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University of Applied Police Science
Ralph Berthel (Hrsg.)
Sonderkommissionen
Beiträge zur Arbeit in kriminalpolizeilichen
Sonderkommissionen
Teil II
Rothenburger Beiträge
Polizeiwissenschaftliche Schriftenreihe
Band 57
Rothenburg/Oberlausitz 2011
ISBN 978-3-938015-36-0

Ralph Berthel (Hrsg.)
SONDERKOMMISSIONEN
BEITRÄGE ZUR ARBEIT IN
KRIMINALPOLIZEILICHEN
SONDERKOMMISSIONEN
TEIL II
EIGENVERLAG DER HOCHSCHULE DER SÄCHSISCHEN POLIZEI (FH)
ROTHENBURG / OBERLAUSITZ 2011

RALPH BERTHEL (HRSG.)
SONDERKOMMISSIONEN
BEITRÄGE ZUR ARBEIT IN
KRIMINALPOLIZEILICHEN
SONDERKOMMISSIONEN
TEIL II

Eigenverlag der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH)
Rothenburg/Oberlausitz 2011
Herausgeber ist der Beirat der Schriftenreihe
der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH)
in Rothenburg/OL
Mitglieder des Beirates:
Prof. Dr. Karlhans Liebl, Prof. Dr. Dieter Müller,
Ass. jur. Paul Senghaus, Prof. Dr. habil. Anton Sterbling,
Prof. Dr. Eberhard Kühne (Vorsitzender), Prof. Dr. Joachim Schubert,
Ltd. PD a.D. C. Siegfried Grommek
Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Rektor/Prorektor
der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH)
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Ralph Berthel (Hrsg.)
Sonderkommissionen - Beiträge zur Arbeit in kriminalpolizei-
lichen Sonderkommissionen. Teil II
Rothenburg/OL: Hochschule der Sächsischen Polizei (FH), 2011.
(Rothenburger Beiträge; 57)
ISBN 978-3-938015-36-0
ISSN 1439-393X
EIGENVERLAG DER HOCHSCHULE DER SÄCHSISCHEN POLIZEI (FH)
- ROTHENBURG/OL -
Copyright
: Bei den Autoren der einzelnen Beiträge.
Alle Rechte vorbehalten. Der Nachdruck oder die
Vervielfältigung des Werkes insgesamt oder in Auszügen ist nur
mit der Zustimmung der Verfasser gestattet.

Inhaltsverzeichnis
Seite
Zur Arbeit in kriminalpolizeilichen Sonderkommissionen (II)
Einführung Teil II
Leitender Kriminaldirektor Ralph Berthel
1
Der „SOKO-Leitfaden“ in Sachsen – die zweite Runde
Kriminaloberrat Rüdiger Zwickirsch
9
„Sächsische Sonderkommissionen – Eine Analyse der Methodik der
Ergebnisberichte und der Nachbereitungsprozesse“
Kriminalrat Swen Philipp
21
Die Niedersächsische Richtlinie zur Standardisierung der Ermittlungs-
führung in Sonderkommissionen
Kriminaloberrat Andreas Kühn
101
Der Fall Volker Eckert – Soko Fernfahrer
Kriminalhauptkommissar a. D. Ralf Behrendt
107
Erfolgskritische Faktoren molekulargenetischer Reihenuntersuchungen
gem. § 81 h StPO
Polizeirat Denis Kuhne
131

Zur Arbeit in kriminalpolizeilichen Sonderkommissionen (II)
Einführung Teil II
Ralph Berthel
Dipl.-Jur. Ltd. Kriminaldirektor Ralph Berthel
ist amtierender Rektor der Hochschule der Sächsischen Polizei
(FH) in Rothenburg/O.L. (E-Mail:
ralph.berthel@polizei.sachsen.de).
Er ist Gründungsmitglied der Deutschen
Gesellschaft für Kriminalistik e. V.

