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Linksextremismus in Sachsen
Die Autonomen

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Vorwort
Brennende Fahrzeuge, eingeschlagene Scheiben, Angriffe auf Polizeibeamte, kurz: Gewaltsame Aus­
schreitungen im Zusammenhang mit verschiedenen Aktionsformen bringt die regelmäßige Bericht­
erstattung assoziativ mit dem Begriff „Linksextremismus“ zusammen.
Dass diese Verbindung in dieser Pauschalität nicht zutrifft, verlangt nach Aufklärung, nach Begriffs­
klärung und Differenzierung.
Die vorliegende Broschüre ist aufgrund der Dynamik in der linksextremistischen Szene eine Aktuali­
sierung. Wir beobachten eine Veränderung der Szene selbst: Es bilden sich klandestine Kleingruppen
heraus, die eigene Tatserien begehen und sich vom Rest der Szene abspalten. Auf junge Menschen
üben die häufig hochkonspirativ agierenden Gruppen eine besondere Attraktivität aus. „Geheim“ und
„auserwählt“ tritt man für die vermeintlich „gute Sache“ ein und schiebt ein fragwürdiges Argument
vor: Der Zweck heiligt die Mittel.
Diese Publikation beschreibt den Linksextremismus in Sachsen und bezieht sich dabei vorrangig auf
die Gruppe der Autonomen. Gewaltbereite Linksextremisten verfolgen mit ihren Idealen aus einer
Mischung anarchistischer Herrschaftsablehnung und revolutionärem Utopismus die partielle oder gar
vollständige Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. „Revolutionäre Gewalt“
wird grundsätzlich als legitim erachtet. Dabei attackieren sie – geleitet von einem fest verankerten
Feindbild – nach eigenen Maßstäben Andersdenkende. Zu diesem Feindbild zählen insbesondere der
politische Gegner, staatliche Organe und ihre Vertreter.
In Sachsen befindet sich die Hochburg der Autonomen in Leipzig, das damit neben Berlin und Ham­
burg einer der drei bundesweiten Hotspots des gewaltorientierten Linksextremismus ist. Kleinere Sze­
nen existieren in Dresden und Chemnitz. Im ländlichen Raum spielt das Thema Linksextremismus eine
eher untergeordnete Rolle.

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Insbesondere in Leipzig haben sich in den letzten Jahren Aktionsformen mit regelmäßig gewalttätigen
Ausschreitungen entwickelt. Das öffentliche Aktions­ und Mobilisierungspotenzial sowie die Gewalt­
bereitschaft – auch gegen Menschen – stieg besorgniserregend an.
Das Gefährliche daran: Linksextremisten besetzen Themen, die auch bei Nichtextremisten Anschluss
finden, mitunter beteiligen sie sich an den Aktionen. Damit stoßen sie in der Mitte der Gesellschaft
auf politische Akzeptanz, zumindest aber auf Sympathie.
Das Landesamt für Verfassungsschutz veröffentlicht die vorliegende Broschüre zum Thema Linksex­
tremismus, um Begrifflichkeiten aufzuklären, Hintergründe aufzuzeigen und Abgrenzungen zu nicht­
extremistischen linken Positionen zu verdeutlichen.
Nur informierte Bürgerinnen und Bürger können sich Feinden der freiheitlichen demokratischen
Grundordnung mit überzeugenden Argumenten entgegenstellen.
Dresden, im Dezember 2020
Dirk­Martin Christian
Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz

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5
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
................................................................................................................................................................................3
1.
Linkes Denken – Linksradikalismus – Linksextremismus
..........................................................7
2.
Linksextremismus in Sachsen – Überblick in Zahlen
.................................................................11
3.
Entstehung und Entwicklung der autonomen Szene in Sachsen
..........................................12
3.1 Entstehung .......................................................................................................................................................12
Autonome Antifa............................................................................................................................................13
Antiimperialisten und Antideutsche .......................................................................................................13
Postautonome .................................................................................................................................................14
Autonome Szene in Sachsen ......................................................................................................................14
3.2.
Selbstverständnis und linksextremistische Ideologie .......................................................................16
Gesellschaftsvorstellungen ........................................................................................................................16
3.3.
Feindbilder und Fremdbilder ......................................................................................................................18
Gewaltverständnis .........................................................................................................................................19
4.
Themenfelder und Aktionsformen
...................................................................................................... 20
4.1 Themenfelder ..................................................................................................................................................20
Antifaschismus ..............................................................................................................................................20
Antirassismus und Asyl ...............................................................................................................................21
Antirepression .................................................................................................................................................21
Anti-Gentrifizierung......................................................................................................................................21
Antikapitalismus ............................................................................................................................................22
Umwelt und Klima ........................................................................................................................................22

4.2. Aktionsformen ...............................................................................................................................................23
Demonstrationen ..........................................................................................................................................23
Outing-Aktionen ...........................................................................................................................................23
Klandestine Aktionen ...................................................................................................................................24
4.3.
Kommunikation und Symbole .................................................................................................................. 25
Analog und Digital........................................................................................................................................25
Symbole ............................................................................................................................................................25
5.
Fazit und Ausblick
......................................................................................................................................29

1. Linkes Denken – Linksradikalismus – Linksextremismus |
7
1. Linkes Denken – Linksradikalismus
– Linksextremismus
Wenn es um Linksextremismus im Freistaat Sachsen geht, müssen zuvor zwei grundsätzliche Fragen
gestellt und beantwortet werden:
1. Sind die Begriffe radikal und extremistisch identisch?
2. Ist es zulässig, radikal zu sein?
Radikal und extremistisch sind zwei Begriffe, die zwar auf den ersten Blick identisch, inhaltlich den-
noch grundverschieden sind. Als radikal bezeichnet man eine übertriebene oder maßlose Position.
Solch eine Position bietet eine einseitige, bis an die Wurzel gehende Lösung bestimmter Probleme an,
die aber immer noch im Rahmen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung bleibt und nicht
auf deren Beseitigung hinausläuft. So sind beispielsweise Kapitalismuskritiker, die grundsätzliche Zwei-
fel an der Struktur unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung äußern und diese verändern wol-
len, noch keine Extremisten. Radikale politische Auffassungen haben in einer demokratischen, plura-
listischen Gesellschaft ihren legitimen Platz und bieten Raum für Diskussionen.
Das Ziel von Extremisten besteht hingegen darin, die Grundwerte der freiheitlichen demokratischen
Grundordnung zu beseitigen.
Für die Arbeit des Verfassungsschutzes ist der Extremismusbegriff, wie er in den Verfassungsschutz-
gesetzen von Bund und Ländern festgelegt ist, bindend.
Aufgabe des Verfassungsschutzes ist es, Erkenntnisse über Bestrebungen zu sammeln, die darauf ab-
zielen, die Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung ganz oder teilweise be-
seitigen zu wollen. Diese sind:
das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und Abstimmungen sowie durch besondere
Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung auszuüben und die
Volksvertretungen in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl zu wählen;

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| 1. Linkes Denken – Linksradikalismus – Linksextremismus
die Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsmäßige Ordnung sowie die Bindung der vollzie-
henden Gewalt und der Rechtsprechung an Gesetz und Recht;
das Mehrparteienprinzip sowie das Recht auf Bildung und Ausübung einer parlamentarischen
Opposition;
die Ablösbarkeit der Regierung und ihre Verantwortlichkeit gegenüber der Volksvertretung;
die Unabhängigkeit der Gerichte;
der Ausschluss jeder Gewalt- und Willkürherrschaft und
die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte
ganz oder teilweise zu beseitigen. Solche Bestrebungen werden als extremistisch bewertet. Die Vor-
aussetzung dafür, bestimmte politische Bestrebungen als extremistisch einzuschätzen, ist also immer
eine Einzelfallentscheidung, inwieweit versucht wird, eine oder mehrere dieser Prinzipien abzuschaf-
fen.
Wer beispielsweise dafür eintritt, dass nur eine Partei, etwa die Partei der Arbeiterklasse, regiert und
keine andere Partei an die Macht kommen darf, wendet sich gegen das Mehrparteienprinzip und das
Prinzip der Chancengleichheit für alle politischen Parteien.
Oder: Wer prinzipiell gesellschaftliche Hierarchien ablehnt, akzeptiert auch den im Grundgesetz fest-
geschriebenen staatlichen Aufbau der Gewaltenteilung, der Verantwortlichkeit der Regierung, der Ge-
setzmäßigkeit der Verwaltung und der Unabhängigkeit der Gerichte nicht.
Anhand dieser Beispiele wird deutlich, was Linksextremismus ist:
Linksextremisten wollen Wirtschaft und Gesellschaft nicht nur umgestalten, sondern streben die Be-
seitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung an.
Die Abschaffung des demokratischen Staatswesens ist somit der „kleinste gemeinsame Nenner“, der
alle Linksextremisten eint. Jedoch weist der Linksextremismus viele Facetten hinsichtlich seiner an-
gestrebten Gesellschaftsordnung auf.
Entsprechend ihrer politischen Ausrichtung streben Linksextremisten eine sozialistische bzw. kom-
munistische Gesellschaft unter Führung einer Avantgardepartei oder eine herrschaftsfreie anarchis-
tische Gesellschaft an. Damit treten sie entweder für eine Parteidiktatur ein oder für eine herrschafts-
und gesetzlose Ordnung. Diese unterschiedlichen Spielarten des Linksextremismus sind auch in
Sachsen vertreten.
So bekennen sich beispielsweise
orthodoxe linksextremistische Parteien und Organisationen wie
die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutsch-
land (MLPD)
zu den Theorien von Marx, Engels, Lenin und Stalin, zur These vom Klassenkampf und
zur Diktatur des Proletariats.

