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Wölfe in Sachsen
und Brandenburg
Statusbericht für das Monitoringjahr
2014/2015
Ilka Reinhardt, Gesa Kluth, Catriona Blum, Helene Möslinger, Verena
Harms & Anne Jarausch

Wölfe in Sachsen und Brandenburg
Statusbericht für das Monitoringjahr 2014/2015
Ilka Reinhardt
1)
, Gesa Kluth
1)
,
Catriona Blum
1)
, Helene Möslinger
1),
Verena Harms
2)
& Anne Jarausch
2)
1. LUPUS – Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland
2. Senckenberg Forschungsinstitut für Wildtiergenetik, Gelnhausen
Titelbild: Wölfe des Daubaner Rudels (SN) im November 2014. Foto: Heiko Anders.

1
Inhalt
Summary ................................................................................................................................................. 2
Zusammenfassung ................................................................................................................................... 2
1.
11Hintergrund
..................................................................................................................................... 4
12.
Monitoringstruktur .......................................................................................................................... 5
3.
Methoden ........................................................................................................................................ 5
3.1
Generell ................................................................................................................................... 5
3.2
Endbewertung und Interpretation der Daten ......................................................................... 6
3.3
Definitionen ............................................................................................................................. 7
4.
Ergebnisse........................................................................................................................................ 9
4.1
Wolfsbestand in Deutschland 2014/2015 ............................................................................... 9
4.1.1
Populationsgröße und Verbreitung ................................................................................. 9
4.1.2
Vorkommensgebiet ....................................................................................................... 10
4.2
Wolfsbestand in Sachsen und Brandenburg 2014/2015 ....................................................... 10
4.2.1
Reproduktion 2014 ........................................................................................................ 13
4.2.2
Totfunde 2014/2015 ..................................................................................................... 15
4.2.3
Wolfsfamilien ................................................................................................................ 15
4.2.4
Wolfspaare .................................................................................................................... 23
4.2.5
territoriale Einzeltiere ................................................................................................... 24
4.2.6
Status unklar .................................................................................................................. 24
Literatur ................................................................................................................................................. 25
Anhang 1 – Sozialer Status, Reproduktion und Nachweismethoden in den Wolfsrevieren in Sachsen
2014/2015 ............................................................................................................................................. 26

2
Summary
After more than 150 years without wolves Germany is home again of a reproducing wolf population.
In 2000 a first wolf pack was confirmed in Saxony. Five years later a second was proven. Since then
the population increased and spread continuously.
In the monitoring year 2014/2015 31 wolf packs, eight scent marking pairs and six single resident
wolves were confirmed. Another 34 packs have been proved for Western Poland. In addition, in
Czech Republic a first wolf pack near the German and Polish border was confirmed in Summer 2014.
All the wolves mentioned above belong to the Central European wolf population (former German-
West Polish population): The distribution area of this population stretches from the Vistula river in
the middle of Poland to Lower Saxony in Germany. The largest continuous area occupied by wolves is
located in Lusatia on both sides of the German-Polish border.
In Germany wolf packs have been confirmed in 2014/2015 in five federal states: Saxony (10),
Brandenburg (9), Saxony-Anhalt (5), Lower Saxony (5) and Mecklenburg-Western Pomerania (2).
Several of these 31 packs have their territories cross-border in two and in one case even in three
federal states. Scent marking pairs have been confirmed in Lower Saxony (3), Brandenburg (3) and
Saxony-Anhalt (2).
From May 1st 2014 until April 30th 2015 a sum of 23 wolves were found dead in Germany. Most of
them in Brandenburg (7) and Saxony (7), followed by Saxony-Anhalt (3), Lower-Saxony (3), Hessen (2)
and Schleswig-Holstein (1)).
This status report mainly focuses on the German part of the Lusatian wolf area (Saxony /
Brandenburg). In the future status reports should be prepared on population level respectively on
national level to ensure an overall picture of the population or at least of the respective national
population part.
Zusammenfassung
Nach über hundertfünfzig wolfsfreien Jahren gibt es wieder ein reproduzierendes Wolfsvorkommen
in Deutschland. Nachdem im Jahr 2000 in Sachsen die erste Wolfsfamilie nachgewiesen wurde,
dauerte es fünf Jahre bis es zwei Rudel gab. Seitdem steigt der Bestand stetig an und breitet sich aus.
Im Monitoringjahr 2014/2015 wurden in Deutschland 31 Wolfsrudel und acht territoriale Paare
sowie sechs territoriale Einzeltiere bestätigt. Weitere 34 Rudel wurden in West- und Mittelpolen
nachgewiesen (Mysłajek & Nowak 2015). Auch in Tschechien, wurde im Sommer 2014 nahe der
Grenze zu Deutschland und Polen ein erstes Rudel nachgewiesen (M. Kutal, pers. Mittl.). Die
obengenannten
Wölfe
gehören
der
mitteleuropäischen
(früher
deutsch-westpolnischen)
Flachlandpopulation an. Das Verbreitungsgebiet dieser Wolfspopulation erstreckt sich von der
Weichsel in der Mitte Polens bis nach Niedersachsen, dem westlichsten Gebiet mit residenten
Wölfen in Deutschland. Das größte zusammenhängende Vorkommensgebiet dieser Population liegt
in der Lausitz, beiderseits der deutsch-polnischen Grenze.
In Deutschland wurden Wolfsrudel außer in Sachsen (10) und Brandenburg (9), auch in Sachsen-
Anhalt (5), Niedersachsen (5) und Mecklenburg-Vorpommern (2) nachgewiesen. Mehrere Rudel
haben ihr Territorium grenzübergreifend in zwei oder sogar drei Bundesländern. Wolfspaare ohne
Reproduktion wurden in Niedersachsen (3), Brandenburg (3) und Sachsen-Anhalt (2) bestätigt.

3
Vom 01.05.2014 bis zum 30.04.2015 wurden deutschlandweit 23 Wölfe tot aufgefunden, die meisten
davon in Brandenburg (7) und Sachsen (7). Weitere Totfunde gab es in Sachsen-Anhalt (3),
Niedersachsen (3), Hessen (2) und in Schleswig-Holstein (1).
Der vorliegende Statusbericht bezieht sich schwerpunktmäßig auf den deutschen Teil des Lausitzer
Wolfsgebietes (Sachsen/Brandenburg). Zukünftige Statusberichte sollten auf Populationsebene,
zumindest aber auf nationaler Ebene erstellt werden, um ein Gesamtbild der Population, zumindest
aber des jeweiligen Populationsteils zu erhalten.

