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1
Leitfaden
Vogelschutz an Windenergieanlagen
im Freistaat Sachsen
Entwurf zur Anhörung, Stand 28.05.2021

2
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................................................ 4
1
Einführung ....................................................................................................................................... 5
2
Rechtliche Grundlagen der Artenschutzprüfung im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen
Genehmigungsverfahrens ............................................................................................................... 6
3
Windkraftempfindliche Arten und artspezifische Abstandswerte .................................................. 8
4
Erfassung und Bewertung der Avifauna ........................................................................................ 10
4.1
Relevanzprüfung: Welche Vogelarten können von Kollisions- und Meideeffekten einer
geplanten WEA betroffen sein? ........................................................................................ 10
4.2
Bestandserfassung am Eingriffsort ........................................................................................ 10
5
Prüfung der Verbotstatbestände .................................................................................................. 11
5.1
Prüfung des signifikant erhöhten Tötungsrisikos für kollisionsgefährdete Vogelarten
(Signifikanzprüfung)........................................................................................................... 11
5.1.1
Bewertungsmethoden ................................................................................................... 11
5.1.2
Gestufte Vorgehensweise zur Bewertung signifikant erhöhter Tötungsrisiken ........... 18
5.2
Prüfung des Störungsverbotes für störempfindliche Vogelarten ......................................... 19
5.3
Prüfung des Verbots der Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten ........................ 20
6
Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen sowie Kompensationsmaßnahmen ....................... 21
6.1
Allgemeine Hinweise und Rahmenbedingungen .................................................................. 21
6.2
Typische Vermeidungsmaßnahmen zugunsten windkraftempfindlicher Arten ................... 24
6.2.1
Grundlegende Maßnahmen: Einhaltung der Abstandswerte ....................................... 24
6.2.2
Artspezifische Standard-Maßnahmen ........................................................................... 24
6.2.3
Optionale Maßnahme: WEA Abschaltung zur Balz-, Brut- und/oder Zugzeit ............... 28
6.3
Weitere Maßnahmen, die auch für nicht windkraftempfindliche Arten gelten ................... 29
7
Ausnahmen .................................................................................................................................... 30
7.1
Vorbemerkungen................................................................................................................... 30
7.2
Ausnahmegründe .................................................................................................................. 31
7.2.1
Zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses ................................. 32
7.2.2
Interesse der öffentlichen Sicherheit ............................................................................ 32
7.3
Keine zumutbaren Alternativen ............................................................................................ 37
7.3.1
Standortalternativen ..................................................................................................... 38
7.3.2
Ausführungsalternativen ............................................................................................... 40
7.4
Keine Verschlechterung des Erhaltungszustands der Populationen einer Art...................... 41
7.4.1
Betrachtung der Gesamtpopulation .............................................................................. 41
7.4.2
Wahrung des Erhaltungszustands (Verschlechterungsprognose) ................................. 42
7.4.3
Berücksichtigung von Ausgleichsmaßnahmen .............................................................. 43
7.5
Ermessen ............................................................................................................................... 45

3
8
Befreiungen ................................................................................................................................... 45
9
Glossar ........................................................................................................................................... 46
10
Literatur und Quellen .................................................................................................................... 49
Anhang .................................................................................................................................................. 53
I Tabellen zu Vogelarten und Arteigenschaften ................................................................................ 54
II Untersuchungsmethoden ............................................................................................................... 57
III Grafiken zur Illustration der Untersuchungsmethoden ................................................................ 66
IV Rasteranalyse und -bewertung im Rahmen einer brutpaarbezogenen RNA ................................ 71
V Erläuterung des Schaubildes zur stufenweisen Signifikanzprüfung (Abbildung 3#) ...................... 74
VI Regelung zur bedarfsgerechten Anwendung von Betriebszeitenreglungen ................................ 77
VII Anforderungen an Antikollisionssysteme zum Schutz von Vögeln an Windenergieanlagen ...... 79

 
4
Abkürzungsverzeichnis
AtG
Atomgesetz
BauGB
Baugesetzbuch
BfN
Bundesamt für Naturschutz
BNatSchG
Bundesnaturschutzgesetz
BVerwG
Bundesverwaltungsgericht
CEF
Continuous ecological functionality
EEG
Erneuerbare-Energien-Gesetz
E.O.A.C.
European Orntithological Atlas Comitee
EKP
Sächsisches Energie- und Klimaprogramm
EuGH
Europäischer Gerichtshof
FCS
Favourable conservation status
FFH-VP
Fauna-Flora-Habitat Verträglichkeitsprüfung
Fn.
Fußnote
HPA
Habitatpotenzialanalyse
KAG
Gesetz zur Reduzierung und zur Beendigung der Kohleverstromung
KNE
Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
KSG
Bundes-Klimaschutzgesetz
LAG VSW
Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten
LANA
Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung
LfULG
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
RNA
Raumnutzungsanalyse
THG
Treibhausgas
VS-RL
Vogelschutzrichtlinie
UMK
Umweltministerkonferenz
UVP
Umweltverträglichkeitsprüfung
wAR
weiterer regelmäßig genutzter Aktionsraums
WEA
Windenergieanlage
zAR
Zentraler Aktionsraum
ZenA
Zentrale Artdatenbank

 
5
1
Einführung
Dem Ausbau der Windenergie an Land kommt eine tragende Rolle zu, um den Energiesektor
in Richtung Erneuerbarer Energien zu transformieren und die gesteckten Reduktionsziele für
Treibhausgase zu erreichen. Dabei ist ein naturverträglicher Bau und Betrieb notwendig. In
der Praxis zur Genehmigung von Windenergieanlagen (WEA) treten oftmals Zielkonflikte mit
dem Schutz wildlebender Vogelarten auf, denn für mehrere Arten besteht ein erhöhtes Risi-
ko, mit WEA zu kollidieren und dabei tödlich verletzt zu werden.
Insbesondere das individuenbezogen ausgestaltete und an eine signifikante Risikoerhöhung
gegenüber dem „normalen Lebensrisiko“ geknüpfte artenschutzrechtliche Verletzungs- und
Tötungsverbot nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG führt zu großen Herausforderungen in der
Rechtsanwendung.
Den sächsischen Genehmigungsbehörden stehen bereits seit dem Jahr 2010 relevante Fach-
standards im Rahmen der WWW-Arbeitshilfe Artenschutz des LfULG
1
zur Verfügung. Seither
sind in vielen Bundesländern zu verschiedenen Aspekten der artenschutzrechtlichen Bewer-
tung Leitfäden erarbeitet worden. Darin werden den drei zentralen Bewertungsverfahren (1.
Abstandsbasierte Bewertung, 2. Habitatpotenzialanalyse, 3. Raumnutzungsanalyse) unter-
schiedliche Bedeutungen beigemessen. Diese Bewertungsverfahren finden auch in den säch-
sischen Landkreisen und Kreisfreien Städten in unterschiedlichem Maße Anwendung.
Der vorliegende „Leitfaden Vogelschutz an Windenergieanlagen im Freistaat Sachsen“ hat
zum Ziel, den sächsischen Genehmigungsbehörden
einheitliche Maßstäbe für die Bewer-
tung der artenschutzrechtlichen Störungs-, Verletzungs- und Tötungsrisiken bei der Errich-
tung und beim Betrieb von WEA
an die Hand zu geben, den Vollzug der artenschutzrechtli-
chen Regelung zu verbessern und zur Rechtssicherheit der behördlichen Entscheidungen
beizutragen. Er bezieht sich allein auf WEA, die nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz zu
genehmigen sind.
Zu Themen, die mit dem besonderen Artenschutz im Rahmen der immissionsschutzrechtli-
chen Genehmigung von WEA in engem Zusammenhang stehenden, die jedoch vom Leitfaden
nicht erfasst werden, wird auf Handreichungen an anderer Stelle verweisen. Das betrifft die
Raumplanung
2
, den Gebietsschutz, namentlich den Schutz von Natura 2000-Gebieten
3
und
den Artenschutz bei Kleinwindenergieanlagen
4
.
Der Leitfaden führt die drei gängigen Bewertungsmethoden zur Signifikanzbewertung in ei-
nem gestuften Verfahren zusammen und benennt Fallkonstellationen, in denen die jeweili-
gen Methoden am ehesten geeignet sind, um unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit des
Aufwandes zu einem fachlich validen Ergebnis zu kommen. Durch die gestufte Vorgehens-
weise werden Praktikabilität und Verhältnismäßigkeit in einfachen Entscheidungskonstellati-
onen gewahrt, in denen auf vertiefte Sachverhaltsermittlungen, zum Beispiel in Form auf-
wändiger Raumnutzungsanalysen, verzichtet werden kann.
Der Leitfaden bildet den untergesetzlichen Maßstab bzw. Standard zur artenschutzrechtli-
chen Signifikanzbewertung nach § 44 Abs. 5 Nr. 1 BNatSchG. Weiterführend werden Hinwei-
1
https://www.natur.sachsen.de/arbeitshilfen-artenschutz-20609.html
2
siehe SMI & SMUL (2011) bzw. nachfolgende Fassungen
3
z.B. Lambrecht & Trautner (2007) zu erheblichen Beeinträchtigungen von Natura 2000-Gebieten
4
Zu den Artenschutzbelangen bei der Errichtung von Kleinwindenergieanlagen wird auf das entsprechende
Skript des BfN verwiesen:
https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript550.pdf

 
6
se zu grundsätzlich geeigneten Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen gegeben, die in
konkreten Situationen geeignet sein können, das Tötungsrisiko unter die Signifikanzschwelle
zu senken. Des Weiteren werden Maßstäbe zur Ausübung der Ausnahmeregelung nach § 45
Abs. 7 BNatSchG geliefert.
Dieser Rahmen ist für die Behörden im Freistaat Sachsen verbindlich. Abweichungen sind in
begründeten Einzelfällen möglich, wenn aktuellere fachliche Erkenntnisse vorliegen, die oh-
ne Berücksichtigung rechtliche Risiken für die Zulassung erzeugen würden.
Durch den Leitfaden werden die bisherigen „Arbeitshilfen Artenschutz“ für den Anwen-
dungsbereich artenschutzrechtlicher Prüfungen im Zusammenhang mit WEA ersetzt.
Wesentliche Grundlagen sind der Signifikanzrahmen der UMK (2020), der Methodenvor-
schlag des Bundes, den BfN & KNE (2020) mit Ländervertretern auf der Grundlage der vor-
handenen Länderleitfäden erarbeitet haben, die Länderleitfäden aus Hessen (HKMULV 2021)
und Thüringen (TLUG 2017) sowie aktuelle gerichtliche Auslegungen des Artenschutzrechts.
Perspektivisch wird eine Überprüfung und ggf. Fortentwicklung der Kriterien und Maßstäbe
dieses Leitfadens an den aktuellen Stand von Wissenschaft und Praxis durch das SMEKUL
erfolgen.
2
Rechtliche Grundlagen der Artenschutzprüfung im Rahmen des im-
missionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens
Die nachfolgenden Hinweise konkretisieren die artenschutzrechtliche Prüfung im Sinne der §§ 44 f
BNatSchG für europäische Vogelarten bei immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren..
Nach § 5 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) sind genehmigungsbedürftige Anlagen so zu
errichten und zu betreiben, dass zur Gewährleistung eines hohen Schutzniveaus für die Umwelt ins-
gesamt Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen und sonstige Gefahren, erhebliche Nachtei-
le und erhebliche Belästigungen getroffen wird. Nach § 6 BImSchG ist die Genehmigung zu erteilen,
wenn sichergestellt ist, dass die sich aus § 5 und einer auf Grund des § 7 erlassenen Rechtsverord-
nung ergebenden Pflichten erfüllt werden und andere öffentlich-rechtliche sowie europarechtliche
Vorschriften der Errichtung und dem Betrieb der Anlage nicht entgegenstehen. Hierfür hat die An-
tragstellerin oder der Antragsteller die Errichtung und den Betrieb der Anlage so zu beantragen, dass
keine Vorschriften des Naturschutzrechts entgegenstehen. Dazu gehört eine umfassende Darstellung
der für einen naturschutzrechtskonformen Betrieb erforderlichen und vorgesehenen Maßnahmen.
Stellen die Antragsunterlagen dies – auch nach einer etwaigen Nachbesserung – nicht sicher, ist der
Antrag abzulehnen.
Gemäß § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG ist es verboten, wildlebende Tiere der besonders ge-
schützten Arten, zu denen die europäischen Vogelarten zählen, zu verletzen oder zu töten.
Für nach § 15 Abs. 1 BNatSchG unvermeidbare Beeinträchtigungen durch Eingriffe in Natur
und Landschaft sowie für Vorhaben im Sinne des § 18 Abs. 2 S. 1 BNatSchG liegt das Tö-
tungsverbot nach § 44 Abs. 5 S. 2 Nr. 1 BNatSchG nicht vor, wenn die Beeinträchtigung durch
den Eingriff oder das Vorhaben das Tötungs- und Verletzungsrisiko für Exemplare der be-
troffenen Arten nicht signifikant erhöht und diese Beeinträchtigung bei Anwendung der ge-
botenen, fachlich anerkannten Schutzmaßnahmen nicht vermieden werden kann.

7
Mit dieser im Jahr 2017 eingeführten Regelung hat der Gesetzgeber die ständige Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts aufgegriffen
5
, die verhindern soll, dass das Tötungs-
verbot zu einem unverhältnismäßigen Planungshindernis wird oder die Ausnahmeregelung
des § 45 Abs. 7 BNatSchG – entgegen der Gesetzessystematik – über Gebühr genutzt werden
müsste
6
.
Für wild lebende Tiere, und damit auch für solche besonders geschützter Arten, besteht
stets bereits vorhabenunabhängig ein allgemeines Tötungsrisiko, welches sich nicht nur aus
dem allgemeinen Naturgeschehen ergibt, sondern auch dann sozialadäquat und deshalb
hinzunehmen ist, wenn es zwar vom Menschen verursacht ist, aber nur einzelne Individuen
betrifft
7
. Eine signifikante Erhöhung des Tötungsrisikos, im Vergleich zum Grundrisiko, kann
sich aus dem Betrieb oder der Errichtung eines Vorhabens ergeben.
8
Die Klärung der Frage, ob eine Risikoerhöhung im Einzelfall als „signifikant“ anzusehen ist,
setzt eine wertende Betrachtung voraus.
9
Hierbei sind artspezifische Verhaltensweisen, die
häufige Frequentierung des durch das Rotorblatt überstrichenen Raumes und die Wirksam-
keit vorgesehener Schutzmaßnahmen zur Abwendung von Verbotseintritten zu berücksichti-
gen.
10
Ein Nullrisiko ist dabei nicht zu fordern, weshalb auch Schutzmaßnahmen nicht mit nahezu
100 %-iger Sicherheit jegliche Kollisionen vermeiden müssen.
11
Wenn die Signifikanzschwelle nicht überschritten wird und dennoch der unvermeidliche Ver-
lust einzelner Exemplare eintritt, ist dementsprechend kein Verstoß gegen das Tötungsver-
bot gegeben.
12
Diese Gesetzesänderung sollte ausdrücklich die bisherige ständige Recht-
sprechung des Bundesverwaltungsgerichts fortführen.
Für die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, die auf die Signifikanzbewertung abzielt,
wird im Folgenden die Bezeichnung „
artenschutzrechtliche Signifikanzprüfung
“ verwendet.
Das nachfolgende Schaubild (Abbildung 1#) verdeutlicht, wie sich die artenschutzrechtliche
Signifikanzprüfung nach § 44 Abs. 5 Nr. 1 BNatSchG sowie die artenschutzrechtliche Aus-
nahmeprüfung nach § 45 Abs. 7 BNatSchG in den Gesamtkontext der artenschutzrechtlichen
Prüfung einordnet.
5
BVerwG, Urteil vom 9. Juli 2008 – 9 A 14/07, juris, Rn. 90; u.a. keine Änderungen der Rechtslage durch die
Gesetzesänderung vgl. VGH Bayern, Beschluss vom 27. November 2017 – 22 CS 17.1574, juris, Rn. 32
6
BVerwG, Urteil vom 9. Juli 2008 – 9 A 14/07, juris, Rn. 90 f.
7
BVerwG, Beschluss vom 8. März 2018 – 9 B 25/17, juris, Rn. 11
8
BVerwG, Urteil vom 8. Januar 2014 – 9 A 4/13, juris, Rn. 99
9
BVerwG, Beschluss vom 8. März 2018 – 9 B 25/17, juris, Rn. 11
10
BVerwG, Urteil vom 14. Juli 2011 – 9 A 12/10, juris, Rn. 99; vgl. BVerwG, Beschluss vom 8. März 2018 – 9 B
25/17, Rn. 11, juris
11
vgl. BVerwG, Urteil vom 28. April 2016 – 9 A 9/15, juris, Rn. 141
12
Bundestag Drucksache 18/11939, 12. April 2017, S. 17; so bereits BVerwG, Urteil vom 9. Juli 2008 – 9 A
14/07, juris, Rn. 91

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8
Abbildung 1#: Übersichtsschema zur Einordnung der artenschutzrechtlichen Signifikanzprüfung nach § 44
BNatSchG und der Ausnahmeprüfung nach § 45 Abs. 7 BNatSchG sowie der dazu entwickelten Ausführungen
zu den Handlungsfeldern "Signifikanzbestimmung" und "Konkretisierung der rechtlichen und fachlichen
Anforderungen an die Erteilung artenschutzrechtlicher Ausnahmen". (Quelle: BfN & KNE 2020, verändert).
3
Windkraftempfindliche Arten und artspezifische Abstandswerte
Grundsätzlich sind bei einer artenschutzrechtlichen Prüfung alle aufgrund der Vogelschutz-
richtlinie 2009/147/EG (VS-RL) besonders geschützten Vogelarten zu betrachten.
Bestimmte Vogelarten unterliegen durch den Betrieb der Anlagen einem erhöhten Kollisi-
onsrisiko („Vogelschlag“). Sie sind im Rahmen der Genehmigung einer WEA von besonderer
Bedeutung für die Prüfungen zum Tötungs- und Verletzungsverbot (§ 44 Abs.1 Nr. 1
BNatSchG). Darüber hinaus sind im Rahmen der Beurteilung des Störungsverbotes (§ 44 Abs.
1 Nr. 2 BNatSchG) auch besonders störungsempfindliche Arten von Bedeutung, die z. B. ge-
genüber der WEA mit einem Meideverhalten („Scheuchwirkung“) reagieren. Arten, die ge-
genüber dem WEA-Betrieb als kollisionsgefährdet und/oder besonders störungsempfindlich
einzustufen sind, werden im Folgenden zusammengefasst als „windkraftempfindlich“ be-
zeichnet.
Die in Sachsen vorkommenden windkraftempfindlichen Arten sind in der Tabelle A1# im An-
hang aufgelistet. Der Liste liegen das sogenannte Helgoländer Papier (LAG VSW 2015) und,
bezogen auf die Kollisionsgefährdung, der länderübergreifend einheitliche Signifikanzrah-
men (UMK 2020c) zu Grunde.
In der Artenliste sind die Einstufungen des Signifikanzrahmens, die gegenüber dem Hel-
goländer Papier abweichen, gekennzeichnet.
Die Reiher-Arten, die Sumpfohr-Eule und der Wespenbussard sind noch im Helgoländer Pa-
pier (LAG 2015), jedoch nicht mehr im Signifikanzrahmen (UMK 2020c) als kollisionsgefähr-
Vorhaben in Bezug auf den besonderen Artenschutz
in der Regel zulässig

9
det eingestuft. Da keine landesspezifischen Gründe vorliegen, die ein Abweichen vom Signi-
fikanzrahmen rechtfertigen würden, und diese Arten zudem nicht besonders störungsemp-
findlich sind, fehlen sie in der Tabelle der windkraftempfindlichen Vogelarten.
Der weitgehende Verzicht auf den Windenergieausbau im Wald in Sachsen verringert die
Tötungsrisiken für Arten, deren Aktivitätsschwerpunkte zur Brutzeit in Wäldern liegen. Das
betrifft zum Beispiel den Wespenbussard und den Schwarzstorch.
Abweichend vom Signifikanzrahmen, im Sinne einer landesspezifischen Ergänzung, werden
in Sachsen auch Möwen und Flussseeschwalben als kollisionsgefährdet eingestuft. Ihre Brut-
kolonien konzentrieren auf die Braunkohleseen und Teichgebiete im sächsischen Tiefland,
wo sie ausgeprägte und (bezogen auf Verbreitungsgebiet der Arten) vulnerable Dichtezen-
tren bilden.
Die Tabelle A1# beziffert die artspezifischen Abstandswerte
13
ausgehend von den Mobilitäts-
und Raumnutzungsmustern der Arten, und sie gibt Hinweise zur Abgrenzung der lokalen
Populationen.
Zur Verwendung der Abstandswerte im Rahmen der Bestandsaufnahme und Bewertung
werden in den nachfolgenden Kapiteln (Kapitel 4 und 5#) noch nähere Hinweise gegeben.
Die artspezifischen Einstufungen der Tabelle A1 sind von den zuständigen Behörden künftig
bei artenschutzrechtlichen Prüfungen bezogen auf Vögel im Zusammenhang mit der Ge-
nehmigung von WEA anzuwenden.
Andere Artenlisten und Abstandswerte, zum Beispiel solche mit Bezug auf bestimmte
Schutzgebietskategorien oder Lebensräume (z. B. Mindestabstände zu bedeutenden Vogel-
lebensräumen, LAG VSW 2015) sollen in diesem Zusammenhang im Freistaat Sachsen keine
Anwendung mehr finden.
Ausnahmen bilden die seltenen Fälle, in denen Arten nachgewiesen werden, die auf der Ro-
ten Liste als ausgestorben bzw. verschollen geführt werden und die deshalb keinen Eingang
in die Tabelle A1# gefunden haben. Für sie sind bis zur Aktualisierung der Tabelle die Einstu-
fungen des Helgoländer Papiers (LAG VSW 2015) anzuwenden.
Die Ausschließlichkeit der Anwendung der Einstufungen in der Tabelle A1 gilt ab dem Inkraft-
treten des Leitfadens als Erlass des SMEKUL, soweit die zuständige Behörde nicht bei bereits
zu diesem Zeitpunkt behördenanhängigen Verfahren aus konkretem Anlass abweichende
Einstufungen begründet festgelegt haben.
13
Die Meterangaben zu den Abstandswerten (Nahbereich, Regelabstand, Prüfbereich) beziehen sich jeweils auf
die WEA-Mittelachse.

 
10
4
Erfassung und Bewertung der Avifauna
4.1 Relevanzprüfung: Welche Vogelarten können von Kollisions- und
Meideeffekten einer geplanten WEA betroffen sein?
Die in der Tabelle A1# (Anhang) als kollisionsgefährdet aufgeführten Vogelarten (Spalte 4)
sind relevant für eine vertiefte Prüfung des signifikant erhöhten Tötungsrisikos (Verbotstat-
bestand § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG).
Für die vertiefte Prüfung einer erheblichen Störung der lokalen Population (Verbotstatbe-
stand § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG) sind alle in der Tabelle A1 als besonders störungsempfind-
lich aufgeführten Arten relevant (Spalte 5).
Alle nicht in der Tabelle aufgeführten Vogelarten besitzen keine Relevanz für eine vertiefte
Prüfung bezogen auf die genannten Verbotstatbestände. Für sie ist eine vereinfachte Prü-
fung (z. B. in Tabellenform) ausreichend.
4.2 Bestandserfassung am Eingriffsort
Nach ständiger Rechtsprechung des BVerwG ist eine ausreichende Sachverhaltsermittlung
als Grundlage der artenschutzrechtlichen Prüfung erforderlich.
14
Die Naturschutzbehörden
sind gehalten, die nachfolgend und in der Anlage 2# (Untersuchungsmethoden) formulierten
Anforderungen an die Sachverhaltsermittlung anzuwenden, sofern die zuständige Behörde
nicht bei bereits zu diesem Zeitpunkt behördenanhängigen Verfahren aus konkretem Anlass
abweichende Anforderungen begründet festgelegt haben.
Für die Frage nach dem Eintritt artenschutzrechtlicher Verbotstatbestände ist zu prüfen, ob
die relevanten Arten im Untersuchungsraum des Vorhabens grundsätzlich vorkommen. Be-
trachtungsgegenstand sind regelmäßige Vorkommen. Grundlage dafür bilden die vorhande-
nen Verbreitungs- und Vorkommensdaten der Fachbehörden (Daten der Zentralen Artda-
tenbank). Vielfach reichen auch hinreichend begründete Potenzialabschätzungen aus.
Sogenannte „Worst Case -Annahmen“ (ein Vorkommen wird mangels Erfassungsdaten un-
terstellt) sind nach Möglichkeit zu vermeiden, da sie ggf. weitere Prüfungen erschweren und
einen Kompensationsumfang unnötig erhöhen. Sie können jedoch bei flächenhaft verbreite-
ten und schwer zu erfassenden Arten, wie die Waldschnepfe, zur Vermeidung eines unnötig
hohen Untersuchungsumfangs ausnahmsweise sinnvoll sein. Untersuchungen „ins Blaue
hinein“ sind nicht erforderlich.
15
Ergänzende Hinweise auf Vorkommen der Arten im Verfahren durch fachkundige Dritte
(ausgewiesene Ornithologen) sind zu berücksichtigen, wenn sie hinreichend substantiiert
sind und ihnen eine belastbare Datenqualität zugrunde liegt.
Da die vorliegenden amtlichen Vorkommensdaten häufig, z. B. aufgrund ihres Alters, nur
eine Hinweisfunktion haben und nicht ausreichen, um eine belastbare und sachgerechte
Bearbeitung der artenschutzrechtlichen Fragestellungen bei der Vorhabenzulassung durch-
zuführen, sind vom Vorhabenträger weitergehende Kartierungen vor Ort entsprechend An-
lage 2# zu veranlassen. Die zuständige Behörde hat in Zusammenarbeit mit den Fachbehör-
den dafür Sorge zu tragen, dass die Vorkommensdaten, unter Beachtung des Schutzbedarfs
14
siehe BVerwG, Beschluss vom 18. Juni 2007 – 9 VR 13/06
15
BVerwG, Urteil vom 9. Juli 2008, Az.: 9 A 14.07, Rdnr. 54

 
11
sensibler Daten, spätestens im Folgejahr der Erfassung in die Zentrale Artdatenbank (ZenA)
eingehen.
5
Prüfung der Verbotstatbestände
5.1
Prüfung des signifikant erhöhten Tötungsrisikos für kollisionsgefährdete Vo-
gelarten (Signifikanzprüfung)
5.1.1
Bewertungsmethoden
Neben der Berücksichtigung der artspezifischen Mortalitätsgefährdung, der Konfliktträchtig-
keit des Vorhabens und der betroffenen Individuen gehört nach ständiger Rechtsprechung
auch die Prognose der Habitat- bzw. Raumnutzung der betroffenen Arten im Vorhabensge-
biet zu den zentralen Anforderungen der Bewertung des artenschutzrechtlichen Tötungsrisi-
kos nach § 44 Abs. 1 BNatSchG. Dabei ist zum Beispiel zu klären, ob der Vorhabenstandort
gemieden oder nur selten überflogen wird oder ob es im Bereich der Anlagen zu höheren
Aufenthaltswahrscheinlichkeiten kommt bzw. deren Nahbereich signifikant häufiger überflo-
gen wird.
16
Letzteres kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Vorhabenstandort dauer-
haft oder zeitlich begrenzt eine besondere ökologische Bedeutung für die Art hat, zum Bei-
spiel sich im Bereich bevorzugter Nahrungshabitate, Schlafplätze oder anderer wichtiger
Habitate befindet.
Grundsätzlich muss die artenschutzrechtliche Bewertung so erfolgen, dass die Vermeidung
von Zuwiderhandlungen gegen das Tötungsverbot nach § 44 Abs. 5 Nr. 1 BNatSchG auch
innerhalb absehbarer Zeiträume sichergestellt ist.
17
Zur Prognose des Raumnutzungsverhaltens windkraftempfindlicher Arten haben sich ver-
schiedene methodische Ansätze unterschiedlicher Komplexität bewährt. Dazu zählen:
1.
Abstandsbetrachtungen (AB), welche indikatorisch die Nutzungsfrequenz von Flächen
und Räumen basierend auf typischen artspezifischen Mobilitätsmustern und Raum-
nutzungsdaten abbilden,
2. Habitatpotenzialanalysen (HPA), welche die potenzielle Habitateignung
und -bedeutung, aber auch Nicht-Eignung von Flächen und Räumen für eine Art auf
Grundlage einer möglichst standardisierten Ermittlung und Abschätzung arttypischer
Habitattypen, Habitatstrukturen und sonstiger Habitatparameter im Raum analysie-
ren sowie
3.
Raumnutzungsanalysen (RNA), welche Einblicke in die reale Nutzung von Flächen und
Räumen durch die Art zu bestimmten Zeitpunkten sowie das etwaige Vorhandensein
regelmäßig genutzter räumlich-funktionaler Beziehungen über möglichst standardi-
sierte Erfassungsdesigns ermitteln können.
Jede Methodik hat im Hinblick auf Planungsebene und -maßstab, Differenzierungsgrad, Eig-
nung und Aussagefähigkeit sowie Aufwand und Nutzen verschiedene Vor- bzw. Nachteile.
16
VGH München, Urteil vom 18. Juni 2014 – 22 B 13.1358, juris, Rn. 50
17
VGH München, Urteil vom 29. März 2016 – 22 B 14.1875 und 22 B 14.1876, juris, Rn. 44

 
12
Sie werden nachfolgend differenziert dargestellt und entsprechend KNE & BfN (2020) in ei-
nem gestuften Vorgehen mit dem Ziel verknüpft, möglichst effizient zu einer fachlich validen
Prognose- und Bewertungsentscheidung zu kommen.
5.1.1.1 Abstandsbetrachtungen (AB)
Die Beurteilung von Kollisionsrisiken erfordert immer auch eine Betrachtung der Entfernung
des Vorhabens und seiner räumlichen Lage im Aktionsraum der betroffenen Individuen. Je
näher eine Fläche zum Beispiel am Brutplatz liegt, desto höher ist ihre potenzielle Bedeutung
als Habitat für die Art. Die räumliche Nähe indiziert eine höhere Frequentierung und somit –
im Falle einer WEA-Planung – auch ein höheres Kollisionsrisiko.
Den Abstandbetrachtungen liegen sogenannte Abstandswerte zugrunde, die auf der Verall-
gemeinerung wissenschaftlicher Untersuchungen zum Flugverhalten von Arten anhand von
Telemetriestudien, Funktionsraumanalysen, langjährigen Beobachtungen und Expertenein-
schätzungen basieren. Sie stellen eine Untergliederung des typischen Aktionsraums im Hin-
blick auf eine grundsätzliche Nutzungsfrequenz einer Art dar. Die Zusammenführung dieser
Untersuchungen stellt den „komprimierten bestverfügbaren Wissensstand“ dar (siehe LAG
VSW 2015).
Es besteht eine breite Übereinstimmung in allen Länderregelungen, dass fachlich empfohle-
ne Regelabstände („Mindestabstände“ entsprechend LAG VSW 2015) und Prüfradien für
windkraftempfindliche Vogelarten in der Planungs- und Genehmigungspraxis als Bewer-
tungsmaßstab bei der speziellen Artenschutzprüfung herangezogen werden.
18
Aktuelle Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass es sinnvoll ist, neben den Regelabständen
und Prüfbereichen einen dritten, an den Brutplatz angrenzenden Nahbereich als besonderen
Gefahrenbereich zu berücksichtigen und somit ein dreigestuftes System hinsichtlich der Ab-
stände zum Nistplatz zu etablieren.
19
Grundlage für die Beurteilung ist die Aufenthaltswahr-
scheinlichkeit bei Flugaktivität .
Die Abstandswerte werden über artspezifische Meterangaben definiert (siehe Tabelle A1,
Anlage 1#), die als Radien horizontal um den Mittelpunkt des WEA-Turmes projiziert werden
(vgl. Abbildung 2#).
A: Regelabstand („Mindestabstand“, „zentraler Aktionsraum“)
Der Regelabstand (oder „zentraler Aktionsraum“ bzw. „Mindestabstand“, LAG VSW 2015)
wird der artspezifische Bereich bemessen, in dem der überwiegende Teil der Aktivitäten zur
Brutzeit stattfindet.
Die Regelabstände sind nicht als „Tabubereiche“ zu interpretieren. Sie erlauben jedoch eine
überschlägige Aussage zur vermutlichen Beeinträchtigung von Vorkommen WEA-sensibler
Vogelarten im Sinne einer widerlegbaren Regelvermutung (vgl. zum Beispiel TLUG 2017: 5
f.).
18
vgl. zum Beispiel TLUG 2017, HMUKLV 2021, UM & LUBW 2021
19
vgl. zum Beispiel BERNOTAT & DIERSCHKE 2016, SPRÖTGE et al. 2018, ISSELBÄCHER et al. 2018, oder Fort-
entwicklungen des Leitfadens in Hessen, in Vorb. HMUKLV 2021, UM & LUBW 2021

13
B: Nahbereich
Der Nahbereich ist ein artspezifisch variierender Bereich angrenzend an den Brutplatz. Der
Begriff kennzeichnet hier die unmittelbare Umgebung um den Brutplatz, in der verstärkt
Revierabgrenzung, Revierverteidigung und Balzflüge stattfinden, Nistmaterial gesammelt
und Junge flügge werden sowie sich auch weitere Aktivitäten zwangsläufig konzentrieren.
SPRÖTGE et al (2018) nennen diesen Bereich „Kernbereich“.
Die Abgrenzung muss aufgrund der unterschiedlichen Mobilität der Vogelarten artspezifisch
erfolgen. Den Methodenempfehlungen des Bundes folgend (BfN & KNE 2020), wird der
Nahbereich entsprechend 50 % des artspezifischen Regelabstands angesetzt. Dabei wird ein
Mindestwert von 250 m nicht unterschritten.
Mit dem Nahbereichs können im Rahmen der artenschutzrechtlichen Prüfung Vorhaben er-
fasst werden, die sich „inmitten“ eines Brut- oder Rastgebiets befinden und bei denen offen-
kundig auch von einer stark erhöhten Raumnutzung durch viele Tiere und in der Regel von
signifikant erhöhten Tötungsrisiken auszugehen ist.
C: Prüfbereich („weiterer Aktionsraum“)
Mit dem Prüfbereich wird der Betrachtungsraum der artenschutzrechtlichen Prüfung außer-
halb des Regelabstandes begrenzt (Abbildung 2#). Im Prüfbereich kann die Aufenthaltswahr-
scheinlichkeit eines Individuums aufgrund artspezifischer funktionaler Beziehungen (zum
Beispiel zwischen Brut- und Nahrungshabitaten) erhöht sein („weiterer Aktionsraum“). Sol-
che Räume ergeben sich zum Beispiel aus bevorzugten Flugrouten, bevorzugten Jagd- und
Streifgebieten der Brut- und Jungvögel, Schlafplätzen oder Reliefstrukturen, die günstige
thermische Verhältnisse bedingen.
Die Größe der Prüfbereiche orientiert sich an der Dimension der sog. Homerange, das ist der
Bereich, der von den Individuen regelmäßig genutzt wird (LAG VSW 2015).

image
14
Abbildung 2#: Unterscheidung der räumlichen Abstände um den Brutplatz mit A: Regelabstand / zentraler
Aktionsraum (grün schraffiert), B: Nahbereich um den Brutplatz (rot), und C: Prüfbereich / weiterer Aktions-
raum (Fläche zwischen grün schraffierter Fläche und schwarz gestrichelter Linie). Zeichnungselemente sind
nicht maßstabsgetreu abgebildet. Quelle: BfN & KNE (2020), verändert.

