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Wölfe in der Lausitz
Statusbericht für das Monitoringjahr
2012/2013
Ilka Reinhardt, Gesa Kluth, Catriona Blum, Helene Möslinger &
Verena Harms

Wölfe in der Lausitz.
Statusbericht für das Monitoringjahr 2012/2013
Ilka Reinhardt
1)
, Gesa Kluth
1)
,
Catriona Blum
1)
, Helene Möslinger
1)
&
Verena Harms
2)
1. LUPUS – Institut für Wolfsmonitoring und –forschung, Spreewitz
2. Senckenberg Forschungsinstitut für Wildtiergenetik, Gelnhausen
Titelbild: Der Nochtener Rüde markierend. Im Hintergrund die Nochtener Fähe FT2 („Lisa“) mit zwei
Welpen. Foto: LUPUS

1
Inhalt
1.
11Hintergrund ................................................................................................................................. 2
12. Monitoringstruktur .......................................................................................................................... 3
3.
Methoden ........................................................................................................................................ 4
3.1
Generell ................................................................................................................................... 4
3.2
Endbewertung und Interpretation der Daten ......................................................................... 5
3.3
Definitionen ............................................................................................................................. 6
4.
Ergebnisse........................................................................................................................................ 7
4.1
Wolfsbestand in Deutschland 2012/2013 ............................................................................... 7
4.1.1
Populationsgröße und Verbreitung ................................................................................. 7
4.1.2
Vorkommensgebiet ......................................................................................................... 8
4.2
Wolfsbestand in der Lausitz 2012/2013 .................................................................................. 8
4.2.1
Reproduktion in der Lausitz 2012.................................................................................. 12
4.2.2
Totfunde in der Lausitz 2012/2013 ............................................................................... 14
4.2.3
Wolfsfamilien ................................................................................................................ 14
4.2.4
Wolfspaare .................................................................................................................... 25
Literatur ................................................................................................................................................. 27
Anhang 1 – Sozialer Status, Reproduktion und Nachweismethoden in den Lausitzer Wolfsrevieren.... 1

2
1.
11
Hintergrund
Nach über einhundert wolfsfreien Jahren gibt es wieder ein reproduzierendes Wolfsvorkommen in
Deutschland. Nachdem im Jahr 2000 in Sachsen die erste Wolfsfamilie nachgewiesen wurde, dauerte
es fünf Jahre bis es zwei Rudel gab. Seitdem steigt der Bestand stetig an und breitet sich aus. Eine
ähnliche Entwicklung gibt es in vielen Gebieten Europas. Nachdem die stark geschrumpften
Restpopulationen in den 1980er Jahren unter Schutz gestellt wurden, breitet
Canis lupus
sich wieder
aus und kehrt in ehemalige Verbreitungsgebiete zurück, aus denen er Jahrzehnte verschwunden war
(REINHARDT & KLUTH 2007).
Verglichen
mit
anderen
Großraubtieren
haben
Wölfe
ein
hohes
Reproduktions-
und
Ausbreitungspotential. Einzeltiere können hunderte Kilometer weit in wolfsfreie Gebiete wandern
(MECH & BOITANI 2003). Die Quellpopulation für die Wölfe im Nordosten Deutschlands ist
die
baltische Population, die sich bis nach Nordost-Polen erstreckt (CZARNOMSKA et al 2013). In Mittel-
und Westpolen wurde der Wolf ebenso ausgerottet, wie in Deutschland. Erst in den letzten 50 Jahren
wanderten immer wieder einzelne Tiere bis nach Westpolen, einige sogar bis nach Deutschland. In
der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts kamen mehr als 40 Wölfe aus Polen nach Deutschland.
Mehr als 30 von ihnen wurden geschossen, über zehn wurden Verkehrsopfer auf Schiene oder Straße
(REINHARDT & KLUTH 2007; LUPUS unveröff.). Im Jahr 1998 gelang es einem Wolfspaar, auf einem
Truppenübungsplatz im Nordosten Sachsens ein Territorium zu etablieren. Zwei Jahre später kam es
zur ersten bestätigten Aufzucht von Welpen– etwa 150 Jahre nach der Ausrottung der Art in
Deutschland (KLUTH et al. 2002).
Die Wölfe in Deutschland und West-/Mittelpolen gehören der mitteleuropäischen (früher deutsch-
westpolnischen) Flachlandpopulation an. Sie ist eine von zehn teilweise von einander isolierten
Wolfspopulationen in Europa und noch immer eine der kleinsten, die 2012 als „stark gefährdet“
(endangered)
eingestuft
wurde
(KACZENSKY
ET
AL.
2013).
Das
Verbreitungsgebiet
dieser
Wolfspopulation erstreckt sich von der Weichsel in der Mitte Polens bis nach Niedersachsen, dem
westlichsten Gebiet mit einem reproduzierenden Wolfsrudel in Deutschland und ist größtenteils
stark fragmentiert. Nur in der Lausitz gibt es ein größeres zusammenhängendes Vorkommen. Die
Lausitz liegt im Grenzbereich von Sachsen, Brandenburg und Polen. Hier kann tatsächlich von einer
geschlossenen Verbreitung gesprochen werden, wie es für eine Population typisch ist (siehe LINNELL
ET AL. 2008). Der Lausitzer Wolfsbestand - auf deutscher und polnischer Seite - bildet nach wie vor
den reproduktiven Kern der mitteleuropäischen Population.
Der Wolf ist in Anhang II und IV der Flora-Fauna- Habitat-Richtlinie (FFH-RL) gelistet. Entsprechend ist
sein Erhaltungszustand zu überwachen, das heißt ein aussagefähiges Monitoring muss etabliert sein.
Die wesentlichen Ergebnisse dieses Monitorings sind alle sechs Jahre an die Europäische Kommission
zu berichten (Art. 17 FFH-RL). Wichtige Kenngrößen in diesen Berichten sind das Vorkommensgebiet
und die Populationsgröße sowie der Trend dieser Parameter. Im Jahr 2009 wurden im Rahmen des
F+E-Vorhabens „Grundlagen für Managementkonzepte für Großraubtiere in Deutschland –
Rahmenplan Wolf“ Standards für das Monitoring von Großraubtieren in Deutschland entwickelt
(KACZENSKY ET AL. 2009), die derzeit überarbeitet werden. Darin wurde festgelegt, dass die Parameter
Vorkommensgebiet und Populationsgröße jährlich erhoben werden. Einmal im Jahr treffen sich in
Deutschland die mit dem Monitoring von Wolf und Luchs beauftragten Personen der einzelnen
Bundesländer zur Datenevaluierung und um ein möglichst vollständiges Bild der aktuellen Situation
dieser
Tierarten
in
Deutschland
zu
erstellen.
Das
Ergebnis
sind
jährliche
Karten
der

image
3
Vorkommensgebiete für Wolf und Luchs in Deutschland und eine Zusammenfassung des aktuellen
Status.
Der vorliegende Statusbericht bezieht sich schwerpunktmäßig auf den deutschen Teil des Lausitzer
Wolfsgebietes (Sachsen/Brandenburg). Langfristiges Ziel sollte es sein, Statusberichte auf
Populationsebene zu verfassen, wie es in Fennoskandien bereits geschieht (z.B. WABAKKEN ET AL.
2009), um ein Gesamtbild der jeweiligen Population zu erhalten.
Abb. 1: Der vorliegende Statusbericht bezieht sich schwerpunktmäßig auf den deutschen Teil des Lausitzer
Wolfsgebietes.
The present status report mainly refers to the German part of the Lusatian Wolf area.
1
2.
Monitoringstrukturen
Die Monitoringstrukturen variieren in Deutschland von Land zu Land. Zuständig sind in der Regel die
Fachbehörden (Landesumweltämter) der Länder. Die Erhebung, Evaluation und Zusammenführung
der Daten wird sehr unterschiedlich gehandhabt.
In Sachsen wird das Monitoring durch das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in
Deutschland im Auftrag des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz (SMNG) und des
Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mit Mitteln des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) durchgeführt bzw.
koordiniert. Seit 2001 werden kontinuierlich Daten zu Reproduktion und Verbreitung der Wölfe
erhoben. Unterstützt wird das Monitoring in Sachsen durch die Verwaltung des Biosphärenreservates
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (BROHT), des Naturschutzgebietes Königsbrücker
und
Zeithainer Heide, die Bundesforstverwaltung, Mitarbeiter des SMNG, freiwillige Helfer und seit 2009
auch durch Mitarbeiter der Landratsämter. LUPUS ist für den gesamten Freistaat für die
Endbewertung und Interpretation der erhobenen Daten zuständig.
In Brandenburg ist das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) für die
Zusammenführung der erhobenen Daten zuständig. Durchgeführt wird das Monitoring je nach
Gebiet von ehrenamtlichen, geschulten Personen oder von freiberuflichen Biologen, die in der Regel
einzelne Territorien als Gebietskulisse zugeteilt bekommen. Auf aktiven Truppenübungsplätzen wird

