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Vorstellung Prävalenzstudie zur Besiedlung
von MRSA bei Beschäftigten in
Rehakliniken
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut und Poliklinik für Arbeits-und Sozialmedizin, Prof. Dr. med. Andreas Seidler
Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin
Medizinische Fakultät der TU Dresden
Prof. Dr. med. A. Seidler MPH, Dr. rer. nat. Melanie Schubert,
Dr. med. Daniel Kämpf, Katrin Liesk, Maria Girbig MSc, Patrik Dröge MPH
In Kooperation mit Prof. Dr. rer. nat. et rer. medic. L. Jatzwauk
MRE-Fachtagung, 14.09.2016

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Wie ist die Situation im Gesundheitswesen?
MRSA-Trägerraten (im Rahmen von Routineuntersuchungen) bei
Beschäftigten in Deutschland zwischen 0,5 - 7,7% (Dulon et al. 2014)
erhöhtes Risiko für Familienangehörige/
Haushaltskontaktpersonen (Mollema et al. 2010, Davis et al. 2012)
erhöhtes Risiko für Patient/innen (Obadia et al. 2015 a,b)
beruflicher Zusammenhang bei manifester Infektion von
Beschäftigten?
Bisher nur wenige Untersuchungen zur MRSA-Prävalenz in
bestimmten Tätigkeitsbereichen des Gesundheitswesens
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Studienziel
Ermittlung der Häufigkeit von MRSA-
Besiedlungen bei Beschäftigten in der
Kardiologie unter Berücksichtigung
von verschiedenen Tätigkeitsbe-
reichen
Studienpopulation
alle
Mitarbeiter/innen
des
Herz-
zentrums Dresden (n=575, ≥18 Jahre)
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Pilotstudie am Herzzentrum Dresden

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wichtigste Ergebnisse
Teilnehmer/innen gesamt: n=180; Response: 31,3%
positiver Befund: n=1; 0,6%
- Stamm
CC1-MRSA-IV
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Pilotstudie am Herzzentrum Dresden
Verwaltungsangestellte:
Teilnehmer/innen mit patientennahen Tätigkeitsbereichen:
Positiv getesteter Proband:
Berufserfahrung <1 Jahr
patientennaher Tätigkeitsbereich
Kontakt zu MRSA-Patienten in den letzten 4 Wochen (stets mit Schutzbekleidung)
Antibiotika-Therapie innerhalb der letzten 12 Monate
n=31; 17,2%
n=149; 82,8% - insbesondere Intensivstation/ Intermediate-
Care/OP (n = 70, 47,0%) und auf der Normalstation (n = 54,
36,2%)

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Wie ist die Situation in Rehakliniken?
Hinweise auf ein besonders hohes Risiko für eine MRSA-
Besiedlung sowohl für Patient/innen als auch für Beschäftigte.
Patienten MRSA-Prävalenzen von bis zu 13,0 bzw. 14,5% in
deutschen Reha-Kliniken beobachtet (Rollnik et al. 2014 bzw. Thomas 2013).
französische Studie findet bei 27% der Beschäftigten in einer
Rehaklinik eine Besiedlung mit
Staphylococcus aureus;
10%
sind mit MRSA besiedelt (Legrand et al. 2015).
belastbare Angaben zur Höhe der MRSA-Besiedlungsprävalenz
bei Beschäftigten in deutschen Rehakliniken fehlen
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Ziele der Hauptstudie
1) Ermittlung der
Prävalenz von MRSA-Besiedlungen bei
Beschäftigten in Rehakliniken
unter Berücksichtigung der Tätigkeit
2) Identifikation von Risikofaktoren und ggf.
„Hochrisiko-Tätigkeiten“
3) Identifikation von Übertragungswegen
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Quelle: medicalschool.tumblr.com

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Methodik
Studienpopulation
Studienpopulation
Anvisiert: Einschluss von 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (≥ 18
Jahre):
Personen mit patientennahen Tätigkeiten
Verwaltungsangestellte
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Quelle: D. Kämpf / IPAS
Akquise von Reha-Einrichtungen in
Sachsen; Kooperation mit MRE-Netzwerk
Sachsen

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Methodik – Studienablauf I
1) Anonyme Einladung zur Studie durch die Personalabteilung
mit dem Lohnzettel
Postalischer Versand an alle Beschäftigten: Informationen zur Studie und
zum Ablauf, Fragebogen, (erste) Einverständniserklärung
2) Studienteilnahme und Untersuchungstermin vor Ort
Nach Aufklärungsgespräch und Erhalt der unterschriebenen
Einverständniserklärung: Entnahme einer Probe der Nasenvorhöfe
Entscheidung über Teilnahmevariante und persönliche Rückmeldung bei
Teilnehmer/innen (zweite Einverständniserklärung)