 
15
5.1.1.2 Habitatpotenzialanalyse (HPA)
Eine Habitatpotenzialanalyse (HPA) hat das Ziel, die Raumnutzung WEA-sensibler Vogelarten
insbesondere auf Basis von Habitatstrukturen (unter Berücksichtigung der Landnutzung), der
Lage von Fortpflanzungs- und Ruhestätten sowie landschaftsmorphologischen Merkmalen
und der vorhandenen Siedlungs- und Verkehrsinfrastruktur fachgutachterlich einzuschätzen
(Tabelle 1#). Im Gegensatz zu Raumnutzungsanalysen erfolgt keine systematische Erfassung
von Flugbewegungen. Angaben zum Lebensraum und zur Ökologie der Arten können den
WWW-Arbeitshilfen des LfULG entnommen werden.
20
Die Größe des HPA-Untersuchungsgebietes (um das Brutvorkommen) entspricht den in der
Tabelle A1# (Anlage 1) angegebenen Prüfbereichen. Bei der HPA sind Flächen herauszuarbei-
ten, für die anzunehmen ist, dass sie vergleichsweise häufig überflogen oder aber gemieden
werden. Auf die Angaben zur Untersuchungsmethode in der Anlage 2# und den illustrierten
Anwendungsbeispielen in Anlage 3# wird verwiesen.
Tabelle 1#: Geländemerkmale und funktionale Elemente, die sich auf die Raumnutzung windkraftempfindli-
cher Vogelarten auswirken und zur Konzentration von Flugbewegungen führen können. Quelle: nach LAG
VSW (2020).
Landschaftsmorphologie
zum Beispiel Täler, Bergrücken, Hangkanten, Plateaulagen
Landschaftsstruktur
zum Beispiel Wald-Offenland-Grenze, Feldraine, Hecken, Baum-
reihen
Infrastruktur
zum Beispiel Siedlungen, Verkehrstrassen, Freileitungen, Kanä-
le, Gräben
Lebensstätten
zum Beispiel Horststandorte, Schlafplätze
Regelm. Aufenthaltsorte
zum Beispiel Sitzwarten, Schlaf- und Sammelplätze, Kröpfplätze
Nahrungshabitate
zum Beispiel Gewässer, Kompostanlagen, landwirtschaftliche
Kulturen
Grundsätzlich ist zwischen folgenden drei Auswertungskategorien der HPA zu unterscheiden:
A: Hohe Raumnutzung im Vorhabensbereich indiziert
Die HPA indiziert eine hohe Raumnutzung im Vorhabensbereich, die sich entweder aus einer
überdurchschnittlichen Habitateignung im Vorhabensbereich ergibt oder daraus, dass das
Vorhaben im Bereich räumlich-funktionaler Beziehungen bzw. bevorzugter Flugwege bzw.
Flugkorridore zu anderen (dahinterliegenden) Teilhabitaten liegt.
Dies kann zum Beispiel aus dem Vorhandensein essentieller Teilhabitate mit hoher Habitat-
eignung resultieren. Dazu zählen zum Beispiel bevorzugte Jagd- und Streifgebiete der Brut-
und Jungvögel, attraktive oder essentielle Nahrungshabitate, die im Raum nur begrenzt vor-
handen sind, regelmäßige Schlafplätze, Ansitz- und Rufwarten oder auch Reliefstrukturen,
die günstige thermische Verhältnisse bedingen.
20
https://www.natur.sachsen.de/arbeitshilfen-artenschutz-20609.html
:
Exceltabelle „In Sachsen auftretende
Vogelarten“ und von dort verlinkte Artensteckbriefe.

 
16
B: Durchschnittliche Raumnutzung im Vorhabensbereich indiziert
Die HPA indiziert eine durchschnittliche Raumnutzung im Vorhabensbereich, da weder spe-
zielle Habitatstrukturen im Vorhabensbereich selbst noch erkennbare räumlich-funktionale
Beziehungen bzw. bevorzugter Flugrouten zu anderen (dahinterliegenden) Teilhabitaten
bestehen.
C: Fehlende oder geringe Raumnutzung im Vorhabensbereich indiziert
Die HPA indiziert eine fehlende oder geringe Raumnutzung im Vorhabensbereich. Der Vor-
habensbereich selbst ist für eine Habitatnutzung durch die Art nicht oder kaum geeignet, da
die Art diese Strukturen aufgrund fehlender Habitateignung oder bestehender Störung (zum
Beispiel durch Kulissenwirkung) meidet. Zudem bestehen im Vorhabensbereich auch weder
räumlich-funktionale Beziehungen noch bevorzugte Flugrouten zu anderen (dahinterliegen-
den) Teilhabitaten. Diese Einschätzungen sind prognostisch auch dadurch validiert, dass ent-
sprechend hochwertige Habitatstrukturen in anderen – vom Vorhaben nicht betroffenen –
Bereichen des Aktionsraums erkennbar in ausreichender Weise vorhanden sind.
5.1.1.3 Raumnutzungsanalyse (RNA)
Im Gegensatz zu HPA basieren Raumnutzungsanalyen (RNA) auf systematischen Beobach-
tungsdaten, die standardisiert erfasst und ausgewertet werden können.
In der Regel erfolgt die Erfassung des Flugverhaltens visuell, das heißt über Sichtbeobach-
tungen, die im Gelände in Feldkarten verortet und später mit Hilfe eines geografischen In-
formationssystems (GIS) aufbereitet werden.
RNA sind zeit- und kostenintensiv, methodisch anspruchsvoll und nicht für alle relevanten
Vogelarten geeignet.
21
Sie sind daher nur dann heranzuziehen, wenn über AB und HPA keine
belastbaren Prognosen der Raumnutzung möglich sind.
Die RNA ist im Regelfall Brutpaar bezogen unter Anwendung der in der Anlage 2# angegebe-
nen Untersuchungsstandards durchzuführen.
22
Die Auswertung soll mittels GIS gestützter
Rasteranalyse erfolgen. Mit ihrer Hilfe können die Rasterzellen in Klassen gleicher Flugereig-
nisanzahl eingeteilt werden, die dann einer standardisierten quantitativen Bewertung zu-
gänglich sind. Die Rasteranalyse wird in Anlage 4# näher erläutert. Nur im Ausnahmefall, z.B.
bei einer sehr geringen Anzahl auswertbarer Flugereignisse, ist eine rein fachgutachterliche
Bewertung der RNA vorzunehmen.
Bei Beobachtungen im Rahmen von RNA ist zu bedenken, dass sie eine zeitliche Stichprobe
darstellen und somit nicht alle möglichen Ereignisse erfassen. Die Ergebnisse der RNA sollten
daher immer im Zusammenhang mit der AB und HPA und der phänologischen Entwicklung
von landwirtschaftlichen Nutzungen bzw. Vegetation interpretiert werden.
21
zur artspezifischen Eignung siehe Anlage 1#
Im Ausnahmefall, der fachlich näher zu begründenden ist, kann alternativ eine standortbezogene RNA zur An-
wendung kommen. Diesbezüglich wird auf die im Thüringer Leitfaden angegebenen Standards verwiesen (TLUG
2017).
22
Das gilt z.B. beim Vorkommen vieler Individuen einer Art im Untersuchungsgebiet, z.B. bei großen
WEA-Vorhaben, wo der brutpaarbezogene Ansatz an seine Grenzen stößt, da oftmals mehrere Brutvorkommen
betroffen sind und sich die dazugehörigen Brutvögel individuell nicht unterscheiden lassen.

17
Dabei ist insbesondere zu klären, welche ökologische Bedeutung dem Vorhabenstandort für
die Arten zukommt, ob er zum Beispiel im Bereich bevorzugt genutzter Flugrouten oder
wichtiger Nahrungsflächen liegt und ob darauf aufbauend eine erhöhte Aufenthaltswahr-
scheinlichkeit von WEA-sensiblen Vogelarten im Vorhabensbereich zu vermuten ist.
Zur Auswertung der Ergebnisse der RNA sind die gleichen Bewertungsmaßstäbe im Hinblick
auf die Bewertung der Signifikanz von Kollisionsrisiken wie bei der HPA anzuwenden, da die
Prüffragen identisch sind und lediglich die Methodik variiert. Daher sollte erneut grundsätz-
lich zwischen folgenden drei Bewertungskategorien und Schwellenwerten
23
unterschieden
werden:
A: Hohe Raumnutzung im Vorhabensbereich indiziert
Die RNA indiziert eine hohe Raumnutzung im Vorhabensbereich. Für eine hohe bzw. eine
deutlich erhöhte Flugaktivität ist ein Schwellenwert von > 75 % der Flugaktivität entspre-
chend Rasteranalyse (Anlage 4#) anzusetzen.
24
B: Durchschnittliche Raumnutzung im Vorhabensbereich indiziert
Die RNA indiziert eine „durchschnittliche Raumnutzung“ im Vorhabensbereich. Dafür ist als
Schwellenwert > 33 % der Flugaktivität anzusetzen (entsprechend BfN & KNE 2020).
C: Fehlende oder geringe Raumnutzung im Vorhabensbereich indiziert
Die RNA indiziert eine „fehlende“ oder „geringe Raumnutzung“ im Vorhabensbereich. Das
gilt für die Flugaktivität im Bereich 0 % bis 33 % (entsprechend BfN & KNE 2020).
23
Der Standard von Thüringen (TLUG 2017; so auch LAG VSW 2020) wird übernommen. Darin wird jedoch nur
die
hohe Raumnutzung
mit einem Schwellenwert (>75%) versehen. Für die
durchschnittliche
und
geringe
Raumnutzung
werden für den sächsischen Leitfaden die Schwellenwerte von BfN & KNE (2020) übernommen.
24
entsprechend TLUG 2017, LAG VSW 2020, BfN & KNE 2020

image
 
18
5.1.2
Gestufte Vorgehensweise zur Bewertung signifikant erhöhter Tötungsrisiken
Entsprechend des länderübergreifend einheitlichen Methodenrahmens (UMK 2020c) sind
die Abstandsbetrachtungen (AB) als Basis der Signifikanzbewertung anwenden. Sofern erfor-
derlich sind die weiteren Verfahren (HPA, RNA) ergänzend hinzuzuziehen. Dabei ist gestuft
vorzugehen (siehe Abbildung 3#). Mit dem gestuften Verfahren wird sichergestellt, dass die
Signifikanzbewertung mit dem relativ geringsten möglichen methodischen Aufwand erfolgt,
indem zum Beispiel die aufwändige RNA „nur“ bestimmten Fallkonstellationen vorbehalten
bleibt. Ebenso besteht die Möglichkeit, Vermeidungs- bzw. Minderungsmaßnahmen bereits
zu einem früheren Zeitpunkt vorzusehen und – eine hinreichende Wirksamkeit vorausge-
setzt – von weitergehenden Untersuchungsschritten (zum Beispiel von RNA) abzusehen.
Im Ergebnis des gestuften Vorgehens muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob
das geplante Vorhaben im Hinblick auf das artenschutzrechtliche Tötungsverbot absehbar
kein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko im Sinne des § 44 Abs. 5 Nr. 1 BNatSchG bewirkt.
Abbildung 3#: Signifikanzprüfung für unvermeidbare Tötungsrisiken eines WEA-Vorhabens durch stufenwei-
se und aggregierte Raumnutzungsprognose basierend auf Abstandsbetrachtung (AB), Habitatpotenzialanaly-
sen (HPA) und Raumnutzungsanalysen (RNA) (nach BfN & KNE 2020)
Erläuterungen:
grün indiziert nicht signifikante Risikoerhöhung, rot indiziert signifikante Risikoerhöhung, schwarz indiziert
i. d. R. Erfordernis weiterer Sachverhaltsaufklärung.
Die Buchstabenkästchen verdeutlichen Fallkonstellationen, die in der Anlage 5# näher erläutert werden.
Vorhaben im
Regelabstand
/ im
zentralen Aktionsraum
der Art indiziert eine
hohe Raumnutzung im
Vorhabensbereich
Vorhaben im
Nahbereich
um den
Brutplatz oder im Rast-
gebiet indiziert eine hohe
Raumnutzung im
Vorhabensbereich

 
19
5.2
Prüfung des Störungsverbotes für störempfindliche Vogelarten
Bei den in Tabelle A1 (Anlage 1#) genannten seltenen und störungsempfindlichen Vogelarten
können WEA zu einer betriebsbedingten Scheuchwirkung führen, so dass das Störungsverbot
(§ 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG) zum Tragen kommen kann.
Störungen können aber auch die Verkleinerung von Jagdhabitaten oder die Unterbrechung
von Flugrouten bewirken.
25
Rechtlich relevant ist nur eine erhebliche Störung, das ist eine
Störung, durch die sich der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlech-
tert. Eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der lokalen Population tritt insbesonde-
re ein, wenn die Überlebenschancen oder der Fortpflanzungserfolg der lokalen Population
nachhaltig vermindert werden, was artspezifisch im Einzelfall zu untersuchen und zu beurtei-
len ist.
Eine durch die WEA mögliche Verschlechterung des Erhaltungszustandes soll durch geeigne-
te Maßnahmen zur Vermeidung und Minimierung der Beeinträchtigungswirkung (z. B. klein-
räumige Standortoptimierung) abgewendet werden. Maßnahmen zur Vermeidung können
auch Schutzmaßnahmen umfassen, die die betroffene lokale Population trotz der eintreten-
den Störungen stabilisieren und dadurch Verschlechterungen ihres Erhaltungszustandes ver-
hindern.
26
Die Maßnahmen müssen artspezifisch so ausgestaltet sein, dass eine funktional
wirksame Wahrung oder Verbesserung des aktuellen Erhaltungszustandes auf Dauer belast-
bar prognostiziert werden kann.
Innerhalb der in Tabelle A1# genannten Abstände ist das Eintreten erheblicher Beeinträchti-
gungen durch Meideeffekte auf die Lokalpopulation zu prüfen. Bezugsbasis auf der Geneh-
migungsebene ist die Lokalpopulation. Sie ist bei den besonders störempfindlichen Arten
entsprechend der Zuordnungen in der Tabelle A1# (Spalte 10: Abgrenzung Lokalpopulation)
entweder auf der Ebene von Einzelvorkommen
27
oder bezogen auf die Fläche der Landkrei-
se
28
abzugrenzen.
Diese größenordnungsmäßig beschriebene Raumkulisse für die Lokalpopulation ist ggf. zur
Berücksichtigung von räumlichen Besonderheiten des Einzelfalls zu konkretisieren.
Keine erhebliche Beeinträchtigung der Lokalpopulation von besonders störempfindlichen
Vogelarten ist zu erwarten, wenn
der Regelabstand (Tabelle A1, Spalte 8#) eingehalten wird,
die geplante WEA nicht auf den regelmäßig genutzten Flugrouten oder
in essentiellen Nahrungshabitaten im Prüfbereich (Tabelle A1, Spalte 9#) errichtet
wird (siehe Kapitel 5.1.1.1#).
25
BVerwG, Urteil vom 9. Juli 2009, AZ: 4C 12/07 Rdnr. 40, BVerwG, Urteil vom 12. März 2008, AZ.: 9 A 3/06,
Rdnr. 230
26
BVerwG, Urteil vom 12. August 2009, AZ.: 9A 6407, Rdnr. 86
27
Die Lokalpopulationen dieser Arten lassen sich vergleichsweise gut anhand von Vorkommens- und Lebens-
raumdaten abgrenzen. Es handelt sich dabei um Arten, die Brutkolonien bilden und/oder deren Aktionsräume
sich auf zusammenhängende Gebiete mit einheitlicher Biotopausstattung beziehen lassen.
28
für mehr oder weniger flächendeckend verbreitete Arten mit Aktionsräumen von >100 ha, wobei für Land-
kreise, die sich über das Berg- und Tiefland oder großflächig über sehr heterogene Landschaftseinheiten erstre-
cken, die Grenzen der Altkreise (Stand Juli 2008) zu wählen sind.

 
20
Sollen diese Abstände unterschritten werden, sind Nachweise zur Vermeidung einer Störung
im Einzelfall zu erbringen, oder das Ausnahmeverfahren nach § 45 Abs. 7 BNatSchG ist
durchzuführen.
5.3
Prüfung des Verbots der Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten
Nach § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG sollen Planungen so erfolgen, dass Fortpflanzungs- und Ru-
hestätten der besonders geschützten Arten nicht beschädigt oder zerstört werden. Dabei
kommt es auf die spezielle ökologische Funktion der Lebensstätten im räumlichen Zusam-
menhang an. Nach § 44 Abs. 5 Satz 2 BNatSchG ist das Schädigungsverbot für die Arten des
Anhang IV der FFH-RL und der europäischen Vogelarten bei genehmigten Eingriffen nicht
erfüllt, wenn die auf die jeweiligen Arten bezogenen ökologischen Funktionen der betroffe-
nen Fortpflanzungs- und Ruhestätten in ihrem räumlichen Zusammenhang gewährleistet
werden kann. Der räumliche Zusammenhang besteht dann, wenn die durch das Vorhaben
beeinträchtigten Tiere in geeignete Lebensräume ausweichen oder von entsprechenden
Maßnahmen auf der Genehmigungsebene profitieren können. Eine Abwendung erheblicher
Beeinträchtigungen von Fortpflanzungs- und Ruhestätten durch Naturschutzmaßnahmen,
die die Fortwirkung der ökologischen Funktionen zum Zeitpunkt des Eingriffs sicherstellt (so-
genannte CEF-Maßnahmen) ist möglich (Kapitel 6#).

 
21
6
Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen sowie Kompensations-
maßnahmen
6.1 Allgemeine Hinweise und Rahmenbedingungen
Vermeidung und Minderung
Das Erfordernis zur Durchführung von
Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen
29
ist an
mehreren Stellen rechtlich verankert. So ergibt sich nach § 15 Abs. 1 BNatSchG bereits aus
der Eingriffsregelung für den Verursacher eines Eingriffs die Verpflichtung, vermeidbare Be-
einträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen. Im Zusammenhang mit dem ar-
tenschutzrechtlichen Tötungsverbot nach § 44 Abs. 5 BNatSchG wurde der Signifikanzansatz
nur für nicht durch „gebotene“ Vermeidungsmaßnahmen vermeidbare Tötungen konzipiert,
was verdeutlicht, dass es eine „vorlaufende“ bzw. generelle Vermeidungspflicht für alle
grundsätzlich vermeidbaren Tötungen gibt. Schließlich ist im Rahmen der Prüfung nach § 44
Abs. 5 S. 2 Nr. 1 BNatSchG zu prüfen, ob sich die zu erwartende Risikoerhöhung durch geziel-
ten Einsatz von Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen (im BNatSchG „Schutzmaßnah-
men“ genannt) unter die Signifikanzschwelle reduzieren lässt. Auch hier gibt es eine Schwel-
le der Verhältnismäßigkeit, die sich primär aus den Konstellationen des Einzelfalls ergibt und
u. a. auch davon abhängt, wie schwerwiegend die artenschutzrechtlichen Konflikte sind, die
damit vermieden werden können beziehungsweise könnten.
Mögliche Vermeidungsmaßnahmen sind auch bei Erteilung einer Ausnahme nach § 45 Abs. 7
BNatSchG durchzuführen.
Die Vermeidungspflichten gemäß § 15 Abs. 1 und § 44 Abs. 5 BNatSchG werden durch den
allgemeinen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz, eine allgemeine Verhältnismäßigkeitsschwelle
sowie die Frage der „Zumutbarkeit“ begrenzt. Die Reduzierung der WEA-Anzahl in ausgewie-
senen Vorranggebieten als Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen stellt in der Regel
keine zumutbare Alternative dar, da die möglichst vollständige Ausnutzung der WEA-
Vorranggebiete zur Erreichung der energiepolitischen Ziele erforderlich ist und mildere Mög-
lichkeiten zur Minderung der Artenschutzkonflikte bestehen.
Sofern Vermeidungsmaßnahmen erforderlich sind, sind Angaben zur Art und Weise der Um-
setzung, die dem Bestimmtheitsgebot genügen, als Nebenbestimmung in die Genehmigung
aufzunehmen. Dazu sind vor allem die Art der Maßnahme(n), die Standorte sowie die Zeit-
dauer der Umsetzung jeweils konkret festzusetzen.
Verbleibenden Unsicherheiten über die zukünftige Wirksamkeit
30
von Maßnahmen kann – in
begrenztem Maße – durch ein adäquates Monitoring
31
und ggf. erforderliche und zugleich
grundsätzlich verhältnismäßige Korrekturmaßnahmen (etwa der Gestaltung und Bewirt-
schaftung einer Ablenkfläche) begegnet werden. Die Korrekturmaßnahmen müssen rechtzei-
tig ergriffen werden können, so dass ein Eintritt des Verbotstatbestandes zuverlässig aus-
29
Maßnahmen zur Vermeidung und Minderung der Artenschutzrisiken gemäß § 44 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 BNatSchG
30
Generelle methodische Hinweise, wie sich artspezifische Wirksamkeiten einer Kollisionsvermeidung trotz
begrenzter wissenschaftlicher Datenlage methodisch herleiten lassen, finden sich bei LIESENJOHANN et al.
(2019).
31
Gerade bei wissenschaftlicher Unsicherheit über die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen kann es sich anbie-
ten, durch ein Monitoring weitere Erkenntnisse über die Beeinträchtigungen zu gewinnen und dementspre-
chend die Durchführung des Vorhabens zu steuern (BVerwG, Urteil vom 17. Januar 2007 - 9 A 20/05, juris, Rn.
55).

22
bleibt.
32
Ein Nachsteuerungsszenario muss jeweils so genau umrissen sein, dass es dem Be-
stimmtheitsgebot von Nebenbestimmungen nach § 12 Abs. 1 S. 1 BImSchG entspricht. Die
konkrete Form der Nebenbestimmung – ob Auflage, Bedingung oder Auflagenvorbehalt –
wird im Genehmigungsbescheid durch die Immissionsschutzbehörde festgeschrieben. Der
Grund für die Annahme einer Prognoseunsicherheit (z. B. hinsichtlich der Größe einer ent-
stehenden Vernässungsfläche) und die Maßnahme zur Gegensteuerung (z. B. nachträgliche
Feinjustierung der Bewässerung durch Zuflussregulierung) sind im Genehmigungsbescheid
festzulegen. Im Regelfall reicht jedoch die Pflege- und Funktionskontrolle hergestellter Maß-
nahmen aus. Auch dies ist durch die Antragstellerin oder den Antragsteller in den Antragsun-
terlagen darzulegen und wird anschließend durch die Genehmigungsbehörde in Abstimmung
mit der Naturschutzbehörde geprüft.
Sofern ein Monitoring zur Auflage gemacht wird, ist in den Nebenbestimmungen festzule-
gen, dass ermittelte artbezogene Vorkommensdaten in der in Anlage 2# (Untersuchungsme-
thoden) beschriebenen Weise behördenverfügbar gemacht werden.
Je nach Größe des artenschutzrechtlichen Konfliktpotenzials kann es erforderlich werden,
verschiedene Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen miteinander zu kombinieren, um
das Tötungsrisiko unter die Schwelle der Signifikanz zu senken.
Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen müssen vor Eintritt der Beeinträchtigung wirk-
sam sein.
33
Kompensation
Die auf die Fortpflanzungs- und Ruhestätten bezogenen Verbote gelten nicht, wenn ihre
Funktion im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt werden (§ 44 Abs. 5 Nr. 3
BNatSchG). Das kann durch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen bzw.
CEF
34
-Maßnahmen
erreicht werden.
Bei den Vogelarten mit sehr kleinen Landesbeständen (<= 100 Brutpaare, Tabelle A1#, Spalte
11) können Habitatsverluste (störungsbedingte Habitatsverluste, Verluste von Fortpflan-
zungs- und Ruhestätten, i.S. § 44 Abs. 1 Nr. 2, 3 BNatSchG), in der Regel nicht ausgeglichen
werden, so dass durch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen der Eintritt des Verbotstatbe-
stands nur ausnahmsweise verhindert werden kann. Bei den übrigen Arten, das heißt bei
den nicht windkraftempfindlichen Arten sowie bei den windkraftempfindlichen Arten mit
größeren Landesbeständen kann die ökologische Funktion betroffener Fortpflanzungs- und
Ruhestätten prinzipiell über CEF-Maßnahmengewährleistet werden. Sie müssen folgende
Anforderungen erfüllen
35
:
32
BVerwG, Urteil vom 17. Januar 2007 - 9 A 20/05, juris, Rn. 55
33
Eine erste umfassende Bewertung der Wirksamkeit von Maßnahmen speziell gegen Vogelkollisionen an WEA
ist im BfN-Skript 518 vorgenommen (Blew et al. 2018: S. 104 ff.). Eine Hilfestellung bei der Konzeption von
Maßnahmen zur Vermeidung von Beeinträchtigungen WEA-sensibler Arten bilden auch der Leitfaden des
MKULNV Nordrhein-Westfalen zur Wirksamkeit von Artenschutzmaßnahmen (MKULNV 2013) sowie die Fach-
konvention „Rahmenbedingungen für die Wirksamkeit von Maßnahmen des Artenschutzes bei Infrastruktur-
vorhaben“ (Runge et al. 2010). Sie können daher ergänzend bei der Maßnahmenplanung hinzugezogen wer-
den.
34
continuous ecological functionality-measures
35
entsprechend UM & LUBW (2021)

23
1. Rechtzeitige Herstellung der Maßnahme, so dass zum Zeitpunkt des Eingriffs die Aus-
gleichswirkung vollumfänglich gegeben ist und damit ein Verlust der ökologischen Funktio-
nalität der betreffenden Lebensstätte ausgeschlossen werden kann.
2. Die Maßnahme hat eine funktionale Beziehung zur betroffenen Lebensstätte und zur be-
troffenen lokalen Individuengemeinschaft (Aktionsradius der Art beachten).
3. Maßnahmen zugunsten windkraftempfindlicher Arten dürfen jedoch nicht innerhalb der
Regelabstände (Tabelle A1 Spalte 8#) umgesetzt werden, um zusätzliche Anlockwirkungen
und Risiken zu verhindern.
4. Die vom Eingriffsvorhaben betroffene Lebensstätte wird verbessert oder erweitert, so
dass die ökologische Funktionalität erhalten bleibt. Die betroffene Fortpflanzungs- oder Ru-
hestätte muss nach Durchführung dieser Maßnahme mindestens die gleiche (oder eine grö-
ßere) Ausdehnung und eine gleiche (oder bessere) Qualität für die zu schützende Art aufwei-
sen.
5. Die Maßnahmenfläche muss rechtlich gesichert sein.
6. Verbleiben trotz hoher Erfolgsaussichten Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahme,
muss ein hinreichendes Risikomanagement aus Funktionskontrollen (Monitoring) und Kor-
rekturmaßnahmen festgelegt werden.
7. Wirksame CEF-Maßnahmen können z.B. auf die betroffene Art zugeschnittene Nutzungs-
weisen mit einer Beruhigung der als Bruthabitat geeigneten Gehölzbestände darstellen.
Bei Verstößen gegen das Tötungsverbot und Störungsverbot, die nicht vermieden werden
können oder Verstößen gegen das Beschädigungsverbot, die auch durch CEF-Maßnahmen
nicht abgewendet werden können, sind die Voraussetzungen der artenschutzrechtlichen
Ausnahmeregelung nach § 45 Abs. 7 BNatSchG zu prüfen. Eine Tatbestandsvoraussetzung ist
hierbei, dass sich der Erhaltungszustand der Population einer Art durch die Umsetzung des
Vorhabens nicht verschlechtert. Wird eine Verschlechterung prognostiziert, ist zu prüfen, ob
der aktuelle Erhaltungszustand durch
FCS
36
-Maßnahmen
(Kompensationsmaßnahmen) ge-
wahrt werden kann. Befindet sich eine im Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführte Art in
einem ungünstigen Erhaltungszustand, sind FCS-Maßnahmen erforderlich, sofern eine Ver-
besserung des Erhaltungszustandes ohne solche Maßnahmen erschwert wäre.
Beurteilungsmaßstab für die Notwendigkeit und Wirksamkeit von FCS-Maßnahmen ist somit
der Erhaltungszustand der betroffenen Art. Entsprechend müssen FCS-Maßnahmen nicht
zwangsläufig auf die betroffene, lokale Population abgestimmt werden. Vielmehr müssen
FCS-Maßnahmen geeignet sein, den Erhaltungszustand der Art im natürlichen Verbreitungs-
gebiet (hier: Sachsen) zu wahren. Hieraus folgt
37
:
1. Die Maßnahme muss den Erhaltungszustand der Population sichern.
2. Die Maßnahme muss erfolgversprechend sein, d.h., sie muss mit hoher Wahrscheinlichkeit
die ihr zugedachte Wirkung erzielen.
3. Die Maßnahme muss möglichst schon vor oder spätestens zum Zeitpunkt der Zerstörung
der betroffenen Fortpflanzungs- oder Ruhestätte Wirkung zeigen.
36
Favourable conservation status-measures,
37
entsprechend UM & LUBW (2021)

 
24
4. Die Maßnahme muss den Erhaltungszustand der Population im Rahmen der durch die
Auswirkung der erteilten Ausnahme prognostizierten Schädigung sichern. Das Nettoergebnis
einer Ausnahmeregelung sollte für eine Art immer neutral oder positiv sein.
5. Es müssen Funktionskontrollen und im Regelfall ein Risikomanagement festgelegt sein.
6. Die Maßnahmen muss bei windkraftempfindlichen Arten weit außerhalb der Prüfabstände
zur WEA durchgeführt werden, um Anlockwirkungen zu verhindern.
Für die räumlichen Anforderungen gilt ein weiterer Betrachtungsmaßstab als bei CEF-
Maßnahmen. Die kompensatorischen Maßnahmen kommen der gesamten Population der
biogeographischen Region zugute. Die Maßnahmen erfordern keine funktionale Verbindung
zur konkret durch einen Eingriff betroffenen Fortpflanzungs- und Ruhestätte.
Eine klare Abgrenzung gegenüber CEF-Maßnahmen ist nicht immer möglich. So kann bei-
spielsweise die Extensivierung von geeigneten Grünlandflächen zur Optimierung der Habi-
tateignung der Feldflur für den Wachtelkönig im unmittelbaren Umfeld eines Eingriffs als
CEF-Maßnahme gewertet werden. Erfolgt die Extensivierung in einiger Distanz zum Eingriffs-
vorhaben (und kommt somit nicht den Fortpflanzungs- und Ruhestätten der betroffenen
Individuen zu Gute), so ist diese als FCS-Maßnahme anzusehen.
6.2
Typische Vermeidungsmaßnahmen zugunsten windkraftempfindlicher Ar-
ten
38
Die in Frage kommenden Maßnahmen werden analog UM & LUBW (2021) eingeteilt in
grundlegende (= primär zu prüfende), optionale (= nur im Einzelfall anzuwendende) Maß-
nahmen und Standardmaßnahmen (= in der Praxis etablierte Maßnahme). Eine Maßnah-
menliste mit Angabe der Eignung für die einzelnen windkraftempfindlichen Vogelarten ent-
hält die Tabelle A2# im Anhang.
6.2.1
Grundlegende Maßnahmen: Einhaltung der Abstandswerte
Grundlegend bedeutet, dass diese Maßnahmen grundsätzlich für alle Vorhaben und Vogelar-
ten in Frage kommen und primär zu prüfen ist. Das trifft auf die Standortwahl unter Einhal-
tung der artspezifischen Abstandswerte zu. Das Freihalten der betreffenden Bereiche ist die
effektivste Maßnahme, um zu verhindern, dass die Tötungs- und Störungstatbestände ge-
mäß § 44 Abs. 1 Nr. 1, 2 BNatSchG eintreten.
6.2.2
Artspezifische Standard-Maßnahmen
Darüber hinaus kommen je nach betroffener Art weitere in Deutschland etablierte Vermei-
dungsmaßnahmen in Betracht, die darauf abzielen, das Raumnutzungsverhalten der be-
troffenen Individuen zu verändern und somit einer Tötung wirksam vorzubeugen. Artspezi-
fisch kann ggf. eine Wirksamkeit erst durch die Kombination von zwei bis drei Komponenten
erreicht werden.
38
Übersichten und Systematisierungen verschiedener Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen finden sich
zum Beispiel auch in BULLING et al. (2015) oder BLEW et al. (2018).

