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STÄNDIGE KONFERENZ
DER KULTUSMINISTER DER LÄNDER
IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
Erinnern für die Zukunft
Empfehlungen zur Erinnerungskultur
als Gegenstand historisch-politischer Bildung in der Schule
(Beschluss der KMK vom 11.12.2014)

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1. Vorbemerkungen
Im 20. Jahrhundert und in den bisherigen Jahren des noch kurzen 21. Jahrhunderts kämpf-
ten und kämpfen an verschiedenen Orten der Welt Menschen erfolgreich für Freiheit,
Menschenrechte und Demokratie. Zugleich gab und gibt es immer wieder Auseinander-
setzungen über die Bewertung und Benennung von Unmenschlichkeit in historischen Pro-
zessen.
Das Jahr 2014 brachte zahlreiche Impulse, Erinnern und Erinnerungskultur als wesentli-
ches Anliegen historisch-politischer Bildung zu pflegen. Neben dem 100. Jahrestag des
Beginns des Ersten Weltkriegs waren der 75. Jahrestag des Beginns des Zweiten Welt-
kriegs in Europa, der 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution in der DDR mit der Öff-
nung der innerdeutschen Grenze und der zehnte Jahrestag der EU-Osterweiterung von be-
sonderer Bedeutung.
Auch die kommenden Jahre bieten zahlreiche Anlässe, sich historischer Ereignisse und ih-
rer Wirkungen bis in die heutige Zeit zu erinnern. Beispielhaft hervorzuheben sind im Jahr
2015 die Erinnerung an 70 Jahre Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherr-
schaft und die Gründung der Vereinten Nationen, sowie an 25 Jahre der deutschen Wie-
dervereinigung, im Jahr 2017 die Erinnerung an 500 Jahre Reformation und 100 Jahre Ok-
toberrevolution, im Jahr 2018 an 80 Jahre nach den nationalsozialistischen Novemberpog-
romen, 2019 die Erinnerung an das Inkrafttreten der Weimarer Verfassung sowie die Ver-
suche zur Gestaltung einer neuen Welt- und Friedensordnung in den Pariser Vorortverträ-
gen in den Jahren 1919 und 1920. Solche Entwicklungen und Zäsuren beeinflussen die
gesellschaftliche, politische und kulturelle Wirklichkeit bis heute.
Erinnerungskultur hängt nicht nur vom äußeren Anlass eines Gedenkdatums ab. Gedenk-
und Jahrestage sowie der Besuch von Orten der Erinnerung bieten die besondere Chance,
jungen Menschen die Bedeutung der Geschichte für ihr eigenes Leben und ihre eigene
Zeit deutlich zu machen. Unerlässlich sind gerade in diesem Zusammenhang Antworten
auf die Fragen nach Kausalitäten, Kontinuitäten und Diskontinuitäten. Erinnerungskultur
in der Schule soll junge Menschen befähigen, historische Entwicklungen zu beschreiben
und zu bewerten sowie unsere Welt als durch eigenes Tun gestaltbar und veränderbar zu
begreifen. Die vorliegenden Empfehlungen richten sich daher an Lehrkräfte ebenso wie an
Verantwortliche in Bildungsverwaltungen, in Aus- und Fortbildung sowie in außerschuli-
schen Bildungs- und Lernorten.
2. Ziele und allgemeine Grundsätze
Erinnerungskultur ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels vieler Akteure, De-
batten und Traditionen. Erinnern ist für einzelne Menschen wie für Gruppen jeweils
Grundlage einer Selbstvergewisserung und für auf die Zukunft bezogenes Handeln. Inhal-
te und Art des Erinnerns können sich im Laufe der Zeit verändern und müssen auf der Ba-

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sis der Werteordnung der Menschenrechte und des Grundgesetzes immer wieder neu ge-
staltet werden.
Im Spannungsfeld verschiedener möglicher Deutungen von Geschichte geht es gleicher-
maßen um den Erwerb von historischem Bewusstsein, von Wissen, von Empathie, um die
Entwicklung einer demokratischen Grundhaltung und die Förderung von Urteilsvermögen
und Handlungskompetenz.
