image
Wölfe in Sachsen
Statusbericht für das Monitoringjahr
2016/2017
Gesa Kluth, Ilka Reinhardt, Helene Möslinger, Catriona Blum-Rerát
& Anne Jarausch

Wölfe in Sachsen
Statusbericht für das Monitoringjahr 2016/2017
Gesa Kluth
1)
,
Ilka Reinhardt
1)
, Helene Möslinger
1)
, Catriona Blum-Rerát
1)
& Anne Jarausch
2)
1. LUPUS – Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland
2. Senckenberg Forschungsinstitut für Wildtiergenetik, Gelnhausen
Titelbild:
Zwei Welpen aus dem Gohrischheide Rudel im Oktober 2016. FOTO: H. ANDERS
Informationsstand:
November 2017

1
Inhalt
Summary ................................................................................................................................................. 2
Zusammenfassung ................................................................................................................................... 3
1.
Hintergrund ..................................................................................................................................... 4
2.
Monitoringstruktur .......................................................................................................................... 5
3.
Methoden ........................................................................................................................................ 5
3.1
Generell ................................................................................................................................... 5
3.2
Endbewertung und Interpretation der Daten ......................................................................... 6
3.3
Definitionen ............................................................................................................................. 8
4.
Ergebnisse........................................................................................................................................ 9
4.1
Wolfsbestand in Deutschland 2016/2017 ............................................................................... 9
4.1.1
Populationsgröße und Verbreitung ................................................................................. 9
4.1.2
Vorkommensgebiet ....................................................................................................... 11
4.2
Wolfsbestand in Sachsen 2016/2017 .................................................................................... 12
4.2.1
Reproduktion 2016 ........................................................................................................ 15
4.2.2
Totfunde 2016/2017 ..................................................................................................... 16
4.2.3
Wolfsfamilien ................................................................................................................ 17
4.2.4
Wolfspaare .................................................................................................................... 28
4.2.5
territoriale Einzeltiere ................................................................................................... 30
4.2.6
Status unklar .................................................................................................................. 30
Literatur ................................................................................................................................................. 32
Anhang 1 – Sozialer Status, Reproduktion und Nachweismethoden in den Wolfsrevieren in Sachsen
2016/2017 ............................................................................................................................................. 34

2
Summary
After more than 150 years without wolves Germany is home again of a reproducing wolf population.
In 2000 a first wolf pack was confirmed in Saxony. Five years later a second was proven. Since then
the population increased and spread continuously.
In the monitoring year 2016/2017, 60 wolf packs, 13 scent marking pairs and three single resident
wolves were confirmed (Date: November 2017). The wolves in Germany and western Poland belong
to the Central European wolf population. The distribution area of this population stretches from the
area around the Vistula river in central Poland to Lower Saxony in the northwest of Germany. The
largest continuous area occupied by wolves is located in Lusatia on both sides of the German-Polish
border.
In Germany wolf packs have been confirmed in 2016/2017 in five federal states: Brandenburg (22),
Saxony (14), Saxony-Anhalt (11), Lower Saxony (10) and Mecklenburg-Western Pomerania (3). Scent
marking pairs have been confirmed in Brandenburg (3), Saxony (4), Lower Saxony (4) and Bavaria (2);
single resident wolves in Thuringia (1) and Lower Saxony (2). The data on wolves in Germany in this
report were compiled on the National Meeting on Monitoring of Wolf, Lynx and Bear, held in Bonn in
September 2017. The information is also presented in more detail in a yearly national status report,
which can be downloaded from
www.dbb-wolf.de,
a website which provides year round updated
information on wolves in Germany.
From May 1st 2016 until April 30th 2017 52 wolves were found dead in Germany. Most cases
occurred in Brandenburg (20), Saxony (11), Lower-Saxony (8) and Saxony-Anhalt (7), followed by
Mecklenburg-Western Pomerania (2), Bavaria (1), Hesse (1), North Rhine-Westphalia (1) and
Schleswig-Holstein (1).
This report concentrates on the state of Saxony, where the center of wolf occurrence is still the
Lusatia region, situated in the North-East of the state, even though wolves are more and more
establishing themselves also in the north-west and even start to spread more to the south-west. In
53 cells of the 10x10 km EU-Grid wolf occurrence could be proven. A sum of 14 packs and four scent-
marking pairs could be confirmed (Date: November 2017). One of the pairs counted in Saxony is
shared with the Czech republic and one pack with Brandenburg.
Eleven wolves were found dead, all of them in the East of the state. Seven of those died in traffic
accidents, two from natural causes and for two others the cause of death could not be confirmed.

3
Zusammenfassung
Nach über hundertfünfzig wolfsfreien Jahren gibt es wieder ein reproduzierendes Wolfsvorkommen
in Deutschland. Nachdem im Jahr 2000 in Sachsen die erste Wolfsfamilie nachgewiesen wurde,
dauerte es fünf Jahre bis es zwei Rudel gab. Seitdem steigt der Bestand stetig an und breitet sich aus.
Im Monitoringjahr 2016/2017 wurden in Deutschland 60 Wolfsrudel und 13 territoriale Paare sowie
drei territoriale Einzeltiere bestätigt (Kenntnisstand: November 2017). Die Wölfe in Deutschland und
in der westlichen Hälfte Polens gehören der mitteleuropäischen Flachlandpopulation an. Das
Verbreitungsgebiet dieser Wolfspopulation erstreckt sich ungefähr von der Weichsel in der Mitte
Polens bis nach Niedersachsen, dem westlichsten Gebiet mit territorialen Wölfen in Deutschland. Das
größte zusammenhängende Vorkommensgebiet dieser Population liegt in der Lausitz, beiderseits der
deutsch-polnischen Grenze.
In Deutschland wurden Wolfsrudel außer in Brandenburg (22) und Sachsen (14), auch in Sachsen-
Anhalt (11), Niedersachsen (10) und Mecklenburg-Vorpommern (3) nachgewiesen. Wolfspaare ohne
Reproduktion wurden in Brandenburg (3), Sachsen (4), Niedersachsen (4) und Bayern (2) bestätigt;
territoriale Einzelwölfe in Thüringen (1) und Niedersachsen (2). Die hier präsentierten Daten zu
Wölfen in Deutschland wurden auf dem Nationalen Monitoringtreffen in Bonn im September 2017
zusammengestellt. Die Informationen sind auch in detaillierterer Form im jährlichen Nationalen
Statusbericht verfügbar, der unter
www.dbb-wolf.de
heruntergeladen werden kann. Die genannte
Internetseite stellt regelmäßig aktualisierte Informationen über Wölfe in Deutschland bereit.
Vom 01.05.2016 bis zum 30.04.2017 wurden deutschlandweit 52 Wölfe tot aufgefunden, die meisten
davon in Brandenburg (20), Sachsen (11), Niedersachsen (8) und Sachsen-Anhalt (7). Weitere
Totfunde gab es in Mecklenburg Vorpommern (2), Bayern (1), Hessen (1), Nordrhein-Westfalen (1)
und in Schleswig-Holstein (1).
Der vorliegende Statusbericht bezieht sich auf das Land Sachsen. Der Schwerpunkt des Wolfsgebietes
befindet sich nach wie vor in der Lausitz, auch wenn die Tiere sich zunehmend nach Nordwesten
ausbreiten und auch in Richtung Südwesten es einige Nachweise gibt. In Sachsen konnte für 53
Rasterzellen Wolfsanwesenheit nachgewiesen werden. Es konnten 14 Rudel und vier Paare
nachgewiesen werden, von denen ein territoriales Paar grenzübergreifend mit der tschechischen
Republik ist und ein Rudel mit Brandenburg (Kenntnisstand: November 2017).
Im Monitoringjahr 2016/2017 wurden in Sachsen aber auch 11 Wölfe tot gefunden. Sieben davon
starben bei Verkehrsunfällen, zwei an natürlichen Ursachen und für zwei weitere konnte die
Todesursache nicht geklärt werden.

4
1.
Hintergrund
Nach über hundertfünfzig wolfsfreien Jahren gibt es wieder ein reproduzierendes Wolfsvorkommen
in Deutschland. Nachdem im Jahr 2000 in Sachsen die erste Wolfsfamilie nachgewiesen wurde,
dauerte es fünf Jahre bis sich ein zweites Rudel etablieren konnte. Seitdem steigt der Bestand stetig
an und breitet sich aus. Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch in anderen Gebieten Europas.
Nachdem die stark geschrumpften Restpopulationen in den 1980er Jahren unter Schutz gestellt
wurden, breitet
Canis lupus
sich wieder aus und kehrt in ehemalige Verbreitungsgebiete zurück, aus
denen er Jahrzehnte verschwunden war (REINHARDT & KLUTH 2007).
Verglichen mit anderen großen Karnivoren haben Wölfe ein hohes Reproduktions- und
Ausbreitungspotential. Einzeltiere können hunderte Kilometer weit in wolfsfreie Gebiete wandern
(MECH & BOITANI 2003). Die Quellpopulation für die Wölfe im Nordosten Deutschlands ist der
westlichste Ausläufer der baltischen Population, die sich bis nach Nordost-Polen erstreckt
(CZARNOMSKA et al 2013). In Mittel- und Westpolen wurde der Wolf ebenso ausgerottet, wie in
Deutschland. Erst in den letzten 50 Jahren wanderten immer wieder einzelne Tiere bis nach
Westpolen, einige sogar bis nach Deutschland. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts kamen
mehr als 40 Wölfe aus Polen nach Deutschland. Die meisten von ihnen wurden geschossen, mehrere
starben auf Schiene oder Straße (REINHARDT & KLUTH 2007; LUPUS unveröff.). Erst nachdem der Wolf
im Zuge der Wiedervereinigung auch in den neuen Bundesländern unter Schutz gestellt wurde,
gelang es ihm in Deutschland Fuß zu fassen. Im Jahr 1998 etablierte sich ein Wolfspaar auf einem
Truppenübungsplatz im Nordosten Sachsens. Zwei Jahre später kam es zur ersten bestätigten
Welpenaufzucht in Deutschland (KLUTH et al. 2002).
Die Wölfe in Deutschland, West-/Mittelpolen und im Nordwesten von Tschechien gehören - bis auf
einzelne aus der Alpenpopulation in den Süden Deutschlands eingewanderte Tiere - der
mitteleuropäischen (früher deutsch-westpolnischen) Flachlandpopulation an. Sie ist eine von zehn
teilweise von einander isolierten Wolfspopulationen in Europa und wurde 2012 als „stark gefährdet“
(endangered) eingestuft (KACZENSKY ET AL. 2013). Der Kern des Verbreitungsgebiets dieser
Wolfspopulation ist die Lausitz beiderseits der deutsch-polnischen Grenze. Von hier erstreckt sich die
Population nach Nordwesten bis nach Niedersachsen und nach Nordosten bis an die Weichsel in der
Mitte Polens.
Der Wolf ist in Anhang II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) gelistet. Entsprechend ist
sein Erhaltungszustand zu überwachen, das heißt ein aussagefähiges Monitoring muss etabliert sein.
Die wesentlichen Ergebnisse dieses Monitorings sind alle sechs Jahre an die Europäische Kommission
zu berichten (Art. 17 FFH-RL). Wichtige Kenngrößen in diesen Berichten sind das Vorkommensgebiet
und die Populationsgröße sowie der Trend dieser Parameter. Im Jahr 2009 wurden im Rahmen des
F+E-Vorhabens „Grundlagen für Managementkonzepte für Großraubtiere in Deutschland –
Rahmenplan Wolf“ Standards für das Monitoring von Großraubtieren in Deutschland entwickelt
(KACZENSKY ET AL. 2009) und inzwischen überarbeitet (REINHARDT ET AL. 2015). Darin wurde festgelegt,
dass die Parameter Vorkommensgebiet und Populationsgröße jährlich (das Monitoringjahr läuft vom
1. Mai bis 30 April des Folgejahres) erhoben werden. Einmal im Jahr treffen sich in Deutschland die
mit dem Monitoring von Wolf und Luchs beauftragten Personen der einzelnen Bundesländer zur
Datenevaluierung und um ein möglichst vollständiges Bild der aktuellen Situation dieser Tierarten in
Deutschland zu erstellen. Das Ergebnis sind jährliche Vorkommenskarten für Wolf und Luchs in
Deutschland und eine Zusammenfassung des aktuellen Status. Der vorliegende Statusbericht bezieht
sich auf das Land Sachsen, er informiert über das Vorkommensgebiet (besetzte Rasterzellen) und die