25
Anlagen-Gestaltung: > 80 m rotorfreie Zone über Grund, Verzicht auf Gittertürme
Entsprechend des länderübergreifenden Signifikanzrahmens besteht bei den Weihen-Arten
und dem Uhu eine Kollisionsgefahr in der Regel nur, wenn die Höhe der Rotorunterkante
weniger als 30 bis 50 m bzw. in hügeligem Gelände weniger als 80 m beträgt (UMK 2020c). In
Ausnahmefällen können kritische Flughöhen erreicht werden (z.B. Balzflüge, Geländestufen),
deren Risiken einzelfallspezifisch abzuschätzen sind.
Bei den Milan-Arten wird eine Rotor-Höhe von über 80 m über Grund als Vermeidungs- und
Minderungsmaßnahme eingestuft, die in der Regel mit weiteren Maßnahmen zu kombinie-
ren ist (HMUKLV 2021).
Generelles Freihalten von Wäldern und an den Brutwald angrenzender Freiflächen (Schwarzstorch)
Für die windkraftempfindlichen Vogelarten wie Schwarzstorch und Waldschnepfe, deren
Fortpflanzungsstätten regelmäßig in Wäldern anzutreffen ist, werden Risiken vermieden
oder gemindert, indem WEA nicht innerhalb von Wäldern gebaut werden. Beim Schwarz-
storch können Risiken darüber hinaus reduziert werden, indem generell die Freiflächen, die
an den Brutwald angrenzen, freigehalten werden.
Unattraktive Gestaltung der unmittelbaren Mastfußumgebung
Die Bereiche von Mastfuß, Kranstellfläche und Zuwegungen werden bei schütterer Vegetati-
on von Greifvögeln bevorzugt patroulliert. Gezielte Regelungen zur Bodennutzung innerhalb
von Windparks und deren unmittelbaren Umfeld (vom Rotor überstrichene Fläche zuzüglich
50 m-Puffer) können die Attraktivität insbesondere für Rotmilane verringern. Dazu zählen
unter anderem der Verzicht auf Dauerkulturen bzw. Anbau von mehrmals im Jahr gemähtem
Feldfutter, keine Lagerung von Mist oder Ähnlichem wie auch eine weitgehende Reduzie-
rung offener Flächen und Brachen als Teil der Windpark-Infrastruktur, unter anderem durch
Rückbau von Kranstellflächen.
Abschaltung von WEA bei Bewirtschaftungs- und Bodenbearbeitungsereignissen
Bewirtschaftungsereignisse wie Mahd, Ernte oder Feldumbrucharbeiten ziehen in der Nähe
brütende Greifvögel und Störche, aber auch Nichtbrüter und revierfremde Brutvögel an.
Diese Anlockwirkung frisch bearbeiteter Flächen ist nachweislich ausgesprochen hoch, da
diese Flächen zum Teil aus großer Entfernung angeflogen werden und es zu großen An-
sammlungen zum Beispiel von Rot-, Schwarzmilanen oder Weißstörchen auf engstem Raum
kommen kann. Finden solche Ereignisse im näheren Umfeld von Windenergieanlagen statt,
ist in der Regel von einer signifikanten Erhöhung des Kollisionsrisikos während der Bewirt-
schaftung bzw. der damit verbundenen Anlockeffekte auszugehen, die es zu vermeiden gilt.
Durch die Abschaltung der WEA während und kurz nach den Bewirtschaftungsereignissen
wird eine wirksame Reduktion des Kollisionsrisikos erreicht. Da die erforderlichen Abschal-
tungen nur einen kurzen Zeitraum bei zugleich hoher Wirksamkeit umfassen, sind sie in der
Regel als verhältnismäßig anzusehen.
Da es innerhalb von Sachsen keine Verbreitungslücken von Rotmilanen gibt, durch die eine
Anlockung durch Bewirtschaftungsereignisse ausgeschlossen wäre, ist folgende Nebenbe-
stimmungen grundsätzlich als Schutzmaßnahme in den Genehmigungsbescheid aufzuneh-
men (siehe dazu Abbildung 4#):
Die Windkraftanlage/n ist/sind zu den Bewirtschaftungsereignissen Mahd, Ernte und Bodenbearbeitung im
Umkreis des Rotorradius zuzüglich eines Puffers von 200 m um die/die jeweilige Anlage auf Feldblöcken von
mehr als einem Hektar Größe und bei mehreren gleichzeitig bewirtschafteten kleineren Feldblöcken, deren

image
26
Größen aufsummiert über einem ha Gesamtfläche liegt, ganzjährig mit Beginn des Bewirtschaftungsereignisses
bis Sonnenuntergang und an den beiden Folgetagen von 30 Minuten vor Sonnenaufgang bis 30 Minuten nach
Sonnenuntergang abzuschalten.
Die Zulassungsbehörde ist innerhalb von 24 h nach Eingang der Ankündigung des Bewirtschaftungsereignisses
durch den Landwirt an den WEA-Betreiber vom WEA-Betreiber auf Zeitpunkt und Art des Bewirtschaftungser-
eignisses per Email und wenn möglich telefonisch zu unterrichten. Die Betriebs- und Abschaltzeiten sind über
die Betriebsdatenregistrierung der WEA zu erfassen, über das laufende Kalenderjahr aufzubewahren und ne-
ben einer tabellarischen Aufstellung zu den Bewirtschaftungsereignissen im beauflagten Umgriff um die WEA
der Genehmigungsbehörde spätestens bis zum 31.01. des Folgejahres unaufgefordert vorzulegen.
Zwingende Voraussetzung für die Maßnahmenwirksamkeit sind vertragliche Vereinbarungen
zwischen Betreiber der WEA und den Flächenbewirtschaftern im beauflagten Flächenum-
griff. Daher ist die Vorlage einer für die gesamte WEA-Betriebsdauer währenden vertragli-
chen Vereinbarung Genehmigungsvoraussetzung, in der sich der jeweilige Landwirt ver-
pflichtet, den WEA-Betreiber mindestens 24 Stunden vor Beginn der Mahd-, Bodenbearbei-
tungs- und Erntearbeiten zu unterrichten.
Abbildung 4#: Beispielskizze zur Abschaltung von WEA bei Bewirtschaftungsereignissen im Umkreis
Die Maßnahme ist umzusetzen, wenn die hellblau hinterlegten Feldblöcke bearbeitet werden. Diese befinden
sich entweder ganz oder teilweise im Umkreis zum Anlagenstandort, der sich aus dem Rotorradius zuzüglich
200 m bemisst, und sind größer als 1 ha. Die dunkelblau hinterlegten Feldblöcke sind kleiner als 1 ha und kön-
nen bei der Umsetzung der Maßnahme unberücksichtigt bleiben, sofern sie nicht als Einheit bewirtschaftet
werden. Bei Flächen ohne Farbgebung handelt es sich um Feldblöcke, die entweder nicht vom 300 m-Radius
geschnitten oder keiner landwirtschaftlichen Nutzung zugeordnet werden; Quelle: TLUG 2017, verändert.

27
Entwicklung von Ablenkflächen
Ablenkmaßnahmen zielen auf die Beeinflussung des Raumnutzungsverhaltens windkraft-
empfindlicher Vogelarten. In der Regel handelt es sich um die (Neu-) Gestaltung von attrak-
tiven Nahrungshabitaten oder bestimmten defizitären Habitatstrukturen außerhalb von
Windparks bzw. auf WEA-fernen Flächen. Lenkungs- oder Ablenkmaßnahmen richten sich
somit primär auf das "Weglocken" einer Art. Im Falle der windsensiblen Arten, die keine
deutlich erhöhte Kollisionsempfindlichkeit aufweisen, wird die betroffene Vogelart in ein
optimiertes (Brut)habitat gelockt, weil das ursprüngliche durch das WEA-Vorhaben entwer-
tet wird (z. B. Scheuchwirkung der WEA auf die betroffene Vogelart). Im Falle kollisionsemp-
findlicher Arten wird durch optimierte Nahrungshabitate in geeigneter Entfernung und Ört-
lichkeit erreicht, das Kollisionsrisiko in relevanter Weise zu senken. Die Beurteilung der Wirk-
samkeit der Maßnahme setzt Kenntnisse zur Raumnutzung (RNA, Telemetrie) der entspre-
chenden Vogelarten zwingend voraus.
Die Ablenkflächen sind zwingend außerhalb des Regelbereichs und in der Regel auch außer-
halb des Prüfbereichs anzulegen, um unerwünschte Anlockwirkungen in den Gefahrenbe-
reich zu vermeiden.
In den Vorhabensunterlagen sind die geplanten Ablenkmaßnahmen (örtlich und zeitlich) zu
konkretisieren und für den gesamten WEA-Betriebszeitraum in geeigneter Weise zu sichern
(ggf. Flächenkauf / dingliche Sicherung durch den WEA-Betreiber, anschließendes Durchfüh-
ren der Habitatstrukuren schaffenden Maßnahmen, Selbstverpflichtung zur Pflege oder
durch geeignete vertragliche Vereinbarungen mit dem Eigentümer und/oder Nutzer der ent-
sprechenden Flächen).
Ferner ist in den Vorhabensunterlagen eine Prognose zur Wirksamkeit der vorgeschlagenen
Ablenkungsmaßnahmen beizulegen. In dieser soll durch eine HPA folgender Zustände, näm-
lich Istzustand, Planzustand mit WEA ohne Ablenkung und Planzustand mit WEA mit Ablen-
kung, die Wirksamkeit der Maßnahmen für eine behördliche Überprüfung belegt werden.
Dabei ist insbesondere bei den kollisionsmindernden Ablenkmaßnahmen auf die Lage der
Ablenkflächen einzugehen, im Hinblick auf einen möglichen Tierfalleneffekt auf weiter weg
brütende Greifvögel, die durch die Maßnahme angelockt in den Windpark geraten könnten.
Beispiel für eine geeignete Ablenkmaßnahme für ein Brutpaar des Rotmilans sind im räumli-
chen Zusammenhang stehende Landwirtschaftsflächen (Grünland, Ackerfutter, Feldfrüchte)
mit einem zeitlich eng getakteten Nutzungsregime, bei dem im Brutzeitraum im möglichst
wöchentlichen Rhythmus Teilflächen von ca. 1 ha gemäht oder beackert werden.
Technische Systeme zur ereignisbezogenen, bedarfsgerechten Abschaltung
39
Der Einsatz technischer Systeme zur ereignisbezogenen, bedarfsgerechten Abschaltung bie-
tet perspektivisch eine weitere, vielversprechende Möglichkeit, um Vogelkollisionen zielge-
richtet und wirksam zu vermindern.
40
Sie basieren auf einer technikgestützten Vogelerken-
nung (Kamera- und/oder Radarsysteme) und bringen den Rotor im Falle der kritischen An-
näherung in "Trudelstellung". Für einen breiten Praxiseinsatz ist Voraussetzung, dass die
Anforderungen an die technische Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Systeme durch
39
Die Einordnung als Standardmaßnahme erfolgt im Vorgriff auf die zu erwartende Etablierung in der Praxis
40
Siehe Übersichten zu den verfügbaren Systemen in KNE (2019, 2020) und AMMERMANN et al. (2020); Aktuali-
sierungen der Synopsen zum Stand der Technik unter
https://www.naturschutz-
energiewende.de/fachwissen/veroeffentlichungen/synopse-detektionssysteme-zur-ereignisbezogenen-
abschaltung-von-windenergieanlagen-zum-schutz-von-tagaktiven-brutvoegeln/

 
28
Erprobungen belegt sind
41
und als fachlich anerkannt gelten. Bereits jetzt ist absehbar, dass
die Systeme geeignet sind, artenschutzrechtliche Konflikte zu reduzieren. Wie auch bei an-
deren Maßnahmen, sind technische Systeme jedoch nicht als Standardanwendung bei allen
Vorhaben vorzusehen, sondern es ist im Einzelfall zu entscheiden, welche Maßnahmen unter
Aufwands- und Nutzengesichtspunkten am effektivsten sind. Als generelle standortunab-
hängige Voraussetzung für den Einsatz eines Abschaltsystems als Vermeidungs- und Minde-
rungsmaßnahme in Sachsen wird die überdurchschnittliche Erfüllung der in der Checkliste
der KNE (2021, Anlage 7#) angesetzten Kriterien angesehen. Die Vermeidungswirksamkeit
des Systems muss dann noch durch eine GIS-gestützte Abschätzung auf der Grundlage vor-
handener Daten anhand der speziellen Randbedingungen des Einsatzortes (Einsehbarkeit,
Störwirkungen und Maskierungseffekte, Vogelaufkommen, etc.) überprüft werden.
6.2.3
Optionale Maßnahme: WEA Abschaltung zur Balz-, Brut- und/oder Zugzeit
Die Abschaltung von WEA zur Balz-, Brut- und/oder Zugzeit ist im Allgemeinen eine wirksame
Vermeidungs- bzw. Minderungsmaßnahme für die
Weihen- und Milan-Arten sowie den
Fischadler
, bei der jedoch vor allem in Abhängigkeit von der Anzahl der betroffenen Arten
die Grenzen der Verhältnismäßigkeit bzw. Zumutbarkeit regelmäßig zu berücksichtigen sein
werden.
Die Zeiträume mit Abschaltungen beginnen mit der Revierbesetzung/Balzzeit und enden,
wenn Alt- und Jungvögel das Revier verlassen. Sie erstrecken sich beim Rotmilan auf März
bis August bei den Weihen und dem Schwarzmilan auf April bis August und beim Fischadler
auf Ende März bis Anfang September.
Die Abschaltung erstreckt sich grundsätzlich von 30 Minuten vor Sonnenaufgang bis 30 Mi-
nuten nach Sonnenuntergang.
42
Die Abschaltzeiten während der Fortpflanzungs- und Zugzeit sind bedarfsgerecht entspre-
chend der in Anlage 6# aufgeführten Regeln auszugestalten.
Durch entsprechende Nebenbestimmung ist dem Betreiber jährlich die Möglichkeit einzu-
räumen, nach Überprüfung des Revierstatus durch einen ausgewiesenen Ornithologen, der
Zulassungsbehörde mitzuteilen, dass das Revier im betreffenden Jahr im genannten Zeit-
raum nicht besetzt ist und die Abschaltung vier Wochen nach Eingang der Mitteilung auszu-
setzen.
Das Abschalten zur
Zugzeit
umfasst potenziell die gesamte Zugzeit der betroffenen Arten
(Herbst- und Frühjahrszug), soweit aufgrund der zu erwartenden Flughöhe ein Kollisionsrisi-
ko zu erwarten ist und kann in Abhängigkeit vom vorkommenden Artenspektrum sowohl
tagsüber als auch nachts erforderlich sein. Hinweise zum Zugverhalten geben die Arten-
steckbriefe der WWW-Arbeitshilfen
43
. Artenschutzrechtlich von hervorgehobener Bedeu-
tung sind etwaige regional oder überregional bedeutsame Zugkonzentrationsgebiete (Zug-
vögel) sowie die Hauptflug- und Zugwege im Bereich regelmäßiger Rastgebiete (Rastvögel).
41
z.B. im Rahmen von Projekten der Naturschutzbegleitforschung siehe Reichenbach & Reers (2019), Achwa-
den & Liechti (202)
42
Die Umsetzung als Nebenbestimmungen im Genehmigungsbescheid würden dann bei tagaktiven Arten lau-
ten: Für die Art/en XY ist die WEA täglich von 30 Minuten vor Sonnenaufgang bis 30 Minuten nach Sonnenun-
tergang im Zeitraum AB abzuschalten.
43
https://www.natur.sachsen.de/artensteckbriefe-vogel-21444.html

 
29
Es kann beauflagt werden, dass Betreiber temporäre Abschaltungen auf Grundlage der In-
formationen über das aktuelle Zuggeschehen
44
vornehmen (siehe Anlage 6#).
Wenn sich die geplante WEA im
Nahbereich
(siehe Tabelle A1, Spalte 7#) des Horstes befin-
det, können Tötungsrisiken mit Betriebszeitenregelungen, ergänzt durch weitere Vermei-
dungs- und Minderungsmaßnahmen, im Allgemeinen nicht unter die Signifikanzschwelle
abgesenkt werden. Bei Unterschreitung des Horst-Nahbereichs sind die in Anlage 6# b) auf-
geführten Abschaltregeln anzuwenden. Zusätzlich ist das artenschutzrechtliche Ausnahme-
verfahren durchzuführen (Kapitel 7#).
Ist die Abschaltung nicht zumutbar, ist in der Regel ebenfalls das artenschutzrechtliche Aus-
nahmeverfahren durchzuführen.
Ausschließlich bei der Betroffenheit von kollisionsempfindlichen Arten mit punktuellem und
zugleich seltenem Verbreitungsmuster in hochwertigen Habitaten (Fischadler, Kornweihe,
Wiesenweihe) ist bis zum Vorliegen alternativer Maßnahmen zum Schutz vor einem signifi-
kant erhöhten Tötungsrisiko die
Reduzierung der WEA-Anzahl
als letzte Alternative zu prü-
fen.
6.3 Weitere Maßnahmen, die auch für nicht windkraftempfindliche Arten gelten
Eine Betroffenheit nicht windkraftempfindlicher Brutvogelarten kann in vielen Fällen durch
eine sorgfältige Standortwahl vermieden werden. Darüber hinaus kommen insbesondere im
Eingriffsbereich folgende Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen in Betracht (UM &
LUBW 2021):
Bauzeitbeschränkungen (Eingriffe außerhalb der Brutzeit durchführen).
Reduktion der temporären (z.B. für Baueinrichtungsflächen, Zuwegung, etc.) als auch
dauerhaften Flächeninanspruchnahme (z.B. Anlagenstandort, dauerhaft zu erhalten-
de Kranstell-flächen, Zuwegungen, Netzanschluss) auf ein Minimum.
Kleinräumige Verschiebungen des Eingriffsbereichs zur Schonung bekannter (Brut-)
Vorkommen (Berücksichtigung bereits auf Ebene der Vorhabenplanung), sofern da-
von auszugehen ist, dass die Vorkommen an bestimmte (dauerhafte) Strukturen ge-
bunden sind (z. B. Erhaltung eines Baumes mit Bruthöhlen, nicht jedoch eines Bu-
sches mit einem einzelnen Nest, das in den Folgejahren ohnehin nicht mehr genutzt
wird).
Vermeidung von Anlockeffekten (z.B. keine Schaffung von Nistmöglichkeiten durch
Lagerung von Baumaterialien lange vor dem Eingriff im Eingriffsbereich).
Stromableitung von den WEA über Erdkabel, um Leitungsanflüge auszuschließen.
ggf. dunklere Einfärbung der untersten 15 bis 20 Meter des Mastes, um mögliche Kol-
lisionen von Vögeln durch Anflüge an den Masten der WEA zu vermindern
Kann die Beschädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten nach § 44 Absatz 1 Nr. 3
BNatSchG auch durch Vermeidungsmaßnahmen nicht verhindert werden, so ist zu prüfen,
ob die ökologische Funktion betroffener Fortpflanzungs- und Ruhestätten im räumlichen
Zusammenhang gewährleistet ist oder dies durch
vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen
(CEF-
44
Das kann z.B. durch "Meldeketten" z.B. über den Kranichzug unter Beteiligung der Genehmigungsbehörde
erfolgen.

 
30
Maßnahmen) gewährleistet werden kann (§ 44 Abs. 5 BNatSchG). Wegen der großen Zahl
nicht windkraftempfindlicher Arten können die CEF- oder FCS-Maßnahmen an dieser Stelle
nicht artspezifisch und im Detail dargestellt werden. Grundsätzlich kommen Maßnahmen
aus den folgenden Gruppen infrage:
Schaffung bzw. Entwicklung natürlicher Ausweichhabitate durch (kleinräumigen) Nut-
zungsverzicht (Brachen), Erhaltung und Förderung von Sonderstrukturen (Hecken,
Brachstreifen, Sitzwarten, staunasse Senken)
Schaffung künstlicher Fortpflanzungsstätten (Nistkästen, Kunsthorste, Feldlerchen-
fenster etc.).
Beruhigung potenzieller Brut- und Nahrungshabitate durch Einrichten von Schutzzo-
nen und Nutzungsverzicht.
7
Ausnahmen
45
7.1 Vorbemerkungen
Bei der Zulassung von Windenergieanlagen können Konflikte mit den artenschutzrechtlichen
Zugriffsverboten auftreten. Insbesondere mit Blick auf windkraftempfindliche Vogelarten
muss das auf Art. 5 der Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG (VS-RL) zurückgehende Verlet-
zungs- und Tötungsverbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG für besonders und streng ge-
schützte Arten gewahrt bleiben. Zugleich besteht am Ausbau der Windenergie vor dem Hin-
tergrund der internationalen und nationalen Ziele und Verpflichtungen zum Klimaschutz ein
hohes öffentliches Interesse, dessen besondere Bedeutung auch bei der Abwägung mit den
Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu berücksichtigen ist (§ 1 Abs. 3 Nr. 4
BNatSchG).
Wenn ein Windenergievorhaben zu einer signifikanten Erhöhung des Tötungs- oder Verlet-
zungsrisikos (§ 44 Abs. 5 Nr. 1 BNatSchG) führen kann, ist es die vorrangige Aufgabe der An-
tragstellenden und der zuständigen Behörden, dass der Eintritt des Verletzungs- und Tö-
tungsverbotes durch geeignete, fachlich anerkannte Vermeidungs- und Minderungsmaß-
nahmen abgewendet wird.
Sollten diese nicht ausreichen, ist zu prüfen, inwiefern das Vorhaben gegebenenfalls durch
Erteilung einer artenschutzrechtlichen Ausnahme genehmigungsfähig ist. Mit der Ausnah-
mevorschrift des § 45 Abs. 7 BNatSchG steht ein rechtliches Instrument zur Verfügung, um
die Belange des Artenschutzes und der zügigen Schaffung und Sicherung einer klimaneutra-
len Energieversorgung zu einem sachgerechten Ausgleich zu bringen. Dies ist einzelfallbezo-
gen durch die zuständige Behörde zu klären.
46
Nach § 45 Abs. 7 BNatSchG sind Ausnahmen möglich, wenn ein Ausnahmegrund vorliegt,
zumutbare Alternativen nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand der Populationen
der betroffenen Art als solche in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet nicht verschlechtert.
Der Bedarf nach einer langfristig klimaverträglichen und vor allem gesicherten Energiever-
sorgung in Deutschland kann in bestimmten Einzelfällen die Erteilung von Ausnahmen insbe-
sondere nach § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 4 BNatSchG im Interesse der öffentlichen Sicherheit erlau-
45
Quelle: UMK (2020b) „Hinweise zu den rechtlichen und fachlichen Ausnahmevoraussetzungen nach § 45 Abs.
7 BNatSchG bei der Zulassung von Windenergievorhaben“
46
vgl. auch Gesetzesbegründung BT-Drs. 18/11939, S. 17.

 
31
ben. Das nach § 45 Abs. 7 S. 2 BNatSchG geforderte Fehlen von Alternativen für das betref-
fende Windenergievorhaben stellt durch das einschränkende Merkmal der Zumutbarkeit
und durch die faktische, vielfach auch bereits planerisch oder gesetzgeberisch festgelegte
Verringerung der prüffähigen Standortalternativen keine unbegrenzten Prüfungsanforde-
rungen. Der Ausschluss der Verschlechterung der Populationen der betroffenen Art kann
nach den insoweit schon vorliegenden Konkretisierungen durch die Rechtsprechung und die
EU-Kommission häufig bereits aufgrund von Prognosen von Auswirkungen auf die lokale
Population geklärt werden. Kompensatorische Maßnahmen und Artenschutzprogramme,
deren Durchführung und Wirksamkeit dauerhaft gesichert ist, bieten zusätzlich Gestaltungs-
spielräume. Sie können im Einzelfall eine Verschlechterung der Gesamtpopulation in ihrem
Verbreitungsgebiet vermeiden und damit die Ausnahmeerteilung ermöglichen, wenn keine
Maßnahmen zur Vermeidung einer signifikanten Beeinträchtigung zur Verfügung stehen, mit
denen bereits eine Verletzung der Verbotstatbestände des § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG aus-
geschlossen werden könnte.
Die zuständige Behörde hat ihr Ermessen dahin auszuüben, eine Ausnahme bei Vorliegen der
o.g. Voraussetzungen zu erteilen, sofern nicht atypische Rahmenbedingungen des Einzelfalls
den dargestellten grundlegenden Wertungen entgegenstehen.
7.2
Ausnahmegründe
Ausnahmen bei der Zulassung von Windenergieanlagen (WEA) werden teilweise auf
§ 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 5 BNatSchG (andere zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen
Interesses einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art) gestützt.
47
Dies lässt sich
auch unter Berücksichtigung des europäischen Primär- und Sekundärrechts rechtfertigen
(dazu Kapitel 7.2.1#). Darüber hinaus kommt jedenfalls eine Ausnahmeerteilung nach § 45
Abs. 7 S. 1 Nr. 4 BNatSchG (Interesse der öffentlichen Sicherheit) in Betracht (dazu Kapitel
7.2.2#). Auf weitere denkbare Ausnahmegründe wie die maßgeblich günstigen Auswirkun-
gen auf die Umwelt oder den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt wird im Folgenden nicht nä-
her eingegangen. Keine Auseinandersetzung erfolgt auch mit dem im Einzelfall, zum Beispiel
zur Erprobung von Vogelerkennungssystemen, durchaus in Betracht kommenden Ausnah-
megrund nach § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 3 BNatSchG (Forschung). Liegt ein unter § 45 Abs. 7 S. 1
Nr. 4 oder Nr. 5 BNatSchG fallendes öffentliches Interesse an der Vorhabenverwirklichung
vor, ist grundsätzlich in einer einzelfallbezogenen Abwägungsentscheidung zu ermitteln, ob
dieses die konkreten artenschutzrechtlichen Beeinträchtigungen überwiegt.
48
Insoweit ist
jedoch zu berücksichtigen, dass eine Ausnahmeerteilung nur dann zulässig ist, wenn die zu-
gelassenen Beeinträchtigungen den Erhaltungszustand der Populationen der betroffenen Art
in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet nicht verschlechtern (dazu Kapitel 7.4.#) und dass
der Katalog der Ausnahmegründe bereits eine strenge Vorauswahl überhaupt hinreichend
schwerwiegender öffentlicher Interessen enthält.
47
Vgl. zum Beispiel den bayerischen Windenergieerlass (BayWEE) vom 19.07.2016, Allgemeines Ministerial-
blatt v. 31.08.2016, S. 1642 (1659), oder den niedersächsischen Windenergieerlass, Niedersächsisches Mi-
nisterialblatt v. 24.02.2016, S. 190 (202).
48
Lütkes
in: Lütkes & Ewer (2018) Rn. 40, 45

 
32
7.2.1
Zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses
Auch wenn allgemeine Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses nicht in den Aus-
nahmetatbeständen des Art. 9 Abs. 1 VS-RL erwähnt sind (vgl. hierzu das Urteil des EuGH zu
Polen vom 26.01.2012
49
), kann auch bei europäischen Vogelarten der entsprechende Aus-
nahmegrund nach § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 5 BNatSchG herangezogen werden. § 45 Abs. 7 S. 1 Nr.
5 BNatSchG ist selbst im Anwendungsbereich der Vogelschutzrichtlinie europarechtskon-
form, denn Art. 9 VS-RL ist im Lichte des primärrechtlich verankerten Grundsatzes der Ver-
hältnismäßigkeit auszulegen, der es verbietet, bedeutende Infrastrukturvorhaben scheitern
zu lassen, für die – zwingende – Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses strei-
ten.
50
Dies gilt zumindest in Fällen, in denen alle Möglichkeiten zur Vermeidung und zum
Ausgleich von Beeinträchtigungen ausgeschöpft wurden.
Daraus, dass im Rahmen der Kodifizierung der VS-RL im Jahr 2009 die Ausnahmevorschrift
des Art. 9 VS-RL unverändert beibehalten wurde, ist nicht zu schließen, dass die daran betei-
ligten EU-Organe eine Harmonisierung mit den Ausnahmetatbeständen der FFH-RL gerade
nicht gewollt haben,
51
denn ein Kodifizierungsverfahren zielt stets und von vornherein ledig-
lich darauf ab, „die zu kodifizierenden Rechtsakte aufzuheben und durch einen einzigen
Rechtsakt zu ersetzen, der keine inhaltliche Änderung der betreffenden Rechtsakte be-
wirkt“
52
.
Somit kann die Ausnahmeerteilung bei der Zulassung von WEA nach wie vor auf den Aus-
nahmegrund in § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 5 BNatSchG gestützt werden. Der EuGH
53
hat zudem be-
reits entschieden, dass die Förderung Erneuerbarer Energien im übergeordneten öffentli-
chen Interesse liegen kann. Auch handelt es sich bei dem Ziel, die Stromversorgungssicher-
heit in einem Mitgliedstaat jederzeit zu gewährleisten, um einen zwingenden Grund des
überwiegenden öffentlichen Interesses.
54
Angesichts des o.g. EuGH-Urteils vom 26.01.2012
(siehe Fn. 55#) erscheint es jedoch sinnvoll, eine Zulassung von WEA zusätzlich auf den Aus-
nahmegrund nach § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 4 BNatSchG (Interesse der öffentlichen Sicherheit,
s.u.), einen Spezialfall eines zwingenden Grundes des öffentlichen Interesses, zu stützen.
7.2.2
Interesse der öffentlichen Sicherheit
Im Fall der Zulassung von WEA kommt insbesondere, aber nicht ausschließlich, eine Aus-
nahmeerteilung im Interesse der öffentlichen Sicherheit nach § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 4 BNatSchG
in Betracht. Dieser Ausnahmegrund entspricht Art. 9 Abs. 1 lit. a, 1. Spiegelstrich VS-RL. Das
Bundesverwaltungsgericht (BVerwG)
55
hat für Verkehrsinfrastrukturprojekte bereits den
49
C-192/11, nicht amtliche deutsche Übersetzung in NuR 2013, 718-722.
50
BayVGH, Urt. v. 19.02.2014 – 8 A 11.40040 u.a. –, juris Rn. 849. Siehe auch
Müller-Mitschke
, NuR 2015, 741
(744);
Gellermann,
in: Schrödter, BauGB, 9. Aufl. 2019, § 1a Rn. 219;
Gellermann,
in: Landmann/Rohmer,
Umweltrecht, 91. EL September 2019, BNatSchG, § 45 Rn. 24; VG Münster, Urt. v. 12.07.2018 – 10 K
4940/16 –, juris Rn. 68 ff;
Schütte/Gerbig,
in: GK-BNatSchG, 2. Aufl. 2017, § 45 BNatSchG Rn. 32 m. w. N.
51
So aber VG Gießen, Urt. v. 22.01.2020 – 1 K 6019/18.GI –, juris Rn. 109. S. dazu die Anmerkung von
Geller-
mann,
NuR 2020, 178-181.
52
Absatz 1 der Interinstitutionellen Vereinbarung vom 20. Dezember 1994 über ein beschleunigtes Arbeits-
verfahren für die amtliche Kodifizierung von Rechtstexten. S. dazu auch
Gellermann,
NuR 2020, 178 (180).
53
Urt. v. 04.05.2016 – C-346/14 –, juris Rn. 71 ff. zur Wasserrahmenrichtlinie.
54
EuGH, Urt. v. 29.07.2019 – C-411/17 –, juris Rn. 155, 157 zu Art. 6 Abs. 4 UAbs. 1 der Habitatrichtlinie.
55
Urteile v. 16.03.2006 – 4 A 1075/04 –, Rn. 566; 4 A 1073.04 –, juris Rn. 573 zum Verkehrsflughafen Berlin-
Schönefeld und Urt. v. 09.07.2008 – 9 A 14/07, juris Rn. 124 ff. zur Nordumfahrung von Bad Oeynhausen.

33
Ausnahmegrund nach § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 4 BNatSchG als erfüllt angesehen. Ein zumindest
gleichrangiges Interesse der öffentlichen Sicherheit (s.u.) besteht auch für die Sicherung der
Energieversorgung, die eine weitere unabdingbare Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit
des Staates darstellt. Dies gilt auch für Vorhaben privater Träger.
56
Als zentraler Baustein
eines klimaneutralen, inzwischen planerisch und gesetzgeberisch gesicherten Energieversor-
gungskonzepts der Zukunft in Deutschland liegt der Ausbau der Windenergieerzeugung da-
her im Interesse der öffentlichen Sicherheit.
Begriff der öffentlichen Sicherheit
Der Begriff der „öffentlichen Sicherheit“ im Sinne des § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 4 BNatSchG um-
fasst nicht nur „die Belange im Zusammenhang mit der Existenzsicherung des Staates, der
Bekämpfung von Gewaltanwendung im Inneren oder von außen sowie der Abwehr unmit-
telbarer oder absehbarer Gefahren für grundlegende gesellschaftliche Interessen“.
57
Nach
obergerichtlicher Rechtsprechung
58
ist der Begriff der öffentlichen Sicherheit vielmehr deut-
lich weiter auszulegen. Er erfasst „neben dem Schutz der zentralen Rechtsgüter Leben, Ge-
sundheit, Freiheit, Eigentum und Vermögen des Einzelnen auch den Schutz von Einrichtun-
gen des Staates oder […] von sonstigen durch Private betriebenen, dem öffentlichen Interes-
se dienenden Einrichtungen und kollektive Schutzgüter und ist außer auf bereits vorhandene
Einrichtungen auch auf solche, die sich noch in der Planung befinden, zu erstrecken“.
59
Der EuGH
60
hat zur Auslegung des Begriffs der öffentlichen Sicherheit entschieden, dass
Energiequellen in der modernen Wirtschaft „wesentlich sind für die Existenz eines Staates,
da nicht nur das Funktionieren seiner Wirtschaft, sondern vor allem auch das seiner Einrich-
tungen und seiner wichtigen öffentlichen Dienste und selbst das Überleben seiner Bevölke-
rung von ihnen abhängen.“ Die Unterbrechung der Energieversorgung kann somit die öffent-
liche Sicherheit schwer beeinträchtigen. Die öffentliche Sicherheit sah der EuGH
61
auch im
Fall von Privatunternehmen als betroffen an, die in den Bereichen der öffentlichen Energie-
versorgung mit Elektrizität tätig sind und damit im Hoheitsgebiet des fraglichen Mitglied-
staats Gemeinwohldienstleistungen erbringen.
62
Die öffentliche Sicherheit kann geltend ge-
macht werden, wenn eine tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung vorliegt, die ein
Grundinteresse der Gesellschaft berührt.
63
Dass die Sicherheit der Energieversorgung „ein
56
Vgl. auch BT-Drs. 18/11939, S. 17.
57
So aber VG Sigmaringen, Urt. v. 02.04.2019 – 3 K 74/17 –, juris Rn. 18. Das VG Gießen, Urt. v. 22.01.2020 –
1 K 6019/18.GI –, juris Rn. 119 ff. legt den Begriff der öffentlichen Sicherheit ebenfalls eng aus und ver-
weist dazu auf
Lau
, in: Frenz/Müggenborg, 2. Aufl. 2016, § 45 Rn. 17, zitiert aber unvollständig: Der Begriff
umfasst selbst bei enger Auslegung nicht nur die Existenzsicherung des Staates und die Bekämpfung von
Gewaltanwendungen im Inneren oder von außen, sondern auch die Abwehr unmittelbarer oder absehba-
rer Gefahren für grundlegende gesellschaftliche Interessen.
58
OVG RP, Urt. v. 06.11.2019 – 8 C 10240/18 –, juris Rn. 280; OVG NRW, Urt. v. 29.03.2017 – 11 D 70/09.AK –
, juris Rn. 949; BayVGH, Urt. v. 19.02.2014 – 8 A 11.40040 u.a. –, juris Rn. 849.
59
HessVGH, Urt. v. 21.08.2009 – 11 C 318/08.T –, juris Rn. 771.
60
Urt. v. 10.07.1984 – Rs. 72/83 –, Rn. 34 zu Erdölerzeugnissen. S. zu diesem Urteil, zur Übertragbarkeit auf
die Stromversorgung und zum Begriff der öffentlichen Sicherheit ausführlich
Lau,
NVwZ 2017, 830 (834 f.).
A. A.
Gellermann,
NuR 2020, 178 (180).
61
Urt. v. 04.06.2002 – C-503/99 –, juris Rn. 46.
62
EuGH, Urt. v. 08.11.2012 – C-244/11 –, juris Rn. 65 m. w. N.
63
EuGH, Urt. v. 04.06.2002 – C-503/99 –, juris Rn. 47; EuGH, Urt. v. Urt. v. 08.11.2012 – C-244/11 –, juris
Rn. 67 m. w. N. Vgl. auch EuGH, Urt. v. 29.07.2019 – C-411/17 –, juris Rn. 158 f. zu Art. 6 Abs. 4 UAbs. 1 der
Habitatrichtlinie.

