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Forstjournal 3I10
Waldpost 2014 / 2015
Zeitung für Waldbesitzer in Sachsen

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02 |
Editorial
Hubert Braun
Liebe Waldbesitzerinnen, liebe Waldbesitzer,
Sie halten die nunmehr vierte Ausgabe der
Waldpost in den Händen. Ich bin überzeugt,
dass wir auch diesmal mit einer großen The-
menbreite Ihr Interesse wecken werden.
Mit der „Waldstrategie 2050 für den Freistaat
Sachsen“ hat das Sächsische Kabinett die
forstpolitischen Grundsätze beschlossen, die
bis ins Jahr 2050 eine erfolgreiche Entwick-
lung des Waldes als Naturlandschaft sowie
Wirtschafts- und Erholungsraum gewährleis-
ten sollen. Dazu wurden elf Handlungsfelder
formuliert. Darin bekennt sich der Freistaat
Sachsen ausdrücklich zu einer pluralen Wald-
eigentumsverteilung. Die Waldstrategie richtet
sich dabei ausdrücklich auch an private Wald-
besitzer.
Kennzeichnend für den sächsischen Privat-
wald ist dessen Kleinflächigkeit. Wir zeigen
Ihnen zwei Möglichkeiten auf, wie Sie trotz-
dem Ihren Wald bewirtschaften können, z. B.
gemeinsam mit anderen Waldbesitzern. Vor-
aussetzung für eine Waldbewirtschaftung ist
eine ausreichende Erschließung. Wir erläu-
tern Ihnen die Elemente einer Erschließung
im Wald und skizzieren Grundzüge des forst-
lichen Wegebaus.
Die Stiel-Eiche machte 1989 den Anfang und
war erster Baum des Jahres. 25 Jahre später
wird der Trauben-Eiche diese Ehrung zuteil. In
zwei Beiträgen widmen wir uns deshalb der
Eiche im Allgemeinen und ihrer Verjüngung
im Besonderen.
Das Waldschutzgeschehen 2013/2014 war
geprägt von abiotischen Schäden wie Sturm,
Schnee und Hagel. Die hohen Borkenkäfer-
fangzahlen und Stehendbefallsmengen zei-
gen eine ansteigende Befallsgefährdung durch
Borkenkäfer. Für Sie als Waldbesitzer heißt
das: ständige Kontrolle der eigenen Waldbe-
stände und sofortige Beseitigung etwaigen
Stehendbefalls.
In unserer letzten Waldpost zeigten wir, wie
wichtig die Herkunftsfrage bei der Verjüngung
von Waldbeständen ist. In der aktuellen Aus-
gabe schließen wir an dieser Thematik an und
widmen uns den Saatgutbeständen. So viel
vielleicht schon vorweg: Die Ausweisung von
Saatgutbeständen kann sich auch für Besitzer
kleiner Waldflächen lohnen.
Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der
Bundeswaldinventur III wird die Vorratsent-
wicklung unserer Wälder wieder stärker in den
Focus forstfachlicher Diskussionen rücken. Wir
zeigen Ihnen, wie Sie mit einfachen Mitteln
den Vorrat in Ihrem Wald ermitteln können.
Zirkel und Fahne sind normalerweise keine Be-
griffe, die man mit dem Fällen von Bäumen in
Verbindung bringt. Was es damit auf sich hat
– lesen Sie selbst!
Die Erfüllung der Verkehrssicherungspflichten
im und am Wald war schon mehrfach Thema
der Waldpost. In dieser Ausgabe wird die Frage
erörtert, wie Sie als Waldbesitzer mit mögli-
chen Konflikten umgehen können, die sich aus
der Erfüllung der Verkehrssicherungspflichten
mit Belangen des Naturschutzes ergeben kön-
nen.
Zum 1. August 2008 wurden die unteren
Forstbehörden der Landkreise und kreisfreien
Städte gebildet. Am Beispiel des Landkreises
Mittelsachsen erhalten Sie einen Einblick in
die vielfältige Aufgabenfülle dieser Behörde.
Liebe Waldbesitzerinnen und liebe Waldbesit-
zer, beim Lesen unserer Waldpost ergeben sich
bestimmt auch Fragen Ihren eigenen Wald be-
treffend.
Dafür stehen Ihnen unsere Revierförster von
Sachsenforst zur Verfügung – nutzen Sie die
Beratungsangebote!
Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und viel Erfolg bei der Bewirtschaftung Ihrer Wälder!
Ihr Prof. Dr. Hubert Braun
Geschäftsführer des
Staatsbetriebes Sachsenforst

 
| 03
Inhaltsverzeichnis
04
Waldstrategie 2050 für den Freistaat Sachsen
05
Trauben-Eiche – Baum des Jahres
08
Eichenkulturen
11
Saatgutbestände
Ernte auch bei kleinem Waldbesitz wirtschaftlich interessant und für die Zukunft des Waldes wichtig
14
Waldschutzsituation in Sachsen
17
Verkehrssicherung und Naturschutz – ein Widerspruch?
20
Wie viel Holz steht in meinem Wald?
21
Arbeitssicherheit
Neue Hilfsmittel zum exakten Baumfällen – Fällzirkel und Fällfahne
23
Forstlicher Wegebau – eine notwendige Investition
25
Gemeinsam mehr erreichen – eigentumsübergreifende Waldbewirtschaftung
26
Eindrücke von der Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW)
28
Aus dem Alltag einer unteren Forstbehörde – Landkreis Mittelsachsen
30
Kurz notiert

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04 |
Waldstrategie 2050 für den Freistaat Sachsen
Am 26. November 2013 beschloss das Säch-
sische Kabinett mit der „Waldstrategie 2050
für den Freistaat Sachsen“ die forstpoliti-
schen Grundsätze, die bis ins Jahr 2050 eine
erfolgreiche Entwicklung des Waldes als Na-
turlandschaft sowie Wirtschafts- und Erho-
lungsraum gewährleisten sollen. Der Beschluss
wurde ganz bewusst in dem Jahr erlassen, in
welchem sich die erstmalige Beschreibung des
Nachhaltigkeitsprinzips durch den sächsischen
Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz
zum 300. Mal jährte. Die Sächsische Staats-
regierung bekräftigt damit, dass Nachhaltig-
keit auch weiterhin die Maxime für die Be-
wirtschaftung der sächsischen Wälder bleibt.
Anlass und Ziele der Waldstrategie
Der Wald und die Forstwirtschaft sind in ho-
hem Maße von den Auswirkungen des Kli-
mawandels betroffen. Der Wald sowie seine
ordnungsgemäße und fachkundige Bewirt-
schaftung liefern zugleich wichtige Schlüs-
sel für die Bewältigung der gesellschaftlichen
Zukunftsherausforderungen. Das rückt den
Wald immer stärker ins Blickfeld der Politik
und weiterer Interessengruppen. Es werden
in zunehmendem Maße divergierende Anfor-
derungen an den Wald und seine Eigentümer
formuliert.
Die sächsische Waldstrategie der Sächsischen
Staatsregierung knüpft an die Waldstrategie
2020 des Bundes „Nachhaltige Waldbewirt-
schaftung – eine gesellschaftliche Chance
und Herausforderung“ an und berücksichtigt
die waldbezogenen Inhalte der Programme
und Strategien des Freistaates Sachsen sowie
relevante nationale und internationale Rah-
menbedingungen für die Wald und Forstwirt-
schaft. Gleichzeitig soll und wird sie ihrerseits
auf die Formulierung anderer Strategien Ein-
fluss nehmen. Sie leistet damit nicht nur einen
wertvollen Beitrag für eine kohärente Politik
im Freistaat Sachsen, welche die Interessen
des Waldes und der Forstwirtschaft gleichbe-
rechtigt beachtet, sie sorgt außerdem dafür,
dass der Wald und der Cluster Forst und Holz
auch zukünftig unter sich ändernden Bedin-
gungen die vielfältigen und weiter steigenden
Ansprüche an den Wald erfüllen können.
Die Waldstrategie richtet sich aber nicht nur
an die Sächsische Staatsregierung, die in po-
litischen Entscheidungsprozessen darauf ach-
ten soll, dass der herausgehobenen Bedeutung
von Wald und Forstwirtschaft für die Lösung
der vielfältigen Zukunftsherausforderungen
angemessen Rechnung getragen wird. Ebenso
ist das vertrauensvolle Zusammenwirken und
die Unterstützung von Waldbesitzern, Forst-
behörden und Interessenverbänden für das
Erreichen der in der Waldstrategie 2050 de-
finierten Ziele unverzichtbare Voraussetzung.
Warum ein Zeitraum bis 2050?
Mancher Waldpostleser wird sich vielleicht
fragen, warum für die Waldstrategie ein so
ferner Zielpunkt gewählt wurde und ob ein
Blick bis zum Jahr 2050 realistisch ist. Auch
das war wohl überlegt: Schließlich entwickeln
sich Waldökosysteme über wesentlich längere
Zeiträume als beispielsweise Lebensräume im
Offenland. Für eine Waldgeneration sind min-
destens 100 Jahre anzunehmen. Gleichzeitig
sind in anderen Politikbereichen, die Einfluss
auf den Wald nehmen können, ebenfalls Pro-
gnosen und Zielsetzungen bis 2050 getroffen
worden. Beispielhaft sei hier auf die Vorher-
sagen zur Klimaentwicklung (Stichwort „Kli-
mawandel“) und die entsprechenden Schluss-
folgerungen in der Klima- und Energiepolitik
verwiesen.
Es wird demnach ein „langer Atem“ benötigt,
um die Wälder und den Sektor Forstwirtschaft
auf die bestehenden und künftigen Herausfor-
derungen einzustellen. Ein Zeitraum bis 2050
für waldstrategische Überlegungen ist daher
angemessen und sinnvoll.
Eckpunkte
Ausgehend von einem „Leitbild für Wald und
Forstwirtschaft“ beschreibt die Waldstrategie
elf Handlungsfelder. Diese spiegeln jeweils die
wesentlichen Aspekte im Kontext mit Wald
und Gesellschaft, dem heutigen Ausgangszu-
stand und den zu erwartenden Entwicklungen,
dem angestrebten Zielzustand im Jahr 2050
sowie den zur Erreichung der Ziele notwendi-
gen Meilensteine und Erfolgsfaktoren wider.
Die Waldstrategie behandelt folgende Schlüs-
selthemen:
Waldfläche,
Waldeigentum,
Waldaufbau,
Stetigkeit der Waldfunktionen,
Nutzungspotenzial Waldholz,
Wald und Naturschutz,
Wald und Erholung,
Wald und Arbeit,
Wald und Einkommen,
Wald und Innovation,
Wald und Umweltbildung.
Bewirtschaftungshemmnisse abbauen
Beispielhaft soll im Folgenden auf einige As-
pekte der Waldstrategie eingegangen wer-
den, die sich insbesondere auch an private
Waldbesitzer richten. Wie schon ausgeführt,
setzt die Sächsische Staatsregierung auf die
Unterstützung der Waldbesitzer. So bekennt
sich der Freistaat Sachsen ausdrücklich zu
einer pluralen Waldeigentumsverteilung, bei
der „die Privaten“ immerhin über einen Anteil
von etwa 45 % an der sächsischen Waldfläche
verfügen. Das zeigt sowohl Anerkennung für
die Leistungen des privaten Waldbesitzes, als
auch Vertrauen in eine auch zukünftig nach-
haltige und ordnungsgemäße Bewirtschaftung
des Privatwaldes durch seine Eigentümer bei
einem hohen Maß an Eigeninitiative und Ei-
genverantwortung.
Dabei ist sich die Sächsische Staatsregierung
im Klaren, dass die Strukturen eines sehr klein-
parzellierten Waldbesitzes, wie sie in Sachsen
recht häufig vorkommen, dafür nicht immer
ideal sind. Deshalb wurde das Ziel formuliert,
strukturbedingte Bewirtschaftungshemmnis-
se weiter abzubauen. Dies kann einerseits da-
durch erfolgen, dass Waldbesitzer Mitglieder in
forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen z. B.
in Forstbetriebsgemeinschaften werden und so
dauerhaft gemeinsam ihren Wald bewirtschaf-
ten. Darüber hinaus besteht natürlich genau-
Titelbild Waldstrategie 2050 für den Freistaat Sachsen

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| 05
so die Möglichkeit, sich nur anlassbezogen
zur Durchführung einer oder mehrerer Wald-
bewirtschaftungsmaßnahmen zusammenzu-
schließen. Da die Zusammenarbeit zeitlich
befristet erfolgt, kann man von „temporären
Bewirtschaftungsgemeinschaften“ sprechen.
Weitere Informationen zu diesem Thema fin-
den Sie in dieser Waldpostausgabe im Artikel
„Gemeinsam mehr erreichen – eigentumsüber-
greifende Waldbewirtschaftung“.
Nicht vergessen werden sollten in diesem Zu-
sammenhang die Möglichkeiten einer Flurbe-
reinigung im Wald. Beispiele aus dem Forst-
bezirk Dresden zeigen, dass dieses Verfahren
nicht nur in der Landwirtschaft sondern auch
im Wald deutliche Verbesserungen sowohl in
der Besitzstruktur, als auch bei der Walder-
schließung bringen können.
Apropos Walderschließung: Eine ausreichen-
de Erschließung mit Waldwegen ist eine un-
verzichtbare Voraussetzung für die Bewirt-
schaftung des Waldes und die Erfüllung der
vielfältigen Waldfunktionen (siehe dazu den
Beitrag zum forstlichen Wegebau). Waldwege
ermöglichen überhaupt erst das Erreichen der
Waldflächen, z. B. zur Abfuhr des geernteten
Holzes sowie beim Zugang in den Wald für die
Durchführung erforderlicher Pflegemaßnah-
men, bei Schad- oder Katastrophenereignis-
sen und natürlich auch zur Erholungsnutzung.
Da, wo es noch Defizite gibt und Waldbesit-
zer aufgrund ihres kleinflächigen Waldbesitzes
allein nicht in der Lage sind, Waldwegepro-
jekte zu planen und umzusetzen, sind die be-
schriebenen gemeinschaftlichen Ansätze über
FBGen und temporäre Bewirtschaftungsge-
meinschaften ein probates Mittel. Nicht ohne
Grund strebt die Sächsische Staatsregierung
in der Waldstrategie eine Verbesserung der
Erschließungssituation im Kleinprivatwald an
und setzt sich für eine Fortführung entspre-
chender Anreize in der Forstförderung ein.
Die Waldstrategie soll kein „Papiertiger“ sein,
sondern insbesondere auch von den Wald-
besitzern gelebt werden. Einige Berührungs-
punkte zwischen strategischen Zielen und
Aspekten des privaten Waldbesitzes wurden
beschrieben. Gern können Sie die vollständi-
ge Fassung der „Waldstrategie 2050 für den
Freistaat Sachsen“ nachlesen. Sie ist Anfang
Februar dieses Jahres als Broschüre erschienen
und kann im Zentralen Broschürenversand der
Sächsischen Staatsregierung, Hammerweg 30,
01127 Dresden, bestellt werden. Sie ist darüber
hinaus auch als Download verfügbar unter:
http://www.forsten.sachsen.de/wald/2973.htm
Ganzjährig befahrbarer Abfuhrweg
René Klabes ist Referent für Forstpolitik,
Forstbehörde, Naturschutz im Wald
im Referat Wald und Forstwirtschaft,
Forst- und Jagdbehörde im SMUL
Stephan Gutzer ist Referent für Sofort-
und Aufbauhilfe Hochwasserscha-
densbeseitigung im Referat Haushalt,
Finanzwesen im SMUL
Trauben-Eiche – Baum des Jahres
Trauben-Eiche – Baum des Jahres
Als die Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung 1989 zum
ersten Mal einen Baum des Jahres kürte, fiel
die Wahl auf die Stiel-Eiche. Diese wird im
Volksmund nicht nur „Deutsche Eiche“ ge-
nannt, sondern stiftet auch auf den Cent-
Münzen nationale Identität.
Zum 25-jährigen Jubiläum fiel die Wahl erneut
auf eine Eichenart: die Trauben-Eiche.
Dabei verrät schon ein genau-
er Blick auf die Cent-Mün-
zen, dass es gar nicht so
einfach ist, die beiden
Eichenarten voneinan-
der zu unterscheiden.
Unter Botanikern disku-
tiert man deshalb schon seit langem, ob es
sich um verschiedene Arten oder lediglich Un-
terarten handelt.
Mit gestieltem Blatt (Trauben-Eiche) und gestielter
Frucht (Stiel-Eiche) vereint der Zweig auf der Rück-
seite der Cent-Münzen Merkmale beider Eichenarten
Eng verwandt
Will man Trauben- und Stiel-Eiche anhand ih-
rer morphologischen Merkmale unterscheiden,
so reicht allein der Blick auf die namensge-
benden Fruchtstände nicht aus. Bei jüngeren