5
Größe des Populationsteils im Monitoringjahr 2016/2017. Anhand der Totfunde werden aber auch
die Gefährdungen beleuchtet, denen Wölfe ausgesetzt sind.
2.
Monitoringstruktur
In Sachsen wird das Monitoring durch das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in
Deutschland (LUPUS) im Auftrag des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz (SMNG) und des
Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mit Mitteln des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) durchgeführt bzw.
koordiniert. Seit 2001 werden kontinuierlich Daten zu Reproduktion und Verbreitung der Wölfe
erhoben. Unterstützt wird das Monitoring in Sachsen durch das Biosphärenreservat Oberlausitzer
Heide- und Teichlandschaft (BROHT), das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide/Gohrischheide,
den Bundesforstbetrieb Oberlausitz, Mitarbeiter des SMNG, freiwillige Helfer und seit 2009 auch
durch Mitarbeiter der Landratsämter. LUPUS ist für den gesamten Freistaat für die Endbewertung
und Interpretation der erhobenen Daten zuständig. Für das Monitoringjahr 2016/2017 war es -
anders als im Vorjahr - für LUPUS möglich auch die Datensätze, die nur in das "Sächsische
Wildtiermonitoring"
eingegeben
wurden
-
ein
Onlinemeldesystem
für
die
sächsischen
Jagdausübungsberechtigten - in die Auswertung mit einzubeziehen, da LUPUS inzwischen über ein
Leserecht für das System verfügt. Es handelte sich um 81 Datensätze.
3.
Methoden
3.1
Generell
In Sachsen kommt sowohl aktives als auch passives Monitoring zum Einsatz. Letzteres beinhaltet die
Aufnahme, Bewertung und Archivierung aller aus der Bevölkerung gemeldeten Hinweise, zum
Beispiel Sichtbeobachtungen. Solche Hinweise können ein wichtiges Indiz dafür sein, wo das aktive
Monitoring intensiviert werden muss. Der Hauptteil der Hinweise wird jedoch aktiv durch
verschiedene Monitoringmethoden erhoben. Die Schwerpunktmethode ist die Suche nach
Anwesenheitshinweisen (presence sign survey). Dabei werden Wege gezielt nach Wolfshinweisen,
wie Kot (Losung) oder Spuren abgesucht. Eine Häufung von Spuren- / Losungsfunden liefert Hinweise
auf die Aktivitätsschwerpunkte in den jeweiligen Territorien. Diese Methode kommt das ganze Jahr
über zum Einsatz, wobei im Sommer (ab Mitte/Ende Juni) besonders intensiv nach Hinweisen auf
Welpen gesucht wird. Die gezielte Suche nach Reproduktionshinweisen kann sich, je nach Gebiet, bis
in den Herbst hinein ziehen. Darüber hinaus wird im Winter bei Schneefall intensiv abgefährtet, um
so viele Informationen wie möglich zu den reproduzierenden Tieren und der Mindestgröße des
Rudels zu erhalten. Auf Grund der unsicheren Schneelage und der begrenzten Anzahl verfügbaren
Personals (geschulte und erfahrene Personen, siehe KACZENSKY ET AL. 2009, REINHARDT ET AL. 2015)
konzentriert sich die Hinweissuche selbst bei Schneelage vor allem auf die Kerngebiete der
Territorien.
Seit 2009 werden in der Lausitz Fotofallen als Monitoringmethode eingesetzt. Sie kommen gezielt an
aktuellen
Aktivitätsschwerpunkten
zum
Einsatz.
Die
kontinuierliche
Suche
nach
Anwesenheitshinweisen ist dabei die Voraussetzung, um Fotofallen erfolgversprechend einzusetzen.
Sie dienen vor allem zur Bestätigung von Reproduktion und um die jeweils markierenden Tiere in den
einzelnen Rudeln fotografisch zu dokumentieren.

6
Genetische Untersuchungen sind ein wichtiger Teil des Monitorings geworden. Mit Hilfe der
Genetikanalysen
lassen
sich
benachbarte
Wolfsrudel
voneinander
abgrenzen,
Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Wolfsfamilien aufdecken oder auch die eventuelle
Zuwanderung von Wölfen aus Nachbarpopulationen bestätigen. Genetikproben können von frischen
Wolfslosungen gewonnen werden, im Schnee auch von Urin und Oestrusblut der Tiere. An frisch von
Wölfen gerissenen Tieren werden Speichelproben mittels Tupfer genommen. Ebenso werden Proben
von tot gefundenen oder lebend gefangenen Wölfen genetisch untersucht.
Aus dem Monitoringjahr 2016/2017 wurden in Sachsen 339 Genetikproben eingesammelt. Davon
wurden 232 zur Untersuchung an das Senckenberg Forschungsinstitut für Wildtiergenetik,
Gelnhausen eingeschickt. Von diesen 232 untersuchten Proben konnte in 195 Proben die Art Wolf
festgestellt werden (84,1%). In 75,9% (148 Proben) dieser Proben konnte das Individuum analysiert
werden. Bei 16 der untersuchten Proben (6,9%) handelte es sich um eine andere Tierart (z.B. Hund,
Fuchs, Wildschwein). 21 der untersuchten Proben (9%) lieferten kein Ergebnis. Um möglichst
optimale Ergebnisse zu erzielen, wurden soweit wie möglich aus den vorhandenen Proben die
ausgewählt, welche hinsichtlich von Frische und Erscheinungsbild am erfolgversprechendsten
schienen. Dies erfolgte vor allem in Territorien aus denen sehr viele Proben vorlagen. Proben, die
außerhalb der bisher bekannten Territorien oder in Gebieten mit bisher unklarem Status gesammelt
worden waren, wurden dagegen - bei Verdacht auf Wolf - ausnahmslos eingeschickt.
Auf dem nationalen Monitoringtreffen im September 2016 in Gelnhausen, auf dem die
Monitoringdaten aus dem Jahr 2015/2016 bundesweit evaluiert wurden, wurde festgelegt, dass ab
sofort alle Angaben zu Vorkommen der vergangenen Monitoringjahre auch rückwirkend geändert
werden können, wenn neue Erkenntnisse vorliegen. Dies gilt zum Beispiel für den Fall, dass ein
Wolfspaar, dass sich zum Ende eines Monitoringjahres neu etabliert hat, aber in der kurzen Zeit bis
Ende April noch nicht im Monitoring erfasst wurde, sondern erst im folgenden Sommer durch
Reproduktion als Rudel bestätigt wird. Dieses Paar wird dann für das Monitoringjahr, in dem es sich
etabliert hat, als Paar gezählt - auch wenn es damals noch nicht bekannt war. Diese Regel führt dazu,
dass auch die Zahlen für Sachsen für die vorangegangenen Monitoringjahre angepasst wurden (s.
Kap. 4.2).
3.2
Endbewertung und Interpretation der Daten
In den Standards für das Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland (KACZENSKY ET AL. 2009,
REINHARDT ET AL. 2015), im Folgenden kurz als „Monitoringstandards“ bezeichnet, wurde die
Kategorisierung der Daten anhand ihrer Überprüfbarkeit festgelegt. Diese Einordnung erfolgte in
Anlehnung an die SCALP-Kriterien, die im Rahmen des Projektes „
S
tatus and
C
onservation of the
A
lpine
L
ynx
P
opulation“ (SCALP) für das länderübergreifende Luchsmonitoring in den Alpen
entwickelt wurden. Diese SCALP-Kriterien wurden für Wolf und Bär weiterentwickelt und an die
Gegebenheiten in Deutschland angepasst. Der Buchstabe C steht für Kategorie (Category), die Ziffern
1 – 3 sagen etwas über die Überprüfbarkeit der Hinweise aus.
C1: eindeutiger Nachweis =
harte Fakten, die die Anwesenheit der entsprechenden Tierart eindeutig
bestätigen (Lebendfang, Totfund, genetischer Nachweis, Foto, Telemetrieortung).
C2: bestätigter Hinweis =
von erfahrener Person überprüfter Hinweis (z.B. Spur oder Riss), bei dem
ein Wolf, Luchs oder Bär als Verursacher bestätigt werden konnte. Die erfahrene Person kann den

