Bund- / Länderarbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) - Altlastenausschuss (ALA)
ad-hoc AG „Arbeitshilfen Qualitätssicherung“
Teilthema 2.6 Phase 2-3 Stand: Juli 2000
Teilthema 2.6:
Interpretation und Beurteilung der
Untersuchungsergebnisse
Beitrag des Umweltbundesamtes
SE 10.10.2000

 
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Teilthema 2.6 Phase 2-3 Stand: Juli 2000
1
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS
1
2.6 INTERPRETATION UND BEURTEILUNG DER UNTERSUCHUNGSERGEB-
NISSE
2
2.6.1
Aufgaben, Grundlagen und Ziele der fachlichen Beurteilung
2
2.6.2
Vorgehensweise bei der Beurteilung der Untersuchungsergebnisse
4
2.6.3
Interpretation der Untersuchungsergebnisse
6
Hintergrundgehalt
6
Prüfwerte
7
Beurteilung von Untersuchungsergebnissen
7
LITERATUR
9
ANHANG 1
Interpretation der Untersuchungsergebnisse und Beurteilung der Gefahrensituation
12
1
PLAUSIBILITÄTSPRÜFUNGEN VON MESSERGEBNISSEN
13
1.1
Untersuchungsmedium Boden
13
1.2
Untersuchungsmedium Bodenluft
14
1.3
Untersuchungsmedium Wasser
14
ANHANG 2
Glossar und Abkürzungsverzeichnis
18
1
GLOSSAR
19
2
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
24
ABBILDUNG
Abbildung 2.6.2-1:
Fehlerverteilung bei der Altlastenuntersuchung (Altlastenhandbuch
Niedersachsen)
5

 
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2
2.6
Interpretation und Beurteilung der Untersuchungsergebnisse
2.6.1
Aufgaben, Grundlagen und Ziele der fachlichen Beurteilung
Aufgabe der fachlichen Beurteilung durch den Gutachter / Sachverständigen ist - nach
vorangegangener Plausibilitätsprüfung der Messergebnisse - die Abschätzung der im einzelnen
Falle eingetretenen Einwirkungen auf Schutzgüter und der bestehenden bzw. zukünftig zu
erwartenden Risiken sowie die Aufklärung der Ursachen.
Sollte eine Gesamtbetrachtung der vorliegenden Daten, Tatsachen, Erkenntnisse usw. für eine
abschließende Gefahrenbeurteilung nicht ausreichend sein, so sind Art und Umfang für weitere
erforderliche Ermittlungen / Untersuchungen anzugeben.
Die Beurteilung dient als Grundlage für die Bewertung (Prüfung der Rechtsfragen,
Ermessensausübung und Entscheidung) durch die zuständige Behörde.
Bestandteil der Beurteilung sind im Einzelnen folgende Schritte:
I.
Darstellung der im Einzelfall relevanten Wirkungspfade,
II.
Beschreibung der Untersuchungsdurchführung und qualitätssichernden Maßnahmen z.B.
Probennahmestrategie, Probennahme, Probenlagerung und Selektivität, Genauigkeit und
Richtigkeit der Messverfahren,
III. Ermittlung der Tatsache, ob die Schadstoffgehalte in den beurteilungsrelevanten
Bereichen/ Umweltmedien der altlastverdächtigen Fläche signifikant höher als in der
unbeeinflussten Umgebung sind (ursachenbezogene Betrachtung),
IV.
Beschreibung der Einwirkungen und Wirkungen, die nach Abschätzung in überschaubarer
Zukunft nach Art und Ausmaß zu erwarten sind (Expositionsabschätzung),
V.
Aufzeigen noch offener Fragen und
VI. Vorschläge für gegebenenfalls notwendige weiter gehende Untersuchungen zur
Sachverhaltsermittlung.
Bei der ursachen- und wirkungsbezogenen Betrachtung kann die Anwendung geeigneter
Vergleichswerte (Hintergrundwerte, Orientierungswerte, Richtwerte oder anderer
stoffbezogener Konzentrationswerte) hilfreich sein. Die Prüfwerte oder Maßnahmenwerte der
Bundesbodenschutzverordnung sind zu beachten.

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3
Bei der Beurteilung von altlastverdächtigen Flächen ist sowohl die Komplexität der unter
Umständen von ihnen ausgehenden Umwelteinwirkungen als auch die Heterogenität und
gegenseitige Abhängigkeit der Stoff-, Standort- und Nutzungscharakteristika zu
berücksichtigen. Deshalb sind die damit verknüpften Umwelt- und Gesundheitsrisiken weder
direkt messbar, noch einfach quantifizierbar. Insbesondere kann das Gefährdungspotenzial
häufig nicht alleine aus den Bodenverunreinigungen abgeleitet werden, sondern erst unter
Berücksichtigung von Freisetzungs-, Ausbreitungs- und Einwirkungsvorgängen.
Die Beurteilung erfolgt auf der Grundlage aller Daten und Ergebnisse der historischen Erkun-
dung und der Untersuchungen, wie Angaben zur
Geologisch / hydrogeologischen und hydrologischen Situation:
Mächtigkeit und Aufbau der ungesättigten Zone (Auffüllung / Anstehendes);
Flurabstand und Anzahl der Grundwasserleiter, einschließlich hydraulischer
Trennschichten;
Mächtigkeit und Aufbau der Grundwasserleiter;
Fließrichtung, Durchlässigkeit, Transmissivität und Abstandsgeschwindigkeit;
Niederschlag und Grundwasserneubildungsrate.
Kompartimentspezifischen Belastungssituation:
relevante Schadstoffe;
Konzentration / Fracht;
horizontale und vertikale Verteilung;
Verfügbarkeit, Mobilität;
geogene und anthropogene Hintergrundgehalte.
Nutzung, Umfeld, Schutzgüter:
Darstellung der ehemaligen, derzeitigen und geplanten Nutzung;
Darstellung des Umfeldes hinsichtlich der vorliegenden Nutzungsempfindlichkeit;
Darstellung der relevanten Wirkungspfade;
Darstellung der betroffenen Schutzgüter.
Die Feststellung einer Altlast durch die zuständigen Behörde ist ein komplexer Prozess. Bei der
Beurteilung sind schematische Vorgehensweisen nicht geeignet. Außer der Plausibilität, Höhe