4
1.
11
Hintergrund
Nach über hundertfünfzig wolfsfreien Jahren gibt es wieder ein reproduzierendes Wolfsvorkommen
in Deutschland. Nachdem im Jahr 2000 in Sachsen die erste Wolfsfamilie nachgewiesen wurde,
dauerte es fünf Jahre bis sich ein zweites Rudel etablieren konnte. Seitdem steigt der Bestand stetig
an und breitet sich aus. Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch in anderen Gebieten Europas.
Nachdem die stark geschrumpften Restpopulationen in den 1980er Jahren unter Schutz gestellt
wurden, breitet
Canis lupus
sich wieder aus und kehrt in ehemalige Verbreitungsgebiete zurück, aus
denen er Jahrzehnte verschwunden war (REINHARDT & KLUTH 2007).
Verglichen mit anderen großen Karnivoren haben Wölfe ein hohes Reproduktions- und
Ausbreitungspotential. Einzeltiere können hunderte Kilometer weit in wolfsfreie Gebiete wandern
(MECH & BOITANI 2003). Die Quellpopulation für die Wölfe im Nordosten Deutschlands ist der
westlichste Ausläufer der baltischen Population, die sich bis nach Nordost-Polen erstreckt
(CZARNOMSKA et al 2013). In Mittel- und Westpolen wurde der Wolf ebenso ausgerottet, wie in
Deutschland. Erst in den letzten 50 Jahren wanderten immer wieder einzelnen Tiere bis nach
Westpolen, einige sogar bis nach Deutschland. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts kamen
mehr als 40 Wölfe aus Polen nach Deutschland. Die meisten von ihnen wurden geschossen, mehrere
starben auf Schiene oder Straße (REINHARDT & KLUTH 2007; LUPUS unveröff.). Erst nachdem der Wolf
im Zuge der Wiedervereinigung auch in den neuen Bundesländern unter Schutz gestellt wurde,
gelang es ihm in Deutschland Fuß zu fassen. Im Jahr 1998 etablierte sich Wolfspaar auf einem
Truppenübungsplatz im Nordosten Sachsens. Zwei Jahre später kam es zur ersten bestätigten
Welpenaufzucht in Deutschland (KLUTH et al. 2002).
Die Wölfe in Deutschland, West-/Mittelpolen und im Nordwesten von Tschechien gehören - bis auf
einzelne aus der Alpenpopulation in den Süden Deutschlands eingewanderte Tiere - der
mitteleuropäischen (früher deutsch-westpolnischen) Flachlandpopulation an. Sie ist eine von zehn
teilweise von einander isolierten Wolfspopulationen in Europa und wurde 2012 als „stark gefährdet“
(endangered) eingestuft (KACZENSKY ET AL. 2013). Der Kern des Verbreitungsgebiet dieser
Wolfspopulation ist die Lausitz beiderseits der deutsch-polnischen Grenze. Von hier erstreckt sich die
Population nach Nordwesten bis nach Niedersachsen und Nordosten, bis an die Weichsel in der Mitte
Polens.
Der Wolf ist in Anhang II und IV der -Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) gelistet. Entsprechend ist
sein Erhaltungszustand zu überwachen, das heißt ein aussagefähiges Monitoring muss etabliert sein.
Die wesentlichen Ergebnisse dieses Monitorings sind alle sechs Jahre an die Europäische Kommission
zu berichten (Art. 17 FFH-RL). Wichtige Kenngrößen in diesen Berichten sind das Vorkommensgebiet
und die Populationsgröße sowie der Trend dieser Parameter. Im Jahr 2009 wurden im Rahmen des
F+E-Vorhabens „Grundlagen für Managementkonzepte für Großraubtiere in Deutschland –
Rahmenplan Wolf“ Standards für das Monitoring von Großraubtieren in Deutschland entwickelt
(KACZENSKY ET AL. 2009) und inzwischen überarbeitet (REINHARDT ET AL. 2015). Darin wurde festgelegt,
dass die Parameter Vorkommensgebiet und Populationsgröße jährlich erhoben werden. Einmal im
Jahr treffen sich in Deutschland die mit dem Monitoring von Wolf und Luchs beauftragten Personen
der einzelnen Bundesländer zur Datenevaluierung und um ein möglichst vollständiges Bild der
aktuellen Situation dieser Tierarten in Deutschland zu erstellen. Das Ergebnis sind jährliche
Vorkommenskarten für Wolf und Luchs in Deutschland und eine Zusammenfassung des aktuellen
Status.

5
Der vorliegende Statusbericht bezieht sich auf Sachsen und Brandenburg, wobei der Schwerpunkt in
der Lausitz liegt. Zukünftig sollten Statusberichte auf Populationsebene, zumindest aber auf
nationaler Ebene verfasst werden, wie es in Fennoskandien bereits geschieht (z.B. WABAKKEN ET AL.
2009), um ein Gesamtbild der jeweiligen Population bzw. des jeweiligen nationalen Populationsteils
zu erhalten.
1
2.
Monitoringstruktur
Die Monitoringstrukturen variieren in Deutschland von Land zu Land. Zuständig sind in der Regel die
Fachbehörden (Landesumweltämter) der Länder. Die Durchführung des Monitorings, die Evaluation
und Zusammenführung der Daten wird sehr unterschiedlich gehandhabt.
In Sachsen wird das Monitoring durch LUPUS - Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in
Deutschland im Auftrag des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz (SMNG) und des
Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mit Mitteln des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) durchgeführt bzw.
koordiniert. Seit 2001 werden kontinuierlich Daten zu Reproduktion und Verbreitung der Wölfe
erhoben. Unterstützt wird das Monitoring in Sachsen durch das Biosphärenreservat Oberlausitzer
Heide- und Teichlandschaft (BROHT), das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide/Gohrischheide,
den Bundesforstbetrieb Oberlausitz, Mitarbeiter des SMNG, freiwillige Helfer und seit 2009 auch
durch Mitarbeiter der Landratsämter. LUPUS ist für den gesamten Freistaat für die Endbewertung
und Interpretation der erhobenen Daten zuständig. Für das Monitoringjahr 2014/2015 muss
allerdings angemerkt werden, dass Datensätze, die nur in das "Sächsische Wildtiermonitoring"
eingegeben wurden - ein Onlinemeldesystem für die Sächsischen Jäger - nicht in die Auswertung
eingehen konnten, da LUPUS keinen Zugriff auf diese Datensätze hat.
In Brandenburg ist das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) für die
Zusammenführung der erhobenen Daten zuständig. Durchgeführt wird das Monitoring je nach
Gebiet von ehrenamtlichen, geschulten Personen oder von freiberuflichen Biologen, die mehrere
Territorien als Gebietskulisse zugeteilt bekommen. Auf aktiven Truppenübungsplätzen wird das
Monitoring in der Regel durch geschulte Personen von Bundesforst durchgeführt. LUPUS führt seit
2006 in Abstimmung mit bzw. im Auftrag vom LUGV das Monitoring im Südosten des Landes, an der
Grenze zu Sachsen und Polen durch. Im Monitoringjahr 2014/2015 kontinuierlich in den Territorien
Zschorno, Großräschen und Spremberg, sowie zeitlich eingeschränkt auch in den Gebieten Teichland
und Hornow.
3.
Methoden
3.1
Generell
In der Lausitz kommt sowohl aktives als auch passives Monitoring zum Einsatz. Letzteres beinhaltet
die Aufnahme, Bewertung und Archivierung aller aus der Bevölkerung gemeldeten Hinweise, zum
Beispiel Sichtbeobachtungen. Solche Hinweise können ein wichtiges Indiz dafür sein, wo das aktive
Monitoring intensiviert werden muss. Der Hauptteil der Hinweise wird jedoch aktiv durch
verschiedene Monitoringmethoden erhoben. Die Schwerpunktmethode ist die Suche nach
Anwesenheitshinweisen (presence sign survey). Dabei werden Wege gezielt nach Wolfshinweisen,
wie Kot (Losung) oder Spuren abgesucht. Eine Häufung von Spuren- / Losungsfunden liefert Hinweise

