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Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen Sachsen (LUA)
www.lua.sachsen.de
Merkblatt
GVO-Kennzeichnung
bei Lebensmitteln
Oktober 2009

WANN ist zu kennzeichnen?
Beispiele:
Lebensmittel enthalten
GVO
Im Lebensmittel sind gentechnisch
veränderte (gv) Organismen enthal-
ten.
Joghurt mit gv-Milchsäurebakterien*
Bier mit gv-Hefe*
Lebensmittel bestehen
aus GVO
Das Lebensmittel selbst ist ein
gentechnisch veränderter Orga-
nismus.
Maiskolben
Tomate*
Kartoffel*
Lebensmittel werden aus
GVO hergestellt
Alle Lebensmittel, die aus gen-
technisch veränderten Organismen
hergestellt werden, unabhängig da-
von, ob im Lebensmittel selbst noch
GVO enthalten ist
Maisstärke aus gv-Mais
Rapsöl aus gv-Raps
Tofu aus gv-Soja
Lebensmittel enthalten
Zutaten, die aus GVO her-
gestellt werden
Alle Lebensmittel, die eine Zutat
enthalten, die ihrerseits aus gen-
technisch veränderten Organismen
hergestellt wurde, unabhängig da-
von, ob im Lebensmittel noch GVO
enthalten ist. Als Zutaten gelten alle
Stoffe (auch Zusatzstoffe und Aro-
men), die bei der Herstellung eines
Lebensmittels verwendet werden
und - ggf. auch in veränderter Form
- im Lebensmittel vorhanden sind.
Nougatcreme mit Sojalezithin aus
gv-Soja
Polenta mit Maismehl aus gv-Mais
Mayonnaise mit Öl aus gv-Raps
Pommes frites, die in Fett frittiert
wurden, welches gv-Rapsöl enthält
*Diese GV= sind derzeit in der EU als Lebensmittel(zutat) noch nicht zugelassen
Um die Rückverfolgbarkeit von GVO zu gewährleisten, ist eine Weitergabe der Information, dass ein Produkt GVO
enthält oder aus GVO besteht oder aus GVO hergestellt wird, über die gesamte Lebensmittelkette erforderlich.
WIE und WO ist zu kennzeichnen?
Beispiele:
Fertigpackungen
Lebensmittel ohne Zutatenver-
zeichnis (z. B. Lebensmittel aus nur
einer Zutat)
„genetisch verändert“
oder
Maiskolben, genetisch verändert
„aus genetisch verändertem (Be-
zeichnung des Organismus) her-
gestellt“
Maisstärke, aus genetisch veränder-
tem Mais hergestellt
Fertigpackungen
Lebensmittel mit Zutatenverzeichnis
(Lebensmittel aus mehreren Zuta-
ten)
„genetisch verändert“
oder
...Soja – genetisch verändert,
...
„aus genetisch verändertem (Be-
zeichnung des Organismus) her-
gestellt“
...Glukosesirup – aus genetisch
verändertem Mais hergestellt, ...
Fertigpackungen
Sonderfall:
Die Zutat wird mit dem Namen ei-
ner Kategorie bezeichnet (Klassen-
name im Sinne von § 6 Abs. 4 Nr.
1 LMKV).
„enthält genetisch veränderten
(Bezeichnung des Organismus)“
oder
Klassenname „Gemüse“:
Gemüse (enthält genetisch verän-
derte Tomaten*)
„enthält aus genetisch ver-
ändertem (Bezeichnung des
Organismus) hergestellte(n)
(Bezeichnung der
Zutat)“
Klassenname „pflanzliches Öl“:
Pflanzliches Öl (enthält aus gene-
tisch verändertem Raps her-
gestelltes Rapsöl)
Für alle Fertigpackungen gilt:
-
Angabe auf dem Etikett der Fer-
tigpackung
-
Angabe im Zutatenverzeichnis in
Klammern unmittelbar hinter der
Zutat
oder
-
in einer Fußnote zum Ver-
zeichnis der Zutaten (min-
destens in gleicher Schriftgröße
wie das Zutatenverzeichnis)

WIE und WO ist zu kennzeichnen?