3
Die Resonanz auf den Anfang 2011 erschienenen ersten Band der „Soko-Reihe“ hat
mich veranlasst, weitere Themen, die im Zusammenhang mit der Arbeit in kriminalpo-
lizeilichen Sonderkommissionen relevant erscheinen, aufzugreifen und in diesem
zweiten Teil zu veröffentlichen. Dabei war mir die Verbindung von fundierten Analy-
sen einerseits mit einem hohen Grad an Praxisrelevanz andererseits besonders wichtig.
Ich freue mich sehr, dass ich für die Fortführung des Vorhabens erneut sachkundige
Autoren gewinnen konnte, die bereit waren, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse auf
diesem Weg einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. Und ich freue mich,
dass die Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) mit der Veröffentlichung in den
Rothenburger Beiträgen den Autoren dieses Podium zur Verfügung gestellt hat.
Zunächst möchte ich dem Leser einen kleinen Überblick über die im ersten Teil der
„Soko-Reihe“ veröffentlichten Beiträge geben: Teil I des „Soko-Bandes“ beinhaltete
Darstellungen zu den Themenfeldern „erfolgskritische Faktoren bei der Arbeit von
Sonderkommissionen“ (
Kaempf
), „Entwicklung eines Soko-Leitfadens“ (
Madlung
),
„Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen einer Sonderkommission“ (
Bettels
), „Die Identifi-
zierungskommission des Bundeskriminalamtes“ (
Lillpopp
und
Aspinall
) sowie „Das
ermittlungsunterstützende Fallanalysesystem Sachsen – eFas“ (
Lichtenberger
).
Ziel war es, das Erfahrungswissen über die komplexe Materie Soko-Arbeit zu doku-
mentieren, verallgemeinerungsfähige Erkenntnisse zu identifizieren und einer breiten
Leserschaft zugänglich zu machen. Dieser Weg soll nun mit dem zweiten Teil fortge-
setzt werden.
Auch diesmal wurde durch mich angestrebt, durch die Buchbeiträge eine Verbindung
von Erkenntnissen aus der Praxis der Ermittlungsführung mit jenen aus wissenschaftli-
chen Untersuchungen herzustellen. Zudem soll in diesem Band auf das Erfordernis der
Nachbereitung von Sonderkommissionen als wichtiges Qualitätssicherungsinstrument
hingewiesen werden.
Bereits im ersten Teil der „Beiträge zur Arbeit in kriminalpolizeilichen Sonderkom-
missionen“ wurden Spezifika der Soko-Arbeit mit Blick auf ihre Wirkungen und den
Erfolg einer Sonderkommission betrachtet. Der Leitfaden „Sonderkommissionen in
der Kriminalpolizei des Freistaates Sachsen“
1
aus dem Jahr 2007 stellt u. a. folgende
Erfolgsfaktoren bzw. Bausteine einer erfolgreichen Soko-Arbeit heraus:
1
Madlung, Torsten
, Die Entwicklung des SOKO-Leitfadens in Sachsen, Sonderkommissionen, Beiträge zur
Arbeit in kriminalpolizeilichen Sonderkommissionen, Rothenburger Beiträge, Bd. 56, S. 103 – 112.

Ralph Berthel
4
Klar formulierte Anforderungen, Ziele und Aufträge
Klare Aufbauorganisation
Entwicklung einer fallbezogenen Ermittlungsstrategie
Informationsbewertung nach Verlässlichkeit/Sicherheit der Quellen und Wer-
thaltigkeit
Unterstützung und Rückhalt durch die … Polizeiführung
Dauerhafte Unterstützung durch die Regelorganisation (Allgemeine Aufbauor-
ganisation – d. V.)
Umfassende Information aller Soko-Mitglieder
Gleichzeitig benennt der Leitfaden auch eine Reihe von Krisenindikatoren, die den
Erfolg der Soko-Arbeit gefährden können. Dazu zählen:
Zielvereinbarungen werden wiederholt geändert
Keine gemeinsame Zielorientierung/Priorisierung
Zugesagte Leistungen werden wiederholt nicht erfüllt
Austausch von Mitarbeitern
Unzufriedenheit mit bestehenden Arbeitsbedingungen
Nachlassen des Interesse der Soko-Leitung und der Regelorganisation
Fehlende Motivation im Team
Aufkommen von Ironie, Spott und Gerüchten
Einem Teil dieser Faktoren, die nicht selten über Erfolg oder Misserfolg der Soko ent-
scheiden, wurde bereits in Teil I nachgegangen. Diese Problemfelder sollen nun in Teil
II ergänzt und das Erfahrungswissen um die mannigfaltigen Herausforderungen der
Arbeit in Sonderkommissionen in diesem Kontext erweitert werden.
Im Teil I wurde durch
Kriminaloberrat Torsten Madlung
der in Sachsen entwickelte
sog. Soko-Leitfaden vorgestellt.
2
2
Vgl. FN 1.
Dieses auf konzeptionelle und strategische Inhalte
ausgerichtete Dokument wurde in der Polizei des Freistaates intensiv diskutiert. Dabei
wurden insbesondere Möglichkeiten und Erfordernisse der Umsetzung dieser Überle-
gungen in der kriminalpolizeilichen Praxis und die Kompatibilität zu aktuellen aufbau-
und ablauforganisatorischen Entwicklungen thematisiert. Im Ergebnis dieses Diskussi-
onsprozesses wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die den Leitfaden fortge-
schrieben und ein Leitfaden (neu) entwickelt hat.
Kriminaloberrat Rüdiger
Zwickirsch
war Leiter dieser Arbeitsgruppe. Er stellt in seinem Beitrag die Zielsetzun-