06 |
Bäumen, die noch nicht fruktifizieren, ist oh-
nehin nur das Blatt vorhanden. Anhand der in
der Tabelle oben enthaltenen Merkmale wird
das Urteil selten eindeutig ausfallen. Häufig
finden sich am Blatt drei bis vier Merkmale
der einen und ein bis zwei Merkmale der an-
deren Art.
Der Grund hierfür liegt in den geringen Re-
produktionsbarrieren innerhalb der Gattung
Quercus. So treten häufig Kreuzungen – auch
mit den viel selteneren Flaum-Eichen – auf.
Die Nachkommen, sogenannte Hybride, sind
wiederum befruchtungsfähig.
Vor allem wenn beide Eichenarten gemein-
schaftlich vorkommen, findet sich nicht sel-
ten das Erbgut beider Arten in den Eicheln
vereint. Bei Altbäumen ist dies deutlich sel-
tener der Fall, sodass von unterschiedlichen
Überlebenschancen (Viabilitätsselektion) kei-
mender Hybriden ausgegangen wird. Das legt
den Umkehrschluss nahe, dass diese Nach-
kommenschaften über eine höhere genetische
Variabilität und bessere Anpassungsfähigkeit
verfügen. Der gemeinsame Gutachteraus-
schuss (gGA) „Forstliches Vermehrungsgut“,
der Empfehlungen für die Zulassungsstellen
ausgibt, grenzt deshalb die Zulassung von
Erntebeständen erst bei Anteilen der jeweils
anderen Baumart über 20 % ein.
Gerade bei den Eichenarten ist in der Praxis
daher die Wahl konkreter Ausgangsbestände
entscheidend. Bereits mit der Auswahl des
Saatgutbestandes (Registernummer im Ernte-
zulassungsregister) kann eine gewisse stand-
örtliche Anpassung realisiert werden.
Erkennungsmerkmale von Stiel- und Trauben-Eiche
Erkennungsmerkmal
Trauben-Eiche
Stiel-Eiche
Blattsymmetrie gegeben
ja
nein
Seitennerven der Blätter enden in Blattbuchten (Interkalarnerven)
nein
ja
Hauptnerven haben Büschelhaare
ja
nein
Blattstiel länger als 1 cm
ja
nein
Öhrung am Blattstiel gegeben
nein
ja
Stiel am Fruchtbehang länger als 2 cm
nein
ja
Eicheln (frisch und feucht) mit dunklen Längsstreifen
nein
ja
Zusammen mit der Buche
Die geschilderten Gemeinsamkeiten von Trau-
ben- und Stiel-Eiche setzen sich in einem na-
hezu identischen Verbreitungsgebiet fort.
Dieses erstreckt sich von Sizilien im Süden bis
Südskandinavien im Norden. Im Westen bilden
die britischen Inseln und der Norden der iberi-
schen Halbinsel die Grenzen. Einzig im Osten
reicht das Verbreitungsgebiet der Stiel-Eiche
deutlich weiter in den kontinentalen Klima-
raum. Während die Trauben-Eiche nur in Polen
und der Ukraine vorkommt, ist die Stiel-Eiche
auch noch in Tartarstan / Baschkirien in Russ-
land beheimatet.
„Petra“ ist im lateinischen der Fels oder Stein.
Somit weist schon der lateinische Name der
Trauben-Eiche auf ihre Nische am trocke-
nen Ende des Standortsspektrums – trocke-
ne Sand- und Gesteinsböden – hin. Die Be-
grenzung auf die atlantische / subatlantische
Klimaregion entspricht nahezu dem Verbrei-
tungsgebiet der Rot-Buche. Hierzu passt das
gegenüber der Stiel-Eiche höhere Schattener-
trägnis als Anpassung an die häufige direkte
Nachbarschaft zur Buche.
Die Trauben-Eiche kann sich aber nur dann
dauerhaft im Buchenwald behaupten, wenn
die Wuchskraft der Buche nachlässt, weil der
Standort zu trocken oder zu nährstoffarm ist.
In diesen Hainsimsen-Eichen-Buchenwäldern
und Buchen-Eichenwäldern der planaren bis
submontanen Stufe erreicht die Trauben-Ei-
che ihre höchsten Wuchsleistungen. Dies sind
deshalb gleichzeitig die Standorte, mit der
höchsten Eignung für die Eichen-Wertholz-
produktion.
Demgegenüber sind die Wuchsleistungen und
die Wertholzerwartung auf den Standorten,
auf denen beide Eichenarten in den Eichen-
Hainbuchen-Wäldern zur Vorherrschaft ge-
langen, mit Ausnahme der Hartholzaue, be-
reits deutlich geringer. Nahezu ausgeschlossen
ist die Produktion von Wertholz auf den er-
tragsschwachen oder risikobetonten Stand-
orten, auf denen die Eichen heute in Sach-
sen überwiegend vorkommen. Dies sind steile
und flachgründige Felshänge in den Flusstä-
lern, wechselfeuchte Lössböden im Hügelland
und trockene nährstoffarme Sand- oder Sand-
steinböden. Auf den beiden letztgenannten
Standorten bildet die Trauben-Eiche mit der
Kiefer, sowie Heidel-, Preiselbeere und Besen-
heide in der Bodenvegetation, natürlicherwei-
se Kiefern-Eichenwaldgesellschaften.
Baumartenempfehlungen mit Trauben- und Stiel-Eiche gemäß der Richtlinie zu den Waldentwicklungstypen – Teil 1 (Zielzustände)
Kategorie
Zielzustand
Standörtliche Schwerpunkte
Langfristig ange-
strebter Anteil
Trauben-Eiche als
Hauptbaumart
Eichen-Kiefern-Mischwald
ziemlich arme Standorte im Tief- und Hügelland
50 %
Eichen-Buchen-Mischwald
ziemlich arme bis mittlere Standorte vom Tiefland bis in die unteren Berglagen
50 %
Eichen-Edellaubbaum-Mischwald
kräftige Standorte im Tief- und Hügelland
50 %
Trauben-Eiche als
Mischbaumart
Kiefern-Eichen-Mischwald
arme und ziemlich arme Sandböden im Tiefland
20 %
Höhenkiefer
arme und trockene Standorte im unteren Bergland (v. a. Elbsandsteingebirge)
5 %
Buchen-Eichenmischwald
Standorte mittlerer Trophie vom Tiefland bis in die unteren Berglagen
10 %
Buchen-Edellaubbaum-Mischwald
kräftige Standorte im Hügelland und Mittelgebirge
5 %
Stiel-Eiche als
Hauptbaumart
Eichen-Laubmischwald
wechselfeuchte Standorte und mineralische Nassstandorte im Tief- und Hügelland
50 %
Auenwald
Auenböden
50 %
Stiel-Eiche als
Mischbaumart
Erlen-Eschen-Mischwald
Bachtälchen im Tief- und Hügelland
10 %
Ausgedehnte Ziele
Unter den gegenwärtigen Klimaverhältnis-
sen würden die genannten Eichenmisch-
wälder entsprechend dem Konzept der po-
tenziell natürlichen Vegetation (pnV) ca.
40 % der Landesfläche Sachsens einneh-
men. Der Schwerpunkt liegt dabei im land-
wirtschaftlich geprägten Tief- und Hügel-
land. Demgegenüber nehmen die Eichenarten
aktuell lediglich 7 % der Waldfläche ein.
Unter den prognostizierten Klimaverhältnis-

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| 07
sen wird sich das Areal, innerhalb dessen die
Eichenarten gegenüber der Buche konkurrenz-
fähig sind, stark in die Berglagen ausdehnen.
Wenngleich es dann auf einigen Standorten
im Tiefland für die Eiche zu trocken wird,
nimmt ihre forstliche Bedeutung stark zu.
Entsprechend häufig und ausgedehnt wur-
de Trauben- und Stiel-Eiche als Haupt- bzw.
Mischbaumart in den Waldentwicklungszielen
vorgesehen (siehe Tab. S. 6 unten).
Ausgehend von den gegenwärtigen Vorkom-
men erhöht sich die Fläche, auf denen die Pro-
duktion wertvollen Sägeholzes möglich ist.
Als Ziel sind Bäume von mindestens 60 cm
Durchmesser in Brusthöhe formuliert, deren
astfreier unterer Stamm bis auf 8 bis 10 m
Höhe reicht. Legt man die Wuchsleistungen
junger Eichenbestände zugrunde, so können
derartige Dimensionen in 140 bis 160 Jahren
erreicht werden.
Voraussetzung hierfür ist jedoch eine auf
die Bedürfnisse der Eiche maßgeschneiderte
waldbauliche Behandlung. Diese weist sehr
unterschiedliche Perioden auf: Dichtstand in
der Jugend und freistehende Kronen im Alter.
Möglichst frühzeitig einsetzende und anhal-
tende Konkurrenz sorgt in der Jugend für
die Ausbildung geradschaftiger Stämme und
frühzeitige Astreinigung. Diese Phase wird
deshalb Bestandeserziehung genannt. Die
Entnahme schlecht geformter Bäume (krum-
me Schäfte, zwieselige und grobastige Kronen)
darf dabei nicht zu anhaltender Freistellung
der Kronen führen.
Ab dem Zeitpunkt, zu dem die Astreinigung ein
Drittel der auf dem Standort im hohen Alter zu
erwartenden Baumhöhe erreicht hat, werden
die qualitativ besten Bäume konsequent geför-
dert. Nach drei bis vier Durchforstungen sollte
der Übergang vom Dichtschluss zum lockeren
Kronenschirm erreicht werden. Dies sind die
für die spätere Stabilität und Wertleistung des
Bestandes entscheidenden Maßnahmen!
Aufgrund der hohen Gefährdung durch blatt-
fressende Insekten wie Frostspanner und Ei-
chenwickler sollte eine relativ hohe Anzahl
vitaler, regenerationsfähiger Eichen anvisiert
werden. Dem entspricht das Konzept der Aus-
lesedurchforstung. In jedem Durchforstungs-
eingriff werden über den gesamten Bestand
verteilt die bestveranlagten Bäume „ausge-
lesen“ und durch Entnahme von Bedrängern
gefördert.
Bei der Wahl der Auslesebäume lohnt es vor-
auszuschauen. Die Auswahl einer geringen
Anzahl an Auslesebäumen belässt einen er-
heblichen Teil der Bäume dem natürlichen
Ausscheidungsprozess. Zudem wiegt der Ver-
lust einzelner Auslesebäume durch Schad-
ereignisse (Schneedruck, Insektenfraß, Pilz-
befall) schwerer, da keine Alternativen in der
Nähe sind. Andererseits werden bei einer ho-
hen Anzahl an Auslesebäumen die geförder-
ten Bäume rasch gegenseitig zu Konkurrenten.
Noch bevor das forcierte Durchmesserwachs-
tum für bessere Holzerlöse sorgt, muss der
Baum zur nächsten Durchforstung bereits ge-
fällt werden. Nach der Bestandeserziehung hat
sich die Auslese der qualitativ besten Eichen
im Abstand von 6 bis 7 Metern als vorteilhaft
erwiesen. Bei derartigen Abständen werden
die geförderten Bäume bei ungefähr 20 Me-
ter Höhe zu Konkurrenten. Von da an sollen
die Kronen konkurrenzfrei bleiben, damit keine
Äste im unteren Kronenbereich mehr absterben.
Die letzten stärkeren Durchforstungen ermög-
lichen es, einen „dienenden“ Nebenbestand zu
etablieren. In der Regel sind dies schatten-
ertragende Hainbuchen und Linden, die ein
zweites Stockwerk bilden. Die damit einher-
gehende Beschattung des Bodens verhindert
intensive Vergrasung und wirkt zudem mit der
Durchwurzelung des Oberbodens ausgleichend
auf den Bodenwasserhaushalt. Aber auch bei
Die Nachfrage nach Eichenwertholz ist seit Jahren hoch. Zur Submission 2014 übertraf der Durchschnittspreis
mit 467 Euro pro Kubikmeter sogar den des Bergahorns, der bisher regelmäßig die höchsten Gebote erhielt.
Mit Ausnahme der mittleren und höheren Berglagen sowie extrem trockener Sandstandorte wird die Beteili-
gung von Stiel- und Trauben-Eiche als Haupt-, Misch- oder Nebenbaumart am langfristigen Bestockungsziel
empfohlen

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08 |
intensivem Insektenbefall „dient“ das zweite
Stockwerk, indem nicht jede Raupe an einer
Eiche aufsteigt.
Dabei muss es nicht immer das lukrative Wert-
holz sein, welches die oftmals hohen Investi-
tionen in stammzahlreiche Eichenkulturen er-
fordert. Vor allem auf den ertragsschwächeren
Standorten ist die Beteiligung von Trauben-
und Stiel-Eichen über natürliche Verjüngung
und ihre konsequente Förderung im Rahmen
von Bestandeserziehung und Durchforstung
möglich. Erfreulicherweise sorgt die in den
letzten Jahren häufige Fruktifikation der Eichen
und die effektive Verbreitung der Früchte durch
Vögel („Hähersaaten“) fast überall in Sachsen
für günstige Ausgangspunkte. Als eine vom
Wild bevorzugt verbissene Baumart dürfen die
angekommenen Bäumchen aber nicht gänz-
lich im gefährdeten Höhenbereich verbleiben.
Hierzu sind angepasste Schalenwildbestände
die Voraussetzung.
Eichennaturverjüngung ist nahezu allgegenwärtig – hier auf einer Sukzessionsfläche nach dem Pfingsttornado 2010
Literatur:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2011):
Empfehlungen des gemeinsamen Gutachterausschusses (gGA) der
Länder
für
die
Umsetzung,
gefunden
http://www.ble.de/SharedDocs/
Downloads/02_Kontrolle/07_SaatUndPflanzgut/Empfehlungen.html
Gugerli, F.; Brodbeck, S.; Holderegger, R. (2005):
Die unerträgliche Leichtigkeit, eine reine Eiche zu sein.,
Informationsblatt Forschungsbereich Landschaft 63: 1-5. - gefun-
den:
http://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/waldbau/genetik/
wsl_hybridisierung_eichen/index_DE
Kätzel, R. et al. (2012):
Untersuchungen zu Vitalität, Wuchsleistung und Holzqualität von
Zerr-Eichen (Quercus cerris L.) im Kommunalwald von Prenzlau.
Archiv f. Forstwesen und Landsch. ökol. 46 (2012) 3: 125-132. –
gefunden,
http://www.waldwissen.net/wald/baeume_waldpflanzen/
lfe_wald_zerreiche/lfe_wald_zerreiche_originalartikel.pdf
Neophytou, Ch. (2010):
A study of genetic differentiation and hybridization among oak
species with divergent ecological and evolutionary profiles, Diss.
Faculty of Forest and Environmental Sciences, Albert-Ludwigs-
Universität Freiburg im Breisgau, Germany
Roloff, A. (2014):
Trauben-Eiche – Baum des Jahres 2014,
Faltblatt der Dr. Silvius Wodarz Stiftung
Svenning, J.-C., Skov, F. (2004):
Limited filling of the potential range in European tree species,
Ecology Letters, 7, S. 565–573
Sven Martens ist Referent im Referat
Waldbau, Waldschutz, Verwaltungsjagd
im Kompetenzzentrum Wald und Forst-
wirtschaft von Sachsenforst
Martin Baumann ist Referent im Referat
Waldbau, Waldschutz, Verwaltungsjagd
im Kompetenzzentrum Wald und Forst-
wirtschaft von Sachsenforst
Eichenkulturen
Wie im vorhergehenden Artikel dargelegt,
kommt der Eiche im Zuge des Waldumbaus
eine wichtige Bedeutung zu. Die Pflanzung
stellt dabei neben der Naturverjüngung einen
Weg zur Schaffung zukünftiger Eichenbestän-
de dar.
In den Forstbaumschulen können in Abhän-
gigkeit von der Größe der Pflanzen Eichen zu
Preisen zwischen 0,50 und 1,50 Euro erworben
werden. Dabei sind die günstigen einjährigen
Sämlinge zu empfehlen, um die Ausbildung
einer arttypischen Pfahlwurzel möglichst we-
nig zu gefährden. Wenn die Pflanzung durch
forstliche Dienstleister erfolgt, liegen die Kos-
ten einer gepflanzten Eiche bei etwa einem
Euro.
Für die Anlage einer Eichenkultur empfehlen
wir Stammzahlen von 7.000 bis 8.000 Bäu-
men pro Hektar. Schon jetzt wird klar, dass
im Forstbetrieb nicht gerade wenige Kubik-
meter Holz zur Finanzierung der Kultur ver-
kauft werden müssen. Dabei erhöht sich der
Aufwand noch um Ausgaben für Zaunschutz,
Kulturpflege und Nachbesserungen. Am Ende
liegen die Gesamtkosten für die gesicherte
Kultur zwischen 120 und 200 % der Begrün-
dungskosten.
Gerade mit Blick auf die zukünftige waldbau-
liche Bedeutung der Eichenarten sind Ansätze
und Konzepte zur Verminderung dieser Auf-
wände von großer Aktualität. Im Folgenden
sollen dazu die Notwendigkeit der Begrün-
dungspflanzenzahlen hinterfragt und alter-
native Pflanzverbände vorgestellt werden.
Verzweigungsmuster und Apikaldominanz
Im Lexikon der Baum- und Straucharten findet
man unter den Begriffen „Basitonie“ und „Ak-
rotonie“ den Einstieg zum grundlegenden Ver-
ständnis des Wuchsverhaltens von Bäumen.
Die Begriffe bezeichnen die unterschiedliche
hormonelle Regelung der Knospengröße am
Trieb. Bei der Basitonie werden die Knospen –
und damit auch die Länge der daraus hervor-
gehenden Triebe – an der Ast- und Zweigbasis
gefördert. Daraus entstehen die für Sträucher
typischen Verzweigungsmuster. Akrotonie
meint demgegenüber die für Bäume typische
Förderung der Knospen an den Triebspitzen,
also im äußeren, dem Licht zugewandten, Kro-
nenbereich.
Gesteuert wird dies durch pflanzliche Hormo-
ne, die im Leittrieb (Terminalknospe) gebildet
werden. Diese hindern die Seitentriebe gleich-
falls nach oben zu wachsen. Diese hormonel-
le Wachstumssteuerung wird Apikaldominanz
genannt. Sie ist nicht bei allen Baumarten in
gleichem Maße ausgeprägt.
Während bei den Nadelbäumen eine starke
Apikaldominanz für Akrotonie und die waage-
rechte Ausrichtung der Seitenäste sorgt, sind
Laubbäume im Kronenaufbau mannigfalti-
ger. So weisen Erlen, Pappeln und Ahornarten
noch recht regelmäßige Triebmuster mit einer
durchgehenden Schaftachse auf. In den Kro-
nen von Linden, Buchen und Eichen findet sich

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dieser systematische Aufbau dagegen deutlich
seltener. Insbesondere bei jungen Eichen fin-
den sich häufig auch Kronenformen, die an
Sträucher erinnern.
Der Wettlauf um das Licht findet somit nicht
nur zwischen den Bäumen, sondern auch in-
nerhalb der Krone statt. Aus den Ästen, die
hierbei die Oberhand gewinnen, geht die
Schaftachse hervor. Schnurgerade Stämme,
die Holzkäufer und Säger entsprechend ho-
norieren, entstehen dann, wenn diese Kon-
kurrenz möglichst frühzeitig einsetzt. Insofern
ist der Dichtschluss mit hohen Stammzahlen
vor allem bei Baumarten (Buche, Eiche, Linde,
Ulme) mit geringer Akrotonie wichtig.
Was soll aus dieser Eiche noch werden? Ohne Dicht-
schluss sind die Stammachsen häufig „unschnürig“,
also in mehrfach wechselnder Richtung gekrümmt
(hier rot hervorgehoben).
Dichtstand oder Formschnitt
Wie so oft gibt es aber immer wieder Aus-
nahmen und Beispiele, bei denen qualitativ
befriedigende Bestände aus stammzahlarmen
Verjüngungen hervorgegangen sind. So ent-
faltet das Kronendach des Altbestandes über
die Begrenzung seitlichen Lichtgenusses eine
erzieherische Wirkung. Die Verjüngung wird
feinastiger und versucht über gesteigertes Hö-
henwachstum den Lichtgenuss zu steigern. Im
Gegensatz zur Buche begrenzt das mit dem
Alter abnehmende Schattenerträgnis der Eiche
diese Wirkung auf die frühe Jugend.
Und auch eine gezielte Beeinflussung der
Stammformen durch das Abschneiden von
Ästen ist möglich. Formschnitt und Ästung
sind hierzu die Stichworte. Anstelle der hohen
Kosten für die Anlage der stammzahlreichen
Kultur verlagern sich hier die Ausgaben auf
die deutlich intensivere Pflege in der Jugend.
Um wirksam auf die Formigkeit des Stammes
Einfluss zu nehmen, wird möglichst frühzeitig
mit dem Entfernen von mehrfachen Leittrie-
ben sowie steilen und starken Ästen begonnen
und dies regelmäßig wiederholt.
Weitverbände werden am besten so realisiert,
dass der Abstand in der Reihe relativ eng
bleibt (0,5 – 1 m) und sich nur die Distanz
zwischen den Reihen erhöht. Dies erleich-
tert die Kultursicherung und sorgt für mini-
malen Dichtstand. Der Reihenabstand sollte
6 m nicht überschreiten (Abstand der späte-
ren Auslesebäume) und gibt damit die unte-
re Grenze der Stammzahlen vor. Von den ein-
gangs erwähnten 7.000 Eichen werden so nur
noch knapp 2.000 benötigt.
Derartige Konzepte können all jenen Wald-
besitzern empfohlen werden, die ausrei-
chend Zeit zur regelmäßigen Begutachtung
und Pflege ihrer Kulturen haben. Wenngleich
das Problem der zufälligen Verluste bestehen
bleibt, ermöglicht es doch mit begrenzten fi-
nanziellen Mitteln solch wichtige Baumarten
zu etablieren!
Pflanzung im Trupp
In den letzten Jahren wurden vermehrt Teil-
flächenbepflanzungen wissenschaftlich unter-
sucht. Die dabei gewonnenen Ergebnisse be-
stätigen die Trupp-Pflanzungen als flexibles
und praxistaugliches Verfahren zur Begrün-
dung von Eichenmischbeständen.
Das Verfahren kombiniert dabei den Dicht-
stand in der Jugend mit der späteren Frei-
stellung von Auslesebäumen. Die Eichen wer-
den hierbei im Verband ein mal ein Meter in
kreisförmigen oder quadratischen Trupps ge-
pflanzt. Abstand und Größe der Trupps orien-
tieren sich an der gewünschten Anzahl und
am gewünschten Abstand der Auslesebäume
(6 - 15 m). Die innerartliche Konkurrenz sorgt
für den Dichtstand. Aber es wird lediglich zwi-
schen einem Drittel und der Hälfte der Flä-
che bepflanzt, was die gesamten Kulturkosten
(inkl. Zäunung) um 20 bis 30 % reduziert.
Die Kombination des verhaltenen Jugend-
wachstums und der steigenden Lichtbedürf-
tigkeit erschwert die Erziehung der Eiche in
Mischbeständen. Von Pionierbaumarten und
Edellaubbäumen zunächst überwachsen, ver-
mag sie lediglich unter der lichtdurchlässigen
Krone von Kiefer und Birke zu existieren. Mit
den Trupps ist unterdessen der Raum für eine
innerartliche Bestandeserziehung vordefiniert.
Dies erleichtert die praktische Umsetzung der
Mischungsregulierung.
Vorteile – heute und zukünftig
Von Vorteil ist dies vor allem bei intensiv auf-
kommender Naturverjüngung. Der Aufwand in
der Jungwuchspflege kann dann auf das Ent-
fernen konkurrenzstarker Begleitbaumarten in
den Trupps reduziert werden. Zugleich min-
dern die Begleitbaumarten in den Zwischen-
feldern die Randeffekte und erhöhen damit
die Zahl potenzieller Auslesebäume.
Fehlt der Nebenbestand aus Hainbuche und anderen Mischbaumarten, erschweren Bodenvegetation und er-
höhte Mortalität durch Insektenbefall die Verjüngungsfreudigkeit der Bestände

