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Antibiotikaeinsatz in der Veterinärmedizin
Dr. Daniela Pietsch

Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin ist
derzeit unverzichtbar für
Therapie von mikrobiell bedingten Krankheiten (Tiergesundheit,
Tierschutz)
Verhinderung der Ausbreitung von Krankheiten
(Tierseuchenbekämpfung)
Vermeidung der Übertragung von Zoonoseerregern auf den
Menschen (Tierhalter, aber auch Verbraucher von Lebensmitteln
oder anderen tierischen Produkten)
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Einsatz von Antibiotika
dient in Human- und Veterinärmedizin der
Prävention
und
Therapie
von bakteriellen Erkrankungen
in Veterinärmedizin aber auch sehr bestimmt durch
Tierschutz
und dem Ziel, aus Tieren
gesunde Lebensmittel
zu erzeugen
- keine Übertragung von Zoonosen
- keine Rückstände
- Verhinderung/ Minimierung von Resistenzen
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Tierbestand in Deutschland 2010 in Millionen
Rinder, gesamt
12,8
Schweine, gesamt
26,5
Schafe, gesamt
2,1
Broiler Einstallungen
707,8
Legehennen
29,9
Hunde
5,4
Katzen
8,2
Pferde
1,0
Quelle: Statistisches Bundesamt; Hund, Katze, Pferd Schätzung BfT
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Biologika = Sera, Impfstoffe
Pharmazeutische Spezialitäten = Schmerz- und Entzündungshemmer
Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Geschätzter Antibiotikaeinsatz in Deutschland 2005
(Quelle: Veterinärpanel der Gesellschaft für Konsumforschung- GfK)
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Antibiotika
Menge in Tonnen
Aminoglycoside
beta- Lactame
Chinolone
Lincosamide
Makrolide
Phenicole
Pleuromutiline
Polypeptide
Sulfonamide
Tetrazykline
36,3
199,2
3,7
12,1
52,6
4,8
6,4
21,8
97,5
350,0
Gesamt
784,4

Geschätzter Antibiotikaeinsatz
in verschiedenen EU- Staaten (2003-2005)
(Quelle: BfT)
UK
F
NL
DK
Aminoglycoside
22
79,1
9
8,5
ß-Lactame
63
119,4
45
23,6
Chinolone
1
20,1
7
0,5
Makrolide
59
102,1
24
10,9
Tetrazykline
243
609,4
269
27,5
Sulfonamide
77
240,5
93
8,5
Andere
11
90,4
6
34,5
GESAMT
476
1261
453
114
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Verbrauch antimikrobieller Stoffe in der EU in Tonnen
1997
1999
Diff. 97/99
Therapie
Humanmedizin
7 659 (60%)
8 528 (64,5%)
+ 11,3%
Tiermedizin
3 494 * (27,5%)
3 902 *(29,5%)
+ 11,7 %
Leistungsförderer
1 599 (12,5%)
786 ( 5,9%)
_
50,9%
gesamt
12 752
13 216
+ 3,6 %
* davon 80% bei landwirtschaftlichen Nutztieren
Tiergesundheit weltweit 1996:
27 000 Tonnen
(Quelle: FEDESA 1998/2001)

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Minimierung des Antibiotikaeinsatzes
Einsatz von Antibiotika bei Tieren nur aus therapeutischen Gründen (Leistungsförderer
EU- weit seit 2006 verboten)
Abgabe nur nach ordnungsgemäßer Behandlung (§ 12 Verordnung über Tierärztliche
Hausapotheken = TÄHAV)
Beschränkung der Abgabe von systemisch wirksamen Antibiotika zur Anwendung an
lebensmittelliefernden Tieren (§ 56a Abs. 1 AMG)
Für
alle verschreibungspflichtigen AM
außer systemisch wirkende Antibiotika:
Abgabe maximal für den auf die Abgabe folgenden Bedarf von
bis zu 31 Tagen
(inklusive Lokalantibiotika), Ausnahme: längere Anwendungsdauer nach
Zulassungsbedingung
Abgabe von
systemisch wirkenden Antibiotika
maximal für den auf die Abgabe
folgenden Bedarf von
bis zu 7 Tagen
= sogenannte „7- Tage- Regel“, Ausnahme:
längere Anwendungsdauer nach Zulassungsbedingung
Verringerung der Arzneimittelmenge im Bestand,
Minimierung des Antibiotikaeinsatzes und damit
Resistenzminimierung