1. Linkes Denken – Linksradikalismus – Linksextremismus |
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Ihr zentrales Ziel besteht darin, zunächst eine sozialistische Ordnung zu schaffen, um ausgehend von
dieser eine „klassenlose“ kommunistische Idealgesellschaft zu errichten. Auf dem Weg über den „Klas-
senkampf“ und die „Diktatur des Proletariats“ soll schließlich das Ziel – eine kommunistische Gesell-
schaft – erreicht werden.
Orthodoxe Kommunisten halten die Anwendung von Gewalt in einer revolutionären Situation für le-
gitim und unverzichtbar. Ihre Positionen sind
stark antipluralistisch
, da nach ihrer Anschauung aus-
schließlich die „führende Partei“ als „Avantgarde“ legitimiert ist, Gewalt auszuüben. Das verbinden
orthodoxe Kommunisten mit dem Absolutheitsanspruch ihrer Ideologie. Für sie ist der Marxismus-
Leninismus die einzig gültige wissenschaftliche und wahre Weltanschauung. Die Werte unserer frei-
heitlichen demokratischen Grundordnung, wie die Meinungsfreiheit und Chancengleichheit anderer
politischer Parteien, wären demnach ausgehebelt.
Die
„Rote Hilfe“ (RH)
versteht sich seit den 1970er Jahren als eine „eigenständige Solidaritätsorganisa-
tion für die gesamte Linke“. Diese Organisation sichert linksextremistischen Straf- und Gewalttätern aus-
drücklich politische und finanzielle Hilfe zu. Mit ihrer „Gefangenenarbeit“ soll jene Repres sion angepran-
gert werden, die inhaftierten Linksextremisten angeblich widerfährt. Aus propagandistischen Gründen
werden jene zu „politischen Gefangenen“ stilisiert. Das Ziel dieser Propaganda besteht darin, den demo-
kratischen Rechtsstaat als Diktatur erscheinen zu lassen und zu diskreditieren. Tatsächlich handelt es sich
aber häufig um linksextremistische Gewalttäter oder – zumindest in der Vergangenheit – sogar um Links-
terroristen. Insofern versucht die RH Täter in Opfer zu verwandeln. Unterstützung erhalten freilich nur
diejenigen, die ihren Verbleib in der Szene bekräftigen und sich weigern, gegenüber Ermittlungsbehörden
oder vor Gericht auszusagen. Das entspricht der szeneinternen Devise „Anna und Arthur halten‘s Maul“.
Insofern ist eine solche „Gefangenenarbeit“ weit entfernt von einem tatsächlichen Engagement für
Menschenrechte oder für die Durchführung rechtsstaatlicher Verfahren.
Trotzkistische Gruppierungen wie
„Revolution“ (Revo)
verfügen über zentralistische und hierarchi-
sche Strukturen, die von einer strengen Parteidisziplin geprägt sind. Das politische Ziel besteht in der
revolutionären Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und dem Aufbau einer
Rätedemokratie. In dieser wären wesentliche Elemente des demokratischen Rechtsstaates ausgehe-
belt. Da – nach trotzkistischer Auffassung – in einer Räterepublik alle Entscheidungen durch das Pro-
letariat getroffen werden, läge die Souveränität nicht mehr beim gesamten Staatsvolk, sondern aus-
schließlich bei der Arbeiterschaft. Dadurch wären Pluralismus und Mehrparteiensystem beseitigt.
Außerdem unterstehen die Exekutive, die Judikative und die Legislative den Räten. Die Rätedemokra-
tie verletzt damit elementare Prinzipien der parlamentarischen Demokratie und der Gewaltenteilung.
Für die
anarchistischen Gruppen
ist der Begriff „Anarchie“ von zentraler Bedeutung. Dieser Begriff
– abgeleitet vom griechischen „Anarchia“ – bedeutet Gesetz- oder Herrschaftslosigkeit. Er beschreibt
den Zustand einer Ordnung, die durch das Fehlen autoritativer Institutionen oder Normen gekenn-
zeichnet ist. Das Ziel anarchistischer Gruppen besteht in der Errichtung einer herrschaftsfreien Ge-
sellschaft im Sinne einer Gesellschaftsordnung ohne Staat, Militär und Justiz.

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| 1. Linkes Denken – Linksradikalismus – Linksextremismus
Die Frage nach der Strategie und Taktik zur Umsetzung dieses Zieles wird im Anarchismus zwar un-
terschiedlich beantwortet. Aber: Allen anarchistischen Konzepten, ob militant oder gewaltfrei, ist An-
tiparlamentarismus gemeinsam. Die Eroberung der parlamentarischen Mehrheit ist für Anarchisten
sinnlos, denn es geht ihnen nicht um die Erlangung der Macht, sondern um die Beseitigung des Staa-
tes.
Der Anarchismus besitzt eine lange historische
Tradition, deren Wurzeln bis in die frühe europä-
ische Arbeiterbewegung zu Beginn des 19. Jahr-
hunderts zurückreichen. Im Laufe seiner Ge-
schichte hat er eine Vielzahl von Strömungen
hervorgebracht und verschiedene Facetten ent-
wickelt, die bis in die Gegenwart hineinreichen.
Anarchistische Gruppen in Sachsen wie die
„Freie
Arbeiterinnen und Arbeiterassoziation – Interna-
tionale Arbeiterinnen Assoziation“ (FAU-IAA).
vertreten Positionen des Anarchosyndikalismus,
einer besonderen Spielart des Anarchismus. Die-
ser weist einige spezielle Merkmale auf, durch die sich diese Gruppen vom „klassischen Anarchismus“
unterscheiden. Er zielt beispielsweise auf die Übernahme der Produktionsmittel durch Arbeiterasso-
ziationen ab. Dies beinhaltet die Idee einer gewerkschaftlichen Berufsgenossenschaft, die eine Kol-
lektivierung der Produktionsmittel anstrebt. Der Staat soll zerschlagen werden und an dessen Stelle
eine Föderation der Syndikate (basisdemokratische Gewerkschaften) treten.
Dagegen beziehen sich
Autonome
– die Hauptakteure des gewaltbereiten linksextremistischen Spek-
trums – auf das griechische Wort „autonomos“, das so viel bedeutet wie: nach eigenen Gesetzen le-
bend.
Da die
autonome Szene
im Freistaat Sachsen nicht nur die zahlenmäßig stärkste, sondern auch die
aktivste Erscheinungsart des Linksextremismus ist, wird diese den Hauptteil dieser Broschüre einneh-
men und nachfolgend ausführlich beschrieben.
Abbildung 1: Graffiti in Leipzig, 14.09.2018, Wikimedia
Commons,
©
Reise Reise

2. Linksextremismus in Sachsen – Überblick in Zahlen |
11
2. Linksextremismus in Sachsen –
Überblick in Zahlen
Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht im Verfassungsschutzbericht 2019 von insgesamt
33.500 Linksextremisten in Deutschland aus. Davon werden 9.200 Personen als gewaltorientierte
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In Sachsen wurden 2019 circa 760 Personen als Linksextremisten erfasst. Davon gehören etwa 415 Per-
sonen der autonomen Szene an, die damit neben den Angehörigen linksextremistischer Parteien
(ca. 140 Personen), Anarchisten und Trotzkisten und sonstigen Linksextremisten (ca. 205 Personen)
konstant die größte Gruppe innerhalb der linksextremistischen Szene darstellen.
Abbildung 2: Linksextremisten in Sachsen 2015 bis 2019
1.000
800
600
400
200
0
2015
2016
2017
2018
2019
780
785
760
845
775

12
| 3. Entstehung und Entwicklung der autonomen Szene in Sachsen
3. Entstehung und Entwicklung der
autonomen Szene in Sachsen
3.1 Entstehung
Das autonome Denken und Handeln der Gegenwart besitzt Wurzeln, die weit in die gesellschaftlichen
und politischen Auseinandersetzungen des späten 18. und 19. Jahrhunderts zurückreichen. Europä-
ische Aufklärung, bürgerliche Freiheitskämpfe, sozialistische Arbeiterbewegung und anarchistische
Strömungen dieser Zeit bildeten den Rahmen für das Ringen um Freiheit und Gleichheit, an den in den
1960er Jahren auch die sozialrevolutionäre und antiautoritäre Studenten- und Bürgerrechtsbewegung
in der Bundesrepublik Deutschland anknüpfte. Deren zunehmende Zersplitterung und der Dogmatis-
mus vieler orthodox-kommunistischer Kleinstgruppen führten jedoch rasch dazu, dass politische Ak-
tivisten nach anderen Formen selbstbestimmter Lebensgestaltung suchten.
Sie fanden sich so zum Beispiel in der Hausbesetzerszene oder bei den „Spontis“ wieder. Letztere be-
trachteten sich als undogmatische Nachfolger der Studentenproteste und erklärten die „Spon ta ne i-
tät der Massen“ zur revolutionären Triebkraft der Geschichte. Dies stand im Gegensatz zur marxis-
tisch-leninistischen Auffassung, in der eine „Avantgarde“ der Arbeiterpartei die Führung der
Arbeiterklasse auf dem Weg in die klassenlose Gesellschaft übernehmen müsse. „Selbstorganisation“
und „Unabhängigkeit“ waren weitere Schlagworte, die von der italienischen Bewegung „Autonomia
Operaia“ (Arbeiterautonomie) der späten 1960er und 1970er Jahre geprägt worden waren.
1
Die städtische, westdeutsche Sponti-Szene übernahm Ideen der italienischen „Arbeiterautonomie“
und bezeichnete sich seit Anfang der 1980er Jahre zunehmend selbst als „autonom“. Sie lehnte feste
zentralistische Organisationsformen ab und befürwortete Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen
Ziele. Propagiert wurde die „Politik der ersten Person“: Im Kleinen sollte das aufgebaut werden, was
auch für die Gesellschaft als gültig erachtet wurde. Bestand hatte dabei das Selbstverständnis, auto-
nome politische Kämpfe zu führen, unabhängig von Gewerkschaften oder Parteien und ohne zentrale
1 Fabrikarbeiter und Studenten kämpften bei Demonstrationen, wilden Streiks und Sabotageakten in norditalienischen Fabriken gegen die Fabrikarbeit
und Disziplinierung der Arbeiterklasse. Dabei stellten sie sich mit militanten Aktionen nicht nur gegen die Arbeitgeber, sondern auch gegen etablierte
Gewerkschaften und die kommunistische Partei Italiens, denen Anpassung und Verbürgerlichung vorgeworfen wurden.