34
Kernelement der öffentlichen Sicherheit“ ist, ergibt sich auch aus Erwägungsgrund 25 der
Richtlinie 2009/72/EG
64
.
Diese Erwägungen zur Sicherung der Energieversorgung gelten vor dem Hintergrund der
Klimaziele sowohl der EU als auch der Bundesrepublik Deutschland verbunden mit den Ent-
scheidungen zum Ausstieg aus der Atomkraft sowie schrittweise bis 2038 aus der Kohlever-
stromung insbesondere bei der Zulassung von WEA. Auch hier kann dargelegt werden, dass
eine tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung droht, die ein Grundinteresse der
Gesellschaft berührt, wenn eine ausreichende, sichere und umweltschonende Energiever-
sorgung anderenfalls nicht sichergestellt werden könnte.
Windenergieausbau als Belang der öffentlichen Sicherheit
Die Errichtung von Windenergieanlagen ist vor dem Hintergrund der Bedeutung des Ausbaus
der Erneuerbaren Energien als Maßnahme des Klimaschutzes und zur Sicherstellung der
Energieversorgung ein Belang der öffentlichen Sicherheit, der in der Einzelfallabwägung bei
Vorliegen der übrigen Ausnahmevoraussetzungen, insbesondere der erforderlichen Neutrali-
tät der Auswirkungen des Vorhabens für den Erhaltungszustand der Gesamtpopulationen
(dazu Kapitel 7.4#), die artenschutzrechtlichen Belange in bestimmten Fällen überwiegen
kann.
Die Bundesrepublik Deutschland hat sich in Übereinstimmung mit und zur Umsetzung von
Völker- und Unionsrecht zur Reduktion von Kohlenstoffdioxid-Emissionen verpflichtet. Die zu
diesem Zwecke auf Bundes- und Landesebene bereits vorgenommenen, rechtsverbindlichen
gesetzgeberischen und planerischen Festlegungen sehen vor, dass die Windenergie einen
maßgeblichen, wenn nicht den tragenden Teil, einer auf erneuerbaren Technologien basier-
ten Energieversorgung stellen wird (§ 3 Nr. 21 lit. b EEG). Vor dem Hintergrund der für die
Planung und Verwirklichung dieser Energiewende erforderlichen Investitionen und zeitlichen
Vorläufe hängt die Sicherheit der Energieversorgung insgesamt daher auch untrennbar da-
mit zusammen, ob die Schaffung ausreichender Kapazitäten im Windenergiesektor gelingt.
Aufgrund der technisch bedingten Erforderlichkeit einer großen Zahl von Anlagen kann die
Erteilung einer Ausnahme vor diesem Hintergrund nicht mit dem Hinweis abgelehnt werden,
die Errichtung einer einzelnen WEA oder eines einzelnen Windparks sei nicht im Interesse
der öffentlichen Sicherheit.
Die Notwendigkeit des Ausbaus der Erneuerbaren Energien, insbesondere der Windenergie,
lässt sich auf allen Ebenen der Normhierarchie ablesen:
Völker- und Europarecht
Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung zur Umsetzung des Klimaschutz-
plans 2050, Bundesgesetze, zum Beispiel KAG, KSG, AtG, EEG
Landesgesetze, z.B. Klimaschutzgesetze mit konkreten THG-Minderungszielen
Landesweite Raumordnungspläne
Regionalpläne
64
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13.07.2009 über gemeinsame Vorschriften für
den Elektrizitätsbinnenmarkt und zur Aufhebung der Richtlinie 2003/54/EG ABl. L 211 v. 14.08.2009, S. 55-
93.

35
Flächennutzungspläne
Erlasse der Landesministerien
Aus dem Völkerrecht ist insbesondere das Protokoll von Kyoto vom 11.12.1997 zum Rah-
menübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (Kyoto-Protokoll) mit
dem deutschen Zustimmungsgesetz vom 27.04.2002
65
zu beachten. Darin haben die Ver-
tragsparteien die Erfüllung quantifizierter Emissionsbegrenzungs- und -reduktions-
verpflichtungen vereinbart.
Unionsrechtlich ergibt sich die Bedeutung der Windenergienutzung für die öffentliche Si-
cherheit aus Erwägungsgrund 1 der Richtlinie 2009/28/EG
66
: Die vermehrte Nutzung von
Energie aus erneuerbaren Energiequellen ist hiernach ein wesentliches Element des Maß-
nahmenbündels, das zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und zur Einhaltung des
Protokolls von Kyoto sowie weiterer gemeinschaftlicher und internationaler Verpflichtungen
zur Senkung der Treibhausgasemissionen benötigt wird und „eine wichtige Rolle bei der
Stärkung der Energieversorgungssicherheit“ spielt. Auch in der Richtlinie (EU) 2018/2001
67
ist in Erwägungsgrund 65 erwähnt, dass die Erneuerbaren Energien eine bessere lokale Ener-
gieversorgungssicherheit ermöglichen.
Relevante bundesgesetzliche Festlegungen ergeben sich sowohl aus dem KSG. Nach § 3 Abs.
1 KSG werden die Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 bis 2030 um mindes-
tens 55 Prozent gemindert. Die jährlichen Minderungsziele für die einzelnen Sektoren (Jah-
resemissionsmengen) sind in § 4 KSG i.V.m. den Anlagen 1 und 2 des Gesetzes festgelegt. Als
auch das EEG sieht in § 1 Abs. 2 und 3 als Ziel die Steigerung des Anteils des aus Erneuerba-
ren Energien erzeugten Stroms am Bruttostromverbrauch bis 2025, 2035 und 2050 vor.
Der Energiebedarf kann mit Blick auf den beschlossenen Atomausstieg (§ 7 Abs. 1a AtG) auch
nicht durch Kernkraft gedeckt werden.
68
Im Fall der Reduzierung der Stromproduktion aus
WEA bleiben daher eben nicht ohne weiteres „ausreichend Möglichkeiten, diese Strommen-
ge durch eine andere Energiegewinnung auszugleichen“.
69
Es handelt sich nicht nur um „kli-
mapolitische Zielsetzungen eines Mitgliedstaats“, sondern in nach demokratischer Willens-
bildung durch ein nationales Parlament beschlossenen Gesetzen und weiteren Rechtsakten
verankerte verbindliche Vorgaben, die vielfach insbesondere auf der Ebene der Regionalpla-
nung konkretisiert werden und im Rahmen der Ausnahmeerteilung zu berücksichtigen sind.
Ebenso wenig wie die „Systemalternative“ des Wiedereinstiegs Deutschlands in die Gewin-
nung von Atomstrom möglich ist, kann auf eine weitere, klimapolitisch unverantwortbare
Verzögerung des Kohleausstiegs verwiesen werden (§ 1 Abs. 2 KAG).
Ein Zusammenhang von Klima- und Naturschutz wird in § 1 Abs. 3 Nr. 4 BNatSchG deutlich:
Danach ist das Klima auch durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege
65
BGBl. II, S. 966.
66
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23.04.2009 zur Förderung der Nutzung von
Energie aus erneuerbaren Quellen und zur Änderung und anschließenden Aufhebung der Richtlinien
2001/77/EG und 2003/30/EG, ABl. L 140 v. 05.06.2009, S. 16-62.
67
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11.12.2018 zur Förderung der Nutzung von
Energie aus erneuerbaren Quellen (Neufassung), ABl. L 328 v. 21.12.2018, S. 82-2019.
68
Zur Verfassungskonformität der Vorschrift siehe BVerfG, Urt. v. 06.12.2016 – 1 BvR 2821/11 u.a. – juris =
BVerfGE 143, 246-396.
69
So aber VG Gießen, Urt. v. 22.01.2020 – 1 K 6019/18.GI –, juris Rn. 125.

36
zu schützen und kommt dem Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung insbesondere
durch zunehmende Nutzung Erneuerbarer Energien eine besondere Bedeutung zu.
70
Das für die Sicherstellung der künftigen Gesamtenergieversorgung in Deutschland relevante
öffentliche Interesse am Windenergieausbau manifestiert sich besonders deutlich in Rege-
lungen, die eine Gesamtleistung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt oder eine jährlich zu
erbringende Leistung festlegen:
Im Koalitionsvertrag zur siebten Legislaturperiode des Sächsischen Landtages wird ausge-
führt, dass sich das EKP an einem zusätzlichen Ausbau von 10 Terrawattstunden (TWh) Jah-
reserzeugung aus Erneuerbaren Energien bis 2030 orientieren soll und dass sich die Staats-
regierung bis 2024 an einem Zubau-Zwischenziel von 4 TWh, von dem der Hauptteil durch
Windenergie sein soll, orientieren will.
71
Der sächsische Landesentwicklungsplan
72
nimmt in einer Zielfestlegung darauf mit einer dy-
namischen Verweisung Bezug (Z 5.1.3: „In den Regionalplänen sind die räumlichen Voraus-
setzungen zum Erreichen des für die Nutzung der Windenergie geltenden Zieles der Sächsi-
schen Staatsregierung in der jeweils geltenden Fassung entsprechend dem Flächenanteil der
jeweiligen Planungsregion an der Gesamtfläche des Freistaates Sachsen (regionaler Mindes-
tenergieertrag) zu sichern.“).
Auch in anderen Bundesländern werden Ausbauziele für Erneuerbare Energien in Plänen,
Zielkonzepten und Gesetzen formuliert.
73
Schließlich zeigt sich die Relevanz des Windenergieausbaus für die öffentliche Sicherheit
auch in den bundesgesetzlichen Regelungen zur Bauleitplanung. Im Rahmen der Abwägung
bei Aufstellung von Bauleitplänen wie dem Flächennutzungsplan, sind den Erfordernissen
des Klimaschutzes durch Maßnahmen, die dem Klimawandel entgegenwirken, Rechnung zu
tragen, § 1 a Abs. 5 i.V.m. § 1 Abs. 7 BauGB. Ferner sind nach § 35 Abs. 1 Nr. 5 BauBG Vorha-
ben zur Erforschung, Entwicklung und Nutzung von Windenergie im Außenbereich privile-
giert, d.h. grundsätzlich zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen und die
ausreichende Erschließung gesichert ist. Diese gesetzgeberische Entscheidung belegt, dass
jedes einzelne Vorhaben zum Gelingen der Energiewende beitragen kann.
Auch die Rechtsprechung des BVerwG, wonach der Windenergienutzung substanziell Raum
verschafft werden muss
74
, belegt die Bedeutung der Windenergie für die Sicherung der
Energieversorgung.
Dies ist im Rahmen der einzelfallbezogenen Abwägungsentscheidung, ob das unter § 45
Abs. 7 S. 1 Nr. 4 (oder Nr. 5) BNatSchG fallende öffentliches Interesse an der Vorhabenver-
wirklichung gegenüber den konkreten artenschutzrechtlichen Beeinträchtigungen über-
wiegt, zu berücksichtigen.
70
S. dazu auch die Artenschutzrechtliche Arbeits- und Beurteilungshilfe für die Errichtung und den Betrieb
von Windenergieanlagen (AAB-WEA) des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Teil Vögel, Stand:
01.08.2016, S. 8, abrufbar unter
https://www.lung.mv-regierung.de/dateien/aab_wea_
voegel.pdf.
71
KoalV, S. 38 siehe
https://www.staatsregierung.sachsen.de/download/Koalitionsvertrag_2019-2024-2.pdf
72
S. 146, abrufbar unter
https://www.landesentwicklung.sachsen.de/31381.htm.
73
Z.B. Gesetz zur Energiewende und zum Klimaschutz in Schleswig-Holstein (EWKG), Klimaschutzgesetz Baden-
Württemberg (KSG BW), Dritte Landesverordnung zur Änderung der Landesverordnung über das Landesent-
wicklungsprogramm Rheinland-Pfalz, Dritte Verordnung zur Änderung der Verordnung über den Landesent-
wicklungsplan Hessen 2000, Verordnung über das Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen (LROP-VO)
74
BVerwG, Urt. v. 17.12.2002 – 4 C 15/01, juris, Rn. 29

 
37
7.3
Keine zumutbaren Alternativen
Nach § 45 Abs. 7 S. 2 BNatSchG darf eine Ausnahme nur zugelassen werden, wenn zumutba-
re Alternativen nicht gegeben sind. Für diese artenschutzrechtliche Alternativenprüfung gel-
ten im Ansatz vergleichbare Grundsätze wie für diejenige im Rahmen der gebietsschutz-
rechtlichen Beurteilung nach § 34 Abs. 3 Nr. 2 BNatSchG.
75
Wie die gebietsschutzrechtliche
ist die artenschutzrechtliche Alternativenprüfung in vollem Umfang gerichtlich überprüf-
bar.
76
Ausgangspunkt der Alternativenprüfung ist dabei das mit dem Vorhaben verfolgte Ziel, so-
fern es die Voraussetzungen eines Ausnahmegrundes erfüllt (dazu Kapitel 7.2#). Eine Alter-
nativlösung setzt voraus, dass die zulässigerweise verfolgten Planungsziele trotz hinnehmba-
rer Abstriche auch mit ihr erreicht werden können.
77
Die Null-Variante, d.h. der Verzicht auf
das Vorhaben, kommt daher als zumutbare Alternative von vornherein nicht in Betracht.
78
Gleiches gilt für eine Umgestaltung des Vorhabens, die auf ein anderes Projekt hinausläuft,
weil die vom Vorhabenträger in zulässiger Weise verfolgten Ziele nicht mehr verwirklicht
werden könnten.
79
Daher scheidet auch der Verweis auf andere Systemvarianten wie die
Nutzung der Atomenergie und Kohleverstromung oder einen vermehrten Einkauf von Ener-
gie aus anderen Ländern als zumutbare Alternative aus.
80
Durch das zusätzliche Kriterium der Zumutbarkeit wird dem unions- und verfassungsrechtli-
chen Verhältnismäßigkeitsprinzip Rechnung getragen.
81
So darf das dem Vorhabenträger
zugemutete Maß an Vermeidungsanstrengungen nicht außerhalb jedes vernünftigen Ver-
hältnisses zu dem damit erzielbaren Gewinn für die betroffenen Schutzgüter stehen.
82
Ein
Vorhabenträger braucht sich auf eine Alternativlösung nicht verweisen zu lassen, wenn sich
die artenschutzrechtlichen Schutzvorschriften am Alternativstandort als ebenso wirksame
Zulassungssperre erweisen wie an dem von ihm gewählten Standort. Wenn die artenschutz-
rechtlichen Probleme am Alternativstandort allerdings kleiner sind, kommt diese Alternative
durchaus in Betracht. Außerdem darf eine Alternativlösung auch verworfen werden, wenn
sie sich aus naturschutzexternen Gründen als unverhältnismäßiges Mittel erweist.
83
Ferner
muss es dem Vorhabenträger bzw. demjenigen, dessen Interesse die Ausnahme dienen wür-
75
BVerwG, Urt. v. 23.04.2014 – 9 A 25/12 –, juris Rn. 120 = BVerwGE 149, 289-315; HessVGH, Urt. v.
21.08.2009 – 11 C 318/08.T –, juris Rn. 692;
Schütte/Gerbig,
in: GK-BNatSchG, 2. Aufl. 2017, § 45 BNatSchG
Rn. 37.
76
BVerwG, Urt. v. 09.06.2010 – 9 A 20/08 –, juris Rn. 57; BVerwG, Beschl. v. 13.03.2008 – 9 VR 9/07 –, juris
Rn. 50;
Schütte/Gerbig,
in: GK-BNatSchG, 2. Aufl. 2017, § 45 BNatSchG Rn. 37.
77
BVerwG, Beschl. v. 01.04.2009 – 4 B 62.08 –, juris Rn. 45 (zum Habitatschutz);
Grothe/Frey,
NuR 2016, 316
(320)
78
BVerwG, Urt. v. 17.01.2007 – 9 A 20/05 –, juris Rn. 142 (zum Habitatschutz) = BVerwGE 128, 1-76;
Lau,
in:
Frenz/Müggenborg, BNatSchG, 2. Aufl. 2016, § 45 Rn. 21;
Grothe/Frey,
NuR 2016, 316 (320); a. A.
Müller-
Walter,
BNatSchG, 3. Aufl. 2013, § 45 Rn. 16.
79
BVerwG, Urt. v. 17.01.2007 – 9 A 20/05 –, juris Rn. 143 (zum Habitatschutz) = BVerwGE 128, 1-76;
Lau,
in:
Frenz/Müggenborg, BNatSchG, 2. Aufl. 2016, § 45 Rn. 21;
Müller-Walter,
BNatSchG, 3. Aufl. 2013, § 45 Rn.
16.
80
HMUKLV (2021),
81
Schütte/Gerbig,
in: GK-BNatSchG, 2. Aufl. 2017, § 45 BNatSchG Rn. 41.
82
BVerwG, Urt. v. 12.03.2008 – 9 A 3/06 –, juris Rn. 172 (zum Habitatschutz) = BVerwGE 130, 299-383.
83
BVerwG, Urt. v. 23.04.2014 – 9 A 25/12 –, juris Rn. 120 = BVerwGE 149, 289-315 m. w. N.

 
38
de,
84
möglich sein, die einen Alternativstandort bietende Fläche zumindest zu pachten oder
sich aneignen zu können, sie muss für ihn also rechtlich und tatsächlich verfügbar sein.
85
Planungsalternativen müssen dabei grundsätzlich nicht erschöpfend, sondern nur so weitge-
hend ausgearbeitet und untersucht werden, dass sich einschätzen lässt, ob sie für die be-
sonders, ggf. auch streng geschützten Arten ein erhebliches Beeinträchtigungspotenzial ber-
gen. Vergleichbar der durch das planungsrechtliche Abwägungsgebot geforderten allgemei-
nen Alternativenprüfung wird zur Beurteilung dieser Fragestellung häufig eine bloße Groba-
nalyse, das heißt ohne Anwendung der in Anlage 6# und Kapitel 5.1.1.2/3# (HPA, RNA) dar-
gestellten Methoden, ausreichen. Selbst in Fällen, in denen sich eine genauere Untersu-
chung als notwendig erweist, lässt sich das Vorhandensein eines erheblichen Gefährdungs-
potenzials jedenfalls einschätzen, ohne die betreffenden Alternativen einschließlich mögli-
cher Vermeidungsmaßnahmen bis zur Planreife auszuarbeiten.
86
Als zu prüfende Alternativen können im Einzelfall in Betracht kommen:
1. Standortalternativen (dazu Kapitel 7.3.1#) und
2. Ausführungsalternativen, insbesondere technische Alternativen (dazu Kapitel 7.3.2#).
7.3.1
Standortalternativen
Eine (zumutbare) Standortalternative ist vorzugswürdig, wenn sie aus naturschutzfachlicher
Sicht weniger einschneidend ist, beispielsweise weil an einem Alternativstandort keine be-
sonders (und ggf. streng) geschützten Arten betroffen sind.
87
Da Ausgangspunkt für die Prüfungen der durch den Betreiber zwar der gewünschte Standort
ist, im Landkreise aber die verschiedenen Belange in der Genehmigung von Windenergiean-
lagen gebündelt sind, ist für Sachsen die Alternativprüfung (nach § 45 Abs. 7 BNatSchG) auf
das Gebiet des jeweiligen Landkreises zu erstrecken. Die Prüfung von Standortalternativen
kann im Einzelfall aufgrund planerischer Vorentscheidungen oder spezieller gesetzlicher Re-
gelungen jedoch stark eingeschränkt sein.
Dies gilt insbesondere, wenn in Regionalplänen Eignungsgebiete für Windenergie ausgewie-
sen werden, die nach § 7 Abs. 3 Nr. 3 ROG für diese Maßnahmen oder Nutzungen an anderer
Stelle im Planungsraum Ausschlusswirkung entfalten (dazu siehe Abschnitt A) oder Vorrang-
gebiete (ohne Ausschlusswirkung) in Regionalplänen durch geeignete naturschutzfachliche
Pläne der Landesbehörden ergänzt werden. Auch die Ausweisung durch Darstellungen in
Flächennutzungsplänen wirkt sich in diesem Zusammenhang aus (dazu siehe Abschnitt B).
Gibt es keine räumliche Windenergieplanung, hat die zuständige Behörde die Standortalter-
nativen im Einzelfall zu prüfen (dazu siehe Abschnitt C).
Die tatsächliche Verfügbarkeit potentiell geeigneter Standortalternativen ist daher i.d.R. so
weitgehend eingeschränkt, dass nur noch kleinräumige Standortverschiebungen innerhalb
des geplanten Vorrang- und Eignungsgebiets in Frage kommen. Dies gilt auch dann, wenn ein
84
S. dazu, dass die Alternativenprüfung nicht durch vertraglich vereinbarte Auftragsverhältnisse ausgehebelt
werden darf, OVG Berlin-Brandenburg, Beschl. v. 26.02.2015 – OVG 11 S 3.15 –, juris Rn. 19.
85
Grothe/Frey,
NuR 2016, 316 (320).
86
Vgl. BVerwG, Urt. v. 12.03.2008 – 9 A 3/06 –, juris Rn. 172 (zum Habitatschutz) = BVerwGE 130, 299-383;
Schütte/Gerbig,
in: GK-BNatSchG, 2. Aufl. 2017, § 45 BNatSchG Rn. 43.
87
Schütte/Gerbig,
in: GK-BNatSchG, 2. Aufl. 2017, § 45 BNatSchG Rn. 40.

39
Teil der übrigen Vorrangflächen im Planungsraum weiterhin der Windenergienutzung zu-
gänglich ist oder durch andere Planungsinstrumente (z.B. gemeindliche Flächennutzungsplä-
ne) Flächen für die Windenergienutzung außerhalb der Vorranggebiete zur Verfügung ste-
hen.
A Vorrang- und Eignungsgebiete mit Ausschlusswirkung in Regionalplänen
Nach § 2 Abs. 1 SächsLPlG darf die Festlegung von (Windenergieanlagen an anderer Stelle
ausschließenden) Eignungsgebieten nur i.V.m. der Festlegung von Vorranggebieten erfolgen.
In Ziel 5.1.3 Satz 2 des Landesentwicklungsplans 2013 ist die Nutzung der Windenergie durch
eine abschließende, flächendeckende Planung nach dem Prinzip der dezentralen Konzentra-
tion in den Regionalplänen durch die Festlegung von Vorrang- und Eignungsgebieten zur
Nutzung der Windenergie räumlich zu konzentrieren. Stand Juli 2020 wurde bisher nur der
Regionalplan Oberelbe/Osterzgebirge auf Grundlage des Landesentwicklungsplans 2013
fortgeschrieben. Alle anderen drei Regionalpläne befinden sich noch in Fortschreibung.
Die Festlegung solcher Vorrang- und Eignungsgebiete mit Ausschlusswirkung in Regionalplä-
nen führt regelmäßig dazu, dass Standortalternativen außerhalb dieser Gebiete nicht in Be-
tracht gezogen werden müssen. Es verbleibt somit nur noch eine Prüfung im Einzelfall, ob
der artenschutzrechtliche Konflikt durch eine kleinräumige Standortverlagerung innerhalb
des Vorrang- oder Eignungsgebietes gelöst werden kann.
88
Voraussetzung für eine solche Abschichtung der Alternativenprüfung zwischen Planungs-
und Genehmigungsebene ist, dass die artenschutzrechtlichen Belange bereits auf der Ebene
der Regionalplanung adäquat berücksichtigt oder ergänzende artenschutzfachliche Festle-
gungen der Landesbehörden aufgestellt wurden, so dass die identifizierten Bereiche in ar-
tenschutzrechtlich möglichst konfliktarmen Bereichen liegen. Dabei kann eine Auswahl der
Arten, für die eine Abschichtung vorgenommen wird, anhand der folgenden Kriterien
89
er-
folgen:
Es sind im Hinblick auf den Betrieb der WEA ausschließlich windkraftempfindliche Ar-
ten zu betrachten.
90
Vogelarten, für die ein Vorkommen anhand nachvollziehbarer Darlegung im Untersu-
chungsraum sicher ausgeschlossen werden kann, können von der Betrachtung auf
der Ebene der Regionalplanung ausgeschlossen werden.
Vogelarten, für die im Hinblick auf die Errichtung der WEA nachweislich wirksame
Vermeidungsmaßnahmen ergriffen werden können (z.B. zeitliche Vorgaben bei der
Baufeldräumung), können von der Betrachtung auf der Ebene der Regionalplanung
ausgeschlossen werden. Diese Maßnahmen müssen abgesichert, dokumentiert und
evaluiert werden.
88
Standardisierung des Vollzugs artenschutzrechtlicher Vorschriften im Hinblick auf das Tötungsverbot bei
ausgewählten windkraftsensiblen Großvogelarten in Schleswig-Holstein, Entwurf mit Stand 13.03.2020, S.
31.
89
Dazu ausführlich
Wulfert/Köstermeyer/Lau,
Arten und Gebietsschutz auf vorgelagerten Planungsebenen,
BfN-Skript 507, 2018, abrufbar unter
https://www.bfn.de/infothek/veroeffentlichungen/bfn-
skripten/nummerische-sortierung.html
,
S. 102 ff.
90
S. zum Beispiel Anhang 1 zum Leitfaden „Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und
Genehmigung von Windenergieanlagen in NRW“ in der Fassung der ersten Änderung vom 10.11.2017, ab-
rufbar unter https://artenschutz.naturschutzinformationen.nrw.de/artenschutz/de/downloads.

 
40
Für die verbleibenden zu betrachtenden Arten sind entsprechende Datengrundlagen erfor-
derlich, um eine Berücksichtigung bei der Ausweisung der Windenergiebereiche vornehmen
zu können.
91
Dabei müssen Bereiche mit hohem Konfliktpotential abgegrenzt und dargestellt
werden.
92
Ist die Ermittlung konfliktarmer Planungsräume nicht möglich, muss ein arten-
schutzrechtlicher Vergleich der Planungsräume hinsichtlich ihrer Konfliktschwere vorge-
nommen werden.
93
Zu beachten ist, dass im Rahmen des § 35 Abs. 3 BauGB bereits ein in Aufstellung befindli-
ches Ziel der Raumordnung die Qualität eines öffentlichen Belangs innehat, wenn es inhalt-
lich hinreichend konkretisiert und zu erwarten ist, dass es sich zu einer verbindlichen, den
Wirksamkeitsanforderungen genügenden Zielfestlegung verfestigt. Eine solche Verlautba-
rungsreife ist regelmäßig mit der öffentlichen Auslegung gegeben.
94
B Darstellungen in Flächennutzungsplänen
§ 35 Abs. 3 BauGB stellt die Privilegierung und damit die Errichtung von Windenergieanlagen
im gemeindlichen Außenbereich unter einen Planungsvorbehalt, der dazu führt, dass Vorha-
ben a) die den Darstellungen des Regionalplans oder Flächennutzungsplans widersprechen
(§ 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 BauGB) sowie b) außerhalb der Darstellungen von Kon-
zentrationszonen im Regionalplan oder Flächennutzungsplan liegen, im Gemeindegebiet in
der Regel unzulässig sind (§ 35 Abs. 3 Satz 3 BauGB). Diese gesetzliche Ausschlusswirkung
der Konzentrationszonen ist bei der Prüfung von Standortalternativen zu berücksichtigen.
In Flächenstaaten stellt sich die Frage, ob die Prüfung von Standortalternativen auf das Ge-
biet der jeweiligen Gemeinde begrenzt ist. Das OVG Lüneburg
95
hat dies verneint, stattdes-
sen „eine Regionalisierung der Perspektive“ befürwortet und die Alternativenprüfung auf
das Gebiet des jeweiligen Trägers der Regionalplanung bezogen. Eine Ausdehnung der Alter-
nativenprüfung auf das Bundesgebiet oder die Fläche des jeweiligen Bundeslandes kommt
hiernach jedenfalls nicht in Betracht. Für Sachsen ist die Alternativenprüfung auf das Gebiet
des jeweiligen Landkreises auszudehnen.
7.3.2
Ausführungsalternativen
Zu den möglichen Alternativen nach § 45 Abs. 7 S. 2 BNatSchG können andere Größenord-
nungen oder alternative Aktivitäten, Prozesse oder Methoden gehören.
96
An dieser Stelle
werden nochmals die in § 44 Abs. 5 S. 2 Nr. 1 BNatSchG im Kontext der Signifikanzprüfung
geregelten „fachlich anerkannten Schutzmaßnahmen“ relevant; diese Vermeidungs- oder
(bei nicht vollständiger Vermeidung einer Verbotsverwirklichung) Minderungsmaßnahmen
97
müssen aber auch verhältnismäßig sein.
91
S. dazu
Wulfert/Köstermeyer/Lau,
Fn. 54, S. 111 ff.
92
Wulfert/Köstermeyer/Lau,
Fn. 54, S. 118 ff.
93
Wulfert/Köstermeyer/Lau,
Fn. 54, S. 120.
94
BVerwG, Urteil vom 27.01.2005 – 4 C 5/04 -, juris, Rn. 28.
93
OVG Lüneburg, Urt. v. 26.02.2020 – 12 LB 157/18 – juris, Rn. 66
96
Vgl. zum Habitatschutz BVerwG, Urt. v.
06.11.2013 – 9 A 14/12 –, juris Rn. 131 = BVerwGE 148, 373-399; auch zum Artenschutz BVerwG, Urt. v.
28.03.2013 – 9 A 22/11 –, juris Rn. 136 = BVerwGE 146, 145-175.
96
Vgl. zum Habitatschutz BVerwG, Urt. v. 06.11.2013 – 9 A 14/12 –, juris Rn. 131 = BVerwGE 148, 373-399;
auch zum Artenschutz BVerwG, Urt. v. 28.03.2013 – 9 A 22/11 –, juris Rn. 136 = BVerwGE 146, 145-175.
97
Fellenberg,
NuR 2016, 749 (750).

 
41
Eine Ausführungsalternative – sofern zumutbar – ist vorzugswürdig, wenn sie aus natur-
schutzfachlicher Sicht weniger einschneidend ist, beispielsweise weil eine alternative Aus-
führung besonders (und ggf. streng) geschützte Arten weniger stark beeinträchtigt.
98
Als im Einzelfall durch die zuständige Behörde zu prüfende Ausführungsalternativen kom-
men insbesondere die in Kapitel 6.2# und Tabelle A2 dargestellten Maßnahmen in Betracht,
die als Neben- oder Inhaltsbestimmung Teil der Zulassungsentscheidung sein können.
In jedem Einzelfall ist die Zumutbarkeit der in Betracht kommenden Alternativmaßnahme zu
prüfen. Dazu gehört auch die Berücksichtigung des Zeit- und Kostenaufwands und der Er-
folgsaussichten der Maßnahme.
7.4
Keine Verschlechterung des Erhaltungszustands der Populationen einer Art
Liegt ein Ausnahmegrund vor und sind zumutbare Alternativen nicht gegeben, kann die zu-
ständige Behörde eine Ausnahme vom naturschutzrechtlichen Tötungs- und Verletzungsver-
bot erteilen, wenn sich der Erhaltungszustand der Populationen der betroffenen Art bei Um-
setzung des Vorhabens nicht verschlechtert (§ 45 Abs. 7 S. 2 BNatSchG).
7.4.1
Betrachtung der Gesamtpopulation
Eine Population ist eine biologisch oder geografisch abgegrenzte Zahl von Individuen (§ 7
Abs. 2 Nr. 6 BNatSchG), die dadurch gekennzeichnet sind, dass sie derselben Art oder Unter-
art angehören und innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets in generativen Vermeh-
rungsbeziehungen stehen.
99
Maßgeblich ist im Rahmen des § 45 Abs. 7 BNatSchG, dass die
Gesamtpopulation in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet, das über das Plangebiet hinaus-
reicht, als lebensfähiges Element des Naturhaushalts erhalten bleibt.
100
Vor diesem Hinter-
grund kann eine Prüfung auf zwei räumlichen Ebenen, insbesondere auf lokaler und ggf.
großräumigerer Ebene erforderlich werden. Hierbei gilt jedoch: Eine angemessene und öko-
logisch aussagekräftige Bewertung einer spezifischen Ausnahme wird in den meisten Fällen
auf einer niedrigeren Ebene als der biogeografischen Region (BGR) stattfinden müssen.
101
Als eine solche ist die Landesebene aufzufassen.
102
Die Notwendigkeit einer Binnendifferen-
zierung nach BGR, die in größeren Flächenländern notwendig ist (zum Beispiel BY, NI, NRW),
entfällt, denn die Landesfläche Sachsens gehört vollständig zu einer Region (kontinentale
BGR). Die Feststellungen zum Ausschluss einer Verschlechterung des Erhaltungszustandes
sind stets artspezifisch im Einzelfall auf einer sachgemäßen Grundlage zu treffen und zu be-
gründen. Dies setzt eine ausreichende Bestandsaufnahme der Arten voraus, die in den Pla-
nungsbereich oder Einwirkungsbereich des Vorhabens fallen.
103
98
Schütte/Gerbig,
in: GK-BNatSchG, 2. Aufl. 2017, § 45 BNatSchG Rn. 40.
99
BVerwG, Urt. v. 16.03.2006 - 4 A 1075/04 - Rn. 571; OVG Lüneburg, Urt. v. 27.08.2019 - 7 KS 24/17, Rn.
356.
100
BVerwG, Urt. v. 16.03.2006 - 4 A 1075/04 - Rn. 572; OVG Koblenz, Urt. v. 06.11.2019 – 8 C 10240/18 –, Rn.
283, juris; OVG München, Urt. v. 10.07.2019 – 22 B 17.124 –, Rn. 55, juris.
101
EU-Kommission, Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse im
Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43/EWG (2007), S. 68.
102
Ständiger Ausschuss Arten und Biotopschutz der LANA (2009): Hinweise zu zentralen unbestimmten Rechts-
begriffen des Bundesnaturschutzgesetzes, 2009,
https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/recht/Dokumente/Hinweise_LANA_unbestimmte_Rechtsbegriffe.pdf
,
abgerufen am 9.12.2019
103
Heugel
, in: LÜTKES § EWER (2018): § 45, Rn. 50.

