicherheit innerhalb der Sperrbereiche. So können die eingebrachten Initiale auch zeit-
verzögert wirken oder Sackungen zu einem späteren Zeitpunkt als Auslöser für eine Verflüssigung wir-
ken. Aus diesem Grunde wurde in [10] definiert, dass die Anforderungen an einen Sperrbereich so lan-
ge, wie der Versteckte Damm als abgeschlossenes System noch nicht wirksam ist, gelten.
Aus diesen aufgeführten Gründen wurde in [10] der Öffentlichkeit der Zutritt in den Sperrbereich bis zu
dessen Freigabe nach Abschluss der Verdichtungsarbeiten im Sicherungsabschnitt nicht gewährt.
Mit der Fortführung der Verhandlung mit den durch die Sperrmaßnahmen Betroffenen wurde die Frage
der Betretung der Sperrbereiche, im Speziellen der Siedlung Knappenhütte, erneut an die zuständigen
Sachverständigen für Geotechnik herangetragen. Zur Erörterung der Fragestellung fand am 26.09.2013
eine Beratung zwischen SächsOBA, LMBV, ARGE Werminghoff und GUP statt.
Im Ergebnis der Beratung wurde festgelegt, dass die Voraussetzungen für ein Betreten der Sperrberei-
che von Dritten zu prüfen sind.
Um die Betroffenheit Dritter zu verringern, besteht die Möglichkeit, die bislang festgesetzten Restrikti-
onen nach einer gewissen Anlaufphase der Verdichtungsarbeiten einer erneuten Prüfung zu unterziehen.
Diese Vorgehensweise ist erprobte Ingenieurpraxis und gibt den in der Anlaufphase gewonnenen Er-
kenntnissen zur Reaktion des Kippengebirges den Sachverständigen die notwendige Sicherheit, um
Eingriffe in das Sperrregime vorzunehmen. Aus den im Rahmen des Testbetriebes gewonnenen Er-
kenntnissen und daraus gezogenen Rückschlüssen können sich neben Anpassungen der Technologie
auch Änderungen in den Vorgaben und Restriktionen (u. a. Betretungserlaubnisse zu definierten Zeiten)
ergeben. Jedoch besteht auch die Möglichkeit, dass in Auswertung der Ergebnisse der Anlaufphase Ein-
schränkungen bestehen bleiben oder gar zu verschärfen sind.
Zunächst muss in Ermangelung von realen Testergebnissen und unter Berücksichtigung des Gefähr-
dungspotenzials davon ausgegangen werden, dass die aufgestellten Anforderungen an den Sperrbereich
und dessen Betretung für den Beginn der Arbeiten gültig sind und nach einer Anlaufphase („Test“) einer
Prüfung unterzogen werden.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Generell ist festzuhalten, dass ein Betreten der Sperrbereiche während der Ausführung der Rüttelarbei-
ten auch in den rüttelfreien Pausen zwischen den einzelnen Ansatzpunkten und in der Nachtpause nicht
möglich ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand kann ein Betreten durch autorisiertes Personal erst 24 h
nach dem letzten Initialeintrag (Rüttelarbeiten) erfolgen, da dann erfahrungsgemäß die Porenwasser-
überdrücke im Nahbereich des Versteckten Dammes in einer Größenordnung abgebaut sind, dass diese
selbst kein Setzungsfließen mehr auslösen können. Jedoch bestehen weitergehende Gefahren, die sich
aus dem Eingriff der Arbeiten in das bestehende Kippensystem begründen und dieses entsprechend
stören, ohne dass deren Größe verifiziert werden kann. Daneben sind innere Initiale möglich, die zusätz-
lich Verflüssigungsprozesse auslösen können.
In diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen werden, dass der Bereich der Hochkippe (T und S
Nord) mit der Siedlung Knappenhütte einen sehr sensiblen und geotechnisch kritischen Bereich inner-
halb des Kippensystems an der Ostböschung darstellt. Aufgrund der topographischen Verhältnisse im
Hinblick auf eine Risikobetrachtung können mögliche Rutschungen die größten Schadensausmaße am
Knappensee annehmen. Dies bedeutet, dass mögliche Rutschungen bei Schadenseintritt im Vergleich zu
den anderen Uferbereichen die größten Breiten und Rückgriffweiten aufweisen werden. Eine vergleich-
bare geotechnisch kritische Situation ist am Knappensee lediglich im Bereich G vorhanden.
Bis zur Fertigstellung des RDV-Dammes (d. h. der Beendigung der RDV-Arbeiten) wird aus jetziger
Sicht empfohlen, in den RDV-Ruhepausen mit > 24 h nur ausgewähltem Personal den Zutritt in die
Sperrbereiche zu gewähren. Diese Personen werden bezüglich der Gefahrensituation ausreichend ge-
schult und besitzen entsprechende Erfahrungen sowie die erforderliche körperliche Konstitution, um in
Gefahrensituationen angemessen reagieren zu können.
Folgende Beispiele sollen den Unterschied zwischen einem geschulten Trupp (Vermesser, Arbeiter) und
einer Vielzahl von Personen, die sich in ihren Wochenendhäusern aufhalten, verdeutlichen bzw. eine
Gleichsetzung kritisch hinterfragen:
Der geschulte Trupp arbeitet zumeist im Freien. Er kann zielgerichtet durch Böschungsbeobach-
ter abgesichert werden. Demgegenüber ist zu erwarten, dass die Siedlung besuchende baufrem-
de Personen sich innerhalb von Gebäuden aufhalten werden. Selbst wenn die Personen in ihren
Gebäuden die Information über eine konkrete Gefahr erreicht, sind sie bezüglich der Reaktions-
zeit definitiv langsamer bei der Flucht aus dem Sperrbereich. Weiterhin kann Panik bei unge-
schultem Personal nicht ausgeschlossen werden, was wiederrum die Reaktionszeit verringert.
Die genaue Position aller Personen zu einem konkreten Zeitpunkt ist in der Regel nicht bekannt.
Für den geschulten Trupp werden nur Mitarbeiter mit guter körperlicher Konstitution und Fit-
ness eingesetzt. Für die Öffentlichkeit (Rentner, Kinder, Behinderte usw.) kann dies nicht abge-
sichert werden.
Der Sicht- und Funkkontakt zum geschulten Trupp wird gezielt sichergestellt. Für alle Personen
der Siedlung kann dies nicht sichergestellt werden.