4
das Monitoring in der Regel durch geschulte Personen von Bundesforst durchgeführt. LUPUS führt
seit 2006 in Abstimmung mit dem LUGV das Monitoring im Südosten des Landes, an der Grenze zu
Sachsen und Polen durch. Traditionell werden die Territorien Zschorno, Spremberg und Welzow von
LUPUS betreut; im Monitoringjahr 2012/2013 war LUPUS als Unterauftragnehmer des Büros für
Wildbiologie & Wildtiermanagement auch in Lieberose und Sperenberg tätig. Finanziert wurde dieses
Monitoring von 2006 bis 2012 durch den Internationalen Tierschutzfonds (IFAW) und von 2010 bis
2012 durch den World Wildlife Fund (WWF). Seit 2012 erfolgt die Finanzierung aus Landesmitteln.
Die genetischen Analysen konnten mit finanzieller Unterstützung des WWF realisiert werden.
3.
Methoden
3.1
Generell
In der Lausitz kommt sowohl aktives als auch passives Monitoring zum Einsatz. Letzteres beinhaltet
die Aufnahme, Bewertung und Archivierung aller aus der Bevölkerung gemeldeten Hinweise, zum
Beispiel Sichtbeobachtungen. Solche Hinweise können ein wichtiges Indiz dafür sein, wo das aktive
Monitoring intensiviert werden muss. Der Hauptteil der Hinweise wird jedoch aktiv durch
verschiedene Monitoringmethoden erhoben. Die Schwerpunktmethode ist die Suche nach
Anwesenheitshinweisen (presence sign survey). Dabei werden Wege gezielt nach Wolfshinweisen,
wie Kot (Losung) oder Spuren abgesucht. Eine Häufung von Spuren- / Losungsfunden liefert Hinweise
auf die Aktivitätsschwerpunkte in den jeweiligen Territorien. Diese Methode kommt das ganze Jahr
über zum Einsatz, wobei im Sommer (ab Mitte/Ende Juni) besonders intensiv nach Hinweisen auf
Welpen gesucht wird. Die gezielte Suche nach Reproduktionshinweisen kann sich je nach Gebiet bis
in den Herbst hinein ziehen. Darüber hinaus wird im Winter bei Schneefall intensiv abgefährtet, um
so viele Informationen wie möglich zu den reproduzierenden Tieren und der Mindestgröße des
Rudels zu erhalten.
Seit Frühjahr 2009 werden in der Lausitz auch Fotofallen als Monitoringmethode eingesetzt. Sie
kommen gezielt an Aktivitätsschwerpunkten zum Einsatz. Die kontinuierliche Suche nach
Anwesenheitshinweisen ist dabei die Voraussetzung, um Fotofallen erfolgversprechend einzusetzen.
Sie dienen vor allem zur Bestätigung von Reproduktion und um die jeweils markierenden Tiere in den
einzelnen Rudeln fotografisch zu dokumentieren (Tab. 1).
Genetische Untersuchungen sind ein wichtiger Teil des Monitorings geworden. Sie dienen unter
anderem dazu, Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Wolfsfamilien aufzudecken, den
Gesundheitszustand der Population zu überwachen (Inzuchtgrad) oder auch die eventuelle
Zuwanderung von Wölfen aus Nachbarpopulationen zu bestätigen. Dafür werden Genetikproben von
frischen Wolfslosungen genommen, im Schnee Urin und Oestrusblut der Tiere gesammelt und an
frisch von Wölfen gerissenen Tieren Speichelproben mittels Tupfer genommen. Ebenso werden
Proben von tot gefundenen oder lebend gefangenen Wölfen genetisch untersucht.
Aus dem Monitoringjahr 2012/2013 wurden aus Sachsen 126 Genetikproben zur Untersuchung an
das Senckenberg Forschungsinstitut für Wildtiergenetik, Gelnhausen eingeschickt. Aus Brandenburg
wurden über 220 weitere Proben, die im Zeitraum von 2007 bis Anfang 2013 gesammelt wurden, in
Gelnhausen untersucht. Die Analyseergebnisse dieser Proben fließen in diesen Statusbericht mit ein.

5
3.2
Endbewertung und Interpretation der Daten
In den Standards für das Monitoring von Großraubtieren in Deutschland (KACZENSKY ET AL. 2009), im
Folgenden kurz als „Monitoringstandards“ bezeichnet, wurde die Kategorisierung der Daten anhand
ihrer Überprüfbarkeit festgelegt. Diese Einordnung erfolgte in Anlehnung an die SCALP-Kriterien, die
im Rahmen des Projektes „
S
tatus and
C
onservation of the
A
lpine
L
ynx
P
opulation“ (SCALP) für das
länderübergreifende Luchsmonitoring in den Alpen entwickelt wurden. Diese SCALP-Kriterien
wurden für Wolf und Bär weiterentwickelt und an die Gegebenheiten in Deutschland angepasst. Der
Buchstabe C steht für Kategorie (Category), die Ziffern 1 – 3 sagen etwas über die Überprüfbarkeit
der Hinweise aus.
C1: eindeutiger Nachweis =
harte Fakten, die die Anwesenheit eines Großraubtieres eindeutig
bestätigen (Lebendfang, Totfund, genetischer Nachweis, Foto, Telemetrieortung).
C2: Bestätigter Hinweis =
von erfahrener Person überprüfter Hinweis (z. B. Spur oder Riss), bei dem
ein Großraubtier als Verursacher bestätigt werden konnte. Die erfahrene Person kann den Hinweis
selber im Feld oder anhand einer Dokumentation von einer dritten Person bestätigen.
C3: Unbestätigter Hinweis =
Alle Hinweise, bei denen ein Großraubtier als Verursacher auf Grund der
mangelnden „Beweislage“ von einer erfahrenen Person weder bestätigt noch ausgeschlossen
werden konnte. Dazu zählen alle Sichtbeobachtungen, auch von erfahrenen Personen. Ferner alle
Hinweise, die zu alt sind und/oder unklar bzw. unvollständig dokumentiert sind, für die also zu
wenige Informationen vorliegen, um ein klares Bild zu ergeben (z. B. bei Spuren) oder die aus
anderen Gründen für eine Bestätigung nicht ausreichen; ebenso alle Hinweise, die nicht überprüft
werden konnten.
Falsch: Falschmeldung =
Hinweis, bei der ein Großraubtier als Verursacher ausgeschlossen werden
konnte.
Da Wolfshinweise leicht mit jenen von Hunden verwechselt werden können, ist eine Endbewertung
der Hinweise durch erfahrene Personen notwendig. Diese Personen sollten jahrelange Routine im
Erkennen und Bewerten von Wolfshinweisen haben. Ein Hinweis muss nicht nur technisch alle
Merkmale aufweisen, die für einen Wolfshinweis sprechen. Der Gesamteindruck und die Erfahrung
der bewertenden Person sind letztlich entscheidend. Eine gut dokumentierte Spur im geschnürten
Trab, die wolfstypische Maße aufweist, wird nicht automatisch zum bestätigten Hinweis. Wenn die
erfahrene Person, die diese Spur bewertet, auf Grund der Pfotenform oder -stellung, des
Spurverlaufes oder des Verhaltens des Tieres Zweifel bekommt, ob es sich tatsächlich um eine
Wolfsspur handelt, dann wird sie diese als C3 (unbestätigter Hinweis) oder falsch (Wolf
ausgeschlossen) bewerten.
Naturgemäß gibt es sehr viel mehr unbestätigte (C3) als bestätigte Hinweise (C2) oder gar Nachweise
(C1) (Abb. 2). Nur ein relativ kleiner Teil der unbestätigten Hinweise wird von Dritten gemeldet. Viele
fallen bei der eigentlichen Feldarbeit an, da es in einem Gebiet mit mehreren Wolfsrudeln auf Grund
der Fülle der Hinweise nicht möglich ist, jede einzelne Spur oder Losung ausführlich entsprechend
der Monitoringstandards zu dokumentieren. Das ist auch nicht nötig. Wichtig ist, dass Angaben zu
Reproduktion, Anzahl Individuen (Rudelgröße, territoriales Paar, territorialer Einzelwolf) und
Vorkommensgebiet ausschließlich auf C1 und C2 Daten beruhen. Unbestätigten Hinweisen kommt
vor allem dann eine besondere Bedeutung zu, wenn sie aus Gebieten stammen, in denen bisher noch
keine Wölfe bestätigt wurden (mögliche neue Etablierung).