 
42
Lokale Betrachtung
Zunächst ist ausgehend vom Einwirkungsbereich des Vorhabens die lokale Population der
Art zu betrachten (siehe Tabelle A1#, Spalte 10 und Kapitel 4.2#).
104
Eine Verschlechterung
der lokalen Population ist dann anzunehmen, wenn sich die Anzahl der Individuen einer Po-
pulation wesentlich verkleinert.
105
Wenn einzelne Exemplare oder einzelne Reviere oder
Siedlungsräume im Zuge der Verwirklichung eines Planvorhabens vernichtet werden oder
verloren gehen, heißt dies nicht zwangsläufig, dass eine Ausnahme ausscheidet, sofern der
Erhaltungszustand bezogen auf die relevante Gesamtpopulation stabil bleibt.
106
Dies kann
etwa dann der Fall sein, wenn – sofern möglich – geeignete Ausweichhabitate orts- und zeit-
nah in ausreichendem Umfang zur Verfügung gestellt werden.
107
Es empfiehlt sich, den
Nachweis der Nichtverschlechterung bereits auf lokaler Ebene regelhaft durch die Planung
geeigneter FCS-Maßnahmen (dazu unter Kapitel 6.3#) abzusichern. Der Suchraum entspricht
dabei dem Verbreitungsgebiet der lokalen Population. Sind danach auf lokaler Ebene keine
erheblichen Auswirkungen zu erwarten, ist eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes
auch für das überörtliche Verbreitungsgebiet auszuschließen.
108
Überregionale und landesweite Betrachtung
Falls die lokale Population negativ betroffen ist, muss eine weiträumigere Betrachtung statt-
finden. Falls der Erhaltungszustand der Population in ihrem Verbreitungsgebiet auf Landes-
ebene
109
stabil bleibt, kommt eine Ausnahmeerteilung in Betracht
110
, wobei auch auf über-
geordneter Ebene – dann mit erweiterten Raumbezügen – FCS-Maßnahmen für die be-
troffenen Arten (dazu Kapitel 6.3#) vorzusehen sind, um gesamthafte und schleichende Be-
einträchtigungen ausschließen zu können. Die in den WWW-Arbeitshilfen des LfULG
111
an-
gegebenen artspezifische Hinweise zur Größe und zum Erhaltungszustand der Populationen
im Freistaat Sachsen sind zu Grunde zu legen.
7.4.2
Wahrung des Erhaltungszustands (Verschlechterungsprognose)
Die Prognoseentscheidung über den Erhaltungszustand der Art nach Durchführung des Vor-
habens und somit über den Ausschluss einer möglichen Verschlechterung hängt wesentlich
vom Ausgangszustand der Populationen ab. Der Erhaltungszustand einer Art ist als günstig
anzusehen, wenn aufgrund der Daten über die Populationsdynamik anzunehmen ist, dass
die Art ein lebensfähiges Element des natürlichen Lebensraumes, dem sie angehört, bildet
und langfristig weiterhin bilden wird und ein genügend großer Lebensraum vorhanden ist
und wahrscheinlich auch weiterhin vorhanden sein wird, um langfristig ein Überleben der
104
Vgl. dazu EU-Kommission, Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten von gemeinschaftlichem
Interesse im Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43/EWG (2007), S. 68, 69.
105
LANA 2006, Hinweise zur Anwendung des europäischen Artenschutzrechts bei der Zulassung von Vorhaben
und bei Planungen, S. 7.
106
Vgl. BVerwG, Urt. v. 16.03.2006 - 4 A 1075/04 - Rn. 572.
107
BVerwG, Beschl. v. 17.04.2010 – 9 B 5/10 Rn. 10.
108
BVerwG, Urt. v. 12.03.2008 - 9 A 3/06, Rn. 249; OVG Koblenz, Urt. v. 09.10.2019 - 8 C 10240/18, Rn. 283.
109
siehe Einführung zu Kapitel 12.4.1#
110
Lütkes
, in: LÜTKES § EWER (2018): § 45, Rn. 56.
111
https://www.natur.sachsen.de/arbeitshilfen-artenschutz-20609.html

 
43
Populationen der Art zu sichern.
112
Bei günstigem Ausgangszustand sind Ausnahmen in Ab-
hängigkeit von der Schwere der zu erwartenden Beeinträchtigungen eher gerechtfertigt.
113
Dies bedeutet allerdings nicht, dass aus einem günstigen Ausgangszustand automatisch da-
rauf geschlossen werden kann, dass der Erhaltungszustand der Populationen sich nicht ver-
schlechtern wird. Vielmehr ist auch bei günstigem Ausgangszustand immer eine Einzelfall-
prüfung vorzunehmen. Die flankierende Anordnung von FCS-Maßnahmen in Übereinstim-
mung mit den Leitlinien der EU-Kommission
114
wird in der Regel geboten sein, um eine Ver-
schlechterung mit der hinreichenden Sicherheit ausschließen zu können und eine Ausnahme
im Ergebnis rechtssicher erteilen zu können. Ein ungünstiger Ausgangszustand erschwert die
Erteilung einer Ausnahme, steht allerdings nicht generell entgegen. Auch bei einem ungüns-
tigen Ausgangszustand der Populationen der betroffenen Art sind Ausnahmen zulässig,
wenn sachgemäß nachgewiesen ist, dass sie weder den ungünstigen Erhaltungszustand die-
ser Populationen weiter verschlechtern noch die Wiederherstellung eines günstigen Erhal-
tungszustands behindern.
115
Bei weit verbreiteten, überregional vorkommenden Arten im
günstigen Erhaltungszustand ist regelmäßig davon auszugehen, dass die Populationen in
einem günstigen Erhaltungszustand verbleiben werden, weil die verschiedenen lokalen Po-
pulationen solcher allgemein häufigen Arten naturgemäß Ausdehnungen haben, die es ohne
weiteres ermöglichen, Störungen einzelner Brutreviere zu verkraften, ohne dass die Popula-
tion als Ganzes destabilisiert wird.
116
7.4.3
Berücksichtigung von Ausgleichsmaßnahmen
Bei absehbar negativer Entwicklung des Erhaltungszustands kann eine Ausnahme unter Be-
rücksichtigung von populationsstützenden Ausgleichsmaßnamen (FCS-Maßnahmen) gewährt
werden, wenn diese der Population unmittelbar zugutekommen und die negativen Auswir-
kungen der Ausnahme populationsbezogen kompensieren.
117
Die Erfolgsaussichten, eine Verschlechterung des Erhaltungszustands unter Anordnung von
FCS-Maßnahmen zu vermeiden, sind umso höher,
je geringer der Anteil der Individuen einer Population ist, der von der dem Vorhaben
betroffen ist
je geringer der Vernetzungsgrad im Lebensraum seltener Arten
118
durch eine Wind-
energieplanung reduziert wird
112
BVerwG, Urt. v. 16.03.2006 - 4 A 1075/04 - Rn. 571.
113
EU-Kommission, Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse im
Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43/EWG (2007), S. 69.
114
EU-Kommission, Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse im
Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43/EWG (2007), S. 70.
115
EuGH, Urt. v. 14.6.2007 – Rs. C-342/05 – Rn. 29.
116
BVerwG, Urt. v. 12.03.2008 - 9 A 3/06, Rn. 258; OVG Koblenz, Urt. v. 09.10.2019 - 8 C 10240/18, Rn. 283.
117
Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung Schleswig-Holstein,
Standardisierung des Vollzugs artenschutzrechtlicher Vorschriften im Hinblick auf das Tötungsverbot bei
ausgewählten windkraftsensiblen Großvogelarten in Schleswig-Holstein, S. 33.
118
Dies umfasst u.a. komplexe Habitatansprüche einer Art bzw. von Individuen im Jahreszyklus, „Ausweich-
möglichkeiten“ zur Besiedlung von Kompensationsflächen, Austauschmöglichkeit von Individuen innerhalb
einer Population und die Möglichkeit zur Besiedlung durch Quellpopulationen.

44
je höher Flexibilität und Mobilität der Arten in der Lebensraumnutzung
119
ausgeprägt
sind und
je höher das Reproduktionsvermögen der Art beschaffen ist.
120
Alle genannten Gesichtspunkte sind fachlich zu unterlegen und in einer Gesamtschau zu be-
werten.
Da die Maßnahmen nicht an dem betroffenen Vorkommen der Art bzw. an den betroffenen
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten ansetzen müssen, können sie räumlich flexibler ausgestal-
tet werden als Vermeidungs- und CEF-Maßnahmen. Auch hinsichtlich des Funktionsbezugs
ist eine flexiblere Ausgestaltung der Maßnahmen möglich, da diese primär auf die Wahrung
des Erhaltungszustands der betroffenen Population ausgerichtet sein müssen. FCS-
Maßnahmen können auch für mehrere Vorhaben gebündelt und im Vorfeld von deren Ge-
nehmigung und Errichtung umgesetzt werden. Zu diesem Zweck können vorausschauend
Flächenpools aufgebaut werden, spezielle Ökokonten eingerichtet oder bestehende Ökokon-
ten und Flächenpools mit entsprechenden Maßnahmen angereichert werden. Dies gilt umso
mehr, als die FCS-Maßnahmen in aller Regel zugleich multifunktional als Ausgleichs- und Er-
satzmaßnahmen nach § 15 Abs. 2 BNatSchG angerechnet werden und auch sonst hinsichtlich
der rechtlichen Sicherung von Artenschutzmaßnahmen auf die Instrumente der Eingriffsre-
gelung zurückgegriffen wird.
121
Dies ermöglicht eine Beschleunigung des Ausnahmeverfah-
rens, erleichtert die rechtliche Sicherung, Umsetzung und ggf. Überwachung der Maßnah-
men und kann im Einzelfall das einzelne Vorhaben von dem Flächenbeschaffungsproblem
entlasten.
122
Die Maßnahmen müssen aber auf die betreffende Art ausgerichtet und wirk-
sam sein, bevor die zu kompensierende negative Wirkung eintritt. Um die Wirksamkeit der
Maßnahmen zu belegen, ist im Regelfall ein Risikomanagement mit Korrektur- und Vorsor-
gemaßnahmen sowie einem begleitenden Monitoring erforderlich.
123
Für die Umsetzung erforderlicher FCS-Maßnahmen, die im Rahmen der Feststellung einer
Nichtverschlechterung des Erhaltungszustandes nach § 45 Abs. 7 BNatSchG berücksichtigt
werden können, sind grundsätzlich zwei Möglichkeiten denkbar: Die Maßnahmen können
bei Genehmigungserteilung einzelfallbezogen anhand fachlicher Kriterien im Hinblick auf die
Lage, den Maßnahmeninhalt und den Flächenumfang durch Nebenbestimmungen angeord-
net und rechtzeitig vor Eintritt der negativen Wirkungen des Vorhabens durchgeführt wer-
den. Sie müssen grundsätzlich für die gesamte Dauer des Vorhabens (Betrieb der WEA) be-
stehen und wirksam bleiben. Alternativ können die populationsstützenden Wirkungen von
Artenschutz- und Artenhilfsprogrammen
124
(vgl. § 38 Abs. 2 S. 1 BNatSchG) berücksichtigt
119
Vorausgesetzt, dass geeignete, bisher unbesiedelte Lebensräume vorhanden und erreichbar sind.
120
Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Vorarbeiten für
Leitlinien Windenergie und Artenschutz.
121
Vgl. HessVGH, Urt. v. 25.06.2009 – 4 C 1347/08.N, Rn. 55; ausführlich zum Ganzen auch
Lau/Wulfert/Müller-
Pfannenstiel
, NuR 2019, 721 ff.
122
Lau/Wulfert
, Vögel und Windenergienutzung: Best Practice-Beispiele und planerische Ansätze zur Konflikt-
lösung, Projektbericht FKZ 3519861000 (noch unveröffentlicht).
123
Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Hinweise zu artenschutz-
rechtlichen Ausnahmen vom Tötungsverbot bei windenergieempfindlichen Vogelarten bei der Bauleitpla-
nung und Genehmigung von Windenergieanlagen, 01.07.2015, S. 18f.
124
Vgl. EU-Kommission, Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse
im Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43/EWG (2007), S. 69.

 
45
werden, soweit diese geeignet sind, eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes im Ein-
zelfall zu vermeiden und der Erfolg sichergestellt ist.
125
7.5 Ermessen
Die Vorschrift des § 45 Abs. 7 BNatSchG räumt der Behörde zwar ein Ermessen ein, welches
sie gemäß dem Zweck der Vorschrift und unter Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips
auszuüben hat. Da wichtige Entscheidungsvoraussetzungen bereits ausführlich im Tatbe-
stand der Rechtsnorm selbst aufgenommen sind und insbesondere in jedem Einzelfall im
Rahmen einer Abwägung zu prüfen ist, ob das öffentliche Interesse an der Vorhabenverwirk-
lichung die konkreten artenschutzrechtlichen Beeinträchtigungen überwiegt, ist die Aus-
nahme bei Vorliegen dieser Voraussetzungen aber in der Regel zu erteilen.
126
8
Befreiungen
Grundsätzlich bietet der § 67 BNatSchG die Möglichkeit, auf Antrag Befreiungen von den
Geboten und Verboten des § 44 BNatSchG zu gewähren, wenn die Durchführung der Vor-
schriften im Einzelfall zu einer unzumutbaren Belastung führen würde. Hierzu sind im Zu-
sammenhang mit der Genehmigung von WEA keine Anwendungsfälle bekannt. Die vorlie-
gende jüngere Rechtsprechung des BayVGH im Beschluss v. 02.04.2015, 22 C 14.2701, Rn. 23
zitiert hierzu: ,,Die gesonderte Erörterung eines Rechts auf Befreiung nach § 67 Abs. 2 Satz 1
BNatSchG könnte sich nach ggf. erfolgter Verneinung eines Anspruchs auf eine Ausnahme
nach § 45 Abs. 7 BNatSchG zudem erübrigen. Denn da das Kapitel 5 des Bundesnaturschutz-
gesetzes – insbesondere in § 45 Abs.7 Satz 1 Nr. und Nr. 5 BNatSchG - bereits umfangreiche
Regelungen zur Vermeidung unzumutbarer Härten enthält, sind kaum Fallgestaltungen vor-
stellbar, in denen zwar die Voraussetzungen einer Ausnahme nach § 45 BNatSchG nicht er-
füllt sind, jedoch eine ‚unzumutbare Belastung' im Sinn von § 67 Abs. 2 Satz BNatSchG ange-
nommen werden muss."
125
Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung Schleswig-Holstein,
Standardisierung des Vollzugs artenschutzrechtlicher Vorschriften im Hinblick auf das Tötungsverbot bei
ausgewählten windkraftsensiblen Großvogelarten in Schleswig-Holstein, S. 38.
126
Vgl. hierzu auch VG Freiburg, Urt. v. 17.02.2009 - 3 K 805/08 zu § 43 Abs. 8 BNatSchG a.F.;
Lau
, in:
Frenz/Müggenborg BNatSchG § 45, Rn. 13; wohl auch:
Gläß,
in: BeckOK UmweltR, 53. Ed. 1.1.2020,
BNatSchG § 45 Rn. 37; a.A.
Müller-Walter
, in: Lorz u.a., BNatSchG, 3. Aufl., § 45 BNatSchG Rn. 14.

 
46
9
Glossar
Abstand
Soweit nicht abweichend geregelt, wird der Abstand horizontal vom jeweiligen
Objektmittelpunkt gemessen (Turmmitte/ Mastfußmittelpunkt, Neststandort,
Brutplatz, Reviermitte usw.).
Brutplatz
Horst- und Neststandort. Wenn dieser nicht genau verortet werden konnte,
wird die nächstgrößere räumliche Einheit als Fortpflanzungsstätte gewertet
(vgl. Kapitel 8.2.3). Zur Vereinfachung wird im vorliegenden Papier der Begriff
Brutplatz auch für die nächstgrößeren räumlichen Einheiten verwendet.
CEF-Maßnahmen
vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen;
C
ontinuous
E
cological
F
unctionality
Measures = kontinuierliche ökologische Funktionalität, funktionserhaltende
Maßnahmen
Eingriffsbereich
Unmittelbar von WEA betroffene Flächen, inkl. Zufahrt usw.
FCS-Maßnahmen
kompensatorische Maßnahmen mit dem Ziel, den günstigen Erhaltungszustand
(
F
avourable
C
onservation
S
tatus) der betroffenen Art zu gewährleisten
Flugkorridor
Flugkorridore sind Bereiche mit verdichteten Flugbewegungen bestimmter
Vogelarten, die eine räumlich-funktionale Verbindung von Teilhabitaten und/
oder essentiellen Requisiten (z.B. Nest und Schlafplatz) im Lebensraum eines
Revierpaars aufzeigen und auf die ein erheblicher Anteil aller zu
prognostizierten bzw. ermittelten Flugbewegungen entfallen. Sie können
entsprechend im Rahmen der HPA prognostiziert oder im Rahmen einer RNA
ermittelt werden.
Fortpflanzungsstätte
Gemäß dem Interpretationsvorschlag von RUNGE ET AL (2010:9): „Alle Orte im
Gesamtlebensraum eines Tieres, die im Verlauf des Fortpflanzungsgeschehens
benötigt werden. Als Fortpflanzungsstätten gelten z.B. Balzplätze,
Paarungsgebiete, Neststandorte, Brutplätze oder -kolonien, Wurfbaue
oder -plätze, Eiablage-, Verpuppungs- und Schlupfplätze oder Areale, die von
den Larven oder Jungen genutzt werden.“ In dem vorliegenden Papier wird der
engeren Interpretation gemäß R
UNGE ET AL. (2010: 6) gefolgt, so dass hier nur
die „Stätte“ gemeint ist. Demensprechend wird der Begriff
Fortpflanzungsstätte synonym zu Brutplatz (Horst- und Neststandort)
verwendet. Sofern die weitere Interpretation gemeint ist, wird von
„Fortpflanzungs- und Ruhestätten“ gesprochen. Zur Wertung von
Wechselhorsten siehe Anlage 3#
Grundrisiko (allg.
Tötungsrisiko)
Das für Tiere artspezifisch bereits vorhabenunabhängig bestehende allgemeine
Tötungsrisiko, welches sich aus dem allgemeinen Natur-geschehen in einer
vom Menschen gestalteten Landschaft ergibt.
Habitatpotenzial-
analyse (HPA)
Methodik zur Erfassung der Raumnutzung auf Grundlage der Habi-
tatausstattung und Habitateignung im Untersuchungsraum (vgl. Kapitel
5.1.1.2#)
kollisionsgefährdete
Art
Art, die durch eine Kollision mit den drehenden Rotoren oder dem Mastfuß der
WEA gefährdet ist. In Bezug auf den Betrieb von WEA kommt ein Verstoß
gegen das artenschutzrechtliche Tötungsverbot nur für solche Vogelarten in
Betracht, bei denen aufgrund ihres artspezifischen Verhaltens das
Kollisionsrisiko als betriebsbedingtes Tötungs- und Verletzungsrisiko über das
Maß des allgemeinen Tötungsrisikos hinaus signifikant (deutlich, erheblich)
erhöht sein kann. Eine Auflistung der als kollisionsgefährdet eingestuften Arten
in Sachsen erfolgt in Tabelle A1, Spalte 4#.

47
Mastfußumgebung
Die vom Rotor überstrichene Fläche zuzüglich eines Puffers von 50 m
Meideverhalten
Verhaltensweisen, mit Hilfe derer ein Individuum Störungen ausweicht oder
unangenehmen Reizen entgehen kann. Bei andauern-
der Störung führt das Meideverhalten i.d.R. zur Aufgabe des Reviers.
Minderungs-
maßnahmen
siehe Vermeidungsmaßnahmen
Monitoring
Im Zusammenhang mit WEA: Funktionskontrollen anhand der Ergebnisse
systematischer Kartierungen
Nahbereich
Festgelegter Bereich im direkten Umfeld des Nests (vgl. Tabelle A1, Spalte 8#).
Bei Lage einer WEA innerhalb des Nahbereichs des Nistplatzes einer
kollisionsgefährdeten Brutvogelart sind hier aufgrund von Brutbiologie,
Territorialverhalten, Bewegungsmustern und häufiger horstnaher Anwesenheit
in der Reproduktions- und Jungenaufzuchtphase stets überproportional viele
Flugaufenthalte zu prognostizieren. Nur für kollisionsgefährdete,
windkraftempfindliche Arten relevant. Der Nahbereich begründet im Rahmen
der Vorhabenzulassung keine Tabuzone, die Errichtung von WEA ist auf Basis
einer vertieften Einzelfallprüfung möglich.
Nicht windkraft-
empfindliche
Vogelarten
Alle Vogelarten, die nicht nach Tabelle A1 in Sachsen als windkraftempfindlich
eingestuft sind.
Prüfbereich
Artspezifisch festgelegter Bereich im Anschluss an den =>Regelabstand, durch
den der Betrachtungsraum im Rahmen der Signifikanzprüfung einschränkt (vgl.
Tabelle A1, Spalte 9#)
Raumnutzungs-
analyse (RNA)
Methodik zur Erfassung der Raumnutzung auf Grundlage der im Gelände
erhobenen Flugbewegungen im Untersuchungsraum (vgl. Kapitel 5.1.1.3#)
Regelabstand,
Regelbereich
Artspezifischer Radius, der sich von regelmäßigen Aktivitäten mit Bezug zum
Brutplatz ableitet und der in Tabelle A1, Spalte 8# benannt wird. Der
Regelbereich ist die artspezifische, horizontal projizierte Kreisfläche um den
Mittelpunkt des WEA-Turms bis zum jeweiligen Regelabstand. Der
Regelbereich begründet im Rahmen der Vorhabenszulassung keine Tabuzone,
die Errichtung von WEA ist auf Basis einer vertieften Einzelfallprüfung möglich.
Rotorunterkante
(Höhe)
Die Höhe der Rotorunterkante ist der Abstand zwischen der Geländeoberfläche
(ohne Vegetation) und dem tiefsten Punkt der Rotor-blattspitze.
störungsempfindliche
Arten
Arten die eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber WEA durch Meideverhalten
während der Brutzeit zeigen. Eine Auflistung der als störungsempfindlich
eingestuften Arten in Sachsen siehe Tabelle A1, Spalte 5#
Vermeidungsmaß-
nahmen
Maßnahmen, die zur Vermeidung und Minderung der Zugriffsverbote gemäß
§ 44 BNatSchG beitragen. Sie dienen insbesondere dazu, das Tötungs- und
Verletzungsrisiko unter die Signifikanzschwelle zu senken. In der Literatur
werden auch die Begriffe Minderungsmaßnahmen und Schutzmaßnahmen
verwendet. Diese sind auch unter dem in diesem Papier verwendeten Begriff
Vermeidungsmaßnahmen zu verstehen. Von den Vermeidungsmaßnahmen
abzugrenzen sind die => CEF-Maßnahmen und => FCS-Maßnahmen. Die
Vermeidungsmaßnahmen werden hinsichtlich der Anwendung differenziert in
grundlegende (= primär zu prüfende) V., Standard-V. (= in der Praxis etablierte
V.), Optionale (= nur im Einzelfall anzuwendende) V.

48
Windenergieanlage
(
WEA)
Windenergieanlage an Land mit mehr als 50 m Gesamthöhe im Sinne des
Bundes-Immissionsschutzgesetzes.
Windkraft-
empfindliche
Vogelarten
Als windkraftempfindlich werden in Anlehnung an die Ausführungen der LAG-
VSW (2015) solche Vogelarten definiert, für die eine erhöhte Empfindlichkeit
gegenüber WEA durch Meideverhalten während der Brutzeit (=>
störungsempfindliche Arten), ein erhöhtes Kollisionsrisiko (=>
kollisionsgefährdete Arten) oder beide Faktoren gegeben sein kann. Eine
Auflistung der als windkraftempfindlich eingestuften Arten in Sachsen erfolgt
mit der Tabelle A1#
Zugvögel
Vögel, die räumlich klar unterschiedene Brut- und Überwinterungsgebiete
besitzen und artspezifisch zwischen beiden im Frühjahr bzw. Herbst mehr oder
weniger ausgeprägte Wanderungen durchführen (Vogelzug)

 
49
10 Literatur und Quellen
Aschwanden, J. & F. Liechti (2020): Erprobung des automatischen Vogeldetektionssystems
Identiflight auf dem Testfeld des WindForS im Rahmen der Naturschutzbegleitfor-
schung (NatForWINSENT). Schweizerische Vogelwarte, Sempach.
https://www.zsw-
bw.de/fileadmin/user_upload/PDFs/SYS_Projekte/NatForWINSENT_Testbericht_Iden
tiFlight.pdf
Ammermann, K., E. Bruns, J. Ponitka, E. Schuster, D. Sudhaus & F. Tucci (2020): Technische
Systeme zur Minderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen – Entwicklungs-
stand und Fragestellungen. BfN-Skripten 571
https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript571.pdf
Abruf 06.05.2021
BfN & KNE (2020): Methodenvorschlag des Bundes zur Prüfung und Bewertung eines signifi-
kant erhöhten Tötungsrisikos von Vögeln an WEA. Unveröffentlicht.
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50
content/uploads/Dokumentation_zur_KNE-
Fachkonferenz_Vogelschutz_an_Windenergieanlagen.pdf
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Abruf 29.06.2020.
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https://www.naturschutz-energiewende.de/wp-content/uploads/KNE-Synopse-
Detektionssysteme-zur-ereignisbezogenen-von-Windenergieanlagen.pdf
Abruf
31.5.2021
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Westfalen.
https://artenschutz.naturschutzinformationen.nrw.de/artenschutz/web/babel/media
/20130205_nrw_leitfaden_massnahmen.pdf
Abruf 30.04.2021
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empfehlungen für Windenergieanlage zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie
Brutplätzen ausgewählter Vogelarten (Stand April 2015). – Berichte zum Vogelschutz
51: 15-42.
http://www.vogelschutzwarten.de/downloads/lagvsw2015_abstand.pdf
;
Abruf 29.06.2020.
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und Störchen bei bestimmten landwirtschaftlichen Arbeiten.
http://www.vogelschutzwarten.de/downloads/2017lagvsw1-1.pdf
,
Abruf:
29.06.2020.
LAG VSW (2020): Fachliche Empfehlungen für avifaunistische Erfassung und Bewertung bei
Windenergieanlagen-Genehmigungsverfahren.
http://www.vogelschutzwarten.de/downloads/2020_LAG%20VSW_19_2_WEA-
Fachempfehlun-
gen%20avifaunistische%20Erfassungsmethoden_FINAL_barrierefrei.pdf
,
Abruf:
29.06.2020
LAMBRECHT, H. & J. TRAUTNER (2007): Fachinformationssystem und Fachkonventionen zur
Bestimmung der Erheblichkeit im Rahmen der FFH-VP – Endbericht zum Teil Fach-
konventionen, Schlussstand Juni 2007. – FuE-Vorhaben im Rahmen des Umweltfor-
schungsplanes des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicher-
heit im Auftrag des BfN - FKZ 804 82 004 [unter Mitarb. von K. Kockelke, R. Steiner, R.
Brinkmann, D. Bernotat, E. Gassner & G. Kaule]. – Hannover, Filderstadt.
https://www.bfn.de/filead-min/MDB/images/themen/eingriffsregelung/BfN-
FuE_FFH-FKV_Bericht_und_An-hang_Juni_2007.pdf
Abruf: 29.06.2020
LFU – BAYERISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT (2017): Arbeitshilfe Vogelschutz und Wind-
energienutzung. Stand Februar 2017. – Fachfragen des bayerischen Windenergie-
Erlasses, 52 S.
LFU – LANDESAMT FÜR UMWELT BRANDENBURG (2020): Informationen über Einflüsse der
Windenergienutzung auf Vögel. Stand 07. Januar 2020. – Länderübergreifende Do-

51
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http://www.lfu.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/vsw_dokwind_voe
gel.pdf;
Abruf am 29.06.2020.
LfUB – Landesamt für Umwelt Brandenburg (2020): Informationen über Einflüsse der Wind-
energienutzung auf Vögel; Langgemach, T.; Dürr, T.; Stand 25.09.2020.
LfULG – Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (2017): Arbeitshilfen Arten-
schutz, Tabelle „In Sachsen auftretende Vogelarten“ Version 2.0, Stand 30.03.2017,
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Abruf:
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LIESENJOHANN, M., BLEW, J., FRONCZEK, S., REICHENBACH, M. & BERNOTAT, D. (2019): Art-
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LÜTKES, S. & W. EWER (2018): Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Kommentar. C.H. Beck
Verlag 2. Auflage 2018, 766 S.
MAMMEN, U., HELGE, A., MAMMEN, K., MERTES, T., SCHRUMPF, J. & STEINMEYER, F.
(2016): Avifaunistische Methodenstandards für WEA-Genehmigungsverfahren. – un-
veröffentlichter Endbericht zum Forschungsvorhaben FKZ 3514 82 3800 im Auftrag
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Schleswig-Holstein. Stand 13. März 2020. Unveröffentlicht.
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Abruf am 29.06.2020
RICHARZ K., M. HORMANN, C. BRAUNBERGER, C. HARBUSCH, G. SÜßMILCH, S. CASPARI, C.
SCHNEIDER, M. MONZEL, C. REITH, U. WEYRATH (2013): Leitfaden zur Beachtung ar-
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Biodokumentation. Im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz
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Maßnahmen des Artenschutzes bei Infrastrukturvorhaben, FuE-Vorhaben im Rahmen
des Umweltforschungsplanes des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz – FKZ 3507 82 0800
(unter Mitarb. von: LOIS, H. W., REICH, M., BERNOTAT, D., MAYER, F., DOHM, P.,
KÖSTERMEYER, H., SMIT-VIERGUTZ, J., SZEDER, K.). – Hannover, Marburg.
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52
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Abruf: 29.06.2020.
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ums des Innern und des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirt-
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https://www.bauen-
woh-
nen.sachsen.de/download/Bauen_und_Wohnen/Windkraft_Handlungsempfehlung_
unterzeichnet_07-09-2011.pdf
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Abruf 29.06.2020
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Beitrag zu den rechtlichen und fachlichen Anforderungen in der Genehmigungspraxis,
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https://tlubn.thueringen.de/fileadmin/00_tlubn/Naturschutz/Dokument
e/1_zool._artenschutz/2017_Fachbeitrag_WEA_17.pdf
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Abruf am 29.06.2020.
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(Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg) (2021): Hinweise zur Erfassung und
Bewertung von Vogelvorkommen bei der Genehmigung von Windenergieanlagen,
https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-
um/intern/Dateien/Dokumente/5_Energie/Erneuerbare_Energien/Windenergie/210
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Bewertung eines signifikant erhöhten Tötungsrisikos im Rahmen der artenschutz-
rechtlichen Prüfung von Windenergieanlagen, 27.04.2020.
https://www.umweltministerkonferenz.de/documents/anlage-zu-top-4,-ziff-
5_1591168283.pdf
,
Abruf 29.6.2020.
UMK (2020b): Hinweise zu den rechtlichen und fachlichen Ausnahmevoraussetzungen nach
§ 45 Abs. 7 BNatSchG bei der Zulassung von Windenergievorhaben. Stand
13.05.2020;
https://www.umweltministerkonferenz.de/documents/anlage-zu-top-4,-
ziff-4_1591168257.pdf
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Abruf 29.06.2020.
UMK (2020c): Standardisierter Bewertungsrahmen zur Ermittlung einer signifikanten Erhö-
hung des Tötungsrisikos im Hinblick auf Brutvogelarten an Windenergieanlagen
(WEA) an Land – Signifikanzrahmen. Stand 11.12.2020;
https://www.umweltministerkonferenz.de/documents/vollzugshilfe_signifikanzrahm
en_11-12-2020_1608198177.pdf
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Abruf 20.04.2021.
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,
Abruf: 29.06.2020.