Weiterhin wäre ein erheblicher Betreuungsaufwand notwendig, der folgende Aspekte berücksichtigt:
Schulungen baufremder Personen bezüglich Gefährdung und Verhalten,
Böschungsbeobachter und Sicherungsposten je Personengruppe und Objekt,
Absichern des Brandschutzes,
Absicherung des kontrollierten Betretens und des Verlassens des Sperrbereiches mit einer ent-
sprechenden Passierroutine,
Frage zur Nachkontrolle der Objekte und Dokumentation des IST-Zustandes, falls Veränderun-
gen während des Aufenthaltes vorgenommen wurden.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Aus Sicht des Sachverständigen sind bei einer Zutrittserlaubnis in einen Gefahrenbereich Faktoren zu
betrachten, die u. U. eine Relevanz für den Baubetrieb und damit für die entstehenden Kosten aufweisen
können. Solche Aspekte können sein:
Prüfung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Ausschluss von Personen mit unzureichender
Leistung oder Handicap,
volle Leistungsfähigkeit aller sich im Sperrbereich befindlichen Personen (kein Alkohol- und
Medikamentenkonsum),
rechtliche Handhabe einer evtl. erforderlichen Räumung des Sperrbereiches bei einer Weige-
rung der Personen, diesen wieder zu verlassen.
Für die aufgeführten Punkte wäre auch die Frage zu klären, wer diese Kontrollaufgaben wahrzunehmen
hat. Aus Sicht der Zuständigkeiten der Sachverständigen liegen diese außerhalb ihres Aufgabenberei-
ches.
Aus der obigen Betrachtung ergibt sich, dass ohne Beachtung der zusätzlich permanent vorhandenen
Gefährdungen eine derartige Lösung (Betretung der Sperrbereiche durch Dritte) in ihrer Umsetzung
nicht praktikabel erscheint.
Es ist in der Gefährdung eines geschulten kleinen Trupps von gezielt eingesetzten Arbeitern, die eine
definierte Aufgabe abarbeiten, gegenüber einer Vielzahl von Personen ein erheblicher Unterschied im
Gefährdungsgrad vorhanden.
Der Gefahrensituation für die Arbeiter im Sperrbereich wird damit Rechnung getragen, dass der im
Rahmen des Bauablaufes notwendige Aufenthalt von geschultem Personal sich auf punktuelle und
kurzzeitige Arbeiten, wie beispielsweise die Absteckung der PWD-Messpunkte für die Sicherheitsfahr-
weise, beschränkt. Darüber hinaus werden die eingesetzten Arbeiter mit entsprechenden Rettungsmit-
teln (Schwimmwesten etc.) ausgestattet.
Da Setzungsfließrutschungen in kurzen Zeiträumen ablaufen, ist eine gezielte schnelle Fluchtreaktion
lebenswichtig.
Aus diesem Grunde empfehlen die Sachverständigen für Geotechnik für den Zeitraum der RDV-
Arbeiten, nur geschultes Personal für definierte kurze Zwischeneinsätze in den Sperrbereich zu lassen.
Es besteht keine Vereinbarkeit von Betretungserlaubnissen der Öffentlichkeit und der Aufrechterhaltung
von Sperrbereichen im Rahmen der Gefahrenabwehrmaßnahme unter Beachtung der Funktionalität des
Sperrbereiches. Demzufolge schließt sich auch für die Eigentümer die Durchführung von Arbeiten jeg-
licher Art an ihren Objekten aus.
Hinsichtlich der aufgeworfenen Frage zu einer Freigabe der Sperrbereichsbetretung an Feiertagen ist
Folgendes festzustellen:
Nach wie vor ist derzeit davon auszugehen, dass ab dem letzten Initialeintrag (der im Wesentlichen im
Rütteln zu sehen ist) vor dem Betreten des Sperrbereiches eine Ruhepause von ca. 24 Stunden einzuhal-
ten ist. Die Rüttelarbeiten selbst sollen in einer 6-Tage-Woche im 2-Schicht-Betrieb ausgeführt werden.
Aus dem geplanten Bauablauf und dieser Sicherheitsanforderung ergäbe sich, dass ein Betreten nur
möglich wird, wenn der gesetzliche Feiertag (und damit arbeitsfreie Tag) auf einen Montag oder Sams-
tag fällt. Brückentage und damit verlängerte Wochenenden können aus jetziger Sicht nicht mit einbezo-
gen werden, da dies einen Eingriff in den Bauablauf für den Baubetrieb darstellen würde, der wiederum
Kosten sowie eine Verlängerung der Bauzeit nach sich zieht.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Für eine kurzzeitige Betretung ergeben sich unter Berücksichtigung der oben aufgeführten Maßgaben in
den Jahren 2014 und 2015 folgende Termine:
für das Jahr 2014: mit dem geplanten Baubeginn ab Mai ein Termin (Pfingsten),
für das Jahr 2015: mit dem geplanten Bauende der RDV (ca. August) zwei Termine (Ostern und
Pfingsten).
Der Aufwand für derartige Veranstaltungen wäre abzuwägen, vor allem vor dem Hintergrund, dass ab
Mitte 2015 bei planmäßigem Bauablauf der Sperrbereichsteil der Siedlung Knappenhütte bereits wieder
freigegeben werden könnte.
Die Aussagen für die Betretungsmöglichkeiten gelten gleichzeitig auch für alle weiteren in Frage kom-
menden Uferbereiche, da sie durch Schwallwellen und in deren Folge durch mögliche Sekundärrut-
schungen ebenfalls gefährdet sind.
5.2.3
Sperrbereich nach der Tiefenverdichtung (RDV)
Nach Beendigung der RDV-Leistungen entlang der Dammtrasse besteht aus Sicht des geotechnischen
Sachverständigen prinzipiell die Möglichkeit, die Zutrittsrestriktionen zu lockern. Mit den nach der
RDV folgenden Arbeiten, wie dem Aufspülen von Sand und der anschließenden LRV, sind deutlich
geringere Initialeinträge verbunden, die unterhalb der bereits eingetragenen Initialen liegen. Damit ist
ein Versagen in Form einer Setzungsfließrutschung für die Bereiche mit einem RDV-Damm nicht mehr
zu befürchten. Es können nur noch kleinere Teilbereiche abrutschen, womit sich die mögliche Rück-
griffweite entsprechend verringert. So könnte nach dem derzeitigen Bauzeitenplan und Kenntnisstand
die Sperrfläche in der Siedlung Knappenhütte ab Mitte der Jahresscheibe 2015 wieder zur Nutzung frei-
gegeben werden.