6
auf die Aktivitätsschwerpunkte in den jeweiligen Territorien. Diese Methode kommt das ganze Jahr
über zum Einsatz, wobei im Sommer (ab Mitte/Ende Juni) besonders intensiv nach Hinweisen auf
Welpen gesucht wird. Die gezielte Suche nach Reproduktionshinweisen kann sich, je nach Gebiet, bis
in den Herbst hinein ziehen. Darüber hinaus wird im Winter bei Schneefall intensiv abgefährtet, um
so viele Informationen wie möglich zu den reproduzierenden Tieren und der Mindestgröße des
Rudels zu erhalten. Auf Grund der unsicheren Schneelage und der begrenzten Anzahl verfügbaren
Personals (geschulte und erfahrene Personen, siehe KACZENSKY ET AL. 2009, REINHARDT ET AL. 2015)
konzentriert sich die Hinweissuche selbst bei Schneelage vor allem auf die Kerngebiete der
Territorien.
Seit 2009 werden in der Lausitz Fotofallen als ergänzende Monitoringmethode eingesetzt. Sie
kommen gezielt an aktuellen Aktivitätsschwerpunkten zum Einsatz. Die kontinuierliche Suche nach
Anwesenheitshinweisen ist dabei die Voraussetzung, um Fotofallen erfolgversprechend einzusetzen.
Sie dienen vor allem zur Bestätigung von Reproduktion und um die jeweils markierenden Tiere in den
einzelnen Rudeln fotografisch zu dokumentieren.
Genetische Untersuchungen sind ein wichtiger Teil des Monitorings geworden. Mit Hilfe der
Genetikanalysen
lassen
sich
benachbarte
Wolfsrudel
voneinander
abgrenzen,
Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Wolfsfamilien aufdecken oder auch die eventuelle
Zuwanderung von Wölfen aus Nachbarpopulationen bestätigen. Genetikproben können von frischen
Wolfslosungen gewonnen werden, im Schnee auch von Urin und Oestrusblut der Tiere. An frisch von
Wölfen gerissenen Tieren werden Speichelproben mittels Tupfer genommen. Ebenso werden Proben
von tot gefundenen oder lebend gefangenen Wölfen genetisch untersucht.
Aus dem Monitoringjahr 2014/2015 wurden aus Sachsen 211 Genetikproben zur Untersuchung an
das Senckenberg Forschungsinstitut für Wildtiergenetik, Gelnhausen eingeschickt; aus Brandenburg
lagen bis Berichtsende von weiteren 118 Proben nur die Ergebnisse der Haplotypen-Analyse, nicht
aber der Genotypisierung vor. Daher können aus dem Monitoringjahr 2014/2015 nur die
Genetikergebnisse der sächsischen Proben in den Bericht mit einfließen, für die Brandenburger Rudel
wird dagegen der aus dem vorigen Jahr bekannte Stand angegeben.
3.2
Endbewertung und Interpretation der Daten
In den Standards für das Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland (KACZENSKY ET AL. 2009,
REINHARDT ET AL. 2015), im Folgenden kurz als „Monitoringstandards“ bezeichnet, wurde die
Kategorisierung der Daten anhand ihrer Überprüfbarkeit festgelegt. Diese Einordnung erfolgte in
Anlehnung an die SCALP-Kriterien, die im Rahmen des Projektes „
S
tatus and
C
onservation of the
A
lpine
L
ynx
P
opulation“ (SCALP) für das länderübergreifende Luchsmonitoring in den Alpen
entwickelt wurden. Diese SCALP-Kriterien wurden für Wolf und Bär weiterentwickelt und an die
Gegebenheiten in Deutschland angepasst. Der Buchstabe C steht für Kategorie (Category), die Ziffern
1 – 3 sagen etwas über die Überprüfbarkeit der Hinweise aus.
C1: eindeutiger Nachweis =
harte Fakten, die die Anwesenheit der entsprechenden Tierart eindeutig
bestätigen (Lebendfang, Totfund, genetischer Nachweis, Foto, Telemetrieortung).
C2: bestätigter Hinweis =
von erfahrener Person überprüfter Hinweis (z.B. Spur oder Riss), bei dem
ein Wolf, Luchs oder Bär als Verursacher bestätigt werden konnte. Die erfahrene Person kann den

7
Hinweis selber im Feld oder anhand einer aussagekräftigen Dokumentation von einer dritten Person
überprüfen und bestätigen.
C3: unbestätigter Hinweis =
Alle Hinweise, bei denen ein Wolf, Luchs oder Bär als Verursacher auf
Grund der mangelnden Indizienlage von einer erfahrenen Person weder bestätigt noch
ausgeschlossen werden konnte. Dazu zählen alle Sichtbeobachtungen ohne Fotobeleg, auch von
erfahrenen Personen; ferner alle Hinweise, die zu alt sind, unzureichend oder unvollständig
dokumentiert sind, zu wenige Informationen für ein klares Bild (z.B. bei Spuren) oder aus anderen
Gründen für eine Bestätigung nicht ausreichen. Die Kategorie C3 kann in Unterkategorien, wie
„wahrscheinlich“ und „unwahrscheinlich“ unterteilt werden.
Falsch: Falschmeldung =
Hinweis, bei der die entsprechende Tierart als Verursacher ausgeschlossen
werden kann.
k.B.:
k
eine Bewertung möglich
= Hinweise, zu denen auf Grund fehlender Mindestinformationen
keine Einschätzung möglich ist. Zum Beispiel Sichtmeldungen von Rissen oder Spuren.
Da Wolfshinweise leicht mit jenen von Hunden verwechselt werden können, ist eine Endbewertung
der Hinweise durch erfahrene Personen notwendig. Diese Personen sollten jahrelange Routine im
Erkennen und Bewerten von Wolfshinweisen haben. Ein Hinweis muss nicht nur technisch alle
Merkmale aufweisen, die für einen Wolfshinweis sprechen. Der Gesamteindruck und die Erfahrung
der bewertenden Person sind letztlich entscheidend. Eine gut dokumentierte Spur im geschnürten
Trab, die wolfstypische Maße aufweist, wird nicht automatisch zum bestätigten Hinweis. Wenn die
erfahrene Person, die diese Spur bewertet, auf Grund der Pfotenform oder -stellung, des
Spurverlaufes oder des Verhaltens des Tieres Zweifel bekommt, ob es sich tatsächlich um eine
Wolfsspur handelt, dann wird sie diese als C3 (unbestätigter Hinweis) oder falsch (Wolf
ausgeschlossen) bewerten.
Naturgemäß gibt es sehr viel mehr unbestätigte (C3) als bestätigte Hinweise (C2). Von den
unbestätigten Hinweisen wird nur ein relativ kleiner Teil von Dritten gemeldet. Viele fallen bei der
eigentlichen Feldarbeit an, da es in einem Gebiet mit mehreren Wolfsrudeln auf Grund der Fülle der
Hinweise nicht möglich ist, jede einzelne Spur oder Losung ausführlich entsprechend der
Monitoringstandards zu dokumentieren. Das ist auch nicht nötig. Wichtig ist, dass Angaben zur
Populationsgröße, Reproduktion und Vorkommensgebiet ausschließlich auf C1 und C2 Daten
beruhen. Unbestätigten Hinweisen kommt eine besondere Bedeutung vor allem dann zu, wenn sie
aus Gebieten stammen, in denen bisher noch keine Wölfe nachgewiesen wurden (mögliche neue
Etablierung).
3.3
Definitionen
Abgrenzung zwischen zwei benachbarten Territorien
:
Reproduktion wurde in beiden Gebieten zeitgleich bestätigt ODER
Reproduktion wurde im Mai - Juli im Abstand von mind. 10km voneinander zeitnah bestätigt
ODER
mind. eins der Territorien ist über Telemetrie bekannt ODER
Abgrenzung über individuell eindeutig identifizierbare Individuen möglich ODER
über genetische Analysen.

8
Adulter Wolf:
Wolf, der Ende April / Anfang Mai mind. zwei Jahre alt ist.
FT / MT:
Die mit einem Halsbandsender versehenen Wölfe bekommen eine fortlaufende Nummer,
die bei den Fähen mit FT (f = female, t = telemetry) und bei den Rüden mit MT (m = male, t =
telemetry) beginnt.
Jährling
: Wolf in seinem zweiten Lebensjahr.
Monitoringjahr
: 01.Mai – 30. April. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der
Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres.
residenter Einzelwolf (territoriales Einzeltier)
: einzelner Wolf, der über mind. sechs Monate
individuell in einem Gebiet mit C1 Daten bestätigt wurde. In diesem Bericht wird von beiden
Synonymen der Begriff "territoriales Einzeltier" verwendet.
territoriales Paar
: Wolfsrüde und Fähe, die gemeinsam ihr Territorium markieren, aber (noch) keinen
Nachwuchs haben.
Vorkommensgebiet
: das Gebiet, das tatsächlich von der Art besiedelt ist. Es wird durch die besetzten
Rasterzellen des EU-Grids von 10 x 10 km Größe beschrieben. Als besetzt gilt eine Rasterzelle bei
einem C1-Nachweis. Liegt ein solcher nicht vor, so sind - bei der Tierart Wolf - mindestens drei
voneinander unabhängige C2-Hinweise erforderlich.
Welpe
: Wolf im ersten Lebensjahr. Da Wolfswelpen in der Regel Anfang Mai geboren werden, erfolgt
der Übergang vom Welpen zum Jährling am 01.Mai.
Wolfsfamilie
(Rudel)
: eine Gruppe von mehr als zwei Wölfen, die in einem Territorium leben.
Reproduzierende Wolfsfamilie
: besteht aus mindestens einem Altwolf mit bestätigter Reproduktion.