Erinnern und Erinnerungskultur sind Teil historisch-politischer Bildung und somit Gegen-
stand auch des schulischen Lernens. Viele Schulen integrieren Gedenktage oder den Be-
such von Orten der Erinnerung, Gedenkstätten und Museen in ein langfristig wirkendes
pädagogisches Konzept historisch-politischer Bildung. In zahlreichen Unterrichtsfächern
gibt es vielfache An- und Verknüpfungspunkte. Die Zusammenarbeit mit außerschuli-
schen Partnern aus Gedenkstätten, Museen, Archiven und weiteren Akteuren der Zivilge-
sellschaft erweitert die Spielräume und den Horizont historisch-politischer Bildung in der
Schule. Einer ersten Orientierung dienen die folgenden Grundsätze:
Individuelles und gesellschaftliches Erinnern:
Jede Generation muss sich mit historischen Überlieferungen und Spuren neu ausei-
nandersetzen, sie einordnen und bewerten. Jede Generation befasst sich aufs Neue
damit, wie Geschichte geschrieben, umgeschrieben oder mystifiziert, entmythologi-
siert oder dekonstruiert werden kann. Dies gilt umso mehr, als heutige Generationen
sich in Deutschland wie auch in anderen Ländern durch eine hohe Pluralität auszeich-
nen.
Erinnern ist ein Prozess, der in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Zusammen-
hängen Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft bezieht. Nicht zuletzt lassen sich
auch heutige Konflikte und Kriege aus früheren Kriegen, den jeweiligen Kriegsgrün-
den und -anlässen, folgenden Friedensschlüssen und wiederum folgenden neuen An-
lässen für weitere, oft auch wiederum kriegerische Auseinandersetzungen ableiten.
Wer sich erinnert, fragt danach, wie sich das, was in der Vergangenheit geschah, auf
Gegenwart und Zukunft auswirkt und welche, möglicherweise auch alternativen Hand-
lungsoptionen es in der Vergangenheit gegeben hätte.
Der Umgang mit Erinnerungsanlässen und -orten geschieht unter anderem durch Er-
zählungen, Medien, Symbole und Institutionen, zu denen auch die Schule gehört. In
der Auseinandersetzung mit Geschichte richtet sich die Aufmerksamkeit sowohl auf
Opfer als auch auf Täterinnen und Täter, auf Widerstand wie auch auf den demokrati-
schen Neuaufbau Leistende ebenso wie auf Angepasste, Zaudernde und unreflektiert
Mitlaufende und Mitwirkende.
Diese Auseinandersetzung eröffnet die Möglichkeit, der Frage nach individuellen und
kollektiven Handlungsspielräumen nachzugehen und vermittelt gleichermaßen Empa-
thie und Respekt gegenüber den Opfern sowie Wertschätzung gegenüber Menschen

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mit Zivilcourage und Widerstandsgeist. Sie bezieht sich nicht nur auf das Leiden von
Menschen durch Unrecht, sondern auch auf das Vorbild der Menschen, die auf unter-
schiedliche Weise und unter welchen Umständen auch immer Widerstand gegen Un-
recht leisteten und für die Werte der Demokratie, der Menschenrechte und des Frie-
dens gekämpft haben oder dies auch in der heutigen Zeit tun.
Kultursensibles und multiperspektivisches Erinnern:
Die Kinder und Jugendlichen unserer heutigen multikulturell geprägten Gesellschaft
bringen unterschiedliche Erfahrungen, Verständnisse und Bewertungen von histori-
schen Ereignissen und Entwicklungen mit. Familienerinnerungen aus der Generation
der Eltern und Großeltern gehören ebenso dazu wie konkrete Erinnerungen aus eige-
nem Erleben in einem Land, aus dem sie u. a. wegen der dort erlittenen Kriege, Men-
schenrechtsverletzungen oder Diskriminierungserfahrungen in Deutschland Zuflucht
suchen mussten.
Es stellt sich die Frage, wie etwa Akteure, Ereignisse und Orte deutscher, europäischer
und globaler Geschichte von jungen Menschen mit einer Familienbiografie aus deut-
schen, anderen europäischen und außereuropäischen Ländern erlebt, auch im Rahmen
einer Exilgeschichte, verstanden und bewertet werden.
Historisch-politische Bildung muss deshalb die didaktischen Prinzipien der Multiper-
spektivität und der Kontroversität berücksichtigen, Geschichte und Geschichtsbilder
als Konstruiertes begreifen und zunehmend befähigen, sich mit verschiedenen histori-
schen Ereignissen, Prozessen und Interpretationsmustern zu beschäftigen und ausei-
nanderzusetzen. Es geht um die ständige selbstständige Reflexion von Geschichtsdeu-
tungen und die aktive Beteiligung an historischen und gesellschaftlichen Kontrover-
sen.