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Zwei Teilnahme-Varianten:
Anonyme Studienteilnahme:
keine Befundrückmeldung
„Pseudonymisierte“ Studienteilnahme:
postalische Zustellung des
Befundes an die Privatadresse, Verwahrung der Daten in einem Safe
(Zugang nur für Studienteam), Löschung der Kontaktdaten nach
Rückmeldung, anonyme Auswertung der Ergebnisse aus Fragebogen
und Abstrichuntersuchung
Zu c) Befundrückmeldung
(nur bei explizitem Wunsch und
Einverständnis des Beschäftigten):
Postalische Versendung des Befundergebnisses sowie Informationen
zum Umgang und zur Interpretation des Befundes an die Privatadresse
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Methodik – Studienablauf II

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Methodik – Auswertung
Primärer Endpunkt:
MRSA-Besiedlungsprävalenz bei Beschäftigten in Reha-Einrichtungen
mit unterschiedlichen Tätigkeiten
Prävalenz-Ratios (PR) als Effektschätzer des relativen MRSA-
Besiedlungsrisikos (Vergleich Tätigkeiten mit direktem Patientenkontakt
versus Büro- und Verwaltungstätigkeiten)
Confounder:
Positive MRSA-Anamnese in der Vorgeschichte, Kontakt zu MRSA-
Trägern, häusliche Pflege von Angehörigen, Klinikaufenthalte, Kontakt
zu Tieren
Effektmodifikatoren:
Hauterkrankungen, Erkrankungen der oberen Atemwege, Antibiotika-
Therapie
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Arbeitgeber
keinerlei Informationen zum
Teilnahmeverhalten des Einzelnen
kein Zugang zu den Fragebogen- und
Befunddaten
Identifikation
Keine Identifikation einzelner
Personen anhand der
Gesamtergebnisse möglich.
Durch ID-Nummern ist
personenbezogene Zuordnung im
Labor und bei Auswertung nicht
möglich
Quellen:
http://blog.cebit.de
http://www.helmholtz.de/forschung/datenschutz
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Methodik – Datenschutz?!

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Benefits für die Mitarbeiter/innen:
Kenntnis über den eigenen Besiedlungsstatus
bei eventueller Besiedlung: intensive Beratung und
Betreuung durch das Studienteam (wenn
erwünscht)
Benefits für die teilnehmenden Rehakliniken:
Rückmeldung zur tätigkeitsbezogenen
Besiedlungssituation in sächsischen Rehakliniken
Vergleich der Besiedlungssituation in Rehakliniken
mit der Situation in anderen Bereichen des
Gesundheitswesens, die ebenfalls von unserem
Kooperationspartner BGW untersucht werden
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Was haben die Rehakliniken davon?
Quelle:
http://mhadegree.org/files/2013/05/bi
g-benefits.gif

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Herzlichen Dank!
Quelle: zeit.de

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Referenzen (I)
Dulon, M., Peters, C., Schablon, A. & Nienhaus, A. (2014) MRSA carriage among healthcare workers in
non-outbreak settings in Europe and the United States: A systematic review.
BMC Infectious
Disease
, 14, 363.
Davis, M. F., Iverson, S. A., Baron, P., Vasse, A., Silbergeld, E. K., Lautenbach, E., & Morris, D. O.
(2012). Household transmission of meticillin-resistant Staphylococcus aureus and other
staphylococci.
The Lancet Infectious Diseases
,
12
(9), 703-716.
Mollema, F. P. N., Richardus, J. H., Behrendt, M., Vaessen, N., Lodder, W., Hendriks, W., Verbrugh, H.
A. & Vos, M. C. (2010). Transmission of methicillin-resistant Staphylococcus aureus to household
contacts.
Journal of Clinical Microbiology
,
48
(1), 202-207
Obadia, T., Opatowski, L., Temime, L., Herrmann, J. L., Fleury, É., Boëlle, P. Y., & Guillemot, D.
(2015a). Interindividual Contacts and Carriage of Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus: A
Nested Case-Control Study.
Infection Control & Hospital Epidemiology
, 1-8.
Obadia, T., Silhol, R., Opatowski, L., Temime, L., Legrand, J., Thiébaut, A., Herrmann J.-L., Fleury, E.,
Guillemot, D. & Boëlle, P. Y. (2015b). Detailed Contact Data and the Dissemination of
Staphylococcus aureus in Hospitals.
PLoS Computational biology
,
11
(3), 1-16.
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut und Poliklinik für Arbeits-und Sozialmedizin, Prof. Dr. med. Andreas Seidler

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Referenzen (II)
Legrand, J., Temime, L., Lawrence, C., Herrmann, J. L., Boelle, P. Y., & Guillemot, D. (2015).
Occupational determinants of methicillin-resistant Staphylococcus aureus colonization among
healthcare workers: a longitudinal study in a rehabilitation center.
Infection Control & Hospital
Epidemiology
, 1-10.
Rollnik, J. D. (2014). Outcome of MRSA carriers in neurological early rehabilitation.
BMC Neurology
,
14
(1), 34.
Thomas, R. S. (2013) Keimspektrum und Resistenzen in der Neurologischen Frührehabilitation: Eine
Bestandsaufnahme. Bad Honnef Symposium;
http://www.peg-
symposien.org/tl_files/symposien/symposium_2013/bad_honnef_symposium_2013/gallery/Thomas.
pdf
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut und Poliklinik für Arbeits-und Sozialmedizin, Prof. Dr. med. Andreas Seidler