 
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und Verteilung der gemessenen Schadstoffkonzentrationen in den Umweltmedien sind auch
mögliche Wechselwirkungen zwischen den Umweltmedien und Schadstoffen,
Expositionsmöglichkeiten und daraus resultierenden Risiken für Schutzgüter zu
berücksichtigen.
Bei der Interpretation der Untersuchungsergebnisse sind die folgenden Gesichtspunkte unbe-
dingt zu beachten:
Schadstoffspezifische Eigenschaften ( z.B. Bindungsform, Löslichkeit, Flüchtigkeit,
Toxizität und Kanzerogenität) die die Mobilisierbarkeit, die Ausbreitung und die Wirkungen
bestimmen,
Standortspezifische Bedingungen wie z.B. die Eigenschaften des Bodens (insbesondere
Bodendurchlässigkeit, Sorptionsfähigkeit, pH-Wert), der Flurabstand des Grundwassers, die
Tiefenlage der Kontamination, die Grundwasserfließrichtung, Abstands-geschwindigkeit,
die Überflutungsgefahr, der Bewuchs der Fläche, die die Ausbreitung von Schadstoffen ent-
scheidend beeinflussen und
Nutzungsfaktoren, insbesondere die exponierten Schutzgüter (z.B. Gesundheit des Men-
schen), die Nutzungsintensität und Nutzergruppen, die Aufnahmepfade und die
Aufnahmeraten von Schadstoffen, die die gegenwärtige oder die zukünftige
Gefahrensituation bestimmen.
2.6.2
Vorgehensweise bei der Beurteilung der Untersuchungsergebnisse
Die Beurteilung der Analysen-/Untersuchungsergebnisse von altlastverdächtigen Flächen
erfolgt unter Einbeziehung aller notwendigen Untersuchungsschritte, wobei Fehlerbetrachtun-
gen für den gesamten Untersuchungsprozess zu einer umfassenden Qualitätssicherung gehören.
Ergeben sich für einzelne Parameter unplausible Ergebnisse, so sind dafür im Allgemeinen
Untersuchungsfehler die Ursache. Abgesehen vom Probennahmefehler ist dabei in der Regel
eine schematische Probenaufbereitung unter Vernachlässigung des Matrixeinflusses bedeutsam.
Bei der Untersuchung von altlastverdächtigen Flächen ist ungefähr von folgender
Fehlerverteilung auszugehen:

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Fehlerbreite
Abbildung 2.6.2-1: Fehlerverteilung bei der Altlastenuntersuchung (Altlastenhandbuch Niedersachsen)
Für eine sachgerechte Auswertung und Bewertung der Untersuchungsergebnisse ist daher
folgende Vorgehensweise empfehlenswert:
Plausibilitätsprüfung (Anhang 1),
Darstellung der Untersuchungsergebnisse,
Interpretation der Untersuchungsergebnisse,
Beurteilung der Untersuchungsergebnisse.
Die „fehlerfreie“ Darstellung der Untersuchungsergebnisse, die Charakterisierung der konta-
minierten Flächen auf der Basis der erhobenen Standorteigenschaften und der Untersuchungs-
ergebnisse bilden die Voraussetzung für die Beurteilung von altlastverdächtigen Flächen.

 
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6
2.6.3
Interpretation der Untersuchungsergebnisse
Die Interpretation der Untersuchungsdaten umfasst eine sinnvolle und nachvollziehbare Ver-
knüpfung aller gewonnenen Erkenntnisse zum Sachverhalt. Das Ziel der Interpretation von
Untersuchungsergebnissen ist die Charakterisierung eines Risikos bezüglich einer Nutzung
basierend auf einer nachvollziehbaren Prognose des weiteren Geschehensablaufes und der
Einschätzung der Emissionspfade.
Die Verknüpfung der schadstoffspezifischen Eigenschaften mit den standortspezifischen Be-
dingungen und Nutzungen lässt Aussagen zum Verhalten der Schadstoffe in der ungesättigten
und gesättigten Bodenzone zu, die wesentlich für die Prognose und Beurteilung des weiteren
Geschehensablaufes sind.
Schadstoffe auf altlastverdächtigen Flächen sind in der Regel unregelmäßig verteilt
Die fachliche Beurteilung des Gefährdungspotenzials erfordert eine räumliche Interpretation
der Untersuchungsergebnisse, die jedoch auf Grund der Probennahme die Belastungssituation
nur punktuell abbilden. Daher ist eine statistische Auswertung im Altlastenbereich nicht
sinnvoll.
Für die Beurteilung der Auswirkungen der Kontaminationen von altlastverdächtigen Flächen
auf Grund- und Oberflächenwässer sind unter anderem die Persistenz und das
Transferverhalten (Mobilität) der Schadstoffe zu berücksichtigen. Grundsätzlich bietet sich die
Möglichkeit, die Schadstoffkonzentrationen direkt im Medium zu messen oder diese unter
Beachtung der jeweiligen Standortgegebenheiten, abzuschätzen (BBodSchV, Anhang 1, 3.3).
Werden für die Interpretation der Analysenergebnisse Vergleichswerte aus Regelwer-
ken / Beurteilungshilfen herangezogen, so ist ihre Verwendung unter dem Aspekt der
Anwendbarkeit und Aussagekraft zu begründen.
Hintergrundgehalt
Schadstoffgehalt eines Bodens, der sich aus dem geogenen (natürlichen) Grundgehalt eines
Bodens und der ubiquitären Stoffverteilung als Folge diffuser Einträge in den Boden zusam-
mensetzt ( BBodSchV 1999; LABO, 1998).
Die Überprüfung des Altlastverdachts erfolgt unter Berücksichtigung der standortspezifischen
Schadstoffgehalte und regionalen Hintergrundgehalte.
Durch Untersuchungen des Grundwassers im An- und Abstrom können Stoffeinträge aus
altlastverdächtigen Flächen erkannt werden.

