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Gute fachliche
Praxis
zur
Vorsorge
gegen
Bodenschadverdichtungen
und Bodenerosion

Herausgeber:
Bundesministerium für Verbraucherschutz,
Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL)
Referat 516
Postfach, 53107 Bonn
Internet:
http://www.verbraucherministerium.de
Text:
BMVEL
Gestaltung:
maenken kommunikation GmbH, 51149 Köln
Nachdruck:
Druckpunkt Offset GmbH, 50126 Bergheim
August 2002

Gute fachliche
Praxis
zur
Vorsorge
gegen
Bodenschadverdichtungen
und Bodenerosion

2 Impressum
Initiative
Dieses Bund-Länder-Papier geht auf eine Initiati-
ve der
Acker- und Pflanzenbaureferenten des
Bundes und der Länder
zurück. Von ihnen wurde
eine Expertengruppe beauftragt, die die in § 17
des Bundes-Bodenschutzgesetzes verankerten
und allgemein geltenden Grundsätze der guten
fachlichen Praxis der landwirtschaftlichen Boden-
nutzung weiterentwickelt, mit regionalen Daten
und Erfahrungswerten ergänzt und zu einer
Handreichung für Beratung und Praxis ausbaut.
Die Problembereiche „Bodenschadverdich-
tung“ und „Bodenerosion“ werden dabei in den
Vordergrund gestellt. Dieses einerseits wegen
ihrer besonderen Bedeutung für den Boden-
schutz, und andererseits, weil mit ihnen gleich-
zeitig die anderen der in § 17 dieses Gesetzes
verankerten und damit im Zusammenhang ste-
henden Grundsätze angesprochen werden.
Diesem Auftrag haben sich unter Leitung von
Dr. W. Däschner und Dr. K.-J. Künkel, beide
Referat Acker- und Pflanzenbau des BMVEL,
Experten von Bund und Ländern unterzogen.
Die Gruppe der Bodenspezialisten der Länder
hat wesentlichen Anteil am zu Stande kommen
des Papiers, das von den Acker- und Pflanzen-
baureferenten sowie von den Abteilungsleitern
„Pflanzliche Erzeugung“ des Bundes und der
Länder gebilligt wurde.
Mitglieder der Expertengruppe:
G. Bachmann,
H. Böken, R. Brandhuber, G. Breitschuh,
J. Brunotte, W. Buchner, W. Däschner, J. Eisele,
Mo. Frielinghaus, P. Gullich, W. Henke, J. Heyn,
A. Jürgens, K.-J. Künkel, W.-A. Schmidt,
C. Sommer

Lebender Kolumnentitel
Gliederung 3
Inhalt
Seite
Initiative
.......................................................................... 2
1.
Gliederung
....................................................................... 3
2.
Einleitung
........................................................................ 5
2.1
Problemstellung .................................................................... 6
2.1.1
Vorsorgender Bodenschutz durch gute fachliche Praxis ................................... 7
2.1.2
Regelungen zur Gefahrenabwehr nach Bodenschutzrecht ................................ 8
2.1.3
Aufgabenstellung des Bund-Länder-Papieres ........................................... 9
2.2
Literatur .......................................................................... .10
3.
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
...................................... 12
3.1
Sachstand ......................................................................... 12
3.1.1
Definition und Bedeutung .......................................................... 12
3.1.2
Bestimmung von Bodenverdichtung .................................................. 15
3.1.3
Auslösende Faktoren für Schadverdichtung durch Befahren ............................. 16
3.1.4
Verbreitung von Schadverdichtungen ................................................. 18
3.1.5
Schadverdichtungen im Unterboden – ein EU-Lösungsansatz ............................ 21
3.1.6
Modelle zur Abschätzung der potenziellen Verdichtungsgefährdung ..................... 22
3.1.6.1 Das Verfahren „Vorbelastung“ ....................................................... 22
3.1.6.2 Das Verfahren „Belastungsquotient“ .................................................. 23
3.1.6.3 Das Verfahren „SchadVerdichtungsGefährdungsKlassen (SVGK)“ ........................ 23
3.1.7
Technische Entscheidungshilfen zur aktuellen Befahrbarkeit in situ ....................... 24
3.1.8
Schlussfolgerungen aus dem Sachstand .............................................. 24
3.2
Maßnahmen der guten fachlichen Praxis zur Vorsorge gegen
Bodenschadverdichtungen .......................................................... 25
3.2.1
Handlungsempfehlungen zum Konzept für bodenschonendes Befahren .................. 25
3.2.1.1 Anwendung und Weiterentwicklung technischer Möglichkeiten ......................... 25
3.2.1.2 Anpassung von Arbeitsverfahren .................................................... 26
3.2.1.3 Verbesserung der Tragfähigkeit des Bodens ............................................ 28
3.2.1.4 Begrenzung der mechanischen Belastung ............................................. 29
3.3
Beispiele für Schutzmaßnahmen in Fruchtfolgen ....................................... 30
3.3.1
Gefügestabilisierung am Beispiel ausgewählter Fruchtfolgen ............................ 31
3.3.1.1 Fruchtfolge (Niedersachsen): Zuckerrüben – Winterweizen –
Winterweizen – Wintergerste ........................................................ 31
3.3.1.2 Fruchtfolge (Nordrhein-Westfalen): Silomais – Winterweizen –
Winterroggen/Triticale – Ackerfutterbau .............................................. 32
3.3.2
Ein Beratungsbeispiel für den Ansatz „Druckbelastungsquotient“ (Thüringen) ............. 32
3.3.3
Ein Beratungsbeispiel für den Ansatz „SchadVerdichtungs-
GefährdungsKlassen“ (Brandenburg) ................................................. 34
3.4
Literatur (verwendete und weiterführende Literatur) ................................... 38

4 Gliederung
4.
Vorsorge gegen Bodenerosion
................................................... 42
4.1
Sachstand ......................................................................... 42
4.1.1
Bedeutung und Definition ........................................................... 42
4.1.2
Verlauf der Wassererosion ........................................................... 42
4.1.2.1 Faktoren, die zur Bodenverlagerung führen können .................................... 44
4.1.2.2 Orientierungswerte ................................................................. 45
4.1.3
Verlauf der Winderosion ............................................................ 45
4.1.3.1 Faktoren, die zur Bodenverlagerung führen können .................................... 46
4.1.3.2 Orientierungswerte ................................................................. 47
4.1.4
Sichtbare und nicht sichtbare Erosionsschäden und tatsächliche Gefährdung .............. 48
4.1.5
Schlussfolgerungen aus dem Sachstand ............................................... 50
4.2
Maßnahmen der guten fachlichen Praxis zur Vorsorge gegen Bodenerosion ............... 50
4.2.1
Abschätzung (Indikation) der Wasser- und Winderosionsgefährdung ..................... 50
4.2.1.1 Bewertung der standortbedingten Gefährdung/potenzielle Gefährdung [A] ............... 52
4.2.1.2 Bewertung der nutzungsbedingten Gefährdung/Nutzungsrisiko [B] ..................... 52
4.2.1.3 Bewertung der tatsächlichen Erosionsgefährdung und Konsequenzen [C] ................. 55
4.2.2
Vorsorgemaßnahmen gegen Bodenerosion: Lösungen, Umsetzung und
mögliche Probleme ................................................................. 55
4.2.2.1 Allgemeine acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen .................................. 56
4.2.2.2 Erosionsmindernde Bodenbearbeitungs- und Bestellverfahren ........................... 57
4.2.2.3 Erosionsmindernde Flurgestaltung ................................................... 60
4.3
Beispiele für Schutzkonzepte aus den Bundesländern ................................... 61
4.3.1
Schutz vor Wassererosion in Bayern .................................................. 61
4.3.2
Schutz vor Wassererosion in Mecklenburg-Vorpommern ................................ 65
4.3.3
Schutz vor Wassererosion in Niedersachsen ........................................... 72
4.3.4
Schutz vor Wassererosion in Nordrhein-Westfalen ...................................... 77
4.3.5
Schutz vor Winderosion in Brandenburg .............................................. 79
4.3.6
Schutz vor Bodenerosion in Sachsen .................................................. 86
4.4
Literatur (verwendete und weiterführende Literatur) ................................... 88
5.
Schlussfolgerungen
.............................................................. 92
5.1
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen (Kurzfassung) ............................... 94
5.2
Vorsorge gegen Bodenerosion (Kurzfassung) .......................................... 97
6.
Glossar
......................................................................... 100
7.
Anschriften der Mitglieder der Expertengruppe und der Autoren
des Bund-Länder-Papiers
........................................................ 102

Problemstellung 5
Inhalt Kapitel 2
Seite
2.
Einleitung
......................................................................... 5
K.-J. Künkel, G. Bachmann u. H. Böken
2.1
Problemstellung
.................................................................. 6
2.1.1
Vorsorgender Bodenschutz durch gute fachliche Praxis .................................. 7
2.1.2
Regelungen zur Gefahrenabwehr nach Bodenschutzrecht ................................ 8
2.1.3
Aufgabenstellung des Bund-Länder-Papieres ........................................... 9
2.2
Literatur
......................................................................... 10

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6 Lebender Kolumnentitel
Lebender Kolumnentitel 6
2. Einleitung
K.-J. Künkel, G. Bachmann u. H. Böken
2.1 Problemstellung
Die Landwirtschaft nutzt die Umweltgüter Boden,
Wasser und Luft zur Bereitstellung von kosten-
günstigen Nahrungsgütern in hoher Qualität. Sie
steht damit in einer besonderen Verantwortung
für die Natur.
Auf über 60% der Landesfläche produziert
die Landwirtschaft Nahrungsgüter, Futtermittel
und nachwachsende Rohstoffe. Das kann sie
nachhaltig nur tun, wenn die Agrarökosysteme
intakt sind und der Flächenverbrauch für nicht-
landwirtschaftliche Zwecke sowie die Umweltbe-
lastung in vertretbaren Grenzen gehalten wer-
den. Nachhaltige landwirtschaftliche Produktion
setzt zudem die
Erhaltung und Verbesserung
der Produktionsbedingungen, die Sicherung
der Wettbewerbsfähigkeit in Verbindung mit
der Stärkung der ländlichen Räume als Wirt-
schaftsstandorte sowie die Erhaltung der Sta-
bilität und Funktionssicherheit der sozialen
Systeme in den ländlichen Räumen
voraus. Das
Augenmerk der Landwirte im Acker- und Pflan-
zenbau gilt in diesem Zusammenhang vor allem
der Erhaltung und Verbesserung der Frucht-
barkeit und Ertragsfähigkeit der Böden ,
der Schonung der fossilen Produktionsres-
sourcen und ihrem sinnvollen Ersatz durch
regenerative Ressourcen,
der Verbesserung der Effizienz des Ressour-
ceneinsatzes und Vermeidung umweltbela-
stender Stoffverluste in den Produktionspro-
zessen,
der Erhaltung der biologischen Vielfalt und
der Funktionsfähigkeit der Agrarökosysteme
durch landespflegerische Maßnahmen und
den vielfältigen Maßnahmen zum vorsorgen-
den Schutz des Bodens.
Zu den Leitbildern eines vorsorgenden Bo-
denschutzes gehört
(Wissenschaftlicher Beirat
Bodenschutz beim BMU, 2000)
die Erhaltung der
Leistungsfähigkeit der Böden und ihrer natürli-
chen Funktionen, weil Böden eine knappe und
nicht erneuerbare natürliche Ressource sind.
Die Böden stehen als Bestandteil des Natur-
haushalts (Atmosphäre, Biosphäre, Hydrosphäre,
Pedosphäre) in Wechselbeziehungen zum Ertrag
der Kulturpflanzen, zur Ernährung der Menschen
und letztlich auch zur gesamten Volkswirtschaft,
erfüllen also Funktionen in den ökologischen
Kreisläufen und in sozioökonomischen Systemen
(BUCHWALD, K. & W. ENGELHARDT, 1999).
Deshalb zielt das Bundes-Bodenschutzgesetz
(BBodSchG) auf die
Erhaltung bzw. Wiederher-
stellung der Bodenfunktionen.
Die für die landwirtschaftliche Bodennutzung
wichtigsten Funktionen des Bodens sind die
Produktionsfunktion
, weil die Böden mit
ihrer stets erneuerbaren Fähigkeit zur Biomas-
seproduktion die Lebensgrundlage der Men-
schen sind;
Lebensraumfunktion
, da die Böden Lebens-
raum für die Menschen und für Flora und
Fauna in ihrer genetischen Vielfalt bieten;
Regelungsfunktion
, denn die Böden regeln den
Wasserkreislauf, die abiotische und biotische
Stoffumwandlung (insbesondere den mikrobi-
ellen Abbau organischer Stoffe einschließlich
des Abbaus von Schadstoffen), die physikalische
und chemische Pufferung, Filterung und Spei-
cherung sowie die Grundwasserneubildung;
Archivfunktion
der Natur- und Kulturge-
schichte.
6 Problemstellung

Problemstellung 7
2.1.1 Vorsorgender Bodenschutz
durch gute fachliche Praxis
Mit dem In-Kraft-Treten des
Bundes-Bodenschutz-
gesetzes
(BBodSchG) ist neben der
Vorsorge
gegen das Entstehen schädlicher Bodenverände-
rungen
auch die
Abwehr von Gefahren aus
schädlichen Bodenveränderungen
rechtlich
geregelt. Ziel des vorsorgenden Bodenschutzes
nach § 1 BBodSchG ist es, bei Einwirkungen auf
den Boden Beeinträchtigungen seiner natürlichen
Funktionen sowie seiner Funktion als Archiv der
Natur- und Kulturgeschichte soweit wie möglich
zu vermeiden.
Art und Umfang der Vorsorge zum Schutz
der Böden ist im Einzelnen unter § 7 BBodSchG
beschrieben. Zur Erfüllung der Vorsorgepflicht
im Rahmen der landwirtschaftlichen Bodennut-
zung verweist § 7 auf die Regelungen des § 17 (1)
und (2) BBodSchG. Dort wird die
gute fachliche
Praxis der landwirtschaftlichen Bodennutzung
angesprochen. Sie dient der nachhaltigen Siche-
rung der Fruchtbarkeit und Leistungsfähigkeit
der Böden als natürliche Ressource. Unter Leis-
tungsfähigkeit ist dabei, unter Rückgriff auf die
nach § 2 (2) Nr. 3c definierte Funktion des Bodens
als Standort für die land- und forstwirtschaftliche
Nutzung, auch die Ertragsfähigkeit des Bodens
zu verstehen.
Für die im Einzelnen in § 17 (2) angesproche-
nen Kriterien, wie Bodenstruktur, Bodenverdich-
tung, Bodenabträge (Erosion), naturbetonte
Strukturelemente der Feldflur, biologische Aktivität
des Bodens und standorttypischer Humusgehalt,
nennt das Bundes-Bodenschutzgesetz Grundsätze
für die gute fachliche Praxis in der landwirt-
schaftlichen Bodennutzung.
Der Erfüllung dieser
Grundsätze kommt die durch das Gesetz vorge-
sehene Vorsorgepflicht nach.
Das Bundes-
ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung
und Landwirtschaft hat die Grundsätze in der
Broschüre „Gute fachliche Praxis der landwirt-
schaftlichen Bodennutzung“ (BMVEL 1999), und
durch Bekanntmachung im Bundesanzeiger Nr. 220a
vom 21.11.98 für die landwirtschaftliche Beratung
und Praxis in einem ersten Schritt konkretisiert.
Vertiefende Hinweise werden in diesem Bund-
Länder-Papier mitgeteilt.Vorsorgende Maßnah-
men gegen Bodenschadverdichtungen und
Bodenerosion fördern gleichzeitig die standort-
angepasste Bodenbearbeitung, die Erhaltung und
Verbesserung der Bodenstruktur, die biologische
Aktivität sowie den standorttypischen Humusge-
halt der Böden.
Die Qualität der landwirtschaftlich genutzten
Böden hinsichtlich ihrer Schadstoffgehalte wird
von § 17 nicht angesprochen. Deshalb nennt die
Bodenschutz- und Altlastenverordnung
(BBodSchV) in Anhang 2 in Verbindung mit den
§§ 3 und 4 BBodSchV eine Reihe von Vorsorge-,
Prüf- und Maßnahmenwerten zum Wirkungs-
pfad Boden- Nutzpflanze (für Ackerbau und
Grünland) und enthält in § 12 auch
weitere
Anforderungen mit Bezug zur landwirtschaftli-
chen Bodennutzung
. Zu den dafür notwendigen
Abwägungen sind die Maßnahmen der guten
fachlichen Praxis hinsichtlich ihrer physikali-
schen, biologischen und chemischen Wirkungen
im Agrarökosystem zu bewerten.
In der landwirtschaftlichen Praxis findet eine
ständige Beeinflussung der vielfältigen dyna-
mischen Prozesse in der Natur
statt. Deshalb ist
auch die Ausgestaltung der guten fachlichen
Praxis in der Landwirtschaft durch Dynamik und
Handlungsvielfalt geprägt (Grünbuch für eine
nachhaltige Land- und Forstwirtschaft des DBV,
2000).
Die allgemein geltenden
Grundsätze und
Handlungsempfehlungen der guten fachlichen
Praxis der landwirtschaftlichen Bodennutzung
müssen konsequent weiterentwickelt und mit
regionalen Daten und Erfahrungswerten zu
Handreichungen für Beratung und Praxis so
ausgestaltet
werden, dass sie als Grundlage für
die von dem Landwirt zu treffenden Entschei-
dungen über entsprechende Maßnahmenabfolgen
genutzt werden können.
Zur
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtun-
gen ist die Integration der geeigneten Hand-
lungsempfehlungen in ein Gesamtkonzept für
Praxis und Beratung
erforderlich, und es sind
auch
konkrete Handlungshilfen zur Vorsorge
gegen die Bodenerosion in ein Gesamtkonzept
zu stellen. In dem vorliegenden Bund-Länder-
Papier werden dafür Bausteine vorgelegt.
In diesem Zusammenhang muss auch die
Möglichkeit der Ableitung bodenbezogener
Richtwerte für Druckbelastungen und/oder
technischer Normen für die eingesetzte Land-
technik geprüft werden. Die schonende Bodenbe-
arbeitung ist als ein besonderes Qualitätsmerk-
mal in die landwirtschaftliche Bodennutzung
wirkungsvoll und machbar zu integrieren.
Wichtige Voraussetzung für die
Weiterent-
wicklung der guten fachlichen Praxis zur Vor-
sorge gegen Bodenschadverdichtungen und
Bodenerosion
ist die Vertiefung der Kenntnisse
über die
physikalische Beschaffenheit der Böden
auf regionaler bis schlagspezifischer Ebene.
Diese bisher genannten Anforderungen befin-
den sich in voller Übereinstimmung mit dem Gut-
achten 2000 des Rates der Sachverständen für
Umweltfragen und dem Gutachten des Wissen-
schaftlichen Beirates Bodenschutz des BMU.

8 Problemstellung
2.1.2 Regelungen zur Gefahren-
abwehr nach Bodenschutzrecht
Art und Umfang der
Gefahrenabwehr
zur Ver-
hinderung
schädlicher Bodenveränderungen
und Altlasten
sind in § 4 BBodSchG geregelt.
Schädliche Bodenveränderungen können sowohl
durch Schadstoffe, als auch durch biologische
oder physikalische Einwirkungen entstehen.
Ergänzend zu § 4 BBodSchG regelt § 17 (3), wel-
che Vorschriften für den landwirtschaftlichen
Bereich diese Pflichten zur Gefahrenabwehr kon-
kretisieren, und zwar mit dem Wortlaut: „Die
Pflichten nach § 4 werden durch die Einhaltung
der in § 3 Abs. 1 BBodSchG genannten Vorschrif-
ten erfüllt; enthalten diese Vorschriften keine An-
forderungen an die Gefahrenabwehr und ergeben
sich solche auch nicht aus den Grundsätzen der
guten fachlichen Praxis nach Absatz 2 (des § 17
BBodSchG), so gelten die übrigen Bestimmungen
dieses Gesetzes.“
Die zitierte Regelung bedient sich folgender
Argumentationsschritte:
1.
Als landwirtschaftliche Fachvorschriften
nennt § 3 Abs. 1 BBodSchG die Vorschriften
des Düngemittel- und des Pflanzenschutz-
rechts, des Zweiten Kapitels des Bundeswald-
gesetzes und der Forst- und Waldgesetze der
Länder, des Flurbereinigungsgesetzes über das
Flurbereinigungsgebiet (auch in Verbindung
mit dem Landwirtschaftsanpassungsgesetz);
schließlich wird auch auf die Vorschriften des
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes über
das Aufbringen von Abfällen zur Verwertung
als Sekundärrohstoffdünger oder von Wirt-
schaftsdüngern im Sinne des § 1 des Dünge-
mittelgesetzes verwiesen.
Im Düngemittelgesetz ist in § 5 Abs. 1 eine
Ermächtigung für das BMVEL enthalten, dass
gewerbsmäßiges Inverkehrbringen bestimmter
Stoffe nach § 1 Nr. 2a bis 5 und bestimmter
Düngemittel nach § 2 Abs. 3 sowie Anwendung
bestimmter Stoffe nach § 1 Nr. 1 bis 5 verboten
oder beschränkt werden können, soweit dies
zum Schutz der Fruchtbarkeit des Bodens
oder Gesundheit von Menschen, Haustieren
oder Nutzpflanzen oder zur Abwehr von
Gefahren für den Naturhaushalt erforderlich ist.
Die übrigen in § 3 Abs. 1 BBodSchG
genannten Fachvorschriften enthalten keine
Anforderungen an die Gefahrenabwehr
beim Vorliegen von schädlichen Boden-
veränderungen oder Altlasten.
2.
Für die Landwirtschaft ergeben sich die Pflich-
ten zur Gefahrenabwehr im Rahmen des
Anwendungsbereiches des BBodSchG daher
vorrangig aus den Grundsätzen der guten
fachlichen Praxis. Dies bedeutet, dass die
genannten Grundsätze nicht nur durch Bera-
tung vorsorgend vermittelt werden können,
sondern dass ihre Einhaltung – wenn ein im
Einzelfall festgestellter Gefahrentatbestand
gegeben ist – von der zuständigen Behörde
gegenüber den Landwirten auch angeordnet
werden kann.
3.
Nach Feststellung des Bundesrates (BR-Drs.
244/99 Ziff. 40) enthalten die in § 3 Absatz 1
BBodSchG genannten Vorschriften keine
Anforderungen an die Gefahrenabwehr von
schädlichen Bodenveränderungen auf Grund
Vorsorge
Schadenseintritt ist auf Grund
praktischer Vernunft ausgeschlossen,
wohl aber möglich
Schadenseintritt ist bei Anhalten
weiterer Einwirkungen (z. B. Stoff-
einträge) zu besorgen
Schadenseintritt ist hinreichend
wahrscheinlich
Zunehmendes Risiko für das Schutzgut
Praktisch sicher nach dem aktuellen
Stand des Wissens und bei
Einzelstoffbetrachtung und / oder
einschließlich unwägbarer Risiken
und bei Vielstoffbetrachtung
Z. B. für Wirkungspfad Boden-
Mensch: extrapolierte Dosis ohne
schädliche Wirkung für empfindli-
che Personengruppen
Z. B. für Wirkungspfad Boden-
Mensch: extrapolierte Dosis mit
Gefahrenbezug im ungünstigen Fall
der Exposition
Bereich des Restrisikos
Beginn des unerwünschten
Risikos
Beginn des nicht mehr
hinnehmbaren Risikos
Gefahrenabwehr
Tabelle 1: Einteilung von bodenspezifischen Risikobereichen und von Boden-
werten (Quelle: Wissenschaftlicher Beirat Bodenschutz beim BMU, 2000)
Vorsorgewert
Prüfwert
und / oder:
Maßnahmenwert,
soweit die Dosis mit
Gefahrenbezug zuverlässig im
Boden nachgewiesen wird