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Entwicklung eines Eichenbestandes aus Trupppflanzung. Nicht nur im Vorgarten oder am Straßenrand ist eine Vorstellung von der spä-
teren Größe des Baumes hilfreich. Im Wald reicht es aus, wenn alle 6 bis 15 Meter ein Auslesebaum entsteht.
a) Die hohe Pflanzendichte im Trupp
(ca 10.000 Stück/ha) beeinflusst die Schaftqualität
positiv. Gepflanzt werden nur 4.000 Eichen.
b) Im Eichentrupp sind Mischbaumarten nicht
erwünscht und geduldet. Im Zwischenbereich sorgen
sie für seitlichen Konkurrenzdruck und frühzeitige
Erträge.
c) Haben die Eichen die gewünschten astfreien
Schäfte, werden die besten Bäume ausgewählt und
ihre Kronenentwicklung in drei bis vier Durchfors-
tungen gefördert. Zugleich kann auch der Großteil
der Nebenbaumarten entnommen werden.
d) Zur Stabilisierung des Bestandes sollte ein Un-
terstand dienender Baumarten (HBU / WLI) etabliert
werden. Im Kronenraum, der fast nur noch aus Ei-
chen besteht, herrscht lockerer Kronenschluss.
e) Der lockere Kronenschluss ist die Voraussetzung,
dass der Unterstand aufwächst und seine positiven
Wirkungen entfalten kann. In den Eichenkronen ist
kaum noch etwas zu tun.

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Positive Wirkungen sind auch für zukünfti-
ge Durchforstungen und die Etablierung des
Nebenbestandes absehbar. Gegenüber der ge-
schlossenen Eichenkultur können die Pionier-
baumarten Birke und Kiefer länger im Bestand
verbleiben. Damit stehen die hohen Holzzu-
wächse dieser Arten als kosten deckende Vor-
nutzungen zur Verfügung.
Unter dem lichten Kronendach der Birke oder
nach der Entnahme konkurrenzstärkerer Ar-
ten (Ahornarten, Fichte etc.) ergeben sich gute
Möglichkeiten zur Etablierung der dienenden
Hainbuchen und Linden. Wenn das Aufkom-
men von Naturverjüngung durch intensive
Bodenvegetation begrenzt wird, können diese
stammzahlarm auf den Zwischenfeldern mit
angebaut werden.
Saha, Somidh; Kühne, Christian; Kohnle, Ulrich; Bauhus, Jürgen
(2013):
Zur Eignung von Nester- und Trupppflanzungen für die Begründung
von Eichenbeständen. AFZ-Der Wald 2/2013,
S.
37-39,
gefunden:
http://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/
waldbau/verjuengung/fva_nester_trupppflanzungen/
Peter Schütt, Hans Joachim Schuck, Bernd Stimm (Hrsg.):
Lexikon der Baum- und Straucharten. Das Standardwerk der
Forstbotanik. Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik
wichtiger Baum- und Straucharten. Nikol, Hamburg 2002,
ISBN 3-933203-53-8, S. 34
Zöscher, J. (2006):
Laubholz erfolgreich pflegen. Der Forstschrittliche Landwirt, Graz,
(8):
14-15,
gefunden:
http://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/
waldbau/pflege/bfw_laubholz_pflege
Sven Martens ist Referent im Referat
Waldbau, Waldschutz, Verwaltungsjagd
im Kompetenzzentrum Wald und Forst-
wirtschaft von Sachsenforst
Saatgutbestände
Ernte auch bei kleinem Waldbesitz wirtschaftlich interessant und für
die Zukunft des Waldes wichtig
Qualitativ hochwertige Kirsche
Blühen und fruktifizieren die Waldbäume, reift
meist schnell der Gedanke, Eicheln und Buch-
eckern zu sammeln und zu verkaufen. Manch-
mal kommt der Anstoß auch durch einen Förs-
ter im Rahmen der Beratung oder durch einen
Baumschulbetrieb, der Saatgut oder Ernte-
rechte nachfragt. Bevor jedoch geerntet wer-
den kann, ist der Bestand auf seine Eignung
als Forstsaatgutbestand zu prüfen, außerdem
muss er von der Forstbehörde zugelassen wer-
den. Der folgende Beitrag soll Fragen der Zu-
lassung von Erntebeständen beantworten.
Wie erfolgt die Zulassung von Saatgutbe-
ständen?
Jeder Waldbesitzer, Baumbesitzer oder forst-
wirtschaftliche Zusammenschluss kann bei-
Sachsenforst (Referat Obere Forstbehörde)
einen formlosen Antrag auf Zulassung ei-
nes Forstsaatgutbestandes stellen. Der An-
trag sollte eine Auflistung der Bestände
bzw. Baumarten mit Angabe des Alters und
der Baumartenfläche enthalten. Erforderlich
sind darüber hinaus die Mitteilung der Wald-
ortbezeichnung (Abteilung, Unterabteilung,
Teilfläche) oder die genaue Katasterangabe
(Gemeinde, Gemarkung, Flur und Flurstück).
Hilfreich ist außerdem ein Kartenauszug der
Forst- oder Flurkarte, auf dem die Waldbe-
stände markiert sind.
Die obere Forstbehörde setzt sich zeitnah mit
dem Waldbesitzer in Verbindung und stimmt
einen Vor-Ort-Termin zur Begutachtung der
Bestände ab. Im Rahmen eines Waldbeganges
werden die Bestände hinsichtlich der Zulas-
sungskriterien beurteilt und die Grenzen der
Zulassungseinheit festgelegt. Entspricht der
Bestand den Anforderungen, erfolgt die Zulas-
sung mittels eines Bescheides und die Regis-
trierung der Zulassungseinheit unter Vergabe
eines speziellen Registerzeichens im Erntezu-
lassungsregister des Freistaates Sachsen. Dem
Bescheid liegen der Registerauszug, die Kar-
te zur Abgrenzung des Forstsaatgutbestandes
und ein Muster-Sammelbuchblatt bei. Der Be-
scheid berechtigt den Wald- und Baumbesit-
zer bzw. seinen Beauftragten im Forstsaatgut-
bestand zu ernten, wenn das Erntegut durch
den Waldbesitzer oder durch einen Dienstleis-
ter in Verkehr gebracht bzw. verkauft werden
soll.
Mit der Zulassung des Bestandes und der Ver-
gabe des Registerzeichens ist eine wesentli-
che Voraussetzung zur Erzeugung von Forst-
vermehrungsgut erfüllt.
Welche rechtlichen Vorschriften liegen der
Zulassung zugrunde?
Maßgeblich für die Erzeugung von forstlichem
Vermehrungsgut (es gibt neben dem Saatgut
noch Pflanzengut und Pflanzenteile) sind das
Forstvermehrungsgutgesetz (kurz FoVG) sowie
die Forstvermehrungs-Zulassungsverordnung
(FoVZV). Das FoVG regelt im Detail die Erzeu-
gung, das Inverkehrbringen sowie die Ein- und
Ausfuhr von forstlichem Vermehrungsgut von
26 Baumarten, der Hybridlärche und der Gat-
tung Pappel.
Gleichzeitig wendet sich das FoVG an die
Wald- und Baumbesitzer sowie an die Baum-
schulbetriebe und Dienstleister, die forstli-
ches Vermehrungsgut gewerblich erzeugen
und handeln. Wesentlich dabei ist, dass das
Vermehrungsgut nur durch angemeldete, d. h.
behördlich registrierte und kontrollierte Forst-

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samen- und Forstpflanzenbetriebe erzeugt
und in den Verkehr gebracht werden darf. Für
Wald- und Baumbesitzer, die selbst ernten
und Forstvermehrungsgut verkaufen wollen,
bedeutet dies, sich bei der für den Betriebssitz
zuständigen unteren Forstbehörde (Landkreis/
kreisfreie Stadt) als Forstsamen- und Forst-
pflanzenbetrieb anzumelden. Für die Ernte
und Verwendung von Vermehrungsgut (bspw.
Wildlinge oder Saatgut) im Eigenbetrieb ist
dies jedoch nicht notwendig. Wird der zuge-
lassene Forstsaatgutbestand verpachtet oder
die Ernte bspw. einem Baumschulbetrieb über-
lassen, gehen Rechte und Pflichten auf den
Pächter bzw. das Ernteunternehmen über. Im
Einzelnen hängt dies von der Vertragsgestal-
tung ab. Die Privat- und Körperschaftswald-
förster des Staatsbetriebes Sachsenforst be-
raten auch hierzu.
Erntebestände müssen die strengen Anforderungen an Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und Qualität erfüllen
Welche Anforderungen müssen Forstsaat-
gutbestände erfüllen?
Die Erzeugung von forstlichem Vermehrungs-
gut ist nur von zugelassenem Ausgangsmate-
rial erlaubt. Ausgangsmaterial stellen im We-
sentlichen Erntebestände, Samenplantagen
und Klone dar. Die größte Bedeutung kommt
hierbei den Erntebeständen (in der Praxis ein-
fach als Forstsaatgutbestände bezeichnet) zu.
Die Zulassung der Erntebestände erfolgt in der
Kategorie „Ausgewählt“. Gegenwärtig gibt es
in Sachsen 767 Erntebestände. Jährlich kom-
men mehr neue hinzu als wegfallen, was gut
für die genetische Vielfalt und für das Ange-
bot hochwertiger und identitätsgesicherter
Saat- und Baumschulsortimente ist.
Die Auswahl und Beurteilung eines Bestandes
erfolgt innerhalb eines Herkunftsgebietes auf
Populationsebene i. d. R. nach äußerlich er-
kennbaren Kriterien. Im Vergleich zu benach-
barten oder anderen Beständen der gleichen
Baumart, unter ähnlichen ökologischen Bedin-
gungen sollen Erntebestände einen Holzvolu-
menzuwachs aufweisen, der über dem Mittel-
wert vergleichbar bewirtschafteter Bestände
liegt, sowie über ein besonders gutes Erschei-
nungsbild in Hinsicht auf Form und Habitus
verfügen. Vorzugsweise sollen Bestände von
Baumarten, die in dem Herkunftsgebiet natür-
lich vorkommen (autochthon sind) als Ernte-
bestände zugelassen werden. Der überwiegen-
de Teil der Bäume eines Erntebestandes muss
die strengen Anforderungen an Gesundheit,
Widerstandsfähigkeit und Qualität erfüllen.
Hinzu kommen baumartenabhängige Mindest-
anforderungen an das Alter, die Anzahl der
Bäume im Bestand und die Baumartenfläche.
Können die Gesundheit und die Wuchsleistung
als gut bis sehr gut eingestuft werden, erfolgt
die weitere Beurteilung hinsichtlich qualitati-
ver Merkmale, welche die Holzeigenschaften
bestimmen. Dies sind insbesondere die Wip-
fel- und Geradschäftigkeit, die Vollholzigkeit,
die Schaftrundheit, die Feinastigkeit sowie
Astreinigung und Überwallung. Das häufi-
ge Auftreten von Zwieseln, Drehwuchs und
Steilästen, welche zumeist genetisch bedingt
sind, sowie ein hoher Anteil von Starkästen
und Wasserreisern schließen eine Zulassung
des Bestandes aus. Befinden sich in der Nähe
andere schlecht veranlagte Bestände der glei-
chen oder nah verwandten Baumarten und ist
ein isoliertes Abblühen nicht gewährleistet,
muss die Zulassung ebenfalls versagt werden.
In der Regel erfolgt die Zulassung nur für
eine Baum art. Bei nahe verwandten Arten wie
Stiel- und Trauben-Eiche, Winter- und Som-
merlinde sowie Sand- und Moorbirke ist eine
Beimischung der jeweils anderen Art bis zu
20 % im Bestand zulässig. Erfüllt ein Bestand
die vorgenannten Merkmale, kann er als Ern-
tebestand in der Kategorie „Ausgewählt“ zu-
gelassen werden.
Markierung eines Erntebestandes
Welche Pflichten als Wald- und Baumbe-
sitzer ergeben sich aus der Zulassung von
Forstsaatgutbeständen?
Mit der Zulassung des Erntebestandes oblie-
gen dem Wald- und Baumbesitzer auch Pflich-
ten. Dazu gehört, die Zulassungseinheit/den
Forstsaatgutbestand sichtbar und dauerhaft
im Gelände an den Grenzbäumen mittels drei
untereinander liegender Farbringe (gelb-grün-
gelb) zu markieren, siehe Abbildung unten.
Die Markierung dient dem Schutz des Bestan-
des bei der Bewirtschaftung sowie der Orga-
nisation der Ernte. Die Ernte ist rechtzeitig
– drei Werktage vor Beginn der Erntemaßnah-
men im Bestand – bei der unteren Forstbehör-
de anzuzeigen, die die Beerntung kontrolliert.
Unabhängig davon hat der Waldbesitzer die
Erntemaßnahmen selbst oder durch einen Be-
auftragten zu beaufsichtigen. Das Erntegut ist
in der vom Waldbesitzer eingerichteten Sam-
melstelle bis zum Ende der Ernte zu lagern.
Während der Ernte sind die täglich geernteten
Mengen im Sammelbuch zu vermerken. Das
Sammelbuch ist zehn Jahre aufzubewahren
und dokumentiert die Entstehung der Ernte-
menge. Verläuft die Ernte ordnungsgemäß,
erteilt die untere Forstbehörde mit Abschluss
der Ernte das Stammzertifikat, welches die
Herkunft des Saatgutes bestätigt und erlaubt,
dass das Saatgut zum ersten Bestimmungs-
ort (Baumschule, Darre usw.) gebracht werden

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darf. Gleichzeitig registriert die untere Forst-
behörde die Erntemenge.
Die zugelassenen Erntebestände werden tur-
nusmäßig alle fünf bis sieben Jahre oder an-
lassbezogen überprüft. Ändern sich aufgrund
von Bewirtschaftungsmaßnahmen oder Schad-
ereignissen die Baumzahl oder die Baum-
artenfläche, so ist dies der oberen Forstbehör-
de mitzuteilen. Sind die Zulassungskriterien
nicht mehr gegeben, wird die Zulassung wi-
derrufen und der Erntebestand aus dem Ernte-
zulassungsregister gestrichen. Vor dem Wi-
derruf geerntetes Saat- und Pflanzgut darf
weitergehandelt sowie zur Aussaat und Erzeu-
gung von Pflanzenmaterial genutzt werden.
Forstvermehrungsgut leistet einen wichtigen Beitrag zur genetischen Vielfalt
Wie werden Erntebestände richtig ge-
pflegt?
Verbindliche Pflegerichtlinien gibt es nicht, so-
dass an dieser Stelle nur Empfehlungen gege-
ben werden können. Potenzielle oder bereits
zugelassene Bestände müssen rechtzeitig und
richtig gepflegt bzw. durchforstet werden. In
Reinbeständen sollten die vitalsten und qua-
litativ besten Bäume (die später zu beernten-
den Bäume) durch Entnahme von Bedrän-
gern gefördert werden, damit sich die Kronen
gut entwickeln können. Schlechtformige und
kranke Bäume sind frühzeitig zu entnehmen.
In Mischbeständen sollte unter Beachtung
der Mindestbaumzahlen und einer möglichst
gleichmäßigen Verteilung der Bäume auf der
Fläche, eine Mischungsregulierung zugunsten
der zugelassenen Baumart erfolgen. So ge-
pflegte Bestände bzw. Bäume blühen besser
und tragen meist reichlich „Mast“ (Ertrag an
Samen), sofern es das Wetter und die Wald-
schutzsituation im jeweiligen Jahr erlauben.
Saatgutbestand
Was bringt die Ernte von Forstvermeh-
rungsgut finanziell?
Neben dem Holz, kann mit der Werbung und
dem Verkauf von Saatgut und Wildlingen auch
im Kleinprivatwald ein zusätzliches Einkom-
men erzielt werden. Auf Bestandesebene ent-
scheiden die Fruktifikation (bspw. Voll- oder
Sprengmast) sowie die Beerntbarkeit (bspw.
Unterstand, Vergrasung, Bestandesaufschluss)
über den Aufwand bei der Ernte und damit
über den Ertrag. Darüber hinaus werden die
Erlöse und Nutzungsentgelte stark von der
Marktsituation, insbesondere der Verfügbar-
keit des Vermehrungsgutes (Angebot und
Nachfrage) bestimmt. Auch die Anzahl zuge-
lassener Bestände einer Baumart innerhalb
eines Herkunftsgebietes (Seltenheit) oder das
Gesundheitsrisiko (bspw. Eschentriebsterben)
spielen eine Rolle. Aufbereitetes und gerei-
nigtes Saatgut ist generell zu einem höheren
Preis handelbar als Rohsaatgut und Zapfen.
Wird selbst geerntet, lassen sich die Kosten
für die Ernte weiter senken. Die Früchte der
schwersamigen Stiel-, Trauben- und Rot-Eiche
sind als Roherntegut meist ohne aufwendige
Reinigung verkaufsfähig.
Werden Ernte bestände an Dritte (bspw. an
Baumschulen oder Saatguthändler) verpach-
tet, liegen die Nutzungs- bzw. Pachtentgelte
für Zapfen der Fichte und Kiefer bei ca. 0,40
bis 0,70 Euro/kg, bei den Eichenarten bei ca.
1,00 bis 2,50 Euro/kg. Schätzungsweise wer-
den den Wald- und Baumbesitzern zwischen
10 bis 15 % des Waren- bzw. Marktwertes
des gereinigten und aufbereiteten Saatgutes
bezahlt. (Die Angaben der Preise und Entgel-
te beruhen auf einer Markteinschätzung des
Zentrums für forstliches Vermehrungsgut von
Sachsenforst.)
Zusammenfassung
Auch Privatwaldbesitzer mit kleineren Wald-
flächen können zu „Produzenten“ von Forst-
vermehrungsgut werden und damit einen
Beitrag zur genetischen Vielfalt leisten. Vor-
aussetzung hierfür ist die Zulassung geeigne-
ter Waldbestände als Erntebestände. Soll das
Vermehrungsgut in Eigenregie geerntet und
vermarktet werden, ist eine Registrierung als
Forstsamen- und Forstpflanzenbetrieb bei der
zuständigen unteren Forstbehörde erforder-
lich. Ernte und Verkauf von Saat- und Pflanz-
gut sind betriebswirtschaftlich interessant und
stellen eine zusätzliche Einnahme zum Holz-
verkauf dar.
Jörg Fleischer ist Referent
der oberen Forst- und Jagdbehörde,
Naturschutz im Wald
in der Geschäftsleitung von Sachsenforst