 
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Prüfwerte
Prüfwerte (§ 8 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BBodSchG) sind Werte, bei deren Überschreiten unter Be-
rücksichtigung der Bodennutzung eine einzelfallbezogene Prüfung durchzuführen und festzu-
stellen ist, ob eine schädliche Bodenveränderung oder Altlast vorliegt.
Beurteilung von Untersuchungsergebnissen
Die Beurteilung der Untersuchungsergebnisse durch den Sachverständigen / Gutachter muss in
engem Zusammenhang mit der Interpretation der chemisch-analytischen Messergebnisse durch
die Untersuchungsstelle erfolgen (s. Anhang 1). Dabei ist u.a. zu prüfen, ob die
Bestimmungsverfahren so ausgewählt wurden, dass auf Grund der Bestimmungsgrenze die
Über- und Unterschreitung der entsprechenden Werte (Prüf- / Maßnahme- / Vorsorgewerte)
sicher beurteilt werden kann.
Um Messergebnisse mit den Werten vergleichen zu können und um daraus Aussagen zu
treffen, ob die Werte über- oder unterschritten sind, sind Maßnahmen zur analytischen
Qualitätssicherung, wie z.B. Mehrfachbestimmungen und insbesondere die Angabe der
Messunsicherheit gemäß DIN 1319-3 oder DIN 1319-4 erforderlich.
Die Untersuchungsergebnisse sind schutzgut- und nutzungsbezogen unter Beachtung der
Gegebenheiten des Einzelfalls und anhand von Vergleichswerten (Hintergrund-, Prüf- und
Maßnahmenwerte der BBodSchV, Orientierungswerte) zu beurteilen. Aus der Beurteilung
sollte sich u.a. ergeben:
-
Verdacht einer Altlast bestätigt
-
oder ob ein Verdacht im Sinne von § 9 Abs. 2 Satz 1 des Bundes-Bodenschutzgesetzes
ausgeräumt wurde.
Dabei sind die der Ableitung der Werte zu Grunde liegenden Annahmen bei der Beurteilung
des Einzelfalls zu überprüfen, insbesondere ist ein Abgleich der standortspezifischen
Eigenschaften mit den Expositionsannahmen der Werteableitung vorzunehmen.
Die Prüfwerte nach Anhang 2 der BBodSchV für den Direktpfad Boden – Mensch und
Boden – Nutzpflanze gelten nur für die Beurteilung der Untersuchungsergebnisse in den
betreffenden nutzungsorientierten Beprobungstiefen (BBodSchV).
Wird im Zuge der
orientierenden Untersuchung
ein Prüfwert oder Maßnahmenwert der
BBodSchV für die im Einzelfall relevanten Nutzungen, Schutzgüter und Wirkungspfade über-

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schritten, so liegt ein hinreichender Verdacht einer Altlast oder schädlichen Bodenveränderung
vor und es sind in der Regel weitere Untersuchungen gemäß § 3 dieser Verordnung durchzu-
führen.
Die Ergebnisse der
Detailuntersuchung
, d.h. Messergebnisse, daraus abgeleitete Erkenntnisse
oder Prognosen sind schutzgut- und nutzungsbezogen unter Beachtung der Gegebenheiten des
Einzelfalls, insbesondere anhand der Maßnahmenwerte (BBodSchV) daraufhin zu bewerten, ob
eine Altlast vorliegt und dadurch eine schädliche Bodenveränderung oder sonstige Gefahren
für den Einzelnen oder die Allgemeinheit hervorgerufen werden und inwieweit Maßnahmen zur
Gefahrenabwehr erforderlich sind.
Für die Beurteilung können auch die Prüfwerte der BBodSchV herangezogen werden, soweit
sie unter Einbezug einer Gefahrenverknüpfung abgeleitet wurden. Die im Einzelfall
vorliegenden schadstoffspezifischen Eigenschaften (u.a. Bindungsformen, Verfügbarkeit und
Mobilisierbarkeit aus dem kontaminierten Boden, Resorptionsverfügbarkeit, Änderungen der
schadstoffspezifischen Eigenschaften durch andere Kontaminanten und Begleitstoffe) sind
unter den standortspezifischen Bedingungen zu berücksichtigen und so die Möglichkeiten der
tatsächlichen Einwirkungen zu erfassen.
Die abschließende Gefahrenbeurteilung erfolgt auf der Grundlage einer standortkonkreten
Expositionsabschätzung für alle relevanten Schutzgüter. Voraussetzung dafür ist die gemes-
sene (gegenwärtige) oder prognostizierte (zukünftige) Schadstoffkonzentration über den
jeweiligen Wirkungspfad. Zur Prognose der Schadstoffausbreitung sind geeignete Modelle
unter Verwendung der konkreten Standortparameter zu verwenden.
Die Beurteilung des Wirkungspfades Boden-Grundwasser erfolgt immer nutzungsunabhängig.