3. Entstehung und Entwicklung der autonomen Szene in Sachsen |
13
Organisation und Führung. Autonome fanden sich daher in Bezugsgruppen zusammen, die nur lose
Verbindungen in Bündnissen eingingen.
Im Gegensatz zur ausufernden Theoriearbeit sogenannter „K-Gruppen“ (kommunistisch-maoistische
Kleingruppen), ließen sich ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzungen mit Theoretikern des Anar-
chismus oder Kommunismus in der autonomen Szene kaum finden. Vielmehr traten sie mit oftmals
gewalttätigen Aktionen auf, um sich „Freiräume“ (besetzte Häuser) zu erkämpfen, das staatliche Ge-
waltmonopol zu bekämpfen oder bestehende Konflikte (z. B. Anti-Atomkraft-Demonstrationen) zu
eskalieren.
Autonome Antifa
Prägend für die 1990er Jahre war zum einen das Erstarken neonationalsozialistischer Kräfte nach der
deutschen Wiedervereinigung und damit einhergehend der Versuch, antifaschistische Autonome
(„Antifa“) zur Bekämpfung des Rechtsextremismus bundesweit zu organisieren. Zum anderen bilde-
ten sich „anti-deutsche“ Gruppen, die aus Furcht vor einem möglichen Wiedererstarken Deutschlands
den Verzicht auf die Einheit des Landes und das Aufgehen des deutschen Volkes in einer multikultu-
rellen Gesellschaft forderten. Auch im Freistaat Sachsen formierte sich nach 1990 eine autonome Sze-
ne. Diese orientierte ihre Aktionen zunächst an Themen wie der Stasi-Aufarbeitung und der „Koloni-
sierung durch das System der Bundesrepublik“. Seit etwa Mitte der 1990er Jahre glichen sich die
Agitations- und Aktionsfelder der Autonomen in den neuen Bundesländern aber denen in den Alt-
bundesländern an.
Antiimperialisten und Antideutsche
Mit dem Golfkrieg 1991, der Al-Aksa-Intifada der PLO 2000, dem Terroranschlag vom 9. September
2001 und dem Irakkrieg 2003 verstärkten sich Konflikte zwischen dem bisherigen (westdeutschen)
Mainstream der „Antiimperialisten“ und den „Antideutschen“. Gestritten wurde vor allem über die
Existenzberechtigung des Staates Israel. Antideutsche vertraten dabei das Argument, dass die Shoah
als historische Schuld der Deutschen in einer unbedingten Solidarität mit dem Staat Israel und dem-
entsprechend in einer Befürwortung der Nahost-Politik der USA münden müsse. „Antiimperialisten“
betonten hingegen ihre Solidarität mit dem Befreiungskampf der Palästinenser in Anlehnung an die
Deutung der RAF. Sie lehnten die „imperialistische“ Politik Israels und damit auch der USA ab und er-
klärten Israel zu einem „imperialistisch-zionistischen Projekt“. Austragungsort für diesen Konflikt wa-
ren in der Vergangenheit auch die jährlichen Gegenproteste gegen den Aufmarsch von Rechtsextre-
misten zum 13. Februar in Dresden, zu denen antideutsche Autonome unter anderem mit der Parole
„Nie wieder Deutschland“ mobilisierten.
2
2 Rudolf van Hüllen: „Antiimperialistische“ und „antideutsche“ Strömungen im deutschen Linksextremismus, in: Dossier Linksextremismus, Bundeszen-
trale für politische Bildung,
www.bpd.de
(5.1.2015).

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| 3. Entstehung und Entwicklung der autonomen Szene in Sachsen
Postautonome
Prägend für die gegenwärtige Selbstwahrnehmung der autonomen Szene ist der „gelähmte“ Zustand
linker Politik und Gesellschaftskritik angesichts wahrgenommener „multipler Krisen des Kapitalismus“
seit der Finanz- und Schuldenkrise 2008. Ernüchtert wird die eigene Unfähigkeit wahrgenommen, ei-
nem erstarkenden Rechtspopulismus linke Vorstellungen gemeinschaftlichen Zusammenlebens ent-
gegenzuhalten. Der artikulierte Protest findet kaum Gehör jenseits der eigenen Szene. Postautonome
Gruppen versuchen daher verstärkt, sich in schlagkräftigeren Bündnissen zu vereinen. Beispiele hier-
für sind die bundesweiten Strukturen der „Interventionistischen Linken“ (IL) und des „…ums Ganze!“-
Bündnisses. Mit „Prisma“ ist in Leipzig eine Ortsgruppe der Interventionistischen Linken vertreten,
während die „Undogmatische Radikale Antifa Dresden“ sowie die Leipziger Gruppe „the future is un-
written“ dem „…ums Ganze!“-Bündnis angehören.
Derartige Bündnisse sollen eine kontinuierliche politische Arbeit ermöglichen und eine Scharnierfunk-
tion zwischen der linksextremistischen Szene und bürgerlichen Kräften einnehmen. Mit „Prisma“ gibt
es eine IL-Gruppe, die aktiv versucht, in verschiedenen sozialen Konflikten in der Stadt Leipzig als Ak-
teur in lokalen Bündnissen und Kampagnen vertreten zu sein. Ziel ist es, sich nicht nur in Bündnissen
zu engagieren, sondern eigene Ansichten zu den bestimmenden Positionen zu machen und Bündnis-
partner damit zu radikalisieren.
Allerdings ist die bündnispolitische Ausrichtung von „Prisma“ in Leipzig umstritten, da etliche Perso-
nen diese als „Anbiederung“ an den politischen Feind und die zu bekämpfenden staatlichen Struktu-
ren verstehen. Sie fordern ein kompromissloseres und radikaleres Eintreten für die Überwindung von
Kapitalismus und repräsentativer Demokratie.
Autonome Szene in Sachsen
Mit circa 250 Personen ist über die Hälfte der sächsischen Autonomen in Leipzig ansässig. Leipzig ist
damit die Schwerpunktregion der autonomen Szene in Sachsen. Sie ist durch eine wachsende und zu-
nehmend ausdifferenzierte Szene mit unterschiedlichen politischen Gruppen, Bündnissen und Kam-
pagnen charakterisiert. Sie ist in Sachsen, in angrenzenden Bundesländern und in der gesamten Bun-
desrepublik vernetzt und betreibt Aufbauarbeit für die schwach ausgeprägten antifaschistischen
Strukturen in den ländlichen Regionen Sachsens. Überregional besteht Austausch insbesondere mit
Autonomen aus Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hamburg und Berlin, die zu Demonstrationsereignissen
nach Leipzig mobilisiert werden. Die autonome Szene profitiert dabei auch von dem Ruf Leipzigs als
einer wachsenden Stadt, die als „besseres Berlin“ jungen Menschen immer noch genügend Freiräume
zur Entfaltung bieten kann. Leipzig ist ein Brennpunkt linksextremistischer Gewalt in Sachsen.
Demgegenüber stagniert die Entwicklung des Personenpotenzials in Dresden bei etwa 70 Personen.
Der autonomen Szene in Dresden fällt es sichtbar schwer, mit eigenen Veranstaltungen und Aktionen
wirkungsvolle Akzente in der Öffentlichkeit zu setzen. Als autonome Gruppe agierte lediglich die
„Undogmatische Radikale Antifa Dresden“ (URA Dresden) in der Öffentlichkeit. Damit erwies sich vor