Auch für die weiteren Bereiche (neben der Knappenseesiedlung), die außerhalb der Baufläche liegen
(z. B. die Wohnwagen- und Bungalowsiedlung im Bereich T), ist eine Lockerung der Restriktionen
nach Abschluss der Tiefenverdichtungsarbeiten denkbar. Nach Prüfung können hier arbeitsfreie Zeiten
(z. B. Wochenenden) für ein Betreten und eine Pflege der Objekte freigegeben werden.
Die Betretungsmöglichkeiten der Sperrbereiche können im Ergebnis der hier in den Kapiteln 5.2.2 und
5.2.3 geführten Betrachtungen in folgenden Kernpunkten zusammengefasst werden:
1.
Gefahrensituation ist sowohl während der RDV-Ausführung als auch in Rüttelpausen (!)
vorhanden.
2.
Prüfung der Festlegungen zum Sperrbereich mit Auswertung des Testfeldes sowie im Rah-
men des nachfolgenden Routinebetriebs baubegleitend.
3.
Freigabe für eine Betretungserlaubnis an Feiertagen (Kurzbegehungen für überprüfte Perso-
nen unter Vorbehalt Punkt 2. nur zu 1 Termin (2014) bzw. 2 Terminen (2015) denk-
bar/möglich.
4.
Freigabe der Siedlung nach Beendigung der RDV (ca. Mitte 2015).
5.
Der Verbleib von Sachgütern in den Objekten ist aus Sicht der geotechnischen Sicherheit
generell möglich, sollte jedoch hinsichtlich möglicher Schadenspotentiale bzgl. grundwas-
sergefährdender Stoffe geprüft werden. Die Entschädigungsfrage ist vorher zu klären.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
5.2.4
Aufrechterhaltung der Medien während der Sperrzeit
Unverändert besteht die Forderung, dass bei Rutschungsereignissen keine zusätzlichen Gefahren aus der
Einbeziehung der Medien in die Rutschung resultieren dürfen. Bezüglich der Anforderungen an die
Mediensituation können seitens des SfG folgende Aussagen getroffen werden:
Eine Aufrechterhaltung der Gasversorgung im Sperrbereich ist aufgrund der damit einherge-
henden Gefahren bei Beschädigung generell abzulehnen.
Ein Weiterbetreiben der Wasserversorgung im Sperrbereich ist ebenfalls aus Sicherheitsgründen
nicht zu empfehlen. Durch einen Leitungsschaden könnte ungehindert Wasser austreten und die
lockere Kippe im Schadensbereich massiv durchfeuchten, was wiederum eine Verschlechterung
der geotechnischen Situation bedeutet. Aufgrund dieses Umstandes wird seitens des Sachver-
ständigen auch eine Aufrechterhaltung der Wasserversorgung innerhalb der Sperrfläche abge-
lehnt.
Die Energieversorgung (Strom) ist örtlich differenziert zu betrachten. Wenn die Netze bei einem
Rutschungsereignis von außen, d. h. außerhalb des Sperrbereiches, spannungslos geschaltet
werden können, ist aus Sicht des Sachverständigen eine Aufrechterhaltung der Spannungsver-
sorgung innerhalb der Sperrfläche möglich. Es muss sichergestellt sein, dass bei einer Havarie
der Leitung von der Bruchstelle keine Gefährdungen für Personen ausgehen. Darüber hinaus ist
der Brandschutz zu beachten und sicherzustellen.
Weiterhin wird seitens der Medienplanung (siehe nachfolgendes Kapitel 5.3) geprüft, inwieweit die
Medienversorgung der Siedlung Knappenhütte aufrechterhalten und damit eine Gewährleistung der
Frostfreiheit durch Heizgeräte erreicht werden kann. Durch diese Maßnahme sollen Schäden, die durch
Frosteinwirkungen entstehen könnten, minimiert bzw. unterbunden werden. Gleichzeitig wird damit
seitens der Betroffenen die Möglichkeit gesehen, sperrige Gegenstände (z. B. große Möbelstücke), die
zwar beräumbar sind, während der Sperrphase trotzdem in den Gebäuden zu belassen. Zu diesen Anlie-
gen möchte die ARGE Werminghoff auf die definierten Verhaltensanforderungen und Vorgaben für den
Sperrbereich (siehe dazu auch Kapitel 3.5.3) hinweisen. In diesen Vorgaben wurde definiert, dass
alle Sachgüter, Wertgegenstände, bewegliche baulichen Anlagen etc. für den Zeitraum der Sa-
nierungsarbeiten aus dem geotechnischen Sperrbereich zu entfernen sind. Gleiches gilt für po-
tentiell umwelt- bzw. wassergefährdende Stoffe.
Hintergrund für diese Forderung ist der Sachverhalt, dass bei Eintreten von Rutschungen diese Gegen-
stände gegebenenfalls unwiederbringlich in den Untergrund und zwischen die Rutschungsmassen ver-
frachtet werden. Zum Einen ist damit ein Verlust der Gegenstände verbunden, deren Sicherstellung vor
Ereigniseintritt möglich gewesen wäre, und zum Anderen kann aus dem rutschungsbedingten Eintrag
von Schadstoffen potenziell eine Beeinflussung der Wasserqualität des Sees und des Grundwassers re-
sultieren.
Aus geotechnischer Sicht stellt das Belassen von Gegenständen in den Objekten innerhalb des Sperrbe-
reiches keine Beeinflussung in der technologischen Umsetzung der geplanten Sicherungsarbeiten dar.
Für einen eventuellen Schadenseintritt ist jedoch vorher die Entschädigungsfrage zu klären.
Weiterführende Betrachtungen zur Minimierung der Betroffenheiten aus Sicht der Medienversorgung
werden unter Kapitel 5.3 ausgeführt.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
5.3
Maßnahmen der Objektsicherung / Medienversorgung
5.3.1
Maßnahmen der Objektsicherung
Die Übersicht der Untersuchungsbereiche für die Maßnahmen der Objektsicherung vorzusehen sind, ist
im Lageplan Anlage 1.2 dargestellt.