7
Hinweis selber im Feld oder anhand einer aussagekräftigen Dokumentation von einer dritten Person
überprüfen und bestätigen.
C3: unbestätigter Hinweis =
Alle Hinweise, bei denen ein Wolf, Luchs oder Bär als Verursacher auf
Grund der mangelnden Indizienlage von einer erfahrenen Person weder bestätigt noch
ausgeschlossen werden konnte. Dazu zählen alle Sichtbeobachtungen ohne Fotobeleg, auch von
erfahrenen Personen; ferner alle Hinweise, die zu alt sind, unzureichend oder unvollständig
dokumentiert sind, zu wenige Informationen für ein klares Bild (z.B. bei Spuren) oder aus anderen
Gründen für eine Bestätigung nicht ausreichen. Die Kategorie C3 kann in Unterkategorien, wie
„wahrscheinlich“ und „unwahrscheinlich“ unterteilt werden.
Falsch: Falschmeldung =
Hinweis, bei der die entsprechende Tierart als Verursacher ausgeschlossen
werden kann.
k.B.:
k
eine Bewertung möglich
= Hinweise, zu denen auf Grund fehlender Mindestinformationen
keine Einschätzung möglich ist. Zum Beispiel Sichtmeldungen von Rissen oder Spuren.
Da Wolfshinweise leicht mit jenen von Hunden verwechselt werden können, ist eine Endbewertung
der Hinweise durch erfahrene Personen notwendig. Diese Personen sollten jahrelange Routine im
Erkennen und Bewerten von Wolfshinweisen haben. Ein Hinweis muss nicht nur technisch alle
Merkmale aufweisen, die für einen Wolfshinweis sprechen. Der Gesamteindruck und die Erfahrung
der bewertenden Person sind letztlich entscheidend. Eine gut dokumentierte Spur im geschnürten
Trab, die wolfstypische Maße aufweist, wird nicht automatisch zum bestätigten Hinweis. Wenn die
erfahrene Person, die diese Spur bewertet, auf Grund der Pfotenform oder -stellung, des
Spurverlaufes oder des Verhaltens des Tieres Zweifel bekommt, ob es sich tatsächlich um eine
Wolfsspur handelt, dann wird sie diese als C3 (unbestätigter Hinweis) oder falsch (Wolf
ausgeschlossen) bewerten.
Aufgrund fehlender oder unzureichender Dokumentation kann somit ein grundsätzlich C2-fähiger
Hinweis als C3 bewertet werden (z.B. eine den C2-Kriterien entsprechende Losung, welche nicht
fotodokumentiert wurde). Naturgemäß gibt es sehr viel mehr unbestätigte (C3) als bestätigte
Hinweise (C2). Von den unbestätigten Hinweisen wird nur ein relativ kleiner Teil von Dritten
gemeldet. Viele fallen bei der eigentlichen Feldarbeit an, da es in einem Gebiet mit mehreren
Wolfsrudeln auf Grund der Fülle der Hinweise nicht möglich ist, jede einzelne Spur oder Losung
ausführlich entsprechend der Monitoringstandards zu dokumentieren. Das ist auch nicht nötig.
Wichtig ist, dass Angaben zur Populationsgröße, Reproduktion und Vorkommensgebiet ausschließlich
auf C1 und C2 Daten beruhen. Unbestätigten Hinweisen kommt eine besondere Bedeutung vor allem
dann zu, wenn sie aus Gebieten stammen, in denen bisher noch keine Wölfe nachgewiesen wurden
(mögliche neue Etablierung).

8
3.3
Definitionen
Abgrenzung zwischen zwei benachbarten Territorien
:
Reproduktion wurde in beiden Gebieten zeitgleich bestätigt ODER
Reproduktion wurde im Mai - Juli im Abstand von mind. 10km voneinander zeitnah bestätigt
ODER
mind. eins der Territorien ist über Telemetrie bekannt ODER
Abgrenzung über individuell eindeutig identifizierbare Individuen möglich ODER
über genetische Analysen.
Adulter Wolf:
Wolf, der Ende April / Anfang Mai mind. zwei Jahre alt ist.
FT / MT:
Die mit einem Halsbandsender versehenen Wölfe bekommen eine fortlaufende Nummer,
die bei den Fähen mit FT (f = female, t = telemetry) und bei den Rüden mit MT (m = male, t =
telemetry) beginnt.
Jährling
: Wolf in seinem zweiten Lebensjahr.
Monitoringjahr
: 01.Mai – 30. April. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der
Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres.
territoriales Einzeltier (residenter Einzelwolf)
: einzelner Wolf, der über mind. sechs Monate
individuell in einem Gebiet mit C1 Daten bestätigt wurde. In diesem Bericht wird von beiden
Synonymen der Begriff "territoriales Einzeltier" verwendet.
territoriales Paar
: Wolfsrüde und Fähe, die gemeinsam ihr Territorium markieren, aber (noch) nicht
reproduziert haben
Vorkommensgebiet
: das Gebiet, das tatsächlich von der Art besiedelt ist. Es wird durch die besetzten
Rasterzellen des EU-Grids von 10 x 10 km Größe beschrieben. Als besetzt gilt eine Rasterzelle bei
einem C1-Nachweis. Liegt ein solcher nicht vor, so sind - bei der Tierart Wolf - mindestens drei
voneinander unabhängige C2-Hinweise erforderlich.
Welpe
: Wolf im ersten Lebensjahr. Da Wolfswelpen in der Regel Anfang Mai geboren werden, erfolgt
der Übergang vom Welpen zum Jährling am 01.Mai.
Wolfsfamilie
(Rudel)
: eine Gruppe von mehr als zwei Wölfen, die in einem Territorium leben.
Reproduzierende Wolfsfamilie
: besteht aus mindestens einem Altwolf mit bestätigter Reproduktion.
Reproduktionsnachweis:
Reproduktion kann bestätigt werden durch das C1-Foto einer Fähe mit
Gesäuge, durch C1-Welpenaufnahmen oder - durch den Nachweis von genetisch zu den Eltern
passenden Nachkommen, sofern diese eindeutig dem betreffenden Monitoringjahr als Welpen
zugeordnet werden können.
Haplotyp:
Der genetische Haplotyp wird anhand der mitochondrialen Sequenzuntersuchung oder
auch Haplotypenanalyse ermittelt. Diese Untersuchung dient zum einen dazu, die Artzugehörigkeit
zu bestimmen. Daneben hat diese Analyse auch eine, wenn auch eingeschränkte, Aussagekraft zur
Populationszugehörigkeit. Die mitochondriale DNA ist in den Mitochondrien lokalisiert, die für den
Energiestoffwechsel der Zellen zuständig sind. Die Mitochondrien und ihre DNA werden mit der
Eizelle von der Mutter auf die Nachkommen weitergegeben. Es erfolgt also nicht, wie bei der Kern-
DNA (s.u.), eine Neuvermischung der genetischen Information beider Eltern, sondern die
mitochondriale DNA wird eins zu eins von der Mutter übernommen. Daher bleibt die genetische

9
Information der Mitochondrien über sehr lange Zeit konstant und ändert sich nur langsam über
Mutationen. Die Gründertiere der Mitteleuropäischen Flachlandpopulation trugen den in Nordost-
Europa relativ häufigen Haplotyp HW01. Dieser ist nach wie vor der vorherrschende Wolf-Haplotyp in
Deutschland. Inzwischen sind auch einige Individuen mit einem HW02-Haplotyp in Deutschland
nachgewiesen worden, die aus Polen zugewandert sind und einige mit dem HW22-Haplotyp, der für
die italienische bzw. Alpenpopulation typisch ist.
Genotyp:
Der Genotyp wird anhand der sogenannten Mikrosatellitenanalyse ermittelt. Dabei wird
die Kern-DNA untersucht und ein genetischer Fingerabdruck erstellt, wie er beim Vaterschaftstest zur
Anwendung kommt. Mit dieser Untersuchung lassen sich Individuen unterscheiden. Da jedes
Individuum die Hälfte seiner genetischen Information von je einem Elternteil erhält, findet eine
ständige Neukombination des genetischen Materials statt.
4.
Ergebnisse
4.1
Wolfsbestand in Deutschland 2016/2017
4.1.1
Populationsgröße und Verbreitung
Im Monitoringjahr 2016/2017 wurden in Deutschland 60 Wolfsrudel, 13 territoriale Paare sowie drei
territoriale Einzeltiere bestätigt (Kenntnisstand: November 2017, Abb. 1). Aus dem polnischen Teil
der Population liegen keine aktuellen Daten vor, aber im Monitoringjahr 2015/16 wurden 53
Territorien in West- und Mittelpolen nachgewiesen (Mysłajek & Nowak pers. Mittl.). Darüber hinaus
wurde in Tschechien, nahe der Grenze zu Deutschland und Polen in dem seit dem Vorjahr bekannten
Doksy-Rudel erneut Nachwuchs nachgewiesen (M. Kutal, pers. Mittl.) Das Verbreitungsgebiet
erstreckt sich in Deutschland von der Lausitz ausgehend nach Nordwesten bis nach Niedersachsen.
In Deutschland wurden Wolfsrudel außer in Brandenburg (22) und Sachsen (14), auch in Sachsen-
Anhalt (11), Niedersachsen (10) und Mecklenburg-Vorpommern (3) nachgewiesen. Wolfspaare ohne
Reproduktion wurden in Brandenburg (3), Sachsen (4), Niedersachsen (4) und Bayern (2) bestätigt;
territoriale Einzelwölfe in Thüringen (1) und Niedersachsen (2). Daneben gab es einzelne Nachweise
von durchwandernden Wölfen aus weiteren sechs Bundesländern: Baden-Württemberg, Bremen,
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Hessen. Die hier präsentierten Daten
zu Wölfen in Deutschland wurden auf dem Nationalen Monitoringtreffen in Bonn im September 2017
zusammengestellt. Die Informationen sind auch in detaillierterer Form im jährlichen Nationalen
Statusbericht verfügbar, der unter
www.dbb-wolf.de
heruntergeladen werden kann. Die genannte
Internetseite stellt regelmäßig aktualisierte Informationen über Wölfe in Deutschland bereit.
Vom 01.05.2016 bis zum 30.04.2017 wurden deutschlandweit 52 Wölfe tot aufgefunden, die meisten
davon in Brandenburg (20), Sachsen (11), Niedersachsen (8) und Sachsen-Anhalt (7). Weitere
Totfunde gab es in Mecklenburg Vorpommern (2), Bayern (1), Hessen (1), Nordrhein-Westfalen (1)
und in Schleswig-Holstein (1). 69°% dieser Wölfe starben bei Verkehrsunfällen, 13 % an natürlichen
Ursachen, 10 % wurden illegal getötet und bei 8 % war die Todesursache.

image
10
Abb. 1: Bestätigte Wolfsterritorien in Deutschland im Monitoringjahr 2016/2017. Stand: November 2017
Confirmed wolf territories in the monitoring year 2016/2017 (dark = pack, middle = pair, white = single
territorial wolf). Date: November 2017.