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Waldschutzsituation in Sachsen
Abiotische Schäden
Im Winter 2012/2013 fielen sachsenweit
ca. 270.000 m³ Wurf- und Bruchholz durch
Schneebruch und -druck an.
Im Juni 2013 sorgten Starkregenfälle für
Hochwasser. Das führte kleinflächig zur Über-
flutung von Beständen. Zusätzlich kam es lo-
kal zu starken Schäden durch Hagelschlag,
hauptsächlich betroffen war die besonders
gefährdete Baumart Kiefer. Stark geschädigte
Kiefern starben forciert durch die hochsom-
merliche Witterung in der Folgezeit ab. Dane-
ben wurden aber auch Rotbuche und weitere
Baumarten vom Hagelschlag in Mitleiden-
schaft gezogen.
Der Juli wurde dann von warm-trockenem
Sommerwetter bestimmt. Abweichend vom ty-
pischen Trend eines Frühjahresmaximums er-
eigneten sich im Juli 2013 mehr als ein Drittel
aller Waldbrände des Jahres, was auf die ex-
trem hohen Temperaturen von bis zu 38 °C im
Maximum im Tiefland, verbunden mit geringen
Niederschlägen, zurückzuführen war. Mit ins-
gesamt 28 Bränden auf 2,31 ha stellt die Ge-
samtbilanz jedoch das Minimum für Sachsen
seit 1990 dar.
Durch Hagelschlag geschädigte und abgestorbene Kiefern (Bilder links und Mitte) und von Hagel geschädigte Rotbuchenzweige (Bild rechts)
Durch Buchdrucker, zum Teil in Kombination mit Kupferstecher, befallene Holzmenge
registriert Juni – Dezember im Befallsjahr
registriert Januar – Mai im Folgejahr
1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
120.000
100.000
80.000
60.000
40.000
20.000
0
140.000
Befallsholz [m³ (fm)]
2013
Schäden in Fichtenbeständen
Die für das Borkenkäferjahr 2013/2014 regis-
trierte Stehendbefallsmenge entspricht mit
28.000 m³ dem Viereinhalbfachen des Vor-
jahreswertes. Davon entfallen etwa 40 % auf
den Privat- und Körperschaftswald. Die güns-
tigen Witterungsbedingungen im Spätsom-
mer / Herbst 2013 ermöglichten noch sehr spät
angelegten Käferbruten eine Entwicklung zu
Stadien, die problemlos auch außerhalb des
Brutbaumes überwintern konnten. Unter Be-
rücksichtigung des Witterungsverlaufs war
insgesamt von einer geringen Mortalität im
Winter 2013/2014 auszugehen. Hohe Fang-
zahlen ab April 2014 bestätigten diese Er-
wartungen. Der außergewöhnlich warme und
niederschlagsarme Winter 2013/2014 verur-
sachte zwar keine nennenswerten Wurf- und
Bruchschäden als wesentliche Faktoren, die
eine Massenvermehrung der rindenbrüten-
den Borkenkäfer an Fichten auslösen können,
führte aber im Frühjahr 2014 zu einem an-
gespannten Wasserhaushalt. Das galt insbe-
sondere für Standorte mit geringer Wasser-

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speicherkapazität. Dies erhöhte zu Beginn der
Vegetationszeit die Prädisposition der Fichten-
bestände wesentlich. Die Kombination hoher
Käferdichten und gestiegener Befallsgefähr-
dung führt in Abhängigkeit von den Witte-
rungsbedingungen in der Schwärmzeit (Tem-
peratur und Niederschlag) zu einem erhöhten
Befallsrisiko.
Die Daten des im Internet veröffentlichten
Borkenkäfermonitorings belegen die für dieses
Frühjahr erwartete und über den Sommer an-
haltende verstärkte Käferaktivität
(http://www.forsten.sachsen.de/wald/191.htm).
Die schnelle Erkennung von frischem Ste-
hendbefall und dessen anschließende Sanie-
rung vor dem Ausflug der sich entwickeln-
den Jungkäfer ist nach wie vor die wichtigste
Waldschutzmaßnahme.
Für den Kupferstecher gelten im Wesentli-
chen die gleichen Einschätzungen wie für den
Buchdrucker.
Regionale Verteilung des Buchdruckerbefalls im Borkenkäferjahr 2013/2014
(alle Eigentumsarten nach Landkreisrevieren)
Schäden in Kiefernbeständen
Von den routinemäßig überwachten nadel-
fressenden Insekten geht in diesem Jahr von
den Schmetterlingsarten Nonne und Kiefern-
spinner das größte Gefährdungspotenzial
aus. Dies ist jedoch auf den nördlichen Teil
der Landkreise Görlitz und Bautzen begrenzt.
Im Bereich der Muskauer Heide entstanden
bereits im Juni und Juli 2013 lokal merkliche
bis starke Fraßschäden auf einer Fläche von
ca. 450 ha. Prognoseverfahren, insbesondere
Eisuchen, wiesen im Frühjahr 2014 für eine
Fläche von etwa 750 ha einen deutlich erhöh-
ten Nonnenbesatz auf. Unter Berücksichti-
gung der Restbenadlung in bereits vorgeschä-
digten Beständen erreichten die berechneten
Gefährdungsziffern als Bewertungsmaßstab
für die in 2014 zu erwartenden Fraßschäden
Werte bis zu 23,0; wobei ab 1,0 mit Kahlfraß
zu rechnen ist.
Anfang Mai fand in diesem Gebiet erstma-
lig, nach den mit der Neufassung des Pflan-
zenschutzgesetzes 2012 geltenden pflanzen-
schutzrechtlichen und landesspezifischen
Zuständigkeitsregelungen, eine Bekämpfung
der Nonne mittels Luftfahrzeug (siehe Foto)
auf einer Fläche von ca. 125 ha im Privatwald
statt. Die durchgeführten Erfolgskontrollen
in den behandelten Kiefernbeständen bestä-
tigen die Wirksamkeit der durchgeführten
Pflanzenschutzmittelbehandlung mit KARATE
FORST flüssig. In den übrigen potenziellen Be-
fallsgebieten im nördlichen Landesteil wird die
Populationsentwicklung intensiv überwacht.
Durch Nonnen- und Kiefernspinnerfraß 2013 ge-
schädigte Kiefern in einem Kiefern-Birken-Mischbe-
stand in der Muskauer Heide
Im Mai 2014 zur Bekämpfung der Nonne eingesetztes
Luftfahrzeug
[Bild: LfULG, Ralf Dittrich]
Durch Kiefernadelgallmückenlarven geschädigte und
nicht geschädigte Kiefern
Nahaufnahme eines durch Kiefernadelgallmücken-
larven geschädigten Triebes

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Regional auffällig war im Sommer 2013 die
Entnadelung des jüngsten Nadeljahrganges
auf ca. 1.200 ha in Kiefernbeständen in Nord-
ostsachsen, verursacht durch Kiefernnadel-
gallmückenarten. Der Fraß der Larven dieser
Arten führt durch Aushöhlung der Nadelbasis
zu „Sollbruch-/Abfallstellen“ der Nadeln. Es
entstand damit das auffällige Schadbild (sie-
he Foto S. 15 unten rechts). Entsprechende
Schäden traten auch in diesem Jahr wieder
in mindestens vergleichbarer Größenordnung
auf. Gegenmaßnahmen sind nicht erforderlich.
Befallsflächen [ha] durch Eichenwickler
1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Befallsfläche [ha]
8.000
6.000
4.000
2.000
0
2013
davon merklich befressen
davon stark befressen
2014
Befallsflächen [ha] durch Frostspanner
davon merklich befressen
davon stark befressen
1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Befallsfläche [ha]
0
3.500
2.000
1.500
1.000
500
3.000
2.500
2013
2014
Schäden in Laubbaumbeständen
Die im Frühjahr 2014 in Eichenbeständen
durch Frostspanner- und Wicklerarten verur-
sachten Fraßschäden fielen wesentlich gerin-
ger als in den Vorjahren aus (siehe Abb. un-
ten). In den letzten Jahren dominierten die
Frostspannerarten das Fraßgeschehen. Die z. T.
im letzten Jahr sehr hohen Populationsdichten
der Frostspanner (v. a. Gemeiner Frostspanner)
sind vermutlich durch die im Frühjahr 2013
recht ungünstigen Bedingungen (starke Nie-
derschlage, z. T. kühle Witterung) und auch
gebietsweise durch Fraß-Konkurrenz der Rau-
pen (Folge: Verhungern) zusammengebrochen.
Wie sich die Populationen der Frostspanner-
und Wicklerarten weiterentwickeln, können
erst die Standardverfahren zur Überwachung
dieser Arten im Herbst/Winter 2014/2015 und
Frühjahr 2015 zeigen.
Das 2012 erstmalig festgestellte lokal eng be-
grenzte Auftreten des Eichenprozessionsspin-
ners in Sachsen am nördlichen Stadtrand von
Dresden und der angrenzenden Dresdner Hei-
de wurde 2013 und 2014 erneut nachgewie-
sen. Eine räumliche Ausdehnung des Befalls
sowie eine Zunahme der Befallsintensität war
in diesem Gebiet jedoch nicht zu beobachten.
Erstmalig wurde 2014 an dieses Befallsgebiet
nordöstlich angrenzend auch im Landkreis

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| 17
Bautzen ein Neubefall festgestellt. Im Land-
kreis Nordsachsen/Forstbezirk Taura wurden
2013, nachdem in den Vorjahren in dieser Re-
gion nur Falterfänge in Pheromonfallen das
Auftreten dieser Art anzeigten, punktuell auch
Raupen registriert. Das Vorkommen wurde in
diesem Frühjahr erneut bestätigt.
Schäden durch Pilze
Von den wirtschaftlich relevanten pilzlichen
Schaderregern ist das mittlerweile flächende-
ckend verbreitete Eschentriebsterben der der-
zeit auffälligste Erreger. Das vom Eschentrieb-
sterben verursachte Schadniveau ist nach wie
vor hoch, wobei in den Beständen i. d. R. so-
wohl abgestorbene und stark geschädigte, als
auch schwach bis nicht geschädigte Eschen
vorkommen. Ein generelles flächiges Abster-
ben ist bisher nicht zu beobachten. Trotz in-
tensiver Forschungen Dritter auf diesem Ge-
biet zeichnen sich noch keine geeigneten
Gegenmaßnahmen ab. Aufgrund der hohen
Ausfallwahrscheinlichkeit wird derzeit vom
Anbau der Esche abgeraten. Es sollten andere,
den jeweiligen Standortsverhältnissen ange-
passte Baumarten verwendet werden.
Im Vorjahr wurden gebietsweise Lärchenbe-
stände durch die Lärchenschütte deutlich ge-
zeichnet.
Schäden durch Säugetiere
Nach den Verbiss- und Schälschäden durch
wiederkäuende Schalenwildarten geht auch
von forstschädlichen Kurzschwanzmäusen
eine Gefährdung für Verjüngungsflächen aus.
Diese weist, bedingt durch die spezifische Po-
pulationsdynamik der Mausarten, eine ge-
wisse Periodizität auf. Die im Frühjahr 2014
festgestellte Fläche mit Fraßschäden durch
Kurzschwanzmäuse fiel insgesamt relativ ge-
ring aus. Die vorliegenden Fänge auf den Mo-
nitoringflächen weisen bisher keine aktuelle
Gefahr aus. Aus mehreren Regionen wurden
gegenwärtig aber durch Schermaus verur-
sachte Fraßschäden, vor allem auf Erstauf-
forstungsflächen angezeigt. Im Gegensatz
zur Landwirtschaft, die meist in der Vegetati-
onsperiode Mäuseprobleme in speziellen Kul-
turen hat, treten die Hauptprobleme im Forst
im Herbst / Winter auf. Sommerschäden kon-
zentrieren sich meist an Feld rändern. Die Ent-
wicklung sollte intensiv beobachtet werden.
Prognosen für den Forst sind erst im Spät-
sommer möglich. Der milde Winter, der zeiti-
ge Frühlingsbeginn und die günstige Vegeta-
tionsentwicklung im Mai und Juni waren aber
tendenziell förderlich – auch für forstschäd-
liche Mausarten.
Franz Matschulla ist Sachbearbeiter im
Referat Waldbau, Waldschutz,
Verwaltungsjagd im Kompetenzzentrum
Wald und Forstwirtschaft von
Sachsenforst
Verkehrssicherung und Naturschutz –
ein Widerspruch?
Die Erfüllung von Verkehrssicherungspflichten
im und am Wald kann den Belangen des Na-
turschutzes zuwiderlaufen, da beide Bereiche
oftmals konträre Ziele verfolgen. So setzt bei-
spielsweise die in § 18 Abs. 1 des Waldgeset-
zes für den Freistaat Sachsen (SächsWaldG)
geregelte pflegliche Bewirtschaftung des Wal-
des voraus, einen angemessenen Anteil von
Totholz im Wald zu belassen. Dadurch erhöht
sich jedoch das Risiko, dass durch den Ab-
bruch eines morschen Astes oder durch den
Umbruch eines abgestorbenen Baumes ein
Körper- oder Sachschaden entsteht.
Wie kann der Waldbesitzer mit hieraus entste-
henden Konflikten umgehen, ohne ökologische
Anforderungen zu missachten oder sich einem
erhöhten Haftungsrisiko gegenüber Besuchern
seines Waldes auszusetzen?
Zur Klärung dieser Frage sind zunächst
Inhalt und Zweck der Verkehrssicherung
einerseits und des Naturschutzes anderer-
seits zu umreißen.
Die von der Rechtsprechung der Zivilgerich-
te in einer Vielzahl von Einzelentscheidungen
entwickelten, aus dem Schädigungsverbot des
§ 823 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches
BGB) abgeleiteten Grundsätze der Verkehrssi-
herung verpflichten denjenigen, der eine Ge-
ahrenquelle schafft, unterhält oder in seinem
erantwortungsbereich andauern lässt, die er-
orderlichen und ihm zumutbaren Vorkehrun-
en zu treffen, um eine Schädigung anderer
öglichst zu verhindern. Die Verkehrssiche-
ung obliegt dabei demjenigen, der über den
äumlichen Bereich, aus dem die Gefahr her-
ührt, rechtlich und tatsächlich bestimmen
ann. Für den Waldbesitzer im Sinne des § 5
ächsWaldG leitet sich die Verkehrssicherung
aher aus seinem Eigentum oder Besitz über
en Wald ab. Sie beinhaltet nach der stän-
igen Rechtsprechung des Bundesgerichts-
ofs (BGH) die Anlegung widerstandsfähiger
aumbestände, deren regelmäßige Kontrol-
e und die Beseitigung von Gefahrenquellen,
ozu insbesondere die Herstellung des Licht-
aumprofils an öffentlichen Verkehrswegen,
ie Beseitigung von Totholzästen und die Fäl-
ung nicht mehr standsicherer Bäume zählen
1
.
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f
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m
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r
k
S
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h
B
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w
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l
Der Naturschutz hat demgegenüber vollkom-
men andere Belange im Blickfeld. Hiernach
1
ausführlicher zur Verkehrssicherung im und am Wald vgl. Waldpost 2011, S. 14 ff.
(www.smul.sachsen.de/sbs/25508.htm)