Zur Arbeit in kriminalpolizeilichen Sonderkommissionen (II)
5
gen der Arbeitsgruppe und die Inhalte dieses neuen Dokuments vor. Dabei hebt er so-
wohl die Bezugnahme auf den „alten“ Leitfaden als auch die Zielsetzung, den neuen
Leitfaden „aus den Regalen der Kolleginnen und Kollegen auf deren Schreibtische“ zu
holen, hervor.
Kriminalrat Swen Philipp
untersuchte in seiner 2011 an der Deutschen Hochschule
der Polizei vorgelegten Masterarbeit „Sächsische Sonderkommissionen – eine Analyse
der Methodik der Ergebnisberichte und der Nachbereitungsprozesse“ die Verfahren
und die Ergebnisse der nachträglichen Aufbereitung von kriminalpolizeilichen Son-
derkommissionen. Dazu führte er eine auf Experteninterviews basierende Analyse von
Sonderkommissionen, die in den Jahren 2006 bis 2009 in der Polizei des Freistaates
Sachsen geführt wurden, durch. Zudem beinhaltet seine Arbeit auch eine detaillierte
Darstellung des aktuellen Standes der Forschung zum Thema Sonderkommissionen.
Ein weiteres, hervorzuhebendes Element seiner Untersuchungen ist die auf einer
Bund- Länderabfrage beruhende Übersicht über die Vorschriftenlage in den Ländern
und bei Bundesbehörden mit Bezug zur Arbeit in kriminalpolizeilichen Sonderkom-
missionen. Dadurch erhält der Leser einen aktuellen Überblick über die Verfahrens-
weisen der Nachbereitung in diesem wichtigen Bereich der Methodik der Verbre-
chensbekämpfung in der Bundesrepublik. Der vorliegende Buchbeitrag gibt wesentli-
che Inhalte der Masterarbeit wider.
Das Land Niedersachsen zählt zu den Ländern, die die Arbeit in Sonderkommissionen
im Rahmen einer eigenen Vorschrift geregelt haben.
Kriminaloberrat Andreas Kühn
leitete die Arbeitsgruppe der Niedersächsischen Polizei, die im Jahr 2009 die „Richtli-
nie zur Standardisierung der Ermittlungen in Sonderkommissionen“ entwickelt hat. In
seinem Buchbeitrag schildert er nicht nur die Herangehensweise der Gruppe. Er erläu-
tert auch die wesentlichen Inhalte der Richtlinie, die neben dem Leitfaden „Sonder-
kommissionen in der Kriminalpolizei des Freistaates Sachsen“(
Madlung, Torsten
, Die
Entwicklung des „Soko-Leitfadens“ in Sachsen, In: Sonderkommissionen, Teil 1, Ro-
thenburg, 2011, S. 103 – 111) sowie der ebenfalls in Sachsen entstandene (Vgl. Aus-
führungen von
Zwickirsch
in diesem Buch.) die wohl umfangreichsten und detaillier-
testen Regelungen zum Aufbau von Sonderkommissionen, zu deren Arbeitsweise und
zur Nachbereitung der Kommissionsarbeit beinhaltet.
Leider konnte ich keinen Nachdruck der Richtlinie im Rahmen dieses Buchprojektes
erreichen. So muss es an dieser Stelle daher bei den zusammenfassenden Darstellun-
gen von Herrn Kühn und dem generellen Hinweis auf das Vorliegen eines solchen
Dokuments bleiben.

