image
Seite 1 von 2
Medieninformation
Abrechnungsbetrug in der Pflegebran-
che
Strafverfolgungsbehörden und Fraunhofer Institut arbei-
ten zusammen an Forschungsprojekt des BMBF zur au-
tomatisierten Erfassung und Auswertung von Beweismit-
teln
Durch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, die Polizeidirektion Leipzig und
das Fraunhofer Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kai-
serslautern wurde das Forschungsprojekt "PflegeForensik" initiiert, dessen Ziel
die Entwicklung einer Software zur Erkennung und effektiven Strafverfolgung
des Abrechnungsbetrugs in der Pflegebranche ist.
Betrug bei der Abrechnung ambulanter Pflegeleistungen hat sich in den letzten
Jahren zu einem Kriminalitätsphänomen mit steigenden Fallzahlen und damit
einhergehend ansteigenden Schadenssummen entwickelt. So hat zuletzt die
KKH Kaufmännische Krankenkasse in ihrer Pressemitteilung vom 14.06.2021
mitgeteilt, dass bundesweit bei ihr noch nie so viele Verdachtsfälle von Ab-
rechnungsmanipulationen gemeldet wurden wie 2020 und dass hierbei drei
Viertel aller Hinweise auf den Bereich von Pflegeleistungen entfallen seien.
Hintergrund dieser Entwicklung ist der demographische Wandel in Verbindung
mit einer höheren Lebenserwartung und eine weitere Verschiebung der Pflege
hin zu Pflegedienstleistern. Hinzu kommt, dass es dem Personenkreis, der auf
Pflegedienstleister angewiesen ist, mit zunehmender Pflegebedürftigkeit
schwer fällt, eine Eigenkontrolle der Abrechnungen vorzunehmen und nicht
oder fehlerhaft erbrachte Pflegedienstleistungen anzuzeigen. Gleichzeitig
macht die Intransparenz des Abrechnungswesens das System insgesamt ma-
nipulationsanfällig.
Eine effektive Strafverfolgung liegt daher zum einen im Interesse der Pflege-
bedürftigen zur Sicherstellung einer hohen Pflegequalität und dient zum ande-
ren der Verhinderung wirtschaftlichen Schadens durch ungerechtfertigte Geld-
abflüsse aus der Pflegeversicherung.
Die Strafverfolgungsbehörden sind bei ihren Ermittlungen in Verfahren des
Abrechnungs-betrugs im Bereich der ambulanten Pflege derzeit auf die händi-
sche Sichtung, Sortierung, Prüfung und Auswertung zahlloser Unterlagen an-
gewiesen, die bei den Pflegediensten im Rahmen der Leistungserbringung
erstellt werden.
Ihre Ansprechpartnerin
Frau Sabine Wylegalla
Durchwahl
Telefon +49 351 446-2907
Telefax
+49 351 446-2930
presse@
gensta.justiz.sachsen.de*
Dresden,
01.Oktober 2021
Hausanschrift:
Generalstaatsanwaltschaft
Dresden
Lothringer Str. 1
01069 Dresden
www.justiz.sachsen.de/gensta
Verkehrsanbindung:
Zu erreichen mit den Stra-
ßenbahnlinien 6 und 13.
Haltestelle Sachsenallee.
Gekennzeichnete Behinder-
tenparkplätze befinden sich
vor dem Haus.
Hinweise zum
Datenschutz
erhalten Sie
auf unserer Internetseite. Auf Wunsch
senden wir Ihnen diese Hinweise auch
zu.
* Per E-Mail kein Zugang für elektronisch
signierte sowie verschlüsselte elektro-
nische Nachrichten; nähere Informatio-
nen zur elektronischen Kommunikation
mit dem Sächsischen Staatsministeri-
um der Justiz und für Demokratie,
Europa und Gleichstellung unter
https://www.justiz.sachsen.de/E-
Kommunikation-SMJ

image
Seite 2 von 2
Das Forschungsvorhaben soll die zeit- und arbeitsaufwändige Auswertung der Beweismit-
tel abkürzen, indem die händische auf eine automatisierte Erfassung und Auswertung von
Pflegedienstdokumenten verlagert wird. Hierzu wird in dem Projekt eine moderne Bild-
und Textverarbeitungssoftware zum automatisierten Erkennen, Erfassen und Auswerten
erarbeitet. Durch innovative Verfahren der Künstlichen Intelligenz soll es ermöglicht wer-
den, auch handschriftliche und tabellarische Einträge in Leistungsnachweisen, Touren-
und Dienstplänen automatisiert einzulesen und zu digitalisieren. Spezielle Algorithmen
sollen anschließend einen automatisierten Abgleich der Dokumente und den Nachweis
von Auffälligkeiten ermöglichen.
In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms
"Forschung für die zivile Sicherheit" geförderten Projekt arbeiten die Ermittlungsbehörden
eng mit den Forschern des Fraunhofer ITWM zusammen und untersuchen die Grundla-
gen, Informationen und Anforderungen aus juristischer und ermittlungspraktischer Sicht.
Zudem stellen sie die Berücksichtigung der anwendungsspezifischen Anforderungen si-
cher und übernehmen die Validierung des Systems.
Das Forschungsprojekt begann am 01.01.2021 und läuft zwei Jahre. Erste Arbeitsergeb-
nisse lassen deutliche Projektfortschritte auf dem Weg zu einer Software erkennen, die in
Zukunft die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden erheblich vereinfachen wird, aber auch
von Kranken- und Pflegeversicherungen zur Prüfung der Abrechnungsunterlagen einge-
setzt werden kann.
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.sifo.de/