6
In Sachsen erfolgt die Endbewertung und Auswertung aller Hinweise, die in das Monitoring
einfließen, durch LUPUS. Auch im Südosten Brandenburgs (südlich der A15 und östlich der A13) führt
LUPUS die Endbewertung durch. Alle als C1 oder C2 bewerteten Daten sind vollständig dokumentiert
und somit für Dritte nachprüfbar. Seit 2009 erfolgt die Datenaufnahme und Bewertung entsprechend
der Monitoringstandards.
3.3
Definitionen
Abgrenzung zwischen zwei benachbarten Territorien
:
Reproduktion wurde in beiden Gebieten zeitgleich bestätigt ODER
Reproduktion wurde zwischen Mai und Juli mind. 10km voneinander entfernt bestätigt ODER
eines der Territorien ist über Telemetrie bekannt ODER
Unterscheidung möglich, weil Individuen eindeutig identifizierbar sind ODER
über genetische Analysen.
Altwolf:
Wolf, der älter als zwei Jahre ist.
FT / MT:
Die mit einem Halsbandsender versehenden Wölfe bekommen eine fortlaufende Nummer,
die bei den Fähen mit FT (f = female, t = telemetry) und bei den Rüden mit MT (m = male, t =
telemetry) beginnt.
Jährling
: Wolf in seinem zweiten Lebensjahr.
Monitoringjahr
: 01. Mai – 30. April. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der
Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres.
residenter Einzelwolf
: einzelner Wolf, der über mind. sechs Monate in einem Gebiet mit C1 oder C2
Daten bestätigt wurde.
Territoriales Paar
: Wolfsrüde und Fähe, die gemeinsam ihr Territorium markieren, aber (noch)
keinen Nachwuchs haben.
Vorkommensgebiet
: das Gebiet, das tatsächlich von der Art besiedelt ist. Es wird durch die besetzten
Rasterzellen des EU-Grids von 10 x 10 km Größe beschrieben. Als besetzt gilt eine Rasterzelle bei
einem C1-Nachweis. Liegt ein solcher nicht vor, so sind - bei der Tierart Wolf - mindestens drei
voneinander unabhängige C2-Hinweise erforderlich. Zellen, für die nur C3 oder weniger als 3
voneinander unabhängige C2-Hinweise vorliegen, gelten nicht als besetzt.
Welpe
: Wolf im ersten Lebensjahr. Da Wolfswelpen in der Regel Anfang Mai geboren werden, erfolgt
der Übergang vom Welpen zum Jährling am 01.Mai.
Wolfsfamilie
(Wolfsrudel): eine Gruppe von mehr als zwei Wölfen, die in einem Territorium leben.
Reproduzierende Wolfsfamilie
: besteht aus mindestens einem Altwolf mit bestätigter Reproduktion.

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7
4.
Ergebnisse
4.1
Wolfsbestand in Deutschland 2012/2013
4.1.1
Populationsgröße und Verbreitung
Im Monitoringjahr 2012/2013 wurden in Deutschland 18 Wolfsrudel, sieben territoriale Paare sowie
drei residente Einzelwölfe bestätigt (Abb. 2). Mindestens 22 weitere Rudel und zwei Paare wurden
Anfang 2012 in West- und Mittelpolen nachgewiesen (Reinhardt et al. 2013). Das Verbreitungsgebiet
erstreckt sich in Deutschland von der Lausitz ausgehend nach Nordwesten bis nach Niedersachsen.
Reproduktion wurde außer in Sachsen (9) und Brandenburg (4), auch in Sachsen-Anhalt (1) und
Niedersachsen (1) nachgewiesen. In Mecklenburg-Vorpommern wurden ein Wolfspaar und ein
residenter Einzelwolf bestätigt.
Vom 01.05.2012 bis zum 30.04.2013 wurden 13 Wölfe in Deutschland tot aufgefunden, die meisten
davon in Brandenburg (8) und Sachsen (4), einer in Schleswig-Holstein.
Abb. 2: Bestätigte Verbreitung des Wolfes in Deutschland im Monitoringjahr 2012/2013.
– Distribution of
confirmed wolf territories in the monitoring year 2012/2013 (dark = pack, middle = pair, white = single resident
wolf).

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8
4.1.2
Vorkommensgebiet
Abb. 3: Vorkommensgebiet von Wölfen in Deutschland im Monitoringjahr 2012/2013. Zusammengestellt vom
BfN nach Angaben der Bundesländer. Grün: belegte Rasterzellen nach Monitoringstandards (1 C1 oder 3 C2). –
Area of confirmed wolf occurrence in the monitoring year 2012/2013. Data provided by the Laender and
compiled by the BfN. Green: 10x10 km grid cell occupied according to the national monitoring standards (1 C1
or 3 C2).
4.2
Wolfsbestand in der Lausitz 2012/2013
Von den im Monitoringjahr 2012/2013 in Deutschland nachgewiesenen Rudeln und Wolfspaaren
wurden 12 Rudel und 2 Paare in der Lausitz bestätigt (Abb. 4). Ein weiteres Rudel, das polnische
Ruszow Rudel hat nur einen kleinen Teil seines Territoriums auf sächsischer Seite. Es wurde hier nicht
mitgezählt. Das Wolfsterritorium in der Annaburger Heide liegt zum großen Teil in Sachsen-Anhalt,
und nur zu geringen Teilen in Brandenburg und Sachsen und wurde hier ebenfalls nicht mitgezählt.
In einem sächsischen Rudel (Milkel) wurde im Monitoringjahr 2012/2013 eine doppelte
Reproduktion festgestellt (siehe 4.2.3 / Milkel). Dieses Rudel wurde doppelt gezählt; es erscheint
aber nur einmal auf der Karte.
Weitere Wolfshinweise und –nachweise gab es in der Lausitz aus den Gebieten westlich der A13
(Schlabendorf, Babbener Heide, Rochauer Heide) sowie aus dem Tagebau Jänschwalde nördlich der
A15. Anzahl und Status der Wölfe in diesen Vorkommensgebieten war im Monitoringjahr 2012/2013
noch nicht bekannt.