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3. Entstehung und Entwicklung der autonomen Szene in Sachsen |
15
allem die seit Jahren praktizierte Bündnispolitik mit nichtextremistischen Gruppen als feste Größe in
Dresden.
In Chemnitz entwickelte sich mit qualitativem und quantitativem Abstand zu Leipzig und Dresden ein
weiterer autonomer Aktionsschwerpunkt. Es bleibt dennoch eine kleine, weitgehend unstrukturierte
Szene mit Einzelpersonen, die nicht in namentlich bekannten, festen Gruppenstrukturen handeln.
In allen anderen Regionen außerhalb der „autonomen Zentren“ Leipzig, Dresden und Chemnitz gibt es
nur vereinzelt Linksextremisten. Diese schwach entwickelten autonomen Strukturen führen in den
ländlichen Regionen sowie in den kleineren und mittleren Städten dazu, dass nur selten öffentlich-
keitswirksame Aktionen durchgeführt werden.
Eine der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Jahre stellte daher der Versuch dar, eine neue
Strategie für den Ausbau, die Präsenz und Vernetzung antifaschistischer Strukturen im ländlichen
Raum zu entwickeln und mit Leben zu füllen. Unter dem Slogan „Antifa ist Landarbeit“ wurde die über-
regionale Vernetzung „Wasteland“ von linksextremistischen Gruppen aus Sachsen
3
als Antwort auf
rechtsextremistische Aktivitäten insbesondere in sächsischen Kleinstädten und ländlichen Regionen
ins Leben gerufen. Für die Akteure von „Wasteland“ sind „Interventionen“ im „Hinterland“ die Voraus-
setzung für den Erhalt einer „emanzipatorischen Perspektive“ im ländlichen Raum.
4
Aktivitäten, die auf eine Umsetzung der Strategie
schließen lassen, konzentrierten sich seit 2016 zu-
nächst vor allem auf den westsächsischen Raum.
So wurde in Plauen gegen die rechtsextremistische
Partei „Der Dritte Weg“ demonstriert und es folg-
ten überregionale Mobilisierungen zu Demonstra-
tionen in Annaberg-Buchholz, Zwickau oder Plau-
en. 2018 und 2019 mobilisierten Leipziger und
Dresdner Autonome erneut zu Protesten gegen den
„Schweigemarsch für das Leben“ von Abtreibungs-
gegnern nach Annaberg-Buchholz. Bundesweit
wurde vor dem Hintergrund zahlreicher asylkriti-
scher und asylfeindlicher Veranstaltungen in Sachsen für eine Beteiligung an antirassistischen Ver-
anstaltungen 2015 in Heidenau, 2016 in Bautzen oder 2017 und 2018 in Wurzen geworben.
5
Ein Achtungszeichen für die autonome Szene außerhalb der urbanen Zentren Leipzig und Dresden ist
die seit 2016 jährliche Durchführung des antifaschistischen Jugendkongresses (JuKo) in Chemnitz.
3 Dazu zählen folgende Gruppen: „Antifa Klein-Paris“, „the future is unwritten“, „Undogmatische Radikale Antifa Dresden“.
4 Antifa Jugendkongress in Chemnitz, in: Antifaschistisches info Blatt, 13.10.2017,
https://www.antifainfoblatt.de
(Stand: 23.10.2017).
5 „Für alle, die Heidenau noch nicht kennen oder nach einem Jahr Sehnsucht haben, dieses Drecksnest mal wieder zu sehen, sei diese Strafexpedition in
einen der deutschesten Orte Deutschlands dringend empfohlen!“, in: Antifa Infos Jena: Kein Vergeben, kein Vergessen – Antifademo in Heidenau am
21. August, archive.is/nzRrl (13.10.2017).
Abbildung 3: twitter, 161Crew/GNWP (@fcklokgnwp),
02.07.2017

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| 3. Entstehung und Entwicklung der autonomen Szene in Sachsen
Die Veranstaltung kann als Teil der Strategie zur Stärkung und Vernetzung antifaschistischer Struk-
turen auf dem Land betrachtet werden. In die Organisation des Kongresses waren neben Nichtextre-
misten von Beginn an autonome Gruppen aus Leipzig und Dresden maßgeblich eingebunden. Aus
Chemnitz waren nur einzelne Linksextremisten beteiligt.
3.2. Selbstverständnis und linksextremistische Ideologie
Die autonome Szene ist eine äußerst uneinheitliche Strömung innerhalb des Linksextremismus. Au-
tonome gehören keiner Organisation mit klaren Strukturen an und unterscheiden sich deutlich von
anderen Gruppierungen vor allem hinsichtlich ihres Selbstverständnisses, Weltbildes und Organisati-
onsgrades. Zwar gibt es mit der erklärten Gegnerschaft zur Bundesrepublik Deutschland und dem
freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat sowie einem grundsätzlichen Bekenntnis zu revolutionärer
Gewalt Grundpositionen, die sie mit anderen linksextremistischen Strömungen teilen. Weltanschau-
lich-politisch verfolgen Autonome aber keine dogmatische Linie, sondern verstehen sich als Funda-
mentalopposition und Basisbewegung.
Die Suche nach einem die autonome Szene einigendem Selbstverständnis führt daher zunächst zu ei-
ner Aufzählung von Zuständen, die kategorisch abgelehnt werden. Dazu gehören:
Kapitalismus
Staat und Nation
Rassismus
Faschismus
Militarismus
Patriarchat und
Sexismus.
Gesellschaftsvorstellungen
Im Gegensatz zu den abzulehnenden Zuständen sind Vorstellungen darüber, wofür Autonome kämp-
fen, weniger eindeutig. Postautonome Gruppen wie „Prisma“ formulieren, die Verteidigung der viel-
fältigen, offenen Gesellschaft, die Errichtung einer sozialen Infrastruktur für alle und einer postkapi-
talistischen wie herrschaftsfreien Gesellschaft seien die wesentlichen Ziele ihrer Arbeit. Man verfolge
ein „emanzipatives Projekt“, das auf den Pfeilern der Gleichheit und Selbstbestimmtheit aller Men-
schen ruhe. Gesellschaftlich positiv besetzte Ziele wie etwa der Einsatz für sozial Schwächere oder
gegen Diskriminierungen werden damit als Grundpfeiler eines „linken“ Selbstverständnisses verein-
nahmt.
Ungeklärt bleibt jedoch, wie die postkapitalistische Wirtschaftsordnung und die politische Willens-
bildung freier und selbstbestimmter Individuen konkret funktionieren sollen. Was tritt an die Stelle
von „Staat“ und „Kapital“ als „organisierende und kontrollierende Kräfte“ der Gesellschaft? In unter-

3. Entstehung und Entwicklung der autonomen Szene in Sachsen |
17
schiedlicher Qualität und Intensität werden Bruchstücke anarchistischer oder marxistischer Theorie-
bildung bemüht, die nicht in einen szeneübergreifenden Konsens münden. Insbesondere für marxis-
tisch argumentierende Gruppen gilt darüber hinaus, die Entwicklung und das Scheitern des
Staatssozialismus im 20. Jahrhundert einzuordnen und zu bewerten oder wie es die postautonome
Leipziger Gruppe „the future is unwritten“ formuliert:
„Wer es mit dem Kommunismus ernst meint, muss die Kritik seines historischen Scheiterns in die eige-
nen Kämpfe miteinbeziehen!“
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Nach Ansicht von Personen aus der (post-)autonomen Szene mangele es der „radikalen Linken“ ge-
genwärtig vor allem an vermittelbaren und realistisch zu erreichenden Zukunftsvisionen. Über die ei-
gene kleine Szene hinaus gelänge es nicht, Menschen für alternative oder revolutionäre Gesellschafts-
entwürfe zu begeistern. Es fehle entweder an einer verständlichen Sprache, praxistauglichen
Modellen oder ganz schlicht an Verständnis für die Situation der „Arbeiterklasse“.
7
Einigkeit besteht darüber, dass die auszufechtenden Kämpfe außerhalb der etablierten politischen
Strukturen stattfinden müssen. Im Gegensatz zu anderen linksextremistischen Gruppierungen – etwa
orthodoxen Kommunisten – lehnen Autonome Parteien zur Organisation der politischen Willensbil-
dung kategorisch ab. Im Zentrum stehen die Selbstbestimmung des Individuums und eine „widerstän-
dige“ Lebenshaltung zwischen Revolution, Solidarität und Selbstorganisation.
Ihrem Selbstverständnis entsprechend wenden sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft, Organi-
sation und Hierarchie. Demzufolge lehnen sie die gewaltenteiligen Verhältnisse ab, in denen eine de-
mokratisch legitimierte Mehrheit kontrollierte Macht ausübt und Minderheitenrechte zu achten hat.
Angestrebt wird die Abschaffung des bestehenden politischen Systems der repräsentativen Demokra-
tie. Autonomen ist damit eine Organisationsfeindlichkeit zuzuschreiben, die zusätzlich durch ideolo-
gische Differenzen zu anderen linksextremistischen Strukturen bestärkt wird. Strukturell ist die auto-
nome Szene deshalb oft stark zersplittert und in örtlichen Szenen und Kleingruppen organisiert.
6 “the future is unwritten” auf twitter (@abasletravail), 25.04.2017
7 Wer gegenwärtig zur „Arbeiterklasse“ zählt, ist ebenfalls nicht klar definiert. Häufig findet sich der Verweis auf „Lohnabhängige“: „These 1: Die Lohn-
abhängigen sind die Klasse, für die eine Überwindung des Lohn-Arbeits-Kapital-Verhältnisses (der kapitalistischen Produktionsweise) die meisten
Vorteile bringen würde; aufgrund ihrer zahlenmäßigen Größe und ihrer Stellung im modernen Produktionsprozess ist sie zugleich die Klasse, die über
die aussichtsreichsten Möglichkeiten verfügt, eine solche Überwindung durchzusetzen.“ Geschlechterverhältnis und revolutionäre Organisierung,
https://linksunten.indymedia.org, 10.05.2017.