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9
4.
Ergebnisse
4.1
Wolfsbestand in Deutschland 2014/2015
4.1.1
Populationsgröße und Verbreitung
Im Monitoringjahr 2014/2015 wurden in Deutschland 31 Wolfsrudel, acht territoriale Paare sowie
sechs territoriale Einzeltiere bestätigt (Abb. 1). Im gleichen Zeitraum wurden 34 weitere Rudel in
West- und Mittelpolen nachgewiesen (Mysłajek & Nowak 2015). Darüber hinaus wurde in
Tschechien, nahe der Grenze zu Deutschland und Polen zum ersten Mal ein Rudel bestätigt (M. Kutal,
pers. Mittl.) Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in Deutschland von der Lausitz ausgehend nach
Nordwesten bis nach Niedersachsen. Wolfsrudel wurden außer in Sachsen (10) und Brandenburg (9),
auch in Sachsen-Anhalt (5), Niedersachsen (5) und Mecklenburg-Vorpommern (2) nachgewiesen.
Grenzübergreifende Territorien wurden entsprechend der Absprachen zwischen den Bundesländern
hier jenem Land zugerechnet, in dem entweder der Hauptteil des Territoriums liegt oder der
Schwerpunkt der Monitoringarbeiten stattfindet. Wolfspaare ohne Reproduktion wurden in Sachsen-
Anhalt (3), Niedersachsen (2) und Brandenburg (3) bestätigt.
Vom 01.05.2014 bis zum 30.04.2015 wurden 23 Wölfe tot aufgefunden, die meisten davon in
Brandenburg (7) und Sachsen (7), weitere in Sachsen-Anhalt (3), Niedersachsen (3), Hessen (2) und
Schleswig-Holstein (1).
Abb. 1: Bestätigte Wolfsterritorien in Deutschland im Monitoringjahr 2014/2015.
– Confirmed wolf territories in
the monitoring year 2014/2015 (dark = pack, middle = pair, white = single resident wolf).

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10
4.1.2
Vorkommensgebiet
Abb. 2: Vorkommensgebiet von Wölfen in Deutschland im Monitoringjahr 2014/2015. Zusammengestellt vom
BfN nach Angaben der Bundesländer. Grün: belegte Rasterzellen nach Monitoringstandards (1 C1 oder 3 C2),
hellgrün: Rasterzellen, die nur von abwandernden, individuell bekannten Tieren besetzt wurden.
Area of
confirmed wolf occurrence in the monitoring year 2014/2015. Data provided by the Laender and compiled by
the BfN. Green: 10x10 km grid cell occupied according to the national monitoring standards (1 C1 or 3 C2), light
green: grid cells that were only occupied by dispersing, individually identified wolves.
4.2
Wolfsbestand in Sachsen und Brandenburg 2014/2015
Von den im Monitoringjahr 2014/2015 in Deutschland nachgewiesenen Rudeln und Wolfspaaren
wurden 19 Wolfsfamilien und drei Paare in Sachsen und Brandenburg bestätigt. Ein weiteres Rudel,
das polnische Ruszow-Rudel, hat nur einen kleinen Teil seines Territoriums auf sächsischer Seite und
wurde hier deshalb nicht mitgezählt. Das Wolfterritorium in der Annaburger Heide liegt zum großen
Teil in Sachsen-Anhalt, und nur zu geringen Teilen in Brandenburg und Sachsen und wurde hier
ebenfalls nicht mitgezählt.
Zwei sächsische Rudel, das Kollmer und das Hohwald-Rudel konnten im Monitoringjahr 2014/2015
nicht mehr nachgewiesen werden. Das Territorium des ehemaligen Kollmer Rudels wurde vom
Nieskyer und vom Daubaner Rudel übernommen. Im Territorium des Hohwald Rudels konnte nur
noch eine aus dieser Wolfsfamilie stammende Jährlingsfähe nachgewiesen werden, die 2014/2015
als territoriales Einzeltier zählt.
Außer den nachgewiesenen Territorien gab es mehrere Gebiete in denen zwar Wolfsnachweise
bestätigt wurden, der Status in diesen Flächen (territoriales Einzeltier, Paar, Rudel, durchwandernde
Tiere) aber nicht geklärt werden konnte. Solche Gebiete gab es in Sachsen im südlichen Landkreis

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11
Görlitz (östlich und westlich von Löbau), im Grenzgebiet von Sachsen und Brandenburg in der
Gohrischheide (bei Zeithain) sowie in Brandenburg im Gebiet der Gemeinde Teichland bei
Jänschwalde (2013/2014 als Rudel bestätigt) sowie nordöstlich von Spremberg bei Hornow
(2013/2014 als Wolfspaar bestätigt).
In diesem Bericht gehen wir in den folgenden Abschnitten detailliert auf die sächsischen und
Brandenburger Wolfsterritorien ein. Am Beispiel der sächsischen Daten zeigen wir, wie die Ermittlung
des Vorkommensgebietes und der Populationsgröße (Anzahl Rudel + Paare) in den einzelnen
Bundesländern von statten geht (Abb. 3 bis 6). Die nationale Zusammenführung der Daten erfolgt auf
einem jährlichen Treffen, der von den Ländern mit dem Monitoring beauftragten Personen auf
Einladung des BfN.
Abb. 3: Verteilung der C1 (n = 870), C2 (n = 81) und C3 (n=1069) Daten in Sachsen im Monitoringjahr 2014/2015
(01.05.2014 bis zum 30.04.2015; ohne Telemetriedaten). –
Distribution of C1 (n = 870) C2 (n = 81) and C3
(n=1061) data in Saxony in the monitoring year 2014/2015 (01.05.2014 - 30.04.2015; without telemetry data).

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image
12
Abb. 4: Die meisten C1 und C2 Daten stammen aus den bekannten Wolfsterritorien.
The majority of C1(red)
and C2 (blue) data were sampled within the area of known wolf territories.
Abb. 5: Verteilung der C1 (n = 870) und C2 (n = 81) Daten in Sachsen im Monitoringjahr 2014/2015 zuzüglich
der Telemetriedaten (01.05.2014 bis zum 30.04.2015). Das nachgewiesene Vorkommensgebiet umfasst 41
Rasterzellen (fett umrandet), die durch mind. 1 C1 oder 3 C2 belegt wurden.
Distribution of C1 (n = 870) and C2
(n = 81) data plus telemetry data in Saxony in the monitoring year 2014/2015 (01.05.2014 - 30.04.2015). The
area occupied consists of 41 grid cells (bold lines) with at least 1 C1 or 3 C2.

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13
Abb.
6:
Nachgewiesene
Wolfsterritorien
in
Sachsen
im
Monitoringjahr
2014/2015.
Gebiete
mit
Wolfsnachweisen aber unklarem Status sind schraffiert dargestellt.
Confirmed wolf territories in Saxony in
2014/2015. Areas with confirmed wolf signs but unknown status are shaded.
4.2.1
Reproduktion 2014
Im Monitoringjahr 2014/2015 konnte in 10 Sächsischen und 9 Brandenburger Wolfsfamilien
Reproduktion bestätigt werden. Hinzu kommen Wolfsfamilien, die für Sachsen-Anhalt (Annaburger
Heide, Altengrabow) oder Polen (Ruszow) mitgezählt werden.