image
11
4.1.2
Vorkommensgebiet
Abb. 2: Vorkommensgebiet von Wölfen in Deutschland im Monitoringjahr 2016/2017. Eine 10x10 km
Rasterzelle gilt für ein Monitoringjahr als besetzt (grün), wenn darin mindestens ein Wolfsnachweis (C1) oder
drei voneinander unabhängige bestätigte Wolfshinweise (C2) liegen. Zellen, in denen für ein Rudel der jeweils
erste Reproduktionsnachweis des jeweiligen Monitoringjahres erbracht wurde, sind mit einer Raute
gekennzeichnet. In einer Zelle können Reproduktionen von mehr als einem Rudel liegen.
Area of confirmed
wolf occurrence in the monitoring year 2016/2017. A 10x10 km grid cell counts as occupied for the respective
monitoring year if one hard fact (C1) or three independent confirmed observations (C2) were found. Cells are
marked with a rhomb where the first proof of reproduction for a pack was found in the monitoring year. A cell
may contain more than one proof of reproduction if neighboring packs reproduce in the same grid cell.

image
image
image
12
4.2
Wolfsbestand in Sachsen 2016/2017
Abb. 3: Verteilung der C1 (n = 1127), C2 (n = 182) und C3 (n=1887) Daten in Sachsen im Monitoringjahr
2016/2017 (01.05.2016 bis zum 30.04.2017). –
Distribution of C1 (n =1127), C2 (n =182) and C3 (n=1887) data
in Saxony in the monitoring year 2016/2017 (01.05.2016 - 30.04.2017).
Abb. 4: Verteilung der C1 (n =1127) und C2 (n =182) Daten in Sachsen im Monitoringjahr 2016/2017
(01.05.2016 bis zum 30.04.2017). Das nachgewiesene Vorkommensgebiet umfasst 53 Rasterzellen (fett
umrandet), die durch mind. 1 C1 oder 3 C2 belegt wurden.
Distribution of C1 (n =1127) and C2 (n =182) data in
Saxony in the monitoring year 2016/2017 (01.05.2016 - 30.04.2017).

image
13
Im Monitoringjahr 2016/2017 konnte in Sachsen in 53 Rasterzellen Wolfsaktivität durch C1 und C2
Daten nachgewiesen werden (Abb. 4). Die durch Nachweise besetzten Zellen liegen, wie auch schon
in den Jahren zuvor, vor allem im Nordosten des Landes, in den bekannten Wolfsterritorien (Abb.5).
Es ist aber eine gewisse Ausbreitung nach Westen, vor allem Nordwesten, nachzuvollziehen.
Abb. 5: Die meisten C1 und C2 Daten stammen aus den bekannten Wolfsterritorien, es ist aber eine gewisse
Ausbreitung nach Westen, vor allem Nordwesten, erkennbar.
The majority of C1(red) and C2 (blue) data were
sampled within the area of known wolf territories, however, a trend to expand to the West
- especially
Northwest, is visible.
Von den im Monitoringjahr 2016/2017 in Deutschland nachgewiesenen Rudeln und Wolfspaaren
wurden 14 Wolfsfamilien und vier Paare in Sachsen bestätigt (Kenntnisstand: November 2017),
wobei ein Rudel und ein Paar grenzübergreifend mit der tschechischen Republik bzw. Brandenburg
ist (Abb. 6). Ein weiteres Rudel, das polnische Ruszow-Rudel, hat nur einen kleinen Teil seines
Territoriums auf sächsischer Seite und wurde hier deshalb nicht mitgezählt. Das Rudelterritorium in
der Annaburger Heide liegt zum großen Teil in Sachsen-Anhalt, und nur zu geringen Teilen in
Brandenburg
und
Sachsen
und
wurde
hier
ebenfalls
nicht
mitgezählt.
Auch
die
grenzüberschreitenden Rudel Hohenbocka und Senftenberg zählen zu Bandenburg und nicht zu
Sachsen. Außer den nachgewiesenen Territorien gab es vier Gebiete, in dem zwar Wolfsnachweise
bestätigt wurden, der Status in dieser Flächen (territoriales Einzeltier, Paar, Rudel, durchwandernde
Tiere) aber nicht geklärt werden konnte (Abb.6). Diese Gebiete gab es in Sachsen im Nordwesten
(Dübener Heide, Wermsdorfer Forst) und im Südosten (Massenei, Raum Löbau/Zittau) des Landes.
Außerdem gab es zwei Fälle, in denen bisher bekannte Rudel in ihren Kerngebieten nicht mehr
nachzuweisen waren und nicht geklärt werden konnte, was mit den Tieren passiert ist - diese beiden
Gebiete im Nordosten sind ebenfalls schraffiert dargestellt (ehemaliges Seenland, Spremberg
Territorium). In beiden Fällen wurden die Flächen von Nachbarrudeln übernommen.

image
14
Abb. 6: Nachgewiesene Wolfsterritorien in Sachsen im Monitoringjahr 2016/2017. Das Gebiet mit
Wolfsnachweisen aber unklarem Status ist schraffiert dargestellt.
Confirmed wolf territories in Saxony in
2016/2017. The area with confirmed wolf signs but unknown status is shaded.
Tab. 1: Entwicklung der Wolfsvorkommen in Sachsen von 2000/2001-2016/2017, unter Einbeziehung aller
aktuell (November 2017) vorliegenden Erkenntnisse (s. oben und Kap. 3.1).
Development of wolves in Saxony
from 2000/2001 -2016/2017, using all currently available knowledge (November 2017).
Monitoringjahr
Rudel
Paare
Territoriale Einzeltiere
2016/2017
14
4
0
2015/2016
15
4
1
2014/2015
10
5
1
2013/2014
10
2
-
2012/2013
9
2
-
2011/2012
8
2
-
2010/2011
5
3
-
2009/2010
5
-
-
2008/2009
5
-
-
2007/2008
3
2
-
2006/2007
3
-
-
2005/2006
2
1
-
2004/2005
1
2
-
2003/2004
1
-
1
2002/2003
1
-
1
2001/2002
1
-
-
2000/2001
1
-
-

15
Die auf dem nationalen Monitoringtreffen im September 2016 beschlossene Änderung in der
Berücksichtigung von neuen Erkenntnissen, die nach Ablauf des Monitoringjahres eintreffen (s. Kap.
3.1), führt dazu das auch für Sachsen rückwirkend Änderungen vorgenommen wurden (Tab. 1).
4.2.1
Reproduktion 2016
Im Monitoringjahr 2016/2017 konnte in 13 von 14 sächsischen Wolfsfamilien Reproduktion bestätigt
werden (Tab. 2). Darüber hinaus gab es weitere, grenzübergreifende Wolfsfamilien, die für Sachsen-
Anhalt (Annaburger Heide), Brandenburg (Hohenbocka, Senftenberg) oder Polen (Ruszow) mitgezählt
werden und deren Reproduktionsstatus hier nicht berücksichtigt wird.
Tab. 2: In den Sächsischen Wolfsterritorien 2016/2017 bestätigte Wölfe. Die Anzahl der Jährlinge und der
Welpen sind Mindestzahlen; in der Regel erhoben im Sommer.
Wolves confirmed in wolf territories of Saxony
2016/2017. The number of pups and yearlings are minimum numbers, mainly counted during summer.
Status / Gebiet
Abk.
Ad
Ad oder Sad
Sad
Juv
?
Summe
RUDEL
Biehain
BI
2
0
1
5
0
8
Dauban
DN
2
0
1
0
0
3
Daubitz
DZ
2
0
3
6
0
11
Gohrischheide
GH
2
0
0
5
0
7
Knappenrode
KN
2
0
2
6
0
10
Königsbrück
KH
2
0
0
1
1
4
Königshainer Berge
KHB
2
0
1
0
1
4
Kollm
KO
2
0
0
3
0
5
Neustadt
N
2
0
0
0
0
2
Milkel
MI
3
3
1
4
0
11
Niesky
NY
2
0
1
0
0
3
Nochten
NO
2
0
2
4
0
8
Raschütz
RA
2
0
0
3
0
5
Rosenthal
RT
2
0
0
2
0
4
Paare
Cunewalde*
CUN
2
0
0
0
0
2
Dahlener Heide*
DH
2
0
0
0
0
2
Hohwald*
HW
2
0
0
0
0
2
Laußnitzer Heide
LH
2
0
0
0
0
2
Summe:
37
3
12
39
2
93

image
16
4.2.2
Totfunde 2016/2017
Vom 01. Mai 2016 bis 30. April 2017 wurden in Sachsen 11 tote Wölfe gefunden; darunter drei
Welpen, fünf Jährlinge und drei Altwölfe (Tab. 3). Von den aufgelisteten Jährlingen ist einer allerdings
bereits im Monitoringjahr 2015/16 als Welpe gestorben (laut SMNG wurde er weniger als 9 Monate
alt), gefunden wurde er aber erst im Mai 2016 - als er rechnerisch bereits ein Jährling war. Sieben
Tiere kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben, zwei starben an natürlichen Ursachen und in zwei
weiteren Fällen konnte die Todesursache nicht mehr ermittelt werden (Abb. 7).
Tab. 3: Tot gefundene Wölfe in Sachsen im Zeitraum 01.05.2016 – 30.04.2017.
– Wolves found dead in Saxony
between 1st May2016 – 30th April 2017
Datum
Territorium
Herkunft
Geschlecht
Alter
Ursache
11.05.2016
Cunewalde
Cunewalde
w
Jährling*
unklar
09.07.2016
Biehain
Piensk (PL)
w
Jährling
unklar
19.10.2016
Hohenbocka
Hohenbocka
m
Welpe
Verkehr
15.10.2016
Rosenthal
nicht zuzuordnen
m
Altwolf
natürlich
24.10.2016
Niesky
Nochten
m
Altwolf
Verkehr
14.11.2016
Nochten
ws. Dauban
w
Altwolf
Verkehr
24.11.2016
Nochten
Nochten
m
Welpe
Verkehr
27.02.2017
Kollm
Kollm
m
Welpe
natürlich
17.03.2017
Milkel
nicht zuzuordnen
w
Jährling
Verkehr
17.03.2017
Knappenrode
nicht zuzuordnen
m
Jährling
Verkehr
27.04.2017
außerhalb (Massenei)
nicht zuzuordnen
m
Jährling
Verkehr
* Tier schon stark verwest, als Welpe gestorben (SMNG: < 9 Monate), gilt aber in MJ 16/17 als Jährling
Abb. 7: Totfunde von Wölfen in Sachsen im Monitoringjahr 2016/2017.
Wolves found dead in Saxony during
monitoring year 2016/2017.