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18
| 3. Entstehung und Entwicklung der autonomen Szene in Sachsen
3.3. Feindbilder und Fremdbilder
Die autonome Szene sammelt sich unter dem Dach einer ausgeprägten Ablehnung herrschender Zu-
stände und definiert sich zugleich in starkem Maße über das Erkennen, Benennen und Bekämpfen von
„Feinden“. Diese Einteilung der Welt in Freund und Feind lässt wenig Platz für selbstkritisches Hinter-
fragen eigener Ziele und Mittel. Trotz einiger Übereinstimmungen in der grundlegenden Funktions-
weise von Feindbildern gibt es jedoch einen maßgeblichen Unterschied zur Gedankenwelt rechtsex-
tremistischer Ideologien. Strikt abgelehnt wird die gezielte und systematische Abwertung von
Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, sozialen Stellung, ihres Geschlechtes oder etwa-
iger sexueller Präferenzen.
Grob vereinfacht werden vor allem abstrakte Feindbilder gezeichnet, die als strukturelle Probleme ei-
ner kapitalistischen Gesellschaft verstanden werden. Weniger abstrakt geraten aber auch Polizisten
als „Handlanger“ einer „feindlichen Staatsmacht“ und „Nazis“ als politischer Gegner in den Fokus. Wer
„Nazi“ ist, wird von der autonomen Szene bestimmt. Abhängig von der politischen Lage können un-
terschiedliche missliebige Meinungsäußerungen darunter eingeordnet werden. Gewalt gegen „Nazis“
und Polizisten wird als legitim gerechtfertigt, womit ihnen das Grundrecht auf körperliche Unver-
sehrtheit abgesprochen wird.
Die dynamische Entwicklung von Feindbildern zeigte sich in Sachsen beispielhaft angesichts eines von
der autonomen Szene beschriebenen „Rechtsrucks“ der Gesellschaft, der rechtsextremistische und
rassistische Positionen in einem aus ihrer Sicht „ungeahnten Ausmaß“ gesellschaftsfähig gemacht
hätte.
8
Demnach fänden sich seit dem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen im Jahr 2015 rassistische
und nationalistische Einstellungen nicht
mehr allein bei den bekannten politischen
Gegnern wie den Neonationalsozialisten.
Sie zeigten sich auch bei PEGIDA und den
jeweiligen lokalen Ablegern, bei konserva-
tiv-religiösen „Lebensrechtlern“ sowie letzt-
lich bei allen demokratischen Parteien, die
den Asylrechtsverschärfungen der letzten
Jahre zugestimmt haben.
Die sogenannte Neue Rechte rückte daher
verstärkt in den Fokus der autonomen Sze-
ne. In diesem Kontext wurde v. a. die Partei
„Alternative für Deutschland“ (AfD) als „fa-
8 Das Rückgrat des Rechtsrucks. Eine Analyse der Agenda der AfD und einige Überlegungen zu antifaschistischen Gegenstrategien, in: 161. Antifaschis-
tisches Infoheft München, 04.01.2017, https://161magwordpress.com (06.01.2017)
Abbildung 4: Demonstration gegen den AfD-Parteitag
am 30.04.2016 in Stuttgart, © dpa, picture alliance

3. Entstehung und Entwicklung der autonomen Szene in Sachsen |
19
schistische“, „rassistische“ Partei und parlamentarischer Arm von PEGIDA wahrgenommen. In der Fol-
ge wurde der Kampf gegen die AfD insbesondere im Vorfeld von Wahlen zu einer vordringlichen Auf-
gabe erklärt, flankiert durch die bundesweite Kampagne „Nationalismus ist keine Alternative“ (NIKA).
9
In Vorbereitung auf die Landtagswahl 2019 startete die autonome Szene im Mai 2018 eine militante
Offensive gegen die AfD Sachsen unter dem Motto „loslegen – Fight AfD!“.
10
Gewaltverständnis
Die Anwendung von Gewalt ist in Teilen der linksextremistischen Szene – vor allem bei den Autono-
men – allgemein akzeptierter Grundkonsens. Für Autonome ist Gewaltausübung zur Durchsetzung
politischer Ziele und als Symbolhandeln zentral. Gewaltbereitschaft ist ein identitätsstiftender und
prägender Bestandteil der autonomen Szene. Straftaten werden in Strategiepapieren und Diskussio-
nen gerechtfertigt. Durch ihre Gewaltgeneigtheit unterscheiden sich die Autonomen von anderen
Linksextremisten.
Autonome sehen sich zum einen als Opfer von Gewalt sowohl von staatlicher Seite als auch von Sei-
ten des politischen Gegners. Insofern halten sie ihre eigene Gewaltausübung für legitim. Zum ande-
ren gibt es aus ihrer Sicht bestimmte politische Anliegen, die den Einsatz von Gewalt generell recht-
fertigen. Prägend für die autonome Szene sind unterschiedliche Auffassungen über die Bestimmung
der Ziele und die Angemessenheit der gewaltsamen Mittel, die in wiederkehrenden „Militanzdebatten“
sichtbar werden.
9 Die Kampagne NIKA wurde auf einem bundesweiten Antifa-Treffen im Januar 2016 in Frankfurt/Main gegründet und ist dem bundesweiten linksex-
tremistischen Bündnis „…ums Ganze!“ zuzurechnen.
10 https://loslegen.blackblogs.org/aufruf/

20
| 4. Themenfelder und Aktionsformen
4. Themenfelder und Aktionsformen
4.1 Themenfelder
Entsprechend ihrem Selbstverständnis organisieren sich Autonome nur selten in festeren Strukturen.
Vielmehr gruppieren sie sich ereignisabhängig um politische Themenfelder. Zu den wichtigen Themen-
feldern für sächsische Autonome gehören derzeit:
Antifaschismus,
Antirassismus und Asyl,
Antirepression,
der Kampf um Freiräume und gegen „Gentrifizierung“,
Antikapitalismus und die Suche nach einer postkapitalistischen Wirtschaftsordnung sowie
Umwelt und Klima.
Welche der Aktionsfelder in der Öffentlichkeit thematisiert werden und inwieweit Autonome in der
Lage sind, in diesen tätig zu werden, hängt von den politischen Rahmenbedingungen ab.
Antifaschismus
Von zentraler Bedeutung für die linksextremistische Szene ist der Kampf gegen alle vermeintlichen
und tatsächlichen Erscheinungsformen von Rechtsextremismus aufgrund der Erfahrungen mit dem
historischen Nationalsozialismus in Deutschland, mit der Mordserie des rechtsterroristischen NSU und
mit den fremdenfeindlichen Übergriffen in den 1990er Jahren sowie in den Jahren 2015 und 2016.
Aus Sicht der linksextremistischen Szene habe in den vergangenen Jahren ein „Rechtsruck“ in der Ge-
sellschaft stattgefunden, der rechtsextremistische und rassistische Positionen in einem „ungeahnten
Ausmaß“ gesellschaftsfähig gemacht habe. Demnach fänden sich derartige Einstellungen nicht mehr
allein bei den Neonationalsozialisten, sondern zeigten sich vor allem auch bei der Neuen Rechten.

4. Themenfelder und Aktionsformen |
21
Antirassismus und Asyl
Der von Autonomen verwendete Begriff „Antirassismus“ steht in engem inhaltlichen Zusammenhang
mit dem Themenfeld „Antifaschismus“. Mit antirassistischen Positionen von Linksextremisten verbin-
det sich stets auch fundamentale Kritik am demokratischen Rechtsstaat und dessen Institutionen.
Staatlichen Akteuren wird z. B. mit Blick auf die deutsche Asylpolitik, zu der auch Abschiebungen ge-
hören, ein systemimmanenter „institutioneller Rassismus“ unterstellt. In diesem Zusammenhang wird
auch der Polizei ein „struktureller Rassismus“ vorgeworfen. Dieser zeige sich demnach insbesondere
bei diskriminierenden Personenkontrollen von Menschen, die von Polizisten als ethnisch „andersartig“
wahrgenommen werden („racial profiling“).
Sächsische Autonome beteiligen sich u. a. an Protestaktionen gegen Abschiebungen und organisieren
Demonstrationen gegen asylpolitische Entscheidungen verschiedener politischer Instanzen.
Antirepression
Der „Kampf gegen staatliche Repression“ ist ein klassisches Aktionsfeld von Linksextremisten mit dem
der demokratische Rechtsstaat delegitimiert werden soll. Dieser Kampf wird als ein gerechtfertigtes Mit-
tel verstanden, um die angeblich herrschende „Gewalt des Systems“ aufzubrechen. Als Repressionsor-
gane werden alle Institutionen betrachtet, die der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dienen und da-
mit aus Sicht von Linksextremisten die Aufrechterhaltung des „herrschenden Systems“ sicherstellen.
Besondere Aufmerksamkeit erfuhr ab 2018 die Novellierung des sächsischen Polizeigesetzes. Aus Sicht
von Linksextremisten werde damit der Weg in einen „autoritären Polizeistaat“ vorbereitet, der Grund-
rechte massiv einschränke. Linksextremisten beteiligten sich daher an Bündnissen und Demonstrati-
onen zur Verhinderung des neuen Polizeigesetzes, welches im April 2019 beschlossen wurde. Ab Mit-
te 2019 richteten sich zahlreiche, mitunter konfrontativ und gewaltsam verlaufene Aktionen gegen
vermeintliche Polizeigewalt und „staatliche Repression“.
Anti-Gentrifizierung
Seit einigen Jahren gehört der Kampf um „selbstbestimmte Freiräume“ und gegen soziale Verdrän-
gungsprozesse in Städten zu den bestimmenden Themenfeldern der linksextremistischen Szene. In
„Freiräumen“, wie etwa besetzten Häusern oder in Jugendzentren, die dem staatlichen Zugriff entzo-
gen sind und „selbstverwaltet“ werden, wollen sie ihre Vorstellungen von einem „besseren“ Leben um-
setzen. Dort wird die für die politische Arbeit unerlässliche Infrastruktur bereitgestellt und der Infor-
mationsaustausch innerhalb der Szene unterstützt. Solche „Freiräume“ stellen für sie einen ersten
Schritt zur Etablierung der von ihnen angestrebten „herrschaftsfreien“ Gesellschaft dar. Insofern wer-
ten sie deren Einschränkung stets als einen Angriff gegen die Verwirklichung ihrer Zielsetzungen.
Linksextremisten beanspruchen eine Hegemonie in „ihrem Viertel“, welche häufig in einer Ausgren-
zung von Personen mündet, deren Wertvorstellungen nicht mit ihren eigenen übereinstimmen. Auch