14
Tab. 1: In den Sächsischen und Brandenburger Wolfsterritorien 2014/2015 bestätigte Wölfe. Die Anzahl der
Jährlinge und der Welpen sind Mindestzahlen; in der Regel erhoben im Sommer. Totfunde beziehen sich auf
das gesamte Monitoringjahr. –
Wolves confirmed in wolf territories of Saxony and Brandenburg 2014/2015.
The number of pups and yearlings are minimum numbers, mainly estimated during summer. The number of
wolves found dead refers to the whole monitoring year.
Altwölfe
Jährlinge
Welpen
Totfunde
Gesamt*
Wolfsfamilie
Babbener Heide (BB)
2
0
6
0
8
Bärenklau (BB)
2
0
2
0
4
Dauban (SN)
3
2 (-1)
13
1
17
Daubitz (SN)
2
1
0
0
3
Forst Hohenbuckow (BB)
2 (-1)
0
2
1
3
Göritz/Klepzig (BB/ST)
2
1
5
0
8
Großräschen (BB)
2
0
6
0
8
Königsbrück (SN)
2
0
6
0
8
Laußnitzer Heide (SN)
2
0
1
0
3
Lehnin (BB)
2
0
7
0
9
Lieberose (BB)
2
0
3
0
5
Milkel (SN)
4
3 (-1)
5
1
11
Nochten (SN)
3
2
5
0
10
Niesky (SN)
2
2 (-1)
5
1
8
Rosenthal (SN)
2
0
5 (-1)
1
5
Ruhland (BB)
2
0
5
0
7
Seenland (SN)
2
1
5
0
8
Sperenberg (BB)
2
5
5
0
12
Spremberg (SN/BB)
2 (-1)
4
3
1
8
Wolfspaare
Grünhaus (BB)
2
0
0
0
2
Wirchensee (BB)
(Reicherkreuzer Heide)
2
0
0
0
2
Zschorno (BB)
2
0
0
0
2
Residentes Einzeltier
Hohwald (SN)
0
1
0
0
1
Kyritz/Ruppin (BB/MV)
1
0
0
0
1
* Totfunde abgezogen

15
4.2.2
Totfunde 2014/2015
Vom 01. Mai 2014 bis 30. April 2015 wurden in Sachsen und Brandenburg vierzehn tote Wölfe
gefunden; darunter vier Welpen, vier Jährlinge und sechs Altwölfe. Sieben Tiere kamen bei
Verkehrsunfällen ums Leben, fünf wurden illegal geschossen.
Tab. 2: Tot gefundene Wölfe in Sachsen und Brandenburg im Zeitraum 01.05.2014 – 30.04.2015.
– Wolves
found dead in Saxony and Brandenburg between 1st May2014 – 30th April 2015
Datum
Land
Alter
Sex
Herkunft
Rudel gesampelt
Todesursache
16.06.2014
SN
Jährling
m
?
Milkel
Verkehrsunfall
13.07.2014
SN
Jährling
w
Niesky
Dauban
illegaler Abschuss
07.08.2014
BB
adult
m
Przemkow
(PL)
Lieberose
illegaler Abschuss
10.09.2014
SN
Welpe
m
Rosenthal
Rosenthal
Verkehrsunfall
20.09.2014
SN
adult
?
?
Zschorno
unklar*
04.10.2014
BB
Welpe
w
Lehnin?
Lehnin
illegal beschossen, in
Mähwerk gekommen,
eingeschläfert
28.12.2014
BB
Welpe
w
?
Ruhland
illegaler Abschuss
06.01.2015
BB
adult
m
?
Forst Hohenbucko
Verkehrsunfall
15.02.2015
SN
Jährling
w
Dauban
Milkel
Verkehrsunfall
22.02.2015
BB
adult
w
?
außerhalb
Verkehrsunfall
09.03.2015
SN
Jährling
m
Milkel
Milkel
Verkehrsunfall
29.03.2015
BB
adult**
m
Welzow
Forst Hohenbucko
illegaler Abschuss
30.03.2015
SN
adult***
m
Nochten
Spremberg
natürlich
09.04.2015
BB
Welpe
m
?
Lehnin Raum
Verkehrsunfall
*
Skelettreste
** vermutlich der Rüde des Rudels
*** MT2 ("Karl"), Spremberger Rüde
4.2.3
Wolfsfamilien
LAUSITZ
Nochten (NO), Sachsen (seit 2005)
Das Nochtener Rudel existiert seit 2005. Von 2005 bis 2011 führte die aus dem ersten Rudel
Deutschlands stammende FT3 („Einauge“) zusammen mit ihrem ebenfalls aus der Muskauer Heide
stammenden Rüden das Rudel an. 2012 übernahm eine Tochter der beiden (FT2 „Lisa“) zusammen
mit einem aus Westpolen zugewanderten Rüden das Territorium und reproduzierte im selben Jahr
das erste Mal (siehe Statusbericht 2012/2013). Der aus Polen stammende Rüde verschwand im
Herbst 2013. Im Winter 2013/2014 wurde ein neuer junger Rüde über Fotofallenaufnahmen
nachgewiesen, der zusammen mit FT2 markierte. Genetische Analysen ergaben, dass er 2012 im
Daubaner Rudel geboren worden war. 2014 zog FT2 mindestens fünf Welpen auf. Vater dieser
Welpen war jedoch nicht der im Winter nachgewiesene junge Daubaner Rüde, sondern dessen Vater.

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16
Dieser wurde 2005 oder 2006 ebenfalls im Nochtener Rudel geboren und ist somit ein Bruder von
FT2. Im Sommer 2014 wurde auch der alte Nochtener Rüde (Vater von FT2 sowie dem aktuellen
Rüden) über Fotofallenaufnahmen zusammen mit den Welpen bestätigt. Außerdem wurden im
Herbst 2014 noch zwei weitere Wölfe, wahrscheinlich Jährlinge, über Fotofallenaufnahmen
nachgewiesen.
Abb. 7: Ein Welpe des 2014er Wurfes. Vater ist der ehemalige Daubaner Rüde (rechts zusammen mit FT2). Der
Rüde ist deutlich als älterer Wolf zu erkennen.
Wolf pup from 2014. Father of this litter is the previous Dauban
breeding male (on the right together with FT2). This male was born 2005 or 2006 and shows clear signs of an
aging wolf.
FOTOS: LUPUS.
Daubitz (DZ), Sachsen (seit 2006)
Das Daubitzer Rudel existiert seit mindestens 2006. Seit 2012 wurde das Rudel von einer aus
Nochten stammenden Fähe und einem aus Polen zugewanderten Rüden mit dem Haplotyp HW02
geführt. Ende März 2014 wurde dieser Rüde illegal geschossen. Bereits im April 2014 konnte ein
neuer Rüde über Fotofallenaufnahmen bestätigt werden. Trotzdem gelang es der Daubitzer Fähe
nicht, Welpen aufzuziehen. Sie wurde im Mai wiederholt mit einem Gesäuge fotografiert (Abb. 8).
Welpen konnten jedoch im gesamten Monitoringjahr nicht nachgewiesen werden. Bis in den Winter
2014/2015 wurden neben den beiden markierenden Wölfen noch ein Jährling bestätigt.
Abb. 8 links: Die Daubitzer Fähe im Mai 2014 mit Gesäuge. Rechts: Der neue, aus dem benachbarten Wymiarki-
Rudel zugewanderte Rüde.
The breeding female of the Daubitz pack with teats (left). After the breeding male
was poached end of March 2014 the female did not succeed in raising her pups. Right: The new breeding male
from the adjacent Wymiarki pack (Poland).
FOTO: LUPUS.