Beispiele:
Lose Abgabe von Le-
bensmitteln bzw. Lebens-
mittel in Fertigpackungen,
deren größte Oberfläche
10 cm2 unterschreitet
Wie bei Fertigpackungen ist die
vorgeschriebene Kennzeichnung in
unmittelbarer Nähe zum Le-
bensmittel (z. B. auf einem Schild
direkt an der Auslage) vorzuneh-
men.
Abgabe von Speisen und
Getränken in Gaststätten,
Kantinen etc.
Die Art der Kennzeichnung ist im
Gesetz nicht explizit geregelt. Als
Spezialfall der losen Abgabe von
Lebensmitteln gelten dieselben
Vorgaben wie für lose abgegebene
Lebensmittel. Anstelle eines Schil-
des an der Auslage sind die An-
gaben auch auf Speise- und Ge-
tränkekarten oder in den Aushän-
gen der Speisepläne auch unter
Verwendung von Fußnoten mög-
lich. Die Fußnoten befinden sich auf
derselben Speisekarte bzw. auf
demselben Aushang.
Pommes frites, die in Fett frittiert
wurden, welches gv-Rapsöl oder gv-
Sojaöl enthält
Anmerkung:
Wenn die gentechnische Veränderung
- den Nährwert oder die Zusammensetzung des Lebensmittels wesentlich ver-
ändert
- Auswirkungen auf die Gesundheit bestimmter Bevölkerungsgruppen, z. B. Al-
lergiker, hat
- Anlass zu möglichen ethischen oder religiösen Bedenken gibt, z. B. bei Über-
tragung bestimmter tierischer Gene
sind zusätzlich zu den oben genannten Angaben alle Merkmale und Eigen-
schaften gemäß der Zulassung zu ergänzen.
Praktische Beispiele dafür sind derzeit nicht bekannt.
WANN kann die Kennzeichnung ENTFALLEN?
Zufällig oder technisch
unvermeidbar
- Kennzeichnungs-
schwellenwert -
Eine Kennzeichnung ist nicht erforderlich, wenn der GVO-Anteil den Wert von 0,9
% nicht überschreitet
und
glaubhaft gemacht kann, dass diese „Verunreinigung“
zufällig oder technisch nicht vermeidbar ist. Der Schwellenwert von 0,9 % bezieht
sich bei zusammengesetzten Lebensmitteln auf die jeweilige Zutat, die gentech-
nisch verändert ist oder aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt
wurde. Er gilt nur für GVO, die in der Gemeinschaft zugelassen sind.
Anmerkung:
Für nicht in der Europäischen Union zugelassene GVO und Produkte aus Ihnen gilt
hinsichtlich der Verkehrsfähigkeit die Nulltoleranz.
Technische Hilfsstoffe
Technische Hilfsstoffe sind Stoffe, die nicht selbst als Lebensmittelzutat verzehrt
werden, jedoch bei der Be- und Verarbeitung von Lebensmitteln verwendet werden
und als unbeabsichtigte, technisch unvermeidbare Rückstände oder Umwand-
lungsprodukte im Lebensmittel verbleiben können. Sollten derartige Stoffe GVO
enthalten oder aus GVO hergestellt sein, ist eine Kennzeichnung der Lebensmittel
nicht erforderlich. Dazu zählen Enzyme aus gv-Mikroorganismen, die als Hilfsstoffe
verwendet werden (z.B. Chymosin zur Dicklegung von Milch bei der Käseherstel-
lung, Amylase aus gv-Mikroorganismen für die Brotherstellung) oder sonstige Hilfs-
stoffe (z.B. Zellulose aus gv-Baumwolle, die als Filterhilfsmittel in der Getränke-
industrie eingesetzt wird) oder Extraktions-Lösungsmittel.
Mit GVO hergestellt
Eine Kennzeichnung kann auch entfallen, wenn Lebensmittel oder Lebensmittelzu-
taten „mit GVO“ oder „mit Hilfe eines GVO“ hergestellt werden. Dies trifft z. B. zu
für:
Lebensmittel, die von Tieren gewonnen werden, die mit gentechnisch veränder-
ten Futtermitteln gefüttert oder mittels gentechnischer Verfahren hergestellter
Arzneimittel behandelt wurden (z.B. Fleisch, Milch, Eier)
Lebensmittelzutaten, Zusatzstoffe oder Aromen, die mit herkömmlichen Mikroor-
ganismen auf gv-Substrat/Nährstoffen hergestellt werden
Lebensmittelzutaten, Zusatzstoffe oder Aromen, die mit gv-Mikroorganismen
hergestellt werden und in denen der gv-Mikroorganismus nicht, auch nicht teil-
weise, vorhanden ist

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Anmerkung:
- Lebensmittelzutaten, Zusatzstoffe oder Aromen (z.B. Alkohol, Vitamine), die mit
gv-Mikroorganismen hergestellt werden und bei denen der gv-Mikroorganismus
noch vorhanden ist, unterliegen allen Bestimmungen zur Zulassung und Kenn-
zeichnung.