Im Rahmen der notwendigen Gefahrenabwehrmaßnahmen am Knappensee und der damit verbundenen
Einrichtung von Sperrbereichen sind Sicherungs- und Werterhaltungsmaßnahmen zum Baubestand
notwendig. Das vorliegende Konzept vom 20.11.2012 zur Objektsicherung mit Darstellung der notwen-
digen Leistungen sowie Plankosten wurde für ein Musterobjekt im Bereich der Feriensiedlung „An der
Knappenhütte“ bestätigt und ist Bestandteil der Sicherungsphase 1 Teil 2. Die folgenden Leistungs-
schwerpunkte gelangen für die Feriensiedlung „An der Knappenhütte“ (Bereich T, S) und die Wohnwa-
gen-Bungalow-Gemeinschaft (Bereich T) zur Ausführung:
Begehung der Objekte, Kontrolle auf Dichtheit Dach, Türen, Fenster,
Lüften der Gebäude, Öffnen der Fenster 15 min,
Kontrolle auf Sturmschäden,
Rinnenentwässerungen kontrollieren und reinigen,
Freihalten der Regenwassereinläufe incl. Rinnen von Schnee und Eis,
Geruchsverschlüsse in Gebäuden mit Frostschutzmittel füllen, Dichtheit kontrollieren,
Doppelt geklammerten Bauzaun vor verglasten Veranden errichten, vorhalten und wieder ent-
fernen,
Abpumpen von Gruben, Entsorgung Schmutzwasser sowie
gartenpflegerische Arbeiten.
Im Rahmen von Überlegungen zur notwendigen maximalen Schadensbegrenzung der leerstehenden
Objekte für den Zeitraum der Einrichtung des Sperrbereichs sollte geprüft werden, ob zusätzliche Maß-
nahmen z. B. mit einer Beheizung (Frostschutzsicherung) der Objekte im Sperrzeitraum auch eine Re-
duzierung der Aufwendungen zu erreichen ist.
Das mit der vorliegenden Planunterlagen zur Objektsicherung herangezogene Musterobjekt (Siedlung
„An der Knappenhütte“, Finnhütte Nr. 3) wurde ebenfalls für die Objektbewertung zusätzlich zu tref-
fender Maßnahmen herangezogen.
Daten der Objektbewertung:
Sachwert des Gebäudes (gem. Wertgutachten): 34.000 €,
Grundfläche innen in Fußbodenhöhe: 47,4 m²,
Dacheindeckung Wellbitumendach grün eingefärbt, 1 St. Dachfenster,
Außenwände massiv bis ca. 0,5 m Höhe gefliest,
Tür Giebelseite Süd mit seitlicher Verglasung,
Fenster Giebelseite Nord 3 St. mit Rollläden.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Zusätzliche Maßnahmen der Objektsicherung:
Feuchtigkeitsquellen, die zur Schimmelbildung führen, sind bei intaktem Gebäude nicht vorhanden.
Die Überwinterung von unbeheizten leerstehenden Gebäuden ist trotzdem problematisch, da es inner-
halb des Gebäudes durch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen zu Taupunktunterschreitun-
gen kommen kann. Diese führen zur Kondenswasserbildung vor allem an ungenügend gedämmten Au-
ßenwandbauteilen, Fußböden und an Möbeln verbunden mit Verrottung von Leder, Holz, Paneelen so-
wie Korrosion an Metallteilen.
Mit einer zusätzlichen Heizung in Verbindung mit der geplanten periodischen Stoßlüftung können sol-
che Schwankungen etwas ausgeglichen werden.
Der Taupunkt der Innenluft wird etwas angehoben, so dass die benannten Schäden weniger zu erwarten
sein werden. Diese Maßnahme bedingt die Gewährleistung der Stromversorgung aller Gebäude.
Eine weitere Möglichkeit ist die Trocknung der Innenluft u.a. durch Kondensations-/ bzw. Adsorptions-
entfeuchter. Das anfallende Wasser muss hier regelmäßig entnommen werden bzw. der Trockner muss
mit Zwangslüftung ausgerüstet werden. Diese Lösungen scheiden aus, da die Begehung des Sperrberei-
ches erstens nur während der betriebsbedingten Stillstandzeiten der Kippenstabilisierungsarbeiten und
mit Freigabe durch den Sachverständigen für Geotechnik erfolgen darf. Zum Zweiten ist die Realisie-
rung einer Zwangslüftung mit hohem technischen Aufwand verbunden (notwendige Eingriffe in die
Bausubstanz für die Abluftrohrleitung ins Freie). Da im Normalfall keine Feuchtigkeitsquellen im Ob-
jekt vorhanden sind, ist die Trocknung der Innenluft nicht effektiv und scheidet auch aus diesem Grunde
aus.
Es wurde eine Variantenbetrachtung zu Leistungen und Kosten bezogen auf Einzelobjekt mit und ohne
Frostschutzmaßnahmen, Sicherungsphase 1 Teil 2 für das Musterobjekt durchgeführt (Anlage 5.1). Da-
bei wird der Leistungszeitraum Sicherungsphase 1 Teil 2 von 2014 bis 2016 entsprechend Bauablauf-
plan (Bearbeitungsstand 10-11/2013) berücksichtigt.
Es können folgende grundsätzliche Aussagen getroffen werden:
Es werden Maßnahmen der Schadensbeseitigung im Vergleich zum Betrieb von Frostschutzge-
räten über den Leistungszeitraum bewertet.
Ohne Temperierung der Objekte in den Frostperioden ist gegenüber einer Ausstattung mit einer
Grundheizung von mindestens 5°C infolge Durchfeuchtung mit Schäden an Wand- und Fußbo-
denbelägen sowie an empfindlichen Möbeln zu rechnen.
Kostengegenüberstellung,
- Variante 1:
Objektsicherung/ Wiederherstellungsleistungen ohne Ausstattung mit
Frostschutzgeräten ca. 3.400,- €/Objekt,
- Variante 2:
Objektsicherung Ausstattung mit Frostschutzgeräten ca. 700,- €/Objekt,
Variante 2 ist hinsichtlich der Sicherung der Einzelobjekte kostengünstiger.
Voraussetzung ist die Niederspannungsversorgung im Sperrbereich verbleibender Objekte. Die Auf-
rechterhaltung der Gas- und Wasserversorgung innerhalb des Sperrbereichs wird ausgeschlossen.