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22
| 4. Themenfelder und Aktionsformen
auf behördliche Maßnahmen, die sich gegen ihre „Freiräume“ richten, reagieren sie regelmäßig um-
gehend und aggressiv.
Seit 2019 besetzen Linksextremisten verstärkt das Themenfeld „Gentrifizierung“, um in der Öffent-
lichkeit zu agieren und sich politisch zu positionieren. Vor allem in Ballungsräumen und alternativ ge-
prägten Vierteln nutzten sie dieses Thema, um die kritische Stimmung in Teilen der Bevölkerung (etwa
gegen steigende Mieten oder sog. Luxussanierungen) für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Aller-
dings wurde deutlich, dass es den Akteuren nicht um den Erhalt sozial- und wohnräumlich gewach-
sener Strukturen ging, sondern um die Schaffung
selbstverwalteter „autonomer Freiräume“.
Mit der Durchsuchung des seit Juni 2016 besetz-
ten Objektes „Black Triangle“ in Leipzig und der
Übergabe an den Eigentümer – die Deutsche
Bahn AG – verlor die Szene im Januar 2019 ein
„Leuchtturmprojekt“. Trotz interner Differenzen
hatten sich große Teile der Szene mit der Beset-
zung solidarisiert, aus der heraus „der Kampf ge-
gen Gentrifizierung und Faschisierung sowie für
eine befreite Gesellschaft offensiv geführt wird.“
Antikapitalismus
Die Überwindung der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung stellt für Linksextre-
misten ein grundlegendes Ziel dar, das inhaltlich mit allen anderen Themenfeldern verknüpft werden
kann. Die fundamentale Kritik am Kapitalismus ist für sich allein jedoch nicht extremistisch. Der zen-
trale Unterschied zwischen einer radikalen und einer extremistischen Auffassung besteht nicht in der
Ablehnung eines Wirtschaftssystems, sondern im Streben nach einer revolutionären Überwindung
des demokratischen Rechtsstaats, der mit seinen „Repressionsorganen“ als Garant kapitalistischer Ei-
gentums- und Produktionsverhältnisse verstanden wird. Die Verknüpfung von kapitalistischem Wirt-
schaftssystem und politischer Ordnung beruht auf marxistischen Faschismustheorien. Demnach mün-
de das Zusammenspiel von Finanzkapital und Staatsapparat in ökonomischen Krisen zwangsläufig im
Faschismus, der als „radikalste Form bürgerlicher Klassenherrschaft“ definiert wird.
Umwelt und Klima
Das Thema Klima ist für Linksextremisten strategisch wichtig, weil es eine hohe Anschlussfähigkeit
an das nichtextremistische Spektrum bietet. So instrumentalisieren Linksextremisten den Protest ge-
gen die Nutzung der Braunkohle für ihre eigenen Zwecke. Sie wollen als Bündnispartner wahrgenom-
men werden, um über die Umweltproblematik ihre eigenen extremistischen Ziele – die Überwindung
von „Kapitalismus und bürgerlichem Staat“ – einzubringen.
Abbildung 5: Besetztes Objekt „Black Triangle“ in Leipzig
©
picture alliance

4. Themenfelder und Aktionsformen |
23
4.2. Aktionsformen
Demonstrationen
Autonome melden Demonstrationen an, um selbst ernannte „Feinde“ in Hör- und Sichtweite zu kon-
frontieren. Sie beteiligen sich anlassbezogen auch an Aktionen nichtextremistischer Bündnispartner.
Als Grund hierfür geben Autonome an, dass die Szene allein keine wahrnehmbare gesellschaftliche
Relevanz besitzt. Meist ordnen sie sich in diesen Aufzügen weitgehend dem friedlichen Demonstra-
tionsverhalten zivilgesellschaftlicher Akteure unter. Für Demonstrationsbeteiligte und Beobachter ist
es mitunter schwierig zu erkennen, ob Autonome teilnehmen und in welcher Form sie versuchen, in-
haltlichen Einfluss zu nehmen. Kennzeichnend für autonome Positionen sind die Akzeptanz der An-
wendung von Gewalt sowie der Einsatz für grundsätzliche Problemlösungen, die eine Überwindung
des politischen Systems beinhalten.
Ob es im Rahmen angemeldeter Demonstrationen zu Ausschreitungen kommt und wie groß der Spiel-
raum dafür ist, hängt einerseits vom Kräfteverhältnis, andererseits aber auch davon ab, ob sich das
bürgerliche Spektrum von gewalttätigen Ausschreitungen distanziert oder solche toleriert. Demons-
trierende Menschenmassen bieten autonomen Kleingruppen die Möglichkeit zur unauffälligen Bewe-
gung im Demonstrationszug. Wenn sich günstige Gelegenheiten ergeben, lassen sich aus dem De-
monstrationsgeschehen heraus Aktionen gegen den politischen Gegner oder die Polizei starten. Die
Vielzahl an Menschen bietet anschließend eine Rückzugsmöglichkeit, um dem Zugriff von Polizisten
zu entgehen. Damit können Demonstranten die „Deckungsmasse“ für autonome Aktionen bilden. Auch
Demonstrationsaufrufe postautonomer Gruppen wie der IL, die für massenhaften zivilen Ungehor-
sam eintreten, schaffen oft eine unübersichtliche Lage für Sicherheitskräfte und können damit mili-
tanten Aktionen autonomer Kleingruppen den Boden bereiten.
Kritisch wird bei angemeldeten Demonstrationen zum Teil die notwendige Kooperation mit staatli-
chen Behörden betrachtet. Unangemeldete Spontandemonstrationen sind daher eine weitere Akti-
onsform, die eher dem Selbstverständnis der Autonomen entsprechen und teils auch mit gewalttäti-
gen Ausschreitungen verbunden sind.
Outing-Aktionen
Hohe Akzeptanz in der Szene genießen sogenannte Outing-Aktionen. Damit soll der politische Geg-
ner aus der Anonymität geholt und mit seinen Unterstützernetzwerken dem unmittelbaren Umfeld
sowie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Ziele sind die Diffamierung der
Person(en) und die Schwächung von Strukturen des Gegners. Dafür werden in einem ersten Schritt
Daten zur Herkunft, zu Freunden, Aktivitäten in den sozialen Netzwerken, Arbeitgebern, Freizeitbe-
schäftigungen, Privatfahrzeugen oder Bilder recherchiert. In einem zweiten Schritt folgt die Weiter-
gabe der Daten zunächst innerhalb der Szene, anschließend in der Öffentlichkeit zum Beispiel auf On-
line-Portalen oder im Wohnumfeld des Outing-Opfers.