Junge Menschen erfahren vom Leid von politischen Gefangenen, Flüchtlingen und
Vertriebenen, von der Missachtung von Menschenrechten in manchen Ländern bis hin
zum Genozid. Dafür stehen beispielhaft Ortsnamen, herausgehoben und symbolhaft
für die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager der Name
Auschwitz, aber auch die vielen anderen Orte von Verbrechen gegen die Menschlich-
keit wie beispielsweise Babi Jar, Leningrad, Bautzen, Katyn und Workuta, in jüngerer
Zeit aber auch Sarajevo und Srebrenica, Darfur und Ruanda.
Die Geschichte bietet vielfältige „Anlässe“ für eine historisch-politische Bildung, die
sich mit den unterschiedlichen Traditionen der Kämpfe um Freiheit, Selbstbestim-
mung und Demokratie durch kultursensibles und multiperspektivisches Erinnern aus-
einandersetzt. In diesem Zusammenhang spielen auch die Entstehungsgeschichten und
die Folgen von Fremdherrschaft, Diktatur und Kolonialismus eine gleichermaßen
wichtige Rolle.

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Kultursensibles, sozialsensibles und reflexives Erinnern lenkt zudem den Blick auf un-
terschiedliche Bereiche des Zusammenlebens in einer Welt, in der an manchen Orten
heute noch Mauern und Zäune, menschenfeindliche und kriegerische Auseinanderset-
zungen das Miteinander der Menschen nahezu unmöglich machen.
Reflexives Erinnern und Handlungsorientierung:
Erinnern ist immer auch gebrochenes Erinnern. Erinnerungskultur thematisiert auch
das Nicht-Erinnern, das Nicht-Erinnern-Wollen oder Nicht-Erinnern-Können. Immer
wieder haben Menschen den einen Völkermord gegen den anderen aufgerechnet oder
miteinander begründet und gerechtfertigt, Vertreibungen der einen Volksgruppe gegen
die Vertreibung der anderen gesetzt oder den Grad des Unrechts in der nationalsozia-
listischen Diktatur mit dem Grad des Unrechts in der SED-Diktatur gleichgesetzt.
Es gilt der in der Enquetekommission des Deutschen Bundestages „Aufarbeitung von
Geschichte und Folgen der SED-Diktatur“ entwickelte Konsens, dass die Verbrechen
unter dem Nationalsozialismus nicht durch die Gleichsetzung mit den Verbrechen der
staatssozialistischen Diktaturen relativiert und die Verbrechen unter staatssozialisti-
schen Diktaturen nicht durch den Hinweis auf die Verbrechen des Nationalsozialismus
bagatellisiert werden dürfen.
Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Geschichte des möglichen Missbrauchs von Ge-
denktagen und Erinnerungsorten in der Vergangenheit. Beispiele sind der Sedantag im
Kaiserreich und der Kult um den 9. November als Jahrestag des Hitlerputsches 1923
unter dem Nationalsozialismus.
Der Friedensnobelpreisträger und Überlebende der Shoa Elie Wiesel hat darauf hin-
gewiesen, wie wichtig es ist, die Beschäftigung mit Vergangenem mit der Gestaltung
einer demokratischen und friedlichen Zukunft zu verbinden: „Es ist falsch, von der
Vergangenheit zu reden, wenn man nicht in der Zukunft handelt.“ Er hat in seiner Re-
de anlässlich des Besuches von US-Präsident Barack Obama in dem ehemaligen Kon-
zentrationslager Buchenwald am 6. Juni 2009 jedoch auch in Frage gestellt, ob die
Welt aus den Schrecken dieses Ortes gelernt habe, denn: „Wie kann es sonst ein Dar-
fur, ein Ruanda und ein Bosnien geben?“
Solche Fragen veranschaulichen, dass reflexives Erinnern den kritischen Umgang mit
Geschichte sowie mit Ausformungen von Geschichtspolitik und historisch-politischer
Bildung erfordert. Ein moralischer Imperativ alleine reicht nicht aus. Handlungs- und
Zukunftsorientierung stehen in einem ständigen produktiv nutzbaren Spannungsver-
hältnis mit einem reflexiven und kritischen Umgang mit Geschichte und Geschichts-
bildern. In diesem Rahmen kann historisch-politische Bildung dazu beitragen, gerade
angesichts der Vielfalt unterschiedlicher
,
zunehmend auch digital zugänglicher Infor-
mationen Orientierungswissen und Handlungskompetenz zu erwerben, um sich für
Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie einzusetzen.