Problemstellung 9
von Bodenerosion. Daher wurde vom Bundes-
rat die Aufnahme einer Regelung zur "Gefah-
renabwehr von schädlichen Bodenverände-
rungen auf Grund von Bodenerosion durch
Wasser" in die BBodSchV (§ 8) beschlossen.
Die Grundsätze der guten fachlichen Praxis
der Landbewirtschaftung nach § 17 BBodSchG
stellen ebenfalls keine materiell konkretisierte
Anforderung in diesem Sinn dar; somit gelten
für die Gefahrenabwehr nach § 17 Absatz 3
BBodSchG die übrigen Bestimmungen des
BBodSchG. Darauf stellt auch schon die Rege-
lung nach § 10 (2) BBodSchG ab, die Voraus-
setzungen für Ausgleichszahlungen an den
Landwirt bei zur Gefahrenabwehr angeord-
neten Maßnahmen nennt.
In Tabelle 1 ist die
Vorgehensweise für die
Einhaltung bodenspezifischer Risikobereiche
von Bodenwerten zu stofflichen Belastungen dar-
gestellt (Wissenschaftlicher Beirat Bodenschutz
beim BMU, 2000). Es läßt sich deutlich die
Tren-
nung zwischen der Vorsorge
und der Notwen-
digkeit zur
Gefahrenabwehr
bei einem zuneh-
menden Risiko für das
Schutzgut
ablesen.
Von den sieben in § 17 (2) angesprochenen
Kriterien ist bislang nur der Bodenabtrag durch
Wasser hinsichtlich der materiellen Maßstäbe zur
Gefahrenabwehr konkretisiert worden. Daneben
sind auf Schadstoffe bezogene Regelungen durch
eine Reihe von Prüf- und Maßnahmewerten prä-
zisiert. Die Bundes-Bodenschutz- und Altlasten-
verordnung (BBodSchV) enthält in § 8 Vorschrif-
ten für die Gefahrenabwehr von schädlichen
Bodenveränderungen auf Grund von Bodenerosi-
on durch Wasser. Davon ist insbesondere dann
auszugehen, wenn durch Oberflächenabfluss
erhebliche Mengen Bodenmaterials aus einer Ero-
sionsfläche geschwemmt werden und weitere
Bodenabträge derselben Art zu erwarten sind.
Dessen ungeachtet ist
unter Vorsorgegesichts-
punkten jeder Bodenverlust als irreversible
Beeinträchtigung
zu betrachten. Deshalb wird es
als notwendig erachtet, für die Praxis und Bera-
tung Handlungsempfehlungen zur Verminderung
insbesondere von
Schäden auf landwirtschaft-
lich genutzten Flächen (Onsite-Schäden)
bereit-
zustellen.
Entsprechend der Entschließung des Bundes-
rates zur BbodSchV „... ist zu prüfen, inwieweit
auch die Aufnahme von
Regelungen zur Ab-
wehr schädlicher Bodenveränderungen durch
nutzungsbedingte Verdichtungen der Böden
in
die BBodSchV notwendig und möglich ist.“ In
diesem Zusammenhang ist die Wirksamkeit der
vorliegenden standort- und nutzungsbezogenen
Handlungsempfehlungen für Praxis und Bera-
tung zu bewerten.
Die
Nachhaltigkeitsstrategie für die Land-,
Forst- und Fischereiwirtschaft des BMVEL
sieht
vor, dass unter Beachtung der
ökologischen
und
ressourcenbezogenen Anforderungen, der
öko-
nomischen
Dimension und aus
sozialer
Sicht
auch eine weitere Verbesserung des Boden-
schutzes durch die Vorsorge gegen Bodenschad-
verdichtungen und Bodenerosion erreicht und
nachhaltig gewährleistet wird. Die Produktions-
verfahren unter Einschluss von Maßnahmen zur
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen und
Bodenerosion sind so zu gestalten, dass mit mög-
lichst geringem Energie- und Kostenaufwand
hohe Erträge bei guter Produktqualität erzeugt
werden, ohne die Stabilität der betroffenen Öko-
systeme und/oder benachbarter Ökosysteme
negativ zu beeinflussen.
Ressourcenschonende Produktionsverfahren
bewirken vor allem Einsparungen von techni-
schen, chemischen und biologischen Produkti-
onsmitteln sowie von Energie. Damit ist
ressour-
censchonende Bodennutzung ein wesentlicher
Baustein nachhaltiger Landbewirtschaftung
(Bodenbearbeitung und Bodenschutz, KTBL-
Arbeitspapier 266, 1998).
Um
landwirtschaftliche Produktionsverfah-
ren
hinsichtlich ihrer Eignung zur Vorsorge gegen
Bodenschadverdichtungen und Bodenerosion
bewerten zu können, sind geeignete Indikatoren
erforderlich. Indikatoren werden auch für die
Beurteilung des Ausgangszustandes
, also der
tatsächlichen Gefährdung, benötigt. Soweit diese
Indikatoren entwickelt und hinreichend verifi-
ziert bzw. validiert sind, werden sie der Praxis
und Beratung zur Nutzung verfügbar gemacht.
2.1.3 Aufgabenstellung des
Bund-Länder-Papieres
Zusammenfassend ergibt sich als Aufgabenstel-
lung für das vorliegende
Bund-Länder-Papier:
1. Abschätzung der standortbedingten potenzi-
ellen Gefährdung
hinsichtlich Schadverdich-
tung und Erosion. Sie ist Voraussetzung, um
in Verbindung mit der zu ermittelnden
aktu-
ellen Gefährdung zum Zeitpunkt der Boden-
bearbeitungs-, Bestell-, Ernte- und Trans-
portmaßnahme
die geringstmögliche
Druckbelastung auf den Boden zu erreichen.
Zur Erzielung eines optimalen Schutzes vor
Bodenerosion ist sie, in Verbindung mit der
einzuschätzenden
nutzungsbedingten
tatsächlichen Gefährdung im Verlaufe einer
Fruchtfolge,
Voraussetzung für eine wirksa-
me Maßnahmenkombination.
2. Erarbeitung von Handlungsempfehlungen
und Schutzmaßnahmen
für die Vorsorge

10 Problemstellung
gegen Bodenschadverdichtungen und Boden-
erosion. Dabei sind die folgenden
Handlungs-
empfehlungen
zu den Grundsätzen
Nr. 3 und 4 des § 17 Abs. 2 des BBodSchG
weiter auszugestalten, um sie im Einzelfall
konkretisieren und umsetzen zu können:
Bodenverdichtungen
sind, insbesondere
durch Berücksichtigung der Bodenart, des
Bodengefüges, der Bodenfeuchtigkeit und
des von den zur landwirtschaftlichen
Bodennutzung eingesetzten Geräten verur-
sachten Bodendrucks, soweit wie möglich
zu vermeiden;
Bodenabträge
sind durch eine standort-
gemäße Nutzung, insbesondere durch
Berücksichtigung der Hangneigung, der
Wasser- und Windverhältnisse sowie der
Bodenbedeckung, möglichst zu vermeiden.
Die Handlungsempfehlungen und Schutz-
maßnahmen müssen von vornherein und
unter Beachtung des Restrisikos bzw. des
unerwünschten Risikos darauf gerichtet
sein, das Entstehen schädlicher Bodenverän-
derungen zu verhindern, die durch die
jeweilige Bodennutzung selbst oder in deren
Einwirkungsbereich hervorgerufen werden
können. Die Handlungsempfehlungen nen-
nen auch Maßnahmen zur Gefahrenabwehr
für den Fall, dass schädliche Bodenverände-
rungen bereits eingetreten oder zu erwarten
sind bzw. dass für ihr Eintreten ein nicht
mehr hinnehmbares Risiko besteht.
3. Bereitstellung von Indikatoren
für die Beur-
teilung des Ausgangszustandes und Bewer-
tung der Wirksamkeit der Maßnahmen zur
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtung und
Bodenerosion.
Zur Erreichung der Zielsetzungen sollen not-
wendige und praktisch erprobte Methoden, Ins-
trumente, Modelle und Computerprogramme so-
wie Vorgehensweisen dienen, welche hinreichend
ausführlich für die Nutzung in Praxis und Bera-
tung beschrieben werden. Beispiele für konkrete
Lösungen zur Vorsorge gegen Bodenschadver-
dichtungen und Bodenerosion aus den Ländern
dienen der Anregung und Wissensübertragung.
Die entsprechenden
Handlungsempfehlun-
gen
müssen in Verbindung mit geeigneten und
erprobten
Bodenzustandsindikatoren
• standortangepasst,
• wissenschaftlich abgesichert,
• aufgrund praktischer Erfahrungen geeignet,
durchführbar, als notwendig anerkannt und
wirtschaftlich tragbar sein.
Die Ausführungen zur guten fachlichen Praxis
sollen zudem das
Problembewusstsein für die
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen und
Bodenerosion sowie die Akzeptanz notwendi-
ger Maßnahmen
fördern. Das Bund-Länder-
Papier zielt auf Landwirte, Berater, Behörden
und die Ausbildung.
Für die Nutzer und die Öffentlichkeit soll
deutlich werden, dass insbesondere die Hand-
lungsempfehlungen der guten fachlichen Praxis
und die Indikatoren im ökosystemaren Sinne den
Umweltqualitätszielen für den Boden, die Atmos-
phäre und Hydrosphäre sowie der anzustreben-
den Biodiversität und Habitatvielfalt in der
Agrarlandschaft gleichzeitig Rechnung tragen.
2.2 Literatur
ANONYM (1997): Düngemittelgesetz vom
15. November 1977 BGBL I, S. 2134, zuletzt
geändert am 17.12.1999, BGBL I, S. 2451.
ANONYM (1998): BUNDES-BODENSCHUTZGE-
SETZ vom 24.3.1998 BGBL I, Nr. 16, S. 502-510.
ANONYM (1999): Bundes-Bodenschutz- und Alt-
lastenverordnung (BBodSchV) vom 12. Juli
1999 BGBL I, Nr. 36, S. 1554-1582.
BML (1998): Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten, Gute fachliche
Praxis im Pflanzenschutz. Broschüre des Bun-
desministeriums für Ernährung, Landwirt-
schaft und Forsten mit dem Wortlaut der im
Bundesanzeiger Nr. 220a vom 21.11.1998
bekanntgegebenen Grundsätze für die Durch-
führung der guten fachlichen Praxis im Pflan-
zenschutz.
BML (1999): Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten, Grundsätze und
Handlungsempfehlungen zur guten fachlichen
Praxis der landwirtschaftlichen Bodennutzung
nach § 17 Bundes-Bodenschutzgesetz (BBod-
SchG) vom 17. März 1998. Bekanntmachung
des Bundesministeriums für Ernährung, Land-
wirtschaft und Forsten vom 23.2.1999. In:
ROSENKRANZ, D.; BACHMANN, G.; EIN-
SELE, G. ; HARREß, H.-M. (Hrsg.): Bodenschutz.
Kennziffer 8021; Erich Schmidt Verlag, Berlin.
HOLZWARTH, F.; RADTKE, H.; HILGER, B.;
BACHMANN, G. (2000): Bundes- Bodenschutz-
gesetz/Bundes- Bodenschutz- und Altlasten-
verordnung. Handkommentar; Erich Schmidt
Verlag, Berlin.
WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT BODEN-
SCHUTZ IM BMU (2000): Wege zum vorsor-
genden Bodenschutz: Fachliche Grundlagen
und konzeptionelle Schritte für eine erweiterte
Boden-Vorsorge; Erich Schmidt Verlag, Berlin.

Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 11
Inhalt Kapitel 3
Seite
3. Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
........................................... 12
C. Sommer, R. Brandhuber, J. Brunotte u. W. Buchner
3.1
Sachstand
........................................................................ 12
3.1.1
Definition und Bedeutung ........................................................... 12
3.1.2
Bestimmung von Bodenverdichtung .................................................. 15
3.1.3
Auslösende Faktoren für Schadverdichtung durch Befahren
............................ 16
3.1.4
Verbreitung von Schadverdichtungen ................................................. 18
3.1.5
Schadverdichtungen im Unterboden – ein EU-Lösungsansatz ............................ 21
3.1.6
Modelle zur Abschätzung der potenziellen Verdichtungsgefährdung ..................... 22
3.1.6.1 Das Verfahren „Vorbelastung“ ....................................................... 22
3.1.6.2 Das Verfahren „Belastungsquotient“ .................................................. 23
3.1.6.3 Das Verfahren „SchadVerdichtungsGefährdungsKlassen (SVGK)“ ........................ 23
3.1.7
Technische Entscheidungshilfen zur aktuellen Befahrbarkeit in situ ....................... 24
3.1.8
Schlussfolgerungen aus dem Sachstand ............................................... 24
3.2
Maßnahmen der guten fachlichen Praxis zur
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
....................................... 25
3.2.1
Handlungsempfehlungen zum Konzept für bodenschonendes Befahren .................. 25
3.2.1.1 Anwendung und Weiterentwicklung technischer Möglichkeiten ......................... 25
3.2.1.2 Anpassung von Arbeitsverfahren .................................................... 26
3.2.1.3 Verbesserung der Tragfähigkeit des Bodens ............................................ 28
3.2.1.4 Begrenzung der mechanischen Belastung ............................................. 29
3.3
Beispiele für Schutzmaßnahmen in Fruchtfolgen
.................................. 30
3.3.1
Gefügestabilisierung am Beispiel ausgewählter Fruchtfolgen ............................ 31
3.3.1.1 Fruchtfolge (Niedersachsen): Zuckerrüben – Winterweizen –
Winterweizen – Wintergerste, J. Brunotte .............................................. 31
3.3.1.2 Fruchtfolge (Nordrhein-Westfalen): Silomais – Winterweizen –
Winterroggen/Triticale – Ackerfutterbau, W. Buchner .................................. 32
3.3.2
Ein Beratungsbeispiel für den Ansatz
„Druckbelastungsquotient“ (Thüringen), R. Paul ....................................... 32
3.3.3
Ein Beratungsbeispiel für den Ansatz
„SchadVerdichtungsGefährdungsKlassen“ (Brandenburg), H. Petelkau u. K. Seidel ......... 34
3.4
Literatur
(verwendete und weiterführende Literatur) .................................. 38

image
image
12 Lebender Kolumnentitel
Lebender Kolumnentitel 12
3. Vorsorge gegen
Bodenschadverdichtungen
C. Sommer, R. Brandhuber, J. Brunotte u. W. Buchner
3.1 Sachstand
In der pflanzlichen Produktion steigen mit größer
werdenden Ackerbaubetrieben sowie mit der
zunehmenden Bedeutung des überbetrieblichen
Einsatzes von Maschinen und Geräten die Anfor-
derungen an Zugkraft und Leistungsbedarf. Die-
sen genügen heute leistungsstarke Ackerschlep-
per, Erntemaschinen und Transportfahrzeuge.
Höhere Zugkräfte oder größere Bunkerkapazitä-
ten haben allerdings höhere Radlasten zur Folge.
Sie nehmen zwar bei heutigen Schleppern mit
der Leistung nur degressiv zu, erreichen jedoch
in der Klasse ab 150 kW über 4 t, bei selbstfah-
renden Erntemaschinen sogar 12 t.
Derart hohe Radlasten bergen das Risiko von
Bodenschadverdichtungen auch in größeren
Bodentiefen in sich, wenn Böden unter feuchten
Bodenbedingungen befahren werden. Um die Pro-
duktions-, Regelungs- und Lebensraumfunktionen
der Böden nachhaltig zu sichern, müssen Boden-
schadverdichtungen vorsorgend vermieden werden.
3.1.1 Definition und Bedeutung
Bodenverdichtung
ist eine Gefügeveränderung.
Sie äußert sich in einer funktionalen Änderung
der Eigenschaften des Porensystems. Sie wird
beim Befahren durch Druck- und Schubspannun-
gen im Boden ausgelöst. Im häufigsten Fall domi-
nieren Druckspannungen, und die Verdichtung
äußert sich in einer Dichtezunahme bzw. Abnah-
me des Porenvolumens. Bei Dominanz der Schub-
spannungen kann die Verdichtung aber auch eine
Folge der Umverteilungen des vorhandenen
Porensystems bei gleichbleibendem Porenvolumen
sein. Bodenverdichtung ist also ein komplexer
Vorgang, bei dem das Bodengefüge sein Volumen
und/oder seine Gestalt ändert, je nachdem, wel-
che Art der Belastung auf den Boden einwirkt
und in welchem Gefügezustand der Boden sich
vor der Belastung befand.
Umfassende Übersichtsbeiträge zu der Proble-
matik „Bodenverdichtung“ liegen vor: Barnes et
al. (1971), Korda (1987), Berichte über Landwirt-
schaft (1991), Soane und van Ouwerkerk (1994),
Horn et al. (2000). Nach Dürr et al. (1995) stellen
Bodenverdichtungen ein zunehmendes Problem
in der pflanzlichen Produktion dar. Voraussetzung
für eine Problemanalyse sowie für die Ableitung
von Problemlösungen ist zunächst die strikte
Unterscheidung zwischen der mechanischen
Belastung, der Beanspruchung und der Verdich-
tung des Bodens (Abb. 1).
Die Belastung wird mit der Radlast in t
und/oder mit dem Kontaktflächendruck in der
Berührungsfläche Laufwerk/Boden in kPa
(100 kPa = 1 bar) angegeben. Die Folgen einer
Belastung sind während des Befahrens mechani-
sche Spannungen (Söhne, 1953) im Boden – die
Bodenbeanspruchung. Wenn die Bodenbeanspru-
chung die Eigenstabilität des Bodengefüges über-
steigt, sind die Folgen eine Abnahme und eine
12 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
Abb. 1: Zur Belastung, Beanspruchung und Verdichtung des Bodens
(Sommer, 1985)

image
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 13
Gestaltsänderung des Porenraumes (Porenvolu-
men, Porenziffer). Das Ausmaß hängt von einer
Reihe von internen und externen Bodenparame-
tern ab (Horn, 1981). Je tragfähiger (dicht, trocken)
der Boden während des Befahrens ist, um so
geringer sind die Folgen einer Belastung. Wenn
ein „minimaler“ Wert für zulässiges – mit Blick
auf Pflanzenwachstum, Ertrag und weitere Boden-
funktionen – Porenvolumen (z. B. 40 Vol.-% in
Abb. 2) vorzugeben wäre, ließe die Verdichtungs-
kurve theoretisch den maximal zulässigen Boden-
druck (280 kPa in Abb. 2) abgreifen.
Es gibt jedoch für einen Boden nicht
die
Verdich-
tungskurve schlechthin. Böden haben je nach
Gefügeausprägung und Bodenfeuchte unter-
schiedliche Verdichtungsverhalten. Ein aus einer
Verdichtungskurve abgeleiteter – theoretischer –
maximal zulässiger Druck hätte immer nur für
einen konkreten Gefüge- und Feuchtezustand
Gültigkeit. Außerdem können Porenvolumen/
Bodendichte auch nur als grobe Bewertungs-
parameter dienen (Letey, 1984). Mit ihnen sind
die Ansprüche der Pflanzen an den physikalischen
Bodenzustand nicht ausreichend zu beschreiben
(nach Hartge und Sommer, 1980, und Mc Kyes,
1985, gibt es
das
optimale Porenvolumen nicht),
da sie nur indirekten Einfluss nehmen. Entschei-
dend sind die direkten Einflussgrößen (Boden-
wasserhaushalt, Luft, Wärme, mechanischer
Widerstand), welche im Bodenprofil räumlich
und zeitlich variieren. Deshalb kommt dem
aktuellen Bodenzustand zum Zeitpunkt des
Befahrens bei der praxisrelevanten Lösung des
Problems Verdichtung in der pflanzlichen Pro-
duktion besondere Bedeutung zu.
Nur in schwach aggregierten sandigen und
bearbeiteten Krumenböden bestehen engere
Beziehungen zwischen Bodenlagerungsdichte
(im Folgenden: Bodendichte) und pflanzenbau-
lich relevanten Bodeneigenschaften wie Makro-
porosität, Luftpermeabilität und Durchdringungs-
widerstand. Bodendichtewerte sind deshalb nur
bodenart- und bearbeitungsspezifisch interpre-
tierbar. Zahlreiche Bemühungen, substratspezifi-
sche Sollwerte der Bodendichte (bzw. Porosität)
als Zielgrößen für die Steuerung der Bodenbear-
beitung zu verwenden, scheiterten auch daran,
dass es bis heute nicht gelungen ist, einfache
Messverfahren zu entwickeln.
Als
Bodenschadverdichtung
wird diejenige
Bodenverdichtung bezeichnet, deren Gefügever-
änderung negative Auswirkungen
auf Bodenfunktionen hat. Eine
Zunahme der Bodendichte ist
grundsätzlich noch keine Schadver-
dichtung, führt doch der linke Ast
der Ertragsparabel (Abb. 3) mit
zunehmender Bodendichte zu höhe-
rem Pflanzenertrag. Dies ist der
Grund, warum der Landwirt etwa
bei zu lockerem Saatbett eine „Rück-
verfestigung“ (mit Packer oder
Walze) vorsieht, die für die Wasser-
versorgung des Keimlings und der
jungen Pflanze von außerordentlicher
Bedeutung sein kann. Erst nach
Erreichen eines Dichtemaximumbe-
reichs führt weitere Dichtezunahme
zu einem Ertragsrückgang.
Die
Aggregierung
von Böden hat im Hinblick
auf Bodenverdichtung eine besondere Bedeu-
tung. Gut strukturierte, in stabile Aggregate
gegliederte Böden weisen einen erhöhten Wider-
stand gegen Verformung auf. Die Scherfestigkeit
aggregierter, bindiger Böden umfasst zusätzlich
zur substratabhängigen Komponente einen durch
die Aggregatstabilität bedingten Anteil. Höhere
Belastung zerstört die Aggregatstruktur. Werden
stark verdichtete Bodenhorizonte und -schichten
durch Bearbeitungswerkzeuge aufgebrochen,
entstehen Aggregatgemische aus Bruchstücken
(Fragmente), die sich sowohl in der Größenver-
teilung als auch vor allem in ihrer „inneren Dich-
te“ von gegliederten Aufbau- und Absonde-
rungsstrukturen unterscheiden.
Der
Wasser- und Lufthaushalt
der Böden
wird durch Schadverdichtungen gravierend
beeinflusst. Die
Porengrößenverteilung
ändert sich
in der Weise, dass weite Grobporen zu wasser-
haltenden engen Grobporen und kapillaren Mit-
telporen verengt werden. Bei mäßiger Verdich-
tung steigt die
Feldkapazität
(als Volumenanteil)
zunächst an. Fortschreitende Verdichtung führt
jedoch zu einem Rückgang des
Wasserspeicherver-
mögens
.
Insbesondere in kolloidreichen Böden ver-
mindert sich bei starker Verdichtung der pflan-
zennutzbare Wasservorrat bei Feldkapazität
(nFK) durch überproportionalen Anstieg des
Abb. 2.: Die Verdichtungskurve eines Bodens: Abnahme der Porenziffer in
Abhängigkeit vom Bodendruck im Kompressionstest (Sommer, 1974)

image
14 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
gefügeabhängigen hygroskopisch gebundenen
Totwassers.
Die Schadverdichtung reduziert Porendurch-
messer und Porenkontinuität. Daraus resultieren:
Rückgang der
Wasserleitfähigkeit
im gesättig-
ten und ungesättigten Boden (Wasserstau bei
Nässe, ungenügender Wasserfluss bei
Trockenheit);
Eingeschränktes
Infiltrationsvermögen
(Erosions-
gefahr, Unterbrechung des Gasaustausches);
Zu geringe
Luftkapazität und Luftdurchlässigkeit
(gestörte Boden- und Wurzelatmung bei ho-
her Feuchte, behinderte Wurzelausbreitung);
Unzureichendes Potenzial für den Gaswechsel
durch Diffusion (Sauerstoffmangel für Pflan-
zenwurzeln und aerobe Bodenlebewesen,
Reduktionszonen, Denitrifikation).
Zur Beschreibung des
Stabilitätszustandes
des Bodengefüges
wird in der Bodenmechanik
von unterschiedlichen Arten der Verdichtung
ausgegangen. Eine Normalverdichtung liegt vor,
wenn sich ein Gleichgewicht zwischen der Eigen-
last und dem aus Kohäsions- und Reibungskräf-
ten bestehenden Scherwiderstand des Bodens
eingestellt hat. Eine zusätzliche mechanische
Belastung, die den Verformungswiderstand des
Bodens übersteigt, bewirkt eine Überverdich-
tung. Der Zustand der Normalverdichtung liegt
bei Ackerböden grundsätzlich nur im gelockerten
Krumenbereich vor, während natürlich gelagerte
Unterböden durch Belastungen landwirtschaftli-
cher Nutzung sowie durch sommerliche Aus-
trocknung überverdichtet sind.
Schon im Hinblick auf die
Produktionsfunk-
tion
des Bodens – s. Abb. 3 – ist es deshalb nicht
leicht, eine Schadverdichtung genau zu ermitteln.
Aus dem grundsätzlichen Zusammenhang zwi-
schen dem relativen Pflanzenertrag und der
Bodendichte ist qualitativ zu schließen, dass
zunehmende Bodendichte am rechten Ast der
Parabel zu Schadverdichtungen führen muss, da
erhebliche Ertragsminderungen die Folge sind.
Nach Petelkau (1984) ergeben sich für bearbeitete
Ackerböden relativ straffe, substratabhängige
Zusammenhänge zwischen Pflanzenertrag und
Bodendichte für bestimmte Bodenbedingungen.
Er gibt „obere Grenzwerte des optimalen Lage-
rungsdichtebereichs“ für die Ackerkrume bear-
beiteter Flächen an. Werte darüber hinaus wären
demnach als Schadverdichtungen hinsichtlich
des Pflanzenertrags anzusehen. Sie müssen
jedoch aus o. g. Gründen (grober Bewertungspa-
rameter!) durch zusätzliche Angaben ergänzt
werden, etwa zur Luftkapazität (Czeratzki, 1972)
und zur Luft- und Wasserdurchlässigkeit (Werner
und Reich, 1993). Je nach Ausprägung der Schad-
verdichtung ist mit Ertragsausfällen von 5-40 %
zu rechnen (Dürr et al., 1995). Häufig sind
Ertragsdifferenzen im Feld zwischen „befahren“
und „unbefahren“ gering und statistisch nicht
abzusichern. So kann Düngung die Wirkung
einer Schadverdichtung überdecken.
Schlepperradsohlen (Krumenbasisverdichtun-
gen unterhalb der Bearbeitungstiefe) können
funktionale Gefügeeinschränkungen darstellen,
deren technische Beseitigung bei gleichbleiben-
den Bewirtschaftungsbedingungen kaum dauer-
haft möglich ist. Im trockenen Zustand sind sie
Hindernisse für die Wurzeln, im feuchten Boden-
zustand verringern sie die vertikale Wasser-
durchlässigkeit und fördern die Vernässung der
darüber liegenden Schicht. In Jahren mit sehr
feuchtem Frühsommer und sehr trockenem Spät-
sommer sind sie allerdings bei lehmigen Sandbö-
den förderlich für die Wasserverfügbarkeit der
Pflanzen. Ihre mögliche Schadwirkung hängt
also nicht nur von den rein physikalischen Boden-
bedingungen ab, sondern steht in Wechselwir-
kung mit dem Klima.
Das Risiko für Unterbodenschadverdichtun-
gen hat generell in den vergangenen Jahren
durch den Einsatz von hohen Radlasten (etwa bei
Zuckerrübenrodern) unter feuchten Bedingungen
zugenommen. Håkansson (1994) hat darauf mit
langjährigen Feldversuchen hingewiesen. Derzeit
wird hierzu ein EU-weites „Concerted Action“-
Programm durchgeführt.
Die Auswirkungen von Bodenschadverdich-
tung auf die
Regelungsfunktionen
des Bodens
beziehen sich auf die mechanische Rückhaltung
von Stoffen, die Adsorption als Bodenaustau-
Abb. 3: Beziehung zwischen Pflanzenertrag und Bodendichte für eine
Bodenart und Bodenfeuchte

Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 15
scher, die chemische Fällung als Pufferung, die
Umwandlung oder den Abbau als Transformati-
on (Blume, 1990), die Stoffverlagerung sowie, für
den Landschaftswasserhaushalt, auf Ober-
flächenabfluss, Versickerung u. a.. In groben
Poren werden Partikel mit dem Sickerwasser
abwärts verlagert, in kleineren Poren dagegen
gefiltert. Die Pufferungseigenschaften hängen vor
allem von Tonmineralen und Huminstoffen ab,
der Um- und Abbau organischer Stoffe wird
maßgeblich vom Luft-, Wasser- und Wärmehaus-
halt des Bodens bestimmt, die wiederum von der
Dichtlagerung des Bodens beeinflusst werden.
Wird die Ausbreitung der Wurzeln infolge
Schadverdichtung beeinträchtigt, sinkt die Was-
ser- und damit Nährstoffaufnahme. Dies kann zu
erhöhten Nährstoffverlusten durch Auswaschung
und Denitrifikation führen (Dürr et al., 1995).
Vertikal orientierte, kontinuierliche Makroporen
im Bodenprofil bei dichter Bodenmatrix können
zu einem Verlagerungsrisiko führen.
Bodenschadverdichtungen engen den
Lebens-
raum
der meisten Bodentiere ein (Larink et al.,
1995). Dies bedeutet einen Rückgang der Arten-
und Individuenzahlen. Für Regenwürmer gilt,
dass offenbar die flachgrabenden Formen Ver-
dichtungen besser vertragen als die tiefgraben-
den. Stark verdichteter Boden wird bei einer Aus-
weichmöglichkeit gemieden, da dort auch bei
feuchtem Boden der notwendige Energieauf-
wand, welcher von den Tieren aufzubieten ist, zu
hoch ist. Auch die Bodenmikroorganismen kön-
nen durch Verdichtung beeinträchtigt werden.
Dies steht im Zusammenhang mit den entspre-
chenden Veränderungen des Nahrungsangebots,
der Nahrungsverteilung, des Wasser- und Luft-
haushaltes im Boden. Schließlich tragen Boden-
schadverdichtungen zur Förderung von Ero-
sionsprozessen bei.
Als
Bodenschadverdichtung
wird diejenige Bodenverdich-
tung bezeichnet, deren Gefügeveränderung negative Aus-
wirkungen auf die Produktionsfunktion (Ertrag, Kosten),
die Regelungsfunktion (Infiltration, Stoffverlagerung) und
die Lebensraumfunktion (Bodentiere) des Bodens hat.
Für die Kennzeichnung einer Boden
schad
verdichtung
reicht die Angabe eines Wertes zur Bodendichte im Nor-
malfall alleine nicht aus. Angaben zum Bodenwasserge-
halt, zur Luft- und Wasserleitfähigkeit, zur Wärmekapa-
zität sowie zum mechanischen Bodenwiderstand müssen
hinzukommen.
Boden
schad
verdichtungen können insbesondere durch zu
hohe Radlasten/Kontaktflächendrücke und mehrfaches
Überrollen derselben Spur sowie in der Krumenbasis
durch das Furchenrad beim Pflügen entstehen, wenn
beim Befahren der Boden zu feucht bzw. zu locker ist.
3.1.2 Bestimmung von
Bodenverdichtung
Methoden zur Bestimmung von Bodenverdich-
tung sind in Methodenbüchern beschrieben
(etwa: Hartge und Horn, 1992) und z. T. standar-
disiert. Grundlage ist weniger die enge Definiti-
on „Zunahme der Bodendichte“, sondern viel-
mehr die weitere Definition nach Altemüller
(1962). Er versteht das Bodengefüge als „die Ord-
nung der Bodengemengeteile, betrachtet als Bau-
elemente des Bodens in gestaltlicher, in funktio-
neller und in genetischer Hinsicht, unabhängig
von den Größenordnungen und unabhängig von
der stofflichen Beschaffenheit“. Demnach gehört
zu einer Schadverdichtung nicht nur die Zunah-
me der Bodendichte in g/cm
3
, sondern wesentli-
cher sind die Auswirkungen auf Bodenfunktio-
nen.
Durch Verdichtung nehmen Größe und
Anzahl der Makroporen ab, und es ändern sich
Form und Kontinuität der Poren (Ehlers et al.,
1983). Dürr et al. (1995) fassen die Aussagen zu
Messparametern für die Kennzeichnung einer
Bodenverdichtung zusammen.
Grundlegende Einsichten in verdichtungsbe-
dingte Veränderungen der Porenraumgliederung
bieten mikromorphologische Gefügeuntersu-
chungen mittels Dünn- oder Anschlifftechnik,
(Elektronen-) Mikroskopie, Röntgenanalytik und
Computertomographie in Verbindung mit Bild-
auswertesystemen.
Mit verschiedenen Methoden zur Messung
der
Bodenfestigkeit
ist messgerätespezifisch der
Verformungswiderstand des Bodens gegen
Druck-, Scher- und Zugbeanspruchung zu kenn-
zeichnen. Bodenfestigkeitsmesswerte sind mehr-
faktoriell vom Bodensubstrat, vom Bodenwasser-
gehalt, von der Lagerungsdichte und vom
Strukturzustand abhängig.
Die größte Verbreitung zur Messung haben
Penetrometer
gefunden. Sonden mit meist kegel-
förmigen Spitzen werden manuell, mittels Motor-
kraft oder hydraulisch in den Boden getrieben.
Die benötigte Kraft wird tiefenabhängig gemessen
und als Eindring- bzw. Durchdringungswider-
stand registriert. Bei Untersuchungen der Boden-
verdichtung durch Fahrwerke eignen sich Pene-
trometer für Vergleichsuntersuchungen vor und
nach der Bodenbelastung in engem Raster. Sie
ermöglichen die Auswahl charakteristischer Pro-
bennahmestellen für aufwendigere bodenphysi-
kalische Messungen. Bei Berücksichtigung des
Substrat- und Feuchteprofils lassen sich auf san-
digen Standorten Festigkeitsmesswerte auf die
Bodendichte zurückführen.
Um die Verteilungen des mechanischen
Bodenwiderstandes auf landwirtschaftlichen

16 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
Flächen zu ermitteln, wurden traktorgezogene
Horizontalsonden zur schichtweisen, mobilen
Messung des Durchdringungswiderstandes ent-
wickelt. Bodenfestigkeitsmessungen werden vor-
rangig mit dem Ziel vorgenommen, Wurzel-
wachstum hemmende Bodenschichten zu
kennzeichnen bzw. die Notwendigkeit von
Lockerungsmaßnahmen festzustellen.
Diez (1991) entwickelte ein einfach zu hand-
habendes Schema zur Gefügebeurteilung im
Feld, das die “Görbingsche Spatendiagnose" wei-
terentwickelt, vereinfacht und objektiviert. Beur-
teilt werden das Gefüge der Oberfläche, der
Krume und des Unterbodens. Gliederungskriteri-
en sind die Gefügeform (Einzelkorn, Kohärent-,
Krümel-, Bröckel- und Polyedergefüge) und son-
stige Merkmale (Wurzeln, Farbe, Geruch, Ern-
terückstände, Röhren/Klüfte, Übergänge). Die
Bewertung orientiert sich an der Eignung des
Gefüges für das Pflanzenwachstum und umfasst
fünf Stufen (1 = sehr günstig, 5 = sehr ungün-
stig). Die Einordnung der Merkmale wird durch
Beschreibung, Größenangaben und bildliche Dar-
stellungen zu objektivieren versucht. Das Beur-
teilungsschema ist geeignet, in der für praktische
Bedürfnisse gebotenen Schnelligkeit Gefügemän-
gel und gefügebedingte Wachstumsstörungen
näherungsweise zu erkennen, daraus die not-
wendigen Eingriffe in das Bodengefüge abzulei-
ten und das Ergebnis der Bearbeitungsmaßnah-
men zu kontrollieren.
Die technogene Verdichtung land- und forst-
wirtschaftlicher Böden erfolgt durch die Einwir-
kung von Fahrwerken und Bearbeitungswerk-
zeugen in Form von Momentbelastungen. So
kommt es beim wiederholten Befahren derselben
Spuren und bei gleicher Belastungshöhe zu weite-
ren Verdichtungszunahmen. Die Häufigkeit techno-
gener Kurzzeitbelastungen ist in der mechani-
sierten Pflanzenproduktion demzufolge ein
bedeutender Verdichtungsfaktor. Dazu werden in
jüngerer Zeit Untersuchungen mit Druckmess-
körpern in situ eingesetzt (Horn und Semmel,
1994; Arvidsson und Andersson, 1997).
Als
Methoden
zur Bestimmung von Boden(schad)verdich-
tung werden im Wesentlichen entweder Bodenproben
(zum “Vor- und Nachvergleich") entnommen oder "zer-
störungsfreie" Möglichkeiten (Penetrometer o. ä.) einge-
setzt. Mit so ermittelten Ergebnissen ist es möglich, nach
dem Befahren Gefüge- bzw. Funktionsänderungen zu
ermitteln und entsprechend zu bewerten. Für den Prakti-
ker stehen letztlich nur die Handsonde und die Bodenan-
sprache unter Zuhilfenahme des Spatens zur Verfügung.
3.1.3 Auslösende Faktoren für
Schadverdichtung durch Befahren
Für die folgenden Ausführungen ist an Abb. 1
anzuknüpfen.
Belastung des Bodens
Für die Betrachtung der
Bodenbelastung
ist es im
Hinblick auf die Ableitung praxisrelevanter
Schlussfolgerungen wichtig, die Belastung des
Bodens sowohl mit der
Radlast
als auch mit dem
Kontaktflächendruck
und der
Überrollhäufig-
keit
anzusprechen.
Die statische
Radlast
ist, im Gegensatz zur
eigentlich maßgebenden dynamischen Belastung
plus Radschlupf, durch Wägung relativ leicht zu
bestimmen. Rad- bzw. Achslast bilden die
Grundlage zur Bestimmung der Bodenbelastung
in der Spur. Während diese mit steigender Lei-
stungsfähigkeit der Maschinen und Fahrzeuge
ansteigt, ändern sich die Verhältnisse mit größe-
ren Arbeitsbreiten, wenn die durchschnittliche
Bodenbelastung je ha betrachtet wird (Olfe und
Schön, 1986). Die Fahrstrecken je ha nehmen mit
steigender Schlepperleistung ab, das flächenbe-
zogene Produkt, das aus Masse der Schlepper-
Geräte-Kombination und Fahrstrecke (Håkans-
son, 1994) bei den Feldarbeiten in Abhängigkeit
von der Schlepperleistung gebildet wird, nur
wenig zu. Diese Kenngrößen werden zur verglei-
chenden Beurteilung von gesamten Produktions-
verfahren verwendet (Olfe, 1995). Dazu ist es
erforderlich, die Höhe, die Häufigkeit und die
Verteilung der auftretenden Kräfte zu bestimmen.
Die Radlasten sind abhängig von
der technischen Auslegung der verwendeten
Schlepper, Maschinen und Geräte,
der angewandten Produktionstechnik, durch
die Art und Häufigkeit der durchzuführenden
Arbeiten bestimmt werden,
der Bodennutzung, da für die einzelnen Kul-
turen die anzuwendenden Produktionstechni-
ken sehr unterschiedlich sein können,
der Schlepper- und Maschinenausstattung der
Betriebe.
Heutige Belastungen in der Spur zeigt Abb. 4 in
Abhängigkeit von der eingesetzten Motornenn-
leistung.
Bei der Zuckerrübenernte ergeben sich heute
Fahrzeugparameter nach Abb. 5.
Aus der Höhe der Radlast und der Größe der
Radaufstandsfläche ergibt sich als Quotient der
mittlere
Kontaktflächendruck
PK in der Fahrspur.
Beispiele für die Änderung des Kontaktflächen-
druckes bei einer Radlast von 2,6 t zeigt Abb. 6.
Für den Kontaktflächendruck ergibt sich in die-

image
image
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 17
sem Beispiel bei einer Normalbereifung ein Wert
von 1,73 bar und bei einer Zwillingsbereifung von
0,84 bar. Die noch größere Aufstandsfläche von
8.300 cm
2
des betrachteten Terra-Reifens führt in
der Spur zu einem Kontaktflächendruck von 0,51
bar.
Betrag und Richtung dieser Belastungskenn-
größe hängen von einer Reihe von Parametern
(neben Radlast, Triebkraft und Aufstandsfläche:
Reifeninnendruck, Reifenbauart, Schlupf, Fahrge-
schwindigkeit und Schwingungen) wie auch von
Bodeneigenschaften ab. Da der Reifeninnendruck
Pi besonderen Einfluss auf den Kontaktflächen-
druck PK hat, sind empirische Gleichungen ent-
wickelt worden (Bolling und Söhne, 1982), deren
allgemeine Form vereinfacht lautet:
pk = 1,25
pi ...
In erster Näherung liegt der mittlere Kontakt-
flächendruck um den Faktor 1,25 höher als der
Reifeninnendruck. Allerdings sind solche For-
meln ohne Einbeziehung von Bodenparametern
nur sehr bedingt anwendbar, zumal auch die
tatsächlich druckübertragende Reifenfläche
unberücksichtigt bleibt. Da die exakte Kontakt-
fläche schwer zu bestimmen ist, wird n. Renius –
zum Vergleich von Maschineneinheiten mit Vor-
teil – als Hilfsgröße der Projektionsdruck als der
Quotient aus Radlast und Projektionsfläche des
Reifens verwendet. Tatsächlich stehen auf fester
Fahrbahn Projektionsdruck und Kontaktflächen-
druck in engem einfachen Zusammenhang, nicht
dagegen auf nachgiebigem Boden.
Für Entscheidungen des Praktikers auf dem
Feld im Hinblick auf eine "tolerierbare" Belastung
ist wichtig, dass auf abgesetzten Ackerböden der
Kontaktflächendruck in erster Näherung die
Spurtiefe bestimmt. An ihr liest der Landwirt die
Befahrbarkeit des Ackers ab, die maßgeblich von
dem Bodenzustand abhängt.
Die Analyse der
Bodenbelastung
ergibt, dass die Boden-
bearbeitung, insbesondere das Pflügen (wenn dabei in
der Furche gefahren wird), in erheblichem Maße zur
Gesamtbelastung beiträgt. Sehr hohe Belastungen treten
außerdem bei der Ernte der Hackfrüchte und der Acker-
futterpflanzen sowie bei der Ausbringung von Gülle und
Stallmist auf.Auch bei Übergabe des Erntegutes an
nebenherfahrende Transportfahrzeuge wird der Boden
stark belastet.
Die Vorbeugung gegen mögliche Bodenschadverdichtungen
sollte an solchen Belastungsschwerpunkten ansetzen.
Beanspruchung des Bodens
Infolge eines aufgebrachten Kontaktflächen-
druckes treten im Boden mechanische Spannun-
gen auf, deren Verlauf mit den Linien gleichen
Bodendruckes (sogen. Druckzwiebeln) angege-
ben werden können. Söhne (1953) hat grundle-
gende Arbeiten auf dem Gebiet der landtechni-
schen Bodenmechanik veröffentlicht sowie die
Spannungen im Boden für den landwirtschaftli-
chen Anwendungsfall berechnet und interpre-
tiert.
Für die in Abb. 7 betrachteten einfachsten Bei-
spiele einer senkrechten Radlast – die Berücksich-
tigung der Zugkraft hätte Druckzwiebeln zur
Folge, die zur Fahrtrichtung schräg nach hinten
verlaufen – sind einige grundsätzliche Aussagen
abzuleiten (Sommer, 1985):
Der Bodendruck wird mit größerer Tiefe abge-
baut, da er von immer mehr Bodenpartikeln
"mitgetragen" wird. Im Beispiel a) ist der Kon-
taktflächendruck von 1,0 bar in der Fahrspur
auf den Bodendruck von 0,1 bar in 1 m Tiefe
abgesunken.
Bei gleichem Kontaktflächendruck von 1,0 bar
hat die größere Radlast von 2 t im Beispiel b)
eine tiefere Fortpflanzung der 0,1-bar-Druck-
zwiebel im Vergleich zur geringeren Radlast
von 1 t im Beispiel a) zur Folge. Im Fall b) ist
der Bodendruck erst in 1,5 m Tiefe auf 0,1 bar
abgefallen.
Das bedeutet, dass für die Tiefenwirkung des
Bodendruckes bei
gleichem
Kontaktflächen-
druck die Radlast maßgebend ist. Schwere
Maschinen, Geräte und Transportfahrzeuge
Abb. 4: Bodenbelastung bei ausgewählten Maschinen und Arbeiten
(Olfe, 1995)
Abb. 5: Fahrzeugparameter von Zuckerrübenrodesystemen
(Brunotte et al. 2000)

image
18 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
beanspruchen den Boden bis in größere Tie-
fen, auch wenn sie im Vergleich zu leichten
denselben Kontaktflächendruck aufweisen.
Bei
gleicher
Radlast ist der Kontaktflächen-
druck für das Ausmaß des Bodendruckes in
der Ackerkrume ausschlaggebend. Das bedeu-
tet, dass bei unveränderter Radlast die Umrü-
stung von einem schmalen Reifen (Fall b) auf
einen breiteren oder Zwillingsreifen (Fall c)
weniger Auswirkungen auf die Tiefenwir-
kung zur Folge hat, als vielmehr auf die Min-
derung des Bodendruckes in Ober-
flächennähe. Erst durch "überproportionale"
Radverbreiterung (Terra-Reifen) lässt sich mit
erheblich reduziertem Kontaktflächendruck
auch die Tiefenwirkung verringern.
Auch hängt die Druckfortpflanzung von der
zeitlichen Dauer der Belastung sowie dem Was-
sersättigungsgrad des Bodens ab. Mit zunehmen-
der Fahrgeschwindigkeit reichen die Linien glei-
chen Druckes weniger tief in den Boden.
Schnelleres Befahren bedeutet demnach Boden-
schonung, vorausgesetzt, die Tragfähigkeit ent-
spricht mindestens der wirksamen Spannung.
Schließlich kommt der Überrollhäufigkeit
besondere Bedeutung zu: Wird der Boden durch
mehrfaches Befahren in derselben Spur mit glei-
cher Radlast und gleichem Kontaktflächendruck
wiederholt beansprucht, so entspricht dies einer
stufenweisen Erhöhung der Radlast. Der Boden-
druck steigt so, als wäre bei jeder Überfahrt die
Radlast erhöht worden (Abb. 8).
Um den
Bodendruck
zu mindern, war in jüngerer Zeit bei
steigendem Trend der Radlasten die Absenkung des Kon-
taktflächendruckes
die
Strategie gewesen (Breitreifen,
Bandlaufwerke, "low ground pressure"-Systeme). Aller-
dings ist dabei zu berücksichtigen, dass bei gleicher Rad-
last eine Absenkung des Kontaktflächendruckes weniger
Auswirkung auf die Tiefenwirkung als vielmehr auf die
Minderung des Bodendruckes in der Ackerkrume hat.
Unterbodenschadverdichtungen sind deshalb bei zuneh-
mender Radlast nur mit überproportionaler Reduzierung
des Kontaktflächendruckes vorzubeugen.
Den eigentlichen Schlüssel für das Problem unter feuch-
ten Bedingungen stellt jedoch die vernünftige Begren-
zung von Radlast, Kontaktflächendruck und Überroll-
häufigkeit dar.
3.1.4 Verbreitung von
Schadverdichtungen
Ruhm (1983) untersuchte die Bodendichte an
144 Ackerstandorten zu Anfang der 80er Jahre
und verglich die Ergebnisse auf denselben
Flächen mit Messungen aus den 50er Jahren
(Abb. 9). In der Krume liegt das Porenvolumen
wegen des geringeren Spurenanteils infolge
größerer Arbeitsbreiten nach 30 Jahren höher. Zu
beiden Zeitpunkten wurden Schlepperradsohlen-
verdichtungen nachgewiesen. Nach 30 Jahren
hatten sich Unterschiede ergeben: 1982 lag die
Sohle im Durchschnitt ca. 10 cm tiefer als 1952
und war ca. 3 Vol.-% dichter gelagert. Es wäre zu
prüfen, ob sich diese Tendenz bis 2002 fortsetzt.
Diese Abnahme des Porenvolumens unterhalb
der Bearbeitungsgrenze war die Folge höherer
Radlasten und Radschlupf insbesondere beim
Pflügen.
Sonderhoff (1988) führte Untersuchungen zur
Bodenstruktur unterschiedlich intensiv belasteter
landwirtschaftlicher Flächen durch. Stark befah-
rene Marschböden unter Ackernutzung heben
sich deutlich von natürlich belassenen Böden ab.
Schlepperradsohlen sind in Ackerflächen, welche
über Jahrzehnte gepflügt wurden, verbreitet
(Abb. 9); in sandigen Substraten sind sie beson-
ders stark ausgeprägt. Ausnahmen bilden stark
tonige Böden. Die Untersuchungen führen zu
dem Schluss, dass die Verdichtung insgesamt das
Abb. 6: Kontaktflächendruck in Abhängigkeit von der Aufstandsfläche bei gleicher Radlast von 2,6 t

image
image
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 19
Pflanzenwachstum nicht beeinträchtigt und nur
in mehrfach belasteten, schwer bearbeitbaren
Böden mit Luftmangel zu rechnen ist.
Eine umfassende Aufnahme und Beurteilung
von Bodeneigenschaften führten Horn et al.
(1991) durch. Sie untersuchten die mechanische
Belastbarkeit repräsentativer ackerbaulich
genutzter Böden und einiger Waldböden auf 37
Standorten. Sie kommen zu dem Schluss, dass
die unter Ackernutzung stehenden Böden dichte,
verfestigte Horizonte als Folge anthropogener
Eingriffe in die Bodenstruktur durch Befahrung
und Bodenbearbeitung aufweisen. Vor allem in
den Tiefenbereichen der Schlepperradsohlen (25
bis 30 cm) und darunter liegen Dichtezonen mit
reduzierten Durchlüftungsbedingungen und
hohen Eindringwiderständen vor.
Das Problem 'Schadverdichtung' ist in land-
wirtschaftlich genutzten Böden ein Phänomen,
das bewirtschaftungsbedingt und situationsspe-
zifisch auftritt, wenn der Boden unter feuchten
Bedingungen mit schweren Maschinen, Geräten
und Ackerwagen (Ernte im feuchten Spätherbst,
Gemüsebauflächen mit Beregnung u. a.) befahren
wird. Auch die Wirkung des Furchenrades beim
Pflügen ist hinsichtlich der Bildung von Schad-
verdichtungen ein wichtiger Faktor.
Niedermoore nehmen in Deutschland eine
Fläche von etwa 1 Mio. ha ein, darunter 450.000
ha in Nordostdeutschland (Prochnow et al.,
1999). Diese Standorte erfüllen wichtige ökologi-
sche Funktionen im Wasser- und Nährstoffhaus-
halt der Landschaft sowie als Lebensraum für
Pflanzen- und Tierarten. Sie werden überwie-
gend landwirtschaftlich und als Grünland
genutzt.
Niedermoorgrünland gehört zu den bewach-
senen organischen Böden. Diese sind hinsichtlich
ihrer Tragfähigkeit im Gegensatz zu minerali-
schen Ackerböden dadurch charakterisiert, dass
sich an der Oberfläche eine durchwurzelte
Schicht mit hoher Festigkeit befindet, während
der darunter liegende Torf eine wesentlich gerin-
gere Festigkeit aufweist. Die Zerstörung der
Grasnarbe durch mechanische Belastung führt
daher zu einer erheblichen Abnahme der Trag-
fähigkeit und ist sowohl aus fahrmechanischen
als auch aus ökologischen Gründen zu vermei-
den. Die kritische Fahrspurtiefe, bei der die Gras-
narbe durchbricht, ist abhängig von der Tiefe der
durchwurzelten Schicht und beträgt auf Nieder-
moorgrünland in der Mehrheit der Fälle 7 cm.
Abb. 8: Mehrfache Überrollung der gleichen Spur erhöht den Bodendruck
Abb. 7: Druckzwiebeln in drei verschiedenen Spuren (Bolling und Söhne, 1982)