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Antibiotika- Leitlinien -1-
- erstmals im Jahr 2000 durch Bundestierärztekammer in Zusammenarbeit mit der
Arbeitsgemeinschaft der Leitenden Veterinärbeamten (ArgeVet) “ herausgegeben
- fassen allgemeingültige und bekannte Regeln zusammen, legen Auswahlkriterien
für das richtige Antibiotikum im Einzelfall fest und geben Hinweise auf die richtige
Dosierung und Therapiedauer (unter Beachtung der Gebrauchsinformation)
-
2010 in zweiter Auflage aktualisiert
im Hinblick auf geltende Rechtslage, neue
Wirkstoffe und neuere wissenschaftliche Erkenntnisse
- da große tierartliche Unterschiede bestehen wurden spezifische Angaben zu
einzelnen Tierarten (Fische, Geflügel, Kleintiere, Pferde, Schweine und
Wiederkäuer) angehängt (z.B. meist Einzeltierbehandlung bei Kleintieren und
Pferden; bei Nutztieren meist Gruppen- und Bestandsbehandlungen)
Leitlinien stellen Regeln der veterinärmedizinischen Wissenschaft dar, die bei jeder
ordnungsgemäßen Behandlung von Tieren nach § 12 TÄHAV zu beachten sind
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Antibiotika- Leitlinien -2-
Antibiotika- Einsatz nur bei
empfindlichen Erregern
Auswahl und Entscheidung zur Anwendung von Antibiotika unterliegt der
Verantwortung des Tierarztes
nach fachgerechter Diagnose
Abgabe von Antibiotika nur durch Tierarzt, Anwendung nach seiner Anweisung
Antibiotika- Einsatz nach
exakter Diagnose
unter Berücksichtigung von
- labordiagnostischen Untersuchungen
- Immunstatus der Tiere
- epidemiologischen Aspekten
- sonstigen Erfahrungen und Kenntnissen
Erregernachweis und
Antibiogramm
nach Erregerdifferenzierung ist erforderlich
- vor Wechsel des Antibiotikums wegen unzureichender Wirksamkeit
- bei wiederholtem oder längerfristigem Einsatz in Tiergruppen
- bei kombinierter Verabreichung von Antibiotika bei einer Indikation
- bei Abweichung von Zulassungsbedingungen (Umwidmung)
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Ergebnisse des Internationalen Symposiums
„Risikoanalyse der Antibiotikaresistenz“
(Berlin, Nov. 2003, BfR)
Einsatz AB in Nutztierproduktion führt zu Problemen in Humantherapie (z.B.
verlängerter Krankheitsverlauf bis hin zu Todesfällen)
Resistente Erreger führen zu einer erhöhten Morbidität und Anzahl von Todesfällen
Besonders deutlich sind diese Effekte bei Zoonose- Erregern
Es sollten präventive Ansätze gewählt werden, z.B. sorgfältigerer Einsatz von AB
Fluorchinolone und Cephalosporine der dritten und vierten Generation sollten
Einzeltierbehandlung vorbehalten sein und nur angewendet werden, wenn Erreger
gegen andere AB resistent sind
Weitere Zulassungen für Cephalosporine der vierten Generation sollten zum Einsatz
in der Tiermedizin nicht erteilt werden
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Ergebnisse des Symposiums „Risikomanagement zur
Begrenzung der Antibiotikaresistenzen“
(Berlin, Nov. 2004, BVL)
Vollzug zur Überwachung der Vertriebswege von Antibiotika verbessern
Gesetzliche Grundlage für detaillierte Erfassung der Verbrauchsmengen von
Antibiotika schaffen
Gesetzliche Verankerung des AB- Resistenz- Monitoring auf allen Stufen der
Lebensmittel- Produktion
Weitere Forschung zu exogenen Einflussfaktoren, Ausbreitungsdynamik und-
frequenz der Antibiotika- Resistenzen erforderlich
Definition von Eingriffswerten von Resistenzquoten zur Einleitung behördlicher
Maßnahmen
Erarbeitung valider veterinärmedizinischer „breakpoints“
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Ergebnisse des Symposiums „Risikomanagement zur
Begrenzung der Antibiotikaresistenzen“