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18 |
sind vornehmlich alte Bäume mit Höhlen,
Rindenspalten und Faulstellen und selbst tote
Bäume in besonderem Maße erhaltenswert.
Sie bieten einen unentbehrlichen Lebens-
raum für Tiere und bereichern gleichzeitig
das Landschaftsbild. Viele in Rindenspalten,
Baumhöhlen, Totholz oder Horsten lebende
Insekten, Vögel und Säugetiere wie beispiels-
weise Hirschkäfer, Eremit und Eichenheldbock,
Mittelspecht, Schwarzstorch, Rotmilan, See-
adler und Waldkauz, alle europäischen Fle-
dermausarten und die Haselmaus sind heute
gefährdet oder genießen besonderen Schutz.
Naturschutzrechtliche Regelungen bezwecken
daher die Erhaltung, Pflege und Entwicklung
von alten Baumbeständen, Totholz im Wald
und hierin vorkommenden Tierarten. So stel-
len höhlenreiche Altholzinseln sowie höhlen-
reiche Einzelbäume nach § 21 Abs. 1 Nr. 2 des
Sächsischen Gesetzes über Naturschutz und
Landschaftspflege (Sächsisches Naturschutz-
gesetz – SächsNatSchG) gesetzlich geschützte
Biotope dar, deren Zerstörung oder sonstige
erhebliche Beeinträchtigung das Gesetz über
Naturschutz und Landschaftspflege (Bundes-
naturschutzgesetz – BNatSchG) in seinem § 30
Abs. 2 untersagt. Von diesem gesetzlichen
Schutz werden bereits Einzelbäume mit nur
einer großen Höhle (zum Beispiel Schwarz-
spechthöhle) oder mehreren kleinen Höhlen
erfasst
2
.
Bäume ohne Höhlen können artenschutz-
rechtlichen Bestimmungen unterfallen, wenn
sie Lebensstätten geschützter Tierarten be-
herbergen. So verbietet § 44 Abs. 1 Nr. 2
BNatSchG, europäische Vogelarten während
der Fortpflanzungs-, Aufzuchts-, Mauser-,
Überwinterungs- und Wanderzeiten erheblich
zu stören. Eine erhebliche Störung setzt dabei
die Beeinträchtigung des örtlichen Vorkom-
mens dieser Art insgesamt, der sogenannten
lokalen Population voraus. Nicht jede Fällung
eines Baumes im Rahmen einer ordnungsge-
mäßen forstlichen Nutzung stellt somit eine
erhebliche Störung im Sinne des Naturschutz-
rechts dar. Je seltener allerdings eine Tierart
ist, desto schwerer fällt die Schädigung einer
einzelnen Lebensstätte ins Gewicht. Aus die-
sem Grund dürfen beispielsweise Bäume mit
Horsten von Schwarzstörchen oder Seeadlern
nicht ohne Weiteres gefällt werden.
Teile von Natur und Landschaft können wei-
terhin zum Naturschutzgebiet, Nationalpark,
Biosphärenreservat, Landschaftsschutzge-
biet, Naturpark, Naturdenkmal, geschützten
Landschaftsbestandteil erklärt oder als Na-
tura-2000-Gebiet ausgewiesen werden, wo-
mit gegebenenfalls eine Einschränkung der
Nutzungsbefugnisse des Waldbesitzers ein-
hergeht.
2
vgl. Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zum Vollzug des § 26 des Sächsischen Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege – Schutz bestimmter Bioto-
pe (VwV Biotopschutz) vom 27. November 2008, Sächsisches Amtsblatt Nr. 51 vom 18. Dezember 2008,
www.forsten.sachsen.de/wald/download/VwV_Biotopschutz_neu.pdf
3
Besprechung in Waldpost 2013/2014, S. 18 f.
(www.smul.sachsen.de/sbs/25508.htm)
Höhlenbaum als Fledermausquartier [Bild: Wilhelm]
Absterbende Eichen sind Habitat des Heldbocks
Wie lassen sich nun diese unterschiedli-
chen Sichtweisen in Einklang miteinander
bringen?
Einen ersten Ansatz bietet bereits das Grund-
satzurteil des Bundesgerichtshofes (BGH)
vom 02.10.2012, Az.: VI ZR 311/11
3
. Es bestä-
tigt zwar den bereits dargestellten, strengen
Verkehrssicherungsmaßstab für Eigentümer
und Besitzer von Waldflächen an öffentlichen
Straßen und angrenzender Wohnbebauung.
Eine Verkehrssicherungspflicht für Waldwege
lehnt es aber im Hinblick auf das allgemeine
Betretungsrecht, den Haftungsausschluss für
waldtypische Gefahren und der Forderung des
Waldgesetzes nach einer möglichst naturna-
hen Waldbewirtschaftung mit ausreichendem
Totholzanteil ab. Das Urteil stellt darauf ab,
dass Risiken, die ein freies Bewegen in der Na-
tur mit sich bringen, grundsätzlich zum ent-
schädigungslos hinzunehmenden allgemeinen
Lebensrisiko gehören. Folglich sind an Wald-
wegen, selbst wenn diese häufig und durch
eine große Besucherzahl genutzt werden, we-
der regelmäßige Baumkontrollen durchzufüh-
ren noch Gefahren, die von lebenden oder to-
ten Bäumen ausgehen, zu beseitigen.
Mit einem weiteren Urteil vom 06.03.2014,
Az.: III ZR 352/13, entschied der BGH, dass
gesunde, naturbedingt jedoch vergleichs-
weise bruchgefährdete Baumarten wie Pap-
peln, Kastanien, Weiden oder Götterbäume an
Straßen und Parkplätzen weder zu beseitigen
noch sämtliche in den öffentlichen Verkehrs-
raum hineinragende Äste abzuschneiden sind.
Zur Begründung führt er aus, dass der Verkehr
gewisse Gefahren, die auf Gegebenheiten der
Natur selbst beruhen, als unvermeidlich hin-
nehmen muss.
Überzogenen Anforderungen an die Ver-
kehrssicherung, wie etwa regelmäßige
Baumkontrollen an stark frequentierten
Waldwegen oder die vorsorgliche Fällung
bzw. der Rückschnitt von Weichhölzern an
Straßen hat diese Rechtsprechung damit
nicht zuletzt aus ökologischen Gesichts-
punkten eine klare Absage erteilt.

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| 19
An öffentlichen Verkehrswegen, Erholungsein-
richtungen und Wohnbebauung besteht dem-
gegenüber eine Verkehrssicherungspflicht des
Waldbesitzers, die von Waldbäumen ausgehen-
den Gefahren im Rahmen regelmäßiger Baum-
kontrollen aufzudecken und zu beseitigen.
Konflikte zwischen Verkehrssicherung und
Naturschutz können hier bereits im Vorfeld
vermieden werden, wenn bei Planung, Ge-
staltung und Lenkung des Besucherverkehrs
im Wald naturschutzfachliche Belange mit
bedacht werden.
So sollten beispielsweise keine Sitzbänke,
Spielgeräte oder sonstige Erholungseinrich-
tungen unter alten Bäumen mit Höhlen, Spal-
ten oder abstehender Rinde installiert werden.
Entstehen Gefahrenquellen erst im Lauf der
Zeit im Umfeld solcher Einrichtungen, emp-
fiehlt sich deren Abbau. Nicht zuletzt kann der
Entstehung von Höhlenbäumen und Totholz
an Standorten mit besonderem Gefahrenpo-
tenzial durch regelmäßige Durchforstungen in
vielen Fällen entgegengewirkt werden.
Stellt sich bei einer Kontrolle des Baumbestan-
des heraus, dass dessen Stand- und Bruchsi-
cherheit durch Totäste oder die Vermorschung
eines Waldbaumes nicht mehr gegeben sind
und die Sicherheit an öffentlichen Verkehrs-
wegen oder an Wohnbebauung hierdurch be-
einträchtigt ist, wird der Baum im Regelfall
zu fällen sein. Handelt es sich bei dem zu fäl-
lenden Baum um einen höhlenreichen Einzel-
baum oder einen sonstigen geschützten Baum
oder bestehen Zweifel über den Schutzstatus
eines Baumes, ist die örtlich zuständige un-
tere Naturschutzbehörde der Landkreise bzw.
kreisfreien Städte (vgl. § 46 Abs. 1 Nr. 3 Sächs-
NatSchG) frühzeitig durch den Waldbesitzer in
den Entscheidungsprozess einzubinden.
Soweit die vorgesehene Sicherungsmaßnah-
me zu einer Beeinträchtigung des jeweiligen
Schutzzweckes führen kann und aus diesem
Grund einem Verbotstatbestand unterfällt, ist
bei der Naturschutzbehörde vor Beginn der
Fällung eine Ausnahmegenehmigung oder
eine Befreiung einzuholen. Bei Gefahr in Ver-
zug ist die Behörde auf die besondere Dring-
lichkeit der Sicherungsmaßnahme hinzuwei-
sen. Werden Bäume unter Verstoß etwa gegen
den gesetzlichen Artenschutz gefällt, liegt eine
Ordnungswidrigkeit, unter Umständen sogar
eine Straftat vor.
Jede Entscheidung der Naturschutzbehörde
im Rahmen des Genehmigungsverfahrens er-
fordert eine eigene sachliche Abwägung zwi-
schen Verkehrssicherung und Naturschutz.
Dabei sollte Berücksichtigung finden, dass ei-
nerseits durch die natürliche Verjüngung der
Waldbäume und die Lebensprozesse des Wal-
des die durch Fällung entstehenden Lücken
auf natürlichem Wege und in der Regel auch
ohne aktives Handeln wieder gefüllt werden
und andererseits dem Leben und der Gesund-
heit von Menschen gegenüber naturschutz-
rechtlichen Restriktionen der Vorrang einzu-
räumen sind.
Bei geschützten Einzelbäumen kann die Na-
turschutzbehörde innerhalb der ihr obliegen-
den Amtsermittlungspflicht eine eingehende
fachmännische Untersuchung unter Hinzuzie-
hung von Sachverständigen zur Feststellung
des Schadensumfanges und der Verkehrs-
gefährdung veranlassen. Nach einem Urteil
des Oberverwaltungsgerichts Münster vom
08.10.1993, Az.: 7 A 2021/92, sind die hierfür
anfallenden Kosten nicht dem Baumeigentü-
mer aufzubürden. Gegenüber der Fällung kön-
nen baumpflegerische Maßnahmen wie etwa
ein Rückschnitt oder eine Kronenkappung aus
naturschutzfachlicher Sicht zwar ein milde-
res Mittel zur Gefahrenbeseitigung darstellen,
da die Kosten hierfür aber der Verkehrssiche-
rungspflichtige trägt, sind solche Maßnahmen
im Hinblick auf die wirtschaftliche Zumutbar-
keit nur in begründeten Einzelfällen angezeigt.
Werden durch die Naturschutzbehörde als Fol-
ge der Fällung biotop- oder artenschutzrecht-
lich geschützter Bäume Ersatzmaßnahmen an-
geordnet, fallen deren Kosten ebenfalls dem
Waldbesitzer zur Last.
Untersagt die Naturschutzbehörde eine aus
Verkehrssicherungsgründen beantragte Baum-
fällung zu Unrecht, kann sie im Rahmen der
Amtshaftung für daraus resultierende Schä-
den haften.
Entlang von nichtöffentlichen Wald- oder Feldwegen besteht nach dem Urteil des BGH vom 06.03.2014 keine erhöhte Verkehrssicherungspflicht des Waldbesitzers
Höhlenreiche Altbäume und Altholzinseln sind ge-
setzlich geschützte Biotope nach § 21 Sächsisches Na-
turschutzgesetz. Bei Verkehrssicherungsmaßnahmen
ist die untere Naturschutzbehörde einzubeziehen.
Ziele des Naturschutzes können somit zwar
nicht auf Kosten der Verkehrssicherheit ver-
wirklicht werden, bei der Umsetzung der
Verkehrssicherung fließen aber die Belange
des Naturschutzes mit ein.
Anne-Kristin Sense ist Leiterin der
Zentralen Vergabestelle,
Verkehrssicherung, Innerer Dienst
von Sachsenforst

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20 |
Wie viel Holz steht in meinem Wald?
Der eine oder andere Waldbesitzer stand viel-
leicht schon vor dieser Frage. Sei es in Vor-
bereitung einer Hiebsmaßnahme, im Zuge
eines Flurneuordnungsverfahrens oder aus
reiner Neugier. Zur Bestimmung des im Wald
stockenden Holzvorrates wurde in den 40er-
Jahren des vergangenen Jahrhunderts vom
österreichischen Forstwissenschaftler Prof.
Bitterlich ein inzwischen weltweit angewen-
detes Verfahren entwickelt: die Winkelzähl-
probe.
Mittels einfacher Messinstrumente (siehe Ab-
bildung) kann damit jeder Waldbesitzer den
in seinem Wald stehenden Holzvorrat in Vor-
ratsfestmetern je Hektar (Vfm/ha) ermitteln.
Die Messung selbst folgt einem mathematisch
abgesicherten Prinzip und ist auch für den
Ungeübten leicht zu erlernen. Der Holzvorrat
wird dabei mit folgender Formel berechnet:
Holzvorrat
Vfm/ha
= Grundfläche x Höhe x Formzahl
Dazu muss das Messinstrument in einem fest-
gelegten Abstand, welcher durch eine Schnur
oder die Länge des Gerätes gegeben ist, senk-
recht vor das Auge gehalten werden.
Anschließend ermittelt man die Bestandes-
grundfläche, indem man sich einmal auf der
Stelle dreht. Dabei visiert man über das Mess-
gerät hinweg die Bäume an. Ist der Durchmes-
ser eines Baumes in Brusthöhe (1,3 m) dabei
breiter als das Zählblättchen, merkt man sich
für diesen Baum eine Eins. Für jeden weite-
ren ebenso. Ist der Baum schmaler als das
Zählblättchen, wird er ignoriert. Ist er genau
so breit, wird der Baum mit 0,5 gezählt. Die
so gezählten Bäume ergeben die Bestandes-
grundfläche.
Schwieriger wird es in dichteren Jungbestän-
den sowie in Altbeständen, in denen aufgrund
des Unterwuchses nur eine beschränkte Weit-
sicht möglich ist. In solchen Fällen, kann man
die Breite des Zählblättchens verdoppeln. Da-
durch wird der imaginäre Kreis, in dem Bäu-
me zu zählen sind, kleiner und andere Bäume
oder Unterwuchs stören nicht so stark. Dem
entsprechend hat ein Baum dann aber auch
einen doppelten Zählwert (also 2 statt 1 und
1 statt 0,5). Sollten immer noch zu viele Bäu-
me verdeckt werden, kann man den Zählfaktor
auch auf 4 (4 statt 1 und 2 statt 0,5) erhöhen.
Die Genauigkeit des Verfahrens sinkt aller-
dings bei höheren Zählwerten.
Nachdem die Bestandesgrundfläche an meh-
reren Stellen im Bestand erhoben wurde (je
ungleichartiger der Bestand, desto mehr Mes-
sungen sind notwendig), berechnet man aus
den Einzelmessungen den Mittelwert.
Als Nächstes wird die Höhe der Bäume ermit-
telt. Dies geschieht ebenfalls wieder an meh-
reren Bäumen und verschiedenen Stellen im
Bestand. Diese Bäume sollten über das gesam-
te Durchmesserspektrum verteilt sein.
So unterschiedlich die Messgeräte aussehen, sie alle arbeiten nach dem Prinzip der Winkelzählprobe: Bitterlich-
stab (vorn), „Göttinger Flaschenöffner“ (hinten links), „WaldTax“ von Sachsenforst (hinten rechts)
Mit etwas Übung ist die Winkelzählprobe auch für
Laien einfach durchzuführen (der Baum im Bild ist
breiter als das Zählblättchen mit der Zählzahl 1 und
wird deshalb gezählt)
Die Höhenmessung kann mittels Stockmetho-
de erfolgen. Dabei wird ein Stock, der exakt
die Länge des ausgestreckten Armes besitzt,
so gehalten, dass Baumspitze und Stammfuß
mit dem oberen und unteren Ende des Stockes
deckungsgleich sind. Dazu muss der Messende
entweder näher an den Baum herantreten oder
sich von diesem entfernen. Ist die Deckungs-
gleichheit erreicht, kann die Entfernung zum
Baum gemessen werden. Dieser Abstand mit
der Schulterhöhe des Messenden addiert, ergibt
die Baumhöhe (Beispiel: Abstand zum Baum
25 m, Schulterhöhe 1,5 m = 26,5 m Baumhöhe).
Für die Vorratsberechnungsformel wird wei-
terhin die Formzahl benötigt, sie beschreibt
die Schaftform eines Baumes als Abweichung
vom Zylinder. Als näherungsweise Formzahl
kann 0,5 verwendet werden. Baumartenspe-
zifische Formzahlen können aus speziellen Ta-
feln abgelesen werden.
Zu guter Letzt werden die ermittelten Werte in
die Formel eingegeben und im Ergebnis erhält
man den Bestandesvorrat.
Mittels dieser Methode lässt sich aber nicht
nur der Vorrat des stockenden Bestandes er-
mitteln, in Vorbereitung einer Hiebsmaßnahme
kann damit auch die Erntemenge abgeschätzt
werden. Dazu ist eine Probeauszeichnung
(Markierung der Bäume, die entfernt werden
sollen) im Bestand erforderlich. Statt aller
Bäume müssen nun nur die zur Entnahme ge-
kennzeichneten Bäume gezählt werden. Deren
Volumen wird dann mit der bereits beschrie-

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| 21
benen Methode berechnet und das Ergebnis
mit 0,8 multipliziert. Dies ist erforderlich, um
das tatsächlich zu nutzende Holzvolumen zu
erhalten. Dabei ist zu beachten, dass sich die
ermittelten Werte forstüblich auf 1 ha bezie-
hen. Das Ergebnis der Messungen ist auf die
entsprechende Flächengröße umzurechnen.
Für technikbegeisterte Waldbesitzer stehen
mittlerweile kostenlose Apps für das Smart-
phone zur Verfügung. Damit kann die Win-
kelzählprobe ebenfalls durchgeführt werden.
Sollten Sie Fragen zur Vorratsermittlung ha-
ben, wenden Sie sich an den für Sie zuständi-
gen Revierförster, er berät Sie gern und kann
Ihnen die beschriebene Methode in Ihrem
Wald demonstrieren.
Beispielrechnung zur Herleitung des Holzvorrates
Messung
Mittelwert
Berechnung
Grundfläche
1. 22 m²/ha
29,0 m²/ha
Holzvorrat
Vfm/ha
= Grundfläche x Höhe x Formzahl
Holzvorrat
Vfm/ha
= 29,0 m²/ha x 27,0 m x 0,5
Holzvorrat
Vfm/ha
= 391,5 Vfm/ha
2. 27 m²/ha
3. 34 m²/ha
4. 29 m²/ha
5. 32 m²/ha
6. 30 m²/ha
Höhe
1. 26,5 m
27,0 m
2. 28,0 m
3. 29,0 m
4. 25,5 m
5. 27,0 m
6. 26,0 m
Formzahl
0,5
Christian Heimpold ist Referent
Privat- und Körperschaftswald,
Forstpolitik in der Geschäftsleitung
von Sachsenforst
Arbeitssicherheit
Neue Hilfsmittel zum exakten Baumfällen – Fällzirkel und Fällfahne
Viele schwere und auch tödliche Arbeitsunfäl-
le im Wald resultieren aus fehlenden Kennt-
nissen über die Folgen von ungenauer und
unsachgemäßer Fällarbeit. Gerade privaten
Waldbesitzern, die nicht ständig in Übung sind
oder deren Ausbildung im Rahmen eines Mo-
torsägenlehrganges schon Jahre her ist, fällt
es schwer, die entsprechenden Schnitttechni-
ken korrekt auszuführen. Insbesondere bei der
Ausformung der Bruchleiste, welche quasi die
Lebensversicherung für den Fällenden und ggf.
der Beteiligten darstellt, ist eine sehr hohe Ge-
nauigkeit gefragt.
In den letzten Jahren sind in Deutschland
Hilfsmittel entwickelt worden, mit denen sich
der Fällschnitt genauer ausführen lassen soll.
Maßgeblich beteiligt an dieser Entwicklung
war Werner Daum, Forstwirtschaftsmeister
und Sicherheitstrainer in Rheinland-Pfalz.
Durch die Analyse der Fällarbeit seiner Kolle-
gen kam er zu dem Schluss, dass zu viele Män-
gel bei der Anlage des Fallkerbs als auch bei
der Ausformung der Bruchleiste toleriert wer-
den. Durch die Verwendung der neuen Hilfs-
mittel sind weniger Unfälle, die mit der Fäl-
lung im Zusammenhang stehen, zu erwarten.
Der Fällzirkel ist ein großer Zirkel mit einer
Spitze an einem Schenkel sowie einer Halte-
rung für Kreide bzw. Stift am anderen. Wenn
der Fallkerb fertig gesägt ist, setzt man den
Schenkel mit der Kreide von der Seite her an
die Fallkerbsehne an. Dabei wird der Fällzirkel
um genau so viel geöffnet (Abstand von Spit-
ze zu Kreide), wie die Bruchleiste breit werden
soll. Nun wird die Spitze ins Holz eingesteckt
und nach oben ein Halbkreis gezeichnet. An
der höchsten Stelle des Kreises wird ein kurzer
senkrechter Strich angebracht. Dieser Schnitt-
punkt mit dem Kreisbogen ist die Stelle, bis zu
welcher der Fällschnitt zu führen ist. Danach
wird auch die andere Seite des Baumes in glei-
cher Art und Weise markiert. Damit sind die
Bruchleistenbreite und die Bruchstufe (Fäll-
schnitthöhe) eindeutig gekennzeichnet. Am
besten geht das Anzeichnen, wenn vorher am
Stammfuß die Wurzelanläufe beigeschnitten
worden sind.
Für die Bruchleistenbreite (= Öffnung des
Fällzirkels) werden üblicherweise 10 % des
Stammdurchmessers, aber mindestens 3 cm
angesetzt. Um ganz sicher zu gehen, werden
jedoch 15 % plus 1 cm empfohlen. Dadurch
können z. B. auftretender schräger Faserver-
lauf im Holz oder mögliche Schneid- und An-
zeichentoleranzen ausgeglichen werden.
Die Fällfahne dient dazu, dem Motorsägen-
führer außerhalb des Baumstammes die Rich-
tung der Fallkerbsehne anzuzeigen. Dies soll
es erleichtern, eine gleichmäßige, parallele
Bruchleiste auszuformen. Die Fällfahne wird
mit dem Stab in den Fallkerbgrund eingelegt.
Durch die aufgezeichneten Linien kann der Sä-
genführer seine Säge parallel zur Fallkerbseh-
ne ausrichten.
Praxistests haben ergeben, dass sich die Qua-
lität der Fällarbeit mithilfe des Fällzirkels und
der Fällfahne deutlich verbesserten. Der größ-
te Vorteil liege jedoch im neu gewonnenen Si-
cherheitsgefühl, es auch wirklich richtig ge-
macht zu haben.
Fallender Baum