image
20 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
Das angepasste Befahren von Niedermoor-
grünland ist vor allem ein ökonomisches Pro-
blem. Auch wenn die Technikanpassung anhand
der Standortbedingungen erfolgt und hinsicht-
lich der Kosten optimiert wird, entstehen Mehr-
aufwendungen. Erhebungen in Niedermoorge-
bieten Brandenburgs zeigen, dass der
vorhandene Technikbestand überwiegend hohe
und sehr hohe Belastungen verursacht. Damit
besteht zwangläufig die Notwendigkeit zur star-
ken Absenkung der Grundwasserstände
während der Bewirtschaftungszeitspannen mit
den entsprechenden negativen Folgen für die
Niedermoorstandorte. Technikanpassung ist
daher ein wesentliches Erfordernis für die Erhal-
tung und schonende Nutzung der Niedermoore.
Die Mehrkosten liegen weit unter früheren Schät-
zungen. Wenn angepasste Technik vorhanden ist,
wird deren Einsatz in Abhängigkeit von den
Standortbedingungen im Mittel um 24-52
DM/ha teurer als bei den gegenwärtig verwen-
deten Maschinen (DLG-Merkblatt 323, 2001).
Im Forst stellt die Bodenverdichtung ein Pro-
blem infolge von Maschinenbewegungen auf
Waldwegen, Rückewegen, Rückegassen und im
Bestand dar. Systematische, flächenhafte Erhe-
bungen gibt es für den Forstbereich nicht (Hilde-
brand, 1983; Matthies, 1999).
Verdichtungen in Weinbergsböden durch den
Einsatz schwerer Maschinen wie auch in den
Spezialkulturen Obst-, Gemüse- und Hopfenbau
nehmen zu. Regional begrenzt stellt die Boden-
verdichtung bei der landwirtschaftlichen Rekulti-
vierung im Braunkohletagebau ein Problem dar.
Bodenschadverdichtungen können ferner auf
Truppenübungsplätzen und bei lokalen Rekulti-
vierungs- und Baumaßnahmen auftreten. Hinter-
grund der in den 80er Jahren forcierten Erhebun-
gen war vor allem die beobachtete Ertragsun-
sicherheit als Folge physikalischer Bodenschäden
auf zahlreichen Produktionsschlägen in der unteren,
zeitweise nicht bearbeiteten, Ackerkrume und im
Krumenbasisbereich.
Der intensive Feldgemüsebau zeichnet sich
durch starke Belastungen infolge hoher Schlag-
kraft bei der Bodenbearbeitung, der Pflege und
der Ernte aus (Künkele, 1996). Der Anbau mehre-
rer Kultursätze hintereinander macht es nötig,
den Boden dann zu befahren, wenn es die Kul-
turarbeiten erfordern. Dabei kann nicht immer
Rücksicht auf eine günstige Bodenfeuchte
genommen werden. Das Gemüse wird im vollen
Wachstum geerntet, wodurch die potenzielle Ern-
teperiode bei vielen Kulturen nur wenige Tage
währt. Bei der Ernte wird der Boden zudem häu-
fig mit hohen Lasten befahren, da große Trans-
portmengen anfallen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass auch in
Freilandgemüsebaubetrieben mit einer Gefähr-
dung der Böden durch die Bewirtschaftung zu
rechnen ist (Rütemann, 1996). Um eine gute Boden-
qualität und Ertragsleistung der Böden nachhaltig
zu gewährleisten, kann der Praktiker zwischen
einer Vielzahl von Handlungsalternativen ent-
scheiden. Vorrangig sind zur Vermeidung von
Verdichtungen im Ober- und Unterboden die
Lasten gering zu halten und die Fahrzeugauf-
standsflächen zu vergrößern. Dem Freiland-
gemüseanbauer bleibt ein weiter Handlungs-
spielraum in Bezug auf das Anbauverfahren, die
Verfahrenstechnik und die fahrzeugtechnischen
Parameter, durch die er zu einer Reduzierung der
Bodenverdichtungen beitragen wird. Um einen
entscheidenden Schritt in Richtung umweltscho-
nende Kulturtechniken zu gehen, ist eine Abstim-
mung des Produktionsverfahrens auch im Hin-
blick auf bodenschonende Maßnahmen
(geeignete Anbauplanung und Geräteauswahl)
nötig, wobei jeder Betrieb entsprechend der eige-
nen Möglichkeiten dazu beitragen kann.
Für Löss- und lehmige (tonige) Verwitterungs-
böden wurde ein diagnostisches Konzept ent-
wickelt, das zur Stützung einer morphologischen
Gefügebewertung neben der Bodendichte bzw.
Porositätsparameter die Einbeziehung eines Leit-
fähigkeitparameters (gesättigte Wasserleitfähig-
keit, kf) wegen der hier ausgeprägten Gefügeab-
hängigkeit des Regulationsvermögens beinhaltet
(Gullich et al., 1990). Für Sandstandorte hingegen
Abb. 9: Bodendichte und Porenvolumen in Ackerkrumen und Unterböden:
ein tendenzieller Vergleich auf 144 Standorten in Niedersachsen (n. Ruhm;
zit. von Sommer, 1985)

image
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 21
erwies sich die Verwendung der Bodendichte
oder auch des Durchdringwiderstandes als aus-
reichend. Ergebnisse von Schlaguntersuchungen
auf Areale gleicher Bodengruppierung zu über-
tragen, war unter genossenschaftlichen Produkti-
ons- und Bodennutzungsbedingungen ein
methodisch sinnvoller Ansatz.
Auf der Basis der mittelmaßstäbigen land-
wirtschaftlichen Standortkartierung schätzte
Schmidt (1990) die von Verdichtung der Krumen-
basis ("Schlepperradsohle") und des Unterbodens
betroffene Fläche auf etwa 28 % der LF. Am Bei-
spiel der Bundesländer Thüringen und Sachsen
zeigt Tabelle 2 die aus Felduntersuchungen hoch-
gerechnete Verbreitung nutzungsbedingter
Schadverdichtung, definiert durch < 10 Vol.-%
Luftkapazität und < 10 cm/Tag gesättigte Was-
serleitfähigkeit, in vier Bodenregionen (Werner
und Reich, 1993).
Einschätzungen der Verbreitung und des Ausprägungsgrades
von Schadverdichtungen in Deutschland bezogen sich meist
auf den Bodenhorizont direkt unterhalb der Bearbeitungs-
tiefe. Schlepperradsohlen zunehmender Mächtigkeit und
Verbreitung wurden untersucht und über Jahre sogenannte
Raddruckversuche durchgeführt, um Auswirkungen auf
Bodengefüge und Pflanzenertrag festzustellen. Aus den
80er Jahren liegen Angaben vor, wonach vor dem Einzug
neuer Technik ein hoher Anteil der Ackerfläche als kru-
menbasisverdichtet einzustufen war. Die Auswirkungen
auf den Pflanzenertrag wurden unter Berücksichtigung
der jährlich durch Raddruck betroffenen Ackerkrume mit
10-25 % Verlust angegeben. Beim Niedermoorgrünland,
im Gartenbau und im Forst liegen spezielle Bedingungen
und Probleme vor.
3.1.5 Schadverdichtungen im
Unterboden – ein EU-Lösungsansatz
Mit zunehmenden Radlasten steigt die Gefahr
von Bodenschadverdichtungen im Unterboden
(unterhalb der üblichen Bearbeitungstiefe) insbe-
sondere deshalb, weil die Bodenfeuchte zum
Zeitpunkt des Befahrens vom Landwirt dort
noch weniger eingeschätzt werden kann als in
der Ackerkrume.
Im Rahmen einer "EU-Concerted Action on
Subsoil Compaction" ist dieses Problem in drei
Workshops diskutiert sowie der Stand der Kennt-
nisse veröffentlicht (Horn et al., 2000) worden.
Die Überlegungen der Arbeitsgruppe "Equip-
ment and field practices to avoid subsoil compac-
tion" der genannten EU-Aktivität (Chamen et al.,
2001) zielen auf praktikable Entscheidungshilfen.
Die Anfälligkeit von Böden gegenüber Verdich-
tung aufgrund von Textur und Packungsdichte
(susceptibility soil texture, packing state) sowie
die Empfindlichkeit (Sommer, 1974) unter Einbe-
ziehung der Bodenfeuchte (vulnerability wetness
state) rücken in den Vordergrund. Wäre eine ent-
sprechende Bodenzustandsklassifizierung mit
maximalen Werten für den Reifeninnendruck,
der vom Fahrer von Landmaschinen leicht zu
kontrollieren und heute auch technisch zu regeln
ist (Reifeninnendruckregelungsanlagen), zuzu-
ordnen (Abb. 10), könnten (über Reifentabellen)
max. Radlasten vorgegeben werden. Die Reifen-
industrie bekäme Anreize, noch bodenschonen-
dere Reifen zu entwickeln.
Dieser anwendungsorientierte Lösungsansatz
versteht sich als eine notwendige Ergänzung/Alter-
native zu Ergebnissen von Modellen, solange
letztere unter Praxisbedingungen nicht ausrei-
chend validiert sind. Auf diesem Wege kann die
Akzeptanz für Vorsorgestrategien in Landwirt-
schaft und Beratung verbessert werden.
Tab. 2:Verbreitung technogener Schadverdichtungen in Thüringen und Sachsen (Anteil der Bodengruppen in %, n.Werner u. Reich, 1993)
Tiefe
Löss-Gebiet
Flussauen
Buntsand-
Mittel-
cm
steingebiet
gebirgsraum
Schwarzerden Parabraunerden
Auelehme
Braunerden
Braunerden
Pseudogleye
Ranker
Pseudogleye
(mit Skelett)
20-30
30...40
10
20
35
0...5
30-40
20...30
0...5
10...15
30
0...5
40-50
2...5
0
0
5
0
Abb. 10: Klassen zunehmender Verdichtungsempfindlichkeit und Zuordnung
max. Reifeninnendrücke

22 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
3.1.6 Modelle zur Abschätzung der
potenziellen Verdichtungsgefährdung
Mathematische Modelle dienen der Problemana-
lyse und werden zur Beschreibung und Vorhersa-
ge von Bodenverdichtung mit dem Ziel verwen-
det, aufwendige Messungen einzuschränken und
das Verhalten des Bodens zu simulieren (Dürr et
al., 1995). Die Analyse des Gefährdungspotenzi-
als soll Erkenntnisse liefern, auf welchen Flächen
und wie häufig Verdichtungsgefahr eintritt. Eine
Verminderung der Eintrittswahrscheinlichkeit
wirkt mittel- und langfristig bodenschützend,
und daraus abgeleitete Maßnahmen haben des-
halb Vorsorgecharakter.
Böden haben in Abhängigkeit von ihren
Eigenschaften unterschiedliche Empfindlichkeiten
gegenüber mechanischen Belastungen. Zustand
und Prozesse der Verdichtung hängen von einer
Vielzahl von Bodeneigenschaften (Bodenart, Humus-
und Carbonatgehalte, Steingehalte und die Feuch-
tesituation u. a.) sowie der Auflast ab. Die Dar-
stellung der potenziellen Verdichtungsempfindlich-
keit in verfügbaren Karten wird über die Bodenart
abgeleitet und kennzeichnet Standorte mit Böden
hoher Verdichtungsempfindlichkeit (Niedersäch-
sisches Amt für Bodenforschung, 1999). Es werden,
ausgehend von unterschiedlichen Datengrundla-
gen, verschiedene Schätzmodelle erarbeitet, deren
Anwendung derzeit erprobt wird.
Im Folgenden werden drei Verfahren
beschrieben, die heute besonders in der Diskussi-
on stehen und in gewissem Umfang empirische
Modellansätze benutzen.
3.1.6.1 Das Verfahren
"Vorbelastung"
Die Abschätzung horizontspezifischer Bodensta-
bilität wird in einem Verfahren nach DVWK
(1995) mittels der sogen. Vorbelastung vorgenom-
men. Die Vorbelastung (kPa) wird aus einem
Drucksetzungsdiagramm über den einaxialen
Druckversuch bestimmt. Die Setzung wird dabei
gegen den Logarithmus des zugehörigen Drucks
aufgetragen. Die Vorbelastung wird dann nach
dem Casagrande-Verfahren als derjenige Punkt
der Drucksetzungskurve ermittelt, bei dem die
Wiederverdichtungsgerade in die Erstverdich-
tungsgerade übergeht. Sie stellt ein Maß dar für
die unter den gegebenen Versuchsbedingungen
maximale, vertikale Belastbarkeit, bis zu der noch
eine reversible Bodenverformung stattfindet.
Eine bleibende Zunahme der Verdichtung findet
erst bei Belastungen oberhalb der Vorbelastung
statt. Neben der Messung wird die Vorbelastung
auch für zwei Feuchtestufen (feu 4 = pF 1.8 und
feu 3 = pF 2.5) anhand multipler Regressionsglei-
chungen angegeben.
Der im Boden wirksame, vertikale Druck
unter Fahrzeugen wird nach dem Newmark-Ver-
fahren unter der Annahme einer kreisrunden Rei-
fen-Boden-Kontaktfläche berechnet. Durch
Gegenüberstellung des Bodendrucks mit der Vor-
belastung sollen die Belastungsparameter Radlast
und Kontaktfläche korrigiert werden, die in die-
sem Modellansatz alleine den Kontaktflächen-
druck bestimmen. Dieser Ansatz wird derzeit
vom DVWK für die Aufstellung von Richtwerten
zum Schutz des Unterbodens weiter verfolgt.
Das Konzept 'Vorbelastung' basiert auf dem
Grundgedanken, den aktuellen Zustand des
Bodengefüges zu erhalten und weitere Verdich-
tungen nicht zuzulassen. Es ist das einzige Kon-
zept, das eine rein mechanische Gefügebeurtei-
lung durchführt. Aus der Sicht der praktischen
Anwendung des Konzeptes sind einige Fragen
noch zu klären:
a) Die Druckberechnung nach Newmark basiert
auf der Annahme einer starren, kreisrunden
lastübertragenden Kontaktfläche. Eine boden-
schonende Kraftübertragung durch sich ver-
formende Reifen findet keine Berücksichti-
gung. Dadurch kann es zur Überschätzung
des Bodendrucks kommen. Die daraus
berechneten maximal zulässigen Kontakt-
flächendrücke sind dann nicht realistisch. Das
hat eine Empfehlung von sehr geringen Rad-
lasten zur Folge. Im Gelbdruck des DVWK-
Merkblattes zur Gefügebeurteilung Teil III
werden deshalb mit der Methode maximal
tolerierbare Radlasten von 0,4-2,3 t angege-
ben, mit denen heutige Landbewirtschaftung
kaum möglich ist.
b) Eine möglicherweise bereits geschädigte
Bodenstruktur, z. B. bei sehr hoher Vorbela-
stung, würde nicht als Bodenstrukturschaden
erkannt und konserviert, anstatt regenerative
Maßnahmen einzuleiten.
c) Bei der Verwendung des Vorbelastungskon-
zeptes muss Berücksichtigung finden, dass
eine Betrachtung der mechanischen Bodenre-
aktion allein auf der Basis des vertikalen
Spannungseintrags und der vertikalen Verfor-
mung nicht vollständig ist. Die Effekte von
Scherbelastungen und Knetungen bleiben
unberücksichtigt, spielen aber für die Gefüge-
beanspruchung eine wesentliche Rolle.
d) Schließlich muss bei der Verwendung des Vor-
belastungskonzeptes bedacht werden, dass
die Ermittlung der Vorbelastung im halbloga-
rithmischen Maßstab nicht ganz exakt mög-
lich ist. Auch die Vorbelastungsmessung ist
nur eine größenordnungsmäßige Einstufung.
Bei der Verwendung von multiplen Regressi-
onsgleichungen wird die Unschärfe des Para-
meters noch verstärkt. Das Regressionsmodell
im DVWK-Merkblatt 234 (1995) wurde von
Lebert (1989) für Anwendungen im Kartie-
rungsmaßstab von 1:50.000 und 1:25.000 ent-

Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 23
wickelt und kann nicht bedingungslos für die
Verwendung im Feldmaßstab herangezogen
werden.
Das Verfahren 'Vorbelastung' schätzt die potenzielle Ver-
dichtungsgefährdung eines Bodens bei einer Feuchte von
100 % Feldkapazität ab.
Mit entsprechendem Kartenmaterial kann das Konzept
von der landwirtschaftlichen Beratung unter Beachtung
der o. g. Punkte für die Erarbeitung von mittel- bis lang-
fristigen Überlegungen zur Vorsorge gegen Bodenschad-
verdichtungen herangezogen werden.
3.1.6.2 Das Verfahren
"Belastungsquotient"
Das Konzept 'Belastungsquotient' ist eine Wei-
terentwicklung des Konzeptes 'Vorbelastung'
unter stärkerer Berücksichtigung praxisrelevanter
Belange. Mit dem Verfahren wird ein Beratungs-
ansatz gewählt, der von der potenziellen Ver-
dichtungsgefährdung und vom Vorsorgeprinzip
ausgeht und vorbeugende Maßnahmen gegen
das Eintreten schädlicher Bodenveränderungen
in den Mittelpunkt der Beratung stellt.
Bei diesem Ansatz werden die Verdichtungsri-
siken voreingeschätzt. Als Gefährdungsmaß
dient der Druckbelastungsquotient. Dieser ergibt
sich aus einer Einschätzung der Druckbelastbar-
keit nach Modellen von Lebert (1989) und der
Druckbelastung, die sich aus der Fahrzeugmasse
einschließlich der Masse der Anbaugeräte bzw.
der Zusatzbelastung der Hinterachse, aus dem
Zugwiderstand der gezogenen Geräte, der Auf-
standsfläche der Bereifung und der Spannungs-
ausbreitung im Boden nach dem Modell von
Söhne (1953) ergibt.
Söhne und Lebert berücksichtigten in Verfor-
mungsexperimenten Einflussfaktoren wie die
Bodenfeuchte, die Bodenart, die Bodendichte
und vor allem den Gefügezustand. Paul (1993)
hat den Ansatz so modifiziert, dass die Druckbe-
lastbarkeit an der Untergrenze des optimalen
Gefügezustandes beschrieben werden kann.
Damit wird weder ein unnötig lockerer Bodenzu-
stand gefordert noch eine bereits bestehende
Schadverdichtung konserviert, sondern jener
Gefügezustand des Bodens angestrebt, der eine
ausreichende Luftkapazität und Wasserleitfähig-
keit garantiert.
Der Druckbelastungsquotient wird für bela-
stungsintensive Arbeiten berechnet. Dabei wer-
den zwei Bodenfeuchtestufen unterstellt, die sich
aus der langjährigen örtlichen Niederschlagsver-
teilung und dem Zeitpunkt der Arbeiten ergeben,
bei dem Bodenwassergehalte bei pF 2.5 und 75 %
bzw. 50 % dieses Wassergehaltes vorliegen. Aus-
genommen sind die Arbeiten, die mit hoher
Wahrscheinlichkeit nicht zu einer dieser Boden-
feuchtesituationen durchgeführt werden. Der
Bodenfeuchtegehalt bei pF 1.8 wird ausgeschlos-
sen, weil die bindigen Böden (Schwarzerden und
Parabraunerden der Thüringer Bucht) bei diesem
Wassergehalt augenscheinlich nicht befahrbar
sind. Es wird die Spannungssituation in 15 cm
(bzw. für die für den Arbeitsgang 'Pflügen' in 30
cm) Bodentiefe berücksichtigt.
Das Verfahren 'Druckbelastungsquotient' ermöglicht eine
Abschätzung der potenziellen Verdichtungsgefährdung
(= Risiko einer Gefügeschädigung) unter Berücksichtigung
von Boden, Klima, Produktionsverfahren sowie der ange-
wandten Landtechnik.
Aus den erkannten Gefährdungsschwerpunkten können
Handlungsempfehlungen zur Vorsorge abgeleitet werden.
3.1.6.3 Das Verfahren "SchadVerdich-
tungsGefährdungsKlassen (SVGK)"
Bei dem Verfahren 'SVGK' bemessen Petelkau
et al. (2000) Schadverdichtungen qualitativ und
quantitativ mittels substratspezifischer "Bereiche
der optimalen Lagerungsdichte" für Ackerkru-
men der Grundmoränenlandschaft Branden-
burgs. Innerhalb dieser Lagerungsdichtebereiche
sind die bodenphysikalischen Parameter wie Makro-
porenanteil, Wasserhaltevermögen, Leitfähigkeit
für Luft und Wasser und Diffusibilität auf einem
Niveau, das gute Durchwurzelbarkeit und hohe
Pflanzenerträge ermöglicht, wie in langjährigen
Vegetationsversuchen nachgewiesen wurde.
Der Ansatz geht davon aus, Kontaktflächen-
drücke, Radlasten und Überrollhäufigkeit stan-
dortabhängig so zu bestimmen, dass bei Einhal-
tung von Richtwerten mit großer Wahrschein-
lichkeit keine Schadverdichtungen in Unterböden
hervorgerufen werden. Außerdem sollen durch
Befahren verursachte Verdichtungen der Acker-
krume so begrenzt werden, dass sie sich durch
Bodenbearbeitung und Witterungseinflüsse kurz-
fristig beseitigen lassen.
Grundlage der Richtwerte für die zulässige
Bodenbelastung durch Fahrwerke bilden die
Ergebnisse von umfangreichen Kompressions-
und Scherversuchen, bei denen das druck- und
feuchteabhängige Verdichtungsverhalten unter-
schiedlicher Böden bei Momentbelastung ermit-
telt wurde. Für die Modellierung der Druckfort-
pflanzung im Boden sind die Verfahren von
Newmark und Belkowski et al. (1989) angewen-
det worden. Danach könnte grundsätzlich die
Belastbarkeit für jeden Boden und für jeden
Feuchtezustand ermittelt werden. Aus Gründen
der praktischen Anwendbarkeit sind die Böden
nach ihrer differenzierten Belastbarkeit jedoch in

24 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
fünf Schadverdichtungsklassen (SVGK) geglie-
dert worden. Dem zwingenden Gebot des vor-
beugenden Bodenschutzes folgend, können und
sollten (nach Petelkau et al., 2000) für diese
SVGK Landmaschinen und Transportfahrzeuge
mit spezifischer Eignung für die Einhaltung der
jeweiligen zulässigen Belastung aus dem verfüg-
baren Maschinenpark zugeordnet bzw. in
Zukunft entwickelt werden.
Das Verfahren 'SVGK' schätzt für Standortverhältnisse der
Grundmoränenlandschaft die potenzielle Verdichtungsge-
fährdung ab. Gemessen an substratspezifischen Lage-
rungsdichtegrenzwerten, wird die zulässige Fahrwerksbe-
lastung (Kontaktflächendruck, Radlast, Überrollhäufigkeit)
im jeweils vorliegenden Bodenfeuchtezustand mittels
Tabellen und Berechnungsformeln ermittelt.
Im Sinne des vorbeugenden Bodenschutzes soll das Ver-
fahren vor allem eine mittelfristige Entscheidungshilfe für
die Ausrüstung der Betriebe mit bodenschonenden Ma-
schinen und Transportmitteln sowohl für den betrieblichen
als auch für den überbetrieblichen Einsatz sein.
3.1.7 Technische Entscheidungshilfen
zur aktuellen Befahrbarkeit in situ
Nach heutigem Kenntnisstand können den
Landwirten auf der Basis von Ergebnissen von
Modellberechnungen zur Einschätzung der
potenziellen Gefährdung kurz- bis mittelfristige
Vorsorgemaßnahmen empfohlen werden. Aller-
dings stehen heute für die Praxis kaum technische
Hilfsmittel zur Verfügung, mit denen ein Land-
wirt im konkreten Fall vor bzw. während des
Befahrens eines Feldes seinen Entscheidungs-
spielraum (ja/nein, automatisches Absenken des
Reifeninnendruckes, Bunkerkapazität bei der
Ernte nicht voll ausschöpfen, u. a.) ausnutzen
könnte. Das liegt an dem Umstand, dass heute
kein Messverfahren zur Verfügung steht, das
auf dem Feld dem Fahrer die Empfindlichkeit
des Bodens gegenüber Befahren anzeigt oder gar
in einen Regelkreis einfließen lässt. Die aktuelle
Bodenfeuchte wird derzeit in keinem der skiz-
zierten Modellverfahren einbezogen.
Näher an der Praxis liegt ein Verfahren, mit
dem als erste Zwischenlösung die Spurtiefe kon-
tinuierlich gemessen (s. Abb. 19) und zur Anzeige
in der Fahrerkabine gebracht wird. In der Spurtiefe
fließen mehrere Einflussfaktoren, die für Boden-
schadverdichtungen maßgeblich sind (wie Rad-
last, Reifenbauart, Reifeninnendruck, Ausgangs-
lagerung des Bodens, Bodenfeuchte), zusammen.
Erste Ergebnisse zeigen, dass eine solche Ent-
scheidungshilfe von den Landwirten angenom-
men wird (Brunotte et al., 2000).
3.1.8 Schlussfolgerungen aus dem
Sachstand
Das Problem Bodenschadverdichtung kann
heute nicht als gelöst dargestellt werden. Dies
liegt insbesondere an den sehr komplexen Syste-
men "Fahrzeug-Boden" und "Boden-Pflanze", in
deren Zentrum der Boden mit seinen unter-
schiedlichen physikalischen, chemischen und
biologischen Eigenschaften steht. Die Komple-
xität erschwert die Aufklärung der direkten
Beziehungen zwischen der Wirkung, die von
einem Laufwerk auf den Boden ausgeübt wird,
und den Auswirkungen auf die Bodenfunktio-
nen. Unter dem Blickwinkel pflanzenbaulicher
Produktionsverfahren wirkt sich Bodenschadver-
dichtung auf physikalische Kennwerte und damit
auf die Produktions-, Regelungs- und Lebens-
raumfunktion negativ aus.
In der Landwirtschaft dient der Ackerboden
dem Pflanzenwachstum und als Fahrbahn für
Maschinen/Geräte. Der Trend zunehmender
Radlasten (heute bis zu 12 t) kann beim Einsatz
unter feuchten Bodenbedingungen in der Acker-
krume und im Unterboden zu Schadverdichtun-
gen führen, denen im Sinne einer nachhaltigen
Landwirtschaft vorgebeugt werden muss.
Schadverdichtungen in der Krumenbasis haben
in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen.
Solche (nach dem Befahren) festzustellen, ist mit
bekannten bodenphysikalischen Messmethoden
möglich. Mit empirischen Modellen unterschied-
licher Ansätze wird versucht,
Gefährdungspo-
tenziale für Bodenschadverdichtungen
abzu-
schätzen. Daraus können kurz- bis langfristige
Maßnahmen im Sinne der Vorsorge abgeleitet
werden.
Vorgeschlagene Richtwerte (etwa zur Radlast
in t bzw. zum Kontaktflächendruck in bar nach
den Verfahren 'Vorbelastung' bzw. 'SVGK') zur
mechanischen Belastbarkeit von Ackerböden
erfüllen die Kriterien für die Umsetzung als 'gute
fachliche Praxis' derzeit nicht. Sie bedürfen noch
einer umfassenden Validierung und einer
Erfolgskontrolle der aus den Modellen abgeleite-
ten quantitativen Empfehlungen unter Feldbe-
dingungen auf verschiedenen Standorten.
In-situ-Entscheidungshilfen zur
aktuellen
Belastbarkeit
müssen den Bodenfeuchtezustand
während des Befahrens und damit die spezifi-
schen Situationen auf dem Feld einbeziehen
(Abb. 11). Für bodenschutzorientierte Landbe-
wirtschaftung sind technische (DLG-Arbeitsun-
terlage, 2001) und ackerbauliche Lösungen
bekannt (heute im Betrieb machbar bzw. mittel-
fristig anwendbar, KTBL, 1998), deren Akzeptanz
noch verbessert werden muss. Hinzu kommen
Lösungsansätze, die es weiterzuentwickeln gilt
(KTBL, 1998 ). Diese Ansätze müssen standort-