(Berlin, Nov. 2004, BVL)
Für bedeutsame Antibiotika in Humanmedizin nur eingeschränkter Einsatz in
Veterinärmedizin
Keine Antibiotika als Ersatz für Managementfehler in Tierproduktion
Zusammenführung aller Erkenntnisse zu Resistenzentwicklung und -ausbreitung
in Datenbanken
Gesetzliche Verankerung von Antibiotika- Leitlinien
Maßnahmen mit Humanmedizin koordinieren
Intensivere Fort- und Weiterbildung zu Anwendungsrisiken von Antibiotika
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Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART)
- wurde am 18. November 2008 anlässlich des Europäischen Antibiotikatages der
Öffentlichkeit vorgestellt
- zentrales Ziel ist die Reduzierung und Verminderung der Ausbreitung von Antibiotika-
Resistenzen in Deutschland
- gemeinsame Strategie des Bundesministeriums für Gesundheit, des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung und (verantwortlich für den
Veterinärbereich) des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
- Erster Zwischenbericht Weltgesundheitstag April 2011 in Berlin
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DIMDI- Arzneimittelverordnung
(DIMDI-AMV)
- am 27. Februar 2010 in Kraft getreten
- dient u.a. der Erfassung der
Abgabemengen
von Tierarzneimitteln
- sogen. Tierarzneimittel- Abgabemengen- Register =
TAR
- verpflichtet pharmazeutische Unternehmer und Großhändler die
Abgabemengen von Tierarzneimitteln mit antimikrobiellen oder hormonellen
Wirkstoffen zu melden
- das Datenmaterial wird dem BVL für allgemeine Risikobewertungs- und
Risikomanagementzwecke zur Verfügung gestellt
- Erkennung möglicher Zusammenhänge zwischen dem Einsatz von Antibiotika
und der Entwicklung von Resistenzen
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VetCAb- Repräsentative
Verbrauchsmengenerfassung für
Antibiotika bei Lebensmittel liefernden Tieren
- VetCAb =
Vet
erinary
C
onsumption of
A
nti
b
iotics
-
Ziel:
Abschätzung der Menge antimikrobiell wirksamer Substanzen, die ins
Lebensmittel liefernde Tier gelangt (Antibiotika- Anwendungen pro Tier und Jahr)
- 2009 Machbarkeitsstudie von BfR (Auftraggeber), dem Institut für Pharmakologie, Pharmazie und
Toxikologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und dem Institut für Biometrie, Epidemiologie
und Informationsverarbeitung der Tierärztlichen Hochschule Hannover
- Teilnehmer: 24 Tierarztpraxen/ -kliniken und 69 landwirtschaftliche Betriebe getrennt nach
den Tierarten Schwein, Rind und Geflügel
- Erhebungsgrundlage: Arzneimittelanwendungs- und -abgabebelege (AuA- Belege);
Bestandsbücher
- Erhebungszeitraum: 1. September 2006 – 31. August 2007
- freiwillig, anonymisiert und retrospektiv
- 2011 Pilotstudie = repräsentative Datenerfassung aus 8 nach Agrarregionen
ausgewählten Landkreisen (ca. 3% aller Betriebe in Deutschland)
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Ziel
Gesundheitlichen Verbraucherschutz sichern, ohne
Tiergesundheit zu vernachlässigen
Resistenzsituation schaffen, die die Wirksamkeit von
Antibiotika in Human- und Tiermedizin ermöglicht
Nur gemeinsam zu erreichen!
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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit !
Dr. Daniela Pietsch
Referat 26: Recht des Gesundheitswesens, Gesundheitsberufe, Bestattungswesen,
Arzneimittel und Apothekenwesen, Tierarzneimittel
Sächsisches Staatsministerium für Soziales
Albertstraße 10, 01097 Dresden
Tel.: 0351-5645665 Fax: 0351/5645770
daniela.pietsch@sms.sachsen.de
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