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9
Abb. 4: Bestätigte Wolfsterritorien in der Lausitz im Monitoringjahr 2012/2013.
– Confirmed wolf territories in
the Lusatian wolf area in 2012/2013 (Germany only).
Tab. 2: Nachgewiesene Wolfsterritorien (Rudel/Paare) in der Lausitz im Monitoringjahr 2012/2013 aufgeteilt
nach Bundesländern (nur Deutschland). Confirmed w
olf territories in Lusatia in the monitoring year 2012-/2013
divided by Laender (Germany only).
Soziale Organisation
SN
BB
Lausitz (inkl. Lieberose)
gesamt
Wolfsrudel
8.5*
3.5*
12**
Wolfspaar
1
1
2
Residenter Einzelwolf
0
0
0
* ein Wolfsrudel grenzübergreifend ** im Milkeler Rudel (SN) gab es eine doppelte Reproduktion, es wird hier
als zwei Rudel gezählt, erscheint aber nur einmal auf der Karte
In diesem Bericht gehen wir in den folgenden Abschnitten detailliert auf diejenigen Lausitzer
Wolfsterritorien ein, für deren Monitoring wir zuständig sind bzw. aus denen uns die
Monitoringdaten vorliegen. Am Beispiel der sächsischen Daten zeigen wir, wie die Ermittlung des
Vorkommensgebietes und der Populationsgröße (Anzahl Rudel + Paare) in den einzelnen
Bundesländern von statten geht (Abb. 5 bis 8). Die nationale Zusammenführung der Daten erfolgt auf
einem jährlichen Treffen, der von den Ländern mit dem Monitoring beauftragten Personen unter
dem Dach des BfN.

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10
Abb. 5: Verteilung der C1 (n = 494) und C2 (n = 93) Daten in Sachsen im Monitoringjahr 2012/2013
(01.05.2012 bis zum 30.04.2013; ohne Telemetrie). –
Distribution of C1 (n = 494) and C2 (n = 93) data in Saxony
in the monitoring year 2012/2013 (01.05.2012 - 30.04.2013; without telemetry).
Abb. 6: Verteilung der C1 (n = 494) und C2 (n = 93) Daten in Sachsen im Monitoringjahr 2012/2013
(01.05.2012 bis zum 30.04.2013); zuzüglich Telemetrie.
Distribution of C1 (n = 494) and C2 (n = 93) data in
Saxony in the monitoring year 2012/2013 (01.05.2012 - 30.04.2013; plus telemetry).

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11
Abb. 7: Aus den oberen beiden Abbildungen ergibt sich das Vorkommensgebiet von Wölfen in Sachsen
2012/2013. In 29 10x10 km Rasterzellen, die zumindest teilweise in Sachsen liegen, wurde Wolfsanwesenheit
bestätigt. In drei weiteren, mit „?“ gekennzeichneten Rasterzellen, reichten die vorhandenen Wolfshinweise
nicht aus, um die Zellen als besetzt zu zählen. –
From the figures above the area of occurrence of wolves in
Saxony in 2012/2013 emerges. Wolves were confirmed in 29 10x10 km grid cells.
Abb. 8: Das Vorkommensgebiet von Wölfen in Sachsen für das Monitoringjahr 2012/2013. –
The confirmed
area of wolf occurrence in Saxony in the monitoring year 2012/2013.

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12
Abb. 9: Anhand der in Abschnitt 3.3 aufgezählten Kriterien werden aneinander stoßende Territorien
abgegrenzt. So wurde die Anwesenheit des Nieskyer Rudels sowohl nördlich von Niesky als auch südlich der A4
nicht nur über die Telemetrie, sondern auch genetisch nachgewiesen. Über Genetikproben konnte das
polnische Ruszow-Rudel auch auf sächsischer Seite bestätigt werden. –
According to the criteria described in
chapter 3.3 neighbouring territories are separated. The polish Ruszow pack was genetically confirmed on the
German side.
4.2.1
Reproduktion in der Lausitz 2012
Im Monitoringjahr 2012/2013 konnte in 10 Lausitzer Wolfsfamilien Reproduktion bestätigt werden;
im Milkeler Rudel gab es eine doppelte Reproduktion, weshalb dieses Rudel zweimal gezählt wurde.
In Zschorno wurden wie schon im Vorjahr drei Tiere über Fotofallenaufnahmen bestätigt, Hinweise
auf Reproduktion gab es jedoch nicht. In Lieberose konnte keine Reproduktion bestätigt werden. Im
Mai 2012 wurde hier noch ein Jährling nachgewiesen, der jedoch nicht mit den beiden Altwölfen
zusammen lief. Im restlichen Monitoringjahr waren nur die beiden markierenden Tiere präsent.
Lieberose wurde deshalb 2012/2013 als Paar gewertet. Im Seenland wurden trotz intensiver Suche
keine Hinweise auf Welpen gefunden; es erhielt daher den Status „Wolfspaar“. In den anderen
Territorien wurden die Welpen über Fotofallen und / oder Genetik nachgewiesen.
2012/2013 lebten im Nochtener Territorium neben dem jungen Wolfspaar (FT2 „Lisa“ und ihr Rüde),
das zum ersten Mal Welpen aufzog, auch noch die ehemaligen Territoriumsinhaber (Eltern von Lisa)
mit einem Jährling (siehe 4.2.3 / Nochten). Somit wurden hier vier Altwölfe nachgewiesen.

13
Tab. 3: In den Lausitzer Wolfsterritorien 2012/ 2013 bestätigte Wölfe. Die Anzahl der Jährlinge und der Welpen
sind Mindestzahlen; in der Regel erhoben im Sommer. Totfunde beziehen sich auf das gesamte Monitoringjahr.
Wolves confirmed in the Lusatian wolf territories 2012/2013. The number of pups and yearlings are minimum
numbers, mainly elevated during summer. The number of wolves found dead refers to the whole monitoring
year.
Wolfsfamilie
Altwölfe
Jährlinge
Welpen
Totfunde
Gesamt*
Dauban (SN)
2
1
6
9
Daubitz (SN)
2
-
1
3
Hohwald (SN)
2
-
1
1
2
Königsbrück (SN)
2
0 - 1
3 - 4
6
Milkel (SN)
2
1
4
7
Milkel 2 (SN)
2
0
4
3**
3
Nochten (SN)
4
1
4
1
8
Niesky (SN)
2
-
5
2
5
Seese (BB)
2
-
5
1
6
Spremberg (SN)
2
1
5
8
Welzow (BB)
3
5
1
7
Zschorno (BB)
2 - 3
0 - 1
3
Wolfspaar
Lieberose (BB)
2
2
Seenland (SN)
2
2
Summe
31 - 32
4 - 6
43 - 44
9**
71
* Totfunde abgezogen
** davon einer außerhalb der Lausitz