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22 |
So arbeiten Sie mit Fällzirkel und Fällfahne
Schritt 1:
Vorbereitung:
Zur besseren Übersichtlichkeit
wird der Stamm zunächst im Bereich der spä-
teren Bruchleiste möglichst im 90-Grad-Win-
kel zur Fällrichtung beigeschnitten.
Schritt 2:
Anlage des Fällkerbs:
Wie nach der Baum-
ansprache entschieden, erfolgt die Anlage des
Fällkerbs in die gewünschte Fällrichtung. Mit-
hilfe einer Messkluppe wird der Durchmesser
der Stammwalze ermittelt.
Schritt 3:
Bruchleiste und Bruchstufe bestimmen:
Bei
einem beispielweise 40 cm starken Baum-
stamm wird der Zirkel auf einen Wert von
7 cm eingestellt. Dieses Maß erhält man, in-
dem man zur ermittelten Bruchleistenbreite
(15 % eines 40 cm starken Baumstammes er-
geben 6 cm Bruchleistenbreite) 1 cm als Si-
cherheitsmaß hinzuaddiert.
Schritt 4:
Zirkel anlegen:
Damit nun die Bruchleiste
möglichst genau 7 cm breit und die Bruch-
stufe 7 cm hoch wird, legt man das Kreide-
ende des Zirkels in die Fallkerbsehne ein und
drückt dann die Metallspitze in Längsrichtung
dahinter in den Baumstamm.
Schritt 5:
Bogen schlagen:
Nun wird mit dem Fällzir-
kel ein Bogen geschlagen, an dessen höchs-
tem Punkt dann ein kurzer, senkrechter Strich
nach oben angezeichnet wird.
Schritt 6:
Schnittpunkt anzeichnen:
Der so entstan-
dene Schnittpunkt markiert für den Motor-
sägenführer den Punkt der Bruchstufenhöhe.
Gleichzeitig kennzeichnet er die Bruchleisten-
breite. Dies wiederholt man auch auf der an-
deren Stammseite, falls der Baumdurchmesser
größer als die Schienenlänge der Motorsäge
ist. Nun ist die Arbeit des Fällzirkels getan,
die erforderlichen Maße für Bruchstufe und
Bruchleiste sind am Stamm angezeichnet.
Schritt 7:
Fällfahne anlegen:
Nach dem Anzeichnen der
Bruchstufenhöhe und der Bruchleistenbreite
wird die Fällfahne mit dem Stab in die Fall-
kerbsehne gelegt. Der breitere Teil der Fällfah-
ne mit den Zähnen wird nun zusätzlich noch
etwas in die Stammwalze gedrückt, damit sich
ihre Lage beim Einsägen der Motorsäge in den
Stamm nicht verändert.
Schritt 8:
Schnittführung vorgegeben:
Mit dieser neu-
en Fällfahne legt sich der Motorsägenführer
die Fallkerbsehne quasi neben den Stamm
und unter die Motorsägenschiene. Somit kann
nun beim Fällschnitt eine möglichst exakte
Schnittführung erfolgen.

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Schritt 9:
Fällschnitt durchführen:
Der Fällschnitt wird
mit einem Schnitt in Höhe der angezeichneten
Bruchstufe begonnen. Nach dem Einstechen
in den Stamm, bewegt der Motorsägenführer
die Motorsäge in Richtung Fallkerb und steu-
ert genau den markierten Schnittpunkt von
Bruchleiste und Bruchstufe an. Um die Paral-
lelität bei der Ausformung der Bruchleiste zu
gewährleisten, schaut der Waldarbeiter beim
Einstechen in den Stamm von oben auf die
Schiene und achtet darauf, dass sie parallel
zu der auf den breiten Teil der Fällfahne auf-
gedruckten Linie läuft. Nach eventuell erfor-
derlicher Keilarbeit fällt der Baum nun exakt in
die vorher festgelegte Fällrichtung.
Schritt 10:
Saubere, sichere Fällung:
Das Ergebnis die-
ser Fällarbeit kann sowohl am Wurzelstock
als auch am Stammfuß betrachtet werden
– sicher gefälltes, qualitativ hochwertiges
Stammholz!
Der Artikel entstand mit freundlicher Unter-
stützung von Benedikt Rodens, Mitarbeiter der
Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten
und Gartenbau, Bereich Prävention.
Die vorgestellten Hilfsmittel sind derzeit nur
über einschlägige Onlinehändler im Internet
zu beziehen.
Thomas Irmscher ist Referent
Privat- und Körperschaftswald
im Forstbezirk Marienberg
Forstlicher Wegebau –
eine notwendige Investition
Wenn eine Waldpflege durchgeführt werden
soll, stellt sich die Frage, wie das Holz aus
dem Wald gerückt und abtransportiert werden
kann. Dafür ist ein intaktes Wegenetz erfor-
derlich, denn die Zeiten, in denen das Holz auf
Pferdefuhrwerken aus dem Wald gerollt kam,
sind vorbei. Heutzutage wird das Holz mit LKW
(Gesamtgewicht 40 t) vom Waldweg bis zum
Sägewerk gebracht. Aus diesem Grund wer-
den entsprechend ausgebaute Wege benötigt.
Abfuhrwege dienen der Walderschließung und ermöglichen die Holzabfuhr
Es werden drei unterschiedliche Erschlie-
ßungssysteme im Wald unterschieden:
Rückegassen
sind die befahrbaren Schnei-
sen im Waldbestand, auf denen sich Forst-
maschinen bewegen. Die Rückegassen sind
reine Erdwege, ohne zusätzlichen Material-
einsatz.
Transport- und Rückewege,
auf die die Rü-
ckegassen treffen, sind auch für den einge-
schränkten Fahrzeugverkehr, z. B. für Wald-
arbeiter oder Waldbesitzer mit ihrem Pkw,
ausgebaut (keine höhere Traglast).
Abfuhrwege
sind Transportwege, die für
die Holzabfuhr benötigt werden und dem-
entsprechend ausgebaut sind. Sie müssen
LKW mit 40 Tonnen Gesamtgewicht bei je-
dem Wetter tragen.
Wie viel Abfuhrweg braucht mein Wald?
Im Jahr 2008 wurde in Deutschlands Wäldern
das Abfuhrwegenetz kartiert. Die Auswertung
für Sachsen zeigt, dass es im Freistaat über
alle Eigentumsformen ca. 20 m Abfuhrweg
je Hektar Waldboden gibt. Davon abgeleitet,
ergibt sich eine durchschnittliche Entfernung
der Abfuhrwege zueinander von ca. 500 m.
Diese Erschließungsdichte ist in der Regel
vollkommen ausreichend, wird im Privatwald
aber zumeist nicht erreicht (im Durchschnitt
nur ca. 8 m je Hektar). Wie sollte das in der
Praxis aussehen? Bei einer durchschnittlichen
Erschließungsdichte von 20 m/ha werden in
einem Waldgebiet von 100 ha (1.000 m x
1.000 m) zwei Abfuhrwege benötigt, die mög-
lichst parallel zueinander liegen sollten.

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24 |
Zur Wegeentwässerung müssen ausreichend dimensionierte Gräben angelegt werden
Welche Bedeutung hat die Entfernung der
Abfuhrwege zueinander?
Bei der Verkürzung der Distanz der Abfuhrwe-
ge zueinander können Rückekosten durch die
verringerte Rückeentfernung gespart werden.
Demgegenüber stehen höhere Kosten für den
Wegeausbau und die -instandhaltung.
Da ein Großteil der Waldbesitzer nicht über
100 ha Wald (am Stück) verfügt, ist es op-
timal, wenn sich die Waldbesitzer, die eine
Holz erntemaßnahme durchführen möchten,
zusammenschließen. So kann sich jeder pro-
zentual an den Wegebaukosten beteiligen.
Denn aus finanzieller Sicht ist es nicht renta-
bel, wenn jeder Waldbesitzer seinen eigenen
Weg baut.
Welches ist die optimale Erschließungs-
variante mit Abfuhrwegen?
Das finanzielle Optimum stellen Stichwege
mit Wendestellen dar. Jedoch sind sie trotz
geringer Kosten unbeliebt. Wie oben bereits
erwähnt, verfügen parallel zueinander verlau-
fende Abfuhrwege im Abstand von 500 Me-
tern über eine gute Erschließungswirkung.
Bei der Betrachtung des Wegenetzes im
sächsischen Wald ist festzustellen, dass un-
sere Vorfahren den Wald schon ausreichend
erschlossen haben. Am wichtigsten für ein
Waldgebiet ist ein Zugang zur öffentlichen
Straße. An einem Abfuhrweg sollte beid-
seitig je ein Waldband von mindestens 250
Metern angrenzen. Dabei ist das Gelände zu
berücksichtigen. In steilem Gelände, wo bei-
spielsweise ein Seilkran zum Einsatz kommen
könnte, benötigt man den Weg am Oberhang
zum Stellen der Maschine. Im geneigten har-
vestertauglichen Gelände macht ein Weg am
Unterhang mehr Sinn, da hier die beladenen
Maschinen die Holzlasten auf den Rückegas-
sen nach unten transportieren.
Bachläufe oder andere natürliche Grenzen bil-
den sogenannte Transportgrenzen.
Die fünf Schritte zum Abfuhrweg
(mit Kalkulationshilfe)
Der Ablauf ist bei 95 % aller ungebundenen
Abfuhrwege gleich. Der Abfuhrweg besteht
immer aus Fahrbahn, Bankett (noch befahr-
barer Randbereich) und Graben. Technische
Anforderungen an Abfuhrwege stehen in der
Richtlinie „Ländlicher Wegebau“ (Breite, Kur-
venradien, Böschungen, Wasserführung) und
in der dazugehörigen Anleitung zum Bau (sie-
he „Zusätzliche Technische Vertragsbedingun-
gen und Richtlinie für die Befestigung ländli-
cher Wege“ (ZTV LW).
1. Mit einem Bagger, Autograder oder einer
Raupe wird ein im Optimalfall 4,50 m breites
halbrundes Profil hergestellt und verdichtet.
2. Bergseitig wird immer (!) ein Graben an-
gelegt (in ebenem Gelände ggf. beidseitig),
der 20 cm tiefer als das Planum sein sollte
(Zweck: Abfangen des Hangwassers, Entwäs-
sern des Wegekörpers). Dieser Graben muss
mit Wasserdurchlässen (besonders geeignet
sind Schwerlast-Stahlbetonrohre mit mind.
40 cm Innendurchmesser – weil selbstreini-
gend!) entwässert werden, die das Wasser
möglichst in den Waldbestand ableiten.
3. Mit einem speziellen Gerät (Leichtes Fallge-
wichtsgerät LFG Pro) wird gemessen, wie viel
Wegebaumaterial aufzubauen ist.
4. Geeignetes Material wird lagenweise mittig
auf 3,50 m Breite aufgebaut und verdichtet
– unten grob (z. B. „Grobschlag 0/150“ oder
„Schotter 45/63“) und oben verdichtungsfä-
higes Gesteinsgemisch (Frostschutzschicht
(FFS) 0/32, Schottertragschicht (STS)0/45,
FSS 0/56).
5. Ankommende Rückewege / Sammelgassen
werden angeschlossen, nach Erfordernis ein
Holzlagerplatz oder eine Wendestelle (opti-
mal Wendehammer) ausgebaut.
Als Kalkulationshilfe gilt:
Je Quadratmeter Wegebau kosten 10 cm
Schichtaufbau 5 Euro; bei 20 cm Aufbau
10 Euro; bei 30 cm Aufbau 15 Euro (alle
Maßnahmen 1 - 5 außer Durchlassrohre).
1.000 m mit einer Wegebreite von 3,50 m
kosten bei 10 cm Schichtaufbau:
1.000 m x 3,5 m x 5 Euro/m² = 17.500 Euro.
Derselbe Weg kostet mit 20 cm Schichtauf-
bau:
1.000 m x 3,5 m x 10 Euro/m² = 35.000 Euro.
Welches Material sollte verwendet wer-
den?
Grundsätzlich gilt: Wer bei der Materialqua-
lität spart, hat höhere Kosten in der Wege-
unterhaltung und -instandsetzung.
Das Gestein für den Bau von Abfuhrwegen
muss einige wichtige Eigenschaften mitbrin-
gen, vor allem Frostsicherheit und damit ver-
bunden eine geringe Wasseraufnahme.
Jeder Steinbruch hat für seine angebotenen
Sortimente Prüfprotokolle, auf denen die Ma-
terialzusammensetzungen abzulesen sind.
Grobes Material für den Unterbau sollte frost-
sicher sein (f1 oder f2). Bei Gesteinsgemischen
ist auf viele Eigenschaften zu achten. Aus die-
sem Grund sollte zertifiziertes Material aus ei-
nem Steinbruch gekauft werden. Dieses sollte
über das „Prädikat“ „zertifizierte Frostschutz-
schicht“ FSS oder noch besser „Schottertrag-
schicht STS“ verfügen.
Alternativ steht das wesentlich kostengüns-
tigere „Mineralgemisch“ zur Verfügung, da-
von sollte jedoch Abstand genommen werden,
denn dessen Qualität ist eher minderwertig.
Kosten sparen durch Recyclingmaterial?
Der Einsatz von Recyclingmaterial im forstli-
chen Wegebau kann eine Alternative zur Ver-
wendung von gebrochenem natürlichem Ma-
terial aus Steinbrüchen darstellen.
Wer mit der Verwendung von Recyclingmate-
rial Kosten sparen will, sollte beachten, dass
der Einsatz von Recyclingmaterial an umfang-
reiche Voraussetzungen geknüpft ist. Aus die-
sem Grund ist dessen Verwendung im Landes-
wald des Freistaates Sachsen nicht erlaubt.

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| 25
Waldbesitzer, die Recyclingmaterial einsetzen
wollen, sollten sich vorher an die zuständige
untere Abfallbehörde der Landkreise / kreis-
freien Städte wenden.
Wenn der Weg gebaut ist, muss ich ihn
dann auch pflegen?
Bei der Wegepflege wird das zur Seite gefah-
rene Material wieder auf den Weg gebracht
und störender Bewuchs beseitigt. Je öfter der
Weg gepflegt wird, desto länger ist dessen
Standzeit, bevor grundhafte Reparatur- oder
Instandhaltungsmaßnahmen notwendig wer-
den.
Besonders die Wasserführung (Gräben, Durch-
lässe, Wegeprofil von Wegemitte bis Graben)
muss immer funktionstüchtig bleiben, sonst
können schon kleine örtliche Gewitter den
ganzen Weg zerstören. Fahrspuren der schwe-
ren Holztransporter müssen beseitigt werden.
Im Optimalfall sollte der Weg dreimal pro Jahr
mit einem Wegepflegegerät gewartet werden.
Dies kostet je Überfahrt ca. 0,03 Euro/lfm. Al-
ternativ kann auch der Weg alle drei Jahre
aufwendiger gepflegt werden. Dabei werden
dann die Bankette abgeschoben und das We-
geprofil wiederhergestellt. Die Kosten belaufen
sich dabei auf ca. 1,50 Euro/lfm Weg.
Langjährige Erfahrungen zeigen, wenn Pflege
vernachlässigt wird, weil man sparen will, ist
nach zehn Jahren eine wesentlich teurere Re-
paratur fällig.
Regelmäßige Pflege verlängert die Lebensdauer des Weges
Welche rechtlichen Anforderungen muss
man beim Bau eines Abfuhrweges beach-
ten und wer kann mir dabei helfen?
Die Revierförster von Sachsenforst beraten
zur Walderschließung und zum forstlichen
Wegebau. Sie geben Auskunft über mögliche
rechtliche Restriktionen und nennen die je-
weils zuständigen Fachbehörden.
Weiterhin kann der Revierförster die örtlichen
Bedingungen (z. B. Tragfähigkeit des Standor-
tes) einschätzen und Hilfestellung bei einem
Wegebauprojekt geben.
Christian Schmidt ist Sachbearbeiter
Wegebau / Forsttechnik in der Geschäfts-
leitung von Sachsenforst
Gemeinsam mehr erreichen –
eigentumsübergreifende Waldbewirtschaftung
Kleine Flächen – große Vielfalt
Die überwiegende Zahl der sächsischen Wald-
besitzer nennt Waldflächen von 1 bis 3 ha
Größe ihr Eigen. Wer in seinem Wald kleine
Arbeiten wie z. B. die Brennholznutzung in Ei-
genregie durchführt, empfindet die kleinflä-
chige Struktur nicht unbedingt als Nachteil.
Anders sieht es hingegen aus, wenn größere
Maßnahmen anstehen, wie z. B. eine Pflege-
maßnahme oder die Aufarbeitung von Schad-
holzmengen nach einem Sturm. Gleiches gilt,
wenn die Besitzgrenzen der einzelnen Parzellen
nicht mehr feststellbar sind. In solchen Fällen
sind dem „Einzelkämpfer“ häufig Grenzen ge-
setzt. Insbesondere dann, wenn Technik zum
Einsatz kommen soll. Welche Möglichkeiten
gibt es nun für Waldbesitzer, eigentumsüber-
greifend und gemeinsam aktiv zu werden?
Gruppenberatung im Privatwald
Forstbetriebsgemeinschaften
Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) gemäß
Bundeswaldgesetz sind privatrechtliche Zu-
sammenschlüsse von Grundbesitzern, die den
Zweck verfolgen, die Bewirtschaftung der an-
geschlossenen Waldflächen und der zur Auf-
forstung bestimmten Grundstücke zu ver-
bessern. Insbesondere gilt es, die Nachteile
geringer Flächengröße, ungünstiger Flächen-
gestalt, der Besitzzersplitterung, der Gemenge-
lage, der unzureichend vorhandenen Waldwe-
ge oder andere Strukturmängel zu überwinden.
Sie sind in Sachsen überwiegend in der Rechts-
form des wirtschaftlichen Vereins (w. V.) or-
ganisiert. Forstbetriebsgemeinschaften bieten
ihren Mitgliedern viele Vorteile. Sie erbringen
entsprechend ihrer Satzung einige oder alle der
nachfolgend genannten Leistungen:

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26 |
1. Information der Mitglieder
Exkursionen
vielfältige Informationen,
z. B. zum Marktgeschehen
Beratung und Schulung der Mitglieder
2. Hilfe bei der Bewirtschaftung und Ver-
marktung
Organisation des Holzeinschlages
Bündelung des Holzverkaufes
Vermittlung / Ausschreibung von
Unternehmerleistungen
Beschaffung von Material, z. B. Pflanzen
Angebot von Waldpflegeverträgen
Bündelung des Unternehmereinsatzes
3. Inanspruchnahme von Fördermitteln
Beantragung von Fördermitteln
Koordinierung eigentumsübergreifender
Maßnahmen, z. B. beim Wegebau
So können Sie beispielsweise als Waldbesit-
zer Ihre Holzmengen über die Forstbetriebsge-
meinschaft vermarkten und dabei von guten
Vertragskonditionen profitieren. Dies ist vor
allem für kleine Holzmengen interessant, für
die sich sonst möglicherweise kein Käufer fin-
det. Zudem können Sie Rabatte beispielsweise
beim Pflanzenkauf nutzen.
Demgegenüber sind mit der Mitgliedschaft in
einer Forstbetriebsgemeinschaft für den Wald-
besitzer auch Pflichten verbunden. Dies kann
zum Beispiel die Verpflichtung sein, das Holz
ganz oder teilweise über die Forstbetriebsge-
meinschaft zu vermarkten, wenn der Holzver-
kauf satzungsgemäße Aufgabe der FBG ist.
Weiterführende Informationen bietet die Bro-
schüre „Gemeinsam für den Wald – Forstbe-
triebsgemeinschaften. Ein Leitfaden für Wald-
besitzer“ des Staatsbetriebes Sachsenforst.
Unter
www.sachsenforst.de/waldbesitzer,
Ru-
brik „Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse“
können die Broschüre sowie die Kontaktdaten
der sächsischen Forstbetriebsgemeinschaften
heruntergeladen werden. Auskünfte gibt na-
türlich darüber hinaus der zuständige Revier-
förster.
Temporäre Maßnahmen –
Gemeinschaft auf Zeit
Was aber tun, wenn sich keine FBG in der
Nähe befindet? In diesen Fällen bietet sich die
Möglichkeit einer zeitlich befristeten Zusam-
menarbeit für die Dauer der Maßnahmen an.
Ein klassisches Beispiel für solche temporären
Bewirtschaftungsgemeinschaften sind Projek-
te zur Holzmobilisierung oder die gemeinsame
Aufarbeitung von Schadholzmengen.
Beispiele für eine besitzübergreifende Zusam-
menarbeit können sein:
Aufarbeitung von Schadholzmengen, z. B.
nach Schneebruch oder Sturm
Wiederaufforstung, Waldumbau
Waldpflegemaßnahmen
Projekte zur Verbesserung der Erschließung
(Abfuhrwege, Maschinenwege, Polterplätze)
Biotopgestaltung, z. B. Renaturierung von
Bachläufen
Wer macht den ersten Schritt?
Anfangs stellt sich die Frage: Wer initiiert
solche Maßnahmen? Das können sowohl die
Waldbesitzer selbst oder forstliche Dienst-
leister sein. Und natürlich die Revierförster
von Sachsenforst, die sozusagen die Rolle
des „Scharniers“ zwischen den Waldbesitzern
sowie zu forstlichen Dienstleistern, Forstbe-
triebsgemeinschaften und Holzabnehmern
einnehmen.
Es empfiehlt sich, aus dem Kreis der beteilig-
ten Waldbesitzer eine Vertrauenspersonen zu
bestimmen, die „den Hut aufhat“ und mit den
vorgenannten Akteuren als Ansprechpartner
fungiert (siehe dazu auch den Beitrag in der
Waldpost 2013/2014 „Mechanisierte Holzernte
– was gilt es zu beachten“).
Die Maßnahmen selbst, z. B. vom Auszeichnen
bis zum Holzverkauf, können die Waldbesit-
zer eigenständig durchführen, dies forstlichen
Dienstleistern oder Sachsenforst im Rahmen
der Betreuung übertragen.
Was geschieht nach Abschluss der Maß-
nahmen?
Mit dem Abschluss der geplanten Maßnah-
men braucht die Zusammenarbeit keineswegs
beendet werden. Vor allem dann, wenn auch
künftig Maßnahmen anstehen (wie beispiels-
weise die Pflanzung), die gemeinsam effektiver
durchgeführt werden können.
Und vielleicht ist bei der Zusammenarbeit auf
Zeit die Erkenntnis gereift, sich künftig einer
Forstbetriebsgemeinschaft anzuschließen oder
eine solche zu gründen.
Bert Schmieder ist Forstbezirksleiter im
Forstbezirk Plauen
Eindrücke von der Bundestagung der Arbeitsge-
meinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW)
Zukunftswald mit Weißtanne –
Wiedereinbringung, Jagdstrategie und
angepasste Waldstrukturen
Das Thema der Bundestagung der Arbeits-
gemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft
(ANW) ist hoch aktuell und für Sachsen von
besonderer Bedeutung: Intensiver Bergbau,
Altersklassenwälder mit Nadelholz, Immis-
sionsschäden und übermäßige Wildbestände
prägten die sächsischen Wälder über einen
langen Zeitraum. Die Wiederherstellung der
früheren Mischwälder ist eine Herausforde-
rung für alle Förster und ein Kernthema der
ANW.
Bundestagung ANW, v.l.n.r. Herr Schusser (Landesvor-
sitzender ANW Sachsen), Herr Staatsminister Kupfer
(SMUL), Herr von der Goltz (Bundesvorsitzender ANW)
Seit 1990 konnten in Sachsen viele Erfahrun-
gen mit dem Waldumbau gesammelt werden.
Die Weißtanne spielt dabei vor allem im Erz-
gebirge eine zentrale Rolle. Daher kamen vom
15. – 17. Mai 2014 fast 400 waldbegeisterte
Förster, Waldbesitzer, Wissenschaftler und in-
teressierte Bürger aus Deutschland und dem
europäischen Ausland zur ANW-Bundesta-
gung zum Erfahrungsaustausch nach Ober-
wiesenthal.
Der Bundesvorsitzende Hans von der Goltz
hob in seiner Begrüßung die Bedeutung des
Bergmischwaldes mit den Baumarten Buche,
Fichte und Weißtanne hervor. Seine Etablie-

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Carolin Grabner (Referat Forsteineirichtung, Waldbewertung, Waldinventuren) stellt die Möglichkeit der Wertholzproduktion durch Grünästung an Bergahorn vor
rung gelänge nur, wenn man ein klares Kon-
zept, einen langen Atem und gute Nerven hat.
Die Reduzierung überhöhter Schalenwildbe-
stände auf ein waldverträgliches Maß sei da-
bei eine Grundvoraussetzung.
Wiedereinbringung der Weißtanne im
Privatwald
Wo die Weißtanne als standortgerech-
te Baumart für den Waldumbau infrage
kommt und welche Vorteile sie insbeson-
dere im Hinblick auf Stabilität und To-
leranz gegenüber der Klimaerwärmung
hat, dazu berät Sie Ihr zuständiger Sach-
senforstrevierförster. Welche Fördermög-
lichkeiten im Rahmen einer neuen För-
derrichtlinie bestehen, kann er Ihnen ab
2015 mitteilen.
Die Kurzvorträge der Festveranstaltung be-
fassten sich eingehend mit den Eigenschaften,
den Ansprüchen, der Wiedereinbringung und
der Nutzung der Baumart Weißtanne.
Die Exkursionen führten am 16. und 17. Mai
in die Forstbezirke Marienberg, Neudorf und
Eibenstock.
punkte zum Thema Weiß-
Wachstumsvergleich bei Weißtanne
Wichtige Diskussions
tanne waren:
Genetik, Pflanzverfahren, Controlling und
Dokumentation der Tannenflächen
Saatverfahren mit dem Vorteil einer unge-
störten Wurzelentwicklung
Flächenumfang, Flächengrößen und Schutz-
maßnahmen
Rationalisierung der Pflege im Unterstand
durch langfristige Überschirmung
Strukturdurchforstung und technologische
Verfahren zur Holzernte
Förderung von Mischung und Struktur durch
differenzierten Lichtgenuss und zeitige Ein-
bringung in Bestände der 3. Altersklasse
Eingriffsintervalle, Hiebsblöcke und Nut-
zungsmengen
Wertholzerziehung
strikter Verzicht auf Räumungen und Ernte-
verfahren am Saum
Ökologische Aspekte, Wasserschutz sowie
Ästhetik
Konsequenz in der Jagdstrategie und da-
durch Schaffung walbaulicher Freiheiten
Viele Teilnehmer waren überwältigt vom Tem-
po und der Konsequenz im Waldumbau. Der-
artige Beispiele wären in Deutschland nicht
häufig. In den Diskussionen gab es auch viele
gute fachliche Hinweise. So wurden zum Bei-
spiel eine moderate Erhöhung des Holzein-
schlages und ein striktes 5-jähriges Eingriffs-
intervall empfohlen. Besonders gewürdigt
wurde auch die Einbeziehung vieler junger
Forstleute in die Organisation und Erläute-
rung der Fachthemen. Das „Leuchten in den
Augen“ bei waldbaulichen Themen kam gut an.
Zum Abschluss dankte der Bundesvorsitzende
Hans von der Goltz dem Organisationsteam
aus Sachsen für den vorbildlichen und rei-
bungslosen Ablauf der Tagung und führte aus:
„Zukunftswald ist der Wald, der aufgrund sei-
ner Vielgestaltigkeit, seiner klimatoleranten
standortgerechten Baumarten und seiner ver-
antwortungsvollen Pflege viel mehr Antworten
auf Klimaeinflüsse hat, als ein gleichaltriger
Altersklassenwald mit nur einer Baumart. Der
Bergmischwald ist die stabilste Waldform im
Erzgebirge. In ihm ist die Weißtanne ein leis-
tungsfähiges und stabilisierendes Allroundta-
lent. Ihr habt vor 20 Jahren ein klares realisti-
sches Ziel für den Waldumbau im Erzgebirge
formuliert. Ihr habt es als hochmotiviertes
Team gemeinsam, kompetent, mutig, ausdau-
ernd und ohne „Lärm“ verfolgt. Heute bestau-
nen wir das fantastische Ergebnis. Ihr gebt uns
Mut und viel neues Wissen mit auf den Heim-
weg – danke!“
Es bleibt zu hoffen, dass der intensive Erfah-
rungsaustausch neue Impulse zur weiteren
Ein bringung der Weißtanne liefert. Waldbau-
lich Interessierten werden die Exkursionen zur
Nachnutzung angeboten. Die Vorträge zur Bun-
destagung
sind
unter
http://www.anw-sachsen.
de/
oder
http://www.anw-deutschland.de/
ver-
fügbar.
Stephan Schusser ist Forstbezirksleiter im
Forstbezirk Eibenstock

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28 |
Aus dem Alltag einer unteren Forstbehörde –
Landkreis Mittelsachsen
Zum 1. August 2008 wurden bei zehn Land-
ratsämtern und drei kreisfreien Städten die
unteren Forstbehörden gebildet. Obere Forst-
behörde ist wie bisher der Staatsbetrieb Sach-
senforst, der auch weiterhin für die Beratung
und Betreuung privater Waldbesitzer zustän-
dig ist. Oberste Forstbehörde ist das Sächsi-
sche Staatsministerium für Umwelt und Land-
wirtschaft (SMUL).
Wie wirkte sich diese Verwaltungsreform auf
den Landkreis Mittelsachsen aus? Er ist ein na-
turräumlich sehr vielgestaltiger Landkreis, der
vom Erzgebirge bis in die Leipziger Tiefland-
bucht reicht und dessen Waldanteil mit knapp
17 % (35.500 ha) im Vergleich zum gesamten
Freistaat Sachsen unterdurchschnittlich ist.
Als das Organ hoheitlicher Überwachung des
Waldes im Landkreis Mittelsachsen ist die
Forstbehörde innerhalb der Abteilung Um-
welt, Forst und Landwirtschaft offensichtlich
optimal in die Landkreisverwaltung eingebun-
den und findet das nötige Verständnis. Die
Mitarbeiter verfügen überwiegend über eine
forstliche Fachhochschul- oder Universitäts-
ausbildung. Das Zusammenwirken mit anderen
Umweltbehörden ist zum gegenseitigen Vorteil.
Gemeinsam mit der unteren Jagdbehörde bil-
det die untere Forstbehörde ein Referat – ein
in Sachsen einzigartiges Modell. Die Waffen-
behörde, der Abteilung Ordnung und Sicherheit
unterstellt, befindet sich nebenan, sodass Bür-
ger, Waldbesitzer und Jäger alle ihre Anliegen
an einem Ort regeln können. Wenngleich die
Wege innerhalb des großen Landkreises weit
geworden sind, so ist dies doch recht bürger-
freundlich gestaltet worden. Mit der oberen
Forstbehörde und den Forstbezirken Bären-
fels, Chemnitz, Leipzig und Marienberg, die zu
Teilen im Landkreis Mittelsachsen gelegen sind,
besteht ein „kurzer Draht“ auf Arbeitsebene –
unverzichtbar bei der komplizierten Gliederung
der Aufgaben und Zuständigkeiten.
Wenn man dem Wald hinsichtlich natürlicher
(biotischer und abiotischer) sowie menschli-
cher Einflüsse stetig den „Puls fühlt“, muss
man vor Ort präsent sein. Vier Kreisforst-
revierleiter (Rev. Geringswalde, Striegistal,
Reinsberg, Frauenstein) sorgen in ihren zwi-
schen 400 und 600 km² großen Revierberei-
chen mit bis zu 19 Gemeinden dafür, dass die
Forstbehörde über die Lage im Wald stets ak-
tuell informiert ist. Es ist von hohem Wert,
wenn diese Revierleiter, mit dem Status eines
Forstschutzbeauftragten, langjährig in ihrem
Territorium wirken können, sind sie doch mit
den örtlichen Verhältnissen und Entwicklun-
gen rund um den Wald bestens vertraut. Dies
trifft auch für den Kontakt zu vielen der über
8.000 Waldbesitzer zu, denn persönlich lässt
sich vieles objektiver, zeit- und kostensparen-
der klären als im schriftlichen Verfahren.
Welche wesentlichen Bereiche und Aufgaben
sind der unteren Forstbehörde gesetzlich zu-
gewiesen?
Ein Befallsherd des Buchdruckers wurde aufgespürt
– die Benachrichtigung des Waldbesitzers erfolgt
Forstaufsicht (§ 40 SächsWaldG) über den
Privat- und Körperschaftswald
Gemessen an der Vielzahl der Waldbesitzer
und dank präventiver Arbeit bei Beratung, Be-
treuung (Revierförster von Sachsenforst) und
forsthoheitlichem Handeln der Kreisforstre-
vierleiter halten sich Konflikte und Verstöße
im Umgang mit dem Wald in Grenzen. Weni-
ger typische Beispiele sind der ungenehmigte
Kahlhieb über 2 ha, die nicht angezeigte bzw.
ungenehmigte Waldsperrung oder Waldum-
wandlung in andere Nutzungsarten. Vorran-
gige Aufgabenschwerpunkte sind zu sanieren-
de Borkenkäferherde, der Abbau überständiger
oder unwirksamer Zäune um forstliche Kultu-
ren, die amtliche Feststellung von Wald (§
2
SächsWaldG) und die Ermittlung der Waldbe-
sitzer bei gegebenem Anlass. Forstaufsichtli-
che Anordnungen und ggf. die Durchsetzung
notwendiger Maßnahmen mit Zwang bleiben
nicht aus, sind jedoch nicht die Regel.
Stellungnahmen im Vorfeld von Waldverkäu-
fen der Bodenverwertungs- und -verwaltungs
GmbH und zur Schlussprüfung nach Ablauf
des 15-jährigen Bindungszeitraumes sind wei-
tere Handlungsfelder der Forstaufsicht.
Forstschutz (§ 50 SächsWaldG) gegenüber
Dritten im Wald aller Eigentumsarten
In dieser Beziehung unterstützt die untere
Forstbehörde die Waldbesitzer darin, ge-
setzlich unzulässige, für den Wald und sei-
ne Funktionen schädliche, durch Menschen
verursachte Einflüsse zu ermitteln, sie abzu-
wehren und ggf. zu ahnden. Am häufigsten
werden Delikte des unerlaubten Fahrens und
Parkens mit Kraftfahrzeugen im Wald, ille-
gales Ablagern von Müll und Biomasse, mit-
unter das Reiten außerhalb ausgewiesener
Reitwege, weniger das unbefugte Anzünden
von Feuer oder die Folgen von Vandalismus
festgestellt. Die mit Etablierung spezieller un-
terer Forstbehörden (2008) noch intensivere
Überwachung der Wälder spricht sich wohl
herum, denn die Anzahl zu verfolgender Ver-
gehen ist rückläufig.
Insgesamt verfolgen Forstaufsicht und Forst-
schutz das Ziel, auf ganzer Fläche eine ord-
nungsgemäße, pflegliche und nachhaltige
Bewirtschaftung des Waldes zu sichern sowie
Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten. Es
kann festgestellt werden, dass sich die Wald-
besitzer überwiegend rechtskonform verhalten
und sich von Menschen verursachte, den Wald
schädigende äußere Einflüsse in beherrschba-
ren Grenzen halten.
Waldschutz
(§ 18 Abs. 1 Nr. 4 u. 5, § 28 SächsWaldG)
im Privat- und Körperschaftswald
Die untere Forstbehörde wacht insbesonde-
re darüber, dass die Waldbesitzer die auf die
Abwehr von Waldschäden gerichteten forst-
und pflanzenschutzrechtlichen Vorschriften
nach Maßgabe ihres Leistungsvermögens
erfüllen. Bei besonders bedrohlichen, raum-
und eigentumsübergreifenden Gefahren (z. B.
Waldbrand, Hochwasser, Kalamität von Forst-
schadinsekten) kann die Forstbehörde not-
wendige Maßnahmen flächendeckend für den
Wald aller Eigentumsarten anordnen und ggf.
durchführen.