image
image
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 25
und betriebspezifisch zu einem Konzept für
bodenschonendes Befahren zusammengeführt
werden (Sommer, 1998).
Im Folgenden werden Konzept und Einzel-
maßnahmen erläutert und Lösungsansätze, die
praxisgerecht umzusetzen wären, aufgezeigt.
3.2 Maßnahmen der guten
fachlichen Praxis zur Vorsorge gegen
Bodenschadverdichtungen
3.2.1 Handlungsempfehlungen
zum Konzept für bodenschonendes
Befahren
Literaturanalysen (Sommer, 1974; Dürr et al.,
1995; KTBL, 1998) und Erfahrungen aus der Pra-
xis haben dazu geführt, ein Konzept aus vier
Bausteinen zusammenzustellen (Sommer, 1998):
Anwendung und Weiterentwicklung techni-
scher Möglichkeiten
Anpassung der Arbeitsverfahren
Verbesserung der Tragfähigkeit des Bodens
Begrenzung der mechanischen Bodenbela-
stung.
Das vorgeschlagene Konzept "Bodenschonen-
des Befahren" (Abb. 12) zeigt dem Landwirt bzw.
Berater Handlungsempfehlungen auf, die
betriebs-, standort- und teilflächenspezifisch zur
Anwendung kommen können.
3.2.1.1 Anwendung und Weiterent-
wicklung technischer Möglichkeiten
Der Verringerung des Kontaktflächendruckes (in
der Berührungsfläche Fahrwerk/Boden) wurde
in jüngerer Zeit große Aufmerksamkeit geschenkt.
Zu den schon lange bekannten Gitter- und Zwil-
lingsrädern kamen Breit- und Terra-Reifen hinzu.
Die
Vergrößerung der Radaufstandsfläche
hat
bei gleicher Radlast die Verringerung des Kon-
taktflächendruckes zur Folge (Abb. 13).
Dies führt zu geringerem Bodendruck insbe-
sondere in der Ackerkrume. Großvolumige Rei-
fen können heute bei einem Kontaktflächendruck
von 1 bar (100 kPa) Radlasten bis 5 t abstützen.
Jüngere Entwicklungen sind Gummibandlauf-
werke , Dreispurfahrzeuge und Fahrwerke mit
Knickgelenk, welche die Gesamtlast auf breite
Aufstandsfläche bzw. auf drei, vier oder fünf
Terra-Reifen über die gesamte Fahrzeugbreite
verteilen (Abb. 14). Dies schont auch aufgrund
geringerer Überrollhäufigkeit den Boden und
hinterlässt eine ebene Ackeroberfläche mit positi-
ven Folgen für eine sich anschließende Bestel-
lung.
Weitere Möglichkeiten können helfen, das
Problem zu mindern. Dazu gehören die
regelba-
re Anpassung des Reifeninnendrucks
an den
Zustand der Fahrbahn (Boden, Straße), wobei auf
dem Ackerboden möglichst niedrige Reifenin-
nendrücke (Tab. 3) anzustreben sind, der Einsatz
von Aufsattel- statt Anbaugeräten und die Ver-
wendung von Anhängegeräten (z.B. Anhänge-
spritze) zur Reduzierung der Hinterachslast des
Traktors (z. B. Aufsattelgrubber, -pflug) sowie der
Allradantrieb und eine Schlupfanzeige.
Abb. 11: Zur guten fachlichen Praxis: Grundsätze, Gefährdungspotenziale
und aktuelle Entscheidungshilfen im Falle des Problembereichs
'Bodenschadverdichtung'
Abb. 12: Die vier Bausteine des Konzeptes für bodenschonendes Befahren
(Sommer, 1998)
zur

image
image
26 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
3.2.1.2 Anpassung von
Arbeitsverfahren
Die bekannten und weiterzuentwickelnden Mög-
lichkeiten sind wie folgt zusammenzufassen
(KTBL, 1998):
Fahren außerhalb der Furche beim Pflügen
(Onland-Pflügen)
Die heute angebotenen Pflüge verfügen auch
schon bei geringen Arbeitsbreiten (3-scharig)
über Vorrichtungen, die sowohl das Fahren in
der Furche, als auch außerhalb der Furche erlauben.
Wird außerhalb der Furche gefahren, kommt es
zu einer geringen Beanspruchung des Unterbo-
dens (Abb. 15). Evtl. Krumenverdichtungen wer-
den durch die Bodenbearbeitung wieder aufge-
brochen. Probleme für die Traktion ergeben sich
nur bei sehr lockerem bzw. feuchtem Oberboden.
Der erhöhte Schlupf führt zur Zerstörung der
Oberflächenkrümel. Dann ist es sinnvoller, in der
Furche zu fahren, um über eine gute Verzahnung
von Reifen und Furchenkanten ausreichend Zug-
kraft zu entwickeln (Herbst 1998). Die Lenkhilfe
für das Onland-Pflügen ist nach wie vor eine
wichtige Forderung.
Zusammenlegen von Arbeitsgängen – Grundbo-
denbearbeitung und Bestellung in einem Arbeits-
gang
Leistungsstarke Schlepper mit ausreichender
Hubkraft ermöglichen die Einsparung von
Arbeitsgängen durch Gerätekopplung. Dies dient
primär den Zielen Kosteneinsparung und Boden-
schonung. Besonders bei konservierender Boden-
bearbeitung können Grundbodenbearbeitung,
Saatbettbereitung und Aussaat in einem Arbeits-
gang durchgeführt werden (Abb. 16):
Zur Bodenschonung fährt der Schlepper mit
Breitreifen.
Abb. 14: Das Knickgelenk ermöglicht die Abstützung der Gesamtlast auf
fast die gesamte Arbeitsbreite
Abb. 13: Gemessener Bodendruck unter drei verschiedenen Reifen bei einer
Radlast von 6,8 t und Reifeninnendruck Pi = 2.4, 1.3, 1.2 bar (von links)
Radlast
Fahrbahn
Reifenart
pi (bar)
3 t
Straße
18.4 R 38
1,6
Acker
0,8
Straße
650/65 R 38
0,98
Acker
0,5
Straße
800/65 R 32
0,5
Acker
0,5
6 t
Straße
18.4 R 38
4,41
Acker
2,98
Straße
650/65 R 38
2,9
Acker
1,9
Straße
800/65 R 32
1,7
Acker
1,1
Tab. 3: Richtwerte für minimale Reifeninnendrücke pi (bar) gängiger Reifen

image
image
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 27
Mit dem Schichtengrubber erfolgt die scho-
nende Lockerung bis auf die eingestellte Tiefe
(oft ist eine krumentiefe Lockerung 1x in der
Rotation ausreichend). Der gelockerte Boden
wird bei der Bestellung nicht mehr befahren.
Er kann durch die Wurzeln der Folgefrucht
stabilisiert werden.
Der Kreiselgrubber vermischt organische
Rückstände mit dem Boden und ebnet die
Oberfläche ein.
Durch die Keilringwalze erfolgt eine streifen-
weise Rückverfestigung in der Saatzeile. Dies
verbindet kapillaren Wasseraufstieg für die
Keimung mit hoher Infiltrationsleistung für
Niederschläge in den Zwischenräumen.
Die Rollschare legen die Saat in der rückverfe-
stigten Saatzeile ab und der Striegel bedeckt
sie mit Boden und Rückständen.
Die Kraftstoffverbrauch liegt bei dieser Kopp-
lung der drei pfluglosen Arbeitsgänge um 50 %
niedriger als bei der Grundbodenbearbeitung mit
Pflug und anschließender Bestellsaat. Bei scho-
nender Lockerung erfolgt eine 2-malige Überrol-
lung mit 43 % Spurflächenanteil und bei konven-
tioneller Bestellung eine 4-malige Überrollung
bei 130 % Spurflächenanteil.
Der Einsatz moderner Köpfsysteme (Integral-
schlegler bzw. herkömmlicher Schlegler mit
wechselseitigem Blattauswurf) ermöglichen das
Zuckerrübenroden von einer Seite. Mit der
beschriebenen pfluglosen Technik ist die Weizen-
bestellung unmittelbar neben dem Roder mög-
lich. Dies mindert das Wetterrisiko und erlaubt
eine termingerechte Bestellung von Minutenbö-
den.
Auch 'Schlagkraft vorhalten' hilft, Bodenver-
dichtungen vorzubeugen, da bei feuchten Bedin-
gungen auf das Befahren und Bearbeiten verzich-
tet werden kann. Hier stellen die Standort-
verhältnisse (Sand, Lehm, Ton und Niederschlag-
scharakteristik) sehr unterschiedliche Bedingun-
gen. Tonböden mit 800 mm Jahresniederschlag
verlangen vom Betrieb die doppelte Schlagkraft
im Vergleich zum Sand bei 500 mm Nieder-
schlag. Hohe Schlagkraft läuft den Bemühungen
von Kosteneinsparung entgegen. Wer jedoch
Kosten einspart durch geringe Schlagkraft, ris-
kiert Bodenverdichtungen und hohe Terminko-
sten bei der Arbeitserledigung. Jeder Betrieb hat
für seine Standortbedingungen ein ausgewoge-
nes Maß zu finden.
Einsatz zapfwellenangetriebener Geräte
Gezogene Saatbettkombinationen zeichnen sich
durch geringen Verschleiß der Werkzeuge und
Abb. 15: Onland-Pflügen (links): der Bodendruck ist in 40 cm Tiefe geringer als beim Fahren in der Furche unter dem Furchenrad (rechts)
Abb. 16: Nichtwendende Bodenlockerung bis max. einschließlich der
Krumenbasis bei Mulchsaat

image
85-kW-Standardtraktor
60-kW-Systemtraktor
60-kW-Standardtraktor
+ 1.200-l-Anbauspritze
+ 1.600-l-Aufbauspritze
+ 2.500-l-Anhängespritze
Radlast
v
570
1.300
1.870
1)
h
3.080
2.320
2.030
2)
Bereifung
Pflege
Normal
Pflege
Normal
Pflege
Normal
Reifengröße
v
11.2 R 28
14.9 R 26
9.5 R 36
16.9 R 28
9.5 R 44
16.9 R 34
h
11.2 R 48
18.4 R 38
9.5 R 36
16.9 R 28
9.5 R 44
16.9 R 34
Aufstadsfläche
v
1.200
1.780
1.130
2.230
1.200
2.450
(cm
2
)
h
1.300
2.660
1.130
2.230
1.200
2.450
Kontaktflächendruck
v
0,5
0,3
1,2
0,6
1,6
0,8
8bar)
h
2,4
1,1
2,1
1,0
1,7
0,8
Spurtiefe
(cm)
13,7
4,9
3)
3)
3)
3)
28 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
hohen Zugkraftbedarf aus. Die Zerkleinerungsar-
beit ist durch Werkzeugform und Fahrgeschwin-
digkeit zu erreichen. Dabei kann die struktur-
schädigende Schlupfwirkung der Antriebsräder
zunehmen. Sandige bis lehmige Böden sind i. d.
R. in einer Überfahrt saatfertig, so dass bei einer
Kopplung mit der Sämaschine keine zusätzlichen
Überrollungen entstehen.
Wenn mehr als zwei Überfahrten für einen
saatfertigen Acker erforderlich sind (z. B. Tonbö-
den), kann der Einsatz zapfwellenangetriebener
Eggen sinnvoll sein. Durch die Variation der Zin-
kengeschwindigkeit auf das 2- bis 3-fache im Ver-
gleich zu gezogenen Eggen sind bei mittlerer
Bodenfeuchte in einer Überfahrt Saatbettberei-
tung und Saat möglich.
Sommer- statt Herbst- oder Winterfurche
Auf Standorten, auf denen gepflügt wird, ist über
den Zeitpunkt nachzudenken. Pflügen in den
feuchten Herbstmonaten kann zu Krumenbasis-
verdichtungen und zu Bodendruckwirkungen in
einer Tiefe führen, wo Werkzeuge und Frost
kaum noch reparierend wirken können. Eine Vor-
verlegung der Pflugfurche in die Sommermonate
erlaubt i. d. R. ein Arbeiten bei trockenem Boden.
Um die dann erhaltene Struktur zu konservieren,
ist der Anbau von Zwischenfrüchten sinnvoll.
Dies schützt zusätzlich die Bodenoberfläche vor
Verschlämmung und Erosion und unterdrückt
Unkräuter.
Trennung von Spur- und Anbaufläche
(controlled-traffic)
Neue Ansätze sind etwa Beetkonzepte, wie sie im
Gartenbau verwendet werden, bis zu controlled-
traffic-Systemen, für die prinzipiell globale Posi-
tionierungstechniken (DGPS) zur Verfügung ste-
hen, und Fahrgassensysteme nicht nur im
Getreidebau. Fahrgassensysteme erlauben auch
im Zuckerrüben- und Kartoffelanbau den Einsatz
der breiten Standardbereifung (im Vergleich zum
schmalen Pflegereifen) und damit eine Absen-
kung des Reifeninnendrucks auf 1 bar, was eine
erhebliche Schonung des Bodens bewirkt (Abb.
17, Tab. 4). Bei Arbeitsbreiten > 18 m wird der
Ertragsverlust der fehlenden Reihen durch den
Mehrertrag der Fahrgassenrandreihen ausgegli-
chen.
3.2.1.3 Verbesserung der
Tragfähigkeit des Bodens
Feldversuche zeigen, dass eine nichtwendende
Bodenlockerung (mit Parapflug, Schichtengrub-
ber o. ä.) im Vergleich zur herkömmlichen Pflug-
arbeit ohne Ertragseinbußen möglich ist. Das
Bodengefüge weniger zu stören, gelingt mit
nichtwendender, fruchtfolgespezifischer
Bodenlockerung (Baustein konservierender
Bodenbearbeitung). Steht etwa zwischen zwei
Hauptfrüchten eine Zwischenfrucht, so ist –
sofern eine krumentiefe Lockerung geplant ist –
diese vor deren Bestellung unter trockenen
Bedingungen (im Bereich der gesamten Locke-
rungstiefe!) am günstigsten. Dieses Verfahren
stellt aber erhöhte Ansprüche an das Betriebsma-
nagement.
Schonende Lockerung
, in Zukunft auch
teilflächenspezifisch, hilft Schadverdichtungen –
insbesondere im Unterboden – vorzubeugen und
bedeutet bessere Tragfähigkeit.
Das Beispiel einer Druckzwiebel verdeutlicht
dies (Abb. 18). Am tiefsten reicht sie beim Pflü-
gen mit hoher Radlast in der Furche. Wesentlich
weniger tief reicht die Druckzwiebel bei Onland-
Abb. 17: Pflegesysteme im Zuckerrübenanbau
Tab. 4: Fahrzeugparameter von Standard- und Systemtraktoren beim Pflanzenschutz in Zuckerrüben
1)
Hinterrad Standard
2)
Rad Anhängespritze
3)
nicht gemessen

image
image
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 29
Pflügen (s. Abb. 15) oder wenn der Boden infolge
nichtwendender, fruchtfolgespezifischer (etwa
nur einmal in drei Jahren) Lockerung tragfähiger
ist. Dies hilft zudem maßgeblich, Kosten für auf-
wendige Grundbodenbodenbearbeitung und
Investitionen (überbetriebliche Nutzung des lei-
stungsstarken und teueren Ackerschleppers) zu
sparen.
Zu den Möglichkeiten, die Tragfähigkeit von
Böden zu verbessern, zählen auch ausreichende
und regelmäßige organische Düngung, Schaf-
fung/Erhaltung guter Durchwurzelungsbedin-
gungen, Förderung des Bodenlebens sowie
Bodenbedeckung durch Pflanzenbestände
und/oder Mulch.
3.2.1.4 Begrenzung der
mechanischen Belastung
Die eigentlich kritischen Punkte für bodenscho-
nendes Befahren liegen bei der Radlast, den
höheren Triebkräften und dem möglichen Rad-
schlupf. Kommen diese Belastungen zusammen,
ist höhere Bodenbeanspruchung die Folge, der
im Falle verdichtungsempfindlicher Bodenzu-
stände Grenzen zu setzen sind. Die zeitlich wech-
selnde Bodenfeuchte in der Ackerkrume oder im
Unterboden macht eine nachvollziehbare Vorga-
be von Grenzwerten für die mechanische Belast-
barkeit im Hinblick auf seine Verdichtungsemp-
findlichkeit allerdings schwierig.
Bei der Umsetzung von Bodenschutzkonzep-
ten muss berücksichtigt werden, dass der Land-
wirt für die Durchführung von Feldarbeiten
meist an enge Zeitspannen gebunden ist. So kann
er oft bei Erntearbeiten oder Pflanzenschutzmaß-
nahmen mit dem Befahren der Felder nicht war-
ten, bis sie ggf. so weit abgetrocknet sind, dass
sie erhöhten Belastungen unbeschadet standhal-
ten. Oft gibt es Perioden mit anhaltend hoher
Bodenfeuchte, die nicht selten etwa in "Kampa-
gnezeiten" der Hackfruchternte fallen. Der Land-
wirt ist infolge Lieferverträgen, Fruchtfolgezwän-
gen u. a. gedrängt, den Acker zu befahren,
sobald die Bearbeitbarkeit (Funktion der Rode-
werkzeuge, Absieb- und Reinigungsvorrichtun-
gen etc.) gegeben ist.
Dann kann jedoch die standortspezifische
mechanische Tragfähigkeit noch gering sein.
Schutz vor Bodenschadverdichtung kann in
solchen Fällen nur realisiert werden, wenn die
technische Ausstattung (z. B. Reifeninnen-
druckregelungsanlage) und der Maschineneinsatz
(überbetrieblich, um Rücksicht auf die aktuelle
Bodenbelastbarkeit nehmen zu können) die
Anpassung an Standortbedingungen ermögli-
chen.
Auch kann die Anzeige der
Spurtiefe
hilfreich
sein und als Entscheidungshilfe für den Fahrer
genutzt werden (Brunotte et al., 2000). Die Spur-
Abb. 18: Zur Tiefenwirkung einer Druckzwiebel während der Durchführung
unterschiedlicher Grundbodenbearbeitung (n. Sommer, 1998)
Abb. 19: Spurtiefe eines Rübenroders bei zunehmender Bunkerfüllung und nach unterschiedlicher Bodenbearbeitung

image
30 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
tiefe fasst alle beim Befahren wirkenden Einfluss-
faktoren zusammen: Radlast, Reifenbauart, Rei-
feninnendruck, Lagerungsdichte des Bodens und
Bodenfeuchte. Im Falle der Erntemaschine sollte
beim Anzeigen einer "kritischen Spurtiefe" die
Bunkerkapazität nicht voll ausgeschöpft werden.
Ein nach konservierender Bodenbearbeitung
tragfähiger Boden ist bei steigender Radlast
(Bunkerfüllung) über einen weiten Bereich stabi-
ler, angezeigt durch die konstante Spurtiefe (Abb.
19). Allerdings ist die Spurtiefe nur ein sehr
grober Parameter. Auch geringere Spurtiefen
sagen u. U. wenig über tatsächliche Bodenschädi-
gungen aus. Eine landtechnische Vision ist ein
"Befahrbarkeitssensor" (Brunotte et al., 2000).
Die Umrüstung von einem schmalen
Reifen
auf einen Breitreifen hilft aus der Sicht der
Bodenschonung dann, wenn nicht gleichzeitig
die Radlast erhöht wird. Die bisherige Tendenz
zunehmender Radlasten kann dann nicht im
Sinne eines vorsorgenden Bodenschutzes sein,
wenn – speziell im Unterboden – während des
Befahrens mit hohen Radlasten der Boden ver-
dichtungsempfindlich ist. Im Sinne der Boden-
schonung muss bezüglich Radlast, Reifenwahl
und Reifeninnendruck mehr Rücksicht auf die
aktuelle Befahrbarkeit des Bodens genommen
werden (Abb. 20).
Neben Radlast, Reifeninnendruck und Boden-
feuchte ist auch die
Überrollhäufigkeit
für das
Ausmaß von Bodenverdichtungen verantwort-
lich. Die Reduzierung der Radlast (kleinerer Bun-
ker bzw. geringere Arbeitsbreite) bedeutet i. d. R.
eine Erhöhung der Überrollhäufigkeit auf das 2-
bis 3-fache. Dies trägt nicht zur Schonung der
Krume bei, da die Elastizität des Bodens durch
das wiederholte Befahren zurückgeht.
Bei Bunkermaschinen (Zuckerrübenernte)
sollte die Schlaglänge auf die Bunkerkapazität
abgestimmt sein, um ein Parallelfahren mit
zusätzlichen Überrollungen zu vermeiden. Beim
Kartoffel- und Silomaisanbau hat sich die Schlag-
länge nach dem nebenherfahrenden Transport-
fahrzeug zu richten. Wünschenswert ist beim
Silomais zukünftig ein Container-Häcksler, der
das Erntegut selbst über die Fläche transportiert
und am Feldrand auf Straßentransportfahrzeuge
abgibt.
Um schädlichen Bodenverdichtungen vorzu-
beugen, müssen risikobehaftete Konstellationen
der Faktoren Boden, Klima, Produktionsverfah-
ren und Landmaschineneinsatz möglichst ver-
mieden werden. Dennoch bleibt ein Restrisiko
bestehen.
3.3 Beispiele für Schutzmaßnahmen
in Fruchtfolgen
Mit den folgenden vier Beispielen aus unter-
schiedlichen Regionen/Fruchtfolgen, basierend
auf verschiedenen Lösungsansätzen und Erfah-
rungen in der Praxis, sollen Maßnahmen für vor-
sorgenden Bodenschutz hinsichtlich des Pro-
blems "Bodenschadverdichtung" skizziert
werden.
Die Beispiele aus Niedersachsen und Nord-
rhein-Westfalen beruhen auf der Anwendung des
Konzeptes "Konservierende Bodenbearbeitung",
das bodenschonende Lockerung (bessere Boden-
tragfähigkeit und kostensparend – verglichen mit
konventioneller Grundbodenbearbeitung) und
Mulchsaat (zur Vorbeugung von Bodenerosion)
verknüpft. In Regionen, wo häufig mit Bodenab-
trag durch Wasser zu rechnen ist, hat dieses
Bodenbearbeitungssystem Anklang in der Praxis
gefunden.
Die Beratungsbeispiele aus Thüringen und
Brandenburg beziehen die Abschätzung der
potenziellen Verdichtungsgefährdung (s. Abb. 11,
linker Pfad) nach dem "Belastungsquotienten"
bzw. nach dem "Schadverdichtungsgefährdungs-
konzept" ein. Sie postulieren, dass der Landwirt
der Gefährdung vor Schadverdichtung begegnen
kann, wenn er über geeignete Technik verfügt.
Sie werden derzeit erprobt und berücksichtigen
nicht die Bodenfeuchte während des Befahrens
(s. Abb. 11, rechter Pfad).
Abb. 20: Breitreifen (rechts) mindern den Bodendruck in der Ackerkrume im
Vergleich zu schmalen (links) bzw. Standard-Reifen (Mitte): in 20 cm Tiefe
0.6 bar statt 1.6 bzw. 1.0 bar.
Der Breitreifen lässt die Druckfortpflanzung in die Bodentiefe allerdings nur
reduzieren, wenn die Radlast nicht erhöht wird. Steigt die Radlast mit brei-
terem Reifen, dann muss die Aufstandsfläche überproportional vergrößert
werden, damit sich der Bodendruck nicht in tiefere Schichten fortpflanzt.