14
4.2.2
Totfunde in der Lausitz 2012/2013
Vom 01. Mai 2012 bis 30. April 2013 wurden im Untersuchungsgebiet sieben Wölfe tot bzw. schwer
verletzt gefunden (letztere wurden eingeschläfert; sieben Welpen und ein Altwolf. Die meisten Tiere
kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben.
Tab. 4: Tot gefundene Wölfe in der Lausitz im Zeitraum 01.05.2012 – 30.04.2013.
– Wolves found dead in the
Lusatia region ( 1st May 2012 – 30th April 2013)
Datum
Ort
Land
Alter
Geschlecht
Herkunft
Todesursache
28.07.2012
bei Spremberg
BB
Welpe
w
WE
Verkehrsunfall
24.11.2012
Nähe Hohwaldklinik
SN
Welpe
w
HW
Verkehrsunfall
29.11.2012
bei Spremberg
BB
Welpe
w
MI2
Verkehrsunfall
/
eingeschläfert
22.12.2012
B115
SN
Welpe
w
NY
Verkehrsunfall
16.01.2013
B115
SN
Welpe
w
NY
Verkehrsunfall
29.01.2013
A13
BB
Welpe
m
MI2
Verkehrsunfall
05.02.2013
bei Mallenchen
BB
Welpe
w
SE
natürlich
19.03.2013
Mücka
SN
adult
w
MH
Verkehrsunfall
4.2.3
Wolfsfamilien
Muskauer Heide (MH), Sachsen (2000
2005)
Das Muskauer Heide-Rudel war die erste Wolfsfamilie in Deutschland, die sich nach der Ausrottung
der Art wieder etablieren konnte. Das Rudel existierte von 2000 bis mindestens 2004. Die Fähe dieses
Rudels (GW23f) wurde von 2002 bis Anfang 2005 in der Muskauer Heide genetisch nachgewiesen.
2005 und 2006 konnten im Ostteil des Muskauer Heide Territoriums keine Welpen nachgewiesen
werden, im Westteil hatte sich das Nochtener Rudel gegründet. Ab 2007 wurde dann wieder
vermehrte Wolfsaktivität und auch Welpen im ehemaligen Kerngebiet des Muskauer Heide Rudels
bestätigt; das Daubitzer Rudel hatte sich hier etabliert. 2009 bis 2010 übernahm die alte GW23f die
Paarungsposition im Daubitzer Rudel. In der Zwischenzeit (2005 bis 2008) hat sie zusammen mit
ihrem 2003 in der Muskauer Heide nachgewiesenen Rüden weiter reproduziert – wahrscheinlich auf
der polnischen Seite der Neiße. Mehrere Nachkommen konnten genetisch dieser Verpaarung
zugeordnet werden. Ob GW23f tatsächlich die erste Muskauer Fähe war oder bereits eine Tochter
aus der ersten Verpaarung ist nicht bekannt, da es aus den Jahren vor 2002 keine Genetikproben
gibt. Sicher ist, dass der 2003 genetisch nachgewiesene Rüde nicht der erste Muskauer Rüde war; die
beiden Wölfinnen FT1 und FT3 stammen nicht von ihm ab. FT1 („Sunny“) und FT3 („Einauge“) sind
entweder Töchter oder Schwestern von GW23f. Die beiden Fähen wurden im Muskauer Heide Rudel
geboren und hier zuerst genetisch nachgewiesen und gründeten später das Neustädter bzw.
Nochtener Wolfsrudel.
Neustadt (N), Sachsen (2002
2009)
Die Neustädter Wolfsfamilie existierte von 2005 bis Anfang 2009. Die Neustädter Fähe (FT1, „Sunny“)
wurde im Jahr 2000 oder 2001 im Muskauer Heide Rudel geboren und ist eine Schwester der
Nochtener Fähe (FT3, „Einauge“). Sie etablierte 2002 bei Neustadt/Spree, westlich des Muskauer
Heide-Rudels, ein eigenes Territorium. Im Herbst 2004 wanderte ein Rüde aus Westpolen zu und

15
gründete mit ihr das zweite Wolfsrudel in Deutschland. Vier Jahre lang zog dieses Wolfspaar jährlich
Welpen auf.
Im Winter 2008/2009 begann das Milkeler Rudel vermehrt das Territorium des Neustädter Rudels zu
nutzen. Dies geht aus den Untersuchungen der in diesem Bereich gesammelten Genetikproben
hervor. FT1 war zur Ranzzeit 2009 noch in ihrem Territorium und wurde auch von einem Rüden
begleitet. Die Welpen brachte sie allerdings bereits in ihrem neuen Territorium (Seenland, s.u.) zur
Welt. Der Rüde, der sie im Neustädter Territorium zur Ranzzeit 2009 begleitete, war schon der
Seenlandrüde. Das Schicksal des alten Neustädter Rüden ist unbekannt. Das Verschwinden des
Neustädter Rüden mag ein Grund gewesen sein, warum die Fähe ihr Territorium nicht halten konnte.
Ihr Verhalten im Februar / März 2009 ließ darauf schließen, dass sie zu dem neuen Rüden noch keine
enge Bindung aufgebaut hatte. Schließlich etablierte sie jedoch zusammen mit ihm im Lausitzer
Seenland ein neues Territorium und überließ ihrer Tochter, der Fähe des Milkeler Rudels, ihr altes
Revier.
Nochten (NO), Sachsen
Das Nochtener Rudel existiert seit 2005. FT3 („Einauge“), ebenfalls eine Tochter aus dem Muskauer
Heide-Rudel und Schwester von FT1, etablierte im Westteil des ehemaligen Muskauer Heide
Territoriums ihr eigenes Revier zusammen mit einem Rüden, der ebenfalls aus der Muskauer Heide
stammt. Dieser Rüde ist entweder ihr Halbbruder oder ihr Neffe. Von 2005 bis 2011 zogen die beiden
zusammen siebenmal Welpen auf.
Im Dezember 2011 wurde ein Welpe des Rudels bei einem Verkehrsunfall verletzt. Das Tier wurde
eingefangen, veterinärmedizinisch behandelt und nach fünf Wochen Quarantäne im Naturschutz-
Tierpark Görlitz e.V.. Anfang Januar 2012 mit einem Senderhalsband versehen, im Territorium seiner
Eltern wieder in die Freiheit entlassen. Es erhielt die Bezeichnung MT5 („Timo“).
Anfang 2012 wurden im Nochtener Territorium neben dem alten Elternpaar und ihren 2011er
Welpen auch noch ihre 2009 geborene Tochter FT2 („Lisa“) nachgewiesen. FT2 war mit einem jungen
Rüden zusammen, der aus dem Krepnica Rudel in Westpolen zugewandert war. Die beiden
markierten zunächst vor allem im Westteil des Nochtener Territoriums, wurden dann aber auch im
Zentrum immer präsenter, wie Fotofallenaufnahmen belegen. „Lisa“ und der junge Rüde zogen 2012
ihren ersten Wurf Welpen auf. Ab Juni 2012 war das alte Paar kaum noch in seinem ehemaligen
Kerngebiet anzutreffen. Nach intensiver Suche wurden sie schließlich ganz im Osten und im Süden
des Nochtener Territoriums gefunden. Welpen zogen die alten Wölfe 2012 nicht auf. Sie wurden
aber bis in den Herbst 2012 hinein von MT5 begleitet.
Das Gebiet im Osten des Nochtener Territoriums war zuvor eine Art Niemandsland zwischen dem
Nochtener und dem Daubitzer Territorium gewesen, von den Wölfen wenig genutzt. Eine Weile
schienen die alten Wölfe hier ihr Rückzugsgebiet gefunden zu haben. Dann machten auch die
Daubitzer Wölfe ihren Gebietsanspruch geltend, wie Fotofallenaufnahmen belegen. Schließlich, im
Spätherbst 2012 tauchten auch „Lisa“ und ihr junges Rudel hier auf. Zeitweise markierten drei
verschiedene Wolfspaare in diesem Grenzgebiet, die alten Nochtener, die Daubitzer und die jungen
Nochtener.
MT5 wanderte im Herbst ab und etablierte im Südteil des Daubaner Territoriums sein eigenes Revier.
Die beiden alten Nochtener blieben allein und zogen sich schließlich in den Süden (Krebaer Heide)
ihres Territoriums zurück. Das junge Nochtener Wolfspaar und die Daubitzer lieferten sich noch bis in

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16
den März 2013 einen Markierwettstreit in diesem Gebiet, den die Daubitzer schließlich für sich
entschieden.
Abb. 10: Drei Wolfspaare beanspruchen das Gebiet für sich. Oben: das alte Nochtener Paar (oben links) wird
noch von einem Jährling (MT5, oben rechts) begleitet (im Hintergrund FT3). Mitte: das junge Nochtener Paar
(FT2 und Rüde) tauchen im Herbst 2012 hier auf und markieren ebenfalls. Unten: das Daubitzer Wolfspaar
erhebt ebenfalls Anspruch auf das Gebiet und bekommt es schließlich auch. Außer oben links stammen alle
Fotofallenaufnahmen vom selben Standort. Der Standort oben links ist nur wenige hundert Meter davon
entfernt. – I
n autumn/winter 2012/2013 three wolf pairs were marking the same spot. The old Nochten pair FT3
& male (top left) was still accompanied by a yearling (MT5, top right; in the background his old mother FT3).
Middle: in autumn 2012 the young Nochten pair (FT2, daughter of the old pair and her male) show up and
mark. Bottom: The Daubitz pair also claims this very area and finally wins the battle. All camera trap pictures
except top left are from the same site. The top left position is just a few hundred meters away. Photo: LUPUS.