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17
Milkel (MI), Sachsen (seit 2008)
Das Milkeler Rudel wurde 2008 das erste Mal bestätigt. Die Milkeler Fähe stammt aus dem
Neustädter Rudel. Inzwischen ist sie mit dem vierten Rüden zusammen, mit dem sie Welpen aufzieht.
Vater der 2013er und auch 2014er Welpen ist der ehemalige Seenland-Rüde.
Im Sommer 2014 wurden im Milkeler Rudel fünf Welpen bestätigt. Zudem waren noch ältere
Nachkommen im Gebiet anwesend. Im Dezember 2014 wurden 12 Wölfe über Fotofallenaufnahmen
nachgewiesen, Anfang 2015 noch 10. In den vergangenen Jahren gab es im Milkeler Rudel mehrfach
Doppelreproduktionen durch Töchter der alten Fähe (siehe Statusberichte 2012/2013 und
2013/2014). Im Monitoringjahr 2014/2015 konnte neben dem alten Elternpaar im Milkeler
Territorium auch ein jüngeres, markierendes Paar nachgewiesen werden. Das junge Paar wurde
jedoch nie zusammen mit Welpen bestätigt. Auch genetisch waren alle nachgewiesenen Welpen dem
alten Wolfspaar zuzuordnen. Belege für eine Doppelreproduktion in Milkel in 2014 gab es somit
nicht.
Abb. 9: Das Milkeler Rudel im Dezember 2014, im Vordergrund der alte Rüde.
The Milkel pack with its old
breeding male in front.
FOTO: LUPUS.
Dauban (DN), Sachsen (seit 2008)
Das Daubaner Rudel wird nach dem Tod der ehemaligen Fähe seit 2012 von ihrer Tochter FT9
("Frieda") geführt. 2012 verpaarte sie sich mit einem aus Polen zugewanderten Rüden. Vater der
2013er Welpen des Daubaner Rudels war jedoch der alte Daubaner Rüde, also der Vater von FT9.
Dieser wechselte 2014 in Nochtener Rudel (siehe dort), wo er sich mit seiner Schwester FT2
verpaarte. Der neue Rüde und Vater der 2014er Welpen im Daubaner Rudel stammt aus dem
Wymiarki Rudel in Westpolen.

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18
Im Sommer 2014 wurden im Daubaner Rudel 13 Welpen über Videoaufnahmen bestätigt. Zwei
Jährlinge und mindestens noch eine zweijährige Wölfin waren ebenfalls noch präsent. Somit bestand
das Daubaner Rudel im Sommer 2014 aus mind. achtzehn Wölfen. Über ein intensives genetisches
Monitoring sollte versucht werden abzuklären, ob alle 13 Welpen von nur einer Fähe stammten oder
ob es im Daubaner Rudel eine Doppelreproduktion gegeben hatte. Dafür wurden im Monitoringjahr
2014/2015
fast
40
Genetikproben
aus
diesem
Rudel
gesammelt
und
analysiert.
Eine
Doppelreproduktion konnte genetisch jedoch weder bestätigt noch sicher ausgeschlossen werden,
da sieben der 13 Welpen nicht in den gesammelten Genetikproben vorkamen. Die sechs genetisch
beprobten Welpen haben alle die bekannte Daubaner Fähe als Mutter. Auch auf den
Fotofallenbildern gab es keine Hinweise auf eine weitere reproduzierende Fähe oder einen weiteren
Rüden. Die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist insgesamt jedoch zu gering, um sicher zu
schlussfolgern, dass tatsächlich alle 13 Welpen von nur einer Mutter stammen. Möglicherweise
liefern die genetischen Analysen oder die Fotofallenbilder des Monitoringjahres 2015/2016 noch
weitere Aufschlüsse.
Abb. 10: Zehn der 13 Daubaner Welpen im August 2014.
Ten out of 13 pups confirmed in August
2014 in the Dauban pack.
Foto: Karsten Nitsch.
Das ehemalige Kollmer Territorium wurde im vergangenen Monitoringjahr zwischen dem Nieskyer
und dem Daubaner Rudel aufgeteilt. Das Daubaner Territorium dehnte sich somit nach Südwesten
aus.
Seenland (SL), Sachsen (seit 2009)
Das seit 2009 bestehende Seenland-Territorium wurde 2012 von einer im Seenland-Rudel geborenen
Fähe (FT4, „Mona“) und einem aus dem Nochtener Rudel stammenden Rüden übernommen. 2014
wurden fünf Welpen sowie ein Jährling im Seenland-Rudel nachgewiesen.

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19
Spremberg (SP), Sachsen / Brandenburg (seit 2010)
Das Spremberger Wolfspaar hat 2010 sein Territorium etabliert und zog seit 2011 zusammen Welpen
auf. Der Rüde MT2 („Karl“) stammt aus dem Nochtener, die Fähe aus dem Milkeler Rudel. Im
Sommer 2014 wurden drei Welpen sowie vier Jährlinge bestätigt, womit das Rudel aus mindestens 9
Tieren bestand. MT2 wurde im März 2015 tot aufgefunden. Die Untersuchung am Leibnitz Institut für
Zoo- und Wildtierforschung Berlin ergab, dass ein großes Knochenstück den Darm perforiert hatte
und das Tier an den Folgen dieser inneren Verletzung gestorben war. MT2 war 2009 im Alter von 10
Monaten in seinem Nochtener Geburtsterritorium gefangen und besendert worden. Er war der erste
Wolf in Deutschland, der mit einem GPS-GSM-Halsband versehen worden war.
Abb. 11: MT2 ("Karl") links als Jährling im März 2010, wurde im März 2015 tot gefunden (rechts). Er lag
innerhalb der Umzäunung eines Feuerlöschteiches.
The breeding male of the Spremberg pack as yearling in
March 2010 (left). MT2 was found dead in March 2015. A sharp bone had punctured its intestines.
FOTOS: S.
KOERNER & LUPUS.
Königsbrücker Heide (KH), Sachsen (seit 2011)
In der Königsbrücker Heide werden seit 2011 Welpen aufgezogen. Die Fähe stammt aus dem
Seenlandrudel, der Rüde ist aus Polen zugewandert. 2014 wurden sechs Welpen nachgewiesen. Das
Rudel bestand somit aus mindestens acht Tieren.
Abb. 12: Welpen des Königsbrücker Heide-Rudels im August 2014.
Pups of the Königsbrücker Heide pack in August 2014.
FOTOS: NSG KÖNIGSBRÜCK, D. SYNATZSCHKE.

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image
20
Niesky (NY), Sachsen (seit 2011)
Das Nieskyer Rudel zieht seit 2011 Welpen auf. Die Fähe stammt aus dem Daubitzer Rudel, der Rüde
aus Polen. 2014 wurden neben den Eltern zwei Jährlinge und fünf Welpen nachgewiesen. Die Fähe
(FT8, "Greta") war im Rahmen des Wanderwolfprojektes besendert worden. Die Telemetriedaten
zeigten, dass das Nieskyer Rudel im Winter 2014/2015 den Ostteil des ehemaligen Kollmer
Territoriums übernahm.
Abb. 13: Durch die Telemetriedaten der Nieskyer Fähe FT8 ("Greta") konnte verfolgt werden, wie das Nieskyer
Rudel den Ostteil des ehemaligen Kollmer Territoriums übernahm. Links die Kernel (Nutzungs-
wahrscheinlichkeit) der Nieskyer (orange) und der Daubaner Fähe (blau) sowie des Kollmer Rüden (grün) in
2013. Rechts die Lokationen der Nieskyer Fähe (gelb) 2014 bis Ende März 2015.
Due to telemetry data of the
Niesky breeding female FT8 the take over of a large part of the former Kollm territory could be followed. Left:
Kernel of the breeding females of the Niesky (orange) and Dauban (blue) pack and of the breeding male of the
former Kollm pack (green). Right: the locations of FT8 (yellow) in 2014 to March 2015.
Maps: LUPUS.
Hohwald (HW), Sachsen / Tschechische Republik (2012-2013)
Das Hohwald-Rudel wurde 2012 von einer aus dem Seenland-Rudel stammenden Fähe und einem
Rüden unbekannter Herkunft gegründet. Nach Reproduktionen in 2012 und 2013 gab es 2014 keine
Hinweise mehr auf Welpen. Generell waren die Wolfshinweise aus diesem Gebiet stark zurück
gegangen. Auf Fotofallenaufnahmen des Staatsbetriebes Sachsenforst war nur noch ein Tier zu
sehen. Auch genetisch wurde nur ein einziges Individuum nachgewiesen. Dabei handelte es sich um
eine 2013 geborene Jährlingsfähe dieses Rudels. Das Rudel selbst konnte im Monitoringjahr
2014/2015 nicht mehr nachgewiesen werden.
Kollm (KO), Sachsen (2013-2014)
Das Kollmer Territorium wurde bereits im Winter 2012/2013 etabliert. Da der aus dem Nochtener
Rudel stammende Rüde MT5 („Timo“) besendert war, konnte dies zeitnah verfolgt werden. Nachdem
der Sender nach 2-jähriger Laufzeit im Januar 2014 planmäßig abgefallen war, gab es kaum noch
Hinweise aus diesem Gebiet. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Durchführung von
Monitoringarbeiten im Kerngebiet des Kollmer Rudels durch den dortigen Flächeneigentümer stark
eingeschränkt wurde.
Im Winter 2014/2015 zeigten die Telemetriedaten der Nieskyer Fähe, dass das Kollmer Territorium
nun von den Nieskyer Wölfen mit genutzt wurde. Allerdings beschränkte sich die Aktivität der
Nieskyer vor allem auf den östlichen Teil des ehemaligen Kollmer Territoriums. Daher lag die
Vermutung nahe, dass der westliche Teil wieder in das Daubaner Territorium integriert wurde. Dies
wurde durch die Ergebnisse der genetischen Analysen bestätigt. Tiere des Kollmer Rudels wurden
genetisch nicht mehr nachgewiesen. Das Kollmer Rudel existierte im Monitoringjahr 2014/2015 nicht
mehr. Die Ursache des Verschwindens ist unbekannt.