image
Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 31
3.3.1 Gefügestabilisierung am
Beispiel ausgewählter Fruchtfolgen
3.3.1.1 Fruchtfolge (Niedersachsen):
Zuckerrüben – Winterweizen – Win-
terweizen – Wintergerste
J. Brunotte
Zur Vorbeugung vor Bodenschadverdichtung
wird die Intensität bei der Krumenlockerung
reduziert, indem – wo Standort und Witterung es
zulassen – der Pflug durch ein nichtwendendes
Lockerungsgerät (Parapflug, Schichtengrubber)
ersetzt wird. Diese schonende Lockerung erhöht
die Tragfähigkeit und damit Befahrbarkeit des
Bodens und lässt Kosten sparen.
Sind Schadverdichtungen nach sorgfältiger
Diagnose (Spaten, Regenwurmaktivität, Wurzel-
wachstum) festgestellt, gilt es, das Gefüge zu
lockern und zu stabilisieren. Dies kann nicht im
Spätherbst nach der Rübenernte erfolgen, da die
in der Tiefe geführten Werkzeuge zu Schmierzo-
nen führen und ein verdichtungsgefährdetes
Gefüge zurücklassen. Der Zeitpunkt für die
Lockerungsmaßnahme ist in die trockenen Som-
mermonate zu verlegen, weil dann günstige
Bedingungen für das Aufbrechen des Bodens
bestehen. Sie sind so rechtzeitig durchzuführen,
dass durch die anschließende Zwischenfrucht
das mechanisch gelockerte Gefüge biologisch sta-
bilisiert wird. Das heißt, dass bei einer ZR-WW-
WW-WG-Fruchtfolge erst im 3. Jahr nach Entste-
hen einer möglichen Bodenverdichtung bei der
Rübenernte Gelegenheit gegeben ist, eine Gefü-
gelockerung und -stabilisierung durchzuführen
(Abb. 21).
(1) Die Wintergerste eignet sich als frühräumende
Frucht sehr gut für solche Gefügelockerungs-
maßnahmen. Nach einer Stoppelbearbeitung
erfolgt bei trockenen Bedingungen eine
Lockerung mit Schichtengrubber bzw.
Parapflug auf ca. 40 cm, um die Verdichtungs-
zone sicher aufzubrechen. Anfang August
wird i. d. R. pfluglos Senf bzw. Ölrettich
bestellt. Wird der Pflug zur Ölrettichbestel-
lung eingesetzt, so können Untergrunddorne
an jedem Pflugkörper die mechanische Locke-
rung übernehmen.
(2) Ölrettich ist dem Senf vorzuziehen, weil
Wurzelentwicklung und Nematodenbekämp-
fungseffekt ausgeprägter sind. Durch den
frühen Aussaatzeitpunkt wird der Ölrettich i.
d. R. im Herbst noch Schoten bilden; vor der
Samenreife ist er daher abzuschlegeln. Das
organische Material wird als Bodenbedeckung
zur Mulchsaat der folgenden Zuckerrüben
genutzt. Damit gelingt neben der Gefügever-
besserung gleichzeitig der Einstieg in das
bodenschonende Verfahren der Mulchsaat.
(3) Standort und Unkrautentwicklung im Herbst
entscheiden darüber, ob der Einsatz des Grub-
bers im Herbst oder Frühjahr erfolgt. Auf Ton-
böden und bei vorhandenen Unkräutern muss
der Grubber im Herbst eingesetzt werden,
sonst im Frühjahr. Es folgt dann eine Saatbett-
bereitung und anschließend die Zuckerrüben-
aussaat mit einem Mulchsaatgerät.
(4) Diese Mulchsaat zur Rübe schafft nach scho-
nender Lockerung ein tragfähiges Gefüge ins-
besondere für den Einsatz schwerer Ernte-
technik und erlaubt nach dem "Roden aus der
Gare" eine "Weizenaussaat in die Gare", sofern
die Bestellung gleich neben dem Roder mög-
lich ist.
So gelingt neben der Auflockerung von
Bodenverdichtungen der Einstieg in die Mulch-
saat im Sinne der Vorsorge. Werden dann
zukünftig die Strategien des "Konzeptes für
bodenschonendes Befahren" (s. Kapitel 3.2.1)
genutzt, können aufwendige Gefügeverbesse-
rungsmaßnahmen (z. B. Krumenbasislockerung)
eingespart werden. Das Verfahren ist praxiser-
probt.
Abb. 21: Maßnahmen zur Bodenlockerung und Gefügestabilisierung

image
32 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
3.3.1.2 Fruchtfolge (Nordrhein-West-
falen): Silomais – Winterweizen –
Winterroggen/ Triticale – Ackerfutter-
bau
W. Buchner
Die durch einen hohen Halmfruchtanteil gekenn-
zeichnete Fruchtfolge wirkt sich günstig auf die
Humusreproduktion aus und bietet mit der Ein-
beziehung des Ackerfutterbaues ein Zeitfenster,
in dem – gestützt auf vorjährige Untersaat in
Winterroggen/Triticale (Herbizideinsatz beach-
ten!) – eine überjährige Bodenruhe im Zuge des
Futterbau-Managements möglich wird (Abb. 22).
Unter ungünstigen Feuchtebedingungen lässt
diese Fruchtfolge nach Silomais und nach Win-
terweizen keinen Spielraum zur Bodenlockerung
und zum Anbau von Zwischenfrüchten. Tritt
dann auch nach Winterroggen/Triticale Vernäs-
sung auf, so muss der Lockerungseingriff, z. B.
im Rahmen eines spätsommerlichen Umbruches
des Ackerfutters, mit nachfolgendem Zwi-
schenfruchtanbau zur Einleitung der Mulchsaat
von Silomais im Folgejahr vorgenommen wer-
den.
Trotz des hohen Getreide- und Futterbauan-
teiles sind auch in dieser Fruchtfolge die Spiel-
räume und Zeitfenster – sofern ungünstige Witte-
rung diese Maßnahme in Einzeljahren
unterbindet – sehr eng und verlangen ein vorsor-
gendes Konzept von Schutzmaßnahmen im
Sinne des Bodenschutzes.
3.3.2 Ein Beratungsbeispiel für den
Ansatz "Druckbelastungsquotient"
(Thüringen)
R. Paul
Neben der Ausschöpfung aller verfügbaren Mög-
lichkeiten seitens des Landwirtes, vorsorgende
Maßnahmen im Sinne feld- bzw. teilflächenspezi-
fischer Anpassung (z. B. Absenkung des Reife-
ninnendruckes, Ausnutzung trockener Bodenzu-
stände) an die aktuelle Befahrbarkeit (s. Abb. 11)
einzusetzen, bezieht das Beratungsbeispiel aus
Thüringen zur Abschätzung der potenziellen Ver-
dichtungsgefährdung den "Belastungsquotien-
ten" ein (s. Kap. 3.1.6.2).
Der Belastungsquotient wird für belastungsin-
tensive Arbeiten berechnet. Dabei werden zwei
Bodenfeuchtestufen unterstellt, die sich aus der
örtlichen Niederschlagsverteilung und dem Zeit-
punkt der Arbeiten ergeben, dem Bodenwasser-
gehalt bei pF 2,5 und bei 75 % bzw. 50 % dieses
Wassergehaltes. Ausgenommen sind nur die
Arbeiten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht
zu einer dieser Bodenfeuchtesituationen durchge-
führt werden. Der Bodenfeuchtegehalt bei pF 1,8
wird ausgeschlossen, weil die bindigen Böden
bei diesem Wassergehalt augenscheinlich nicht
befahrbar sind. Es wird die Spannungssituation
in 15 cm bzw. für den Arbeitsgang Pflügen in 30
cm Bodentiefe berücksichtigt.
Das Ergebnis besteht in einer tabellarischen
Aufstellung der Belastungssituation für jede die-
ser Arbeiten auf jedem der im Betrieb vertretenen
Böden und einem mit den Flächenanteilen jedes
Bodens gewogenen mittleren Belastungsquotien-
ten. Letzterer gilt als Beurteilungskriterium der
betrieblichen Gefährdungssituation und gibt
Auskunft darüber, inwieweit der Betrieb insge-
samt Vorsorge gegen das Eintreten schädlicher
Bodenverdichtungen bedenken sollte.
Der Handlungsbedarf leitet sich jedoch aus
der Analyse der einzelnen Arbeitsgänge ab und
umfasst vorrangig kostengünstige Maßnahmen,
wie die Ausnutzung trockener Bodenzustände,
das Absenken des Reifeninnendruckes und Zwil-
lingsbereifung bis hin zu Empfehlungen größerer
Reifenbreiten oder – falls unausweichlich – bis
zur Verminderung der Maschinengewichte. Im
Beratungsbeispiel (Tab. 6) wirtschaftet der
Betrieb auf lehmig-tonigen Gleyböden, lehmig-
schluffigen braunen Auenböden und auf Löss-
Parabraunerden. Die Auenböden, insbesondere
die Gleye, sind druckempfindlich. Die Löss-
Parabraunerden sind demgegenüber wesentlich
druckfester (Tab. 5).
Die Druschfruchternte wird von Dienstlei-
stungsbetrieben durchgeführt, die leistungsfähige
und mit sehr breiter, bodenschonender Bereifung
Abb. 22: Bodenschonende Lockerung in einer futterbaubetonten Fruchtfolge

Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 33
ausgerüstete Technik einsetzen. Die Bodenbear-
beitung, mit Ausnahme der flachen Bearbeitung
des abgetrockneten Bodens (Herbstbearbeitung),
die organische und mineralische Düngung sowie
der Transport des Erntegutes vom Feld verursa-
chen hohe bis sehr hohe Schadverdichtungen,
während die Getreideernte nur auf den empfind-
lichen Böden Verdichtungsrisiken verursacht.
Aufgrund des mittleren Druckbelastungsquo-
tienten für den Betrieb (Tab. 6) wird zum Abbau
der Risiken empfohlen, beim Pflügen außerhalb
der Furche zu fahren. Alle anderen Arbeiten soll-
ten möglichst zu trockeneren Bodenbedingungen
(Bodenwassergehalt < pF 2,5) erfolgen. Selbst
dann ist für die Auenböden breitere Bereifung zu
empfehlen. Wird die Arbeit auf feuchterem
Boden notwendig, sollte zusätzlich mit Zwil-
lingsreifen gefahren werden.
Es werden folgende Handlungsempfehlungen
für den Beispielsbetrieb abgeleitet:
1. Auf allen Böden sollte beim Pflügen außer-
halb der Furche gefahren werden.
Tab. 5: Druckbelastbarkeit Thüringer Böden
Bodenklasse/-typ
Bodenarten
Tiefe
Druckbelastbarkeit in kPa bei
cm
FK (pF 2,5)
75% FK
50% FK
Auenböden
sandig-tonige Lehme
15
115
230
370
(Vega, Vegagley)
30
175
220
365
schluffige Lehme, tonige
15
45
105
200
Schluffe, tonige Lehme
30
100
165
250
Ah/C-Böden
mittel- und schwach-
15
100
110
115
außer Schwarzerden
schluffige Tone
30
145
145
145
Schwarzerden
tonige Schluffe
15
115
140
200
schluffige Lehme
30
120
160
225
Pelosole
tonige Lehme
15
105
125
125
30
120
160
225
schwach schluffige Tone
15
75
90
95
30
125
130
135
Braunerden
lehmige Sande
15
110
125
160
30
150
165
185
sandige Lehme
15
120
135
175
lehmige Schluffe
30
145
180
225
tonige Schluffe
15
110
135
200
30
135
160
225
Parabraunerden,
schluffig-lehmige Sande
15
140
145
180
Pseudegleye
30
145
185
250
sandig-lehmige Schluffe
15
165
175
215
30
180
205
230
tonige Schluffe
15
80
90
115
schluffige Lehme
30
190
197
250
Bodentyp
Anteil an der Acker-
Druckbelastungs-
Wichtig
fläche des Betriebes
quotient des Bodens
v.H.
normal
Onland-Pflügen
normal
Onland-Pflügen
Gley
62
1,75
1,66
1,09
1,03
Brauner Aueboden
21
1,47
1,46
0,31
0,32
Parabraunerde
17
1,37
1,30
0,23
0,22
Druckbelastungsquo-
tient des Betriebes
1,63
1,57
(gewogenes Mittel)
Tab. 6: Berechnung des mittleren Druckbelastungsquotienten des Betriebes

image
34 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
2. Die Arbeiten mit hohem Gefährdungspotenzi-
al sollten bei geringeren Bodendrücken, reali-
siert durch abgesenkten Reifeninnendruck,
breitere Bereifung, ggf. Zwillingsräder, vorge-
nommen werden.
3. Auf den Auenböden sind vorrangig Zeiträu-
me mit Bodenwassergehalten < pF 2,5 auszu-
nutzen.
4. Ersatzinvestitionen für die Landtechnik soll-
ten unter Berücksichtigung konkreter Reifen-
und Fahrwerksparameter vorgenommen wer-
den, die nach dem Verfahren "Druckbela-
stungsquotient" bei Bedarf zu ermitteln sind.
3.3.3 Ein Beratungsbeispiel für den
Ansatz "SchadVerdichtungsGefähr-
dungsKlassen" (Brandenburg)
H. Petelkau u. K. Seidel
Folgende Entscheidungsschritte zur Festlegung
von Maßnahmen zur Vorsorge gegen Boden-
schadverdichtung im Land Brandenburg werden
empfohlen:
A. Ermittlung der Schadverdichtungsgefähr-
dungsklasse auf der Basis einer Mittelstab-
mäßigen Karte (Abb. 23) bzw. auf der Basis
der vorherrschenden Bodenarten, die aus
den Bodenschätzungskarten nach der KA4
bestimmt werden können.
Die Gefährdungseinstufung basiert auf Kom-
pressions-/Schertests der vorkommenden Boden-
arten bei differenziertem Humusgehalt und diffe-
renzierter Bodenfeuchte. Im Ergebnis dieser Tests
wurde ermittelt, wie stark die Krumenböden ver-
dichtet werden können, wenn sie entsprechend
belastet werden. Zur Bewertung dieser jeweils
eingetretenen Verdichtung hinsichtlich des Pflan-
zenwachstums wurden sehr umfangreiche
Ertragsermittlungen auf Praxisflächen durchge-
führt und gleichzeitig immer die Bodendichte
bestimmt. Dadurch war es möglich, Zusammen-
hänge zwischen der Lagerungsdichte und der
Ertragsentwicklung abzuleiten, und festzulegen,
Abb. 23: Schadverdichtungsgefähr-
dungsklassen für Mineralböden
unter Ackernutzung des Landes
Brandenburg (auf Grundlage der
Daten der MMK)

Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 35
ab wann von einer Schadverdichtung zu spre-
chen ist. Dieser Vergleich beruht also auf dem
Indikator Pflanze und ihrem Verhalten bei
zunehmender Dichtlagerung des Bodens. Aus
dem Vergleich wurden die in der Abb. 23 darge-
stellten fünf SchadVerdichtungsGefährdungs-
Klassen (SVGK) gebildet, denen alle Ackerböden
Brandenburgs zugeordnet werden konnten (Tab. 7).
Die Grundlagen zu diesem SVGK- Konzept
sind im Bericht: "Ermittlung des Verdichtungs-
widerstandes von Böden des Landes Branden-
burg und Bewertung von Landmaschinen und
landwirtschaftlichen Anbauverfahren hinsichtlich
der Beeinträchtigung von Bodenfunktionen
durch die Verursachung von schwer regenerier-
baren Schadverdichtungen" (Projektleiter: Mo. Frie-
linghaus, Bearbeiter: H. Petelkau; K. Seidel, alle
ZALF Müncheberg, Werkvertrag 350.214 beim
MLUR Brandenburg, 2000) veröffentlicht. Durch
diese Bewertung wird es möglich, Vorschläge für
die Befahrung der Ackerflächen zu machen, so
dass die Vorsorge gegen Schadverdichtungen
(siehe § 17 BBodSchG) eingehalten werden kann.
Die Empfehlungen sind mittelfristige Entschei-
dungshilfen für den Maschinenkauf oder eine
Nachrüstung vorhandener Maschinen sowie für
die KULAB- Programme des Landes Branden-
burg.
B. Beispiel für Empfehlungen zum bodenscho-
nenden Technikeinsatz für zwei Anbaufol-
gen in Brandenburg
Wie die Abb. 23 zeigt, sind sehr viele Ackerbö-
den des Landes Brandenburg stark verdichtungs-
gefährdet. Nachfolgend werden zwei Beispiele
für die SVGK 3 [erheblich gefährdet] sowie zum
Vergleich ein Beispiel für die SVGK 1 [gering
gefährdet] dargestellt. Diese Beispiele beziehen
sich auf eine Kartoffel- Winterroggen -Fruchtfolge
und (zum Vergleich) auf den Zuckerrübenanbau.
Ziel ist es, Vorschläge für eine mittelfristige
Vorsorge gegen Schadverdichtungen durch eine
entsprechende technische Aus- oder Nachrü-
stung zu realisieren. Ausgewiesen werden Vari-
anten für solche Fahrwerksbelastungen (Kontakt-
flächendruck, Radlast) zu den anfallenden
Arbeitsgängen, bei deren Einsatz in jedem Falle
Maßgaben zur ausreichenden Vorsorge eingehal-
ten und vor allen Dingen der Unterboden bzw. die
Krumenbasis nicht geschädigt werden (Tab. 8).
Die eigentlich empfohlenen geringen Kon-
taktflächendrücke in den besonders schadver-
dichtungsgefährdeten SVGK 4 und 5 sind durch-
gängig nicht realisierbar, wenn Ackerbau
betrieben werden soll. Bei der mechanisierten
Bewirtschaftung dieser Böden werden immer,
auch bei Einhaltung dieser Empfehlungen, Acker-
krumenverdichtungen auftreten, die jedoch durch
nachfolgende Grundbodenbearbeitung behoben
werden können; sie sind daher keine Schadver-
dichtung und auch reparabel.
Da sich Schadverdichtungen der Unterböden
dieser SVGK weder durch eine Grundbodenbear-
beitung noch durch Naturkräfte beseitigen las-
sen, sollten die empfohlenen Limits für den
Bodendruck in 30 cm Tiefe nicht überschritten
werden. Es gibt viele Praxiserfahrungen, dass
dies einerseits durch eine Verminderung der
Radlasten, ggf. durch Nichtausschöpfung der
Ladekapazität von Bunkererntemaschinen und
Transportfahrzeugen, und andererseits durch die
Reduzierung der Überrollhäufigkeit erreicht wer-
den kann.
In der SVGK 1 ist die Druckfestigkeit der hier
eingruppierten schweren Lehm- und Tonböden
so groß, dass sich die Einhaltung der angegebe-
nen Empfehlungen mit Standardmaschinen aus
dem Angebot der Landmaschinen- und Fahr-
zeughersteller realisieren lässt. Ursache für Struk-
turschäden ist auf diesen Standorten nicht der
Bodendruck sondern der Schlupf.
Eine wirkungsvolle Maßnahme zur Verminde-
rung des Kontaktflächendrucks bietet sich in der
Anpassung des Reifeninnendrucks bei Feldarbei-
ten an die Radlast an. Das sollte unter Berück-
sichtigung der Fahrgeschwindigkeit auf dem
Acker entsprechend den Vorgaben der Reifenher-
steller erfolgen. Ein möglichst geringer Reifenin-
nendruck vergrößert durch Einfederung nicht
nur die Kontaktflächen, sondern verbessert auch
die Gleichmäßigkeit der Druckverteilung in der
Kontaktfläche.
In die folgenden Beispiele sind Traktoren,
Maschinen und Fahrzeuge in Leistungsklassen
Schad Verdichtungs
Standortgruppen der Mittel-
Bodenart im Ap nach
GefährdungsKlasse
maßstäbigen Landwirtschaft-
der KA 4
SVGK
lichen Standortkartierung
StG
1
5 und 6
Lt3/Tl
3
3
Sl4
4/5
1 und 2
Su2/Sl2
Tab 7:Verbreitete SVGK im Land Brandenburg

36 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
einbezogen, wie sie den Größen zahlreicher Bran-
denburger Pflanzenbaubetriebe entsprechen. Sie
werden sowohl im betrieblichen als auch im über-
betrieblichen Einsatz verwendet. (Tab. 9 bis 11).
Die Beispiele zeigen, dass der Anbau von
Kar-
toffeln und Winterroggen
auf Flächen in der
SVGK 3
nicht ohne Verdichtungsrisiko für die
Ackerkrume möglich ist. Jedoch wird auch deut-
lich, dass bei den meisten Arbeitsgängen nur
mäßige Risiken bestehen. Für die Arbeitsgänge
Kartoffeln legen und Mineraldüngung müssen
noch technische Lösungen angestrebt werden, da
bei diesen das Risiko erhöht ist.
Für die Krumenbasis besteht bei der vorge-
schlagenen Technik mit den entsprechenden
Fahrwerken kein Risiko.
Das Beispiel der
Zuckerrüben
zeigt, dass es
zwischen den verschiedenen SVGK erhebliche
Unterschiede in den Einsatzmöglichkeiten der
Technik gibt. So ist auf diesen Standorten der
SVGK 1
durch den Einsatz der angebotenen
Zuckerrübentechnik (z. B. Bunkerroder) kaum
ein Schadverdichtungsrisiko vorhanden.
Tab. 8: Empfehlungen für SVGK- angepasste Kontaktflächendrücke im Ober- und Unterboden (bei Bodenfeuchte von 70 % der nFk)
SVGK
Kontaktflächendruck [kPa], dessen Ein-
Kontaktflächendruck [kPa], dessen Über-
haltung nur eine mäßige Verdichtung im
schreitung in 30 cm Tiefe (Krumenbasis)
Klasse
Oberboden bewirkt und durch Grundbo-
zu Schäden führen und durch Grund-
[Gefährdung]
denbearbeitung beseitigt werden kann
bodenbearbeitung nicht beseitigt werden kann
1 [gering]
310
270
3 [erheblich]
110
160
4 [stark]
60
120
5 [sehr stark]
50
110
Tab. 9: Arbeitsgangfolge und Fahrwerksparameter bodenschonender Technik für den Anbau von mittelfrühen Kartoffeln auf grundwasserfernen Sand- und
Tieflehmstandorten in Brandenburg mit erheblicher Schadverdichtungsgefährdung SVGK 3
Zu erwartender Verdichtungszustand im
Bereich der Fahrgasse (Regelspur) am Ende
X
X
der Bearbeitungsfolge
Arbeitsgang
Eingesetzte Technik
Arbeits-
Achse
Fahrwerk Be-
Verdichtungsrisiko der
Verdichtungsrisiko
breite/
zeichnung
Ackerkrume je Arbeitsgang
der Krumen-
Reihen-
basis je Arbeitsgang
weite
m
ohne
mäßig
erhebl.
ohne
mäßig
1 Herbstfurche
Traktor, 180 kW
3,20
1
16.9R28
Onlandpflügen
Aufsatteldrehpflug, 9-furch.
2
20.8R38
X
X
2 Kartoffeln legen Traktor, 70 kW
3,00/
1
16.9R24
Heckanbaulegemaschine,
0,75
2
18.4R34
X
X
4-reihig
3
4 x 7,5L-15 AS
3 Mech. Pflege
Traktor, 70 kW
3,00/
1
14.9R24
(2 X)
Heckanbauhäufelgerät
0,75
2
16.9R34
X
X
4 Mineraldüngung Traktor, 70 kW
18,00
1
14.9R24
(2 X)
Anbautellerdüngerstreuer
2
16.9R34
X
X
5 Pflanzenschutz
Traktor, 70 kW
18,00
1
14.9R24
(7 X)
Anhänge-Feldspritze
2
16.9R34
X
X
3
11.2R48
6 Kartoffelroden
Selbstfahrender Bunkerroder
3,00/
1
270/95-R48
(Gleisband) 4-reihig
0,75
2
0,635 x 2,970
X
X
Schlussfolgerungen für die Technologie und Erfordernis nachfolgender Grundbodenbearbeitung:
Krumentiefe Lockerung des Ap-Horizontes
Halbierung der Zahl der Überrollungen durch Dopplung der Regelspuren mit Wechselnutzung im Ablauf der
Arbeitsgangfolge, partielle Tieflockerung der Regelspuren (40cm)

Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen 37
Zu erwartender Verdichtungszustand im
Bereich der Fahrgasse (Regelspur) am Ende
X
X
der Bearbeitungsfolge
Arbeitsgang
Eingesetzte Technik
Arbeits-
Achse
Fahrwerk Be-
Verdichtungsrisiko der
Verdichtungsrisiko
breite/
zeichnung
Ackerkrume je Arbeitsgang
der Krumen-
Reihen-
basis je Arbeitsgang
weite
m
ohne
mäßig
erhebl.
ohne
mäßig
1 Saatfurche mit komb. Traktor, 180 kW
3,20
1
16.9R28
Saatbettbereitung
9-furchig (Onland)
2
20.8R38
X
X
2 Aussaat
Traktor, 140 kW
4,50
1
480/70R34
Kreiseldrille
2
580/70R42
X
X
3 Mineraldüngung
Traktor, 70 kW
18,00
1
14.9R24
(2 X)
Anbaustreuer
2
16.9R34
X
X
4 Pflanzenschutz
Traktor, 70 kW
18,00
1
14.9R24
(2 X)
Anhänge-Feldspritze
2
16.9R34
X
X
3
11.2R48
5 Mähdrusch mit Feld- Mähdrescher
7,50
1
270/95-R48
randabbunkern
220 kW mit GB
2
0,635 x 2,970
X
X
6 Stoppelbeareitung
Traktor, 140 kW
6,00
1
480/70R34
(Strohmulch)
Scheibenegge
2
580/70R42
X
X
7 Gülleausbringung
Güllefass 6 m
3
mit
4,50
1
800/40-25,6
mit -einarbeitung
Güllegrubber
2
66-43.00-25
X
X
Schlussfolgerungen für die Technologie und Erfordernis nachfolgender Grundbodenbearbeitung:
Krumentiefe Lockerung des Ap-Horizontes
Tab. 10: Arbeitsgangfolge und Fahrwerksparameter bodenschonender Technik für den Anbau von Winterroggen auf sickerwasserbestimmten Tieflehm- und
Lehmstandorten in Brandenburg mit erheblicher Schadverdichtungsgefährdung SVGK 3
Schlussfolgerungen für die Technologie und Erfordernis nachfolgender Grundbodenbearbeitung:
Lockerung des Ap-Horizontes auf halbe Krumentiefe
Zu erwartender Verdichtungszustand im
Bereich der Fahrgasse (Regelspur) am Ende
X
X
der Bearbeitungsfolge
Arbeitsgang
Eingesetzte Technik
Arbeits-
Achse
Fahrwerk Be-
Verdichtungsrisiko der
Verdichtungsrisiko
breite/
zeichnung
Ackerkrume je Arbeitsgang
der Krumen-
Reihen-
basis je Arbeitsgang
weite
m
ohne
mäßig
erhebl.
ohne
mäßig
1 Herbstfurche
Traktor, 180 kW
3,20
1
16.9R28
9-furchig (Onland)
2
20.8R38
X
X
2 Saatbettbereitung
Traktor, 140 kW
9,00
1
16.9R28
SBB-Kombination
2
20.8R38
X
X
3 Einzelkornaussaat
Traktor, 70 kW
9,00
1
14.9R24
2
16.9R34
X
X
4 Mineraldüngung
Traktor, 140 kW
9,00
1
480/70R34
Düngerstreuer
2
580//70R42
X
X
3
550/60-22,5
5 Mineraldüngung
Traktor, 70 kW
18,00
1
14.9R24
(2 X)
Anbaustreuer
2
16.9R34
X
X
6 Pflanzenschutz
Traktor 70 kW
18,00
1
14.9R24
(2 X)
Anhänge-Feldspritze
2
16.9R34
X
X
3
11.2R48
7 Rübenroden
Bunkerroder
3,00
1
800/65R32
2 800/65R32
XX
Tab. 11: Arbeitsgangfolge und Fahrwerksparameter bodenschonender Technik für den Anbau von Zuckerrüben auf Auenlehm- und Auentonstandorten in
Brandenburg mit geringer Schadverdichtungsgefährdung SVGK 1