Der Betrieb von Gasanlagen innerhalb des Sperrbereichs ist sicherheitstechnisch bedenklich und kann
durch den Medienversorger EVSE nicht getragen werden.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Begründung:
unkontrollierter Gasaustritt (Brand-/ Explosionsrisiko),
Anlagenwartung/ Reinigung der Anlagen unsicher,
Kontrolle der Schornsteinanlagen bedenklich.
Der Betrieb von Wasserversorgungsanlagen der ewag Kamenz, der Gemeinde Lohsa sowie von Verei-
nen kann zu unkontrolliertem Wasseraustritt im Kippenbereich führen, der nicht vorhersehbare geo-
technische Gefährdungen zur Folge haben kann.
Gas- und Wasserversorgungsanlagen werden an der Sperrbereichsgrenze getrennt und gesichert.
5.3.2
Niederspannungsversorgung im Sperrbereich verbleibender Objekte
Auf Anforderung des SächsOBA (09/2013) sind Möglichkeiten der Reduzierung von Betroffenheiten
Dritter innerhalb des Sperrbereichs zu untersuchen.
Dabei ist speziell die Gewährleistung der Niederspannungsversorgung folgender Bereiche zu bewerten
(s.a. Lageplan Anlage 1.3):
Siedlung Knappenhütte - Bereich T und S
ca. 51 Objekte
Wohnwagen- und Bungalowgemeinschaft - Bereich T
ca. 47 Objekte
Wohnwagen/ Bungalows – Bereich D Ost
ca. 53 Objekte
gesamt: ca. 151 Objekte
Der Leistungsumfang der Niederspannungsversorgung wurde mit den Medienversorgern (MITNETZ
Strom, Gemeinde Lohsa) abgestimmt und Lösungsansätze untersucht; s.a.
Beratung mit Gemeinde Lohsa am 09.10.2013, NS vom 18.10.2013,
Beratung mit MITNETZ Strom vom 29.10.2013, NS vom 08.11.2013,
Beratung mit MITNETZ Strom und Gemeinde Lohsa vom 03.12.2013, NS vom 09.12.2013.
Durch das Ing.-Büro Alte wurde im Auftrag der Gemeinde Lohsa auf Basis der Kostenübernahmever-
einbarung zwischen der Gemeinde Lohsa und der LMBV mbH die Erschließung o. g. Bereiche mit Nie-
derspannung geprüft.
Prüfungsschwerpunkte:
technische Lösung der Erschließung mit Niederspannung,
Schaltmöglichkeit außerhalb des Sperrbereiches,
Erschließungskosten,

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Prüfung der vorhandenen Netze (bei deren Nutzung) auf Leistungsfähigkeit.
Als Anlagen sind die Untersuchungen des Ingenieurbüro Horst Alte GmbH Wittichenau/Steinigeweg
Planungsgesellschaft mbH & Co.KG Hoyerswerda der Dokumentation beigefügt.
Anlage 5.3:
Gemeinde Lohsa, Knappensee Campingplatz Z5, Prov. Versorgung Elektro,
Voruntersuchung, Ingenieurbüro Horst Alte GmbH Wittichenau/ Steinigeweg
Planungsgesellschaft mbH & Co.KG Hoyerswerda, 08.11.2013/ Überarbeitung
vom 03.12.2013,
Anlage 5.4
Gemeinde Lohsa, Knappensee Campingplatz Z3, Prov. Versorgung Elektro,
Voruntersuchung, Ingenieurbüro Horst Alte GmbH Wittichenau/ Steinigeweg
Planungsgesellschaft mbH & Co.KG Hoyerswerda, 15.11.2013
Anlage 5.5
Gemeinde Lohsa, Feriensiedlung „An der Knappenhütte“, Prov. Versorgung
Elektro, Voruntersuchung, Ingenieurbüro Horst Alte GmbH Wittichenau/
Steinigeweg Planungsgesellschaft mbH & Co.KG Hoyerswerda, 22.11.2013.
Versorgung Siedlung „An der Knappenhütte“ (Bereich T und S) und Wohnwagen-und Bungalow-
Gemeinschaft (Bereich T) mit Niederspannung:
Im Bereich der Siedlung Knappenhütte wird eine Trafostation (Kompaktstation, 630 KVA) als Ersatz
für die im Gefahrenabwehrbereich befindliche vorhandene Station errichtet. Die Station besitzt noch
einen freien Abgang der für die Erschließung der Wohnwagen- und Bungalowgemeinschaft - Bereich T
genutzt werden kann.
Es ist somit möglich Anschlusssäulen für die Siedlung „An der Knappenhütte“ und für die Wohnwa-
gen-Bungalow-Gemeinschaft im Bereich T außerhalb des Sperrbereichs mit separater Zähleinrichtungen
und Schaltmöglichkeit zu errichten.
Die Herstellung der Verbindung zwischen Anschlusssäulen MITNETZ Strom und den vorhandenen
Verteilungen ist nicht Leistung der MITNETZ Strom (Leistungsanteil Gemeinde Lohsa). Die Nutzung
vorhandener, durch MITNETZ Strom außer Betrieb genommener Erdkabel ist möglich und ist bei der
weiteren Planung durch das von der Gemeinde Lohsa beauftragte Ing.-Büro zu prüfen. Das bestehende
Kabelnetz ist für die Versorgung der Bereiche innerhalb des Sperrbereichs mit Niederspannung ausrei-
chend dimensioniert.
Die Leistungsverrechnung (Strom, Verbrauchsmessung) kann wie folgt organisiert werden:
Wohnwagen- und Bungalow-Gemeinschaft
- Zählerstandort MITNETZ Strom außerhalb Sperrbereich,
- Verrechnung LMBV – MITNETZ Strom im Rahmen der
Kostenübernahmevereinbarung.
Siedlung „An der Knappenhütte“
- Zählerstandort MITNETZ Strom außerhalb Sperrbereich,
- Verrechnung erfolgt zwischen MITNETZ Strom und Verein Siedlung „An der
Knappenhütte“ sowie Privatkunden,

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
- Verrechnung LMBV – Verein Siedlung „An der Knappenhütte“ sowie Privatkunden
über Entschädigungsvereinbarungen,
- Mit Leerzug der Objekte ist das Ablesen von Zählern/ Unterzählern erforderlich und
zu dokumentieren.
Die Entkopplung des Niederspannungsnetzes der Siedlung „An der Knappenhütte“ an der
Sperrbereichsgrenze ist auf Grund der unbekannten Lage der Netze sowie in Unkenntnis des
Zustandes nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich (Ersatzerschließung) und ist
deshalb nicht vorzusehen.