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17
Lisa und ihr Rüde zogen 2012 vier Welpen auf. Im November zeigten zwei der Welpen erste
Räudesymptome. Um den Jahreswechsel waren die Welpen fast haarlos. Ende Dezember wiesen
auch die anderen beiden Welpen Symptome von Räude auf. Schließlich war es anhand der
Fotofallenaufnahmen schwierig zu erkennen, wer beim Ausheilen und wer beim Entwickeln der
Symptome war. Beide Elterntiere blieben symptomlos. Im April konnten noch alle vier Nochtener
Welpen nachgewiesen werden.
Abb. 11: links: Das letzte Fotofallenbild von FT3 („Einauge“). Rechts: Am 19. März 2013 wurde die Wölfin tot bei
Mücka gefunden. – Left:
The last camera trap picture of FT3 („Einauge“). Right: On March 19th 2013 the female
was found dead at the edge of the village Mücka. Photo: left: SBS / A. Klingenberger, right: LUPUS.
Das alte Nochtener Wolfspaar wurde im Februar / März wiederholt auf Fotofallenaufnahmen in der
Krebaer Heide, im Süden ihres Territoriums nachgewiesen. Allerdings tauchte hier zu dieser Zeit auch
das Nieskyer Rudel auf. Am Morgen des 19.März wurde „Einauge“ tot am Ortsrand von Mücka
gefunden. Der Schnee um die tote Wölfin war blutgetränkt. Sie wies massive Bissverletzungen auf.
Offensichtlich waren die alten Wölfe in Revierkämpfe verwickelt worden. Ob sie mit den Daubaner
oder den Nieskyer Wölfen in Streit geraten waren, lies sich nicht klären. Die Obduktion der Wölfin am
Leibnitz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin ergab, dass die Bissverletzungen
bereits ein- bis zwei Tage alt waren. Zusätzlich war die Wölfin offensichtlich angefahren worden und
schließlich ihren Verletzungen erlegen. Jedoch hätte sie auch die im Kampf davon getragenen
Verletzungen mit Sicherheit nicht überlebt. Die Untersuchung ergab ferner, dass die Wölfin
mindestens zweimal in ihrem langen Leben beschossen worden war, dies jedoch überlebt hatte. Aus
2003 gibt es eine detaillierte Sichtbeobachtung von einem Wolf mit einem blutverkrusteten rechten
Auge. 2005 ist die Wölfin das erste Mal gefilmt worden, humpelnd, das rechte Auge fehlend.
Trotzdem zog die Wölfin sieben Würfe Welpen auf. Fünf ihrer direkten Nachkommen gründeten
eigene Rudel in Deutschland, darunter auch das Rudel in Munster / Niedersachsen. Einer ihrer Söhne
(MT3 „Alan“) wanderte bis nach Weißrussland. „Einauge“ wurde 12 oder 13 Jahre alt. Über das
Schicksal des alten Nochtener Rüden ist nichts bekannt.
Daubitz (DZ), Sachsen
Das Daubitzer Rudel existiert seit mindestens 2006. Im Jahr 2007 wurden in dieser Wolfsfamilie das
erste Mal Welpen bestätigt. Da sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Jährlinge in diesem Rudel
befanden, muss es bereits 2006 Nachwuchs gegeben haben. 2009 übernahm die alte Fähe GW23f die
Paarungsposition, die bereits im Muskauer Heide Rudel (siehe dort) Welpen aufgezogen hatte. Nach
ihrem Verschwinden im Winter 2010/2011 wechselte der alte Daubitzer Rüde in das Milkeler Rudel

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18
(siehe Statutsbericht 2011/2012). Im Monitoringjahr 2012/2013 konnten zwei markierende Wölfe in
Daubitz nachgewiesen werden. Der Rüde stammt aus Polen und hat einen bisher in Deutschland nur
selten nachgewiesenen Haplotyp (HW02). Die Fähe stammt möglicher Weise aus dem Daubitzer
Rudel. Zumindest wurde sie hier bereits 2010 gefilmt. Da alle im Monitoringjahr 2012/2013
gesammelten Genetikproben (9) aus dem Daubitzer Bereich vom Rüden stammten, ist die Identität
der Fähe aber noch nicht abschließend geklärt. Im Sommer 2012 wurde wiederholt ein Welpe auf
Fotofallenaufnahmen nachgewiesen. Ab September 2012 konnte nur noch das Elternpaar bestätigt
werden; offensichtlich hatte der Welpe nicht überlebt. Auf Grund der nachgewiesenen Reproduktion
wird Daubitz im Monitoringjahr 2012/2013 als Rudel gezählt.
Abb. 12: Links: Daubitzer Fähe mit Gesäuge. Rechts: Daubitzer Welpe.
Left: The Daubitz female with teats.
Right: Pup of the Daubitz pack. Photo: LUPUS.
Milkel (MI), Sachsen
Das Milkeler Rudel wurde 2008 das erste Mal bestätigt. Die Milkeler Fähe stammt aus dem
Neustädter Rudel, der erste Rüde (MT4, „Rolf“) aus dem Nochtener. MT4 wurde im Januar 2011 bei
einem Verkehrsunfall auf der B169 tödlich verletzt. Seine Position im Rudel wurde von dem alten
Daubitzer
Rüden
übernommen.
Dieser
wurde
im
Februar
2012
in
sehr
schlechtem
Gesundheitszustand gefunden und nach tierärztlicher Untersuchung mit behördlicher Genehmigung
eingeschläfert (siehe Statusbericht 2011/2012). Die Paarungsposition wurde von einem neuen Rüden
übernommen, dessen genetische Herkunft noch nicht geklärt ist. Im Sommer 2012 wurden vier
Welpen bestätigt. Außerdem war die Jährlingsfähe FT7 („Marie“) noch im Rudel.

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19
Abb. 13: Das Milkeler Rudel während der Ranzzeit 2013. Links die Milkeler Fähe, rechts der Rest des Rudels, mit
„Marie“ an der Spitze.
The Milkel pack during breeding season 2013. The old female left, the rest of the pack
with “Marie” in front on the right picture. Photo: SBS / A. Klingenberger.
„Marie“ war im Mai 2012 im Rahmen des Wanderwolfprojektes besendert worden. Ihr Verhalten
konnte daher detailliert untersucht werden. Auch zur Paarungszeit Ende Februar /Anfang März 2013
lief „Marie“ noch im Milkeler Rudel mit. Da der Rüde ihr Stiefvater ist, ist nicht ausgeschlossen, dass
sie sich mit ihm paarte.
Anfang Oktober 2012 wurde ein Welpe im Grenzgebiet zwischen dem Milkeler, dem Seenland und
dem Spremberger Territorium angefahren. Am Unfallwagen wurden Haare sichergestellt, der Welpe
schien den Unfall ohne größere Verletzungen überstanden zu haben. Im November wurde ein Welpe
im Welzower Territorium überfahren und im Januar einer auf der A13, im Gebiet des Seese-Rudels.
Alle drei Welpen konnten genetisch keinem der bekannten Rudel zugeordnet werden; alle drei waren
aber innerhalb bekannter Territorien an- oder überfahren worden. Nach intensiver Analyse der
Genetikproben wurde schließlich ein passendes Elternpaar gefunden. Die Mutter war eine 2009 im
Milkeler Rudel geborene Fähe, der Vater der ehemalige Seenland-Rüde. Beide Elterntiere waren im
Monitoringjahr innerhalb des Milkeler Territoriums gesampelt worden, die junge Fähe sogar
zusammen mit ihrer Mutter, der Milkeler Fähe. Offensichtlich sind 2012 im Milkeler Territorium zwei
Würfe Welpen aufgezogen worden. Studien aus Nordamerika zeigen, dass dies gar nicht so selten
vorkommt, vorausgesetzt es ist genügend Nahrung vorhanden. Übernimmt ein neuer Rüde die
Paarungsposition, kann dieser sich sowohl mit der Mutter als auch mit einer erwachsenen Tochter
paaren. Die meisten Jungwölfe sind bereits abgewandert, wenn sie geschlechtsreif werden, einige
bleiben aber auch noch länger in ihrem Geburtsrudel, so dass solche Situationen entstehen können.
Es kann auch vorkommen, dass eine junge Fähe auf der Suche nach einem eigenen Territorium in der
Nähe ihres Elternrudels zwar kein vakantes Territorium findet, aber einen ebenfalls suchenden
Wolfsrüden. Zur Welpenaufzucht kehrt die Fähe dann ins elterliche Territorium zurück. Dies ist
möglicher Weise im Milkeler Rudel geschehen. Die junge Fähe mit ihren Welpen werden die alten
Territoriumsinhaber geduldet haben, den fremden Rüden wahrscheinlich weniger. Möglicher Weise
gab es im Herbst zunehmenden sozialen Stress und die Welpen der jungen Fähe waren gezwungen
bereits in einem sehr jungen Alter abzuwandern. Ein Anfang April 2013 bei Hamburg überfahrener
Wolf stammte ebenfalls aus dieser Verpaarung. Er war im Alter von 11 Monaten bereits über 350 km
abgewandert.