21
Rosenthal (RT), Sachsen (seit 2013)
Die aus dem Milkeler Rudel stammende Fähe FT7 („Marie“) etablierte im Juli 2013, nach einem
erfolglosen Reproduktionsversuch in ihrem Geburtsrudel, zusammen mit einem aus Polen
zugewanderten Rüden ein eigenes Territorium im Gebiet um Ralbitz-Rosenthal. Das Rosenthaler
Territorium erstreckt sich von östlich von Königswartha bis an den Rand der Königsbrücker Heide im
Westen. 2014 zog das Paar das erste Mal erfolgreich Nachwuchs auf. Über Fotofallenaufnahmen
konnten vier Welpen nachgewiesen werden. Die genetischen Ergebnisse zeigten, dass es noch einen
fünften gab. Einer der Welpen wurde im September 2014 überfahren.
Laußnitzer Heide (LH), Sachsen (seit 2013)
Auch das Wolfspaar in der Laußnitzer Heide zog 2014 das erste Mal Nachwuchs auf. Die LUPUS
vorliegenden wenigen Daten aus dem Gebiet belegen nur einen Welpen. Ob der Wurf in Wirklichkeit
größer war, ist unklar . Die Elterntiere stammen aus der Königsbrücker Heide (Fähe) und dem
Daubaner Rudel (Rüde).
Lieberose, Brandenburg (seit 2011)
In der Lieberoser Heide wurden 2011 das erste Mal Welpen nachgewiesen. Allerdings verschwanden
die Rudelgründer nachdem sie nur einmal Welpen aufgezogen hatten. 2013 wurden in diesem Gebiet
erneut Welpen aufgezogen, jedoch von anderen Elterntieren. 2014 wurden drei Welpen
nachgewiesen. Da das Ergebnis der genetischen Proben zu Berichtschluss noch nicht vorlag, kann
derzeit keine Aussage getroffen werden, ob es evtl. erneut einen Wechsel bei den Elterntieren gab.
Babbener Heide, Brandenburg (seit 2012)
Seit 2012 gibt es im Bereich des ehemaligen Tagebaugebietes Schlabendorf (Wanninchen) sowie aus
der Babbener Heide Hinweise auf Wölfe. Im Sommer 2013 wurde das erste Mal Reproduktion
bestätigt. Die Fähe des Babbener Rudels stammt aus Altengrabow (ST), der Rüde konnte keinem
genetisch bekannten Rudel in Deutschland zugeordnet werden (Stand Monitoringjahr 2013/2014).
2014 wurden in diesem Gebiet sechs Welpen bestätigt.
Forst Hohenbuckow, Brandenburg (seit 2013)
Aus der Rochauer Heide (Forst Hohenbucko) gab es über mehrere Jahre Wolfshinweise, ohne dass
der Status in diesem Gebiet geklärt werden konnte. Fotofallenaufnahmen aus dem Sommer 2013,
mit zwei Altwölfen und einem Jährling legen nahe, dass es bereits 2012 Reproduktion gab. Jedoch
konnten auch 2013 keine Welpen nachgewiesen werden. Erst 2014 wurden im Forst Hohenbuckow
zwei Welpen bestätigt. Die genetischen Ergebnisse aus dem Monitoringjahr 2013/2014 zeigten, dass
der Rüde des Rudels ursprünglich aus dem Welzower Rudel stammt (das 2013/2014 verschwand). Er
war zuvor der Rüde des Seese Rudels, das nach nur einer Reproduktionszeit im Monitoringjahr
2013/2014 nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Ende März 2014 wurde vermutlich dieser Rüde
im Forst Hohenbuckow tot aufgefunden. Das Tier war illegal geschossen worden.
Großräschen, Brandenburg (seit 2013)
Das Großräschener Rudel wurde im Monitoringjahr 2013/2014 das erste Mal nachgewiesen. Die Fähe
des Großräschener Rudels stammt aus keinem der genetisch bekannten deutschen Rudel, der Rüde
kommt aus dem Königsbrücker Heide Rudel. 2014 wurden sechs Welpen bestätigt.

image
22
Abb. 14: Ein Wolf des Großräschener Rudels trägt einen Frischling im Maul.
A wolf from the
Großräschen pack carrying a piglet.
FOTO: LUPUS.
Bärenklau, Brandenburg (seit 2014)
2014 wurden im Gebiet der Bärenklauer Heide, im Süd-Osten Brandenburgs ein markierendes
Wolfspaar mit zwei Welpen nachgewiesen. Die Herkunft der Elterntiere wird erst mit Auswertung der
Genetikproben geklärt werden.
Ruhland, Brandenburg (seit 2014)
Im Raum Ruhland wurden 2014 westlich der A13 fünf Wolfswelpen nachgewiesen. Die genetische
Identität der Elterntiere ist unbekannt.
BRANDENBURG, AUßERHALB DER LAUSITZ
Sperenberg (Jüterbog), Brandenburg (seit 2011)
Bei Sperenberg wurde 2011 ein Wolfspaar nachgewiesen. Die Fähe wurde 2009 im Welzower Rudel
geboren, der Rüde ist wahrscheinlich aus Polen zugewandert. 2012 und 2013 zog das Sperenberger
Elternpaar jeweils Welpen auf. Wie genetische Analysen zeigen, nutzten sie neben dem
Sperenberger Gebiet zunehmend auch die Flächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes Jüterbog
Ost (Heidehof) und teilweise auch von Jüterbog West. 2014 wurden neben den Elterntieren und fünf
Welpen auch noch fünf Jährlinge nachgewiesen, so dass das Rudel zeitweise aus 12 Tieren bestand.
Genetikergebnisse liegen aus dem letzten Monitoringjahr noch nicht vor.
Lehnin, Brandenburg (seit 2011)
Auf dem Gebiet des Truppenübungsplatz Brück/Lehnin wurden 2011 das erste Mal Welpen
nachgewiesen. Die Fähe stammt aus dem Altengrabower Rudel, der Rüde war aus Polen