 
53
Anhang

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Anlage 1
54
I Tabellen zu Vogelarten und Arteigenschaften
Spalte 1 Spalte 2
Spalte 3
Spalte 4
Spalte 5
Spalte 6
Spalte 7
Spalte 8
Spalte 9
Spalte 10
Spalte 11
Art-ID Artname
Artname
kollisions-
besonders
grundsätzlich
Nah-
Regel-
Prüf-
Abgrenz-
sehr kleiner
(deutsch)
(wissenschaftlich)
gefährdet
störungs-
geeignete
bereich
abstand
bereich
ung Lokal-
Landes-
empfindlich
Bewertungs-
population
bestand
(WEA-Meidung)
methode
[m]
[m]
[m]
(< = 100 BP)
j
287 Baumfalke
Falco subbuteo
x
-
AB [HPA] [RNA]
250
350
a
3.000
L
336 Bekassine
Gallinago gallinago
-
a
x
AB HPA
250
500
1.000
E
x
292 Birkhuhn
Tetrao tetrix
-
a
x
AB HPA
500
1.000
d,e
-
E
x
282 Fischadler
Pandion haliaetus
x
-
AB HPA RNA
500
1.000
4.000
E
x
374 Flussseeschwalbe Sterna hirundo
x
k
-
AB HPA [RNA]
l
500
1.000
g
3.000
g
E
g
323 Kiebitz
Vanellus vanellus
-
a
x
AB HPA
250
500
b
1.000
b
E
x
269 Kornweihe
Circus cyaneus
(x)
c
-
AB HPA RNA
500
1.000
3.000
E
x
304 Kranich
Grus grus
-
x
AB HPA
250
500
-
L
362 Lachmöwe
Larus ridibundus
x
k
-
AB HPA [RNA]
l
500
1.000
g
3.000
g
E
g
25897 Mittelmeermöwe Larus michahellis
x
k
-
AB HPA [RNA]
l
500
1.000
g
3.000
g
E
g
x
199 Rohrdommel
Botaurus stellaris
-
a
x
AB HPA
500
1.000
3.000
E
x
268 Rohrweihe
Circus aeruginosus
x
c
-
AB HPA RNA
250
500
-
E
262 Rotmilan
Milvus milvus
x
-
AB [HPA] RNA
750
1.500
4.000
L
345 Rotschenkel
Tringa totanus
-
a
x
AB HPA
250
500
b
1.000
b
E
x
359
SchwarzkopfmöweLarus melanocephalus
x
k
-
AB HPA [RNA]
l
500
1.000
g
3.000
g
E
g
x
261 Schwarzmilan
Milvus migrans
x
-
AB [HPA] RNA
500
1.000
3.000
L
208 Schwarzstorch
Ciconia nigra
-
f
x
AB HPA RNA
1500
3.000
6.000
f
L
x
263 Seeadler
Haliaeetus albicilla
x
-
AB HPA RNA
1500
3.000
6.000
L
x
366 Silbermöwe
Larus argentatus
x
k
-
AB HPA [RNA]
l
500
1.000
g
3.000
g
E
g
367 Steppenmöwe
Larus cachinnans
x
k
-
AB HPA [RNA]
l
500
1.000
g
3.000
g
E
g
364 Sturmmöwe
Larus canus
x
k
-
AB HPA [RNA]
l
500
1.000
g
3.000
g
E
g
394 Uhu
Bubo bubo
(x)
c
-
AB [HPA]
500
1.000
3.000
L
x
301 Wachtelkönig
Crex crex
-
x
AB HPA
250
500
b
-
E
339 Waldschnepfe
Scolopax rusticola
-
x
AB HPA
250
500
h
-
L
290 Wanderfalke
Falco peregrinus
x
-
AB [HPA]
500
1.000
i
2.000
L
x
209 Weißstorch
Ciconia ciconia
x
-
AB HPA RNA
500
1.000
2.000
L
271 Wiedehopf
Upupa epops
-
x
AB HPA
500
1.000
b
1.500
b
E
x
410 Wiesenweihe
Circus pygargus
(x)
c
-
AB HPA RNA
500
1.000
3.000
E
x
404 Ziegenmelker
Caprimulgus europaeu
-
x
AB HPA
250
500
b
-
E
200 Zwergdommel
Ixobrychus minutus
-
x
AB HPA
500
1.000
-
E
x
Legende
AB
BP
Brutpaar
HPA
RNA
RL
Rote Liste
WEA
[ ]
E
L
"Einzelvorkommen" - Die Lokalpopulationen dieser Arten lassen sich vergleichsweise gut anhand von Vorkommens- und
Lebensraumdaten abgrenzen. Es handelt sich dabei um Arten, die Brutkolonien bilden und/oder deren Aktionsräume sich auf
zusammenhängende Gebiete mit einheitlicher Biotopausstattung beziehen lassen.
"Landkreisebene" - Abgrenzung der Lokalpopulation für +/- flächendeckend verbreitete Arten mit Aktionsräumen von >100ha auf der
Grundlage der Landkreisgrenzen, wobei für Landkreise, die sich über das Berg- und Tiefland oder großflächig über sehr heterogene
Landschaftseinheiten erstrecken, die Grenzen der Altkreise (Stand Juli 2008) zu wählen sind.
bedingt geeignet
Tabelle A1: Liste der windkraftempflindlichen Vogelarten, Abstandswerte sowie weitere Standards für die artenschutzrechtlichen Bewertungen in Sachsen
auf der Grundlage des "Helgoländer Papiers" (LAG VSW 2015) und des Signifikanzrahmens (UMK 2020c) ohne Arten, die in der Roten Liste Sachsens (LfULG 2015)
als ausgestorben oder verschollen geführt werden
Meterangaben
beziehen sich auf den horizontalen Radius ausgehend von der Turmachse einer WEA.
Nahbereich:
Hier sind aufgrund von Brutbiologie, Territorialverhalten, Bewegungsmustern und häufiger horstnaher Anwesenheit in der Reproduktions- und
Jungenaufzuchtphase stets überproportional viele Flugaufenthalte zu prognostizieren.
Regelabstand:
Abstand zwischen Brutplatz und WEA ("Mindestabstand" i.S. LAG VSW 2015). Hier erfolgen regelmäßige, artspezifische Aktivitäten mit Bezug zum
Brutplatz. Der Regelbereich begründet im Rahmen der Vorhabenszulassung keine Tabuzone, die Errichtung von WEA ist auf Basis einer vertieften
Einzelfallprüfung zu genehmigen. Der Regelbereich gibt zudem den Untersuchungsradius zur Ermittlung der Fortpflanzungsstätten an.
Prüfbereich:
Bereich zur Ermittlung von Aktivitäten bezogen auf regelmäßig aufgesuchte Nahrungshabitate. Der Prüfbereich gibt den Untersuchungsradius für
die Datenrecherche und HPA an.
Inkrafttreten:
Die Einstufungen gelten ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Leitfadens des SMEKUL "Vogelschutz an Windenergieanlagen" als Erlass für die
Naturschutzbehörden im Rahmen von Genehmigungsverfahren von WEA soweit nicht die zuständige Behörde bei bereits zu diesem Zeitpunkt
behördenanhängigen Verfahren aus konkretem Anlass abweichende Einstufungen begründet festgelegt hat.
Habitatpotenzialanalyse
Raunutzungsanalyse
Windenergieanlage
Abstandbetrachtung

Anlage 1
55
Fortsetzung Tabelle A1
a
b
c
d
e
f
g
h
i
j
entsprechend der Zuarbeit Sachsens zum Vogelschutzbericht gem. Art. 12 VS-RL
k
l
Normalerweise sind bei den Kolonie brütenden Möwen und Seeschwalben HPA ausreichend; RNA, die sich nur auf die Brutkolonie in
Gesamtheit beziehen können, können ggf. bei ungleichmäßiger Nutzung der potenziellen Nahrungshabitate in Betracht kommen.
landesspezifische Abweichung von UMK (2020c); hier: wegen der besonderen Situation der Braunkohlefolge- und Teichgebiete
Entsprechend UMK (2020c, so auch z.B. LUBW 2021) gilt die Kollisionsgefahr bei den Weihen-Arten und dem Uhu i.d.R. nur, wenn die Höhe
der Rotorunterkante weniger als 30 bis 50 m bzw. in hügeligem Gelände weniger als 80 m beträgt; in Ausnahmefällen können kritische
Flughöhen erreicht werden (z.B. Balzflüge, Geländestufen), deren Risiken einzelfallspezifisch abzuschätzen sind.
Abweichungen von LAG VSW (2015) bzgl. Kollisionsgefahr aufgrund UMK (2020c); als risikomindern wirkt sich zudem der weitgehende
Verzicht in Sachsen auf WEA in Wäldern aus; Prüfradius entsprechend HMUKLV (2021), LUBW (2021)
Abweichung von LAG VSW (2015) aufgrund UMK (2020c)
bezogen auf regelmäßige Brutvorkommen d.h., wenn sie in mindestens drei aufeinander folgenden Jahren bestanden haben
bezogen auf Vorkommensgebiete
Freihalten von Korridoren zwischen Vorkommensgebieten
bezogen auf Kolonien
bezogen auf Balzreviere
Baumbrüter: 3.000 m

Anlage 2
56
Tabelle A2: Artspezifisches Maßnahmenspektrum zur Vermeidung und Minderung der anlagen-/betriebsbedingten Tötungs- und Störungsrisiken windkraftempfindlicher
Vogelarten;
Erläuterung siehe Kapitel 6.2#
Maßnahme
(Abstandswerte siehe Tab. A1)
Art
Baumfalke
Bekassine
Birkhuhn
Fischadler
Flussseeschwalbe
Kiebitz
Kornweihe
Kranich
Lachmöwe
Mittelmeermöwe
Rohrdommel
Rohrweihe
Rotmilan
Rotschenkel
Schwarzkopfmöwe
Schwarzmilan
Schwarzstorch
Seeadler
Silbermöwe
Steppenmöwe
Sturmmöwe
Uhu
Wachtelkönig
Waldschnepfe
Wanderfalke
Weißstorch
Wiedehopf
Wiesenweihe
Ziegenmelker
Zwergdommel
1
Freihalten des Nahbereichs zu den
Fortpflanzungsstätten
x
x
x
x
x
x
x
2
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
2
x
3
x
x
x
x
x
2
x
x
2
Einhalten des Regelabstands zu den Fortpflanzungs-
und Ruhestätten
x
x
x
x
x
x
x
2
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
2
x
x
x
x
x
x
2
x
x
3
Freihalten der wichtigen/häufig frequentierten
Nahrungshabitate und Flugkorridore im Prüfbreich
x
x
x
x
x
x
x
2
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
x
2
x
x
x
x
x
x
2
x
x
4
Vergrößerung der rotorfreien Zone über Grund
x
x
x
x
x
5
Freihalten von Wäldern
x
x
x
x
x
x
x
x
6
Freihalten der an den Brutwald angrenzenden
Freiflächen
x
7
Verzicht auf Verwendung von Gittertürmen
1
x
x
x
x
x
x
x
x
8
Dunklere Einfärbung der untersten 15 bis 20 Meter
eines Mastes, um Kollisionen von Vögeln durch
Anflüge an den Masten der WEA zu vermeiden.
1
x
9
Gestaltung der Bodennutzung in der Umgebung des
Mastfußes
1
x
x
x
x
10
Anlage von Ablenkflächen außerhalb des
Prüfbereichs
1
x
x
11
Abschaltung zur Flugzeit der Jungvögel bei
Brutvorkommen im Nahbereich
1
x
x
12
Abschaltung WEA während
Bewirtschaftungsereignissen auf Flächen im
Umkreis Rotorlänge zzgl. 200 m
1
x
x
x
x
13
Technische Systeme zur ereignisbezogenen
bedarfsgerechten Abschaltung
(x)
4
x
5
x
6
(x)
4
(x)
4
Optional
14
Betriebszeitenregelung: Abschaltung WEA am Tag
während der Balz- bzw. Brutzeit sowie während der
Zugzeit bei Ansammlungen des Rotmilans innerhalb
des Regelabstandes/Nahbereichs (s. Anlage 6#)
x
x
x
x
x
x
6
Die für den Rotmilan gewonnenen positiven Erprobungsergebnisse werden auf den Schwarzmilan übertragen.
4
Aufgrund des Flugverhaltens dieser Arten wird die artspezifische Eignung automatischer Abschaltsysteme als wahrscheinlich eingeschätzt, sie ist jedoch noch nicht (Stand 6/2021) durch veröffentlichte Erprobungsergebnisse untersetzt.
5
siehe Aschwanden & Liechti (2020)
Legende
1
Maßnahme ist für sich genommen nicht geeignet, die entsprechenden Beeinträchtigungen bei Unterschreitung des Regelabstandes zu den Fortpflanzungs- und Ruhestätten vollständig zu vermeiden.
2
In Abhängigkeit von der Höhe der Rotorunterkante (Tab. A1)
3
Mastanflüge
Standard
Grundlegend

 
Anlage 2
57
II Untersuchungsmethoden
i
Der
Untersuchungsumfang
zur Klärung der von der Planung betroffenen Vogelarten und der
im Wesentlichen von ihnen genutzten Räume wird auf der Genehmigungsebene nach Maß-
gabe der beschriebenen fachlichen Standards fallspezifisch mit der Genehmigungs- und Na-
turschutzbehörde grundsätzlich einmalig festgelegt.
Im Vorfeld der vertiefenden Untersuchung ist zunächst anhand der Habitatstruktur und der
Auswertung vorliegender Daten zu klären, ob im geplanten WEA-Bereich eine vergleichswei-
se hohe oder geringe
Konfliktträchtigkeit zur Umgebung
vorliegt. Auf dieser Grundlage ist
die konkrete Untersuchungsmethodik zu entwickeln.
Die
Sachverhaltsermittlung
soll maximal 5 Jahre bis zum Zeitpunkt der Genehmigung zu-
rückliegen. Anderenfalls ist die Validität durch die Antragstellerin oder den Antragsteller auf
der Grundlage einer fachgutachterlichen Einschätzung zu begründen.
Die
Art und die Umstände der Datenerhebung
sind auf Genehmigungsebene von der An-
tragstellerin oder den Antragsteller nachvollziehbar zu dokumentieren und von der Behörde
auf Vollständigkeit zu prüfen: Art der Erfassung, verwendete Geräte, beteiligte Personen und
Qualifikation, Datum, Uhrzeit, Sichtweite, Bewölkung, Temperatur, Niederschlag, Standorte,
besondere Ereignisse mit Auswirkungen auf die Datenerfassung. Werden die im Leitfaden
Vogelschutz/WEA vorgegebenen Mindestanforderungen der Datenerhebung bei den zur
Anwendung kommenden Erfassungsmethoden nicht erfüllt, sind die Ursachen sowie die
fachliche Belastbarkeit der Ergebnisse vom Vorhabenträger darzulegen und von der Behörde
auf Entscheidungserheblichkeit zu prüfen. Sofern die verfügbaren Daten eine nachvollzieh-
bare und begründete Entscheidung ermöglichen (ggf. durch ergänzende Einschätzung oder
Analogieschlüsse), kann die Behörde auf fehlende Angaben verzichten.
Eine
Vollständigkeit der Unterlagen
ist bei Vorliegen folgender Daten gegeben:
Zusammengetragene Altdaten (z. B. aus der Zentralen Artdatenbank des LfULG, von
der Vogelschutzwarte),
Befragungsergebnisse lokaler Ornithologen,
Horstkartierung,
grobe Habitatanalyse (Analyse der Lebensraumeignung),
Kartierung vorkommender kollisionsgefährdeter Brut- und Rastvogelarten.
Ebenfalls vorzulegen sind die bei Abstimmung des Untersuchungsumfangs mit der zuständi-
gen Naturschutzbehörde vereinbarten weitergehenden Unterlagen.
Bei der Arterhebung anfallende
Rohdaten
(z. B. Fotos [mit Lagedaten]) sind der Behörde mit
einer Beschreibung der Datenformate auf Datenträger zu übergeben. Bei der Erfassung von
artbezogenen Vorkommensdaten sind die Vorgaben des LfULG für die Erfassung von Artda-
ten
ii
sowie die speziellen Hinweise zu Vogelerfassungen
iii
zu beachten. Die Artdaten werden
i
in Anlehnung an den hessischen Leitfaden (HMUKLV 2021)
ii
https://www.natur.sachsen.de/vorgaben-des-lfulg-zur-erfassung-von-artdaten-21215.html

Anlage 2
58
im System MultiBaseCS oder in Tabellen und Systemen, die mit dem MultiBaseCS-Format
kompatibel sind, erfasst. Die Bewertung der Rohdaten in der Planung ist nachvollziehbar und
begründet zu dokumentieren. Sofern begründete Zweifel an der Verwertbarkeit der Daten
bestehen und der Vorhabenträger eine Nachbesserung ablehnt, kann die Behörde nach § 17
Abs. 4 BNatSchG die Vorlage von Gutachten verlangen.
Bei der
Konzeption von Umlenkungs- und Ausweichflächen
nach § 44 Abs. 5 Nr. 3 BNatSchG
(Ausweichen im räumlich-funktionalen Zusammenhang) kann auf artspezifische Bestandser-
fassungen vor Ort zugunsten einer Bewertung der Habitatstruktur (z. B. Wald-
art, -alter, -struktur) verzichtet werden, wenn allgemeine Erkenntnisse zu artspezifischen
Verhaltensweisen und Habitatansprüchen vor dem Hintergrund der örtlichen Gegebenheiten
sichere
Rückschlüsse auf die Eignung eines Raumes als Habitat oder auf seine Aufwertungs-
fähigkeit zulassen. Dies schließt Kenntnisse über eine bereits bestehende Besiedlung durch
die betroffene Art mit ein. Vertiefende Bestandserfassungen vor Ort – z. B. auf Flächen für
Ersatzhabitate – können umso eher erforderlich sein, je bedeutender ein betroffenes Artvor-
kommen bzw. je gravierender die zu erwartende Beeinträchtigung und je gewichtiger der
hierfür erforderliche Ausgleich ist.
Die Genehmigungsbehörde darf von der Antragstellerin oder dem Antragsteller Unterlagen
nachfordern
, wenn die Genehmigungsunterlagen unvollständig sind, dem erforderlichen
fachlichen Standard nicht genügen oder entscheidungsrelevante Fragestellungen nicht aus-
reichend in den vorgelegten Unterlagen geklärt worden sind. Sofern aus nicht von der An-
tragstellerin oder dem Antragsteller zu vertretenden Gründen die Zahl der in Tabelle A3#
aufgeführten oder vereinbarten Untersuchungstage unterschritten wird, hat die Antragstel-
lerin oder der Antragsteller hierüber unmittelbar die Genehmigungsbehörde zu informieren,
die Ergebnisrelevanz fachgutachtlich zu bewerten und begründete Vorschläge zu unterbrei-
ten, wie entgegenstehende Naturschutzbelange ausgeräumt werden können. Verbleiben
hiernach oder aufgrund von Amts wegen erfolgter Prüfungen zur Überzeugung der Geneh-
migungsbehörde begründete Zweifel an der Belastbarkeit, ist – unbeschadet der Fälle des §
7 Abs. 1, 9. BImSchV – nach der Feststellung der Defizite in den zur Genehmigung gestellten
Unterlagen unverzüglich eine Nachforderung an Untersuchungen möglich. Die Nachforde-
rung ist zu begründen.
Die Hinweise zur Erfassung gelten für ein ggf. erforderliches Monitoring oder vergleichbare
Untersuchungen entsprechend.
Die
Beobachtungszeiten
müssen sich nach den täglichen Hauptaktivitätszeiten der entspre-
chenden Arten richten. Art, Umfang, Methodik, Ausführende und deren Ausstattung sowie
Zeitpunkt und Witterung der Beobachtungen sind zu dokumentieren. Bei nachtaktiven Arten
ist die Beobachtungszeit und Methodik an die spezifischen Beobachtungsbedingungen anzu-
passen.
iii
https://www.natur.sachsen.de/kartierung-und-datenerfassung-21371.html

Anlage 2
59
Vorliegend werden möglichst vollständig die theoretisch möglichen
Untersuchungspro-
gramme
beschrieben. Es ist im konkreten Einzelfall zu klären, welche dieser Untersuchungen
erforderlich sind. Dies erfolgt auf der Grundlage eines naturschutzfachlich begründeten Vor-
schlags des Gutachters des Vorhabenträgers, der mit der im Verfahren beteiligten Genehmi-
gungs- und Naturschutzbehörde fachlich abgestimmt wird. Sofern ein Scoping-Termin im
Rahmen einer durchzuführenden UVP stattfindet, erfolgt diese Abstimmung dort. Im Zweifel
muss die Behörde begründen, warum sie umfangreichere Untersuchungen fordert.
Die technische Ausstattung hat sich an dem zum Zeitpunkt der Durchführung der Kartierung
geltenden Stand der Technik auszurichten und ist mit der zuständigen Naturschutzbehörde
abzustimmen. Die Kartierungsergebnisse werden in Kartenausschnitten mit dem Maßstab
1:10.000, ggf. auch 1:5.000 – bei Raumnutzungsanalysen auch bis 1:25.000 – als Ausdruck
und Datei (MultibaseCS-Datenbank, PDF und shape-Dateien) dargestellt und nach Vorliegen
der vollständigen Daten elektronisch übergeben. Die Datenbestände der Datenerfassung
sind auf einem üblichen Datenträger (Festplatte, DVD, Stick) der Genehmigungsbehörde zur
Kontrolle und ggf. ergänzenden Auswertungen zu überlassen. Sofern begründete Zweifel an
der Verwertbarkeit der Daten bestehen und der Vorhabenträger eine Nachbesserung ab-
lehnt, kann die Behörde nach § 17 Abs. 4 BNatSchG die Vorlage von Gutachten verlangen.
Nach Abschluss und Bestandskraft der Genehmigungsverfahren werden die Datenträger und
Kartierungsprotokolle der Vogelschutzwarte zur gesammelten Auswertung übergeben.
Zum Umgang mit
temporär genutzten Brutplätzen/Revieren
iv
:
Zur Herleitung von regelmäßigen Brutvorkommen einschließlich Wechselhorsten ist in den
Genehmigungsverfahren in folgenden Fällen von einer regelmäßigen Brut im (Wechsel-)
Horst auszugehen, soweit diese nicht durch nachgewiesene Habitatveränderungen nicht
mehr nutzbar sind (siehe auch Abbildungen A4# und A5# in Anlage 3):
bei relativ seltenen Großvögeln (See-, Fischadler, Weiß-/Schwarzstorch) sowie Brut-
kolonien von Möwen und Seeschwalben: mindestens eine Brut innerhalb der letzten
5 Jahre
bei Rotmilan, Schwarzmilan, Uhu, Baumfalke und weiteren Arten der Tabelle A1#:
mindestens eine Brut innerhalb der letzten 3 Jahre.
Eine
Telemetrierung
unterbleibt in der Regel. Sie kann zum Beispiel im Einzelfall bei FFH-
Verträglichkeitsprüfungen erforderlich sein, solange und soweit andere Informationen zum
Raumnutzungsverhalten nicht hinreichend belastbar sind, um die Genehmigungsfähigkeit zu
begründen. Auch können solch detaillierte Untersuchungen dazu dienen, Worst Case-
Ansätze zu verhindern. Soweit eine Telemetrierung von Brutvögeln zur Ermittlung der
Raumnutzung erfolgt, sind die Daten nach Auswertung für das Projekt auch der Vogel-
schutzwarte zur gesammelten Auswertung zu übergeben.
iv
Der Brutplatzschutz erlischt erst, wenn der Horst bzw. das Revier endgültig aufgegeben wurde vgl. BVerwG,
Urt. v. 21.06.2006, 9 A 28/05, Rn. 33 zu Vorgängerregelungen; OVG Lüneburg, Urt. v. 31.07.2018, 7 KS 17/16,
Rn. 297

Anlage 2
60
Sofern
Raumnutzungsanalysen
im Einzelfall vorgesehen werden, ist hierfür in der Regel ein
Beobachtungsjahr vorzusehen. Dies ist ausreichend, um funktionale Zusammenhänge in der
Raumnutzung zu erkennen. Sofern im Untersuchungsjahr ein Wechselhabitat nicht genutzt
wird, ist für die artenschutzrechtliche Prüfung eine begründete fachliche Einschätzung an-
hand einer Habitatpotenzialanalyse vorzunehmen.
Der
großräumige Vogelzug
bei Großvögeln (Frühjahrs- und Herbstzug für Kraniche und
Wildgänse) ist als gegeben zu unterstellen und bedarf keiner vorhabenspezifischen Untersu-
chung. Regelmäßig ist hierbei von keinem erhöhten Tötungsrisiko auszugehen.
v
Bezugspunkt der Sachverhaltsermittlung gemäß der nachstehenden Tabelle ist die mögliche
Wirkung auf den Standort der geplanten WEA. Die Erfassung erfolgt bei bekannten oder an-
zunehmenden Querungen des Projektbereichs, sofern die nachstehenden Abstände unter-
schritten werden.
Tabelle A3: Untersuchungsmethoden
vi
Untersuchungsziel
Untersuchungsraum
iii
Methode
Dokumentation
Erfassung
Brutvögel
Windkraftempfindliche Arten:
In der Regel im Radius des
artspezifischen Prüfbereichs
gemäß Tabelle A1# (Spalte 9) um
die geplante WEA.
Windkraftempfindliche Arten
ohne Prüfbereich:
In der Regel 2 km um die geplan-
te WEA.
Abfrage
von amtlichen Daten sowie
bei Experten
Digitale Dokumentation
und kartografische Darstel-
lung der
Revierzentren
(Brutplätze) und Reviere in
topografischen Karten im
Maßstab 1:5.000 bzw.
1:10.000.
Ziel:
Erfassung der Fortpflan-
zungs- und Ruhestätten
Windkraftempfindliche Arten:
In der Regel im Radius des
artspezifischen Regelabstandes
gemäß Tabelle A1 (Spalte 8) um
die geplante WEA,
zuzüglich 500 m
vii
.
Nicht Windkraftempfindliche
Arten:
In der Regel im 300 m-Radius um
die geplanten WEA und im 100
m-Radius zur benötigten Versor-
gungsinfrastruktur (Zuwegun-
gen, Leitungstrassen, Stellplätze
für Kran und Kranausleger,
Lagerplätze für Baumaterialien).
Selektive, qualitative Erfassung
Revierkartierung
von Anfang März bis
Ende Juli (vgl. S
ÜDBECK ET AL. 2005) für alle
Vogelarten im Umfeld von WEA.
10 Erfassungstage
verteilt auf die Revier-
besetzungs- und Brutzeit, mit Abständen
von mindestens einer Woche. Zusätzlich 1-
3 Dämmerungs-/ Nachtbegehungen
spätestens ab Anfang Februar für die
Erfassung nachtaktiver Arten (z. B. Uhu).
Bei Groß-, Greifvogelarten:
Horstsuche
in
der
unbelaubten Zeit
(November bis Februar).
Bei Greifvogelarten, Uhu
und Schwarzstorch sind
regelmäßig genutzte
Wechselnester/- horste
mit zu erfassen und in die
Artenschutzprüfung einzu-
beziehen.
v
siehe auch OVG Koblenz Urteil vom 31.10.2019 1 A 11643/17
vi
Teilaspekte werden in Anlage 3# visualisiert
vii
Dadurch wird sichergestellt, dass auch randlich des empfohlenen Regelabstandes gelegene Brutreviere oder Wechselhorste bei der
artenschutzrechtlichen Bewertung Berücksichtigung finden.

Anlage 2
61
Untersuchungsziel
Untersuchungsraum
iii
Methode
Dokumentation
Prüfung der Einhaltung
artspezifischer
Abstandswerte
gemäß Tabelle A1, Anl. 1#
Ziel:
Ausschluss von arten-
schutzrechtlichen Ver-
botstatbeständen
Windkraftempfindliche Arten:
Artspezifischer Nahbereich,
Regelabstand und Prüfbereich
gemäß Tabelle A1#
Arten ohne Prüfbereich:
2 km Prüfbereich um das Nest
bzw. den angenommenen Re-
viermittelpunkt
Abstandsbetrachtung (AB)
Ermittlung des
Habitatpotenzials
Ziel: Erfassung der
-
hochwertigen Habitate
(v.a. Nahrungshabitate)
-
bevorzugten Flugwege
-
Geländemerkmale, die
das Raumnutzungsver-
halten voraussichtlich
maßgeblich steuern (z.
B. Täler, Bergrücken,
Hangkanten).
Ziele, z. B.:
-
Klärung der Betroffen-
heit essentieller Habita-
te
-
Ökologischer Kontext für
RNA (keine Überinter-
pretation vereinzelter
Flugbewegungen)
Windkraftempfindliche Arten:
Im artspezifischen Prüfbereich
um das Nest bzw. den ange-
nommenen Reviermittelpunkt
(siehe Tabelle A1#, Spalte 9)
Arten ohne Prüfbereich:
2 km um das Nest bzw. den
angenommenen Reviermittel-
punkt
Habitatpotenzialanalyse (HPA)
1) Einschätzung potenziell geeigneter
Nahrungshabitate der zu beurteilenden
Art auf Grundlage vorhandener Daten ,
z.B. Luftbilder, Topografische Karten zur
Erfassung der Höhenlinien, Biotoptypen-
kartierungen, Daten zur Gewässerstruk-
turgüte und der typischen Verhaltensmus-
ter und ökologischen Ansprüchen der
Art.
viii
2) Verifizierung der Ergebnisse im Gelände
und ggf. Untersetzung mit Einzelbeobach-
tungen bzw. indirekten Hinweisen auf die
Anwesenheit der Art (Federn, Rupfungen,
Gewölle, Beutereste, etc.). Hierfür werden
i. d. R. zwei Begehungen durchgeführt.
3) Ermittlung der zu erwartenden artspezi-
fischen Flughöhen und des Freiraums
zwischen Vegetationsoberfläche und
Rotorunterkante
4) Ableitung, ob für bestimmte Flächen
anzunehmen ist, dass sie wegen ihrer
hohen Habitatwertigkeit zu einer hohen
Raumnutzung durch Arten führen oder
wertvolle Flugkorridore bilden. Einstufung
Wertstufen A,B,C entsprechend Kapitel
5.1.1.2# wird verwiesen.
Schwarzstorch:
Zusätzlich Ableitung, ob durch die WEA-
Planung voraussichtlich die folgenden
flugkritischen Situationen
ix
entstehen:
-
aufgrund Sattellage der geplanten WEA
kein kleinräumiges Umfliegen möglich
-
Lage geplanter WEA in Hangbereichen
mit Aufwinden, die bei Pendelflügen zu
essentiellen Nahrungshabitaten zum
„Aufkreisen“ in größere Höhen genutzt
werden
Kartografische Darstellung
der Ergebnisse zusammen
mit den kartierten und
recherchierten Brutvor-
kommen (siehe Beispiel
zum Uhu in Anlage 3#)
viii
Angaben zum Lebensraum und zur Ökologie der Arten können den WWW-Arbeitshilfen des LfULG entnommen wer-
den.
https://www.natur.sachsen.de/arbeitshilfen-artenschutz-20609.html
:
Exceltabelle „In Sachsen auftretende Vogelarten“ und von dort
verlinkte Artensteckbriefe.
ix
Diese Konstellationen können dann Anlass für eine RNA zur Einschätzung des Kollisionsrisikos für Schwarzstörche geben. Da die Konstella-
tionen in Sachsen aufgrund Topografie und weitgehendem Verzicht auf WEA in Wäldern sehr selten zu erwarten sind, wird auf eine Me-
thodendarstellung im Einzelnen an dieser Stelle verzichtet und auf den hessischen Leitfaden (HMUKLV 2021) verwiesen.

Anlage 2
62
Untersuchungsziel
Untersuchungsraum
iii
Methode
Dokumentation
Empirische Ermittlung der
Raumnutzung
Ziel:
Funktionale Zusammen-
hänge zwischen Brut- und
Nahrungshabitaten/
Schlaf- und Nahrungshabi-
taten
Anwendung insbesondere
bei:
-
HPA mit uneindeutigem
Ergebnis
-
HPA lässt überdurch-
schnittliche Raumnut-
zung der Art im Vorha-
bensbereich erwarten
Betrachtet werden Brutpaare
Der Untersuchungsraum wird
durch die Lage fester Beobach-
tungspunkte bestimmt.
Die Zahl der Punkte ist abhängig
von der Topographie, Waldbe-
deckung, Ausdehnung und
Anordnung WEA in Windparks
etc.
In Untersuchungsgebieten mit
hoher Struktur- und Reliefvielfalt
sind zumindest zeitweise Syn-
chron-Erfassungen durch zwei
Personen zu empfehlen.
Die Erfassungsstandorte sind in
Abhängigkeit vom geplanten
WEA-Standort und im Radius von
1 bis 3 km zum Brutplatz
zu
wählen.
Es sollten vorrangig Beobach-
tungstage mit günstigen witte-
rungsbedingten Sichtverhältnis-
sen in die Auswertung einflie-
ßen.
Raumnutzungsanalyse (RNA)
Die Erfassung erfolgt durch fachlich ver-
sierte Ornithologen und mit hoch vergrö-
ßernder Optik (mindestens 20-fache
Vergrößerung). Auf den Einsatz von Hub-
steigern etc. kann bei geschickter Wahl
der Beobachtungspunkte verzichtet wer-
den.
Die Genauigkeit der Verortung kann über
Laser Rangefinder erheblich verbessert
werden, indem technische Hilfsmittel die
räumlichen Koordinaten des Vogels erfas-
sen (Reichweite: 1 bis 4 km). Unter Um-
ständen kann auch eine automatische
Dauerbeobachtung durch 3D-Radargeräte
oder Videokameras infrage kommen,
wenn diese Praxisreife und Wirtschaftlich-
keit erlangt haben. Dabei ist die Reichwei-
te dieser Geräte zu beachten (Rangefinder
1-4 km, Video bisher < 1 km, 3D-Radar >
1,5 km.)
Artübergreifend
Beobachtungsdauer:
6 Stunden
pro Begehung und Kartierung
während Tagesaktivitätsmaxima der
einzelnen Arten.
Art der RNA
:
Im Regelfall
Brutpaar bezogene RNA
mit
Ausnahme der Koloniebrüter (Möwen,
Seeschwalben, s.u.);
Auswertung:
mittels
Rasteranalysen
(siehe Anlage 4#)
Bewertung der RNA
:
Die
Signifikanzschwelle
ist bei Lage des
Vorhabens im Bereich mit
≥ 75 Prozent
der Flugaktivität um den
Horst erreicht.
Milane, Weihen, Störche, Fischadler
Untersuchungszeitraum:
Anfang März bis Ende August
(Balz- bis Bettelflugperiode)
Untersuchungsumfang
:
Im Gesamtzeitraum sind je zu untersu-
chender Art insgesamt mindestens
108
Stunden
Untersuchungszeit vorzusehen.
Bei mehreren Beobachtungspunkten sind
dabei mindestens 54 Stunden je Beobach-
tungspunkt einzuhalten. Sie können je
nach Aktivitätsphase der Vögel gruppiert
oder verteilt werden,
z. B.
Rotmilan:
-
Anfang März bis Ende März
(Balz):
3 Erfassungstage
-
Anfang April bis Mitte Mai
(Brut):
4 Erfassungstage
-
Ende Mai bis Ende Juli
(Nestlingszeit):
8 Erfassungstage
-
Anfang bis Ende August
Digitale Dokumentation
sowie Darstellen
der
Richtungsflüge
zwischen
Brut- und Nahrungshabitat
oder Schlaf- und Nah-
rungshabitat in topografi-
schen Karten im Maßstab
1:25.000 sowie als Raum-
nutzungsraster in Raster-
karten (Rasterzellen mit
einer Größe von 250 m x
250 m).
Flugbewegungen der
verschiedenen Arten
,
differenziert nach Art der
Bewegung (Balz-/ Territo-
rialflüge; Kreisen/ Stre-
ckenflug/ Nahrungsflug
usw.) möglichst in der
Rasterkarte.
Zudem sind die
Zeitanteile
aufzunehmen (absolut,
prozentual).
Die für die jeweilige Art
relevante Bewirtschaftung
und einzelne Bewirtschaf-
tungsereignisse
sind zu
dokumentieren. Im
Standortumfeld sind
möglichst die realen
Flächennutzungen nach
der Schlagkartei der letz-
ten Jahre bzw. Forstein-
richtung zu dokumentie-
ren.

Anlage 2
63
Untersuchungsziel
Untersuchungsraum
iii
Methode
Dokumentation
(Ästlingszeit):
3 Erfassungstage.
Schwarzmilan:
-
Anfang April bis Ende April
(Balz):
3 Erfassungstage
-
Anfang Mai bis Ende Mai
(Brut):
4 Erfassungstage
-
Anfang Juni bis Ende Juli
(Nestlingszeit):
8 Erfassungstage
-
Anfang bis Ende August
(Ästlingszeit):
3 Erfassungstage.
Weihen:
-
Anfang April bis Ende April
(Balz):
3 Erfassungstage
-
Anfang Mai bis Anfang Juni
(Brut):
4 Erfassungstage
-
Mitte Juni bis Ende Juli
(Nestlingszeit):
8 Erfassungstage
-
Anfang bis Ende August
(Ästlingszeit):
3 Erfassungstage.
Weißstorch:
-
Ende Februar bis Mitte April:
(Balz)
5 Erfassungstage von exponierten
Standorten.
-
Ende April bis Mitte Mai:
(Brut)
3 Erfassungstage.
-
Ende Mai bis Ende Juli:
(Nestlingszeit)
8 Erfassungstage.
-
Anfang bis Mitte August:
(Ästlingszeit)
2 Erfassungstage.
Fischadler:
-
Ende März bis Mitte April
(Balzzeit):
4 Erfassungstage
-
Ende April bis Mitte Mai
(Brutzeit):
4 Erfassungstage.
-
Ende Mai bis Mitte Juli
(Nestlingszeit):
6 Erfassungstage
-
Ende Juli bis Anfang September (Äst-
lingszeit):
4 Erfassungstage
Seeadler
Untersuchungszeitraum:
Aufgrund der
ganzjährigen
Anwesenheit
muss auch außerhalb der Brutzeit von
hohen Flugaktivitäten im Brutrevier aus-
gegangen werden.
Untersuchungsumfang
:
Es sind insgesamt mindestens
240 Stun-
den
Untersuchungszeit vorzusehen. Die

Anlage 2
64
Untersuchungsziel
Untersuchungsraum
iii
Methode
Dokumentation
Erfassungsschwerpunkte sollen die Mona-
te mit Balz und Horstbau (Januar bis
Februar) sowie die Nestlingszeit (Anfang
April bis Ende Juli) umfassen.
Möwen, Seeschwalben (Koloniebrüter)
Art der RNA
:
I.d.R. ist HPA ausreichend; RNA nur bei
ungleichmäßige Nutzung der potenziellen
Nahrungshabitate, wobei sich die RNA auf
das Brutvorkommen in seiner Gesamtheit
(d. h. die Kolonie) bezieht. Nach Möglich-
keit wird die Brutkolonie vollständig
umstellt. Abfliegende Vögel werden als
Individuum oder als Trupp gezählt.
Untersuchungsumfang
:
Mindestens 60 Stunden (Flussseeschwal-
be), 78 Stunden (Möwen)
Untersuchungszeitraum:
Schwerpunkt zur Besetzung der Kolo-
nie/Balz und zur Nestlingszeit.
Uhu:
Bei dieser dämmerungs- und nachtaktiven
Art ist keine RNA durchzuführen. Stattdes-
sen erfolgt die Kartierung singender
Männchen und rufender Weibchen. Bei
einem Negativnachweis wird der Einsatz
einer Klangattrappe oder indirekte Nach-
weise (bekalkte Stellen, Rupfungen, Igel-
häute usw.) in Verbindung mit einer HPA
empfohlen.
Wanderfalke, Baumfalke:
Wegen ihres sehr rasanten Flugverhaltens
in großen Höhen ist bei diesen Arten
ebenfalls keine RNA sinnvoll. Für sie bleibt
daher in der Regel die Beurteilung des
Sachverhalts auf Basis der HPA.
Rastvogelerfassung
(Ruhestätten)
Mindestens 2 Kilometer
im
Radius um die geplanten WEA
Standorte sowie ggf. im Einzugs-
bereich des Untersuchungsge-
bietes gelegene, für Rastvögel
geeignete Bereiche (siehe Prüf-
bereiche der LAG VSW 2015).
Flächendeckende Kontrollen von stö-
rungsempfindlichen Offenlandarten im
Frühjahr (Mitte Februar bis Ende April)
und Herbst (August bis November).
Erfassung in den Hauptrastzeiten (Mitte
März bis Ende April und August bis Okto-
ber) 1 x wöchentlich, sonst alle zwei
Wochen bei guten Witterungsverhältnis-
sen.
Erfassen der Winterrastbestände der
Kornweihe sowie rastender Wasservögel
wie Gänse (Oktober bis Ende März) bei
Bedarf.
Erfassen von Kranichrastgebieten u.
Funktionsraumbetrachtung zwischen
Ruhe- (Schlafplätzen) und Nahrungsgebie-
ten
Digitale Dokumentation
und kartographische
Darstellung der Rastgebie-
te in topographischer
Karte Maßstab 1 : 5.000
bzw. 1 : 10.000, Eintragung
von möglichen Funktions-
beziehungen.