image
image
17
4.2.3
Wolfsfamilien
Nochten (NO), (seit 2005/2006)
Das Nochtener Rudel existiert seit 2005. Von 2005 bis 2011 führte die aus dem ersten Rudel
Deutschlands stammende FT3 („Einauge“) zusammen mit ihrem ebenfalls aus der Muskauer Heide
stammenden Rüden das Rudel an. 2012 übernahm eine Tochter der beiden (FT2 „Lisa“) zusammen
mit einem aus Westpolen zugewanderten Rüden das Territorium und reproduzierte im selben Jahr
das erste Mal (siehe Statusbericht 2012/2013). Der aus Polen stammende Rüde verschwand im
Herbst 2013. Im Winter 2013/2014 wurde ein neuer junger Rüde über Fotofallenaufnahmen
nachgewiesen, der zusammen mit FT2 markierte. Genetische Analysen ergaben, dass er 2012 im
Daubaner Rudel geboren worden war. 2014 zog FT2 mindestens fünf Welpen auf. Vater dieser
Welpen war jedoch nicht der im Winter nachgewiesene junge Daubaner Rüde, sondern dessen Vater.
Dieser wurde 2005 oder 2006 ebenfalls im Nochtener Rudel geboren und ist somit ein Bruder von
FT2. Auch im Jahr 2016 blieb diese Verpaarung bestehen. Im Nochtener Rudel wurden 4 Welpen
nachgewiesen, außerdem konnten im Sommer 2 Jährlinge bestätigt werden (Abb. 8). Somit bestand
das Rudel aus mind. 8 Tieren. Im Januar 2017 konnte dann ein neuer markierender Rüde, ein
Nachkomme aus dem polnischen Wymiarki Rudel, nachgewiesen werden. Der bisherige Rüde wurde
dagegen im Anfang Februar 2017 abseits des Kerngebiets der Nochtener verletzt beobachtet. Es ist
deshalb anzunehmen, dass es zum Ende des Monitoringjahres einen Wechsel des Rüden gab, sicher
bestätigt ist das aber noch nicht.
Abb. 8: Zwei der vier Welpen des Nochtener Rudels im Juli (links) und August (rechts) 2016.
Two out of four
pups from Nochten pack in July (left) and August (right) 2016.
FOTO: LUPUS.
Daubitz (DZ), (seit 2006/2007)
Das Daubitzer Rudel existiert seit mindestens 2006. Ab 2012 wurde das Rudel von einer aus Nochten
stammenden Fähe und einem aus Polen zugewanderten Rüden mit dem Haplotyp HW02 geführt.
Ende März 2014 wurde dieser Rüde illegal geschossen. Bereits im April 2014 konnte ein neuer Rüde
über Fotofallenaufnahmen bestätigt werden, er stammt aus dem polnischen Wymiarki-Rudel. Es
gelang der Fähe aber in dem Jahr nicht ihre Welpen aufzuziehen. Erst im Jahr 2015 konnte wieder
eine erfolgreiche Reproduktion nachgewiesen werden. Auch im Monitoringjahr 2016/2017 gab es
einen Wurf dieser beiden Elterntiere: 6 Welpen wurden bestätigt (Abb. 9). Da auch noch 3 Jährlinge
nachgewiesen werden konnten, bestand das Rudel aus mind. 11 Tieren.

image
image
18
Abb. 9: Zwei der sechs Welpen des Daubitzer Rudels im August 2016.
Two out of six pups from Daubitz
pack in August 2016.
FOTOS: LUPUS.
Milkel (MI), (seit 2008/2009)
Das Milkeler Rudel wurde 2008 das erste Mal bestätigt. Gründertiere waren eine Fähe aus Neustadt
(geboren 2005 oder 2006) und ein Rüde aus Nochten (MT4). Die Milkeler Fähe ist immer noch
nachzuweisen, die Rüden wechselten dagegen mehrmals. Seit 2013 zieht sie mit dem vierten Rüden -
dem aus dem Daubitzer Rudel (geboren mind. 2007) stammenden, ehemaligen Seenland-Rüden -
zusammen Welpen auf.
In den vergangenen Jahren gab es im Milkeler Rudel mehrfach Doppelreproduktionen durch Töchter
der alten Fähe (siehe Statusberichte 2012/2013 und 2013/2014). Im Monitoringjahr 2014/2015
konnte neben dem alten Elternpaar im Milkeler Territorium auch ein jüngeres, markierendes Paar
nachgewiesen werden. Das junge Paar wurde jedoch nie zusammen mit Welpen bestätigt. Auch
genetisch waren alle nachgewiesenen 3 Welpen dem alten Wolfspaar zuzuordnen. Belege für eine
erfolgreiche Doppelreproduktion in Milkel in 2014 gab es somit nicht. Gegen Ende des
Monitoringjahres 2015/2016 wurde die junge Fähe tot aufgefunden, das Schicksal des jungen Rüden
ist unklar.
Im Monitoringjahr 2016/2017 gelang den beiden inzwischen deutlich alt erscheinenden Eltern wieder
die Aufzucht von Welpen, 4 wurden nachgewiesen (Abb. 10). Neben den Eltern war noch eine
weitere adulte Tochter anwesend, 3 weitere Tiere, die entweder adult oder Jährlinge waren und ein
sicher als solcher einzustufender Jährling. Das Milkeler Rudel bestand im Monitoringjahr 2016/2017
aus mindestens 11 Individuen.

image
19
Abb. 10: Die vier Welpen des Milkeler Rudels Ende Juni 2016.
The four pups of Milkel pack end of June 2016.
FOTOS: SBS/A. KLINGENBERGER.
Dauban (DN), (seit 2008/2009)
Das Daubaner Rudel wird nach dem Tod der ehemaligen Fähe seit 2012 von ihrer Tochter FT9
("Frieda") geführt. 2012 verpaarte sie sich mit einem aus Polen zugewanderten Rüden und zog mit
diesem Welpen auf. Vater der 2013er Welpen des Daubaner Rudels war jedoch der alte Daubaner
Rüde, also der Vater von FT9. Dieser wechselte 2014 ins Nochtener Rudel (siehe dort), wo er sich mit
seiner Schwester FT2 verpaarte. Der neue Rüde und Vater der 2014er Welpen im Daubaner Rudel
stammte aus dem Wymiarki Rudel in Westpolen.
Im Sommer 2014 wurden im Daubaner Rudel 13 Welpen über Videoaufnahmen bestätigt. Zwei
Jährlinge und mindestens eine zweijährige Wölfin waren ebenfalls noch präsent. Somit bestand das
Daubaner Rudel im Sommer 2014 aus mind. 18 Wölfen. Eine Doppelreproduktion als Erklärung für
diese ungewöhnlich große Zahl Welpen konnte genetisch weder bestätigt noch sicher ausgeschlossen
werden, da 7 der 13 Welpen nicht in den gesammelten Genetikproben vorkamen. Die 6 genetisch
beprobten Welpen haben alle die bekannte Daubaner Fähe als Mutter. Auch auf den
Fotofallenbildern gab es keine Hinweise auf eine weitere reproduzierende Fähe oder einen weiteren
Rüden. Die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist insgesamt jedoch zu gering, um sicher zu
schlussfolgern, dass tatsächlich alle 13 Welpen von nur einer Mutter stammen.
Im Monitoringjahr 2015/2016 wurden im Daubaner Rudel 4 Welpen nachgewiesen. Die Mutter der
Welpen war wieder FT9. Sie wurde über Fotofallenbilder und genetisch bestätigt, der Rüde allerdings
nicht. Im Monitoringjahr 2016/2017 gab es nur den Nachweis der Fähe FT9 mit Gesäuge (Abb. 11).
Die Reproduktion wurde also bestätigt, Fotos der Welpen oder genetische Nachweise von ihnen
gelangen jedoch nicht. Die Identität des Rüden ist weiter unklar. Insgesamt konnten in diesem Jahr
mind. drei Tiere nachgewiesen werden.

image
image
20
Abb. 11: FT9 ("Frieda) die Fähe des Daubaner Rudels am 20.05.2016 mit Gesäuge.
FT9 ("Frieda") breeding
female of the Dauban pack showing signs of lactation
. FOTO: LUPUS.
Königsbrücker Heide (KH), (seit 2011/2012)
In der Königsbrücker Heide werden seit 2011 Welpen aufgezogen. Die Fähe stammt aus dem
Seenlandrudel, der Rüde ist aus Polen zugewandert und hat den Haplotyp HW02. In den Jahren 2014
und 2015 wurden jeweils sechs Welpen nachgewiesen. Im Monitoringjahr 2016/2017 gelang
dagegen - neben der Bestätigung der bereits bekannten Elterntiere - nur der Nachweis eines Welpen
und eines weiteren Wolfes unklaren Alters (Abb. 12). Das Rudel bestand somit aus mind. 4 Tieren.
Abb. 12: Der nachgewiesene Welpe des Königsbrücker Heide Rudels im April 2017.
The one confirmed pup of
Königsbrücker Heide pack in April 2017.
FOTO: NSG KÖNIGSBRÜCK, D. SYNATZSCHKE.

image
image
21
Niesky (NY), (seit 2011/2012)
Das Nieskyer Rudel zieht seit 2011 Welpen auf. Die Fähe stammt aus dem Daubitzer Rudel, der Rüde
aus Polen. 2014 wurden fünf Welpen nachgewiesen, 2015 waren es 4 Welpen. Die Fähe (FT8,
"Greta") war im Rahmen des Wanderwolfprojektes 2013 besendert worden. Die Telemetriedaten
zeigten, dass das Nieskyer Rudel im Winter 2014/2015 den Ostteil des ehemaligen Kollmer
Territoriums übernahm. Im Monitoringjahr 2016/2017 war die Lage etwas unklarer: Die
Reproduktion wurde durch das Foto einer Fähe mit Gesäuge (ws. FT8) bestätigt, Fotos der Welpen
gelangen jedoch nicht (Abb. 13). Maximal wurden 3 Wölfe zusammen im Gebiet nachgewiesen.
Außerdem hat es offenbar einen Rüdenwechsel gegeben, der neue Rüde stammt aus dem Rudel
Großräschen.
Abb. 13: Die Fähe des Nieskyer Rudels mit Gesäuge am 21.06.2016.
The breeding female of Niesky pack
showing signs of lactation on 21.06.2016.
FOTOS: LUPUS.
Rosenthal (RT), (seit 2013/2014)
Die aus dem Milkeler Rudel stammende Fähe FT7 („Marie“) etablierte im Juli 2013, nach einem
erfolglosen Reproduktionsversuch in ihrem Geburtsrudel, zusammen mit einem aus Polen
zugewanderten Rüden (Haplotyp HW02) ein eigenes Territorium im Gebiet um Ralbitz-Rosenthal. In
den Jahren 2014 und 2015 zog das Paar jeweils 5 Welpen auf. Im Monitoringjahr 2016/2017 wurden
dagegen nur zwei Welpen nachgewiesen, beide zeigten Räudesymptome (Abb. 14). Insgesamt
bestand das Rudel aus mind. 4 Wölfen.