Ralph Berthel
6
Kriminalhauptkommissar a. D. Ralf Behrendt
berichtet in seinem Beitrag über die
Arbeit der Sonderkommission „Fernfahrer“, die bei der OKD (Dienststelle für organi-
sierte Kriminalität Bayreuth) geführt wurde und stellt in diesem Kontext die Bedeu-
tung der internationalen Zusammenarbeit heraus. Er unterstreicht dabei insbesondere
die Erfahrungen, die das Fingerspitzengefühl im Umgang mit anderen Mentalitäten
und anderen rechtlichen Regelungen in anderen Staaten zum Gegenstand haben und
die, wie er meint, oft maßgeblich zum Erfolg der Ermittlungen mit internationalem
Bezug beitragen. Bemerkenswert an diesem Beitrag ist zudem die detaillierte Darstel-
lung des Modus Operandi sowie der Persönlichkeit eines außergewöhnlichen Serien-
mörders, der in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wie auch nach
der politischen Wende in der Bundesrepublik Deutschland und anderen europäischen
Staaten, Tötungsdelikte begangen hatte.
Teil II der „SOKO-Reihe“ wird schließlich von einem ebenfalls an eine Masterarbeit
angelehnten Beitrag von
Polizeirat Denis Kuhne
abgerundet. In dieser Arbeit befasst
sich der Autor mit erfolgskritischen Faktoren molekulargenetischer Reihenuntersu-
chungen gem. § 81 h StPO. Dabei stellt er sowohl die naturwissenschaftliche und die
juristische als auch die, wie er es nennt, „Polizei praktische“, also kriminalistische
Perspektive molekulargenetischer Reihenuntersuchungen und vor. Seine Untersuchun-
gen und Feststellungen korrespondieren mit denen, die
Märtins
im Rahmen der Analy-
se der Sonderkommission Heller in diesem Buch vorgestellt hat.
3
Diese Arbeit, und
das soll an dieser Stelle ausdrücklich hervorgehoben werden, vereint einen bemer-
kenswerten theoretischen Anspruch mit einem hohen Maß an praktischer Relevanz.
Zunächst war vorgesehen, in diesem Band auch eine ausführliche Darstellung der Ar-
beit der Sonderkommission „Heller“ zu veröffentlichen. Diese Soko ging in die Kri-
minalgeschichte insbesondere durch den bislang größten Massengentest in Deutsch-
land ein. Mir ist es gelungen, der Leiter dieser Sonderkommission, Herrn
Ersten Kri-
minalhauptkommissar Raiko Märtins
als Autoren zu gewinnen. Thematisiert werden
in dem bereits vorliegenden Beitrag insbesondere die Komplexität des Verfahrens, der
Umgang mit Massendaten und das polizeiliche Agieren vor dem Hintergrund eines
außerordentlichen Medieninteresses. Vorgestellt werden auch die Untersuchungspla-
nung und die damit verbundene Entwicklung kriminalistischer Versionen etwa zur
Tatvorbereitung, zur Durchführung der Taten oder zur Täterpersönlichkeit. Umfang
und Strukturierung des Beitrages hätten allerdings den Rahmen dieses Buches ge-
sprengt. Daher bitte ich die Leser um Verständnis, dass ich mich dafür entschieden
3
Die wesentlichen Ergebnisse seiner Untersuchungen stellte der Verfasser in einem zusammenfassenden Auf-
satz dar;
Kuhne Denis
, Erfolgskritische Faktoren molekulargenetischer Reihenuntersuchungen gem. § 81 h
StPO, DIE POLIZEI, 2011, S. 19 – 24.

Zur Arbeit in kriminalpolizeilichen Sonderkommissionen (II)
7
habe, die Ausführungen von Kollegen Märtins nicht zu kürzen, sondern in einem drit-
ten Teil in voller Länge zu veröffentlichen.
Zugriff auf Masterarbeiten
Die im Rahmen der Buchreihe „Sonderkommissionen - Beiträge zur Arbeit in krimi-
nalpolizeilichen Sonderkommissionen“ aufgeführten Masterarbeiten sind über die Bib-
liotheken der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) und der Deutschen Hochschule
der Polizei zu entleihen. Es ist zu beachten, dass die Arbeiten zum Teil mit einem Ver-
traulichkeitsgrad eingestuft sind.
Dank an die Autoren
Abschließend bedanke ich mich bei den Autoren von Teil II der „Sonderkommissio-
nen“ für die Bereitschaft, an diesem Buch mitzuwirken und so das Wissen um die Ar-
beit in Sonderkommissionen mit ihren (Er-)Kenntnissen und ihrem Erfahrungsschatz
zu bereichern. Und ich danke Frau Doreen Pickert für die gewohnt zuverlässige Auf-
bereitung der Texte.
Anregungen und Vorschläge, insbesondere auch zu der Frage, ob oder wie diese Pub-
likation eine Fortsetzung erfahren sollte, nehme ich gern entgegen.
Ralph Berthel
Rothenburg/OL, im Oktober 2011