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20
Abb. 14: Räumliche Verteilung der genetischen Nachweise der Milkel 2 Tiere sowie der umliegenden
Territorien. GW050f und GW014m sind die Elterntiere; GW135f, GW151m, GW162f sind Welpen. Ein weiterer
Welpe wurde am 01.04.2013 bei Hamburg überfahren.
Spatial distribution of genetic proofs of wolves asigned
to Milkel 2 (a double reproduction in the Milkel Pack) as well as distribution of the neighboring territories.
GW050f and GW014m are the breeders; GW135f, GW151m, GW162f are pups. Another pup was killed in a car
accident on 1
st
April 2013 near Hamburg. Graphic: LUPUS.
Dauban (DN), Sachsen
Die Daubaner Wolfsfamilie wurde ebenfalls 2008 das erste Mal nachgewiesen. Auch die erste
Daubaner Fähe stammte aus dem Neustädter Rudel, der Rüde aus dem Nochtener. Anfang 2012
wurde die Daubaner Fähe überfahren. Danach etablierte sich eine Tochter aus diesem Rudel als neue
Fähe. Das Schicksal ihres Vaters ist unbekannt. Die junge Fähe zog 2012 zusammen mit einem
wahrscheinlich aus Westpolen zugewanderten Rüden das erste Mal Welpen auf. Im Sommer wurden
neben den beiden Eltern, sechs Welpen und noch mindestens ein Jährling, also ein jüngeres
Geschwister der Fähe nachgewiesen. Das Daubaner Rudel bestand demnach im Sommer 2012 aus
mindestens neun Tieren.
Im Herbst / Winter 2012/2013 wanderte MT5 aus dem Nochtener Territorium in den Süden des
Daubaner Gebietes ab. Anfänglich war er einige Male auch mehrfach direkt im Daubaner Wald, dem
Kerngebiet des Daubaner Rudels, anzutreffen. Möglicher Weise suchte er hier nach einer Partnerin.
Ein Daubaner Welpe aus dem Jahr 2010, der am 22.12.2011 einen Verkehrsunfall im Grenzbereich
des Daubaner und des Milkeler Territoriums hatte, den er aber überlebte, wurde ab dem 12.02.2013
mehrfach im Gebiet des Milkeler Territoriums nachgewiesen. GW077m hinterlässt auffällige Spuren,
da er von eine Vorderpfote nur unvollständig aufsetzt. Zuletzt wurde er im April 2013 im Milkeler
Territorium nachgewiesen.

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21
Abb. 15: Fünf der sechs Welpen des Daubaner Rudels, Dezember 2012.
Five of six pups belonging to the
Dauban pack. Fotos: A. Klingenberger / BROHT / SMUL.
Spremberg (SP), Sachsen / Brandenburg
Das Spremberger Wolfspaar zog 2011 das erste Mal Welpen auf. Der Rüde MT2 („Karl“) stammt aus
dem Nochtener Rudel, die Fähe aus dem Milkeler Rudel. 2012 wurden 5 Welpen und ein Jährling
bestätigt; das Spremberger Rudel bestand somit im Sommer 2012 aus mindestens acht Tieren.
Abb. 16: Welpen des Spremberger Rudels spielen am Fuß von Energiemasten.
Pups of the Spremberg pack
playing below the poles of power lines. Photo: LUPUS).

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22
Königsbrücker Heide (KH), Sachsen
Das Königsbrücker Heide Paar zog 2011 das erste Mal Welpen auf. Die Fähe stammt aus dem
Seenlandrudel, der Rüde stammt nicht aus einem der bisher bekannten Rudel. 2012 zog das Paar
mindestens drei Welpen auf. Auf einer Fotofallenaufnahme aus dem Februar sind sechs Tiere zu
sehen, wobei nicht sicher ist, wie viele davon Welpen sind. 2012/2013 lebten somit mindestens sechs
Wölfe im Königsbrücker Heide Rudel.
Abb. 17: Im Februar 2013 bestand das Königsbrücker Heide Rudel aus mindestens sechs Wölfen. Im
Vordergrund ein Welpe. The Könisgsbrück pack consisted of at least six wolves in February 2013. The animal in
front is a pup. Photo: SMUL / NSG Königsbrück / D. Synatzschke.
Niesky (NY), Sachsen
Das Nieskyer Rudel ist seit 2011 bekannt. Die Fähe stammt aus dem Daubitzer Rudel, der Rüde ist aus
Polen zugewandert. Nachdem im Dezember 2012 und im Januar 2013 zwei Welpen auf der B115
überfahren worden waren, wurden im Februar neben den beiden Elterntieren noch drei Welpen auf
Fotofallenaufnahmen bestätigt. Das Rudel bestand somit im Sommer aus mindestens sieben, im
Winter noch aus fünf Tieren. Fotofallenaufnahmen belegen, dass die Nieskyer Wölfe im Februar 2013
begannen Streifzüge in den Süd-Ostteil des Nochtener Territoriums (Krebaer Heide) zu unternehmen,
des Rückzugsgebietes des alten Nochtener Wolfspaares (siehe Nochten).

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23
Abb. 18: Rüde des Nieskyer Rudels im Mai (links) und vier Welpen Ende September 2012 (rechts). Male of the
Niesky pack in May (left) and four pups of the pack end of September 2012 (right). Photo: LUPUS.
Hohwald (HW), Sachsen / Tschechische Republik
Im Sommer 2012 wurden im Gebiet um den Hohwald mehrere, meist ungeschützte Schafe gerissen.
Das Rissbild ließ einen Wolf als Verursacher wahrscheinlich erscheinen. Im Oktober wurde auf einer
Fotofalle im Hohwald ein Wolf fotografiert. Anfang November meldete ein Schäfer an das
Wolfsmanagement, dass er einen Wolf innerhalb der Schafkoppel hätte. Schafe seien diesmal nicht
zu Schaden gekommen, da die Herde sich in der benachbarten Koppel befand. Er wurde gebeten, das
Tier zu fotografieren, bevor er den Elektro-Zaun in Richtung Waldseite öffnet, um das Tier hinaus zu
lassen. Offensichtlich fand das Tier selbstständig nicht wieder aus der Koppel heraus. Die Bilder des
Schäfers zeigten einen Wolfswelpen hinter dem Schafnetz; damit war die Existenz des Hohwald-
Rudels nachgewiesen. Die Fähe stammt aus dem Seenland-Rudel, von dem Rüden gibt es bisher
keine genetischen Nachweise. Ende November 2012 wurde im Hohwald ein Welpe überfahren; ob es
2012 weitere Welpen gab, ist unbekannt.
Welzow (WE), Brandenburg
Die Welzower Wolfsfamilie etablierte sich 2009 westlich von Spremberg. Die erste Fähe stammte aus
dem Neustädter Rudel, der Rüde wurde 2007 / 2008 in Daubitz nachgewiesen, stammt aber nicht aus
dem Daubitzer Rudel. Nachdem der Rüde 2010 überfahren worden war, verschwand 2011 auch die
Fähe und es fand ein kompletter Wechsel der Territoriumsinhaber statt. 2012 zogen eine Tochter aus
dem Welzower Rudel zusammen mit einem aus dem Seenland stammenden Rüden fünf Welpen auf.
Die Fähe ist einer der beiden bereits 2011 in diesem Territorium nachgewiesenen „Dreibeiner“; sie
setzt das rechte Hinterbein nicht auf. Auch der zweite auf drei Beinen laufende Wolf, ein 2010 im
Welzower Rudel geborener Rüde, der seit Februar 2011 sein linkes Hinterbein nicht aufsetzt, konnte
2012 noch nachgewiesen werden, mehrfach zusammen mit den Welpen. Die beiden „Dreibeiner“
sind Geschwister. Das Welzower Rudel bestand Anfang Sommer 2012 somit aus acht Tieren;
allerdings wurde bereits im Juli ein Welpe überfahren. Der dreibeinige Rüde wurde im August das
letzte Mal nachgewiesen.
Ab dem Spätsommer zeigten die beiden Elterntiere sowie zwei der Welpen Anzeichen von Räude. Die
beiden anderen Welpen blieben dagegen frei von RäudeSymptomen. Gegen Ende des Wolfsjahres
zeigen Fotofallenaufnahmen, dass die Symptome bei beiden betroffenen Welpen und dem Rüden
deutlich abgeklungen waren. Von der Fähe gab es den letzten Nachweis aus dem Januar 2013.