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Einen präventiven Ansatz verfolgt das soge-
nannte Monitoring (Überwachung) forstli-
cher Schaderreger, bekannt unter dem Begriff
„Forstschutzkontrollbuch“. Dazu zählen neben
der Beobachtung der Vitalität der Baumarten
samt Dokumentation und Ermittlung mög-
licher Schadursachen, die alljährliche Über-
wachung der Borkenkäferpopulation und der
sogenannten
„Quarantäneschadorganismen“
wie beispielsweise die Kiefernholznematode,
der Kiefernpechkrebs und der Citrusbockkäfer
oder der Plötzliche Eichentod, bei deren Fest-
stellung unverzüglich Maßnahmen zur räum-
lichen Isolation und Vernichtung zu ergreifen
sind. Die Behörde unterhält dazu 33 Dauer-
beobachtungsflächen an exponierten Stand-
orten. Glücklicherweise sind diese Schaderre-
ger mit weitreichenden Folgen für die Wälder
bisher nicht im Landkreis Mittelsachsen prä-
sent. Das gilt auch für den gefürchteten, weil
gesundheitsgefährdenden Eichenprozessions-
spinner.
Seit einigen Jahren schwächt das Eschentrieb-
sterben die Vitalität vieler Eschen innerhalb
und außerhalb des Waldes bis hin zum Total-
verlust. Auf 19 Dauerbeobachtungsflächen
verschiedenen Alters und typischer Standort-
bedingungen wird seit drei Jahren der Scha-
densverlauf verfolgt. Die Hoffnung, dass die
Mehrzahl der Eschen überlebt, scheint sich zu
bestätigen.
Mittelsachsen stellt keinen Waldbrandgefähr-
dungsschwerpunkt dar, jedoch zeigen Dür-
rephasen, zuletzt im Frühjahr 2014, dass man
auch hier mit Waldbränden rechnen muss. Der
jährliche „Maßnahmenplan Waldbrandschutz“
dient als Basis des Informationsaustauschs
forstlicher, kommunaler und anderer mit dem
Brand-, Rettungs- und Katastrophenschutz
befasster Stellen sowie der Bevölkerung.
Maschinelle Reinigung von Rotbuchen-Saatgut vor
dessen Zertifizierung nach Forstvermehrungsgut-
gesetz
Kreisforstrevierleiter André Zimmermann (Rev. Reins-
berg) beim Buchdrucker-Monitoring im Kommunal-
wald Freiberg
Staatliche Kontrollstelle für forstliches
Vermehrungsgut (§
18 Forstvermehrungs-
gutgesetz)
Aufgabe und Ziel ist die Überwachung der Er-
zeugung und des Vertriebes von Gehölzsamen,
Steckruten und -hölzern. Es darf nur Materi-
al amtlich zugelassener Forstsaatgutbestände
bzw. Mutterquartiere in den Handel gelangen.
Im Landkreis Mittelsachsen betrifft dies ge-
genwärtig 52 Forstsaatgutbestände und ein
Pappel-Mutterquartier. Die untere Forstbehör-
de zertifiziert deshalb alle regulär erzeugten
Erntemengen, kontrolliert Geschäftsabläufe
zugelassener Forstsamen- und Forstpflanzen-
betriebe und arbeitet mit auswärtigen Kont-
rollstellen zusammen.
Waldfeststellung und Walderhaltung (§§ 2
und 8 SächsWaldG)
Wird auf einer Grundfläche die Waldeigen-
schaft festgestellt, so folgt daraus eine recht-
lich völlig andere Behandlung als bspw. für
Baumgruppen oder Einzelbäume in freier
Landschaft. Für Gehölze von mehr als 0,2
ha
Fläche und etwa 30 m Breite liegt deren
Waldeigenschaft nahe. Seit 2008 wurden im
Landkreis Mittelsachsen schon fast 900 ha
Waldfläche entweder neu geschaffen oder als
zusätzlich vorhanden erfasst. Waldmehrung
und Walderhaltung sind Grundsätze forstli-
cher Nachhaltigkeit. Die untere Forstbehör-
de achtet streng darauf, dass jegliche Wald-
fläche nur mit ihrer Genehmigung in andere
Nutzungsarten umgewandelt (gerodet) wird.
Hinreichender Flächenersatz wird verfügt und
bis zur Sicherung als Wald kontrolliert. Darü-
ber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer
Dinge, die vor ihrer Umsetzung auf Antrag zu
genehmigen sind, bspw. Waldsperrung oder
die Anlage von Kahlhieben über 2 ha unter
Beachtung benachbarter, noch nicht gesicher-
ter Forstkulturen.
Frostspanner-Monitoring bei Falkenau: vor Ort Kreis-
forstrevierleiter André Zimmermann (Rev. Reinsberg)
und Dr. Klaus Dittrich (Referatsleiter Forst und Jagd)
Stefan Naumann (Sachbearbeiter Träger öffentlicher
Belange, Genehmigungen, Walderhaltung) betreut
einen Stand der Waldjugendspiele im Forstbezirk
Chemnitz
Ausweisung und Kennzeichnung von Reit-
wegen im Wald (§ 12 SächsWaldG)
Mittlerweile wacht die untere Forstbehörde
über ein Netz von rund 360 km ausgewiesener
Reitwege. Verfahren zur Neuausweisung oder
Einziehung ungeeigneter Reitwege sind auf-
wendig, sichern jedoch die Geltendmachung
und Abwägung vielfältiger Interessen, vor al-
lem auch betroffener Waldbesitzer.
Stellungnahmen zu Planungen und Vor-
haben sowie Kontrolle deren Vollzuges im
Wald und in dessen Umfeld
Die untere Forstbehörde beschäftigt überwie-
gend Forstingenieure. Ein spezieller Anspruch
besteht darin, als Fachbehörde und „Träger öf-
fentlicher Belange“ zu einem breiten Spektrum
geplanter Vorhaben, u. a. bau-, naturschutz-,
wasser-, berg- oder immissionsschutzrechtli-
cher Art, Stellung zu nehmen. Unter Maßga-
be der Nachhaltigkeit der Waldentwicklung ist
auf mögliche Folgen der Planung hinzuwei-
sen, reale Folgen des Vollzuges sind zu über-
wachen. Als ein „Anwalt des Waldes“ werden
somit Entwicklungen, bspw. aus Raum-, Flä-

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30 |
chennutzungs- und Bebauungsplanungen, die
den Wald und dessen Eigentümer künftig be-
lasten oder einschränken, frühzeitig erkannt
und im Planungsprozess namhaft gemacht.
Zu Bauvorhaben in der Nähe von Wald gibt
die untere Forstbehörde eine Stellungnahme
an die Bauaufsichtsbehörde ab, die im Be-
nehmen aber nicht im Einvernehmen mit der
unteren Forstbehörde entscheidet. Immer-
hin können somit Gefahren für das Bauwerk
seitens des Waldes wie auch absehbare Las-
ten für Waldbesitzer, z.
B. durch erhöhte Ver-
kehrssicherungspflicht, rechtzeitig benannt
werden. Anträge auf Erstaufforstung werden
zwar durch die untere Landwirtschaftsbehör-
de beschieden, die Forstbehörde nimmt jedoch
dazu Stellung.
Gestaltung von Öffentlichkeitsarbeit
Die untere Forstbehörde ist sich bewusst, dass
die vielfältige forsthoheitliche und forstfach-
liche Detailarbeit der Öffentlichkeit möglichst
informativ und verständlich zu vermitteln ist,
soll sie Akzeptanz im gesellschaftlichen Um-
feld erfahren. Sich häufende Anfragen, wie:
„Nach Ende Februar werden im Wald noch
Bäume gefällt – darf das denn sein?“ oder:
„Der Forst beschädigte bei der Holznutzung
Waldwege – tun Sie etwas dagegen!“ zeugen
vom Aufklärungsbedarf einer immer urbane-
ren, sich von der „Urproduktion“ entfernenden
Bevölkerung. Wir sind nicht in der Lage, dem
umfassend zu begegnen, leisten aber öffent-
lichkeitswirksame Beiträge u. a. derart:
alljährliche Mitwirkung an den Waldjugend-
spielen örtlicher Forstbezirke von Sachsen-
forst für Schüler der Grundschulen; spezielle
Waldbegänge mit Kindern und Jugendlichen
Beiträge in der Presse und im Amtsblatt des
Landkreises zu Themen des Waldes, so mo-
natlich zum Internationalen Jahr der Wälder,
verbunden mit einem öffentlichen Fotowett-
bewerb (2011)
Mitwirkung bei der Gestaltung von Aktio-
nen zu „300 Jahre Begriff der Nachhaltig-
keit“, erstmals publiziert 1713 im forstlichen
Lehrbuch „Sylvicultura oeconomica“ des
Freiberger Oberberghauptmanns Hans Carl
v. Carlowitz, in Form einer Fachexkursion des
Sächsischen Forstvereins im Kommunalwald
Freiberg und eines Fachvortrages zur Tagung
eines Arbeitskreises der Deutschen Gesell-
schaft für Geowissenschaften oder bei der
Mitgestaltung des Kloster- und Erntedank-
festes in Klosterbuch (2013)
Ausbildung
Besonderen Wert legt die Behörde darauf,
fachliche Kenntnisse und Erfahrungen weiter-
zugeben. Als Forstbehörde wirken wir an der
Ausbildung von Forstreferendaren und Forst-
inspektoranwärtern mit, aber auch Auszubil-
dende unserer Landkreisverwaltung zum/zur
Verwaltungsfachangestellten bekommen Ein-
blick in die Tätigkeit unserer Behörde.
Die Ergebnisse sechsjähriger Tätigkeit als un-
tere Forstbehörde bestätigen, dass der forst-
hoheitliche Sektor der staatlichen Forstver-
waltung fachlich kompetent und konsequent
im Sinne nachhaltiger Waldentwicklung han-
delt und dies zumeist auch so wahrgenommen
wird. In den Wäldern des großen Landkreises,
dessen Flächengröße gern mit dem Saarland
oder mit Luxemburg verglichen wird, herrschen
weitgehend Ordnung und Sicherheit. Die viel-
fältigen Waldfunktionen sind nachhaltig ge-
wahrt. Anliegen und Ziele rund um Wald und
Forstwirtschaft sind wesentlicher Teil des ge-
sellschaftlichen Bewusstseins.
Dr. Klaus Dittrich ist Referatsleiter
Forst- und Jagdbehörde beim Landkreis
Mittelsachsen
Kurz notiert
Waldbiotopkartierung
Im vergangenen Jahr startete die Überarbei-
tung der Waldbiotopkartierung im Privatwald
(s. Waldpost 2013/2014, S. 16 f.). Im Jahr 2014
liegt der Schwerpunkt der Bearbeitung in West-
sachsen, im Erzgebirge und im Erzgebirgsvor-
land. Die Waldbesitzer werden vor Beginn der
Kartierarbeiten entsprechend dem Waldgesetz
für den Freistaat Sachsen in geeigneter Weise
(u. a. Mitteilungsblätter, Bekanntmachungen,
Tagespresse) über die Kartierarbeiten informiert.
Der Kartenviewer, ein neuer Internet-Karten-
dienst
(http://geoviewer.sachsen.de/mapviewer/
index_opt.html?lang=de&app=forst),
ermög-
licht das eigenständige, schnelle Recherchieren
von Biotopen (siehe beiliegendes Faltblatt zur
Waldbiotopkartierung). Vor allem Waldbesitzer
profitieren von umfassenden Biotopinformati-
onen. Der Sachbearbeiter für Waldökologie und
Naturschutz in Ihrem Forstbezirk sowie Ihr ört-
licher Revierförster geben Ihnen Auskunft zu
Biotopen und Hinweise zu deren Bewirtschaf-
tung. Für die Organisation der Waldbiotop-
kartierung ist innerhalb der Geschäftsleitung
von Sachsenforst das Referat „Naturschutz im
Wald“ zuständig. Auskünfte über die diesjährige
Kartierung erhalten Waldbesitzer auch über die
zuständigen Forstbezirke bzw. Schutzgebiets-
verwaltungen.
KoNeKKTiW-Projekt
gestartet
Schadereignisse lassen sich nicht vorhersagen,
jedoch können durch entsprechende Vorkeh-
rungen und Maßnahmen Schäden minimiert
oder zumindest koordiniert abgearbeitet wer-
den. Diesem Ansatz folgend wurde das Koope-
rationsprojekt „Prävention und Management
forstlicher Krisen“ (PuMa) initiiert. Dieses in-
ternationale Kooperationsprojekt, Sachenforst
war seit 2012 Mitglied, lief Ende 2013 aus (s.
Waldpost
2013/2014,
S.
22
ff.;
www.waldwis-
sen.net).
Umso
erfreulicher
ist
es,
dass
im
Mai
2014 mit dem Projekt „Kompetenz-Netzwerk
Klimawandel, Krisenmanagement und Trans-
formation in Waldökosystemen“ (KoNeKKTiW)
daran angeschlossen wird. Die Finanzierung
erfolgt aus Mitteln des Waldklimafonds.
Inhalt sind Vorbeugung und Risikomanage-
ment mittels Kombination von Wissensbasis
und Schaffung sozialer Strukturen als Voraus-
setzung für die notwendige Anpassung unse-
rer Waldökosysteme an Klimaänderungen und
Erhöhung der Widerstandsfähigkeit. Dazu ha-
ben sich, wie schon beim PuMa-Projekt, meh-
rere Verwaltungen und Organisationen ver-
schiedener Bundesländer und Österreichs
zusammengeschlossen. Neu hinzugekommen
sind die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Wald-
besitzerverbände (AGDW) und der Deutsche
Forstwirtschaftsrat (DFWR). Zur Umsetzung
wurden drei Themenkomplexe gebildet:
Erarbeitung, Aktualisierung und Aufberei-
tung einer Wissensbasis
Förderung der Bewusstseinsbildung (z.
B.
Prävention)
Aufbau und Weiterentwicklung eines Kom-
petenznetzwerkes
Die wesentlichen Inhalte werden sein:
Aufbau eines Netzwerkes
Online-Angebot „Ratgeber Adaption, Präven-

 
| 31
tion und Krisenmanagement“ erarbeiten, er-
weitern, aktualisieren und kommunizieren
Schulungsangebote für verschiedene Ziel-
gruppen (z.B. private Waldbesitzer, FBGen)
erarbeiten und durchführen
Expertenteams als Multiplikatoren schulen
Öffentlichkeitsarbeit
Dialogangebote (Workshops etc.) für Wald-
besitzer bereitstellen
Änderung des
Waldgesetzes für den
Freistaat Sachsen
Am 1. Mai 2014 traten Änderungen des Wald-
gesetzes für den Freistaat Sachsen (Sächs-
WaldG) in Kraft, die auch die nachstehenden
Aufgabenbereiche betreffen:
1. Umsetzung des Pflanzenschutzgesetzes
2012:
Im Mittelpunkt der Neuregelungen steht
die Anpassung an das Pflanzenschutzgesetz
(PflSchG) vom 6. Februar 2012; dabei wurde
u. a. Folgendes im SächsWaldG geregelt:
Im Privat- und Körperschaftswald sind die
unteren Forstbehörden zuständig für die
Anordnung von Bekämpfungsmaßnahmen
gegen tierische und pflanzliche Forstschäd-
linge. Diese Anordnungen erfolgen nicht
im Rahmen der Forstaufsicht sondern nach
pflanzenschutzrechtlichen Vorschriften.
Die Zuständigkeit für die Bekämpfung der
Quarantäneschadorganismen (z. B. Kiefern-
holznematode) liegt beim Sächsischen Lan-
desamt für Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie (LfULG).
Die unteren Forstbehörden sind zuständig
für die Beratung auf dem Gebiet des Pflan-
zenschutzes im Privat- und Körperschafts-
wald sowie den Informations-/ Warndienst
im Gebiet des Landkreises / der kreisfrei-
en Stadt. Die Beratung auf dem Gebiet des
Pflanzenschutzes umfasst primär die An-
wendung von Pflanzenschutzmitteln mit
dem Ziel der Verringerung der Risiken und
Auswirkungen der Anwendung von Pflan-
zenschutzmitteln auf die Gesundheit von
Mensch und Tier sowie den Naturhaushalt.
Die Kontrollen nach dem Pflanzenschutz-
Kontrollprogramm erfolgen im Privat- und
Körperschaftswald durch die unteren Forst-
behörden, im Staatswald durch das LfULG.
2. Aufhebung des Vorkaufsrechts:
Der § 27 SächsWaldG, nach dem der Gemeinde
und dem Freistaat Sachsen unter bestimmten
Voraussetzungen ein Vorkaufsrecht an Wald-
grundstücken zusteht, wurde aufgehoben. Ziel
ist eine Deregulierung und Vereinfachung des
Landesrechts, zumal das Vorkaufsrecht in der
vergangenen Dekade nur sehr selten genutzt
wurde.
Sachkunde im
Pflanzenschutz
Das Pflanzenschutzrecht regelt, dass eine Per-
son grundsätzlich nur dann Pflanzenschutz-
mittel anwenden, über den Pflanzenschutz
beraten oder Pflanzenschutzmittel vertreiben
darf, wenn sie sachkundig ist. Der Nachweis
der Sachkunde erfolgt künftig anhand einer
Sachkundenachweiskarte. Personen, die be-
reits am 14. Februar 2012 sachkundig waren,
können bis zum 26. Mai 2015 beim Sächsi-
schen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie (LfULG) eine solche Karte bean-
tragen. Danach kann die Sachkunde nur noch
durch Ablegung einer entsprechenden Prü-
fung erworben werden. Bis zum 26. November
2015 ist noch der bisherige Sachkundenach-
weis z. B. in Form des Abschlusszeugnisses ei-
ner entsprechenden Berufsausbildung, gültig.
Außerdem sind die sachkundigen Personen
verpflichtet, regelmäßig eine amtlich aner-
kannte Fortbildung zu besuchen. Vorgenannte
antragsberechtigte Personen müssen bis zum
31.12.2015 an einer solchen Fortbildung teil-
genommen haben. Weitere Informationen und
die Einzelheiten zur Pflanzenschutzsachkunde
sowie zur Beantragung einer Sachkundenach-
weiskarte erhalten Sie auf den Internetseiten
des LfULG
(www.landwirtschaft.sachsen.de/
landwirtschaft/11900.htm).
Neue Waldbrand-
gefahrenstufen
Mit Beginn dieses Jahres ist ein neuer Wald-
brandindex (WBI) in Kraft getreten. Die neu-
en Waldbrandgefahrenstufen lösen die alten
Waldbrandwarnstufen ab und beginnen mit
„1“ sehr geringe Gefahr und enden mit „5“
sehr hohe Gefahr. Die waldbrandgefährdete
Zeit liegt zwischen dem 15. Februar und dem
31. Oktober. Sie kann je nach Witterung ver-
längert oder verkürzt werden. Aktuelle Infor-
mationen zur Waldbrandgefährdung können
auf
der
Internetseite
von
Sachsenforst
(www.
sachsforst.de/waldbrand)
oder
beim
Deut-
schen Wetterdienst
(www.dwd.de/waldbrand)
abgefragt werden.
Mit der Überarbeitung des Waldbrandinde-
xes sind die Warnstufen an den neuen Stand
der internationalen Waldbrandforschung an-
gepasst worden. Der neue Index basiert auf
einer Feuerintensitätsgleichung. Diese be-
schreibt die Laufgeschwindigkeit des Feuers
in Abhängigkeit von der Bestandesstruktur
des Waldes hinsichtlich Boden, Streuauflage
und Kronenbereich in Verbindung mit den ge-
messenen und prognostizierten Wetterdaten.
Die Warnstufen sind jetzt einheitlich in allen
Bundesländern. Die Gefahr von Verwirrungen
durch unterschiedliche Systeme an den Län-
dergrenzen sind somit behoben.
Storanet® für den
Forst zugelassen
Das mit einem Insektizid behandelte Insekten-
netz kann jetzt von sachkundigen Anwendern
gegen holz- und rindenbrütende Borkenkäfer
an liegendem Laub- und Nadelholz im Freiland
vor dem Ausfliegen der Käfer, bei festgestell-
ter Gefährdung oder bei Befallsbeginn ange-
wendet werden. Sachsenforst hat in einzelnen
Forstbezirken das Netz bereits seit 2011 er-
folgreich hinsichtlich Wirksamkeit und Hand-
habung erprobt. Weitere Informationen sind
im Internet unter
www.waldwissen.de
mit dem
Suchbegriff „Storanet“ zu finden.
Termine
17. bis 20.9.2014
Forstwissenschaftliche Tagung
Tharandt
„Wälder der Zukunft –
Lebensraum, Ressourcenschutz und
Rohstoffversorgung“
26. bis 28.9.2014
Messe Forst & Holz
, Chemnitz
10. bis 12.10.2014
Messe Jagd & Angeln
,
Leipzig - Markkleeberg
12.11.2014
Jagdpolitisches Forum
10.12.2014
Forstpolitisches Forum
, Dresden
23. bis 26.4.2015
Messe agra
, Leipzig
3. KWF Thementage Forsttechnik,
-ausrüstung und Verfahren
für Kleinwaldflächen
Zeit und Ort standen zum Redaktions-
schluss noch nicht fest,
Infos siehe unter
http://www.kwf-thementage.de

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