 
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Landesamt für Bodenforschung; Springer 1997
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Nr.36, S. 1554
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Paul Parey. Hamburg.
Einax, J. (1992): Multivariate Datenanalyse in der Umweltanalytik. GIT Fachz. Lab. 8/92. 815-
821.
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Haas, D., M. Kerth, L. van Straaten (1996): Grundwasserprobenahme: Qualitätssicherung
minimiert die Folgekosten
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altlastverdächtigen Flächen. Abschlussbericht UBA F&E-Vorhaben 109 01 215.
Hulpke, H., U. Müller-Eisen, H. Neumaier (1996): Altlastensanierung mit Maß und Ziel. WLB
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10
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Rosenkranz, D.; Bachmann, G.; Harreß, H.-M. (Hrsg.) Handbuch Bodenschutz,
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Lampe, V., U. Neef, G. Villwock (1995): Untersuchungen zum Gefährdungspotential einer
Schadstoffablagerung der chemischen Industrie in der Region Bitterfeld. altlasten-
spektrum 3/95. 138-147.
LWA NW - Landesamt für Wasser und Abfall des Landes Nordrhein-Westfalen (1996):
Anforderungen an die erforderliche Sachkunde, Zuverlässigkeit und gerätetechnische
Ausstattung von Sachverständigen auf dem Sachgebiet „Untersuchung und Beurteilung
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Nothbaum, N., R. Scholz, T. May (1994): Probenplanung und Datenanalyse bei
kontaminierten Böden. E. Schmidt Verlag, Berlin.
Ostermay, G., W. Heckert (1993): Vorbereitung, Durchführung und Ergebnisse von
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Rump, H. H., B. Scholz (1996): Untersuchung von Abfällen, Reststoffen und Altlasten. VCH,
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Schmidt, G.R. (1996): Vergabe von Analytikleistungen bei der Altlastenerkundung. Terra Tech
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Stuttgart.
Stenz, B., R. Schulin, M. Schenk (1997): Schwermetallaufnahme durch Kulturpflanzen auf
belasteten Böden. Wasser & Boden 49. H. 2. 7-14.
Swartjes, F.A., K.W. Keuzenkamp (1996): Vorgehensweise der risikobezogenen Bewertung
von Altlasten in den Niederlanden. Conlimes-Tagungsband. im Druck.
Thompson, M., M.H. Ramsay (1995): Quality concepts and practices applied to sampling - an
exploratory study. Analyst 120. 261-270.
Toussaint, B. (1990): Kritische Anmerkungen zur Plausibilität der Gehalte leichtflüchtiger
Halogenkohlenwasserstoffe in beprobten Umweltmedien. Angewandte Geologie
Karlsruhe. Bd. 9. 93-112.

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VDI-Richtlinie 3865, Blatt 2 (Entwurf): Messen organischer Bodenverunreinigungen,
Techniken für die aktive Entnahme von Bodenluftproben. VDI, 1996.
Wöstmann, U. (1996): Das Altlastenrisiko in der Kreditbewertung. Terra Tech 1/1996. 59-60.

 
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12
Anhang 1
Interpretation der Untersuchungsergebnisse und
Beurteilung der Gefahrensituation

 
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1 Plausibilitätsprüfungen von Messergebnissen
Eine wichtige Maßnahme der Qualitätsprüfung vor der Interpretation / Beurteilung der Unter-
suchungsergebnisse ist die Plausibilitätsprüfung. Grundsätzlich muss zwischen Übertra-
gungsfehlern und unplausiblen Werten unterschieden werden.
Unplausible Werte müssen überprüft und gegebenenfalls nach erneuter Untersuchung berichtigt
oder verworfen werden. Als auffällig kann sich ein Messwert z.B. beim Abgleich mit
grundsätzlichen Zusammenhängen und spezifischen Erfahrungswerten erweisen
Ein erfolgreicher Einsatz dieser Kontrollinstrumente setzt medien- und matrixgerechte An-
wendung und entsprechende mehrjährige sachbezogene Erfahrungen voraus.
Als Voraussetzung für die Durchführung der Plausibilitätsprüfung und für die weiter gehende
Interpretation der Messergebnisse müssen zu den Untersuchungsbefunden insbesondere fol-
gende Informationen vorliegen:
Die Messmethode, parameter- und matrixbezogen (z.B. DIN-Norm, VDI-Richtlinie, son-
stige Methoden mit aussagekräftiger Kurzbeschreibung);
Maßeinheiten der Messergebnisse, SI-konform bzw. eindeutig;
die Nachweis- und Bestimmungsgrenze, methoden- bzw. matrixspezifisch und deren
Definition;
bei Mehrfachmessungen aus derselben Grundgesamtheit zusätzlich zum Mittelwert: die
Anzahl der Messwerte, Standardabweichung oder Variationskoeffizient und
Vertrauensintervall. Die Anwendbarkeit und Aussagekraft eingesetzter statistischer
Verfahren ist zu überprüfen und anzugeben.
Folgende Aussagen eignen sich als Plausibilitätstest für Untersuchungs-/Messmethoden in allen
Medien und Matrizes:
die Nachweisgrenze sollte möglichst
0,1 x Prüfwert sein und
der Wert des Messergebnisses ist größer als die Bestimmungsgrenze,
Vergleich zwischen Analysenergebnis und Erfahrungen mit der Analysenmethode.
1.1 Untersuchungsmedium Boden
Für die Verteilung von Stoffen zwischen der wässrigen und festen Bodenphase können
folgende Zusammenhänge für eine Plausibilitätsprüfung genutzt werden:

