Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und Luftschadstoffe (FLK)
für den Flughafen Leipzig/Halle
Bericht der 51. Sitzung am 02.11.2016
Der Flughafen berichtete über die Verkehrsentwicklung, die aktuelle Beschwerdesituation,
die Fluglärmmessungen, die Bahnverteilung, die Nutzung der Triebwerksprobelaufhalle und
den Stand der Umsetzung der Schallschutzmaßnahmen.
Die Flugbewegungen und die Fluggastzahlen sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum Januar
bis September rückläufig. Zuwachs ist bei der Fracht zu verzeichnen.
Von März bis September 2016 gingen beim Flughafen 19.514 über den DFLD generierte
digitale Beschwerden von 60 Beschwerdeführern ein. 81 schriftliche und telefonische Be-
schwerden von 30 Beschwerdeführern waren zu bearbeiten.
An den 10 stationären Fluglärmmessstellen waren keine signifikanten Pegelveränderungen
zu verzeichnen. Die mobilen Messungen in Wiedemar, OT Wiesenena, Halle-Büschdorf und
Leipzig-Lindenthal gaben keinen Anlass für Lärmschutzmaßnahmen. Die FLK legte die
nächsten Einsatzorte der mobilen Messstellen in Lützschena, Podelwitz, Freiroda, Eilenburg
und Böhlitz-Ehrenberg fest. Die Messungen werden in den kommenden Monaten durchge-
führt.
Im Berichtszeitraum wurde die Nordbahn am Tage stärker belegt; in der Nacht war es die
Südbahn. Über den gesamten Zeitraum wurde die Südbahn stärker genutzt.
Seit Jahresbeginn fanden von 207 Triebwerksprobeläufen 42 außerhalb der Halle statt. Es
wurde kein nächtlicher Probelauf außerhalb der Halle durchgeführt.
Dank der Maßnahmen zur beschleunigten Realisierung des baulichen Schallschutzes sind
die Maßnahmen bei 98 % der Wohneinheiten abgeschlossen oder befinden sich in der Um-
setzung. Die schallschutztechnische Dimensionierung der verbleibenden 2 % wird voraus-
sichtlich im ersten Quartal 2017 erfolgen. Der Großteil der noch notwendigen baulichen
Maßnahmen kann somit voraussichtlich im Jahr 2017 realisiert werden. Kritik der Bürgeriniti-
ative (BI) Gegenlärm Schkeuditz an der Auftragsvergabe- und Abnahmepraxis und die For-
derung nach Verfahrensänderung wies der Flughafen zurück. Er erläuterte das Verfahren
der Antragsbearbeitung und dessen Umsetzung nochmals detailliert. Er räumte vereinzelte
Mängel beim Einbau der Fenster ein, die unverzüglich fachgerecht beseitigt wurden. Die FLK
sah keinen Änderungsbedarf am Verfahren und empfahl, die im Einzelfall noch offenen
Streitpositionen zwischen den Parteien bilateral, ggf. unter Einbeziehung der BI, zu klären.
Die Genehmigungsbehörde informierte zum aktuellen Stand des Änderungsgenehmigungs-
verfahrens zu Triebwerksprobeläufen. Sie hat die Stellungnahme des Flughafens zu den
Einwendungen bewertet und sieht weiteren Klärungsbedarf. Eine Entscheidung ist somit frü-
hestens 2017 zu erwarten.
Zum Thema Bahnnutzungskonzept hatte eine Arbeitsgruppe einen Beschlussvorschlag erar-
beitet, dem die FLK mehrheitlich folgte. Die Systempartner Flughafen, DFS und DHL als
Hauptnutzer der Südbahn sind aufgefordert, ein Umsetzungskonzept zur Verringerung der
Risiken bei Bahnkreuzungen unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und flugsicherheits-
technischen Aspekte zu erarbeiten. Die FLK ist in den Sitzungen regelmäßig über den Sach-
stand zu informieren.
Die DFS Deutsche Flugsicherung berichtete zum bisherigen Probebetrieb des Point-Merge-
Verfahrens. Das Verfahren hat zu einer deutlichen Reduzierung der Überflüge im Südraum

2
Leipzigs und in Halle geführt. Von einer geänderten Belastung berichteten Bürger Eilen-
burgs. Deshalb ist hier der Einsatz einer mobilen Messstelle vorgesehen. Der Probebetrieb
wird bis zum Frühjahr 2017 fortgesetzt. Die Auswertung wird in der Frühjahrssitzung 2017
erfolgen.
Die FLK befasste sich erneut mit der weiteren Lärmoptimierung der kurzen Nordabkurvung in
Startrichtung Ost. Die DFS legte das Monitoring der aktuellen Nutzung dieses Abflugverfah-
rens anhand einer FANOMOS-Auswertung vor. Dabei wurde festgestellt, dass die vorgege-
benen Flugverfahren sehr genau eingehalten werden. Im Ergebnis der in den letzten Sitzun-
gen geführten Diskussionen sieht die FLK keine Ansätze für weitere Optimierungen.
Die Stadt Leipzig brachte vor einiger Zeit einen Antrag mit zahlreichen Vorschlägen zur
Lärmreduzierung ein. Eine der dabei vorgeschlagenen Maßnahme betraf die zeitversetzte
Bahnnutzung, um Lärmpausen für die Anwohner zu schaffen. Die Kommission hatte seiner-
zeit beschlossen, den am Flughafen Frankfurt durchgeführten Probebetrieb eines solchen
Systems zunächst zu verfolgen. Die Ergebnisse liegen jetzt vor. Der Mitautor der am Flugha-
fen Frankfurt geführten Untersuchung, Herr Dipl. Psych. Dirk Schreckenberg, gab dazu einen
ausführlichen Bericht. Auf dieser Basis wird sich die FLK weiter mit der Thematik befassen.
Herr Schreckenberg stellte zudem die Ergebnisse des Moduls Lebensqualität/Belästigung
der NORAH-Studie, an dem er ebenfalls mitgearbeitet hat, vor.
Den Antrag der Bundesvereinigung gegen Fluglärm zur Änderung und Festlegung von Rest-
riktionen für die sogenannte „kurze östliche Südabkurvung“, die nur am Tage genutzt werden
darf, lehnte die Kommission aus verschiedenen Gründen mehrheitlich ab. Die FLK sieht sich
dem Schutz der Flughafenanwohner vor Fluglärm verpflichtet. Diesen Sachverhalt hat sie im
Fall der „kurzen östliche Südabkurvung“ hinlänglich diskutiert und akzeptable Optimierungen
erwirkt. Neue Sachgründe liegen insofern nicht vor. Einen Beratungsauftrag hinsichtlich na-
turschutzrechtlicher Belange kann die FLK aus § 32b Luftverkehrsgesetz nicht ableiten. Zu-
dem sieht sie sich nicht veranlasst und in der Lage, juristisch aufzuarbeitende Fragen zu
klären.
Auf Nachfragen aus der Kommission zu festgestellten Nutzungen der „kurzen östlichen Süd-
abkurvung“ im Nachtzeitraum berichtete die DFS, dass es sich um einzelne Verstöße han-
delte, welche dem zuständigen Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) zugeleitet wur-
den. Das BAF führt entsprechende Sachverhaltsermittlungen durch und leitet ggf. Ord-
nungswidrigkeitsverfahren ein.
Die nächste reguläre Sitzung findet am 26.04.2017 statt.
Manfred Heumos
Vorsitzender der Fluglärmkommission am Flughafen Leipzig/Halle