38 Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen
C. Weitere Möglichkeiten der Vorsorge gegen
Schadverdichtung ergeben sich durch folgende
Lösungen:
Da wiederholtes Befahren derselben Radspu-
ren die Bodenverdichtung und die Tiefenwir-
kung des Raddrucks verstärkt, müssen
"Anschlussfahrten" nach Möglichkeit vermie-
den werden. So wird den Betrieben in Bran-
denburg empfohlen, die Schlaglängen in
Arbeitsrichtung der Ladekapazität von
bodenschonenden Bunkererntemaschinen,
Feldtransportfahrzeugen, Dünge-, Bestell-
und Applikationstechnik anzupassen. Weiter-
hin wird empfohlen, die Gutübergabe zwi-
schen Feld- und Straßentransportfahrzeugen
zumindest bei Ackerflächen in den SVGK 3, 4
und 5 unbedingt am Feldrand vorzunehmen.
Um die Befahrhäufigkeit in Regelspuren zu
senken, empfiehlt es sich, Fahrgassen in dop-
pelter Anzahl (auf halbe Arbeitsbreite der
Pflanzenschutz- und Düngemaschinen) anzu-
legen, die bei den Arbeitsgängen der
Bestandsführung im Wechsel befahren wer-
den. Bei allen Arbeitsgängen, die nicht in
wachsenden Pflanzenbeständen ausgeführt
werden, sollte durch planmäßige Positionie-
rung der Fahrspuren oder Fahrwerksgestal-
tung (Dreiradfahrwerke, "Hundegang" u. ä.)
eine möglichst gleichmäßige standortangepas-
ste Belastung der Anbauflächen angestrebt
werden, um die negativ wirkende Überroll-
häufigkeit zu vermindern.
Vergleichsweise große standortspezifische
ökonomische Nachteile der Betriebe auf den
schadverdichtungsgefährdeten Standorten in den
SVGK 3, 4 und 5 sollen zukünftig durch spezielle
Fördermöglichkeiten im Rahmen von KULAB
berücksichtigt werden.
3.4 Literatur
(verwendete und weiterführen-
de Literatur)
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bau des Bodens und seiner begrifflichen Erfas-
sung.- Zeitschr. für Kulturtechnik 3. Jahrg., H.
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BLUME, H.-P. (ED.) (1990): Handbuch des
Bodenschutzes.-ecomed, 686 S.
BOLLING, I. UND W. SÖHNE (1982): Der
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DEUTSCHE LANDWIRTSCHAFTSGESELL-
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40

Vorsorge gegen Bodenerosion 41
Inhalt Kapitel 4
Seite
Vorsorge gegen Bodenerosion
Mo. Frielinghaus, R. Brandhuber, P. Gullich u. W.-A. Schmidt ................................. .42
4.1
Sachstand
....................................................................... .42
4.1.1
Bedeutung und Definition .......................................................... .42
4.1.2
Verlauf der Wassererosion .......................................................... .42
4.1.2.1 Faktoren, die zur Bodenverlagerung führen können .................................... .44
4.1.2.2 Orientierungswerte ................................................................ .45
4.1.3
Verlauf der Winderosion ............................................................ .45
4.1.3.1 Faktoren, die zur Bodenverlagerung führen können .................................... .46
4.1.3.2 Orientierungswerte ................................................................ .47
4.1.4
Sichtbare und nicht sichtbare Erosionsschäden und tatsächliche Gefährdung .............. .48
4.1.5
Schlussfolgerungen aus dem Sachstand ............................................... .50
4.2
Maßnahmen der guten fachlichen Praxis zur Vorsorge gegen Bodenerosion
...... .50
4.2.1
Abschätzung (Indikation) der Wasser- und Winderosionsgefährdung ..................... .50
4.2.1.1 Bewertung der standortbedingten Gefährdung/potenzielle Gefährdung [A] .............. .52
4.2.1.2 Bewertung der nutzungsbedingten Gefährdung/Nutzungsrisiko [B] ..................... .52
4.2.1.3 Bewertung der tatsächlichen Erosionsgefährdung und Konsequenzen [C] ................ .55
4.2.2
Vorsorgemaßnahmen gegen Bodenerosion: Lösungen, Umsetzung und mögliche Probleme . .55
4.2.2.1 Allgemeine acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen .................................. .56
4.2.2.2 Erosionsmindernde Bodenbearbeitungs- und Bestellverfahren ........................... .57
4.2.2.3 Erosionsmindernde Flurgestaltung ................................................... .60
4.3
Beispiele für Schutzkonzepte aus den Bundesländern
............................ .61
4.3.1.
Schutz vor Wassererosion in Bayern R. Brandhuber .................................... .61
4.3.2
Schutz vor Wassererosion in Mecklenburg Vorpommern Mo.
Frielinghaus
u. B.
Winnige ......
65
4.3.3.
Schutz vor Wassererosion in Niedersachsen J.
Brunotte ..................................
72
4.3.4.
Schutz vor Wassererosion in Nordrhein-Westfalen J.
Eisele ...............................
77
4.3.5.
Schutz vor Winderosion in Brandenburg R. Funk, B.
Winnige
u. Mo.
Frielinghaus ............
79
4.3.6.
Schutz vor Bodenerosion in Sachsen W.
Schmidt ........................................
86
4.4
Literatur
(verwendete und weiterführende Literatur) .................................. 88

image
42 Lebender Kolumnentitel
Lebender Kolumnentitel 42
4. Vorsorge gegen Bodenerosion
Mo. Frielinghaus, R. Brandhuber, P. Gullich u. W.-A. Schmidt
4.1 Sachstand
4.1.1. Bedeutung und Definition
Wasser- und Winderosion können bei nicht
standortangepasster Bodenbewirtschaftung die
Produktions-, Lebensraum- und Regelungsfunk-
tionen der Böden (Onsite-Wirkungen) sowie auch
benachbarte und weiter entfernte Ökosysteme
durch Nähr- und Schadstoffeinträge (Offsite-Wir-
kungen) beeinträchtigen (Schwertmann et al.,
1989; Bork, 1991; Nolte, 1991; Werner et al., 1994;
Blume, 1990; Frielinghaus et al., 1999). Bodenero-
sion gilt weltweit als großes Problem und Ursa-
che der teilweise irreversiblen Bodendegradie-
rung mit erheblichen sozialen, wirtschaftlichen
und umweltrelevanten Folgen (Boardman et al.,
1990).
Umfang und Auswirkungen der durch Was-
ser- und Winderosion transportierten Bodenmen-
gen sind in einzelnen europäischen Regionen je
nach Klima, Naturraum und Landnutzung diffe-
renziert zu beurteilen (Richter et al., 1998). In
Deutschland sind die Böden in vielen Regionen
durch Bodenerosion potenziell gefährdet. In den
meisten Fällen kann mit geeigneten, dem Erosi-
onsrisiko angepassten Maßnahmen, wie z. B.
schonende Bodenbearbeitung oder Erhaltung der
schützenden Bodenbedeckung, Vorsorge betrie-
ben werden. Zu einer tatsächlichen Gefährdung
kommt es immer dann, wenn keine angemessene
Vorsorge getroffen wird. In Einzelfällen sind die
Niederschläge oder Windgeschwindigkeiten so
stark, dass ein Restrisiko bei besonderen Wetter-
lagen bestehen bleibt. Voraussetzung für eine
erfolgreiche Vorsorge ist eine qualifizierte Bera-
tung. Die landwirtschaftlichen Beratungsstellen
sind laut § 17 BBodSchG beauftragt, den Land-
wirten die entsprechenden Grundsätze der guten
fachlichen Praxis zu vermitteln und ihnen die
Risiken einer unangepassten Landnutzung für
den Boden und seine Funktionen sowie für die
Umwelt deutlich zu machen.
Das Bodenschutzrecht öffnet zudem den Weg,
erosionsmindernde Maßnahmen in Einzelfällen
im Rahmen der Gefahrenabwehr nach Feststel-
lung schädlicher Bodenveränderungen oder
Umweltschäden und nach erfolgter Beratung
anzuordnen. Die aus dem Gesetz abgeleiteten
Zusammenhänge zwischen Vorsorge und Gefah-
renabwehr werden in der Abbildung 24 darge-
stellt.
Unter
Bodenerosion
versteht man die Verlagerung von
Bodenmaterial an der Bodenoberfäche durch Wasser oder
Wind als Transportmittel. Bei diesem Vorgang können
innerhalb einer Fläche (Feld) Bereiche mit vorwiegendem
Abtrag und Bereiche mit vorwiegendem Auftrag ausge-
grenzt werden. Dann spricht man von Onsite-Schäden.
Vielfach wird das Bodenmaterial aus der eigentlichen Ero-
sionsfläche in benachbarte oder weiter entfernte Flächen,
Gewässer, Biotope oder die Atmosphäre ausgetragen,
dann spricht man von Offsite-Schäden.
4.1.2 Verlauf der Wassererosion
Regentropfen fallen mit hoher Energie auf die
Bodenoberfläche, zerstören Aggregate oder lösen
Bodenteilchen ab und schleudern sie hoch. Frisch
bearbeiteter Boden mit feiner Aggregierung ver-
schlämmt durch diesen Vorgang sehr leicht (Abb.
25). Das Niederschlagswasser kann danach nicht
schnell genug in den Boden eindringen, weil
keine großen nach oben offenen Poren mehr vor-
handen sind.
Dadurch sammelt sich Wasser auf der Boden-
oberfläche und läuft den Hang hinab. Die obere
Bodenschicht wird immer instabiler und bei Fort-
dauern des Regens werden die losgelösten Teil-
42 Vorsorge gegen Bodenerosion

image
Vorsorge gegen Bodenerosion 43
chen mitgenommen. Da die Bodenoberfläche vor
Niederschlägen oft bereits hangabwärts gerichte-
te Bewirtschaftungsmuster wie Fahrspuren oder
Saatreihen aufweist, konzentriert sich das Wasser
darin. Es entstehen Rillen, Rinnen und schließlich
oft Gräben, die sich mit zunehmender Regendau-
er oder Regenstärke vergrößern (Frielinghaus,
1996). Beim nächsten Niederschlag ist die Boden-
oberfläche bereits instabil und die Abflusslinien
sind ausgeprägt, so dass sich der Transportpro-
zess beschleunigt. Nimmt die Hangneigung hang-
abwärts ab und wechselt zum konkaven Unter-
hang, verlangsamt sich die Fließgeschwindigkeit
und die Ablagerung beginnt. Zuerst sedimentie-
ren die groben Teilchen, die feineren Bestandteile
werden weiter transportiert. Liegt der Hang
unmittelbar an einem Gewässer, ist oft ein direk-
ter Austrag von Sediment aus der Fläche und
Eintrag in das Gewässer zu beobachten (Frieling-
haus et al., 2000).
§ 17 BBodSchG
Vorsorge gegen Bodenerosion
Risikoanalyse
(wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen)
Bewertung des tatsächlichen Risikos, ggf. Beratung
Maßnahmen zur Vorsorge oder Gefahrenabwehr
Bewertung konkreter Erosionsfälle, Beratung, ggf. Anordnung
Bewertung der Standortfaktoren
(längerfristig wirkend)
Bewertung der Nutzungs- und
Bodenbewirtschaftungsfaktoren
(kurzfristig wirkend)
Abb. 24: Entscheidungshilfeschema zur Vorsorge gegen Bodenerosion
Prüfung: Liegt eine schädliche
Bodenveränderung vor?
Prüfung: Sind die
Anforderungen an die
Gefahrenabwehr eingehalten?
Gefahrenabwehr
§ 4 BBodSchG
Landwirtschaftliche
Bodennutzung
Problembereich
Entscheidungshilfen
für Vorsorgemaßnahmen
Entscheidungsweg
zur Gefahrenabwehr
Problembereich
Landwirtschaftliche
Bodennutzung
Abb. 25: Schema der Wassererosion

44 Vorsorge gegen Bodenerosion
Niederschlag [1]
Auslöser der Wassererosion sind starke und lang-
anhaltende Niederschläge, die eine bestimmte
Intensität (I) und eine bestimmte Höhe (P) über-
schreiten. Die erosive Wirkung des Regens kann
als Regenfaktor (R) ausgedrückt werden. Je
größer dieser Wert ist, um so mehr und/oder
stärkere Niederschläge wirken im Jahr erosions-
auslösend. Die höchste Erosivität der einzelnen
Niederschläge liegt in Deutschland im Zeitraum
Mai bis September, so dass der Bodenabtrag in
dieser Zeit vom Grad der Bodenbedeckung
durch die Pflanzenbestände bestimmt wird. Im
Winter existieren Risiken vorrangig bei langan-
haltenden Niederschlägen auf gesättigten oder
gefrorenen, unbedeckten Böden sowie bei plötzli-
cher Schneeschmelze. In dieser Zeit ist die Gefahr
von Sedimentverlagerungen in Gewässer auf vie-
len Standorten besonders hoch.
Topographische Faktoren [2]
Hangneigung, -länge und -form wechseln häufig
und sind unterschiedlich kombiniert. Ihr Einfluss
auf den Bodenabtrag ist groß. Zunehmende
Hanglänge und -neigung fördern den Bodenab-
trag ebenso wie Dellen, Mulden und Hohlformen
in den Hängen, die zu einer Sammlung von
Oberflächenwasser führen und bevorzugte
Abflussbahnen bilden.
Bodenzusammensetzung [3]
Die Korngrößenzusammensetzung eines Bodens
entscheidet vorrangig über die Verlagerungsge-
fährdung. Strukturstabilität und Wasseraufnah-
mefähigkeit werden weitgehend durch die Textur
des Bodens und den Humusgehalt bestimmt.
Jede Bodenart wird durch eine bestimmte Korn-
größenzusammensetzung geprägt. Ein Boden ist
um so anfälliger, je höher sein Anteil an Feinsand
und Schluff ist. Steigender Anteil an Ton über 20 %
erhöht die Kohäsion und Stabilität gegenüber
Niederschlägen, so dass es allenfalls zu Ober-
flächenabfluss kommt, in dem oft feine Boden-
teilchen abgeschwemmt werden.
Langfristige Nutzung (Wald, Grünland, Acker) [4]
Zwischen langfristiger Wald-, Grünland- oder
Ackernutzung treten große Unterschiede in der
Erosionsgefährdung auf. Ein dichter Baumbe-
stand verhindert, dass Niederschläge ungebremst
den Boden erreichen. Eine dichte Grünlandnarbe
schützt ebenfalls die Bodenoberfläche vor dem
Aufprall der Regentropfen. Ackerland ist hinge-
gen in Abhängigkeit von der Bewirtschaftung, z.
B. bei konventioneller Bestellung mit dem Pflug
Standortfaktoren, längerfristig wirkend [A]
Potenzielle Gefährdung
Nutzungsfaktoren, kurzfristiger wirkend [B]
[A] + [B] ergeben:
Tatsächliche Gefährdung
Jedes einzelne Niederschlagsergebnis bestimmt die:
Aktuelle Gefährdung
Niederschlag [1]
Topographische Faktoren, wie Hangneigung, -länge und -form [2]
Bodenzusammensetzung [3]
Langfristige Nutzung (Wald, Grünland, Acker) [4]
Bodenbedeckung [5]
Wasseraufnahmefähigkeit [6]
Bodenverdichtungen in Krume u. Unterboden [7]
Aggregatstabilität, Scherwiderstand [8]
Aktuelle Bodenfeuchte [9]
4.1.2.1 Faktoren, die zur
Bodenverlagerung führen können

image
Vorsorge gegen Bodenerosion 45
und anschließender Saatbettbereitung, längere
Zeit im Jahr nicht ausreichend bedeckt und daher
stark gefährdet.
Bodenbedeckung [5]
Die tatsächliche Wassererosionsgefährdung wird
von der Bodenbedeckung durch Pflanzen oder
Pflanzenrückstände bestimmt. Das Risiko nimmt
mit zunehmender Bedeckung ab. Eine Schutzwir-
kung beginnt bereits bei mehr als 30 % gleich-
mäßig verteilter Bodenbedeckung. Dadurch sind
die Zeiten, in denen eine erhöhte Gefährdung
vorliegt, bei schnell und gut deckenden Fruchtar-
ten wie Getreide begrenzt. Besonders anfällig
bleiben Flächen mit Hackfrüchten, wie Mais,
Zuckerrüben und Kartoffeln beim Anbau auf
gefährdeten Hängen, wenn sie nach konventio-
neller Bearbeitung bestellt werden. Intensive
Sommerniederschläge sind besonders erosiv, so
dass für diese Fruchtarten eine zusätzliche
Bodenbedeckung zwischen den Reihen notwen-
dig wird.
Wasseraufnahmefähigkeit [6]
Je höher die Oberflächenrauigkeit ist, um so
mehr Wasser kann in den vielen kleinen Mulden
gespeichert und um so länger der Abfluss verzö-
gert werden. Daher ist eine frisch gepflügte,
schollige Oberfläche weniger gefährdet als ein
feines Saatbett vor oder nach der Aussaat. Aller-
dings ist diese Wirkung nicht vergleichbar mit
einer stabilen Bodenbedeckung. Für die "Regen-
verdaulichkeit" (Infiltration), d. h. die schnelle
Aufnahme und Abführung von Niederschlägen,
sind die schnell dränenden Poren (ehemalige
Wurzelgänge, Regenwurmgänge) und die durch
die Bodenstruktur bestimmte Durchgängigkeit
der Mittelporen von der Bodenoberfläche bis in
die unteren Bodenschichten verantwortlich. Bei
Bodenstrukturschäden kann diese Kapazität erheb-
lich vermindert sein und nicht mehr ausreichen.
Bodenverdichtungen in Krume und Unterboden [7]
Die aktuelle Erosionsgefährdung steigt auch,
wenn hangabwärts verdichtete Areale, wie z. B.
Fahrspuren oder verdichtete Vorgewende am
Oberhang, vorhanden sind, die die zügige Ver-
sickerung des Niederschlagswassers in tiefere
Bodenschichten verhindern. Bis zur folgenden
Bodenbearbeitung bleiben diese Sammelbereiche
für Niederschlagswasser und beginnenden Ober-
flächenabfluss in der Regel bestehen. Das gesam-
melte Wasser entwickelt hangabwärts eine
zunehmende Geschwindigkeit mit hohen Turbu-
lenzen und kann zu großen Schäden führen.
Aggregatstabilität, Scherwiderstand [8]
Böden mit erhöhter Wassererosionsgefährdung
zeichnen sich in der Regel durch eine geringe
Aggregatstabilität und einen geringen Scherwi-
derstand aus. Destabilisierend wirken geringe
Ton-, Humus- und Kalkgehalte im Boden sowie
eine verminderte mikrobiologische Aktivität.
Aktuelle Bodenfeuchte [9]
Der Einfluss der aktuellen Bodenfeuchte wird
besonders im Winter deutlich. Die Poren sind
dann wassergefüllt, die Aufnahmekapazität ist
weitgehend erschöpft. Daraus resultiert ein ver-
ringerter Scherwiderstand. Häufig wirkt Winter-
niederschlag deswegen erosiv, weil er auf gesät-
tigten Boden fällt und das Bodengefüge
besonders instabil ist.
4.1.2.2 Orientierungswerte
Für den Beginn der Wassererosion können einige
Orientierungswerte angenommen werden. Diese
geben lediglich Hinweise, von wann ab diesem
Problem erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken
ist.
Wassererosion
Niederschlag
> 7,5 mm Menge oder > 5 mm je
Stunde (Intensität)
Boden-
bevorzugt sandige Lehme und lehmige
anfälligkeit
Sande sowie Schluffe
Hanglängen
> 50 m*
Hangneigung
> 4 % *
Bodenoberfläche fehlende Bodenbedeckung
4.1.3 Verlauf der Winderosion
Winderosionsprozesse werden von anderen Fak-
toren bestimmt und laufen anders ab als die bei
Wassererosion.
Wind überströmt mit einer erhöhten
Geschwindigkeit die Bodenoberfläche und setzt
durch Druck- und Hubkräfte Teilchen in Bewe-
gung (A) (Abb. 26).
*In Einzelfällen kann bereits bei geringerer Hanglänge und -neigung starke
Wassererosion auftreten.
Abb. 26: Schema der Winderosion

schlagsdefizit bei hoher Verdunstungsrate) vor-
herrscht.
Die jährliche mittlere Windgeschwindigkeit
nimmt von der Küste im Norden in Richtung
Süden ab. Die mittlere Windgeschwindigkeit als
Angabe des Deutschen Wetterdienstes reicht für
die Gefährdungseinschätzung nicht aus, da die
Maximalwerte ausschlaggebend sind.
Windoffenheit der Flächen [2]
In vielen Gebieten Deutschlands herrschte schon
immer eine große Windoffenheit vor, die aller-
dings in den letzten 50 Jahren weiter zugenom-
men hat.
In einer kleinstrukturierten Landschaft wird das
Windfeld insgesamt angehoben, so dass die
bodennahen Bereiche wesentlich geschützter
4.1.3.1 Faktoren, die zur
Bodenverlagerung führen können
Wind [1]
Auslöser von winderosionsbedingten Bodenver-
lagerungen können Winde mit einer Geschwin-
digkeit > 6...8 m je Sekunde (in 10 m Höhe
gemessen) bei trockener Witterungslage sein. Der
flächenhafte Abtrag von Boden wird vor allem
durch Windstärke und –turbulenzen bewirkt. Die
Verwirbelung in der bodennahen Luftschicht
führt auch bereits in kleinen Böen zu beträchtli-
chen Windgeschwindigkeiten. Der Zeitraum star-
ker Winderosivität liegt im Winter bei anhalten-
der Ostwetterlage, wenn kein Schnee auf der
brachen Bodenoberfläche liegt, sowie im Früh-
jahr. Hohe Winderosionsgefährdung besteht
besonders in den Gebieten, in denen neben häu-
fig hohen Windgeschwindigkeiten auch eine
negative klimatische Wasserbilanz (Nieder-
46 Vorsorge gegen Bodenerosion
In Abhängigkeit von ihrer Größe werden die
Teilchen an der Bodenoberfläche bewegt oder
treffen auf andere Teilchen auf. Abrasion zerstört
die Bodenoberfläche (B). Kleinere Teilchen wer-
den in die Luft geschleudert. Der bodennahe
Transport ist in der Regel beim nächsten Hinder-
nis beendet, es erfolgt eine sortierende Zwi-
schenablagerung und Dünenbildung (C). Kleine-
re Teilchen werden weiter transportiert, auch die
Dünen können weiter wandern. Später werden
weitere Teilchen abgelagert (D). Die in Suspen-
sionsform in höhere Luftschichten transportierte
Fracht wird meistens aus den erodierten Flächen
ausgetragen und erst weit entfernt in der Land-
schaft akkumuliert (Funk et al., 1998).
Standortfaktoren, längerfristig wirkend [A]
Potenzielle Gefährdung
Nutzungsfaktoren, kurzfristiger wirkend [B]
[A] + [B] ergeben:
Tatsächliche Gefährdung
Ein einzelnes Windergebnis bestimmt:
Aktuelle Gefährdung
Wind [1]
Windoffenheit der Flächen [2]
Bodenzusammensetzung [3]
Hydromorphie des Standortes [4]
Längerfristige Nutzung (Wald, Grünland, Acker) [5]
Bodenbedeckung [6]
Oberflächenrauigkeit (7)
Aggregatstabilität (8)
Aktuelle Bodenfeuchte der Oberfläche (9)

Vorsorge gegen Bodenerosion 47
sind. Es gibt Richtwerte, welche Ausstattung in
Landschaften mit geringen Waldflächenanteilen
wünschenswert ist. Im Sinne der Vorsorge sind
nach dem BBodSchG die naturbetonten Struktur-
elemente der Feldflur, die gegen Bodenerosion
wirken, besonders hoch zu bewerten.
Bodenzusammensetzung [3]
Besonders verwehungsgefährdet sind sandige
Böden mit einem hohen Anteil von Mittel- und
Feinsand sowie einem geringen Grobskelettanteil
in der Korngrößenzusammensetzung. Bevorzugt
werden fluvial (durch fließendes Wasser) entstan-
dene oder beeinflusste Talsande, wie sie in den
Einzugsbereichen der größeren Flüsse und den
großen Niederungsgebieten vorkommen, trans-
portiert. Ähnlich anfällig sind degradierte Nie-
dermoore, deren Humusbestandteile bereits
mineralisiert und damit in einen labilen Zustand
übergegangen sind. Diese Veränderung ist in der
Regel irreversibel und die eingeleitete "Vermul-
lung" der Moorböden führt zu einer sehr starken
Winderosionsgefährdung.
Hydromorphie des Standortes [4]
Böden, die eine sehr geringe Wasserhaltefähigkeit
besitzen, trocknen in wenigen Stunden stark aus
und sind demzufolge sehr verwehungsgefährdet.
Dazu gehören vorrangig die ehemals grundwas-
serbeeinflussten Sande in den Talsandbereichen,
bei denen durch tiefe Entwässerung die kapillare
Verbindung zum Grundwasser unterbrochen
wurde. Weiterhin gehören leichte grundwasser-
ferne Sande und übernutzte entwässerte Nieder-
moore, deren Wasserhaushalt ebenfalls stark ver-
ändert ist oder die sickerwasserbestimmt waren,
zu den besonders gefährdeten Standorten.
Langfristige Nutzung
(Wald, Grünland, Acker)[5]
Ähnlich wie bei der Wassererosion findet in
Waldbaugebieten und in Grünlandgebieten keine
Winderosion statt. Im intensiven Ackerbau (ins-
besondere bei konventioneller Bestellung mit
dem Pflug) ist die Gefährdung stets vorhanden,
wenn der Boden nicht mit Vegetation bedeckt ist.
Bodenbedeckung [6]
Die aktuelle Winderosionsgefährdung wird von
der Bodenbedeckung durch Pflanzen oder Pflan-
zenrückstände bestimmt. Das Risiko nimmt
bereits bei einer Bodenbedeckung > 25 % deut-
lich ab. Dadurch sind die Zeiten bei einzelnen
Fruchtarten, in denen eine erhöhte Gefährdung
vorliegt, auf die Winter- und Frühjahrsmonate
begrenzt. Besonders anfällig sind alle Sommer-
kulturen. Darunter fallen auch Gemüsearten, die
auf winderosionsgefährdeten Standorten vielfach
angebaut werden und sich sehr langsam ent-
wickeln.
Oberflächenrauigkeit [7]
Eine raue Oberfläche ist gegenüber dem Wind
stabiler als eine glatte. Durch die Rauigkeit wird
die bodennahe Windgeschwindigkeit verringert
und damit die Aufnahmefähigkeit des Windes
für Bodenpartikel begrenzt. Ein weiterer erosi-
onsmindernder Effekt der Rauigkeit besteht im
Einfangen bereits in Bewegung befindlicher Par-
tikel im Windschatten der Bodenwellen (z. B.
zwischen Kartoffeldämmen).
Aggregatstabilität [8]
Da vom Wind in der Regel nur Partikel oder
Aggregate mit einem Durchmesser < 0,6 mm
fortbewegt werden können, ist die Stabilität von
Aggregaten an der Oberfläche besonders wirk-
sam. Dies betrifft sowohl die Stabilität gegenüber
Windkrafteinflüssen als auch die gegenüber der
Saltation, die ähnlich wie ein Sandstrahlgebläse
die Aggregate belastet. Im allgemeinen steigt die
Aggregatstabilität mit zunehmendem Tonanteil.
Auch die organische Bodensubstanz kann zu
einer Vergrößerung und Stabilisierung der
Aggregate beitragen.
Aktuelle Bodenfeuchte der Oberfläche [9]
Für den Beginn einer Bodenverwehung ist aus-
schlaggebend, wie feucht die Bodenoberfläche
ist. Die wegen des gesunkenen Grundwasser-
standes besonders gefährdeten Böden trocknen
binnen kürzester Zeit an der Oberfläche aus.
Damit wird bereits wenige Stunden nach einem,
die Winderosion vorübergehend reduzierenden,
Niederschlag wiederum eine hohe Winderosions-
disposition registriert.
4.1.3.2 Orientierungswerte
Für den Beginn der Winderosion können einige
Orientierungswerte angenommen werden. Diese
geben lediglich Hinweise, von wann ab diesem
Problem erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken
ist.
Winderosion
Windgeschwindigkeit
> 8 m/sec., gemessen in 10 m
Höhe (entspr. 5 bis 6 m an
der Bodenoberfläche)
Bodenanfälligkeit
bevorzugt Feinstsand und
Anmoor, trocken
Windoffenheit in der
Landschaft
< 5 km Flurelemente je km
2
in waldarmen Regionen
Bodenoberfläche
fehlende Bodenbedeckung