 
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Je geringer die Wasserlöslichkeit und / oder je höher der Octanol-Wasser-Verteilungs-
koeffizient der Verbindungen, umso stärker können sie im Boden an der organischen
Substanz und / oder am Feinkorn (Tonmineral) adsorbiert sein.
Die Anwesenheit von Lösungsvermittlern (u.a. Komplexbildner wie Humin- und Fulvosäu-
ren oder von Kolloiden) kann zur Erhöhung der Mobilität führen.
Schadstoffrückhaltung und -fraktionierung im Boden werden umso ausgeprägter sein, je
größer der Gehalt an Feinanteil und organischer Substanz ist.
Infolge Ionenbildung können Stoffe mobiler werden.
1.2 Untersuchungsmedium Bodenluft
Die in der Bodenluft nachzuweisenden organischen Substanzen sind leichtflüchtig, meist bei
Raumtemperatur flüssig mit einem Siedepunkt < 180 °C und weisen eine relativ geringe Lös-
lichkeit in Wasser auf (VDI-Richtlinie 3865).
Bei Bodenluftuntersuchungen handelt es sich um relative Messungen, da ein nicht genau be-
stimmbarer, von Entnahmemethode und Bodenart abhängiger räumlicher Einzugsbereich um
den Probennahmepunkt erfasst wird. An einem Standort ist es erforderlich mit einem einzigen
Probennahme- und Untersuchungsverfahren unter identischen Bedingungen zu messen. Der
Einfluss wechselnder Witterungsbedingungen ist zu berücksichtigen (Teilthema 2.2).
Von den lokalen Bedingungen hängt das Konzentrationverhältnis der Verunreinigung zwischen
Bodenluft, Bodenwasser und Boden ab. Beeinflusst wird dieses Verhältnis u.a. durch die
Bodenfeuchte, die zu einer Verschiebung des Phasengleichgewichtes führt. Daher können
keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die tatsächlichen Verunreinigungen im Boden und / oder
im Grundwasser im Sinne der Feststellung einer Prüfwertüberschreitung gezogen werden.
Bei einem Wechsel von bindigen und nichtbindigen Böden auf engstem Raum kann es zu einer
erheblichenVeränderung der Bodenluftkonzentration kommen.
1.3 Untersuchungsmedium Wasser
Für Plausibilitätsprüfungen bei Wasseruntersuchungen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, z.B.
die grafischen Darstellungen von parameterspezifischen Messbereichen (Feuerstein u. Grimm-
Strele, 1989).

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Plausibilitätsprüfungen von Grundwasseranalysenergebnissen (DVWK, 1992) beziehen sich auf
den Einzelwert,
die Gesamtheit der Analysenergebnisse und
auf den räumlichen und zeitlichen Aspekt
Dies gilt auch für die Plausibilitätsprüfung der Untersuchungsergebnisse von
Oberflächenwasser.
Die Prüfung der Plausibilität des Einzelwertes erfolgt durch den
Vergleich zwischen Analysenergebnis und Löslichkeit und
Vergleich zwischen Analysenergebnis Erfahrungs- und Extremwerten (zeitlicher Aspekt).
Die Plausibilitätsprüfung der Gesamtheit der Ergebnisse einer Analyse bezieht sich auf
die Ionenbilanz,
den pH-Wert und
die elektrische Leitfähigkeit.
Eine Zusammenstellung von unplausiblen Konzentrationsbereichen beinhaltet Tabelle 1.3-1.
Diese Zusammenhänge resultieren aus Erfahrungen, die nicht streng kausal und daher nicht
uneingeschränkt gültig sind.

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16
Sicheres Ergebnis
Ausschluss der Wertebereiche
O
2
> 5
[mg/l]
Fe
++
> 0,05 [mg/l]
Mn
++
> 0,05 [mg/l]
NO
2
-
> 0,05 [mg/l]
NH
4
+
> 0,1
[mg/l]
H
2
S
> 0,01 [mg/l]
Fe
++
> 0,2
[mg/l]
> 0,1
[mg/l]
NO
3
-
> 2,0
[mg/l]
H
2
S
> 0,1
[mg/l]
Mn
++
> 0,2
[mg/l]
NO
3
-
> 2,0
[mg/l]
H
2
S
> 0,1
[mg/l]
H
2
S
> 0,1
[mg/l]
8,0 > pH > 5,5
NO
3
-
> 1,0
[mg/l]
Ca
++
Mg
++
..> 1
[mmol/l]
Tabelle 1.3-1: Parameterbezogene Konzentrationsbereiche, die sich erfahrungsgemäß
ausschließen (DVWK, 1992)
Möglichkeiten der Plausibilitätsprüfung bei Schadstoffen sind z.B.:
Gelöster Anteil
Feststoffgehalt
Gesamtkohlenstoff (TC) = gesamter anorganischer Kohlenstoff (TIC) + gesamter organi-
scher Kohlenstoff (TOC),
TOC
gelöster organischer Kohlenstoff (DOC),
Korrelation von elektrische Leitfähigkeit und Salzgehalt,
Korrelation von pH-Wert mit Schwermetallgehalt.
Bei der Plausibilitätsprüfung müssen Strömungs-, Verteilungs- und Umsetzungsprozesse
beachtet werden (Lampe et al., 1995).
Im Wasser unterliegen einige Stoffe, in Abhängigkeit vom pH-Wert und / oder vom
Redoxpotenzial Zustands- und Verhaltensänderungen.
Es sind auch Störungen durch Matrixeffekte in der Plausibilitätsprüfung zu berücksichtigen,
z.B. bei AOX in Anwesenheit von Chlorid und / oder Huminstoffen.