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24
Das Welzower Rudel nutzte auch 2012/2013 sowohl das Gebiet westlich von Spremberg als auch die
Flächen bei Altdöbern.
Abb. 19: Rüde und Fähe des Welzower Rudels im Juni 2012. Die Fähe (hinten) setzt das rechte Hinterbein nicht
auf.
Breeding pair of the Welzow pack in June 2012. The female (in the back) is not using her right hind leg.
Photo: LUPUS / IFAW.
Zschorno (Z), Brandenburg
Seit 2006 gibt es im Gebiet der Zschornoer Heide Wolfspräsenz, seit 2007 ein Wolfspaar. Die beiden
Tiere sind Vollgeschwister und stammen aus dem Neustädter Rudel. Reproduktion wurde bisher in
diesem Territorium nicht nachgewiesen. Trotzdem wurden auch im Monitoringjahr 2012/2013 wie
schon im Vorjahr drei Wölfe zusammen über Fotofallenaufnahmen bestätigt. Die Identität des dritten
Wolfes ist unbekannt. Genetisch belegt ist, dass in den Vorjahren sowohl der Nieskyer Rüde als auch
der junge Nochtener Rüde, die beide aus Polen zuwanderten, sich eine Weile im Zschornoer
Territorium aufhielten, bevor sie eigene Rudel gründeten.

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25
Abb. 20: Drei Wölfe im Gebiet der Zschornoer Heide im Dezember 2012.
In December 2012 three wolves are
pictured on a camera trap in the Zschorno territory. Photo: LUPUS / WWF.
Seese (SE), Brandenburg
Im Seeser Territorium konnte 2012/2013 das erste Mal Reproduktion nachgewiesen werden. Die
Fähe stammt aus dem Neustädter Rudel, der Rüde aus Welzow. Da die erste Welzower Fähe
ebenfalls
aus
Neustadt
stammte,
stehen
die
beiden
Seeser
Elternwölfe
in
einem
verwandtschaftlichen Verhältnis wie Tante und Neffe. 2012 zogen die beiden zusammen fünf Welpen
auf. Im Februar 2013 wurde einer der Welpen tot aufgefunden. Bei ihm wurde Staupe nachgewiesen
(IZW Berlin).
4.2.4
Wolfspaare
Lieberose (LB), Brandenburg
Das Lieberoser Territorium ist seit 2009/2010 bestätigt, 2011 wurden hier zum ersten Mal Welpen
nachgewiesen. Die Fähe stammte aus der Muskauer Heide Verpaarung von GW23f und GW64m, der
Rüde war wahrscheinlich aus Polen zugewandert. 2012 konnte in der Lieberoser Heide keine
Reproduktion bestätigt werden, obwohl durchgehend zwei markierende Wölfe nachgewiesen
wurden. Im Mai 2012 wurde außerdem mehrfach eine junge Fähe, wahrscheinlich ein Jährling aus
dem 2011er Wurf über Fotofallen bestätigt, jedoch nicht zusammen mit dem Paar. Den Rest des
Monitoringjahres wurde nur noch das Wolfspaar nachgewiesen. Daher wurden die Lieberoser Wölfe
2012/2013 als Wolfspaar eingestuft. Ob es einen Wechsel der markierenden Tiere gegeben hat, ist
noch nicht bekannt.
Seenland (SL), Sachsen
Das Seenland-Rudel wurde 2009 nordwestlich von Hoyerswerda im Gebiet des Lausitzer Seenlandes
durch die vormals Neustädter Fähe (FT1, „Sunny“) und einem aus dem Daubitzer Rudel stammenden
Rüden gegründet. Bis 2011 zogen die beiden zusammen Welpen auf. Im Herbst 2011 verschwand
FT1. Im Frühjahr 2012 gab es im SL-Territorium deutlich weniger Wolfspräsenz als in den Jahren

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26
zuvor. Allerdings hielt sich FT4 („Mona“), eine 2009 geborene Tochter aus diesem Rudel, noch immer
hier auf. Sie konnte im Sommer 2012 mehrfach zusammen mit einem aus Nochten stammenden
Rüden bestätigt werden. Trotz intensiver Suche wurden im Monitoringjahr 2012/2013 jedoch keine
Hinweise auf Reproduktion gefunden. Aus dem Seenlandrudel war 2012 ein Paar geworden.
Abb. 21: FT4 („Mona“) und Rüde zogen 2012 im Seenlandterritorium keine Welpen auf. FT4 („Mona“) and her
male did not reproduce successfully in 2012. Photo: LUPUS.

27
Literatur
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nr. 6 – 2009.

1
Anhang 1
Sozialer Status, Reproduktion und Nachweismethoden in den Lausitzer Wolfsrevieren.
Sozialer Status
Territorium
Land
Reproduktion
2012
Anz.
Individuen
Tote
Wölfe
Methoden
Anz. Genetikproben
markierende Tiere genetisch
bekannt
gesamt (Min)
Welpen (Min)
Reproduktion
Status
Abgrenzung
Spuren
Foto / Video
DNA
Telemetrie
Spuren
Foto / Video
DNA
Telemetrie
Reproduktion
Foto / Video
DNA
Telemetrie
Rudel
Nochten
SN
ja
9
4
1
x
x
x
x
x
x
x
14
F, M
Rudel
Daubitz
SN
ja
3
1
1?
x
x
x
x
15
M
Rudel
Milkel*
SN
ja
ja
7
6
4
4
-
3
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
40
F
F, M
Rudel
Dauban
SN
ja
9
6
-
x
x
x
x
x
x
x
13
F
Rudel
Spremberg
SN / BB
ja
8
5
-
x
x
x
x
x
x
20
F, M
Rudel
Königsbrück
SN
ja
6
3
-
x
x
x
3
F, M
Rudel
Niesky
SN
ja
7
4
2
x
x
x
x
x
x
x
41
F, M
Rudel
Hohwald
SN
ja
3
1
1
x
x
x
10
F
Rudel
Welzow
BB
ja
8
5
1
x
x
x
x
x
x
x
18
F, M
Rudel
Zschorno
BB
nein
3
0
-
x
x
16
F, M
Rudel
Seese
BB
ja
7
5
1
x
x
x
x
x
16
F, M
Paar
Lieberose
BB
nein
2
0
-
x
7
Paar
Seenland
SN
nein
2
0
-
x
x
x
x
10
F, M
* im Milkeler Territorium gab es 2012 eine doppelte Reproduktion. Da die beiden Elternpaare und die Welpen getrennt voneinander nachgewiesen wurden, werden sie hier
getrennt aufgeführt. Die untere Reihe bezieht sich auf die 2. Reproduktion (Details siehe Text).