Versorgung Wohnwagen- und Bungalow-Gemeinschaft (Bereich D Ost) mit Niederspannung:
Für die Wohnwagen- und Bungalow-Gemeinschaft im Bereich D Ost befindet sich der Übergabepunkt
der MITNETZ Strom an das Netz der Gemeinde Lohsa außerhalb des Sperrbereichs. Schalthandlungen
sind somit außerhalb des Sperrbereichs möglich, Zähleinrichtungen sind vorhanden. Für die Ersatzer-
schließung des Bereichs D Ost mit Niederspannung sieht die MITNETZ Strom keinen Handlungsbedarf
(Leistungsanteil Gemeinde Lohsa).
Nach Aussage des Elektroplaners ist die Versorgung des Bereichs mit Niederspannung technisch mög-
lich, gestaltet sich jedoch schwierig und umfangreich.
Die geplante Grenze des Sperrbereiches verläuft fast auf der gesamten Länge mitten durch den Zelt-
platz/ Wohnwagen- und Bungalow- Siedlung. Das Büro Alte erarbeitete im Auftrag der Gemeinde
Lohsa Variantenvorschläge zur Medientrennung und Umverlegung (Anlage 5.4).
Bei allen Varianten wurde dabei berücksichtigt, dass alle Objekte, die sich außerhalb des Sperrbereiches
befinden, weiterhin mit Niederspannung versorgt werden.
Da die Niederspannungsversorgung über zwei Verteilnetze teilweise unbekannter Lage netzförmig auf-
gebaut ist, wäre bei den untersuchten Varianten ein hoher Aufwand erforderlich, um einerseits die not-
wendige Abschaltung innerhalb des Sperrbereiches befindlicher Objekte zu gewährleisten, verbleibende
Bungalows innerhalb des Sperrbereichs für das Betreiben von Frostschutzgeräten mit Niederspannung
zu versorgen und Objekte außerhalb des Sperrbereichs ebenfalls weiter zu versorgen.
Die Gemeinde beabsichtigt den kompletten Bereich des Zeltplatzes Z 3 – Bereich D Ost (beginnend
vom asphaltierten Weg bis zum Ufer) still zu legen. Dabei würde der kostenintensive Umbau zur Medi-
entrennung und Umverlegung vollständig entfallen.
Die Gemeinde beabsichtigt auf der anderen Seite des Asphaltweges eine Fläche zu schaffen, auf der die
im zukünftigen Sperrbereich befindlichen Objekte und auch die weiterhin zu versorgenden Objekte
außerhalb des Sperrbereiches (bis zum Weg) umgesetzt und versorgt werden können. Anstelle aufwän-
diger Entflechtungs- und Umverlegungsarbeiten von Medienleitungen vorhandener Netze, wäre auf
einer weitaus kleineren Fläche eine Ersatzerschließung der Medien vorzunehmen. Die zu beplanende
Fläche befindet sich auf Gewachsenem und ist somit ohne geotechnische Restriktionen bebaubar.
Das Ing.-Büro Alte wurde aufgefordert, nach Vorgabe der Fläche durch die Gemeinde Lohsa diese Va-
riante als Entscheidungsvorlage zusätzlich zu untersuchen.
Diese Untersuchungsergebnisse sind jedoch nicht Bestandteil der vorliegenden Dokumentation, da hier-
für erst planungsrechtliche, baurechtliche, kommunal- und privatrechtliche Grundlagen geschaffen wer-
den müssen, die über den Betrachtungsumfang der Untersuchung hinaus gehen. Des Weiteren fehlt die
Zustimmung der Betroffenen.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Variantenbetrachtungen Ingenieurbüro Horst Alte GmbH Wittichenau/ Steinigeweg Planungsgesell-
schaft mbH & Co.KG Hoyerswerda im Auftrag der Gemeinde Lohsa
Anlage 5.3:
Gemeinde Lohsa, Knappensee Campingplatz Z5, Prov. Versorgung Elektro,
Voruntersuchung, Ingenieurbüro Horst Alte GmbH Wittichenau/ Steinigeweg
Planungsgesellschaft mbH & Co.KG Hoyerswerda, 08.11.2013/ Überarbeitung vom
03.12.2013
Variantenuntersuchung
für
den
Bereich
Wohnwagen-Bungalow-Gemeinschaft
(Bereich T)
Variante 1:
Aufbau Baustromnetz
76.653,00 € (netto)
Variante 2:
Nutzung vorhandener Netze
25.498,00 € (netto)
Die aufgezeigte Variante 2, der modifizierten Nutzung der vorhandenen Anlagen, wird
aus fachlicher und wirtschaftlicher Sicht befürwortet.
Anlage 5.4
Gemeinde Lohsa, Knappensee Campingplatz Z3, Prov. Versorgung Elektro,
Voruntersuchung, Ingenieurbüro Horst Alte GmbH Wittichenau/ Steinigeweg Pla-
nungsgesellschaft mbH & Co.KG Hoyerswerda, 15.11.2013
Variantenuntersuchung für Bungalow-Gemeinschaft (Bereich D Ost)
Variante 1:
Aufbau Baustromnetz
64.340,00 € (netto)
Variante 2:
Nutzung vorhandenes Verteilernetz 2
26.925,00 € (netto)
Variante 3:
Nutzung vorhandene Verteilernetze 1 und 2
22.525,00 € (netto)
Die aufgezeigte Variante 3, der modifizierten Nutzung der vorhandenen Anlagen, wird
aus fachlicher und wirtschaftlicher Sicht befürwortet.
Anlage 5.5
Gemeinde Lohsa, Feriensiedlung „An der Knappenhütte“, Prov. Versorgung
Elektro, Voruntersuchung, Ingenieurbüro Horst Alte GmbH Wittichenau/ Steinigeweg
Planungsgesellschaft mbH & Co.KG Hoyerswerda, 22.11.2013
Variantenuntersuchung für den Bereich Siedlung „An der Knappenhütte“
(Bereich T, S)
Variante 1:
Aufbau Baustromnetz
58.723,00 € (netto)
Variante 2:
Nutzung vorhandener Netze
40.498,00 € (netto)
Die aufgezeigte Variante 2, der modifizierten Nutzung der vorhandenen Anlagen, wird
aus fachlicher und wirtschaftlicher Sicht befürwortet.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
5.3.3
Ergebniszusammenfassung
Die Aufrechterhaltung der vorhandenen Niederspannungsnetze ist in allen untersuchten Bereichen mög-
lich.