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Zur Plausibilitätsprüfung gehört auch die räumliche Betrachtung von Analysenergebnissen zu
einer (bereits bekannten) Grundwasserregion bzw. einem Grundwassertyp. Bei einer
diesbezüglichen Prüfung muss sichergestellt sein, dass die miteinander verglichenen Analysen
aus demselben Grundwasserleiter und aus entsprechenden Tiefen stammen. Nicht selten
gehören die Proben aus verschiedenen Grundwasserstockwerken eines Probennahmestandortes
zu verschiedenen Grundwassertypen.
Die Grundwasserbeschaffenheit ist vielfach Änderungen z.B. durch Grundwasserneubildung
unterworfen. Oberflächennahes Grundwasser oder durch Uferfiltrat beeinflusstes Grundwasser
kann starke Qualitätsschwankungen aufweisen.

 
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Anhang 2
Glossar und Abkürzungsverzeichnis

 
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1 Glossar
Altlastverdächtige Flächen sind Altablagerungen und Altstandorte, bei denen der Verdacht
schädlicher Bodenveränderungen oder sonstiger Gefahren für den
Einzelnen oder die Allgemeinheit besteht.[2].
Altstandorte
Grundstücke stillgelegter Anlagen und sonstige Grundstücke, auf denen
mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist, aus-
genommen Anlagen, deren Stilllegung einer Genehmigung nach dem
Atomgesetz bedarf [2].
Altlasten
sind Altablagerungen und Altstandorte durch die schädliche Boden-
veränderungen oder sonstige Gefahren für den einzelnen oder die All-
gemeinheit hervorgerufen werden. [2]
Altablagerungen
sind stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen sowie sonstige Grundstücke,
auf denen Abfälle behandelt, gelagert oder abgelagert worden sind [2].
anthropogen
durch menschliche Einwirkungen verursachte Veränderungen [6]
Bestimmungsgrenze
eines Analyseverfahrens: kleinste Stoffmenge, die mit einer geforderten
statistischen Sicherheit (meist 95 %) bei einmaliger Analyse quantitativ
bestimmt werden kann.
Bewertung
Fachliche und rechtliche
Beurteilung
des ermittelten Sachverhalts
durch die zuständige Behörde nach Abschluss einer
Untersuchungsstufe
(Erreichen eines bestimmten Kenntnisstandes)
zur Festlegung des weiteren
Handlungsbedarfs
nach den Grundsät-
zen des allgemeinen Verwaltungshandelns, insbesondere dem Abwä-
gungsgebot und dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel. [6]
Fachliche und rechtliche Beurteilung des ermittelten Sachverhaltes mit
dem Ziel, inwieweit sich der Verdacht des Vorliegens einer schädlichen
Bodenveränderung oder Altlast verdichtet oder bestätigt hat und welche
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr erforderlich und geeignet sind. Bei
der Bewertung im Rahmen der Gefährdungsabschätzung sind
insbesondere die Prüf- und Maßnahmenwerte, Art und Konzentration
der Schadstoffe, die sachverständig ermittelte und prognostizierte
Möglichkeit ihrer Ausbreitung in die Umwelt und ihrer Aufnahme
durch Menschen, Tiere und Pflanzen sowie die Nutzung des
Grundstücks zu berücksichtigen [1].
Boden
ist die obere Schicht der Erdkruste, soweit sie Träger der
Boden-
funktionen
ist, einschließlich der flüssigen Bestandteile (Bodenlösung)
und der gasförmigen Bestandteile (Bodenluft), ohne Grundwasser und
Gewässerbetten [2].
Bodenfunktionen
Der Boden erfüllt
1. natürliche Funktionen als
a) Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere,
Pflanzen und Bodenorganismen,
b)Bestandteil des Naturhaushalts, insbesondere mit seinen
Wasser- und Nährstoffkreisläufen,
c) Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für stoffliche
Einwirkungen auf Grund der Filter-, Puffer- und Stoff-