image
22
Abb. 14: Einer von zwei nachgewiesenen Welpen des Rosenthaler Rudels im Januar 2017, mit Räudeanzeichen.
One out of two confirmed pups of Rosenthal pack in January 2017, showing signs of sarcoptic mange.
FOTOS:
SBS/BROHT.
Biehain (BI), (seit 2015/2016)
Das Biehainer Rudel wurde im Jahr 2015 zwischen den Territorien des Daubitzer, Nieskyer und
Ruszower Rudels gegründet - von einem Rüden unbekannter Herkunft und einer Fähe aus Daubitz.
Der Rüde wurde bereits Anfang Juni 2015 überfahren. Die Fähe zog die 3 Welpen zusammen mit
einem neuen Rüden, dem ehemaligen Rüden des Ruszow-Rudels (Haplotyp HW02) auf. Im
Monitoringjahr 2016/2017 wurden in Biehain 5 Welpen nachgewiesen, darüber hinaus ein Jährling
und die Elterntiere (Abb. 15). Das Rudel bestand somit aus mind. 8 Tieren.

image
23
Abb. 15: Zwei von fünf Welpen des Biehainer Rudels im August 2016.
Two out of five pups of Biehain pack in
August 2016.
FOTO: LUPUS.
Von Mitte November 2016 bis Mitte Januar 2017 gab es vermehrt Sichtungen eines Wolfes im
Siedlungsbereich um Rietschen, vor allem im Ortsteil Teicha (LK Görlitz). Das Gebiet liegt im
Grenzbereich des Daubitzer und Biehainer Territoriums. Wie die Auswertung von Genetikproben
ergab, handelte es sich um einen Jährlingsrüden aus dem polnischen Ruszow-Rudel. Das Tier war in
Polen bereits zweimal besendert worden, hatte seinen Sender aber in beiden Fällen wieder verloren.
Er war von den polnischen Wissenschaftlern auf den Namen "Pumpak" (der Fette) getauft worden,
da er für einen Wolf ziemlich dick war. Die Wissenschaftler stellten bei den Fangversuchen fest, dass
der Wolf sich durch Futter leicht anlocken ließ, so gelang es ihn zwei Mal zu fangen.
Als der Jährling im Spätherbst 2016 anfing, sich kontinuierlich in Deutschland aufzuhalten, stellte sich
durch ein intensiviertes Monitoring schnell heraus, dass er vermehrt im Siedlungsbereich nach
Nahrung suchte und deshalb häufig gesehen wurde. Anfänglich wurde "Pumpak" vor allem tagsüber
gesehen, später verlegte er seine Aktivität vermehrt in den Nachtbereich. Bei direkten Begegnungen
mit Menschen zog sich der Wolf zurück. Das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen reagierte auf die Situation
durch intensivierte Öffentlichkeitsarbeit direkt vor Ort und Pressemitteilungen (siehe Internetseite
des Kontaktbüros).
Am 19. Januar 2017 erteilte das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft sein
Einvernehmen mit der Entscheidung des Landratsamtes Görlitz, eine Ausnahmegenehmigung für die
Tötung dieses Wolfes zu erteilen. Am selben Tag wurde der Wolf zum Abschuss freigegeben. Die
letzten Fotofallenaufnahmen von "Pumpak" stammen vom 20.01.2017, von einem Komposthaufen,
den er regelmäßig aufgesucht hatte. Danach gab es keine Nachweise mehr von ihm, auch keine
Hinweise auf seinen Verbleib.

image
24
Gohrischheide (GH), (seit 2015/2016)
In der Gohrischheide konnte im Monitoringjahr 2015/2016 zum ersten Mal Reproduktion - ein Welpe
- durch Fotofallenbilder bestätigt werden, im Jahr davor war das Gebiet als "Status unklar" geführt
worden. Im Nachhinein ist durch die Reproduktion 2015 klar, dass sich in dem Territorium bereits im
Jahr 2014/2015 ein Paar etabliert hatte. Die Fähe hat eine Verletzung am Vorderlauf und humpelt
stark. Im Monitoringjahr 2016/2017 konnten dann 5 Welpen bestätigt werden (Abb. 16). Genetisch
sind die Elterntiere bisher nicht bekannt, die Abgrenzung zu anderen Rudeln erfolgte räumlich.
Insgesamt bestand das Rudel aus mind. 7 Tiere, da noch ein Jährling nachgewiesen werden konnte.
Abb. 16: Zwei der fünf Welpen des Gohrischheide Rudels im Oktober 2016.
Two out of five pups of the
Gohrischheide pack in October 2016.
FOTO: H. ANDERS.
Knappenrode (KN), (seit 2014/2015)
Das Knappenrode Rudel wurde im Monitoringjahr 2014/2015 am Rand des Milkeler Territoriums von
einer Tochter des Milkeler Rudels und einem Rüden, der keinem genetisch bekannten Rudel
zugeordnet werden kann, gegründet. Die beiden zogen im Sommer 2015 zwei Welpen auf. Im
Monitoringjahr 2016/2017 waren es dann 6 Welpen die nachgewiesen werden konnten, dazu mind.
2 Jährlinge und die bereits bekannten Eltern, so dass das Rudel aus mind. 10 Tieren bestand (Abb.
17). Auffällig war, dass das Rudel im Laufe des Sommers und Herbstes sein Kerngebiet deutlich
verlagerte und dabei das Kerngebiet des Seenlandrudels vollständig übernahm. Das Schicksal der
Seenland-Wölfe blieb unklar.

image
image
image
25
Abb. 17: Zwei der sechs Welpen des Knappenroder Rudels im August 2016.
Two out of six pups of
Knappenrode pack in August 2016.
FOTOS: W. REICHERT.
Königshainer Berge (KHB), (seit 2014/2015)
Dieses Rudel wurde im Monitoringjahr 2014/2015 von der ehemaligen Kollmer Fähe und einem aus
Milkel stammenden Rüden gegründet. Die Tiere nutzen ein Gebiet, das früher zum Territorium des
Nieskyer Rudels gehörte. Ihr Kerngebiet sind die Königshainer Berge, die genauen Grenzen ihres
Territoriums sind aber nicht bekannt. Sie konnten im Sommer 2015 drei Welpen erfolgreich
aufziehen. Ein weiterer starb schon mit 6-7 Wochen an natürlichen Ursachen. Im Monitoringjahr
2016/2017 war die Situation weniger eindeutig: Zwar konnten die Elterntiere weiter nachgewiesen
werden und es waren mind. 4 Wölfe zusammen im Gebiet unterwegs. Reproduktion zu bestätigen
gelang jedoch nicht (Abb. 18).
Abb. 18: Im Königshainer Berge Rudel wurden im Monitoringjahr 2016/2017 vier Wölfe gemeinsam
nachgewiesen, Reproduktion konnte aber nicht eindeutig bestätigt werden.
In Königshainer Berge pack in
Monitoring year 2016/2017 four wolves were confirmed together, without clear proof of reproduction, though.
FOTO: LUPUS.

image
image
image
26
Neustadt (N), (2002/2003-2008/2009 und seit 2015/2016)
Das Neustadt-Paar hat sich gegen Ende des Monitoringjahres 2015/2016, in der Ranzzeit 2016
etabliert, in dem es einen Teil des Milkeler Territoriums für sich beanspruchte. Die Fähe stammt aus
Milkel, der Rüde aus Spremberg. Die Tiere markierten sehr intensiv, um sowohl den Milkeler, als
auch den Spremberger und den Knappenroder Wölfen gegenüber ihren Gebietsanspruch deutlich zu
machen. Sie befanden sich damit im traditionellen Neustadt-Gebiet, wo bereits 2002 bis 2008 ein
Territorium war und wurden deshalb als Neustadt-Paar bezeichnet. Den beiden Wölfen gelang es
nicht, im Sommer 2016 Welpen aufzuziehen. Die Fähe wurde jedoch mit Gesäuge nachgewiesen, so
dass die Reproduktion eindeutig feststand und das Vorkommen deshalb als Rudel gewertet wird,
obwohl im Monitoring nur die beiden Eltern nachgewiesen werden konnten (Abb. 19). Gegen Ende
des Monitoringjahres 2016/2017 verlagerten die Tiere ihren Schwerpunkt ins bisherige Spremberger
Kerngebiet und übernahmen es komplett. Das Schicksal der Spremberger Wölfe blieb unklar.
Abb. 19: Die Fähe des Neustädter Rudels mit Gesäuge am 04. und 06.06.2016.
The breeding female of Neustadt
pack showing signs of lactation on 04. and 06.06.2016.
FOTO: LUPUS.
Raschütz (RA), (seit 2015/2016)
Das Raschütz-Paar wurde für das Monitoringjahr 2015/2016 rückwirkend als Paar geführt, weil dort
2016 im Sommer 3 Welpen nachgewiesen wurden (Abb. 20). Für das Monitoringjahr 2016/2017
bestand das Rudel aus mind. 5 Tieren. Ursprünglich erfolgte die Abgrenzung räumlich, über den
frühen Nachweis der Welpen. Allerdings gelang es im Laufe des Monitoringjahres dann auch die
Elterntiere genetisch zu identifizieren: Die Fähe stammt aus der Königsbrücker Heide, der Rüde aus
Dauban.

