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Waldschutz-Information 4/2018
1.
Aktuelle Buchdruckersituation
(Stand: 31./32. KW)
Idealer als in diesem Frühjahr/Sommer können die äußeren Bedingungen für die Entwicklung einer
Buchdruckergradation kaum sein. Ein reichliches Brutraumangebot in Form des Wurf- und Bruch-
holzes zum Schwärmbeginn, das dann zunehmend durch dürregestresste Fichten ergänzt und er-
weitert wird und das ganze bei Temperaturen, die zum Teil schon über dem Optimum für die Kä-
ferentwicklung lagen und noch liegen. Diese Situation spiegelte sich jedoch bisher nicht so präg-
nant, wie man es erwartet hätte, in den Monitoringergebnissen wieder. So sind für 65 der 86 Fallen-
standorte die kumulierten Fangzahlen geringer als im Vorjahr. Dafür gibt es verschiedene Erklärun-
gen. Angefangen von der Repräsentanz dieser „Dauer“-Monitoringstandorte für die aktuell vorherr-
schende Situation, die konkurrierende Lockwirkung der künstlichen Lockstoffquelle Pheromonfalle
mit dem reichlich vorhandenen natürlichen Brutraum (siehe WS-Info 3/2018) bis hin zum Über-
schreiten der oberen Temperaturgrenze des Buchdruckerschwärmfluges von 30 °C auf den als
Fallenstandorten genutzten Freiflächen. Auch der landesweit im Juni erkannte Zugang an Stehend-
befall war geringer als im Vorjahr. Dieser Trend resultierte vor allem aus den Angaben für den LW.
Für den PKW lag der Zugang auf dem Vorjahresniveau. Hierbei zeigten sich erhebliche regionale
Unterschiede. So wurde im LW im FoB Bärenfels sowie im PKW der Landkreise Mittelsachsen,
Sächsische Schweiz- Osterzgebirge und im Vogtlandkreis bereits im Juni mehr Stehendbefall re-
gistriert als im Vorjahr. Im Juli erreichte der Anfall von Stehendbefall in der Summe aller Eigen-
tumsarten (ohne NLP) das Vorjahresniveau von etwa 10.000 m³. Dabei war der Zugang im LW
(ohne NLP) geringer und der im PKW deutlich höher als 2017. Allein im PKW im LK Mittelsachsen
wurde im Juli ein Stehendbefallszugang von ca. 4.000 m³ registriert.
In den vergangenen 2-3 Wochen zeichnet sich ein deutlicher Anstieg der erkannten
Befallsholzmengen ab. Die erwartete Gradation wird sichtbar. Für August ist mit einem
wesentlichen Anstieg des erkannten Befalls zu rechnen.
Diese Entwicklung ist offensichtlich vergleichbar mit den entsprechenden Angaben für den bisheri-
gen Jahrhundertsommer 2003. Auch damals zeigten die meisten Fallenfänge keine außergewöhnli-
chen Schwärmaktivitäten. Der Befallszugang im Juni und Juli 2003 entsprach 1% bzw. 2% der am
Ende des Käferjahres zu bilanzierenden Befallsholzmenge von damals ca. 120.000 m³. Im August
und September wurden dann 21 % bzw. 25% der Gesamtmenge erkannt. Mit einer ähnlichen Ent-
wicklung ist in den nächsten Wochen zu rechnen.
Im NLP „Sächsische Schweiz“ ist die zu erwartende Befallsentwicklung bereits seit Beginn der
Schwärmperiode erkennbar. Die Fallenfänge liegen an fast allen Monitoringstandorten über den
Vorjahreswerten und markieren sowohl hinsichtlich der Wochenfänge je DFS als auch hinsichtlich
der kumulierten Werte bisher nicht oder nur in Einzelfällen erreichte Maxima. So wurden an 4 von
12 Standorten die kritische Schwelle von 30.000 Käfern pro Jahr und Falle bereits überschritten
(tlw. bereits Mitte Juni).
In den vergangenen 6 Wochen wurde ein Befallszugang eingeschätzt, der den des gesamten
letzten Käferjahres fast erreicht. Der Befall konzentriert sich nach wie vor auf den Ruhebereich
ohne Bekämpfungsmaßnahmen.
Die sehr angespannte Situation macht eine Intensivierung der erforderlichen Maßnahmen nötig.