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umwandlungseigenschaften,insbesondere auch zum Schutz
des Grundwassers,
2. Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte sowie
3. Nutzungsfunktionen als
a) Rohstofflagerstätte,
b) Fläche für Siedlung und Erholung,
c) Standort für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung,
d)Standort für sonstige wirtschaftliche und öffentliche
Nutzungen, Verkehr, Ver- und Entsorgung [2].
Bodenveränderungen, Schädliche
sind Beeinträchtigungen der
Bodenfunktionen
, die geeignet sind,
Gefahren
, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für
den Einzelnen oder die Allgemeinheit herbeizuführen [2].
Detailuntersuchung
Technische Untersuchung
Gesamtheit der standort- und wirkungspfadbezogenen Untersuchungen,
die aufbauend auf den Ergebnissen der orientierenden Untersuchung
zur abschließenden Ermittlung des Sachverhaltes und für die
Feststellung der zuständigen Behörde über Art und Umfang einer
schädlichen Bodenveränderung oder Altlast erforderlich sind. Bei
Detailuntersuchungen sind insbesondere festzustellen: die Menge,
räumliche Verteilung, Mobilität und Mobilisierbarkeit der Schadstoffe
im Bereich der altlastverdächtigen Fläche bzw. der Altlast, ihre Aus-
breitung im Boden, in Gewässer oder in der Luft, die betroffenen
Wirkungspfade und die Exposition der Schutzgüter.
Vertiefte weitere Untersuchung zur abschließenden Gefährdungsab-
schätzung, die insbesondere der Feststellung von Menge und räumlicher
Verteilung von Schadstoffen, ihrer mobilen oder mobilisierbaren
Anteile, ihrer Ausbreitungsmöglichkeiten in Boden, Gewässer und Luft
sowie der Möglichkeit ihrer Aufnahme durch Menschen, Tiere und
Pflanzen dient [3].
Erkundung; historische
Ermittlung von Daten, Tatsachen und Erkenntnissen über
altlast-
verdächtige Flächen
und
Altlasten
mit dem Ziel ihrer Entlassung
aus dem Altlastverdacht, ihrer
Überwachung
oder
Sanierung
.
[6]
Standortbezogene Sammlung, Aufbereitung und Auswertung der über
eine altlastverdächtige Fläche in schriftlichen Quellen, Karten und
Luftbildern sowie aus Befragungen vorliegenden Daten, Tatsachen und
Erkenntnisse insbesondere auch über die frühere und gegenwärtige Nut-
zung der Fläche.
Freisetzung
umfassender Begriff für alle Vorgänge, durch die
Schadstoffe
allein
oder zusammen mit anderen Stoffen (z.B. verunreinigter Boden) von ei-
ner
Altlast verlagert werden.
Zur Freisetzung führen chemische, physikalische und/oder biologische
Vorgänge (z.B. Gasbildung), der Einfluss natürlicher Transportmedien
(Wasser, Wind) oder die selbstständige Aufnahme durch Lebewesen
(Pflanze, Mensch), s. auch
Mobilisierung,
Wirkungspfad
[6]
Gefahr
Sachlage, bei der bei ungehindertem Ablauf des Geschehens in über-
schaubarer Zukunft mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ein Schaden
für ein oder mehrere Schutzgüter eintreten kann.
Begriff des allgemeinen Ordnungsrechts (Polizeirecht),der eingeengt für

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die gesetzliche Bestimmung des Begriffs
Altlast
von Bedeutung ist.
Bezüglich der zeitlichen Nähe werden
akute, konkrete
und
latente
Gefahren mit unterschiedlichen Rechtsfolgen unterschieden. [6]
Gefahrenbeurteilung
zusammenfassender Begriff für die fachlichen und rechtlichen Beur-
teilungen auf der Basis von Untersuchungen zur Ermittlung des
Ge-
fährdungspotenzials
einer Altlast in bestimmungsgemäßen Ablauf der
Untersuchungen.
[6]
Gefährdungspotenzial
Umfang möglicher Gefährdungen oder Schädigungen von Schutzgütern
in der Umgebung von altlastverdächtigen Flächen, die unter bestimmten
Bedingungen zu erwarten sind
Die Bedingungen unter denen Gefährdungspotenziale abgeschätzt wer-
den, sollten sich auf den Einzelfall unter Annahme bestimmter Zu-
stände innerhalb eines möglichen und wahrscheinlichen Geschehens-
ablaufs beziehen, z.B.
Mobilisierung
eines Teils des
Schadstoffinventars
, versagen einzelner natürlicher oder technischer
Barrieren, Änderung der Realnutzung [7]
Gutachter
ist ein Sachverständiger (natürliche Person), der die erforderlichen
Voraussetzungen besitzt und bereit ist,
- im Auftrag der zuständigen Behörde oder eines anderen
Auftraggebers und
- als Grundlage für deren Entscheidungen
die über eine Altlast-Verdachtsfläche oder Altlast erhobenen und ermit-
telten Daten, Tatsachen und Erkenntnisse besonders sachkundig zu be-
urteilen und/oder auf Grund seiner Sachkunde geeignete und verhältnis-
mäßige Maßnahmen für ein behördliches Eingreifen oder das Tätigwer-
den des Auftraggebers vorzuschlagen [1].
Hintergrundgehalt
Schadstoffgehalt eines Bodens, der sich aus dem geogenen (natürlichen)
Grundgehalt eines Bodens und der ubiquitären Stoffverteilung als Folge
diffuser Einträge in den Boden zusammensetzt [3]. Der geogene Grund-
gehalt umfasst den Stoffbestand eines Bodens, der sich aus dem Aus-
gangsgestein (lithogener Anteil), ggf. Vererzungen (chalkogener
Anteil) und der durch pedologischeProzesse beeinflussten Umverteilung
(Anreicherung oder Verarmung) von Stoffen im Boden ergibt [4].
Hintergrundwerte
sind repräsentative Werte für allgemein verbreitete Hintergrundgehalte
eines Stoffes oder einer Stoffgruppe in Böden [4].
Historische Erkundung
Historische Erkundung
Erkundung
Interpretation
der Untersuchungsdaten umfasst dann die sinnvolle und nachvollzieh-
bare Verknüpfung aller gewonnenen Erkenntnisse zum Sachverhalt, um
zu einer nachvollziehbaren Prognose des weiteren Geschehensablaufes
zu kommen und die Emissionspfade bzw. die damit verknüpften
Risiken einschätzen zu können. Das Ziel der Interpretation von
Untersuchungsergebnissen ist es, ausgehend von der Nutzung ein Ri-
siko zu charakterisieren. Anreicherung von Stoffen in Luft, Boden,
Wasser und Lebewesen
Kontamination
Verunreinigung
Verunreinigung mit schädlichen Stoffen