Die Nutzung vorhandener Netze ist dabei die wirtschaftlichste Lösung. Die Prüffristen für feste Anlagen
betragen 4 Jahre gegenüber monatlicher Prüfung bei Baustromanlagen.
Schaltmöglichkeiten außerhalb des Sperrbereichs sind bei allen Varianten gegeben bzw. werden ge-
schaffen.
Die Kostenersparnis bei Objektsicherungsmaßnahmen mit Frostschutzgeräten gegenüber zusätzlichen
Wiederherstellungsmaßnahmen bei Objektsicherung ohne Frostschutzgeräte beträgt 2.700,- €/Objekt,
das bedeutet bei 151 Objekten 407.700,- € Kostenersparnis (netto).
Die Summe für die Herrichtung der Niederspannungsversorgung aller Untersuchungsbereiche unter
Nutzung
vorhandener
Netze
als
kostengünstigste
Variante
beträgt
88.521,-
(netto).
Es wird eingeschätzt, dass für den Leistungszeitraum der Sicherungsphase 1 Teil 2 eine Gesamterspar-
nis bei Objektsicherungsmaßnahmen mit Frostschutzgeräten (407.000,- €) abzüglich der Netzherstel-
lung (88.521,- €) von ca. 320.000,- € (netto) erzielt werden kann.
5.3.4
Gefährdungsbeurteilung durch betriebene Niederspannungsnetze
innerhalb des Sperrbereiches
Die Aufrechterhaltung von Niederspannungsnetzen innerhalb des Sperrbereichs wird auf Grund von
verbleibenden Gefährdungen und sich daraus ergebender Folgerisiken als bedenklich angesehen.
Wartungsarbeiten sowie Havariebehebung sind nur eingeschränkt möglich; Voraussetzungen:
Stillstand der Kippenstabilisierungsarbeiten,
Freigabe Sachverständiger für Geotechnik.
Havarien, z.B. Ausfall von objektbezogenen Stromkreisen, können nicht festgestellt werden. Schäden
an Objekten sowie am Inventar können nicht ausgeschlossen werden.
Durch Fehlfunktionen können kurzschlussbedingte Feuer entstehen. Die zusätzliche Installation von
Brandwarnanlagen ist technisch möglich (Anlage 5.2 - Brandmeldeanlage Wohnwagen- und Bungalow-
Gemeinschaft Knappenhütte, Bereich T, Maßnahmen/ Kosten), wird jedoch als nicht zielführend erach-
tet. Der Einsatz der Feuerwehr im Sperrbereich ist nur bedingt möglich (s.a. Havarie- und Notfallplan).
Ein Übergriff des Feuers auf andere bauliche Objekte innerhalb des Sperrbereichs ist nicht auszuschlie-
ßen.

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5.3.5 Maßnahmenplan
1.
Es ist festzulegen, für welche Bereiche die Objektsicherungsmaßnahmen / Frostschutzgeräte
angewandt werden bzw. welche Bereiche mit Niederspannung zu versorgen sind. Die Planung
und Realisierung der Niederspannungsversorgung durch die Medienversorger im Rahmen der
Kostenübernahmevereinbarungen muss vor Einrichtung des Sperrbereichs (01.05.2014) abge-
schlossen sein.
2.
Die allgemeinen Maßnahmen der Objektsicherung gem. Punkt 5.3.1 werden entsprechend aktu-
ellem Planungsstand (Ausschreibung Sicherungsphase 1 Teil 1/ Teil 2) nur bei der Feriensied-
lung „An der Knappenhütte“ (Bereich T, S) und der Wohnwagen-Bungalow-Gemeinschaft (Be-
reich T) ausgeführt. Es ist festzulegen, ob diese Maßnahmen auch für die Bungalows im Bereich
D Ost anzuwenden sind.
3.
Zwischen SächsOBA, LMBV mbH und Gemeinde Lohsa ist die Verfahrensweise zur Ersatzer-
schließung des Alternativstandortes im Bereich D Ost festzulegen. Das Ing.-Büro H. Alte
GmbH wurde durch die Gemeinde Lohsa im Rahmen der Kostenübernahmevereinbarung aufge-
fordert, eine Entscheidungsvorlage zu erarbeiten. Die Zustimmungen aller Betroffenen müssen
kurzfristig eingeholt werden.
4.
Die Eigentümer der baulichen Objekte sind über die Risiken aufzuklären, ggf. auch als Bestand-
teil der zu treffenden Vereinbarungen mit Betroffenen. Die Schlüsselübergabe und die Zustim-
mung zur Begehung der Objekte durch Dritte ist Voraussetzung der Objektsicherungsmaßnah-
men.
Das aktenkundige Ablesen von Stromunterzählern mit Übergabe der baulichen Objekte an die
LMBV mbH ist Voraussetzung für die Verrechnung des Stromverbrauchs während der Gefah-
renabwehrmaßnahmen.
5.
Durch die LMBV mbH ist zu prüfen, ob vorhandene Versicherungen Schäden an den baulichen
Objekten unter o.g. Bedingungen absichern oder ob eine Bauherrenversicherung für solche
Schäden angezeigt ist.
6.
Die eingesetzten Böschungsbeobachter können auch auf Entstehungsbrände innerhalb des
Sperrbereichs achten und entsprechend Havarie- und Notfallplan handeln. Die Aufgaben der
Böschungsbeobachter sind entsprechend zu erweitern.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
6
Zusammenfassung
Mit der geplanten Einrichtung des Sperrbereiches am Knappensee im Rahmen der geotechnischen Si-
cherungsarbeiten zur Beseitigung der Setzungsfließgefahr ergibt sich für die Anwohner und Nutzer des
Sees eine Vielzahl an Einschränkungen. Im Rahmen der Vereinbarungsverhandlungen mit den betroffe-
nen Eigentümern wurden zahlreiche Fragestellungen an das SächsOBA herangetragen, die im Wesentli-
chen eine Minimierung der Betroffenheiten beinhalten.
In der hier vorgelegten Unterlage wurden die Nutzungsmöglichkeiten des bereits geotechnisch gesicher-
ten Bereiches E1 am Knappensee sowie mögliche Maßnahmen zur Minderung der Betroffenheiten un-
tersucht.