Anlage 2
65
Untersuchungsziel
Untersuchungsraum
iii
Methode
Dokumentation
Zugvogelerfassung
(Herbstzug)
(Frühjahreszug)
1 Kilometer
im Radius um die
Anlagenstandorte bei Kleinvö-
geln, bei Großvögeln auch dar-
über hinaus.
Von weiten, Übersicht bietenden Gelän-
depunkten wird der nähere Luftraum in
regelmäßigen Rundblicken mit dem Fern-
glas nach ziehenden Vögeln abgesucht.
Dabei zu erfassen sind: Art, Anzahl, ge-
schätzte Flughöhen (< 100 m, 100 bis 200
m und > 200 m) Flugrichtung, Datum,
Uhrzeit sowie Beobachtungspunkte.
Wöchentliche Zählungen an mindestens 8
Tagen zwischen Mitte September und
Mitte November im Zeitraum ab Sonnen-
aufgang bis 4 Std. danach. Einteilung des
Herkunftshorizontes in drei gleich große
Abschnitte, ununterbrochen von W nach
O, fünf Minuten auf ziehende Vögel absu-
chen, nach 15 Min. beginnt neue Zählein-
heit.
Der rasch verlaufende Heimzug bei vor-
herrschender Rückenwind-Situation und
geringen Zugfrequenzen
ist - ausgenommen des Kranichzu-
ges - vernachlässigbar.
Die ermittelten Zug- und
Wanderräume
sowie Flughöhen
sind in Karten im Maßstab
1 : 10.000, ggf. auch
1 : 5.000
einzutragen und in ihren
regionalen
Bezügen darzustellen.
Vergleich der ermittelten
Werte
je Zugroute untereinander
und
mit überregionalen Wer-
ten.

image
 
Anlage 3
66
III Grafiken zur Illustration der Untersuchungsmethoden
Abbildung A1#: Beispielskizze (nicht alle Zeichnungselemente sind maßstabsgetreu abgebildet) einer HPA für
ein Brutvorkommen eines Uhus, das im Betrachtungsraum nachgewiesen wurde; der in der Abbildung ange-
gebene Mindestabstand entspricht dem Regelabstand in Tabelle A1# (Quelle: TLUG 2017).
Erläuterung des Beispiels: Die nächtlichen Aktivitäten des Uhus konzentrieren sich auf ein Revier, das sich in
der Regel bis 3 km um den Brutplatz ausdehnt. Im Bereich des Mindest- = Regelabstandes (Tabelle A1#) ist
voraussichtlich von vielen Überflügen auszugehen. Das Flugverhalten des Uhus ist durch wenige Kurzflüge ge-
kennzeichnet, die sich oftmals an vorhandenen Strukturen orientieren. Nur selten kommen längere Strecken-
flüge in weiter entfernt liegende Nahrungshabitate vor. Viele Flüge werden von Sitzwarten aus unternommen,
die regelmäßig angeflogen werden. Im dargestellten Beispiel werden die wichtigsten Nahrungsflächen durch
Leitlinien (Waldränder, Fließgewässer, Hangkanten) gegliedert und abgegrenzt. Zusätzlich konnte ein langsam
ansteigendes Bachtal (Kerbtal) lokalisiert werden, das ein gut befliegbares Areal zu attraktiven Nahrungsflächen
im Westen des Prüfbereichs eröffnet. Zwischen dem Vorhabenstandort und dem Brutvorkommen befindet sich
eine dicht bewaldete Plateaulage, die vom Uhu gemieden wird und vermutlich eine Barrierefunktion darstellt,
so dass für den Vorhabenstandort wenige Überflüge zu erwarten sind. Bei der Geländebegehung konnten die
anhand des Orthophotos vermuteten Strukturen und die daraus resultierende Raumnutzung bestätigt werden.
Dies gelang über Sichtbeobachtungen und akustische Nachweise, aber auch durch indirekte Hinweise, die auf
die Anwesenheit der Art hindeuten. Dazu gehörten Federn, Rupfungen, Gewölle und Beutereste. Aufgrund der
ausreichenden Klärung des Sachverhalts wurde im vorliegenden Beispiel auf eine weitere Bewertung der Ört-
lichkeiten als geeignetes Nahrungshabitat verzichtet und davon ausgegangen, dass kein artenschutzrechtliches
Konfliktpotenzial besteht.

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Anlage 3
67
Abbildung A2#: Schematische Darstellung (nicht alle Zeichnungselemente sind maßstabsgetreu abgebildet)
zum räumlichen Bezug der jeweiligen Kartierungen und Datenrecherchen im Fall von mehreren Anlagen an
einem Standort; der in der Abbildung angegebene Mindestabstand entspricht dem Regelabstand in Tabelle
A1#; Quelle: LAG VSW (2020).

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Anlage 3
68
Abbildung A3#: Beispielskizze zur Verortung eines Brutvorkommens des Rotmilans, wenn konkrete Nest-
standorte nicht ermittelt werden können, sondern z.B. lediglich der Brutzeitcode B6 über einem Feldgehölz
in der Nähe des Vorhabenstandortes kartiert werden kann. In diesem Fall kann die Abgrenzung der Fort-
pflanzungsstätte über „idealisierte Reviermittelpunkte“ (HVNL et al. 2012) erfolgen. Zur Verortung wird der
Mittelpunkt des Gehölzes angenommen. Diese Vorgehensweise setzt voraus, dass insbesondere der Gehölz-
rand (ca. ein bis zwei Baumlängen), der dem Vorhabenstandort zugewandt ist, intensiv abgesucht und kein
Horst gefunden wurde; der in der Abbildung angegebene Mindestabstand entspricht dem Regelabstand in
Tabelle A1; Quelle: LAG VSW (2020)

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Anlage 3
69
Abbildung A4#: Beispielskizze (nicht alle Zeichnungselemente sind maßstabsgetreu abgebildet) für einen
Wechselhorst
i
des Rotmilans. Der Horst aus dem Vorjahr wird aktuell durch einen Kolkraben genutzt, wäh-
rend der Rotmilan ca. 1 km weiter östlich einen neuen Horst errichtet hat. Für die artenschutzrechtliche Be-
wertung ist auch der in diesem Jahr durch den Kolkraben besetzte Horst relevant; der in der Abbildung ange-
gebene Mindestabstand entspricht dem Regelabstand in Tabelle A1#; Quelle: LAG VSW (2020)
i
Zum funktionellen Schutzregime von Lebensstätten siehe BVerwG, Urt. v. 18.03.2009, 9 A 39/07, Rn. 66;
BVerwG, Urt. v. 13.05.2009, 9 A 73/07, Rn. 90; OVG M-V, Beschl. v. 31.03.2017, 1 M 493/16, Rn. 15

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Anlage 3
70
Abbildung A5#: Fallbeispiele zur Beurteilung temporärer Lebensstätten – hier eines Horststandortes des
Rotmilans - im Hinblick auf die artenschutzrechtliche Bewertung im Rahmen der speziellen artenschutzrecht-
lichen Prüfung. Quelle: LAG VSW (2020).
Fall A: Ein im Vorjahr für den Rotmilan kartierter Horst wird aktuell durch einen Kolkraben besetzt. Der Horst
ist weiterhin als Wechselhorst für den Rotmilan innerhalb der artenschutzrechtlichen Prüfung zu berücksich-
tigen (vgl. auch Abbildung A4#) und weitere zwei Brutperioden zu kontrollieren, bevor er ggf. als „endgültig
aufgegeben“ eingestuft werden kann.
Fall B: Der im Vorjahr von einem Rotmilan genutzte Horstbaum hat während eines Herbststurmes einen
Kronenbruch erlitten. Der Horst ist dabei abgestürzt. Der Baum ist zukünftig nicht mehr als Brutplatz geeig-
net. Der Horststandort ist ab sofort als „endgültig aufgegeben“ einzustufen. Die artenschutzrechtliche Prü-
fung konzentriert sich auf das weiterhin besetzte Revier, um den neuen Brutplatz zu lokalisieren.
Fall C: Der im Vorjahr von einem Rotmilan genutzte Horstbaum musste im Ergebnis einer Verkehrssiche-
rungsmaßnahme freigestellt werden und ist zukünftig nicht mehr als Brutplatz geeignet. Der Horst wurde
dementsprechend in der aktuellen Brutsaison nicht mehr aufgebaut. Der Horststandort ist ab sofort als
„endgültig aufgegeben“ einzustufen und über die Abstandsempfehlung nicht mehr zu bewerten. Die arten-
schutzrechtliche Prüfung konzentriert sich auf das weiterhin besetzte Revier, um den neuen Brutplatz zu lo-
kalisieren.
Fall D: Der im Vorjahr von einem Rotmilan genutzte Horst wurde in der aktuellen Brutsaison nicht mehr
aufgebaut. Die Ursache(n) dafür sind unbekannt. Der Horst ist weiterhin als Wechselhorst für den Rotmilan
innerhalb der artenschutzrechtlichen Prüfung zu berücksichtigen und weitere zwei Brutperioden zu kontrol-
lieren, bevor er ggf. als „endgültig aufgegeben“ eingestuft werden kann.
Fall E (ohne grafische Darstellung): Horst oder Horstbaum sind nicht mehr vorhanden und die Rotmilane
haben das Revier verlassen. Die übrige Revierausstattung ist geblieben (Nahrungshabitate, Störungsarmut
usw.). Da somit die wesentliche Revierqualität erhalten geblieben ist, und die Vögel einen neuen Horst bau-
en können, ist das Revier nach wie vor als solches zu behandeln, mit der (ehemaligen) Horstumgebung als
Reviermittelpunkt
Fall F (ohne grafische Darstellung): Soweit der Horst und/oder der Horstbaum vorsätzlich beeinträchtigt,
beschädigt oder entfernt wurde/-n, sind die artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände weiterhin als erfüllt
anzusehen und im Fall streng geschützter Arten strafrechtlich zu verfolgen.

 
Anlage 4
71
IV Rasteranalyse und -bewertung im Rahmen einer brutpaarbezogenen RNA
Im Rahmen der Rasteranalyse zur RNA sind folgende Arbeitsschritte durchzuführen:
i
1. Karte der Flugpolygone
Die im RNA-Untersuchungsgebiet erfassten Flüge der Arten werden von den Feldkarten ins
GIS übertragen, sodass für jede Art eine Karte (sog. „Spaghetti-Karte“) entsteht, die alle er-
fassten Flugbewegungen über den gesamten Beobachtungszeitraum enthält (siehe Abbil-
dung 8#, graue Linien).
2. Rasterkarte mit Flugereignisklassen
Diese digitalisierten Fluglinien werden mit einem Raster verschnitten, das sich am Blatt-
schnitt der TK orientiert und Rasterzellen mit einer Größe von 250 x 250 m aufweist. Jede
Fluglinie, die eine Rasterzelle durchläuft, wird als ein Flugereignis gewertet (vgl. Abbildung
8#). Das etwaige Kreisen eines Vogels innerhalb einer Rasterzelle wird mit einem Ereignis pro
angefangene Minute gewertet. Im Anschluss werden die Ereignisse aller Rasterzellen auf-
summiert. Für die Auswertung werden alle identischen Ereigniswerte einer Ereignisklasse
zugeordnet (Abbildung 9#).
3. Ermittlung von Rasterzellen mit erhöhter (durchschnittlicher/geringer) Flugaktivität
Anschließend werden vom höchsten Ereigniswert ausgehend (in absteigender Folge) alle
Zellenwerte aufsummiert (Abbildung 9#). Die Wertstufe „erhöhte Flugaktivität“ ist bei der
Klasse erreicht, bei der die Summe der Klassenwerte den Schwellenwert übersteigt, der ent-
sprechend TLUG (2017) bei 75 % angesiedelt wird.
Mit dem gleichen Verfahren können auch die Rasterzellen ermittelt werden, die den Schwel-
lenwert, der eine geringe von einer durchschnittlichen Raumnutzung abgrenzt und den BfN
& KNE (2020) bei 33 % ansiedeln, ermittelt werden. Das geschieht durch Aufsummieren aus-
gehend von der niedrigsten Ereignisklasse „1“.
Grundsätzlich umfasst das Raster das gesamte RNA-Untersuchungsgebiet unabhängig davon,
ob in allen Zellen Beobachtungen durchgeführt werden konnten. Beispielsweise könnten
Gehölze bzw. Wälder das Beobachten von Flugbeobachtungen verhindern (bzw. es wären
artspezifisch keine Flugaktivitäten zu erwarten). Unter diesen Umständen gehen die be-
troffenen Zellen mit dem Ereigniswert „0“ in die Auswertung ein. Rasterzellen, die an vier
Seiten von Rasterzellen mit Ereigniswerten größer als der Schwellenwert umgegeben sind,
werden unabhängig von ihrem eigenen Ereigniswert als Zelle mit erhöhten Flugaktivitäten
gewertet. Sofern keine Rasterzelle mit erhöhten Flugaktivitäten den Vorhabenstandort über-
lagert, kann i. d. R. von einer Vermeidung artenschutzrechtlicher Konflikte ausgegangen
werden.
i
entsprechend des Thüringer Leitfadens (TLUG 2017) und der Ergänzung durch BfN & KNE (2020)

image
Anlage 4
72
Abbildung 8#: Fallbeispiel zum rasterbezogenen Aufsummieren der Flugereignisse im Rahmen der Rasterana-
lyse (Betrachtungsraum = Prüfbereich; nicht alle Zeichnungselemente sind maßstabsgetreu abgebildet; Quel-
le: TLUG (2017)
Erläuterung: Die grauen Punkte symbolisieren die Standorte der Beobachter. Der rote Kreis grenzt das RNA-
Untersuchungsgebiet ab, über das ein Raster mit einer Zellgröße von 250 m x 250 m gelegt wird. Die grauen
Linien kennzeichnen die Flugbewegungen des beobachteten Brutpaares. Jede dieser Linien stellt pro Rasterzel-
le ein Flugereignis dar. Die Summe aller Flugereignisse pro Rasterzelle wird durch die roten Zahlen dargestellt.
Fluglinien, die eine Zelle doppelt schneiden (verlassen und wieder zurückführen) werden doppelt gezählt (fett
grau umrandete Rasterzellen). In der rot umrandeten Rasterzelle symbolisiert die grau geschriebene „3“, dass
in dieser Zelle Thermikkreisen mit einer Dauer zwischen drei und vier Minuten beobachtet wurde. Zudem wur-
de die Zelle einmal durchflogen. Die Zelle erhält somit den Ereigniswert „4“, obwohl sie nur von zwei Fluglinien
geschnitten wird. Rasterzellen, in denen keine Flugaktivitäten beobachtet wurden, bleiben leer bzw. bekom-
men den Ereigniswert „0“. Die auf diese Weise klassifizierte Gesamtheit aller Flugbewegungen kann anschlie-
ßend über die Ermittlung eines Schwellenwertes grafisch aufbereitet und bewertet werden (vgl. Abbildung 9#).

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image
Anlage 4
73
Abbildung 9#: Fallbeispiel zur Ermittlung von Rasterzellen mit erhöhter Flugaktivität und daran anknüpfen-
der Signifikanzbewertung (Betrachtungsraum = Prüfbereich; nicht alle Zeichnungselemente sind maßstabsge-
treu abgebildet; Quelle: TLUG (2017)
Der rote Kreis grenzt das RNA-Untersuchungsgebiet ab, über das ein Raster mit einer Zellgröße von 250 m x
250 m gelegt wurde. In 88 der 400 Rasterzellen wurden insgesamt 179 Flugereignisse in neun Ereignisklassen
dokumentiert. Wenn die Summen der Zellenwerte von der höchsten Ereignisklasse abwärts aufaddiert werden,
ergibt sich einschließlich der Ereignisklasse „2“ eine Summe von 115. Durch das Hinzuzählen der Summe der
Zellenwerte in der Ereignisklasse „1“ würde das Ergebnis 75 % des Gesamtereigniswerts (179) und damit den
Schwellenwert, der eine hohe Raumnutzung von einer durchschnittlichen oder geringen Raumnutzung ab-
grenzt (vgl. Kap. 5.1.1.3#) übersteigen. Demzufolge bilden die Klassen „2“ bis „9“ die Bereiche ab, in denen eine
deutlich erhöhte Flugaktivität (hohe Raumnutzung) angenommen werden muss. Diese Bereiche sind rot darge-
stellt. Sie liegen vollständig außerhalb des Vorhabenstandortes, so dass in diesem Fall von keiner signifikanten
Erhöhung des Tötungsrisikos durch die WEA auszugehen ist, obwohl einzelne Flüge auch über den Vorhaben-
standort verlaufen. Rasterzellen mit keinen oder nur wenigen Flugaktivitäten sind grün dargestellt.

 
Anlage 5
74
V Erläuterung des Schaubildes zur stufenweisen Signifikanzprüfung (Abbildung 3#)
Stufe 1: Einschätzung der Signifikanz über Abstandsbetrachtungen
Auf Grundlage der im Rahmen des Vorhabens ermittelten avifaunistischen Kartierergebnisse lassen sich die
folgenden beiden eindeutigen Konstellationen a) und b) mit Hilfe der Abstandsbetrachtung bewerten, wohin-
gegen die Fallkonstellationen c) und d) eine weitergehende Untersuchung erfordern können.
zu a)
Die Lage eines Vorhabens außerhalb der Prüfbereiche von kollisionsempfindlichen Arten (siehe Kapitel
5.1.1.1#, Tabelle A1#, Spalte 9) indiziert eine sehr geringe Raumnutzungsfrequenz dieser Arten im Vorhabens-
bereich und somit kein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko. Hierbei handelt es sich um eine breit etablierte Re-
gelvermutung, nach der außerhalb dieser Abstände zwar Flugbewegungen auftreten können, diese aufgrund
ihrer Seltenheit jedoch nicht zu signifikant erhöhten Tötungsrisiken führen.
zu b)
Die Lage eines Vorhabens im Nahbereich um den Brutplatz (siehe Kapitel 5.1.1.1#, Tabelle A1#, Spalte
7) oder innerhalb eines Rastgebiets von kollisionsempfindlichen Arten indiziert eine hohe Raumnutzungsfre-
quenz dieser Art(en) und somit ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko. Der Nahbereich um den Brutplatz wird
als essentieller Kernbereich des Gesamthabitats von den Tieren in der Regel mit sehr hoher Frequenz genutzt.
Hier erfolgen zahlreiche Aktivitäten, die von zentraler Bedeutung für das Brutgeschäft und den Bruterfolg sind.
Ein Vorhaben innerhalb dieses Nahbereichs führt mit hoher Gewissheit zu einer hohen Frequentierung durch
die Art im Vorhabensbereich und somit zu einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko. Im Nahbereich existieren
derzeit zudem kaum Möglichkeiten einer Risikoreduktion über Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen und
es bestehen nahezu keine Chancen, erfolgreich die Ausnahmebedingungen zu erfüllen, da zumindest eine
Standortwahl in größerer Entfernung als der Nahbereich in aller Regel eine zumutbare und somit gebotene
Alternative darstellen wird. Eine vergleichbar konfliktträchtige Situation besteht, wenn ein Vorhaben innerhalb
von Rastgebieten oder Koloniebereichen WEA-sensibler Arten realisiert werden sollte. Auch hier ist offenkun-
dig von einer ausgesprochen hohen Frequentierung dieser Bereiche und von einem signifikant erhöhten Tö-
tungsrisiko auszugehen.
zu c)
Ein Vorhaben im Prüfbereich der Art (siehe Kapitel 5.1.1.1#, Tabelle A1#, Spalte 9#) erfordert eine
Sachverhaltsaufklärung / Prüfung durch eine HPA, um festzustellen, ob zum Beispiel aufgrund attraktionserhö-
hender Strukturen eine erhöhte Raumnutzung im Vorhabensbereich zu prognostizieren ist. Der „Prüfbereich“
von Arten beschreibt von Beginn an (vgl. LAG VSW 2015) den Radius des weiteren regelmäßig genutzten Akti-
onsraums, innerhalb dessen nur zu prüfen ist, ob zum Beispiel Nahrungshabitate, Schlafplätze oder andere
wichtige Habitate der betreffenden Art oder Artengruppe vorhanden sind, die regelmäßig angeflogen werden.
Für diesen Bereich besteht somit keine abstandsbasierte Regelvermutung für ein signifikant erhöhtes Tötungs-
risiko, sondern ein Aufklärungserfordernis im Hinblick auf eine etwaige erhöhte Nutzungsfrequenz im Vorha-
bensbereich. Im Ablaufprozess ist daher grundsätzlich eine weitergehende Prüfung, allerdings zunächst primär
im Hinblick auf eine erhöhte Habitateignung oder Nutzungsfrequenz, vorgesehen.
zu d)
Ein Vorhaben im Regelabstand („Mindestabstand“, „zentraler Aktionsraum“) der Art (siehe Kapitel
5.1.1.1#, Tabelle A1#, Spalte 8#) indiziert als Regelvermutung grundsätzlich eine hohe Raumnutzung im Vorha-
bensbereich, die jedoch durch eine vertiefte Untersuchung der Raumnutzung (zum Beispiel durch eine HPA)
widerlegt werden kann. Entsprechend der Hinweise der LAG VSW (2015) ist unter dem Regelabstand der Be-
reich zu verstehen, in dem der überwiegende Teil der Aktivitäten zur Brutzeit stattfindet. Die Regelabstände
sind nicht als absolute „Tabubereiche“ zu interpretieren. Für diese Bereiche ist aber von einer hohen Nutzungs-
frequenz auszugehen. Sie erlauben daher eine überschlägige Aussage zur vermutlichen Beeinträchtigung von
Vorkommen windkraftempfindlicher Vogelarten bzw. der Gefahr eines signifikant erhöhten Tötungsrisikos im
Sinne einer widerlegbaren Regelvermutung (z.B. UMK 2020c). Im Schaubild ist daher zwar grundsätzlich eine
weitergehende Prüfung, allerdings primär im Hinblick auf eine fehlende oder nachweislich geringe Habitateig-
nung oder Nutzungsfrequenz vorgesehen.
Stufe 2: Einschätzung der Signifikanz über Habitatpotenzialanalysen (HPA)
Wenn sich durch die Abstandsbetrachtungen zu einem Brutvorkommen einer WEA-sensiblen Vogelart keine
hinreichende Aussage zu einem ggf. signifikant erhöhten Tötungsrisiko ableiten lässt, kann diesbezüglich zu-
nächst eine Habitatpotenzialanalyse (HPA) durchgeführt werden. Liegt das Vorhaben (lediglich) im Prüfbe-
reich und somit außerhalb des Regelabstands der Art, sind folgende Fälle entscheidungsrelevant:

Anlage 5
75
zu e)
Indiziert die HPA im Prüfbereich eine geringe oder durchschnittliche Raumnutzung im Vorhabensbe-
reich, so ist von einem nicht signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen. Basierend auf der Grundlogik des
Prüfbereichs, nach der es im Prüfbereich um die Ermittlung bzw. Prognose von Teilhabitaten mit erhöhter
Raumnutzung geht, führen zwei der drei Einschätzungen der HPA (nämlich die geringe sowie die lediglich
durchschnittliche Habitateignung / Raumnutzung) dazu, dass von keinem signifikant erhöhten Tötungsrisiko
auszugehen ist. Im weiteren Aktionsraum und somit in größerer Entfernung zum Brutplatz genügen durch-
schnittliche Habitatausstattungen in der Regel nicht, um eine räumlich signifikant erhöhte Nutzung und somit
ein erhöhtes Kollisionsrisiko zu indizieren. Eine großräumige und diffuse Verteilung von Nahrungshabitaten
außerhalb des Regelabstands führt in der Regel nicht zu erhöhten Aufenthaltswahrscheinlichkeiten im Vorha-
bensbereich. Vielmehr müssen Nahrungshabitate eine räumlich gut abgrenzbare kleinere Teilmenge innerhalb
der Prüfkulisse des weiteren Aktionsraums darstellen, die (potenziell) regelmäßig angeflogen werden (vgl. auch
LfU Bayern 2017).
zu f)
Indiziert die HPA im Prüfbereich eine hohe Raumnutzung im Vorhabensbereich, so ist von einem signi-
fikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen. Indiziert die HPA zum Beispiel aufgrund attraktionserhöhender
Strukturen, bedeutender Nahrungsgebiete oder räumlich-funktionaler Beziehungen eine hohe Raumnutzung
im Vorhabensbereich, so ist von einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen. Wenn bedeutende
Nahrungsgebiete, Flugkorridore oder topografisch besonders geeignete Strukturen die Vögel veranlassen, re-
gelmäßig in den Vorhabensbereich zu fliegen, kann die Aufenthaltswahrscheinlichkeit und damit das Tötungsri-
siko auch erhöht sein, wenn sich das Vorhaben im Prüfbereich um den Brutplatz befindet. Die Beurteilung muss
in solchen Fällen nicht grundsätzlich durch Beobachtungen im Gelände erfolgen, sondern kann gegebenenfalls
auch aus der Analyse der Landnutzung und der wichtigsten Nahrungshabitate plausibel abgeleitet und funktio-
nal-ökologisch begründet werden.
i
Liegt das Vorhaben innerhalb des Regelabstands, jedoch außerhalb des Nahbereichs um den Brutplatz der Art,
sind folgende Fälle entscheidungsrelevant:
g)
Indiziert die HPA eine durchschnittliche oder hohe Raumnutzung im Vorhabensbereich, so ist von
einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen. Entsprechend des Grundkonzepts des Regelabstands,
nach dem hier aufgrund zu erwartender hoher Raumnutzung die Regelvermutung eines signifikant erhöhten
Tötungsrisikos besteht, führen zwei der drei Einschätzungen der HPA (nämlich die durchschnittliche sowie die
hohe Habitateignung / Raumnutzung) dazu, dass von einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen ist.
Innerhalb des Regelabstands und somit in relativer Nähe zum Brutplatz genügen durchschnittliche Habitataus-
stattungen in der Regel, um eine räumlich signifikant erhöhte Nutzung und somit erhöhtes Kollisionsrisiko zu
indizieren. Im Leitfaden des LfU Bayern (2017) wird dazu ausgeführt, dass innerhalb des Regelabstands regel-
mäßig von einem erhöhten Tötungsrisiko auszugehen sei, da das engere Umfeld eines Neststandortes alleine
durch die An- und Abflüge der brütenden und fütternden Altvögel überproportional häufig genutzt würde.
Wenn im Einzelfall begründet werden könne, dass der WEA-Standort von den Vögeln gemieden oder nur selten
überflogen wird,
ii
würde das Tötungsverbot jedoch nicht erfüllt. Diesen Sachverhalt müssten die Untersu-
chungsergebnisse in ihrem methodischen Vorgehen und ihrer Ermittlungstiefe darlegen, um die Behörde in die
Lage zu versetzen, die Voraussetzungen für das Vorliegen der artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände sach-
gerecht zu prüfen.
iii
zu h)
Indiziert die HPA eine fehlende oder geringe Raumnutzung im Vorhabensbereich, so ist von keinem
signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen. Indiziert die HPA zum Beispiel aufgrund fehlender Habitateig-
nung oder störungsbedingter Meidung eine fehlende oder geringe Raumnutzung im Vorhabensbereich, so gilt
die Regelvermutung für den Regelabstand als widerlegt. Daher ist von keinem signifikant erhöhten Tötungsrisi-
ko auszugehen. Wenn zum Beispiel klar ersichtlich ist, dass ein Brutpaar einer Art am Waldrand eines sich nach
Osten erstreckenden geschlossenen Waldgebietes brütet und wegen der artspezifischen Präferenz für be-
stimmt Nahrungshabitate zur Nahrungssuche immer nach Westen in die offene Landschaft fliegt, dann ist bei
i
VGH München, Urteil vom 29. März 2016 – 22 B 14.1875 und 22 B 14.1876, juris, Rn. 53 f. bzw. LfU Bayern
2017: 13
ii
widerlegliche Regelvermutung: VGH München, Urteil vom 29. März 2016 – 22 B 14.1875 und 22 B 14.1876,
juris, Rn. 47
iii
BVerwG, Urteil vom 27. Juni 2013 – 4 C 1.12, juris, Rn. 16; Urteil vom 21. November 2013 – 7 C 40.11, juris,
Rn. 20

Anlage 5
76
etwaigen Standorten im Osten – jedenfalls außerhalb des Nahbereichs um das Nest – in der Regel von einem
nicht signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen.
zu i)
Indiziert die HPA die Raumnutzung der Art basierend auf Biotoptypen und strukturellen Habitatpara-
metern nicht verlässlich, so sind vertiefende Untersuchungen durch eine RNA durchzuführen. Ist die HPA nicht
geeignet, eine Raumnutzung der windkraftempfindlichen Art insbesondere basierend auf Biotoptypen und
strukturellen Habitatparametern (siehe Tabelle 1#) zu indizieren und lassen sich insbesondere entgegenste-
hende verbleibende Unsicherheiten nicht durch andere Maßnahmen ausräumen, so sind ggf. vertiefende Un-
tersuchungen durch eine Raumnutzungsanalyse (RNA) durchzuführen. Dabei können auch bei strukturell ho-
mogenen oder schwer zu interpretierenden naturräumlichen Ausstattungen Nutzungspräferenzen der Tiere
feststellbar sein.
Stufe 3: Einschätzung der Signifikanzeinschätzung über Raumnutzungsanalysen (RNA)
Wenn sich durch Abstandsbetrachtungen und HPA keine hinreichende Aussage zu einem ggf. signifikant erhöh-
ten Tötungsrisiko ableiten lässt und lassen sich entgegenstehende verbleibende Unsicherheiten nicht durch
andere Maßnahmen ausräumen, kann eine Raumnutzungsanalyse (RNA) durchgeführt werden, wobei folgende
Konstellationen zu unterscheiden sind.
Liegt das Vorhaben (lediglich) im Prüfbereich und somit außerhalb des Regelabstands der Art, sind folgende
Fälle entscheidungsrelevant:
zu j)
Indiziert die RNA im Prüfbereich eine geringe oder durchschnittliche Raumnutzung im Vorhabensbe-
reich, so ist von einem nicht signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen. Basierend auf der Grundlogik des
Prüfbereichs, nach der es im Prüfbereich um die Ermittlung bzw. Prognose von Teilhabitaten mit erhöhter
Raumnutzung geht, führen zwei der drei Einschätzungen der RNA (nämlich die geringe sowie die lediglich
durchschnittliche Habitateignung / Raumnutzung) dazu, dass von keinem signifikant erhöhten Tötungsrisiko
auszugehen ist.
zu k)
Indiziert die RNA eine hohe Raumnutzung im Vorhabensbereich, so ist von einem signifikant erhöhten
Tötungsrisiko auszugehen. Indiziert die RNA zum Beispiel aufgrund attraktionserhöhender Strukturen oder
räumlich-funktionaler Beziehungen eine hohe Raumnutzung im Vorhabensbereich, so ist von einem signifikant
erhöhten Tötungsrisiko auszugehen.
Liegt das Vorhaben dagegen innerhalb des Regelabstands und außerhalb des Nahbereichs der Art, sind folgen-
de Fälle entscheidungsrelevant:
zu l)
Indiziert die RNA eine durchschnittliche oder hohe Raumnutzung im Vorhabensbereich, so ist von
einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen. Entsprechend des Grundkonzepts des Regelabstands
(s. o.), nachdem hier aufgrund zu erwartender hoher Raumnutzung die Regelvermutung eines signifikant er-
höhten Tötungsrisikos besteht, führen zwei der drei Einschätzungen der RNA (nämlich die durchschnittliche
sowie die hohe Habitateignung / Raumnutzung) dazu, dass von einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko aus-
zugehen ist.
zu m) Indiziert die RNA eine fehlende oder geringe Raumnutzung im Vorhabensbereich, so ist von keinem
signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen. Indiziert die RNA dagegen zum Beispiel aufgrund fehlender
Habitateignung oder störungsbedingter Meidung eine fehlende oder geringe Raumnutzung im Vorhabensbe-
reich, so gilt die Regelvermutung als widerlegt. Dann ist von einem nicht signifikant erhöhten Tötungsrisiko
auszugehen.