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image
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48 Vorsorge gegen Bodenerosion
4.1.4. Sichtbare und nicht sichtbare
Erosionsschäden und tatsächliche
Gefährdung
Vielfach werden Schäden nach Wasser- oder Win-
derosionsereignissen an Pflanzenbeständen sicht-
bar oder es werden Anlagerungen an Gewässer
oder Einträge in Gewässer und Staubstürme regi-
striert. Man kann zwischen flächeninternen Schä-
den (Onsite-Schäden) und flächenexternen Schä-
den (Offsite-Schäden) unterscheiden
(Frielinghaus, 1996; Richter, 1998).
Als
flächeninterne Schäden
werden erosionsbedingte
Schäden bezeichnet, die auf den Flächen entstehen, auf
denen die Bodenverlagerungsprozesse ablaufen.
Sichtbare Schäden sind beispielweise:
Verletzung, Entwurzelung, Überdeckung und Vernich-
tung von Kulturpflanzen (Abbildung. 27)
erschwertes Befahren der Äcker durch tiefe Erosions-
rinnen oder Dünen (Abbildung 28)
Wegspülen und Wegblasen von Saatgut, Düngemitteln
und Pflanzenschutzmitteln vom Ausbringungsort und
Ablagerung an unerwünschter Stelle (Abbildung 29, 30)
Nicht sichtbare Schäden sind beispielsweise:
Verlust an durchwurzelbarer Bodensubstanz und
damit vermindertes Wasserspeicher-, Filter- und Puf-
fervermögen
Beeinträchtigung der ökologischen Funktionsfähigkeit
geschädigter Böden
Verarmung des Bodens an Humus und Pflanzennähr-
stoffen
Minderung der Erträge und der Ertragsfähigkeit
Zunahme der Flächenheterogenität
Akkumulation von Schadstoffen durch Konzentration
von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln im Abla-
gerungsbereich
Als
flächenexterne Schäden
werden erosionsbedingte
Stoffausträge aus den "Quellflächen" der Erosion
bezeichnet
Solche Schäden sind beispielsweise:
Einträge in benachbarte Biotope, Vorfluter oder ande-
re Nachbarsysteme, die in diesen zu Verschiebungen
im jeweiligen Stoffhaushalt und zu erheblichen Schä-
den führen (Abb. 31 und 32)
Verschmutzung von angrenzenden Straßen, Wegen,
Gräben
Seit Jahren wird in verschiedenen Regionen
Deutschlands gemessen, wie viel Boden bei
einem Wasser- oder Winderosionsereignis verla-
gert wird (Richter, 1998; Hassenpflug, 1998).
Während regelmäßig mit Mengen um 10 t je ha
gerechnet werden muss, wurden in sehr seltenen
Extremfällen Bodenverlagerungen bis 170 t je ha
bei Starkregen im April auf einem Zuckerrüben-
Abb. 27: Verletzung und Beschädigung von Kulturpflanzen
Abb. 28: Erschwerte Bewirtschaftung von Ackerflächen mit Erosionsgräben
Foto: Frielinghaus
Foto: Frielinghaus
Abb. 29: Bodentransport hangabwärts in Gewässer
Foto: Funk
Foto: Deumlich
Abb. 30: Wassererosionsablagerung am/im Gewässer

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Vorsorge gegen Bodenerosion 49
schlag in der Uckermark oder bei Sommergewit-
tern in Bayern festgestellt (Frielinghaus in Rich-
ter, 1998; Auerswald et al., 2000). Solche "Großer-
eignisse" sind spektakulär, weil die
Bodenverlagerung oft in linearen Bahnen (Rinnen
und Gräben) gravierende Spuren hinterlässt und
in der Regel flächenexterne Schäden Aufmerk-
samkeit erregen wie Schlammlawinen in Ort-
schaften oder Sandbarrieren in Gewässern. Sol-
che Ereignisse werden durch sogenannte
"Jahrhundertregen" ausgelöst und treten nur sel-
ten auf (Abb. 33).
Viel häufiger ist die sogenannte "schleichen-
de" Bodenerosion, die nach und nach zu erhebli-
chen Bodenverlagerungen führen kann (Abb. 34).
So hat die Heterogenität der Ackerflächen in vie-
len Regionen zugenommen und ein hoher Anteil
kolluvialer Böden ist entstanden (Bork et al.,
1999).
Die Schätzungen zeigen, dass der Umfang der
Wassererosionsgefährdung bedeutender als der
der Winderosionsgefährdung ist. Regional kann
aber auch die Winderosion in jedem Jahr zu
erheblichen Onsite- und Offsite-Schäden führen.
Die
flächeninternen Wirkungen (Onsite-Fol-
gen)
der Bodenerosion wurden hinsichtlich der
Reduzierung der Ertragsfähigkeit durch ständi-
gen Boden- und Humusabtrag für verschiedene
Standorte Deutschlands abgeschätzt. So sind auf
den Hängen oder winderosionsgefährdeten
Flächen oftmals Ertragsrückgänge um 70 % regi-
striert worden (Richter, 1965 und 1998; Frieling-
haus et al., 1992). Die direkten mechanischen
Schäden an Pflanzen führten besonders bei
Zuckerrüben und Gemüsekulturen alljährlich zu
Ausfällen oder zusätzlichen Kosten für eine Neu-
bestellung von geschädigten Flächen. Die negati-
ven Folgen für die ökologisch bedeutsamen
Bodenfunktionen und ihre Nachhaltigkeit erge-
ben sich aus der Abnahme des Bodenvolumens
für Speicherung, Pufferung, Filterung, als Pflan-
zenstandort und als Lebensraum für Mikroorga-
nismen und Bodentiere. Der bevorzugte Abtrans-
port von Feinanteilen und Humusstoffen, oftmals
über viele Jahre hinweg führt besonders auf Stand-
orten mit geringem durchwurzelbaren Raum zu
negativen Bodenveränderungen.
Die
flächenexternen Wirkungen (Offsite-Fol-
gen)
wurden im Falle der Wassererosion beson-
ders hinsichtlich der Gewässereutrophierung
bewertet. Von den diffusen Stickstoffeinträgen in
die Flussgebiete von Donau, Rhein und Elbe wer-
den 1,8 bis 2,8 % auf Bodenerosion zurückgeführt
(Zeitraum 1993 - 1997). Die erosionsbedingten
Phosphoreinträge werden z. B. für die Donau mit
40,3 %, für den Rhein mit 21,5 % und für die Elbe
mit 25,0 % der diffusen Einträge geschätzt (UBA -
Texte 75/99). Die differenzierten Angaben deuten
auf die Schwierigkeiten bei der genauen Schät-
zung hin, die potenziellen Gefahren für die
Abb. 31: Sedimenteintrag infolge Winderosion in das Randbiotop
Abb. 32: Sedimenteintrag in das benachbarte Gewässer nach einem Starkregen
Foto: Frielinghaus
Foto: Frielinghaus
Abb. 33: Grabenerosion nach einem Starkregen im Sommer
Abb. 34: Flächenhafte Wassererosion an einem Oberhang
Foto: Frielinghaus
Foto: Frielinghaus

50 Vorsorge gegen Bodenerosion
Gewässer und damit die Nord- und Ostsee und
das Schwarze Meer werden aber deutlich (Braun
et al., 1997). Binnengewässer oder Feuchtbiotope
mit hohem Naturschutzwert werden unmittelbar
durch Schadstoffschübe infolge starker Nieder-
schläge im Sommer oder langanhaltender Win-
terniederschläge gefährdet, wenn sie in erosions-
gefährdeten Landschaften liegen. Im Falle der
Winderosionsschäden ist eine Schätzung der
Atmosphärenbelastung oder der Einträge in wei-
ter entfernte Ökotope noch nicht möglich. Durch
Wind verlagerte Schadstoffe sind aber in weit
entfernten Akkumulationsbereichen nachgewie-
sen worden (Steiner, 1996).
Die erosionsbedingte Verlagerung von Pflan-
zenschutzmitteln ist zur Zeit noch nicht ausrei-
chend untersucht und nach ersten Aussagen nur
sehr begrenzt von Bedeutung (Frielinghaus,
2001).
4.1.5 Schlussfolgerungen aus dem
Sachstand
Vorsorge gegen Bodenerosion muss auf den gefährde-
ten Standorten stets erfolgen und zu den Grundprinzi-
pien landwirtschaftlicher Nutzung gehören.
Bodenerosionserscheinungen und -formen sind regi-
onsspezifisch sehr unterschiedlich, daher sind die
möglichen Risiken für den Standort und die Umwelt
auch differenziert zu bewerten.
Vorsorgemaßnahmen gegen Bodenerosion müssen
entsprechend den jeweiligen standort- und nutzungs-
spezifischen Risiken praktiziert werden. Dabei bilden
die Erfahrungen der Landwirte die Grundlage für
einen effektiven Bodenschutz gegen Erosion.
Geeignete Vorsorge- und Schutzverfahren sind verfüg-
bar. Eine Auswahl muss je nach den betrieblichen
Strukturen und den standortspezifischen Erfahrungen
getroffen werden.
Die Ursachen für die lokal festgestellte Zunahme der
tatsächlichen Erosionsrisiken und Erosionsschäden lie-
gen in der Regel in nicht standortangepasster Bewirt-
schaftung und Nutzung der Flächen, die eine natürli-
che Disposition für Bodenerosion aufweisen.
Obwohl inzwischen viele Schutzverfahren und Vorsor-
gemöglichkeiten bekannt und standortspezifisch
erprobt sind, kann der Anwendungsumfang nicht
befriedigen.Vielfach sind noch Defizite bei der
betrieblichen Einordnung der Verfahren vorhanden.
Für mehrere Verfahren zum Schutz vor Bodenerosion
liegen noch unzureichende Standorterfahrungen vor.
Daher wird das Risiko bei der Etablierung neuer
Bewirtschaftungssysteme von vielen Landwirten
gegenwärtig als zu hoch oder nicht verkraftbar einge-
schätzt. Um das Risiko zu mindern, können eine Reihe
von Förderprogrammen der Bundesländer für Maß-
nahmen des Bodenschutzes genutzt werden.
Das Bewusstsein für den Boden als Lebensgrundlage
wächst. Allerdings sind die Zusammenhänge sehr
komplex. Deshalb ist die verantwortungsvolle Beratung
durch Fachleute zu einem der wichtigsten Bausteine
des vorsorgenden Bodenschutzes in der Landwirtschaft
geworden. Von der Qualität hängt die Akzeptanz in
der Praxis ab.
4.2 Maßnahmen der
guten fachlichen Praxis
zur Vorsorge gegen
Bodenerosion
4.2.1 Abschätzung (Indikation) der
Wasser- und Winderosionsgefährdung
Nachfolgend wird dargelegt, nach welchen Prin-
zipien das von Standortfaktoren und Bodennut-
zung ausgehende Erosionsrisiko bewertet wer-
den kann und wie daraus Entscheidungshilfen
für die Integration von Schutzmaßnahmen als
Vorsorge gegen Bodenerosion im Acker- und
Pflanzenbau abgeleitet werden können.
Als Grundlage dient hierbei ein Indikations-
konzept der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von
1998. Aus der Verknüpfung der Belastbarkeit der
Standorte (= potenzielle Erosionsgefährdung) mit
dem Erosionsrisiko, das sich aus der Bodenbe-
wirtschaftung ergibt ("Nutzungsrisiko"), ist die
tatsächliche Erosionsgefährdung abschätzbar
(Frielinghaus et al., 2000). Aus der sich daraus
ergebenden tatsächlichen Risikoeinstufung kön-
nen die erforderlichen Schutzmaßnahmen abge-
leitet werden ("Vorsorge") (Abbildung 35).
Ziel ist es, neben der möglichst genauen Risikoabschätzung
eine diesem Risiko entsprechende Vorsorge zu empfehlen
und die dadurch erreichbare Risikoverminderung sichtbar
zu machen.
Anforderungen an die Vorsorge haben grundsätzlich Emp-
fehlungscharakter, solange keine schädliche Bodenverän-
derung im Sinne des BBodSchG und keine Umweltbela-
stungen festgestellt worden sind. Müssen allerdings
Gefahren abgewehrt werden, können Vorsorgemaßnahmen
angeordnet werden.
Welche konkreten Maßnahmen im Einzelfall
geeignet sind, um dem jeweiligen Schutzbedürf-
nis zu genügen, wird immer "vor Ort" unter
Berücksichtigung der betrieblichen Verhältnisse
und Erfordernisse und der Standortspezifik zu
beurteilen sein.
Das hier empfohlene und nachfolgend be-
schriebene Verfahren zur Einstufung der Erosi-

Vorsorge gegen Bodenerosion 51
Abb. 35: Schema zur Bewertung des Standort- und Nutzungsrisikos der Bodenerosion
1. Schritt
(siehe Kap. 4.2.1.1.)
2. Schritt
(siehe Kap. 4.2.1.2.)
3. Schritt
(siehe Kap. 4.2.1.3.)
Bewertung des Standortes
(Indikatoren: Boden/Bodenhydrologie/Geländemorphologie)
ergibt die
POTENZIELLE GEFÄHRDUNG [A]
Bewertung der Bodennutzung
(Indikator: Bodenbedeckung)
ergibt das
NUTZUNGSRISIKO [B]
Aus der Potenziellen Gefährdung und dem Nutzungsrisiko
ergibt sich die
TATSÄCHLICHE GEFÄHRDUNG [C]
KONSEQUENZEN FÜR DEN SCHUTZ VOR
BODENEROSION
Niedrig
[Gefährdungsstufe A 1]
Niedrig
(Boden durchgehend bedeckt)
[Risikostufe B 1]
Niedrig
ergibt sich aus [A 1] und [B 1]/[B 2]
oder
aus [A 2]/[A 3] aber
[B 1]
Vorsorge ist
gewährleistet
Ausreichende Bodenbe-
deckung im Anbauablauf
bewirkt einen guten Schutz
vor Bodenerosion
Beschreibung der Maßnahmen
in Kap. 4.2.2.1.
Mittel
[Gefährdungsstufe A 2]
Mittel
(Boden längere Zeit nicht
ausreichend bedeckt)
[Risikostufe B 2]
Mittel
ergibt sich aus [A 2] und [B 2]
oder
aus [A 1] aber
[B 3]
Vorsorge ist in kritischen
Bereichen nicht gewährleistet
Einzelfallentscheidungen sind
notwendig. Alle zumutbaren
Möglichkeiten zur Erhöhung
der Bodenbedeckung in
Anbauabläufen verbessern
den Schutz vor Erosion
Beschreibung der
Maßnahmen in Kap. 4.2.2.2.
Hoch
[Gefährdungsstufe A 3]
Hoch
(Boden überwiegend nicht
ausreichend bedeckt)
[Risikostufe B 3]
Hoch
ergibt sich aus [A 2] und [B 3]
oder
aus [A 3] und [B 2]/[B 3]
Vorsorge ist nicht
gewährleistet
Zusätzlich zu den
Maßnahmen einer deutlichen
Erhöhung der Bodenbe-
deckung verbessern
Flurgestaltungsmaßnahmen
den Schutz vor Erosion
Beschreibung in Kap. 4.2.2.3.

52 Vorsorge gegen Bodenerosion
onsrisiken ist veränderbar in der Differenziertheit
seiner Ausgestaltung (z. B. Anzahl der Gefähr-
dungsklassen), wenn die standortspezifischen
Besonderheiten dies erfordern. Es lässt in der
Bewertung der Standort- und Bewirtschaftungs-
risiken Raum für regional bewährte Vorgehens-
weisen, wie in den Länderbeispielen gezeigt wird.
4.2.1.1 Bewertung der
standortbedingten Gefährdung/
potenzielle Gefährdung [A]
Treffen viele erosionsfördernde Standortfaktoren
zusammen, kann das potenzielle Risiko für eine
Bodenverlagerung sehr hoch sein. In diesen Fäl-
len kann die ackerbauliche Nutzung mit einem
hohen tatsächlichen Erosionsrisiko verbunden
sein (Frielinghaus et al., 1999). Die Bewertung
des potenziellen Erosionsrisikos eines Standorts
kann nach verschiedenen Verfahren oder Model-
len erfolgen. Während z. B. in Bayern, Baden-
Württemberg und Thüringen die Datenbanken
für die Risikoabschätzung der Wassererosion mit-
tels der ABAG zur Verfügung stehen (Schwert-
mann et al., 1990), wird in Niedersachsen ein
variiertes Vorgehen im Rahmen von NIBIS bevor-
zugt (Müller et al., 1992). In Sachsen wird von
Fachbehörden das physikalisch begründete
Modell EROSION 2D/ 3D angewendet, mit dem
der Einfluss der Bodenbearbeitung, der Topogra-
phie und von Einzelregenereignissen auf die Ero-
sion stärker erfasst werden als in der ABAG
(Schmidt et al., 1996).
In den neuen Bundesländern liegen die
Datenbanken der MMK flächendeckend digitali-
siert vor (Mittelmaßstäbige Landwirtschaftliche
Standortkartierung, Lieberoth et al., 1983). Daher
wird die potenzielle Gefährdung durch Wasser-
und Winderosion in Brandenburg und Mecklen-
burg-Vorpommern auf dieser Basis ermittelt
(Frielinghaus et al., 1999). Dort, wo möglich oder
erforderlich, kann eine Präzisierung mittels Ein-
beziehung regionsspezifischer Besonderheiten,
wie Tiefenlinien oder Talwege oder erhöhte Wind-
offenheit, erfolgen.
Ergebnis der Standortbewertung können Kar-
ten verschiedener Maßstäbe (Region bis Betrieb)
der potenziellen Wasser- bzw. Winderosionsge-
fährdung oder auch die Gefährdungseinstufung
eines Einzelschlages sein (siehe dazu Länderbei-
spiele).
Diese Informationen brauchen nur einmal als
Grundlage beschafft und dann als Datenbanken
gepflegt werden, weil sich die zugrundeliegenden
Daten in der Regel nur in sehr langen Zeiträumen
verändern.
Alle oben genannten Verfahren erlauben glei-
chermaßen eine Bestimmung der Gebiete, die
potenziell gefährdet sind und einem erhöhten
Risiko der Wasser- oder Winderosion unterliegen.
Vielfältige Erfahrungen liegen mit Methoden und
Verfahren zur teilweise notwendigen Präzisie-
rung der hauptsächlich lokalen Transportwege in
einzelnen Regionen vor. (Fernerkundungsdaten,
Kartieranleitungen für Formen u.s.w.). Hieraus
ergeben sich wertvolle Hinweise auf Schwer-
punkte des vorsorgenden Bodenschutzes, die in
der Regel besonders wirksam sind.
4.2.1.2 Bewertung der nutzungsbe-
dingten Gefährdung/Nutzungsrisiko [B]
Bodennutzung und -bewirtschaftung beeinflus-
sen entscheidend die tatsächliche Erosionsgefähr-
dung. Hier liegen auch die Einflussmöglichkeiten
der Landnutzer. Wegen der ausschlaggebenden
Bedeutung muss die Beurteilung von Bodennut-
zung und Bodenbewirtschaftung für Standorte
mit erhöhtem potenziellen Risiko möglichst
genau erfolgen (Frielinghaus et al., 2000). Die
hierfür geeignete Methode richtet sich nach den
verfügbaren Datenbanken und den örtlichen
Erfahrungen. Zur Einschätzung der Fruchtarten
und Anbaufolgen hinsichtlich ihres Bedeckungs-
grades kann auf regionsspezifische Erfahrungen
und auf vorhandene Datenbanken zurückgegrif-
fen werden. Der C-Faktor der ABAG ist in eini-
gen Bundesländern eingeführt und wird dort mit
Erfolg angewendet (Schwertmann et al., 1990). Er
erlaubt über relative Vergleiche mit der Brache
eine Einschätzung. Mit Hilfe eines physikalisch
begründeten Erosionsmodels EROSION 2D/3D
(Schmidt, 1996) gelingt ebenfalls eine Schätzung.
Über die Klassifizierung auf der Basis von Fern-
erkundungsaufnahmen oder über die Bewertung
nach einer ausführlichen Matrix werden in eini-
gen Bundesländern sehr gute Erfolge erzielt (Fri-
elinghaus et al., 2001). Ein wesentlicher, gleich-
zeitig einfach zu bestimmender Indikator ist die
aktuelle Bodenbedeckung auf Ackerflächen.
Wegen der Bedeutung für die Praxis wird diese
Methode nachfolgend kurz beschrieben.
Methode zur parzellenscharfen Bestimmung der
Bodenbedeckung auf Ackerflächen (Zählmethode)
Abgeleitet aus dem jährlich wechselnden Anbauverhältnis
und aus dem Bewirtschaftungsmanagement für die ein-
zelnen Fruchtarten ergeben sich zwischen den Jahren und
innerhalb eines Jahres wechselnde aktuelle Gefährdungen.
Die Bestimmung der zeitlichen und räumlichen Verteilung
der Bodenbedeckung stellt einen Schlüssel zur Bewertung
der jeweils aktuellen Erosionsgefährdung beim Eintreten
von entsprechenden Niederschlags- oder Windereignissen
dar, da einerseits gute Erkennungsmethoden mittels ver-
schiedener Hilfsmittel möglich sind und andererseits dieser
Faktor in Landnutzungssystemen gesteuert werden kann.
Die Datenaufnahme erfolgt mittels einer 15 m langen Leine.

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image
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Vorsorge gegen Bodenerosion 53
Diese Leine wird mit Hilfe von Markierungen in 100 gleich
große Abschnitte geteilt. Die so vorbereitete Leine spannt
man diagonal zu den Reihen auf dem zu untersuchenden
Feld, geht an ihr entlang und zählt die Schnittpunkte von
lebenden oder trockenen Pflanzenteilen, die die Markie-
rungen schneiden. Dabei ist darauf zu achten, dass die
einzelnen Pflanzenteile größer als 3 mm sind und die
Markierungen vollständig geschnitten werden (Abb. 36 a
und b).
Die Anzahl der Wiederholungen richtet sich nach der
Größe des zu untersuchenden Feldes. Bei einer Größe bis
zu 10 ha werden 15 Wiederholungen empfohlen, bei
einer Größe von mehr als 10 ha 25 Wiederholungen. Die
Wiederholungen sind so über das Feld zu verteilen, daß
die größte Feldlänge erfasst wird.
Vor- und Nachteile:
1. Einfache praxisnahe Methode zur Bestimmung der
aktuellen Bodenbedeckung.
2. Durch die Länge der Leine werden verschiedene
Bedeckungszustände auf dem Acker erfasst (Fahrspuren,
unterschiedlich dichte Vegetation oder Rückstände), so
dass eine subjektive Auswahl der Testfläche weitgehend
vermieden wird.
3. Bei höheren Beständen (ab ca. 40 cm) erfolgt eine
zunehmende Unterschätzung des Bedeckungsgrades.
Abb. 38: Bodenbedeckung von > 50 % bedeutet guten Schutz vor Wind-
und Wassererosion. Der wirksamste Teil sind zu diesem Termin die Rück-
stände der abgefrorenen Vorfrucht in Zuckerrüben und Mais.
Abb. 36: Vorgehensweise bei der Zählmethode
a. gezählte Pflanzenteile
b. Pflanzenteile werden nicht gezählt
Abb. 37: Unzureichende Bodenbedeckung
nach konventioneller Bestellung
und ausreichende Bodenbedeckung nach konservierender Bestellung
von Mais mit sichtbaren Bodenabtragsunterschieden
Fotos: Schäfer

54 Vorsorge gegen Bodenerosion
Auf der Grundlage langjähriger Feldversuche
und Schadenskartierungen wurde ein enger
Zusammenhang zwischen dem Grad der Boden-
bedeckung und dem Bodenabtrag ermittelt (Abb.
37 und 38).
Für einige östliche Bundesländer wurde wei-
terhin eine Matrix entwickelt, die auf Experten-
wissen beruht (Frielinghaus et al., 1994). In dieser
Matrix werden mit Hilfe von fünf Kriterien ein-
zelne Fruchtarten bzw. ganze Fruchtfolgen
bezüglich ihrer Schutzbedürftigkeit beurteilt. Die
Kriterien sind:
Die Jugendentwicklung (Geschwindigkeit der
Pflanzen- und Bestandesentwicklung bis zur
bodenschützenden Bedeckung),
Tabelle 12: Beispiel für den Einfluss der Bodenbedeckung auf den Abfluss und Bodenabtrag (Relativwerte auf der Basis 10-jähriger Messungen)
(Frielinghaus et al., 1999)
Boden-
Pflanzenrück-
Oberflächen-
Bodenabtrag
Bodenabtrag
bedeckung
stände in
abfluss
Wassererosion
Winderosion
Trockenmasse
[Niederschl.=100%]
%
t/ha
%
%
%
0
0
45
100
100
ca. 20 - ca. 30
0,5
40
25
15