24
| 4. Themenfelder und Aktionsformen
Mit „Outings“ wird die Grundlage für zielgerichtete Aktionen gegen die betroffenen Personen gelegt.
Dabei werden Straftaten – auch Gewalttaten – zumindest billigend in Kauf genommen. Nicht allen
Outings folgen zwangsläufig klandestine Aktionen.
Klandestine Aktionen
Autonome Militanz zeigt sich in Form gewalttätiger Proteste aus Demonstrationen heraus sowie in
Form klandestiner Aktionen. Taktisch nutzen die Akteure bei dieser Aktionsform das Überraschungs-
moment und die Anonymität. Dadurch wird für die Akteure das Risiko einer strafrechtlichen Verfol-
gung minimiert. Klandestine Aktionen sind mit einem hohen Sachschaden verbunden. Für Linksex-
tremisten stellen sie deshalb eine geeignete Aktionsform dar, um dem politischen Gegner erheblich
zu schaden. Taterklärungen zeigen ihre Absicht, auf diese Weise politische Aufmerksamkeit erreichen
sowie politischen Einfluss ausüben zu können.
Klandestine Aktionen richteten sich vorrangig gegen den politischen Gegner, gegen den „Repressi-
onsapparat“ sowie gegen Firmen, die mit der Sanierung von Wohnhäusern beauftragt sind. Feindbil-
der werden dabei sehr weit gefasst, was die breite Fächerung der Anschlagsziele zeigt. Umfasst sind
tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten. Ziele sind aber auch Vertreter und Institutionen
des demokratischen Rechtsstaates wie Polizei, Gerichte, Justizvollzug sowie Einrichtungen politischer
Parteien. Sie verkörpern für Autonome das staatliche Gewaltmonopol und gelten als Vertreter des ih-
nen verhassten Staates. Schwerpunkt linksextremistischer Straf- und Gewalttaten ist Leipzig.
Seit Mitte 2019 ist eine gestiegene Aggressivität bei der Begehung von Straftaten durch Teile der au-
tonomen Szene Leipzigs festzustellen, die über das bisherige Ausmaß autonomer Gewalt in Leipzig
hinausgeht. Maßgeblich für diese Einschätzung sind v. a. zwei mutmaßlich linksextremistisch moti-
vierte Straftaten:
Der Brandanschlag auf eine Baustelle der Firma „CG-Gruppe“ in Leipzig, bei dem u. a. tonnenschwe-
re Autokräne brannten, verursachte am 3. Oktober 2019 Sachschäden in zweistelliger Millionen-
höhe und gefährdete unbeteiligte Anwohner.
Die körperliche Gewalt gegen eine Prokuristin der Immobilienfirma „Wassermühle Immobilien“ in
ihrer Wohnung am 3. November 2019 richtete sich gegen die körperliche Unversehrtheit eines Men-
schen, anstelle der üblichen Sachbeschädigung am Besitztum einzelner Personen und Einrichtun-
gen der Baustelle.
Damit wurde eine neue Eskalationsstufe linksextremistisch motivierter Gewalt erreicht. Diese Ent-
wicklung kommt allerdings nicht überraschend, sondern zeichnete sich über mehrere Jahre hinweg
ab. So konnte schon seit 2017 eine Verschiebung militanter Aktivitäten vom Gewalthandeln aus dem
Demonstrationsgeschehen heraus (Massenmilitanz) zu klandestinen Aktionen von Kleingruppen be-
obachtet werden. Durch diese Aktionsform gelingt es Tätern regelmäßig, hohe Sachschäden zu ver-
ursachen und auf den politischen Gegner mit teils massiver Gewalt einzuwirken.

4. Themenfelder und Aktionsformen |
25
4.3. Kommunikation und Symbole
Analog und Digital
Innerhalb der autonomen Szene haben sich schon länger „alternative“ Informations- und Kommuni-
kationskanäle etabliert, die vorrangig das eigene Weltbild spiegeln und Interessen bündeln. Analog
und digital gibt es zahlreiche Verlage, Zeitschriften, Radiokanäle, Online-Portale, Blogs, Kanäle in den
sozialen Netzwerken, Infoläden und Infoveranstaltungen.
Insbesondere die sozialen Netzwerke mit Twitter, Facebook, flickr oder Instagram werden genutzt und
spielen beispielsweise für Aufrufe zu und zur Begleitung von Demonstrationen („Demoticker“) oder
für das Outing von „Nazis“ eine bedeutende Rolle. Wichtig sind auch Terminkalender mit aktuellen An-
kündigungen und Chroniken als virtuelles Gedächtnis der Szene. Auch klassische Webseiten oder Blogs
werden weiter von autonomen Gruppen für die Veröffentlichung von Demonstrationsberichten oder
Selbstverständnissen verwendet. Von regionaler Bedeutung sind u. a. Online-Plattformen wie „left-
action.de“ oder „offenesantifatreffen.blogsport.eu“. Überregional wird vor allem die Seite „de.indy-
media.org“ frequentiert. Der Blog „chronik.blackblogs.org“ listet zudem bundesweit Selbstbezichti-
gungsschreiben oder Presseartikel zu klandestinen Aktionen auf. Damit soll eine „offene Datenbank“
geschaffen werden, um die Verbreitung derartiger Aktionen zu befördern, Menschen zu „inspirieren“
und dem „Mangel an Wissen“ entgegenzuwirken.
Ein wichtiger Bestandteil szeneinterner Kommunikation sind darüber hinaus Plakate, Sticker und Graf-
fitis, die Demonstrationsaufrufe oder Szeneslogans verbreiten. Mit Stickern werden „eigene“ Viertel
markiert oder „Nazi-Propaganda“ überklebt. Graffitis sollen den Anspruch auf „widerständige Kieze“
zeigen, die gerade nicht sauber und ordentlich und kein Ort für „Yuppies“ sind. Der Preis für Sanierun-
gen von Häusern und damit die Gentrifizierung von Stadtteilen soll so möglichst in die Höhe getrie-
ben werden. Ein gespraytes „Antifa-Area“ oder kürzer in Form des Anarcho-Zeichens sind visuelle Be-
setzungen des Raumes und Mittel des Protests.
Grundsätzlich sind ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein und ein hoher Sicherheitsstandard bei
der Erzeugung, Weitergabe und Speicherung von Daten szenetypisch. Offene Kommunikationswege
verlieren daher insbesondere bei der gruppeninternen oder vertraulichen Kommunikation an Bedeu-
tung, die fast nur noch verschlüsselt über Messenger-Dienste und interne Mailinglisten oder durch
mündliche Weitergabe stattfindet. Szeneinterne Weiterbildungen sollen dabei helfen, Datenspuren
möglichst zu minimieren, um einen Zugriff des „Überwachungsstaates“ zu verhindern.
Symbole
So wie jede Subkultur oder Szene mit Symbolen arbeitet, um den Gruppenzusammenhalt nach innen
zu stärken und sich gegenüber anderen abzugrenzen, nutzen auch Autonome bestimmte Zeichen, Ge-
genstände oder Wörter, die eine spezielle Bedeutung tragen. Viele dieser Symbole sind kurzlebig. An-

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26
| 4. Themenfelder und Aktionsformen
dere sind seit Jahrzehnten Erkennungszeichen und wieder andere werden bewusst aus bis dahin be-
kannten Zusammenhängen gerissen und mit neuen Bedeutungen besetzt, um sie zum Beispiel nicht
mehr Rechtsextremisten zu überlassen.
Abbildung 6: Antifaschistische
Aktion, Wolfgang Sterneck 2012
Am häufigsten genutzt wird das Emblem der „Antifaschistischen Aktion“.
Dies ist ein Rückgriff auf die historische „Antifaschistische Aktion“, wel-
che am 10. Juli 1932 in der Berliner Philharmonie gegründet wurde. Ziel
war damals die Gründung einer Einheitsfront gegen den Nationalsozialis-
mus. Die roten Fahnen standen für die damaligen Parteien SPD und KPD
und sollten deren solidarische Aktionseinheit verdeutlichen. Allerdings
wurde das obige historische Symbol entsprechend den gegenwärtigen
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, dem Selbstverständnis der
autonomen Szene und deren Zielstellung im Rahmen des „Antifaschis-
muskampfes“ geändert und angepasst. Das aktuelle Emblem, welches den
„Antifaschismuskampf“ der autonomen Szene ausdrückt, war das Symbol
der „Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation“ (AA/BO), einer
bundesweiten Vernetzung autonomer Gruppierungen, die von 1992 bis
2001 bestand. Dass eine der ursprünglich zwei roten Fahnen durch eine
schwarze ersetzt wurde, erklärt sich aus den weltanschaulichen Grund-
positionen der Autonomen, die Elemente des Anarchismus (schwarz) und
des Kommunismus (rot) beinhalten.
Abbildung 7: Anarchie,
ponte1112 2012
Das Anarcho-Zeichen ist das bekannteste Symbol des Anarchismus. Es
wird auch von zahlreichen Autonomen verwendet. Das große „A“ in
einem Kreis soll Pierre Joseph Proudhons Maxime „Anarchie ist Ordnung“
verdeutlichen. Proudhon (1809-1865) war ein französischer Anarchist,
der eine Neuordnung der Gesellschaft ohne jegliche Staatsgewalt
anstrebte. Die gesellschaftlichen Beziehungen sollten lediglich nach dem
Prinzip der freiwilligen Gegenseitigkeit geregelt werden. Die Anarcho-
Punk-Bewegung nutzte ab den 1980er Jahren dieses Symbol und verhalf
ihm zu allgemeinem Bekanntheitsgrad. Der Kreis symbolisiert dabei auch
Einigkeit. Insofern steht dieses Emblem für die identitätsstiftende Ver-
bundenheit aller anarchistischen Gruppen, auch wenn diese unterschied-
liche Positionen vertreten. Das Anarcho-Zeichen ist nicht verboten.
Abbildung 8: In den Mülleimer
entsorgtes Hakenkreuz
Die Verwendung durchgestrichener oder in den Mülleimer entsorgter
Hakenkreuze durch die Autonome Antifa führte bereits zu juristischen
Auseinandersetzungen. Der Bundesgerichtshof entschied im Jahr 2007,
dass die Verwendung verfremdeter nationalsozialistischer Symbole bei
„offenkundiger und eindeutiger“ Distanzierung zulässig ist.