 
Anlage 6
77
VI Regelung zur bedarfsgerechten Anwendung von Betriebszeitenreglungen
i
(nähere Hinweise zur Maßnahme 13 in Tabelle A2# und zu Kapitel 6.2.3#)
a) In der Regel keine Anwendung der Betriebszeitenregelung in folgenden Fällen:
1. Kein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko prognostizierbar (Kapitel 5.1.2#).
2. Lage der geplanten WEA in einem nicht hochwertigen Arthabitat
ii
, da hier kein so regel-
mäßiger und intensiver Aufenthalt der Arten prognostiziert werden kann, dass etwaige
Restrisiken nicht über mildere Maßnahmen zur Mortalitätssenkung abgedeckt werden
könnten (z. B. rotorfreie Zone von mindestens 80 m über Grund beim Rot- und Schwarz-
milan, Habitatgestaltung).
3. Signifikant erhöhtes Tötungsrisiko einer nach der Genehmigung angesiedelten Art, da
hier in der Regel Zumutbarkeitsgründe für die Durchführung des artenschutzrechtlichen
Ausnahmeverfahrens (siehe Kapitel 7#) sprechen.
4. Erhebliche Störung der Lokalpopulation einer windkraftempfindlichen Art, da neben Ge-
wöhnungseffekten in der Regel auch Möglichkeiten zur Aufwertung der Lebensräume in
der Umgebung bestehen.
iii
5. Planung eines Windparks aus maximal 3 WEA, sofern
maximal 1 BP der in Sachsen mit mehr als 500 BP vertretenen kollisionsempfindli-
chen Arten außerhalb des Horst-Nahbereichs betroffen ist (Rotmilan, Schwarzmilan,
Lachmöwe)
folgende Maßnahmen zur Mortalitätssenkung zum Tragen kommen:
o
Mindestens 80 m rotorfreie Zone über Grund (Rot-, Schwarzmilan),
o
Habitatgestaltungen (z. B. unattraktive Bepflanzung unter den Rotoren zuzüglich
50 m-Puffer, sofern erforderlich, Ablenkungsmaßnahmen.
Ausnahmsweise ist die zweitägige Abschaltung während Mahd- oder Ernteereignissen unter
den Rotoren zuzüglich eines 50 m breiten Puffers (vgl. Richarz et al. 2013) bei Betroffenheit
kollisionsempfindlicher Arten möglich.
b) In der Regel temporäre Abschaltung am Tag als Ergänzung zur Habitatgestaltung (Ro-
torunterpflanzung, Ablenkungsmaßnahmen) in folgenden Fällen:
1. Lage geplanter WEA in hochwertigen Habitaten mit geringer Vorbelastung zum Beispiel
durch WEA sowie einer erhöhten Flugaktivität
iv
, wo keine Ablenkungsmaßnahmen mög-
lich sind. In diesen Fällen wird ein Schutz von 90 Prozent der Flugaktivität
v
vorgesehen.
i
In Anwendung des in Hessen operationalisierten Zusammenhangs zwischen Flughöhe und Windgeschwindig-
keit (siehe HKMULV 2021: 25-28).
ii
Wertstufen B und C in der HPA/RNA (Kap. 5.1.1.1#)
iii
In Vogelschutzgebieten ist neben der artenschutzrechtlichen Störung im Rahmen einer FFH-
Verträglichkeitsprüfung unter Einbeziehung von Summationswirkungen zu prüfen, ob erhebliche Beeinträchti-
gungen der Erhaltungszielarten vorhabenbedingt eintreten können.
iv
Wertstufe A in der HPA/RNA (Kap. 5.1.1.1#)
v
Für die Klassifizierung der Flugaktivitäten sollen die Windstärke abhängigen Grenzwerte entsprechend des
hessischen Leitfadens (HMUKLV 2021) Anwendung finden, die unter 2. angegeben werden. Dabei entspricht
jeweils der erste Wert dem Bereich von 90 % Flugaktivität und der in Klammern angegebene Wert dem artspe-
zifischen niedrigeren Wert zwischen 50 und 85 %.

Anlage 6
78
In allen anderen Fällen mit Betroffenheit hochwertiger Arthabitate und zugleich deutlich
überdurchschnittlicher Flugaktivität wird, sofern ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko
nicht durch eine
rotorfreie Zone von mindestens ca. 80 m über Grund (Rot-, Schwarzmilan),
unattraktive Gestaltung der Flächen unter den Rotoren zuzüglich 50 m Puffer,
Ablenkungsmaßnahme, sofern erforderlich und aufgrund der Habitatausstattung
sinnvoll („Fokussierung auf die Maßnahmenfläche“ wahrscheinlich),
zweitägige Abschaltung während Bewirtschaftungsereignissen im Umfeld um den
Mastfuß, das sich aus dem Rotorradius zuzüglich 200 m bemisst (sofern erforderlich)
ausreichend vermieden werden kann, ein ergänzender Schutz von 50 bis 85 Prozent der
Flugaktivität
iii
vorgesehen.
2. Signifikant erhöhtes Tötungsrisiko von mindestens 2 BP der Arten:
Rot- und Schwarzmilan: Schutz von rund 90 Prozent (85 Prozent) der Fluganteile in
Abhängigkeit der rotorfreien Zone über Grund und der Windgeschwindigkeit:
o
Bei rotorfreier Zone ≥ 70 m über Grund:
WEA-Abschaltung bei Windgeschwindigkeit
≤ 5,8 m/s (≤ 4,7 m/s)
im Gondelbe-
reich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
o
Bei rotorfreier Zone ≥ 80 m über Grund:
WEA-Abschaltung bei Windgeschwindigkeit
≤ 5,2 m/s (≤ 4,1 m/s)
im Gondelbe-
reich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
o
Bei rotorfreier Zone ≥ 90 m über Grund:
WEA-Abschaltung bei Windgeschwindigkeit
≤ 4,8 m/s (≤ 3,5 m/s)
im Gondelbe-
reich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
Baumfalke: Bis zum Vorliegen näherer Erkenntnisse gelten bei der Art vorsorglich die
für die Milan-Arten genannten Abschaltungen.
3. Signifikant erhöhtes Tötungsrisiko in Sachsen seltener und/oder nur noch punktuell vor-
handener Schwerpunktvorkommen kollisionsempfindlicher Arten (betrifft die Arten
Fischadler, Kornweihe, Wiesenweihe): WEA-Abschaltung von Sonnenaufgang bis Son-
nenuntergang oder Anlagenreduzierung, sofern nicht auf der Grundlage neuerer Er-
kenntnisse – zum Beispiel zum artspezifischen Flugverhalten dieser Arten oder zur Wirk-
samkeit von Ablenkungsmaßnahmen – eine andere Form der Vermeidung möglich ist.
c) Spezielle Kollisionsschutzmaßnahmen für regelmäßige Vogel-Ansammlungen:
Schutz von regelmäßigen Ansammlungen an Schlafplätzen kollisionsempfindlicher Arten
(z. B. Rotmilan) durch WEA-Abschaltung von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang während
der Anwesenheit der Tiere, sofern kein Ausweichen im räumlichen Zusammenhang und kei-
ne andere Vermeidungsmöglichkeit besteht.

 
Anlage 7
79
VII Anforderungen an Antikollisionssysteme zum Schutz von Vögeln an
Windenergieanlagen
i
i
Wiedergabe von KNE (2021): Anforderungen an Antikollisionssysteme zum Schutz von Vögeln an Windener-
gieanlagen – Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen.
14 S.

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Anforderungen an Antikollisions-
systeme zum Schutz von Vögeln an
Windenergieanlagen
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von
Antikollisionssystemen
ARBEITSHILFE

2
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
© 2021 Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
Impressum:
© KNE gGmbH, Stand XY. Juni 2021
Herausgeber:
Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
Kochstraße 6
7, 10969 Berlin
+49 30 7673738-0
info@naturschutz-energiewende.de
www.naturschutz-energiewende.de
Twitter: @KNE_tweet
YouTube: Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
V. i. S. d. P.: Dr. Torsten Raynal-Ehrke
HRB: 178532 B
Bearbeitung:
Dr. Elke Bruns, Julia Streiffeler
Zitiervorschlag:
KNE (2021): Anforderungen an Antikollisionssysteme zum Schutz von Vögeln an Windenergieanlagen
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen. 14 S.
Haftungsausschluss:
Die Inhalte dieses Dokumentes wurden nach bestem Wissen geprüft, ausgewertet und zusammenge-
stellt. Eine Haftung für die Richtigkeit sowie die Vollständigkeit der hier enthaltenen Angaben werden
ausgeschlossen. Dies betrifft insbesondere die Haftung für eventuelle Schäden, die durch die direkte
oder indirekte Nutzung der Inhalte entstehen. Sämtliche Inhalte dieses Dokumentes dienen der allge-
meinen Information. Sie können eine Beratung oder Rechtsberatung im Einzelfall nicht ersetzen.
Förderhinweis:
Entwickelt im Rahmen des FuE-
Vorhabens „Anforderungen an technisc
he Überwachungs- und
Abschaltsysteme an Windenergieanlagen“, gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit
Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Na-turschutz und nukleare Sicherheit (BMU) (FKZ:
3519861200).
Bildnachweis:
Titel: © KNE gGmbH.

3
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
© 2021 Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ............................................................................................................................................. 4
1.
Eingangsvoraussetzungen .......................................................................................................... 5
2.
Technische Leistungsfähigkeit der Detektion ........................................................................... 5
2.1
Klärung von Erfassungsreichweite und Reaktionsdistanz
................................................... 6
2.2
Klärung der zeitlichen Verfügbarkeit (Zuverlässigkeit)
.......................................................... 7
2.3
Klärung der Erfassungsrate
......................................................................................................... 8
2.4
Klärung der Differenzierung der Vogelerkennung
................................................................. 9
3.
Rechtzeitige Reaktion ................................................................................................................ 11
4.
Räumliche Abdeckung am Standort ........................................................................................ 12

4
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
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Einleitung
Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, ist es unabdingbar, den naturver-
träglichen Ausbau der Windenergie voranzutreiben. Mittlerweile sind konfliktarme Flächen für
Windenergieanlagen an Land jedoch knapp geworden.
Abschaltungen gelten als wirksam, wenn es darum geht, Kollisionsrisiken zu senken. Jedoch
führen Abschaltungen über längere Zeiträume
zum Beispiel während der gesamten Brut- und
Fortpflanzungszeit
zu starken Verlusten der Anlageneffizienz. Ereignisbezogene Abschaltun-
gen auf Basis technischer kamera- oder radarbasierter Überwachungssysteme hingegen
könnten Abschaltzeiten reduzieren. Voraussetzung ist, dass sie ebenso zuverlässig das erhöhte
Tötungsrisiko für kollisionsgefährdete Vogelarten hinreichend senken, um damit das Eintreten
des artenschutzrechtlichen Verbotstatbestandes zu verhindern. Die allgemeine Funktionsweise
von Antikollisionssystemen (AKS) und zentrale Begriffe werden in BfN et al. (2020) erklärt. KNE
(2020) liefert eine Übersicht über Funktionsweise und Erkenntnisstand zur Leistungsfähigkeit
verschiedener Systeme.
Die vorliegende Checkliste soll
solange keine landesweiten Regelungen vorliegen
Behörden
dabei unterstützen, zu beurteilen, ob ein AKS zur Senkung eines signifikant erhöhten Tötungs-
risikos an einem bestimmten Standort als fachlich geeignete Maßnahme in Frage kommt. Ziel
ist es, anhand der entscheidungsrelevanten Kriterien eine strukturierte und begründete Beur-
teilung der Maßnahme vornehmen zu können. Die Checkliste ist keine Bewertungsvorschrift
zur Beurteilung eines signifikant erhöhten Tötungsrisikos. Die abschließende Beurteilung der
Gesamtwirksamkeit des AKS am fraglichen Standort für die jeweilige Zielart sollte gutachterlich
erfolgen. Dabei muss auf die länderspezifischen Festlegungen zur Prüfung und Bewertung ei-
nes signifikant erhöhten Tötungsrisikos abgestellt werden.
Die Checkliste orientiert sich an den in Bruns et al. (2021, in Vorbereitung) formulierten Min-
destanforderungen an Antikollisionssysteme. Sie wurden im Rahmen des FuE-Vorhabens
„Anforderungen an technische Überwachungs
-
und Abschaltsysteme an Windenergieanlagen“
entwickelt. Alle Prozentangaben sind „Setzungen“ auf der Grundlage der bisherigen Erkennt-
nisse. Mit Vorliegen weiterer Erprobungsergebnisse und bei Anwendung von Modellen zur
Beurteilung des signifikant erhöhten Tötungsrisikos unter Berücksichtigung von Schutzmaß-
nahmen können sie fortgeschrieben werden.
Die Zeichen hinter den Antwortmöglichkeiten sollen eine Orientierung ermöglichen, ob die vor-
genommene Einschätzung eine unterdurchschnittliche (-/--), eine durchschnittliche (o) oder
eine überdurchschnittliche (+/++) Erfüllung der Anforderungen bedeutet. Bei durchschnittlicher
oder unterdurchschnittlicher Erfüllung steht der Einsatz in Frage oder es können weitere Infor-
mationen/Untersuchungen erforderlich sein. Zutreffende Aussagen sind anzukreuzen.

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Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
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Die Kriterien in
roter Schriftfarbe
stellen
Mindestanforderungen
dar und sollten erfüllt sein. Sie
fungieren als Eingangsvoraussetzungen (s. Kapitel 1) oder Ausschlusskriterien (s. weitere An-
forderungen in Kapitel 2). Ist eine oder mehrere der rot markierten Anforderungen nicht erfüllt,
ist eine Anwendung nicht zu empfehlen.
1. Eingangsvoraussetzungen
Ist der Einsatz eines Antikollisionssystems als Schutz- oder Verminderungsmaßnahme
erforderlich?
Die beiden Kriterien stellen Eingangsvoraussetzungen für die Systemanwendung dar und müs-
sen jeweils bejaht werden können. Sind die hier genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, sollte
von einer Anwendung abgesehen werden.
Ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko wurde nachgewiesen
1
.
Das erhöhte Tötungsrisiko kann nicht mit „milderen Mitteln“ als einer Abschaltung unter die
Signifikanzschwelle gesenkt werden.
Kann die ereignisbezogene Abschaltung die Anlageneffizienz verbessern? (optionale Ein-
gangsvoraussetzung)
Ja.
Nein.
Es liegen keine Angaben zur Abschätzung vor.
Eine ereignisbezogene Abschaltung kann die Anlageneffizienz deutlich verbessern (insbeson-
dere im Vergleich zu einer ansonsten erforderlichen pauschalen Abschaltung über die Brutzeit)
und/oder den Umsetzungsaufwand für andere Verminderungsmaßnahmen reduzieren.
2. Technische Leistungsfähigkeit der
Detektion
Die folgenden Fragen sollen eine Hilfestellung für Behörden bieten, die Einsatzmöglichkeiten
und Erfolgschancen eines Antikollisionssystems zu beurteilen.
1
Die Unterschreitung eines bestimmten Regelabstands zwischen WEA und Brutplatz reicht als Nachweis nicht aus.

6
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
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2.1 Klärung von Erfassungsreichweite und Reaktionsdistanz
Welche Angaben liegen über die Erfassungsreichweite des Systems vor?
Es liegen Angaben des Systemherstellers vor. (o)
Die Angaben beruhen auf Messungen/Validierung in mehreren Fallstudien
2
. (++)
Erläuterung:
Liegen keine von Dritten bestätigten Angaben zur Erfassungsreichweite vor, muss eine Validie-
rung am fraglichen Standort, etwa im Rahmen einer systematischen Erprobung vorgenommen
werden. Die Erfassungsreichweite allein sagt noch nichts über die Wirksamkeit aus, ermöglicht
aber eine erste Einschätzung über die Eignung eines Systems für den geplanten Einsatzbereich.
Hierzu sollten unabhängig geprüfte Informationen vorliegen. Je höher die mittlere Flugge-
schwindigkeit
der
relevanten
Art
und
je
länger
die
Abregelzeit
der
konkreten
Windenergieanlage ist, desto größer ist die erforderliche Reaktionsdistanz. Die Erfassungs-
reichweite hängt unmittelbar davon ab.
Deckt die Erfassungsreichweite mindestens den Reaktionsbereich (Radius) bzw. die Re-
aktionsdistanz ab?
Reaktionsdistanz und Erfassungsreichweite sind miteinander abzugleichen.
die Erfassungsreichweite deckt die ermittelte Reaktionsdistanz nicht ab. (-)
3
die Erfassungsreichweite deckt die ermittelte Reaktionsdistanz ab. (+)
die Erfassungsreichweite überschreitet die ermittelte Reaktionsdistanz. (++)
Erläuterung:
Wenn die Erfassungsreichweite die ermittelte Reaktionsdistanz nicht abdeckt, ist es für den Ein-
satzbereich nicht geeignet. Je weiter die Erfassungsreichweite eines Systems über den
Reaktionsbereich hinausgeht (und dabei eine hohe Erfassungsrate aufweist), desto geeigneter
ist es. Als Orientierungswert für die Mindestreichweite wird eine Entfernung von 500 Metern
empfohlen.
Unterschreitet die Entfernung zwischen WEA-Standort und Brutplatz bzw. Aktivitätsbe-
reich den anzunehmenden Reaktionsbereich?
2
Derartige Fallstudien sollten durch unabhängige Dritte geprüft und/oder veröffentlicht sein.
3
Deckt die Erfassungsreichweite die ermittelte Reaktionsdistanz nicht ab, ist dies in der Regel ein Ausschlusskrite-
rium.

7
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
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Die Entfernung zwischen WEA und Brutplatz spielt eine zentrale Rolle für die Beurteilung, ob
ein AKS eine ereignisbezogene rechtzeitige Abschaltung gewährleisten kann. Die Entfernung
zwischen Brutplatz und WEA beträgt im vorliegenden Fall:
weniger als die Reaktionsdistanz. (-)
4
mehr als die Reaktionsdistanz, aber weniger als die doppelte Reaktionsdistanz. (o)
mehr als die doppelte Reaktionsdistanz. (+)
Erläuterung:
Unterschreitet die Entfernung zwischen WEA-Standort und Brutplatz die Reaktionsdistanz, ist
dies ein Indiz dafür, dass eine rechtzeitige Abschaltung für die meisten kollisionsgefährdeten
Arten unwahrscheinlich ist.
2.2 Klärung der zeitlichen Verfügbarkeit (Zuverlässigkeit)
Je geringer die Systemausfallzeiten sind und je zuverlässiger das System läuft, desto wirksamer
kann das System in Einsatzfall sein
5
. Ist ein Systemausfall unvermeidbar, sind weitere Festle-
gungen zu treffen. Wichtig ist es, zu klären, ob Angaben zur technischen Zuverlässigkeit
vorliegen, und wie belastbar diese sind.
Liegen Angaben vor, die eine hohe zeitliche Verfügbarkeit belegen?
Es liegen keine Angaben vor. (--)
Es liegen Angaben des Systemherstellers vor. (o)
Es liegen Angaben einer unabhängigen Stelle (z. B. TÜV) vor. (++)
4
Beträgt die Entfernung zwischen WEA-Standort und Brutplatz weniger als 300 Meter, ist dies in der Regel ein Aus-
schlusskriterium.
5
Eine 100-prozentige technische Verfügbarkeit kann nicht erwartet werden.

8
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
© 2021 Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
Erläuterung:
Für den Fall, dass keine oder nur Angaben des Systemherstellers vorliegen, sollte in der Kon-
trolle der Auflagenerfüllung ein besonderes Augenmerk auf den Nachweis einer hohen zeitli-
chen Verfügbarkeit gelegt werden.
Ist eine 100-prozentige zeitliche Verfügbarkeit nicht sichergestellt, sollten im Anwendungsfall
Festlegungen getroffen werden, wie bei Systemausfällen vorzugehen ist. So kann zum Bei-spiel
bei einem Ausfall von über 2 oder über 5 Prozent eine Abschaltung vorgesehen werden. Wie
groß die Spielräume sind, hängt davon ab, wann davon ausgegangen wird, dass das Gesamt-
schutzniveau nicht mehr erreicht werden könnte.
2.3 Klärung der Erfassungsrate
Liegen auf Entfernungen bezogene artspezifisch oder zumindest größenklassenspezi-
fisch differenzierte Angaben zur Erfassungsrate vor?
Es liegen keine Angaben zur (artspezifischen) Erfassungsrate vor. (--)
6
Die Angaben beruhen auf ersten Untersuchungsergebnissen. (o)
Die Angaben beruhen auf belastbaren Untersuchungsergebnissen. (++)
Erläuterung:
Liegen keine Angaben zur Erfassungsrate vor, muss diese am fraglichen Standort durch eine
systematische Erprobung
7
ermittelt und nachgewiesen werden. Beruhen die Angaben nur auf
einer einzelnen Fallstudie für das System, muss die Übertragbarkeit geprüft und ein Nachweis
vor Ort erbracht werden. Die Erfassungsrate hängt insbesondere von der Größe des Flugobjek-
tes (hier: des Vogels) und der Entfernung ab. Grundsätzlich nimmt die Erfassungsrate mit der
Entfernung ab. Daher sollte die Erfassungsrate immer in Kombination mit der Erfassungsreich-
weite angegeben werden.
Die Erfassungsrate sollte darüber hinaus artspezifisch oder zumindest größenklassenspezifisch
angegeben werden können.
8
6
Liegen keine Angaben zur (artspezifischen) Erfassungsrate vor, ist dies in der Regel ein Ausschlusskriterium.
7
s. KNE (2019): Anforderungen an eine fachlich valide Erprobung von technischen Systemen zur bedarfsgerechten
Betriebsregulierung von Windenergieanlagen.
8
Je größer der Vogel ist, desto sicherer kann dieser in ausreichender Entfernung erfasst werden.

9
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
© 2021 Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
Wie hoch ist die angegebene art- oder größenklassenspezifische Erfassungsrate im Erfas-
sungsbereich?
Die Erfassungsrate (im Reaktionsbereichs plus Puffer) ist kleiner 75 Prozent. (-)
Die Erfassungsrate (im Reaktionsbereichs plus Puffer) ist größer/gleich 75 Prozent. (+)
Die Erfassungsrate (im Reaktionsbereichs plus Puffer) ist größer/gleich 85 Prozent. (++)
Liegt die Erfassungsrate unter 75 Prozent, kann in Anbetracht möglicher anderer Fehlerquellen
und Sichteinschränkungen nicht sichergestellt werden, dass ein ausreichendes Gesamt-Schutz-
niveau erreicht wird.
Die Angaben beruhen auf
ersten Untersuchungsergebnissen (o)
belastbaren Untersuchungsergebnissen. (++)
Erläuterung:
Je höher die Erfassungsrate, desto eher ist sichergestellt, dass die Abschaltung das signifikant
erhöhte Tötungsrisiko zuverlässig und wirksam mindert. Eine 75-Prozent-Erfassungsrate bildet
eine Untergrenze, deren Erfüllung aber noch nicht bedeutet, dass man „auf der sicheren Seite“
ist. Im Einzelfall können Erfassungsraten von 90 Prozent erforderlich werden, um eine ausrei-
chende Wirksamkeitswahrscheinlichkeit zu erreichen. Liegen keine oder lediglich erste
Untersuchungsergebnisse über die Erfassungsrate vor, muss sie am Standort durch eine (mehr-
monatige,
vorlaufende)
Systemerprobung
ermittelt
werden.
Liegen
belastbare
Untersuchungsergebnisse vor, ist deren Übertragbarkeit sorgfältig zu prüfen. Weichen die
Standortverhältnisse der Fallstudien stark vom Anwendungsfall ab, ist eine Verifizierung der
Erfassungsrate anzuraten.
2.4 Klärung der Differenzierung der Vogelerkennung
Das Vermögen, Flugobjekte durch Detektion n
icht nur zu „erfassen“, sondern auch zu „er
-ken-
nen“, ist keine Voraussetzung für die Eignung bzw. Wirksamkeit von AKS. Es ermöglicht vielmehr
eine selektive Abschaltung für die erkannten „Zielarten“ oder für Flugobjekte, die einer be-
stimmten Größenklasse angehören. Durch eine zuverlässige Selektion der Zielobjekte, für die
abzuschalten ist, kann die Zahl der Abschaltvorgänge reduziert und damit die Anlageneffizienz
gesteigert werden. Wenn ein selektives System eingesetzt werden soll, sind daran besondere
Anforderungen geknüpft.

10
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
© 2021 Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
Welche Differenzierung der Vogelerkennung leistet das System?
Es leistet eine Differenzierung nach Größenklassen.
Es leistet eine Differenzierung nach Artgruppen.
Es leistet eine Differenzierung nach Arten.
Erläuterung:
Hier handelt es sich um eine rein informative Abfrage. Die Erkennung kann sich auf die Größe
des Objektes (z. B. Spannweite) beziehen. Ein anderer Ansatz ist die Differenzierung nach Art-
gruppen. Die Erkennung kann auch zur Identifizierung einzelner Arten führen und somit eine
noch stärkere Selektion bzw. Konzentration auf eine Zielart ermöglichen.
Wie hoch ist die Erfolgsrate (Richtig-Positiv-Rate) der Erkennung
9
, differenziert nach Er-
fassungs- und/oder Reaktionsbereich?
Es liegen keine Angaben über die Erfolgsrate der Erkennung vor. (-)
Die Erfolgsrate der Erkennung im gesamten Erfassungsbereich ist größer/gleich 75 Prozent.
(+)
Die Erfolgsrate der Erkennung im Reaktionsbereich ist größer/gleich 90 Prozent. (++)
Erläuterung:
Liegen keine Angaben über die Erfolgsrate der Erkennung (Richtig-Positiv-Rate) vor, muss diese
im Rahmen einer systematischen Erprobung unter Einsatz eines Zweitsystems ermittelt wer-
den. Die Erfolgsrate sollte im Erfassungsbereich
also auch über den Reaktionsbereich hinaus
mindestens 75 Prozent betragen. Liegt die Erfolgsrate unter 75 Prozent, kann in An-betracht
möglicher anderer Fehlerquellen und Sichteinschränkungen nicht sichergestellt wer-den, dass
ein ausreichendes Gesamt-Schutzniveau erreicht wird.
Die Erfolgsrate sollte im Reaktionsbereich
bzw. an dessen äußerer Grenze
75 Prozent deut-
lich überschreiten und idealerweise bei mindestens 90 Prozent liegen.
Je höher die Erfolgsrate, desto eher ist sichergestellt, dass die Abschaltung zielgerichtet und im
Sinne der Auflagen erfolgt. Im Einzelfall kann es erforderlich sein, dass Erfassungsraten von 90
Prozent erforderlich werden. Ob und welche Fehlertoleranz bei der Erkennung eingeräumt wer-
den kann, unterliegt der gutachtlichen Beurteilung im Einzelfall.
9
Die Erkennung kann sich auf Arten oder Größenklassen beziehen, je nachdem, welcher Zweck verfolgt wird.

11
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
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3. Rechtzeitige Reaktion
Von den technischen Reaktions-Parametern hängt es ab, ob eine Abschaltung rechtzeitig und
zuverlässig erfolgen kann. Die Zeit bis zum Eintreten in den Trudelmodus ist zugleich eine wich-
tige Eingangsgröße für die Ermittlung der Reaktionsdistanz.
Welche Abregelzeit (Zeit zum Erreichen des Trudelmodus) benötigt der WEA-Typ?
größer/gleich 40 Sekunden. (-)
30-39 Sekunden. (o)
20-29 Sekunden. (+)
weniger als 20 Sekunden. (++)
Erläuterung:
Je länger die Abregelzeit, desto größer wird der Reaktionsbereich
10
. Die Reduzierung der Abre-
gelzeit ist eine wichtige Stellschraube dafür, die Leistungsfähigkeit des Systems (hier:
Reichweite) zu verbessern.
Wie wurde die Abregelzeit ermittelt bzw. nachgewiesen?
Es liegen keine WEA-typenspezifischen Angaben vor. (--)
Die Angaben beruhen auf (plausibilisierten) Angaben der WEA-Hersteller. (o)
Die Angaben beruhen auf gutachtlichen Angaben oder Fallstudien. (+)
Die Angaben beruhen auf zertifizierten Messungen (z. B. durch TÜV) (++)
Liegen keine oder keine von Dritten geprüften Angaben über die Abregelzeit des fraglichen An-
lagentyps vor, sollten diese im Rahmen von Tests an vergleichbaren Anlagen ermittelt werden.
Unabhängig geprüfte technische Informationen, z. B. vom TÜV, haben vor Gericht Bestand.
Liegen Angaben über Dauer und Zuverlässigkeit der Signalübertragung zwischen Detek-
tionssystem und Anlagensteuerung vor?
Es liegen keine Angaben vor. (--)
Die Angaben beruhen auf (plausibilisierten) Angaben der Systemhersteller. (o)
Die Angaben beruhen auf zertifizierten Messungen (z. B. TÜV). (++)
10
Pro 10 Sekunden würde die Reaktionsdistanz für den Rotmilan bei einer angenommenen mittleren Flugge-
schwindigkeit von 10,1 Meter/Sekunde (s. Bruderer und Boldt 2001) beispielsweise um 101 Meter zunehmen.

12
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
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Liegen keine oder keine von Dritten geprüften Angaben über die Signalübertragung beim frag-
lichen Analgentyp vor, sollten diese im Rahmen von Tests an vergleichbaren Anlagen ermittelt
werden. Die Zeit für die zuverlässige Signalübertragung sollte möglichst im Bereich unter einer
Sekunde („Millisekunden
-
Bereich“) liegen, damit die rechtzeit
ige Abschaltung gewährleistet
werden kann. Beträgt die Zeit für die zuverlässige Signalübertragung mehr als eine Sekunde,
sollte der Reaktionsbereich entsprechend vergrößert werden.
4. Räumliche Abdeckung am Standort
Im letzten Abschnitt geht es um standortabhängige Parameter, die jeweils abhängig von den
Voraussetzungen im Einzelfall zu beurteilen sind. Unter Umständen sind zur Klärung standort-
spezifische Untersuchungen erforderlich.
Welche Abdeckung kann am fraglichen Standort erreicht werden?
Die Abdeckungsrate im Überwachungsbereich kann beispielsweise durch eine GIS-gestützte 3-
D-Sichtbarkeits-Analyse ermittelt werden. Die Ermittlung sollte sich in der Vertikalen auf den
Bereich beziehen, der der vornehmlichen Flughöhe der relevanten Art entspricht. Abdeckungs-
lücken in bodennahen, hinsichtlich des Kollisionsrisikos unkritischen Bereichen, können
hingenommen werden. In der Horizontalen sollte sich die Ermittlung mindestens auf den Re-
aktionsbereich und darüberhinausgehend auf den Erfassungsbereich beziehen.
Bezugsraum Erfassungsbereich
Im Erfassungsbereich beträgt die Abdeckungsrate weniger als 75 Prozent. (-)
Im Erfassungsbereich beträgt die Abdeckungsrate 75 bis 79 Prozent. (+)
Im Erfassungsbereich beträgt die Abdeckungsrate mindestens 80 Prozent. (++)
Bezugsraum Reaktionsbereich
Im Reaktionsbereich kann eine Abdeckung von 80 Prozent erreicht werden. (o)
Eine Abdeckung im Reaktionsbereich von 90 Prozent kann erreicht werden (++)
Eine Abdeckung des Hauptflugkorridors im Reaktionsbereich von 90 Prozent kann erreicht
werden. (++)
Erläuterung:
Eine bestimmte Erfassungsrate kann nur erreicht werden, wenn eine ausreichende Einseh-bar-
keit des zu überwachenden Raumes besteht. Die Erfassungsrate darf nicht zu sehr durch

13
Checkliste für eine qualifizierte Entscheidung über die Anwendbarkeit von Antikollisionssystemen
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Sichthindernisse (Topografie, Bäume und Sträucher, bauliche Anlagen einschließlich der WEA)
eingeschränkt werden.
Bezogen auf den Erfassungsbereich sollte die mögliche Abdeckung radial mindestens 75 Pro-
zent betragen. Liegt die Abdeckung unter 75 Prozent und ist die Erfassungsrate ebenfalls
eingeschränkt, ist nicht gesichert, dass ein ausreichendes Gesamtschutzniveau erreicht wird.
Die Einsetzbarkeit eines AKS steht dann in Frage.
Bezogen auf den Reaktionsbereich sind die Anforderungen an möglichst uneingeschränkte Ein-
sehbarkeit höher: Hier sollte generell eine Abdeckung von mindestens 80 Prozent erreicht
werden. Gibt es eine Hauptanflugrichtung (Flugkorridor), sollte die mögliche Abdeckungsrate
in diesem Bereich möglichst noch darüber hinausgehen
ein Zielwert wäre hier 90 Prozent.
Hinweis: Neben der Abdeckungsrate (Zahl) spielt die räumliche Ausdehnung der Hindernisse,
ihre Verteilung im Raum und ihre Lage (Nähe) zur WEA eine wichtige Rolle für die Beurteilung,
ob angesichts der Abdeckung eine ausreichende Erfassungsrate erreicht werden kann. Meh-
rere „kleine Sichthindernisse“ sind weniger problematisch als größere zusammenhängende.
Kann die Abdeckungsrate durch die Positionierung
11
des Systems verbessert werden?
Aus Basis einer GIS-Analyse können verschiedene Szenarien der Positionierung (Lage, Höhe)
durchgespielt werden.
nein (--)
zum Teil (o)
ja (++)
Bei eingeschränkter räumlicher Abdeckung ist zu prüfen, ob die Abdeckung beispielsweise
durch eine erhöhte Positionierung verbessert werden kann. Zeichnen sich vor Ort keine Mög-
lichkeit der Optimierung einer eingeschränkten Einsehbarkeit (weniger als 75 Prozent) ab, sollte
vom Einsatz eines AKS abgesehen werden. Sofern Optimierungsmaßnahmen möglich sind,
sollte ihre Durchführung im Genehmigungsantrag aufgeführt werden.
Eine verminderte Abdeckungsrate kann durch eine hohe Leistungsfähigkeit an anderer Stelle
ggf. kompensiert werden. So kann eine sehr hohe sichere Erfassungsrate im Reaktionsbereich
und darüber hinaus sowie eine kurze Abregelzeit dazu beitragen, dass Einschränkungen der
Abdeckung nicht zu einer starken Senkung der Systemwirksamkeit führen.
11
Beispiele: Verbesserung der Einsehbarkeit durch Nutzung eines Turms (erhöhte Position). Variation der Positio-
nierung im Gelände zur Reduzierung des WEA-Schattens.

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Literaturverzeichnis
BfN, KNE, FA Wind (2020): Technische Systeme zur Minderung von Vogelkollisionen an Wind-
energieanlagen
Entwicklungsstand und Fragestellungen. BfN-Skript 571.
Link
zum
Dokument
(letzter Zugriff: 25.05.2021).
Bruderer, B., Boldt, A. (2001): Flight characteristics of birds: I. Radar measurements of speeds.
Ibis. 143. 178
204.
Bruns, E., Schuster, E., Streiffeler, J. (2021, in Vorbereitung): Anforderungen an technische Über-
wachungs- und Abschaltsysteme an Windenergieanlagen. Abschlussbericht der Workshopreihe
„Technische Systeme. BfN
-Skript.
KNE (2019): Anforderungen an eine fachlich valide Erprobung von technischen Systemen zur
bedarfsgerechten Betriebsregulierung von Windenergieanlagen.
Link
zum
Dokument
(letzter
Zugriff: 25.05.2021).
KNE (2020): Synopse
Detektionssysteme zur ereignisbezogenen Abschaltung von Windener-
gieanlagen zum Schutz von tagaktiven Brutvögeln.
Link
zum
Dokument
(letzter Zugriff:
25.05.2021).

Hinweise zum Entwurf bitte bis 31.07.2021 per Mail mit nachstehenden Angaben an
vogelschutz@smul.sachsen.de
Ka-
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Ausführliches Zitat der zu ändernden
Textstelle im Leitfadenentwurf
Gewünschte Korrektur (Streichung,
Änderung mit Änderungstext etc.)
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