image
27
Abb. 20: Zwei der drei Welpen des Raschütz Rudel im Juni 2016.
Two out of three pups of Raschütz pack in June
2016
. FOTO: M. Schwibbs.
Kollm (KO), (2012/2013-2013/2014 und seit 2015/2016)
Das Kollmer Territorium wurde im Winter 2012/2013 zum ersten Mal etabliert. Da der aus dem
Nochtener Rudel stammende Rüde MT5 („Timo“) mit einem Senderhalsband ausgestattet war,
konnte dies zeitnah verfolgt und im Sommer 2013 die Aufzucht eines Welpen nachgewiesen werden.
Nachdem der Sender nach 2-jähriger Laufzeit im Januar 2014 planmäßig abgefallen war, gab es kaum
noch Hinweise aus diesem Gebiet. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Durchführung von
Monitoringarbeiten im Kerngebiet des Kollmer Rudels durch den dortigen Flächeneigentümer stark
eingeschränkt wurde.
Im Winter 2014/2015 zeigten die Telemetriedaten der Nieskyer Fähe (FT8), dass das Kollmer
Territorium nun von den Nieskyer Wölfen mit genutzt wurde. Allerdings beschränkte sich die
Aktivität der Nieskyer vor allem auf den östlichen Teil des ehemaligen Kollmer Territoriums. Daher
lag die Vermutung nahe, dass der westliche Teil wieder in das Daubaner Territorium integriert wurde.
Dies wurde durch die Ergebnisse der genetischen Analysen bestätigt. Der Vater des Kollmer Rudels
wurde genetisch nicht mehr nachgewiesen, die aus dem Daubaner Rudel stammende Kollmer Fähe
gründete 2014 zusammen mit einem neuen Rüden das Königshainer Berge Rudel. Das Kollmer Rudel
existierte daher im Monitoringjahr 2014/2015 nicht mehr. Die Ursache des Verschwindens ist
unbekannt.
Im Monitoringjahr 2015/2016 etablierte sich dann ein neues Paar im gleichen Gebiet. Dies wurde
allerdings erst im Laufe des Monitoringjahres 2016/2017 erkannt, als dort 3 genetisch erfasste Wölfe
der neuen Verpaarung zugeordnet werden konnten. Einer von ihnen war der tot aufgefundene
Welpe im Februar 2017, welcher die Reproduktion noch mal bestätigte (Abb. 21). Die Fähe des neuen

image
image
28
Kollmer Rudels stammt wieder aus dem Daubaner Rudel, der Rüde aus dem Nieskyer Rudel. Das
Kollmer Rudel bestand somit aus mind. 5 Wölfen.
Abb. 21: Totfund eines Welpen des Kollmer Rudels mit Räudeanzeichen am 27.02.2017. Genetisch wurden
noch zwei weitere Welpen bestätigt.
A dead pup of Kollm pack showing signs of sarcoptic mange was found on
27.02.2017. By genetic analysis two more pups were assigned to the pack
. FOTOS: LUPUS.
WEITERE, GRENZÜBERGREIFENDE WOLFSTERRITORIEN
Das polnische Ruszow Rudel hat einen Teil seines Territoriums auf deutscher Seite, in Sachsen. Da es
überwiegend auf polnischer Seite aktiv ist, wird es dort mitgezählt. Das Annaburger Heide Rudel
(Sachsen-Anhalt/Brandenburg/Sachsen) wird in Sachsen-Anhalt mitgezählt. Außerdem gab es im
Monitoringjahr 2016/2017 im Grenzbereich zu Brandenburg zwei neu etablierte Rudel - Hohenbocka
und Senftenberg, die zwar auch sächsische Flächen nutzen, aber ihre Welpenaufzucht bzw. ihren
Schwerpunkt auf Brandenburger Seite haben und deshalb dort mitgezählt werden.
4.2.4
Wolfspaare
Laußnitzer Heide (LH), (seit 2013/2014)
Das Wolfspaar in der Laußnitzer Heide - die Fähe stammt aus der Königsbrücker Heide, der Rüde aus
Dauban - etablierte sich im Winter 2013/2014 und zog 2014 das erste Mal Nachwuchs auf. Die LUPUS
vorliegenden wenigen Daten aus dem Gebiet belegten nur einen Welpen. Auch im Monitoringjahr
2015/2016 gab es aus dem Gebiet nur wenige Nachweise. Wieder wurde nur ein Welpe durch
Fotofallenbilder belegt. Der im Monitoringjahr 2015/16 bestätigte Welpe hat eine Verletzung am
linken Vorderlauf, die auf den Fotofallenbildern deutlich zu sehen ist. Im Monitoringjahr 2016/2017
wurde die Lage noch unklarer, so dass über Fotofallenbilder nur die Existenz eines Wolfspaares
eindeutig belegt werden konnte, ohne dass klar ist, ob es immer noch dieselben Tiere sind wie
ursprünglich. Der einzige genetische Nachweis eines männlichen Wolfes in der Region stammt von
einem Nachkommen des Knappenrode-Rudels. Ob er an dem nachgewiesenen Paar beteiligt ist,
durchwanderte oder ggf. zu einem zweiten Paar in der Region gehört, konnte mangels Daten nicht
geklärt werden. Fotofallenbilder belegten zwar auch, dass der am Lauf verletzte Nachkomme des
Laußnitzer Heide Paares aus 2014 ab und zu in der Laußnitzer Heide - aber auch deutlich außerhalb -
unterwegs war, allerdings immer alleine und nicht im Zusammenhang mit den anderen beiden
Wölfen. Die Laußnitzer Heide wird deshalb für 2016/2017 als Paar gewertet.

29
Hohwald (HW), Sachsen / Tschechische Republik (seit 2011/2012)
Im Monitoringjahr 2011/2012 etablierte sich im Hohwald ein neues Paar, die Fähe stammte aus dem
Seenland-Rudel, der Rüde war unbekannter Herkunft. Nach Reproduktionen in 2012 und 2013 gab es
2014 keine Hinweise mehr auf Welpen. Generell waren die Wolfshinweise aus diesem Gebiet stark
zurückgegangen.
In den Monitoringjahren 2014/2015 und 2015/2016 konnte nur noch eine Tochter aus diesem Rudel
über Fotofallenaufnahmen und anhand genetischer Proben als territoriales Einzeltier dokumentiert
werden. Dies war zunächst auch im gesamten Monitoringjahr 2016/2017 der Fall. So konnte die
bekannte Fähe bis in den Januar 2017 genetisch nachgewiesen werden.
Im Mai 2017 gab es dann allerdings genetische Nachweise zweier völlig neuer Tiere im Kerngebiet
des Hohwaldes - einer Fähe aus dem Daubaner Rudel und eines Rüden aus dem Spremberger Rudel.
Im Juli 2017 folgte dann der Nachweis von Welpen. Das heißt, dass das Vorkommen im Hohwald
rückwirkend für das Monitoringjahr 2016/2017 als Paar gezählt werden muss - ungeachtet der
genauen genetischen Konstellation.
Interessanterweise stellte sich bei der genetischen Untersuchung eines toten Welpen des
Hohwaldrudels im Herbst 2017 heraus, dass seine Mutter nicht die bisherige Hohwald-Fähe ist,
sondern die im Mai 2017 im Hohwald bestätigte Fähe, die allerdings noch am 19.02.2017 in der
Massenei genetisch nachgewiesen worden war und sich daher erst danach im Hohwald etabliert
haben konnte. Der Vater des Welpen ist darüber hinaus nicht der im Mai 2017 im Hohwald
nachgewiesene Rüde, sondern ein anderer, unbekannter Rüde. Das heißt, das Vorkommen im
Hohwald wird aufgrund der Reproduktion 2017 rückwirkend als Paar gewertet, genetisch bestätigt ist
von diesem Paar aber nur die Fähe, da sie die Mutter des Welpen ist. Das Schicksal der bisherigen
Hohwald-Fähe ist bisher ungeklärt.
Cunewalde (CUN), (seit 2014/2015)
Im Monitoringjahr 2014/2015 etablierte eine Fähe aus Dauban gemeinsam mit einem genetisch
bisher nicht bekannten Rüden im Bereich des Czorneboh-Waldgebietes bei Bautzen ein Territorium
und zog im Sommer 2015 vier Welpen auf. Sie selbst war Anfang Januar 2015 noch in Dauban
gesampelt worden. Genetisch konnte sie im September dann im Czorneboh bestätigt werden. Bei
Abspüraktionen im Winter 2015/2016 konnten im Gebiet dann allerdings nur noch wenige Hinweise
gefunden werden, u.a. auf einen männlichen Nachkommen des Rudels. Nachweise der Elterntiere
gelangen nicht. Im Mai 2016 wurde im Czorneboh der Kadaver eines weiblichen Nachkommen
gefunden, der offenbar bereits als Welpe gestorben war, aber vom Funddatum her als Jährling
geführt wird.
Im gesamten Monitoringjahr 2016/2017 gab es dann nur noch einzelne Nachweise einer weiteren
Tochter des Rudels. Erst durch den Nachweis von Welpen im Monitoringjahr 2017/18 konnte geklärt
werden, dass diese Tochter sich im Winter 2016/2017 im Cunewalder Territorium mit einem Rüden
unbekannter Herkunft verpaart hatte und somit bereits im Monitoringjahr 2016/2017 ein neues
Cunewalder Paar gegründet hatte.

30
Dahlener Heide (DH) (seit 2016/2017)
Das Wolfspaar in der Dahlener Heide wurde für das Monitoringjahr 2016/2017 rückwirkend
bestätigt, da im folgenden Sommer reproduzierte und Welpen nachgewiesen wurden. Im
Monitoringjahr 2016/2017 gab es zwar einige Nachweise in der Region, aber es gelang nicht, den
Nachweis eines Paares zu erbringen. Bisher ist die genetische Identität der Elterntiere offen, das
Vorkommen wurde räumlich von den anderen abgegrenzt.
4.2.5
territoriale Einzeltiere
Im Monitoringjahr 2016/17 wurden in Sachsen keine territorialen Einzeltiere nachgewiesen.
4.2.6
Status unklar
Spremberg (SP), Sachsen / Brandenburg (2010/2011-2015/2016)
Das Spremberger Wolfspaar hat im Winter 2010/2011 sein Territorium etabliert und zog seit 2011
zusammen Welpen auf. Der Rüde MT2 („Karl“) stammt aus dem Nochtener, die Fähe aus dem
Milkeler Rudel. MT2 wurde im März 2015 tot aufgefunden. MT2 war 2009 im Alter von 10 Monaten
in seinem Nochtener Geburtsterritorium gefangen und besendert worden. Er war der erste Wolf in
Deutschland, der mit einem GPS-GSM-Halsband versehen worden war. Trotz des Todes von MT2
gelang es der Spremberger Fähe 2015 4 Welpen aufzuziehen, außerdem wurden 3 Jährlinge im
Gebiet nachgewiesen. Auch ein fremder Rüde (aus dem Nochtener Rudel) war präsent, dessen Alter
unklar ist. Im gesamten Monitoringjahr 2016/2017 ließ sich das Spremberger Rudel jedoch nicht
mehr feststellen. Weder die bisherige Spremberger Fähe, noch der zwischenzeitlich nachgewiesene,
potentielle neue Rüde konnten weiter bestätigt werden. Stattdessen war im Sommer 2017 kurz eine
erwachsene Tochter des Rudels genetisch nachzuweisen. Zum Winter 2016/2017 hin wurde das
ehemalige Kerngebiet dieses Rudel dann komplett vom Neustädter Paar übernommen, das dann
auch im Mai 2017 dort seine Welpen bekam.
Seenland (SL), (2009/2010-2015/2016)
Das seit 2009 bestehende Seenland-Territorium wurde 2012 von einer im Seenland-Rudel geborenen
Fähe (FT4, „Mona“) und einem aus dem Nochtener Rudel stammenden Rüden übernommen. 2014
wurden fünf Welpen sowie ein Jährling im Seenland-Rudel nachgewiesen. In 2015 gelang dagegen
kein Nachweis von Reproduktion. Das ganze Jahr über wurden maximal 3 Tiere zusammen
nachgewiesen, es gab keine Belege für Welpen. Genproben aus dem Winter 2015/2016 legen nahe,
dass es einen Wechsel des Rüden gegeben hat. Im Sommer 2016 war FT4 noch im Gebiet bestätigt
worden, danach verliert sich ihre Spur jedoch. Im Winter 2016/2017 konnte das Seenlandrudel nicht
mehr nachgewiesen werden. Stattdessen hatte das Knappenrode-Rudel komplett das ehemalige
Kerngebiet des Seenlandrudels übernommen.
Bernsdorf (BED), Sachsen/Brandenburg (2015/2016)
Das Bernsdorf-Paar wurde im Winter 2015/2016 über Spuren im Schnee und Urinmarkierungen
identifiziert. Sein Territorium befand sich zu diesem Zeitpunkt - auf sächsischer Seite - zwischen dem
Seenland, dem Knappenrode und dem Königsbrücker Heide-Rudel. Die Bernsdorfer Fähe stammt aus
Dauban, der Rüde ist unbekannter Herkunft. Der Totfund eines genetisch nicht mit diesem Paar
verwandten Welpen bei Bernsdorf/Leippe im Oktober 2016 zeigte allerdings, dass im Grenzgebiet zu