23
zugewandert. Das Paar zog bis 2013 jedes Jahr Welpen auf. 2014 gab es wahrscheinlich einen
Wechsel des Rüden. Ein bei Bad Belzig Anfang Oktober 2014 schwer verletzt gefundener Welpe, der
eingeschläfert werden musste, konnte genetisch zwar der Fähe zugeordnet werden, nicht aber dem
Rüden. Die Auswertung weiterer Genetikproben aus diesem Gebiet bleibt abzuwarten. Der verletzte
Welpe war beschossen worden und anschließend in ein Mähwerk gekommen.
Göritz-Klepzig, Brandenburg/Sachsen-Anhalt (seit 2014)
Das Wolfsrudel im südlichen Fläming ist seit 2012 nachgewiesen. Die Fähe stammt aus dem
Altengrabower Rudel, der Rüde ist aus Polen zugewandert. 2014 wurden in diesem Bereich fünf
Welpen nachgewiesen.
WEITERE, GRENZÜBERGREIFENDE WOLFSTERRITORIEN
Das polnische Ruszow Rudel hat einen Teil seines Territoriums auf deutscher Seite, in Sachsen. Da es
überwiegend auf polnischer Seite aktiv ist, wird es dort mitgezählt. Die Rudel Altengrabow
(Brandenburg/Sachsen-Anhalt) und Annaburger Heide (Sachsen-Anhalt/Brandenburg/Sachsen)
werden in Sachsen-Anhalt mitgezählt.
4.2.4
Wolfspaare
LAUSITZ
Zschorno (Z), Brandenburg (seit 2007)
2006 etablierte eine aus dem Neustädter Rudel stammende Fähe ihr Territorium in der Zschornoer
Heide. 2007 gesellte sich ein Rüde dazu; wie sich herausstellte ein Vollgeschwister der Fähe. Von
2007 bis 2012 agierten die beiden als Wolfspaar, zogen jedoch nie Welpen auf. Mehrfach wurden
andere Wolfsrüden im Zschornoer Territorium genetisch nachgewiesen. Fotofallenbilder zeigen, dass
einzelne dieser „Dritten“ auch eine Zeit lang zusammen mit dem Zschornoer Paar liefen. Letztlich
blieben die beiden Geschwister jedoch unter sich. Der Rüde wurde im Herbst 2012 das letzte Mal
nachgewiesen. 2013 wurde in diesem Gebiet mehrfach ein aus Polen stammender Wolfsrüde
genetisch bestätigt. Dieses Tier war 2008 bereits einmal im Gebiet des Daubitzer Rudel gesampelt
worden, stammt aber nicht von dort. Trotz des Rüdenwechsels wurden auch 2013 und 2014 in
Zschorno keine Welpen nachgewiesen.
Grünhaus, Brandenburg (seit 2013)
Im Bereich Grünhaus (ehemaliger Tagebau Schacksdorf), westlich der A13 gibt es seit 2013
regelmäßige Nachweise von Wölfen, ohne dass zunächst der Status in diesem Gebiet geklärt werden
konnte. 2014 wurde hier ein markierendes Wolfspaar nachgewiesen. Die genetische Identität der
Tiere ist noch ungeklärt.
Wirchensee, Brandenburg (seit 2014)
Im Bereich der Reicherskreuzer Heide (Schlaubetal) gibt es ebenfalls seit einiger Zeit Nachweise von
Wölfen. 2014 konnte hier mindestens ein reproduzierendes Paar bestätigt werden. Die genetische
Identität der Tiere ist noch ungeklärt.

24
4.2.5
territoriale Einzeltiere
LAUSITZ
Hohwald (HW), Sachsen / Tschechische Republik (seit 2012)
Das seit 2012 bestehende Hohwald Rudel konnte nicht mehr nachgewiesen werden. Stattdessen
wurde im Monitoringjahr 2014/2015 nur noch eine Jährlingsfähe aus diesem Rudel über
Fotofallenaufnahmen und anhand genetischer Proben dokumentiert.
BRANDENBURG, AUßERHALB DER LAUSITZ
Kyritz-Ruppin, Brandenburg / Mecklenburg-Vorpommern (seit 2012)
Seit 2008 wird im Bereich der Kyritz-Ruppiner Heide regelmäßig ein Wolf nachgewiesen. Seit 2011
wurde das Tier wiederholt genetisch bestätigt. Es handelt sich um einen aus Polen zugewanderten
Rüden, der auch 2014 noch immer einzeln lebte.
4.2.6
Status unklar
Auch im Monitoringjahr 2014/2015 gab es mehrere Gebiete, in denen zwar Wolfsanwesenheit
bestätigt wurde, der Status jedoch nicht geklärt werden konnte. Eines davon war das
Hornow
er
Gebiet, in dem im Monitoringjahr zuvor ein Wolfspaar nachgewiesen wurde. Der Rüde wurde im
April 2014 überfahren. In der Folgezeit wurde nur noch ein einzelnes Tier bestätigt. Hinweise auf
Welpen wurden den ganzen Sommer über nicht gefunden. Im Oktober 2014 gelang eine einzelne
Fotofallenaufnahme von zwei Altwölfen und vier Welpen; anschließend wurde wieder nur ein
einzelnes Tier bestätigt. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Fotofallenaufnahme das
Spremberger Rudel auf einem Ausflug zeigt und weil die für die Klärung notwendigen genetischen
Ergebnisse noch nicht vorliegen, wird das Hornower Gebiet als Status unklar gezählt.
Auch im
Teichland
-Gebiet (ehemaliger Tagebau Jänschwalde nördlich der A15) reichte die Datenlage
nicht aus, da das Monitoring hier 2014/2015 zeitlich stark eingeschränkt war. Weitere Gebiete, in
denen der Status nicht geklärt werden konnte, sind der Bereich um
Löbau
im südöstlichen Sachsen
und um das NSG
Gohrischheide
(Sachsen / Brandenburg) an der Elbe.

25
Literatur
CZARNOMSKA, S., JĘDRZEJEWSKA, B., BOROWIK, T., NIEDZIAŁKOWSKA, M., STRONEN, A.V., NOWAK, S., MYSŁAJEK,
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Skandinavia: Statusrapport for vinteren 2008 – 2009. Høgskolen i Hedmark Oppdragsrapport
nr. 6 – 2009.

26
Anhang 1
Sozialer Status, Reproduktion und Nachweismethoden in den Wolfsrevieren in Sachsen 2014/2015
Sozialer Status
Territorium
Land
Reproduktion
nachgewiesen
Anz.
Individuen*
Tote
Wölfe
Methoden
Anz. Genetikproben**
markierende Tiere genetisch
bekannt
gesamt (Min)
Welpen (Min)
Reproduktion
Status
Abgrenzung
Spuren
Foto / Video
DNA
Telemetrie
Spuren
Foto / Video
DNA
Telemetrie
Reproduktion
Foto / Video
DNA
Telemetrie
Rudel
Nochten
SN
ja
11
5
1
X
X
x
X
X
11
F, M
Rudel
Daubitz
SN
ja
3
0
X
x
X
X
18
F, M
Rudel
Milkel
SN
ja***
12
5
1
X
X
x
X
X
42
F, M
Rudel
Dauban
SN
ja
18
13
1
X
X
X
x
X
43
F, M
Rudel
Spremberg
SN / BB
ja
9
3
1
X
X
x
X
X
26
F, M
Rudel
Königsbrück
SN
ja
8
6
X
X
X
3
F, M
Rudel
Niesky
SN
ja
9
5
1
X
X
X
X
X
26
F, M
Rudel
Rosenthal
SN
ja
2
5
X
X
x
X
X
20
F, M
Rudel
Laußnitzer Heide
SN
ja
3
1
X
X
X
11
F, M
Rudel
Seenland
SN
ja
8
5
X
x
x
x
x
22
F, M
Territoriales
Einzeltier
Hohwald
SN / CZ
nein
1
5
F
*
Totfunde noch nicht abgezogen
**
gesammelte Genetikproben. Nicht alle gesammelten Proben werden zur Analyse eingeschickt. Auf Grund der begrenzten Finanzmittel wird eine
Probenpriorisierung vorgenommen. Proben mit voraussichtlich hoher Qualität und solche von markierenden Tieren werden bei der Auswahl bevorzugt.
***
Fähe mit Gesäuge im Mai fotografiert, jedoch später keine Welpennachweise.