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3. Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern
Erste und konkrete Begegnungen mit Vergangenheit lassen sich beispielhaft über Medien,
Gedenktage, und Orte der Erinnerung ermöglichen. Eine regelmäßige Zusammenarbeit
mit außerschulischen Partnern fördert vertieftes Lernen. Wichtige Partner der Schulen
sind Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätten, Kriegsgräberstätten sowie Museen, Archi-
ve, Stiftungen, historische Vereine, Verbände und Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.
Schülerinnen und Schüler sollten ermutigt werden, in ihrem Umfeld selbstständig Themen
und Orte der Erinnerung zu recherchieren. Dazu gehört auch der kritische Umgang mit
Familienerzählungen, die von den Eltern selbst, vielleicht auch in der zweiten oder dritten
Generation überliefert wurden. Diese sollten auf der Grundlage historischen Wissens in
ihren mit der Zeit erfolgten Brechungen, Unter- und Übertreibungen reflektiert werden. Es
geht auch darum, auf den ersten Blick vielleicht unsichtbare Orte der Erinnerung zu er-
schließen.
4. Maßnahmen der Bildungsverwaltung bzw. der Bildungspolitik
Die Vorgaben der Länder bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für Erinnern und Erinne-
rungskultur als Gegenstand historisch-politischer Bildung. Dies gilt für Lehr- und Bil-
dungspläne, Curricula, Prüfungsanforderungen aller Bildungsgänge, Aus- und Fortbildung
von Lehrkräften sowie anderen in der Schule tätigen pädagogischen Fachkräften.
Die Bildungsverwaltung bzw. die Bildungspolitik der Länder
berücksichtigt eine kritische Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur in Lehr- und
Bildungsplänen, Prüfungsanforderungen und Prüfungsaufgaben sowie in Aus- und
Fortbildung,
ermutigt Schulen zur Entwicklung erinnerungskultureller Profile im Zeichen von De-
mokratie, Menschenrechten sowie inter- und transkultureller Verständigung auf der
Grundlage und in Weiterentwicklung der bereits vorhandenen Beschlüsse der KMK,
ermutigt Schulen zur Verankerung historisch-politischer Bildung in Schulprogrammen
und zur Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen der Erinnerungskultur
und Orten des Erinnerns und Gedenkens,
ermutigt zivilgesellschaftliche Organisationen zur Zusammenarbeit mit Schulen,
unterstützt Schulen bei der themenbezogenen Vorbereitung und Ausgestaltung von
Fahrten zu Gedenkstätten, Mahn- und Begegnungsstätten, Archiven, Friedhöfen und
anderen Orten der Erinnerung,
berücksichtigt Inhalte und Zugangsweisen zur Erinnerungskultur bei der Zulassung
von analogen und digitalen Lehr- und Lernmaterialien,
ermutigt zur Teilnahme an internationalen Programmen und Austauschprojekten,

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bezieht Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien und Bildungsangebote von Stiftun-
gen zur Erinnerungskultur in die Weiterentwicklung der historisch-politischen Bildung
ein,
dokumentiert gute Beispiele aus Schulen auch für andere Schulen und unterstützt
Schulen bei der Präsentation ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit.
5. Umsetzung in der Schule
Alle Fächer können – ungeachtet der besonderen Verantwortung des Fachs Geschichte –
Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit Inhalten der Erinnerungskultur bie-
ten. Die Schule kann sich in den Fächern und fächerverbindend an folgenden beispielhaft
genannten Themenkomplexen orientieren:
Bedeutung und Bewertung von Feier- und Gedenktagen in verschiedenen Ländern und
Weltregionen als Teil von Geschichtspolitik,
Wandel der Bewertung und Auseinandersetzungen rund um zentrale weltgeschichtli-
che Ereignisse,
Analyse und Bewertung historischer Verflechtungen zwischen Orten in Deutschland
und in anderen Ländern, z. B. aus der Kolonialzeit, an die in der Stadtlandschaft durch
Straßennamen erinnert wird,
Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen der Herabsetzung von Menschen und
Gruppen in Geschichte und Gegenwart durch Diskriminierung, Rassismus, Antisemi-
tismus, Antiziganismus,
Entwicklungen auf dem Wege zu Freiheit und Demokratie, zur Überwindung von Dik-
taturen, Grenzen und Mauern, zur Veränderung politischer Grundhaltungen und Wer-