Im Bereich E1 befindet sich ein beliebter Badestrand. Im Rahmen von Bürgergesprächen und öffentli-
chen Informationsveranstaltungen wurde stets angefragt, ob eine Weiternutzung des Badebereiches
während der Sperrphase ermöglicht werden kann.
Aus geotechnischer Sicht ist der Uferabschnitt E1 als gesichert zu betrachten. Durch die mittels LRV
vorgenommenen Verdichtungsarbeiten wurde die Verflüssigungsgefahr der an das gewachsene Bö-
schungssystem angelagerten lockeren Kippenböden wirksam beseitigt.
Dennoch kann dieser Uferbereich nicht als gefährdungsfrei angesehen werden. Für den Uferbereich E1
besteht während der Sicherungsarbeiten in weiteren Uferabschnitten des Knappensees eine Gefährdung
durch Schwallwellen, die sich infolge von Böschungsbruchereignissen und die damit verbundene Ver-
drängung des Wasserkörpers durch Rutschungsmassen bilden können und im Uferbereich auflaufen. In
Abhängigkeit der Größe der Schwallwelle, die vom verdrängten Wasservolumen abhängt, können Wel-
lenhöhen bis zu 1,13 m und daraus folgende Auflaufhöhen von bis zu 3,6 m auftreten.
Als Möglichkeit zur Minderung der aus den Schwallwellen resultierenden Gefährdung wurde in der
vorliegenden Unterlage der Einbau von Buhnen vorgestellt. Diese Elemente können zumindest einen
Teil der Wellenenergie vor dem Auftreffen der Welle auf das Ufer umwandeln bzw. absorbieren. Bau-
technisch ist die Herstellung dieser Verbauelemente anspruchsvoll, was sich letztendlich auch in den zu
erwartenden Kosten von abgeschätzt ca. 400.000 Euro niederschlägt.
In Zusammenhang mit den Bauarbeiten im See ist eine Veränderung der Wasserqualität in Form von
Trübungen zu erwarten. Daneben wird mit dem erforderlichen seeseitigen Baustellenverkehr eine ent-
sprechende Lärmbelästigung verbunden sein. Der seeseitige Baustellenverkehr stellt für Badegäste
ebenfalls eine Gefährdung dar.
Um eine Störung des Bauablaufes zu unterbinden, ist eine wirksame Absperrung des Baubereiches ge-
genüber der Öffentlichkeit erforderlich. Auch nach erfolgter Sicherung gegen Schwallwellen ist der
Strandbereich nicht gefährdungsfrei, da der Betrag der Energieumwandlung durch die Buhnen, aber
auch die konkret stattfindenden hydrodynamischen Prozesse nicht umfänglich erfassbar sind. Es wird
aus wirtschaftlichen aber auch sicherheitstechnischen Bedenken von einer Badenutzung des Bereiches
abgeraten.
Eine weitere Fragestellung wurde zu Betretungserlaubnissen in den Sperrbereich während der Siche-
rungsarbeiten an das SächsOBA herangetragen. Diese Anfrage wurde hauptsächlich durch Betroffene
im Zusammenhang mit den im Sperrbereich liegenden Gebäuden der Knappenseesiedlung gestellt.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Lage der Sperrbereichsgrenze unter Berücksichtigung der Er-
gebnisse von Rückgriffweitenberechnungen festgelegt wurde. Damit ist für den Sperrbereich ein
Rutschungsversagen nicht auszuschließen und somit eine Gefährdung für Gebäude und evtl. darin be-
findliche Personen gegeben.

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Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheiten
Mit den Bauarbeiten, die gleichzeitig eine Anhebung des Seewasserspiegels erfordern, geht eine Ver-
ringerung der geotechnischen Sicherheit einher. Durch die bereits mit den Abtragsarbeiten im Vorfeld
der Rütteldruckverdichtung erfolgenden bautechnischen Eingriffe im Bereich der Uferböschung wird
der bestehende Gleichgewichtszustand im Böschungssystem erheblich gestört. Im Zuge der RDV-
Arbeiten selbst wird am Böschungsfuß ein sehr starkes Initial eingetragen.
Aus Erfahrungen in anderen Sanierungsobjekten ist bekannt, dass mit den Verdichtungsarbeiten eine
deutliche Erhöhung der Porenwasserdrücke im Umfeld einhergeht. Es ist messtechnisch belegt, dass der
Porenwasserüberdruckabbau über mehrere Stunden bis Tage andauern kann.
Zur Gewährleistung der Sicherheit ist deshalb vor einem Betreten des Sperrbereiches eine Ruhezeit von
24 Stunden ab dem letzten Initialeintrag festgelegt worden. Diese ist auch für Dritte anzuwenden und
als Mindestforderung zu sehen.
Um die Betroffenheiten zu reduzieren, besteht die Möglichkeit, nach einer Anlaufphase, die mindestens
das geplante Testfeld im Rahmen der Bauphase 1 umfassen sollte, eine Überprüfung der Parameter und
Restriktionen vorzunehmen.
Generell ist das Betreten des Sperrbereiches durch Dritte kritisch zu sehen. In der vorgelegten Unterlage
sind aus Sicht der Sachverständigen Aspekte aufgeführt, die neben den geotechnischen Bedingungen
auch für eine Entscheidungsfindung bzgl. möglicher Betretungserlaubnisse relevant sind.
Aus Sicht der Sachverständigen besteht nach Abschluss der Rütteldruckverdichtungsarbeiten prinzipiell
die Möglichkeit einer Lockerung der Zutrittsrestriktionen. Damit können der Zeitraum der restriktiven
Sperrung (d. h. ohne jegliche Zutrittserlaubnis) erheblich verringert und somit auch die Betroffenheiten
minimiert werden.
Die Aufrechterhaltung der vorhandenen Niederspannungsnetze ist in allen untersuchten Bereichen mög-
lich. Die Nutzung vorhandener Netze ist dabei die wirtschaftlichste Lösung. Die Prüffristen für feste
Anlagen betragen 4 Jahre gegenüber monatlicher Prüfung bei Baustromanlagen. Schaltmöglichkeiten
außerhalb des Sperrbereichs sind bei allen Varianten gegeben bzw. werden geschaffen. Die Aufrechter-
haltung von Niederspannungsnetzen innerhalb des Sperrbereichs wird jedoch auf Grund von verblei-
benden Gefährdungen und sich daraus ergebender Folgerisiken als bedenklich angesehen.