- Honig fällt als Lebensmittel tierischer Herkunft nicht in den Geltungsbereich der
Verordnung (EG) Nr. 1829/2003, solange er nicht von gentechnisch veränderten
Bienen produziert wird. Andererseits soll ein gv-Pollenanteil bis zu 0,9 % als
technisch unvermeidbar und zufällig angesehen werden und deshalb keine
Kennzeichnungspflicht für den Honig auslösen (STALUT 2004)
„Ohne Gentechnik“ Kennzeichnung
Wortlaut vorgeschrieben
Ein Hinweis in der Kennzeichnung darauf, dass keine GVO bei der Herstellung ver-
wendet wurden, ist freiwillig. Wird die Möglichkeit genutzt, einen entsprechenden
Hinweis anzugeben, darf ausschließlich der Wortlaut „Ohne Gentechnik“ verwendet
werden. Formulierungen wie „gentechnikfrei“ oder „nicht genmanipuliert“ sind
nicht
erlaubt.
Bundeseinheitliches Label
kann verwendet werden
Voraussetzungen
Keine GVO im Herstellungsprozess, auch keine durch GVO hergestellte Zusatz-
stoffe, Vitamine oder Verarbeitungshilfsstoffe.
Schwellenwertregelung
gilt nicht
Auch Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die zufällig oder technisch unver-
meidbare GVO-Anteile im Bereich von 0,1 - 0,9 % enthalten, dürfen nicht als „Ohne
Gentechnik“ gekennzeichnet werden.
„Ausnahmen“ für Fleisch,
Milch, Eier
Zeiträume sind festgelegt, innerhalb deren die Tiere vor der Lebensmittelgewin-
nung nicht mit gv-Futtermitteln gefüttert worden sein dürfen (Schweine 4 Monate,
Rinder 12 Monate jeweils vor der Schlachtung; milcherzeugende Tiere 3 Monate,
eiererzeugendes Geflügel 6 Wochen). Der Einsatz von Futtermittelzusatzstoffen,
Tierarzneimitteln, einschließlich Impfstoffen, die mit GVO hergestellt wurden, ist
erlaubt.
Anmerkung:
- Lebensmittel aus anderen EU-Ländern, die ohne Anwendung gentechischer
Verfahren hergestellt wurden, dürfen in analoger Anwendung der Vorausset-
zungen des § 54 LFGB in Deutschland in den Verkehr gebracht werden. Dies
trifft z. B. auf östereichische Lebensmittel zu, die das Kontrollzeichen „Gentech-
nik-frei erzeugt“ der Arbeitsgemeinschaft für Gentechnik-frei erzeugte Lebens-
mittel tragen.
- Wenn weltweit keine gentechnisch veränderte Variante zu einem bestimmten
Organismus existiert oder zugelassen ist, ist eine Auslobung eines solchen Le-
bensmittels mit dem Kontrollzeichen „Ohne Gentechnik“ trotzdem keine Wer-
bung mit Selbstverständlichkeiten im Sinn des § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 LFGB.
Das EGGenTDurchfG regelt die Voraussetzung der „Ohne Gentechnik“-
Kennzeichnung speziell und abschließend.
Gentechnik in Ökoprodukten
Voraussetzungen
Keine GVO. Keine Zusatzstoffe oder Enzyme, die durch GVO
hergestellt wurden. Auch keine gv-haltigen Futtermittel bei le-
bensmittelerzeugenden Tieren.
Ausnahmen
Die Stoffe sind nach EU-Ökoverordnung zugelassen und es
sind keine gentechnikfreien Alternativen verfügbar.
Schwellenwert
Der Schwellenwert von 0,9 % für technisch unvermeidbare
oder zufällige Kontaminationen gilt auch für Ökoprodukte.