te, zur Etablierung religiöser und weltanschaulicher Toleranz, zu einer auf diese Werte
bezogenen Gedenk- und Erinnerungskultur,
Entwicklung geschlechts-, kultur- und sozialsensibler Zugänge zur Erinnerungskultur,
Wertung und Bewertung historischer Schuld und individueller Verantwortung in ver-
schiedenen Zeiten und Ländern unter unterschiedlichen Regierungen und Regierungs-
formen, auch im Hinblick auf heutige Verantwortung,
Wertung und Bewertung von Auseinandersetzungen um völkerverbindende Werte und
Menschenrechte, die Entwicklung des Europagedankens sowie des Gedankens der Ei-
nen Welt,
Entwicklung und Veränderbarkeit von wirklichen und vermeintlichen Grenzen, im
Hinblick auf aktuelle Konflikte,
Erfahrung von und mit freiwilliger oder erzwungener Migration, von Flucht und Ver-
treibung in unterschiedlichen Weltregionen und zu unterschiedlichen Zeiten,

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Langzeitwirkungen historischer Entwicklungen im Verhältnis von Menschen und
Volksgruppen zueinander,
Entstehung und Auswirkungen von Selbst- und Fremdbildern, beispielsweise im Hin-
blick auf ausgewählte oder auch fiktive Biographien von Opfern von Deportation,
Flucht und Vertreibung, der Menschen, die Widerstand leisteten sowie der Menschen,
die als Täterinnen und Täter schuldig wurden,
Bedeutung von Bildung bei der Vermittlung von Einstellungen zu anderen Menschen,
Ländern, auch im Hinblick auf die Entstehung und Bewältigung „gruppenbezogener
Menschenfeindlichkeit“.
Die Schule kann historisch-politische Bildung und Erinnerungskultur programmatisch vor
allem unter folgenden Gesichtspunkten verwirklichen:
Entwicklung von Schulprofilen im Hinblick auf Demokratie, Menschenrechte, Erinne-
rung und Verankerung im Schulprogramm,
Diskussion der Auswahl geeigneter Themen zur Erinnerungskultur in Fach-, Lehrer-
und Schulkonferenzen,
Fortbildungen an Gedenk- und Erinnerungsorten,
Entscheidung über geeignete Lehr- und Lernmaterialien,
Verknüpfung von fachbezogenem und fächerübergreifendem Unterricht sowie von
außerunterrichtlichen Vorhaben,
Ermutigung von Schülerinnen und Schülern, sich im Unterricht, in Projekten oder
auch in ihrer Freizeit mit historisch-politischen Zusammenhängen auseinanderzuset-
zen und ihre Rolle in unserer Demokratie auszugestalten,
Entwicklung künstlerischer und digital-elektronischer Zugänge zur Bearbeitung des
Erinnerns,
Einbeziehung der Geschichte aus verschiedenen europäischen und außereuropäischen
Ländern,
Aufbau und Pflege von Bildungspartnerschaften mit Gedenkstätten, Museen, Archiven
und anderen Orten der Erinnerung,
Dialog mit zivilgesellschaftlichen Akteuren der Erinnerungskultur wie Stiftungen,
Kirchen und Religionsgemeinschaften, entwicklungspolitischen Nichtregierungsorga-
nisationen sowie Opferverbänden,
Klassenfahrten zu Orten der Erinnerung auch außerhalb der deutschen Grenzen,
Aufbau und Pflege von inter- und transnationalen Schulpartnerschaften und Projekten,
auch über digitale Medien,
Beteiligung an überregionalen Wettbewerben und Netzwerken.

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6. Verweise
Ergänzend wird auf folgende Empfehlungen der Kultusministerkonferenz verwiesen:
Menschenrechtserziehung in der Schule (Beschluss der KMK vom 04.12.1980 i. d. F.
vom 14.12.2000)
Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Geschichte (Beschluss der
KMK
vom
01.12.1989
i.
d.
F.
vom
10.02.2005)
und
Sozialkunde/Politik
(Beschluss der KMK vom 01.12.1989 i. d. F. v. 17.11.2005)
Berücksichtigung der Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in den
Schulen (Beschluss der KMK vom 22.03.1968 i. d. F. vom 27.04.2006)
Europabildung in der Schule (Beschluss der KMK vom 08.06.1978 i. d. F. vom
05.05.2008)
Stärkung der Demokratieerziehung (Beschluss der KMK vom 06.03.2009)
Empfehlung zur Nutzung des 9. November als Projekttag zur Auseinandersetzung mit der
deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert (Beschluss der KMK vom 18.06.2009)
Medienbildung in der Schule (Beschluss der KMK vom 08.03.2012)
Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung (Be-
schluss der KMK vom 01.02.2007 i. d. F. vom 10.10.2013)
Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule (Beschluss der KMK vom
25.10.1996 i. d. F. vom 05.12.2013).