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Maßnahmenwert
Werte für Einwirkungen oder
Belastungen
, bei deren Überschreiten
unter Berücksichtigung der jeweiligen Bodennutzung in der Regel von
einer
schädlichen Bodenveränderung
oder
Altlas
t auszugehen ist
und Maßnahmen erforderlich sind [3].
Mobilität
zusammenfassender Begriff für die Verlagerungsfähigkeit, Beweg-
lichkeit eines Stoffes auf Grund seiner Eigenschaften unter definierten
Bedingungen.
Orientierende Untersuchung
Örtliche Untersuchungen, insbesondere Messungen, auf der Grundlage
der Ergebnisse der Erfassung zum Zweck der Feststellung, ob der
Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung oder Altlast ausgeräumt
ist oder ein hinreichender Verdacht besteht [3]
Parameter
sind Größen für Stoffe, Stoffgruppen bzw. physikalische, chemische
oder biologische Eigenschaften, deren konkrete festgestellte Werte für
die Beschreibung des
Schadstoffinventars
einer altlastverdächtigen
Fläche oder für die Ermittlung der Schadstoffausbreitung benötigt
werden. [5]
Prüfwerte
Werte, bei deren Überschreiten unter Berücksichtigung der Bodennut-
zung eine einzelfallbezogene Prüfung durchzuführen und festzustellen
ist, ob eine schädliche Bodenveränderung oder Altlast vorliegt [2].
repräsentativ
etwas statistisch richtig zeigend; typisch für den Durchschnitt
Sachverständige
die Aufgaben nach § 18 Satz 1 BBodSchG wahrnehmen sollen, müssen
die für diese Aufgabe erforderliche Sachkunde und Zuverlässigkeit
besitzen, sowie über die erforderliche gerätetechnische Ausstattung ver-
fügen. Zusätzlich zu den im BBodSchG ausdrücklich genannten Anfor-
derungen hat der Sachverständige auch diejenigen Voraussetzungen zu
erfüllen, die dem Wesen der Sachverständigentätigkeit innewohnen. [1],
[8]
Schadstoffe (umweltgefährdende Stoffe) Stoffe und Zubereitungen im Sinne des § 3a des
Chemikaliengesetzes, wassergefährdende Stoffe im Sinne des § 19g
Abs. 5 des Wasserhaushaltsgesetzes sowie sonstige Stoffe, soweit sie
die Funktion des Bodens schädigen können.
Schutzgut
durch das Gesetz bzw. Rechtsverordnung geschützte Güter des Ein-
zelnen (z.B. Gesundheit des Menschen) und der Allgemeinheit (z.B.
Reinheit des Wasserhaushalts). [7]
Von der Rechtsordnung geschützte Güter des Einzelnen (z.B. Leben,
Gesundheit, Eigentum) oder der Allgemeinheit (z.B. Reinheit des
Wasserhaushalts).
Untersuchung
orientierende Untersuchung,
Detailuntersuchung
Verunreinigung
durch menschliche Aktivitäten in die Umweltmedien - Wasser, Boden,
Luft- entlassene Schadstoffe
Wirkungspfad
Weg eines Schadstoffes von der Schadstoffquelle bis zu dem Ort einer
möglichen Wirkung auf ein Schutzgut [3]

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Quellennachweis
[1]
Teilthema 3: „Anforderungen an Untersuchungsstellen, Gutachter und Gutachten“
wurde im Auftrag der ALA AG „Qualitätssicherung“ durch das Landesumweltamt
Nordrhein-Westfalen erstellt, März 1998
[2]
Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) vom 17. März 1998; BGBl. I S. 502
[3]
Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) vom 16. Juli 1999; BGBl.,
Teil I, Nr.36, S. 1554
[4]
LABO - Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (1998): Hintergrundwerte für
anorganische und organische Stoffe in Böden;
Rosenkranz, D.; Bachmann, G.; Einsele, G.; Harreß H.-M. (Hrsg.) Handbuch
Bodenschutz, Kennziffer 9006; Erich Schmidt Verlag Berlin.
[5]
Handbuch zur Altlastenbearbeitung, Teil 1, Anhang 1, SMU 1996
[6]
Leitfaden zum Altlastenprogramm des Landes Sachsen-Anhalt, in Berichte des
Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 1996 – Heft 20
[7]
Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes Nordrhein-
Westfalen, 1992
[8]
LABO - Bund- / Länderarbeitsgemeinschaft Bodenschutz, Merkblatt über die
Anforderungen an Sachverständige nach § 18 BBodSchG, Entwurfsfassung vom
15. Dezember 1999

 
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2 Abkürzungsverzeichnis
AOX
Adsorbierbare organische Halogenverbindungen
BBodSchG Bundes-Bodenschutzgesetz; Gesetz zum Schutz vor schädlichen
Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten
BBodSchV
Bundes - Bodenschutz- und Altlastenverordnung
DIN
Deutsche Industrie-Norm
DOC
gelöster organischer Kohlenstoff
LHKW
Leichtflüchtige Halogenkohlenwasserstoffe
SAK
Spektraler Absorptionskoeffizient
SI-konform
Systeme International d`Unite´s
TC
Gesamtkohlenstoff
TIC
gesamter anorganischer Kohlenstoff
TOC
gesamter organischer Kohlenstoff
VDI
Verein deutschen Ingenieure
Maßeinheiten
l
Liter
mg
Milligramm
ml
Milliliter