Das gilt vor allem hinsichtlich der Erkennung und Sanierung von frischem Stehendbefall. Bedingt
durch die hohen Temperaturen und der daraus resultierenden sehr schnellen Brutentwicklung ist
davon auszugehen, dass die Fichten mit deutlichen Befallsmerkmalen unter Umständen bereits
„Totholz“ sind. Eine rechtzeitige Erkennung ist meist nur anhand von Bohrmehlfunden möglich.
Besondere Aufmerksamkeit ist deshalb den Randbäumen von erkannten Befallsstellen zu widmen.
Neben den Geschwisterbruten deutet der Ende Juli/ Anfang August erneut starke Anstieg der
Schwärmaktivität an einigen (im NLP an den meisten) Standorten auf die Anlage einer 3.
Generation hin. Diese Beobachtung deckt sich mit den

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Modellberechnungen mit PHENIPS. Auch wenn durch die Abnahme der Tageslänge und damit
einer Verhaltensänderung der Buchdrucker in der nächsten Zeit kaum neuer Befall entstehen wird,
werden sich bei anhaltend günstigen Witterungsbedingungen die Käferbruten soweit entwickeln,
dass Sie erfolgreich überwintern können. Die jetzt anstehenden Sanierungsmaßnahmen sind also
vorrangig Prophylaxe für 2019 und beeinflussen die diesjährige Entwicklung kaum noch. Sie sind
damit aber eine entscheidende Grundlage dafür, die zukünftige Entwicklung erfolgreich kontrollieren
zu können.
Hinsichtlich der Entwicklung des Kupferstechers liegen keine detaillierten Daten vor. Im Rahmen
des Borkenkäfermonitorings deutet sich eine Zunahme der Schwärmaktivität in der 2. Hälfte der
Schwärmperiode an. Die Fangzahlen weisen aber keinen einheitlichen Trend auf.
2.
Aktueller Stand der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln
In der Druckversion des aktuellen Pflanzenschutzmittel-Verzeichnisses Teil 4 Forst 2018, Stand
Januar 2018, wird für die Präparate mit dem Wirkstoff alpha-Cypermethrin zur Bekämpfung
rindenbrütender Borkenkäfer der 31.07.2018 als Termin für das Zulassungsende genannt. Die
Zulassungen wurden verlängert. Abb. 1 zeigt den aktuellen Stand.
Abb. 1: aktueller Auszug aus der online-Version des Verzeichnisses zugelassener Pflanzenschutzmittel des BVL
3.
Befallssituation in Kiefernbeständen
Ausgehend von den bisherigen Erfahrungen wurde das Gefährdungspotenzial des Wurf- und
Bruchholzes hinsichtlich der Folgeschäden durch rinden- und holzbrütende Insekten als gering bzw.
geringer im Vergleich zu Fichte und Lärche eingeschätzt. Der diesjährige extreme Witterungsverlauf
macht offensichtlich Änderungen an dieser Einschätzung erforderlich. Bereits bei Besiedlungskon-
trollen am 18.07.18 im FoB Taura wurde auf einzelnen Flächen eine extrem dichte Besiedlung
durch Larven des Blauen Kiefernprachtkäfers und den 12-zähnigen Kiefernborkenkäfer in Form von
Liegendbefall festgestellt (siehe Abb. 2 links). Derzeit kommt es aber auch vermehrt zu Stehend-
befall in Kiefernbeständen. Das bisherige Brutraumangebot, auch in Form aufgearbeiteten, aber
nicht abgefahrenen Wurf- und Bruchholzes sowie dürregestresster und damit prädisponierter Kie-
fern forciert offensichtlich diese Entwicklung (siehe Abb. 2 rechts). Die Sanierung derartiger Befalls-
flächen sollte im Interesse des Waldbesitzerszum Schutz der verbliebenen Bestände intensiviert
werden. Beim Blauen Kiefernprachtkäfer ist die Besonderheit zu beachten, dass diese Art bei
Liegendbefall nur eine einjährige Entwicklung durchläuft (bei Stehendbefall in der Regel zweijährige
Generation) und bereits kleine Rindenreste für eine erfolgreiche Überwinterung und Verpuppung
ausreichen.

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Abb. 2: links: Intensive Besiedelung durch Blauen Kiefernprachtkäfer in unaufbereitetem Wurf- und Bruchholz Mitte Juli;
rechts: frischer Stehendbefall (Bohrmehl ) an Kiefern durch den 12-zähnigen Kiefernborkenkäfer in der Nähe nicht abge-
fahrenen gepolterten Wurf-/ Bruchholzes Mitte August, leicht am Bohrmehl zu erkennen