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4. Themenfelder und Aktionsformen |
27
Abbildung 9: Fünfzackiger
schwarz-roter Stern
Das Selbstverständnis (post-)autonomer Gruppen basiert je nach Ausrich-
tung auf Bruchstücken marxistischer und anarchistischer Theoriebildung.
Daher fanden auch traditionelle Symbole kommunistischer, sozialistischer
oder sozialdemokratischer Parteien der Arbeiterbewegung des 19. und
20. Jahrhunderts Eingang in die Zeichenwelt Autonomer. Der fünfzackige
rote oder teils auch schwarzrote Stern soll dem Menschen den Weg in die
klassenlose Gesellschaft weisen und wird als internationalistisches Sym-
bol der Arbeiterbewegung gedeutet, bei dem die fünf Zacken des Sterns
für fünf Kontinente stehen. Die vereinzelt zu sehende erhobene Faust des
Arbeiters geht auf Grußgesten der Bolschewiki in den Jahren nach der
russischen Oktoberrevolution zurück und symbolisiert die kämpferische
Bereitschaft der Arbeiterklasse.
Abbildung 10: Symbol der
verbotenen Online-Plattform
„linksunten.indymedia.org“
Im Zusammenhang mit dem Themenfeld „Antirepression“ beziehen
sich Autonome häufig auf das Verbot der Online-Plattform „linksunten.
indymedia.org“ durch den Bundesinnenminister am 25. August 2017.
Untersagt wurde dabei auch die Nutzung von Kennzeichen für die Dauer
der Vollziehbarkeit des Verbotes. Das betrifft insbesondere die grafische
Verwendung des prägenden Vereinsnamensbestandteils „linksunten“ im
Schriftzug „linksunten.indymedia.org“ in roter Farbe kombiniert mit der
Darstellung des Buchstabens „i“ von dem beidseitig Funkwellen symboli-
sierende Klammerzeichen abgehen.
11
Abbildung 11: Symbol für
besetzte Häuser
Symbolhaft für den Kampf um Freiräume steht das Zeichen für besetzte
Häuser, das einen Kreis mit einem N-förmigen Blitz zeigt. Es soll auf die
niederländische Hausbesetzerszene der 1970er Jahre zurückgehen. „N“
steht dabei für „neemt“, niederländisch für „genommen“ oder „besetzt“.
Zahlencodes
Die Bedeutung der Zahlenfolge „161“ ergibt sich aus der Stellung der
Buchstaben im Alphabet. Übersetzt bedeutet es „AFA“ oder „Antifa
Action“.
Ähnlich verbreitet ist die Ziffernfolge „1312“ für „All Cops are Bastards“.
Von den hier gezeigten Symbolen ist nur der rote Schriftzug „linksunten.indymedia.org“ in Kombina-
tion mit dem funkenden „i“ verboten.
11 Bundesministerium des Innern: Fragen und Antworten zum Verbot gegen „linksunten.indymedia“,
https://www.bmi.bund.de
(30.11.2017)

28
| 4. Themenfelder und Aktionsformen
Autonome bedienen sich weiterhin bestimmter Farben für ihre Botschaften. Schwarz markiert die Far-
be der Autonomen. Da schwarz sich als unbunte Farbe nicht in die übliche Symbolik von Herrschafts-
symbolen und Staatsflaggen einreiht, soll Herrschaft damit negiert werden. Rot gilt als traditionelle
Farbe der revolutionären Arbeiterbewegung sowie von Kommunisten und Sozialisten. Die Kombina-
tion schwarz und rot findet sich in der Doppelfahne der Antifaschistischen Aktion, die auf die Sym-
bolik kommunistischer und sozialistischer Gruppen in der Weimarer Republik zurückgeht. Adaptiert
und modernisiert zeigen die schwarze und rote Flagge die vereinte Linke mit einem anarchistischen
(schwarz) sowie einem kommunistischen und sozialistischen Flügel (rot). Lila findet im Zusammen-
hang mit (queer-)feministischen Themen als Farbe Verwendung.
Auf Demonstrationen und Kundgebungen werden immer wieder bestimmte Slogans oder Demosprü-
che gerufen, die szenetypisch und Kennzeichen einer eigenen Szenesprache sind, bspw. „Alerta, aler-
ta, antifascista“ oder „Staat, Nation, Kapital? Scheiße!“.
Auch über die Kleidung werden bestimmte Szenecodes nach außen kommuniziert. So wird bei De-
monstrationen häufig auf Vermummung und ein einheitlich schwarzes Outfit gesetzt, das möglichst
keine Anhaltspunkte für eine Identifizierung durch die Polizei anhand auffälliger Farben oder Logos
bietet. Der „schwarze Block“ entsteht so aus Menschen, die „Hassmasken“, Sonnenbrillen, schwarze
Regenjacken oder Kapuzenpullover, Hosen und Turnschuhe tragen. In den letzten Jahren waren ver-
stärkt auch schwarze oder bemalte Regenschirme zu sehen. Dieses Auftreten kann als Symbol für
Entschlossenheit, Aktionsbereitschaft und Stärke verstanden werden.
Das einheitliche Auftreten und Agieren bedeutet aber nicht, dass es sich um einen geschlossenen oder
homogenen Personenzusammenschluss mit klaren Hierarchien und Aufgabenverteilungen handelt.
Anlassbezogen schließen sich unterschiedliche Bezugsgruppen auf Basis von Kennverhältnissen und
Aktionsabsprachen zusammen. Ihr dezentrales Agieren versetzt sie jederzeit in die Lage, rasch auf
Veränderungen zu reagieren, etwa sich aus dem Block heraus zu verstreuen, ohne auf Anweisungen
einer etwaigen Leitungsebene warten zu müssen. Häufig genutzt wird mittlerweile die Taktik des
schnellen Wechsels von schwarzer zu bunter Kleidung, um unerkannt zwischen dem gewaltbereiten
schwarzen Block und dem friedlichen Protest hin und her wechseln zu können. Wechselkleidung zu
diesem Zweck wird in Rucksäcken oder Stoffbeuteln bereitgehalten. Das Wechseln der Kleidung er-
folgt im Schutz der anderen Demonstrationsteilnehmer bzw. hinter Transparenten. Für Außenstehen-
de oder Teilnehmer ist damit eine Beurteilung, ob und in welcher Stärke ein „Schwarzer Block“ anwe-
send war, deutlich erschwert.

5. Fazit und Ausblick |
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5. Fazit und Ausblick
Autonome stellten in den vergangenen Jahren die stärkste Strömung innerhalb des Linksextremismus
in Sachsen dar und werden es perspektivisch auch bleiben. Die autonome Szene hat sich in den Zen-
tren Leipzig und Dresden fest etabliert, während es in den ländlichen Regionen und Kleinstädten kaum
noch aktive Strukturen gibt. Insbesondere in Leipzig verfügt die Szene über notwendige Vorausset-
zungen und ein breites Unterstützerumfeld, um weiter wachsen zu können. So gründeten sich auch
neue Strukturen, die sich vielfältig in temporären Kampagnen und lokalen, regionalen wie nationalen
Bündnissen miteinander vernetzten. Akteure des gewaltbereiten Kleingruppenspektrums, der politi-
schen Gruppen im postautonomen Spektrum und des Unterstützerumfeldes arbeiteten in verschie-
denen Kontexten zusammen und ergänzten sich bisweilen arbeitsteilig.
Postautonome Gruppen wie „Prisma“ verstehen sich als Sammelbecken für eine radikale Linke, die
durch eine „offene und breite Bündnispolitik“ ihre Positionen in „immer wieder neuen Allianzen“ ver-
mitteln will. Ein gemäßigtes Auftreten ist dabei von Vorteil, wenn man Akteure in der Grauzone des
Linksradikalismus gewinnen und organisieren möchte. Antifa-Recherche-Teams konzentrieren sich
hingegen auf das Sammeln von Informationen über den Gegner. Das abgeschottete und kampfsport-
erprobte Milieu der „militanten Kleingruppen“ wird bei klandestinen Aktionen oder in der direkten
Konfrontation mit dem Gegner aktiv.
In den vergangenen Jahren zeigte sich die Szene anpassungs- und reaktionsfähig. Sie antwortete mit
neuen Strategien und Taktiken auf gesellschaftliche und politische Veränderungen und besonders
postautonome Gruppen bauten belastbare Brücken zur Zivilgesellschaft. Der Kampf gegen Rechtsex-
tremisten verschaffte der autonomen Antifa einige Sympathien. Ebenso war der Einsatz postautono-
mer Gruppen gegen den Klimawandel oder gegen soziale Verdrängungsprozesse in Großstädten an-
schlussfähig für nichtextremistische Personen und Gruppen. Diese Bündnisstrategie insbesondere der
Leipziger autonomen Szene verfolgt das Ziel, den Verlauf öffentlicher Aktionen zu bestimmen, inhalt-
liche Debatten zu dominieren und Bündnispartner zu radikalisieren. Sie nutzten damit Konflikte und
Debatten, um sie für ihre eigenen Ziele – die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und der
freiheitlichen demokratischen Grundordnung – zu instrumentalisieren.

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| 5. Fazit und Ausblick
Durchaus scharfsichtig analysierten Autonome jedoch, dass es ihnen bislang nicht gelungen ist, ihre
Ziele einer breiteren Bevölkerung zu vermitteln. Autonome Vorstellungen einer herrschaftsfreien,
„anar chistischen“ Gesellschaft oder einer sozialistischen bzw. kommunistischen Gesellschaft blieben
in Sachsen daher trotz aller Aktionen und „Interventionen“ quantitativ marginal.

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Herausgeber:
Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen,
Stabsstelle
Gesamtherstellung:
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Titelbild:
picture alliance/R. Goldmann
Redaktionsschluss:
Dezember 2020
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