31
Brandenburg im Raum Hohenbocka ein bisher unbekanntes Rudel aktiv ist, das im Monitoringjahr
2015/2016 bereits ein Paar war. Da dieses Rudel seinen Schwerpunkt auf Brandenburger Seite hat,
wird es dort mitgezählt.
Im gesamten Monitoringjahr 2016/2017 gab es dann keine Hinweise mehr auf die Existenz des
Bernsdorfer-Paares, vielmehr wurden in ihrem Gebiet im Herbst und Winter zunehmend Nachweise
der Hohenbocka-Wölfe gefunden. Schließlich wurde der Rüde im Oktober 2016 südlich von Kamenz,
also weit entfernt von seinem früheren Territorium, tot gefunden. Die Fähe wurde nicht mehr
nachgewiesen.
Raum Löbau/Zittau (LZ)
Auch im Monitoringjahr 2016/2017 blieb der Status im Raum Löbau/Zittau (östlich von Löbau,
nördlich von Zittau) unklar. Nachdem im Monitoringjahr 2014/2015 dort einmal ein Welpe aus
Rosenthal an einem Schafsriss nachgewiesen wurde, konnte im Monitoringjahr 2015/2016 ein
anderer, nicht zuzuordnender weiblicher Genotyp einmalig an einem Riss im Gebiet nachgewiesen
werden. Im Monitoringjahr 2016/2017 gab es dann keine genetischen Nachweise von
Wolfsindividuen. Die wenigen Daten aus dem Gebiet reichten nicht aus, um den Status zu klären.

32
Literatur
Czarnomska, S., Jędrzejewska, B., Borowik, T., Niedziałkowska, M., Stronen, A.V., Nowak, S.,
Mysłajek, R.W., Okarma, H., Konopiński, M., Pilot, M., Śmietana, W., Caniglia, R., Fabbri, E.,
Randi, E., Pertoldi, C. & Jędrzejewski W. (2013): Concordant mitochondrial and microsatellite
DNA structuring between Polish lowland and Carpathian Mountain wolves. Conservation
Genetics: published online: DOI 10.1007/s10592-013-0446-2.
Kaczensky, P., Kluth, G., Knauer, F., Rauer, G., Reinhardt, I. & U. Wotschikowsky (2009): Monitoring
von Großraubtieren in Deutschland. BfN-Skripten 251.
Kaczensky, P., Chapron, G., von Arx, M., Huber, D., Andrén, H. and J. Linnell, Eds. (2012): Status,
management and distribution of large carnivores – bear, lynx, wolf & wolverine – in Europe.
Report prepared for the European Commission. contract N°070307/2012/629085/SER/B3.
KLUTH, G., ANSORGE, H. & M. GRUSCHWITZ (2002): Wölfe in Sachsen. Naturschutzarbeit in Sachsen. 44.
Jahrgang, S. 41-46
KLUTH, G., REINHARDT, I., BLUM-RERAT, C., MÖSLINGER, H. & V. HARMS (2016): Wölfe in Sachsen.
Statusbericht für das Monitoringjahr 2015 / 2016.
LINNELL, J., SALVATORI, V. & L. BOITANI (2008): Guidelines for population level management plans for
large carnivores in Europe. A Large Carnivore Initiative for Europe report prepared for the
European Commission (contract 070501 /2005/424162/MAR/B2).
MECH, L.D. & L. BOITANI (2003): Wolf social ecology. In Wolves: Behavior, Ecology and Conservation.
The University of Chicago Press, Chicago and London.
MYSLAJEK, R. & S. NOWAK (2015): Wolf Management and Monitoring in Poland. Presentation at the
International Wolf Workshop "The wolf in central Europe: status, threats and management".
10.-11. Nov 2015, BfN, Bonn.
REINHARDT, I. & G. KLUTH (2007): Leben mit Wölfen – Leitfaden für den Umgang mit einer
konfliktträchtigen Tierart. BfN Skripten 201.
REINHARDT, I., KLUTH, G., BLUM, C., KOERNER, S. & V. HARMS (2011): Wölfe in der Lausitz. Statusbericht für
das Monitoringjahr 2010 / 2011.
REINHARDT, I., KLUTH, G., BLUM, C., & V. HARMS (2012): Wölfe in der Lausitz. Statusbericht für das
Monitoringjahr 2011 / 2012.
REINHARDT, I., KLUTH, G., BLUM, C., & V. HARMS (2013): Wölfe in der Lausitz. Statusbericht für das
Monitoringjahr 2012 / 2013.
REINHARDT, I., KLUTH, G., NOWAK, S. & R. MYSLAJEK (2013): A review of wolf management in Poland and
Germany with recommendations for future transboundary management. BfN-Skripten 356.
REINHARDT, I., KLUTH, G., BLUM, C., MÖSLINGER, H. & V. HARMS (2014): Wölfe in der Lausitz. Statusbericht
für das Monitoringjahr 2013 / 2014.
REINHARDT, I., KLUTH, G., BLUM, C., MÖSLINGER, H., HARMS, V. & A. JARAUSCH (2015): Wölfe in Sachsen und
Brandenburg. Statusbericht für das Monitoringjahr 2014 / 2015.

33
REINHARDT, I., KACZENSKY, P., KNAUER, F.,
RAUER, G.,
KLUTH, G.,
WÖLFL, S. , HUCKSCHLAG, D. & U.
WOTSCHIKOWSKY (2015): Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland. BfN-Skripten
413.
WABAKKEN, P., ARONSON, A., STRØMSETH,T., SAND,H., MAARTMANN,E., SVENSSON, L. & I. KOJOLA (2009): Ulv i
Skandinavia: Statusrapport for vinteren 2008 – 2009. Høgskolen i Hedmark Oppdragsrapport
nr. 6 – 2009.

34
Anhang 1
Sozialer Status, Reproduktion und Nachweismethoden in den Wolfsrevieren in Sachsen 2016/2017
Sozialer Status
Territorium
Land
Reproduktion
nachgewiesen
Anz.
Individuen
Methoden
Anz. Genetikproben*
markierende Tiere genetisch
bekannt **
gesamt (Min)
Welpen (Min)
Reproduktion
Status
Abgrenzung
Spuren
Foto / Video
DNA
Telemetrie
Spuren
Foto / Video
DNA
Telemetrie
Reproduktion
Foto / Video
DNA
räumlich
Rudel
Biehain
SN
ja
8
5
X
X
X
X
X
52
F*, M
Rudel
Dauban
SN
ja
3
0
-
-
X
X
X
X
09
F, ?
Rudel
Daubitz
SN
ja
11
6
X
X
X
X
X
X
42
F*, M*
Rudel
Gohrischheide
SN/BB
ja
7
5
X
X
X
X
X
07
- , -
Rudel
Knappenrode
SN
ja
10
6
X
X
X
X
X
X
43
F, M
Rudel
Königsbrück
SN
ja
4
1
X
X
X
X
X
X
12
F*, M
Rudel
Königshainer
Berge
SN
nein
4
0
-
-
X
X
X
X
13
F, M
Rudel
Kollm
SN
ja
5
3
X
X
X
11
F, M
Rudel
Milkel
SN
ja
11
4
X
X
X
X
X
X
18
F, M
Rudel
Neustadt
SN
ja
2
0
-
-
X
X
X
X
19
F, M
Rudel
Niesky
SN
ja
3
0
-
-
X
X
X
12
-, M
Rudel
Nochten
SN
ja
8
4
X
X
X
X
X
X
19
F, M
Rudel
Raschütz
SN
ja
5
3
X
X
X
X
X
X
11
F, M

35
Rudel
Rosenthal
SN
ja
4
2
X
X
X
X
X
X
27
F, M
Paar
Cunewalde
SN
nein
2
-
X
X
x
03
?, ?
Paar
Dahlener Heide
SN
nein
2
-
X
x
00
- , -
Paar
Hohwald
SN/CZ
nein
2
-
X
X
x
09
F, -
Paar
Laußnitzer Heide
SN
nein
2
-
X
x
07
-, ?
*
gesammelte Genetikproben. Nicht alle gesammelten Proben werden zur Analyse eingeschickt. Auf Grund der begrenzten Finanzmittel wird eine
Probenpriorisierung vorgenommen. Proben mit voraussichtlich hoher Qualität und solche von markierenden Tieren werden bei der Auswahl bevorzugt. Zusätzlich
wurden noch Genetikproben aus dem Gebiet des Ruszow Rudel (5) und Hohenbocka Rudel (6) auf sächsischer Seite gesammelt, sowie 13 Proben außerhalb der bestätigten
Wolfsterritorien.
**
In der Spalte zum genetischen Nachweis:
?
In diesem Territorium wurden 2016/17 Wölfe genetisch nachgewiesen. Ob dies die Territoriumsinhaber oder andere Wölfe waren, ist noch unklar.
-
Für 2016/17 sind die markierenden Tiere genetisch nicht bekannt
*
Indirekter Nachweis der Elterntiere, da Nachkommen aus 2016 oder 2017 genetisch noch immer zur gleichen Verpaarung passen